Dienstag, 17. Februar 2026

LRS: Wie man sie erkennen kann und welche Vorgehensweisen sich anbieten

Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) gehört zu den häufigsten Lernherausforderungen im schulischen Kontext. Betroffene Kinder und Jugendliche zeigen trotz altersgerechter Intelligenz und ausreichender Beschulung deutliche Probleme beim Lesen und Schreiben. Dabei handelt es sich nicht um mangelnde Motivation oder fehlende Anstrengung, sondern um eine spezifische Beeinträchtigung der Schriftsprachverarbeitung.

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Eine frühzeitige Erkennung ist entscheidend, um geeignete Fördermaßnahmen einzuleiten und langfristige schulische Nachteile zu vermeiden. Gleichzeitig erfordert die Diagnostik eine sorgfältige Abgrenzung gegenüber anderen Ursachen für Lernschwierigkeiten. Die folgenden Abschnitte zeigen, worauf Eltern, Erziehungsberechtigte und Co. achten sollten.

Typische Anzeichen im Schriftspracherwerb: Probleme mit Vokalen und Lautzuordnungen

Ein zentrales Merkmal von LRS ist die unsichere Zuordnung zwischen Lauten und Buchstaben. Besonders auffällig sind Schwierigkeiten bei der Differenzierung ähnlicher Laute oder bei der korrekten Verschriftlichung in Bezug auf Vokale. Die betreffenden Kinder vertauschen Buchstaben, lassen Silben aus oder fügen zusätzliche Laute ein.

Im Lesebereich zeigen sich häufig verlangsamtes Lesetempo, stockendes Vorlesen oder Probleme beim Textverständnis. Wörter werden erraten statt systematisch erlesen. Auch das Erkennen von Reimstrukturen oder Silbengliederungen kann beeinträchtigt sein.

Im Schriftbild treten wiederkehrende Fehler auf, selbst wenn Wörter mehrfach geübt wurden. Die Fehler wirken dabei oft inkonsequent: Ein Wort kann innerhalb eines Textes unterschiedlich geschrieben werden. Diese Inkonsistenz ist ein typisches Indiz für eine phonologische Verarbeitungsstörung.

Neben sprachlichen Auffälligkeiten zeigen sich manchmal Begleiterscheinungen wie Frustration, Vermeidungsverhalten oder ein geringes Selbstvertrauen im schulischen Kontext. Diese emotionalen Reaktionen sind häufig Folge wiederholter Misserfolgserlebnisse.

Diagnostik und Abgrenzung

Die Diagnose einer LRS erfolgt in der Regel durch spezialisierte Fachkräfte, etwa Schulpsychologen oder Kinder- und Jugendpsychiater. Standardisierte Tests erfassen:

·       Lesegenauigkeit

·       Lesegeschwindigkeit

·       Rechtschreibleistung

·       phonologische Bewusstheit.

Dabei wird stets geprüft, ob die Leistungen signifikant unter dem altersentsprechenden Niveau liegen.

Wichtig ist die Abgrenzung zu allgemeinen Lernschwierigkeiten oder mangelnder Beschulung. Auch Mehrsprachigkeit kann das Schriftsprachniveau beeinflussen, ohne dass eine LRS vorliegt. Eine differenzierte Diagnostik berücksichtigt daher schulische Rahmenbedingungen, familiäre Faktoren und den bisherigen Lernverlauf.

Zudem sollte geprüft werden, ob andere Ursachen vorliegen, die ähnliche Symptome hervorrufen können. Konzentrationsprobleme, emotionale Belastungen oder schlechtes Sehen können ebenfalls zu Leistungsdefiziten im Lesen und Schreiben führen.

Fördermaßnahmen und pädagogische Ansätze: Diese Möglichkeiten gibt es

Nach gesicherter Diagnose stehen verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung. Ziel ist es, die phonologische Bewusstheit zu stärken, die Laut-Buchstaben-Zuordnung zu festigen und automatisierte Leseprozesse aufzubauen.

Spezielle Trainingsprogramme arbeiten mit wiederholenden Übungen, Silbenstrategien und strukturierten Lesetexten.

Dabei werden kleine Lernschritte gewählt, um Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Eine individuelle Förderung ist besonders effektiv, da sie gezielt an den bestehenden Defiziten ansetzt. Auch schulische Nachteilsausgleiche spielen eine Rolle.

Dazu zählen beispielsweise verlängerte Bearbeitszeiten bei Klassenarbeiten oder die stärkere Gewichtung mündlicher Leistungen. Ziel ist es, Chancengleichheit zu schaffen, ohne Leistungsanforderungen grundsätzlich zu reduzieren.

Wie kann digitale Unterstützung im Schulalltag helfen?

Digitale Prozesse im Schulalltag eröffnen zusätzliche Möglichkeiten zur Förderung. Lernplattformen, interaktive Übungen und spezielle Leseprogramme können individuell angepasst werden. Automatisierte Rückmeldungen ermöglichen eine unmittelbare Fehleranalyse und gezielte Wiederholungen.

Gleichzeitig stellen digitale Medien neue Anforderungen an die Lesekompetenz. Texte werden häufiger am Bildschirm gelesen, Aufgaben digital eingereicht und Lernmaterialien online bereitgestellt. Für Kinder mit LRS kann dies sowohl Unterstützung als auch zusätzliche Herausforderung bedeuten.

Entscheidend ist eine bewusste Integration digitaler Hilfsmittel in bestehende Förderkonzepte.

Vorlesefunktionen, Rechtschreibprogramme oder strukturierte Lern-Apps können dazu beitragen, Lernbarrieren zu reduzieren und Motivation zu steigern.

Welche Rolle spielen Eltern und Lehrkräfte?

Eine erfolgreiche Förderung setzt die Zusammenarbeit aller Beteiligten voraus. Lehrkräfte, Eltern und gegebenenfalls therapeutische Fachkräfte sollten regelmäßig Informationen austauschen und Fortschritte dokumentieren.

Wichtig ist ein wertschätzender Umgang mit den betroffenen Kindern. Negative Zuschreibungen oder pauschale Bewertungen können das Selbstbild nachhaltig beeinträchtigen.

Stattdessen sollten individuelle Stärken hervorgehoben und realistische Ziele formuliert werden. Transparente Kommunikation über Fördermaßnahmen und erreichbare Lernziele schafft Orientierung. Kontinuität in der Unterstützung trägt oft dazu bei, langfristige Verbesserungen zu erzielen.

Hat sich eine LRS irgendwann „von selbst“ erledigt?

Eine LRS erledigt sich in der Regel nicht „von selbst“. Ohne gezielte Förderung bleiben die Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben meist bestehen, auch wenn Betroffene im Laufe der Zeit Strategien entwickeln, um Defizite zu kompensieren.

Frühzeitige Diagnostik und individuelle Unterstützung erhöhen die Chancen deutlich, schulische Anforderungen langfristig besser zu bewältigen.