Donnerstag, 14. Oktober 2021

+++ Liveticker – Auswirkungen des Coronavirus auf deutsche Schulen +++ 14.10.2021

Im SCHULEN.DE-Liveticker zum Coronavirus finden Sie regelmäßig alle Informationen zur Auswirkung des Coronavirus auf die deutschen Schulen.

14.10.2021

Weiter Streit um Maskenpflicht an Hamburger Schulen

Noch sind in Hamburg Schulferien - und damit haben die Kinder auch frei von der Maskenpflicht im Unterricht. Die FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein will, dass das auch nach Ferienende so bleibt und attackiert den Senat.

Wie schon die CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft fordert auch die FDP-Abgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein ein Ende der Maskenpflicht an Hamburgs Schulen. «Die halbe Republik und große Teile des Auslands» schafften die Maskenpflicht in Schulen ab, «weil das Infektionsgeschehen dies zulässt», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Nur Hamburg hält wieder stur an diesem schwerwiegenden Grundrechtseingriff gegenüber Schülerinnen und Schülern fest.»

In seiner Antwort auf ihre schriftliche Kleine Anfrage hatte der rot-grüne Senat auf den Infektionsschutz und auf Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums sowie des Robert Koch-Instituts (RKI) verwiesen: «Sowohl das RKI als auch das Gesundheitsministerium haben zur Maskenfrage erst vor wenigen Tagen am 6. Oktober 2021 klar Stellung bezogen und weiterhin das Tragen der Maske in den Schulen eingefordert», hieß es.

Zudem hätten Erfahrungen gezeigt, dass das Infektionsrisiko in den ersten 14 Tagen nach Ferien höher sei. Auch würden die Maßnahmen laufend anhand des aktuellen Infektionsgeschehens überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Von Treuenfels zeigte sich unbeeindruckt. «Das ist unverantwortlich, macht den Unterricht zur Zumutung und wird auch durch vage Andeutungen des Schulsenators nicht besser, die Maskenpflicht in Grundschulen vielleicht im November fallen zu lassen», sagte sie. «Rabe hat die daraus resultierenden langfristigen Lerndefizite zu verantworten.»

Senator Ties Rabe (SPD) hatte im Interview mit dem «Hamburger Abendblatt» (Mittwoch) gesagt, sich «eine Lockerung der Maskenpflicht für Grundschüler im November durchaus vorstellen» zu können, «wenn die Infektionszahlen sich weiter positiv entwickeln». Zunächst jedoch sollten die bisherigen Regeln bestehen bleiben, und danach gilt in allen Unterrichtsräumen Maskenpflicht.

Auch die CDU setzt sich in einem Antrag für die Bürgerschaft für ein Ende der Maskenpflicht in allen Schulen ein - allerdings erst ab November und sofern die Corona-Infektionszahlen auch zwei Wochen nach Ende der Herbstferien weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau liegen. Am kommenden Montag beginnt für Hamburgs Schüler wieder der Unterricht.

13.10.2021

Thüringen bundesweiter Corona-Hotspot - Kritik am Bildungsministerium

Seit Monaten gibt es innerhalb von Rot-Rot-Grün einen Konflikt bei der Frage nach der richtigen Corona-Strategie an Schulen. Angesichts der steigenden Infektionszahlen flammt dieser nun stärker auf. Vor allem die SPD dringt auf Klärung.

Thüringen ist bundesweit erstmals seit Monaten wieder Deutschlands Corona-Hotspot und hat im Vergleich der Bundesländer die höchste Sieben-Tage-Inzidenz. Mit Stand Mittwochmorgen wurden im Freistaat 103,7 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche gemeldet, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Am Tag zuvor waren es noch 97,1. Damit hat Thüringen auch den bisherigen Negativ-Spitzenreiter Bremen (96,0) überholt. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz betrug nach RKI-Zahlen 65,4 und veränderte sich damit nur leicht.

Angesichts der sich verschärfenden Infektionslage und eines deutlichen Anstiegs der Inzidenzen in jungen Altersgruppen wächst der Unmut mehrerer Landtagsfraktionen über die Corona-Strategie namentlich des Bildungsministeriums. Nach den aktuellen Corona-Regeln gibt es an Schulen keinerlei Testangebot in der sogenannten Basis-Stufe, also wenn die Belastung des Gesundheitswesens als gering gilt. Ab Warnstufe eins müssen Tests angeboten werden, in der höchsten Warnstufe drei sind sie Pflicht.

Die SPD-Abgeordnete Dorothea Marx schrieb beim Kurznachrichtendienst Twitter, Thüringen habe es «dank des massiv kritisierten Verzichts auf Tests in Schulen heute wieder auf Platz 1 geschafft». Dazu erwähnte sie Bildungsminister Helmut Holter (Linke) und die Staatssekretärin Julia Heesen und schrieb: «Danke für Nichts».

Seit Monaten dringen vor allem die Grünen und die SPD auf eine Testpflicht oder zumindest ein durchgängiges Testangebot an Schulen. Doch Bildungsminister Holter hält an den aktuell geltenden Regeln fest. Rückendeckung bekam er bisher vor allem vom wissenschaftlichen Beirat der Landesregierung.

SPD-Fraktionschef Matthias Hey kritisierte das Agieren des Bildungsressorts. Es scheine dort in bestimmten Arbeitskreisen die Überzeugung zu geben, dass ein Testangebot besser sei als eine Testpflicht. «Diese Meinung teilen wir nicht.» Nach Angaben einer Sprecherin der SPD-Fraktion wollen die Abgeordneten den Koalitionsausschuss von Rot-Rot-Grün zu dieser Frage einberufen.

Hey gab zu bedenken, dass die Kinder, auch wenn sie sich unbemerkt infizierten oder nicht schwer erkrankten, das Virus in ihre Familien und an Bekannten weitergeben könnten. «Es betrifft also die gesamte Gesellschaft.» Zudem könne derzeit niemand die Frage beantworten, was eine Infektion mit den Kindern in 20 oder 30 Jahren mache. «Die Kinder müssen, wenn sie einmal mit Covid infiziert waren - und es gibt Long Covid - damit 60, 70 Jahre leben.»

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Madeleine Henfling, sagte, sie fände eine Testpflicht an Schulen sinnvoll. Allerdings dürfe diese nicht zu Lasten der Kinder und Jugendlichen gehen, indem man sie etwa vom Unterricht in der Schule ausschließt, wenn sie sich nicht testen lassen wollen. «Ich finde die Pflicht-Frage gar nicht so entscheidend, weil ich wahrnehme, dass, wenn das Angebot da ist, die meisten das auch wahrnehmen.»

 

Rabe: Lockerung der Maskenpflicht für Grundschüler vorstellbar

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hält unter bestimmten Bedingungen weniger strenge Corona-Regeln an Grundschulen für möglich. «Wenn die Infektionszahlen sich weiter positiv entwickeln, kann ich mir eine Lockerung der Maskenpflicht für Grundschüler im November durchaus vorstellen», sagte er dem «Hamburger Abendblatt». Zunächst jedoch sollen die bisherigen Regeln noch bestehen bleiben. «Nach den Herbstferien gilt an Hamburgs Schulen zunächst weiterhin für alle die Maskenpflicht, um das bekannte Infektionsrisiko durch die vielen Urlaubsrückkehrer aus dem Ausland zu verringern. Weiterhin gilt: lieber eine Sicherheitsmaßnahme mehr als neue Schulschließungsdebatten.»

Die CDU setzt sich schon länger für ein Ende der Maskenpflicht in den Hamburger Schulen ein. Sofern die Corona-Infektionszahlen auch zwei Wochen nach Ende der Herbstferien noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau seien, solle die Maskenpflicht im Unterricht zum
1. November fallen, hieß es Anfang Oktober in einem entsprechenden Antrag der Fraktion für die Bürgerschaft.

08.10.2021

Kultusminister wollen Schulen weiter offenhalten

Die Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder setzen sich weiterhin dafür ein, dass es in der Corona-Pandemie nicht zu erneuten Schulschließungen kommt. Es sei «unerlässlich, die Schulen offen zu halten und den Präsenzunterricht dauerhaft zu sichern», heißt es in einem Beschluss, den die Minister am Freitag nach Beratungen in Potsdam fassten. Sie bekräftigen damit im Wesentlichen ihre bereits im Juni und August formulierten Beschlüsse für einen «Schulischen Regelbetrieb im Schuljahr 2021/2022».

Im aktuellen Schuljahr sei es gelungen, trotz Pandemie und Delta-Variante durchweg in allen Ländern vollständigen und kontinuierlichen Präsenzunterricht sicherzustellen. Das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung, Freizeitgestaltung und Zusammenkünfte sei weitestgehend ohne Einschränkungen gesichert.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) sprach sich zudem für eine zurückhaltende Quarantäne-Politik durch die Gesundheitsämter aus: Auch bei einer weitgehenden Abschaffung der Maskenpflicht an Schulen sollten Quarantäneanordnungen «im Interesse eines verlässlichen Präsenzunterrichts» auf tatsächlich infizierte Personen beziehungsweise enge Kontaktpersonen eingegrenzt werden.

Ob, wann und wo an Schulen weiter Masken getragen werden müssen, regeln die Länder grundsätzlich selbst. Das gilt auch für Tests. Entsprechend offen formuliert wird im Beschluss der Minister: «Um die gewonnene Sicherheit für den Schulbetrieb zu erhalten, können die regelmäßigen Testungen für Schülerinnen und Schüler bis auf Weiteres fortgeführt werden.» Sie appellieren gleichzeitig an Erwachsene, sich impfen zu lassen, und empfehlen das Schülern ab zwölf Jahren.

Studie: Corona-Lockdown macht Kinder psychisch krank

Die Politik der Corona-Lockdowns hat einer aktuellen Studie zufolge weltweit zu deutlich mehr Erkrankungen bei Kindern geführt. Das berichtete die Hilfsorganisation Save the Children am Freitag unter Berufung auf Daten des «Oxford Covid-19 Government Response Trackers». Zugenommen hätten Fälle von Depressionen, Angstzuständen, Einsamkeit und sogar Selbstgefährdung. Berücksichtigt wurden die Umfrageergebnisse von mehr als 13 000 Kindern in 46 Ländern.

83 Prozent der Kinder berichteten den Angaben zufolge über einen Anstieg von negativen Gefühlen aufgrund der Pandemie. Diese Gefühle zeigten sich bei der Mehrheit der Kinder (96 Prozent) weitaus stärker, nachdem Schulen bereits über 17 Wochen geschlossen waren. In den Industrieländern blieben bis zu 50 Prozent der psychischen Erkrankungen unbehandelt, in den Entwicklungsländern seien es sogar zwischen 76 Prozent und 85 Prozent.

Marie Dahl, Leiterin des Bereichs psychische Gesundheit von Save the Children, sagte, die Corona-Maßnahmen seien wichtig, um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen. Aber soziale Isolation könne bei Kindern Angst und Depressionen hervorrufen. «Wird hier nicht reagiert, kann es zu Langzeitfolgen kommen - selbst wenn die Beschränkungen aufgehoben werden.»

Seit Beginn der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 hätten Kinder im Durchschnitt an 184 Tagen unter gesetzlichen Schließungen oder Einschränkungen gelebt, hieß es weiter. In einkommensstarken Ländern wie Kanada mussten einige Kinder insgesamt 13 Monate (402 Tage) lang zu Hause zu bleiben, wie es weiter hieß. In Europa waren es im Durchschnitt neun Monate. In Indien verbrachten Kinder mindestens 100 Tage zu Hause.

Aber auch die Unregelmäßigkeit des Online-Unterrichts habe gestörte Routinen zur Folge, wie Save the Children anlässlich des Welttages für psychische Gesundheit am Sonntag berichtete. Das wirke sich auch auf soziale Interaktionen und ihren Schlaf und somit das Wohlbefinden der Kinder aus. Alle Regierungen seien aufgefordert, der psychischen Gesundheit und dem geregelten Lernen von Kindern während und nach der Covid-19-Pandemie Priorität einzuräumen und in sie zu investieren.

RKI-Daten: So steht es um die Corona-Lage an Schulen und Kitas

In der Pandemie blieben Schulen und Kitas oft geschlossen. Viele Kinder ohne Impfschutz und die ansteckende Delta-Variante des Coronavirus - wie läuft das nach Ende der Sommerferien?

Seit August hat es nach Beobachtung des Robert Koch-Instituts (RKI) wieder vermehrt Corona-Ausbrüche an Kitas und vor allem an Schulen gegeben. Die übermittelte Häufigkeit von Ausbrüchen steige in diesem Jahr etwa zwei Monate früher an als im Vorjahr, geht aus dem Wochenbericht des RKI vom Donnerstagabend hervor. Demnach wurden für die vergangenen vier Wochen 201 Kita- und 481 Schulausbrüche übermittelt. Die jüngste Entwicklung, insbesondere der vergangenen zwei Wochen, lasse sich noch nicht gut bewerten, hieß es vor dem Hintergrund möglicher Nachmeldungen.

«Beim ansteigenden Trend der Ausbruchshäufigkeit in Kitas und Schulen spielen vermutlich die ausgeweiteten Testaktivitäten und die leichtere Übertragbarkeit der Delta-Variante eine Rolle», erläutern die Autoren zu den Zahlen. Fälle, darunter auch solche ohne Krankheitssymptome, würden frühzeitig erkannt.

An Kitas steckten sich durchschnittlich fünf Menschen pro Ausbruch an, an Schulen vier. Vereinzelt gebe es aber an beiden Arten von Einrichtungen größere Ausbrüche mit mehr als zehn Ansteckungen. Ab zwei Infizierten an einer Einrichtung wird dies als Ausbruch definiert.

Bei den Schulausbrüchen würden überwiegend Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 14 Jahren bekannt, hieß es. Bundesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz vergangene Woche bei den 10- bis 14-Jährigen am höchsten von allen Altersgruppen: mit 178 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Bei Kindern im Grundschulalter (5 bis 9 Jahre) lag der Wert bei 142. Bei Menschen ab 50 Jahren waren die Inzidenzen niedriger als 50.

RKI-Chef Lothar Wieler hatte am Mittwoch in Berlin bekräftigt, dass nach RKI-Empfehlung die Maßnahmen zum Infektionsschutz an Kitas und Schulen - ebenso wie in Alten- und Pflegeheimen - bis zum Frühjahr 2022 aufrechterhalten werden sollten. Wieler sagte: «Wir wollen, dass Kitas und Schulen auf bleiben, aber bitte unter Beibehaltung von Schutzmaßnahmen.» Mehrere Bundesländer hatten zuletzt die Maskenpflicht an Schulen aufgehoben.

Die Zahl der Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen in Deutschland gibt das RKI im Bericht für vergangene Woche mit 52 an. Das Institut spricht von einem deutlichen Rückgang solcher Ausbrüche insbesondere wegen Impfungen und Hygienemaßnahmen.

Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Covid-19-Impfstoff. In dieser Gruppe sind schwere Verläufe zwar viel seltener als bei älteren Menschen. Wieler wies aber zum Beispiel auf das mögliche Risiko von Langzeitfolgen der Infektion hin. Es liege in der Verantwortung aller Bürgerinnen und Bürger, diese Gruppe zu schützen, sagte Wieler. «Dazu gehört auch, dass alle, die es können, die mit den Kindern umgehen, sich impfen lassen gegen Covid-19 und auch die anderen Maßnahmen einhalten.»

07.10.2021

Ukraine ordnet Corona-Impfung für Lehrer und Staatsangestellte an

Wegen steigender Corona-Zahlen hat das ukrainische Gesundheitsministerium eine Impfpflicht für viele Staatsbedienstete angeordnet. Auf der Liste stehen vor allem Lehrer aller Schularten, Erzieher und Verwaltungsangestellte, wie das Ministerium am Donnerstag in Kiew mitteilte. Diese Berufsgruppen haben demnach einen Monat Zeit, um sich gegen Corona impfen zu lassen. Ungeimpfte sollen danach ohne Gehaltsfortzahlung vom Dienst freigestellt werden.

Aktuell werden in der Ukraine wieder täglich hohe Infektionszahlen registriert. Am Donnerstag wurden 15 125 neue Fälle gemeldet. 314 Menschen starben mit Covid-19. Mehrere Gebiete des Landes bereiten sich auf eine Verschärfung der geltenden Quarantäne-Maßnahmen vor. Ausnahmen sollen dabei für Geimpfte gelten. Jedoch sind bisher nur etwa 15 Prozent der rund 40 Millionen Einwohner immunisiert. Mehr als die Hälfte der Ukrainer will sich Umfragen nach nicht impfen lassen.

RKI: Corona-Ausbrüche an Schulen häufen sich früher als 2020

Seit August hat es nach Beobachtung des Robert Koch-Instituts (RKI) vermehrt Corona-Ausbrüche an Kitas und vor allem an Schulen gegeben. Die übermittelte Häufigkeit steige in diesem Jahr etwa zwei Monate früher an als im Vorjahr, geht aus dem Wochenbericht des RKI vom Donnerstagabend hervor. Demnach wurden der Behörde für die vergangenen vier Wochen 201 Kita- und 481 Schulausbrüche gemeldet. Die jüngste Entwicklung insbesondere der vergangenen zwei Wochen lasse sich aber noch nicht gut bewerten, hieß es vor dem Hintergrund möglicher Nachmeldungen.

«Beim ansteigenden Trend der Ausbruchshäufigkeit in Kitas und Schulen spielen vermutlich die ausgeweiteten Testaktivitäten und die leichtere Übertragbarkeit der Delta-Variante eine Rolle», erläutern die Autoren des Berichts. Fälle, darunter auch solche ohne Krankheitssymptome, würden frühzeitig erkannt.

RKI-Chef Lothar Wieler hatte am Mittwoch in Berlin bekräftigt, dass nach RKI-Empfehlung die Maßnahmen zum Infektionsschutz an Kitas und Schulen - ebenso wie in Alten- und Pflegeheimen - bis zum Frühjahr 2022 aufrechterhalten werden sollten. Er sagte: «Wir wollen, dass Kitas und Schulen auf bleiben, aber bitte unter Beibehaltung von Schutzmaßnahmen.» Mehrere Bundesländer hatten zuletzt die Maskenpflicht an Schulen aufgehoben.

Die Zahl der Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen in Deutschland gibt das RKI im Bericht für vergangene Woche mit 52 an. Das Institut spricht von einem deutlichen Rückgang solcher Ausbrüche insbesondere wegen Impfungen und Hygienemaßnahmen.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen gegen Maskenpflicht im Unterricht

Die Mehrheit der Bürger ist einer Umfrage zufolge für die Abschaffung der Maskenpflicht im Klassenzimmer. 57 Prozent sind der Meinung, dass die Maskenpflicht im Unterricht abgeschafft werden sollte, wie eine Befragung von Infratest-dimap für den ARD-Deutschlandtrend ergab. Bei den Eltern mit schulpflichtigen Kindern sind es sogar 71 Prozent. Lediglich 37 Prozent sind für eine Beibehaltung der Maskenpflicht an Schulen - und nur 27 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder.

In Berlin müssen jüngere Schüler bis zur sechsten Klasse seit Montag im Unterricht keine Maske mehr tragen, in Bayern entfiel die Tragepflicht im Klassenzimmer zum Wochenbeginn für alle Schüler. Solche oder ähnliche Regelungen gelten auch in anderen Bundesländern oder sind dort in Planung.

Die Sorgen der Bürger vor einem Anstieg der Corona-Infektionszahlen ist der Umfrage zufolge im Vergleich zum Sommer kleiner geworfen. Aktuell treibt diese Sorge 42 Prozent um – im Juli gab noch eine Mehrheit von 62 Prozent an, sehr große oder große Sorgen zu haben, dass die Infektionen wieder steigen könnten. Wie zu Beginn des Sommers bezeichnen sechs von zehn Befragten (60 Prozent) die bestehenden Corona-Maßnahmen grundsätzlich als angemessen.

Verschärfung der Corona-Regeln in Hessens Schulen nach Herbstferien

Die Sorge vor steigenden Corona-Zahlen nach den Herbstferien ist groß. Zwei Präventionswochen in den Schulen mit mehr Tests und Maskenpflicht sollen dazu beitragen, dass es beim Unterricht in den Klassenzimmern bleiben kann.

Hessen verschärft in den ersten zwei Wochen nach den Herbstferien die Corona-Regeln in den Schulen im Land. Vom 25. Oktober bis 5. November müssen die Schülerinnen und Schüler auch im Unterricht am Platz eine Maske tragen und zudem öfter zum verpflichtenden Corona-Test gehen, wie das Kultusministerium am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

«Wir wollen, dass auch nach den Herbstferien so viele Schülerinnen und Schüler wie möglich jeden Tag in die Schule gehen können», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) die zwei Präventionswochen. Damit solle vor allem die Infektionsgefahr durch Reiserückkehrer minimiert und der Infektionsschutz an den Schulen auch in den Herbst- und Wintermonaten aufrechterhalten werden.

Neben der Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske im Unterricht am Platz müssen alle nicht geimpften Schülerinnen und Schüler für die Teilnahme am Präsenzunterricht drei- statt zweimal pro Woche einen negativen Testnachweis erbringen. Dieser könne weiterhin kostenfrei in der Schule erbracht werden und werde im Testheft vermerkt, teilte Lorz mit. Alternativ könne der Testnachweis auch über eines der Testzentren erfolgen. Der Nachweis darf zu Beginn des Schultags höchstens 72 Stunden alt sein.

Das Kultusministerium hatte bereits für die Zeit nach den Sommerferien zwei Präventionswochen mit diesen Maßnahmen angeordnet. Nach Einschätzung von Lorz hat dieses Vorgehen besonders mit dazu beigetragen, dass es im laufenden Schuljahr bislang durchgehend Präsenzunterricht an den hessischen Schulen gibt.

Die regelmäßige Dokumentation der Schülertests im Testheft, die auch als Negativnachweis in der Freizeit etwa im Kino oder Restaurant gilt, bleibt nach Angaben des Ministers auch in den Ferien gültig. Voraussetzung dafür sei, dass in der Woche vor den Ferien die zwei notwendigen Tests im Heft dokumentiert sind. Sollte das Testheft bei Vorlage während der Ferien nicht akzeptiert werden, könnten die Kinder ein entsprechendes Schreiben des Kultusministeriums als Bestätigung vorlegen. Das Schreiben erhielten die Eltern noch vor den Ferien über die Schulen.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) riefen derweil zum Start der Herbstferien eindringlich dazu auf, auch im Urlaub die Corona-Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und sich impfen zu lassen. Auch das Testen bleibe gerade in und nach Urlauben in den Herbstferien wichtig. «Wir wissen, dass es an Urlaubsorten auch zu größerem Publikumsverkehr kommt, beispielsweise auf Märkten oder in belebten Innenstädten.» Daher sei es wichtig, dass sich die Menschen an die Abstands- und Hygieneregeln halten und immer dort, wo viel los ist, eine Maske tragen.

Mehr Corona-Tests und strengere Maskenpflicht nach Herbstferien

Hessens Schüler müssen nach den Herbstferien öfter zum Corona-Test und auch im Unterricht am Platz eine Maske tragen. Diese verschärften Maßnahmen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gelten vom 25. Oktober bis 5. November, wie das Kultusministerium am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

«Wir wollen, dass auch nach den Herbstferien so viele Schülerinnen und Schüler wie möglich jeden Tag in die Schule gehen können», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) die zwei Präventionswochen. Damit solle vor allem die Infektionsgefahr durch Reiserückkehrer minimiert und der Infektionsschutz an den Schulen auch in den Herbst- und Wintermonaten aufrechterhalten werden.

Neben der Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske im Unterricht am Platz müssen alle nicht geimpften Schülerinnen und Schüler für die Teilnahme am Präsenzunterricht drei- statt zweimal pro Woche einen negativen Testnachweis erbringen. Dieser könne weiterhin kostenfrei in der Schule erbracht werden und werde im Testheft vermerkt, teilte Lorz mit. Alternativ könne der Testnachweis auch über eines der Testzentren erfolgen. Der Nachweis darf zu Beginn des Schultags höchstens 72 Stunden alt sein.

06.10.2021

Kultusminister beraten über Corona und Schulen

Berlin/Potsdam (dpa) - Die Kultusministerinnen und -minister der Länder beraten am Donnerstag und Freitag unter anderem über das weitere Vorgehen an den Schulen in der Corona-Pandemie. Bundesweit bindende Beschlüsse sind bei dem Treffen in Potsdam nicht zu erwarten, da die Bundesländer über Maßnahmen an ihren Schulen selbst entscheiden. So ist beispielsweise unterschiedlich - auch abhängig von regionalen Corona-Zahlen - geregelt, wann und wo Schülerinnen und Schüler Masken tragen müssen und wie oft sie getestet werden.

Einig war sich die Kultusministerkonferenz schon im Sommer, dass es in diesem Schuljahr nicht wieder zu Ausfällen wie im vergangenen kommen soll. Kontinuierlichem Präsenzunterricht müsse in der Gesellschaft höchste Priorität eingeräumt werden. Über die Ergebnisse der Beratungen will die derzeitige KMK-Präsidentin und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst am Freitag bei einer Pressekonferenz informieren.

Maskenpflicht an Schulen soll ab 2. November entfallen

Müssen Schüler im Unterricht weiter die Maske tragen? In einer Reihe von Bundesländern ist die Maskenpflicht an Schulen bereits gelockert. Das NRW-Schulministerium stellt das für Anfang November in Aussicht. Die Ankündigung wird von verschiedenen Seiten kritisch gesehen.

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Landesregierung hat eine Lockerung der Maskenpflicht an den Schulen in Nordrhein-Westfalen ab dem 2. November in Aussicht gestellt. Unter Berücksichtigung des weiteren Infektionsgeschehens sei es die Absicht der Landesregierung, die Maskenpflicht im Unterricht auf den Sitzplätzen mit Beginn der zweiten Woche nach den Herbstferien abzuschaffen, heißt es in einer am Mittwoch versendeten Schulmail des NRW-Schulministeriums. Eine Maskenpflicht bestehe dann nur noch im übrigen Schulgebäude. Im Außenbereich gebe es bereits heute keine Maskenpflicht mehr.

«Unsere Schülerinnen und Schüler haben in den vergangenen Monaten der Pandemie viele Einschränkungen hinnehmen müssen», erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in einer Mitteilung. Sie hätten das auf eine bewundernswerte Art und Weise und mit einer großen Verantwortungsbereitschaft getan. «Wir sind es ihnen schuldig, dass wir unsere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie kontinuierlich überprüfen und nicht länger aufrechterhalten als unbedingt erforderlich», betonte Gebauer. Sie appellierte an die Erwachsenen, sich impfen zu lassen und so auch die Kinder zu schützen.

Am ersten Schultag nach den Herbstferien (25. Oktober) sollen zum Unterrichtsbeginn alle Schülerinnen und Schüler getestet werden, die nicht immunisiert sind. Es sei denn, sie können einen sogenannten Bürgertest vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Dies gelte auch für die Lehrkräfte und sonstiges schulisches Personal, heißt es in der Mail. Ab dem zweiten Schultag würden dann die in den Schulen üblichen Tests bis zu den Weihnachtsferien fortgeführt. Das gelte für die Corona-Selbsttests (dreimal pro Woche) an den weiterführenden Schulen wie für die PCR-Pooltests (zweimal pro Woche) an den Grund- und Förderschulen.

Die Landeselternschaft der Gymnasien in NRW begrüßte die Ankündigung. «Eine gute Entscheidung mit Bedacht, denn die Kinder werden durch die Situation belastet», erklärte der Verband. Wer die Maske freiwillig weiter tragen möchte, könne das auch tun. Die Lockerung sei eventuell nicht risikolos. «Aber wenn Millionen von Schülern über Stunden jeden Schultag, über Wochen und Monate hinweg im Klassenzimmer kein Lächeln von dem sympathischen Lehrer oder der netten Sitznachbarin erhalten können, entsteht möglicherweise ein ganz anderes Risiko», hieß es.

Die Gewerkschaft GEW übte heftige Kritik an der Landesregierung. «Das ist ein Ritt auf der Rasierklinge», sagte die Landesvorsitzende Ayla Çelik der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (Donnerstag). Man müsse über hellseherische Fähigkeiten verfügen, um ein Ende der Maskenpflicht heute schon für November zu beschließen.

Nach Ansicht des Verbandes Bildung und Erziehung NRW ist es richtig, nach den Herbstferien zunächst vorsichtig zu starten. «Denn es gilt, Quarantäne zu vermeiden und den Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten», sagte Landeschef Stefan Behlau. Der Verband Lehrer NRW bewertete die Ankündigung der Landesregierung hingegen als eine riskante Entscheidung. «Klar ist: Alle am Schulleben Beteiligten wünschen sich eine schulische Normalität ohne Maske – allerdings ist der Zeitpunkt 2. November zu früh», erklärte der Vorsitzende Sven Christoffer.

Die SPD-Landtagsfraktion warnte die Landesregierung davor, falsche Erwartungen zu wecken. «Wir wissen aus dem vergangenen Jahr, welche Risiken der Herbst mit sich bringen kann», sagte Fraktionsvize Jochen Ott. Es sei richtig, die Auswirkungen der Herbstferien abzuwarten und die Maskenpflicht nicht bereits jetzt abzuschaffen. Die Entscheidung sei mit der Schulmail jedoch vorweggenommen worden. Damit wecke die Regierung Erwartungen, für die sie noch keine Grundlage habe.

Die Zahl der Corona-Infektionen bei Schülern ist nach Angaben des Ministeriums weiter gesunken. In der vergangenen Woche hätten die Schulen 3925 bestätigte Corona-Infektionen bei Schülern gemeldet. Das seien 0,2 Prozent aller Schüler in den Schulen, die sich an der Umfrage beteiligten. Eine Woche zuvor waren es 4780 (0,25 Prozent) und vier Wochen zuvor sogar 9330 bestätigte Fälle (0,5 Prozent).

Mehr als 90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in NRW sind nach Daten des Schulministeriums vollständig gegen Corona geimpft. Der Anteil der Lehrkräfte mit vollständigem Impfschutz lag in der vergangenen Woche bei 90,9 Prozent, wie aus der Übersicht zur wöchentlichen Schulabfrage hervorgeht. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung von NRW sind 68,3 Prozent vollständig geimpft, wie aus den am Mittwoch veröffentlichten Daten des Robert Koch-Institutes hervorgeht.

In einer Reihe von Bundesländern ist die Maskenpflicht an Schulen bereits gelockert. So traten Anfang vergangener Woche in Bayern und Berlin Lockerungen in Kraft, auch in anderen Bundesländern werden Neuregelungen erwogen. Sie fallen aber nicht einheitlich aus. In Berlin müssen jüngere Schüler bis zur sechsten Klasse seit Montag im Unterricht keine Maske mehr tragen, in Bayern entfiel die Tragepflicht im Klassenzimmer für alle Schüler. Im Saarland müssen Schüler in der Schule überhaupt keine Maske mehr tragen.

05.10.2021

Deutlich mehr Schüler fehlen in England wegen Corona im Unterricht

London (dpa) - In englischen Schulen breitet sich das Coronavirus offensichtlich wieder stärker aus. Wie das Bildungsministerium in London am Dienstag mitteilte, verpassten am vergangenen Donnerstag (30. September) mehr als 200 000 Kinder aus Corona-Gründen den Unterricht. Das sind etwa 2,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler im größten britischen Landesteil. Am 16. September fehlten laut Ministerium etwa 122 000 Kinder und Jugendliche (1,5 Prozent) im Unterricht.

Abwesend waren nun allein 102 000 Schülerinnen und Schüler wegen einer bestätigten Corona-Infektion und 84 100 mit einer vermuteten - jeweils fast doppelt so viele wie zwei Wochen zuvor. Tausende verpasst zudem wegen coronabedingter Schulschließungen den Unterricht.

Schulleiter berichteten von einem «hohen Ausmaß an Störungen», weil die neuen Corona-Regeln zur Selbstisolation zur Ausbreitung des Virus in Schulen beitrügen. Seit dem Beginn des Schuljahres müssen sich Schülerinnen und Schüler nur noch isolieren, wenn sie selbst positiv getest werden und nicht mehr nach Kontakt mit Infizierten. «Wir wissen von Schulen, an denen zehn Prozent und mehr der Schüler fehlen und auch Lehrer und Angestellte wegen des Virus nicht zur Arbeit kommen», sagte Geoff Barton, Generalsekretär des Schulleiterverbands Association of School and College Leaders.

Bildungsminister Nadhim Zahawi betonte hingegen, die Regierung halte an den Maßgaben fest. Mittlerweile dürfen auch 12- bis 15-Jährige gegen das Coronavirus geimpft werden.

Corona-Pandemie hat «Brennglaseffekt» bei psychischer Gesundheit

Die einen futtern nur noch Chips oder legen das Smartphone nicht mehr aus der Hand. Die anderen hören auf zu essen und ziehen sich zurück. In der Corona-Pandemie leiden Kinder und Jugendliche auch psychisch. Was tun?

Frankfurt/Wiesbaden (dpa/lhe) - Daniel Schröder, Regionalleiter des Kinderprojektes «Die Arche» in Frankfurt, hat nach dem Corona-Lockdown Kinder gesehen, die «kiloweise zugenommen» haben: ohne den Sportunterricht an der Schule, oft in kleinen und beengten Wohnungen lebend, mit Eltern, die hofften, dass es schon wieder rund ginge und nicht oder zu spät einschritten. «Es gab Kinder, die haben nur noch Chips gegessen und waren 16 Stunden online», sagte er am Dienstag beim «Runden Tisch» der Landesärztekammer Hessen.

Es ging um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Jugendliche - nicht nur die körperlichen durch Bewegungsmangel, sondern vor allem um die seelischen Folgen. Dass es mehr psychische Auffälligkeiten und Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen während der Pandemie gab, war in den vergangenen Monaten Thema gleich mehrerer Studien. Am Dienstag in Frankfurt kam immer wieder der «Brennglaseffekt» von Corona zur Sprache.

«Wir stellen häufig fest, dass Symptome stärker ausgeprägt sind als vor Corona», sagte die Kinder- und Jugendpsychiaterin Martina Pitzer, Direktorin einer Fachklinik in Eltville. So habe es eine deutliche Zunahme von Essstörungen gegeben mit untergewichtigen jungen Patienten, die in die Klinik gekommen seien. Auch sehe sie eine Zunahme vor allem bei Patientinnen mit ausgeprägter Depression bis hin zu Gedanken an einen Suizid oder Versuchen, sich das Leben zu nehmen.

Das Risiko von Kindern und Jugendlichen, während der Corona-Pandemie psychisch zu erkranken, hängt nach Ansicht der Experten auch stark mit der jeweiligen Lebenssituation zusammen. Wer in beengten Verhältnissen ohne Balkon oder Garten lebe, habe weniger Möglichkeiten, etwa durch Bewegung ein positives Erlebnis zu haben, als Kinder, die buchstäblich Raum zur Entfaltung haben, hieß es.

Eltern sollten darauf achten, ob ihre Kinder Anzeichen eines sozialen Rückzugs zeigten, empfahl der Kinder- und Jugendarzt Karlheinz Dieter Moebus. Er habe einen deutlichen Anstieg von Kindern mit psychosomatischen Beschwerden festgestellt, von Kindern, die unter Schmerzen leiden, für die keine organische Ursache erkennbar sei. Manche Kinder und Jugendliche seien niedergeschlagen, andere zeigten ein «unangepasstes Sozialverhalten».

Wenn Kinder morgens gar nicht mehr aus dem Bett kämen oder nur noch online Freundschaften schließen, könne dies ein Warnsignal sein, so Moebus. Noch ungewiss seien die Auswirkungen auf ganz junge Kinder, die in die Pandemie hineingeboren wurden und außerhalb der Familie kaum einen Erwachsenen ohne Mund-Nase-Maske zu Gesicht bekommen hätten.

Hilfsangebote dürften nicht kurzfristig angelegt sein und müssten deutlich über die Zeit der Pandemie hinausgehen, waren sich die Experten am «Runden Tisch» einig. Doch genau hier zeige sich ein schon lange bestehendes Problem. «Es fehlen Stellen, und es fehlen Fachkräfte», sagte Moebus.

«Unsere Schulen müssten besser ausgestattet sein, es braucht mehr Personal, um Auffälligkeiten festzustellen» sagte auch Schröder. Es fehle an Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen. Gerade an Schulen in sozialen Brennpunkten seien sie aber dringend nötig, um Probleme frühzeitig zu erkennen und Hilfsangebote machen zu können. Die Frankfurter Arche habe den Kontakt zu den Kindern und den etwa 300 Familien, mit denen sie arbeite, zwar auch im Lockdown nicht abreißen lassen. Dieser habe jedoch gerade bei Kindern aus sozial schwachen Familien ohne Deutsch als Muttersprache im Grundschulalter schwere Folgen gehabt. «Es gab Kinder, die die Grundrechenarten und Sprachfertigkeit verlernt haben. Da muss man im Grunde bei Null anfangen.»

04.10.2021

Landesmittel zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur an Schulen

Wiesbaden (dpa/lhe) - Um die digitale Infrastruktur der Schulen sowie deren Ausstattung zu verbessern, hat das Land Hessen nach Angaben des Hessischen Kultusministeriums die Bundesmittel des Digitalpakts um 129 Millionen Euro von 371 Millionen auf 500 Millionen Euro aufgestockt. Auch die Bundesmittel der drei Zusatzprogramme zur Ausstattung von Lehrkräften und bedürftigen Schülerinnen und Schülern mit mobilen Endgeräten sowie zum Ausbau der IT-Administration seien jeweils um 13 Millionen Euro von 37 Millionen auf 50 Millionen Euro mit Landesmitteln erweitert worden. Hinzu kommen dem Ministerium zufolge 3,7 Millionen Euro für Betrieb und Ausbau der landesweiten pädagogischen Online-Plattform «Schulportal Hessen», 4 Millionen Euro für die Einrichtung eines landesweiten Videokonferenzsystems sowie 1 Million Euro für unterstützende medienpädagogische Maßnahmen und schulische Projekte.

Kinderärzte bekräftigen Ablehnung von Maskenpflicht an Schulen

Berlin (dpa) - Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat seine Forderung nach einem Ende der Maskenpflicht an Schulen bekräftigt. Dafür sei jetzt der richtige Zeitpunkt, sagte der Verbandssprecher, der Berliner Kinderarzt Jakob Maske, am Montag im Deutschlandfunk. Kinder und Jugendliche hätten genug gelitten, zurückgesteckt und Rücksicht auf ältere Altersgruppen genommen. «Jetzt ist endlich wieder Zeit, normalen Unterricht zu machen, normal durch Mund und Nase atmen zu können, ohne dass hier eine Beschränkung durch die Maske da ist.» Die Virologin Melanie Brinkmann vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hatte die Abschaffung der Maskenpflicht an Schulen mit Verweis auf die hohe Anzahl Nicht-Geimpfter, darunter Kinder, «verfrüht» genannt. In mehreren Bundesländern wurden Maskenregeln für Schüler inzwischen gelockert. Natürlich würden sich Viren dadurch wieder schneller verbreiten, sagte Maske. «Aber wir sind wenig besorgt, weil Kinder sehr, sehr, sehr selten wirklich schwer erkranken.» Sie sollten aber weiter durch Impfungen des Schulpersonals und der Lehrer geschützt werden. «Wann wollen wir denn zur Normalität zurückkehren? Wollen wir jetzt immer Maske tragen?», fragte der Kinderarzt. Infektionen gebe es immer. Corona sei für diese Altersgruppe relativ harmlos. «Wir wollen das nicht herunterspielen, es gibt einzelne schwere Verläufe, gar keine Frage, aber es ist ein im Moment für Kinder harmloser Infekt.»/p>

Kommunen warnen vor genereller Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen

Berlin (dpa) - Der Städte- und Gemeindebund hat vor einer vorschnellen Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen gewarnt. Schülerinnen und Schüler seien eine besonders gefährdete Gruppe, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Sie könnten zum großen Teil noch nicht geimpft werden und müssten über viele Stunden auf vergleichsweise engem Raum täglich am Unterricht teilnehmen. «Deswegen ist es weiterhin wichtig, dass Schülerinnen und Schüler regelmäßig getestet werden und insbesondere in Gebieten, wo die Inzidenzzahlen vergleichsweise hoch sind, auch an der Maskenpflicht festgehalten wird.»

Zwei Bundesländer lockern an diesem Montag die Maskenpflicht an Schulen. In Berlin ist die Pflicht zum Masketragen im Unterricht bis zur sechsten Klasse fortan aufgehoben, in Bayern müssen im Unterricht nun generell keine Masken mehr getragen werden. Im Saarland gilt das Ende der Maskenpflicht an Schulen bereits seit Freitag, in Baden-Württemberg und Sachsen wird es erwogen. Die Frage der Gefährdung von Kindern und Jugendlichen durch Covid-19 wird schon seit langem kontrovers diskutiert.

01.10.2021

Länder lockern Corona-Regeln - Debatte über Masken an Schulen

Die Corona-Regeln an Schulen gehören seit Beginn der Pandemie zu den am meisten diskutierten Maßnahmen. Nun fallen in mehreren Bundesländern weitere Einschränkungen im Alltag und auch Maskenvorgaben an Schulen. Das sorgt für Diskussionen.

In weiteren Bundesländern treten zum Wochenende Corona-Lockerungen in Kraft. Tanzen in Clubs ohne Abstand und Maske ist in Bayern oder dem Saarland wieder möglich, für Menschen die geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen dürfen wieder mehr Zuschauer zu Konzerten oder ins Fußballstadion. Hintergrund sind neue Corona-Verordnungen in den Ländern. Parallel dazu werden auch Maskenregeln an Schulen gelockert. Das stößt auf Zustimmung aber auch auf Kritik.

Der Deutsche Lehrerverband zeigte sich skeptisch. Präsident Heinz-Peter Meidinger nannte den Schritt «zu früh». Der Verzicht auf Masken, Tests und die «zu starke Reduzierung» von Quarantänemaßnahmen erhöhe die Gefahr, dass die Schule zur Black Box werde, was eine Kontrolle von Infektionen nicht mehr zulasse, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Maike Finnern, sagte dem RND, eine Maskenpflicht bleibe als «Teil des Maßnahmenbündels abhängig vom Infektionsgeschehen sinnvoll».

Die Bildungsgewerkschaft VBE rief ebenfalls zur Vorsicht auf. «Jedes kurze Aufatmen ob leicht sinkender Zahlen wird genutzt, um Schutzmaßnahmen in den Wind zu schießen», kritisierte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. «Bei schwächelnder Impfquote in der Gesamtgesellschaft und fehlender technischer Unterstützung für das Lüften kann das Maskentragen einen wirkungsvollen Schutzmechanismus anbieten, der nicht bedenkenlos abgeschafft werden sollte», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

In Bayern beispielsweise soll die Maskenpflicht ab nächster Woche im Unterricht wegfallen. Auch in Baden-Württemberg und Sachsen wird ein solcher Schritt für die nächste Zeit erwogen. Im Saarland muss seit Freitag generell keine Maske mehr in der Schule getragen werden. An Berliner Schulen wird sie bis zur sechsten Klasse aufgehoben. In Brandenburg ist das bereits der Fall.

Für die Jüngsten ist das aus Sicht von Edgar Bohn, dem Vorsitzenden des Grundschulverbandes aus pädagogischer Sicht sinnvoll. «Das Kennenlernen unserer Erstklässler mit Maske ist schwierig. Wenn Kinder nur die Augen sehen, fehlen viele Ausdrucksmöglichkeiten», sagte der ehemalige Grundschulleiter der dpa. Es gehe auch um den Erwerb der wichtigen sozialpsychologischen Fähigkeit, aus der Mimik von Mitschülern Rückschlüsse zu ziehen, wie es diesen gehe, sagte Bohn.

Zudem gestalte sich der Erwerb der Schriftsprache mit Maske schwierig, «weil man dort auf Mund- und Zungenstellung achten muss und darauf, wie der Laut gebildet wird, der dann auch in einem Wort beim Lesen erkannt werden muss.» Bohn betonte aber auch, dass weiterhin die Infektionslage zum Beispiel durch Tests beobachtet werden müsse. «Das Weglassen der Maskenpflicht muss mit der Absicherung passieren, dass bei sich verschlechternder Infektionslage schnell entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.»

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor einer Corona-Welle im Herbst und Winter. «Immer noch sind 30 Prozent der Unter-60-Jährigen nicht geimpft. Wir unterschätzen diese enorme Zahl. Sie ist zu hoch, um einen Anstieg der Infektionszahlen zu verhindern», sagte er dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitag). Auch das Robert Koch-Institut (RKI) erwartet nach einem Rückgang der Zahlen in den vergangenen Wochen für Herbst und Winter wieder einen Anstieg, wie es in seinem Wochenbericht vom Donnerstagabend schreibt.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag in Berlin, man sei in einer etwas besseren Situation als vor einigen Wochen, «aber wir haben keine Gewissheit, dass es so gut weitergeht und müssen deswegen natürlich vorsichtig bleiben».

Das Coronavirus geht nach den RKI-Daten besonders stark bei Kindern ab dem Vorschulalter und Jugendlichen bis 19 Jahren um. Gegen Covid-19 geimpft werden kann bisher ab einem Alter von 12 Jahren. Unter den Kindern und Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren sind laut RKI inzwischen 34,6 Prozent vollständig geimpft. In Deutschland insgesamt sind es nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 64,6 Prozent der Bevölkerung.

Die Frage der Gefährdung von Kindern und Jugendlichen durch Covid-19 wird kontrovers diskutiert. Befürworter strengerer Sicherheitsmaßnahmen an Schulen argumentieren damit, dass auch Kinder schwer erkranken könnten und weisen auf mögliche Langzeitfolgen («Long Covid») hin. Kinder- und Jugendmediziner hatten Anfang September dagegen in einem offenen Brief für weniger strenge Maßnahmen geworben: Es sei wissenschaftlicher Konsens, dass Kinder und Jugendliche selbst nur in seltenen Fällen schwer durch eine Corona-Infektion erkrankten und in der Regel schnell genesen würden. «Auch die unter Long-Covid diskutierten Symptome treffen Kinder selten und nicht oder kaum häufiger als Gleichaltrige, die nie eine Sars-CoV-2-Infektion durchlaufen haben.»

Weniger Schülerinnen und Schüler in Quarantäne

Die Zahl der Brandenburger Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, die wegen Corona-Fällen in Quarantäne sind, ist im Vergleich zur Vorwoche leicht gesunken. Mit Stand Donnerstag befanden sich nach Angaben des Bildungsministeriums zuletzt 1984 Kinder und Jugendliche in häuslicher Isolation, was einem Anteil von 0,67 Prozent entspricht. In der Vorwoche waren es 2079. Wie in der vergangenen Woche ist landesweit keine Schule wegen Corona-Fällen komplett geschlossen. Auch die Zahl der Infektionen unter den Lernenden nahm ab - von 440 auf 316, wie das Ministerium am Freitag weiter mitteilte.

Außerdem waren 57 Lehrerinnen und Lehrer in Quarantäne, ein Anteil von 0,23 Prozent aller Beschäftigten. In der Vorwoche waren hier 59 in häuslicher Isolation. Hingegen nahmen die Corona-Fälle unter Lehrkräften leicht zu - von 27 in der vergangenen Woche auf 30 in der laufenden. Derzeit lernen an 923 Schulen rund 297 700 Schülerinnen und Schüler und es gibt etwa 25 000 Lehrkräfte.

In diesem Schuljahr lernen die Schülerinnen und Schüler im vollständigem Präsenzunterricht, auch die rund 23 000 Erstklässler. Allerdings gilt wegen der Corona-Pandemie für alle Schüler und Lehrkräfte eine Masken- und regelmäßige Testpflicht.

Prien: Corona-Tests für Schüler weiterhin kostenlos

Die Schüler in Schleswig-Holstein können in den am Montag startenden Ferien die Corona-Tests an Schulen durch Tests zu Hause und eine «qualifizierte Selbstauskunft» ersetzen. Darauf hat Bildungsministerin Karin Prien am Freitag hingewiesen. «Dadurch gelten die Kinder und Jugendlichen weiterhin als getestet und können so Kultur- und Freizeitangebote nutzen», äußerte die CDU-Politikerin. «Das heißt, dass wir bis auf weiteres ein kostenloses Testangebot vorhalten, damit Kinder und Jugendliche auch in der Freizeit an Sport, Musik und Gemeinschaftserlebnissen teilnehmen können.»

Prien bekräftigte die geplante Masken-Regelung für Schulen: Nach den Ferien werde zunächst für zwei Wochen weiterhin die Maskenpflicht in Kombination mit regelmäßigen Tests an Schulen gelten, erläuterte sie. Ab November solle bei günstiger Pandemielage die Maskenpflicht weiter gelockert werden. Details seien in der letzten Abstimmung. «Ich gehe davon aus, dass wir etwa an den Sitzplätzen auf die Masken verzichten werden, während auf den Laufwegen weiterhin die Maske getragen wird.»

Die Hygienemaßnahmen haben sich laut Prien bewährt. Nur in sehr wenigen Einzelfällen hätten Lerngruppen zu Beginn des Schuljahres in Quarantäne gehen müssen. Besonders erfolgreich sei das Impfen an Schulen gewesen. «Über 13 000 Schülerinnen und Schüler und auch deren Angehörige haben ein Impfangebot an den Schulen wahrgenommen.» Prien rief die Ungeimpften auf, die Herbstferien zum Impfen zu nutzen.

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat verwies darauf, dass sich Kinder unter zwölf Jahren sich noch nicht impfen lassen können und Hersteller Impfstoff für Jüngere in Aussicht gestellt hätten. «Davon und von den tatsächlichen Infektionszahlen im Herbst sollte abhängig gemacht werden, ob und wie weit die Maskenpflicht ab November gelockert werden kann.» Sicherheit sollte vor Schnelligkeit gehen.

Kultusminister erwägt Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) erwägt, für die Zeit nach den Herbstferien die Maskenpflicht im Schulunterricht abzuschaffen. Während bei einer Inzidenz ab 35 im Schulgebäude eine Maske getragen werden müsste, sollte sie am Platz und im Unterricht nicht mehr nötig sein, teilte das Ministerium am Freitag mit. Zuvor hatten mehrere Medien übereinstimmend von den Plänen berichtet. Eine Entscheidung des Kabinetts steht aber noch aus.

«Wir müssen die Abschaffung der Maskenpflicht ernsthaft diskutieren. Kaum eine Bevölkerungsgruppe muss am Tag so lange Maske tragen wie die Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen. Wir dürfen von Kindern und Jugendlichen nicht mehr abverlangen als von Erwachsenen», erklärte Piwarz. An der Testpflicht werde man aber festhalten. Nach den Herbstferien soll in der ersten Woche wieder drei Mal wöchentlich getestet werden.

Die CDU-Fraktion im Landtag begrüßte die Pläne. Masken im Unterricht seien lange Zeit notwendig gewesen, um die Ausbreitung der Pandemie zu stoppen, sagte ihr Bildungsexperte Holger Gasse. «Aber die Erfahrung nach den Sommerferien hat gezeigt, dass das Test-System an den Schulen vollkommen ausreicht.» Auch andere Bundesländer gingen diesen Weg.

Nach Angaben des Kultusministeriums wurden seit vergangenem Dienstag 7 Corona-Infektionen bei Lehrerinnen und Lehrern und 18 bei Schülerinnen und Schülern registriert. Aktuell sind 873 Mädchen und Jungen in Quarantäne. Das sind 0,2 Prozent aller Schülerinnen und Schüler im Freistaat.

30.09.2021

Luftfilter für 26 500 Klassenzimmer gefördert oder beantragt

Bislang hat nur ein Teil der bayerischen Klassenzimmer Luftreiniger bekommen. Alles in allem wurden von den Schulaufwandsträgern Förderanträge für 26 500 Räume beim bayerischen Kultusministerium gestellt, wie das Kultusministerium am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Dem stehen in Bayern etwa 75 000 Schulklassen gegenüber, die Zahl der Zimmer - auch Fachräume, Räume für Ganztagesangebote oder Lehrerzimmer werden von der aktuellen Förderung eingeschlossen - liegt höher.

Von den 26 500 Anträgen wurden 14 000 bereits in den beiden abgeschlossenen Förderrunden im vergangenen Herbst, Winter und Frühjahr gestellt. Der Rest der Anträge entfällt auf die aktuell laufende Runde. Diese sei «in vollem Gange», heißt es vom Kultusministerium. «Die Anzahl der gestellten Anträge erhöht sich täglich.» Wie viele Räume bereits einen Luftfilter erhalten haben, ist beim Kultusministerium nicht bekannt. Zudem verweist es darauf, dass auch Luftreinigungsanlagen ohne eine entsprechende Förderung durch den Freistaat geben könne.

29.09.2021

Zwei Wochen Maskenpflicht in Schulen nach den Herbstferien

Nach den Herbstferien gilt in Mecklenburg-Vorpommerns Schulen für zwei Wochen die Maskenpflicht. «Diese Regelung, die zuletzt nach den Sommerferien umgesetzt wurde, dient ausdrücklich dem gegenseitigen Schutz nach längerer unterrichtsfreier Zeit», hieß es aus dem Bildungsministerium. Die Regelung sei jedoch bereits bekannt und Teil der aktuellen Schul-Corona-Verordnung.

Weiter hieß es, dies gelte unabhängig von der risikogewichteten Einstufung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus). Ansonsten gelte die Maskenpflicht in der Schule und auf schulischen Anlagen erst ab Stufe 2 (gelb) der Corona-Ampel MV.

Daneben müssen den Angaben zufolge Erziehungsberechtigte und volljährige Schülerinnen und Schüler - wie schon nach den vergangenen Ferien - eine unterschriebene Erklärung über das Reiseverhalten vorlegen. Die Erklärung müsse in der Schule abgegeben oder in digitaler Form übermittelt werden, hieß es. Ihre Rückgabe werde in der digitalen Form im Klassenbuch vermerkt. Personenbezogene Daten werden dabei einem Sprecher zufolge nicht gespeichert.

Baden-Württemberg erwägt Ende der Maskenpflicht in Schulen

Die baden-württembergische Regierung aus Grünen und CDU erwägt ein Ende der Maskenpflicht im Unterricht an Schulen. «Es gibt Überlegungen, die Maskenpflicht in Schulen am Platz zu überarbeiten», sagte Regierungssprecher Arne Braun am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Die nächste Aktualisierung der Corona-Verordnung stehe für übernächste Woche an. «Es kann sein, dass wir das da schon überarbeiten.» Eine solche Lockerung wäre aber Teil eines Gesamtpakets.

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz sagte der dpa: «Die Corona-Maßnahmen stehen kontinuierlich auf dem Prüfstand - natürlich schließt das die Überprüfung der Maskenpflicht im Klassenzimmer ein. Insofern denken wir auch darüber nach, ob die Maskenpflicht am Platz aufgehoben werden kann.» In Bayern sollen Schülerinnen und Schüler schon von nächster Woche an im Unterricht keine Masken mehr tragen müssen.

 

Saarland verzichtet komplett auf Maskenpflicht an Schulen

An den Schulen im Saarland gilt von diesem Freitag an keine Maskenpflicht mehr - sowohl in den Klassenzimmern als auch in allen anderen Bereichen. Auch auf die Einteilung der Schülerinnen und Schüler in feste Gruppen wird dann verzichtet, wie Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) am Mittwoch in Saarbrücken mitteilte. Demzufolge erübrigten sich feste Wegeführungen in den Schulgebäuden oder die Aufteilung des Schulhofes in getrennte Bereiche.

Die Testpflicht an den Schulen bleibt hingegen bis auf weiteres bestehen. An den weiterführenden Schulen reichen Selbsttests aus. An Grund- und Förderschulen testet nach wie vor medizinisches Personal. Anfang November ist dann eine Umstellung auf sogenannte Lolli-Antigen-Schnelltests vorgesehen, die von den Grundschülern selbst gemacht werden können.

Bund: Lockerungen bei Maskenpflicht in Schulen Ländersache

Lockerungen bei Corona-Vorgaben zur Maskenpflicht im Unterricht liegen aus Sicht der Bundesregierung in der Verantwortung der Länder. Unter Schutz- und Hygienekonzepte an den Schulen könne auch das Maskentragen fallen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. Grundsätzlich würden Konzepte an die Pandemielage angepasst. Die Ausgestaltung sei aber Sache der Länder.

Das Tragen von Masken könne weiterhin eine sinnvolle Maßnahme sein, erläuterte Seibert. Generell gelte es, die Entwicklung der Infektionszahlen und den Impffortschritt bei Kindern zwischen 12 und 17 Jahren zu beobachten.

In Bayern sollen Schülerinnen und Schüler in Kürze am Platz keine Masken mehr tragen müssen. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach Teilnehmerangaben in einer CSU-Fraktionssitzung am Mittwoch an. Demnach soll dies in der Kabinettssitzung an diesem Donnerstag beschlossen werden. Seit Beginn des neuen Schuljahres müssen Schulkinder auch am Platz wieder eine Maske tragen. Ausnahmen gelten bislang etwa beim Sportunterricht oder bei einer Stoßlüftung.

In den Berliner Schulen wird ab Montag die Maskenpflicht bis zur einschließlich sechsten Klasse aufgehoben. Das gilt vor allem für Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und die ersten beiden Klassen grundständiger Gymnasien, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung mitteilte.

Keine Maskenpflicht am Platz in Bayerns Schulen mehr

Schülerinnen und Schüler in Bayern sollen von nächster Woche an im Unterricht keine Masken mehr tragen müssen. Dies kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch in einer Sitzung der CSU-Landtagsfraktion in München an. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zufolge endet die Maskenpflicht am 4. Oktober auch im Sportunterricht. Förmlich beschlossen werden soll dies vom Kabinett an diesem Donnerstag. Die Freien Wähler als kleinerer Koalitionspartner hatten vehement darauf gedrängt.

«Wie von mir vorgesehen wird die Maskenpflicht im Unterricht am Platz ab dem 4. Oktober aufgehoben», sagte Piazolo. «Für mich war immer klar: Die Maskenpflicht am Platz fällt, wenn es die Zahlen und Umstände zulassen.» In den ersten Unterrichtswochen sei Ziel gewesen, Infektionen durch Reiserückkehrer zu verhindern. «Dieses Ziel haben wir erreicht.» Inzwischen habe man insbesondere mit den regelmäßigen Corona-Tests ein sehr enges Sicherheitsnetz. Außerhalb des Klassenzimmers muss im Schulhaus aber weiter Maske getragen werden.

Seit dem Beginn des Schuljahrs mussten Schülerinnen und Schüler auch am Platz wieder Mund- und Nasenschutz tragen - an weiterführenden Schulen eine medizinische Maske, an Grundschulen sind auch Mund-Nasen-Bedeckungen aus Stoff erlaubt. Regelmäßige Corona-Tests sind für alle Schülerinnen und Schüler in Bayern Pflicht - entweder mit Selbsttests dreimal pro Woche oder an Grundschulen mit neuartigen PCR-Pool-Tests. Diese sollen bis Ende der Woche möglichst überall eingeführt sein.

28.09.2021

Teamviewer steigt in den Bildungsmarkt ein

Der Softwareanbieter Teamviewer wird künftig auch eine Lösung für den Online-Unterricht anbieten. Das kündigte das MDax-Unternehmen am Dienstag in Göppingen an. «TeamViewer Classroom» sei die erste vollständig datenschutzkonforme Lösung eines großen Softwareanbieters, die auf die Nutzung von Drittanbietern verzichte. «Damit können alle datenschutzrechtlichen Anforderungen der Kultusministerien in Deutschland, wie auch der europäischen Partnerländer, erfüllt werden», sagte ein Firmensprecher.

In der Coronakrise hatten viele Schulen in Deutschland ihren Online-Unterricht mit Lösungen von US-Anbietern wie Microsoft, Zoom oder Google bestritten, obwohl etliche Datenschutzbeauftragte massive Bedenken dagegen hatten. «Mit dem neuen Schuljahr werden wir allen Beschwerden nachgehen - und wir haben sehr viele Beschwerden von Eltern und Schülern über die Nutzung bestimmter Produkte», sagte Baden-Württembergs Datenschutzbeauftragter Stefan Brink in einem Interview mit dem «Schwäbischen Tagblatt» vor den Sommerferien. «Falls wir rechtswidrigen Einsatz von Tools feststellen, untersagen wir ihn.»

Teamviewer will sich mit mehreren Maßnahmen von den US-Anbietern absetzen. Die Classroom-Lösung sei in Europa von Teamviewer selbst entwickelt worden und werde auf eigenen Servern in deutschen Rechenzentren betrieben. «Es erfüllt sämtliche Regularien der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und legt einen besonderen Fokus auf die Barrierefreiheit.» Die webbasierte Lösung setze nur einen gängigen Browser auf PC, Laptop, Tablet oder Smartphone voraus und funktioniert damit auch auf älteren Geräten und unabhängig von Betriebssystemen.

Der Vorstoß auf den Bildungsmarkt ist auch ein Versuch von Teamviewer, das eigene Produktportfolio zu erweitern. Bislang ist das M-Dax-Unternehmen auf Fernwartungssoftware und Videokonferenzlösungen fokussiert. Zu Beginn der Coronakrise hatte Teamviewer von einer starken Sondernachfrage nach Homeoffice-Lösungen in der Corona-Krise profitiert. Seitdem hat Teamviewer viel Geld ins Wachstum gesteckt, was sich zuletzt unter anderem in höheren Kosten für Vertrieb, Marketing und Entwicklung niederschlug.

«Teamviewer Classroom» werde über reine Online-Meetings hinausgehen. So könnten Dokumente in Netz gemeinsam bearbeitet werden. Außerdem biete man digitale Tafeln, separate Räume für Gruppenarbeiten sowie die Möglichkeit von Echtzeitumfragen innerhalb der Lerngruppen. Die Anbindung von offenen Lernplattformen wie Moodle sei möglich.

Kultusministerin berichtet über Schulstart unter Corona-Bedingungen

Viel wurde vor einer vierten Corona-Welle gewarnt, die vor allem über die Schulen hinwegrollen könnte. Schließlich ist ein Großteil der Kinder und Jugendlichen ungeimpft. Noch verläuft es glimpflich.

Gut zwei Wochen nach der Rückkehr von Kindern und Jugendlichen in die Schulen will Kultusministerin Theresa Schopper am Dienstag (12.00) über den Verlauf des Unterrichts unter Corona-Bedingungen berichten. Die Befürchtungen, dass Rückkehrer aus dem Urlaub das Coronavirus massenweise in die Schulen tragen könnten, haben sich zunächst nicht erhärtet. Allerdings müssen Schülerinnen und Schüler auch im Unterricht Maske tragen und sich mehrfach pro Woche testen lassen. Hintergrund ist, dass es für unter Zwölfjährige keine Impfempfehlung gibt, die für ältere Kinder und Jugendliche gilt erst seit kurzem.

Seit dieser Woche müssen sich Kinder und Jugendliche, die nicht geimpft oder genesen sind, dreimal die Woche einem Corona-Schnelltest unterziehen. Mit PCR-Tests reichen zwei. Das Ministerium berichtete, dass derzeit (Stand: Montag, 12.00) an sechs Schulen insgesamt sechs Klassen oder Lerngruppen in Quarantäne sind. Darüber hinaus gebe es in etwa 770 Schulen Einzelfälle von Infektionen. Im Südwesten gibt es ungefähr 4500 Schulen.

27.09.2021

Beruf oder Studium: Test kann bei Orientierung helfen

Welcher Beruf passt zu mir? Welches Studium oder welche Ausbildung bereiten mich darauf optimal vor? Um gute Antworten auf diese Fragen zu finden, gibt es verschiedene Optionen.

Es gibt so viele verschiedene Ausbildungsberufe und Studienfächer. Wie treffe ich hier die richtige Wahl? Neben Praktika, Berufsmessen oder Hochschultagen an Universitäten, können bei der Suche nach einer passenden Option auch Tests helfen, schreibt das Portal «abi.de».

Viele Angebote sind kostenlos. So gibt es etwa Online-Tests, die die eigenen Stärken und Interessen abfragen. Aber auch Wissens- oder Eignungstest für alle, die bereits konkretere Vorstellungen dazu haben, welchen Beruf oder welches Studium sie anstreben.

Stärken und Interessen erkennen

Um die eigenen Fähigkeiten und Interessen zu entdecken, können Schülerinnen und Schüler beispielsweise auf den Seiten der Bundesagentur für Arbeit den kostenlosen Online-Test Check-U absolvieren.

Interessenten sollten vorab einen Account erstellen, diesen Test am besten am Computer mit ausreichend Ruhe ausfüllen und sich für die Aufgaben und Fragen etwa zwei Stunden Zeit nehmen.

Am Ende erhalten Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Übersicht zu ihren Stärken und Schwächen sowie zu ihren sozialen Kompetenzen. Zudem geht es um Interessen und berufliche Vorlieben, und es gibt Vorschläge zu sechs passenden Ausbildungs- und Studienfeldern.

Beratungsgespräch und studienbezogene Tests

Wer ein bestimmtes Fach studieren will, kann den kostenlosen Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) nutzen. Die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen müssen Teilnehmer für den Test anmelden. Daher gilt es, zuerst einen Termin mit einem Berufsberater zu vereinbaren.

Der SFBT klärt anhand konkreter Aufgaben ab, ob die Fähigkeiten der Interessierten für das angestrebte Studium ausreichen. Im Anschluss gibt der Berufspsychologische Service (BPS) eine Einschätzung zu den Ergebnissen ab.

Eine ähnliche Option gibt es für Ausbildungsberufe - insbesondere für Schülerinnen und Schüler, die dies nach der zehnten Klasse anstreben. Beim kostenlosen Berufswahltest (BWT) ist ebenfalls eine Anmeldung über einen Berufsberater oder eine Berufsberaterin möglich.

Wissenstest zu den Anforderungen bestimmter Unis

Sind Schülerinnen und Schüler an einem bestimmten Studienfach interessiert, können sie das Online-Portal Studiencheck der Arbeitsagentur nutzen.

Dort finden sie Wissenstests, die anzeigen, ob man die Voraussetzungen für die Aufnahme eines Studiums an einer bestimmten Hochschule erfüllen würde.

25.09.2021

Britischer Corona-Experte: Mehrheit der Kinder wird sich anstecken

Angesichts hoher Corona-Fallzahlen in britischen Schulen geht ein Experte davon aus, dass sich die meisten Kinder im Winter mit dem Virus anstecken werden oder schon angesteckt waren. «Ich denke, dass sich in sechs Monaten die Mehrheit infiziert haben wird», sagte der Public-Health-Experte Azeem Majeed vom Imperial College London der Deutschen Presse-Agentur.

Seit Ende der Schulferien in England sind die Fallzahlen unter den 5- bis 14-Jährigen enorm gestiegen. Die Inzidenz liegt mehr als doppelt so hoch wie in anderen Altersgruppen, wie etwa in einer Auswertung der «Financial Times» zu erkennen ist.

Großbritannien impft erst seit kurzem auch 12- bis 15-Jährige. «Es wäre besser gewesen, damit früher zu beginnen», sagte Majeed. «Da waren wir im Vergleich zu anderen europäischen Ländern spät dran.»

Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keine zugelassenen Corona-Impfstoffe, allerdings erkranken sie auch seltener schwer. Das Risiko sei eher, dass Kinder das Virus an Erwachsene weitergäben, die nicht oder weniger wirksam durch Impfstoffe geschützt seien, sagte der Mediziner.

Majeed hat keine großen Hoffnungen, dass die noch immer sehr hohen Corona-Fallzahlen in Großbritannien vor dem nächsten Frühjahr deutlich sinken werden. Die Inzidenz hat sich seit längerem um die 300 eingependelt. Pro Woche sterben im Schnitt etwa 1000 Menschen an oder mit Covid-19. «Die Regierung scheint das akzeptiert zu haben», sagte der Experte. Dabei handele es sich um einen der höchsten Werte in Europa.

Die Corona-Beschränkungen sind in England seit Mitte Juli fast vollständig aufgehoben. In den anderen Landesteilen des Vereinigten Königreichs gelten ähnlich Regeln, allerdings setzt man dort zum Beispiel noch stärker auf die Maskenpflicht.

Schüler brauchen in den Herbstferien aktuellen Corona-Test für 3G

In den Herbstferien benötigen Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen für die Teilnahme an 3G-Veranstaltungen einen aktuellen negativen Corona-Test. Das hat das Gesundheitsministerium in Düsseldorf auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur klargestellt. An 3G-Veranstaltungen dürfen nur gegen das Coronavirus Geimpfte, Genesene oder Getestete teilnehmen. Eigentlich gelten Schüler laut Coronaschutzverordnung «aufgrund ihrer Teilnahme an den verbindlichen Schultestungen als getestete Personen». Dieser Passus werde in den Ferien nun ausgesetzt, da die regelmäßigen Schultests in dieser Zeit wegfallen, erklärte ein Sprecher.

Wo nur Personen nach der 3G-Regel - geimpft, genesen oder getestet - zugelassen sind, müssten auch Schüler das Ergebnis eines höchstens 48 Stunden alten Schnelltests vorlegen. Nach einem Bund-Länder-Beschluss bleiben die Tests für Unter-18-Jährige weiterhin kostenlos.

Sofern die Corona-Schutzverordnung es zulasse, dürfe ein Schnelltest auch durch einen gemeinsamen Selbsttest vor Ort ersetzt werden, sagte der Sprecher. Dies gilt demnach bei «Bildungsangeboten, Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit und Sportangeboten für Kinder und Jugendliche».

24.09.2021

Weniger Schüler in NRW in Quarantäne - Infektionszahl geht zurück

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Corona-Quarantäne ist seit Einführung neuer Regeln in Nordrhein-Westfalen deutlich gesunken. Am Stichtag 22. September befanden sich nach Auskunft der Schulen landesweit rund 7580 Kinder und Jugendliche in häuslicher Isolation, zwei Wochen zuvor (Stichtag: 8. September) waren es noch mehr als 31 400. Das teilte das Schulministerium am Freitag mit. Seit Mitte September gelten in NRW Quarantäne-Erleichterungen. So müssen grundsätzlich nur noch nachweislich infizierte Schüler in Isolation.

Auch die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in der Schülerschaft geht laut Ministerium zurück. Meldeten die Schulen zum Stichtag 8. September noch insgesamt 8437 bestätigte Corona-Fälle, so seien es in dieser Woche noch 4780 gewesen. Das entspreche einem Anteil von etwa 0,25 Prozent der Schüler.

Allerdings liegt der Inzidenzwert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen bei Kindern und Jugendlichen im Schulalter immer noch weit höher als in anderen Altersgruppen. So lag die Inzidenz in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen laut Zahlen des Landeszentrums Gesundheit vom Donnerstag bei 182,7 und bei den 5- bis 9-Jährigen bei 134,9.

Mit den neuen Test- und Quarantäneregeln werde ein stabiler Präsenzunterricht für Kinder und Jugendliche gesichert, erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Durch inzwischen drei wöchentliche Schnelltests an den weiterführenden Schulen behalte das Ministerium die Entwicklung des Infektionsgeschehens «sehr genau im Blick». An Grund- und Förderschulen werde weiter auf die PCR-Lolli-Tests gesetzt.

Nach Ansicht der Bildungsgewerkschaft GEW NRW bedeuten sinkende Quarantänezahlen gerade nicht Sicherheit im Präsenzunterricht. «Wenn nur das positiv getestete Kind in Quarantäne geht und gleichzeitig in weiten Teilen auf Selbsttests gesetzt wird, ist das riskant», erklärte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik. So würden Infektionsketten nicht durchbrochen und Infektionen blieben unter dem Radar. Vielmehr sollten flächendeckende, engmaschige PCR-Tests und Luftfilter selbstverständlich sein - besonders mit Blick auf die kommende kalte Jahreszeit.


23.09.2021

Betreiberin von illegaler Schule soll aus «Querdenker»-Szene stammen

In Oberbayern wollten Eltern ihre Kinder nicht mehr in staatliche Schulen schicken. Lieber gaben sie ihre Söhne und Töchter in eine fragwürdige private Einrichtung. Die Behörden reagierten nach ersten Hinweisen schnell.

