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Montag, 13. Mai 2019

Schüler bewegen Landtag zu mehr Einsatz gegen Depressionen in Schulen

Unmittelbar nach ihrer letzten schriftlichen Prüfung kann sich eine kleine Gruppe von Abiturienten schon einmal freuen. Allerdings nicht über ihre individuellen Noten - sondern darüber, für Mitschüler einiges erreicht zu haben.

Mitten im Prüfungsstress ist es einer Gruppe engagierter Abiturienten gelungen, dass psychischen Krankheiten in den Schulen künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Schüler hatten eine - rechtlich nicht bindende - Petition initiiert, die am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtages ungewöhnlich lange diskutiert und dann zur Würdigung an die Staatsregierung überwiesen wurde - ein ziemlich seltener Schritt, der bedeutet, dass sich die Staatsregierung nun detailliert mit dem Anliegen befassen muss.

«Das ist dem überragenden Engagement der jungen Leute zu verdanken», bilanzierte der Berichterstatter im Ausschuss, Max Deisenhofer (Grüne). Der ausgebildete Lehrer sieht einen wunden Punkt getroffen: «Wir brauchen mehr Wissen zum Thema Depression und psychische Erkrankungen, und wir brauchen eine Sensibilisierung bei den Schülern und Mitschülern, aber auch bei den Lehrerinnen und Lehrern.»

Auch Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betonte: «Das ist ein guter Anstoß gewesen, dass wir da noch ein bisschen was draufsatteln.» Allerdings baue das Ministerium nicht auf Null auf; zudem hatte es schon im Vorfeld der Sitzung einen Zehn-Punkte-Plan veröffentlicht. «Nun geht es darum, dass wir nochmal deutlich machen, was dieser Maßnahmenkatalog alles beinhaltet und konkret bedeutet.»

So sollten psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen in der Lehrerausbildung eine größere Rolle spielen. Auch ältere Lehrer würden gezielt informiert. Im kommenden Doppelhaushalt soll zudem Geld für 100 weitere Schulpsychologen und Sozialpädagogen zur Verfügung gestellt werden - ein Schritt, der allerdings schon länger geplant gewesen sei, wie Piazolo betonte. 

Die Schüler sind mit dem Ergebnis zufrieden. «Wir sind schon stolz, dass man jetzt wirklich was macht», sagte Alexander Spöri. Er und seine Mitstreiter hatten zunächst einen Film über Depressionen bei Jugendlichen gedreht und dann die Online-Petition gestartet. Diese wurde inzwischen von mehr als 42 000 Menschen unterschrieben. 

Die Kaufmännische Krankenkasse KKH hat auf Basis ihrer Versichertendaten errechnet, dass 2017 in Deutschland rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren von psychischen Erkrankungen ohne organische Ursache betroffen waren. Gründe seien permanenter Leistungsdruck in der Schule, Mobbing sowie gesellschaftlicher Druck durch Medien, Idole und Influencer.

 

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