Freie Waldorfschule Bremen-Nord, Bremen
Persönliche Bewertung der Freien Waldorfschule Bremen-Nord
Ich war von der 1. Klasse bis zur 9. Klasse, also bis zum ersten Halbjahr, an der Freien Waldorfschule Bremen-Nord. Dadurch habe ich die Schule über viele Jahre kennengelernt und einen großen Teil meiner Schulzeit dort verbracht.
Meine Erfahrungen sind natürlich persönlich und stellen nicht zwangsläufig die Erfahrungen aller Schülerinnen und Schüler dar. Trotzdem möchte ich meine Kritik ausführlich schildern, weil sich für mich im Laufe der Jahre verschiedene Punkte angesammelt haben, die letztendlich zu meinem Schulwechsel geführt haben.
Soziales und Schulklima
Für mich war insbesondere die soziale Situation in den letzten Jahren schwierig.
Nach einem Streit in der 8. Klasse hatte ich kaum noch Freunde an der Schule. Dadurch habe ich mich in den Pausen häufig allein und ausgeschlossen gefühlt. Teilweise wurde ich auch von jüngeren Schülerinnen und Schülern ausgelacht.
Was mich besonders belastet hat, war das Gefühl, dass meine Situation im Schulalltag kaum wahrgenommen wurde. Ich hatte nicht den Eindruck, dass wirklich darauf geachtet wurde, wie es mir sozial an der Schule geht oder ob ich Anschluss habe.
Auch die langen Pausen waren für mich dadurch eher belastend als angenehm. Wenn man keine Freunde oder keinen festen Anschluss hat, können lange Pausen sehr langweilig und unangenehm sein.
Ich hätte mir hier mehr Unterstützung und Aufmerksamkeit gewünscht, insbesondere wenn Schülerinnen und Schüler über längere Zeit Schwierigkeiten haben, Anschluss zu finden oder sich ausgeschlossen fühlen.
Lehrplan und individuelle Förderung
Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt ist für mich der Lehrplan und die individuelle Förderung.
Ich hatte teilweise das Gefühl, dass der Unterricht für Schülerinnen und Schüler, die sich schulisch weiterentwickeln und einen höheren Abschluss anstreben, nicht ausreichend auf dieses Ziel vorbereitet.
Auch wenn man sich selbst als leistungsstärker oder besonders lerninteressiert empfindet, bedeutet das nicht automatisch, dass die individuelle Förderung ausreichend ist. Genau das war für mich letztendlich einer der Hauptgründe für meinen Schulwechsel.
Besonders deutlich wurde mir das nach dem Wechsel auf eine andere Schulform. Dort habe ich gemerkt, dass mir in einigen Fächern wichtige Grundlagen fehlten, weil bestimmte Inhalte an meiner bisherigen Schule nicht oder anders behandelt worden waren.
Das ist mir insbesondere in Chemie und Physik aufgefallen.
In Chemie waren mir beispielsweise Themen wie Alkane, Reaktionsgleichungen sowie die Unterscheidung zwischen organischer und anorganischer Chemie teilweise nicht bekannt. Diese Inhalte musste ich nach meinem Schulwechsel nachholen.
Auch in Physik musste ich feststellen, dass mir bestimmte Grundlagen fehlten.
Das bedeutet nicht, dass diese Themen grundsätzlich an jeder Waldorfschule fehlen. Es beschreibt meine persönliche Erfahrung mit dem Unterricht, den ich an dieser Schule erhalten habe. Beim Wechsel auf eine andere Schulform wurde mir dadurch deutlich, wie unterschiedlich Lehrpläne aufgebaut sein können.
Auch bei Spanisch hatte ich Schwierigkeiten. Ich persönlich bin nicht besonders sprachbegabt und hatte zusätzlich das Gefühl, dass mir aus dem bisherigen Unterricht wichtige Grundlagen fehlten. Dadurch war der Einstieg in den Unterricht an meiner neuen Schule für mich schwieriger.
Für mich wurde dadurch deutlich, dass man sich teilweise auch außerhalb des regulären Unterrichts selbstständig mit bestimmten Inhalten beschäftigen und diese nachholen muss, wenn man auf eine andere Schulform wechselt.
Wer einen möglichst guten Schulabschluss oder später das Abitur anstrebt, sollte meiner Meinung nach deshalb frühzeitig darauf achten, welche Inhalte tatsächlich vermittelt werden und ob die Schule die eigenen schulischen Ziele ausreichend unterstützt.