Im oberbayerischen Landkreis Rosenheim haben möglicherweise Vertreter aus der sogenannten Querdenker- und Reichsbürger-Szene versucht, eine eigene Schule aufzubauen. Die Bildungseinrichtung auf einem Bauernhof in Schechen wurde nach Hinweisen aus der Bevölkerung von den Behörden geschlossen. Die Betreiberin der illegalen Schule könne in die Querdenker- und Reichsbürger-Richtung eingeordnet werden, sagte der Sprecher der Regierung von Oberbayern, Wolfgang Rupp, am Donnerstag.

Dies gehe aus den Unterlagen der Einrichtung hervor. «Es gibt einige eindeutige Hinweise auf den querdenker- und reichsbürger-typischen Sprachgebrauch», erläuterte er. Ob die Eltern der rund 50 an der Schule unterrichteten Kinder auch diesen Szenen zuzuordnen seien, könne aber noch nicht gesagt werden.

Laut dem Bayerischen Rundfunk wies die Gründerin der nicht zugelassenen Bildungseinrichtung den Vorwurf zurück, dass es sich um eine «Querdenker-Schule» handele. Die Frau habe erklärt, es handele sich um eine russische Stiftungsschule. Unter den Eltern der Kinder seien «unter anderem Kräuter- und Musik-Pädagogen, aber auch Schamanen», berichtete der BR unter Berufung auf die Frau. Sie wolle nicht, dass ihr Name in der Berichterstattung genannt werde.

Nach Angaben des Sprechers der Regierung von Oberbayern handelt es sich um eine «selbst ernannte Stiftung». Diese habe auch Schulverträge mit den Eltern abschließen wollen, es habe zudem Infoflyer für die Einrichtung gegeben. Demnach wollten die Betreiber die Kinder gegen Bezahlung auf dem Bauernhof zu unterrichten. Jungen und Mädchen aus der ersten bis zur neunten Klasse seien in die Einrichtung gegangen.

Vor dem Bauernhof war ein einfaches Schild mit der Aufschrift «Stiftung Freiheit braucht Mut» angebracht. Die Bildungseinrichtung wurde darauf als «Ort der ganzheitlichen Begegnung» bezeichnet.

Bei den Schülern soll es sich um Kinder handeln, die wegen der verpflichtenden Coronatests und der Maskenpflicht von den Eltern vom Präsenzunterricht an verschiedenen Schulen abgemeldet wurden. In diesen Fällen müssen Kinder in Bayern derzeit von ihrer Schule im Distanzunterricht betreut werden, beispielsweise mit der Überlassung von Lehrmaterial und der Betreuung per Online-Videoschalte. «Im Fernunterricht war bislang nicht bekannt, dass die Kinder gefehlt haben», sagte Rupp.

Die Behörden hatten die nicht genehmigte Schule am Mittwoch geschlossen. Am Montag habe es erste Hinweise gegeben, dass dort eine schulische Einrichtung in einem alten Bauernhof betrieben werde, erklärte der Sprecher. Die Einrichtung in Schechen soll Schüler aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus aufgenommen haben. Wie lange dort schon Unterricht angeboten wurde, sei unklar. Nach Einschätzung der Behörden hätte die Schule selbst bei einem Antrag auf den Betrieb einer privaten sogenannten Ersatzschule keine Genehmigung erhalten.

Eine Nachbarin berichtete, dass der Hof bereits im Frühjahr neu bezogen worden sei. «Richtig viel los war die letzten beiden Monate», sagte Jacqueline S. der Deutschen Presse-Agentur. Es seien bis zu 40 Autos zu dem ländlich gelegenen Anwesen gekommen. «Das kam uns etwas suspekt vor.»

Nach ihren Angaben hätten sich Nachbarn darüber ausgetauscht, was dort los sei, zumal es sich um schulpflichtige Kinder gehandelt habe. Konkrete Hinweise auf «Reichsbürger» oder «Querdenker» habe es nicht gegeben. «Aber wir haben uns schon gedacht, dass es sowas sein muss, weil die ja alle ohne Masken und auf engem Raum zusammen waren», meinte sie.

Die Behörden hatten auch durch einen Elternteil selbst einen Hinweis auf die illegale Schule bekommen. Dieser habe sein Kind offiziell von einer staatlichen Schule abgemeldet und an der nicht zugelassenen Privatschule angemeldet, sagte Rupp. «Das war strategisch etwas blöd.»

Der Fall erinnert an die Schule, die die Sekte «Zwölf Stämme» einst im nordschwäbischen Landkreis Donau-Ries betrieben haben. Dort hatte der Freistaat der Sekte den Betrieb einer Privatschule allerdings gestattet, nachdem Eltern sich geweigert hatten, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken. Die Behörden hatten dann aber jahrelang bei der Schule nicht mehr so genau hingeschaut.

Im Jahr 2013 wurde der Sekte die Ersatzschul-Genehmigung entzogen. Zudem wurde bekannt, dass an der Sektenschule das Verprügeln der Kinder zu den üblichen pädagogischen Maßnahmen zählte. Mehrere Sektenmitglieder mussten sich vor Gerichten verantworten, eine Lehrerin der Einrichtung erhielt sogar eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung. Die Frau hatte zudem gar nicht die notwendige Qualifikation, um überhaupt als Lehrerin zu arbeiten.

Lehrerverband: «Freedom Day» an Schulen nicht vor Februar

Die Sommerferien sind abgehakt. In allen Bundesländern ist wieder Schule. Wird es das dritte Corona-Schuljahr in Folge? Bildungsverbände und Schülervertreter sehen noch einen langen Weg bis zur Normalität. Politik und Behörden verteidigen die Einschränkungen.

Während Corona-Maßnahmen in vielen Lebensbereichen immer mehr gelockert werden, müssen Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbands wohl noch Monate mit Einschränkungen wie Masken, Tests und Abstandsregeln zurechtkommen. Den «Freedom Day» für Schulen sehe man frühestens ab etwa Februar 2022 als wahrscheinlich und möglich an, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, der Deutschen Presse-Agentur. Der Begriff «Freedom Day» stammt aus England, wo am 19. Juli die Corona-Maßnahmen weitgehend aufgehoben wurden.

Auch die Bildungsgewerkschaften GEW und VBE, die Hunderttausende Lehrkräfte in Deutschland vertreten, sehen die Schulen im neuen Schuljahr, das nun überall in Deutschland läuft, noch weit von einer Normalität wie vor Corona entfernt. Die Bundesschülerkonferenz befürchtet erneut einen Herbst und Winter, in dem Schülerinnen und Schüler wegen der Lüftungsvorgaben frierend mit Winterjacke im Klassenzimmer sitzen.

Auch Gerichte beschäftigen sich weiterhin mit dem Thema. Wie der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg am Donnerstag mitteilte, wurde der Eilantrag einer Fünftklässlerin aus dem Neckar-Odenwald-Kreis gegen die Masken- und Testpflicht als unbegründet abgelehnt. Die Maskenpflicht diene dem legitimen Zweck, das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Schülerinnen und Schüler sowie einer potenziell sehr großen Zahl von Menschen zu schützen.

Der Hamburger Senat antwortete bei Twitter auf Fragen zu einem Ende der Maskenpflicht an Schulen: «Die Maskenpflicht wird dort aufgehoben, wo alle geimpft sind.» An Schulen sei das nicht der Fall, da es für unter Zwölfjährige noch keinen Impfstoff gebe. Mit der Zulassung eines Corona-Impfstoffs für Kinder unter zwölf Jahren rechnet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) verteidigte die Maßnahmen an Schulen ebenfalls mit Verweis auf die fehlende Impfmöglichkeit für Kinder und widersprach kritischen Äußerungen von Altbundespräsident Christian Wulff. Sicherheitsmaßnahmen zur Absicherung des Präsenzunterrichts seien nach wie vor notwendig, sagte Tonne der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung». Wulff hatte zuvor gesagt: «Die Schulen sind strenger geregelt als die Erwachsenenwelt - das ist empörend.»

Die Landesregierung von Schleswig-Holstein stellte Schülerinnen und Schülern im Norden unterdessen ein Ende der Maskenpflicht in Aussicht. «Unser gemeinsames Ziel ist Stand heute, dass wir diese Pflicht Ende Oktober auslaufen lassen werden», sagte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) am Donnerstag.

Von einer Normalisierung des Schulalltags sei man noch weit entfernt, sagte GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze der dpa. «Es bleibt schwierig, einerseits eine gute Beziehungsarbeit aufzubauen, die für das soziale Miteinander unerlässlich und Grundlage des gemeinsamen Lernens ist, wenn andererseits aus guten Gründen Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen einzuhalten sind.»

An einen Schulalltag wie vor Corona sei weiter nicht zu denken, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. «Dafür nimmt das Testen, Abstandhalten und die Unterbrechung durch das ständige Lüften weiter zu viel Platz ein. Vielerorts kann zudem das, was kindgerechte Schule ausmacht, das Lernen in wechselnden Gruppen und an Projekten, nicht umgesetzt werden.»

Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, sieht zwar inzwischen deutlich mehr Normalität an den Schulen als noch vor den Sommerferien. «Es ist trotzdem ein Corona-Schuljahr bis jetzt.» Schramm wies etwa auf Quarantäne-Anordnungen bei Schülern hin. Außerdem werde es zunehmend kälter. «Wir erleben jetzt wieder immer mehr die Situation mit Winterjacke im Unterricht.» Der Schülervertreter kritisierte, es gebe immer noch zu wenig Luftfilter. Damit könnte man das Lüften besser regulieren und «ein wenig dieses Frieren der Schülerinnen und Schüler abwenden».

Lehrerverbands-Chef Meidinger sagte, er hoffe auf eine baldige Möglichkeit zur Impfung für Kinder unter zwölf Jahren. «In dem Augenblick, wo alle Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot erhalten haben und wahrnehmen konnten, ist an den Schulen die weitgehende Aufhebung von Gesundheitsschutzmaßnahmen wie etwa der Maskenpflicht möglich und auch verantwortbar.» Ab diesem Zeitpunkt falle die Verantwortung für eine Erkrankung von Nichtgeimpften in den privaten persönlichen Verantwortungsbereich jedes Einzelnen.

Corona-Ausbruch unter Schülern - Ansteckung auf Busfahrt?

An neun Schulen im Main-Kinzig-Kreis hat es eine auffällige Häufung an Corona-Infektionen gegeben. Insgesamt wurden bislang 82 Fälle bestätigt, wie ein Sprecher am Donnerstag in Gelnhausen mitteilte. Der Kreis geht davon aus, dass sich ein Großteil der Kinder in der vergangenen Woche bei einer Fahrt im Schulbus angesteckt hat. Betroffen sind demnach vor allem Schüler der Bergwinkel-Grundschule in Schlüchtern. Der private Rundfunksender «Hit Radio FFH» hatte über den Corona-Ausbruch berichtet.

An allen Schulen, die von der Buslinie angefahren werden, wurden eine Maskenpflicht und tägliche Schnelltests angeordnet. «Bis der Vorgang rund um diese Busfahrt komplett aufgearbeitet ist, wird das Unternehmen nicht im Einsatz sein», sagte der Kreis-Sprecher. Die Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig habe vorübergehend einen anderen Anbieter beauftragt. Unter den Infektionen sind den Angaben zufolge auch 20 Folgeinfektionen innerhalb der betroffenen Familien.

Impfgegner demonstrieren gegen Corona-Impfaktion an Freiburger Schule

Rund 100 Impfgegner haben in Freiburg vor einer Schule gegen eine Corona-Impfaktion demonstriert. Zwischen den Demonstrierenden und mehreren Dritten sei es zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen, sagte eine Sprecherin der Polizei am Donnerstag. Da es bereits zuvor im Internet Hinweise auf den Protest gegen die geplante Impfaktion an der Freiburger Schule gegeben habe, sei die Polizei mit Einsatzkräften vor Ort gewesen. Abgesehen von verbalen Auseinandersetzungen sei die Demonstration am Donnerstag ruhig verlaufen, sagte die Sprecherin. Zuvor hatte der Südwestrundfunk berichtet.

Maske schützt - VGH lehnt Eilantrag einer Schülerin dagegen ab

Maske und Test für Schülerinnen und Schüler sind zumutbar. Beides sichert den Präsenzunterricht. Der ist richtig und wichtig, betont der Verwaltungsgerichtshof.

Masken und Tests in Schulen müssen weiterhin sein: Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg hat einen dagegen gerichteten Eilantrag einer Fünftklässlerin aus dem Neckar-Odenwald-Kreis als unbegründet abgelehnt. Wie das Gericht am Donnerstag mitteilte, sind die Regelungen zur Masken- und Testpflicht auch im neuen Schuljahr voraussichtlich rechtmäßig. Der Beschluss (AZ:1 S 2944/21 - 22. September 2021) sei unanfechtbar. Schon im vergangenen Schuljahr hatte der VGH über zwei Dutzend Anträge gegen die Maskenpflicht abschlägig beschieden.

Die Maskenpflicht diene dem legitimen Zweck, das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Schülerinnen und Schüler sowie einer potenziell sehr großen Zahl von Menschen zu schützen. Darüber hinaus solle damit trotz des anhaltenden Infektionsgeschehens Präsenzunterricht ermöglicht werden. Der sei vor dem Hintergrund der sozialen Teilhabe und der Bildungsgerechtigkeit nicht zu beanstanden.

Aus Sicht des Gerichts sind Einschränkungen durch Maske und Tests für die Schülerin zumutbar. Gerade in Schulen habe es vor den Sommerferien zahlreiche Ausbrüche gegeben. Nun sei aus den Erfahrungen des letzten Herbstes zu erwarten, dass aufgrund eingetragener Infektionen aus dem Ausland die Zahl der Infizierten auch im Schulbereich steige. Dies gelte umso mehr, als die Grundinzidenz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum höher sei. Das Gericht verwies zudem auf zahlreiche Erleichterungen bei der Maskenpflicht im Schulalltag; so seien immer wieder Masken-Pausen möglich.

Regelmäßige Tests könnten dazu führen, dass Infektionen nicht in die Schule kommen oder schnell erkannt werden. Infizierte könnten so rasch isoliert und Infektionsketten unterbrochen werden.

 

21.09.2021

Inzidenz bei schulpflichtigen Kindern in Bayern stark gestiegen

In der ersten Schulwoche gingen in Bayern die Corona-Infektionszahlen zurück - aber nicht in der Altersgruppe der schulpflichtigen Kinder, dort gab es einen deutlichen Anstieg. Mit den Schultests dürften viele unentdeckte Infektionen zum Vorschein gekommen sein.

Durch die Corona-Tests in den Schulen sind möglicherweise deutlich mehr Infektionen bei Kindern und Jugendlichen entdeckt worden. Dies lassen die aktuellen Infektionszahlen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vermuten.

Demnach ist die Inzidenz in der Altersgruppe der 6- bis 15-Jährigen in der zurückliegenden Woche deutlich gestiegen, während bei fast allen anderen Altersgruppen die Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat rückläufig war. Auch das Gesundheitsministerium in München schließt nicht aus, dass der Anstieg der Fallzahlen mit den nach den Ferien wieder begonnenen Schultests, bei denen zuvor unentdeckte Infektionen mit mildem Verlauf auffielen, zusammenhängt.

Am Dienstag der vergangenen Woche war in Bayern Schulstart nach den Sommerferien. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich seitdem entsprechend des bayerischen Testkonzeptes mehrfach pro Woche in der Schule testen. In der ersten Schulwoche waren noch überall die Schnelltests im Einsatz, die bereits vor den großen Ferien verwendet wurden.

In der Gruppe der 6 bis 11 Jahre alten Kinder gab es in der ersten Schulwoche ein Anstieg der Inzidenz von 149 auf 191, während es bei jüngeren Kindern einen leichten Rückgang auf 87 gab (minus 3). Ähnlich deutlich war der Anstieg bei den 12- bis 15-Jährigen von 175 auf 202. Auch hier gab es bei den älteren Jugendlichen (16 bis 19 Jahre) einen Rückgang von 194 auf 173.

Bei den weiteren Altersgruppen gab es meistens rückläufige Zahlen, nur bei den über 80-Jährigen gab es einen geringfügigen Anstieg. Allerdings sind die Infektionszahlen bei den Rentnern weiterhin unterdurchschnittlich in Bayern. Der Landesdurchschnitt der Inzidenz sank laut Gesundheits-Landesamt in Erlangen in der vergangenen Woche von 94 auf 87.

Woran der Anstieg bei den schulpflichtigen Kindern liegt, ist im Detail nicht bekannt. Allerdings vermutet Henrike Paede vom Bayerischen Elternverband einen Zusammenhang mit den seit 14. September wieder stattfindenden Schultestungen. «Im Urlaub wurde nicht getestet», sagte sie.

Dass sich die Kinder erst in der Schule angesteckt haben, schließt die stellvertretende Landesvorsitzende als Grund für den deutlichen Anstieg allerdings aus. Aufgrund der Inkubationszeit würden solche Infektionen noch nicht in der Statistik auftauchen können.

Bayerns Gesundheitsministerium verweist darauf, dass allerdings auch der Schulbetrieb selbst Infektionen begünstigen könne. Es fänden schließlich wieder mehr Kontakte unter Jugendlichen statt, erklärte eine Sprecherin.

«Zusätzlich gilt es noch zu beachten, dass der Impffortschritt in der Altersgruppe 12-17 Jahre deutlich hinter dem anderer Altersgruppen liegt», betonte sie. Eine Impfung sei ja erst nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) möglich geworden. Daher sei erst etwa ein Viertel der Jugendlichen in dieser Gruppe vollständig geimpft. Für Jüngere gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff.

Die Kinder und Jugendlichen müssen sich in den Schulen mehrfach pro Woche selbst testen, um unerkannte Infektionen zu finden. In den Grund- und Förderschulen werden die Schnelltests ab dieser Woche nach und nach durch die sogenannten PCR-Lollitests ersetzt, die in den Laboren ausgewertet werden und genauer sind als die bisherigen Tests.

20.09.2021

Rund 1000 Schüler in Quarantäne - Verdoppelung zur Vorwoche

Seit dem Ferienende gab es an den Schulen drei Mal pro Woche Corona-Selbsttests und eine Testpflicht. Die Zahl der Infizierten und derer in Quarantäne steigt.

In den rund zweieinhalb Wochen seit den Sommerferien hat Corona an Sachsen-Anhalts Schulen bereits Spuren hinterlassen. 1035 Schülerinnen und Schüler befanden sich zum Stichtag am vergangenen Donnerstag in Quarantäne, 260 waren aktuell infiziert, wie das Bildungsministerium am Montag in Magdeburg mitteilte.

Damit seien 0,57 Prozent der gemeldeten Schülerinnen und Schüler im Land in Quarantäne und 0,14 Prozent corona-positiv gewesen. Zudem seien vier Lehrkräfte infiziert gewesen (0,03 Prozent) und zwölf in Quarantäne (0,09 Prozent). Die Fälle verteilen sich den Angaben zufolge auf vier Prozent von insgesamt 656 Schulen.

In der Woche zuvor - mit dem Stichtag 9. September - waren 468 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne und 104 infiziert. Binnen einer Woche verdoppelten sich die Zahlen also. In den ersten beiden vollen Schulwochen nach den Sommerferien hatte es in den Schulen jeweils drei Corona-Selbsttests pro Woche gegeben. Von dieser Woche an sind es wieder zwei pro Woche. Es gilt eine Testpflicht.

Wie viele Schülerinnen und Schüler sich dem verweigern, wird laut Ministerium nicht erfasst. «Nach bisherigen Rückmeldungen handelt es sich um Einzelfälle», sagte eine Sprecherin. «Die Schule ist gehalten, der Testpflicht- und damit Schulverweigerung in erster Linie mit pädagogischen und erzieherischen Mitteln vermittelnd zu begegnen.» Im Vordergrund stehe der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern und deren Erziehungsberechtigten.

Sachsen-Anhalt zählt weiter zu den Bundesländern mit dem geringsten nachgewiesenen Infektionsgeschehen. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) kamen von Sonntag auf Montag 24 Neuinfektionen hinzu. Die Zahl registrierte neuer Ansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche lag am Montag bei 36,4; am Sonntag waren es 36,2. Bundesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 71,0. Den niedrigsten Wert hatte Mecklenburg-Vorpommern mit 31,8.

Unterdessen sind 62,6 Prozent der Sachsen-Anhalter einmal gegen Corona geimpft, 59,9 Prozent haben auch die Zweitimpfung erhalten und somit den vollen Impfschutz. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) rief am Montag dazu auf, die Impfquote auf mindestens 80 Prozent zu steigern. «Die Wirtschaft und Kultur, der Sport- und Bildungsbereich dürfen nicht wieder in einen Lockdown gehen, wie wir ihn schon zweimal erleben mussten. Das steht die Gesellschaft nicht durch», mahnte Trümper. In den kommenden Wochen entscheide sich, ob es einen weiteren Corona-Winter gebe oder nicht.

Kommunen kaufen Luftreiniger für Schulen

Nach anfänglichem Zögern kaufen einige Kommunen nun doch im größeren Stil Luftreinigungsgeräte für ihre Schulen, um die Ausbreitung von Corona-Infektionen in den Klassenräumen im Herbst und Winter zu verhindern. So sollen im Schulamtsbezirk Schwerin 100 Geräte für sieben Schulen angeschafft werdenen, im Schulamtsbezirk Neubrandenburg 46 Geräte für 27 Schulen. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervor.

Die Schulträger hätten dafür einen Zuschuss des Landes aus einem zwei Millionen Euro umfassenden Förderprogramm beantragt. Die beantragte Förderung beläuft sich demnach für beide Bereiche zusammen auf rund 200 000 Euro, was einem Zehntel des gesamten Programms entspricht.

Im Juli waren die Kommunen als Schulträger um Auskunft zum Bedarf an Luftfiltergeräten gebeten worden. «Derzeit liegen Daten von circa 25 Prozent aller Schulen in Mecklenburg-Vorpommern vor», teilte die Landesregierung mit. «Der Bedarf an Luftreinigungsgeräten wurde mit 511 angegeben. Für die Anschaffung von 146 dieser Geräte liegen entsprechende Förderanträge vor.»

Anfangs hatten die meisten Kommunen erklärt, mit Hilfe des Förderprogramms lieber die billigeren CO2-Messgeräte anschaffen zu wollen, die anzeigen, wenn die Luft im Klassenzimmer allgemein zu schlecht wird und gelüftet werden sollte. Einige Kommunen haben mit Blick auf den nahenden Herbst und Winter offenbar umgedacht. Darüber hinaus planen Schulträger laut Regierung den Einbau von stationären raumlufttechnischen Anlagen.

Kinder impfen als Schutz vor Long-Covid? Forscher bemängeln Datenlage

Auch Kinder und Jugendliche können längerfristig an Corona leiden. Ist das ein Argument für eine Impfung der Jüngsten? Forscher beklagen eine unzureichende Studienlage zu Long-Covid in diesem Alter.

Die Problematik von Long-Covid bei Kindern und Jugendlichen lässt sich anhand der aktuellen Studienlage kaum beurteilen. Das schreiben australische Forscher in einem Übersichtsartikel in «The Pediatric Infectious Disease Journal». Die Frage nach Long-Covid - als dem Anhalten von Corona-Symptomen über viele Wochen - ist brisant, weil das Syndrom ein Argument für Kinder-Impfungen sein könnte, sollte es weit verbreitet sein.

Eine Corona-Infektion verläuft bei Kindern und Jugendlichen in der Regel deutlich milder als bei Erwachsenen. Die meisten Kinder entwickeln keine Symptome, manche erkranken leicht. Zwei Prozent müssen in einem Krankenhaus behandelt werden, schreiben die australischen Forscher mit Verweis auf verschiedene internationale Untersuchungen. Rund 0,03 Prozent versterben demnach als Folge der Infektion. Sollten Kinder unter 12 Jahren trotzdem geimpft werden? Dazu läuft in Deutschland eine hitzige Debatte.

«Das geringe Risiko der akuten Erkrankung bedeutet, dass einer der Hauptvorteile einer Impfung von Kindern darin liegen könnte, sie vor Long-Covid zu schützen», sagt Nigel Curtis von der Universität Melbourne, einer der Autoren des Übersichtsartikels. Er und sein Team fassten vierzehn Einzelstudien zu Long-Covid zusammen, die rund 19 426 Kinder einbezogen. Die Prävalenz von typischen Symptomen variierte je nach Studie zwischen 4 und 66 Prozent. Die kleinen Patienten klagten über Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Bauchschmerzen und Muskel- sowie Gelenkbeschwerden.

In drei Studien waren Mädchen deutlich häufiger betroffen. Nach höchstens zwölf Wochen war der Großteil der Kinder beschwerdefrei. Kinder scheinen zwar an Long-Covid zu erkranken - aber weniger lange und ausgeprägt als Erwachsene.

Die Autoren betonen stark die begrenzte Datenlage. «Die vorliegenden Studien geben keine klare Definition für das Syndrom an», so Curtis. Mittels Online-Umfragen oder Telefoninterviews wurden die Daten erhoben. Patienten mit starkem Leidensdruck würden diese Tools vielleicht mehr nutzen als Kinder mit leichten Symptomen. Die Prävalenz von Long-Covid könnte dadurch überschätzt werden.

Zudem sei unklar, ob die berichteten Symptome überhaupt auf eine Infektion mit dem Coronavirus zurückzuführen sind - oder beispielsweise Folgen eines Lockdowns. Für zukünftige Studien fordern die Autoren klare Kontrollgruppen. Long-Covid-Patienten müssten mit gesunden Probanden sowie Kindern verglichen werden, die an anderen Atemwegsinfektionen erkrankt sind. Nur so könnte ein kausaler Zusammenhang tatsächlich festgestellt werden.

Sollten Kinder also geimpft werden, um sie vor Langzeitfolgen der Erkrankung zu schützen? «In der Debatte über die Vorteile einer Impfung müssen wir das Risiko für Long-Covid in dieser Altersgruppe kennen», so Curtis. Die aktuellen Studien reichten dafür aber noch nicht aus. Daniel Vilser, leitender Oberarzt für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Jena, sieht das ähnlich.

«Die Studie fasst gut zusammen, wie die Datenlage im Moment aussieht», sagt er zu dem Übersichtsartikel. «Aber die Daten sind noch nicht gut vergleichbar.» Über 200 Symptome sind mit Long-Covid assoziiert. Es gibt viele Überschneidungen zu Erkrankungen, die schlecht fassbar sind - beispielsweise zu Depressionen und psychosomatischen Krankheitsbildern. Die Übergänge sind fließend. «Wir haben keinen Biomarker, der die Verdachtsdiagnose objektiv bestätigen könnte. Das ist unser Hauptproblem.» Vilser leitet eine neu eingerichtete Long-Covid-Sprechstunde.

«Wir schulen die Kinder im Umgang mit der Erkrankung», sagt er. Eine kausale Behandlung gibt es nicht. Manche Kinder profitieren von Physio-, Ergo- oder Psychotherapie. «Wir stellen aber auch Bescheinigungen aus, sodass weniger belastbare Kinder zum Beispiel nur für zwei Stunden pro Tag zur Schule gehen müssen.»

Vilser stimmt mit den Autoren der Studie überein, dass die Symptome auch als Folge der Pandemie gewertet werden können. «Wenn wir die Schäden durch den Lockdown mit den Schäden durch das Virus betrachten: Dann überwiegt klar der Lockdown», sagt Vilser. Seit Beginn der Pandemie ist die Inzidenz von psychosomatischen Erkrankungen bei Kindern stark gestiegen. «Dass es Long-Covid bei Kindern nicht gibt, ist aber falsch. Es wäre schade, wenn die Betroffenen keine Hilfe bekämen.»

Zeitung: Land plant weitere Lockerungen und Impfoffensive an Schulen

Die Landesregierung in Hannover plant laut der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Montag) für den Schulbetrieb die nächsten Lockerungsschritte und eine Impfoffensive. Nachdem noch in dieser Woche die Maskenpflicht im Unterricht für die Klassen eins und zwei fallen solle, sei es nach Darstellung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) denbar, nach den Herbstferien die Maskenpflicht für die Klassen drei und vier aufzuheben.

«Sobald es verantwortbar ist, gehen wir die nächsten Schritte», sagte Tonne in einem Interview mit dem Blatt. «Auch ich möchte die Maske im Unterricht nicht dauerhaft installieren, weil ich als Vater von vier schulpflichtigen Kindern genau weiß, was das für eine Belastung ist.» Das Land werde nach den Herbstferien mit mobilen Impfteams in die Schulen gehen. «Das jedenfalls ist der gemeinsame Wunsch von Sozialministerin Daniela Behrens und mir.»

Er sehe immer wieder, wie wichtig es sei, Schülern niedrigschwellige Impfangebote zu machen und mit dem Impfstoff zu ihnen zu kommen, betonte Tonne. Auch Eltern könnten sich in den Schulen impfen lassen und so einen Beitrag dazu leisten, Präsenzunterricht zu schützen.

Nach Angaben der Zeitung hat das Land bisher für die Schulen 42,5 Millionen Corona-Schnelltests beschafft und bis zu den Herbstferien 205 Millionen Euro in das Testkonzept an den Schulen investiert. Für den Zeitraum nach den Herbstferien bis Ende des Jahres plane Niedersachsen mit rund 30 Millionen weiteren Tests und Kosten in Höhe von mehr als 42 Millionen Euro - inklusive der fünftägigen Testung nach den Herbstferien.

19.09.2021

Schulleiter wütend: Pooltests ab Montag unrealistisch

Eigentlich sollten ab diesem Montag die sogenannten Pooltests in Grund- und Förderschulen starten - doch Schulleiter stehen wegen zusätzlicher Bürokratie auf den Barrikaden. «Die Einführung der Pooltests (...) mit diesem Zeitdruck ohne soliden verifizierten Verwaltungsvorlauf ist unrealistisch», schrieb die Vorsitzende des bayerischen Schulleitungsverbandes (bsv), Cäcilia Mischko, am Sonntag in einem Brief an Kultusminister Michael Piazolo.

«Entgegen Ihren pressewirksamen Ankündigungen ist der Verwaltungsaufwand in den Schulen immens. Die Schulleitungen müssen sich in einer vollkommen unrealistischen und unnötigen Terminsetzung in einen medizinischen Bereich einarbeiten.» Schulleitungen müssten erneut lernen, «sich mit seriellen Testungen und digitalen Schnittstellen und Barcodes zu befassen», heißt es in dem Verband, der die Interessen von Schulleitungen an Grund-, Mittel- und Förderschulen vertritt.

Viele Eltern stünden den neuen Tests skeptisch gegenüber, von ihnen braucht man allerdings eine Einwilligung. «Der Sinn der Eile der Pooltests ist unwirklich und überdies nicht erkennbar. In den Schulen sind genügend Selbsttests für viele Wochen eingelagert. Was für eine Verschwendung der Ressourcen! Uns bleibt im wahrsten Sinne des Wortes die Spucke weg, Herr Minister!»

Das Kultusministerium hatte angekündigt, dass die Pooltests ab dem 20. September für noch mehr Sicherheit sorgen sollen. Allerdings hatte ein Sprecher bereits am Freitag erklärt, dass es wohl nicht überall mit der Einführung ab Montag klappe. Bei den neuen PCR-Tests, die im Labor ausgewertet werden und die als genauer gelten als die bisherigen Schnelltests, sollen die Kinder an zwei Tupfern lutschen. Zunächst werden die Proben von allen in einem größeren Röhrchen gesammelt - also als Pool - untersucht. Findet sich ein Hinweis auf eine Infektion in der Klasse, werden die zweiten Proben der Kinder einzeln analysiert.

18.09.2021

Ab Montag Testnachweispflicht für Kita-Beschäftigte

Ab Montag müssen ungeimpfte Beschäftigte in Kindertagesstätten in Bayern nachweisen, dass sie negativ auf Corona getestet sind. Daran erinnerte Familienministerin Carolina Trautner (CSU) am Samstag. So solle die Sicherheit für Kinder, Eltern und die Mitarbeiter erhöht werden, teilte das Ministerium mit. Die Beschäftigten müssen sich ab kommender Woche dreimal pro Woche testen. Ohne Nachweis dürfen sie nicht in die Einrichtung.

Die Regel hatte das Kabinett vergangene Woche beschlossen. Neben den eigenen Beschäftigten gilt die Pflicht auch für Mitarbeiter von außen, also zum Beispiel Reinigungskräfte oder Musiklehrer. Der Freistaat stellt den Kitas Selbsttests bereit. So könnten sich auch geimpfte oder genesene Beschäftigte freiwillig testen.

Eltern müssen sich nicht testen lassen, wenn sie ihre Kinder bringen und abholen oder kurz mit den Erziehern reden wollen. Für Kinder soll es sogenannte Lollitests geben, zudem bekommen Eltern Berechtigungsscheine für kostenlose Selbsttests - verpflichtend ist das allerdings nicht. Masken müssen Erwachsene weiter tragen. Trautner sagte, derzeit seien sehr wenige Kitas wegen Corona geschlossen.

Zurück in den Hörsaal - Wintersemester mit Präsenzveranstaltungen

Für viele Studentinnen und Studenten geht es im Wintersemester wieder zurück in die Universitäten. Ganz auf Online-Angebote verzichten will man dabei jedoch nicht.

Die großen Universitäten in Niedersachsen wollen zum Start des diesjährigen Wintersemesters wieder so weit möglich in den Präsenzunterricht zurückkehren. «Dies entspricht dem Wunsch von Studierenden wie Lehrenden gleichermaßen», sagte eine Sprecherin der Leibniz Universität Hannover. Ab Oktober dürfen nur noch geimpfte, genesene oder getestete Menschen die Gebäude der größten Universität in Niedersachsen betreten. Die 3G-Regel soll durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an den Gebäude- und Hörsaaleingängen kontrolliert werden. Die Impfquote unter den Studentinnen und Studenten sei laut der Sprecherin sehr hoch: «Studien belegen bis zu 90 Prozent.»

Ob eine Veranstaltung vor Ort oder weiterhin online stattfindet, entscheiden aber letztlich die Lehrenden. Onlineangebote werden zudem bei großen Grundlagenvorlesungen zusätzlich angeboten. Die Universität in Hannover zählt momentan mehr als 30 000 Studentinnen und Studenten.

Auch an der Georg-August-Universität in Göttingen wollen die Verantwortlichen möglichst viel Präsenzlehre anbieten. Vorlesungssäle und kleinere Unterrichtsräume sollen dabei aber höchstens zur Hälfte besetzt werden. Soweit wie mögliche sollen alle Lehrveranstaltungen auch live gestreamt werden. Dadurch sollen auch Studierende teilnehmen können, die sich in Quarantäne befinden oder sich noch nicht in größere Menschenmassen trauen. Und auch in Göttingen werde die 3G-Regelung kontrolliert. «Wir gehen im Moment von einer Kontrolle an den Eingängen von größeren Lehrveranstaltungsgebäuden aus, beispielsweise am zentralen Hörsaalgebäude», sagte ein Sprecher der Universität. 

An der Technischen Universität Braunschweig sollen in der kommenden Vorlesungszeit möglichst alle Vorlesungen und Seminare vor Ort stattfinden, die weniger als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben. Größere Veranstaltungen und solche, bei denen sich die digitale Form in den letzten Semestern bewährt habe, sollen weiter online angeboten werden, sagte eine Sprecherin.

In Bremen soll die 3G-Regelung im Wintersemester per QR-Codes an den Zugängen überprüft werden. «Wir arbeiten gerade an elektronischen Lösungen», sagte eine Sprecherin der Universität. Jede Lehrveranstaltung habe demnach einen QR-Code, über den sich die Teilnehmenden über eine App an- und abmelden müssen. Die 3G-Regel gilt seit Anfang August auf dem gesamten Campus-Gelände. Bei den Vorlesungen und Seminaren verfolge man ein zweigleisiges System mit einer Mischung aus Präsenz- und Online-Lehre.

Umfrage: Gespräche und Vorbilder helfen Kindern gegen Corona-Stress

Rad fahren, ruhige Vorbilder, Gespräche in der Familie - Eltern haben in der Corona-Pandemie verschiedene Wege gewählt, um den Stress für ihre Kinder zu reduzieren. In einer Forsa-Umfrage gaben viele von ihnen an, es helfe dem eigenen Kind, wenn die Eltern als Vorbild ruhig blieben (89 Prozent) oder man etwas unternehme, zum Beispiel Rad fahre oder Gesellschaftsspiele spiele (89 Prozent). Viel miteinander zu reden (84 Prozent), die coronabedingten Einschränkungen verständlich zu erklären (75 Prozent) und mit den Großeltern eine Videokonferenz zu haben statt sie persönlich zu treffen (57 Prozent) helfe ebenfalls.

Forsa befragte im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse bereits im Frühjahr 1002 Eltern, die Ergebnisse wurden nun zum Weltkindertag am 20. September veröffentlicht. KKH-Psychologin Franziska Klemm erklärt dazu: «Regelmäßige Gespräche über Ängste, Wünsche und Sorgen können helfen, jedes Familienmitglied wahrzunehmen und Verständnis füreinander zu schaffen.» In mehr als jeder zweiten Familie (57 Prozent) habe es zudem geholfen, die Kinder in die Arbeit im Haushalt einzubeziehen. «Sich nützlich fühlen und gebraucht zu werden, vermittelt immer ein gutes Gefühl. Das gilt nicht nur in Krisensituationen», so die KKH-Psychologin.

Mehr als drei Viertel der Eltern (77 Prozent) gaben bei der Umfrage an, die Schulschließungen und die anderen coronabedingten Einschränkungen hätten beim eigenen Kind Stress verursacht. Besonders oft wurden als Stressfaktoren genannt, dass sich Kinder nicht mit Freunden treffen konnten (85 Prozent) und Freizeitaktivitäten wie Vereine fehlten (81 Prozent). Auch das digitale Lernen zu Hause im Homeschooling (56 Prozent) und das Alleinsein, weil die Eltern arbeiten mussten und Schulen geschlossen waren (32 Prozent), machten Eltern oft als Grund für zusätzliche Belastung aus.

 

16.09.2021

Schwerin und Neubrandenburg kaufen Luftreiniger für Schulen

Nach anfänglichem Zögern kaufen einige Kommunen nun doch im größeren Stil Luftreinigungsgeräte für ihre Schulen, um die Ausbreitung von Corona-Infektionen in den Klassenräumen im Herbst und Winter zu verhindern. So will die Landeshauptstadt Schwerin 100 Geräte für sieben Schulen anschaffen, die Stadt Neubrandenburg 46 Geräte für 27 Schulen. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervor.

Beide Kommunen hätten dafür einen Zuschuss des Landes aus einem zwei Millionen Euro umfassenden Förderprogramm beantragt. Die beantragte Förderung beläuft sich demnach für beide Städte zusammen auf rund 200 000 Euro, was einem Zehntel des gesamten Programms entspricht.

Im Juli waren die Kommunen als Schulträger um Auskunft zum Bedarf an Luftfiltergeräten gebeten worden. «Derzeit liegen Daten von circa 25 Prozent aller Schulen in Mecklenburg-Vorpommern vor», so die Landesregierung. «Der Bedarf an Luftreinigungsgeräten wurde mit 511 angegeben. Für die Anschaffung von 146 dieser Geräte liegen entsprechende Förderanträge vor.»

Zunächst hatten die meisten Kommunen erklärt, mit Hilfe des Förderprogramms lieber die billigeren CO2-Messgeräte anschaffen zu wollen, die anzeigen, wenn die Luft im Klassenzimmer allgemein zu schlecht wird und gelüftet werden sollte. Einige Kommunen haben mit Blick auf den nahenden Herbst und Winter offenbar umgedacht. Darüber hinaus planen Schulträger laut Regierung den Einbau von stationären raumlufttechnischen Anlagen.

Entwurf: Maskenpflicht könnte für einige Schüler gelockert werden

Seit Schulbeginn Anfang September müssen alle Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen Maske tragen. Das könnte sich künftig zumindest für einige ändern.

Jüngere Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen könnten von der geplanten überarbeiteten Corona-Verordnung profitieren und künftig keine Maske mehr im Unterricht tragen müssen. Wie aus einem Verordnungsentwurf hervorgeht, müssen Kinder, die in die erste und zweite Klasse gehen, keine Maske mehr tragen, wenn sie einen Sitzplatz in einem Unterrichts- oder Arbeitsraum eingenommen haben. Ein entsprechender Entwurf der Corona-Landesverordnung liegt der Deutschen Presse-Agentur in Hannover vor. Alle Schülerinnen und Schüler im Bundesland müssen derzeit im Unterricht noch Schutzmasken tragen. Die derzeitige Corona-Landesverordnung gilt noch bis zum 22. September. Mögliche Änderungen könnten somit kommende Woche in Kraft treten.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte diese Woche im Landtag bereits angekündigt, dass mit der sogenannten 2G-Regel künftig in weiteren Bereichen die Maskenpflicht und das Abstandhalten wegfallen sollen - etwa in Gastronomie, Kultur und Sport.

Nach der 2G-Regel wird der Zutritt zu bestimmten Bereichen nur gewährt, wenn Menschen gegen das Coronavirus geimpft oder genesen sind. Ein negativer Corona-Test reicht dann in der Regel nicht mehr aus. In der derzeitigen Corona-Verordnung können Betreiber von Diskotheken, Clubs und Shisha-Bars bereits den Zugang auf Gäste beschränken, die geimpft oder genesen sind. Dann muss zum Beispiel keine Maske mehr getragen werden. Menschen bis 18 Jahren sollen demnach auch ohne Impfung oder Genesung Zutritt bekommen, da sie sich regelmäßig vor dem Schulbesuch testen. Kinder, die jünger als zwölf Jahre sind, können sich noch nicht impfen lassen.

Laut des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) befürwortet die Mehrheit der Gastronomen in Niedersachsen die 2G-Regel, erwartet aber auch, dass sie die angekündigten Erleichterungen dann auch tatsächlich umsetzen können.

Für einen Wechsel von einer Corona-Warnstufe in die nächsthöhere muss laut Weil künftig der entsprechende Leitwert bei dem Krankenhausindikator erreicht sein - hinzukommen müsse dann ein weiterer Indikator, entweder die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen oder der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen. Auch dort müssten jeweils die bereits bekannten Schwellenwerte überschritten werden. Daneben werde auch die 50er Inzidenzschwelle beibehalten, ab dem der Zutritt für bestimmte Bereiche auf Genesene, Geimpfte und Getestete (3G) beschränkt werden soll.

In dem Verordnungsentwurf ist von drei Warnstufen die Rede. Erreicht ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt die höchste Stufe, benötigen demnach Ungeimpfte einen PCR-Test für Bereiche, die mit einer Testpflicht verbunden sind.

An der bestehenden Corona-Verordnung hatte es beispielsweise von Oppositionsparteien Kritik gegeben, weil einzelne Warnstufen, die entscheidend für verschärfte Maßnahmen sind, nicht konkret benannt worden seien.

«Auch wenn in der neuen Verordnung nun alle drei Warnstufen endlich mit ihren Folgen definiert sind, ist die Verordnung weiterhin unübersichtlich und zu komplex, um alltagstauglich eine Übersicht über die geltenden Regeln zu bieten», kritisierte der FDP-Fraktionsvorsitzende Stefan Birkner den Entwurf. Nach Ansicht seiner Fraktion sollte die Maskenpflicht im Unterricht unabhängig vom Alter der Schülerinnen und Schüler wegfallen.

Kritik zum Verordnungsentwurf kam ebenfalls von den Grünen: «Transparenz und Verständlichkeit sehen anders aus. Diese Verordnung ist noch umfangreicher und unverständlicher geworden, als die vorherigen», bemängelte die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion, Meta Janssen-Kucz. «Fakt ist: wenn nur noch Experten die Verordnung lesen und den Überblick behalten können, verlieren die Maßnahmen an Akzeptanz und damit ihre Wirkung für ausreichenden Gesundheitsschutz und den Schutz vor der Überlastung des Gesundheitssystems.»

OECD: Mehr als 180 Tage gestörter Unterricht in Corona-Zeit

Schulen und Kitas sollen nicht mehr schließen, wird immer wieder betont. Zahlen der OECD zeigen nun, wie sehr die Schließungen und Einschränkungen in der Vergangenheit den Unterricht eingeschränkt haben.

Zwei Drittel der Unterrichtstage waren in den ersten Corona-Wellen in Deutschland durch geschlossene oder nur teilweise geöffnete Schulen beeinträchtigt. Diese Zahlen hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag vorgelegt. Die rund elf Millionen Schülerinnen und Schüler im Land hatten seit Beginn der Pandemie bis zu diesem Frühjahr im Schnitt an mehr als 180 Tagen sogenanntes Homeschooling, Wechselunterricht oder andere Unterrichtsformen, weil Schulen zu oder nur zum Teil geöffnet waren. Das sind 67 Prozent der rund 270 Schultage im untersuchten Zeitraum zwischen Januar 2020 und 20. Mai 2021.

Grundschulen waren demnach im Schnitt 64 Tage geschlossen und 118 Tage nur teilweise geöffnet. Weiterführende Schulen waren an 85 Tagen geschlossen und an 98 Tagen nur eingeschränkt in Betrieb, Gymnasien oder Berufsschulen waren 83 Tage zu und 103 Tage nur teilweise geöffnet. Kitas waren im Untersuchungszeitraum im Durchschnitt 61 Tage vollständig geschlossen. Zahlen zum Teilbetrieb bei Kitas liegen nicht vor.

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher sagte am Donnerstag: «Man muss bei zukünftigen Krisen sich Gedanken machen, was die Prioritäten sind.» Er verwies darauf, dass andere OECD-Länder bei ähnlicher oder noch schwierigerer Infektionslage, die politische Entscheidung getroffen hätten, die Schulen offenzuhalten.

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) begründete das Vorgehen in Deutschland mit der starken Rolle der Gesundheitsfrage im Abwägungsprozess, «was übrigens auch von der Gesellschaft ja lange, lange so auch mitgetragen wurde.» In Umfragen habe man weitestgehende Akzeptanz dafür gesehen, dass man sehr restriktiv rangegangen sei. Schleicher sagte, es sei international keinerlei statistischer Zusammenhang zwischen der Höhe der Infektionsraten und der Länge der Schulschließungen zu sehen.

Die OECD legte die Daten im Rahmen ihrer jährlich veröffentlichten Erhebung «Bildung auf einen Blick» vor. In der mehr als 500-seitigen Studie werden die Bildungssysteme der 38 OECD- und weiterer Länder miteinander verglichen. Unter anderem wird untersucht, wie viel Geld die Länder für Bildung ausgeben oder wie Schulen und Kitas personell aufgestellt sind.

Hervorgehoben wird für Deutschland, dass sowohl in der Altersgruppe unter drei Jahren als auch im vorschulischen Bereich mehr Kinder an frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung teilnähmen als im OECD-Durchschnitt. Die jährlichen Bildungsausgaben pro Schülerin und Schüler seien zudem höher als im OECD-Durchschnitt. Allerdings gibt Deutschland dem Bericht zufolge bezogen auf sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) weniger Geld für Bildungseinrichtungen aus als die OECD-Länder im Schnitt. 2018 waren es demnach 4,3 Prozent des BIP, verglichen mit einem OECD-Durchschnittswert von 4,9 Prozent.

Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt müsse deutlich wachsen, forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). «Mit den bisher eingesetzten Mitteln schaffen wir es in Deutschland bis heute nicht, für Chancengleichheit zu sorgen», sagte GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze. Die Gewerkschaft erneuerte zudem ihre Forderung nach besserer Bezahlung für Lehrkräfte und verwies auf einen «dramatischen Lehrkräftemangel» an Grundschulen. Nur so werde der Lehrkräfteberuf für junge Menschen bei der Berufswahl wieder attraktiver.

OECD-Bildungsdirektor Schleicher sieht andere Gründe: «Es geht weniger daum, den Lehrerberuf finanziell attraktiver zu machen, das ist er schon. Es geht eher darum das Berufsfeld intellektuell attraktiver zu machen». Laut OECD-Bericht sind die Gehälter für Lehrkräfte in Deutschland höher als in allen anderen OECD-Ländern mit verfügbaren Daten. Schleicher plädierte für neue Karrierestrukturen, die Lehrkräften eine Weiterentwicklung ermöglichten. Schule müsse ein spannendes Arbeitsumfeld sein. In Deutschland sei der Lehrerberuf immer noch sehr auf Unterricht im Klassenzimmer beschränkt.

Kostenlose Tests für Schüler - Neue Corona-Regeln beschlossen

Schleswig-Holsteins Schüler können sich auch in den Herbstferien (4. bis 16. Oktober) kostenlos auf Corona testen lassen. Das gehe in den Testzentren, bei Bedarf stellten Schulen vor den Ferien aber auch Testkits zur Verfügung, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstag. «Die Selbstauskunft nach einem negativen Corona-Selbsttest gilt dann für Schülerinnen und Schüler wie ein Testzertifikat aus dem Testzentrum.» Der Test gelte 72 Stunden.

Bereits am Mittwoch hatte die Landesregierung mit der ab 20. September geltenden neue Corona-Verordnung des Landes einen Paradigmenwechsel beschlossen. Die Corona-Beschränkungen werden damit überall aufgehoben, wo die sogenannte 3G-Regel gilt, wonach Menschen vollständig geimpft, genesen oder getestet sein müssen. Dies gilt für alle Veranstaltungen. Die Maskenpflicht gilt künftig nur noch beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr oder dem Einzelhandel.

Draußen sind zudem viele Aktivitäten wieder uneingeschränkt möglich. Kino- oder Konzertsäle können bei Einhaltung der 3G-Regel wieder voll ausgelastet werden. Bei Sportveranstaltungen gibt es keine Zuschauer-Obergrenzen mehr. Auch in Diskotheken darf wieder ohne Maske getanzt werden. Wer nicht vollständig geimpft ist, braucht aber ein höchstens sechs Stunden altes Testergebnis.

Das Abstandsgebot von 1,5 Metern ist in Schleswig-Holstein nur noch eine Empfehlung (Ausnahme sind Wahlgebäude). Die Regelungen zur Erfassung der Kontaktdaten in Innenbereichen werden nahezu aufgehoben. Dies betrifft insbesondere Veranstaltungen, Gaststätten, Freizeit- und Kultureinrichtungen, körpernahe Dienstleistungen, Sporteinrichtungen und touristische Busfahrten. Auch im Hotel gilt künftig die 3G-Regel, die Vorgaben zu wiederholten Tests entfallen.

Oberverwaltungsgericht bestätigt Maskenpflicht an allen Schulen

Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg hat die derzeit geltende Maskenpflicht in Schulgebäuden in Niedersachsen bestätigt. Eine Ausnahme sei derzeit auch nicht für Grundschüler geboten, teilte das Gericht nach einem entsprechenden Beschluss am Donnerstag mit. Eltern hatten im Namen ihrer Kinder gegen die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in Schulen geklagt. Ihrer Ansicht nach ist diese vor allem für Grundschüler unverhältnismäßig. Das Gericht folgte der Argumentation der Eltern nicht.

Zwar könne das längere Tragen einer Maske bei Kindern zu kurzfristigen Symptomen wie Kopfschmerzen oder Konzentrationsstörungen führen. Schwere gesundheitliche Schäden seien aber nicht belegt. Der Schutz vor Überlastung des Gesundheitssystems rechtfertige zurzeit noch die generelle Maskenpflicht in Schulgebäuden. Sobald aber eine Überlastung nicht mehr zu befürchten sei - etwa bei einer höheren Impfquote -, müsse die Maskenpflicht zumindest für jüngere Kinder aufgehoben werden. Der Gerichtsbeschluss ist rechtskräftig.

Seit Ende der Sommerferien müssen alle Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen wieder zur Schule gehen. Sie müssen auch im Unterricht eine Maske tragen.

15.09.2021

Ärger bei Lehrerverbänden: Lolli-Tests zu kurzfristig

Die Ruhe währte nur kurz: Unmittelbar nach Beginn des neuen Schuljahrs haben sich Lehrervertreter am Mittwoch zornig zu Wort gemeldet. Grund für den Unmut ist einmal mehr das Vorgehen des Kultusministeriums - speziell die Vorgaben zu den kurzfristig einzuführenden Lolli-Tests an Grund- und Förderschulen sowie die Organisation von Impfangeboten.

«Das Schuljahr beginnt, wie das alte geendet hat: Hektik, Stress und großer Druck. Musste das so sein?», so die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, in München. Erst am Freitag habe das Ministerium die Schulen über die neuen PCR-Pooltests informiert, bemängelte auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit den kindgerechten Lolli-Tests zum Lutschen soll es bereits am nächsten Montag flächendeckend losgehen. «Das ist Wahnsinn», so Landesvize Florian Kohl.

Binnen weniger Tage sollten die Eltern informiert, Einverständniserklärungen eingeholt, Elternabende abgehalten, Zugänge zu einer digitalen Schnittstelle erstellt und die Logistik geklärt sein. «Das ist schlicht unmöglich», betonte Kohl. Fleischmann kritisierte zudem, dass die Schulleitungen obendrein noch Impfangebote direkt an den Schulen zu organisieren hätten. Die Verbände forderten, den Zeitdruck rauszunehmen und Schulen von nicht-pädagogischen Aufgaben zu entlasten.

Leere Klassen: Österreich lockert Quarantäneregeln an Schulen

Österreich lockert nach einem starken Anstieg isolierter Jungen und Mädchen innerhalb kürzester Zeit seine Quarantäneregeln an Schulen. Künftig dürfen sich Schüler laut neuem Erlass des Gesundheitsministeriums bereits nach fünf statt zehn Tagen aus der Quarantäne freitesten. Ein negativer PCR-Test soll die frühzeitige Rückkehr ermöglichen. Zudem sollen bei älteren Schülern nur noch direkte Sitznachbarn und enge Kontaktpersonen erkrankter Kinder in Quarantäne geschickt werden. An Grundschulen konnte schon bisher bei nur einem Infektionsfall von einer Quarantäne der Mitschüler abgesehen werden. Wissenschaftler und Ärzte äußerten sich skeptisch zu den neuen Regeln. 

Österreichweit waren kurz nach Schulbeginn nach Angaben der Tageszeitung «Kurier» schon 465 Klassen isoliert. Genaue Zahlen, wie viele Kinder betroffen waren, gab es von offizieller Seiten nicht.

Am Mittwoch meldeten die Behörden über 2600 Corona-Neuinfektionen im Land mit fast neun Millionen Einwohner. Das ist der höchste Wert seit Mitte April. Dies bedeutete eine Sieben-Tages-Inzidenz von 164 Fällen auf 100 000 Einwohner. 198 Menschen mussten auf der Intensivstation betreut werden. Insgesamt lagen 825 Patienten aufgrund einer Infektion mit dem Virus im Spital. Zudem wurden sieben Todesfälle gemeldet. Nicht ganz 60 Prozent der Österreicher sind durch Impfungen voll immunisiert.


14.09.2021

Schulstart: Söder verspricht keine weiteren Schulschließungen

Um Schulen weiterhin offen halten zu können, setzt der Freistaat verstärkt auf Tests und eine neue Quarantäne-Regelung. Doch bei den Vorbereitungen auf das neue Schuljahr lief nicht alles rund. Der Ministerpräsident zeigt sich trotzdem zuversichtlich.

Nach den langen Sommerferien hat auch in Bayern das neue Schuljahr wieder begonnen. Trotz der Dauersorgen vor Infektionen an den Schulen, gibt sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zuversichtlich: «Ich glaube insgesamt, dass wir ein sicheres Schuljahr erleben werden - trotz Corona», sagte er am Dienstag vor Schülern eines Gymnasiums in München.

Bei seinem Besuch zusammen mit Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) räumte Söder aber erneut Nachholbedarf bei der Beschaffung von Luftreinigern für Klassenzimmer ein. Der Wunsch sei nach wie vor, viele Luftreiniger in den Schulen stehen zu haben. «Da gibt es tatsächlich noch bei einigen Nachholbedarf», gestand Söder. Wie groß dieser genau ist, weiß die Staatsregierung allerdings nicht, weil die jeweiligen Schulträger den Bedarf dezentral ermitteln.

Anhaltspunkte für die Summe der bereits angeschafften Geräte geben die Zahlen der Förderanträge, auch wenn nicht alle Träger die finanzielle Unterstützung des Freistaats in Anspruch genommen haben. Nach Angaben des Kultusministeriums wurden in den ersten beiden Antragsrunden - wie bereits bekannt - für rund 14 100 Klassenzimmer und Fachräume Luftreinigungsfilter bewilligt. In der aktuell laufenden dritten Runde erhöhe sich die Anzahl der gestellten Anträge täglich spürbar, bislang seien es rund 10 000.

Die zur Verfügung stehende Fördersumme für Schulen und Kitas sei damit aber noch nicht ausgeschöpft, erläuterte ein Sprecher des Ministeriums. Sie war von 50 Millionen Euro für die ersten beiden Runden auf 190 Millionen Euro aufgestockt worden.

Seit Dienstag gehen wieder rund 1,64 Millionen Buben und Mädchen in die Schule - darunter 121 000 Erstklässler. Um eine mögliche Ansteckung zu vermeiden, setzt der Freistaat auf Maskenpflicht und Corona-Tests an den Schulen. Ziel sei es auch, so viele Schüler wie möglich zur Impfung zu bewegen.

Nach Angaben von Söder seien in Bayern knapp 33 Prozent der 12- bis 17-Jährigen einmal und 25 Prozent vollständig geimpft. Um diese Zahlen zu steigern, sollen für Schüler ab zwölf Jahren Anreize mit Impfangeboten in Schulen gemacht werden. Impfen sei der einzige Weg aus der Pandemie, betonte Söder.

Die Delta-Variante des Virus hatte sich in den vergangenen Wochen insbesondere unter den jüngeren Menschen, die nicht geimpft sind, massiv verbreitet. In anderen Bundesländern waren nach dem dortigen Ferienende auch immer wieder Schulen von Corona-Fällen betroffen.

«Wir wollen mehr Normalität, möglichst viel Normalität haben in diesem Schuljahr», betonte Piazolo. Ziel sei es, dass es auch wieder Besuche von Schullandheimen und mehr Angebote für Kunst und Sport gebe. Im vergangenen Schuljahr waren wegen der Pandemie und der langen Phasen von Distanzunterricht primär nur noch die Kernfächer unterrichtet worden.

Die an Grundschulen bereits fest eingeplanten sogenannten Lollitests sollen außerdem bald auch die Sicherheit in Kitas verbessern. Nach einem Kabinettsbeschluss vom Dienstag übernimmt der Freistaat ab sofort auch die Kosten für solche Pool-Tests auf PCR-Basis. PCR-Tests gelten als zuverlässiger als Antigen-Schnell- oder Selbsttests. Bei den Lollitests lutscht jedes Kind an zwei Tupfern. Die Proben werden gesammelt und im Labor als Pool untersucht. Sollte eine Sammelprobe positiv sein, wird das betreffende Kind ermittelt.

Um weitere Schulschließungen zu vermeiden, wurde außerdem die Quarantäne-Regel neu angepasst: Bei einem Corona-Fall soll nicht mehr für die gesamte Klasse Quarantäne angeordnet werden. Stattdessen sollen die Kinder eine Woche lang täglich getestet werden. Enge Kontaktpersonen, die doch in Quarantäne mussten, können diese nach fünf Tagen mit einem negativen Testergebnis vorzeitig beenden.

Zum Beginn des Schuljahres ist für den Ablauf des Unterrichts nicht mehr primär die Inzidenz maßgeblich, also die Zahl der Neuinfektionen binnen einer Woche, sondern die Auslastung der Krankenhäuser. Bei jüngeren Menschen sind die Krankheitsverläufe verglichen mit Älteren zwar meist weniger problematisch. Gleichwohl gibt es aber auch hier Risiken, auch hinsichtlich möglicher Langzeitfolgen.

Flächendeckende Schnelltests: Nur wenige Corona-Fälle in Schulen

Nur wenige Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler waren nach Angaben des Kultusministeriums zu Beginn des Schuljahres mit Corona infiziert. Die flächendeckenden Antigen-Schnelltests in den ersten Schultagen ergaben bei den Kindern und Jugendlichen eine Infektionsrate von 0,02 Prozent, wie das Kultusministerium am Dienstag mitteilte. Von mehr als einer Million Tests fielen demnach nur 219 positiv aus. Unter den Lehrkräften wurden 22 Infektionen nachgewiesen. Die Infektionsrate lag demnach bei 0,05 Prozent.

«Schülerinnen und Schüler sowie das Schulpersonal sind die einzigen Bevölkerungsgruppen, die seriell so umfangreich getestet werden», heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Derzeit müssten sich beide Gruppen dreimal wochentlich testen, solange kein vollständiger Impfschutz besteht.

Schüler- und Lehrervertreter vermissen «Plan B» für Corona-Schuljahr

Schülervertreter und die Lehrergewerkschaft GEW vermissen zum Start des neuen Schuljahrs unter Corona-Bedingungen in Hessen einen «Plan B». «Es wurde versäumt, gute Konzepte für den Wechselunterricht zu erstellen», sagte Landesschulsprecherin Jessica Pilz am Dienstag in Frankfurt. «Nur Präsenzunterricht zu planen, ist ein Wiederholungsfehler.» Sie sprach sich außerdem für Verbesserung der Hygieneausstattung an den Schulen aus, etwa Hygienespender in den Gängen oder die Bereitstellung hochwertiger FFP2-Masken.

Masken nützten allerdings nur, wenn sie auch passten, so Volkmar Heitmann, Vorsitzender des Landeselternbeirates. «Wir brauchen FFP2-Masken auch für kleinere Köpfe.» Heitmann sprach sich gegen Impfaktionen an den Schulen aus, da dies zu großem Ärger in der Elternschaft führen könne, wenn die Frage einer Impfung unterschiedlich gesehen werde. Etwas anderes seien beispielsweise Impfbusse vor den Schulen mit ausführlicher Beratung.

Birgit Koch, Vorsitzende der GEW Hessen, plädierte für zusätzliche Förderangebote, mit denen nicht nur Lernrückstände aufgeholt, sondern auch soziales Lernen gefördert werden solle. Das Nachholen versäumten Stoffes müsse aber im Schulalltag geschehen, in kleinen Gruppen und mit Doppelbesetzung in den Klassen, so dass ein Lehrer oder eine Lehrerin Förderangebote innerhalb des normalen Unterrichts integrieren könne. Dazu sei allerdings mehr Personal an den Schulen nötig.

 

11.09.2021

Deutlich mehr Schulabbrecher im Jahr 2021

Nach den ersten Schulschließungen im Frühjahr 2020 konnten alle Schüler in MV versetzt werden, auch wenn die Leistungen nicht ausreichend waren. Die Zahl der Schulabbrecher sank in dem Jahr. Das ist nun vorbei.

Die Zahl der Schulabbrecher ist in Mecklenburg-Vorpommern nach einem Rückgang im vergangenen Jahr jetzt wieder gestiegen. Im Juni verließen 1075 Jugendliche die allgemeinbildenden Schulen mit weniger als der Berufsreife, wie das Statistische Landesamt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Von ihnen haben 646 gar keinen Abschluss und 429 einen Förderschulabschluss, der ebenfalls nicht zur nahtlosen Aufnahme einer Berufsausbildung berechtigt. Im bundesweiten Vergleich gelten diese Jugendlichen deshalb ebenfalls als Schulabbrecher.

Im vergangenen Jahr waren dem Amt zufolge nur 919 Jungen und Mädchen mit weniger als der Berufsreife aus den allgemeinbildenden Schulen entlassen worden (432 ohne Abschluss, 487 mit Förderschulabschluss). Noch ein Jahr davor - 2019 - waren es 1225 (705 ohne Abschluss, 520 mit Förderschulabschluss). Ihr Anteil an allen Schulabgängern lag 2019 bei 9,2 Prozent, sank 2020 auf 7,2 Prozent, um 2021 wieder auf 8,1 Prozent zu steigen.

«Größere Abweichungen zu den Vorjahren resultieren mutmaßlich aus den pandemiebedingten, geänderten Versetzungsregeln», erläuterten die Statistiker. In der Tat hatte das Bildungsministerium nach den wochenlangen Schulschließungen in der ersten Infektionswelle und des teils holprigen Fernunterrichts im Frühjahr 2020 verfügt, dass alle Schüler ungeachtet der Leistung versetzt werden können. Oppositionspolitiker hatten daraufhin gewarnt, dass es 2021 ein «böses Erwachen» geben werde. Nicht jeder, der 2020 Lernlücken erlitten hatte, konnte sie 2021 so weit schließen, dass er den Abschluss schaffte.

Die Linke hatte vorgeschlagen, das Schuljahr nach den Sommerferien 2020 bis zu den Herbstferien des darauffolgenden Schuljahres zu verlängern, um pandemiebedingte Wissenslücken zu schließen. Dem folgte das Bildungsministerium nicht. «Das rächt sich jetzt», meinte die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Simone Oldenburg. «Der Anstieg der Zahl der Jugendlichen, die in der Corona-Pandemie die Schule ohne Abschluss verlassen haben, geschah mit Ansage.» Die Schüler seien zu wenig unterstützt worden und hätten jetzt einen schlechteren Start ins Berufsleben.

10.09.2021

Künftig drei Corona-Selbsttests an weiterführenden Schulen

Im Zuge der neuen Quarantäne-Regeln sollen sich Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen künftig drei Mal die Woche selbst testen - und zwar montags, mittwochs und freitags. Bisher waren zwei Corona-Selbsttests üblich. «Eine dritte regelhafte Testung gibt zusätzliche Sicherheit bei der Kontrolle des Infektionsgeschehens», heißt es in einer Rundmail des NRW-Schulministeriums. Die neue Vorgabe gilt vom 20. September an. An Grund- und Förderschulen bleibt es bei zwei PCR-Pooltests pro Woche.

Das Ministerium präzisierte eine Ankündigung vom Dienstag, wonach eine Quarantäne von Schülerinnen und Schülern grundsätzlich nur noch auf die nachweislich infizierte Person zu beschränken ist. Dies gelte «ab sofort». Die Quarantäne von Kontaktpersonen oder ganzen Kurs- oder Klassenverbänden werde nur noch in ganz besonderen und sehr eng definierten Ausnahmefällen erfolgen, betonte Staatssekretär Mathias Richter in der Mail an alle Schulen.

Bedingung dafür, dass nur die infizierte Person in Quarantäne muss, sei die Einhaltung aller Hygieneregeln einschließlich des Masketragens in Innenräumen. Erhalte die zuständige Behörde von der Schule keine gegenteiligen Hinweise, müssten Kontaktpersonen nicht einzeln nachverfolgt werden. «Dies gilt auch für die Betreuung von Kindern in Rahmen des Offenen Ganztags und weiterer schulischer Betreuungsangebote», betonte Richter.

Auch bei Ausnahmen von der Maskenpflicht - etwa im Sportunterricht - soll es bei einzelnen Infektionen keine Nachverfolgung geben. Diese Ausnahmen müssen klar dokumentiert sein. Außerdem müssten die Regeln wie etwa zum Abstand weitmöglichst eingehalten werden. Das Ministerium wies darauf hin, dass vollständig Geimpfte oder Genesene ohne Symptome von Quarantäne ohnehin ausgenommen sind.

Die bisherige Pflicht, die Platzverteilung durch Sitzpläne zu dokumentieren, fällt weg. Nur im Einzelfall soll das noch nötig sein. Ebenfalls «ab sofort» können sich Schüler, die gegenwärtig in Quarantäne sind, durch einen PCR-Test «freitesten». Allerdings darf der Test frühestens nach dem fünften Tag der Quarantäne gemacht werden. Bei einem negativen Testergebnis darf man sofort wieder am Unterricht teilnehmen.

Die SPD kritisierte, die Erhöhung auf drei Tests pro Woche reiche für eine von Corona betroffene Klasse nicht. «Deshalb bleiben wir bei unserer Forderung, dass die Kinder, die nicht in Quarantäne gehen, umgehend täglich getestet werden müssen», sagte Fraktionsvize Jochen Ott. Das gelte erst Recht für die Grundschulen, wo es noch keinerlei Impfschutz gebe.

Corona-Testheft soll Schülern Erleichterungen im Alltag bringen

(dpa/lhe)Für alle hessischen Schülerinnen und Schüler gibt es seit Beginn des neuen Schuljahrs ein Corona-Testheft. Damit kann man sich die Teilnahme an einem Antigen-Selbsttest und am Schutzkonzept der Schule bescheinigen lassen. Das Heft in Kombination mit Schülerausweis, Personalausweis oder Kinderreisepass ersetzt nach Angaben des Kultusministeriums den Nachweis eines negativen Tests durch eine zertifizierte Einrichtung. Es kann etwa für Kinos oder Restaurants genutzt werden. Wer das Heft regelmäßig und aktuell führt, gilt als negativ getestet.

Studie: Zweiter Corona-Lockdown hinterlässt deutliche Lernlücken

Vor allem der zweite Corona-Lockdown hat einer aktuellen Studie zufolge deutliche Lernlücken bei Hamburger Schülerinnen und Schülern hinterlassen. Das zeige sich vor allem beim Lesen und in Mathe für Kinder aus bildungsfernen Familien, teilte die Schulbehörde am Freitag mit. Zu diesem Fazit kommt die Schulbehörde nach Auswertung der hamburgweiten Lernstandsuntersuchung «Kermit 3», an der mehr als 15 000 Schüler teilgenommen haben - das sind mehr als 85 Prozent der Hamburger Drittklässler. Die Gruppe der lernschwachen Schüler im Bereich Lesen sei um rund 11 Prozent größer geworden. Bei Mathematik stieg der Anteil lernschwacher Schüler um 8,7 Prozent.

In der Rechtschreibung verbesserten sich die Leistungen im Vergleich zu früheren Jahrgängen jedoch. Allerdings kann dieser Effekt auch damit zusammenhängen, dass die Getesteten als erster Jahrgang von der «Rechtschreiboffensive» an Hamburger Grundschulen profitierten, hieß es. Die Schulschließungen im Rahmen des ersten Lockdowns von März bis Mai 2020 führten dagegen laut Untersuchung nur zu geringen Lernrückständen.

Der zweite Lockdown begann im Dezember 2020 und dauerte bis Frühjahr dieses Jahres. «Fernunterricht war und ist kein Ersatz für den Unterricht in der Schule», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). «Die Schulschließungen haben gerade bei Kindern aus sozial benachteiligten Stadtteilen zu deutlichen Lernrückständen geführt.» Die Hamburger Untersuchung sei zurzeit vermutlich die einzige Studie dieser Größenordnung in Deutschland.

Laut Schulbehörde ist es eine schwierige Aufgabe, diese Lernrückstände aufzuholen. «Damit das gelingt, setzt Hamburg jetzt das größte Lernförderungsprogramm der letzten Jahrzehnte um», berichtete Rabe. Die Bundesregierung und die Landesregierungen hätten ein gemeinsames Lernförderprogramm vereinbart. Hamburg bekommt nach Angaben der Behörde in diesem und dem nächsten Jahr rund 26 Millionen Euro für zusätzliche Lernförderkurse und weitere rund 26 Millionen Euro für Angebote zur sozialen und psychischen Stärkung der Kinder und Jugendlichen.

Ferienende: Deutlicher Anstieg der Infektionen bei Schülern erwartet

Wenn nach den Sommerferien wieder Schüler im ganzen Land aufeinander treffen, werden Infektionen nicht ausbleiben. Das Landesgesundheitsamt erwartet deutlich steigende Fallzahlen. Doch auch andere Bereiche stehen im Fokus.

Infektion statt Wiedersehen mit Freunden: Zum Schulstart im Südwesten rechnet das Landesgesundheitsamt mit einem starken Anstieg der Corona-Infektionen bei Schülern. «Es ist zu erwarten, dass die Inzidenz nach dem Beginn des neuen Schuljahres etwa in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen deutlich steigen wird», sagte der Leiter des Referats für Gesundheitsschutz und Epidemiologie, Stefan Brockmann, der Deutschen Presse-Agentur. «Die Inzidenz bei den Jüngeren dürfte deutlich höher ausfallen als im Rest der Bevölkerung.»

Man schaue mit Zunahme der Impfungen aber bewusst nicht mehr nur auf die Inzidenz, sagte der Chef-Virologe. Zugleich habe man sich das Ziel gesetzt, dass es keine Schulschließungen mehr geben soll. Baden-Württemberg habe den Vorteil, dass die Schulferien in anderen Bundesländern bereits beendet seien und man beobachten könne, wie sich die Infektionszahlen dort entwickeln, um im Südwesten entsprechend zu handeln, sagte Brockmann.

