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Bildungsgipfel gefordert: Der Bundeselternrat kämpft ums Gehört-Werden
Es ist eine merkwürdige Konstellation: Ausgerechnet die Organisation, die den 25 Millionen Schulkindern und ihren Eltern in Deutschland eine gemeinsame Stimme geben soll, steht selbst mit dem Rücken zur Wand. Der Bundeselternrat (BER), die Dachorganisation der Landeselternvertretungen, fordert seit Monaten einen bundesweiten Bildungsgipfel "auf Augenhöhe" – während er gleichzeitig um seine eigene Existenz ringt.
Das Wichtigste in Kürze
Der Bundeselternrat verliert seit 2026 seine institutionelle Förderung durch das BMFTR, seine Geschäftsstelle wurde aufgelöst, mehrere Bundesländer sind ausgetreten, und intern gab es sogar einen Streit über eine mögliche Komplettauflösung. Trotzdem hat der Verband seine Arbeit fortgesetzt: mit einer Resolution zur Schulsystemreform, konkreten Forderungen zu Schulbau und gesunder Lernumgebung, scharfer Kritik am Nationalen Bildungsbericht 2026 und dem ersten gemeinsamen Chancengipfel mit der Bundesschülerkonferenz im Juni 2026. Der geforderte bundesweite Bildungsgipfel auf Augenhöhe steht bislang noch aus.
Im Herbst 2025 flatterte dem BER ein Schreiben ins Haus, das seine Arbeit auf Jahre hinaus verändern dürfte: Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) teilte mit, dass es ab 2026 keine institutionellen Zuwendungen mehr an den Bundeselternrat zahlen werde – und das, wie der Vorstand kritisiert, sehr kurzfristig und ohne Vorwarnung. Ein Grund dafür dürfte auch sein, dass die Zuständigkeiten nach der Aufteilung des früheren Bildungsministeriums bis heute nicht sauber geklärt sind, wie es auf der Website des Bundeselternrats heißt.
Die Folgen waren konkret: Die Geschäftsstelle des BER wurde im August 2025 aufgelöst, das Inventar eingelagert, die Mitarbeitenden beendeten ihre Arbeitsverhältnisse eigenständig. Gleichzeitig kam es intern zum offenen Streit – ein kaltgestellter Vorsitzender versuchte laut einem Bericht von News4teachers sogar, die komplette Auflösung des Gremiums durchzusetzen. Der aktive Vorstand widersprach vehement und betonte, weiterhin elf Mitgliedsverbände zu vertreten und "weit weg von einem Abgrund" zu sein.
Trotzdem bleibt eine unbequeme Zahl im Raum stehen: Weil mehrere Bundesländer im Sommer und Herbst 2025 aus dem BER ausgetreten sind oder ihren Austritt angekündigt haben, ist die Vertretungsbasis des Gremiums nach eigenen Angaben auf weniger als ein Drittel der Eltern- und Schülerschaften in Deutschland gesunken.
Weitermachen trotz Finanzierungslücke
Bemerkenswert ist, wie wenig sich der BER von dieser Krise hat bremsen lassen. Schon Ende September 2025 kamen Delegierte in Halberstadt zu einer dreitägigen Klausur zusammen und verabschiedeten eine Resolution, die das deutsche Schulsystem als den aktuellen Anforderungen nicht mehr gewachsen bezeichnete – Kinder bräuchten mehr als reines Faktenwissen, hieß es, sie müssten schon in der Grundschule Lernstrategien und Lernkompetenzen vermittelt bekommen, berichtete News4teachers.
Zum Start des Schuljahres 2025/2026 legte der BER dann nach und forderte öffentlichkeitswirksam einen echten Bildungsgipfel auf Augenhöhe – mit allen, die Schule tatsächlich tragen: Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, Schulträger. "Die Sommerpause ist vorbei – und mit ihr auch die Ausreden", zitierte bildungsklick.de die Erklärung des Verbands. Als Top-Thema nannte der BER dabei unter anderem die Chancengleichheit, die nach eigener Aussage "beim Frühstück beginnt" und nicht erst beim Lerntempo endet.
Im Mai 2026 folgte die Frühjahrsplenartagung des BER, bei der es um gesunde Lernbedingungen ging: mentale Gesundheit, Ernährung und Bewegung an Schulen standen im Zentrum. Aus dieser Tagung heraus entstand eine ganze Liste konkreter Forderungen an Bund und Länder – von einem ausfinanzierten bundesweiten Schulbaukompetenzzentrum über schnellere Genehmigungsverfahren bis zu klimaresilienten Schulgebäuden mit Verschattung und Hitzeschutz, wie es auf der Website des Bundeselternrats heißt.
Der Nationale Bildungsbericht als Bestätigung – und als Munition
Als im Juni 2026 der Nationale Bildungsbericht 2026 erschien, sah sich der BER in seiner langjährigen Kritik bestätigt: Der Bildungserfolg von Kindern in Deutschland hänge nach wie vor viel zu stark von ihrer sozialen Herkunft ab. "Es reicht nicht mehr, diese Probleme regelmäßig zu dokumentieren – jetzt müssen endlich wirksame politische Konsequenzen folgen", zitierte News4teachers die Stellungnahme des Verbands. Gleichzeitig kämpften die Schulen mit Personalmangel, steigenden Anforderungen und einer immer heterogeneren Schülerschaft, so der BER weiter.
Nur wenige Wochen später, am 26. Juni 2026, bekam die Forderung nach mehr Mitsprache dann ihre bislang konkreteste Form: Gemeinsam mit der Bundesschülerkonferenz (BSK) veranstaltete der BER im Rahmen der Futuromundo-Konferenz in Stuttgart den ersten Chancengipfel. Über 50 Vertreterinnen und Vertreter aus Schüler- und Elternschaft, Politik, Wissenschaft und Praxis erarbeiteten dort – bei Temperaturen von bis zu 39 Grad, wie die Bundesschülerkonferenz selbst berichtet – ein zwölfseitiges Strategiepapier zu Digitalisierung, Gesundheit, Unterrichtsqualität und Chancengerechtigkeit, das direkt an die Politik übergeben wurde. BSK-Generalsekretärin Amy Kirchhoff brachte den Frust dabei auf den Punkt: Wie viele Studien es wohl noch brauche, bis wirklich gehandelt werde.
Was das für Eltern und Schulen bedeutet
Für Eltern, die sich in Landeselternräten oder Schulelternbeiräten engagieren, ist die Entwicklung durchaus relevant: Die bundesweite Dachorganisation, die ihre Anliegen eigentlich in Berlin bündeln soll, verhandelt gerade selbst über ihre Zukunft – über Finanzierungsmodelle, mögliche neue Trägerschaften und die Frage, wie viele Bundesländer künftig überhaupt noch mitmachen. Wer wissen will, ob die eigene Landesvertretung noch Mitglied ist, findet aktuelle Hinweise auf der Website des Bundeselternrats.
Gleichzeitig zeigt der Chancengipfel, dass sich Eltern- und Schülervertretungen nicht ausbremsen lassen, sondern zunehmend gemeinsam auftreten – ein Signal auch für Schulen, dass Mitbestimmung von Eltern und Schülerschaft künftig lauter eingefordert wird, ob mit oder ohne Bundesförderung.