Epochenunterricht
Auch mit dem Epochenunterricht hatte ich persönlich Schwierigkeiten.
Ein Fach wird über einen bestimmten Zeitraum behandelt und danach für längere Zeit nicht mehr unterrichtet. Für mich führte das dazu, dass insbesondere bei naturwissenschaftlichen Fächern eine kontinuierliche Entwicklung schwieriger war.
Ich hätte mir eine gleichmäßigere Verteilung bestimmter Fächer über das Schuljahr gewünscht, damit Inhalte regelmäßiger wiederholt, vertieft und weiterentwickelt werden können.
Gerade bei Fächern, bei denen aufeinander aufbauende Grundlagen wichtig sind, empfand ich diese Struktur teilweise als problematisch.
Unterrichtsausfälle und Fächer
Ein besonders großer Kritikpunkt waren für mich die häufigen Unterrichtsausfälle.
Aus meiner Erfahrung waren unter anderem Englisch, Deutsch und Sport davon betroffen. Gerade bei diesen Fächern hatte ich teilweise das Gefühl, dass ohnehin schon relativ wenig regulärer Unterricht stattfand und zusätzlich noch Stunden ausfielen.
Bei Englisch empfand ich bereits die geringe Anzahl an regulären Unterrichtsstunden als problematisch. Wenn zusätzlich Unterricht ausfällt, wird es meiner Meinung nach schwierig, kontinuierlich Fortschritte zu machen.
Auch Deutsch und Sport fielen bei mir teilweise häufig aus. Dadurch entstanden immer wieder sehr kurze Schultage, teilweise mit nur zwei oder drei Unterrichtsstunden.
Für mich wirkte die Unterrichtsplanung dadurch nicht immer zuverlässig.
Gleichzeitig gab es Fächer, die im Stundenplan relativ viel Platz einnahmen, während ich mir bei für meinen weiteren Bildungsweg wichtigen Fächern mehr Unterricht gewünscht hätte.
Beispielsweise gab es HKU viermal pro Woche und Musik zweimal pro Woche, während Englisch für mich mit nur zwei Stunden pro Woche zu wenig vertreten war.
MSA und Vorbereitung auf weitere Bildungswege
Ein weiterer Punkt, der mich beschäftigt hat, war die Frage nach der Vorbereitung auf den MSA und spätere Bildungswege.
Dass der MSA erst in der 11. Klasse abgelegt wird, hat mich persönlich verunsichert. Ich hatte Sorgen, ob ich zu diesem Zeitpunkt ausreichend auf die Prüfung vorbereitet sein würde.
Beim Schulwechsel wurde mir außerdem bewusst, dass sich die Anforderungen verschiedener Schulformen teilweise deutlich unterscheiden können.
Ich möchte deshalb nicht behaupten, dass eine Schulform grundsätzlich besser oder schlechter ist. Für mich persönlich war aber entscheidend, dass ich eine Schule gesucht habe, deren Lehrplan und Anforderungen besser zu meinen eigenen schulischen Zielen passen.
Eine konkrete Erfahrung im Fach Politik/Geografie
Besonders negativ ist mir eine Situation im Unterricht Politik/Geografie in Erinnerung geblieben.
In diesem Fach habe ich eine 4 erhalten und bei einer Klausur sogar eine 5-.
Dabei war ich nicht der einzige Schüler mit schlechten Ergebnissen. Nach meiner Wahrnehmung haben auch viele andere Schülerinnen und Schüler in diesem Fach schlecht abgeschnitten.
Für mich wirft das zumindest die Frage auf, ob die Art und Weise, wie der Unterricht organisiert und der Stoff vermittelt wurde, für die Klasse ausreichend funktioniert hat.
Besonders problematisch fand ich die Kommunikation rund um die Klausur.
Nach meiner Erinnerung wurde auf itslearning beziehungsweise auf dem Schulserver nicht angekündigt, dass die Klausur nach den Weihnachtsferien stattfinden würde.
Für mich war dadurch nicht nachvollziehbar, wann genau ich mich darauf vorbereiten sollte.
Wenn ein wichtiger Leistungsnachweis ansteht, erwarte ich als Schüler, dass Termin und relevante Informationen rechtzeitig und für alle nachvollziehbar kommuniziert werden.