Für die rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler im Land beginnt am kommenden Montag wieder der Unterricht. Das Konzept der Landesregierung im Infektionsfall in einer Klasse heißt Testen statt Quarantäne. Bildungsverbände rechnen deshalb ebenfalls mit einer starken Ausbreitung des Virus unter den Schülern und schon bald wieder mit leeren Klassenräumen.

Doch nicht nur bei den Schülern, auch in der übrigen Bevölkerung erwartet Brockmann wieder eine Zunahme der Ansteckungen. Je herbstlicher es werde, und somit wieder mehr in Innenräumen stattfinde, desto mehr müsse man mit höheren Corona-Fallzahlen rechnen. Das Impfen und die Hygienekonzepte bleiben deshalb aus Sicht Brockmanns die wichtigsten Mittel im Kampf gegen das Virus.

Das Infektionsgeschehen im Land ist in den vergangenen Wochen bereits merklich angestiegen. Zuletzt verzeichnete Brockmanns Behörde rund 2000 tägliche Neuinfektionen, die landesweite Inzidenz stieg über den Wert von 90. Dabei ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche bei den Ungeimpften oder Menschen mit unvollständiger Impfserie mit etwa 200 mehr als doppelt so hoch wie im Landesschnitt. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei Menschen mit vollständigem Impfschutz ist dagegen viermal geringer als landesweit. Auch liegen wieder mehr Menschen zur Behandlung von Covid-19 in Kliniken.

Mit mehr Ansteckungen rechnet Brockmann im Herbst auch in den Unternehmen im Land. «Wir beobachten den ganzen Sommer über schon, dass der Arbeitsplatz eine große Rolle bei der Übertragung des Virus spielt», sagte Brockmann. Mit Blick auf mögliche Übertragungswege hält der Chef-Virologe es deshalb für vorteilhaft, wenn Firmen den Impfstatus von Beschäftigten abfragen können.

Angesichts weiter steigender Fallzahlen rücken beim Landesgesundheitsamt zudem die Fälle von Menschen mit Spätfolgen einer Covid-19-Erkrankung, sogenannte Long-Covid-Fälle, stärker in den Fokus. «Aufgrund der großen Anzahl an Menschen, die von Long Covid betroffen sind, muss dies auch Einfluss auf unser Handeln in dieser Pandemie haben», sagte Brockmann. Noch immer sei vieles beim Thema Long Covid unbekannt. Dazu komme, dass es für Long Covid-Fälle keine Meldepflicht gebe. Man sehe diese Fälle erst drei bis sechs Monate nach einer Infektion. «Zugleich beobachten wir, dass die Zahl der Fälle weiter steigt.»

Falsche Coronatest-Ergebnisse an Grundschulen verschickt

Bremer Grundschulen nutzen Lolli-PCR-Tests, die als sehr zuverlässig gelten. Doch ein Software-Fehler hat zahlreiche Lehrkräfte, Eltern und Schüler unnötig beunruhigt.

Falsche Coronatest-Ergebnisse haben am Freitag zu Aufregung in zahlreichen Bremer Grundschulen geführt. Wie ein Sprecher des Bildungsressorts sagte, erhielten mindestens 30 Schulleitungen Benachrichtigungen über positive Tests an ihren Grundschulen - manche für alle Klassen. Einige Einrichtungen stellten den Schulbetrieb daraufhin ein. «Es ist sehr sicher, dass sehr viele Testergebnisse falsch waren», sagte der Sprecher. «Wie viele Tests tatsächlich positiv waren, wissen wir noch nicht.» Demnach ist klar, dass ein Software-Fehler des Anbieters der Lolli-PCR-Tests dazu führte, dass zahlreiche falsche Ergebnisse verschickt wurden. «Es ist ein Riesen-Ärgernis auf allen Seiten.» Über die Panne hatte zunächst «buten un binnen» berichtet.

Nach Bekanntwerden des Softwarefehlers stellte die Firma das Push-System ein, wie der Sprecher der Bildungsbehörde sagte. Das Unternehmen begann damit, alle Benachrichtigungen zu prüfen und die Schulleitungen über falsche Nachrichten zu informieren. Manche Schulen ließen die Kinder daraufhin zum Unterricht kommen, andere blieben im Distanzunterricht. «Sie sind mit Hochdruck dabei, diesen Fehler auszumerzen, damit er nächste Woche nicht wieder passieren kann», so der Sprecher über die Firma.

Die Schülerinnen und Schüler der Bremer Grundschulen müssen derzeit zwei Mal pro Woche einen Lolli-PCR-Test in der Schule machen. Dabei wird das Test-Stäbchen wie ein Lolli im Mund gelutscht. Anschließend werden alle Stäbchen einer Klasse in einem Behälter gesammelt und als eine Probe im Labor auf das Corona-Virus untersucht. Bis zum nächsten Unterrichtstag ist das Ergebnis da. Wenn es positiv ist, muss jedes Kind einzeln einen PCR-Test machen, um zu wissen, wer infiziert ist. PCR-Tests sind zuverlässiger als Antigen-Schnelltests.

Wie greifen die Corona-Maßnahmen an Hessens Schulen?

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat nach den Sommerferien zwei Präventionswochen in den Schulen angeordnet, in denen die Frequenz von zwei auf drei Corona-Tests erhöht wird. Das Prozedere läuft trotz zeitlicher Einschränkungen im Unterricht ordentlich ab.

An Hessens Schulen laufen die Corona-Tests im neuen Schuljahr weitgehend reibungslos. Es gibt vergleichsweise wenige neue Corona-Fälle. Die Kritik von Eltern, Schülern und Gewerkschaftern an zu wenigen Luftfiltergeräten sowie einem Mangel an Sozialarbeitern hält an.

Der Landeselternbeirat und die Landesschülervertretung bestätigten eine Einschätzung des Kultusministeriums, wonach die nach den Sommerferien ausgeweiteten Corona-Tests trotz zeitlicher Beeinträchtigung des Unterrichts problemlos liefen. Es gebe von den Eltern dennoch eine große Zahl von Fragen zu Tests, Hygienebedingungen, Impfungen, Elternabenden und Klassenfahrten, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Volkmar Heitmann, der Deutschen Presse-Agentur.

Er kritisierte die noch sehr geringe Zahl von Luftreinigungsgeräten in den Schulen. Die bevorstehende kalte Jahreszeit werde das Lüften erschweren. Heitmann forderte den Einsatz von FFP2-Masken auch für Kinder. Auch die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Birgit Koch, mahnte, die Luftfilter seien noch nicht flächendeckend in den Schulen angekommen, obwohl der Bund weiteres Geld bereitgestellt habe.

Der Leiter der Gesamtschule Gießen-Ost mit etwa 1500 Kindern und Jugendlichen, Frank Reuber, berichtete von knapp 7000 Corona-Tests, die alle negativ seien. Die Lage sei aber von Schule zu Schule unterschiedlich. Durch die Tests gehe auch Unterrichtszeit verloren. «In den Stunden, in denen getestet wird, kann man erstmal 15 Minuten keinen Unterricht machen.» Er hoffe, dass seiner Schule noch Lüftungsgeräte geliefert würden. Ansonsten werde es wieder Kinder geben, die mit Decken den Unterricht verfolgen - und Schulen, die zum Fenster hinaus heizen.

Es müsse zudem mehr Lehrkräfte geben, um versäumten Unterrichtsstoff aus dem vergangenen Schuljahr aufzuholen und auch das soziale Lernen zu fördern, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats. Auch die Sozialarbeit sollte deutlich aufgestockt werden. Es müsse mehr Kinder- und Jugendpsychologen geben. «Insgesamt wird viel zu wenig Geld in das System Schule gesteckt.»

Die Forderung nach einer flächendeckenden Ausstattung der Schulen mit Luftfiltergeräten kam auch von der Landesschülervertretung. An den meisten Schulen werde zudem noch immer kein Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, sagte Landesschulsprecherin Jessica Jolene Pilz der Deutschen Presse-Agentur. «Solche Zustände sind außerhalb von Schulen undenkbar und müssen unverzüglich beendet werden.»

Pilz machte sich für langfristige, in den Schulalltag integrierte Förderangebote sowie einen Ausbau der Sozialarbeit stark, um Versäumnisse aufzufangen. Außerdem müsse die digitale Infrastruktur besser werden. Ein Wunsch der Landesschülervertretung sei auch, Lernkonzepte wie freies Lernen und Lernen in Modulen verstärkt in den Unterricht zu bringen.

Zum Start in die zweite Schulwoche nach den Sommerferien befanden sich etwa 1000 Schülerinnen und Schüler (0,13 Prozent) und etwa 60 Lehrkräfte (0,10 Prozent) in Quarantäne, wie das Kultusministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Vor den Weihnachtsferien Ende vergangenen Jahres habe die Zahl mit 17 000 bis 18 000 (mehr als 2 Prozent) deutlich höher gelegen.

Das Ministerium hat für die Zeit nach den Sommerferien zunächst zwei Präventionswochen angeordnet. Dabei wurde die Testfrequenz von zwei auf drei Corona-Tests pro Woche erhöht. Es besteht auch am Platz während des Unterrichts eine Maskenpflicht. Mehr als 1,45 Millionen Schnelltests wurden nach Angaben des Ministerium von Schülerinnen und Schülern absolviert. Davon seien 1300 (0,09 Prozent) positiv gewesen. Nach einer Prüfung durch PCR-Tests habe die Zahl bei 725 (0,05 Prozent) gelegen.

Bei den Lehrkräften seien lediglich 53 von 64 000 Tests positiv gewesen, nach der PCR-Überprüfung lediglich 14. Diese Werte und auch die aktuelle Zahl der Lehrkräfte in Quarantäne zeigten den Wert von Impfungen, betonte das Haus von Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Schulschließungen gebe es nicht. Zu Beginn des vergangenen Schuljahres waren noch sieben Schulen innerhalb der ersten beiden Schulwochen geschlossen worden.

In Hessen lernen in insgesamt 1806 öffentlichen Schulen derzeit 761 500 Schülerinnen und Schüler. Die Zahl der Lehrerstellen beträgt 55 540.

09.09.2021

Das neue Schuljahr startet in Bayern wieder mit Maskenpflicht

In wenigen Tagen startet auch in Bayern das neue Schuljahr. Und Corona wird ein weiteres Jahr ein beherrschendes Thema bleiben - das ist sicher. Masken und Tests bleiben an der Tagesordnung. Lehrerorganisationen sehen dennoch Mängel bei der Vorsorge.

Von gelockerten Corona-Vorgaben werden Bayerns Schüler am Dienstag, dem ersten Schultag nach den Sommerferien, erst einmal nicht viel spüren. Mit umfassenden Hygienevorgaben starten die mehr als 6000 Schulen im Freistaat ins neue Schuljahr. Im Klassenzimmer gilt dann erst einmal wieder eine generelle Maskenpflicht. Einige Antworten darauf, welche neuen und alten Regeln zum Schulstart gelten:

Wo müssen die Schülerinnen und Schüler Masken tragen?

In den «ersten Unterrichtswochen» gilt generell in allen Innenräumen der Schulen wieder die Maskenpflicht. Auch am Arbeitsplatz im Klassenzimmer dürfen Kinder und Jugendliche diese nicht absetzen, sofern sie nicht mindestens eineinhalb Meter vom Sitznachbarn entfernt sind - selbst wenn sie geimpft sind. An Grundschulen reicht eine einfache Mund-Nasen-Bedeckung aus, ab der fünften Klasse ist eine medizinische Maske gefordert.

Die Maßnahme solle insbesondere Infektionen durch Reiserückkehrer verhindern, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bereits am Ende des vergangenen Schuljahres. Er forderte die Eltern auch auf, die Kinder auf jeden Fall in den Tagen vor dem Schulstart noch einmal testen zu lassen. Wie lange die Maskenpflicht konkret gelten soll, ist bislang nicht bekannt.

Werden die Kinder weiterhin in der Schule getestet?

Die bereits aus dem vergangenen Schuljahr bekannten Schnelltests bleiben. Drei Mal die Woche sollen sich alle Kinder und Jugendlichen selbst testen. Für die Grundschüler sowie Kinder in Förderzentren wird es, spätestens nach einer Übergangsphase, allerdings neue Tests geben. Bei ihnen sollen dann die sogenannten PCR-Pooltests zum Einsatz kommen, sobald die logistischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind. PCR-Tests gelten als zuverlässiger als die sonst üblichen Schnelltests.

Wie funktionieren diese neuen «Lollitests»?

Die Kinder sollen künftig zwei Mal pro Woche die sogenannten Lollitests machen - statt drei Schnelltests. Jedes Kind lutscht dafür dann an zwei Tupfern. Zunächst werden dann im Labor die Proben von allen gesammelt - also als Pool - untersucht. Findet sich ein Hinweis auf eine Infektion in der Klasse, werden die zweiten Proben der Kinder einzeln analysiert, um die Betroffenen zu finden und die Schulen sowie Eltern vor dem Schulbeginn am nächsten Tag zu informieren.

Ob dies bereits in der kommenden Woche flächendeckend so funktioniert, ist noch unklar. Piazolo hat zugesagt, dass die Pooltests «rasch nach Unterrichtsstart» beginnen würden. Zumindest noch im September sollen diese überall möglich sein.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in München müssten für eine halbe Million Schülerinnen und Schüler aus mehr als 25 000 Klassen an 3300 Standorten täglich die Tests abgeholt und in Labore transportiert werden. Bis dieses System steht, kommen auch in Grundschulen noch die bisherigen Selbsttests zum Einsatz.

Werden auch die Kinder in den Kitas auf diese Weise getestet?

In den Kindertagesstätten sind keine Pooltests geplant. Das Sozialministerium setzt auf freiwillige Selbsttests, die die Eltern zu Hause bei ihren Kindern durchführen sollen. Dazu sollen weiterhin Berechtigungsscheine von den Einrichtungen verteilt werden, die in Apotheken eingelöst werden können. «Mit jedem Berechtigungsschein erhalten die Familien für einen Zeitraum von jeweils fünf Wochen zehn Selbsttest-Kits pro Kind», erklärte das Ministerium.

Müssen ganze Schulklassen in Quarantäne, wenn ein Kind positiv getestet wird?

Dies soll nach Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) vermieden werden. «Wir alle wollen so wenig Quarantäne wie möglich», sagte Bayerns Gesundheitsminister und GMK-Vorsitzender Klaus Holetschek (CSU) am Montag nach der Sitzung der Minister. Der Präsenzunterricht solle so weit wie möglich stattfinden können.

Grundsätzlich soll bei einem Corona-Fall nicht mehr für die gesamte Klasse Quarantäne angeordnet werden. Symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen zunächst in Quarantäne mussten, sollen diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können.

Die Bundesländer hatten bislang unterschiedliche Regelungen und wollen nun möglichst einheitlich agieren. Wie die bayerischen Gesundheitsämter die Regelungen nun konkret umsetzen und wer insbesondere bei Verdachtsfällen als Kontaktperson gilt, bleibt abzuwarten.

Sind die Lehrer mit den Maßnahmen zufrieden?

Zumindest mehrere Lehrerverbände sehen das Konzept der Staatsregierung nicht als ausreichend an. Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände, in der vier Einzelverbände vertreten sind, bemängelt, dass es auch nach drei Corona-Wellen kein «klares Gesundheitskonzept für unsere Schulen» gebe.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert ebenfalls die Pläne der Ministerien. Die GEW bemängelt beispielsweise wie die Arbeitsgemeinschaft, dass bislang nicht ausreichend Luftreiniger in den Klassenzimmern zur Verfügung stünden. Obwohl dies seit mehr als einem Jahr diskutiert, vehement gefordert und vor den Sommerferien auch von der Staatsregierung versprochen worden sei, existierten «in der Breite keine technischen Lüftungs- oder Luftfilteranlagen», teilte die GEW mit.

08.09.202

Südwesten bleibt dabei: Intensiv-Tests statt Quarantäne in Schulen

Ist Quarantäne für Kontaktpersonen bei einem Corona-Fall in Schulen und Kitas noch zeitgemäß? Die grün-schwarze Regierung hält tägliche Tests für genauso effektiv. Der Vorteil: Präsenzunterricht und Kita-Betrieb können einstweilen weitergehen.

Fünfmal Testen statt fünf Tage nicht in die Schule: Baden-Württemberg will die etwas stärker gelockerten Quarantäne-Regeln bei Corona-Fällen in Schulen und Kitas beibehalten. Das Land hält an den geplanten Intensiv-Testungen der Kontaktpersonen in den Klassen über fünf Tage hinweg fest - anders als es die Länderrunde erst am Montag mehrheitlich beschlossen hatte.

«Mit verstärkten Tests als Alternative zur Quarantäne erhöhen wir die Sicherheit und ermöglichen verlässlichen Schulunterricht in Präsenz», sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Mittwoch. Zuvor hatte die Landesregierung nach dem mehrheitlichen Beschluss der Gesundheitsminister der Länder vom Montag nochmal überprüft, ob die Regelungen angepasst werden müssen. Danach sollen alle Schülerinnen und Schüler vom 27. September an dreimal statt nur zweimal die Woche getestet werden, wie das Kultusministerium der «Schwäbischen Zeitung» bestätigte.

Bund und die meisten Länder hatten bei der Quarantäne entschieden, dass symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in häusliche Isolation müssen, diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. Baden-Württemberg hat sich enthalten und will das zum Schulstart am Montag anders regeln: Statt Quarantäne sollen sich alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse fünf Tage lang mindestens mit einem Schnelltest täglich testen, sollte ein Mitschüler infiziert sein - geimpfte und genesene Schüler sind ausgenommen. Das infizierte Kind oder der Jugendliche muss sofort für 14 Tage zu Hause bleiben.

Die Kommunen begrüßten das Vorgehen. Der Chef des Landkreistags, Joachim Walter, sagte: «Mit dieser verantwortlichen und abgewogenen Entscheidung sind die Weichen für einen gelingenden Schulstart gut gestellt.»

Gesundheits- und Kultusministerium einigten sich zudem darauf, dass diese Regel nicht nur für weiterführende Schulen gelten soll, sondern auch für Grundschulen. Ursprünglich sollten sich Kontaktpersonen in Grundschulen nur einmal vor Wiederbetreten der Schulen testen lassen. In Kitas bleibt es dabei: Die Quarantäne von Kindern kann bei einem positiven Fall in der Betreuungsgruppe entfallen, wenn diese einmalig negativ getestet werden.

Grundsätzlich sei das Vorgehen von dem Beschluss der Gesundheitsminister gedeckt, ist man sich in der Regierung sicher. Es wird darauf verwiesen, dass auch andere Länder wie NRW, Sachsen oder Bremen ähnlich vorgingen wie der Südwesten.

Die Landesregierung will ihre Verordnung um weitere Regeln ergänzen: So sollen sich Beschäftigte in Schulen und Kitas, die nicht geimpft oder genesen sind, täglich morgens testen. Bei einem Corona-Fall sollen die anderen Schülerinnen und Schüler der Klasse so weit wie möglich - etwa in den Pausen - unter sich bleiben. Der Sportunterricht soll nur draußen und im Klassenverband stattfinden. Im Fach Musik soll während der fünf Tage auf Gesang und das Spielen von Blasinstrumenten verzichtet werden.

Außerdem gilt: Wenn sich ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler einer Klasse innerhalb von zehn Tagen mit dem Coronavirus angesteckt hat, muss das Gesundheitsamt prüfen, ob nicht doch eine weitergehende Quarantäne angeordnet werden muss. Das gleiche gilt für Kitas.

Lucha sprach von einer Abwägung zwischen dem Recht auf Bildung, dem Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen und der Sicherheit vor Corona. «Quarantäne und Isolation sind gerade für viele Familien mit Kindern eine enorme psychosoziale Belastung.» Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) erklärte, das Ziel sei: «Schülerinnen und Schüler konsequent schützen und gleichzeitig - soweit es geht - die Teilnahme am Präsenzunterricht ermöglichen.» Lucha und Schopper wiesen darauf hin, dass tägliche Tests eine gleichwertige Alternative zur Quarantäne sein sollen. Darauf deuteten erste Studien, etwa der Universität Oxford, hin.

Lehrerverbände: Schulschließungen durch schnelles Handeln verhindern

Kultusministerin Schopper will wegen Corona eigentlich keine Schulen mehr schließen. Doch in der vierten Welle werden sich voraussichtlich viele Kinder und Jugendliche anstecken. Hat die Politik genügend Vorkehrungen getroffen, um Präsenzunterricht abzusichern?

Lehrerverbände und SPD haben die grün-schwarze Landesregierung unmittelbar vor Schulstart aufgefordert, durch schnelles Handeln erneute Schließungen im Herbst noch zu verhindern. Es gebe angesichts der steigenden Infektionszahlen viel zu wenige Luftfilter, CO2-Ampeln und kaum mobile Impf- und Testteams, kritisierten die Gewerkschaft GEW, der Verband der Berufsschullehrer und die SPD-Fraktion am Mittwoch in Stuttgart. «Meine Befürchtung ist, dass wir im Herbst wieder über Fernunterricht reden werden», sagte GEW-Landeschefin Monika Stein. In welchem Ausmaß Schulen geschlossen werden müssten, hänge von der Entwicklung der Corona-Zahlen und der Impfbereitschaft ab.

Die Verantwortung für mögliche Lockdowns liege bei Bund, Land und Kommunen, die nicht genügend in Schutzmaßnahmen investiert hätten, sagte Stein. «Alle drei haben zu wenig dafür getan, Schulen so sicher wie möglich zu machen.» Auch der Chef des Berufsschullehrerverbands im Land, Thomas Speck, sagte: «Der Präsenzunterricht ist meiner Meinung nach sehr gefährdet.» In anderen Bundesländern, in denen die Schule schon länger wieder läuft, sehe man, dass die Zahl der Ansteckungen bei jungen Leuten stark steige, weil viele nicht geimpft seien. Am Montag beginnt in Baden-Württemberg wieder die Schule. Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) setzt auf Präsenzunterricht im gesamten Schuljahr 2021/2022.

GEW-Landeschefin Stein forderte erneut, alle Klassenzimmer mit Luftreinigungsgeräten auszustatten. «Ein Lockdown würde sich dadurch vermeiden lassen.» Das Land und die Kommunen müssten hier viel schneller handeln. «Ich bin mehr als sauer an dieser Stelle.» Speck berichtete, eine Umfrage des Verbands habe ergeben, dass 53 von 180 Schulen keine CO2-Messgeräte hätten, obwohl diese preislich günstig seien. «Es ist peinlich und traurig zu gleich.» Die Lehrkräfte fühlten sich «im Stich gelassen». Zwei Drittel der befragten Berufsschulen hätten angegeben, keine Luftfilter zu haben. Hier habe man in der Corona-Krise zu viel Zeit verstreichen lassen.

Für die SPD unterstützte Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei die Forderungen der Lehrerverbände: «Deutlich mehr Geld für mobile Luftreinigungsgeräte in den Schulen, mehr Angebote zum Impfen mit mobilen Impfteams an den Schulen und flächendeckend Pool-Testungen an den Schulen und Kitas», forderte er.

Bei der Impfkampagne sehen beide Verbände noch großen Nachholbedarf. So müssten auch Impfungen an Schulen für Schülerinnen und Schüler über zwölf Jahren angeboten werden. Die Idee: Mobile Impfteams und Impfaktionen an Schulen. Um die Impfquote zu erhöhen, seien zudem kreative Ideen gefragt - auch im Gesundheitsministerium von Manne Lucha (Grüne). «Wie wäre es zum Beispiel mit einem Lucha-Schüler*innen-Döner-Gutschein für jede geimpfte Person ab zwölf Jahren?», schlug Stein vor. Der Grüne könne aber auch Geld für «vegetarische Döner» lockermachen. Zudem müsse mehr informiert werden - auch über die sozialen Medien.

Das Sozialministerium verwies darauf, dass am kommenden Wochenende die Impfzentren vor allem für 12- bis 17-Jährige geöffnet seien. «Fast ein Drittel der 12- bis 17-Jährigen in Baden-Württemberg hat bereits eine erste Corona-Schutzimpfung erhalten», sagte Ute Leidig, Staatssekretärin im Ministerium. Man dürfe jetzt nicht nachlassen.

Die GEW geht nach eigenen Umfragen davon aus, dass 80 bis 95 Prozent der Lehrkräfte vollständig geimpft seien. Die Auskunftspflicht über den Impfstatus der Lehrerinnen und Lehrer hält Stein für nicht sinnvoll. «Es erschließt sich uns nicht, was der Vorteil ist. Welche Konsequenz soll daraus folgen?», fragte Stein. Speck sagte: «Eine Auskunftspflicht bringt nichts, weil wir die Lehrkräfte nicht aus dem Unterricht nehmen können, weil wir sie brauchen.»

Beide Verbände dringen auf regelmäßige Lolli-PCR-Tests in den Schulen. Dieses seien sicherer als die zwei wöchentlich geplanten Antigen-Schnelltests. Wenn die grün-schwarze Regierung dies aus finanziellen Gründen verweigere, sei das «beschämend», sagte Stein. Speck bemängelte, dass durch die Testung am Morgen viel Unterrichtszeit verloren gehe. «Wo bleiben die mobilen Testteams?»

GEW und der Berufsschulverband blicken mit Sorge auch auf den Lehrermangel. Die Zahl der Berufsschullehrer sank nach Specks Angaben im Zeitraum von 2017 bis 2020 um rund 20 Prozent. Besonders in den sogenannten Mangelfächern, wie Elektrotechnik und Informatik fehle der Nachwuchs bei den Lehrkräften. Die GEW befürchtet, dass die Corona-Pandemie das Problem sogar noch verschlimmern könnte. Mehr ältere Lehrerinnen und Lehrer würden überlegen, früher in den Ruhestand zu gehen. «Die Aussage lautet oft: "Lieber gehe ich mit Verzicht auf Bezüge und gehe früher in Rente"», sagte Stein.

Lehrerverbände befürchten wegen vierter Corona-Welle Fernunterricht

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft rechnet damit, dass wegen mangelnder Corona-Schutzmaßnahmen im Herbst wieder Schulen schließen müssen. «Meine Befürchtung ist, dass wir im Herbst wieder über Fernunterricht reden werden», sagte GEW-Landeschefin Monika Stein am Mittwoch in Stuttgart. Die Verantwortung dafür liege bei Bund, Land und Kommunen, die nicht genügend in Schutzmaßnahmen investiert hätten. «Alle drei haben zu wenig dafür getan, Schulen so sicher wie möglich zu machen.»

Auch der Vorsitzende des Berufsschullehrerverbands im Land, Thomas Speck, sagte: «Meiner Meinung nach ist der Präsenzunterricht gefährdet.» Beide kritisierten, dass es noch immer kaum Luftfilter in den Schulen gebe.

Stein bekräftigte ihre Forderung, alle Klassenzimmer mit Luftreinigungsgeräten auszustatten. «Ein Lockdown würde sich dadurch vermeiden lassen.» Das Land und die Kommunen müssten hier viel schneller handeln. «Ich bin mehr als sauer an dieser Stelle.» Sie sprach sich gegen die Pläne von Bund und Ländern aus, die Lehrkräfte zu einer Impfauskunft zu verpflichten. «Wir halten da nichts davon», erklärte die Gewerkschaftschefin. «Wir wollen nicht, dass sensible Gesundheitsdaten abgefragt werden.» Speck sieht das ähnlich: «Eine Auskunftspflicht bringt nichts, weil wir die Lehrkräfte nicht aus dem Unterricht herausnehmen können.» Dafür sei das Personal viel zu knapp.

Beide Verbände dringen auf regelmäßige Lolli-PCR-Tests in den Schulen. Dieses Tests seien sicherer als die zwei wöchentlich geplanten Antigen-Schnelltests. Wenn die grün-schwarze Regierung dies aus finanziellen Gründen verweigere, sei das «beschämend», sagte Stein. Bleibe die Landesregierung bei ihrem Plan, bei einem Corona-Fall alle anderen Schülerinnen und Schüler fünf Tage lang zu testen, müsse auch dies mit PCR-Tests geschehen. Die grün-schwarze Regierung überprüft derzeit, ob bei einem Corona-Fall in einer Klasse nicht doch auch wieder direkte Kontaktpersonen in Quarantäne müssen.

07.09.2021

GEW-Chefin fordert zum Freitesten an Schulen PCR-Tests

Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), hat den Beschluss der Länder für ein einheitlicheres Corona-Konzept an Schulen grundsätzlich begrüßt - jedoch auch Kritik daran geübt. «Dass es jetzt endlich einheitliche Leitlinien gibt, das war dringend überfällig», sagte Finnern RTL/ntv (Dienstag).

Solange es ein funktionierendes Masken- und Lüftungskonzept an Schulen gebe, sei es nachvollziehbar, nur direkte Sitznachbarn im Falle einer Corona-Erkrankung in der Klasse in Quarantäne zu schicken. «Nur: Für mich ist es ganz wichtig, dass das Freitesten mit einem PCR-Test und nicht mit einem Selbsttest passiert, weil wir doch zu oft wissen, dass das Ergebnis der Schnelltests nicht gut genug ist», sagte die GEW-Chefin.

Die Gesundheitsminister der Länder hatten sich am Montag mehrheitlich für einfachere Quarantäne-Regeln bei Corona-Fällen in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem Fall nicht mehr für die gesamte Klasse Quarantäne angeordnet werden, heißt in einem Beschluss nach Beratungen mit dem Bund. Symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne sind, sollen diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. Der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, dies solle als «Leitplanken» für die Gesundheitsämter dienen. Der Beschluss wurde bei Enthaltung zweier Länder angenommen.

Mit Blick auf das Schuljahr zeigte sich Finnern vorsichtig optimistisch «Ich glaube, dass wir in diesem Winter schon anders durchkommen, als im letzten Jahr - auch wenn das Schuljahr alles andere als normal sein wird.»

Luftfilter-Förderung nur für 23 000 Klassen beantragt

Luftfilter in Klassenräumen sollen ein wichtiges Mittel sein, damit Schüler und Schülerinnen in Bayern wieder in der Schule lernen können - und nicht nur daheim am Computer. Doch kurz vor Schulstart ist klar: In vielen Klassen bleibt die Luft ungefiltert.

Zum Schulstart werden wohl zahlreiche Klassenräume in Bayern nicht mit Luftfiltern ausgestattet sein. Wie viele das sind, ist zwar unklar, aber bis Ende August waren beim bayerischen Kultusministerium nach Angaben eines Sprechers erst für rund 23 000 Klassenräume Fördergelder beantragt worden - von insgesamt rund 75 000. Allerdings gebe es auch Schulen, die die Luftfilter ohne Fördergelder beschafft hätten, betonte ein Ministeriumssprecher. Die Zahl der tatsächlich mit einem Filter ausgestatteten Klassen dürfe darum höher sein. Wie hoch wisse er aber nicht.

«Die beantragte Summe erhöht sich jedoch täglich», sagte der Sprecher außerdem. Nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) waren nur zwei Wochen vor Beginn des Schuljahrs aber erst zehn Prozent der Gelder aus dem jüngsten, im Sommer aufgelegten Förderprogramm abgerufen worden. Das Kultusministerium betonte allerdings, dass früher ausgezahlte Fördergelder dagegen schon zu 100 Prozent abgerufen worden seien.

«Das ist uns schlicht zu wenig. Hier wurde furchtbar viel Zeit verschenkt», sagte die stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbandes, Henrike Paede zu den Zahlen aus dem Ministerium. «Viele Schulträger wollen nicht investieren, weil sie nicht wussten, ob mit entsprechender Ausstattung auch wirklich mehr Präsenzunterricht stattfinden kann. Dazu hat die Politik leider nie eine Ansage gemacht.»

Auch für die Präsidentin des bayerischen Lehrerverbandes BLLV, Simone Fleischmann, ist diese Situation untragbar. Denn die Schulen, die es sich leisten konnten, auch ohne Fördergelder Luftfilter anzuschaffen, seien diejenigen, die finanziell gut ausgestattet sind. «Und nicht diejenigen aus einem schwierigeren sozio-ökonomischen Umfeld, in denen die Schüler besonders dringend auf Präsenzunterricht angewiesen sind.»

Sie kritisierte scharf, dass auch nach anderthalb Jahren Pandemie noch immer nicht überall die Möglichkeit für guten Unterricht unter Corona-Bedingungen geschaffen worden sei. «Und so reden wir wieder nur über Corona-Rahmenbedingungen und nicht über Inhalte oder darüber, wie wir es unseren Schülern erleichtern können, mit der Pandemie umzugehen.»

Der Landeselternverband Bayerischer Realschulen forderte «bis spätestens Ende 2021 ein Raumluftreinigungsgerät und Plexiglastrennwände in jedem Klassenraum» und schrieb einen «Brandbrief» an Kultusminister Michael Piazolo. «Unsere Kinder sind die Leidtragenden, weil Sachaufwandsträger sich vor Kosten scheuen, deren Ausgabe die Gesundheit unserer Kinder sichern sollen und die Erhaltung des Bayerischen Bildungsstandards gewährleisten», heißt es darin.

Bildungsministerin Karliczek: Quarantäne-Einigung richtig

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat die Vereinbarung der Gesundheitsminister der Länder zu Quarantäne-Regeln in Schulen begrüßt. «Das wird die Akzeptanz der Regeln erhöhen. Richtig ist der Ansatz, dass die Dauer und die Zahl der Betroffenen der Quarantäne maßvoll eingeschränkt werden», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Das werde dazu beitragen, dass der Präsenzunterricht für möglichst viele Kinder und Jugendliche aufrechterhalten werde. «Wichtig ist aber auch, dass die Gesundheitsämter immer auf den Einzelfall schauen werden.»

Karliczek appellierte erneut an Erwachsene, das Angebot zur Corona-Impfung anzunehmen. «Die Pandemie bleibt für unsere Kinder, die noch nicht geimpft werden können oder noch ungeimpft sind, eine Gefahr.» Je mehr Menschen geimpft seien, desto leichter lasse sich auch das Infektionsgeschehen an den Schulen beherrschen.

Die Gesundheitsminister hatten sich am Montag mehrheitlich für einfachere Quarantäne-Regeln bei Coronafällen in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem Fall nicht mehr für die gesamte Klasse Quarantäne angeordnet werden, hieß in einem Beschluss nach Beratungen mit dem Bund. Symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne sind, sollen diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können.

06.09.2021

Gesundheitsminister: Nicht mehr ganze Klassen in Quarantäne

Was passiert, wenn ein Kind in der Klasse Corona hat? Quer durch die Republik gibt es verschiedene Vorgaben, wer dann wie lange zu Hause bleiben muss. Die Länder nehmen einen Anlauf für mehr Gemeinsamkeit.

Die Gesundheitsminister der Länder haben sich mehrheitlich für einfachere Quarantäne-Regeln bei Coronafällen in Schulen ausgesprochen. Grundsätzlich solle bei einem Fall nicht mehr für die gesamte Klasse Quarantäne angeordnet werden, heißt in einem Beschluss nach Beratungen mit dem Bund am Montag. Symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne sind, sollen diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. Der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, dies solle als «Leitplanken» für die Gesundheitsämter dienen. Der Beschluss wurde bei Enthaltung zweier Länder angenommen.

Bislang gehen die Länder bei einer Quarantänedauer von 14 Tagen unterschiedlich damit um, wenn sich in einer Klasse ein infiziertes Kind findet. Teilweise werden nur Sitznachbarn in Quarantäne geschickt, teils ganze Klassen. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befürwortete einfachere Regeln, pochte aber zugleich auf Schutzkonzepte. Voraussetzung sei, dass Grundregeln umgesetzt würden, nämlich Maske im Unterricht, regelmäßige Tests und Lüftungskonzepte, sagte der CDU-Politiker vor den Bund-Länder-Beratungen.

In dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Beschluss heißt es, Quarantäne-Anordnungen seien generell «mit Augenmaß» in Abhängigkeit von der Einhaltung solcher Konzepte zu erlassen. Im Interesse eines möglichst verlässlichen Präsenzunterrichts sei die Anordnung einer Quarantäne außerdem «auf möglichst wenige Personen» zu beschränken. Geimpfte und genesene Personen sollen grundsätzlich ausgenommen sein. Die nötigen Maßnahmen solle die Gesundheitsbehörde vor Ort treffen.

Bei übrigen Kindern der Klasse, die nicht als enge Kontaktpersonen eingestuft sind, sollten «für eine gewisse Zeit» intensivierte Tests vorgenommen werden, heißt es in dem Beschluss weiter. Auch in Kitas solle es Quarantäne «nur mit Augenmaß unter Berücksichtigung der Belange der Kinder und Kinderbetreuungseinrichtungen» geben. Auch hier soll ein «Freitesten» aus einer Quarantäne nach frühestens fünf Tagen möglich sein. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte vor den Beratungen für eine große gemeinsame Linie der Länder geworben, die für sehr viel Akzeptanz bei Eltern sorgen würde.

Die Länder-Gesundheitsminister beschlossen außerdem, das Angebot für Auffrischungs-Impfungen auszuweiten. «Künftig können auch Bürgerinnen und Bürger über 60 Jahren nach ärztlicher Beratung und individueller Entscheidung eine Drittimpfung wahrnehmen – aber frühestens sechs Monate nach der ersten vollständigen Impfserie», sagte Holetschek. Angeboten werden solle dies zudem auch Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen und weiteren Einrichtungen für gefährdete Gruppen. Möglich sind Auffrischungsimpfungen unter anderem schon für Pflegebedürftige, Menschen mit Immunschwäche und ab 80 Jahren.

Der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft VBE, Udo Beckmann, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Die Zeit für eine Quarantäne zu verkürzen und sie auf fünf Tage durch einen Test zu begrenzen, trägt dazu bei, transparente Regelungen zu schaffen. Das baut Unmut und Unverständnis der Menschen ab.» Die eigentliche Aufgabe bleibe aber, nachvollziehbar und möglichst ebenso bundesweit festzulegen, nach welchen Indikatoren entschieden werde, wer in Quarantäne gehen müsse.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sprach sich für gezieltere Quarantäneregeln an Schulen aus. Bedingung sei eine sorgfältige Kontrolle über Tests, sagte Präsident Jörg Dötsch bei einem Pressebriefing des Science Media Centers. Er rief zugleich Erwachsene zu Impfungen auf. Schulschließungen hätten dazu beigetragen, dass es unter Erwachsenen weniger schwere Verläufe gegeben habe. «Wir fordern ganz klar: Bevor noch einmal eine Schule geschlossen wird, müssen auch alle anderen Bereiche des öffentlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens geschlossen werden.»

Spahn appellierte ebenfalls an die Verantwortung der Älteren. Kinder und Jugendliche hätten in der Pandemie auf viel verzichtet, jetzt hätten sie es verdient, dass auf sie Rücksicht genommen werde. Dazu gehöre, die Corona-Ausbreitung durch Vorsicht einzudämmen - denn es gebe einen klaren Zusammenhang zwischen den Infektionen insgesamt und dem Ausbruchsgeschehen etwa in Kitas und Schulen. Zudem sollten sich mehr Menschen impfen lassen. «Es sollten nicht die Impfmuffel am Ende auch noch die unter 12-Jährigen mit in eine schwierige Situation bringen», sagte Spahn. Für Kinder unter 12 gibt es keinen Impfstoff.

Vollständig mit der meist nötigen zweiten Spritze geimpft sind laut RKI knapp 51 Millionen Menschen oder 61,3 Prozent der Bevölkerung. Etwa 54,7 Millionen Menschen oder 65,8 Prozent aller Einwohner haben mindestens eine Impfung. Die Bundesregierung rief erneut dazu auf, Impfangebote zu nutzen. «Für einen sicheren Herbst und einen sicheren Winter zählt jede Impfung», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er verwies auf eine geplante bundesweite Aktionswoche vom 13. bis 19. September, bei der Impfgelegenheiten vor Ort angeboten werden sollen.

Gesundheitsminister beraten über Quarantäne-Regeln an Schulen

In den meisten Bundesländern läuft die Schule wieder. Diskussionen gibt es noch immer über den Umgang mit Schülerinnen und Schülern, in deren Klassen Corona-Fälle aufgetreten sind. Einen bundesweiten Flickenteppich an Regeln will Gesundheitsminister Spahn vermeiden.

Die Gesundheitsminister der Länder wollen am Montag über Quarantäne-Maßnahmen im Fall von Corona-Infektionen an Schulen sprechen. Dabei solle es um «möglichst einheitliche Regeln» gehen, sagte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern.

Bislang gibt es in den Ländern höchst unterschiedliche Vorgaben für die Quarantäne, sollte sich in einer Klasse ein infizierter Schüler finden. Teilweise werden bereits jetzt nur die Sitznachbarn in Quarantäne geschickt. Viele Schülerinnen und Schüler sind noch nicht geimpft, weil es derzeit keine Impfstoffe gibt, die für Kinder unter zwölf Jahren offiziell zugelassen sind. Zuletzt waren die Infektionszahlen besonders in jüngeren Altersgruppen stark gestiegen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte die Länder am Wochenende aufgerufen, sich auf eine «klare Linie» zu verständigen. Sie würde sich freuen, wenn die Quarantäne von 14 Tagen mit einer klugen Teststrategie verkürzt werden könnte, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vor kurzem einheitliche Vorgaben gefordert.

«Wenn eine gute Lüftung im Klassenzimmer gewährleistet ist, wenn vielleicht sogar eine Raumluftfilteranlage drin ist, dann muss man nicht die Kinder einer ganzen Klasse in Quarantäne schicken», sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, im RND-Podcast «Die Schulstunde». «Dann kann man sich auch auf die unmittelbaren Banknachbarn konzentrieren.» Eine Rolle spiele auch, ob es eine Maskenpflicht gebe. Geimpfte Kinder müsse man nicht in Quarantäne schicken.

Meidinger betonte, unterm Strich gehe es darum, wie genau die Situation vor Ort aussehe. Er verstehe, dass Quarantäne-Anordnungen Eltern vor enorme Probleme stellten, teils seien sie aber schlicht notwendig. Ausschließlich infizierte Schüler in Quarantäne zu schicken und dabei auf Kontaktverfolgung komplett zu verzichten, wäre «ein Signal für die schnelle Durchseuchung der Schulen», sagte er.

Der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin am Uniklinikum Jena, Mathias Pletz, hatte am Wochenende davor gewarnt, Corona-Maßnahmen an Schulen vorschnell aufzuheben. «Nach allem, was wir über Delta wissen, kann man es nicht einfach laufen lassen.»

Wie die Vertreter der Bundesregierung forderte auch die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, einheitliche Regeln. «Die Verunsicherung bei Eltern, Lehrerinnen und Lehrern durch die vielen unterschiedlichen Quarantäneregeln ist groß», sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Zum Teil unterschieden sich die Verfahren nicht nur von Land zu Land, sondern auch zwischen einzelnen Gesundheitsämtern. «Die Länder müssen sich jetzt dringend auf bundeseinheitliche Quarantäneregeln für Schulen einigen», forderte Teichert. «Das schafft Sicherheit und erleichtert die Akzeptanz der Maßnahmen.»

Schulstart nach Sommerferien - Corona-Tests und Verkehrskontrollen

Nach den Sommerferien beginnt an den rund 970 Schulen in Thüringen am Montag wieder der Unterrichtsalltag. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die an den allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen im Freistaat lernen, ist nach Angaben des Bildungsministeriums in diesem Jahr um gut ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen - auf mehr als 249 000. Die meisten von ihnen - rund 220 000 - lernen an rund 800 staatlichen Schulen. Rund 28 500 werden an den 163 Schulen in freier Trägerschaft unterrichtet. In das neue Schuljahr startet Thüringen nicht nur mit den üblichen Verkehrskontrollen auf Schulwegen, sondern wegen der andauernden Corona-Pandemie auch mit einer landesweiten zweiwöchigen Corona-Testpflicht.

Nach dieser Phase soll es diese Pflicht nur in der höchsten Corona-Warnstufe 3 des Freistaates geben. Ausschlaggebend für das Erreichen einer Warnstufe ist in Thüringen neben der Sieben-Tage-Inzidenz unter anderem auch die Belegung der Intensivbetten in Krankenhäusern. In der sogenannten Basis-Stufe, also bei sehr niedrigen Inzidenzen, soll es nach den ersten 14 Tagen gar keine Tests an den Schulen geben.

Schulstart in Sachsen nach den Sommerferien

Erster Schultag nach den Sommerferien: Für rund 494 000 Schülerinnen und Schüler in Sachsen beginnt an diesem Montag (08.00 Uhr) der Schulalltag. Darunter sind knapp 40 000 Erstklässler und damit etwa 1000 mehr als im vergangenen Jahr. Erneut steht das Schuljahr im Zeichen von Corona - mit zahlreichen Regeln für Quarantäne, Test- und Maskenpflicht.

So müssen sich in den ersten beiden Wochen nach Schulbeginn Schüler, Lehrer und Erzieher dreimal pro Woche testen, wenn die Inzidenz in der jeweiligen Region über dem Wert von zehn liegt. Hinzu kommt eine verschärfte Maskenpflicht in den Schulen. Sie gilt zumindest in den ersten beiden Schulwochen außer an Grund- und Förderschulen auch im Unterricht.

Geplant ist das neue Schuljahr laut Kultusministerium im Präsenzunterricht - unabhängig von der jeweiligen Inzidenz. Einschränkungen wie Wechselunterricht drohen erst dann, wenn die Überlastungsstufe - also eine kritische Bettenauslastung in Krankenhäusern - erreicht ist.

Mit dem Start des neuen Schuljahres beginnt auch wieder die Verkehrssicherheitsaktion «Die Schule hat begonnen» mit verstärkten Verkehrskontrollen vor allem vor Schulen. Innenminister Roland Wöller (CDU) gibt in Döbeln den Startschuss für die Aktion.

Lehrerverband mahnt Umsicht in Schul-Quarantänedebatte an

In der Debatte über Corona-Quarantänemaßnahmen an Schulen hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Umsicht angemahnt. «Wenn eine gute Lüftung im Klassenzimmer gewährleistet ist, wenn vielleicht sogar eine Raumluftfilteranlage drin ist, dann muss man nicht die Kinder einer ganzen Klasse in Quarantäne schicken», sagte Heinz-Peter Meidinger im Podcast «Die Schulstunde» des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). «Dann kann man sich auch auf die unmittelbaren Banknachbarn konzentrieren.» Auch ob es eine Maskenpflicht gebe, spiele dabei eine Rolle. Geimpfte Kinder müsse man nicht in Quarantäne schicken.

Unterm Strich gehe es darum, genau hinzuschauen, wie die Situation vor Ort aussehe, sagte Meidinger und fügte an: Er verstehe, dass Quarantäne-Anordnungen Eltern vor enorme Probleme stellten. Das ändere aber nichts daran, dass teils die Notwendigkeit bestehe. Ausschließlich infizierte Schüler in Quarantäne zu schicken und dabei auf Kontaktverfolgung komplett zu verzichten, wäre «ein Signal für die schnelle Durchseuchung der Schulen».

Die Gesundheitsminister der Länder wollen an diesem Montag über Quarantäne bei Schülern sprechen. Dabei soll es um «möglichst einheitliche Regeln» gehen, wie der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte.

05.09.2021

Befragung von Fachkräften: Schulsozialarbeit in Pandemie kaum möglich

Schulsozialarbeit in Zeiten von Corona ist kaum oder nur beschränkt möglich - zu diesem Ergebnis ist eine Befragung von Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern in Sachsen gekommen. Die Befragten gaben an, dass ihre Hauptaufgabe in der Pandemie war, Kindern bei der Bewältigung von schulischen Defiziten zu helfen, wie die Evangelische Hochschule Dresden am Sonntag mitteilte. Die eigentliche Schulsozialarbeit, zu der soziale Bildung und das Stärken von Netzwerken gehören, sei in den Hintergrund gerückt.

Besondere Hilfe bräuchten die Mädchen und Jungen, die bereits vor Corona Schwierigkeiten mit dem Schulsystem hatten. «Weniger als zuvor scheint das Schulsystem also chancengleiche Lernbedingungen schaffen zu können, ohne im Zuge von spezifischen Lern- und Leistungsnormen Benachteiligungskomplexe zu produzieren», heißt es in einer Mitteilung.

Die Befragung war Bestandlteil eines dritten Zwischenberichts zur Schulsozialarbeit in Sachsen, an dem ein Forschungsteam aus Wissenschaftlern und Praktikanten unterschiedlicher Institutionen der Landeskirche Sachsen und der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit e.V. gearbeitet haben. Eine weitere Befragung ist geplant.

Zuckertüten für Erstklässler - Schuljahresstart in Thüringen

Die meisten Abc-Schützen freuen sich sehnlichst auf ihren ersten Schultag. Am Montag geht es in Thüringen für sie los. Es ist der zweite Jahrgang, der unter Pandemie-Bedingungen startet.

Mit gefüllten Zuckertüten hat für rund 19 200 Erstklässler in Thüringen am Wochenende ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Landesweit feierten Grundschulen und Familien Schuleinführung. In vielen Familien gehören nicht nur Kuchentafel und leckeres Essen zu dem Fest. Viele Eltern spendieren den Schulanfängern auch Besuche im Zoo oder Museum. Der Abc-Schützenjahrgang 2021/22 ist der zweite, für den der Schulalltag unter Corona-Bedingungen beginnt. Landesweit startet der Unterricht nach den Sommerferien am Montag für rund 249 000 Kinder und Jugendliche aller Schulformen. Die Debatte um den Corona-Schutz an Schulen ging derweil auch am Wochenende weiter.

Der Jenaer Infektiologe Mathias Pletz warnte davor, die Corona-Maßnahmen im neuen Schuljahr komplett aufzuheben. «Nach allem, was wir über Delta wissen, kann man es nicht einfach laufen lassen», sagte der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena der Deutschen Presse-Agentur. Zum einen, weil die mittlerweile auch in Deutschland vorherrschende Delta-Variante für Kinder gefährlicher sein könne als bisherige Varianten. Und zum anderen, weil auch viele Erwachsene noch nicht geimpft seien.

Grundsätzlich erkrankten Kinder weniger schwer als Erwachsene an Covid-19, sagte Pletz. Auch gegenüber Teenagern hätten Kinder unter 14 Jahren ein deutlich geringeres Risiko zu erkranken. Während einer schweren Grippewelle etwa sterben demnach mehr Kinder als 2020 durch Covid-19. «Ob das nun mit Delta auch noch gilt, bleibt abzuwarten.» Bei der Variante wisse man noch nicht, ob sie möglicherweise für schwerere Verläufe bei Kindern verantwortlich ist. «Es gibt aber Berichte aus verschiedenen Regionen der Welt, dass aktuell die Hospitalisierungsrate bei Kindern steigt.» Auch in Deutschland stiegen in der Gruppe der Fünf- bis 14-Jährigen zuletzt die Zahlen für Neuinfektionen und Krankenhauseinweisungen.

«Schulen werden sicher nicht mehr so niedrigschwellig geschlossen werden wie man das 2020 gemacht hat», sagte der Arzt. Er plädierte angesichts des Geschehens dafür, zunächst weiter regelmäßig zu testen. Es sei vernünftig, in den ersten Wochen nach den Ferien, wenn die Schüler nach dem Urlaub erstmals wieder aufeinandertreffen, zu testen und sich das Infektionsgeschehen anzusehen.

In Thüringen gilt zu Schuljahresbeginn eine landesweite zweiwöchige Corona-Testpflicht. Nach dieser Phase soll es diese Pflicht nur in der höchsten Corona-Warnstufe 3 des Freistaates geben. Ausschlaggebend für das Erreichen einer Warnstufe ist in Thüringen neben der Sieben-Tage-Inzidenz unter anderem auch die Belegung der Intensivbetten in Krankenhäusern. In der sogenannten Basis-Stufe, also bei sehr niedrigen Inzidenzen, soll es nach den ersten 14 Tagen gar keine Tests an den Schulen geben.

In dieser Stufe befanden sich am Sonntag fast alle Kommunen. In Suhl und Hildburghausen gilt nach zunehmenden Neuinfektionen auch mehr Klinikeinweisungen im Zusammenhang mit Corona allerdings schon die Warnstufe 1.

Ließe man das Virus «durchrauschen», gäbe es unabhängig davon, wie viel gefährlicher Delta nun für Kinder ist, eine weitere Gefahr, warnte Pletz: «Kinder können das Virus aus der Schule nach Hause bringen und ihre ungeimpften Eltern anstecken.» Noch sei die Quote von knapp über 60 Prozent vollständig Geimpften zu niedrig, um alle Maßnahmen aufzuheben. In einigen Modellierungen gebe es bereits Hinweise auf zu erwartende Zahlen bei der Intensivbettenbelegung, «die im Bereich der dritten Welle liegen». Als einzigen Weg aus der Pandemie sieht Pletz das Impfen.

04.09.2021

Rund 77 000 Kinder in Niedersachsen eingeschult

Hannover (dpa/lni)Rund 77 000 Jungen und Mädchen in Niedersachsen sind am Samstag eingeschult worden. Für die Kinder beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der von zahlreichen Corona-Regeln geprägt wird. So müssen sich die Schülerinnen und Schüler regelmäßig morgens vor dem Unterricht mit einem Schnelltest auf das Virus testen. An den ersten Tagen sind tägliche Tests, vom 13. September an drei Tests pro Woche vorgesehen.Im Unterricht müssen die Kinder einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Im Freien, beim Essen und Trinken, und beim Sportunterricht dürfen sie die Maske ablegen. Außerdem sollen die Lehrkräfte weitere «Maskenpausen» ermöglichen, wie das Kultusministerium mitteilte. Tests, Masken, Lüften und Hygieneregeln sollen verhindern, dass sich das Corona-Virus in den Schulen ausbreitet. Ziel ist so viel Präsenzunterricht und Sicherheit wie möglich.

Spahn kritisiert Länder: Zu wenig Luftfilter in Schulen angeschafft

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat das Verhalten der Bundesländer im Bezug auf den Schutz von Schülerinnen und Schülern kritisiert. «Die Bildungsminister der Länder haben es bislang nicht geschafft, sich auf einheitliche Regeln für die Schulen zu verständigen», sagte der CDU-Politiker in der «HAZ» (Samstag). Es würden nicht alle Möglichkeiten genutzt, Kinder zu schützen.

«Nehmen Sie die PCR-Lollitests. Die sind einfach durchzuführen und sorgen für mehr Sicherheit. Oder die Luftfilter. Warum haben die Länder davon bislang nicht mehr angeschafft?» Wenn er als Bundesminister über Tests und Impfstoffe so diskutiert hätte wie manche Länder über Lüftungsanlagen in Schulen, dann hätte Deutschland bis heute keinen Impfschutz.

Die Kritik beziehe sich auch auf Niedersachsen, wo die Landesregierung erst kurz vor den Sommerferien die Möglichkeit geschaffen hatte, Luftfilter finanziell zu fördern. Auch Lollitests gibt es an Niedersachsens Schulen nicht, wohl aber in Kindertagesstätten. Die Schüler führen derzeit täglich zu Hause Selbsttests durch.

Als weiteres Beispiel nannte Spahn das Impfangebot: «Wir waren uns als Gesundheitsminister völlig einig, dass wir den über Zwölfjährigen noch vor Ferienbeginn ein Angebot machen für die erste Impfung. Und dann haben die Ministerpräsidenten drei, vier Wochen später gesagt: Wollen wir nicht. Auch Ihr Herr Weil.» Die, die am lautesten gesagt hätten, wollen wir nicht, hätten sich später darüber beschwert, dass es kein Impfangebot vor den Ferien gegeben habe.

Schuleinführung für knapp 40 000 Kinder in Sachsen

Knapp 40 000 Mädchen und Jungen feiern am Samstag Schuleinführung in Sachsen - bevor dann am Montag (6. September) der erste Schultag bevorsteht. Für die Schuleingangsfeiern gelten Ausnahmen bei den Corona-Regeln - so müssen sich etwa Abc-Schützen und ihre Gäste bei den Feiern in der Schule nicht extra auf das Coronavirus testen lassen. Wie viele Begleitpersonen erlaubt sind, hängt von den Vorgaben der jeweiligen Schule ab. Bei einer Sieben-Tage-Indizenz über 10 - wie das derzeit in allen Städten und Landkreisen im Freistaat der Fall ist - muss allerdings auf dem Schulgelände eine Maske getragen werden.

Nach sechs Wochen Sommerferien beginnt dann am Montag für rund 494 000 Schülerinnen und Schüler der Unterricht. Um die Infektionszahlen möglichst niedrig zu halten, gilt eine verschärfte Test- und Maskenpflicht. So müssen sich in den ersten 14 Tagen nach den Ferien Schüler, Lehrer sowie Erzieher zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen, in Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 10 sogar dreimal wöchentlich. Geimpft und Genesene sind davon ausgenommen. Außer an Grund- und Förderschulen ist zudem Maskenpflicht angesagt - auch im Unterricht.

Infektiologe: Corona an Schulen nicht einfach laufen lassen

Zum Start des neuen Schuljahres ziehen die Corona-Zahlen bei Kindern an. Ein Infektiologe warnt angesichts der Delta-Variante vor einem zu leichtfertigen Umgang mit dem Virus im Klassenzimmer - auch, weil es den Weg nach Hause finden könnte.

Die Corona-Maßnahmen an den Schulen sollten aus Sicht des Jenaer Infektiologen Mathias Pletz auch im neuen Schuljahr nicht komplett aufgehoben werden. «Nach allem, was wir über Delta wissen, kann man es nicht einfach laufen lassen», sagte der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Uniklinikum Jena der Deutschen Presse-Agentur. Zum einen, weil die mittlerweile auch in Deutschland vorherrschende Delta-Variante für Kinder gefährlicher sein könne als bisherige Varianten. Und zum anderen, weil auch viele Erwachsene noch nicht geimpft seien.

Grundsätzlich erkrankten Kinder weniger schwer als Erwachsene an Covid-19, sagte Pletz. Auch gegenüber Teenagern hätten Kinder unter 14 Jahren ein deutlich geringeres Risiko zu erkranken. Während einer schweren Grippewelle etwa sterben demnach mehr Kinder als 2020 durch Covid-19. «Ob das nun mit Delta auch noch gilt, bleibt abzuwarten.» Bei der Variante wisse man noch nicht, ob sie möglicherweise für schwerere Verläufe bei Kindern verantwortlich ist. «Es gibt aber Berichte aus verschiedenen Regionen der Welt, dass aktuell die Hospitalisierungsrate bei Kindern steigt.»

Auch in Deutschland stiegen in der Gruppe der 5- bis 14-Jährigen zuletzt die Zahlen für Neuinfektionen und Krankenhauseinweisungen. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg in dieser Gruppe laut Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) binnen eines Monats von unter 30 auf über 170 (Stand 2.9.). Die Zahl wöchentlicher Krankenhauseinweisungen mit Covid-19 je 100 000 Kinder verdoppelte sich zeitweise auf über 0,7. Damit lag sie aber weiter unter dem Niveau für andere Altersgruppen. Über alle Altersgruppen hinweg lag der Wert am Freitag bei 1,83.

«Schulen werden sicher nicht mehr so niedrigschwellig geschlossen werden wie man das 2020 gemacht hat», sagte Infektiologe Pletz. Er plädierte angesichts des Geschehens dafür, zunächst weiter regelmäßig zu testen. Es sei vernünftig, in den ersten Wochen nach den Ferien, wenn die Schüler nach dem Urlaub erstmals wieder aufeinandertreffen, zu testen und sich das Infektionsgeschehen anzusehen.

Ließe man das Virus «durchrauschen», gäbe es unabhängig davon, wie viel gefährlicher Delta nun für Kinder ist, eine weitere Gefahr: «Kinder können das Virus aus der Schule nach Hause bringen und ihre ungeimpften Eltern anstecken.» Noch sei die Quote von knapp über 60 Prozent vollständig Geimpften zu niedrig, um alle Maßnahmen aufzuheben. In einigen Modellierungen gebe es bereits Hinweise auf zu erwartende Zahlen bei der Intensivbettenbelegung, «die im Bereich der dritten Welle liegen».

Der einzige Weg heraus sei das Impfen. Mittlerweile sei gesichert, dass Impfungen auch besser vor Übertragungen schützen. Dazu komme: «Jeder Corona-Patient, der auf einer Intensivstation behandelt wird, weil er sich nicht impfen lassen wollte, nimmt einem anderen Patienten, der zum Beispiel auf eine komplizierte Tumorchirurgie wartet, das Bett weg.» Das gelte nicht für Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen könnten.

Wie lange es noch bis zu vollständiger Normalität dauere, lasse sich nicht vorhersagen. «Wir haben viele kluge Modellierer. Aber das individuelle menschliche Verhalten, das die größte Rolle spielt, kann man in diesen Modellen nicht gut abbilden.» Entscheidend sei auch das mögliche Auftreten neuer Varianten. Wenn eine Immun-Escape-Variante mit hoher Übertragbarkeit auftauche - also eine Variante, die einer Immunität durch Impfung oder Infektion entkommen kann - «kann uns das ganz schön zurückwerfen». Der Vorteil sei, dass sich die Impfstoffe relativ schnell anpassen ließen.

Rund 77 000 Kinder in Niedersachsen werden eingeschult

Hannover (dpa)Rund 77 000 Jungen und Mädchen in Niedersachsen werden am Samstag eingeschult. Für die Kinder beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der von zahlreichen Corona-Regeln geprägt wird. So müssen sich die Schülerinnen und Schüler regelmäßig morgens vor dem Unterricht mit einem Schnelltest auf das Virus testen. An den ersten Tagen sind tägliche Tests, vom 13. September an drei Tests pro Woche vorgesehen. Im Unterricht müssen die Kinder einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Im Freien, beim Essen und Trinken, und beim Sportunterricht dürfen sie die Maske ablegen. Außerdem sollen die Lehrkräfte weitere «Maskenpausen» ermöglichen, wie das Kultusministerium mitteilte. Tests, Masken, Lüften und Hygieneregeln sollen verhindern, dass sich das Corona-Virus in den Schulen ausbreitet. Ziel ist so viel Präsenzunterricht und Sicherheit wie möglich.

Karliczek fordert «klare Linie» bei Quarantäneregeln in der Schule

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat die Länder aufgefordert, sich bei Corona-Quarantäneregeln in der Schule auf eine «klare Linie» zu verständigen. Diese solle den Gesundheitsämtern aber auch «notwendige Spielräume im Einzelfall» lassen, sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Samstag). Das Robert Koch-Institut überarbeite auch seine Empfehlungen. «Grundsätzlich gilt: Die Empfehlungen sollten die Richtschnur sein. Ich würde mich freuen, wenn die Quarantänezeit von 14 Tagen für Kinder mit einer klugen Teststrategie verkürzt werden könnte.»

Bislang gibt es in den Ländern höchst unterschiedliche Vorgaben für die Quarantäne, sollte sich in einer Klasse ein infizierter Schüler finden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte zuletzt darauf gedrungen, die Regeln zu vereinheitlichen. «Wir brauchen einheitliche Vorgaben für die Quarantäne in Schulen. Darauf sollten sich die Gesundheitsminister der Länder endlich einigen», sagte der CDU-Politiker am Freitag dem «Spiegel». Wenn die Schüler im Unterricht Masken trügen, müsse man nicht die ganze Klasse in Quarantäne schicken, wenn ein positiver Fall auftrete. «Pragmatisch wäre, dass nur die Sitznachbarn für fünf Tage in Quarantäne gehen und sich dann freitesten können.»

Viele Schülerinnen und Schüler sind noch nicht geimpft, weil es derzeit keine Impfstoffe gibt, die für Kinder unter zwölf Jahren offiziell zugelassen sind. Zuletzt waren die Corona-Infektionszahlen besonders in jüngeren Altersgruppen stark gestiegen.

03.09.2021

Kitas, Schulen und Heime sollen Impfauskunft einholen dürfen

Keine Impfpflicht in Deutschland - darüber sind sich in der Koalition alle einig. Doch nun sollen Arbeitgeber von Lehr-, Erziehungs- und Pflegekräften bei Corona eine Impfauskunft einholen dürfen. Drohen Konsequenzen für Ungeimpfte?

Arbeitgeber sollen von Beschäftigten in Kitas, Schulen und Pflegeheimen künftig Auskunft über eine Corona-Impfung oder eine überstandene Covid-Erkrankung verlangen können. Mit den Stimmen von Union und SPD brachte der Gesundheitsausschuss des Bundestags am Freitag eine entsprechende Gesetzesänderung auf den Weg. Sie soll am Dienstag im Bundestag beschlossen werden. Gewerkschaften lehnen das geplante Auskunftsrecht als zu weitgehend ab. Arbeitgeber fordern eine Ausweitung auf die gesamte Wirtschaft. Die Opposition warf der Koalition vor, die Regelung mit heißer Nadel gestrickt zu haben.

GEPLANTES AUSKUNFTSRECHT:

Im Änderungsantrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es: «Der Arbeitgeber kann (...) vom Beschäftigten Auskunft oder die Vorlage eines Nachweises über das Bestehen eines Impfschutzes oder das Bestehen einer natürlichen Immunität in Bezug auf die Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID19) verlangen.» Gerade in Kita, Schule und Heim könne es «im Interesse des Infektionsschutzes» nötig sein, Beschäftigte hinsichtlich ihres Corona-Impf- und Antikörper-Status «unterschiedlich einzusetzen oder von einer Beschäftigung ungeimpfter Personen (in bestimmten Bereichen) abzusehen».

BEGRÜNDUNG DES AUSKUNFTSRECHTS:

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte dem «Spiegel», bei Krankenhäusern gelte seit vielen Jahren «aus gutem Grund», dass ein Arbeitgeber seine Beschäftigten im Patientenkontakt fragen dürfe, ob sie gegen Infektionskrankheiten geimpft seien. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar, sagte, es sei richtig, die Liste der Einrichtungen zu ergänzen, in denen der Impfstatus bei Corona erfasst werden könne. «Wo Menschen sehr nah zusammenkommen, insbesondere verletzliche, muss besondere Vorsicht gelten», sagte Dittmar. Spahn erklärte: «Wie wollen Sie einem Angehörigen erklären, dass die Mutter an Covid gestorben ist, weil der Pfleger nicht geimpft war?» Laut Antrag können die Arbeitgeber durch die Informationen die Arbeitsorganisation so ausgestalten, «dass ein sachgerechter Einsatz des Personals möglich ist und gegebenenfalls entsprechende Hygienemaßnahmen treffen».

BEGRENZUNG DES AUSKUNFTSRECHTS:

Die Möglichkeit soll nur während der festgestellten epidemischen Lage von nationaler Tragweite gelten, die der Bundestag vergangene Woche für weitere drei Monate verlängert hatte. Die Daten sollen direkt beim Beschäftigten zu erheben sein. «Die Freiwilligkeit der Entscheidung über die Inanspruchnahme von Impfschutz bleibt unberührt», stellt der Entwurf klar.

DEBATTE ÜBER AUSWEITUNG AUF DIE WIRTSCHAFT:

Seit Wochenbeginn fordern die Arbeitgeber entsprechende Regelungen für die ganze Wirtschaft. Am Mittwoch hatte das Bundeskabinett eine geänderte Corona-Arbeitsschutzverordnung von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) beschlossen, nach der Auskünfte der Beschäftigten zu ihrem Impf- oder Genesenenstatus freiwillig bleiben sollen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagte nun: «Es ist unverständlich, dass der Arbeitgeber bei der Festlegung und der Umsetzung der Maßnahmen des betrieblichen Infektionsschutzes den Impf- oder Genesungsstatus der Beschäftigten berücksichtigen kann, ihn aber nicht erfragen darf.» Spahn sagte: «Sinn würde es machen. Aber dafür sehe ich aktuell keine Mehrheit im Parlament.» Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich überzeugt, «dass weitere Schritte notwendig und erforderlich sind».

KRITIK DER GEWERKSCHAFTEN:

Für Verdi-Chef Frank Werneke ist es angemessen, dass überprüft wird, ob jemand geimpft, genesen oder getestet ist. «Es muss dann aber auch reichen, wenn die Kolleginnen und Kollegen ein Testergebnis vorlegen. Sie sollten nach meiner Ansicht nicht dazu gezwungen werden, ihren Impfstatus offenzulegen.» Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, sagte der dpa: «Aus gutem Grund stehen persönliche Daten in Deutschland unter besonderem Schutz. Diesen Schutz müssen wir gewährleisten.» Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sprach unter Berufung auf Umfragen und Daten der Schulministerien von einer Impfquote von rund 90 Prozent bei Lehrkräften. «Diese Zahlen rechtfertigen aus Sicht des VBE in keiner Weise den mit der Abfrage des Impfstatus verbundenen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.» Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, äußerte die Befürchtung, dass «dies nur die Vorstufe zu einer allgemeinen Impfpflicht ist.»

UMSETZUNG DER AUSKUNFTSRECHTS:

Ein Sprecher Spahns sagte, die Maßnahme diene alleine arbeitsorganisatorischen Abläufen, etwa dem Erstellen von Dienstplänen. Auf die Frage, was passiere, wenn jemand nicht geimpft sei, sagte er, bei Erzieherinnen und Erzieher werde sich die Frage stellen, ob es ein Infektionsrisiko gebe und ob die betreffende Person in einem anderen Bereich innerhalb der Einrichtung eingesetzt werden könne. Vizekanzler und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz versicherte, arbeitsrechtliche Konsequenzen seien damit nicht verbunden. «Es gibt keine Erzwingungsmöglichkeit, was das Impfen betrifft, das finde ich sehr wichtig, und es kann auch niemand deswegen gekündigt werden, weil er sich nicht hat impfen lassen.»

REAKTIONEN VON OPPOSITION UND PATIENTENSCHÜTZERN:

FDP, Linke und Grüne bemängelten, dass die Koalition bis zum späten Donnerstagabend verhandelte und den entsprechenden Antrag erst elf Stunden vor der Beratung im Ausschuss zur Verfügung gestellt habe. «Diese Art der Gesetzgebung zwischen Tür und Angel wird die Legitimität und Akzeptanz des Auskunftsanspruchs wie des gesamten Pandemiemanagements nicht erhöhen», betonten FDP, Linke und Grüne im Bundestag in einer gemeinsamen Erklärung. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, begrüßte das Vorhaben und sagte: «Kranke, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wollen sicher sein, dass der Immunstatus von medizinisch-pflegerischen Beschäftigten bekannt ist.»

Mehr Corona-Infektionen an Brandenburger Schulen

Die Zahl der Corona-Fälle an Brandenburger Schulen hat gegenüber der Vorwoche zugenommen. Zwei Schulen sind in dieser Woche wegen Corona-Infektionen geschlossen worden, wie das Bildungsministerium in Potsdam am Freitag mitteilte. In der vergangenen Woche gab es noch keine Schließung. In 62 Schulen sind mit Stand Donnerstag 113 einzelne Lerngruppen in Quarantäne, in der vergangenen Woche waren es 60 betroffene Schulen mit 99 Lerngruppen. Von den rund 25 000 Lehrkräften sind 25 positiv auf das Coronavirus getestet worden. In der Vorwoche waren es 12 Lehrerinnen und Lehrer. 97 Lehrkräfte sind in Quarantäne nach 68 in der vergangenen Woche.

Von den rund 297 700 Schülerinnen und Schülern an Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft sind 318 positiv getestet worden, in der Vorwoche waren es 268. 3085 Schüler sind in Quarantäne nach 2928 in der vergangenen Woche.

Im neuen Schuljahr lernen die Schülerinnen und Schüler im vollständigem Präsenzunterricht, auch die rund 23 000 Erstklässler. Allerdings gilt wegen der Corona-Pandemie für alle Schüler und Lehrkräfte eine Masken- und regelmäßige Testpflicht.

KMK-Präsidentin und Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte mit Blick auf Corona und die Lage an den Schulen in einem Interview mit «Zeit Online» gesagt: «Wir werden auf jeden Fall alles dafür tun, erneute Schulschließungen zu verhindern». Sie nannte die Möglichkeit zur Impfung ab zwölf, Masken, Luftfilter und Tests.

