Mittwoch, 24. Februar 2021

Whiteboards, Apps & Co revolutionieren das Lernen

Jahrhundertelang funktionierte Schule so: Der Lehrer unterrichtet vor der Klasse, und am Ende der Stunde werden Hausaufgaben verteilt, die die Schüler Zuhause in Eigenregie oder in Gruppenarbeit erledigen. Mit der Digitalisierung wird sich der Unterricht nachhaltig verändern – und zwar weg vom Frontalunterricht hin zu mobilem Lernen.

Jahrhundertelang funktionierte Schule so: Der Lehrer unterrichtet vor der Klasse, und am Ende der Stunde werden Hausaufgaben verteilt, die die Schüler Zuhause in Eigenregie oder in Gruppenarbeit erledigen. Mit der Digitalisierung wird sich der Unterricht nachhaltig verändern – und zwar weg vom Frontalunterricht hin zu mobilem Lernen.

Smartphone als erster Schritt

Niedersachsen hat bereits 2018 als erstes Bundesland private Smartphones in Zusammenhang mit einer neuen Digitalstrategie als Lernmittel zugelassen. Das war allerdings nur ein erster Schritt, denn zu einer effektiven digital gestützten Lernsituation gehört noch sehr viel mehr.

Allein dieCoronakrisezeigt, dass Digitalunterricht immer wichtiger wird. NachAngaben der Bundesregierungkommunizieren 59 Prozent der 10- bis 15-jährigen Schüler mit ihren Lehrern über digitale Lern- und Kommunikationsplattformen. Bei Schülern ab 16 Jahren sind es gar 72 Prozent. Allerdings war weniger als ein Drittel der deutschen Schulen digital soweit ausgestattet, um den Lockdown entsprechend abfedern zu können. Die Ausstattung an Grundschulen soll sogar weit unter EU-Schnitt liegen.

Länder müssen Voraussetzungen schaffen

Zwei Jahre zuvor hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) ein Handlungskonzept zum digitalen Lernen vorgelegt, in dem die Aufgaben der Schulen und Länder beschrieben wurden. Die Bundesländer sollen demnach dafür Sorge tragen, eine digitale Infrastruktur gemeinsam mit den Schulen und dem Bund aufzubauen und darüber hinaus entsprechende Medienkompetenz zum Gegenstand von Bildungsplänen zu machen. Schulen sind dazu angehalten, dieSchüler innerhalb der Medienpädagogik in sechs Kompetenzbereichen zu fördern:

·        Suchen, verarbeiten und aufbewahren 

·        Kommunizieren und kooperieren 

·        Produzieren und präsentieren 

·        Schützen und sicher agieren 

·        Problemlösen und handeln 

·        Analysieren und reflektieren

Voraussetzungen schaffen

In der täglichen Schulrealität werden vielfach unterschiedliche Möglichkeiten miteinander kombiniert: Schüler treffen sich teilweise in Lerngruppen, nutzen aber ergänzend und vertiefend Lehrinhalte, die im Netz zur Verfügung gestellt werden. Teilweise greifen sie auch während des Präsenzunterrichts auf Smartphones oder Tablets zurück, um durch Lern-Management-Systeme (LMS) digital zur Verfügung gestellte Aufgaben zu bearbeiten. Auch bei der Kommunikation, Abstimmung und Auswertung kommen solche Medien ergänzend zum Einsatz. Dazu gehören auch interaktive Whiteboards, die es ermöglichen, die „Tafelarbeit“ während des Unterrichts den Schülern anschließend digital zur Verfügung zu stellen. Natürlich müssen für digitalen und mobilen Unterricht notwendige Voraussetzungen gegeben sein. Das betrifft nicht nur die Geräteausstattung auf Schüler- und Lehrerseite, sondern auch die Infrastruktur. „Schulen müssen deshalb überall auf schnelles Internet zurückgreifen können und sollten über entsprechende Anzeigegeräte wie interaktive Whiteboards verfügen“, so das Bundesbildungsministerium.

Lehrer müssen sich umstellen

Deswegen rappelt es bei der virtuellen Kommunikation und beim digitalen Lernen. Viele Pädagogen haben Schwierigkeiten, sich auf digitalen Unterricht umzustellen, und viele Schüler sind nicht mit entsprechenden Geräten und passender technischer Umgebung ausgestattet. Das soll nun durch denDigitalPaktgeändert werden: Mit diesem Bündnis, das 2019 aus der Taufe gehoben worden ist, wollen Bund und Länder die digitale Ausstattung in Schulen verbessern. Allerdings sind die finanziellen Mittel, die der Bund im Rahmen des Digitalpakts den Ländern zurVerfügung gestellt hat, in der ersten Phase nur zu einem kleinen Teil abgerufen worden.

Zusätzlich ist wegen Corona ein Sofortausstattungsprogramm des Bundesbildungsministeriums mit einem Volumen von 500 Millionen Euro verabschiedet worden.

Wie muss eine sinnvolle Schul-Ausstattung aussehen?

