Montag, 12. August 2019

Mehr Schüler, weniger Lehrer - Streit um Lehrerwochenstunden

Thüringen hat noch immer zu wenig Lehrer. Ein Vorstoß des Ostthüringer Schulamts sieht vor, den Mangel zu lindern. Der Thüringer Lehrerverband reagiert auf die Ideen schockiert.

In Thüringen ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Lehrer möglicherweise kein Geld mehr für schulische Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts bekommen könnten. Anlass ist ein Schreiben des Ostthüringer Schulamts, das der Thüringer Lehrerverband (tlv) am Montag in Erfurt kritisierte. In dem Papier an alle Ostthüringer Schulen hatte das Schulamt am Freitag dazu angeregt, über eine Reduzierung der für diesen Bereich vorgesehenen Lehrerwochenstunden nachzudenken. Das würde nach Informationen des Lehrerverbandes bedeuten, dass Lehrer für das Leiten etwa von AGs, Chören, Sportförderunterricht oder PC-Betreuungen kein Geld mehr bekommen würden. Nach Angaben des Schulamts könnten die betroffenen Lehrer in der frei gewordenen Zeit an anderen, unterbesetzten Schulen unterrichten.

Der Leiter des Schulamts Ostthüringen, Berthold Rader, wies auf Anfrage darauf hin, dass es entsprechende Verordnungen nicht gebe. «Das Schreiben war lediglich ein Hinweispapier», betonte er. Es habe sich dabei explizit nicht um eine Anweisung gehandelt. Diese Entscheidung sei noch nicht gefällt.

Ein Wegfall der Stunden würde nicht bedeuten, dass es künftig keine AGs mehr an den Schulen gebe, erläuterte der Stellvertretende tlv-Landesvorsitzende Frank Fritze. Es sei beispielsweise möglich, die Leitung eines Chors an einen externen Lehrer aus der Musikschule zu übertragen. «Aber das gilt eben nicht für andere Bereiche, wie die PC-Betreuung oder die Aufgaben des Klassenlehrers», so Fritze.

Hintergrund der Debatte ist der anhaltende Lehrermangel an Thüringer Schulen. Aktuelle Zahlen aus der Statistikstelle des Thüringer Bildungsministerium zeigen, dass die Zahl der Schüler an Thüringer Schulen von 2014/15 bis zum Schuljahr 2018/19 um 6000 nach oben, die Zahl der Lehrer aber um 200 nach unten gegangen ist.

Der Bildungspolitiker der Thüringer Linken-Fraktion, Torsten Wolf, hingegen betonte, dass die Rot-Rot-Grüne Landesregierung «den von der CDU für die Jahre 2018 bis 2020 geplanten Lehrer-Personalabbau von 1734 Vollzeitstellen beendet hat». Jede frei werdende Lehrerstelle besetze man eins zu eins neu. Das Problem liege vielmehr darin, dass es kaum Bewerber mehr für Grund- und Regelschulen im ländlichen Raum gebe.

Der Lehrerverband bekräftigte am Montag auch seine Kritik am Schulgesetz. Versöhnliche Worte fand der tlv-Landesvorsitzende, Rolf Busch, aber ebenfalls: «Es ist nicht so, dass wir gar nichts erreicht haben (...) Es geht uns an vielen Stellen einfach zu langsam.» So sei es beispielsweise der richtige Weg, wieder vermehrt Lehrer zu verbeamten.