Bundesschülerkonferenz lehnt Impfstatusabfrage bei Lehrkräften ab

Die Bundesschülerkonferenz lehnt wie auch die führenden Bildungsgewerkschaften in Deutschland eine Impfauskunftspflicht für Lehrkräfte ab. «Ich halte nichts davon, jetzt bei den Lehrerinnen und Lehrern die große Abfrage mit den Impfungen zu starten», sagte der Generalsekretär Dario Schramm der Deutschen Presse-Agentur. Er verwies, wie die Gewerkschaften zuvor auch schon, auf eine ohnehin hohe Impfbereitschaft bei Lehrkräften. Der Ansatz im Bereich Vorsorge und Impfungen solle jetzt eher sein, Kindern und Jugendlichen ab 12 Impfangebote zum Beispiel an Schulen zu machen, sagte Schramm.

Union und SPD hatten sich darauf verständigt, dass Arbeitgeber von Beschäftigten in Kitas, Schulen und Pflegeheimen künftig Auskunft über eine Corona-Impfung oder eine überstandene Covid-Erkrankung verlangen können. Die Neuregelung soll am Dienstag im Bundestag beschlossen werden.

Holetschek: Geimpfte Schüler müssen nicht getestet werden

Geimpfte Kinder und Jugendliche müssen nicht mehr zum Corona-Test in der Schule. «Wer vollständig geimpft ist, muss sich nicht mehr in der Schule testen lassen und in der Regel auch nicht mehr in Quarantäne bei engem Kontakt mit infizierten Mitschülern oder Freunden», sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Freitag bei einer Pressekonferenz mit Ärztevertretern in München.

Er rief alle über Zwölfjährigen zur Impfung vor dem Ferienende auf. «Es gibt noch genug Zeit, um erstgeimpft in die erste Schulwoche zu starten. Damit kann auch das Ansteckungsrisiko für die Mitschülerinnen und Mitschüler gesenkt werden.»

Die Infektionszahlen unter Kindern würden derzeit steigen, so Holetschek laut Mitteilung. Ende August lagen die Inzidenzen in der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bei rund 130 und bei der Altersgruppe der 16- bis 19-Jährigen bei rund 192. Derzeit seien in Bayern 29,8 Prozent der 12- bis 17-Jährigen erst- und 21,9 Prozent zweitgeimpft.

Markus Beier, der Landesvorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, sagte: «Leider steigen aktuell die Infektionszahlen und die Krankenhauseinweisungen bei Ungeimpften und auch bei jungen Menschen wieder deutlich an. Auch Kinder und Jugendliche können am besten durch eine Impfung geschützt werden.»

Dominik Ewald, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, betonte, dass Kinder weniger schwer an Corona erkrankten und auch selten ins Krankenhaus kämen. «Alle Daten deuten darauf hin, dass die zugelassenen Impfstoffe auch für die Jugendlichen unbedenklich sind.»

Spahn will Corona-Quarantäneregeln für Schüler vereinfachen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Corona-Quarantäneregeln für Schüler lockern und vereinheitlichen. «Wir brauchen einheitliche Vorgaben für die Quarantäne in Schulen. Darauf sollten sich die Gesundheitsminister der Länder endlich einigen», sagte der CDU-Politiker am Freitag dem «Spiegel». Wenn die Schüler im Unterricht Masken trügen, müsse man nicht die ganze Klasse in Quarantäne schicken, wenn ein positiver Fall auftrete. «Pragmatisch wäre, dass nur die Sitznachbarn für fünf Tage in Quarantäne gehen und sich dann freitesten können. Eine ganze Schulklasse wie jetzt in Quarantäne zu schicken führt dazu, dass irgendwann Hunderttausende Schülerinnen und Schüler für zwei Wochen nicht am Unterricht teilnehmen, obwohl sie gar nicht infiziert sind», sagte Spahn.

Bislang gibt es in den Ländern höchst unterschiedliche Vorgaben für die Quarantäne, sollte sich in einer Klasse ein infizierter Schüler finden, teilweise werden bereits jetzt nur die Sitznachbarn in Quarantäne geschickt. «Wir arbeiten daran, das jetzt möglichst schnell über die Gesundheitsminister zu lösen», sagt Spahn. Außerdem spricht sich der Bundesgesundheitsminister für den Einsatz von Lolli-PCR-Tests an Schulen aus.

Viele Schülerinnen und Schüler sind noch nicht geimpft, weil es derzeit keine Impfstoffe gibt, die für Kinder unter zwölf Jahren offiziell zugelassen sind. Zuletzt waren die Corona-Infektionszahlen besonders in jüngeren Altersgruppen stark gestiegen.

02.09.2021

Empfehlungen des Umweltbundesamtes für bessere Luft in Schulräumen

Das Umweltbundesamt (UBA) teilt mit Blick auf die Corona-Pandemie Schulräume in drei Kategorien ein: in Räume mit guter Lüftungsmöglichkeit dank Fenstern oder fest eingebauter raumlufttechnischer Anlagen (Kategorie 1), Räume mit eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit, in denen etwa Fenster nur kippbar sind und keine stationären Anlagen bestehen (Kategorie 2) sowie in nicht zu belüftende Räume (Kategorie 3).

In den Empfehlungen des UBA heißt es, dass in Räumen der Kategorie 1 der Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte nicht notwendig sei, wenn der erforderliche Luftwechsel entweder durch regelmäßiges Stoß- und Querlüften oder durch raumlufttechnische Anlagen gewährleistet werde.

In Räumen der Kategorie 2 könne als technische Maßnahme die Zufuhr von Außenluft durch den Einbau einfach und rasch zu installierender Zu- und Abluftanlagen oder durch mobile Luftreiniger erhöht werden.

Räume der Kategorie 3 würden aus innenraumhygienischer Sicht für den Schulunterricht nicht empfohlen.

Schulstart mit Maskenpflicht - rund 77 000 Kinder werden eingeschult

Für die Einschulung gelten in diesem Jahr viele Regeln. Zehntausende Jungen und Mädchen müssen sich nicht nur an Mathe- und Deutschunterricht, sondern auch an Corona-Tests und Maskenpflicht gewöhnen.

Rund 77 000 Kinder werden an diesem Samstag in Niedersachsen eingeschult. Für sie beginnt ein neuer Lebensabschnitt - geprägt von zahlreichen Corona-Regeln.

Haben es die Schulanfänger in diesem Jahr besonders schwer?

Die Vorbereitung auf die Schule war durch die Corona-Pandemie erschwert. Kindergartenbesuche in der Schule und Vorschulprojekte fielen vielerorts aus. Dem Grundschulverband in Niedersachsen zufolge haben viele Jungen und Mädchen weniger Erfahrungen in Gruppen, in der gemeinsamen Interaktion, im Einhalten von Regeln und Ritualen gesammelt als Schulanfänger vor der Pandemie.

Kinder nichtdeutscher Muttersprache haben wegen der Corona-Einschränkungen mitunter weniger Sprachförderung erhalten. «Auch durch das eingeschränkte Bewegungsangebot oder musikalische Einschränkungen fehlen den Kindern wichtige Erfahrungen», teilte der Verband mit.

Welche Vorgaben gibt es für den Schulalltag?

Neben regelmäßigen Corona-Tests vor Unterrichtsbeginn kommt auf die Kinder eine Maskenpflicht zu. Sie müssen sich daran gewöhnen, im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Während der Pausen im Freien, auf Außengeländen, beim Essen und Trinken sowie beim Sportunterricht dürfen sie die Maske ablegen. Außerdem sollen die Lehrkräfte weitere «Maskenpausen» ermöglichen, wie das Kultusministerium mitteilte.

Beeinträchtigt die Maske das Lernen?

Möglicherweise erschwere der Mund-Nasen-Schutz manchen Jungen und Mädchen, Laute richtig zu verstehen und zu sprechen, sagte die Vorsitzende des Grundschulverbandes, Eva-Maria Osterhues-Bruns. Vor allem für Kinder nichtdeutscher Muttersprache und Kinder mit Hörbeeinträchtigungen sei das Ablesen von den Lippen oft eine große Unterstützung. Aber: Präsenzunterricht mit Maske ist dem Verband zufolge besser als Wechselunterricht. Gemeinsames Lernen in der Schule gebe den Kindern Sicherheit. Die Möglichkeit für soziale Kontakte sei wichtig.

Gibt es weitere Corona-Regeln?

In den Schulen gelten strenge Hygienevorschriften. Schülerinnen und Schüler müssen zum Beispiel regelmäßig ihre Hände waschen und sollen persönliche Gegenstände nicht teilen. Die Lehrkräfte müssen die Unterrichtsräume regelmäßig lüften.

Wie reagieren Schulverbände auf die Regeln?

Die Schulen wollen so viel Präsenzunterricht und Sicherheit wie möglich. Vorsichtsmaßnahmen seien wichtig, die Herausforderungen groß - da sind sich verschiedene Verbände einig. Unterricht mit Maskenpflicht sei weit von der Normalität entfernt, sagte die Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, Andrea Kunkel. «Aber wenn wir Präsenzunterricht wollen und sagen, wir brauchen das Lernen hier vor Ort und auch in der Gemeinschaft, dann müssen wir auf die Bedingungen eingehen.»

Welche Vorgaben gibt es für die Einschulungsfeiern?

Wer an einer Einschulungsfeier teilnehmen möchte, muss geimpft, genesen oder getestet (3G) sein. Das gilt für alle Personen ab 6 Jahren. In Innenräumen müssen alle ab 6 Jahren eine Maske tragen. Für Menschen ab 14 Jahren ist eine medizinische Maske Pflicht.

Was gilt für Menschen, die kurz vor Schulstart im Ausland waren?

Wer in einem Hochrisikogebiet war, muss nach der Einreise zehn Tage in häusliche Quarantäne. Diese kann ab dem fünften Tag durch einen negativen Corona-Test beendet werden. Geimpfte und genesene Personen brauchen nicht in Quarantäne. Für Kinder unter 12 Jahren endet die Quarantäne fünf Tage nach der Einreise. Wer aus einem Virusvariantengebiet zurück nach Deutschland kommt, muss grundsätzlich vierzehn Tage in Quarantäne, Ausnahmen gibt es nicht.

Was passiert bei einem Corona-Fall in einer Klasse?

Über Quarantänemaßnahmen entscheidet das zuständige Gesundheitsamt. Unabhängig davon gilt: Nach einem positiven Testergebnis in einer Klasse dürfen die Schülerinnen und Schüler dieser Lerngruppe die Schule nur mit einem negativen Testergebnis betreten. Für Schülerinnen und Schüler, die vollständig geimpft oder genesen sind, gilt die Zutrittsbeschränkung nicht.

01.09.2021

Gebauer will Corona-Quarantäne nur für infizierte Schüler

Die Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen gehen steil nach oben. Doch die NRW-Landesregierung will am Präsenzunterricht unbedingt festhalten. Es sollen bei Corona-Fällen auch weniger Schüler in Quarantäne gehen.

Trotz rasant steigender Corona-Infektionszahlen unter Schulkindern plant das nordrhein-westfälische Schulministerium keine schärferen Schutzmaßnahmen und dringt auf eine bundesweite Lockerung der Quarantäne-Regeln an Schulen. «Unsere Schutzmaßnahmen greifen», sagte FDP-Schulministerin Yvonne Gebauer am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags. Ihr «Wunsch» sei, dass künftig nur noch nachweislich mit Corona infizierte Schülerinnen und Schüler in häusliche Quarantäne gehen sollten. Sie hoffe auf einen entsprechenden Beschluss bei den laufenden Bund-Länder-Gesprächen. Die Gesundheitsminister der Länder werden nach ihren Worten bis kommenden Montag Vorschläge für bundesweit möglichst einheitliche Quarantäne-Regelungen unterbreiten.

Derzeit sollen laut Verordnung in NRW bei einem Corona-Fall «enge Kontaktpersonen» in häusliche Quarantäne gehen. Das sind Schüler, die vor, hinter, rechts oder links von einem Infizierten gesessen haben. Geimpfte ohne Symptome sind von der Quarantäne ausgenommen. Oft wird aber von den Behörden eine 14-tägige Quarantäne für ganze Gruppen oder Klassen angeordnet. Dies hatte Kritik bei Eltern von Schülern sowie auch Kita-Kindern ausgelöst. Die Stadt Köln hat bereits einen Modellversuch angekündigt, bei dem nur noch positiv getestete Schüler in Quarantäne gehen sollen.

Die oppositionelle SPD hatte gefordert, bei einem Corona-Fall eine gesamte Klasse fünf Tage lang in Quarantäne zu schicken. Gebauer sagte dazu, fünf Tage Quarantäne für alle Kinder, egal ob genesen oder geimpft, sei «familienunfreundlich» und «sträflich» für die, die auf Präsenzunterricht angewiesen seien.

Gut 30 000 Schüler in Nordrhein-Westfalen sind nach aktuellsten Rückmeldungen (Stichtag 26. August) in Quarantäne geschickt worden. Das entspricht etwa 1,6 Prozent der Schülerschaft. Unter allen Schülern wurde bei etwa 0,35 Prozent - rund 6500 Personen - eine Corona-Infektion bestätigt. Sollten ganze Klassen in Quarantäne müssen, wie es die SPD wolle, dann säßen derzeit mehr als 160 000 Schüler in Quarantäne, so die Ministerin.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) relativierte die Infektions- und Quarantäne-Zahlen bei Schulkindern. So hätten sich bei den festgestellten Corona-Infektionen in den ersten eineinhalb Wochen nach dem Schulstart die betroffenen Kinder noch außerhalb der Schulen angesteckt, sagte Laumann im Gesundheitsausschuss des Landtags. Inzwischen gingen die Zahlen im geregelten Schulbetrieb wieder nach unten.

Auch er wolle den Schul- und Kitabetrieb sicherstellen, sagte Laumann. Es sei immer eine Abwägung zwischen sozialen Bildungsproblemen und der Frage der Sicherheit, dass nicht eine schnelle «Durchseuchung» passiere. Wenn die Infektionszahlen weiter sänken, hoffe er, dass das Ministerium kommende Woche die Quarantäne in NRW «neu justieren» könne. Er wünsche sich, dass sich die Bundesländer dabei absprächen.

Gebauer sagte, es müssten jetzt «nicht voreilig» weitergehende Maßnahmen ergriffen werden, die das Recht auf Bildung weiter einschränkten Auch nach Ansicht von Experten müsse alles darangesetzt werden, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten. Nicht mehr der Inzidenzwert dürfe ausschlaggebend sein. Die Landesregierung habe daher einen inzidenzunabhängigen Schulunterricht beschlossen.

Gebauer verwies auf die Hygienemaßnahmen an den Schulen und die laufende Impfkampagne bei 12- bis 17-Jährigen. Mindestens bis zu den Herbstferien würden zudem nicht geimpfte Schüler weiter getestet. Auch das Luftfilter-Programm für Schulen laufe. 5500 Räume seien damit bereits ausgestattet. Es sei jedoch «unrealistisch», davon auszugehen, dass angesichts des beschlossenen Präsenzunterrichts jede einzelne Infektion an den Schulen verhindert werden können, so Gebauer.

Die steigenden Infektionszahlen mit Schuljahresbeginn vor zwei Wochen seien absehbar gewesen. Sie seien auch durch Reiserückkehrer ausgelöst worden. Daher müssten die bisherigen Schutzmaßnahmen weiter gelten. «Unsere Schulen waren sicher und sind auch weiterhin sichere Orte», sagte die FDP-Politikerin.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in NRW war bis Mittwoch zwar auf 120,3 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner gesunken. Allerdings ist die Inzidenz in der Altersgruppe der Schulkinder weiterhin mit Abstand am höchsten und erreicht Werte teilweise weit über 300.

Die Grünen-Bildungsexpertin Sigrid Beer nannte die Lage an den Schulen dramatisch. Gebauer ignoriere mit ihrem Quarantäne-Vorschlag nur für infizierte Kinder Fakten, dass Kinder nicht den ganzen Schultag auf ihrem Stuhl säßen, sondern zur Mensa gingen oder in wechselnden Lerngruppen arbeiteten. Nur tägliches Testen in Kombination mit schnellem Freitesten durch einen PCR-Test nach fünf Tagen könne Abhilfe schaffen.

Die Impfquote in der Lehrerschaft liegt nach Angaben Gebauers in NRW laut freiwilligen Angaben bei 87,5 Prozent, bei Grund- und Förderschullehrern sogar über 90 Prozent. In der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen habe fast jeder Vierte (24 Prozent) den vollständigen Impfschutz.

Am Donnerstag kommt auf Antrag der SPD der Landtag zu einer Sondersitzung zusammen, um über die Situation der Jugendlichen und Kinder in der Corona-Krise zu diskutieren. Laumann wird die Abgeordneten dabei über die Maßnahmen der Landesregierung wie Hygienekonzepte, Tests und Impfungen unterrichten.

Nach Ansicht des Lehrerverbandes VBE NRW sorgt die unterschiedliche regionale Auslegung der Quarantäneregelung in vielen Schulen «für berechtigten Frust». Der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau sagte: «Es ist ein Hohn, dass die Gesundheitsminister der Länder sich erst nach Beginn des Schuljahres zusammensetzen, um Vorschläge zu bundesweit einheitlichen Quarantäne-Regelungen zu unterbreiten.» Bereits seit Monaten fordere der VBE einheitliche und nachvollziehbare Regelungen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht die Gesundheitsämter überfordert mit der derzeitigen Nachverfolgung der Quarantäneregeln. Der Präsenzunterricht brauche verlässliche Maßnahmen. «In diesem Chaos ist die Beibehaltung der Maskenpflicht und engmaschige Tests das Mindeste», so die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik.

Präsenzunterricht, Maskenpflicht und Testen: So startet die Schule

Die Schule startet für die Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen mit Präsenzunterricht, aber auch mit täglichen Tests und Masken im Unterricht. Der Kultusminister wirbt dennoch für einen zuversichtlichen Blick auf das neue Schuljahr.

Am Donnerstag beginnt in Niedersachsen für rund 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler und etwa 100 000 Lehrkräfte das neue Schuljahr. Sie starten in den Regelbetrieb («Szenario A»), müssen sich aber - zumindest zu Beginn - auf tägliche Corona-Tests und eine Maskenpflicht im Unterricht einstellen. Laut Kultusministerium werden knapp 77 000 Kinder eingeschult.

Niedersachsens Kultusminister ermunterte Schüler und Eltern dazu, zuversichtlich ins neue Schuljahr zu gehen. «Wir sind gut beraten, mit viel Zuversicht und auch ohne Furcht in diese Schulzeit zu gehen», sagte Grant Hendrik Tonne (SPD) am Mittwoch in Hannover. «Schule ist viel, viel mehr als Corona und viel, viel mehr als Pandemiebekämpfung.»

Dennoch sei klar und erkennbar: «Gerade der Schulstart wird nicht ein normaler Schulstart so wie wir ihn aus vergangenen Jahren kannten. Die Pandemie ist nicht weg», sagte Tonne. Ziel sei es aber, so viel Normalität in der Schule zu bieten wie möglich. Dabei verfolge das Kultusministerium die Leitlinie «maximale Präsenz bei maximaler Sicherheit».

An den ersten sieben Schultagen (bis zum 10. September) müssen sich Schülerinnen und Schüler an jedem Tag vor der Schule «freitesten». Nach diesem Zeitraum seien mögliche Corona-Fälle durch Urlauber identifiziert, erläuterte Tonne. Dann werde auf drei Testungen pro Woche umgestellt - voraussichtlich montags, mittwochs und freitags.

Das Instrument der Selbsttestung hat sich laut Kultusminister bewährt. Rund 26 Millionen Testkits seien mittlerweile an den Schulen ausgegeben worden, 8600 Mal seien die Tests positiv angeschlagen. Daraus hätten sich 3200 Bestätigungen durch positive PCR-Tests ergeben.

Daneben gilt für alle Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen von Donnerstag an eine Maskenpflicht im Unterricht. Regelmäßige «Maskenpausen» insbesondere an den Grund- und Förderschulen sollen in den Tagesablauf integriert werden.

«Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, es war eine schwierige Abwägung», sagte Tonne. Man habe dabei auch die Erfahrungen aus anderen Ländern miteinbezogen. Gerade zum Schulstart wolle man das Sicherheitsnetz etwas höher ziehen, «auch um massenhafte Quarantäneanordnungen so gut es geht zu verhindern».

Daneben gelten an den Schulen auch in diesem Schuljahr wieder Hygiene- und Lüftungskonzepte: Alle 20 Minuten soll der Unterrichtsraum für fünf Minuten gelüftet werden. Dann sollen die Schüler ihre Masken abnehmen dürfen, sagte Tonne. Auch in Klassenzimmer mit Liftfilteranlagen müssten zunächst Masken getragen werden. «Der Mix aus Maßnahmen macht die Sicherheit an Schulen aus», sagte Tonne.

Gestartet werden soll der Schulbetrieb mit einer «sanften Einstiegsphase» von in der Regel einer Woche, in der Lehrkräfte und Schüler ohne Druck zusammenfinden und Erfahrungen austauschen können. Dafür können die Schulen auch zusätzlich Personal einstellen. Bis zum 24. September sollen keine Arbeiten geschrieben werden, anschließend sollen es maximal zwei Arbeiten pro Woche sein.

Laut Tonne sind bis dato 1600 der knapp 2000 ausgeschriebenen Lehrstellen besetzt worden. Das Einstellungsverfahren aber laufe noch.

Der Verband niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) zeigte sich damit nicht zufrieden. Das neue Schuljahr beginne mit den Problemen des alten, teilte der Verband mit, nämlich einer mangelnde Unterrichtsversorgung, dem stockenden, nicht rechtzeitig erfolgten Einbau von Luftfilteranlagen sowie der hakenden Umsetzung der Digitalisierung an vielen Schulen.

Auch von den Oppositionsparteien im niedersächsischen Landtag gab es Kritik: «Nach über einem Jahr drastisch eingeschränktem Unterricht durch die Corona-Pandemie droht allen Rechenspielen und Bekundungen des Ministers zum Trotz dennoch Unterrichtsausfall und ein Mangel an Förder- und Unterstützungsangeboten», sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Julia Willie Hamburg.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling, befürchtet, dass jede zehnte Unterrichtsstunde ausfallen könnte. «Minister Tonne muss hier schnellstens nachbessern und eine Lehreroffensive starten, um zumindest bis zum nächsten Halbjahr die notwendigen Lehrkräfte aufzustocken», sagte er. Beide Parteien warfen dem Minister zudem vor, sich nicht ausreichend um die Ausstattung der Schulen mit Lüftungsanlagen gekümmert zu haben.

Eltern ungetesteter Schüler in Thüringen droht Bußgeld bis 250 Euro

In der Corona-Pandemie droht Thüringer Eltern, deren Kinder ungetestet in die Schule kommen, künftig ein Bußgeld zwischen 60 und 250 Euro. Das gilt nicht für Eltern geimpfter oder genesener Kinder und Jugendlicher, wie Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Mittwoch in Erfurt mitteilte. Geplant ist demnach, dass das Vergehen als Ordnungswidrigkeit eingestuft wird.

Nach der 14-tägigen Testphase, die Holter als Sicherheitspuffer bezeichnet, soll es diese Testpflicht nur in der höchsten Corona-Warnstufe 3 des Freistaates geben. Ausschlaggebend für das Erreichen einer Warnstufe ist in Thüringen neben der Sieben-Tage-Inzidenz unter anderem auch die Belegung der Intensivbetten in Krankenhäusern. Die Schule beginnt im Freistaat am Montag.

Holter sagte, dass das Bußgeld für die Eltern, die ihre Kinder nicht testen lassen wollten, gestaffelt berechnet werden solle. Demnach sollen bei wiederholtem Vergehen höhere Strafen drohen. An den Details werde aber noch gearbeitet.

31.08.2021

Corona und Lehrermangel: Verband sieht ungelöste Probleme an Schulen

Dauermangel trifft Dauerkrise? Zum Start des neuen Schuljahres sieht der Thüringer Lehrerverband große Herausforderungen auf die Schulen zukommen. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie. Auch ein älteres Problem hält er für ungelöst.

Vor dem Start ins neue Schuljahr am Montag hat der Thüringer Lehrerverband (tlv) vor Personalnot an den Schulen und zu wenig Vorkehrungen in der Corona-Pandemie gewarnt. Die Personalsituation sei «extrem kritisch», sagte der tlv-Vorsitzende Rolf Busch am Dienstag in Erfurt. Hunderte Lehrerstellen seien noch nicht besetzt. Busch bezog sich dabei auf Übersichten der Schulämter. «Die Stellen, die dort stehen, sind alle deshalb da, weil es dafür noch keine Bewerberinnen oder Bewerber gibt», sagte Busch.

Der Sprecher des Thüringer Bildungsministeriums, Felix Knothe, sagte, die Listen der Schulämter bildeten nicht eins zu eins die aktuelle Situation ab. «Wir befinden uns in der Hocheinstellungsphase», sagte Knothe. Man sei auf einem guten Weg und zuversichtlich, die selbstgesteckten Ziele bei den Lehrereinstellungen zu erreichen.

Buschs Einschätzung nach hat sich der Lehrermangel in Thüringen im Vergleich zum Vorjahr weiter verschlimmert, eine Trendwende sei zudem nicht in Sicht. Der tlv-Vorsitzende kritisierte, dass die Verfahren zur Besetzung von Lehrerstellen trotz jahrelanger Kritik immer noch zu lange dauerten und insgesamt zu wenig gegen den Lehrermangel getan werde.

Felix Knothe sprach von einem «geerbten Problem», das der Lehrermangel sei. Schon seit Jahren sei absehbar gewesen, dass es dazu kommen werde. Die rot-rot-grüne Landesregierung sei die erste, die dem entgegengewirkt habe, sagte der Sprecher. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) will am Mittwoch bei einer Pressekonferenz unter anderem auch über Einstellungszahlen von Lehrern sprechen. Thema soll auch der Umgang mit der Corona-Pandemie an Thüringer Schulen sein.

Der Tlv-Vorsitzende Rolf Busch begrüßte, dass das Bildungsministerium eine 14-tägige Testpflicht zum Schulstart vorsieht. Die Umsetzung aber kritisierte er - insbesondere die Bildung von Lerngruppen für Schüler, die nicht geimpft sind, nicht als genesen gelten und sich auch nicht testen lassen wollen. Er sprach sich für ein Betretungsverbot für ungetestete Schüler aus.

Auch sieht er die Schulen in der Pandemie nicht ausreichend vom Land für die Herbst- und Winterzeit vorbereitet. Es gebe kaum Luftfilter an den Schulen, es fehlten immer noch Geräte wie Laptops für Lehrerinnen und Lehrer und er befürchte, dass die Thüringer Schulcloud wieder zusammenbrechen werde, wenn im Fall von Distanzunterricht zu viele Menschen gleichzeitig auf das Portal zugreifen wollen.

Holter hatte angekündigt, dass es von Seiten seines Ministeriums nicht zu Schulschließungen oder Wechselunterricht kommen werde. Lediglich in Einzelfällen durch Entscheidungen der jeweiligen Gesundheitsämter sei dies denkbar.

Modellversuch in Köln geplant: Quarantäne nur für infizierte Schüler

Vierzehn, fünf oder null - Die Diskussion um die Dauer der Quarantäne von Schülern in NRW ebbt nicht ab. Die Stadt Köln plant einen Modellversuch. Kritiker sehen das nicht als Lösung an.

Angesichts der vierten Corona-Welle will die Stadt Köln in einem Schul-Modellprojekt nur noch positiv auf Corona getestete Schüler in Quarantäne schicken. Direkte Sitznachbarn der Infizierten sollen stattdessen täglich getestet werden und nicht mehr mit in Quarantäne müssen, wie ein Sprecher am Dienstag mitteilte. Die Stadt führe wegen des Modellversuchs Gespräche mit der Uniklinik Köln. Zuvor hatten der «Kölner Stadt-Anzeiger» und der WDR berichtet.

«Infektionen bei Kindern und Jugendlichen nehmen nur äußerst selten einen schweren Verlauf», teilte die Stadt mit. Durch das Verfahren sollen demnach die psycho-sozialen Folgen von Quarantäne und Unterrichtsausschluss gemindert werden. Unter welchen Voraussetzungen der Modellversuch starten könnte, blieb zunächst offen. Über Einzelheiten solle bald informiert werden, hieß es. Das Gesundheitsministerium äußerte sich am Dienstag zunächst nicht.

Aktuell müssen Kinder, die engen Kontakt mit einem Infizierten hatten, 14 Tage in Quarantäne. Als enge Kontaktpersonen gelten nach einem Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums Schüler und Schülerinnen, die vor, hinter, rechts oder links vom Infizierten gesessen haben. Geimpfte ohne Symptome sind davon ausgenommen.

Der Sprecher der Elterninitiative «Mobile Raumluftfilter NRW», Franz-Josef Kahlen, bezeichnete den Modellversuch als ein «äußert riskantes Spiel». Durch die hochansteckende Delta-Variante sei das Risiko, sich in einem Klassenraum anzustecken, sehr groß. «Nur die positiv Getesteten in Quarantäne zu schicken, greift unseres Erachtens viel zu kurz.» Die Initiative fordert, alle Klassenräume zum Schutz der Kinder mit Luftreinigern auszustatten. Sie kritisiert die Landesregierung, nicht die dafür notwendigen Voraussetzungen geschaffen zu haben.

Nach Ansicht des stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, kommt das geplante Projekt in Köln viel zu spät. Seine Fraktion plädiert dafür, bei einem Corona-Fall die ganze Klasse für fünf Tage in Quarantäne zu schicken. Danach bestehe die Möglichkeit, mit einem negativen Test zurückzukehren.

Es fehle eine Vorbereitung und Strategie, wie auf steigende Infektionszahlen zu reagieren ist, warf Ott der Landesregierung vor. Er forderte mehr Tests an den Schulen. Am Donnerstag wird der Landtag auf Antrag der SPD in einer Sondersitzung über die Situation der Jugendlichen und Kinder in der Corona-Krise diskutieren.

Eltern von Kita-Kindern fordern ebenfalls eine Änderung der Quarantäne-Regeln in Kindergärten. «14 Tage Quarantäne für alle Kontaktpersonen sind nicht verhältnismäßig», kritisierte der Landeselternbeirat (LEB) der Kindertageseinrichtungen in NRW.

Nach Angaben der Stadt sind aktuell 839 Schüler und Schülerinnen in Köln mit dem Coronavirus infiziert, 471 davon seien im infektiösen Zeitraum in der Schule gewesen. Zudem gebe es 105 infizierte Kita-Kinder, von denen 45 im infektiösen Zeitraum in der Kita waren. Demnach sind zusätzlich 2 320 Kontaktpersonen aus Schule und Kita in Quarantäne. In Köln gibt es 295 Schulen mit gut 150 000 Schülern.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen lag nach Daten des Landeszentrums Gesundheit NRW (LZG) in Köln am Montag bei 383. Über alle Altersgruppen hinweg meldete das LZG eine Inzidenz von 149,3 für die Domstadt.

Regierung gibt Millionen für Luftfilter an Schulen und Kitas frei

Für die Anschaffung von mobilen Luftfiltern in Schulen, Kitas und Horten bekommt Sachsen-Anhalt einen Millionenbetrag vom Bund. Die geschäftsführende Landesregierung aus CDU, SPD und Grünen hat die Finanzierung am Dienstag freigegeben. Das Kabinett habe auf seiner Sitzung der entsprechenden Verwaltungsvereinbarung des Bundes zugestimmt, teilte die Staatskanzlei mit. Damit können 5,4 Millionen Euro an Bundesmitteln für die Anschaffung der Filter nach Sachsen-Anhalt abfließen, das Land stellt noch einmal den gleichen Betrag zur Verfügung.

Auch bereits angeschaffte Filter können mit den Geldern finanziert werden, Anträge sind rückwirkend bis zum 1. Mai möglich. Die Landesregierung hatte, wie in vielen anderen Bundesländern, in der Kritik gestanden, weil die meisten Schulen zum Beginn des neuen Schuljahres am Donnerstag noch immer nicht mit Filtern ausgestattet sind. Die Regierung hatte daraufhin auf eine lange unklare Datenlage zu Sinn und Effizienz der Filter verwiesen.

Vollständiger Präsenzbetrieb an den Kindertageseinrichtungen und Schulen habe oberste Priorität, teilte der geschäftsführende Bildungsminister Marco Tullner (CDU) mit. Um dies zu ermöglichen, müssten verschiedene Instrumente ineinandergreifen. «Der Einsatz mobiler Luftreiniger, die helfen können, die Virenlast zu reduzieren, ergänzt die bisherigen Infektionsschutzmaßnahmen sinnvoll», sagte Tullner.

Maskenpflicht während des Unterrichts gilt im Saarland weitere Woche

Die derzeitigen Regelungen zur Maskenpflicht an den Schulen im Saarland werden um knapp eine Woche verlängert. Somit müssen Lehrer und Schüler auch in der dritten Schulwoche nach den Sommerferien während des Unterrichts eine medizinische Maske tragen. Das beschloss der Ministerrat am Dienstag, wie die Staatskanzlei in Saarbrücken mitteilte. Bislang war die Maskenpflicht auf die ersten zwei Wochen nach Schulbeginn begrenzt gewesen. Sie gilt im Schulgebäude und während des Unterrichts, nicht aber im Freien auf dem Schulhof.

Grund für die Verlängerung bis zum 16. September sei das derzeit diffuse Corona-Infektionsgeschehen, das auf Reiserückkehrer und Infektionen im privaten Umfeld zurückgeführt werde. Am Montag hatte der Unterricht nach den sechswöchigen Sommerferien wieder begonnen.

Schüler und Beschäftigte an den Schulen müssen derzeit außerdem zwei Antigen-Schnelltests pro Woche an den Schulen machen. Ausgenommen davon sind vollständig gegen Corona Geimpfte oder von Covid-19 Genese.

Söder: Erst zehn Prozent der Mittel für Luftfilter abgerufen

Zwei Wochen vor dem Schulstart in Bayern sind nach Angaben von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erst zehn Prozent der Fördermittel für Luftfilter abgerufen worden. Das sagte er am Dienstag nach der Sitzung des Ministerrates in München. «Aber das wird jetzt täglich mehr».

Rund 190 Millionen Euro stellt die Staatsregierung den Kommunen für die Ausstattung von rund 60 000 Klassenzimmern und 50 000 Räumen in Kindergärten mit mobilen Filteranlagen zur Verfügung. Damit können sich die für die Schulausstattung verantwortlichen Kommunen bis zu 50 Prozent der Anschaffungskosten kofinanzieren lassen.

Söder: Kein Wechselunterricht mehr

Bayerns Schüler und Schülerinnen sollen künftig nicht mehr in den Wechselunterricht geschickt werden, wenn die Corona-Infektionszahlen steigen. «Es gilt der Präsenzunterricht», sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München. Die Regelungen zum Wechselunterricht ab einer Inzidenz von 100 wird gestrichen.

Allerdings müssen die Schüler und Schülerinnen zum Unterrichtsbeginn im neuen Schuljahr weiterhin Masken tragen - auch an ihrem Platz.

Außerdem sollen die Corona-Tests ausgeweitet und die Quarantäne-Vorschriften gelockert werden. Gibt es einen Infektionsfall, soll anders als bisher nicht zwangsläufig die gesamte Klasse in Quarantäne geschickt werden, sondern nur die, die unmittelbaren und ungeschützten Kontakt zu dem erkrankten Mitschüler hatten. Gibt es Luftreiniger, könne sogar vollständig auf die Quarantäne anderer Schüler verzichtet werden, sagte Söder.

Erster Schultag für rund 40 000 Kinder

Mit Schultüte und offenen Augen in einen neuen Lebensabschnitt: Die ganz Kleinen bereichern die Schulgemeinschaft. Mehr Lehrkräfte fordert der Verband VBE. Das Ministerium verweist auf 345 neue Planstellen.

Mit dem ersten Tag im Klassenzimmer hat für 39 470 Kinder in Rheinland-Pfalz das gemeinschaftliche Lernen in der Schule begonnen. Während die älteren Kinder und Jugendlichen schon am Montag wieder ihre Plätze einnahmen, ging es für die meisten Erstklässler und Erstklässlerinnen am Dienstag los. Grüße dazu kamen von der Landesregierung auf Twitter: «Wir wünschen einen guten Start und eine schöne Feier der Einschulung.»

Auch für die Kleinen gilt zunächst die Maskenpflicht im Unterricht - zumindest für die ersten zwei «Präventionswochen» im neuen Schuljahr. «Unser Ziel ist, dass im Unterricht die Maske wieder fallen kann», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig. Bis zu den Herbstferien werden auch alle diejenigen zweimal wöchentlich getestet, die nicht geimpft oder genesen sind.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), dessen Mitglieder vor allem an den Grundschulen unterrichten, kritisierte zum Schulstart die Personalausstattung der Schulen in Rheinland-Pfalz. «Das Land muss dringend Geld in die Hand nehmen und sich darum kümmern, dass in Zukunft mehr Stellen mit voll ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden», erklärte der Landesvorsitzende Gerhard Bold. «Dafür muss es nicht nur mehr Planstellen geben, der Lehrberuf muss auch attraktiver werden.» Der VBE fordert dazu eine Anhebung der Besoldung von Grundschullehrerinnen und -lehrern auf die Stufe A13 und damit auf das gleiche Niveau wie für das Lehramt an Realschulen plus und Gymnasien.

Für das neue Schuljahr wurden nach Angaben des Bildungsministeriums 345 zusätzliche Lehramtsstellen eingerichtet. Rund 1400 Lehrerinnen und Lehrer wurden neu eingestellt, nach 1100 im vergangenen Jahr. Insgesamt unterrichten an den Schulen in Rheinland-Pfalz rund 41 000 hauptamtliche Lehrkräfte. Positiv merkte Ministerin Hubig an, dass die Zahl der Studierenden für das Lehramt an Grundschulen wieder steige.

27.08.2021

Schuljahr soll wie geplant mit Präsenzunterricht für alle starten

Das neue Schuljahr in Hessen soll kommende Woche wie geplant mit Präsenzunterricht in allen Schulen und Jahrgängen starten. Die jüngste Anpassung des hessischen Corona-Eskalationskonzepts sehe vor, dass es auch bei steigenden Inzidenzwerten keine Schulschließungen und damit auch keinen Distanz- oder Wechselunterricht mehr geben werde, erläuterte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Freitag in Wiesbaden. Die Pandemie habe zwar gezeigt, dass es keine absolute Sicherheit gebe. Lorz zeigte sich aber zuversichtlich, dass das Land besser durch das neue Schuljahr kommen werde als durch das zurückliegende.

Im neuen Schuljahr steigt die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler um rund 1500 auf 761 500, wie das Kultusministerium mitteilte. Die Zahl der Erstklässlerinnen und Erstklässler klettert um rund 1700 auf 57 300. In Hessen gibt es insgesamt 1806 öffentliche Schulen, die Zahl der Lehrerstellen beträgt 55 540. Investitionsschwerpunkte im neuen Schuljahr sind den Angaben zufolge der Ausbau der Ganztagsangebote, Deutsch-Vorlaufkurse für Kinder mit schlechten Sprachkenntnissen und die Aufstockung der sozialpädagogischen Fachkräfte.

Lehrer müssen ihren Impfstatus bislang nicht offenlegen

Wenn am 6. September in Thüringen das neue Schuljahr startet, will Bildungsminister Holter Schulschließungen oder Wechselunterricht vermeiden. Doch bei den Lehrern fehlt bislang ein Gesamtüberblick über den Impffortschritt.

In Thüringen müssen Lehrer dem Land bislang nicht preisgeben, ob sie gegen das Coronavirus geimpft sind oder nicht. Es gebe keine generelle Offenlegungspflicht des Personals, teilte das Thüringer Bildungsministerium auf Nachfrage mit. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass unklar ist, wie hoch der Anteil der geimpften Lehrer an Thüringer Schulen ist. Eine «statistisch saubere Erfassung» könne «Stand jetzt auch nicht erfolgen», hieß es. «Wir gehen von einer insgesamt sehr hohen Impfquote im Lehrpersonal aus», teilte das Ministerium mit.

Grund für diese Annahme sind Zahlen von Mai, als in Thüringen begonnen wurde, Lehrer zu impfen. Zuerst durften sich die Grundschul- und Förderschullehrer impfen lassen, erst später kamen auch die Lehrer weiterführender Schulen wie Gymnasien oder Regelschulen an die Reihe. Für die Lehrer wurden damals Extra-Impftage eingerichtet, so dass eine statistische Erfassung möglich war, wie viele Lehrer geimpft wurden. Zu dieser Gruppe der Impfberechtigten zählte allerdings das gesamte Personal an Grund- und Förderschulen, also nicht nur Lehrer.

Mitte Mai waren nach den Zahlen des Bildungsministeriums rund 31 000 von 49 000 Menschen dieser Gruppe mindestens einmal geimpft. Dies entsprach einem Anteil von 63 Prozent. «Die zunehmende Ausweitung der Impfkampagne auf Hausärzte sowie die Aufhebung der Impfpriorisierung ermöglichen keine statistische Erfassung einzelner Berufsgruppen mehr», erklärte das Bildungsministerium.

Nach derzeitigen Plänen will das Bildungsministerium eine abgestufte Teststrategie einführen, die sich an Warnstufen ausrichtet. «Dort, wo sich Regelungen etwa zum Testen am Prinzip 3G orientieren, würden Geimpfte und Genesene von Testungen ausgenommen. Insofern müssten Lehrkräfte dann ihren Status offenlegen, wenn sie nicht getestet werden möchten», heißt es aus dem Ministerium. Das 3G-Prinzip steht für Geimpfte, Genesene und Getestete.

Kinderstudie: Mehr Kilos, weniger Fitness im ersten Pandemiejahr

Der Anteil der dicken Grundschulkinder ist bereits nach den ersten Corona-Maßnahmen laut einer österreichischen Studie um rund 20 Prozent gestiegen. Einen deutlichen Negativtrend fand das Forschungsteam der Universität Graz auch bei der körperlichen Ausdauer. Schulen sollten daher jetzt nicht nur Wissenslücken schließen sondern auch bei der Fitness der Kinder aufholen, schrieben sie in einem Artikel, der am Donnerstag im Journal «Jama - Network Open» erschien.

Ursprünglich wollte das Team um Gerald Jarnig am Grazer Institut für Bewegungswissenschaften den Effekt von Sportunterricht untersuchen. Dazu wurden rund 760 Mädchen und Jungen zwischen sieben und zehn Jahren im Raum Klagenfurt im September 2019 gewogen und gemessen. Außerdem wurde die Ausdauer getestet. Wegen monatelanger Schließungen und Schichtbetriebs in den Grundschulen wurde aus der Studie eine Untersuchung über Lockdowns.

Als die Tests im September 2020 wiederholt wurden, waren die Ergebnisse eindeutig: Im Herbst vor der Pandemie waren 20,3 Prozent der Kinder übergewichtig oder fettleibig gewesen. Ein Jahr später lag der Wert bei 24,1 Prozent.

Um die Ausdauer zu untersuchen, liefen die Kinder sechs Minuten lang. Vor der Pandemie kamen sie dabei im Schnitt 917 Meter weit. Im September 2020 waren die erreichten Strecken um 11 Prozent kürzer. «Man kann sagen, dass das eine sehr starke Verschlechterung ist», sagte Ko-Autor Johannes Jaunig der Deutschen Presse-Agentur.

Auch wenn bislang keine weiteren Daten zu diesen Kindern vorliegen, sei anzunehmen, dass sich diese Negativtrends während neuerlicher Lockdowns ab Herbst 2020 fortsetzten, meinte er. Den Autoren zufolge können zusätzliche Kilos und kürzere Laufstrecken nicht nur mit Bewegungsmangel zu tun haben, sondern auch mit Veränderungen der Essgewohnheiten und der psychischen Gesundheit während der Pandemie.

Weil sowohl Stadt- also auch Landkinder untersucht wurden, könnten die Ergebnisse nach Forscherangaben auf Österreich umgelegt werden. Sie seien wahrscheinlich auch mit der Situation in anderen europäischen Ländern vergleichbar, sagte Jaunig.


26.08.2021

Lehrerpräsident warnt vor Durchseuchung der Schulen

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnt vor einer Durchseuchung der Schulen. «Auch wenn Kinder seltener schwer erkranken, dürfen wir eine Durchseuchung der Schulen nicht zulassen», sagte er der «Augsburger Allgemeinen» (Donnerstag). «Wir wollen es als Lehrerverband auch, dass Präsenzunterricht beim Schulstart möglichst vollständig stattfindet, aber nicht, indem man Gesundheitsschutzmaßnahmen herunterfährt und vor der Infektionsgefahr an Schulen kapituliert.»

Neuere Studien hätten herausgefunden, dass zwischen 0,3 bis 1,7 Prozent der mit Corona infizierten Kinder im Krankenhaus behandelt werden müssen. «Bezogen auf Deutschland bei knapp elf Millionen Schülern hieße das, dass zwischen 30 000 und 180 000 in Krankenhäusern behandelt werden müssten, von eventuellen Long-Covid-Folgen mal völlig abgesehen. Das, glaube ich, darf kein Politiker verantworten.»

Er sieht auch in der Vorbereitung auf dieses Schuljahr schwere Versäumnisse der Politik: Man komme «um die Feststellung nicht herum, dass auch bei der Vorbereitung dieses Schuljahres wieder vieles suboptimal gelaufen ist. Das fängt damit an, dass bis heute nicht klar ist, nach welchen Vorgaben, Kriterien und Regeln der Schulunterricht laufen soll. Es setzt sich fort bei dem Trauerspiel um die Anschaffung von Raumluftfilteranlagen (...). Und es endet damit, dass wir immer noch bei der digitalen Infrastruktur der Schulen große Defizite haben, fast die Hälfte hat nach wie vor kein schnelles Internet».

Nicht nur Corona - Die größten Baustellen an den Schulen

Der Schulbetrieb hat unter Corona gelitten. Nun wird viel über die Folgen für Kinder und Jugendliche diskutiert. Langfristig gibt es an Deutschlands Schulen aber weitere Probleme, die dringend gelöst werden müssen, sagen Bildungsexperten vor der Bundestagswahl.

Die Corona-Krise hat viele Probleme an den Schulen aufgedeckt und manche verschärft: fehlende Technik, wackeliger Online-Unterricht, lückenhafte Kommunikation. Manche Schülerinnen und Schüler wurden nur schlecht erreicht, Lernrückstände haben sich vergrößert. Bund und Länder steuern mit einem sogenannten Aufholprogramm dagegen.

Doch daneben gibt es andere Großbaustellen im deutschen Schulsystem, die durch Corona überdeckt wurden, auf denen aber unbedingt auch weitergearbeitet werden muss, fordern Bildungsgewerkschaften mit Blick auf die Bundestagswahl und die kommenden vier Jahre.

«LEHRERMANGEL DRAMATISCH»

«Der Lehrkräftemangel ist in Deutschland seit Jahren dramatisch», erklären die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in einer gemeinsamen Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) dürfte vor allem im Sekundarbereich I, also oberhalb der Grundschule, und an den Berufsschulen bis 2030 Lehrermangel herrschen.

Als Gegenmaßnahme fordern die Gewerkschaften eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, um mehr Menschen für den Beruf zu gewinnen. Konkret: die Bezahlung aller Lehrkräfte mit Hochschulabschluss nach Tarif A13 bei Beamten und nach E13 bei Angestellten. Viele Lehrkräfte an Grundschulen werden etwa schlechter bezahlt als ihre Kolleginnen und Kollegen an weiterführenden Schulen.

VBE und GEW setzen sich außerdem für bessere Arbeitsbedingungen durch «multiprofessionelle Teams» ein. An Schulen sollten demnach zur Unterstützung der Lehrkräfte je nach Bedarf Gesundheitsfachkräfte, IT-Administratoren, Schulsozialarbeiter und Sozialpädagogen, Psychologen oder auch Integrationshelfer eingesetzt werden.

Der Deutsche Lehrerverband fordert eine grundsätzliche Verbeamtung aller Lehrkräfte, den Abbau befristeter Arbeitsverhältnisse und den Aufbau einer «Unterrichtsreserve im Umfang von 10 Prozent aller Lehrerstellen», wie Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger auf Anfrage mitteilte.

TOILETTEN, FENSTER, TURNHALLEN

Marode Turnhallen, kaputte Schultoiletten oder Fenster in Klassenräumen, die sich nicht öffnen lassen, sind ein Dauerthema. 2017 hatte die damalige große Koalition ein Schulsanierungsprogramm aufgelegt: 3,5 Milliarden Euro für Schulgebäude in finanzschwachen Kommunen. Doch die Bildungsgewerkschaften sehen weiterhin einen «Modernisierungs- und Sanierungsstau» und verweisen auf Zahlen der Kreditanstalt für Wiederaufbau, wonach es bei den Schulen einen «Investitionsrückstand» von 46,5 Milliarden Euro gibt.

GEW und VBE fordern daher ein «Zehn-Jahresprogramm» für die Modernisierung der Schulen. Der Lehrerverband ist für «eine Neuauflage eines umfassenden Schulsanierungsprogramms».

Zu den Toiletten oder Turnhallen kommen nun noch die Luftfilteranlagen hinzu, die durch Corona auf die Bau-Liste gekommen sind. Das Umweltbundesamt empfiehlt langfristig Wärmetauschanlagen, bei denen Frischluft von außen angesaugt und gleichzeitig durch die nach außen strömende Abluft erwärmt wird (Wärmerückgewinnung). Das sei die nachhaltigste Lösung für den Abtransport von Viren, Kohlendioxid und Feuchte. Das gilt auch dann, wenn Corona einmal vorbei ist.

DIGITALISIERUNG 

In der Pandemie wurden Leihlaptops für bedürftige Schüler angeschafft und Dienstgeräte für Lehrkräfte. Dabei ging es aber vor allem darum, dass der sogenannte Fernunterricht halbwegs funktionierte. Bei der Schuldigitalisierung steht vor allem die Infrastruktur in den Schulen im Mittelpunkt: schuleigenes Wlan, Smartboards statt Kreidetafeln, Tablets für interaktiven Unterricht. Der Bund hatte ein massives Förderprogramm mit mehr als fünf Milliarden Euro (Digitalpakt Schule) aufgelegt, um das voranzutreiben.

Dies müsse durch einen «Digitalpakt 2» fortgeschrieben werden, fordert Lehrerverbandspräsident Meidinger. Auch VBE und GEW fordern eine «Verstetigung» und «erhebliche Aufstockung» der Mittel und mehr Fortbildungsangebote für Lehrkräfte in der Digitalisierung. Die Technik muss schließlich auch bedient und im Unterricht sinnvoll eingesetzt werden können.

Die beiden Gewerkschaften sind außerdem dagegen, dass Bildungsplattformen von privaten Anbietern genutzt werden. Stattdessen müsse sich der Staat um «datenschutzkonforme und hoch leistungsfähige Plattformen zum Lehren, Lernen und Kommunizieren» kümmern. 2,5 Milliarden Euro pro Jahr seien nötig, um Systeme und Geräte auf aktuellem Stand zu halten.

MEHR BERLIN IM BILDUNGSSYSTEM ODER NICHT? 

Bildung ist ein heikles Thema in Deutschland: Das Grundgesetz schreibt vor, dass die Bundesländer für alles zuständig sind, was nicht ausdrücklich laut Grundgesetz in der Hand des Bundes liegt. Schulen sind damit Ländersache. Wenn Berlin zu viel reinredet, gibt es regelmäßig scharfen Gegenwind aus den Ländern.

Allerdings hat der Bund die dickere Schatulle. Also müssen sich die Länder, wenn sie Fördergelder wie beim Digitalpakt Schule wollen, auf Vereinbarungen und Verträge mit dem Bund einlassen, die regeln, wo das Geld hinfließen soll und wie kontrolliert wird, ob es auch dort ankommt. Das sind jedes Mal zähe und langwierige Verhandlungen.

VBE und GEW sind dafür, die strengen Zuständigkeitsregeln aufzubrechen und das sogenannte Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildung abzuschaffen, «um die notwendigen Milliardenbeträge in Bildung investieren zu können und dem Bund eine dauerhafte Finanzierung des Bildungssystems zu ermöglichen». Der Lehrerverband ist der Ansicht, eine bessere Kooperation von Bund und Ländern wäre auch ohne Verfassungsänderung möglich.

CORONA 

Und auch Corona fehlt nicht in der Liste der Baustellen, denn so schnell dürften die Folgen an den Schulen nicht verdaut sein. Lehrerverbandspräsident Meidinger fordert ein «langfristig weiterfinanziertes, über das nächste Schuljahr hinausreichendes Aufholprogramm für Schüler, die in der Pandemie abgehängt worden sind.» Auch VBE und GEW kritisieren, das bisher aufgelegte zwei Milliarden Euro schwere Aufholprogramm des Bundes zur Finanzierung von Nachhilfekursen, Sozial- und Freizeitangeboten sei nur «ein Tropfen auf den heißen Stein». Es müsse grundsätzlich mehr Geld ins System Schule fließen für eine langfristige Ausrichtung auf individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen.

25.08.2021

Sollen Schulen Impfungen anbieten? Debatte über Vorstoß des Landes

Natürlich können sich Jugendliche ab 12 Jahren bereits überall impfen lassen. Aber vielleicht steigt mit dem Angebot auch die Nachfrage, hofft das Land. Es ruft die Schulen auf, Impfungen mit Hilfe der Experten selbst zu planen. Die Schulleiter sind wenig begeistert.

Mit mobilen Impfteams und Zeitfenstern in Impfzentren sollen Schulen nach den Ferien die Zahl ihrer geschützten Schülerinnen und Schüler steigern können. «Jede Impfung hilft dabei, Schule in Präsenz und damit auch das soziale Miteinander zu gewährleisten», sagte Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne), deren Haus gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium in einem Brief an die Schulleitungen über das Angebot informiert hat. Kinder und Jugendliche könnten allerdings auch bereits jetzt beim Haus-, Kinder- und Jugendarzt sowie in Impfzentren oder bei Vor-Ort-Impfaktionen gegen das Coronavirus geimpft werden, betonte Schopper.

Bislang ist nach Angaben der beiden Ministerien von Mittwoch etwas mehr als jeder vierte 12- bis 17-Jährige in Baden-Württemberg mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Der Besuch einer Schule ist im kommenden Schuljahr aber nicht abhängig von einer Impfung. «Es muss sich niemand Sorgen machen, von der Schule ausgeschlossen zu werden, wenn er oder sie nicht geimpft ist», sagte auch Schopper.

Die Verantwortlichen der Schulen können laut Ministerium selbst entscheiden, ob sie ein mobiles Impfteam anfordern möchten. Das ist allerdings einer der Knackpunkte, den die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert. Der organisatorische Aufwand dürfe nicht den Schulleitungen zugeschoben werden, die derzeit zudem oft im Urlaub seien, sagte die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein der Deutschen Presse-Agentur. «Hier muss das Land organisieren, aber auch die Kommunen sind gefragt.»

Außerdem schließen die Impfzentren bereits Ende September, zudem gibt es nach den Planungen des Landes lediglich 18 mobile Impfteams, die auch in den Pflegeheimen eingesetzt werden sollen. «Es kann nicht sein, dass sich die Schulleiter darüber streiten müssen, bei wem das mobile Impfteam vorbeikommt», sagte Stein. Die Zahl der Teams müsse erhöht werden, forderte sie. Es gebe ausreichend Personal aus den Impfzentren, die geschlossen würden.

«Das ist eine weitere zusätzliche Aufgabe für Schulleitungen, und das zu Beginn eines neuen, nicht ganz unproblematischen Schuljahres», kritisierte auch Werner Weber, der Landeschef der Schulleitervereinigung. Der Zeitdruck komme hinzu. Die letzten Tage der Sommerferien seien geprägt durch intensive Vorbereitungen auf den Schuljahresbeginn und die Organisation des kommenden Schuljahres. «Die umfangreiche Vorbereitung einer schulinternen Impfaktion käme on top zu all den anderen Aufgaben noch mit dazu», sagte Weber. «Es ist aber nicht die elementare Aufgabe von Schule, Impfungen von Minderjährigen, mit allem was dazugehört, zu organisieren.»

Kritik kam aus der Opposition: SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch sprach laut einer Mitteilung von einer «Politik des Wegduckens». Nun sollten es die Schulen richten, das Land versuche, diese Aufgabe «nach unten zu schieben». «Dass man jeder Schülerin und jedem Schüler ab 12 eine Impfung anbietet, ist ein Muss – aber es ist nicht die Aufgabe der Schulen, das auch noch zu organisieren!», sagte er.

Schulen sollen nach Start am Montag so lang wie möglich offen bleiben

Im neuen Schuljahr soll der Unterricht im Klassenzimmer unbedingt erhalten bleiben. Darin sind sich alle einig. Zur «Schule der Zukunft» wollen sich Ende September alle Beteiligten zu einem Runden Tisch zusammenfinden.

Trotz der wieder steigenden Corona-Zahlen wollen nach dem Schulstart am kommenden Montag alle Beteiligten möglichst lange am Präsenzunterricht festhalten. «Dass die Schulen irgendwann wieder schließen müssen, das ist die große Angst», sagte Pascal Groothuis von der Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler nach einem Treffen mit dem Landeselternbeirat und Lehrerverbänden am Mittwoch in Mainz. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) besuchte am Mittwoch einen Kurs der Sommerschule und wünschte den Schülerinnen und Schülern neben einem guten Start ins neue Schuljahr, dass ihnen dann Wechsel- und Fernunterricht erspart bleiben mögen.

Es seien wirksame Maßnahmen nötig, um die Schulen weiter offen halten zu können, sagte Groothuis. Dazu müssten mit Einwilligung der Eltern auch Impfkampagnen an Schulen gehören, etwa mit Impfbussen vor den Schulen. Die Vorsitzende des Philologenverbands, Cornelia Schwartz, sagte, die Maskenpflicht im Unterricht sei «keine angenehme Sache, aber das kleinere Übel verglichen mit einer Quarantänemaßnahme». Zum neuen Schuljahr sind auch regelmäßige Corona-Tests an zwei Tagen in der Woche vorgesehen.

Rund einen Monat nach Beginn des neuen Schuljahres wollen sich alle Akteure der Schulgemeinschaft in Rheinland-Pfalz zu einem Runden Tisch zur Bildungspolitik zusammenfinden. Es gebe die Zusage des Bildungsministeriums zu einem großen Runden Tisch, der voraussichtlich am 30. September starten solle, sagte Landeselternsprecher Reiner Schladweiler. Dabei soll es vor allem um das von der Landesregierung geplante Projekt einer «Schule der Zukunft» gehen. Bislang hatten der Landeselternbeirat und die LSV einen Bildungsgipfel gefordert, um Konsequenzen aus der Corona-Situation zu besprechen.

Auch in den Sommerferien 2022 soll es wieder eine landesweite Sommerschule geben. «Ich bin überzeugt, dass wir das Projekt Sommerschule wieder auf die Spur setzen können, vielleicht in veränderter Form», sagte Hubig beim Besuch eines Deutschkurses im Mainzer Rabanus-Maurus-Gymnasium. So könnten die Angebote für spielerisches Lernen noch stärker mit den Lehrkräften der Schülerinnen und Schüler abgestimmt werden.

Da bereits vor den Sommerferien wieder länger Präsenzunterricht möglich gewesen sei, seien die Kurse in diesem Jahr anders ausgerichtet gewesen, sagte Hubig anschließend. Im Corona-Jahr 2020 sei es vor allem darum gegangen, Lernrückstände aufzuholen. Diesmal sei das spielerische Lernen deutlich ausgebaut worden. «Uns ist wichtig, dass die Kinder wieder ins Lernen kommen», sagte die Bildungsministerin. Die mehr als 300 Kurse in ganz Rheinland-Pfalz seien von etwa 10 000 Kindern und Jugendlichen besucht worden.

Im neuen Schuljahr wird es wahrscheinlich erstmals seit 2004 wieder eine steigende Zahl von Schülerinnen und Schülern geben. Die allgemeinbildenden Schulen werden nach Angaben von Bildungsstaatssekretärin Bettina Brück (SPD) etwa 1300 junge Menschen mehr unterrichten als im vergangenen Schuljahr.

Als möglichen Grund nannte die Staatssekretärin die Corona-Pandemie mit der Möglichkeit, ein Schuljahr zu wiederholen. Im vergangenen Schuljahr wurden an den rund 1500 allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz insgesamt 409 408 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Das ist ein Rückgang um 16,1 Prozent seit 2005/06. Bei der Einschulung von Kindern gab es zuletzt schon einen steigenden Trend. Vor einem Jahr wurden rund 37 100 Erstklässler eingeschult, 1450 mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Kinder an den Grundschulen stieg seit 2018/19 um 2,7 Prozent auf 142 331.

95 Corona-Infektionsfälle an Schulen in MV

Derzeit sind in Mecklenburg-Vorpommern 95 Corona-Infektionsfälle an Schulen bekannt. Betroffen sind davon 93 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrer, wie aus am Mittwoch veröffentlichten Daten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) hervorgeht. Vor einer Woche waren es den Angaben zufolge insgesamt noch 62 Schüler und Lehrer. Demnach sind derzeit 47 Schulen landesweit betroffen - Mehrfachnennungen seien jedoch möglich - etwa wenn zeitversetzt an einer Schule mehrere Infektionsfälle bekanntwerden.

Laut Lagus sind bis auf den Landkreis Ludwigslust-Parchim Schulen in allen Regionen des Bundeslandes betroffen, am häufigsten in der Hansestadt Rostock und im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Laut Bildungsministerium gibt es im Nordosten 615 Schulen.

Insgesamt 17 Corona-Fälle sind laut Lagus derzeit an Kitas und Horten bekannt, darunter sind zwölf Kinder sowie fünf Erzieher. Vor einer Woche waren es noch insgesamt vier Corona-Fälle mehr. Den Angaben zufolge sind derzeit keine Kitas in den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Rügen sowie Ludwigslust-Parchim von Corona-Fällen betroffen.

 

24.08.2021

FDP fordert staatliche Garantie für Präsenzunterricht

Bundesregierung und Bundesländer sollen nach dem Willen der FDP eine «staatliche Garantie» für Präsenzunterricht an den Schulen abgeben - unabhängig vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie. Die FDP-Fraktion im Bundestag will bei der Sondersitzung im Bundestag an diesem Mittwoch einen entsprechenden Antrag zur Abstimmung stellen. RTL und ntv berichteten zuerst darüber.

In dem Antrag, der auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und der von der FDP-Fraktion offiziell noch verabschiedet werden muss, werden Regierung und Länder zur Abgabe einer solchen Garantie aufgefordert. Zudem solle die Regierung «unverzüglich» eine Sondersitzung mit den Kultusministern der Länder einberufen, bei der ein Aktionsplan für pandemiesicheren Unterricht beschlossen werde. «Kinder, Jugendliche und Eltern brauchen jetzt dringend planbare Normalität.»

Die FDP fordert außerdem eine Ausweitung des Förderprogramms des Bundes zur Anschaffung mobiler Luftfiltergeräte auf alle Klassenstufen. Der Bund fördert bisher nur Geräte für Räume jüngerer Kinder unter 12, die noch nicht geimpft werden können.

Impfstatus der Erwachsenen beeinflusst Situation an Schulen im Herbst

Für die Offenhaltung der Schulen im zweiten Pandemie-Herbst spielen Experten zufolge Erwachsene eine entscheidende Rolle. Vereinzelte Infektionen an den Schulen sind nach Ansicht des Berliner Virologen Christian Drosten hinnehmbar, wenn möglichst alle Eltern und Lehrer geimpft sind. «Ein kontrolliert schwelendes Geschehen muss man akzeptieren, wenn der Schulbetrieb laufen soll. Man wird nicht jegliche Verbreitung an Schulen unterbinden können, aber möglichst eine unkontrollierte Ausbreitung.»

Auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek hält es generell für wichtig, dass sich so viele Erwachsene wie möglich impfen lassen. «Das ist wichtig für den Eigenschutz, aber eben auch, um diejenigen zu schützen, die sich nicht beziehungsweise noch nicht impfen lassen können. Dazu zählen insbesondere auch Kinder.»

Einen wesentlichen Einfluss auf die Situation an den Schulen wird auch die Akzeptanz der Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche haben, die seit Mitte August von der Ständigen Impfkommission für die Altersgruppe ab 12 Jahren empfohlen wird. Derzeit beobachten Kinderärzte eine hohe Nachfrage in den Praxen. Auf die medizinische Empfehlung der Kommission hätten viele Eltern gewartet, sagte Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Neben dem Gesundheitsschutz für ihre Kinder gehe es vielen Eltern auch darum, mit Hilfe der Impfungen neue Schulschließungen möglichst zu verhindern.

23.08.2021

New York verpflichtet Schulpersonal zu Corona-Impfung

Nach der vollständigen Zulassung des Corona-Impfstoffes von Biontech und Pfizer in den USA hat die Stadt New York die verpflichtende Injektion des Vakzins für alle Schulangestellten angekündigt. Unter anderem Lehrer sowie alle anderen Beamten und Menschen mit Kontakt zu Schülern müssten bis zum 27. September mindestens eine Dosis erhalten haben, sagte Bürgermeister Bill de Blasio am Montag in New York. Es blieb dabei zunächst offen, was mit jenen passieren wird, die die Impfung trotzdem verweigern.

«New York City sendet eine starke Botschaft: Wir werden alles tun, um die Delta-Variante zu bekämpfen, um Covid zu bekämpfen», meinte Stadtoberhaupt de Blasio mit Blick auf die steigenden Infiziertenzahlen. Die vollständige Zulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffes, die von der zuständigen US-Behörde FDA kurz zuvor verkündet worden war, sei ein Wendepunkt im Kampf gegen die Pandemie. Zuvor war Impfskeptikern in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens die Option geboten worden, der Impfung durch regelmäßige Tests zu entgehen.

In New York waren Anfang des Sommers fast alle Covid-Restriktionen angesichts der voranschreitenden Impfkampagne gefallen - doch die Delta-Variante heizte die Verbreitung zuletzt wieder an. Der größten US-Stadt könnten nun ähnliche Entscheidungen in anderen Städte folgen.

Keine Testpflicht für Schüler in Ferien bei 3G-Regel

Seit Montag gilt vielerorts in Bayern die sogenannte 3G-Regel. In viele Räume darf nur noch, wer geimpft, genesen oder negativ getestet ist. Doch was ist mit Kindern und Jugendlichen?

Die sogenannte 3G-Regel im Kampf gegen Corona hat in Bayern gleich zu Beginn Verwirrung gestiftet. So müssen sich Schüler auch in den Ferien nicht testen lassen, wenn sie in Innenräume von zum Beispiel Schwimmbädern, Restaurants oder Turnhallen wollen. Das stellte das Gesundheitsministerium klar. Seit Montag müssen Menschen ab einem Inzidenzwert von 35 in Innenbereichen nachweisen, dass sie entweder geimpft, genesen oder negativ auf Corona getestet (3G) sind.

Davon ausgenommen sind Kinder bis zum sechsten Geburtstag und Schüler, die im Rahmen des Unterrichts regelmäßig getestet werden. Diese Ausnahme für Schüler gilt explizit auch in den noch laufenden Sommerferien, wie das Gesundheitsministerium in München betonte. Und das, obwohl Schulkinder in den Ferien nicht getestet werden. Zuvor hatte der Radiosender Antenne Bayern berichtet.

Kinder und Jugendliche aus Deutschland müssen für eine Befreiung von der 3G-Regel ein Dokument vorlegen, das den Schulbesuch beweist - zum Beispiel einen Schülerausweis oder ein Schülerticket. Es sei nicht erforderlich, dass die Kinder ein negatives Ergebnis vorweisen, so das Gesundheitsministerium in München. Schüler aus dem Ausland müssen eine Bestätigung der Schule vorlegen und beweisen, dass auch dort regelmäßig Tests gemacht werden.

Was mit Kindern ist, die auch mit sechs Jahren noch im Kindergarten sind, blieb unklar. Die Sommerferien in Bayern gehen noch bis Mitte September.

Bis zum Schulstart in drei Wochen ist noch vieles ungeklärt. Zum Beispiel, ob dann auch wieder Wechselunterricht bei höheren Inzidenzen droht oder es eine neue Regel geben wird. Laut der seit diesem Montag geltenden Corona-Verordnung ist für die Schulen Wechselunterricht ab einer Inzidenz von 100 binnen sieben Tagen in einer Kommune vorgeschrieben. Aktuell (Stand Montag) wäre dies zwar nur in Schweinfurt und Rosenheim der Fall, die Tendenz ist aber bayernweit klar steigend.

«Der inzidenzabhängige Wechselunterricht muss daher endlich aus Bayerns Corona-Verordnung gestrichen und eine überzeugende Sicherungsstrategie präsentiert werden», sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Matthias Fischbach. Es könne nicht sein, dass getestet in Bayern so gut wie alles möglich sei – «nur in die Schule gehen nicht». Die Corona-Verordnung müsse daher rechtzeitig vor Schulbeginn abgeändert und vom Inzidenzwert abgerückt werden.

Abgesehen von den Schulen kommt jetzt auf Gastronomen oder Hoteliers ein neues Stück Arbeit hinzu, da dort die Auflagen kontrolliert werden müssen. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) vertraut darauf, dass diese die Gäste auch wirklich überprüfen. «Ich habe im Moment keinen Zweifel daran, dass das gemacht wird», sagte der Minister am Montag dem Bayerischen Rundfunk. «Und wenn nicht, dann ist das natürlich schon auch ein Thema, das man sanktionieren muss und dem man auch nachgehen muss.»

Generell zeigte er sich zuversichtlich, dass man mit der 3G-Regel einen Lockdown vermeiden könne. «Ich bin der Meinung, wir werden keinen Lockdown mehr kriegen, wie wir ihn schon in anderen Wellen hatten.» Die Impfquote sei da ein wesentlicher Faktor.

Bund gibt Ländern 200 Millionen für Luftreiniger in Schulen und Kitas

Die Bundesregierung unterstützt die Länder mit 200 Millionen Euro bei der Beschaffung von mobilen Luftreinigern für Schulen und Kitas. Wie das Wirtschaftsministerium am Montag mitteilte, haben sich Bund und Länder jetzt auf eine entsprechende Verwaltungsvereinbarung verständigt. Grundsätzlich beschlossen war die Hilfe bereits Mitte Juli.

Profitieren sollen davon besonders Einrichtungen mit Kindern unter zwölf Jahren, für die es derzeit keinen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Bei Kinderbetreuung und Unterricht solle der bestmögliche Infektionsschutz erreicht werden, hieß es.

«Unser Ziel ist es, in diesem Herbst und Winter den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten», erklärte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Brandenburgs Bildungsministerin und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), betonte: «Es ist gut, dass die finanzielle Unterstützung des Bundes kommt.» Mobile Luftreiniger könnten Schulen und Kitas helfen, auch Räume zu nutzen, die sich nicht gut lüften ließen.

Die 200 Millionen Euro sollen nach dem Königsteiner Schlüssel zwischen den Ländern aufgeteilt werden, die Länder müssen sich hälftig an den Kosten für die Anlagen beteiligen. Beantragt werden die Mittel über die Lände

Jeder fünfte Schüler zwischen 12 und 17 vollständig geimpft

Jeder fünfte Schüler im Alter zwischen 12 und 17 ist in Nordrhein-Westfalen vollständig gegen Corona geimpft. Nach den am Montag veröffentlichten Impfdaten des Robert Koch-Instituts (RKI) haben landesweit inzwischen 20,3 Prozent der Jugendlichen und Kinder dieser Altersgruppe die Zweitimpfung erhalten. Mit 32,8 Prozent hat in NRW fast jeder dritte Schüler der 12- bis 17-Jährigen eine erste Spritze bei den Corona-Impfungen bekommen. Beide Quoten liegen deutlich über den Bundesdurchschnitten von 17,8 beziehungsweise 27,5 Prozent.

Alle Altersgruppen zusammengenommen sind im bevölkerungsreichsten Bundesland inzwischen 61,7 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Mindestens eine Impfung haben 68,0 Prozent der Einwohner. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 59,0 beziehungsweise 64,1 Prozent.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte am Dienstag der vergangenen Woche erklärt, dass bis dahin rund 80 Prozent der über 16-Jährigen in NRW geimpft worden seien. Damit seien rund drei Millionen Menschen in NRW im Alter von über 16 Jahre bis dahin noch nicht geimpft gewesen. Davon gelte es noch etwa die Hälfte zu überzeugen, um eine Impfquote von 90 Prozent zu erzielen. Mit mobilen Impfteams versuchen die Kommunen, noch mehr Menschen zu erreichen.

