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Rechnen, Lesen, Digitalkompetenz: Warum die Basiskompetenzen deutscher Schüler sinken
Ausgerechnet in Mathematik sowie bei computer- und informationsbezogenen Fähigkeiten zeigt der aktuelle Bildungsbericht rückläufige Werte, was die Stärkung der Basiskompetenzen zu einer der zentralen Zukunftsaufgaben macht. Ein Blick darauf, was Schulen und Elternhaus jetzt gemeinsam ändern können.
Das Wichtigste in Kürze
Der Bildungsbericht 2026 zeigt rückläufige Basiskompetenzen in Mathematik und bei digitalen Fähigkeiten. Besonders deutlich wird das bei ICILS 2023: Deutsche Achtklässler erreichen zwar über dem internationalen Mittelwert liegende 502 Punkte, das sind aber rund 20 Punkte weniger als 2018. Trotz besserer technischer Ausstattung der Schulen ist der Anteil der Jugendlichen mit geringen digitalen Kompetenzen auf über 40 Prozent gestiegen, mit deutlichen Nachteilen für Kinder mit anderer Familiensprache. Experten fordern verpflichtenden Informatikunterricht statt reiner Geräteausstattung.
Der Mitte Juni 2026 vorgestellte nationale Bildungsbericht "Bildung in Deutschland 2026" bringt eine unbequeme Wahrheit auf den Punkt: Im Bereich Schule zeigen sich weiterhin rückläufige Kompetenzentwicklungen, insbesondere in Mathematik sowie bei computer- und informationsbezogenen Kompetenzen, wie die Kultusministerkonferenz in ihrer Mitteilung zum Bericht festhält. Für Prof. Dr. Kai Maaz, Sprecher der Autorengruppe, ist die Bilanz eindeutig: Das deutsche Bildungssystem komme trotz zahlreicher Reformen kaum voran, berichtet das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung über seine Einschätzung bei der Vorstellung des Berichts.
Digitale Kompetenzen: Ein Rückgang trotz besserer Ausstattung
Besonders aufschlussreich sind die Ergebnisse der internationalen ICILS-Studie, die die digitalen Fähigkeiten von Achtklässlerinnen und Achtklässlern misst. 2023 erreichten deutsche Schüler im Schnitt 502 Punkte – ein Wert, der zwar über dem internationalen Mittelwert von 476 Punkten liegt, wie das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mitteilt. Der eigentliche Alarm liegt jedoch im Trend: 2018 lagen die Werte noch bei 518 Punkten, 2013 sogar bei 523 Punkten.
Studienleiterin Prof. Dr. Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn ordnet das im Gespräch mit dem Deutschen Schulportal so ein: Der Anteil der Jugendlichen mit sehr geringen digitalen Fähigkeiten sei innerhalb von fünf Jahren von 30 auf über 40 Prozent gestiegen – ein Rückgang, der angesichts der zahlreichen bildungspolitischen Digitalisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre zunächst überraschend wirkt.
Dabei hat sich die technische Ausstattung der Schulen in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert, und auch Lehrkräfte setzen digitale Medien heute spürbar häufiger ein – der DigitalPakt Schule von Bund und Ländern zeigt hier messbare Wirkung, wie es in der Mitteilung des BMFTR heißt. Doch die bessere Ausstattung allein reicht offenbar nicht: Nur ein geringer Teil der Jugendlichen erreicht die Kompetenzspitze, während gut 40 Prozent lediglich über Grundkenntnisse verfügen.
Herkunft entscheidet mit
Auffällig ist zudem, wie stark soziale Faktoren die digitalen Kompetenzen beeinflussen. Laut der Plattform bildung.digital erreichen Achtklässler, die zu Hause Deutsch sprechen, im Schnitt deutlich mehr Punkte als Schüler mit einer anderen Familiensprache – eine Kompetenzlücke, die in Deutschland größer ausfällt als im internationalen Durchschnitt und auch größer als in vielen anderen EU-Ländern.
Auch die Gesellschaft für Informatik zieht daraus klare Konsequenzen: Sie fordert die rasche, flächendeckende Einführung eines verpflichtenden Informatikunterrichts, wie sie in einer Stellungnahme erklärt, denn gute Geräte allein ersetzten keinen qualifizierten Unterricht.
Was das für Schulen und Eltern bedeutet
Der Bildungsbericht 2026 macht deutlich: Die Stärkung der Basiskompetenzen bleibt eine der zentralen Zukunftsaufgaben, wie die KMK-Mitteilung betont. Für Schulen heißt das konkret, digitale Bildung nicht nur als Ausstattungsfrage zu behandeln, sondern als eigenständigen, verbindlichen Lerninhalt zu verankern. Für Eltern lohnt sich ein zweiter Blick darauf, ob digitale Geräte zu Hause tatsächlich zum kompetenten Umgang mit Informationen beitragen – oder eher zur reinen Unterhaltung genutzt werden. Denn wie die Studienergebnisse zeigen, entscheidet nicht die Anzahl der Bildschirme über die Kompetenz, sondern die Qualität ihrer Nutzung.