Zunächst muss in den Klassenzimmern die Netzinfrastruktur stimmen: Dazu gehören gutes WLAN und eine Internetanbindung mit einer ausreichend großen Bandbreite. Ohne diese Voraussetzungen können die digitalen Endgeräte der Schüler nicht effektiv genutzt werden. Um sogenannte Präsentationseinrichtungen und auch die Geräte der Schüler steuern zu können, benötigen Lehrer ein entsprechendes Tool. Das kann ein Desktop-PC sein, aber auch ein Tablet oder Notebook. Bei den Schülergeräten wird gern ein sogenanntes 2-in-1-Gerät empfohlen: Damit sind Tablets gemeint, die an eine Tastatur angeschlossen werden können. Außerdem benötigt ein digitales Klassenzimmer unter anderem:

·        Digitale Tafel

·        Dokumentenkamera

·        Aufbewahrungssysteme für Endgeräte

Bei der Wahl der passenden Laptops fürs Klassenzimmer (und auch für Zuhause) können folgende Kriterien helfen: Die Geräte sollten sowohl Offline- als auch Online-Lernumgebungen unterstützen. Außerdem muss die Möglichkeit einer Anbindung an andere Geräte (Drucker, etc.) gegeben sein. Ob Headsets oder Webcams benötigt werden, hängt von den Lernmodellen ab, die in der Schule angewandt werden sollen. Schulen sollten vorher außerdem prüfen, ob die Geräte und auch Tools für die entsprechenden digitalen Inhalte im Rahmen des Lehrplans geeignet sind.       

Digitale Präsentationen

Zuhause erledigen Schüler ihre Hausaufgaben mehr und mehr am Computer oder Notebook, Tablets eignen sich gerade in höheren Klassenstufen kaum: Zum Alltag gehören für viele Schüler mittlerweile auch komplexere Apps, über die sie Wissen erwerben, teilen oder anwenden. Ein Beispiel: Was früher ein Referat war, nennt sich heutzutage Präsentation und wird der Lehrkraft digital zur Verfügung gestellt. Für solche Ausarbeitungen muss ein Notebook natürlich geeignet sein. Für die Grundschule allerdings wird meistens ein Tablet empfohlen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Bedienung des Geräts intuitiv erfolgt, und eine Eingabe über die Tastatur deshalb nicht nötig ist. Solche Tablets können mit einer Tastatur aufgerüstet werden, dann funktionieren sie ähnlich wie ein Notebook.

Dabei sind drei Kriterien zu beachten: Mobilität, Systemleistung und Preis. Empfohlen wird häufig ein Notebook mit einer Größe von 15 oder 17 Zoll, wenn es als mobiles Endgerät genutzt werden soll. Preislich bewegen sich passende Geräte zwischen 400 bis 600 Euro. Als Betriebssystem wird häufig zu Windows 10 geraten. Das deshalb, weil ein Teil der Programme, die Kinder für die Schule nutzen, nur unter Windows laufen.

Andere Aspekte sind:

·        Kamera- und Mikrofonqualität: Ist gerade für Videotelefonie wichtig. Empfohlen wird eine Auflösung von 720p besitzen, besser noch 1080p.

·        Bildschirm: Auf eine Full-HD-Auflösung achten (1920x1080). Das ist gerade bei größeren Bildschirmen wichtig. Was die Helligkeit betrifft, sind häufig keine allgemeinen Aussagen zu treffen. Wichtig ist ein Wert von mindestens 250 Nits (cd/m2). 

·        Ausstattung: Als Prozessor mindestens Intel (10. Generation) mit mindestens acht GB Arbeitsspeicher und 128 GB Speicher (SSD-Speicher, kein HDD-Speicher)

·        Grafikspeicher: Hier reicht für „normales Lernen“ in integrierter Grafikchip, der bereits im Laptop verbaut ist.

Sinnvolle Ergänzungen

Eine Webcam ist für die Videotelefonie nicht zwingend notwendig. Dafür aber macht ein Drucker Sinn, vielleicht auch ein Scanner, weil trotz digitalen Zeitalters Dokumente eingescannt werden müssen. Auch ein Headset ist eine sinnvolle Anschaffung für Digital-Unterricht.

Bei der Frage nach dem Datenvolumen für Lernen Zuhause hat die Bundesregierung im Jahr 2020 beschlossen, Schülern für zehn Euro im Monat künftig einen Datentarif für festgelegte Bildungsinhalte digitales Lernen zur Verfügung zu stellen. Bedürftige Familien sollen vom Staat unterstützt werden. Bis das Geld bei allen angekommen ist, müssen die Eltern in Vorleitung treten. Das gilt auch für Handys: Viele Schüler nutzen ihre Smartphones, um die benötigten digitalen Inhalte– zum Beispiel Nachhilfe-Apps – zu nutzen. Das kann sich in vielen Haushalten deutlich auf das monatliche Datenvolumen auswirken. Deshalb sollten Eltern bei einem neuen Vertrag oder Vertragswechsel berücksichtigen, wieviel Datenvolumen für den Schüler bei einem neuen Handyvertrag notwendig wird. Ein direkter Vergleich verschiedener Tarife kann bei der richtigen Auswahl sehr hilfreich sein, hierbei kommt es auf 2 nutzungsbedingte Faktoren besonders an.  

Apps & Tools

Sowohl für Lehrer als auch für Schüler gibt es eine Vielzahl nützlicher Apps für die Unterrichtsgestaltung und zum Lernen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft empfiehlt diverse Apps für die Betriebssysteme Android und iOS. Damit können Lehrer den Unterricht planen, die Klassenverwaltung steuern oder eigene Lernvideos produzieren und noch viel mehr. Für Lehrer und Schüler gleichermaßen kann das ProjektMedien in der Schule, initiiert vom Verein Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter (FSM), von Interesse ein: Hier werden nützliche Apps zu verschiedenen schulspezifischen Bereichen vorgestellt, unter anderen für Präsentationen, Textverarbeitung, Unterrichtsunterstützung, Audio, Video und viel mehr. Nützliche Apps ausschließlich für Schüler gibt es für jede Klassenstufe und jede Schulform, zum Beispiel Vokabeltrainer, Diktathelfer oder Mathematik-Helfer. Mehr als eine Millionen Schüler laden sich mittlerweile auch Nachhilfe-Apps auf ihr Handy, den Computer oder Laptop, oder sie nutzen Angebote, um ihren Stundenplan, die Noten, Hausaufgaben und To-dos zu verwalten.