Ich habe mich deshalb sehr über die Situation geärgert, weil ich mich selbstverständlich auf eine Klausur vorbereiten möchte. Dafür muss ich aber wissen, wann sie stattfindet und welche Inhalte relevant sind.
Zusätzlich habe ich erlebt, dass in diesem Fach mehrfach unangekündigte Tests geschrieben wurden, ohne dass entsprechende Informationen auf dem Schulserver beziehungsweise itslearning hinterlegt waren.
Darüber hinaus empfand ich den Umgang der Lehrkraft mit einzelnen Schülerinnen und Schülern teilweise als respektlos. Das ist selbstverständlich meine persönliche Wahrnehmung. Gerade im Umgang mit Schülerinnen und Schülern halte ich einen respektvollen und transparenten Umgang jedoch für besonders wichtig.
Insgesamt hatte ich dadurch den Eindruck, dass es in diesem Fach erhebliche Probleme bei Organisation, Kommunikation und Unterrichtsvermittlung gab.
Dass auch viele andere Schülerinnen und Schüler schlechte Ergebnisse erzielten, hat diesen Eindruck für mich zusätzlich verstärkt.
Leistungsbewertung
Ich hatte außerdem den Eindruck, dass die Leistungsbewertung an meiner Waldorfschule teilweise anders funktioniert beziehungsweise wahrgenommen wird als an anderen Schulformen.
Für mich wurde nach dem Schulwechsel deutlich, dass Noten aus unterschiedlichen Schulformen nicht unbedingt direkt miteinander vergleichbar sind.
Eine gute Note bedeutet meiner Meinung nach deshalb nicht automatisch, dass man in jedem Fall auf die Anforderungen einer anderen Schulform oder eines anderen Lehrplans vorbereitet ist.
Für mich war diese Erfahrung besonders deutlich, als ich nach dem Schulwechsel feststellen musste, dass ich trotz meiner bisherigen Noten in einigen Fächern Inhalte nachholen musste.
AGs und zusätzliche Angebote
Auch das Angebot an AGs und außerschulischen Aktivitäten empfand ich als sehr begrenzt.
Während meiner Zeit an der Schule gab es beispielsweise Angebote wie Kochen und eine Fahrradwerkstatt. Insgesamt hätte ich mir jedoch deutlich mehr Auswahl gewünscht.
Andere Schulen bieten teilweise wesentlich mehr Möglichkeiten, verschiedene Interessen auszuprobieren und neue Kontakte zu knüpfen.
Gerade für Schülerinnen und Schüler, die außerhalb des Klassenverbandes nur wenige soziale Kontakte haben, könnten vielfältige AGs eine gute Möglichkeit sein, neue Menschen kennenzulernen und Anschluss zu finden.
Umgang mit Schülerinnen und Schülern
Ein weiterer Punkt betrifft den Umgang mit Fragen und persönlichen Anliegen.
Ich hatte mehrfach das Gefühl, mit meinen Fragen oder Sorgen nicht wirklich ernst genommen zu werden.
Wenn man beispielsweise eine konkrete Frage hatte, bekam man nicht immer eine direkte Antwort, sondern teilweise nur den Hinweis, dass man die Information später erfahren würde.
Natürlich kann nicht jede Frage sofort beantwortet werden. Trotzdem hätte ich mir insgesamt mehr direkte Kommunikation und das Gefühl gewünscht, dass meine Anliegen tatsächlich wahrgenommen werden.
Gerade wenn es um wichtige schulische Termine oder organisatorische Fragen geht, finde ich eine klare Kommunikation besonders wichtig.
Mein Schulwechsel
Der Wechsel auf eine andere Schule war für mich kein einfacher Schritt.
Ich war schließlich seit der 1. Klasse an der Freien Waldorfschule Bremen-Nord und habe dort fast neun Jahre meiner Schulzeit verbracht.
Gleichzeitig habe ich durch den Schulwechsel sehr deutlich festgestellt, welche Unterschiede zwischen den Schulformen bestehen können.
Ich musste teilweise Inhalte nachholen, die ich vorher nicht oder nicht ausreichend behandelt hatte. Das war am Anfang natürlich nicht einfach und hat sich teilweise auch in meinen Noten bemerkbar gemacht.
Ich finde deshalb wichtig zu sagen, dass man sich bei einem Schulwechsel nicht sofort von anfänglichen schlechteren Noten entmutigen lassen sollte. Ein Schulwechsel kann eine große Umstellung sein, insbesondere wenn sich Lehrplan, Unterrichtsform und Anforderungen unterscheiden.
