Photo by Eaters Collective on Unsplash

Sonntag, 05. Mai 2019

(Traum) Beruf Influencer - Ein Leben in der Scheinwelt

Influencer – was für viele Schüler und junge Erwachsene derzeit in der Rangliste der Traumjobs ganz weit oben rangiert, klingt für die meisten Eltern nach einer temporären Spinnerei ihrer Sprösslinge.

Was genau ist ein Influencer überhaupt?

Ein Influencer ist eine Art Markenbotschafter und Werbefigur in den Kanälen der sozialen Netzwerke. Bei Facebook, YouTube und Instagram präsentieren Influencer Produkte und Dienstleistungen verschiedener Unternehmen und bekommen dafür Geld – im besten Fall jedenfalls. Sie preisen neue Kleidungsstücke und Kosmetikprodukte an, werben für Reiseangebote und bieten ihren treuen Followern Gewinnspiele, Rabattcodes und jede Menge Unterhaltung. Die gute Laune gehört zum Ton eines Influencers, schließlich muss er seine Follower bei Laune und das Interesse stets groß halten, um für zahlungswillige Unternehmen ein lukrativer Partner zu sein.

Verdienen alle Influencer Geld?

Im besten Fall bekommt ein Influencer für seine werblichen Beiträge in den sozialen Netzwerken eine Vergütung. Wie hoch diese Vergütung genau ausfällt, geben Unternehmen und Werbefiguren nur selten bekannt. Einige hundert Euro pro Werbebeitrag kommen bei entsprechender Reichweite und gekonnter Markenplatzierung jedoch bei erfolgreichen Influencern zusammen. Weniger erfolgreiche Influencer erhalten stattdessen die zu bewerbenden Produkte geschenkt oder für einen begrenzten Zeitraum ausgeliehen und müssen während dieser Zeit darüber berichten. Damit ist bereits klar: Nicht immer lässt sich als Influencer Geld verdienen und nur in seltenen Fällen sollte das Einkommen für die Lebenshaltungskosten ausreichen. Doch auch sie gibt es, die schillernden Influencer in den sozialen Netzwerken, deren Jahreseinkommen in der Branche auf über eine Million Euro geschätzt wird. Caro Daur ist eine solche Influencerin aus Deutschland. Die 22-Jährige hat mehr als eine Million Follower und arbeitet für bekannte Modemarken, Parfümhersteller und Produzenten von Kosmetikartikeln. Genau diese Internetstars sind es, die sich Jugendliche zum Vorbild nehmen und deren Lifestyle auf den flüchtigen Blick durchaus verlockend wirkt.

Was sind die Schattenseiten für Influencer?

Es lohnt sich jedoch in jedem Fall ein genauer Blick hinter die Fassade der heilen Influencer-Welt. Denn wer zigtausend Follower täglich unterhalten muss, um eine bestimmte Reichweite zu erzielen und so ein lukrativer Partner für Unternehmen zu sein, der hat puren Stress und einen Fulltime-Job ohne viel Freizeit und Privatsphäre. Portale wie Facebook und Instagram unterliegen einem Algorithmus und der wirkt so komplex und unverständlich, dass viele Influencer an ihm verzweifeln. Wann muss ein Beitrag gepostet werden, damit ihn möglichst viele User sehen? Welche Hashtags sind unverzichtbar und wie müssen Bildsprache und Text miteinander harmonieren? Schon lange reicht eine reine Kennzahl von Followern nicht mehr aus, um als Werbebotschafter für ein Unternehmen interessant zu sein. Vielmehr wirken sich auch Interaktion mit den Followern, die Anzahl der Likes unter einem Beitrag und die messbaren Verkaufszahlen nach veröffentlichten Rabattcodes und Gewinnspielen entscheidend auf den Erfolg eines Influencers aus.

Privatleben wird zur öffentlichen Unterhaltung

Influencer kann jeder werden, der reichweitenstarke Accounts in sozialen Netzwerken hat und mit diesen eine bestimmte Zielgruppe anspricht. Schon längst verdienen hier nicht mehr nur Erwachsene ihr Geld. Immer mehr Jugendliche möchten auf diesen Zug aufspringen und nicht selten sind Eltern überrascht, dass ihr Sprössling plötzlich ein nennenswertes Einkommen erzielt. Doch wie steht es um die Medienkompetenz der Minderjährigen? Die Grenzen zwischen Werbebotschaft und Privatleben sind schmal und verschwimmen oft. Privates wird plötzlich öffentlich und bietet eine Plattform zur Kritik und Anfeindung. Die so genannten Hater beleidigen in Netzwerken wie Facebook, YouTube und Instagram ohne Rücksicht auf einen guten Ton und die Gefühle des Gegenübers. Nicht alle Influencer können mit einem Shitstorm und öffentlicher Kritik umgehen. Einigen machen diese Anfeindungen schwer zu schaffen, und sich davor zu schützen, ist häufig nicht einfach. Zwar können User blockiert und Accounts auf Privat gestellt werden, das wiederum schmälert jedoch die Einnahmemöglichkeiten für einen Influencer erheblich.

Die Gute-Laune-Welt der sozialen Netzwerke – eine Realitätsflucht?

Was beim Blick auf die Accounts der erfolgreichen Influencer schnell klar wird: Hier gehören gute Laune und Freundlichkeit zum Umgangston und die Selfies durchlaufen vor der Veröffentlichung zahlreiche Filter und Weichzeichner. Fast schon perfekt wirkt das Leben der Werbeträger und genau das stellt eine weitere Gefahr für User und Influencer dar. Der Druck ist hoch und die vermeintlich heile Welt dürfte einer realen Prüfung in den wenigsten Fällen standhalten. Wer jedoch nicht für positive Vibes unter seinen Followern sorgt, wird als Influencer kaum Erfolg haben. Lächeln ist Pflicht, und Achtsamkeit, Dankbarkeit und eine positive Lebenseinstellung finden sich in beinahe allen Posts wieder. Wie viel das mit dem realen Leben der Influencer zu tun hat, kann sich jeder Betrachter selbst denken. Ganz beiläufig entsteht durch diesen Trend der ständige Vergleich mit den großen Vorbildern und anderen Influencern, und das ist nicht nur für die Influencer selbst eine Gefahr. Auch ihre Follower vergleichen sich – bewusst oder unbewusst – permanent mit ihren Idolen. Im schlimmsten Fall kann das laut verschiedenen Studien zu Depressionen und Angststörungen führen.

Ein Fazit: Influencer als Traumjob oder Risiko?

Wer davon träumt, seinen Lebensunterhalt als Influencer zu verdienen, der sollte sich vom schönen Schein nicht blenden lassen. Ein genauer Blick auf die erfolgreichen Accounts und hinter die Fassaden der Influencer macht schnell klar: Es handelt sich hierbei um einen Fulltime-Job mit Überstundengarantie, ohne jede längerfristige Sicherheit und mit hohem Risikopotential.

 

Autor: Alicia für SCHULEN.DE