Nach dem Votum der Ständigen Impfkommission zu Corona-Impfungen für alle Kinder ab zwölf Jahren sollen auch die kommunalen Impfzentren in NRW entsprechende Impfangebote machen, hatte Laumann erklärt.

 

22.08.2021

Wachsendes Corona-Risiko für Ungeimpfte - «3G» ab Montag

Geimpft, getestet, genesen - ohne einen entsprechenden Nachweis kommt man ab Montag kaum noch in eine Gaststätte oder ins Kino. Corona macht ganz überwiegend Ungeimpfte schwer krank.

Corona breitet sich in Deutschland wieder stark aus und bedroht vor allem ungeimpfte Menschen. Gleichzeitig gilt ab Montag weitgehend «3G»: Zutritt zu öffentlichen Innenräumen gibt es bei hohem Infektionsgeschehen nur noch für Geimpfte, Genese oder negativ Getestete. Gemäß einer Vereinbarung von Bund und Ländern schreiben die Bundesländer «3G» für Kliniken, Pflegeheime, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Friseure, Hotels und etwa in Restaurants oder bei Veranstaltungen vor.

Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Samstag erstmals seit Mai wieder über 50. Am Sonntag hatten sich 54,5 pro 100 000 Menschen innerhalb sieben Tagen neu mit Corona infiziert. Das Land mit der stärksten Steigerung ist derzeit mit Abstand Nordrhein-Westfalen mit 99,2, gefolgt von Berlin mit einer Inzidenz von 67,3. Flächenländer wie Baden-Württemberg (46,6) und Bayern (41,1) liegen unter dem Bundesschnitt. Die Zahl der Klinikpatienten mit Corona steigt. Vor allem 35- bis 59-Jährige sind betroffen. Fast alle Infektionen gehen auf die besonders ansteckende Delta-Variante zurück.

Menschen mit vollem Impfschutz erkranken dabei nur vergleichsweise selten an Corona und sehr selten schwer, wie eine Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt. Zwar gab es seit Februar mehr als 13 000 Infektionen trotz Impfung. Nur 2,4 Prozent der Corona-Intensivpatienten von 18 bis 59 Jahren waren zuletzt aber voll geimpft. Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Für Geimpfte ist die Situation weiterhin vergleichsweise entspannt.» Insgesamt zählte das RKI seit Pandemiebeginn knapp 3,9 Millionen Corona-Infektionen.

Menschen Anfang 20 - die im Schnitt wesentlich seltener geimpft sind - steckten sich zuletzt mehr als zehn Mal häufiger an als jene zwischen 65 und 84 Jahren. Das Impftempo in Deutschland hatte in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen. 58,8 Prozent der Menschen sind vollständig geimpft, 63,9 Prozent mindestens einmal. Zeeb erwartet eine bundesweite Inzidenz von 100 in gut zwei Wochen.

In Bayern will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Coronakurs nicht mehr nur an der Inzidenz ausrichten. «Aufgrund der hohen Impfquote ist die Methodik der ersten drei Wellen, also sich nur auf die Inzidenz zu konzentrieren, nicht mehr passend», sagte Söder der «Mediengruppe Münchner Merkur tz» (Samstag). Stattdessen soll künftig die Lage in den Kliniken maßgeblich berücksichtigt werden und «eine Art Krankenhaus-Ampel» die rote Linie vorgeben.

In Baden-Württemberg dürfen alle Menschen bereits seit vergangenem Montag unabhängig von der Inzidenz wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen - vorausgesetzt, sie sind geimpft, genesen oder getestet. Bevor in Bayern ähnliche Regeln greifen, wird dort «3G» ab diesem Montag ab einer Inzidenz von 35 vorgeschrieben. Unter anderem auch in Rheinland-Pfalz oder Hamburg soll die «3G»-Regel ab Montag gelten, in Niedersachsen ab Dienstag, in Berlin gilt sie bereits seit Freitag für mehr Bereiche als zuvor schon.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schließt künftige Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen für Genesene und Geimpfte aus. Ziel sei es, mit Abstand, Hygiene und Masken im öffentlichen Raum, «3G-Regeln» in Innenräumen «und Impfen, Impfen, Impfen ohne weitere Maßnahmen durch den Herbst und Winter zu kommen», sagte er am Freitagabend bei einem virtuellen Besuch bei der CDU Wiesbaden. Wirtschaftsminister Peter
Altmaier (CDU) sagte der Funke-Mediengruppe: «Nach allem, was wir heute wissen, können wir einen neuen Lockdown für Geimpfte und Genesene vermeiden.»

Nicht zufrieden sind Hotels und Gaststätten mit «3G». Die Regeln bedeuteten mehr Aufwand, Umsatzeinbußen drohten, sagte die Geschäftsführerin ihres Verbands Dehoga, Ingrid Hartges, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Großer Bedarf an Nachhilfe: Schüler wollen Lernlücken schließen

In vielen sächsischen Landkreisen mussten die Schulen wegen der Corona-Pandemie wochenlang geschlossen bleiben. Die Folgen machen sich auch in den Ferien bemerkbar.

Zwei Wochen vor dem Start ins neue Schuljahr versuchen viele Schülerinnen und Schüler in Sachsen, ihre coronabedingten Lerndefizite durch Nachhilfe auszugleichen. Der Bedarf an außerschulischen Angeboten macht sich bei Nachhilfe-Schulen bemerkbar. «Wir haben schon immer Ferienkurse angeboten, aber haben in diesen Sommerferien noch einmal aufgestockt», sagt Thomas Momotow vom Nachhilfe-Institut Studienkreis, das in Sachsen 70 Standorte hat.

Der Bedarf sei jetzt sehr groß, auch Grundschülerinnen und Grundschüler bräuchten wegen Schulschließungen schon Nachhilfe, sagte Momotow. Problemfach Nummer 1 sei noch immer Mathe, gefolgt von Deutsch und Englisch.

Auch beim Anbieter Schülerhilfe sind die drei Hauptfächer sehr gefragt. Sprecherin Denise Kirchberger sagte, dass der Nachhilfebedarf durch die Corona-Krise derzeit immens hoch sei. «In unserer täglichen Arbeit erleben wir, wie Lerndefizite sich während der anhaltenden Schulschließungen vergrößern.»

Vor allem Kinder aus finanziell schwächeren Familien hätten immer mehr den Anschluss an die Schule verloren, weil technische Voraussetzungen oft nicht gegeben seien und Eltern nicht helfen könnten, so Kirchberger.

Erst in der vergangenen Woche hatte die wirtschaftsnahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gezielte Förderprogramme für Sachsens Schülerinnen und Schüler gefordert. Nur so könnten Lernrückstände aufgeholt werden, die durch Schulschließungen entstanden seien, schrieben die Autoren der Studie «Bildungsmonitor».

 

20.08.2021

Bundestagsbildungsausschuss berät über Corona und Schulen

Der Bildungsausschuss des Bundestages berät an diesem Freitag (11.00 Uhr) in einer Sondersitzung über den Schulbetrieb in der Pandemie. Die Bildungspolitiker kommen zu einer Videokonferenz zusammen. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Oliver Kaczmarek, forderte die Bundesregierung anlässlich der Beratungen dazu auf, «die notwendigen Voraussetzungen» für einen sicheren Betrieb von Kitas und Schulen im Herbst zu schaffen.

«An erster Stelle stehen schnell zugängliche Impfangebote für junge Menschen ab zwölf Jahren und Gruppen mit bisher großer Impfzurückhaltung», sagte Kaczmarek. Von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) forderte er, die Forschung zu Long-Covid-Effekten in den verschiedenen Altersgruppen und zu Therapiemöglichkeiten deutlich engagierter auszubauen.

Bindende Beschlüsse für den Schulbetrieb kann der Ausschuss nicht fassen. Schulen und Bildung liegen in Deutschland in der Zuständigkeit der Bundesländer. In 6 von 16 Ländern hat das neue Schuljahr bereits wieder begonnen.

Freiwilligendienst in Corona-Zeiten etwas stärker gefragt

Bei Schulabgängern sind Freiwilligendienste in der Pandemie gefragt. Einer der Gründe ist die Fridays-For-Future-Bewegung - ein anderer die Corona-Pandemie.

In der Corona-Pandemie ist in Rheinland-Pfalz die Nachfrage von jungen Menschen nach einem Freiwilligendienst leicht gestiegen. Das Angebot sei auch etwas gewachsen, heißt es in einer Antwort von Familienministerin Katharina Binz (Grüne) auf eine Kleine Anfrage des ebenfalls grünen Abgeordneten Fabian Ehmann. Mit 3642 absolvierten Ende 2020 demnach 65 Menschen mehr ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) als ein Jahr zuvor. Während des Lockdowns im Frühjahr 2020 habe es zunächst weniger Bewerbungen gegeben, danach aber mehr. Die Träger des FSJ gingen davon aus, dass auch für den kommenden Jahrgang 2021/2022 mit einem leichten Plus bei den Bewerbungen zu rechnen sei, heißt es weiter.

Ganztagsschulen sind als Einsatzorte besonders häufig: Fast jede dritte FSJ-Stelle fand sich demnach an einer solchen Schule - etwa zur Unterstützung der Notbetreuung der Schüler.

Im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) seien auf 145 Plätze mehr als 900 Bewerbungen gekommen. Fridays For Future habe zu einem größeren Interesse Jugendlicher an ökologischen Themen geführt, ergänzte Binz.

Insgesamt sei der Anstieg der Bewerbungen unter anderem darauf zurückzuführen, «dass sich viele alternative Pläne der Freiwilligen, wie beispielsweise Auslandsjahre und der Beginn einer Ausbildung nicht wie gewünscht umsetzen ließen». Zudem habe so mancher Schulabgänger den Beginn seines Studiums wegen der Online-Veranstaltungen zurückgestellt.

«Gerade während der Corona-Pandemie wirken die Freiwilligendienste für viele Jugendliche sinnstiftend», sagte der Abgeordnete Ehmann der Deutschen Presse-Agentur. «Hier können auch in Krisenzeiten Gemeinschaft und das Hinarbeiten auf ein Ziel erlebt werden.» Das große Interesse an ökologischen Fragen zeige: «Man sieht, dass die Jugendlichen Verantwortung übernehmen wollen.»

«Beim Freiwilligendienst leisten die Jugendlichen einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Wir sollten ihnen dafür in Zukunft noch mehr Wertschätzung entgegenbringen», forderte Ehmann. Ein Jahres-Ticket, mit dem für einen Euro pro Tag Busse und Bahnen genutzt werden könnten, könne die Situation der Freiwilligen erheblich verbessern.

Stiko-Begründung für Kinderimpfungen zielt auch auf soziale Teilhabe

Die Ständige Impfkommission hat bei ihrer Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren in der Pandemie auch deren Teilnahme am gesellschaftlichen Leben mit im Blick. Neben der Verhinderung von Erkrankungen und Klinikeinweisungen gehe es auch darum, Einschränkungen der sozialen und kulturellen
Teilhabe von Kindern und Jugendlichen abzumildern, heißt es in der wissenschaftlichen Begründung der Kommission, die am Donnerstag im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts veröffentlicht wurde. Auch die psychosozialen Folgen der Pandemie, insbesondere von Isolationsmaßnahmen, seien in dieser Altersgruppe unabhängig von individuellen Infektionen erheblich. Die Impfempfehlung ist bereits seit Montag bekannt, die ausführliche Begründung fehlte aber noch.

Die Kommission rät nun für alle 12– bis 17-Jährigen zur Impfung mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs der Hersteller Biontech/Pfizer oder Moderna im Abstand von drei bis sechs beziehungsweise vier bis sechs Wochen. Beide Impfstoffe seien grundsätzlich sehr wirksam und nach den bisher vorliegenden Daten sicher, heißt es. Zu Biontech-Pfizer lägen dabei in diesem Zusammenhang bereits deutlich mehr Daten vor.

Als einzige gesicherte, sehr seltene unerwünschte Impf-Nebenwirkung sind laut Kommission bisher Herzmuskelentzündungen bekannt, die bei Jungen häufiger als bei Mädchen auftreten könnten. Die Erkrankung verlaufe unter stationärer Behandlung meist mild. Über mögliche Langzeitfolgen lägen noch keine Erkenntnisse vor.

Basis für die Begründung der Kommission sind vor allem Studien aus den USA und Kanada nach über 12 Millionen Impfstoffdosen, die dort an Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren verabreicht wurden.

Covid-19 ist laut Bulletin in der Regel bei Kindern und
Jugendlichen keine schwere Erkrankung. Die Mehrzahl der Infektionen verlaufe asymptomatisch oder mit milden Symptomen. Todesfälle seien ohne Vorerkrankungen eine absolute Seltenheit.

In Einzelfällen könne es jedoch nach einer Ansteckung mit
Covid-19 auch bei jungen Leuten zu schwerwiegenden Krankheitsverläufen kommen, deren Langzeitprognosen nicht
endgültig bekannt seien. US-amerikanische Daten deuteten darauf hin, dass Herzmuskelentzündungen durchaus auch nach einer Sars-CoV-2-Infektion bei Kindern und Jugendlichen auftreten können.

Für das Pandemiegeschehen im Herbst und Winter ist die Impfung von Kindern und Jugendlichen weniger entscheidend. Mathematische Modellierungen wiesen darauf hin, dass zuerst das schnelle Erreichen einer hohen Impfquote (75 Prozent und mehr) bei Erwachsenen für den Verlauf der vierten Infektionswelle von Bedeutung sei, heißt es im Bulletin. Mit einer insgesamt hohen Impfquote bei jungen Leuten könne aber die Krankheitslast von ungeimpften Kindern und Jugendlichen reduziert werden.

Impfungen ab 12 Jahren sind in Deutschland bereits seit Ende Mai nach ausführlicher ärztlicher Beratung rechtlich möglich. Viele Eltern hätten aber auf die medizinische Begründung gewartet, sagte Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder und Jugendärzte. Seit Montag sei die Nachfrage nach Impfungen für junge Leute in den Praxen sprunghaft angestiegen.


19.08.2021

Mobile Teams impfen gegen Corona jetzt auch an Schulen

Impfungen gegen das Coronavirus haben in Schleswig-Holstein am Donnerstag auch an Schulen im Land begonnen. Zunächst ging es nach Angaben des Bildungsministeriums an 24 Schulen los. Insgesamt können sich an 250 Standorten von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren sowie Beschäftigte impfen lassen. Als weitere Schutzmaßnahme an den Schulen wurde die Maskenpflicht in Innenräumen verlängert.

Für das Impfen an Schulen hatten sich zunächst 10 500 Mädchen und Jungen angemeldet. Laut Bildungsministerium steigt die Zahl weiter. Mehr als ein Drittel der Schüler ab zwölf Jahren ist im Norden schon gegen das Coronavirus geimpft - das ist bundesweit der Spitzenwert. «Ich bin sehr zufrieden», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstag beim Besuch einer Impfaktion an der Leif-Eriksson-Gemeinschaftsschule und am Thor-Heyerdahl-Gymnasium in Kiel-Mettenhof. Rund 150 Anmeldungen lagen hier vor, etwa 130 davon in der Gemeinschaftsschule.

Die Informationen zum Impfen wurden auch in die wichtigsten Migrantensprachen übersetzt. «Wir hoffen, auf diese Weise noch mehr Eltern zu erreichen», sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. «So bekommen Eltern die Informationen über ihre Kinder und haben einen weiteren Anlass, sich selbst zu reflektieren.» Eltern konnten sich auch in der Schule impfen lassen. Die Lehrkräfte haben das bereits getan: «Die Kollegen sind alle durch», sagte der Leiter der Gemeinschaftsschule, Dieter Ruser.

Die Erstimpfungen an den Schulen im Norden sollen zwei Wochen dauern. Jeweils nach drei Wochen sollen die Zweitimpfungen folgen, auch an den Schulen. «Jeder einzelne Geimpfte hilft, Infektionsketten zu durchbrechen», sagte Prien.

Drosten: Auffrischungsimpfung im Herbst für die meisten unnötig

Der Herbst naht - wer braucht dann eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus? Der Großteil der Bevölkerung nicht, meint der Virologe Drosten. Die WHO hält Booster-Impfungen für Gesunde ohnehin für unangebracht - zumindest im jetzigen Stadium der Pandemie.

Für die meisten Geimpften wird nach Überzeugung des Virologen Christian Drosten im Herbst keine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus nötig sein. «Die Schutzwirkung der Corona-Vakzinen ist viel besser als beispielsweise bei den Influenza-Impfstoffen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Auch das baldige Aufkommen einer neuen Virusvariante, die gegen die verfügbaren Impfstoffe resistent ist, erwartet er nicht.

Bei alten Menschen sowie bestimmten Risikopatienten hält Drosten eine Auffrischungsimpfung in diesem Herbst jedoch durchaus für sinnvoll. «Nach einem halben Jahr geht das über die Impfung erworbene Antikörper-Level vor allem bei sehr alten Menschen deutlich runter.» In besonderen Umfeldern wie Seniorenheimen sei eine Auffrischung daher denkbar. Die dafür benötigten Dosen nicht ins Ausland abzugeben sei trotz der internationalen Impfstoff-Knappheit vertretbar. Für die übrige Bevölkerung werde irgendwann vielleicht ein Altersniveau definiert werden, ab dem eine Auffrischungsimpfung sinnvoll werde. «In diesem Herbst kommt es aber darauf an, überhaupt erst einmal die Impflücken bei den über 60-Jährigen zu schließen.»

Die US-Regierung hatte am Mittwoch angekündigt, die gesamte amerikanische Bevölkerung voraussichtlich ab September mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus versorgen zu wollen. Vollständig Geimpfte sollen rund acht Monate nach der zweiten Spritze mit den Präparaten von Moderna oder Pfizer/Biontech eine dritte Dosis bekommen, wie hochrangige Gesundheitsbeamte mitteilten. Grund dafür seien die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante sowie Datenauswertungen zum allmählich abnehmenden Impfschutz.

Das deutsche Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten am Montag erste Daten für die Zulassung einer Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht. In den kommenden Wochen sollten die Daten einer Phase-1-Studie auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA und weiteren Behörden eingereicht werden. Die Teilnehmer hätten acht bis neun Monate nach der zweiten Dosis eine Auffrischungsimpfung erhalten, hieß es. Im Vergleich zu einer zweifachen Impfung hätten bei den Menschen mit Auffrischungsimpfung «signifikant höhere neutralisierende Antikörpertiter» nachgewiesen werden können.

In den USA, weiteren Ländern und vereinzelt auch Deutschland werden für bestimmte Gruppen bereits Auffrischungsimpfungen vorgenommen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisiert die Pläne für Auffrischimpfungen bei gesunden Menschen. Bislang sei nicht einmal klar, ob sie nötig seien, sagte die Chef-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan am Mittwoch in Genf. Während in reichen Ländern jede Menge Impfstoff vorhanden ist, warten weltweit in Dutzenden Ländern viele Millionen Menschen noch auf die Chance einer Impfung. Der WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan meinte, Menschen eine Auffrischimpfung anzubieten sei so, als gebe man Menschen mit Rettungswesten noch eine weitere Weste dazu, während Millionen andere ohne jeglichen Schutz bleiben müssten.

Nach Angaben des Kölner Intensivmediziners Christian Karagiannidis haben die meisten der derzeit in deutschen Kliniken behandelten Covid-Patienten keine Corona-Impfung. Er sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online Donnerstag, Print Freitag), es gebe aber auch Fälle von geimpften Corona-Patienten in stationärer Behandlung - sogenannte Impfdurchbrüche. «Aktuell haben wir in Nordrhein-Westfalen 12 bis 13 Prozent der Covid-Patienten in den Kliniken mit Impfschutz. Diese Quote dürfte auch der bundesweiten Quote entsprechen.»

Bei den stationär behandelten Menschen mit Impfdurchbrüchen handele es sich nach seiner Erfahrung beispielsweise um Patienten mit eingeschränkter Immunantwort, etwa als Folge einer medikamentösen Dämpfung des Immunsystems. Wichtig sei, dass jetzt insbesondere jenen Patienten eine dritte Impfung als Booster angeboten werde, die ein gedämpftes Immunsystem hätten, sagte Karagiannidis.

Unterdessen kritisiert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte die Pläne mehrerer Bundesländer, Kinder und Jugendliche an und im Umfeld von Schulen gegen das Coronavirus zu impfen. «Die Jugendlichen stehen in den Schulen sehr stark unter Gruppenzwang, so dass eine freie und unabhängige Entscheidung schwierig wird», sagte der Bundessprecher des Verbandes, der Kinderarzt Jakob Maske, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). Maske riet stattdessen zur Impfung in den Praxen: «Das Impfen beim eigenen Kinder- und Jugendarzt hat den Vorteil, dass der Arzt die Familie und das Umfeld gut kennt und die Eltern besser beraten kann, ob die Impfung für die Familie sinnvoll ist oder nicht.»

Der Deutsche Lehrerverband begrüßte hingegen die Pläne, Impfungen an Schulen durchzuführen. «Alles, was die Sicherheit an Schulen schnell erhöht, ist gut», sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger dem RND.

Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren sind in mehreren Bundesländern spezielle Impfaktionen für diese Altersgruppe angelaufen oder in Planung. So werden etwa mobile Impfteams an Schulen geschickt, zudem sind «Familienimpftage» in Impfzentren, Freizeiteinrichtungen und Tierparks geplant, und es werden spezielle «Impfstraßen» für Kinder und Jugendliche in Impfzentren eingerichtet.

Impfung gegen Covid-19: Andrang bei Kinderärzten

Nach dem Votum der Ständigen Impfkommission für eine Impfung gegen Covid-19 bei Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren ist die Nachfrage in Berlin sprunghaft angestiegen. «Das ging sofort nach der Empfehlung am Montag los», sagte Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Der Andrang sei groß, es sei aber genug Impfstoff da. Allerdings dauere die Nachbestellung in den Praxen rund zwei Wochen und es brauche deshalb manchmal etwas Geduld bis zu einem Termin. Engpässe seien aber nicht zu befürchten. Neben den Kinder- und Jugendärzten böten unter anderem auch viele Hausärzte Impftermine für Kinder und Teenager an.

In Berlin gibt es nach Angaben des Verbandes rund 180 000 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Auf die medizinische Empfehlung der Impfkommission hätten viele Eltern gewartet, sagte Maske. Das politische Drängen zuvor habe manchmal eher Skepsis und Verunsicherung erzeugt. Motive von Eltern für die Impfung ihrer Kinder seien der Gesundheitsschutz und die Sorge vor einer Ausgrenzung nicht geimpfter Kinder in der Schule. Zudem wollten viele Eltern neue Schulschließungen in der Pandemie möglichst verhindern.

Maske appellierte aber auch dringend an alle Eltern, sich auxh gegen Covid-19 impfen zu lassen. Ihr Erkrankungsrisiko sei deutlich höher als das ihrer Kinder, wenn Infektionen zum Beispiel aus der Schule nach Hause gelangten, betonte Maske.

Maskenpflicht an Rostocker Schulen - Testpflichten wohl ab Montag

Wegen gestiegener Corona-Infektionszahlen in der Hansestadt Rostock müssen Schülerinnen und Schüler seit Mittwoch wieder Masken in Schulgebäuden tragen. Das gilt laut einer zuvor erlassenen Allgemeinverfügung der Stadt für alle Menschen, die sich in den Gebäuden aufhalten und auch für Horte. Ausnahmen sind etwa aus medizinischen Gründen zulässig.

Außerdem wurde die Besucherzahl beispielsweise in Pflegeheimen oder Einrichtungen zur Betreuung behinderter Menschen beschränkt. Demnach dürfen sich in den Einrichtungen je Bewohner gleichzeitig nur zwei Besucher aufhalten. Diese müssen jedoch nicht dauerhaft festgelegt werden. Auch die Teilnehmerzahl für Veranstaltungen dieser Einrichtungen ist demnach beschränkt auf 30 im Innenbereich und 50 im Freien.

Eigentlich war die Maskenpflicht an Schulen wie geplant nach den ersten zwei Unterrichtswochen nach den Sommerferien landesweit aufgehoben worden. Für Rostock war allerdings am Sonntag die Corona-Ampel auf Orange gesprungen und hatte diese Stufe auch am Montag und Dienstag angezeigt, so dass hier die Maskenpflicht wieder eingeführt wurde.

Vom kommenden Montag an sollen in Abhängigkeit von der Corona-Ampel auch weitere Testpflichten für Ungeimpfte und nicht Genesene gelten, etwa beim Friseurbesuch, im Fitnessstudio, im Innenbereich der Gaststätten sowie in Kino und Theater. Welche konkreten Regelungen ab dann in der Stadt Rostock gelten, bleibt laut einem Sprecher der Stadt noch abzuwarten. Er verwies darauf, dass sich Vorgaben im Zweifel auch kurzfristig noch änderten.

Coronabedingte Lernrückstände bei Schülern: Lehrer geteilter Meinung

Die Corona-Folgen für Schüler werden von Lehrkräften einer Umfrage zufolge unterschiedlich dramatisch bewertet. 47 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer sind demnach der Ansicht, dass es «bei mehr als der Hälfte» (30 Prozent) oder sogar «bei fast allen» (17 Prozent) Schülerinnen und Schülern «gravierende Lernrückstände» gibt, wie eine repräsentative Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey für die wirtschaftsnahe «Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft» (INSM) zwischen Juni und August ergab.

Auf der anderen Seite gaben 44 Prozent an, dass es bei «bei weniger als der Hälfte» (25 Prozent) oder «bei sehr wenigen» (19 Prozent) Schülern solche Rückstände gibt. Die Zahlen lagen der Deutschen Presse-Agentur vor. Die heterogenen Ergebnisse zeigten, wie wichtig eine genaue und möglichst individuelle Überprüfung der Lernstände sei, hieß es bei der INSM. Statt pauschaler Maßnahmen müsse es zielgerichtete Angebote geben.

Die Initiative veröffentlicht die Umfragedaten an diesem Mittwoch im Rahmen ihres jährlichen «Bildungsmonitors». Dabei handelt es sich um einen Bundesländervergleich der Bildungssysteme anhand verschiedener Faktoren. Neben dem Leistungsstand von Schülern wird unter anderem verglichen, wie viel Geld ein Land pro Schüler ausgibt, wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern oder wie hoch der Anteil jüngerer Lehrer ist. Zuletzt lag regelmäßig Sachsen vorn.


18.08.2021

Kritik an möglichen Bußgeldern für ungeimpfte Schüler ohne Tests

Nach den Sommerferien droht in Sachsen-Anhalt Kindern und Jugendlichen, die weder geimpft, noch negativ getestet oder genesen sind, ein Bußgeld. Kritik kommt von Teilen der Opposition. Und die GEW wirbt für Augenmaß.

Wie können Schülerinnen und Schüler in den Schulen gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden? Das Land setzt auf 3G - die Folge: Wegen der geltenden Präsenzpflicht drohen ungeimpften Schülerinnen und Schülern, die sich auch nicht testen lassen wollen, nach den Sommerferien Bußgelder. Die Linke und die Grünen üben Kritik an der Auffassung der Landesregierung. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sachsen-Anhalt stellt klar, dass die Strafen wohl gar nicht so schnell kommen würden.

Bei Schulschwänzern würde zunächst versucht, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen, sagte die GEW-Landesvorsitzende Eva Gerth am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Unter Corona-Bedingungen sei das allerdings noch nicht erprobt worden. Wenn es wirklich Menschen gebe, die ihr Kind nicht testen oder impfen lassen wollen, müsse man sehen, wie Schulen letztendlich damit umgingen. «Am Ende geht's darum, die beste Lösung für das Kind zu finden.»

Gerth warb in dem Zusammenhang für besonnenes Handeln. «Ich gehe einfach davon aus, dass es auch pädagogische Lösungen geben wird dafür. Dass man nicht sofort mit dem großen Holzhammer losrennt und ein Bußgeld verhängt.» Die regelmäßigen Tests für Schülerinnen und Schüler seien vertretbar. Alles sei auch eine Frage der gesellschaftlichen Solidarität, da es Kinder oder Lehrkräfte gebe, die sich aufgrund ihrer Erkrankungen nicht impfen lassen könnten.

Die Landesregierung stellte klar, dass Bußgelder zwar möglich sind, man aber eigentlich keine Strafen will. Bevor ein Bußgeld verhängt werde, würden zunächst alle möglichen anderen Maßnahmen ausgeschöpft werden, sagte Regierungssprecher Matthias Schuppe am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Dazu gehörten etwa Gespräche mit den Eltern. Ziel sei es, eine möglichst hohe Akzeptanz für die Tests zu schaffen und damit einen möglichst hohen Gesundheitsschutz. «Wir wollen nicht bestrafen, wir wollen überzeugen», sagte Schuppe weiter.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hatten am Dienstag angekündigt, dass nach den Sommerferien Schülerinnen und Schülern, die sich nicht regelmäßig testen lassen wollen, unter Umständen ein Bußgeld drohe. Das ergibt sich demnach aus der Kombination von Präsenzpflicht und der bundesweit ab dem 23. August für alle ab sechs Jahren geltenden 3G-Regel - also Zutritt zu bestimmten Innenräumen nur für Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete. Ein entsprechender Hinweis sollte auch in die neue Änderungsverordnung aufgenommen werden, die das Kabinett im schriftlichen Umlaufverfahren passieren soll.

Kritik daran kam von der Linken. Zwar müssten die Voraussetzungen für einen kontinuierlichen Präsenzunterricht an den Schulen geschaffen werden, sagte der bildungspolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Thomas Lippmann. Dazu gehörten auch regelmäßige Tests von Schülern, die nicht geimpft oder vollständig genesen seien. Aus einer Verweigerung des Tests aber eine Schulpflichtverletzung abzuleiten, die mit Bußgeld bewehrt sei und bis zu einem Jugendarrest führen könnte, sei «abenteuerlich» und «unsensibel».

Aus Sicht der Grünen ist eine Testpflicht an den Schulen nur unter Aussetzung der Präsenzpflicht sinnvoll. Denn grundsätzlich sei es gut und wichtig für den sicheren Schulbetrieb, dass nur getestete Schülerinnen und Schüler in die Schule dürfen, sagte der bildungspolitischer Sprecher der Fraktion, Wolfgang Aldag. «Wichtiger ist es jetzt Überzeugungsarbeit zu leisten, diese Tests durchzuführen.»


17.08.2021

Luftfilter in Schulen: Was können sie leisten - und was nicht?

Die Schule beginnt, die Corona-Zahlen steigen wieder - vor allem bei den Jüngeren. Und so rückt die Sicherheit im Unterricht immer stärker in den Fokus.

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, in den ersten Bundesländern haben die Schulen wieder begonnen. An diesem Mittwoch beginnt im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen das neue Schuljahr. Ist alles getan, um die Gesundheit von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zu schützen und einen neuerlichen Corona-Lockdown zu verhindern? Welche Rolle können mobile und stationäre Luftreiniger dabei spielen?

Worum geht es in der Debatte?

Angesichts der Corona-Gefahr in Schulen hat das Thema Luftfilter lange für Streit gesorgt. Gewerkschaften, Eltern und Lehrer forderten immer wieder, so schnell wie möglich in Luftfilteranlagen für den Unterricht zu investieren, damit es nach den Sommerferien nicht wieder zu Schließungen kommt. Dass politische Beschlüsse zu spät gekommen seien, kritisierte unter anderen der Deutsche Lehrerverband. Während der Nutzen fest installierter Luftreinigungsanlagen, die aufwendiger einzubauen sind, auf der Hand liegt, ist die Lage bei mobilen Geräten nicht so klar. Diverse Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Was plant die Bundesregierung?

Das ursprüngliche Luftfilterprogramm des Bundes in Höhe von rund 500 Millionen Euro, das 2020 aufgelegt wurde, förderte bereits den Einbau festinstallierter Anlagen in öffentlichen Gebäuden, Theatern und Museen. Seit Mitte Juni 2021 gilt dies nun unter anderem auch für Kitas und Schulen. Die Förderung ist allerdings auf Räume und Einrichtungen für Kinder bis 12 Jahre begrenzt, da für sie bisher kein Impfstoff gegen Corona zugelassen ist. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, Luftfilter - unabhängig vom Alter der Schüler - in allen Klassenräumen zu installieren.

Ist auch die Anschaffung mobiler Luftfiltergeräte in Schulen geplant?

Auch dafür will die Bundesregierung nach anfänglichem Zögern nun 200 Millionen Euro bereitstellen. «Gemeinsam mit den Ländern wollen wir damit einen Beitrag dafür leisten, den Präsenzunterricht und die Kinderbetreuung im Herbst und Winter auch bei Verschlechterung der Infektionslage aufrecht zu erhalten», erläuterte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Mitte Juli. Der Förderanteil des Bundes beträgt bis zu 50 Prozent. Die Beantragung der Mittel und die Durchführung der Förderung erfolgt über die Länder.

Wie bewerten Fachleute den Nutzen von stationären Luftfilteranlagen?

Dass sich fest installierte Anlagen bestens eignen, um virushaltige Partikel aus der Raumluft zu entfernen, ist unbestritten. Deren Einbau sei die «nachhaltigste Maßnahme zur Verbesserung der Innenraumlufthygiene», allerdings auch mit hohem technischen und zeitlichen Aufwand verbunden, heißt es beim Umweltbundesamt (UBA). Neben der Einhaltung der Hygieneregeln sei daher auch regelmäßiges Lüften über die Fenster in der Pandemie besonders effizient. Wo die Belüftungsmöglichkeiten unzureichend sind, könnten aber auch mobile Luftreiniger - mit «hocheffizienten Gewebefiltern» zum Beispiel - ergänzend zum Einsatz kommen.

Ist sich die Forschung mit Blick auf den Nutzen mobiler Geräte einig?

Der Nutzen von mobilen Luftfiltern ist in der Fachwelt zumindest umstritten. Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt zum Beispiel betonen als Ergebnis einer Studie, dass Luftreiniger der Filterklasse Hepa das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus deutlich verringern und empfehlen sie für Klassenräume. Forscher der Universität Stuttgart hingegen warnen: Mobile Geräte seien «keine Alternative zu einem Außenluftwechsel» und nur dort zur Unterstützung ratsam, wo es zu kleine oder zu wenige Fenster gebe. In einer Richtlinie für den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen hatten sich medizinische Fachgesellschaften, Robert Koch-Institut, Bildungs- und Kinderschutzverbände weder klar dafür noch dagegen positioniert.

Was konkret spricht für oder gegen mobile Filtergeräte?

Kritiker wenden unter anderem ein, die Geräte seien für den Einsatz im Klassenzimmer zu laut, angesichts des Stromverbrauchs ökologisch nicht sinnvoll und erzeugten unangenehme Zugluft. Zudem wälzten sie die Raumluft nur um und könnten die notwendige Zufuhr frischer Luft daher nicht ersetzen. Befürworter verweisen auf den technischen Nutzen mobiler Filter bei der Virenreduktion und plädieren für ein Zusammenspiel aller Maßnahmen, um die Infektionsgefahr einzudämmen. «Fachgerecht positioniert und betrieben ist ihr Einsatz wirkungsvoll, um während der Dauer der Pandemie die Wahrscheinlichkeit indirekter Infektionen zu minimieren», heißt es auch beim UBA.

16.08.2021

Erweiterte Impfangebote für Kinder und Jugendliche in MV

Über Corona-Schutzimpfungen für Kinder wurde wochenlang hitzig debattiert. Nun hat sich die Ständige Impfkommission dafür ausgesprochen. Im Impfzentrum Schwerin können sich Kinder und Jugendliche ab Mittwoch ohne Anmeldung impfen lassen.

Mecklenburg-Vorpommern will das Impfangebot gegen Corona für Kinder und Jugendliche an Schulen erweitern. Parallel zum Impfstart für Schüler ab 16 Jahren am Dienstag werde eine Befragung jüngerer Schüler zu deren Impfbereitschaft erfolgen. Das kündigte am Montag ein Sprecher des Bildungsministeriums in Schwerin an. Das Ministerium reagierte damit auf die Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko), sich nach gründlicher Prüfung doch für Corona-Impfungen für alle Kinder ab 12 Jahren auszusprechen. Die Expertenkommission kam zu dem Schluss, «dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen».

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) äußerte sich erfreut über diese Entscheidung. «Für die Eltern und ihre Kinder ist wichtig, dass es eine eindeutige Empfehlung gibt», sagte Schwesig. Alle, die wollten, könnten sich jetzt auch zügig impfen lassen. Doch bleibe die Impfung «selbstverständlich freiwillig», betonte sie.

Impfungen für Minderjährige waren für Kinder mit Gesundheitsrisiken sowie als individuelle Entscheidung von Kindern und Eltern nach ärztlicher Aufklärung auch bisher schon möglich. Doch zögerten viele, weil es eine generelle Empfehlung der Stiko nicht gab. Der offizielle Empfehlungstext lag zunächst noch nicht vor, Änderungen sind in einem Abstimmungsverfahren mit Ländern und Fachkreisen noch möglich.

Schwesig hatte zu Beginn des Schuljahres Anfang August angekündigt, nach einer konkreten Empfehlung der Stiko das Impfangebot für 12- bis 17-Jährige im Land ausweiten zu wollen. An diesem Dienstag werden laut Bildungsministerium erstmals mobile Impfteams an den Schulen sein. Das Impfangebot richtet sich zunächst nur an Schüler und Schülerinnen ab 16 Jahren. In einer landesweiten Befragung hatten 1800 von ihnen Interesse bekundet. Damit war die Resonanz geringer als erwartet.

An welchen Schulen die ersten Corona-Schutzimpfungen stattfinden, wurde nicht mitgeteilt. Die Termine würden in Abstimmung mit den zuständigen Gesundheitsbehörden der Kreise und kreisfreien Städte festgelegt und die impfwilligen Schüler darüber informiert.

Die Stadt Schwerin reagierte unterdessen umgehend auf die Entscheidung der Stiko. Am Mittwoch und Donnerstag werde es im Impfzentrum der Stadt Impfangebote für Schüler geben, kündigte Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) an. Sie könnten nach der Schule ohne vorherige Anmeldung ihre Impfung erhalten. Für beide Tage würden 600 Dosen des mRNA-Impfstoffes von Moderna zur Verfügung stehen. In der EU für Kinder und Jugendliche zugelassen ist ebenfalls der Impfstoff von Biontech/Pfizer.

Während bei Schülern zwischen 12 und 15 Jahren die Begleitung durch einen Sorgeberechtigten erforderlich sei, benötigten Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren für die Impfung im Impfzentrum lediglich die schriftliche Zustimmung der Eltern. Dafür gebe es Formulare des Robert Koch-Instituts, hieß es aus der Stadtverwaltung.

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) hatten bis Ende voriger Woche im Nordosten etwa 15,4 Prozent der Jugendlichen in der Altersgruppe 12 bis 17 mindestens eine Impfung erhalten, rund 10,3 Prozent auch die für den vollständigen Schutz erforderliche zweite.

Impfkommission nun für Corona-Impfung für alle Kinder ab 12

Im Kampf gegen die Pandemie sind Impfungen das zentrale Mittel. Doch was ist mit Kindern und Jugendlichen? Seit Wochen wird darüber hitzig debattiert. Jetzt ändert ein wichtiges Gremium seine Einschätzung.

Wenige Wochen vor dem Ende der Schulferien in vielen Bundesländern spricht sich die Ständige Impfkommission (Stiko) für allgemeine Corona-Impfungen für alle Kinder ab 12 Jahren aus. Nach sorgfältiger Bewertung neuer Daten komme man nun zu der Einschätzung, «dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen», teilte das unabhängige Gremium am Montag mit. Bund und Länder begrüßten das Votum als wichtige Orientierung für Jugendliche und Eltern und stellten rasche Impfangebote in Aussicht. Es gab aber auch Kritik an der Stiko und an politischem Druck auf das Gremium.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einer guten Nachricht: «Eltern und Jugendliche haben damit eine klare Empfehlung, sich für die Impfung zu entscheiden.» Ausreichend Impfstoff für alle Altersgruppen sei da. «Wenn gewünscht, kann eine Impfung diese Woche noch stattfinden.» Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) sagte, nun gebe es «noch mehr Sicherheit bei der Entscheidung für
die Impfung». Sie betonte zugleich: «Die Impfung bleibt freiwillig und darf nicht zur Voraussetzung für den Schulbesuch gemacht werden.»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Auch wer sich nicht impfen lassen kann oder will, hat ein Anrecht auf Zugang zum Unterricht.» Die gut eingespielten und bewährten Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen blieben dabei wichtig, auch für geimpfte Schülerinnen und Schüler und für die Lehrkräfte.

Die Stiko empfahl Impfungen bei Kindern zwischen 12 und 17 Jahren bisher nicht allgemein - sondern nur bei höherem Risiko für schwere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes. Sie waren laut Stiko aber auch schon mit ärztlicher Aufklärung als individuelle Entscheidung von Kindern und Eltern möglich. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind bereits 24,3 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal gegen Corona geimpft und 15,1 Prozent vollständig. Ab 12 Jahren zugelassen sind die Impfstoffe von Biontech und Moderna.

Mittlerweile könnten mögliche Risiken der Impfung in der Altersgruppe zuverlässiger beurteilt werden, erklärte die Stiko am Montag. Sie verwies auf nahezu zehn Millionen geimpfte Kinder und Jugendliche im US-Impfprogramm. Die Zurückhaltung hatte Stiko-Chef Thomas Mertens zuletzt mit unzureichenden Daten zur Sicherheit der Impfung bei Heranwachsenden begründet. Im Fokus standen vor allem mögliche Folgen von Herzmuskelentzündungen bei Geimpften. Am Montag sprach die Stiko von meist unkomplizierten Verläufen. Der offizielle Empfehlungstext liegt noch nicht vor, Änderungen sind in einem Abstimmungsverfahren mit Ländern und Fachkreisen noch möglich.

Bereits Anfang August hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern breitere Impfangebote für Kinder vereinbart - etwa auch in regionalen Impfzentren. Der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, nannte die Entscheidung der Stiko ein wichtiges Signal an Eltern und die Jugendlichen selbst: «Lassen Sie sich und Ihre Kinder jetzt impfen!» Je mehr Kinder geimpft seien, «umso sicherer können wir auch in das kommende Schuljahr starten». Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Jetzt braucht es Tempo, um einfach zugängliche Schulhof-Impfangebote für Schülerinnen und Schüler zu schaffen, die dann auch gleich ihren Eltern offen stehen.» Auch die Aufklärung und die Informationskampagne müssten nun Schritt halten.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte, die Stiko habe sehr lange mit ihrer Entscheidung gewartet. «Damit hat sie es für viele Kinder über 12 Jahre schwer gemacht, eine Impfung zu erhalten. Umso mehr begrüße ich den Schritt jetzt», sagte er der «Rheinischen Post» (Dienstag). Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schrieb bei Twitter: ««Endlich!». Die Entscheidung sei nun für den Schulstart wichtig. «Leider haben wir viel Zeit verloren», kritisierte er. «Umso schneller sollte jetzt das Impfangebot erfolgen.»

Die FDP-Gesundheitsexpertin im Bundestag, Christine Aschenberg-Dugnus, sagte, die Stiko-Entscheidung schaffe Klarheit für Eltern und Kinder sowie Rechtssicherheit für Ärzte. «Die Bundesregierung hätte dieses Ergebnis abwarten sollen, statt unabgestimmt vorzupreschen. Damit sollte die Stiko schlicht unter Druck gesetzt werden.» Für Kinder unter 12 Jahren ist bislang kein Corona-Impfstoff verfügbar.

NRW-Grüne wollen tägliche Corona-Tests an Schulen

Kurz vor dem Schulstart fordern die nordrhein-westfälischen Grünen tägliche Corona-Tests für Schülerinnen und Schüler. «Wer Präsenzunterricht garantieren will, der muss die Schule wirklich zu einem sichereren Ort machen. Da sind die Vorbereitungen weiterhin mangelhaft», kritisierte Sigrid Beer, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, am Montag die schwarz-gelbe Landesregierung. Angesichts der hohen Ansteckungsgefahr durch die Delta-Variante und aufgrund von Reiserückkehrern reichten gerade zum Schulstart ab Mittwoch ein- bis zweimalige Tests pro Woche nicht aus, um Risiken zu minimieren, sagte Beer weiter. Außerdem solle mehr auf die verlässlicheren PCR-Lollitests gesetzt werden, die bislang nur in Förder- und Grundschulen zum Einsatz kommen.

Die Forderung ist Teil eines am Montag vorgestellten Positionspapiers der NRW-Grünen für vorrangigen Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie. «Natürlich ist Impfen der Weg aus der Pandemie», hob die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Josefine Paul, hervor. Aufsuchende und unkonventionelle Impf- und Aufklärungsangebote an Schulen und Jugendzentren, bestenfalls für die ganze Familie, seien daher wichtig. Gleichzeitig appellierte Paul an alle anderen, sich immunisieren zu lassen: «Die Erwachsenen sind jetzt in der Verantwortung hier auch einen Schutzkokon um die Jüngeren herum zu bauen», sagte sie und verwies besonders auf die Kinder unter zwölf Jahren, für die es keinen zugelassenen Impfstoff gibt.

Kinder und Jugendliche dürften bei der sich abzeichnenden vierten Corona-Welle nicht erneut die Leidtragenden werden, betonten die Grünen-Politikerinnen. Die vergangenen eineinhalb Jahre seien für sie sehr herausfordernd gewesen. Schule brauche mehr pädagogische Spielräume statt einer reinen Prüfungsfixierung, sagte Paul. Gleichzeitig brauche es kleine Lerngruppen auch außerhalb der Schulgebäude, um übervolle Klassen zu entzerren und auch ganzheitliche Lernangebote, etwa in den Bereichen Kultur und Sport, machen zu können.

Schulstart: GEW kritisiert Abkehr von Inzidenzwerten

Vor dem Start ins neue Schuljahr hat die Lehrergewerkschaft GEW die Abkehr der Landesregierung von den Inzidenzwerten kritisiert. «Das Schulministerium hat nicht die medizinische Expertise, um die RKI-Empfehlungen zu ignorieren und die Inzidenzwerte zu missachten», sagte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik am Montag in Düsseldorf. Den Präsenzunterricht losgelöst von der Inzidenz umzusetzen sei waghalsig. «"Augen zu und durch" ist als Motto nicht geeignet.»

«Lüften und Frieren können nicht die Lösung sein», sagte Çelik. Die Ankündigung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), bei einem Corona-Fall nur noch die unmittelbaren Sitznachbarn in Quarantäne zu schicken, stieß bei der GEW ebenfalls auf Ablehnung: «Die Quarantäne an der Sitzordnung fest zu machen ist realitätsfremd. Kinder sind agil», sagte Çelik. Sie sprach sich für ein Fortführen der Regelungen des vergangenen Herbstes aus.

Die Corona-Pandemie habe die soziale Ungleichheit in den Schulen verschärft. «Wir sind nicht da, wo wir sein könnten», sagte sie und sprach sich erneut für den flächendeckenden Einsatz von Luftfiltern aus. Die Sicherheit in den Schulen dürfe nicht vom Geldbeutel der Kommunen abhängen.

Der Sanierungsstau für die Schulgebäude Nordrhein-Westfalens betrage zehn Milliarden Euro. In vielen Klassenräumen in NRW reagiere immer noch der Overhead-Projektor. «Ich kann Eltern nicht erklären, warum in einer Pandemie ein funktionierendes Waschbecken im Gebäude schon fast Luxus ist», sagte Çelik.

Der Lehrkräftemangel an den Schulen sei mittlerweile chronisch. Im Grundschulbereich habe die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen nicht besetzt werden können. NRW sei im Bundesvergleich bei der Bildungsfinanzierung abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. «Gewinner stehen nicht auf dem letzten Platz. Wer beste Bildung propagiert, muss beste Bedingungen schaffen. Die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems darf nach Corona nicht fortgesetzt werden», sagte Çelik.

Rund 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler starten am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen trotz Corona-Pandemie grundsätzlich im Präsenzunterricht ins neue Schuljahr. Dabei werden entschärfte Quarantäne-Regeln greifen. Die Gesamtschullehrerin Ayla Çelik aus Köln war Ende Juni zur neuen Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gewählt worden.

Maskenpflicht an Schulen in MV ausgesetzt - Impfungen ab Dienstag

Zwei Wochen nach dem Schulstart können an den Schulen im Nordosten die Masken wieder fallen. Vorerst. Denn die wachsende Zahl von Corona-Neuinfektionen lässt befürchten, dass wieder schärfere Schutzmaßnahmen nötig werden. Impfen soll dem entgegenwirken.

Trotz wieder steigender Infektionszahlen wird von Montag an die Maskenpflicht an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern ausgesetzt. Der Landeselternrat begrüßte diese Entscheidung der Landesregierung, verlangt aber flankierende Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus. «Ziel muss ganz klar der vollumfängliche Präsenzunterricht für alle Schüler im Land sein. Dem muss sich alles unterordnen», forderte der Elternratsvorsitzende Kay Czerwinski.

Er erneuerte seine Kritik an der fehlenden Ausstattung der Schulen mit Luftfilteranlagen. Während andere Bundesländer alle Klassenräume bis zu den Herbstferien mit solchen Geräten ausstatten wollten, habe dies die Landesregierung in Schwerin mit ihrem zögerlichen Handeln verschlafen.

In Mecklenburg-Vorpommern bestand für die ersten zwei Schulwochen nach den Ferien Maskenpflicht, um Ansteckungen durch Reiserückkehrer aus Risikogebieten möglichst einzudämmen. Sie wird von Montag an ausgesetzt. Nach Erhebungen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales wurden vom 2. bis zum 13. August knapp 60 Schüler positiv auf das Coronavirus getestet. Sie wie auch unmittelbare Kontaktpersonen mussten daraufhin der Schule fernbleiben.

Der neuen Corona-Schulverordnung des Landes zufolge sollen Schulen bei Infektionsfällen und Überschreitung bestimmter Inzidenzwerte in Kreisen und Städten nicht mehr automatisch und präventiv geschlossen werden. Die Entscheidungen darüber treffen die kommunalen Gesundheitsämter.

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule wird allerdings wieder zur Pflicht, sobald im Landkreis oder der kreisfreien Stadt die landeseigene Corona-Ampel an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Stufe Orange oder höher anzeigt. Am Sonntagnachmittag standen alle Regionen noch bei Grün oder Gelb. Das freiwillige Tragen der Maske ist weiterhin erlaubt. Für Schüler und Lehrer besteht laut Bildungsministerium weiterhin die Pflicht, sich zweimal pro Woche zu testen. Davon ausgenommen sind vollständig geimpfte oder genesene Personen.

Czerwinski äußerte sich froh darüber, dass «wirklich sehr selektiv mit positiv getesteten Schülern umgegangen wird und nicht ganze Klassen, Klassenstufen oder sogar Schulen in Quarantäne geschickt werden». Distanzlernen und Wechselunterricht - wie im vorigen Schuljahr fast an der Tagesordnung - dürfe es nicht mehr geben. «Die mit diesen Maßnahmen ausgelösten psychosozialen Erkrankungen bei Kindern sind sehr viel gravierender als die Infektion mit Corona», sagte Czerwinski unter Hinweis auf die in der Regel milden Krankheitsverläufe bei Kindern.

Laut Bildungsministerium wird es von diesem Dienstag an erste Corona-Impfangebote für Schüler an ihren Schulen geben. Wie ein Sprecher sagte, werden die Termine für die Corona-Schutzimpfungen in Abstimmung mit den zuständigen Gesundheitsbehörden der Kreise und kreisfreien Städte festgelegt und die impfwilligen Schüler darüber informiert.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) hatte zu Schuljahresbeginn Impfaktionen für Schüler im Alter ab 16 Jahren angekündigt. Landesweit sollten bis zu 50 mobile Teams an den Schulen zum Einsatz kommen. Allerdings blieb die Resonanz hinter den Erwartungen zurück. In einer landesweiten Befragung hatten laut Ministerium rund 1800 Schülerinnen und Schüler und damit etwa sechs Prozent dieser Altersgruppe ihr Interesse bekundet. Allerdings seien bis zum 20. August noch Nachmeldungen möglich, hieß es.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bislang noch keine generelle Empfehlung für das Impfen gegen das Coronavirus von Minderjährigen gegeben. Jedoch können sich 12- bis 17-Jährige nach ärztlicher Beratung und mit Zustimmung der Eltern impfen lassen, da etwa für den Impfstoff von Biontech/Pfizer und von Moderna eine EU-weite Zulassung für Menschen ab 12 Jahren besteht. Solange noch keine Stiko-Empfehlung vorliegt, will das Bildungsministerium sein Impfangebot an Schulen auf Schüler ab 16 Jahren begrenzen.

Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) haben im Nordosten bislang (Stand: Donnerstag) etwa 15 Prozent der Jugendlichen in der Altersgruppe 12 bis 17 mindestens eine Impfung erhalten, rund 10 Prozent auch die für den vollständigen Schutz erforderliche zweite.

15.08.2021

Lehrerverband will keine Impfungen in Schulen

Der Verband Erziehung und Wissenschaft (VBE) sieht mögliche Impfangebote in Schulen kritisch. «Impfbusse in die Schule zu schicken, halte ich für falsch», sagte der Landesverbandsvorsitzende Franz-Josef Meyer dem NDR Niedersachsen. Er befürchte Diskussionen mit Impfgegnern. Schülerinnen und Schüler würden außerdem indirekt unter Druck gesetzt, sich impfen zu lassen.

Das niedersächsische Kultusministerium plant nach den Sommerferien an den Schulen des Landes gezielte Corona-Impfaktionen auf freiwilliger Basis, Details sind aber noch nicht geklärt. Der Einsatz mobilder Impfteams sei denkbar, hieß es am Freitag. Die Impfzentren des Landes


12.08.2021

Ab Montag keine Maskenpflicht mehr an Schulen in MV

In Mecklenburg-Vorpommern können Schüler und Lehrer bald wieder ohne Maske durchatmen. Auch wenn die Corona-Infektionszahlen im Land aktuell steigen, wird die vorsorglich verhängte Maskenpflicht ausgesetzt.

An den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern wird die Maskenpflicht für Schüler und Lehrer - wie zu Beginn des Schuljahres angekündigt - von Montag an ausgesetzt. Dies gelte sowohl für den Unterricht als auch für den Aufenthalt im Schulgebäude oder auf dem Schulhof, teilte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Donnerstag in Schwerin mit. Sie hatte die Maskenpflicht für die ersten zwei Schulwochen nach den Ferien verfügt, um Ansteckungen durch Reiserückkehrer aus Risikogebieten möglichst einzudämmen.

«Für die Schülerinnen und Schüler ist es eine große Erleichterung, wenn sie im Unterricht keine Maske tragen müssen. Das gilt insbesondere für die Kleinen», erklärte Martin. Sie verwies auf die Regelungen in der neuen Schul-Corona-Verordnung. Wo die Corona-Ampel auf Grün oder Gelb stehe, müsse in der Schule keine Maske getragen werden. Doch sei das freiwillige Tragen einer Maske weiterhin erlaubt. Nur im Kreis Ludwigslust-Parchim und in Schwerin stand die Ampel am Mittwoch auf Gelb, in den anderen Regionen auf Grün.

In Mecklenburg-Vorpommern gilt eine Ampelregelung, die neben der Sieben-Tage-Inzidenz auch die Krankenhausbelegung berücksichtigt. Laut Schul-Corona-Verordnung wird das Tragen der Mund-Nase-Bedeckung in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt wieder zur Pflicht, sobald dort an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Stufe Orange oder eine höhere Stufe erreicht wird.

Für Schüler und das gesamte Schulpersonal besteht laut Martin weiterhin die Pflicht, sich zweimal pro Woche zu testen. Davon ausgenommen sind vollständig geimpfte oder genesene Personen. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales wurden landesweit bislang 37 Schüler mit einem positiven Corona-Befund registriert. Außerdem sei die Infektion bei einem Schulmitarbeiter nachgewiesen worden. Unmittelbare Kontaktpersonen mussten in Quarantäne.

«Die Tests schaffen Sicherheit in den Schulen. So können Verdachtsfälle frühzeitig erkannt werden, und die Gesundheitsbehörden können gezielt eingreifen», betonte Martin. Ziel bleibe, auch bei steigenden Inzidenzen den Präsenzunterricht abzusichern und flächendeckende, präventive Schulschließungen zu verhindern.

Rund 200 neue Corona-Fälle an Schulen im Norden

An den Schulen in Schleswig-Holstein sind von Montag bis Mittwoch dieser Woche insgesamt 199 Corona-Neuinfektionen gemeldet worden. 198 Fälle davon betrafen Schüler, einer eine Lehrkraft. Dies geht aus Angaben des Bildungsministeriums vom Donnerstag hervor. Der Anteil der Schüler an allen Neuinfektionen im Land ist unterschiedlich: Am Mittwoch waren es 49 von 266, am Dienstag 80 von 282 und am Montag 69 von 172. In der gesamten Vorwoche wurden 294 Schüler-Fälle gemeldet - bei 362 000 Schülern an fast 800 Schulen im Land. Derzeit ist keine Schule coronabedingt geschlossen, an 5 der 950 Standorte gibt es Beeinträchtigungen.

Bildungsministerin Karin Prien bekannte sich ausdrücklich zum Präsenzunterricht und betonte den Stellenwert des Impfens. «Im vergangenen Jahr wurde der Präsenzunterricht eingeschränkt, weil ältere Menschen und vulnerable Gruppen noch keine Impfangebote hatten», erläuterte die CDU-Politikerin. Die Situation habe sich geändert. Alle Schleswig-Holsteiner ab 12 Jahren hätten ein Impfangebot bekommen. «Von den Erwachsenen erwarte ich auch, dass sie es wahrnehmen, wenn es ihnen gesundheitlich möglich ist.»

Es sei ethisch nicht vertretbar, müssten Schüler auf Präsenzunterricht verzichten, weil sich Erwachsene nicht impfen lassen wollten, sagte Prien. Für Kinder sei Covid-19 kein solches Gesundheitsrisiko wie für Erwachsene. «Daher ist auch ein vermehrtes Auftreten von Infektionen mit leichten Verläufen bei Kindern und Jugendlichen kein Grund, um den Präsenzunterricht einzuschränken.»

Es gelte weiter der bewährte Mix aus regelmäßigen Testungen, Masken und Mindestabständen, wo keine Maske getragen wird. Die Infektionsschutzmaßnahmen reichten an den Schulen deutlich weiter als im privaten Bereich. «Lockerungen in allen gesellschaftlichen Bereichen dürfen jetzt nicht dazu führen, dass wieder strengere Regeln für die Schülerinnen und Schüler gelten», betonte Prien.

Ernst: Keine Notwendigkeit für Distanz- und Wechselunterricht

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat sich zuversichtlich gezeigt, dass der Unterricht an den Schulen trotz steigender Corona-Infektionszahlen im Regelbetrieb bleibt. «Für uns ist es in der Bewertung so, dass die Notwendigkeit, dass Kinder durch Distanz- und Wechselunterricht einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung des Infektionsgeschehens leisten, jetzt nicht mehr gegeben ist», sagte Ernst am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags.

Dies sei zunächst notwendig gewesen, um die Erwachsenen zu schützen, erläuterte Ernst, die auch Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist. Doch dies sei nun nicht mehr erforderlich, «weil Erwachsene in der Lage sind, sich selbst mit einer Impfung zu schützen». Allerdings müsse die regelmäßige Testpflicht für alle, die eine Schule betreten, aufrecht erhalten bleiben, um Infektionen schnell zu erkennen. Auch die Maskenpflicht in den Innenräumen sei eine wichtige Schutzmaßnahme. In den Grundschulen soll diese Pflicht jedoch nur in den ersten zwei Wochen nach den Ferien gelten.

Für Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren sollen Impftage an den Oberstufenzentren angeboten werden, kündigte die Ministerin an. Man gehe davon aus, dass Jugendliche in diesem Alter nach einer Beratung durch den Arzt selbst über ihre Impfung entscheiden könnten. Die Lehrkräfte und das weitere Personal seien zu 75 bis 95 Prozent gegen das Coronavirus geimpft, berichtete Ernst. Dies habe eine Umfrage unter den Schulleitungen ergeben.

In schlecht belüftbaren Klassenräumen sollen mit Mitteln des Bundes mobile Luftfilter eingesetzt werden, erklärte Ernst. Die notwendige Verwaltungsvereinbarung mit dem Bund könne bald unterschrieben werden. Zudem wolle das Land Luftfilter auch an weiterführenden Schulen fördern, wenn dort Räume schlecht belüftbar seien, kündigte die Ministerin an.

Eine Woche nach Ferienende nur wenig Corona-Fälle an Hamburgs Schulen

Seit einer Woche läuft die Schule in Hamburg wieder. Verglichen mit dem Ferienbeginn sind die Corona-Zahlen in der Stadt inzwischen durch die Decke gegangen. In den Schulen ist das noch nicht zu spüren.

Seit Beginn des neuen Schuljahres vor einer Woche sind der Hamburger Schulbehörde 193 infizierte Schülerinnen und Schüler gemeldet worden. Dabei handele es sich um Meldungen der Familien, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Sie seien nicht an den Schulen passiert, «sondern schon vor Beginn des Schulbetriebs und somit im privaten Umfeld, wahrscheinlich überwiegend beim Aufenthalt in Hochrisiko- oder Virusvarianten-Gebieten beziehungsweise in der Folge davon.»

Die Infektionszahlen zeigten «schmerzhaft», dass es vom Bund «mehr als fahrlässig war, die Corona-Einreiseregeln erst so spät und für Hamburg zu spät» anzupassen, sagte Rabe. Hamburg war nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern eines des ersten Länder, in denen die Ferien zu Ende gingen.

Seit vergangenen Donnerstag läuft der Unterricht in den Schulen wieder in voller Präsenz. Eine Auswertung der für Schüler verpflichtenden zwei Corona-Selbstschnelltest pro Woche wird laut Behörde erst Anfang kommender Woche vorliegen. Auch vier Schulbeschäftigte hätten sich seit dem Schulstart am vergangenen Donnerstag infiziert.

Die betroffenen Schüler machten etwa 0,08 Prozent der rund 257 000 Jungen und Mädchen an den Hamburger Schulen aus. Sie hätten die Schulen jeweils nicht betreten. Für vier Schulklassen sei von Gesundheitsämtern wegen möglicher Corona-Ansteckungen Quarantäne vorsorglich angeordnet worden. «Die Quarantäne-Maßnahmen beziehen sich auf vier Schulen», sagte Behördensprecher Peter Albrecht.

Eine Woche nach Schulbeginn seien noch keine Luftfilteranlagen in den Unterrichtsräumen aufgestellt worden. «Es ist ja gerade erst das Ausschreibungsverfahren abgeschlossen. Wir gehen von einer Belieferung der meisten Geräte bis zu den Herbstferien und einer Vollausstattung bis Ende Oktober aus», sagte er. Hamburg will in den Unterrichtsräumen rund 10 000 mobile Luftreiniger aufstellen und dafür bis zu 40 Millionen Euro investieren.

11.08.2021

Brandenburg plant Modellprojekte für Lolli-Tests in Schulen

Ein Corona-Test mit Lolli - dafür hat die Bundesregierung geworben. Nun will Brandenburg dafür Schulen suchen. Bildungsministerin Ernst sieht aber auch Nachteile.

Die Corona-Tests könnten an einigen Schulen in Brandenburg bald zum Lutschen sein: Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) plant entsprechende Modellprojekte. Bisher kommen Antigen-Schnelltests zum Einsatz, die zuhause in den Familien vorgenommen werden. «Wir wollen (...) mit diesen Lolli-PCR-Tests Erfahrungen sammeln und sind jetzt dabei, geeignete Schulen für ein Modellprojekt zu finden, um auch herauszufinden, ob es in einem Flächenland tatsächlich überall eingesetzt werden kann», sagte Ernst am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Potsdamer Landtages.

Die Ministerin sieht auch Nachteile in den Lolli-Tests, die sich an ganze Schulklassen richten. «Wir sind nicht der Meinung, dass das für einen flächendeckenden Einsatz jetzt die gute Lösung ist.» Bei gestiegenen Corona-Inzidenzwerten kämen die Labore nicht unbedingt hinterher, diese Tests zu bearbeiten. Die Auswertung der PCR-Tests zum Lutschen könne außerdem bis zu zwei Tage dauern - das hielten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei gestiegenen Inzidenzen nicht für optimal. Die Lolli-PCR-Tests seien allerdings genauer als Antigen-Schnelltests. Berlin wollte unterdessen sein Pilotprojekt mit Lolli-Tests von Kitas auf Schulen ausweiten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bildungsministerin Anja Karliczek (beide CDU) hatten die Länder dazu aufgerufen, Schulen und Kitas nach den Sommerferien über den flächendeckenden Einsatz von Lolli-Tests offen zu halten. Für Kinder unter 12 Jahre ist bisher kein Impfstoff zugelassen. Für Kinder ab 12 gilt eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) nur bei Vorerkrankungen oder beim Umgang mit gefährdeten Menschen. Die Gesundheitsminister der Länder hatten vereinbart, das Impfangebot für 12- bis 17-Jährige auf Impfzentren zu erweitern. In Brandenburg sind Impfungen in Oberstufenzentren für über 16-Jährige geplant.

Die Schnelltests sollen nach Angaben von Ernst kostenlos bleiben. Bund und Länder hatten vereinbart, dass Tests für alle grundsätzlich nur bis zum 10. Oktober kostenlos sind. Die Tests für Schulen sollen mindestens bis Ende des Jahres weiterhin beschafft werden. Der AfD-Abgeordnete Dennis Hohloch kritisierte dies, weil nur ein Bruchteil der Schüler und Lehrer positiv getestet worden sei. «Wir halten die Fortsetzung der Teststrategie für erforderlich und für notwendig», sagte Ernst. Damit könnten Infektionen entdeckt werden.

Der Bund fördert mobile Luftfilteranlagen in Schulen. Laut Ernst ist die Förderung bis zum Jahresende begrenzt, Brandenburg wolle diese aber darüber hinaus verlängern. Die Linksfraktion im Landtag forderte den Einsatz von Luftfiltern. Das Lüften sei zum Teil eine Zumutung, sagte ihre Bildungspolitikerin Kathrin Dannenberg. «Von daher können Luftfilteranlagen (...) durchaus helfen, dass wir die Schulen und Kitas offen halten.» Ihr Ministerium wies darauf hin, dass die mobilen Luftreiniger kein Ersatz für das Lüften ist.

Die Zahl neuer Corona-Infektionen stieg in Brandenburg so stark wie zuletzt Anfang Juni nicht mehr. Innerhalb eines Tages seien 94 neue Fälle hinzugekommen, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch. In den vergangenen sieben Tagen steckten sich 13,5 je 100 000 Einwohner an, der Wert betrug vor einer Woche noch knapp 10.

Diese Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun in zwei Landkreisen und zwei Städten über 20: Die Prignitz hat mit 36,8 weiter den höchsten Wert, gefolgt von Cottbus mit 22,1, Potsdam mit 20,5 und Ostprignitz-Ruppin mit 20,2. Wenn der Wert an fünf Tagen über 20 liegt, gilt wieder die Pflicht für Corona-Tests etwa für Hotels und Gaststätten drinnen. Die Lage in den Krankenhäusern ist laut Nonnemacher noch entspannt.

Sorgen und Kritik zum neuem Schuljahr - NRW gut gerüstet?

Für einen sicheren Start ins neue Schuljahr 2021/22 in NRW sieht das Schulministerium alles gut vorbereitet. Aus Elternschaft, von Lehrerseite und Opposition kommt dagegen Kritik. Die Sommerferien seien - wie schon 2020 - nicht gut genutzt worden. Kinderärzte sind in Sorge.

Vorfreude, Skepsis, Ängste: Wenn in einer Woche die Schule in Nordrhein-Westfalen wieder beginnt, lassen sich die Erschwernisse der Pandemie auch diesmal nicht ausblenden. Vor dem Start des neuen Schuljahrs 2021/22 am 18. August rücken Kinder- und Jugendärzte teils dramatische körperliche und psychische Folgen nach anderthalb Jahren Corona-Krise in den Fokus. Sie mahnen, weitere Schulschließungen wären «nicht verkraftbar». Aus Eltern- und Lehrerschaft kommt Kritik, die Sommerferien seien erneut nicht ausreichend für einen verbesserten Infektionsschutz genutzt worden. Schulministerin Yvonne Gebauer sieht die Schulen dagegen gut gerüstet.

Man habe die Ferien zur «umfassenden Vorbereitung für einen sicheren Schulstart nach den Ferien» genutzt, sagte die FDP-Politikerin vor wenigen Tagen. Es werde landesweit mit Präsenzunterricht gestartet, weiterhin gelte Maskenpflicht im Gebäude und Klassenraum. Bei den verpflichtenden zwei Tests pro Woche - nachweislich Geimpfte und Genesene werden davon befreit - seien alle organisatorischen und logistischen Vorkehrungen «für einen reibungslosen Ablauf ab Tag eins» getroffen. Für Luftfilter stellt das Land den Schulträgern erneut Millionenbeträge bereit. Eine Corona-Schutzimpfung wird für Schüler in NRW keine Voraussetzung sein, um am Präsenzunterricht teilzunehmen.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wies auf einen massiven Anstieg von psychischen Belastungen bis hin zu psychiatrischen Erkrankungen bei vielen Heranwachsenden hin. «Wir sehen in unseren Praxen dieselben Krankheitsbilder wie schon immer - nur in einem nie zuvor gekannten Ausmaß. Angst-, Schlaf-, Essstörungen, Konzentrationsproblematik, Aggressivität, Schulabsentismus, selbstverletzendes Verhalten, depressive Verstimmungen, manifeste Depressionen bis hin zu Suizidversuchen», schilderte NRW-Verbandschef Axel Gerschlauer. Therapieplatz-Mangel verschlimmere die Lage.

Fehlendes Freizeit- und Sportangebot in der Pandemie habe vermehrt zu Verzögerungen bei der grobmotorischen Entwicklung geführt, zu längerer Bildschirmzeit vieler Kinder und zu teils drastischem Übergewicht, berichtete Gerschlauer. «Vermutet werden muss ein Anstieg der körperlichen und seelischen Misshandlungen während des Lockdowns.» Er betonte: «Auch vor dem Hintergrund dieser dramatischen Zunahme an Belastungen und Erkrankungen der Kinder und Jugendlichen muss Präsenzunterricht gewährleistet sein. Eine vierte Welle mit Schulschließungen wäre nicht verkraftbar.» Das «Vertrauen in und die Hoffnung auf ein geregeltes Schuljahr» sei bei Eltern und Schülern allerdings gering.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mahnte mehr Anstrengungen für digitale Bildung an. Nur ein Drittel der Schulen sei ausreichend ausgestattet, monierte GEW-Landesvize Sebastian Krebs. Es brauche zudem umfassende Fortbildungen für Lehrkräfte und landesweit gültige Beurteilungskriterien für den Wechselunterricht.
Er befürchtet einen «unruhigen Herbst und Winter». Bei Prüfungen und Lehrplänen solle entschlackt werden.

Nach Einschätzung des Philologenverbands sind zusätzliche Lehrkräfte und weiteres Unterstützungspersonal wichtig. Lehrpersonal müsse von unterrichtfremden Aufgaben entlastet werden, verlangte die Landesvorsitzende Sabine Mistler. «Sie sind Experten für pädagogisches Handeln und Unterricht.» Und das müsse wieder in den Fokus rücken.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) bekräftigte, das Land stelle in einem zweiten Lüftungsprogramm rund 90 Millionen Euro bereit. Sie mahnte vom an der Finanzierung beteiligten Bund eine schnelle Verwaltungsvereinbarung an, ohne die das Land keine Förderrichtlinie erlassen und man in den Kommunen nicht an die Umsetzung gehen könne. Vertretern kommunaler Spitzenverbände zufolge ist Fensteröffnen die beste, an den meisten Schulen auch mögliche Methode. Lüftungsanlagen seien nicht zwingend überall erforderlich. GEW-Landeschefin Ayla Çelik, sagte dagegen, weil Luftfilter die Virenlast nachweislich senkten, seien sie als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme flächendeckend sicherzustellen.