Für mich hat sich dadurch aber auch gezeigt, welche fachlichen Bereiche ich noch aufholen musste und wo ich mich weiterentwickeln wollte.
Ich persönlich bin froh, dass ich diesen schwierigen Schritt gegangen bin, weil ich dadurch eine andere Lernumgebung kennenlernen und besser einschätzen konnte, welche schulischen Anforderungen und Ziele zu mir passen.
Mein persönliches Fazit
Nach fast neun Jahren an der Freien Waldorfschule Bremen-Nord fällt es mir nicht leicht, diese Kritik zu formulieren.
Ich habe einen großen Teil meiner Schulzeit dort verbracht und es gab selbstverständlich auch positive Erfahrungen sowie Lehrerinnen und Lehrer, mit denen ich gut zurechtkam.
Trotzdem haben sich für mich im Laufe der Zeit immer mehr Punkte angesammelt, mit denen ich unzufrieden war.
Dazu gehören insbesondere:
* die schwierige soziale Situation,
* das Gefühl, in den Pausen häufig allein und ausgeschlossen zu sein,
* häufige Unterrichtsausfälle,
* insbesondere bei Englisch, Deutsch und Sport,
* aus meiner Sicht zu wenig Unterricht in wichtigen Fächern,
* die Unterrichtsstruktur und der Epochenunterricht,
* fehlende beziehungsweise für mich nicht ausreichende Grundlagen in einigen naturwissenschaftlichen Fächern,
* Schwierigkeiten bei Spanisch,
* die aus meiner Sicht nicht ausreichende individuelle Förderung,
* die Vorbereitung auf den MSA und weitere Bildungswege,
* das begrenzte Angebot an AGs,
* organisatorische Probleme und
* teilweise für mich unzureichende Kommunikation mit Lehrkräften.
Meine Kritik richtet sich dabei nicht pauschal gegen alle Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler. Ich möchte vielmehr konkrete Erfahrungen schildern, die ich während meiner fast neunjährigen Schulzeit gemacht habe.
Ich würde mir wünschen, dass solche Rückmeldungen ehemaliger Schülerinnen und Schüler ernst genommen werden und dazu beitragen, Bereiche wie individuelle Förderung, fachliche Vorbereitung, Unterrichtsorganisation, Kommunikation und soziale Unterstützung weiterzuentwickeln.
Wer über einen Besuch der Freien Waldorfschule Bremen-Nord nachdenkt, sollte sich meiner Meinung nach genau anschauen, welche eigenen schulischen Ziele man hat und ob Schulkonzept, Lehrplan, Fächerverteilung und Unterrichtsorganisation zu den eigenen Vorstellungen und weiteren Bildungsplänen passen.
Für mich persönlich war der Schulwechsel letztendlich ein großer, aber wichtiger Schritt. Ich habe dadurch gemerkt, dass eine Schule nicht nur danach beurteilt werden sollte, ob man sich dort lange eingelebt hat, sondern auch danach, ob sie zu den eigenen schulischen Zielen, Bedürfnissen und Vorstellungen passt.
Leider dank der Führungsebene inzwischen eine echte Problemschule
Weder als Arbeitgeber noch als pädagogische Einrichtung auch nur ansatzweise zu empfehlen. Die Personalpolitik ist von Willkür und Intransparenz geprägt, weder Eltern noch MitarbeiterInnen werden über Personalentscheidungen informiert oder Begründungen geliefert. Die Stimmung innerhalb des Kollegiums ist von Misstrauen und Verunsicherung geprägt, weil jeder "der Nächste" sein könnte.
"Schwierige" SchülerInnen werden zunächst aufgenommen und dann, wenn überrascht bemerkt wird, dass entsprechend qualifiziertes Personal fehlt, wieder von der Schule komplimentiert. Die jeweiligen Eltern werden herablassend und ungeduldig behandelt.
Die Fluktuation sowohl bei Mitarbeitern als auch Schülern ist enorm, spätestens zur Oberstufe brechen die Schülerzahlen massiv ein.
Die Schule ist weder in den Stadtteil eingebunden noch sonst in irgendeiner Form öffentlich positiv präsent. Das Gelände vermüllt und wird kaum gestaltet.
Dies alles sind, das sollte betont werden, keine "Waldorf"-Probleme. Es sind spezifische und seit Jahren existente Probleme speziell dieser Schule.