Auch nach Ansicht der Grünen-Landtagsfraktion war die Förderung bei Luftfiltern bisher «halbherzig». Zudem müssten Testungen in den Schulen noch engmaschiger erfolgen. «Sichere Schulen sehen anders aus.» SPD-Fraktionsvize Jochen Ott bemängelte, das Verfahren in Sachen Quarantäne bleibe ungewiss. Offen sei, wie die Schulen verfahren sollten, wenn ein Kind positiv getestet werde - ob dann die gesamte Klasse in Quarantäne müsse oder ob dies nur für die direkten Sitznachbarn gelte. Würden trotz eines Infektionsfalls Schüler in der Klasse belassen, müsse dort deutlich mehr getestet werden.

SPD fordert Klarheit für Schulen bei Quarantäne

Die oppositionelle SPD hat eine Woche vor dem Schulstart in Nordrhein-Westfalen klare Vorgaben zum Thema Quarantäne verlangt. Die schwarz-gelbe Landesregierung lasse offen, wie die Schulen verfahren sollten, wenn ein Kind positiv getestet werde, kritisierte SPD-Vizefraktionschef Jochen Ott. Es sei unklar, ob dann die gesamte Klasse in Quarantäne müsse oder ob dies nur die direkten Sitznachbarn müssten. Würden trotz eines Infektionsfalls Schüler in der Klasse belassen, müsse dort deutlich engmaschiger getestet werden.

Ott, der auch schulpolitischer Sprecher der SPD ist, forderte zudem am Mittwoch in Düsseldorf mobile Teams möglichst an allen Schulen - zum Testen auf Corona, aber bei älteren Schülern ab 12 Jahren auch für Impfangebote. Allen Eltern müsse Beratung angeboten werden. Um Lernrückstände nach anderthalb Jahren Pandemie aufzuholen, solle man bei Lehrplänen und Leistungsüberprüfungen «Druck aus dem System nehmen». Lernstände sollten individuell erfasst werden, Lehrkräfte sollten für jedes Kind einen eigenen Förderplan erstellen.

Der SPD-Politiker kritisierte, ähnlich wie zu Beginn des vergangenen Schuljahres lasse die Landesregierung eine «klare, stringente Vorgehensweise» vermissen. Schulen und Familien müssten auch 2021/22 erneut mit vielen kurzfristig geänderten Vorgaben je nach Inzidenzwert-Entwicklung rechnen.

Bildungsminister besucht Lerncamp: Lernrückstände schwer zu messen

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hat am Mittwoch ein Lerncamp in Naumburg (Burgenlandkreis) besucht. Das Camp soll Schülern auf freiwilliger Basis helfen, den coronabedingt entstandenen Lernrückstand zu vermindern, teilte eine Sprecherin mit. «Uns ist bewusst, dass (...) nicht alle Schülerinnen und Schüler vom Distanzunterricht gleichermaßen profitieren konnten. Lerncamps sind daher eine geeignete Maßnahme, um entstandene Lerndefizite auszugleichen», sagte Minister Tullner bei dem Besuch.

Zielgruppe seien Schülerinnen und Schüler der siebten und achten Klassen der Sekundar- und Gemeinschaftsschulen. An insgesamt drei Jugendherbergs-Standorten fänden die fünftägigen Lerncamps für je rund 20 Schülerinnen und Schüler statt, erklärte die Ministeriumssprecherin. Weitere Standorte befänden sich in Schierke (Harz) und Dessau-Roßlau. Die Lerncamps sind im Bildungsministerium eigens konzipiert worden.

«Zum Umfang von Lernrückständen sind keine quantitativen Aussagen möglich», schrieb die Sprecherin. Die Zahl der Nicht-Versetzten und Wiederholer läge noch nicht vor, zumal insbesondere das freiwillige Wiederholen noch bis zu Beginn des neuen Schuljahres beantragt werden könne.

10.08.2021

Elternverband fordert Verbot von Distanzunterricht bis zur 6. Klasse

Distanzunterricht erst ab der sechsten Klasse und auch dann nur in Ausnahmefällen, neue Quarantäneregeln und die komplette Kostenübernahme für Raumluftfilter: Das sind einige der Forderungen, die der Bayerische Elternverband (BEV) in einem offenen Brief an die Staatsregierung stellt. «Kinder und Eltern haben in den letzten beiden Schuljahren unverhältnismäßig viele und schwere Opfer gebracht», heißt es in dem am Dienstag in Rosenheim veröffentlichten Schreiben.

Deshalb müsse die Sicherung des Präsenzunterrichtes oberste Priorität haben, argumentiert der Verband mit Blick auf Bildungsverlust, Sozialkontakte und psychische Probleme von Kindern und Jugendlichen. Um den Unterricht in den Schulgebäuden sicherzustellen, müssten die Pooltestungen bis zur sechsten Klasse ausgeweitet werden. Auch sollten die Quarantäneregeln nicht immer gleich das Ausschließen ganzer Klassen zur Folge haben. Nötig sind aus Verbandssicht zudem verbindliche Regeln zu Luftreinigungsanlagen, die noch dazu in voller Höhe und nicht nur zu Hälfte vom Freistaat finanziert werden sollten.

Untersuchung: Corona-Dunkelziffer bei Kindern in Vorpommern niedrig

Viel wurde über die Dunkelziffer von mit dem Coronavirus infizierten Kindern spekuliert. Eine Untersuchung in Vorpommern kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Untersuchungen der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) zufolge ist die Zahl unerkannter Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen in Vorpommern niedrig. Von 526 ausgewerteten Proben habe nur bei maximal 12 eine unerwartete Corona-Infektion nachgewiesen werden können, sagte Almut Meyer-Bahlburg auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Sie schließe daraus, «dass wir eine relativ niedrige Dunkelziffer haben», sagte die Oberärztin der Kinderklinik der UMG, die das Projekt leitet. Sie habe mit einer höheren Dunkelziffer gerechnet.

Seit Ende des vergangenen Jahres prüfen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Blutproben, die bei Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren anfallen. Die Teilnahme erfolgt nach Zustimmung der Eltern beziehungsweise der Jugendlichen. Die Daten seien «halbwegs repräsentativ», sagte Meyer-Bahlburg. Die UMG kooperiert dazu mit Krankenhäusern in Pasewalk, Stralsund, Anklam, Demmin, Bergen und einer Praxis in Greifswald. Die untersuchten Proben reichten bis etwa Mitte Juli.

Insgesamt seien 18 Proben positiv gewesen. Bei vier der getesteten Probanden sei die Infektion bereits diagnostiziert gewesen. Bei zwei stammten die Antikörper von einer Impfung. Sechs Probanden hatten laut einem zur Untersuchung gehörenden Fragebogen zumindest Kontakt mit coronapositiven Menschen, bei zwei fehlte der Fragebogen. In vier Fällen sei die Infektion gänzlich unerwartet gewesen.

«Ich schließe daraus, dass die Hygienemaßnahmen schon gegriffen haben», sagte Meyer-Bahlburg. «Denn sonst hätten wir ja viel mehr.» Auch das Homeschooling und der eingeschränkte Schul- und Kindergartenbetrieb habe offenbar einen Effekt gehabt. «Jetzt muss man mal sehen, was im Herbst kommt.» Wenn die Schulen offen bleiben, erwartet Meyer-Bahlburg mehr positive Proben. Die Untersuchungen sollen nach jetzigem Stand bis ins kommende Frühjahr fortgesetzt werden.

 

05.08.2021

Gericht lehnt Eilantrag gegen Corona-Impfungen an Schulen ab

Das Verwaltungsgericht in Schleswig hat einen Eilantrag gegen Corona-Schutzimpfungen an Schulen als unzulässig abgelehnt. Die Antragsstellerin wollte mit ihrem Antrag demnach erreichen, dass das Impfen von Schülerinnen und Schülern an den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein unterlassen wird. Der Frau, mutmaßlich Mutter eines betroffenen Kindes, fehle bereits die erforderliche Befugnis zur Klage, teilte das Gericht am Donnerstag mit.

Beim Impfen in der Schule handele es sich um ein freiwilliges Angebot, das niemand annehmen müsse. Es werde auch weder von den Eltern noch von den Schülerinnen und Schülern, die die Möglichkeit nicht annehmen möchten, eine Erklärung verlangt (Az. 1 B 104/21).

Vom 19. August an können sich in Schleswig-Holstein an den 250 Standorten von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien Schülerinnen und Schüler ab zwölf Jahren sowie alle Beschäftigten gegen das Coronavirus impfen lassen.

Gegen den Beschluss des Gerichts von Mittwoch kann innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht eingelegt werden.

Britische Schulen stellen Regierung vernichtendes Corona-Zeugnis aus

Britische Schulleiter haben ihrer Regierung einer Umfrage zufolge für die ersten Monate der Pandemie ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Von knapp 300 Befragten gaben mehr als 70 Prozent der Leitenden an, es habe «zu viel Input und zu viele Informationen» gegeben, wie aus einer Analyse im «British Educational Research Journal» hervorgeht.

Die Umfrage von Forschern der Universität Cambridge und des University College London bezieht sich auf die ersten drei Monate der Pandemie im vergangenen Jahr, in der die Schulen zuerst geschlossen waren und dann teilweise wieder ihren Betrieb aufnahmen. In dieser Zeit gab es den Studienautoren zufolge mehr als 200 Änderungen an gesetzlichen Vorgaben, die sich teilweise mehrmals täglich änderten. Ein Problem sei gewesen, dass die Öffentlichkeit Änderungen oft zeitgleich mit den Schulen erfahren habe. So hätten Eltern bereits angerufen, bevor Schulleiter die neuen Vorgaben hätten lesen können.

«Wir dachten, die größte Herausforderung für Schulleiter während des Lockdowns sei das Wohl der Schüler gewesen», sagte Erstautor Peter Fotheringham laut einer Mitteilung. Tatsächlich sei aber die Kommunikation des Bildungsministeriums und anderer Behörden für die Schulleiter «überwältigend» gewesen. Immer wieder sei das Wort «Lawine» für das Ausmaß an Informationen und darauffolgenden Änderungen in den Befragungen gefallen.

Die Forscher verweisen darauf, dass auch während der Schweinegrippe im Jahr 2009 britische Schulen geschlossen waren, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Es hätte also bekannt sein können, dass Ankündigungen der Regierung Schulen vor Probleme stellen können. «Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass wir diese Lektionen nicht gelernt haben», so Fotheringham.

Nur 16 Prozent sehen Schulen besser für Corona-Krise gewappnet

Nur wenige Bürger sehen die Schulen nach den Sommerferien besser gegen die Herausforderungen der Corona-Krise gewappnet als zum Schulstart vor einem Jahr. Optimistisch zeigten sich in einer YouGov-Befragung lediglich 16 Prozent, während 14 Prozent sogar der Meinung waren, die Schulen seien diesmal schlechter vorbereitet. Etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) meinten, die Schulen seien gleich gut oder schlecht auf das nächste Schuljahr im Zeichen der Pandemie eingestellt. Keine Angabe machten 16 Prozent. Befragt wurden nur Erwachsene ab 18 Jahren, also nicht die Schülerinnen und Schüler selbst.

Am heutigen Donnerstag beginnt die Schule wieder in Hamburg. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein büffeln die Schülerinnen und Schüler bereits wieder seit Montag. Zum Ferienende ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ebenfalls gegen eine Covid-19-Erkrankung geimpft werden sollen.

Kritik von Eltern und Lehrern an Präsenzpflicht ohne Luftfiltergeräte

Präsenzunterricht hat absoluten Vorrang im kommenden Schuljahr. Ein coronabedingtes Anrecht auf Fernunterricht besteht nur noch sehr eingeschränkt. Eltern, die die Präsenzpflicht ihrer Kinder ohne ärztliche Bescheinigung verletzen, müssen mit Sanktionen rechnen.

Im vergangenen Schuljahr konnten Eltern ihre Kinder wegen Corona einfach daheim online unterrichten lassen - das ist ab Mitte September nur noch sehr eingeschränkt möglich. «Für die Befreiung vom Präsenzunterricht bedarf es im neuen Schuljahr besonderer, durch ein ärztliches Attest bestätigter Gründe», sagte der Bildungsdezernent des Städtetags, Norbert Brugger. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte eine Ausrüstung aller Klassenräume an den 4500 Schulen im Land mit Luftreinigungsgeräten als Vorbedingung einer Präsenzpflicht.

«Die Kommunen müssen erst ihrer Verantwortung nachkommen und die Technik für alle Unterrichtsräume bereitstellen», sagte GEW-Landeschefin Monika Stein.

Auch mit Blick auf eine vierte Infektionswelle sei diese Sicherheitsmaßnahme immens wichtig. «Die meisten Kommunen schnarchen leise vor sich hin, obwohl es schon vor über einem Jahr klar war, dass wir solche Geräte brauchen.» Auch ohne Kenntnis der noch ausstehenden Förderrichtlinie hätten Gemeinderäte bereits vorbeugende Beschlüsse fassen können.

Ungeachtet der GEW-Forderung wird im neuen Schuljahr die Befreiungsregelung verschärft. Im vergangenen Schuljahr genügte eine formlose Abmeldung vom Präsenzunterricht durch die Eltern oder durch die volljährigen Schüler selbst. Eine Befreiung von der Präsenzpflicht ist jetzt nur möglich etwa, wenn im Falle einer Covid-19-Erkrankung mit einem besonders schweren Krankheitsverlauf für den Schüler oder für einen mit ihm eng zusammen lebenden Menschen zu rechnen ist. Nur in einem solchen Fall könne die Schulpflicht durch Fernunterricht erfüllt werden. Gewerkschafterin Stein begrüßte die Regelung. In anderen Bundesländern gebe es keinerlei Ausnahmen, was die Familien in «fürchterliche Situationen» bringe.

Der Umfang der coronabedingten Befreiungsfälle war bislang mit rund einem Prozent aller Schüler sehr gering. In diesem vom Kultusministerium im vergangenen Oktober erhobenen Wert sind nicht nur die aus gesundheitlichen Gründen Befreiten, sondern auch solche Kinder und Jugendliche enthalten, die aus dem Radar der Lehrer verschwanden. Diese wieder «einzufangen» und etwaige Lernrückstände aufzuholen, sei ein Grund für die jetzt striktere Handhabung, sagte ein Ministeriumssprecher.

Der Gesamtelternbeirat Mannheim forderte mehr Ehrlichkeit beim Thema Präsenz. Schulen im Norden Deutschlands seien wegen Corona-Ausbrüchen schon wieder geschlossen worden, sagte GEB-Chef Thorsten Papendick. «Das zeigt schon, wohin die Entwicklung geht.» Er betonte: «Die Eltern wollen Präsenz und maximale Sicherheit.» Sie hätten in der Pandemie gelernt, dass sie keine Pädagogen seien. In vielen Familien arbeiteten beide Eltern, die deshalb auf die Schulen angewiesen seien.

Letztendlich würden die meisten ihre Kinder zur Schule schicken. Der GEB hat eine Petition für die Installation von Luftfiltern in allen Unterrichtsräumen der Mannheimer Schulen gestartet.

In Baden-Württemberg ist Schülern, die weder zwei Testnachweise pro Woche noch Nachweise von Impfung oder Genesung vorlegen, der Schulbesuch verboten, ohne dass sie ein Anrecht auf Fernunterricht hätten. Ihr Fernbleiben wird als Verletzung der Schulpflicht gewertet. Wenn Überzeugungsarbeit und Ordnungsmaßnahmen wie Nachsitzen nicht fruchten, können Kommunen ein Bußgeld verhängen. Dessen Höhe liegt zwischen 5 und 1000 Euro je nach Einzelfall. Bei beharrlicher Weigerung können die Regierungspräsidien (RP) ein Zwangsgeld festsetzen. Dieses liegt nach Angaben des RP Tübingen erfahrungsgemäß zunächst im niedrigen dreistelligen Eurobereich und kann erhöht werden.

Die rund 1,5 Millionen Schüler erwartet zudem vom Schulbeginn am 13. September bis einschließlich 26. September eine Maskenpflicht - unabhängig von der aktuellen Sieben-Tage-Inzidenz. Grund: Schutz vor der Ausbreitung von Virusvarianten durch Reiserückkehrer.


Vom 18.07.2021 bis zum 04.08.2021 war der Ticker in Sommerferien.

17.07.2021

Abschluss in der Pandemie: Letzte Abibälle der Saison stehen an

Mehrere Monate sind Schüler ganzer Jahrgangsstufen nicht mehr in größeren Gruppen zusammengekommen. Sinkende Corona-Werte machten vielerorts aber rechtzeitig Abibälle möglich. Kurz vor den Ferien sind einige Feiern nun doch wieder von Verschärfungen betroffen.

Für die letzten Abschlussfeiern in Niedersachsen vor den Ferien bereitet den Schulabgängern die steigende Corona-Inzidenz Sorge - teils gelten kurzfristig auch verschärfte Auflagen für die Partys. «Die meisten Abi-Bälle sind zwar mittlerweile durch, für die noch ausstehenden Feiern sind die höheren Werte und die Deltavariante aber sicher ein großes Thema, sagte Justus Scheper vom Landesschülerrat Niedersachsen. Er hoffe, dass die verbleibenden Veranstaltungen nicht in Gefahr kommen.

Reagieren müssen etwa die Veranstalter der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Hemmingen für ihre am Samstag geplante Feier im Hangar No.5 in Hannover. Denn in der Region gelten seit Donnerstag wegen einer Inzidenz über 10 verschärfte Corona-Auflagen, die auch Auswirkungen auf Abibälle haben. Bei Feiern mit einem offiziellen Veranstalter sind Masken zu tragen und die Abstandsregeln einzuhalten. Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 100 Gästen, die teilweise auch stehen, müssen vorab genehmigt werden.

«Wir machen jetzt das Beste draus», sagte der Geschäftsführer des Hangar No.5, Martin Diedloff. Die Enttäuschung bei den Schülerinnen und Schülern sowie seiner Firma sei aber riesengroß. Als Konsequenz der Verschärfungen muss der Ball nun kleiner ausfallen als geplant. «Und wer wird schon gerne ausgeladen?», fragte Diedloff. Er selbst müsse sich vor allem um die zu große Menge an Lebensmitteln kümmern.

Die kurzfristige Verschärfung ist aus Sicht des Geschäftsführers Diedloff ein großes Problem. Nach den zuvor sinkenden Zahlen hätten die Veranstalter gerade erst den Personenkreis für ihren Ball erweitert. Erst vor wenigen Tagen hatte die Schillerschule aus dem Stadtteil Kleefeld mit 250 Gästen laut Diedloff problemlos bei ihm gefeiert - ohne Maskenpflicht. Die Feiernden jetzt müssten wieder Maske tragen, wenn sie nicht sitzen.

Die Schülerinnen und Schüler hätten es sich nach anstrengenden eineinhalb Jahren verdient, doch noch mal mit dem gesamten Jahrgang zu feiern, sagte Landesschülerrat Scheper. «Das würde zumindest einen würdigen Abschluss markieren». Für die Stufen in diesem Jahr sei es überhaupt nicht einfach gewesen, Termine und Orte zu finden, berichtete der 18-Jährige aus Nordhorn. Räumlichkeiten wurden Scheper zufolge auch kurzfristig abgesagt.

Außer in Hannover sollen auch andernorts in Niedersachsen noch Abibälle durchgezogen werden. In der Hildesheimer Volksbank-Arena ist laut einer Sprecherin in den kommenden Tagen fast täglich ein Abschluss geplant. In dem Landkreis lag die Inzidenz am Freitag mit 5,8 aber deutlich unter 10. Für Samstag werden zur Feier des Otto-Hahn-Gymnasiums Springe 500 Gäste erwartet, am Sonntag sollen es etwa 400 Feiernde von der Albert-Einstein-Schule Laatzen sein.

Studie rät zu intelligenter Schüleraufteilung im Wechselunterricht

Präsenzunterricht soll im kommenden Schuljahr Vorrang haben. Sollte es coronabedingt anders kommen, könnten sich Bildungspolitiker an der Studie einer Forschergruppe mit Mannheimer Beteiligung orientieren. Die rät im Ernstfall zu intelligentem Wechselunterricht.

Vor dem Beginn des neuen Schuljahres raten Soziologen von der Universität Mannheim bei Wechselunterricht Freundschaften unter den Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen. Wer bei steigenden Corona-Fallzahlen Infektionsausbrüche an Schulen vermeiden oder abmildern wolle, müsse die Schüler intelligent aufteilen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES) und der Columbia University (USA).

Die in der Fachzeitschrift «The Lancet Regional Health – Europe» erschienene Studie hatte Kontakte zwischen 14- und 15-Jährigen in 507 Klassen in weiterführenden Schulen in England, den Niederlanden, Schweden und Deutschland analysiert. Dabei hat das Forschungsteam herausgefunden, dass die zufällige Verteilung der Schüler in zwei Gruppen am wenigsten gegen die Ausbreitung der Infektion wirkte.

Eine Aufteilung nach Geschlecht sei deutlich effektiver, da sich Kinder und Jugendliche im Schulalter eher mit Angehörigen des eigenen Geschlechts träfen. Zusätzliche Kontakte und damit Ansteckungen zwischen den Geschlechtergruppen seien daher nicht so häufig.

Als besonders wirksam erwies sich die Aufteilung, die die von den Schülerinnen und Schülern in Befragungen angegebenen Sozialkontakte berücksichtigte. Auch die Wahrscheinlichkeit für sogenanntes Superspreading – also relativ viele Ansteckungen, ausgehend von wenigen Infizierten – lasse sich mit dieser Form der Gruppenbildung anhand von Freundschaften verringern.

Außerdem konnte das Forschungsteam zeigen, dass der wechselnde Unterricht geteilter Schulklassen im wöchentlichen Turnus Infektionsketten besser unterbrechen kann als Unterrichtsformen, bei denen die Klassenhälften am selben Tag in der Schule präsent sind und beispielsweise unterschiedliche Räume zu verschiedenen Zeiten nutzen. Wöchentlicher Wechsel wirke wie eine Art kurze Quarantäne, während der ein aufkeimendes Infektionsgeschehen abklingen könne, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

Ministerpräsident Kretschmer gegen neue Schulschließungen wegen Corona

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich angesichts steigender Inzidenzen gegen erneute Schulschließungen ausgesprochen - und für die Impfung von Kindern und Jugendlichen. Offene Schulen und Kindergärten seien eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, aber auch der psychischen Gesundheit von Kindern und Familien, sagte der CDU-Politiker im Interview der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Samstag). Der Fehler, die Schulen zu schließen, dürfe nicht wiederholt werden.

Kretschmer plädierte für Impfungen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Sachsen habe genügend Impfstoffe und viele Kinderärzte, die bereit seien, junge Menschen zu impfen. Er hoffe auf eine entsprechende generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) in den nächsten Tagen. «Dann hätten wir noch mehr Sicherheit und Akzeptanz. Es gibt einen großen Teil der Bevölkerung, der sich sehr nach den Kriterien der Stiko richtet.»

16.07.2021

Mehr als 60 Prozent der Schulen in Bremen mit Luftfiltern

Die Stadt Bremen kann zum kommenden Schuljahr mehr als 60 Prozent ihrer Schulen mit Luftfiltern zur Abwehr von Coronaviren ausstatten. In den vergangenen Monaten seien bereits mehr als 2500 mobile Luftreinigungsanlagen für Klassenzimmer beschafft worden, in denen nicht optimal gelüftet werden kann. Das teilte das Schulressort am Freitag mit. «Da Luftfilteranlagen zum sicheren Präsenzunterricht und damit auch zur möglichst uneingeschränkten Entwicklung von Kindern beitragen, darf an dieser Stelle nicht gespart werden», sagte die neue Bildungssenatorin Sascha Karolin Aulepp (SPD).

Auch Bremerhaven komme bei der Anschaffung von Luftfiltern voran, sagte ein Sprecher. Das Bundesland sehe sich deshalb weit vorn bei der Ausstattung seiner Schulen. Der 1,2 Milliarden Euro große Bremen-Fonds zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hat auch einen 48,6 Millionen Euro großen Topf für technische Beschaffung. Daraus werden die Luftfilteranlagen bezahlt.

Laumann: NRW-Kabinett berät über Lüftungstechnik an Schulen

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will in ihrer Sondersitzung zur Hochwasserkatastrophe auch über den Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten in Schulen beraten. In der Kabinettssitzung am Freitag werde es auch um die Frage gehen, «was man noch an der Lüftungstechnik der Schulen machen kann», sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Radioprogramm WDR5.

Laumann betonte, mobile Lüfter könnten beim Schutz vor Corona-Ansteckungen «eine Ergänzung sein, aber kein Ersatz fürs Lüften». Das hätten wissenschaftliche Studien gezeigt. Wenn jemand glaube, «das Problem sei in den Schulen gelöst durch die Aufstellung von mobilen Lüftungsanlagen, dann wird er sich wundern, was er an Infektionen bekommen wird», sagte der Gesundheitsminister.

Unter anderem hatte eine Elterninitiative Ende Juni mobile Raumluftfilter in jedem Klassenzimmer in Nordrhein-Westfalen gefordert, um in der Pandemie flächendeckend Präsenzunterricht zu sichern. Der Schulunterricht beginnt nach den Sommerferien Mitte August.

Laumann äußerte sich zufrieden zum Stand der Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen. Bis zum Ende der Sommerferien würden mindestens 70 Prozent der Menschen in NRW zweimal geimpft sein. «Die Impfkampagne wird bis dahin weitestgehend abgeschlossen sein», sagte der Minister. Dann müssten noch die Nachzügler erreicht werden, um eine höhere Quote zu erzielen.

Letzter Schultag: «Keine Corona-Zeugnisse zweiter Klasse»

Vor den Sommerferien werden die schulischen Leistungen benotet. In einem Jahr soll es in Rheinland-Pfalz an zwölf Pilotschulen auch erstmals digitale Zeugnisse geben.

Trotz aller Einschränkungen des Unterrichts in der Corona-Pandemie haben die am letzten Schultag vor den Sommerferien ausgeteilten Zeugnisse nach Überzeugung des Bildungsministeriums ihren vollen Wert. «Es sind keine Corona-Zeugnisse zweiter Klasse», sagte Staatssekretärin Bettina Brück (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Es habe eine reguläre Notenfeststellung gegeben, so dass auch die Zeugnisse vom Freitag aussagekräftig seien.

«Wir haben wegen der Corona-Situation lediglich die Möglichkeit zugelassen, dass weniger Klassenarbeiten geschrieben werden», erklärte Brück, die mit Bildung der neuen Landesregierung vom Parlament ins Ministerium gewechselt ist. «Dafür waren dann andere Leistungsnachweise zu erbringen wie Referate, Projektarbeiten oder mündliche Leistungen.»

Im neuen Schuljahr, das am 30. August beginnt, soll es in Rheinland-Pfalz erstmals auch digitale Zeugnisse geben. Zwölf Schulen, die Hochschule Koblenz, die Technische Hochschule Bingen sowie die Universität Mainz wirken gemeinsam mit Berlin und Nordrhein-Westfalen an einem Pilotprojekt zur Einführung digitaler Zeugnisse mit. Das Projekt ist Teil der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG), das bis Ende 2022 alle Verwaltungsakte im Internet ermöglichen soll.

«Ziel ist die Vergabe der ersten digitalen Zeugnisse im Schuljahr 2021/22», sagte Brück. Zeugnisse zum Anfassen in Papierform werde es auch künftig geben. Aber mit dem digitalen Zeugnis werde ein Nachweis der erbrachten Schulleistungen möglich, ohne dass wie bisher Kopien beglaubigt werden müssten. «Das befreit die Sekretariate der Schulen von Arbeiten und vereinfacht Bewerbungen der Schulabgänger.»

Viel Arbeit statt Ferien gibt es jetzt für die Schulplaner im Bildungsministerium und in der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). «Die Planung des neuen Schuljahrs ist immer ein Riesenunterfangen, ein Großprojekt, das jährlich mit Beginn der Sommerferien seinen Höhepunkt erlebt», sagte die Staatssekretärin im Bildungsministerium, Bettina Brück (SPD). «Grundlage dafür sind Prognosen zur erwarteten Zahl der Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig erhoben werden.»

«Diesen Bedarf bringen wir mit der Planung des bestmöglichen Einsatzes der Lehrkräfte zusammen, damit alle Schulen versorgt sind und wir für die anstehenden Fächerkombinationen die benötigten Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte zur Verfügung haben», sagte Brück im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. In Gliederungsbögen stellen die Schulen dar, wie viele Schülerinnen und Schüler in welchen Klassenstufen zu erwarten sind.

Für die Grundschulen liegen die wichtigsten Daten der Anmeldezahlen zum neuen Schuljahr bereits Anfang März vor. Alle Kinder, die bis zum 31. August sechs Jahre alt werden, sind schulpflichtig. Ihre Anmeldungen finden traditionell im Herbst vor Beginn des neuen Schuljahres statt. Wer nach dem 1. September den sechsten Geburtstag hat, gilt als «Kann-Kind» und wird in der zweiten Februarhälfte angemeldet.

Die benötigten Planstellen werden der Schulaufsicht im Mai vom Ministerium zugewiesen. Dann kann die ADD mit der konkreten Planung an den einzelnen Schulen beginnen. «Das ist ein stetiger Prozess, der zu den Sommerferien noch nicht abgeschlossen ist», erklärte Brück. «Dann beginnt die heiße Phase bei der Schulaufsicht, vor allem wenn noch neue Lehrkräfte rekrutiert werden müssen.» Die Detailplanung der Ausstattung mit Lehrkräften bis zur Zuweisung zu den einzelnen Schulen findet in den Ferien statt. «Viele Lehrerinnen und Lehrer wissen aber schon zu Beginn der Ferien, wo sie im neuen Schuljahr eingesetzt werden.»

Brück erwartet, dass es im Schuljahr 2021/22 voraussichtlich erstmals seit 2004/05 wieder steigende Schülerzahlen geben wird - etwa 1300 Schülerinnen und Schülern mehr als im jetzt abgeschlossenen Schuljahr. Ein Grund könnte die Corona-Pandemie sein mit der Möglichkeit, ein Schuljahr zu wiederholen. «Gerade in den Abschlussklassen haben manche wegen ungewisser Perspektiven die Möglichkeit genutzt, länger in der Schule zu bleiben», sagte Brück.

Vor allem müsse jetzt darauf geachtet werden, wie sich die Corona-Situation auf die Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern ausgewirkt habe. «Die Lehrerinnen und Lehrer sind gehalten, Lernrückstände zu ermitteln und Bereiche mit Nachholbedarf zu identifizieren», erklärte Brück. Dafür gebe es unterschiedliche Diagnose-Tools wie die bundesweit eingeführten Lernstandserhebungen Vera 3 und Vera 8 für das dritte und das achte Schuljahr. «Es geht nicht nur darum, Wissen nachzuholen, sondern auch darum, allgemein soziale Kompetenzen zu schärfen und das gemeinsame Miteinander zu gestalten.»

15.07.2021

Ministerin will trotz Delta Präsenzpflicht an Schulen nach Ferien

Noch zehn Tage Schule, dann sind Sommerferien im Südwesten. Aber wie geht es am 13. September weiter, wenn Delta die Inzidenz nach oben treibt? Die Ministerin will neue Schulschließungen unbedingt vermeiden - doch in der Corona-Krise kam es schon öfter anders.

Trotz der Gefahr einer vierten Corona-Welle im Herbst geht Kultusministerin Theresa Schopper davon aus, dass es nach den Sommerferien wieder Präsenzpflicht an den Schulen gibt. «Wir haben es fest vor», sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag in Stuttgart. Sie sei sehr zuversichtlich, dass die «Korsettstangen der Sicherheit» ausreichten, um in Vollpräsenz in die Klassenzimmer zurückzukehren. Schopper sprach sich dafür aus, die Inzidenz nicht mehr als einzigen Maßstab für Corona-Auflagen zu nehmen, um Schulen offen lassen zu können. Da die Sommerferien erst Mitte September enden, habe man aber noch Zeit, das Infektionsgeschehen zu beobachten. Die SPD hielt der Ministerin vor, noch kein schlüssiges Konzept zu haben, um den Präsenzunterricht abzusichern.

Schopper rechnet damit, dass viele ungeimpfte Kinder und Jugendliche sich mit der aggressiveren Deltavariante anstecken werden. «Delta wird sich in den Schulen breitmachen, da muss man sich nichts vormachen.» Allerdings zeichne sich ab, dass es bei Schülerinnen und Schülern nur leichte Verläufe wie Husten oder Schnupfen gebe. Es sei übertrieben, an Schulschließungen zu denken, wenn Kinder und Jugendliche im Wesentlichen «einen Packen Taschentücher» bräuchten. Zwar müsse man noch genau schauen, ob es sogenannte Long-Covid-Folgen bei Jüngeren gebe. Sie sei aber zuversichtlich, dass die Deltavariante keine Schüler und Schülerinnen «niederstreckt».

Die Ministerin hält es deshalb nicht für nötig, dass die Schulen wieder geschlossen werden müssen, wenn die Inzidenzen «in die Höhe schnellen». Bisher müssen gemäß der Bundesnotbremse bei einer Inzidenz von 165 die Schulen geschlossen werden. Für die Notbremse sei entscheidend gewesen, dass die Krankenhäuser nicht überlastet werden sollten. Wenn sich aber künftig vor allem Kinder und Jugendliche ansteckten und milde Verläufe hätten, sei das eine andere Lage.

Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei widersprach der Ministerin: «Offenbar unterschätzt Frau Schopper die Delta-Variante. Während die Wissenschaft sehr eindringlich warnt, legt Grün-Schwarz bei den Schulen weiter die Hände in den Schoß. Offensichtlich hat die Landesregierung aus dem Jahr 2020 rein gar nichts gelernt.» Er erneuerte die Forderung der SPD, Luftfilter in allen Klassenzimmern zu installieren. Grün-Schwarz hat angekündigt, den Kommunen als Schulträgern 60 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um Filtergeräte oder CO2-Ampeln anzuschaffen. Das sei zu wenig und werde der Lage nicht gerecht, sagte Fulst-Blei.

Schopper machte deutlich, dass auch für Lehrkräfte Präsenzpflicht gelte. «Wir gehen davon aus, dass alle Lehrer einsetzbar sind, weil alle ein Impfangebot hatten.» Wer sich nicht mit einem Attest entschuldige, müsse in die Schule kommen. Zwar dürfe man aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nachfragen, welche Lehrerinnen und Lehrer sich haben impfen lassen. Die Rückmeldung aus den Schulen sei aber so, dass wohl die meisten Pädagogen sich haben impfen lassen.

Nach den Ferien gebe es zwei Wochen Maskenpflicht, um zu verhindern, dass Urlaubsrückkehrer das Virus einschleppen. Zudem werde weiter zweimal die Woche getestet. Die Tests seien neben den Impfungen der Lehrkräfte auch der entscheidende Unterschied zur Lage im Lockdown von Weihnachten bis Pfingsten.

Die Kultusministerin kündigte zudem an, dass im kommenden Schuljahr auch wieder mehr Zusatzangebote möglich sein sollen. «Die Kohorten werden sich immer mehr mischen im kommenden Jahr.» Derzeit prüfe man, ob zum Beispiel Chöre, Theater-AG oder Jugend trainiert für Olympia wieder zugelassen werden. Sie deutete an, dass dies mit bestimmten Schutzmaßnahmen wieder möglich werden könnte.

Für die AfD erklärte der Sprecher für Bildung, Rainer Balzer: «Am Prinzip des Präsenzunterrichts darf nicht, ja darf nie mehr gerüttelt werden.» Klar sei: «Wir werden das mutationsfreudige Virus nicht los. Unser Immunsystem wird mit ihm leben lernen und wir können das auch.»

Hamburgs Schulklassen bekommen nun doch Luftfilter

Hamburg Schulen sollen zur Verminderung des Corona-Risikos nun doch mit mobilen Luftfilteranlagen ausgestattet werden. Spätestens bis zu dem Herbstferien sollen 10 000 Geräte in den Unterrichtsräumen aufgestellt werden, kündigte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag an. Am Montag werde ein entsprechendes Ausschreibungsverfahren gestartet. 30 bis 40 Millionen Euro will die Stadt den Angaben zufolge investieren.

Bisher hatte Rabe sich unter Hinweis auf bestehende Abstandsregeln, Hygiene- und Lüftungskonzepte gegen den flächendeckenden Einsatz von Luftfilteranlagen in Klassenräumen ausgesprochen. Nach wie vor stehe nicht fest, ob mobile Raumluftfilter wirklich Sinn machen, betonte er am Donnerstag. «Um aber das Risiko erneuter Schulschließungen in jedem Fall auszuschließen, starten wir jetzt das sicherlich umfangreichste Beschaffungsprogramm aller Bundesländer.»

Am Mittwoch hatte die Bundesregierung mitgeteilt, die Anschaffung mobiler Luftfilter für die Schulen in den Ländern mit insgesamt 200 Millionen Euro zu fördern. Der Förderanteil des Bundes soll laut Wirtschaftsministerium bei 50 Prozent liegen.

Die Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft nannte die Anschaffung der Geräte längst überfällig. Rabes Einsicht komme «reichlich spät», sagte die Bildungsexpertin der CDU, Birgit Stöver. «Hamburg muss jetzt auf einem sehr angespannten Markt flächendeckend Luftfilter anschaffen und zu den Bundesmitteln noch ausreichend Landesmittel hinzugeben.»

Sabine Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Linken, warf Rabe fehlenden politischen Willen vor, alles für einen umfassenden Schutz der Schüler vor der Delta-Variante zu unternehmen. «Dabei wissen wir: Viel hilft viel und Lüften allein ist ganz sicher nicht das beste Mittel der Wahl.» Ähnlich äußerte sich die FDP-Abgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein.

Kultusministerin geht von Rückkehr zu Präsenzpflicht nach Ferien aus

Kultusministerin Theresa Schopper geht trotz der Gefahr durch die Deltavariante des Coronavirus davon aus, dass es nach den Sommerferien wieder Präsenzpflicht an den Schulen gibt. «Wir haben es fest vor», sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag in Stuttgart. Sie sei sehr zuversichtlich, dass die «Korsettstangen der Sicherheit» ausreichten, um in Vollpräsenz in die Klassenzimmer zurückzukehren. Da die Sommerferien erst Mitte September enden, habe man aber noch Zeit, das Infektionsgeschehen zu beobachten.

Schopper rechnet damit, dass viele ungeimpfte Kinder und Jugendliche sich mit der aggressiveren Deltavariante anstecken werden. «Delta wird sich in den Schulen breitmachen, da muss man sich nichts vormachen.» Allerdings zeichne sich ab, dass es bei Schülerinnen und Schülern nur leichte Verläufe gebe. Kinder und Jugendliche bräuchten im wesentlichen «einen Packen Taschentücher». Die Ministerin hält es deshalb nicht für nötig, dass die Schulen wieder geschlossen werden müssen, wenn die Inzidenzen «in die Höhe schnellen».

Auch für Lehrkräfte gelte Präsenzpflicht, machte Schopper deutlich. «Wir gehen davon aus, dass alle Lehrer einsetzbar sind, weil alle ein Impfangebot hatten.» Wer sich nicht mit einem Attest entschuldige, müsse in die Schule kommen. Zwar dürfe man aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nachfragen, welche Lehrerinnen und Lehrer sich haben impfen lassen. Die Rückmeldung aus den Schulen sei aber so, dass wohl die meisten Pädagogen sich haben impfen lassen.

 

14.07.2021 

Sieben Millionen Euro vom Bund für Luftfilter in Schulen

Schleswig-Holstein erhält sieben Millionen Euro Bundesmittel für den Kauf mobiler Luftfilteranlagen für Schulen. «Das ist ein gutes Signal, das wir als Land aufnehmen, indem wir uns im Rahmen der Kofinanzierung an den Beschaffungskosten der Schulträger beteiligen werden», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch. Die Luftfilter ersetzten nicht das Lüften, Impfen und Testen, würden aber helfen, für alle Schüler wieder dauerhaft Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Die Bundesregierung fördert nun auch den Einbau mobiler Luftfilter in Schulen. Dazu sollen den Ländern 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, wie das Wirtschaftsministerium nach einem Beschluss des Kabinetts am Mittwoch mitteilte. Bisher fördert der Bund nur den Einbau fester Anlagen. Der Bund beteiligt sich mit 50 Prozent an den Kosten.

Die Jamaika-Koalition will 3,5 Millionen Euro des Landesanteils tragen. Ebenso viel Geld müssten die Kommunen als Schulträger beisteuern. Laut Regierung sind Gespräche mit den Kommunalen Landesverbänden bereits initiiert.

«Die Landesregierung wird dem Parlament vorschlagen, den Landesanteil für das Programm aus dem Notkredit mitzufinanzieren», sagte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). Sozial-Staatssekretär Matthias Badenhop sagte, eine möglichst gute Raumluft sei für Kinder jeden Alters ein Beitrag zur Infektionsprävention.

Die SPD forderte die Übernahme der kompletten sieben Millionen Euro durch das Land. «Im Herbst 2020 wurde landauf, landab die Forderung nach Luftfiltern erhoben», sagte der Schulpolitiker Kai Vogel. Das habe die Regierung damals abgelehnt. «Jetzt auf einmal ließ Frau Prien sich den Wind der Filter um die Nase wehen – natürlich wie immer unter der Voraussetzung, dass der Bund es bezahlt.»

Trotz Corona: Abiturschnitt in Thüringen verbessert sich leicht

Der Abiturjahrgang 2021 dürfte wohl zu den ungewöhnlichsten der vergangenen Jahre zählen: Zwei Schuljahre prägte die Corona-Pandemie die Lernbedingungen für die Schüler. Nun legten 6279 junge Thüringer ihr Abitur ab - mit einem guten Notenschnitt.

Trotz Schulschließungen, Distanz- und Wechselunterricht in der Corona-Pandemie haben Thüringer Gymnasiasten in diesem Jahr im Schnitt ein besseres Abitur geschrieben als im Vorjahr. Der Notenschnitt lag in diesem Jahr bei 2,06, im Jahr 2020 hatte er noch bei 2,16 gelegen, wie das Thüringer Bildungsministerium auf dpa-Anfrage mitteilte. 311 Schüler schafften ihr Abi mit einem glatten Einserschnitt von 1,0 - 99 mehr als noch im Jahr 2020.

«Die Leistungen unserer Abiturientinnen und Abiturienten 2021 können sich sehen lassen», erklärte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Niemand sollte diese Leistung kleinreden, betonte Holter. Der Anforderungsstandard des Abiturs war auf dem Standard der Vorjahre.

Allerdings hatte es wegen der Corona-Pandemie für den aktuellen Abiturjahrgang ein paar Änderungen gegeben: So sollten die Schüler beispielsweise bei den Aufgaben mehr Wahlmöglichkeiten erhalten. Auch der Prüfungsstart war in Thüringen frühzeitig nach hinten verschoben worden. Außerdem galten für Abschlussklassen oft Ausnahmen, damit sie sich im Präsenzunterricht auf die Prüfungen vorbereiten und einen engeren Kontakt mit ihren Lehrern halten konnten.

Holter würdigte das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer. «Sie haben junge Erwachsene gebildet und stark gemacht für den weiteren Lebensweg. Das bemisst sich an mehr als nur an Noten», so Holter.

Insgesamt 6279 junge Menschen legten in diesem Jahr in Thüringen ihr Abitur ab, teilgenommen hatten 6389, von denen 110 das Abitur nicht bestanden.

Die Landeselternvertretung zollte den Abiturienten angesichts des guten Notendurchschnitts Respekt. «Nun aber schauen wir nach vorn: Nach einer verdienten Erholungsphase gilt es, alle Anstrengungen zu bündeln und sich auf die Jahrgänge zu konzentrieren, die die Schulen im letzten Jahr nur selten von innen gesehen haben und wieder an einen regelmäßigen Schulalltag herangeführt werden müssen», hieß es in einer Mitteilung der Landeselternvertretung.

Die Ergebnisse der anderen Abschlussprüfungen liegen laut Bildungsministerium erst im Herbst vor.

Karliczek: Corona-Tests an Schulen werden uns noch Monate begleiten

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) geht davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler in Deutschland auch in einigen Monaten noch regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden müssen. «Damit Kinder und Jugendliche sicher zu ihrem normalen Schulalltag zurückkehren können, müssen wir dort weiter auf Testen als mildes, aber wirksames Mittel der Kontrolle setzen. Das Testen in den Schulen wird uns sicher noch über Monate begleiten», sagte Karliczek dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). Wo keine Abstände eingehalten werden können, bleibe der Schutz durch Masken wichtig - auch im Klassenraum. «Auch Luftfilter können einen Beitrag leisten, obwohl sie kein Allheilmittel sind», sagte Karliczek.

Sie betonte zudem, dass es hohe Priorität habe, nach Möglichkeit den Regelunterricht aufrechtzuerhalten. «Es muss aber auch gut vorbereitete Alternativen geben für die Situation, dass es anders kommt», so die Ministerin.

13.07.2021 

Ministerium: 90 Prozent der Lehrkräfte mindestens einmal geimpft

Eine deutliche Mehrheit der Lehrkräfte in Niedersachsen ist nach Angaben des niedersächsischen Kultusministeriums mittlerweile gegen das Coronavirus geimpft. «90 Prozent der Lehrkräfte haben mindestens die erste Impfung, über 74 Prozent sogar bereits Erst- und Zweitimpfung erhalten und sind damit durchgeimpft», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag in Hannover. Die Impfangebote würden von den Lehrerinnen und Lehrern sehr gut und verantwortungsbewusst angenommen. Eine Impfpflicht für diese Gruppe brauche es deshalb nicht.

Es sei richtig gewesen, dass Niedersachsen beim Bund auf die Öffnung der Priorisierung 2 für Lehrkräfte gedrungen habe. «Durchgeimpfte Kollegen sind ein wichtiger Grundstein für ein neues Schuljahr in Sicherheit und mit möglichst viel Präsenzunterricht», sagte Tonne. Die Quote bei den Erstimpfungen in Niedersachsen liegt derzeit bei 60,6 Prozent.

Niedersachsen organisiert Impfaktion für Kinder und Jugendliche

Zwar gibt es noch keine Empfehlung zum generellen Impfen von Kindern und Jugendliche ab zwölf Jahren. Dennoch organisiert Niedersachsen für interessierte Eltern und junge Menschen eine Impfaktion mit Biontech. Für das Angebot vor Ferienstart gibt es viel Interesse.

Rechtzeitig vor Ferienstart organisiert Niedersachsen am kommenden Sonntag eine landesweite Impfaktion für Kinder und Jugendliche, in die fast die Hälfte der 50 Impfzentren eingebunden sind. Rund 27 000 Impfdosen gegen das Coronavirus seien für den Aktionstag reserviert, sagte die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, am Dienstag in Hannover. Termine können über die Hotline unter 0800 9988665 ausschließlich telefonisch reserviert werden. Die Bindung an das örtliche Impfzentrum ist für die Aktion aufgehoben.

Hintergrund ist, dass einzelne Ärzte in manchen Zentren es ablehnen, Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankung zu impfen. Nur für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen gibt es nämlich bislang eine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).

«Uns haben einfach viele Anfragen erreicht von Eltern, woraus wir herleiten können, dass es ein großes Interesse gibt», sagte Schröder. Je nach Nachfrage werde die Impfaktion an weiteren Terminen fortgesetzt. Wie Regierungssprecherin Anke Pörksen sagte, handele es sich nicht um eine zwingend einmalige Aktion. Bei großem Interesse könne die Aktion wiederholt werden.

In Niedersachsen haben bislang nach Angaben des niedersächsischen Gesundheitsministeriums 5,4 Prozent der jungen Menschen unter 18 eine erste Impfung erhalten, 1,4 Prozent der Altersgruppe haben bereits den vollständigen Impfschutz. Dabei sei zu beachten, dass in Niedersachsen weit mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen jünger sind als zwölf Jahre und derzeit noch keine Impfung erhalten können, hieß es vom Ministerium.

Trotz einer noch nicht existierenden Impfempfehlung der Stiko empfiehlt das niedersächsische Gesundheitsministerium Eltern, sich über eine Impfung für ihre Kinder zu informieren. «Wir wollen den Kindern und Jugendlichen, die Interesse an einer Impfung haben, die Möglichkeit geben, sich noch vor den Ferien gegen Covid-19 impfen zu lassen», sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). Die zweite Impfung nach sechs Wochen könnte so noch vor dem Schulstart stattfinden.

An der Impfaktion beteiligen sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums landesweit 23 Impfzentren. Diese erhalten jeweils eine Sonderlieferung im Umfang von 1170 Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer. Dies sei der bisher einzige Impfstoff, der für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen ist. Auch in vielen weiteren Landkreisen und kreisfreien Städten, deren Impfzentren am Sonntag nicht teilnehmen, würden in diesen Tagen Impfaktionen für Kinder und Jugendliche organisiert.

Flächendeckende Impfaktionen an Schulen seien wegen der fehlenden Stiko-Empfehlung in naher Zukunft nicht möglich, sagte Schröder. Trotzdem habe es an einer Schule in Osnabrück am Montag eine Pilot-Impfaktion gegeben. Diese wird im Kultusministerium ausgewertet, um derartige Aktionen gegebenenfalls an weiteren Schulen anzubieten. Schulen sind nach Angaben von Schröder ein guter Impf-Ort. «Uns geht es darum, aus den Impfzentren rauszugehen und aufsuchend zu impfen». Zudem wird es nach Angaben von Schröder in der kommenden Woche in einzelnen Impfzentren gezielte Angebote für Eltern und Kindern geben.

Rheinland-Pfalz will an Unterricht im Klassenraum festhalten

Für die Raumlufthygiene an den Schulen stellt das Land zwölf Millionen Euro bereit. Die Regeln zu Corona-Tests werden gelockert. In den Sommerferien sollen Spaß und Spiel nicht zu kurz kommen, empfiehlt Bildungsministerin Hubig.

Nach den Sommerferien sollen Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz weiter in ihrer Lerngemeinschaft unterrichtet werden. «Wir wollen im neuen Schuljahr den Präsenzunterricht, den wir jetzt haben, in allen Klassenstufen fortsetzen», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Dienstag in Mainz. Das Land unterstützt dies mit Blick auf die bislang nicht absehbare Pandemie-Situation im Herbst mit zusätzlichen zwölf Millionen Euro für die Anschaffung von Luftfilteranlagen an Schulen. Außerdem werden die Corona-Tests an den Schulen neu geregelt: Zwei Wochen lang werden alle Schülerinnen und Schüler weiter getestet, danach nur noch aus bestimmtem Anlass.

«Wir werden ein Zwölf-Millionen-Programm für Raumlufthygiene auflegen», sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Anschluss an die letzte reguläre Kabinettssitzung vor der Sommerpause. Zusammen mit einer neuen Teststrategie seien dann die Voraussetzungen gegeben, «dass wir gut gerüstet in die Sommerferien gehen können».

«Das Lüften ist das A und O», sagte Hubig. Mit den zusätzlich bereitgestellten Mitteln solle aber die Frischluftzufuhr in den Klassenräumen weiter verbessert werden. Kann nicht ausreichend gelüftet werden, gibt es Geld für eine Vielzahl von Maßnahmen. Gefördert wird nach den Empfehlungen des Umweltbundesamts unter anderem der Umbau von Fenstern, die Anschaffung von CO2-Messgeräten, der Einbau von ventilatorgestützten Zu- und Abluftsystemen und die Anschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten.

Ein erstes Programm für Luftfilteranlagen im Umfang von sechs Millionen Euro wurde im Oktober 2020 aufgelegt. Bis Ende Juni wurden Anträge im Umfang von drei Millionen Euro gestellt, die vollständig bewilligt wurden. Davon profitierten nach Angaben des Ministeriums landesweit rund 1300 Schulen. Sie sei überzeugt, dass sich inzwischen weitere Schulträger auf den Weg machen wollten und von dem neuen Programm profitieren könnten, sagte die Ministerin.

Nach den Sommerferien soll es zunächst zwei «Präventionswochen» bis zum 10. September geben, in denen wie bisher alle Schülerinnen und Schüler zweimal pro Woche getestet werden. «Danach wird künftig ein anlassbezogenes Testkonzept greifen», erklärte Hubig - etwa wenn Infektionen in einer Schule auftreten oder in einer Region mit erhöhter Infektionsdynamik. Außerdem soll es zu Vergleichszwecken regelmäßige Testungen an 20 ausgewählten Schulen geben.

Kritik an den Ankündigungen kam von der CDU-Landesvorsitzenden Julia Klöckner. «Die Planungen und Vorsorgemaßnahmen gehen absolut nicht weit genug», erklärte Klöckner. «Ich bezweifle, dass die SPD-geführte Landesregierung Eltern und Schülern über die Sommerferien hinweg ein sicheres Gefühl vermitteln kann.» Sollte im Verlauf des Herbstes wieder Wechselunterricht nötig werden, «stehen die Schulen offenbar weiter im Regen», fügte die CDU-Politikerin hinzu und nannte dabei die digitale Ausstattung der Schulen.

Mit Blick auf Einschränkungen des Lernens in der Pandemie-Zeit sagte Hubig: «Viele, die im Wechselunterricht waren, haben tatsächlich gelitten.» Das Angebot der Sommerschule trage dazu bei, dass die Betroffenen eine gute Basis für den weiteren Unterricht erhielten. Die Ministerin betonte aber, «dass es auch um Spaß und Spiel gehen muss, gerade nach der langen Zeit der geringeren sozialen Kontakte.»

12.07.2021 

Lehrerverband für 14 Tage Test- und Maskenpflicht nach Schulferien

Bald sind in Thüringen Sommerferien - Urlaubszeit. Wenn dann im September die Schule wieder losgeht, soll es nicht mehr zu Schulschließungen oder Wechselunterricht kommen. Der Lehrerverband fordert zur Absicherung aber eine Maßnahme.

Der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbands, Rolf Busch, hat eine 14-tägige Test- und Maskenpflicht im Unterricht nach den Sommerferien in den Schulen gefordert. Auch als Laie könne man erkennen, dass im Falle einer vierten Welle mit Corona-Infektionen wahrscheinlich vor allem die Schulen betroffen sein würden, weil dort noch wenige Schüler geimpft seien und bestimmte Altersgruppen noch gar nicht geimpft werden könnten. «Wenn wir die Schulen offen halten wollen, brauchen wir mindestens die ersten 14 Tage nach der Ferien- und Urlaubszeit eine Test- und Maskenpflicht», sagte Busch der Deutschen Presse-Agentur.

Er bedauere, dass die Testpflicht an den Schulen wenige Wochen vor den Ferien in ein Testangebot umgewandelt worden sei. Die Infektionszahlen rechtfertigten eine Abschaffung der Tests an den Schulen im Moment. Mit der Lösung eines Testangebots sei aber nichts gewonnen. «Entweder ganz oder gar nicht. Die jetzige Regelung bringt nichts als zusätzlichen Aufwand und ausfallende Unterrichtszeit», sagte Busch.

Die Testpflicht habe eine gewisse Sicherheit in die Schulen gebracht. «Wenn ich diese Sicherheit will und das Impfen sie noch nicht bringen kann, kann ich nur testen und eine Maske tragen», sagte Busch.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte die Testpflicht an Thüringer Schulen Anfang Juli abgeschafft, was aus vielen Richtungen kritisiert wurde. Sogar die Fraktion seiner eigenen Partei hatte empfohlen, den Schritt noch einmal zu überdenken. Auch von den Koalitionspartnern Grüne und der SPD kommt anhaltende Kritik an dem Vorgehen.

Holter hatte seine Entscheidung damit begründet, dass künftig wieder alle Schüler in die Schulen gehen sollen. Es habe etwa 1500 Testverweigerer gegeben. Die Testpflicht hatte diese vom Präsenzunterricht ausgeschlossen, weil es ein Betretungsverbot für alle gab, die sich nicht testen lassen wollten.

Kultusminister stellt Corona-Schutzkonzept für Schulen vor

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) will am Montag (9.30 Uhr) ein neues Corona-Schutzkonzept für Schulen vorstellen. Die Planungen für das kommende Schuljahr liefen auf Hochtouren, teilte das Ministerium mit. Das Land stelle nun die Weichen für einen sicheren Schulbetrieb nach den Sommerferien. Die großen Ferien in Hessen dauern vom 19. Juli bis zum 27. August.

Die Landesregierung hatte vor kurzem mitgeteilt, dass bislang 60 Millionen Euro Fördergeld des Landes in einen besseren Corona-Schutz an Schulen und Kitas geflossen seien. Unter anderem wurden mehr als 9 Millionen Euro in mobile Luftreinigungsgeräte investiert. Für 4,4 Millionen Euro wurden CO2-Ampeln zur Luftüberwachung angeschafft.

11.07.2021 

Sorgen vor erneuten Schulschließungen im Herbst

Viele Familien blicken mit Sorge auf das kommende Schuljahr. Wird es das dritte Corona-Schuljahr mit Ausfällen, Einschränkungen und Schließungen in Folge? Diskutiert wird darüber, wie das verhindert werden kann.

Mit Blick auf das kommende Schuljahr haben sich Politiker verschiedener Parteien für die Aufrechterhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen und Impfungen ausgesprochen, um erneute Schulschließungen zu verhindern. Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, warnte davor, Schülerinnen und Schüler wieder ins sogenannte Homeschooling zu schicken.

Bis zum nächsten Schuljahr müssten Schulen technisch so umgerüstet werden, dass der Unterricht auch bei schwieriger Infektionslage ungestört fortgeführt werden könne, sagte Schleicher, der auch für den internationalen Schulleistungsvergleich Pisa verantwortlich ist, im «Interview der Woche» von MDR Aktuell. «Diese Schulschließungen dürfen sich einfach nicht wiederholen.»

Eine große Zahl junger Menschen sei während der Krise «völlig durchs Raster gefallen», stellte der Bildungsexperte fest. Die Pandemie habe die sozialen Benachteiligungen noch einmal deutlich verstärkt. Schleicher warb dafür, jüngere Kinder und Kinder aus «sozial benachteiligten Schichten» nun gezielt zu fördern.

Sechs Bundesländer sind inzwischen in den Sommerferien. Die meisten anderen folgen bis zum Monatsende. Anfang August beginnt dann in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern schon wieder das neue Schuljahr.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte am Sonntag im hessischen Völkershausen, ihm sei wichtig, dass jetzt alles getan werde, was an Vorbereitung möglich sei, um nach den Sommerferien Präsenzunterricht an jeder Schule, für jede Schülerin und Schüler möglich zu machen. Ähnlich äußerte sich Unionskanzlerkandidat und CDU-Chef Armin Laschet im ARD-«Sommerinterview». Präsenzunterricht sei die einzige Garantie für manche Kinder, dass sie echte Bildungschancen haben, sagte er.

Bundesfamilien- und Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach sich für die Beibehaltung der Maskenpflicht an den Schulen aus. Verschiedene Länder haben das zumindest für die ersten Wochen des neuen Schuljahres auch schon angekündigt, um Übertragungen durch Reiserückkehrer einzudämmen. Lambrecht sagte der «Welt am Sonntag», stundenlanges Maskentragen in den Klassenräumen sei sehr belastend, aber noch notwendig, um einen sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) warnte in der «Bild am Sonntag» vor neuen Schulschließungen und sprach sich für die Impfung von jungen Menschen aus, wenn diese das wollten. «Wenn wir es durch Impfungen der 12- bis 17-Jährigen schaffen, dass wir Einschränkungen im Schulbetrieb vermeiden, dann ist das ein gewichtiges Argument», sagte Schäuble. Er plädierte auch dafür, in geschlossenen Räumen weiter Masken zu tragen, bevor man riskiere, wieder Schulen schließen zu müssen.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Ständige Impfkommission habe bislang keine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen. «Ich halte es jedoch für selbstverständlich, in einer Situation, in der sich die Delta-Variante unter Kinder und Jugendlichen verstärkt ausbreitet, fortwährend zu überprüfen und Empfehlungen gegebenenfalls anzupassen.» Hans plädierte zudem für die Fortführung der regelmäßigen Tests in den Schulen.

SPD-Chefin Saskia Esken warnte vor Covid-Langzeitfolgen für junge Menschen und forderte, Kinder und Jugendliche stärker zu schützen. «Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren in dem Irrglauben, Kinder und Jugendliche seien nicht gefährdet», sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie forderte Rücksichtnahme von «den überwiegend geimpften älteren Erwachsenen» und äußerte sich kritisch zu Großveranstaltungen. Tests für Reiserückkehrer und für nicht Geimpfte in Betrieben sollten nach Eskens Ansicht aufrechterhalten werden.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt kritisierte die Bundesregierung: «Wir laufen mit Ansage in einen zweiten Corona-Herbst, und wieder unternimmt die Bundesregierung viel zu wenig, um Kitas und Schulen zu sichern. Kinder, Jugendliche und ihre Familien drohen erneut, vergessen zu werden», sagte sie den Funke-Zeitungen. Sie forderte «jetzt einen Kita- und Schulgipfel, damit sich dieses Planungsversagen nicht wiederholt».

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte sich mit Blick auf das neue Schuljahr optimistisch gezeigt. Sie sei «zuversichtlich, dass diesen Herbst die Schulen grundsätzlich offen gehalten werden können». «Wir haben jetzt eine ganz andere Ausgangslage nach den Ferien. Wir haben eine steigende Impfquote, eine gute Teststruktur», sagte die CDU-Politikerin der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag).

OECD-Experte: «Schulschließungen dürfen sich nicht wiederholen»

Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, hat vor erneuten Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie gewarnt. Bis zum nächsten Schuljahr müssten Schulen technisch so umgerüstet werden, dass der Unterricht auch bei schwieriger Infektionslage ungestört fortgeführt werden könne, sagte Schleicher, der auch für den internationalen Schulleistungsvergleich Pisa verantwortlich ist, im «Interview der Woche» von MDR AKTUELL. «Diese Schulschließungen dürfen sich einfach nicht wiederholen.»

Eine große Zahl junger Menschen sei während der Krise «völlig durchs Raster gefallen», stellte der Bildungsexperte fest. Die Pandemie habe die sozialen Benachteiligungen noch einmal deutlich verstärkt. Schleicher warb dafür, jüngere Kinder und Kinder aus «sozial benachteiligten Schichten» nun gezielt zu fördern.

SPD-Landeschef Stoch will aktive Corona-Vorsorge in Schulen

(dpa/lsw)Die SPD fordert von der grün-schwarzen Landesregierung eine aktive Corona-Vorsorge für den Präsenzunterricht nach den Schulferien. Abgesehen von der 14-tägigen Maskenpflicht nach den Ferien gebe es kein Konzept, kritisierte SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch in einer Mitteilung vom Sonntag. Offen sei etwa, ab wann Schüler geimpft werden. Auch bei Luftfiltern sei noch «rein gar nichts passiert». Falls die nächste Corona-Welle komme, würden Schulen die Hauptleidtragenden sein. «Offensichtlich hat die Landesregierung aus dem Jahr 2020 rein gar nichts gelernt», sagte Stoch.

10.07.2021 

GEW für mehr Luftfilter in Klassenräumen - Sorgen um neues Schuljahr

Der monatelange Distanz- und Wechselunterricht hat Schüler, Schülerinnen, Lehrkräfte und Eltern in Hessen geschlaucht. Die Gewerkschaft GEW fordert mehr Anstrengungen, um ähnliche Maßnahmen im neuen Schuljahr zu vermeiden.

Die Lehrer-Gewerkschaft GEW fürchtet angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie Beeinträchtigungen des Unterrichts auch im kommenden Schuljahr. Es sei unseriös, das jetzt öffentlich auszuschließen, wie es etwa die Kultusministerkonferenz getan habe, erklärte Roman George, Referent Bildungspolitik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Anstatt sich auf reines Wunschdenken zurückzuziehen, gilt es jetzt vielmehr, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, damit die Schulen möglichst gut vorbereitet in das dritte Schuljahr unter Pandemie-Bedingungen starten», so George.

Am Montag (12. Juli) will Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in einer Pressekonferenz Eckpunkte für einen sicheren Schulbetrieb nach den Sommerferien vorstellen. Die GEW fordert beispielsweise mehr Luftfilter für die Klassenräume, um Ansteckungsrisiken einzudämmen. «Perspektivisch sind Filteranlagen für alle Klassenräume wünschenswert, da sie zusätzliche Sicherheit ermöglichen. Auch unabhängig von der Corona-Pandemie können sie zu einem dauerhaft verbesserten Gesundheitsschutz an den Schulen beitragen», so George.

Abgesehen von chronisch Erkrankten sei der Großteil der Jugendlichen bisher von Corona-Impfungen ausgeschlossen und für Kinder unter zwölf Jahren gebe es bisher überhaupt keinen zugelassenen Impfstoff. «Auch für die Schülerinnen und Schülern aus den Risikogruppen - wie auch für viele Familienangehörige - war es bislang häufig noch nicht möglich, einen vollen Impfschutz zu erwerben», so George. Die seit den Osterferien vorgesehenen regelmäßigen Testungen hätten zwar dazu beigetragen, den Schulbetrieb sicherer zu machen. Das jüngste Infektionsgeschehen an einer Frankfurter Grundschule im Zusammenhang mit der Delta-Variante mache aber deutlich, «dass Schulen nach wie vor Teil des Infektionsgeschehens sind - nicht mehr und nicht weniger», so George.

Die Impfkampagne müsse jetzt vor allem in sozial benachteiligten Stadtteilen forciert werden, in welchen bislang aus unterschiedlichen Gründen besonders wenige Menschen Zugang zu Impfangeboten gehabt hätten. «Das ist auch für die in diesen Quartieren angesiedelten Bildungseinrichtungen essenziell», mahnte George. Die regelmäßigen Corona-Tests sollten zunächst verbindlich fortgeführt werden, aber die Teststrategie sollte angepasst werden, so der GEW-Referent. Hierzu sollte sich die Landesregierung an den Empfehlungen von Fachleuten orientieren. Nach wie vor mangele es an einem Stufenplan, der für alle Beteiligten klar und nachvollziehbar regele, wann gegebenenfalls verstärkte Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel eine Rückkehr zur Maskenpflicht im Unterricht umzusetzen seien.

09.07.2021 

Geimpfte brauchen an US-Schulen keine Masken mehr

In den USA brauchen vollständig geimpfte Schülerinnen und Schüler nach einer Empfehlung der nationalen Gesundheitsbehörde in Schulgebäuden keine Masken mehr. Die Behörde CDC empfahl am Freitag in neuen Richtlinien das Tragen von Masken für alle, die nicht vollständig gegen Covid-19 geimpft sind - auch für das Lehrpersonal. Besonders wichtig sei es in geschlossenen Räumen oder in einer Umgebung, in der kein Abstand gehalten werden kann. Draußen besteht generell keine Maskenpflicht.

Priorität habe die «sichere Rückkehr» zum Präsenzunterricht im Herbst, hieß es weiter. Obwohl auch Covid-19-Ausbrüche in Schulen aufgetreten seien, hätten Studien gezeigt, dass die Übertragungsrate dort niedriger sei als an anderen Orten oder ähnlich hoch. Die CDC gibt nur Empfehlungen ab. Letztlich entscheiden die US-Bundesstaaten und auch einzelne Schulbezirke selbst.

Schulen: Einführung des landesweiten Videosystems verzögert sich

Hessens Schulen müssen ohne das von der Landesregierung angekündigte landesweite Videokonferenzsystem in das neue Schuljahr starten. Grund dafür ist ein Nachprüfungsantrag, den ein im Vergabevefahren unterlegener Bieter bei der Vergabekammer des Landes Hessen gestellt hat, wie das Kultusministerium am Freitag mitteilte. Bevor die Vergabekammer den Antrag nicht geprüft habe, könne der Auftrag für das Videosystem nicht vergeben werden. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, dürfen die Schulen daher ihre derzeitigen Konferenzsysteme weiter nutzen.   

Mehrere hundert Schulen in Hessen hätten eigentlich nach den Sommerferien aus Datenschutzgründen ihren Distanzunterricht auf ein anderes Videosystem umstellen müssen. Die coronabedingte Duldung von nicht datenschutzkonformen Videokonferenzsystemen laufe Ende Juli aus, hatte der Landesdatenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel im dpa-Interview erklärt. Das Kultusministerium hatte zugesagt, allen Schulen ein landeseinheitliches, datenschutzkonformes und technisch leistungsfähiges Videokonferenzsystem über das Schulportal (Landes-VKS) zur Verfügung zu stellen. Derzeit nutzen rund 1600 der 2000 Schulen das Schulportal des Landes.

Der FDP-Abgeordnete Moritz Promny warf Kultusminister Alexander Lorz (CDU) Untätigkeit vor. Es sei bereits vor mehr als einem Jahr klar gewesen, dass Hessens Schulen ein datenschutzkonformes Videosystem benötigten. «Neues Schuljahr, alte Probleme», kommentierte er die Verzögerung.    

Psychologen beobachten erhebliche Corona-Folgen bei Kindern

Die vergangenen eineinhalb Jahre Corona-Pandemie haben die Psyche junger Menschen stark belastet. Manche finden nicht mehr in den Alltag. Experten rechnen mit lang anhaltenden Problemen, wie ein Ortstrermin im Vogtlandkreis zeigt.

Homeschooling, fehlende Sozialkontakte, kaum eine Alltagsstruktur - Kinder und Jugendliche könnten durch die Folgen der Corona-Pandemie psychiatrische Kliniken künftig stärker beanspruchen. Erste Untersuchungen zeigten bundesweit einen erhöhten Bedarf an psychiatrischen und psychologischen Beratungen, sagte Wolfgang Liskowsky vom Sächsischen Krankenhaus in Rodewisch (Vogtlandkreis) bei einem Besuch von Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Freitag.

Die Einrichtung und niedergelassene Kollegen verzeichneten eine Zunahme junger Patienten, die sich mit akuten psychischen Krisen vorstellen - insbesondere seit Oktober 2020 und auch aktuell in Zusammenhang mit den Schulöffnungen. «Die Situation hier in der Klinik hängt sehr davon ab, wie gut die Versorgung draußen im ambulanten Bereich funktioniert», erklärte Liskowsky. Konkrete Zahlen lägen aber noch nicht vor.

«Das System arbeitet am Limit, Überstunden sind die Regel», sagte Ken Schönfelder, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut aus Auerbach im Vogtland. In der ambulanten Behandlung seien die Anfragen bundesweit um rund 40 Prozent gestiegen. Statt sonst einem Erstgespräch mit einem neuen Patienten pro Woche übernehme er im Moment drei. «Trotzdem bin ich über Monate ausgebucht. Wir gehen davon aus, dass die psychischen Belastungen lange anhalten werden und der erhöhte Bedarf vorerst Dauerzustand sein wird.»

Die Angst vor Ansteckung, fehlende Orientierung, ökonomische Sorgen der Eltern oder auch Einsamkeit sind einige der Probleme, die jungen Menschen laut Schönfelder zu schaffen machen. Angststörungen und Depressionen nähmen aktuell vor allem bei Mädchen zu, ADHS als eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung und ein gestörtes Sozialverhalten bei den Jungen. Vorbelastete Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen oder mit bereits psychischen Auffälligkeiten seien besonders gefährdet. Schönfelder forderte weniger Bürokratie und dadurch einen unkomplizierteren Zugang zu Hilfsangeboten ohne lange Wartezeiten für die jungen Menschen.

«Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche aufgrund der Corona-Situation besonderen Belastungssituationen ausgesetzt waren und sind», sagte Ministerin Köpping. Sachsen habe versucht, Schulschließungen im letzten Lockdown zu vermeiden. Besonders der Vogtlandkreis sei lange wegen hoher Fallzahlen belastet gewesen. «Deshalb sollten die Impfangebote wahrgenommen werden - auch um den Kindern im Herbst wieder ähnliche Probleme zu ersparen.»

«Auch wenn die Schulen wieder öffnen - wir können nicht erwarten, dass sich bei den Kindern sofort ein Schalter umlegt und alles wieder in Ordnung ist», sagte Cornelia Metge, sächsische Vorsitzende der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer aus Zschopau. Das vergangene Jahr habe jungen Menschen viel abverlangt. Sie empfahl schnelle und unkompliziert erreichbare Beratungsangebote sowie eine Zusammenarbeit von Psychotherapeuten und Sozialarbeitern.

Reicht eine ambulante Therapie bei psychischen Problemen nicht aus, wird meistens ein stationärer Aufenthalt angestrebt. In Sachsen stemmen neun Krankenhäuser die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Und die sei dort nach wie vor sichergestellt, betonte Liskowsky, der als Chefarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Sächsischen Krankenhaus Rodewisch arbeitet. «Bisher konnten wir alle versorgen, mussten noch niemanden abweisen.» Das Krankenhaus in Trägerschaft des Landes hat 50 stationäre sowie 20 tagesklinische Plätze.

Städte- und Gemeindetag dämpft Erwartung an Lüftungsanlage in Schulen

Dresden (dpa/sn)Sachsens Städte- und Gemeindetag (SSG) hat vor unrealistischen Versprechungen zur Nachrüstung von Lüftungsanlagen in Schulen gewarnt. Die kommunalen Schulträger könnten die derzeit von der Bundespolitik geweckten Erwartungen kaum erfüllen, hieß es in einer Mitteilung am Freitag. Die Nachrüstung von fest verbauten raumlufttechnischen Anlagen sei mit erheblichen und kostenintensiven baulichen Eingriffen verbunden. Diese Eingriffe kämen nur im Zusammenhang mit langfristig zu planenden Schulsanierungen in Betracht.

Abi-Durchschnitt 2020/2021 mit 2,38 trotz Corona besser als zuvor

Trotz der erschwerten Lernbedingungen in der Corona-Pandemie haben die Abiturientinnen und Abiturienten in Niedersachsen im Schuljahr 2020/2021 durchschnittlich bessere Abschlussnoten erzielt als in den Jahren zuvor. Wie das Kultusministerium am Freitag in Hannover mitteilte, lag der Notendurchschnitt bei 2,38. «Auf diese Leistung können Sie stolz sein, Sie haben Enormes geleistet und es wurde Ihnen nichts geschenkt», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

Von den 30 993 angetretenen Schülerinnen und Schülern bestanden den Angaben zufolge 30 100 ihre Abi-Prüfungen. 658 schafften dabei die Bestnote 1,0. Erstmals erreichten zwei Abiturientinnen den Höchstwert von 900 Punkten.

Es sei richtig gewesen, auch in der Pandemie die Prüfungen durchzuführen, sagte Tonne. Man habe weder am Bewertungsmaßstab noch an der Qualität des Abiturs etwas heruntergeschraubt. «Dieses Abitur ist genau so viel wert wie das der Vorjahre», sagte Tonne. Ob die guten Ergebnisse mit dem Wechsel von G8 auf G9 zusammenhängen, konnte der Minister noch nicht abschätzen.

08.07.2021 

Studie in Siegen-Wittgenstein: Priorisierte Impfung für Jugendliche

Bislang gibt es in Deutschland keine allgemeine Corona-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche. Im Kreis Siegen-Wittgenstein soll nun dennoch Menschen ab zwölf Jahren ein Impfangebot gemacht werden - im Rahmen einer Studie hoffen Forscher auf neue Erkenntnisse.

Wissenschaftlich begleitet sollen Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren im Kreis Siegen-Wittgenstein nun bevorzugt geimpft werden. Am Freitag (12.00 Uhr) informieren die beteiligten Wissenschaftler und Mediziner mehrerer Universitäten über die Impfstudie für junge Menschen, die in den kommenden Tagen starten soll.

Eine priorisierte Covid-19 Impfung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermögliche eine schnelle Rückkehr in den gewohnten schulischen oder universitären Alltag, teilte die am Projekt beteiligte Universität Siegen mit. Außerdem solle das Ansteckungsrisiko für die Elterngeneration gesenkt und ein positiver Effekt auf das Infektionsgeschehen in der Gesamtbevölkerung erzielt werden.

Von der Studie erhoffe man sich Aufschluss darüber, wie sich eine Impfung aller Bevölkerungsgruppen auf die Pandemie, aber auch auf andere infektiöse Situationen, etwa die jährlich wiederkehrende Grippewelle auswirkt. Dazu sollen die jungen Geimpften und ihre Eltern befragt werden.

Minister: Besserer Infektionsschutz in Schulen ist «Chefsache»

Die Sommerferien rücken näher und zugleich wächst die Sorge, eine neue Corona-Infektionswelle könnte im Herbst vor allem die Schulen treffen. Mit Hilfe eines Landesprogramms sollen Schulen dafür fit gemacht werden. Doch es gibt Kritik.

Das Förderprogramm für einen bessern Infektionsschutz an den Thüringer Schulen wird nach Einschätzung von Bauminister Benjamin-Immanuel Hoff gut angenommen. «Wir haben einen sehr guten Mittelabfluss», sagte der Linke-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Bisher hätten 26 der 33 Schulträger Geld aus dem fünf Millionen Euro schweren Landesprogramm abgerufen.

Zugleich rief er die Kommunen dazu auf, auch Mittel des Bundes zu nutzen, um Schulen für eine möglicherweise bevorstehende vierte Corona-Welle vorzubereiten. Sein Ministerium habe alle Landkreise und kreisfreien Städte früh über diese Möglichkeiten informiert. «Alle wissen Bescheid und haben auch die Förderrichtlinien bekommen», sagte Hoff.

Er appellierte an die Schulträger, das Thema ernst zu nehmen. Für die Eltern sei das sehr wichtig. «Insofern ist das ein Thema, das bei uns im TMIL (Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft) Chefsache ist», sagte Hoff.

Zuvor hatte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Franziska Baum, größere Investitionen in den Infektionsschutz an Schulen gefordert. «Die bisher ausgereichten Mittel reichen bei weitem nicht, um den Bedarf an Luftfiltern zu decken», erläuterte Baum. Zwar seien die Infektionszahlen derzeit gering, doch sei es für ein «großes Aufatmen» noch zu früh.

«Um den Unterricht unter allen Bedingungen abzusichern, muss die Landesregierung endlich ihre Hausaufgaben machen und in Technik investieren, die für saubere und frische Luft im Klassenzimmer sorgt», ergänzte Baum.

Hoff entgegnete, dass der Bedarf bei den Schulträgern abgefragt worden sei. Nun könnten die Mittel abgerufen werden. Nach Angaben seines Ministeriums waren bis Mitte Juni von den 4,5 Millionen Euro, die für die pandemiebedingte Ausstattung zur Verfügung stehen, 3,6 Millionen Euro abgerufen. Von den insgesamt 5 Millionen Euro sind rund 500 000 Euro für eine wissenschaftliche Begleitung gedacht.

Hoff machte klar, dass es nicht nur um Luftfilter gehe. «Es kann nicht und sollte auch nicht das Ziel sein, dass in jedem Klassenraum Luftfilter eingebaut werden», sagte Hoff. Diese Geräte seien vor allem für Schulhallen, Turnhallen oder andere Schulräume gedacht, in denen nicht gelüftet werden könne. Darüber hinaus gehe es darum, die Luftqualität in den Klassenräumen auch mit anderen Mitteln zu verbessern. «Aber die Kommunen rufen nicht danach, dass man ihnen mehr Geld für Luftfilter gibt, sondern für die unterschiedlichen Bedarfe für die Luftqualitätsverbesserung», sagte Hoff.

Der parlamentarische Geschäftsführer Andreas Bühl (CDU) kritisierte, dass die Kriterien zum Mittelabruf für die Kommunen zu eng gefasst seien. Seiner Ansicht nach sollten die Schulträger Luftfilter nicht nur dann mit dem Geld anschaffen können, wenn keine ausreichende Belüftung des Raumes gewährleistet ist. Es gehe auch darum, zu verhindern, dass die Kinder im Winter krank werden, wenn ständig die Fenster geöffnet werden müssten, sagte Bühl.

Schüler und Eltern sehen Lernrückstände durch Schulschließungen

Monatelang waren wegen Corona Schulen geschlossen. Videokonferenzen und Aufgabenpakete per Mail haben das nach Ansicht von Eltern und Schülern nicht auffangen können: Die Mehrheit ist der Ansicht, dass es jetzt Lernrückstände gibt.

Die monatelangen Schulschließungen wegen Corona haben Kinder und Jugendliche nach Ansicht der meisten Eltern und Schüler bei der Bildung ausgebremst. Eine große Mehrheit geht davon aus, dass durch die Schließungen Lernrückstände aufgebaut wurden, wie eine repräsentative Befragung von Fünft- bis Zehntklässlern und Eltern im März und April durch das Institut für Demoskopie Allensbach ergab. Die meisten gaben in der von der Deutschen Telekom Stiftung beauftragten Studie zwar an, mit dem sogenannten Homeschooling ganz gut zurechtgekommen zu sein. Wie gut, das hängt aber stark von der Schule und vom persönlichen Umfeld ab.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bedankte sich am Donnerstag in einer Videobotschaft bei Schülerinnen und Schülern für deren Geduld «und dafür, dass Ihr auf manches verzichtet und mitgeholfen habt, dass wir den Kampf gegen Corona gewinnen!»

Corona hat Ungleichheit wahrscheinlich verstärkt

Der ehemalige Bundesinnenminister und heutige Vorsitzende der Telekom-Stiftung, Thomas de Maizière, sagte am Donnerstag bei der Vorstellung der Schülerumfrage in einer Online-Pressekonferenz: «Es gibt einen nicht unerheblichen Teil, die sind stärker abgehängt als zuvor.» Er sprach sich für die Pflicht zur Teilnahme an Nachhilfeangeboten aus. Freiwillige Sommercamps oder ähnliche Angebote würden «exakt die nutzen, die es nicht am nötigsten haben». Diejenigen, die stärkere Rückstände haben, müssten überproportional Angebote bekommen. «Und da wird es möglicherweise nicht anders gehen, als mit Verpflichtungen.»

Fast alle Eltern und Schüler sehen Lernrückstände

Bildungspolitiker gehen davon aus, dass jeder vierte oder fünfte Schüler wegen der Schließungen und Einschränkungen an Schulen große Lernrückstände aufgebaut hat. In der vorliegenden Schülerbefragung waren 27 Prozent der Meinung, dass sie und ihre Mitschüler beim Lernstoff «deutlich» im Rückstand sind, 52 Prozent gehen von «etwas» Rückstand aus. Von den Eltern dieser Altersklasse machen sich 61 Prozent Sorgen wegen der Lernrückstände ihrer Kinder. 49 Prozent sind der Ansicht, ihr Kind ist durch die Schulschließungen beim Lernstoff «etwas» im Rückstand, 32 Prozent sprechen von einem «deutlichen» Rückstand.

Mehrheit kam gut durchs Homeschooling, aber ...

Beim sogenannten Homeschooling ziehen Schüler und Eltern eine gemischte Bilanz: Zwar gaben 58 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, damit gut oder sehr gut zurechtgekommen zu sein, aber ein großer Teil von 38 Prozent kam auch weniger oder gar nicht gut damit zurecht. Das Urteil der Eltern, von denen viele monatelang den Spagat zwischen Arbeit und Ersatzlehrer schaffen mussten, fällt ebenfalls gemischt aus: 53 Prozent sind der Ansicht, die Familie sei mit dem Lernen von zu Hause aus gut oder sogar sehr gut zurechtgekommen, 42 Prozent sehen das nicht so.

Auffällig ist, dass Befragte, die sich selbst als gute Schüler einschätzen, deutlich häufiger angaben, gut durch die Schulschließungszeit gekommen zu sein. Gymnasiasten ziehen eine positivere Bilanz als Haupt-, Real- oder Gesamtschüler. Auch die technische Ausstattung im eigenen Haushalt spielt bei der Bewertung eine Rolle. Die Krise habe die sozialen Unterschiede und den Einfluss der Bedingungen im Elternhaus auf die Entwicklung der Schüler vergrößert, sagte die Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, Renate Köcher am Donnerstag.

Auch positive Effekte - aber Plädoyer für Schule vor Ort

Der Ausnahmezustand an den Schulen hatte aber auch ein paar positive Begleiteffekte: Eine Mehrheit der Schüler hat sich nach eigener Auffassung im Umgang mit Computern und digitalen Medien verbessert, hat Fortschritte beim Recherchieren von Informationen gemacht und dabei, sich selbst zu organisieren und sich Dinge zu erarbeiten. Das sehen auch die Eltern so.

Trotzdem wünschen sich die meisten, dass die Vermittlung von Schulstoff auch nach Corona weitgehend von den Lehrern in der
Schule übernommen wird, statt sich selbst Wissen zu erarbeiten. Und fast allen Schülerinnen und Schülern (93 Prozent) wäre es am liebsten, wenn der Unterricht «ausschließlich» oder «überwiegend» in der Schule stattfindet. Bei den Eltern ist dieser Wunsch noch ausgeprägter (96 Prozent).

Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion Katja Suding forderte am Donnerstag eine «verbindliche Unterrichtsgarantie» für den Schulstart nach den Sommerferien. «Der Präsenzunterricht darf keinen Tag länger in Frage stehen», sagte sie. De Maizière sagte mit Blick auf das kommende Schuljahr, er warne davor, genau anzukündigen, was in einigen Wochen passiere.

Man könne für den Herbst viel daraus lernen, was jetzt in Großbritannien passiere, bei hohen Ansteckungszahlen, hohen Impfungen und gleichzeitig viel Öffnung. «Das ist ein großes gesamtgesellschaftliches Experiment.» Wichtig sei, so viele Menschen wie möglich zu impfen. Umso besser könne man auch die Schulen offenhalten.

Steinmeier sagte in seiner Videobotschaft an die Schülerinnen und Schüler gerichtet, sie hätten sich die Sommerferien mehr als verdient. «Ich wünsche Euch schöne Ferien – und dass Ihr nach den Ferien gemeinsam in ein gut vorbereitetes und möglichst normales neues Schuljahr starten könnt.»

Studie: Mobile Luftfilter nur in wenigen Klassenräumen sinnvoll

Die Wirkung mobiler Luftfilter in Klassenräumen zum Schutz gegen das Coronavirus ist nach einer Studie der Universität Stuttgart begrenzt. Die Experten sprechen sich in ihrer Analyse im Auftrag der Stadt Stuttgart dagegen aus, solche Geräte für alle Schulen anzuschaffen. In der Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es: «Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Pilotprojekt ist der flächendeckende Einsatz von Luftreinigungsgeräten nicht indiziert (angezeigt).» In einzelnen Klassenräumen, die zu kleine oder zu wenige Fenster haben, sollte aber der Einsatz mobiler Geräte oder der Einbau stationärer Filter geplant werden.

Die Experten des Instituts für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung hatten für die Studie ein halbes Jahr lang an zehn Stuttgarter Schulen die Wirkung der Filter gemessen. Sie warnen nun, die Geräte seien kein Ersatz für das Stoßlüften in Pausen. «Beim Einsatz von Luftreinigungsgeräten sollte generell beachtet werden, dass diese keine Alternative zu einem Außenluftwechsel darstellen, sondern lediglich als Unterstützung zur Partikel- und potenziellen Virenreduktion im Raum eingesetzt werden sollten.» Zusammenfassend stellen die Fachleute fest, der Einsatz von Luftreinigungsgeräten könne nicht die anderen Schutzmaßnahmen wie das Maske tragen oder Testen zur Eindämmung der Infektionsausbreitung ersetzen.

06.07.2021

Modellversuch zu Luftfiltern in Kitas

Ein Modellversuch soll mehr Klarheit über Vor- und Nachteile von Luftfiltern in Berliner Kitas in der Corona-Pandemie bringen. Der für die Bezirke Treptow-Köpenick und Neukölln zuständige Kita-Eigenbetrieb werde die Geräte nun in zwei Einrichtungen ausgiebig testen, teilten die zuständigen Bezirksstadträte am Dienstag mit.

Der Einsatz solcher Geräte in Kitas und Schulen ist umstritten: Etliche Eltern oder etwa auch die CDU fordern schon länger eine flächendeckende Anschaffung. Der Senat setzt auf Luftfilter bisher eher als ergänzendes Instrument dort, wo das Öffnen der Fenster schwierig ist, insbesondere in der kalten Jahreszeit.

«Ich begrüße die Initiative von Eltern, sich für den Einsatz von Luftfiltern stark zu machen. Mit dem geplanten Modellprojekt unterstützen wir sie dabei», erklärte der Neuköllner Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit, Falko Liecke. «Was wir nicht wollen, ist einfach nur möglichst billige Geräte irgendwo hinzustellen, ohne zu wissen, was sie bringen.» Daher solle die Zeit, bis es wieder kälter wird, nun für das Modellprojekt genutzt werden.

Gernot Klemm, Bezirksstadtrat für Soziales und Jugend in Treptow-Köpenick, gab zu bedenken: «Luftfilter in Kitas stellen möglicherweise eine Gefahr dar - insbesondere für sehr kleine Kinder.» Sie seien sowohl in Anschaffung als auch im Unterhalt sehr kostspielig, geichzeitig sei ihr genauer Nutzen bislang unklar.

Kitas seien bislang keine Treiber der Pandemie gewesen, fügte Klemm hinzu und verwies auf die Teststrategie und fortschreitenden Impfungen der Beschäftigten. Gleichzeitig betonte er: «Wenn sich ein relevanter Vorteil für unsere Beschäftigten oder unsere betreuten Kinder durch Luftfilter nachweisen lässt, werden wir die weitere Anschaffung dort unterstützen, wo Eltern und Kitapersonal das wünschen.»

Corona-Tests an Schulen auch im Herbst - Pool-Tests für Grundschulen

Schülerinnen und Schüler in Bayern müssen sich auch nach den Sommerferien noch längere Zeit auf regelmäßige und verpflichtende Corona-Tests an den Schulen einstellen. Das kündigte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München an. An weiterführenden Schulen soll es bei Selbsttests bleiben. An den Grund- und Förderschulen dagegen wird die Teststrategie umgestellt: Dort sollen vom neuen Schuljahr an so genannte PCR-Pool-Tests die Regel sein.

Dabei handelt es sich beispielsweise um Lolly- oder Lutsch-Tests, die für Kinder leichter sein sollen. Alle Proben einer Klasse werden gesammelt per PCR-Test untersucht - also mit dem genaueren und empfindlicheren Testverfahren. Sollte die Probe positiv sein, müssen die Kinder einzeln getestet werden. Besonders bei geringem Infektionsgeschehen sei dies eine effiziente und kostenschonende Möglichkeit für Reihentestungen, so die Staatskanzlei. Man werde nun «zeitnah» Labor- und Logistikkapazitäten schaffen, Schulen informieren und bei Bedarf auch Schulungen anbieten.

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) zufolge sollen auch die PCR-Pool-Tests zweimal pro Woche gemacht werden. Sollten die Sieben-Tage-Inzidenzen wieder über 100 steigen, könne es einen zusätzlichen Schnelltest zu Beginn der Woche geben.

Schüler können Betriebspraktika in Ferien nachholen

In Nordrhein-Westfalen können Schüler Praktika zur Berufsorientierung, die wegen der Corona-Pandemie ausgefallen sind, bis Frühjahr 2022 in den Ferien nachholen. Solche Praktika könnten einmalig während der Schulferien - mit Beginn der Sommerferien 2021 bis Ende der Osterferien 2022 - absolviert werden, teilte das NRW-Schulministerium der «Rheinischen Post» mit. Voraussetzung sei die Zustimmung von Eltern und Schülern im Rahmen der Jahrgangsstufenpflegschaft. «Nur so können unzumutbare organisatorische Aufwände und Komplikationen vermieden werden.»

Außerdem müssten die Schüler im Unterricht vorbereitet worden sein. Die Landeselternschaft der Gymnasien begrüßte die Flexiblisierung, auch wenn aufgrund der Kurzfristigkeit zumindest in den Sommerferien kaum Betriebspraktika mehr möglich seien. Zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt ist für Schüler und Schülerinnen ein zwei bis dreiwöchtiges Betriebspraktikum vorgeschrieben - meist in Klasse 9 oder 10. An vielen Betrieben war das im Corona-Frühjahr jedoch nicht möglich.

05.07.2021 

Landesregierung plant Zuschüsse für Luftfilter in Schulen

In der Debatte um mobile Lüftungsanlagen in den Schulen zum Schutz vor Corona-Infektionen will das Land Baden-Württemberg den Kommunen jetzt ein Landes-Förderprogramm von 60 Millionen Euro vorschlagen. «Damit werden wir die Kommunen bei der Anschaffung mobiler Anlagen und CO2-Ampeln hälftig unterstützen», sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem «Mannheimer Morgen» (Dienstag). Luftfilter ersetzten aber nicht das Lüften, sagte der Grünen-Politiker. Sie seien ein Baustein, der das regelmäßige Testen sowie das Maskentragen, die eingeübten Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie gezieltes Impfen ergänze. «Im Herbst müssen wir an den Schulen mehrgleisig fahren», sagte Kretschmann. «Uns muss aber bewusst sein: Keine Schutzmaßnahme bietet uns eine Garantie.»

Dem Vernehmen nach sollen die Mittel vorrangig in Räumen, die nicht belüftbar sind, und in den Klassenstufen 1 bis 6 eingesetzt werden, da diese Schüler bislang noch keinerlei Impfangebot haben, schreibt das Blatt.

Kretschmann und auch Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hatten sich bislang skeptisch über die Wirkung der mobilen Filteranlagen geäußert, die etwa 3000 bis 4000 Euro kosten sollen. Vertreter von SPD, FDP und Lehrerverbänden hatten seit längerem die Anschaffung von mobilen Raumluftfiltern gefordert.

Stiko-Chef zweifelt an Sinnhaftigkeit von Schüler-Massentests

Ravensburg (dpa)Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, zweifelt an der Sinnhaftigkeit von Massentests für Schüler. «Ich frage mich, wie wichtig es tatsächlich ist, jedes symptomlos infizierte Kind durch Testung zu entdecken», sagte Mertens der «Schwäbischen Zeitung» (Montagausgabe) in Ravensburg. «Würde es möglicherweise reichen, jedes Kind mit Symptomen frühzeitig zu identifizieren und zu isolieren? Das mag zwar ketzerisch klingen, aber man sollte darüber nachdenken.» Mertens betonte, alle Maßnahmen zum Infektionsschutz an Schulen sollten «auch hinsichtlich ihrer spezifischen Wirksamkeit» überprüft werden. Diese solle man «möglichst sinnvoll» einsetzen.

04.07.2021 

Laschet: NRW will Schwimmunterricht an den Schulen verstärken

Köln (dpa/lnw) NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will den Schwimmunterricht an den Schulen verstärken, um den in der Corona-Zeit entstandenen Stau in der Schwimm-Ausbildung aufzulösen. «Viele Kinder und Jugendliche haben wegen der Pandemie eine wichtige Zeit in ihrem Leben verloren. Ihnen zu helfen das auszugleichen wird jetzt zu einem Schwerpunkt unserer Politik», sagte Laschet dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Montag). «Die Defizite beim Schwimmen wollen wir auch durch mehr Schwimmunterricht an den Schulen aufholen.» Gleichzeitig solle auch das ehrenamtliche Engagement von Schwimmlehrern in Vereinen mehr unterstützt werden.

Helfen Filter gegen Delta in Schulen? Kretschmann muss entscheiden

Wer will riskieren, dass nach den Sommerferien die Schulen wieder schließen müssen? Grün-Schwarz schiebt das Thema Luftfilter in den Klassen schon ziemlich lange vor sich her. Was macht Kretschmann?

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will Anfang dieser Woche über die Ausrüstung von Schulen und Kitas mit Luftreinigern entscheiden. Wie die dpa am Wochenende aus Regierungskreisen in Stuttgart erfuhr, hat Kretschmann die beteiligten Ministerien schon in der Kabinettssitzung am vergangenen Dienstag dringend aufgefordert, endlich eine Kosten-Nutzen-Rechnung für mobile Raumluftfilter vorzulegen. Es könne nicht sein, dass man nach eineinhalb Jahren Corona-Krise noch nicht genau wisse, ob die Filteranlagen das Infektionsrisiko deutlich senken oder nicht.

Es geht um viel Geld. Die mobilen Geräte kosten zwischen 3000 und 4000 Euro. Im Südwesten gibt es mehr als 67 000 Klassenzimmer. Würde man alle ausrüsten, käme man auf Kosten von rund 270 Millionen Euro. An diesem Montagabend kommen Landesregierung und Kommunen zur Gemeinsamen Finanzkommission zusammen. Dabei soll es dem Vernehmen nach neben Corona-Hilfen für gebeutelte Städte und Gemeinden auch um die Luftfilter gehen. Die Kommunen sind für die meisten Schulen als Träger zuständig. Hinzu kämen noch die etwa 9300 Kitas im Land.

Mittlerweile haben Kultus- und Sozialministerium ihre Einschätzung abgeliefert. Nach dpa-Informationen heißt es in dem Papier, dass die Filter ein Baustein für mehr Sicherheit in Klassenzimmern und Kita-Räumen sind. Das entspricht in etwa der Empfehlung des Umweltbundesamts, das erklärt hatte, dass mobile Luftfilter nur eine Ergänzung zum aktiven Lüften sein könnten.

Die Ministerien bringen dem Vernehmen nach die Möglichkeit ins Spiel, vor allem die unteren Klassen mit Raumfiltern auszurüsten, weil für Kinder unter 12 Jahren noch keine Impfungen zugelassen sind. Die Ständige Impfkommission hat bisher aber auch keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen.

Der politische Druck auf die Koalition wächst, weil die gefährliche Delta-Variante des Coronavirus wieder dazu führen könnte, dass Schulen und Kitas im Herbst geschlossen werden müssen. Einige Länder wie Berlin oder Hessen sind schon weiter als Baden-Württemberg. Bayern hat das Ziel ausgerufen, dass es bis zum Herbst in allen Klassenzimmern einen Luftreiniger geben soll. Der Freistaat will den Kommunen dafür 50 Prozent der Anschaffungskosten erstatten, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vergangene Woche ankündigte. Politische Brisanz erhält das Thema aber auch dadurch, dass zwei Wochen nach Ende der Sommerferien in Bayern und Baden-Württemberg Bundestagswahl ist.

Kretschmann und Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hatten sich zuletzt äußerst skeptisch über die Wirkung der mobilen Filtergeräte geäußert. Allerdings hatte die grüne Landtagsfraktion schon Schoppers Vorgängerin Susanne Eisenmann (CDU) dazu gedrängt, die Anschaffung der Filter voranzutreiben. Damals hatte das Land den Schulen über die Schulträger schon ein Budget von 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt habe, das auch für die Beschaffung mobiler Luftreiniger eingesetzt werden könne. Jedoch konnten mit dem Geld auch digitale Geräte beschafft werden.

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch wundert sich über Kretschmann: «Der Ministerpräsident zögert noch immer bei einer flächendeckenden Lüfter-Ausstattung der Klassenzimmer, hat aber sein Staatsministerium damit großzügig ausstatten lassen.» Das Land dürfe sich angesichts der Delta-Variante nicht erneut sehenden Auges in Schulschließungen hineinmanövrieren. «Es braucht Luftfilter in allen Klassenzimmern des Landes.»

Auch die Lehrerverbände und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dringen seit langem auf die Anschaffung der mobilen Filteranlagen. GEW-Landeschefin Monika Stein forderte das Land auf, die Kommunen finanziell zu unterstützen, sonst drohe ein Flickenteppich, da manche Städte und Gemeinden das wegen der Corona-Krise nicht allein stemmen könnten. Für Verdi im Südwesten warnte Sprecher Andreas Henke: «Wir laufen völlig naiv auf den Herbst zu.» Bei schlechtem Wetter müssten die Kinder wieder in ihre Gruppenräume. «Wir brauchen das Maximum an Schutz, da gehören Luftfilter dazu.»

03.07.2021 

Jugendherbergen warten dringend auf Signale der Bildungsministerien

Die Jugendherbergen sind von der Corona-Pandemie hat getroffen worden. Die Basis des Geschäfts, die Schulfahrten, sind vollständig weggebrochen.

Nach dem rund eineinhalbjährigen coronabedingten Verbot von Schulfahrten warten die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern dringend auf Signale aus den Bildungsministerien der Länder. Der Vorstand des Landesverbands MV des Deutschen Jugendherbergswerks, Kai-Michael Stybel, verwies auf Länder wie Berlin, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt, die wieder grünes Licht für Schulfahrten gegeben haben. Dort könnten die Schulen, Lehrer und auch Eltern verbindlich für das kommende Schuljahr planen.

Es wäre schön, wenn es diese Klarheit auch in Mecklenburg-Vorpommern geben würde. Wenn der Schulfahrtenmarkt nicht berechenbar reaktiviert werde, sei die Zukunft der Jugendherbergen ungewiss, sagte Stybel. Denn Schulfahrten seien das wichtigste Segment, das Brotgeschäft der Herbergen. Allerdings bräuchten alle Beteiligten in den Schulen und Herbergen die Gelegenheit für eine langfristige verbindliche Planung.

Seit Mitte Juni seien sieben der 14 Jugendherbergen im Land geöffnet, sagte Stybel. Dass einige Häuser noch geschlossen haben, liege auch an den bislang schwierigen Bedingungen im Lockout für das Personal. Wie im übrigen Gastgewerbe seien 15 bis 20 Prozent der Beschäftigten in andere Arbeitsbereiche oder Länder abgewandert. «Das Gastgewerbe musste am längsten auf Öffnungsperspektiven warten.»

Bildungsexperten seien sich einig, dass Schüler sehr positiv auf außerschulische Maßnahmen wie Ausflüge oder Klassenfahrten reagieren. Nach den Monaten mit Homeschooling seien von der Wiederherstellung der Lerngemeinschaften viel zu erwarten, sagte Stybel. Dies wünschten sich auch die Lehrer, um mit den Schülern eine gemeinsame Basis für den Schulunterricht herzustellen.

Hunderte Kinder und Jugendliche engagieren sich als Naturwächter

Das Programm «Junge Naturwächter» bringt Kindern und Jugendlichen in Sachsen den Schutz der Natur nahe. Doch können Wildblumen und Kröten in der Gunst der jungen Generation mit Handy und Spielkonsole konkurrieren?

Wiesenblumen bestimmen, Fledermäuse beim Jagen beobachten, Spuren von Wildtieren im Wald lesen: Hunderte Kinder und Jugendliche engagieren sich als Junge Naturwächter in Sachsen. Und der Lockdown während der Corona-Pandemie hat nach Einschätzung von Experten den Trend zu Freizeitbeschäftigungen in der Natur verstärkt. Derzeit gibt es 50 solche Naturwächter-Gruppen in Sachsen mit etwa 750 jungen Aktiven, wie die Landesstiftung Natur und Umwelt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur informierte. An diesem Samstag laden sie zu einem sachsenweiten Aktionstag mit Schnupperangeboten an zahlreichen Orten.

Laut einer Studie des Bundes wächst das Interesse von Jugendlichen an der Natur. Bei einer repräsentativen Befragung von 14- bis 17-Jährigen gab mehr als die Hälfte an, die Natur sei ihnen während der Corona-Krise wichtiger geworden. Ebenso viele erklärten, sie hielten sich nun häufiger draußen in der Natur auf. Und viele wollen Tiere und Pflanzen besser kennenlernen: Rund 60 Prozent der Jugendlichen würden gern Tier- und Pflanzenarten namentlich kennen.

Das Programm der Jungen Naturwächter (JuNa) für Menschen im Alter von 7 bis 18 Jahren gibt es offiziell seit 2017 im Freistaat. Ziel sei, Nachwuchs für den Naturschutz zu gewinnen, erklärte Andrea Gößl von der Landesstiftung. Dazu wurde ein Programm mit Basiskursen und Praxisbausteinen entwickelt. «Die meisten JuNas suchen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung draußen in der Natur, bei der sie mit ihren Händen etwas Gutes für die Natur und Umwelt tun können.» Das sei auch ein Ausgleich zum stundenlangen Sitzen und Zuhören in der Schule.

In der Ausbildung der jungen Naturschützer-Generation spielen laut Gößl auch moderne Medien eine Rolle, etwa Apps zum Bestimmen von Pflanzen und Tieren. Solche Apps seien wertvolle Hilfsmittel, auch um Beobachtungen zu dokumentieren. Allerdings lernten die Jugendlichen, die Ergebnisse kritisch zu hinterfragen - etwa mit Hilfe analoger Bestimmungsmittel, betonte sie. Zudem gehe es um gemeinsame Aktionen wie Teiche entschlämmen, Amphibienzäune und Insektenhotels bauen oder das Bestimmen von Vögeln.

Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) lobte den Einsatz der Jungen Naturwächter. Sie leisteten eine wichtige Arbeit für den Erhalt von Artenvielfalt und Lebensräumen. Die Natur kennen und verstehen zu lernen und sich darüber auszutauschen, gehöre zu den reizvollsten und interessantesten Dingen, die Kinder und Jugendliche tun könnten, erklärte Günther.

02.07.2021 

An Brandenburger Schulen 1,17 Millionen Schnelltests in sechs Wochen

Am Brandenburger Schulen sind im Frühjahr innerhalb von sechs Wochen rund 1,17 Millionen Corona-Schnelltestergebnisse von Kindern und Jugendlichen erfasst worden. Bei 99,95 seien negative Ergebnisse festgestellt worden, teilte das Brandenburger Bildungsministerium auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag mit. Es habe 293 (0,02 Prozent) positive Testergebnisse gegeben, die auch durch PCR-Tests bestätigt wurden.

Von Lehrkräften wurden in den sechs Wochen (19. April bis 28. Mai) etwa 137 300 Schnelltestergebnisse gemeldet. Davon seien 55 (0,04 Prozent) durch Nachtestung bestätigt positiv gewesen, hieß es.

Der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Dennis Hohloch, kritisierte weitere Schulschließungen und eine Weiterführung der Test- sowie der Maskenpflicht als unverhältnismäßig.

Drei Länder machen gemeinsame Sache bei der Schul-Cloud

Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg wollen das digitale Lernen ausbauen und gemeinsam die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) weiterentwickeln. Die drei Länder unterzeichneten am Freitag in Potsdam ein entsprechendes Abkommen. Mit dem System können Schülerinnen und Schüler in digitalen Räumen gemeinsam lernen - mit Lernmaterial, Chats und Konferenzen. Bundesweit greifen nach Angaben des HPI rund 4000 Schulen und knapp 1,4 Millionen Nutzerinnen und Nutzer auf das System zurück.

«Umso mehr freuen wir uns, dass sich die Bundesländer Niedersachsen, Brandenburg und Thüringen, die bereits landesspezifische Varianten der HPI Schul-Cloud anbieten, darauf verständigt haben, das Forschungsprojekt zu übernehmen und für die schulische und berufliche Bildung weiterzuentwickeln», sagte HPI-Direktor Christoph Meinel in einer gemeinsamen Mitteilung mit den drei Ländern, die die Cloud in den Regelbetrieb übernehmen.

Brandenburgs Bildungsstaatssekretärin Ines Jesse sprach von einem «Leuchtturmprojekt der Digitalisierung» in der Bildung. «Mit der Schul-Cloud Brandenburg haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht - insbesondere bei der pandemiebedingten Ausweitung des Pilotbetriebes für alle Brandenburger Schulen.»

Thüringens Bildungsstaatssekretärin Julia Heesen sagte, mittlerweile arbeiteten fast 900 Schulen in Thüringen stabil mit der Schul-Cloud. Die schnelle Entwicklung der Cloud sei aktive Pandemiebekämpfung gewesen.

Niedersachsens Kultusstaatssekretärin Gaby Willamowius sagte, rund 1600 Schulen seien in der Niedersächsischen Bildungscloud registriert, sie habe sich auch in Hochzeiten mit vielen Zugriffen als stabil erwiesen und sei datenschutzkonform.

Das Bundesbildungsministerium hatte im März 2020 als Reaktion auf die Corona-Pandemie entschieden, die HPI Schul-Cloud deutschlandweit für alle Schulen zu öffnen, die keine vergleichbare Lösung des Landes oder Schulträgers nutzen konnten. Das quelloffene und freie System war in der Branche nicht unumstritten, es steht vor allem im Wettbewerb mit Lösungen, die auf der Open-Source-Plattform Moodle aufsetzen.

Druck steigt wegen Delta: SPD fordert Filter in allen Klassenzimmern

Angesichts der Gefahr durch die Delta-Variante des Coronavirus steigt der Druck auf Grün-Schwarz die Schulen im Südwesten bis zum Herbst mit Luftfiltern auszurüsten. «Es muss jetzt jede Maßnahme ergriffen werden, um das Infektionsrisiko für unsere Kinder im Herbst zu senken», sagte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch am Freitag in Stuttgart. Viele Schülerinnen und Schüler würden dann noch nicht geimpft sein. «Deshalb braucht es Luftfilter in allen Klassenzimmern des Landes», forderte Ex-Kultusminister Stoch. Die Regierung dürfe sich «nicht erneut sehenden Auges in Schulschließungen hineinmanövrieren». Auch die Lehrerverbände haben sich immer wieder für die Anschaffung von mobilen Raumluftfiltern ausgesprochen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und auch Kultusministerin Theresa Schopper (beide Grüne) hatten sich zuletzt beide skeptisch über die Wirkung der mobilen Filteranlagen geäußert, die etwa 3000 bis 4000 Euro kosten sollen. So hatte das Umweltbundesamt erklärt, dass mobile Luftfilter nur eine Ergänzung zum aktiven Lüften sein könnten. Doch nun ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mal wieder vorgeprescht und hat das Ziel ausgerufen, dass es bis zum Herbst in allen bayerischen Klassenzimmern einen Luftreiniger geben soll. Der Freistaat will den Kommunen dafür 50 Prozent der Anschaffungskosten erstatten. Auch die Grünen-Bundestagsfraktion fordert schon länger die Ausrüstung der Klassenzimmer mit Luftfiltern, um die Schulen offen halten zu können.

In Baden-Württemberg kommen Landesregierung und Kommunen an diesem Montagabend zur Gemeinsamen Finanzkommission zusammen. Dabei soll es dem Vernehmen nach neben Corona-Hilfen für gebeutelte Städte und Gemeinden auch um die Luftfilter gehen. Im Südwesten gibt es mehr als 67 000 Klassenzimmer.

Langfristig sprechen sich die Fachleute des Umweltbundesamtes dafür aus, Schulen mit Wärmetauschanlagen auszustatten. Bei solchen Lüftungsanlagen wird Frischluft von außen angesaugt und gleichzeitig durch die nach außen strömende Abluft erwärmt. Das sei die nachhaltigste Lösung für den Abtransport von Viren, verbrauchter Luft und Feuchte. In Neubauten ist das mit einer zentralen Lüftungsanlage am einfachsten umzusetzen, in bestehenden Schulgebäuden wären aufwendige Umbauten nötig.

Trotz niedriger Inzidenzen: Corona-Leitlinie für Schulen gilt weiter

Mehrere Fachgesellschaften haben klargestellt, dass ihre gemeinsamen Empfehlungen zum Infektionsschutz an Schulen auch nach den Sommerferien gültig bleiben. «Ziel der Leitlinie ist es, einen sicheren Schulbetrieb während der Pandemie zu ermöglichen und Schulen möglichst offen zu halten», teilten die beteiligten Gesellschaften am Freitag mit, darunter die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Die Maßnahmen seien mit Blick auf den Herbst und den Anstieg von leichter übertragbaren Varianten wie Delta auch bei niedrigen Infektionszahlen relevant. Abhängig vom Infektionsgeschehen empfiehlt die Leitlinie etwa das Tragen von Masken, einen regelmäßigen Luftaustausch in Klassenräumen und Wechselunterricht. Wie dies konkret ausgestalte werde, müsse an regionalen beziehungsweise lokalen Bedingungen ausgerichtet werden, heißt es. Für den Herbst soll es ergänzende Empfehlungen zu Teststrategien geben.

Die gemeinsame Leitlinie, die im Februar veröffentlicht wurde, sollte am Freitag auch bei einem Treffen des Regionalbüros Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgestellt werden.

Kultusminister-Präsidentin: Schulschließungen nur als letzte Maßnahme

Im Falle einer vierten Corona-Welle im Herbst sollen Schulen nach Ansicht der Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Britta Ernst, nur im äußersten Notfall erneut schließen. «Was ich ablehne ist, dass bei steigenden Zahlen im Herbst zuerst über Einschränkungen in Schulen diskutiert wird», sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). «Wenn das Infektionsgeschehen solche Probleme macht, dass Lockerungen zurückgenommen werden, sollte über die Schließung von Schulen als letztes nachgedacht werden.»

Die langen Schließungen in der Vergangenheit hätten Folgen für Kinder und Jugendliche gehabt, nicht nur im fachlichen, sondern auch im psychosozialen Bereich, sagte Brandenburgs Bildungsministerin. Jede neue Einschränkung, werfe im Aufholprozess zurück.

Ernst zeigte sich optimistisch, dass Schulen nach den Sommerferien in vollem Präsenzunterricht starten können. Die Rahmenbedingungen hätten sich im Vergleich zum letzten Schuljahr geändert. Alle Lehrkräfte hätten sich zweimal impfen lassen können, zudem gebe es die Möglichkeit von Tests. «Expertinnen und Experten sagen uns, mit diesen Rahmenbedingungen könnten die Schulen auch bei der Delta-Variante offen gehalten werden.»

Derweil forderte FDP-Chef Christian Lindner die KMK auf, außer der Reihe noch vor den Sommerferien zu tagen. «Ein neuerlicher Lockdown und Schließungen von Schulen bei einer möglichen vierten Welle müssen ausgeschlossen werden», sagte Lindner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die KMK und die Bundesregierung sollten «noch im Juli zusammenkommen, um eine Strategie zu beraten». Der nächste Termin im Oktober sei «viel zu spät». Im Zentrum der Beratungen müssten «die Ausdehnung der Lolli-Tests, Hygienekonzepte, Luftreiniger und Impfangebote stehen». Bereits über den Sommer könne man die Logistik dafür vorbereiten.

01.07.2021 

Noch kein Normalbetrieb an Schulen nach dem Sommer

Mit Nordrhein-Westfalen startet am Wochenende das nächste und bevölkerungsreichste Bundesland in die Ferien. Das neue Schuljahr scheint noch weit weg, doch der erste Schultag kommt schneller, als manchem lieb ist. In den Ländern gibt es noch große Unsicherheiten, wie es dann in Sachen Corona weitergeht.

Nach zwei von Corona geprägten Schuljahren können Eltern, Schüler und Lehrkräfte auch im kommenden Schuljahr nicht mit einem Normalbetrieb an den Schulen wie vor der Pandemie rechnen. Zumindest am Anfang wird es weiter Einschränkungen geben, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Kultusministerien der 16 Bundesländer ergab. Zusagen, dass die Schulen dieses Mal dauerhaft geöffnet bleiben, kommen aus keinem Bundesland. Einen Überblick darüber, wie viele Schulen in die vieldiskutierten Raumluftfilter investieren oder investiert haben, gibt es nicht.

SCHULSCHLIESSUNGEN NICHT AUSGESCHLOSSEN

Nach den Schulschließungen in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 waren sich Bundes- und Landespolitiker einig, dass es nicht noch einmal zu Schließungen kommen sollte. Es kam dann doch anders. Die zweiten Schulschließungen dauerten sogar noch länger. Die Frage, ob im neuen Schuljahr mit durchgehendem Präsenzunterricht zu rechnen ist, beantworten die meisten Kultusministerien nur sehr vorsichtig: Alle planen zunächst mit weitgehendem Normalbetrieb und auch mit Schulaktivitäten, Ausflügen und Klassenfahrten.

Festlegen für den Rest des Schuljahres will sich aber niemand: Präsenzunterricht soll es «zu Beginn des Schuljahres auf jeden Fall» geben (Hessen). Die weitere Entwicklung sei «nicht absehbar» (Bremen). Es gibt Normalbetrieb, «solange die Infektionsentwicklung das zulässt» (Berlin). Die Bildungsministerin hoffe, dass sich «die Infektionslage im neuen Schuljahr so entwickelt, dass Präsenzbetrieb beibehalten werden kann» (Rheinland-Pfalz).

Die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) plädiert für einen neuen Ansatz: Sofern das Virus seine Eigenschaften «nicht grundlegend» verändere und der Impfschutz für die Risikogruppen erhalten bleibe, vermittele «der reine Blick auf die Infektionszahlen dann kein vernünftiges Lagebild» mehr, sagte sie der dpa in Saarbrücken. In Sachsen wird das ähnlich gesehen. Der Freistaat hatte schon vor der Bundes-Notbremse angekündigt, Schulen nicht mehr in Abhängigkeit von der Inzidenz zu schließen.

Der CDU-Politiker und frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz sagte am Donnerstag in der «Rheinischen Post»: «Ganz gleich, ob die vierte, fünfte, sechste oder siebte Welle kommt: Lasst die Schulen auf!». Die Politik habe auch die Aufgabe, hin und wieder einmal etwas Zuversicht zu vermitteln. Es gebe keine Veranlassung für Panik. Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion Katja Suding forderte von Bund und Ländern eine Garantie für Präsenzunterricht nach den Sommerferien. Sie müssten dafür sorgen, dass die unterrichtsfreie Zeit genutzt werde, um die Schule pandemiefest zu machen. «Der Normalbetrieb darf nicht länger in Frage stehen.»

MASKEN UND TESTS

Die Maske dürfte in vielen Ländern nach den Sommerferien weiter zum Schulbild gehören - zum Teil auch im Klassenzimmer. Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen planen mit einer Maskenpflicht oder denken darüber nach. Zumindest in den ersten beiden Wochen des Schuljahres soll es sie als Sicherheitsmaßnahme wegen möglicher Ansteckungsgefahren durch Reiserückkehrer geben.

Andere Länder wollen Entscheidungen zu Masken in der Schule erst treffen, wenn das neue Schuljahr näher rückt und die Lage klarer ist (Bayern, Saarland, Hessen, Sachsen-Anhalt).

An den zwei Tests pro Woche wollen viele Bundesländer festhalten. Brandenburg plant in der ersten Schulwoche sogar drei Tests wegen der Urlaubsrückkehrer. Hamburg bleibt außerdem bei der sogenannten Kohortentrennung - also der Trennung von Gruppen, die sich in der Schule möglichst nicht begegnen sollen.

KEIN KLARES BILD BEI LUFTFILTERN 

Für manche sind Luftfilter die Lösung für einen coronasicheren Schulbetrieb, andere bezweifeln ihre Wirksamkeit. Einen Überblick, wie es in den Schulen damit aussieht, haben die Bundesländer nicht. Verwiesen wird darauf, dass für solche Anschaffungen und Baumaßnahmen die Schulträger, also meistens die Kommunen, selbst zuständig sind und entsprechend selbst investieren oder nicht. Oft liegen deshalb keine Zahlen vor.

Es gibt aber neben Eigeninvestitionen durch die Kommunen auch ein Förderprogramm des Bundes und Förderprogramme in den Ländern, die von den Trägern angezapft werden können. Über ein solches Landesprogramm wurden in Bayern Anträge für Filteranlagen für 14 000 Räume in Schulen gestellt und rund 37 Millionen Euro Fördergelder ausgegeben. In Nordrhein-Westfalen wurden aus einem 50-Millionen-Euro-Programm bisher Fördergelder in Höhe von knapp 20 Millionen Euro beantragt.

Berlin hat nach eigenen Angaben die Anschaffung von rund 8000 mobilen Luftfiltern mit 14,6 Millionen Euro gefördert. In Hessen gibt es einen Fördertopf mit 75 Millionen, in Mecklenburg-Vorpommern können Gelder aus einem 100-Millionen-Euro-Schulsanierungsprogramm auch für Luftfilter beantragt werden. In Thüringen haben Schulträger bis jetzt gut 3,6 Millionen Euro aus einem entsprechenden Schulsanierungsprogramm abgerufen.

Viele Länder setzen vor allem weiter auf das Lüften über die Fenster und verweisen auf die Empfehlungen des Umweltbundesamtes, wonach zumindest mobile Luftfilter nur eine Ergänzung zum aktiven Lüften sein könnten. «Das ist nicht das Ei des Kolumbus», hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gesagt. Mobile Geräte seien zu laut und große Umbaumaßnahmen auch nicht die Lösung.

Langfristig sprechen sich die Experten des Umweltbundesamtes dafür aus, Schulen mit Wärmetauschanlagen auszustatten. Bei solchen Lüftungsanlagen wird Frischluft von außen angesaugt und gleichzeitig durch die nach außen strömende Abluft erwärmt. Das sei die nachhaltigste Lösung für den Abtransport von Viren, verbrauchter Luft und Feuchte. In Neubauten ist das mit einer zentralen Lüftungsanlage am einfachsten umzusetzen, in bestehenden Schulgebäuden wären aufwendige Umbauten nötig.

30.06.2021

Wenig Einschränkungen - Sachsen lockert Corona-Regeln zum 1. Juli

Die Maskenpflicht im Freien fällt, in der Disco darf ohne Maske getanzt werden, Konzerte sind erlaubt: Ab Donnerstag ist vieles in Sachsen möglich. Lediglich die Furcht vor der Ausbreitung der Delta-Variante bremst die Hoffnung auf einen unbeschwerten Sommer.

Im Sommermonat Juli greifen in Sachsen neue Corona-Regeln. Die neue Landesverordnung gilt vom 1. bis zum 28. Juli und sieht umfassende Lockerungen bei niedrigen Infektionszahlen vor. Dafür wurde in die neue Corona-Schutzverordnung ein neuer Schwellenwert aufgenommen - eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 10. Diese Marke wird derzeit in allen Landkreisen und Städten deutlich unterschritten. Lockt damit ein unbeschwerter Sommer? Das sind die neuen Regeln:

SCHWELLENWERTE: Die neue Verordnung - das mittlerweile 34. Regelwerk - legt Schwellenwerte von 10, 35, 50 und 100 fest. Je nachdem gelten dann Lockerungen oder Verschärfungen - und zwar nach der «Fünf-plus-Zwei-Regelung»: Wenn die Schwellenwerte an fünf aufeinanderfolgenden Tagen überschritten werden, gelten ab dem übernächsten Tag die bisher bekannten Verschärfungen. Sachsen musste auch wieder Regeln bei steigenden Infektionszahlen über 100 festlegen, weil die bundesweit einheitliche Notbremse zum 30. Juni ausläuft. Unter der Inzidenz-Marke von 10 entfallen die meisten Beschränkungen. Aber nicht die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner allein zählt - Verschärfungen gelten, wenn 1300 Covid-Patienten auf den Normalstationen liegen oder 420 Menschen auf der Intensivstation.

MASKENPFLICHT: Entfällt bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter zehn Neuinfektionen je 100 000 Einwohner unter freiem Himmel komplett. Bisher musste eine Maske auch unter freiem Himmel getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden konnte. Lediglich beim Einkaufen, in Bus und Bahn sowie bei körpernahen Dienstleistungen wie beim Friseur bleibt der Mund-Nasenschutz weiter Pflicht. Im Pflegeheim müssen Beschäftigte und Besucher eine FFP2-Maske tragen, wenn sie nicht geimpft oder genesen sind.

SCHULEN UND KITAS: Vom 1. Juli an müssen sich Schüler und Lehrer statt wie bisher zweimal pro Woche nur noch einmal testen lassen. Voraussetzung ist auch hier die Sieben-Tage-Inzidenz von unter zehn. Generell sollen Schulen und Kitas künftig nicht mehr so schnell schließen - auch wenn die Zahl der Corona-Infektionen wieder nach oben schnellen sollte. Sie sollen unabhängig von den Inzidenzwerten geöffnet bleiben. Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz auf über 100, gehen laut Kultusministerium Grund- und Förderschulen sowie Kitas in den eingeschränkten Regelbetrieb mit festen Gruppen und Klassen. An weiterführenden Schulen wird im Wechselmodell unterrichtet.

KONTAKTE UND KONZERTE: Ab 1. Juli gibt es keine Kontaktbeschränkungen mehr (bei einer Inzidenz unter zehn): Partys mit Freunden, Familienfeiern, Sommerfeste sind dann wieder möglich, ohne auf Hausstände oder die Zahl der geladenen Gäste zu achten. Auch Großveranstaltungen wie Konzerte mit mehr als 1000 Teilnehmern sind erlaubt - aber nur mit Hygienekonzept, Kontakterfassung und aktuellem Negativ-Test. Auch in Musikclubs und Diskotheken darf wieder mit Test, aber ohne Maske getanzt und gefeiert werden.

Ministerium rechnet mit weitgehendem Regelbetrieb im neuen Schuljahr

Das saarländische Bildungsministerium geht nach derzeitiger Corona-Lage davon aus, dass es im neuen Schuljahr «weitgehend regulären Präsenzunterricht» geben wird. «Bei aller gebotenen Vorsicht halte ich es nicht für angebracht, Ängste zu schüren - zumal gerade Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zum neuen Schuljahr weitestgehend geimpft sein werden», sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken.

Sofern das Virus seine Eigenschaften «nicht grundlegend verändere» und der Impfschutz insbesondere für diese Gruppen erhalten bleibe, vermittele «der reine Blick auf die Infektionszahlen dann kein vernünftiges Lagebild» mehr. «Da müssen wir uns auch andere Kriterien anschauen, die Aufschluss über die Belastung unseres Gesundheitssystems geben», sagte die Ministerin.

Seit Beginn der Pandemie orientierten sich Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen an dem Ziel, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. «Derzeit gehen wir davon aus, dass ein weitgehend regulärer Präsenzunterricht im kommenden Schuljahr mit diesem Ziel vereinbar ist.» Das Ziel sei «der möglichst weitgehende Regelbetrieb an unseren Schulen», betonte sie.

Welche Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen - wie zum Beispiel ein Mund-Nasen-Schutz - zum Beginn des neuen Schuljahres nötig sein werden, sei von der tatsächlichen Lage zu diesem Zeitpunkt abhängig. «Wir werden darüber rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres informieren.» Noch vor Ferienbeginn werde die Landesregierung mit Experten beraten, welche Vorbereitungen für den Herbst zu treffen seien.

Die Anschaffung von Luftfiltern oder Luftfilteranlagen fördere das Land mit rund vier Millionen Euro. Bis Mitte Mai seien rund 200 Klassenräume mit Geräten ausgestattet worden. Rund 480 000 Euro der Fördersumme wurden von Schulträger abgerufen, wie das Ministerium mitteilte. Der Einsatz solcher Geräte sei im Musterhygieneplan für die Schulen geregelt. Räume, die nicht ausreichend gelüftet werden könnten, dürften für den Unterricht nicht genutzt werden.

Externe Bildungsträger für zusätzliche Förder- und Unterstützungsangebote an Schulen sollten für das nächste Schuljahr gewonnen werden, hieß es. Das Ministerium werde Schulen eine Liste zur Verfügung stellen, aus der sie entsprechend der schulspezifischen Bedürfnisse und des zugewiesenen Budgets auswählen könnten. Über deren Budget würden die Schulen in Kürze informiert.

In den Sommerferien seien vor allem im Rahmen der Ferienbetreuungen der Ganztagsschulen zusätzliche Bildungsangebote in Form von Projekten geplant, die grundsätzlich allen offenstehen sollen. Die Planungen liefen noch. Teilnehmerzahlen für die Zusatzangebote in den Ferien lägen noch nicht vor.

Landtag diskutiert über Unterricht nach den Sommerferien

Der Schulausschuss des Landtags wird an diesem Mittwoch (8.30 Uhr) in einer Sondersitzung über die Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Sommerferien diskutieren.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte angekündigt, dass das kommende Schuljahr so beginnen werde, wie das alte aufgehört hat: mit Präsenzunterricht in vollem Umfang. An Grund- und Förderschulen solle weiterhin zweimal pro Woche mit den sogenannten Lollitests auf das Coronavirus getestet werden, an den weiterführenden Schulen mit Selbsttests.

In den Schulen müssten auch nach den Sommerferien zunächst weiter Masken getragen werden, draußen nicht. Das Tragen der Masken in Innenräumen stehe aber auf dem Prüfstand, hatte die Ministerin angekündigt. Man werde die Inzidenzzahlen beobachten und dann entscheiden, ob die Maskenpflicht abgeschafft wird.

29.06.2021

Abi-Jahrgang muss wegen Verdacht auf Delta-Variante zum Corona-Test

Wegen des Verdachts auf Corona-Infektionen mit der Delta-Variante muss ein Abiturjahrgang aus Solingen zum PCR-Test. Das hat das Gesundheitsamt der Stadt laut Mitteilung von Dienstag angeordnet, nachdem zwei Schülerinnen nach einer Abi-Entlassfeier positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Weil keine andere Mutation nachweisbar sei, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um die Delta-Variante handele. Eine Sequenzierung und damit der Beleg, dass die Schülerinnen sich mit der besonders ansteckenden Corona-Virusvariante angesteckt haben, steht allerdings noch aus.

Die beiden Schülerinnen hatten sowohl an der Entlassfeier als auch an einem Gottesdienst teilgenommen. Beide Veranstaltungen fanden im Freien statt und sahen ausreichende Abstände, aber keine Maskenpflicht vor. Wer engeren Kontakt zu den Infizierten hatte, sei in Quarantäne geschickt worden, hieß es.

Weniger Maske, größere Gruppen: NRW lockert Regeln für Ferienangebote

Nordrhein-Westfalen lockert die Corona-Regeln für Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche. Abgesichert durch Corona-Schnelltests soll im ganzen Land bei Sommerferienaktionen der Jugendverbände und Jugendhilfeträger «weitgehende Normalität» möglich gemacht werden, wie Familien- und Gesundheitsministerium am Dienstag gemeinsam mitteilten.

So dürfen nun bei Kinder- und Jugendreisen auch Gruppen mit mehr als 25 Menschen gemeinsam betreut werden und unterwegs sein. Eine Aufteilung in kleinere feste Gruppen sei nicht mehr erforderlich. Neben einer Sieben-Tage-Inzidenz von höchstens 35 sind dafür zwei Coronatests pro Woche sowie ein gemeinsamer Test am Ende der Reise vorgesehen, um eine Weiterverbreitung möglicher Infektionen nach der Rückkehr zu vermeiden. Möglich seien gemeinsam durchgeführte Tests oder die kostenfreien Bürgertests.

Auch bei Ferienangeboten ohne Übernachtung gibt es Lockerungen: Im Freien dürfen ab sofort 50 und in Innenräumen 30 junge Menschen gemeinsam betreut werden. Hier sei zu Beginn und am Anfang jeder neuen Woche ein Test erforderlich. Bei größeren oder täglich wechselnden Gruppen müsse alle drei Tage getestet werden.

Die Maskenpflicht für Ferienprogramme fällt zudem in vielen Bereichen: Nur noch größere Gruppen von mehr als 20 jungen Menschen und fünf Betreuern müssen in Innenräumen Masken tragen - allerdings nicht beim Essen. Auch die Mindestabstände dürfen unterschritten werden.

Kinder und Jugendliche sollten «möglichst unbeschwerte Ferien genießen können» - auch jene, die nicht verreisen, teilte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit. Dank der aktuell niedrigen Inzidenzzahlen und leicht verfügbaren Tests seien die Lockerungen sehr gut zu verantworten. «Kinder und Jugendliche brauchen soziale Kontakte», betonte auch Familienminister Joachim Stamp (FDP). «Wir möchten ihnen mehr Normalität ermöglichen und gemeinsames Erleben wieder zum Alltag machen», sagte Stamp weiter.

Die Maskenpflicht kehrt an die Schulen zurück

Die Delta-Variante geht um, immer mehr Experten sagen eine vierte Welle voraus. Gleichzeitig machen sich viele Menschen auf den Weg in den Urlaub im Ausland. Die Landesregierung warnt bereits jetzt vor einem ungemütlichen Herbst - und einer Rückkehr in den Lockdown.

Baden-Württembergs Schülerinnen und Schüler müssen nach den Sommerferien vorübergehend wieder Masken im Unterricht tragen. Für die ersten zwei Wochen nach den Ferien wird die Maskenpflicht inzidenzunabhängig wieder eingeführt, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart sagte. Damit wolle die Regierung auf die Gefahr einer Einschleppung von Infektionen durch Reiserückkehrer reagieren. Man müsse mit einer erhöhten Reisetätigkeit rechnen, sagte er.

In Baden-Württemberg können Schülerinnen und Schüler erst seit vergangener Woche auf eine Maske verzichten, sofern die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region niedrig ist und es zwei Wochen an der jeweiligen Schule keinen neuen Corona-Fall gab. «Wir können nicht ausschließen, dass im Laufe des kommenden Schuljahres wieder mehr Schutzmaßnahmen notwendig sein werden, wenn die Inzidenzen steigen sollten oder Virusmutanten das Infektionsgeschehen verändern», sagte Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne).

Angesichts der besonders ansteckenden Delta-Variante und der Massenveranstaltungen rund um die Fußball-Europameisterschaft kann sich Kretschmann auch einen weiteren Lockdown durchaus vorstellen. «Das würde ich in keiner Weise ausschließen. Wenn die Welle dann kommt und wir in die Exponentialität kommen, haben wir ja keine anderen Möglichkeiten», sagte er.

Er mache sich große Sorgen, dass sich die Delta-Variante weiter unaufhaltsam ausbreite. Mit Blick auf die feiernden Fußball-Fans in den Stadien sei das seiner Ansicht nach möglich. «Wenn ich diese Bilder sehe, ist mir da ganz mulmig», sagte Kretschmann.

Die entscheidende Frage sei, «ob wir dagegen animpfen können», sagte der Grünen-Politiker weiter. Einige Wissenschaftler hätten die vierte Welle vorausgesagt, «und sie hatten meistens recht».

Zuvor hatte unter anderem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einer vierten Pandemie-Welle gewarnt und neue Einschränkungen nicht ausgeschlossen. «Wir müssen alles versuchen, um eine vierte Welle zu verhindern», hatte sie nach dem EU-Gipfel Ende der vergangenen Woche in Brüssel gesagt. Das sei gerade mit Blick auf mögliche wirtschaftliche Folgen von großer Bedeutung.

28.06.2021

Landesschülerrat: Viele Abschlussfeiern werden erst später nachgeholt

Laut Corona-Verordnung sind Abschlussfeiern in Sachsen-Anhalt zwar wieder erlaubt, viele finden trotzdem erst im Spätsommer statt. Von vielen Schulen sei die Rückmeldung gekommen, dass die Entscheidung bezüglich der Veranstaltungen zu kurzfristig gekommen sei, sagte der Vorsitzende vom Landesschülerrat, Felix Schopf. Dort würden zunächst feierliche Zeugnisübergaben im kleineren Rahmen stattfinden. Viele der Feiern könnten später nachgeholt werden - etwa im September vor Beginn des neuen Schuljahres. Einige wenige Schülerinnen und Schüler im Land können im Rahmen von Modellprojekten im Juli schon feiern.

Mit der Änderung der Corona-Verordnung Anfang Juni wurden Feiern wieder erlaubt, seit der letzten Änderung Mitte des Monats sogar in einem größeren Rahmen. Aktuell dürfen laut Gesundheitsministerium Abschlussfeiern, die professionell organisiert sind, in geschlossenen Räumen mit 500 Personen stattfinden. Im Freien dürfen 1000 Gäste teilnehmen. Vorausgesetzt werde dabei, dass die Gäste einen negativen Corona-Test vorweisen können und Anwesenheitslisten geführt werden, erklärte ein Sprecher des Ministeriums.

27.06.2021

Müller hofft für das neue Schuljahr auf weitere Impffortschritte

Aus Sicht von Berlins Regierendem Bürgermeister ist das Impfen das A und O beim Schutz von Lehrkräften, aber auch von Schülern. Müller hofft dabei auch auf eine andere Einschätzung der Stiko.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller setzt mit Blick auf den Präsenzunterricht im neuen Schuljahr auf weitere Fortschritte beim Impfen. «Wir werden mit Masken- und Testpflicht in den Präsenzunterricht starten nach den Ferien, das haben viele Länder so vor», sagte Müller in der ZDF-Sendung «Berlin direkt» am Sonntagabend. «Und natürlich haben wir auch einen Impffortschritt bei den Eltern und den Kindern und Jugendlichen, die auch die Impfangebote annehmen können.»

Im Schutz auch gegen die ansteckendere Delta-Variante sei das Impfen der Lehrerinnen und Lehrer, der Eltern, aber auch der Schülerinnen und Schüler das A und O, sagte der SPD-Politiker. «Insofern hoffe ich sehr, dass auch Herr Spahn die Initiative ergreifen kann, um mit der Stiko zu klären, ob man nicht anhand einer größeren Datenbasis eine gute Empfehlung auch für die Kinder aussprechen kann und das Impfen wirklich vorantreiben kann.»

Die Ständige Impfkommission hat bisher empfohlen, dass nur Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren geimpft werden sollen, die bestimmte Vorerkrankungen haben. Der Stiko zufolge sind wegen der relativ kleinen Gruppe von rund 1100 Kindern und Jugendlichen in der Zulassungsstudie und einen Beobachtungszeitraum von nur zwei Monaten mögliche schwere Nebenwirkungen nicht hinreichend auszuschließen.

Außerdem sprach sich Müller für strengere Regeln für Corona-Tests bei der Rückkehr von Urlaubern nach Deutschland aus. Er sei eindeutig dafür, sagte Müller in der ZDF-Sendung. «Diese Stichproben reichen nicht, die im Moment von der Bundespolizei umgesetzt werden», so der SPD-Politiker.

Es gebe auch gar keinen Grund dafür, das nicht flächendeckend zu kontrollieren. «Sie können schon bei der Anreise kontrollieren, wer hat den entsprechenden negativen Testnachweis. Und dann hier nach einer bestimmten Quarantänezeit auch mit einem erneuten Test gegenchecken, dass man auch wirklich negativ ist», erklärte Müller. «Es ist schön, wenn die Menschen Urlaub machen können, aber wir wollen die Gefahren ja nicht zurückbekommen hier nach Deutschland.»

Zur Diskussion um eine mögliche vierte Corona-Welle im Herbst sagte der derzeitige Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz: «Wenn wir nicht mit neuen Varianten, mit einer neuen großen Infektionswelle konfrontiert sind, glaube ich, werden wir über den Impffortschritt so einen guten Schutz haben, auch für die jetzt bekannte Delta-Variante, dass wir keinen anderen erneuten Lockdown brauchen.» Aber auch im Herbst werde der Gesundheitsschutz im Vordergrund stehen.

«Sunday Times»: Corona-Fälle unter britischen Schülern steigen rasant

Das Coronavirus breitet sich unter britischen Schülern einem Bericht der «Sunday Times» zufolge rasant aus. In der Woche zum 20. Juni sei die Zahl der infizierten 5- bis 9-Jährigen im Vergleich zur Vorwoche um 70 Prozent gestiegen, bei den 10- bis 14-Jährigen sei es ein Plus von 56 Prozent, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Gesundheitsbehörde Public Health. Insgesamt 16 100 Schüler waren wegen einer Corona-Infektion abwesend, in der Vorwoche waren es noch 10 600. Weil zudem Zehntausende wegen möglichen Kontakts mit Infizierten in Selbstisolation geschickt wurden, fehlten insgesamt 216 000 Schüler im Unterricht.

Grund für die rasche Ausbreitung sei die hoch ansteckende Delta-Variante, berichtete die Zeitung. Der Co-Generalsekretär der Lehrergewerkschaft National Education Union, Kevin Courtney, warnte vor einer Vervielfachung der Fälle. Steve Chalke von der Wohltätigkeitsorganisation Oasis Trust sagte, Schulen seien «Inkubationszentren für die neue Delta-Variante». «Der Trend in Schulen zeigt seit drei Wochen nach oben. Wir haben offensichtlich noch nicht die Spitze dieser dritten Welle erreicht», sagte Chalke.

Eltern kritisieren zunehmend die Strategie der Regierung, bei positiven Corona-Selbsttests die ganze Klasse für zehn Tage in Selbstisolation zu schicken. Zehntausende gesunde Kinder würden deshalb den Unterricht versäumen. Befürworter der Praxis weisen indes darauf hin, dass nur 15 Prozent der Eltern ihre Kinder regelmäßig testen. Gewerkschaften fordern eine Beibehaltung der Maskenpflicht sowie eine bessere Belüftung für Schulklassen. Schulleiter hoffen auf eine baldige Entscheidung zugunsten einer Impfung von Kindern.

Bildungsministerin schließt erneute Schulschließungen nicht aus

Wie geht es nach den Sommerferien an den Schulen weiter? Besser Vorsicht walten lassen als das Nachsehen haben, fordert ein Lehrerverband. Die Bundesbildungsministerin will die Schulen möglichst lang offen halten - sieht aber Unwägbarkeiten.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) schließt corona-bedingte Schulschließungen auch nach den Sommerferien nicht aus. Sie zeigt sich aber zuversichtlich, dass sie vermieden werden können. Für den Start ins neue Schuljahr dringt der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) auf eine «Sicherheitsphase» mit verstärkten Tests und Maskenpflicht, unabhängig von der Inzidenzrate.

Karliczek sagte am Samstag im RTL/ntv-«Frühstart»: «Ich bin sehr optimistisch, dass wir gut starten können und dass wir es dann (...) schaffen können, Schulen möglichst lange offen zu halten.» Eine Garantie könne aber niemand geben, da niemand wisse, «was diese Mutationen, die auf der Welt unterwegs sind, uns da noch zumuten».

Im Vergleich zum vergangenen Sommer gebe es jetzt aber die Vorteile des Impfens, der Tests und guter Hygienekonzepte. «Die höchste Priorität hat Präsenzunterricht und wir tun alles dafür, dass wir ihn möglichst lange aufrechterhalten können», sagte Karliczek. Sie zeigte sich insgesamt «sehr optimistisch», dass alles gut gehe. Selbst bei einer Virusvariante, wo der Impfstoff nicht 100-prozentig wirke, sorge er dafür, dass die Erkrankung nicht mehr ganz so schwer sei.

Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann rief zu «erhöhter Vorsicht» gerade zu Beginn des Schuljahres auf. «Wir fordern daher eine mindestens 14-tägige Sicherheitsphase nach den Sommerferien», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Sonntag). In dieser Zeit müsse verstärkt getestet werden. Zudem solle es in den beiden Wochen wieder eine Maskenpflicht im Gebäude und auch im Unterricht geben.

«Natürlich ist das nicht der Start, den wir uns wünschen würden», sagte Beckmann. «Aber Vorsicht ist besser, als das Nachsehen zu haben - und das hatten wir in den letzten Monaten genug.»

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) verlangte ebenfalls, sich auf eine mögliche vierte Corona-Welle vorzubereiten. Um auch dann einen sicheren Schulbeginn zu gewährleisten, könne es sein, dass von allen Schülerinnen und Schülern vor Betreten der Schule ein negativer Test verlangt werde, sagte er der «Augsburger Allgemeinen» (Samstag). «Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass wir komplett mit Maske in das Schuljahr starten.»

Freiwillig in die Sommerschule - Nachhilfe-Angebote in MV gefragt

Im zurückliegenden Schuljahr war für viele Schüler wegen der Corona-Pandemie der Unterricht an der Schule monatelang nicht möglich. Das hatte Folgen für die Wissensvermittlung. Mit Nachhilfe in den Ferien, vom Land finanziert, sollen Lücken geschlossen werden.

Auch in den Sommerferien wird in Mecklenburg-Vorpommern gebüffelt. Wie eine Umfrage der Deutschen Presseagentur ergab, verzeichnen die Anbieter von Nachhilfeunterricht eine rege Nachfrage nach den Sommer-Lernkursen. «Wir haben deutlich mehr Anfragen als im vorigen Jahr. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass in diesem Jahr schon Mitte Mai klar war, wie die Landesförderung aussieht. Alle konnten sich darauf einstellen», sagte in Schwerin Holger Liß, Landesleiter des Abacus Nachhilfe-Instituts mit 26 Niederlassungen im Nordosten. Nach seinen Angaben wurden vor allem Kinder im Grundschulalter für die Nachhilfekurse in den Ferien angemeldet. Und über alle Klassenstufen hinweg gebe es ein Schwerpunktfach: Mathematik.

Nach Angaben des Bildungsministeriums gewährt das Land jedem Schüler und jeder Schülerin für maximal 30 Unterrichtsstunden jeweils 12,50 Euro. Das Geld stamme aus dem MV-Schutzfonds, der als Reaktion auf die andauernde Corona-Pandemie im Vorjahr eingerichtet worden war. Nehmen die Kinder am Gruppen-Unterricht teil, entfallen in aller Regel Zusatzzahlungen für die Nachhilfe. Bei Einzelunterricht liegen die Eigenbeiträge laut Liß bei etwa 20 Euro pro Unterrichtsstunde.

Im Vorjahr hatten laut Ministerium rund 1400 Schüler an dem außerschulischen Lernprogramm teilgenommen, um Lücken zu schließen, die durch die coronabedingte Aussetzung des Präsenzunterrichts entstanden waren. Insgesamt zahlte das Land rund 400 000 Euro für gut 31 000 Nachhilfestunden. Die Antragstellung sei in diesem Jahr vereinfacht worden, was auch von den Nachhilfe-Instituten bestätigt wurde. Zudem sei nun auch Online-Lernförderung möglich, um Schülern auf dem Lande lange Anfahrtswege zu ersparen, hieß es aus dem Ministerium. Aktuelle Zahlen zu den Anmeldungen lagen nicht vor.

Beim Studienkreis Nachhilfe in Rostock wurden nach Angaben von Mitarbeiterin Jana Murk auch Schüler für die Sommerkurse angemeldet, die zuvor noch keine Nachhilfe in Anspruch genommen hatten. Doch seien in den sommerlichen Tagen zu Ferienbeginn nicht alle angemeldeten Schüler erschienen. «Ich hoffe, dass die Ernsthaftigkeit zunimmt und die Landesförderung im Interesse der Kinder nicht verpufft», sagte Murk. In der Mehrzahl seien auch bei ihr Grundschüler angemeldet worden. «Bei den ganz Kleinen kommt es darauf an, vor allem das Lesen zu üben», erklärte Murk.

Im Lernstudio Neubrandenburg wollen nach Angaben von Christian Weihmüller «Schüler quer durch alle Altersgruppen» im Sommer Unterrichtsstoff nachholen und festigen. «Und wer angemeldet ist, der kommt in aller Regel auch zu den vereinbarten Terminen», sagte Weihmüller. Allerdings würden nicht alle Schüler die maximal möglichen 30 Nachhilfestunden für den Sommer buchen.

Nach Einschätzung des Landesschülerrats, der sich mehrfach kritisch zum Krisenmanagement für die Schulen geäußert hatte, hat das Bildungsministerium aus den Fehlern des Vorjahres Schlüsse gezogen. «Die Regelungen zur außerschulischen Nachhilfe wurden diesmal frühzeitig bekanntgegeben. Damit können alle vernünftig planen. Für viele Schüler ist es nach dem monatelangen Home-Schooling eine gute Sache, im direkten Kontakt mit Schülern und Lehrern Schulstoff zu festigen», sagte der Landesschülerratsvorsitzende Anton Fischer.

Eine nicht repräsentative Online-Umfrage in Mecklenburg-Vorpommern, an der sich zu Jahresbeginn etwa 13 000 Eltern, gut 9000 Schüler und über 1000 Lehrer beteiligten, hatte massive Probleme beim Distanzlernen offenbart. Es gebe wenig Video-Unterricht und gerade Eltern von Grund- und Förderschülern seien oft überfordert, erklärten die Initiatoren vom Landeseltern- und Landesschülerrat sowie der Lehrergewerkschaft GEW. Der Landesschülerrat beklagte psychische Folgen für Kinder und Jugendliche durch das wochenlange Lernen allein zu Hause. Es fehle der geregelte Tagesablauf und das soziale Miteinander. Erst Mitte Mai hatte die Landesregierung zunächst Grundschulen, später auch weiterführenden Schulen wieder für Präsenz- und Wechselunterricht geöffnet.

Lehrerverband fordert «Sicherheitsphase» nach Sommerferien

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) dringt auf eine «Sicherheitsphase» nach den Sommerferien mit verstärkten Tests und Maskenpflicht in den Schulen, unabhängig von der Inzidenzrate. «Gerade zu Beginn des Schulbetriebs müssen wir erhöhte Vorsicht walten lassen. Wir fordern daher eine mindestens 14-tägige Sicherheitsphase nach den Sommerferien», sagte VBE-Chef Udo Beckmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Sonntag). In dieser Zeit müsse verstärkt getestet werden.

Vorbild könne dabei Berlin sein. Die Hauptstadt will den Angaben zufolge Schülerinnen und Schüler in der ersten Woche dreimal testen, in der zweiten Woche zweimal. Zudem solle in diesen beiden Wochen die Maskenpflicht im Gebäude und auch im Unterricht wieder eingesetzt werden, forderte Beckmann. «Natürlich ist das nicht der Start, den wir uns wünschen würden. Aber Vorsicht ist besser, als das Nachsehen zu haben - und das hatten wir in den letzten Monaten genug.»

26.06.2021

Ministerin: Keine Garantie für offene Schulen - Neue Variantengebiete

Angesichts der Virus-Mutationen können offene Schulen im kommenden Jahr nicht garantiert werden, sagt die Bildungsministerin. Die Bundesregierung legt sich derweil auf neue Virusvariantengebiete fest - darunter ein beliebtes Urlaubsland.

Angesichts sich verbreitender Corona-Mutationen schließt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek Schulschließungen auch im kommenden Schuljahr nicht aus. Auf eine entsprechende Frage in der Sendung «Frühstart» von RTL/ntv (Samstag), sagte die CDU-Politikerin: «Ich bin sehr optimistisch, dass wir gut starten können und dass wir es dann (...) schaffen können, Schulen möglichst lange offen zu halten». Eine Garantie könne niemand geben, fügte sie hinzu. «Weil wir nicht wissen, was diese Mutationen, die auf der Welt unterwegs sind, uns da noch zumuten.» Im Vergleich zum vergangenen Sommer gebe es jetzt aber die Vorteile des Impfens, der Tests und guter Hygienekonzepte.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte der «Rheinischen Post» (Samstag): «Das Hauptziel der Politik in Deutschland sollte sein, eine neuerliche Phase des Distanz- und Wechselunterrichts zu vermeiden. Wenn zusätzliche Gesundheitsschutzmaßnahmen wie zum Beispiel die Maskenpflicht und regelmäßige Testungen dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen, dann sollte man das auch machen.» Ähnlich äußerte sich die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), gegenüber der Zeitung.

Politiker und Experten warnen seit einiger Zeit vor der Delta-Variante des Coronavirus, die sich in vielen Ländern stark ausbreitet. Um die Verbreitung in Deutschland zumindest zu verlangsamen, schränkt die Bundesregierung die Einreise aus Portugal und Russland massiv ein. Das Robert Koch-Institut teilte am Freitagabend mit, dass die beiden Länder am Dienstag als Virusvariantengebiete eingestuft werden.

Die Einstufung als Virusvariantengebiet zieht ein weitgehendes Beförderungsverbot für Fluggesellschaften, Bus- und Bahnunternehmen nach sich. Sie dürfen nur noch deutsche Staatsbürger und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland über die Grenze bringen. Für diejenigen, die einreisen dürfen, gilt eine strikte 14-tägige Quarantänepflicht, die nicht durch einen Test verkürzt werden kann und auch für vollständig Geimpfte und Genesene gilt.

Deutschland hat bisher 14 Länder als Virusvariantengebiete eingestuft, darunter mit Großbritannien auch ein Land in Europa. Portugal und Russland sind nun Nummer 15 und 16. Die zuständigen Ministerien hatten am Freitag lange um die Entscheidung gerungen. Sie falle nicht leicht, da gerade in Portugal viele Urlauber betroffen seien, hieß es anschließend aus der Bundesregierung. «Aber wir müssen die immer stärkere Verbreitung der Delta-Variante so lange als möglich verlangsamen. Das geht vor.» Die Regelung dürfte zahlreiche deutsche Touristen treffen, die entweder jetzt schon in Portugal im Urlaub sind, oder eine Reise dorthin geplant haben.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) drängt den Bund derweil zu verschärften Vorkehrungen für Reiserückkehrer. «Internationale Reisen dürfen nicht dazu führen, dass sich wieder mehr Menschen infizieren und das Virus nach Hause tragen. Deshalb ist es wichtig, dass für alle Rückkehrer aus Risikogebieten gilt, dass sie zwei Tests machen: Zu Beginn der Rückkehr und nach fünf Tagen Quarantäne», betonte Schwesig in Schwerin.

Die bislang geltende Regelung, nach der ein einmaliger negativer Corona-Test gleich nach der Rückkehr ausreicht, werde der Realität nicht gerecht. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach unterstützte diese Forderung in der «Rheinischen Post»: So könne man die zu erwartende vierte Welle im Herbst stark abschwächen.

25.06.2021

Ministerium: Größere Abibälle mit Anmeldung möglich

Größere Abiturfeiern im privaten Rahmen sollen laut Bildungsministerium im Juli per Anmeldung möglich sein. Nach bisherigen Plänen für eine neue Corona-Verordnung müssen private Veranstaltungen mit mehr als 30 Teilnehmern in geschlossenen Räumen oder mehr als 70 unter freiem Himmel beim Gesundheitsamt angemeldet werden, wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte. «Abibälle und andere Feiern fallen unter diese Regelung», so das Ministerium. Die Anmeldung muss dabei mindestens fünf Werktage vor der geplanten Feier erfolgen.

Die neue Corona-Verordnung wird in der kommenden Woche erwartet. Sie soll nach bisherigem Stand ab 1. Juli gelten. Bis dahin sind noch Änderungen möglich.

Das Bildungsministerium stellte klar, dass Veranstaltungen zur Zeugnisübergabe in der Regel als schulische Veranstaltungen gelten - und dafür die Infektionsschutzkonzepte der Schulen gelten. Der Abiturzeugnistermin ist laut Ministerium in diesem Jahr der 9. Juli.

Traumnote trotz Pandemie: 421 Schüler schaffen ihr Abi mit 1,0

Berlins Abiturienten haben ungewöhnliche Zeiten samt Maskenpflicht und Abstandsgebot hinter sich. Der stadtweite Abischnitt liegt auf dem Niveau es Vorjahrs. Die Spitzengruppe ist sogar noch größer geworden.

Trotz erheblicher Einschränkungen beim Unterricht in den vergangenen beiden Schuljahren haben Berlins Abiturientinnen und Abiturienten besser abgeschnitten als in der Zeit vor der Corona-Pandemie. Bei den Top-Durchschnittsnoten gab es sogar einen deutlichen Sprung nach oben im Vergleich zum vergangenen Jahr. Die Traumnote von 1,0 haben diesmal 421 Schülerinnen und Schüler erreicht - das sind 114 mehr als 2020, wie die Senatsverwaltung für Bildung am Freitag mitteilte.

Einen Schnitt von 1,1 gab es 245 Mal und damit ebenfalls noch häufiger als im Vorjahr (205). Bei den Abiturientinnen und Abiturienten nichtdeutscher Herkunftssprache hat sich der Anteil mit einem 1,0-Abi sogar verdoppelt: von 1,1 auf 2,2 Prozent.

Der Abiturdurchschnitt lag berlinweit wie im Vorjahr bei 2,3 - in den neun Jahren davor jeweils bei 2,4. Von den 12 653 Schülerinnen und Schülern, die das Abi machen wollten, haben 12 232 bestanden. Die Quote liegt damit ebenfalls wie im Vorjahr bei 96,7 Prozent.

Im Nachbarland Brandenburg ist der Abitur-Durchschnitt mit 2,2 etwas besser als in der Hauptstadt, die Bestnote 1,0 erreichten 346 Prüflinge. Die Durchschnittsnote hat sich im Vergleich zum vorangegangenen Schuljahr außerdem um 0,1 Prozentpunkte verbessert. Nach Angaben des Bildungsministeriums in Potsdam haben 9347 und damit 95,9 Prozent aller Abiturienten die Prüfungen bestanden.

Die Abiturienten haben eine Oberstufenzeit mit ungewöhnlichen Belastungen und unter besonderen Umständen hinter sich. Phasenweise waren die Schulen komplett geschlossen, monatelang gab es einen Mix aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause und nicht immer sofort geglückte Experimente mit digitalem Unterricht.

Hinzu kamen Abstandsgebot und Maskenpflicht, Einschränkungen bei zahlreichen Aktivitäten von Arbeitsgemeinschaften bis Kursfahrten und kaum Möglichkeiten, Mitschülerinnen und Mitschüler wie gewohnt regelmäßig zu treffen - und sei es zum gemeinsamen Lernen.

Zum Teil wurden die Prüfungsbedingungen in Berlin daran angepasst. So hatte die Bildungsverwaltung die Unterrichtsphase vor den Prüfungen verlängert und den Termin für die ersten schriftlichen Prüfungen nach hinten verschoben, so dass die Schülerinnen und Schüler mehr Zeit zum Lernen hatten. Die Zeit für die Klausuren wurde verlängert, und für die mündliche Prüfung konnten sie sich aussuchen, über welche zwei Kurshalbjahre sie sich prüfen lassen wollen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gratulierte ihnen am Freitag: «Ein außergewöhnlicher Abiturjahrgang hat es mit Bravour geschafft.» Die Abiturientinnen und Abiturienten könnten ganz besonders stolz auf ihre Leistungen sein. «Sie haben ihr Abitur in einer nie da gewesenen Zeit mit langen Lockdownphasen herausragend absolviert», sagte Scheeres - und dabei ein hohes Maß an Selbstständigkeit gezeigt.

24.06.2021

Kinderkommission rügt Corona-Politik

Die Kinderkommission des Bundestages hat den Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie kritisiert und mehr Rücksichtnahme auf ihre Interessen gefordert. Kinder und Jugendliche seien in der öffentlichen Debatte vor allem zu Beginn der Pandemie «leider des Öfteren als "Virenschleudern" einerseits und "Coronaparty-Feiernde" andererseits» dargestellt worden, heißt es in einer Stellungnahme des Gremiums. «Die entwicklungsspezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen traten dahingehend weitgehend in den Hintergrund», kritisiert die Kommission. Sie seien zunächst auch nicht beteiligt worden.

Die Kinderkommission ist ein Unterausschuss des Familienausschusses im Bundestag und versteht sich als Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche. Für ihre Stellungnahme hatte sie über mehrere Monate Experten aus Gewerkschaften und Verbänden und Vertreter jugendlicher Mitbestimmungsstrukturen angehört.

Verwiesen wird in der Stellungnahme auf mangelnden Kontakt zu Gleichaltrigen, wenig Platz und Bewegung, fehlende Tagesstruktur und fehlende technische Ausstattung. «Uneinheitliche und kurzfristige Öffnungen bzw. Schließungen von Kitas und Schulen haben Kindern und Eltern viel abverlangt und Unsicherheit geschaffen», heißt es außerdem. Sachverständige hätten der Kommission von erhöhten Fallzahlen der Kinder- und Jugendpsychiatrie berichtet.

Die Kommission fordert für die Zukunft die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und die Berücksichtigung ihrer Interessen bei Corona-Eindämmungsverordnungen und lokalen Pandemieplänen. Empfohlen wird dafür die Schaffung von Expertengremien unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und Jugendverbänden zur Beratung von Bundes- und Landesregierungen. «Die Rechte von Kindern, insbesondere auf Bildung, Beteiligung und Freizeit müssen in zukünftigen Pandemieplänen eine zentrale Rolle spielen», sagte der Linken-Abgeordnete Norbert Müller, unter dessen Vorsitz die Stellungnahme entstand.

Piazolo sieht bei Luftreinigern für Schulen Kommunen in Pflicht

München (dpa/lby)Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat die Kommunen an ihre Pflicht erinnert, für die Ausstattung der Schulen beim Schutz vor dem Coronavirus zu sorgen. Bei der Anschaffung von Luftreinigungsgeräten seien zum Beispiel zunächst die Städte und Gemeinden gefordert, sagte Piazolo am Donnerstag in München. Die Co-Finanzierung des Landes stehe zur Verfügung. «Es hindert niemand die Kommunen, dort tätig zu werden.»

Die Schule ist zu Ende - aber viele Fragen sind noch offen

Mit dem Ferienbeginn geht ein Schuljahr zu Ende, das für viele noch anstrengender gewesen ist als üblicherweise. Die Hoffnung ist, dass es danach mit etwas mehr Normalität weitergeht. Sicher ist das nicht.

In Berlin haben die Ferien am Donnerstag gerade erst begonnen. Viele Schüler und Eltern fragen sich aber bereits, wie es im neuen Schuljahr weitergeht. Dass die Bildungsverwaltung für die Zeit nach den Ferien Regelbetrieb mit Präsenzpflicht angekündigt habe, sei ein wichtiges Zeichen, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, der Deutschen Presse-Agentur. Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge müssen dann wieder zum Unterricht in der Schule sein, nachdem die Präsenzpflicht monatelang ausgesetzt war.

Das heißt, Kinder und Jugendliche mussten nicht in die Schule kommen, wenn sie oder ihre Eltern das vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie nicht wollten. Das wird nach den Ferien anders. «Wichtig ist das vor allem für diejenigen, die in der Pandemie als verloren gegangen gelten, die wirklich nicht mehr erreichbar gewesen sind, die nicht an Videokonferenzen teilgenommen haben, nicht ans Telefon gegangen sind», sagte Heise.

In manchen Fällen wisse man nicht immer, was mit ihnen passiert sei. «Man kann nur das Beste hoffen, dass es ihnen gut geht und dass sie im nächsten Schuljahr wieder da sind», sagte der Elternvertreter. Und dass sie durch die geplanten Förderangebote gut unterstützt würden.

Heise plädiert dafür, vorsichtig ins neue Schuljahr zu starten, auch angesichts der als ansteckender geltenden Delta-Variante, von der nicht sicher sei, wie weit sie sich Anfang August auch in Deutschland ausgebreitet habe. «Deshalb ist es angemessen, einen vorsichtigen Plan zu haben», sagte Heise.

Nach dem Willen der Bildungsverwaltung gilt in den ersten beiden Wochen des neuen Schuljahrs ab dem 9. August in geschlossenen Räumen eine Pflicht zum Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung. Wenn die Infektionszahlen dem nicht entgegenstehen, soll sie anschließend wegfallen. Außerdem sind in der ersten Unterrichtswoche drei Schnelltests für Schülerinnen und Schüler vorgesehen, danach zwei pro Woche.

Auch aus Sicht der Berliner Schülervertreter ist es vernünftig, das neue Schuljahr mit Test- und Maskenpflicht beginnen zu lassen. «Ich glaube, dass das eine gute Regelung ist, eine mit Augenmaß», sagte der Sprecher des Landesschülerausschusses, Rufus Franzen. «Testen ist für uns der Ausweg aus dem Homeschooling. War es schon immer und wird es noch länger bleiben», so der Oberstufenschüler am Beethoven-Gymnasium in Lankwitz (Steglitz-Zehlendorf).

«Die Testpflicht sollte eines der Mittel sein, das als letztes aufgehoben wird und definitiv auch nach der Maskenpflicht.» Tests seien eine Möglichkeit, frühzeitig Infektionsherde zu entdecken, so der Elftklässler. «Das hat an unserer Schule auch sehr gut funktioniert und bei vielen anderen Schulen in Berlin.»

Probleme gibt es noch genug. Die Schulleiterverbände haben erst kürzlich Alarm geschlagen, auf fehlende Lehrkräfte hingewiesen und die Rückkehr zur Verbeamtung gefordert - Berlin ist das einzige Bundesland, das darauf verzichtet. Die Gewerkschaft GEW kämpft für kleinere Klassen. Elternvertreter Heise hofft, dass Berlins Lehrerinnen und Lehrer nicht nur neue Laptops und Tablets bekommen, sondern damit auch im Schulalltag umgehen können. Zudem will er, dass im neuen Schuljahr alle Fenster in den Schulen tatsächlich zu öffnen sind, damit gelüftet werden kann.

Aus Sicht von Franzen ist im zu Ende gegangenen Schuljahr schon vieles besser gelaufen als in dem davor, zum Beispiel beim Einsatz der Lernraum-Plattform. «Auch Videokonferenzen wurden mehr genutzt. Trotdem sind wir noch nicht auf einem Stand, der dem 21. Jahrhundert entspricht», sagte der Elftklässler. «Wir müssen digitale Methoden auch in den analogen Unterricht einbinden, damit sie zum Standard werden.»

Schülervertreter sind für Festhalten an der Testpflicht

Das neue Schuljahr nach den Sommerferien mit Test- und Maskenpflicht beginnen zu lassen, ist aus Sicht der Berliner Schülervertreter vernünftig. «Ich glaube, dass das eine gute Regelung ist, eine mit Augenmaß», sagte der Sprecher des Landesschülerausschusses, Rufus Franzen, der Deutschen Presse-Agentur. «Testen ist für uns der Ausweg aus dem Homeschooling. War es schon immer und wird es noch länger bleiben», so der Oberstufenschüler am Beethoven-Gymnasium in Lankwitz (Steglitz-Zehlendorf). «Die Testpflicht sollte eines der Mittel sein, das als letztes aufgehoben wird und definitiv auch nach der Maskenpflicht.»

In Berlin haben am Donnerstag die Sommerferien begonnen. Nach dem Willen der Bildungsverwaltung gilt in den ersten beiden Wochen des neuen Schuljahrs ab dem 9. August in geschlossenen Räumen eine Pflicht zum Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung. Wenn die Infektionszahlen dem nicht entgegenstehen, soll sie anschließend wegfallen.

Außerdem sind in der ersten Unterrichtswoche drei Schnelltests für Schülerinnen und Schüler vorgesehen, danach zwei pro Woche. «Ich glaube, dass das sinnvoll ist», sagte Franzen. Tests seien eine Möglichkeit, frühzeitig Infektionsherde zu entdecken, so der Elftklässler. «Das hat an unserer Schule auch sehr gut funktioniert und bei vielen anderen Schulen in Berlin.»

23.06.2021

Laschet: Werden mit Corona leben müssen - Schulen bleiben offen

Mit einem Bein steht Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet schon in Berlin. Für Nordrhein-Westfalen setzt der Ministerpräsident aber noch einige Akzente - besonders in der Corona-Politik.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) rechnet im Herbst mit wieder steigenden Corona-Zahlen, will aber die Schulen nach den Sommerferien offen lassen. Der Bildschirm könne soziale Kontakte für Kinder und Jugendliche nicht ersetzen, sagte der Unions-Kanzlerkandidat am Mittwoch mit Blick auf den wochenlangen Distanzunterricht im ablaufenden Schuljahr.

Anders als etwa in Bayern werde die Maskenpflicht im Unterricht bis zum Beginn der Sommerferien in NRW aber bleiben. Es seien nur noch wenige Tage bis Ferienbeginn. «Wir bereiten uns sehr genau für die Zeit nach den Sommerferien vor, so dass dann ein sicherer Schulstart beginnen kann.»

Zugleich machte Laschet klar, dass es keine Impfpflicht für Schüler geben werde und auch «keine Impfvorgänge» in den Schulen. Er folge den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko). Die Eltern hätten die Verantwortung, ob sie ihre Kinder impfen lassen wollten. Die Impfkommission empfiehlt die Corona-Impfung für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren nur bei Vorerkrankungen.

SORGE VOR DELTA-VARIANTE

Trotz der Ungewissheit wegen der sich ausbreitenden Delta-Variante will Laschet am Öffnungskurs festhalten. Die Grundrechtsbeschränkungen könnten in der Phase, wo die Corona-Inzidenz gegen Null gehe, nicht prophylaktisch einfach aufrecht erhalten werden. «Das wäre verfassungswidrig.» Die Delta-Variante mache in NRW etwa sechs bis sieben Prozent der Corona-Infektionen aus. Wenn aber trotz der Verbreitung der Delta-Variante die Inzidenz weiter sinke, scheine deren Auswirkung nicht so groß zu sein. «Du kannst im Ist-Zustand den Menschen nicht Rechte vorenthalten, wenn es den objektiven Grund dafür gar nicht mehr gibt», so Laschet. «Wir werden in den nächsten Jahren mit Coronaviren leben müssen.» Auch im Herbst werde es wieder steigende Zahlen geben. «Nullrisiken» bei Viren werde es nicht geben.

IMPFUNGEN IN NRW

Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner in NRW sei mit 7,4 so niedrig wie seit 27. Juli 2020 nicht mehr, sagte Laschet. Auf den Intensivstationen lägen noch 169 Covid-19-Patienten. «Stand heute ist das Virus erfolgreich eingedämmt.» Dennoch sei wegen der Ausbreitung der Delta-Variante Vorsicht geboten.

In NRW haben laut Laschet fast zehn Millionen Menschen die erste Impfung bekommen. Mehr als sechs Millionen und damit ein Drittel der Bevölkerung hätten den vollen Impfschutz. Nach derzeitigem Stand könnten Anfang September nach den Sommerferien 80 Prozent der Bevölkerung den vollen Impfschutz haben. Auch Laschet selbst hat nach eigenen Angaben inzwischen die erste Impfung bekommen.

«Die Brücke in ein normales Leben steht auf einem festen Fundament», sagte der CDU-Bundesvorsitzende. Noch vor den Sommerferien werde die Corona-Schutzverordnung überarbeitet. Vielleicht würden in zwei Wochen auch noch einmal größere Schritte etwa zur Frage der Maskenpflicht in Innenräumen möglich sein.

Der interdisziplinäre Corona-Expertenrat hat sich nach Angaben Laschets nach 15 Monaten Digitalsitzungen am Mittwoch zu seiner letzten Sitzung getroffen - erstmals in Präsenz. Das Gremium gab eine letzte Stellungnahme heraus. Die Experten rieten zu einem besonnenen Umgang mit der Entspannung der Krise, da ab Herbst wieder mit einem Anstieg der Infektionszahlen zu rechnen sei. Zudem empfahl das Gremium eine intensive Analyse und Bewertung des Pandemiemanagements von Bund, Ländern und Kommunen, um für zukünftige pandemische Lagen gut vorbereitet zu sein.

NEUES KLIMAGESETZ FÜR NRW

Die Wirtschaft in NRW versprühe «eine regelrechte Aufbruchsstimmung», sagte Laschet. Experten rechneten mit einem Wachstum von 3,5 Prozent. NRW «übererfüllt» dem Regierungschef zufolge seine eigenen Klimaschutzziele und liege beim Einsparen des klimaschädlichen Kohlendioxids über dem Bundesschnitt. NRW werde als erstes Bundesland die neuen Klimaziele der Bundesregierung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts kommende Woche in ein Landesgesetz gießen.

Das Bundesverfassungsgericht hatte den Gesetzgeber verpflichtet, das Klimaschutzgesetz für die Zeit nach 2030 näher zu regeln. Das Bundeskabinett beschloss daraufhin eine neue Fassung. Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral werden - und damit fünf Jahre früher als bisher geplant nur noch so viele schädliche Treibhausgase ausstoßen, wie wieder gebunden werden können.

VIER JAHRE CDU/FDP-KOALITIONSVERTRAG IN NRW

Zu seinem geplanten gemeinsamen Auftritt mit FDP-Chef Christian Lindner am Freitag aus Anlass des vierten Jahrestags der Unterzeichnung des schwarz-gelben Koalitionsvertrags in NRW sagte der CDU-Chef: «Wir trinken ein Bier zusammen.» Angesichts des Spotts der Opposition, den ungewöhnlichen Jahrestag mit Bier und Würstchen zu feiern, sprach Laschet ironisch von einem «Grill-Gate».

Als Wahlhilfe für die FDP will der Kanzlerkandidat das Event mit Lindner aber nicht verstanden wissen. Mit Blick auf aktuelle Wahlumfragen, nach denen nach der Bundestagswahl im September auch eine Koalition aus Grünen, SPD und FDP möglich wäre, sagte Laschet: «Ich glaube, eine Ampel wäre für Deutschland von Schaden.» Ob die FDP am Ende wirklich in eine solche Regierung eintreten würde, müssten die Liberalen Ende September selbst entscheiden. Er halte nach wie vor eine Koalition aus CDU und FDP für eine gute Kombination, sagte Laschet. «Das wären mindestens zwei gute Partner für Berlin.»

Bildungssenatorin: Für die Sommerschulen ist das Personal begrenzt

Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat eingeräumt, dass nicht allen Schülern, die in den Ferien an einem Sommerschul-Angebot teilnehmen möchten, ein Platz sicher ist. «Uns war es wichtig, dass wir von Anfang an seit der Pandemie Sommerschulen, Winterschulen, Herbstschulen, Osterschulen anbieten», sagte die SPD-Politikerin in der RBB-«Abendschau» am Mittwoch. «Und in diesem Jahr wollen wir insgesamt für 20 000 Schülerinnen und Schüler Plätze anbieten, jetzt in den Sommerferien 7400 Plätze», so die Senatorin. «Das ist begrenzt, das hat was mit dem Personal zu tun, weil das Personal entsprechend qualifiziert wird und auch da sein muss.»

Der Vater einer Berliner Elftklässlerin erzählte in der «Abendschau», es sei sehr ernüchternd, dass seine Tochter kurzfristig erfahren habe, keinen Platz zu bekommen. «Das war ein ganz schöner Dämpfer.» Scheeres sagte: «Im Vergleich zu anderen Bundesländern bieten wir hier sehr viel an, aber ich kann die Enttäuschung natürlich verstehen, wenn dann eine Schülerin oder ein Schüler keinen Platz erhält.»

Die Bildungssenatorin betonte, neben der Sommerschule gebe es noch weitere Angebote: «Das Gute ist ja, dass wir das Bund-Länder-Programm "Stark trotz Corona" haben, dass wir hier 64 Millionen Euro zur Verfügung haben, um auch während der Schulzeit Unterstützungsangebote zur Verfügung zu stellen, einerseits um Lernlücken zu schließen, aber andererseits auch, um Kinder und Jugendliche zu stärken.» Schließlich seien die vergangenen Monate für die Schüler auch psychisch eine schwierige Situation gewesen.

Neue Corona-Lockerungen geplant - Streit um Testpflicht an Schulen

Thüringens Landesregierung will den Bürgern im Freistaat angesichts niedriger Corona-Inzidenzwerten mehr Freiheiten zurück geben. Bei den Abgeordneten trifft das in den Grundzügen weitgehend auf Zustimmung. Doch eine Änderung im Bildungssektor halten viele für falsch.

Keine Kontaktbeschränkungen, keine Testpflicht an Schulen, Perspektiven für Clubs und Veranstaltungen: Die Thüringer Landesregierung plant angesichts niedriger Inzidenzwerte weitere Lockerungen von Corona-Maßnahmen. Das geht aus einem Verordnungsentwurf hervor, der dpa vorliegt. Demnach sollen unter anderem die Kontaktbeschränkungen komplett wegfallen und nur noch als Empfehlung gelten. Nach bisherigen Plänen soll die Verordnung am 1. Juli in Kraft treten. Bis dahin sind noch Änderungen möglich.

Nach dem Entwurf sollen die landesspezifischen Inzidenzwert-Grenzen von 35 und 50 wegfallen. Strengere Regeln würde es dann automatisch erst wieder bei einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern geben, wenn die Bundesnotbremse dann wieder greift. Allerdings sollen die Landkreise gegensteuern, wenn die Inzidenzen zum Beispiel die 50er-Schwelle überschreiten. Schon ab einem Wert von 35 sollen strengere Maßnahmen geprüft werden. Am Mittwoch lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Thüringen bei 6,2.

Bei einer gemeinsamen Ausschusssitzung des Gesundheitsausschusses mit dem Bildungsausschuss begrüßten viele Abgeordnete teils auch von der Opposition die geplante Verordnung. Es seien die richtigen Schritte, die nun gegangen würden, sagte etwa der CDU-Abgeordnete Thadäus König.

Auf breite Ablehnung stießen aber Pläne von Bildungsminister Helmut Holter (Linke), die bisher geltende Testpflicht an Schulen abzuschaffen. Ein Überblick über die geplanten Maßnahmen:

KONTAKTEMPFEHLUNGEN:

Es soll kein Verbot und keine Einschränkung mehr geben, sondern nur noch Empfehlungen. Damit würde sich die neue Verordnung klar an den Regeln des vergangenen Sommers im Corona-Jahr 2020 orientieren, als Thüringen mit sehr niedrigen Inzidenzen relativ unbeschwert über die Sommermonate kam. Nach dem Verordnungsentwurf soll den Menschen trotzdem empfohlen werden, sich nur mit Angehörigen des eigenen und eines weiteren Haushaltes zu treffen oder mit nicht mehr als zehn anderen Menschen.

MASKENPFLICHT

In geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind oder wo Publikumsverkehr besteht, sollen Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden müssen. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren sollen dafür auch selbstgenähte oder andere Stoffmasken verwenden können. Für alle anderen sollen weiterhin medizinische oder FFP2-Masken Pflicht sein - zum Beispiel beim Shoppen, in Bussen oder der Straßenbahn und bei Sitzungen kommunaler Gremien.

DISKOTHEKEN/CLUBS

Bisher konnten Diskotheken und Clubs nur unter bestimmten Voraussetzungen öffnen - wenn die Inzidenz im jeweiligen Landkreis unter 35 lag und die zuständigen Behörden die entsprechenden Anträge genehmigten. Mit der neuen Verordnung soll es generell keine Schließungen mehr geben. Allerdings müssen Diskos und Clubs die Kontaktnachverfolgung weiterhin sicherstellen und Besucher brauchen einen aktuellen negativen Test, einen Impfnachweis oder müssen belegen, dass sie die Krankheit bereits durchgemacht haben.

TESTPFLICHT

Nach dem Verordnungsentwurf soll es kaum noch Bereiche geben, wo Tests erforderlich sind. Neben dem Besuch von Clubs und Discos wäre ein negativer Test auch bei körpernahen Dienstleistungen, bei Tanz- und Ballettunterricht Chor- und Orchesterproben und bei sexuellen Dienstleistungen noch nötig.

Wegfallen soll nach Plänen von Bildungsminister Helmut Holter (Linke) auch die Testpflicht an Schulen, was in den Reihen seiner eigenen Partei sowie bei SPD, Grünen und der CDU auf Skepsis stieß. Seine Fraktion empfehle, die geplanten Veränderungen bezüglich der Testpflicht zu prüfen, sagte der Linke-Abgeordnete Christian Schaft am Mittwoch im Thüringer Landtag.

«Wir sind auch etwas unglücklich und sehr skeptisch mit dem faktischen Fast-Wegfallens des Testens an Kindergärten und an Schulen», sagte SPD-Abgeordnete Dorothea Marx. Es sollte nicht von dem engmaschigen Testangebot abgewichen werden.

Holter wies in der gemeinsamen Ausschusssitzung im Landtag darauf hin, dass man sich trotz des geplanten Wegfalls der Testpflicht vorbehalte, dies auch wieder rückgängig zu machen, sollte dies nötig sein.

VERANSTALTUNGEN

Öffentliche Veranstaltungen müssen der jeweils zuständigen Behörde - in der Regel dem Gesundheitsamt - angezeigt werden. Ausdrücklich soll es möglich bleiben, Veranstaltungen zu verbieten, wenn damit gerechnet werden muss, dass dadurch die Ausbreitung der Corona-Pandemie gefördert werden könnte.

Außerdem soll nach Größe der Veranstaltungen entschieden werden. Kommen draußen mehr als 1000 Teilnehmer zusammen, soll ein Antrag nötig werden, der genehmigt werden müsste. Nicht öffentliche Veranstaltungen im Freien müssen angezeigt werden, wenn mehr als 70 Menschen zusammenkommen, in geschlossen Räumen bei mehr als 30 Menschen. Nach den geplanten Regelungen sollen auch Abibälle und Abschlussfeiern möglich sein. Je nach Größe und Art der Feier kann es dafür aber nötig sein, das jeweilige Gesundheitsamt zu informieren.

Saarland kündigt Lockerungen für Schulen an

Die saarländische Landesregierung lockert angesichts gesunkener Corona-Zahlen ab diesem Freitag einige Regeln im Schulbereich. So werden etwa Elternabende, Informations- und Abschlussveranstaltungen in Präsenz, Schulfeste, Fahrten sowie Praktika unter Auflagen wieder möglich. «Mit den Regelungen wollen wir den Schulgemeinschaften zum Schuljahresende hin auch ermöglichen, das Schuljahr angemessen und mit schönen gemeinsamen Erlebnissen abzuschließen», erklärte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) am Freitag.

Wanderausflüge, Schulfahrten und internationale Begegnungen sind demnach unter Beibehaltung fester Gruppen wieder möglich. Allerdings dürfen keine Risikogebiete im Ausland besucht werden. Erlaubt sind zudem Besuche in Theatern, Museen, Kinos und Betrieben unter der Voraussetzung, dass diese über ein Infektionsschutzkonzept verfügen.

Bayerns Zeugnisfeiern ohne Testpflicht und pauschale Teilnehmergrenze

Für die feierlichen Verleihungen der Zeugnisse an Bayerns Schulen gibt es trotz der Corona-Krise keine pauschale Deckelung der erlaubten Teilnehmerzahl. Allerdings ergebe sich in der Praxis durch das Abstandsgebot zu Angehörigen anderer Hausstände vielfach dennoch eine Begrenzung der Teilnehmerzahl durch die räumliche Situation, teilte das Kultusministerium am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in München mit. Zur Teilnahme sei auch keine Vorlage eines negativen Corona-Tests erforderlich.

«Ich freue mich sehr, dass die Schulen auch in diesem Schuljahr die Abschlusszeugnisse der rund 244 000 Absolventinnen und Absolventen im Rahmen von feierlichen Zeugnisverleihungen übergeben können», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Für viele Schülerinnen und Schüler sei dies ein wichtiges Ereignis im Leben, das sie lange in Erinnerung behalten. «Wichtig ist, dass wir auf Infektionsschutzmaßnahmen achten.»

Konkret bedeutet dies, dass die Veranstaltungen von der Schule organisiert und durchgeführt werden müssten, aber sowohl im Freien als auch im Schulgebäude stattfinden dürften. Möglich seien - anders als im vergangenen Jahr - auch Reden und eine musikalische Begleitung, wodurch die Veranstaltungen eine «feierliche Note» erhielten. Eine Bewirtung sei aber auch in diesem Jahr nicht möglich. Generell würden für alle Veranstaltungen die Vorgaben des Rahmenhygieneplans für die Schulen gelten. Dazu gehöre etwa das Abstandsgebot und die Maskenpflicht.

Hilft sie oder hilft sie nicht? Reaktionen auf Maskenverzicht geteilt

Die Delta-Variante breitet sich aus - und ausgerechnet Kinder, die bisher soviel zurückstecken mussten, sollen sich vielleicht bald wieder einschränken? Dem Vorsitzenden des Landeselternbeirats reicht es, andere dagegen warnen vor einem Maskenverzicht in Schulen.

Der teilweise Verzicht auf die Maskenpflicht in Schulen stößt weiter auf ein geteiltes, oft aber kritisches Echo. Während Lehrer und Mediziner vor einem Risiko warnen und auf die Ausbreitung der sogenannten Delta-Variante bei den Coronavirus-Infektionen hinweisen, greifen Eltern die Corona-Schulpolitik scharf an. Schülerinnen und Schüler können seit dem vergangenen Montag in Baden-Württemberg zwar teilweise auf eine Maske verzichten. Steigen die Infektionszahlen wieder, will die Landesregierung sie an Schulen allerdings auch erneut einführen.

Es sei überhaupt nicht nachvollziehbar, warum jetzt schon wieder darüber nachgedacht werde, die Maskenpflicht an Schulen einführen zu müssen, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirates, Michael Mittelstaedt. Dabei attackierte er am Mittwoch auch die neue Landesregierung. «Nichts ist in den letzten Monaten passiert, um die Klassenzimmer krisensicher zu machen», sagte er. Die Vorgehensweise des Bildungsministeriums unter seiner neuen Ministerin Theresa Schopper (Grüne) habe sich zwar geändert. In der Sache aber habe sich nichts getan.

Nach momentanem Wissensstand sei die Delta-Variante zwar viel ansteckender als andere Mutationen. In der Gruppe Kind aber sei sie überhaupt nicht gesundheitsschädlicher, sagte Mittelstaedt. «Dann muss die Politik sich doch die Frage stellen, warum dann die Gruppe Kind schon wieder zurückstecken soll», sagte er. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum es immer noch Lehrer oder Erzieher gebe, die nicht geimpft seien. «Da frage ich mich, ob sie sich darum überhaupt gekümmert haben.» Es sei zudem ein Unding, dass Stadien geöffnet und Fußballspiele zugelassen würden, Kinder aber erneut in Haft genommen werden könnten, um die Verbreitung der Delta-Variante zu bremsen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hält die Aufhebung der Maskenpflicht in den Klassenräumen dagegen für voreilig und gefährlich. GEW-Landeschefin Monika Stein spricht sich angesichts des Delta-Risikos dafür aus, dass Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler bis zu den Sommerferien die Maske weitertragen. Die Ansteckungszahlen in den Schulen seien in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Es sei trotz der allgemein sinkenden Inzidenzen fahrlässig, die Erfolge bei der Corona-Bekämpfung aufs Spiel zu setzen.

Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Gerhard Brand, stimmt zu und bezeichnet den Verzicht in Schulen als unüberlegt. «Wir haben angemahnt, dass der Rückgang der Inzidenzen auf die konsequente Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen zurückzuführen ist», sagte Brand. «Es ist gut, dass die Landesregierung dies jetzt einzusehen scheint und die unüberlegte Lockerung nochmal überdenkt.»

Einen «Fehler» nennt der Stuttgarter Labormediziner und Chefarzt Matthias Orth die Entscheidung, auf Masken in einigen Bereichen der Schulen zu verzichten. Da der Anteil in Baden-Württemberg weiter steige, sei eine Mund-Nasen-Bedeckung weiterhin ein wenig aufwendiger Schutz, sagte er in einem SWR-Interview. «Die Maskenpflicht stört die meisten Menschen wenig und ist ziemlich effektiv», fügte er an. «Wir haben wenig Aufwand und einen guten Nutzen. Für mich ist es unverständlich, darauf zu verzichten.»

Dort, wo das Tragen einer Maske eine Ansteckung verhindern könne, solle sie getragen werden, sagte das Vorstandsmitglied im Berufsverband Deutscher Laborärzte. Orth ist zudem Ärztlicher Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital in Stuttgart.

Liegt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region unter 35 und gibt es zwei Wochen an der Schule keinen Corona-Fall, gilt die Maskenpflicht seit dem vergangenen Montag nicht nur im Freien und somit auch auf Schulhöfen nicht mehr, sondern auch in Klassenräumen. Außerhalb der Unterrichtsräume, also zum Beispiel auf Fluren, müssen Schüler und Lehrer aber weiterhin Masken tragen. Alle 44 Regionen im Südwesten liegen derzeit (Stand: Dienstagnachmittag) nach Angaben des Landesgesundheitsamtes (LGA) unter der 35er-Marke.

Landeselternbeirat stinksauer über Corona-Schulpolitik

Die Delta-Variante breitet sich aus - und ausgerechnet Kinder, die bisher soviel zurückstecken mussten, sollen sich vielleicht bald wieder einschränken? Dem Vorsitzenden des Landeselternbeirats reicht es.

Der Vorsitzende des Landeselternbeirates, Michael Mittelstaedt, hat die Corona-Schulpolitik scharf angegriffen. Es sei überhaupt nicht nachvollziehbar, warum jetzt schon wieder darüber nachgedacht werde, die Maskenpflicht an Schulen oder möglicherweise auch wieder Wechselunterricht einführen zu müssen, wenn die Infektionen mit der Delta-Variante zunähmen. Dabei attackierte er am Mittwoch auch die neue Landesregierung. «Nichts ist in den letzten Monaten passiert, um die Klassenzimmer krisensicher zu machen», sagte er. Die Vorgehensweise des Bildungsministeriums unter seiner neuen Ministerin Theresa Schopper (Grüne) habe sich zwar geändert. In der Sache aber habe sich nichts getan.

Dabei gebe es die Möglichkeit mobile Lüfter einzusetzen, Plexiglaswände zwischen die Schüler zu stellen oder endlich vernünftig, sprich oft genug, während der Woche zu testen. Argumente wie zu laute Lüfter seien Nebelgefechte. «Jeder Lärm von der Straße vor dem Schulhaus ist lauter, als diese Geräte», sagte er. Außerdem gebe es sehr leise, aber teurere Lüfter. «Dann muss man eben das Geld in die Hand nehmen.»

Nach momentanem Wissensstand sei die Delta-Variante zwar viel ansteckender. In der Gruppe Kind aber sei sie überhaupt nicht gesundheitsschädlicher. «Dann muss die Politik sich doch die Frage stellen, warum dann die Gruppe Kind schon wieder zurückstecken soll», sagte er. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum es immer noch Lehrer oder Erzieher gebe, die nicht geimpft seien. «Da frage ich mich, ob sie sich darum überhaupt gekümmert haben.» Es sei zudem ein Unding, dass Stadien geöffnet und Fußballspiele zugelassen würden, Kinder aber erneut in Haft genommen werden könnten, um die Verbreitung der Delta-Variante zu bremsen.

Die Eltern würden im Angesicht einer großen Lehrer- und Schulträger-Lobby nicht gehört und ignoriert. «Immer nur salbungsvolle Worte helfen überhaupt nicht weiter.»

Brinkhaus: Sieht gut aus, dass Schulen nicht wieder schließen müssen

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus ist optimistisch, dass Schulen in Deutschland nicht erneut wegen der Corona-Pandemie schließen müssen - will sich aber nicht definitiv festlegen. «Wir arbeiten da dran, dass das nicht passiert, und es ist so, dass es auch sehr, sehr gut aussieht», sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im RTL/ntv-«Frühstart». Jedoch sagte er auch: «Ganz ehrlich: Jemand, der jetzt definitive Versprechen abgibt, der wagt sich da weit aus dem Fenster raus, weil das Geschehen natürlich noch weiter dynamisch ist.»

Brinkhaus betonte, man wisse nicht, welche Virusvarianten im Verlauf der Pandemie noch auftauchten. Derzeit bereitet vor allem die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante Sorgen, weil sie als ansteckender als bisherige Virus-Mutanten gilt. Brinkhaus zufolge wurde in einigen Bundesländern jedoch «wunderbar» an Lüftungs- und Testkonzepten gearbeitet, andere Länder müssten nachziehen. «Da muss über die Sommerferien entsprechend gearbeitet werden.»

Kinderschützer hatten zuletzt angesichts der Delta-Variante gewarnt, dass Kinder erneut zum Pandemie-Verlierer werden könnten und auf besseren Schutz an Schulen gedrungen.

Schulen beginnen nach Ferien mit Präsenzunterricht

Nach den Sommerferien sollen Niedersachsens Schulen in einen geregelten Alltag finden. Dazu dient auch Präsenzunterricht. Das Ministerium will Lerndruck rausnehmen und Unterstützungsangebote schaffen. Vielen reichen die Pläne aber nicht aus.

Niedersachsens Schulen werden nach den Sommerferien mit Präsenzunterricht und Schutzmaßnahmen ins neue Schuljahr starten. Die Testpflicht wird bis Ende September beibehalten und die Maskenpflicht gilt weiter - bei einer Inzidenz über 35 auch während des Unterrichts, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag in Hannover sagte.

Schulen sollten sich außerdem weiterhin regelmäßig ans Lüften halten. «Es steht für mich ganz oben auf der Agenda, dass die Bildungs- und Abschlusschancen unserer Schülerinnen und Schüler gewahrt und vergleichbar bleiben zu den Vorjahren. Niemand muss sich Sorgen machen um sein Kind», versicherte Tonne. «Das nächste Schuljahr bietet große Chancen, die Auswirkungen der Pandemie aufzuarbeiten und die Schülerinnen und Schüler ankommen zu lassen.» Deshalb beginne das Schuljahr mit einer prüfungsfreien Phase, die für Projekte und für das Wiederholen von Unterrichtsstoff genutzt werden könne.

Der Minister sprach von veränderten Rahmenbedingungen, die für das kommende Schuljahr gelten würden. Das Impfen sei dabei ein wichtiger Faktor. Mindestens 86 Prozent der Lehrkräfte hätten bereits eine Erstimpfung erhalten. Wenn sich die Infektionslage allerdings mit der befürchteten vierten Welle möglicherweise verschlechtert, sind Einschränkungen im Schulbetrieb weiter denkbar. Vorstellbar seien tägliche Schnelltests oder Maskenpflicht auch im Unterricht. Vier Wochen und zwei Wochen vor dem Schulstart ist jeweils eine Lageeinschätzung geplant.

Eine Herausforderung ist laut Tonne das Ab- und Ausgleichen von Lernständen der Schülerinnen und Schüler. Dafür würde jede Schule ein Sonderbudget erhalten. Mit dem Geld sollen Schulen unter anderem Unterstützungsangebote finanzieren können, bei denen etwa Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte und Nachhilfelehrer hinzugezogen werden können. Luftfilter ersetzen nach Angaben von Tonne keine einzige Maßnahme. Lüften könne nicht durch mobile Geräte ersetzt werden. Diese könnten auf mittel- und langfristige Sicht gesehen an einzelnen Schulen, aber nicht flächendeckend eingesetzt werden.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP, Björn Försterling, nannte den Plan des Kultusministers ernüchternd. «Minister Tonne hat es zudem erneut versäumt, seine ablehnende Haltung gegenüber Luftreinigern und Belüftungssystemen zu überdenken und die Ausstattung der Schulen über das Bundesprogramm hinaus zu unterstützen».

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warf dem SPD-Politiker vor, er ignoriere den notwendigen Bedarf an Investitionen für Personal, Ausstattung und Räumlichkeiten. «Es fehlen noch immer feste Zusagen des Ministers, wie die bestehenden Mängel bei Personal, Ausstattung und Räumlichkeiten kompensiert werden sollen. Schöne Worte reichen schon lange nicht mehr», sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth.

Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg bezeichnete den Plan als unverständlich. «Gerade mit Blick auf die Delta-Variante braucht es mehr Antworten, um Kinder und Jugendliche besser schützen zu können. Hierzu sollte die Impfdebatte dringend erneut eröffnet werden, denn das Virus sucht sich die Wege zu den Ungeimpften.» Zudem bräuchten die bereits jetzt strapazierten Schulen noch vor Ferienbeginn Planungssicherheit.

Der Philologenverband Niedersachsen bemängelte den von Tonne vorgestellten Plan, weil er Lernrückstände nicht behebe. «Die Lücken müssen geschlossen werden, sonst potenzieren sich die Probleme in den Folgejahren, gerade bei denjenigen, die in der Pandemie auf der Strecke geblieben sind», erklärte der Verband.

 

22.06.2021

Bayerns Grundschüler müssen am Platz keine Masken mehr tragen

Um die Maskenpflicht im Schulunterricht gab es lange Streit. Nun lockert das Kabinett die Pflicht - an den Grundschulen. Die Debatte dürfte damit an den weiterführenden Schulen aber weiter gehen.

Bayerns Grundschüler müssen ab Mittwoch keine Masken mehr an ihren Sitzplätzen tragen. Das hat das Kabinett am Dienstag in München beschlossen. Aufgrund der niedrigen Inzidenz, der hohen Temperaturen und der Tatsache, dass die Schüler zwei Mal pro Woche getestet würden, sei die Lockerung zu verantworten, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) in München. Er betonte, dass die Regelung nur dort gelte, wo die Inzidenz unter 50 liege und darüber hinaus die Maskenpflicht im Schulgebäude weiter bestehe.

Die Lockerung der Maskenpflicht gelte auch für die Grundschulstufen an den Förderschulen, sagte Herrmann. Auch an Horten wird die Maskenpflicht an den Sitzplätzen gelockert. In anderen Schulformen bleibt es laut Herrmann aber zunächst weiter bei der bestehenden Maskenpflicht auch am Sitzplatz. Dem Vernehmen nach könnte diese Regel aber schon kommende Woche vom Kabinett neu bewertet werden.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bezeichnete den Kompromiss als ein gutes Zeichen, betonte aber auch, dass er sich gewünscht hätte, dass auch an den weiterführenden Schulen die Maskenpflicht im Unterricht am Sitzplatz gelockert werde. Zugleich sei er aber auch davon überzeugt, dass im übrigen Schulgebäude die Maske auch weiter notwendig sei. Diese Vorsichtsmaßnahme sei auch perspektivisch für die Aufrechterhaltung des Präsenzunterrichts ab dem Herbst ganz wichtig.

Bisher mussten auch die Kleinsten in den Schulen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus Masken im Unterricht tragen. Bayern folgt damit dem Beispiel mehrerer anderer Bundesländer. Bereits in der vergangenen Woche hatte das Kabinett zudem ermöglicht, dass die Maskenpflicht in den Pausen auf dem Schulhof oder bei Wandertagen entfallen kann. Herrmann betonte am Dienstag, dass diese Lockerungsmöglichkeit auch für Kitas und an den Universitäten gelte.

Innerhalb der Regierung hatten sich vor allem die Freien Wähler für den Wegfall des Mund-Nasen-Schutzes bei den Kleinsten stark gemacht. Piazolo hatte in der vergangenen Woche erklärt, es gebe unterschiedliche Auffassungen bei den Koalitionspartnern in dieser Frage. Herrmann betonte am Dienstag, dass gerade die sich auch in Bayern verbreitende gefährlichere Deltavariante des Virus weiter ein vorsichtiges Vorgehen erfordere.

SPD-Landeschef Florian von Brunn kritisierte, dass die Lockerungen nicht für weiterführende Schulen gelten. «Es ist angesichts der hohen Sommer-Temperaturen und der zugleich niedrigen Inzidenzen nicht mehr zu vermitteln, dass die Kinder und Jugendlichen in der Schule eine Maske tragen müssen. Sie werden ja auch zwei Mal pro Woche getestet», sagte er und forderte die Aufhebung an allen Schulen.

Auch Elterninitiativen und Lehrer hatten zwischenzeitlich immer wieder bemängelt, dass den Kindern mit der Maske ein Teil ihrer Identität genommen werde und die pandemiebedingten Einschränkungen mit der Maskenpflicht unnötig verlängert würden.

20.06.2021

Land setzt weitere Corona-Lockerungen um - Weil: «Vorsichtig bleiben»

Die Neuansteckungen mit dem Coronavirus flauen ab, gleichzeitig nimmt der Anteil der Geimpften zu. Niedersachsen setzt deshalb die nächsten Lockerungsschritte wie geplant um. Einige Regeln sind aber weiter zu beachten - und der Blick richtet sich auf die Delta-Variante.

Das Land Niedersachsen lockert angesichts der entspannteren Infektionslage weitere Corona-Beschränkungen. Nachdem es bereits am Samstag Lockerungen bei privaten Treffen gegeben hatte, folgen am Montag eine Reihe zusätzlicher Erleichterungen - auch hier vor allem zu Kontaktregeln. Grundsätzlich wären damit Geburtstags-, Hochzeits-, Grill-, Sport- oder Einschulungsfeiern möglich. So dürfen nach Angaben der Staatskanzlei bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz bis einschließlich 10 wieder mehr Menschen zusammenkommen: Bis zu 25 in Innenräumen und bis zu 50 draußen.

In diesen Gruppengrößen müssen keine Masken mehr getragen werden. Haben alle Erwachsenen außerdem einen negativen Testnachweis, können sich noch mehr Menschen treffen. Wer am Tisch sitzt, braucht keine Maske zu tragen - wer aufsteht und herumläuft dagegen schon. Außerdem sind Teilnehmerlisten nötig.

Von der neuen Woche an wechselt Niedersachsen in die Stufe null seines Lockerungsplans. Das bedeutet: Wenn die Inzidenz fünf Werktage lang nicht mehr als 10 beträgt, können auch in Restaurants, Lokalen und Cafés die Begrenzungen entfallen. Ab 25 Personen drinnen und 50 draußen müssen aber alle nicht vollständig Geimpften oder Genesenen in der Gastronomie ebenfalls ein Negativ-Testergebnis vorweisen.

Ähnliches gilt für Besucher von Clubs und Diskotheken: Sie brauchen beim Tanzen keine Maske mehr zu tragen, sollen jedoch einen negativen Test oder Nachweis über vollständige Impfung oder Genesung vorlegen. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist auch auf Wochenmärkten nicht mehr nötig.

Nach Angaben der niedersächsischen Staatskanzlei gelten die Lockerungen am Montag für die Kreise Osnabrück, Emsland, Leer, Wittmund, Friesland, Ammerland, Wesermarsch, Oldenburg, Cuxhaven, Osterholz, Verden, Rotenburg (Wümme), Nienburg (Weser), Hameln-Pyrmont, Harburg, Lüneburg, Heidkreis, Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Celle, Gifhorn, Peine, Helmstedt, Goslar, Göttingen. Außerdem für die kreisfreien Städte Wilhelmshaven, Oldenburg, Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter.

Bereits seit Samstag sind in Kreisen und kreisfreien Städten, in denen die Inzidenz fünf Werktage nicht mehr als 35 beträgt, wieder Treffen von bis zu zehn Personen «aus beliebig vielen Haushalten erlaubt». Dazu kommen können noch vollständig Geimpfte und Genesene sowie Kinder unter 14 Jahren. Zuletzt hatte eine Begrenzung auf maximal drei Haushalte gegolten.

In Freizeiteinrichtungen dürfte der Kontrollbedarf hoch bleiben. So musste das Freibad in Peine am Freitag geräumt werden, weil manche Besucher einen Einlassstopp ignorierten und den Zaun überstiegen.

In Hotels oder Pensionen reicht es für die Gäste künftig aus, einen Negativtest nur noch einmal bei der Anreise vorzuzeigen. Und das «Übernachten zu touristischen Zwecken» in Wohnmobilen oder Autos ist ab der neuen Woche auch wieder auf öffentlichen Flächen erlaubt - dabei soll die konkrete örtliche Inzidenz keine Rolle mehr spielen. Führungen durch Städte oder die Natur sind nun breiter möglich, für Bus- oder Schiffsfahrten wurden weitere Regeln angepasst.

Die Änderungen der Corona-Regeln gelten zunächst bis zum 16. Juli. Auch in den Schulen gibt es Lockerungen, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) schon am Freitag erklärt hatte. Schülerinnen und Schüler müssen in Außenbereichen wie dem Pausenhof keine Masken mehr tragen - anders als auf Fluren, in Treppenhäusern oder auf Toiletten.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nannte die Corona-Entwicklung im Land ermutigend: «Die Infektionszahlen in Niedersachsen befinden sich in einem deutlichen Abwärtstrend.» Gleichzeitig mahnte er jedoch: «Bei aller Freude müssen wir vorsichtig bleiben. (...) Die Delta-Variante breitet sich in Europa aus und wird auch an uns nicht vorbeigehen.» Vor allem in Großbritannien wachsen die Fallzahlen damit.

Noch stabilisiert sich die Gesamtsituation in Niedersachsen weiter. Nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sank die Sieben-Tage-Inzidenz bis Sonntag im Schnitt aller Kommunen von 5,2 am Vortag auf zuletzt 4,9. 54 Neuinfektionen waren binnen eines Tages dazugekommen. Ein weiterer Todesfall wurde gemeldet. Insgesamt starben bisher in Niedersachsen im Zusammenhang mit dem Covid-19-Erreger 5727 Menschen.

Bei drei Kommunen überstieg nach den Daten vom Sonntag die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert 10. Der Landkreis Holzminden hatte statistisch mit 19,9 Fällen die vergleichsweise meisten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner über eine Woche. Es folgten der Kreis Stade (13,7) und die Stadt Delmenhorst (10,3). Für die Kreise Goslar und Lüchow-Dannenberg gab das RKI einen Wert von 0 an.

Mehr als die Hälfte der Niedersächsinnen und Niedersachsen sind mittlerweile mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Nach Angaben des RKI lag die Quote am Wochenende bei 51,5 - gut 4,1 Millionen Menschen. Knapp 2,4 Millionen Menschen (29,9 Prozent) im Land sind demnach vollständig geimpft.

Studie: Eltern können Schulerfolg ihrer Kinder beeinflussen

Dass Elternhaus und gute Leistungen in der Schule zusammenhängen, ist keine neue Erkenntnis. Nun zeigt eine Studie, welche Faktoren eine besondere Rolle spielen - und was sich Eltern schlicht sparen können.

Eltern können den Schulerfolg ihrer Kinder einer Studie zufolge positiv beeinflussen - aber auf eine andere Art und Weise als manche glauben. «Besonders hilfreich ist es, wenn Eltern mit den Kindern Erwartungen besprechen, wenn sie über mögliche Leistungen, Schulabschlüsse, Berufswege reden, Lernstrategien diskutieren und möglichst differenziert Lob und Kritik an einzelnen Schularbeiten kommunizieren», erläuterte Doris Holzberger von der Technischen Universität München. Das reine Kontrollieren der Hausaufgaben helfe hingegen wenig.

Holzberger und ihr Team hatten 18 Metastudien mit rund 1700 Einzelstudien ausgewertet. «Die wichtigste Erkenntnis ist, dass Eltern durch ihre Verhaltensweisen einen Einfluss auf die schulische Leistung und die Motivation der Schülerinnen und Schüler ausüben können», sagte die Professorin für Schul- und Unterrichtsforschung der Deutschen Presse-Agentur.

Wichtig sei dabei sei vor allem das große Feld der Erwartungen. «Ein lernförderliches Umfeld, viele Bücher, mit dem Kind in die Bücherei gehen - das ist schön und gut. Aber im Vergleich zu den Gesprächen und der Kommunikation über Schule und Bildung hat das eine deutlich geringere Auswirkung auf die Leistung der Schüler und Schülerinnen», erläuterte Holzberger.

Gemeinsam solle man ausloten, was das Kind erreichen möchte und welche Möglichkeiten es gibt. Auch bei einzelnen Schulfächern könne man gemeinsam möglichst konkrete Ziele anpeilen, die Kinder und Jugendlichen ermutigen und Anstrengungen mit entsprechender Rückmeldung belohnen. «Lob und Kritik muss immer ganz konkret und differenziert sein, nicht einfach mit der Gießkanne ausschütten», mahnte Holzberger.

Weniger wirkungsvoll sind dagegen Diskussionen über die Bedeutung von Bildung im Allgemeinen. Überhaupt gehe es letztlich darum, das Kind differenziert wahrzunehmen, schilderte Holzberger. Differenzierung gilt auch mit Blick auf die Hausaufgaben: Während sich eine reine Überwachung sogar negativ auswirken könne, sei es hilfreich, mit den Kindern zu besprechen, wann und wo die Aufgaben gemacht werden. «Aber dann schon zum eigenständigen Arbeiten ermutigen», forderte Holzberger. «Und wenn Schwierigkeiten entstehen, Hilfestellungen anbieten.»

19.06.2021 

Massig Schulkinder wegen Corona ohne Radfahrausbildung

Die Radfahrausbildung gehört für Grundschüler in Thüringen fest in den Lehrplan. Der Corona-Lockdown hat auch hier Lücken gerissen.

Der Corona-Lockdown hat starke Auswirkungen auf die Radfahrausbildung von Schulkindern in Thüringen gehabt. «Vielerorts konnte aufgrund der angespannten Infektionslage der letzten Zeit der praktische Teil der Radfahrausbildung leider nur eingeschränkt oder gar nicht erfolgen», hieß es aus dem Verkehrsministerium in Erfurt. Im Rahmen des Distanz- und Wechselunterrichts sei die Verkehrssicherheit durchgehend berücksichtigt worden, Fahrausbildung aber größtenteils ausgefallen.

Zwar sei die praktische Ausbildung weiterhin an die regionalen Inzidenzwerte geknüpft, mit der Entspannung der Corona-Lage gingen die Projekte aber langsam wieder los, sagte die Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht (LVW) Thüringen, Katrin Jakobi. Das sei besonders wichtig, da viele Kinder nach der Grundschule ihren täglichen Schulweg mit dem Fahrrad zurücklegen.

Um ihnen Sicherheit beim Radfahren zu vermitteln und das Wissen um wichtige Verkehrszeichen und Vorfahrtsregeln aufzufrischen, bieten einige Wachten auch 2021 in den Ferien Kurse an, welche freiwillig von den Schulen und den Kindern genutzt werden können.

Auf den Übungsplätzen sollen Teile der Radfahrausbildung laut Bildungsministerium im Rahmen bildungsunterstützender Sommerferienkurse nachgeholt werden. «Viele Schulen kommen bereits von sich aus auf die Wachten zu und melden Bedarf an», sagte Jakobi. Da es sich um ehrenamtliche Tätigkeiten handle, könne jedoch kein flächendeckendes Angebot unterbreitet werden.

«Verkehrserziehung im Kindesalter ist enorm wichtig, so auch die Radfahrausbildung», sagte Jakobi. Ob sich die fehlende Ausbildung in naher Zukunft im Unfallgeschehen widerspiegeln werde, bleibe abzuwarten.

Die Fahrradausbildung ist in Thüringen Teil des Lehrplans. In den ersten drei Schuljahren werden die Jungen und Mädchen schrittweise ans Radfahren herangeführt, im vierten Schuljahr findet die theoretische und praktische Ausbildung in den mobilen oder stationären Jugendverkehrsschulen statt. Im Regelfall durchlaufen sie alle Grundschulkinder. Ausnahmen gelten beispielsweise für Kinder mit starken körperlichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen.

18.06.2021

Alle Lehrkräfte im Saarland werden mit Laptops ausgestattet

Das Corona-Jahr 2020 hat die digitale Bildung im Saarland beschleunigt. Vor allem bei der IT-Ausstattung ist viel passiert. Nun geht es mit digitalen Endgeräten für Lehrer und Schüler weiter.

Das Saarland will alle seine 9400 Lehrkräfte bis zu den Herbstferien des Schuljahres 2021/22 mit Laptops oder Tablets ausrüsten. Das sieht ein Plan zur Digitalisierung der Schulen vor. Zudem sollten alle Schüler ab der dritten Klasse zum Schuljahr 2022/23 mit mobilen Endgeräten ausgestattet sein, teilte das Bildungsministerium am Freitag in Saarbrücken mit.

Die ersten Geräte sollten zu Beginn des Schuljahres 2021/22 an die Schülerinnen und Schüler ausgegeben werden: 8300 Schüler der Klassen 6 an Gemeinschaftsschulen und an Gymnasien bildeten einen «Pilotjahrgang». Im Schuljahr 2022/23 sollen dem Ministerium zufolge dann rund 90 000 Schüler mit Tablets oder Notebooks ausgestattet sein. In den Landkreisen sollen Kompetenzzentren entstehen, die auch für Wartung und Hilfen verantwortlich sind.

Die bestehende Schulbuchausleihe werde dann weitgehend von der «Landesweiten Systematischen Medienausleihe Saar» (LSMS 2.0) - auch mit digitalen Büchern und Lernmedien - abgelöst. «Bücher und Arbeitshefte wird es natürlich auch in Zukunft dort geben, wo ihr Einsatz pädagogisch sinnvoll ist», hieß es.

Wichtiger Baustein für die digitale Bildung ist die landeseigene Bildungscloud Online-Schule Saarland (OSS), die seit März 2020 für digital gestützten Unterricht am Start ist. 305 von 316 Schulen nutzten die OSS bereits, hieß es. Es seien 94 000 Nutzer registriert, darunter 85 000 Schüler - von landesweit insgesamt 120 000.

Die Erstfinanzierung der mobilen Endgeräte in Höhe von 50 Millionen Euro übernehme das Land aus dem Landeshaushalt. Die Beschaffung laufe über die Landkreise. Im laufenden Betrieb sollen die Endgeräte und die digitalen Schulbücher dann über Leihgebühren wie bei der Schulbuchausleihe finanziert werden.

Nach Angaben von Ende 2020 wird das Saarland bis 2024 rund 137 Millionen Euro in die digitale Bildung investieren; 66,8 Millionen kommen über den Digitalpakt Schule vom Bund. Das Geld aus dem Digitalpakt ist für Investitionen in die digitale Ausstattung der Schulen gedacht. Dazu hätten seit Anfang 2020 Schulträger bereits 191 Anträge mit eine Volumen von 29 Millionen Euro eingereicht.

An knapp 60 Prozent der Saar-Schulen liefen bereits Maßnahmen wie die Einrichtung von schulischem Wlan, Verkabelung oder Kauf von interaktiven digitalen Tafel (Smartboards). Mit Mitteln des Bundes und des Saarlandes sind in den vergangenen Monaten rund 23 500 Laptops- und Tablets für bedürftige Schüler angeschafft worden.

Ferienprogramm soll Kindern Atempause in der Pandemie verschaffen

In der Corona-Pandemie mussten Kinder und Jugendliche viel einstecken, nun will das niedersächsische Kultusministerium mit einem 3,5 Millionen schweren Ferienprogramm Ausgleich schaffen. Bei dem Programm «LernRäume» soll es nach Angaben von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag vor allem um Erholung gehen. Nicht das Aufholen von verpasstem Lernstoff in der Corona-Pandemie stehe im Vordergrund.

Kinder und Jugendliche hätten in den vergangen Wochen und Monaten einen enormen Beitrag geleistet, um das Pandemiegeschehen einzudämmen, sagte Kultusminister Tonne. «Wir wollen Spaß und gemeinsame Aktivitäten zurückgeben», sagte er. Geplant seien etwa Workshops rund um die Themen Natur, Tiere und Kunst. Mitmachen wollen unter anderem Jugendherbergen, Schullandheime und Volkshochschulen. Das Betreuungsangebot richtet sich den Angaben zufolge insbesondere an Schülerinnen und Schüler der ersten bis achten Klassen.

Bereits im Pandemie-Jahr 2020 hatte das niedersächsische Kultusministerium ein solches Ferienprogramm angeboten. Insgesamt hätten bereits 20 000 Schülerinnen und Schüler an den «LernRäumen» teilgenommen. Nach Einschätzung des Kultusministerium können im kommenden Schuljahr nicht alle ausgefallenen Klassenfahrten und der Schwimmunterricht nachgeholt werden. Auch daher sei es wichtig, die Angebote außerhalb der Schule auszubauen und zu stärken.

Kritik für die Pläne gab es vom bildungspolitischen Sprecher der FDP, Björn Försterling. «Das Programm war schon im vergangenen Jahr ein Freizeitangebot für die Kinder, mit dem Aufholen von Lernrückständen hat es aber wenig zu tun.» Dies habe aus seiner Sicht Priorität, weil sonst im kommenden Schuljahr für alle Betroffenen ein enormes Arbeitspensum drohe.

Mehr Feriensprachkurse und Hausaufgabenhilfen in Rheinland-Pfalz

Neben der Sommerschule können Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr auch an mehr Feriensprachkursen teilnehmen. Die Mittel für diese Kurse wurden von 450 000 auf 650 000 Euro erhöht, wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte. An den Feriensprachkursen stehen allen offen, die einen erhöhten Bedarf am Deutschlernen haben, etwa Kinder aus Flüchtlingsfamilien. In den Oster- und Pfingstferien gab es bereits 330 dieser Kurse.

Verstärkt wurde auch die «qualifizierte Hausaufgabenhilfe», bei der Schülerinnen und Schüler der Grundschule, insbesondere aus Familien mit Migrationserfahrung, drei Stunden in der Wopche eine Hausaufgabenhilfe mit spielerischem Kommunikationstraining erhalten. Dafür stellte das Land 1,1 Millionen Euro bereit, womit mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler teilnehmen können.

«Viele Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemie und ihren Folgen wie Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen», erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Bei Schülerinnen und Schülern mit Flucht- und Migrationserfahrung komme oft dazu, dass sie die deutsche Sprache nicht oder noch nicht so gut beherrschten. «Hier setzen im schulischen Bereich unsere Feriensprachkurse und die qualifizierte Hausaufgabenhilfe an.»

Die Sommerschule richtet sich an alle bis zur neunten Klasse, die einen Lernrückstand aufholen wollen. Neben den Kernfächern Mathematik und Deutsch kann es diesmal auch Angebote in Englisch und den Naturwissenschaften geben. Das Land stellt für die Sommer- und die Herbstschule insgesamt eine Million Euro bereit.

17.06.2021 

Unterricht in den Schulen jetzt ohne Maske

Im Saarland müssen Schülerinnen und Schüler ab diesem Donnerstag keine Maske mehr im Unterricht tragen. Das hat die saarländische Landesregierung angesichts gesunkener Corona-Zahlen beschlossen. Im Schulgebäude und auf dem Schulweg im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bleibt es aber weiterhin bei der Pflicht zum Tragen einer Maske.

Das Bildungsministerium betonte, wer im Schulunterricht weiter eine Maske nutzen möchte, könne das natürlich tun. Was entfalle, sei die Verpflichtung dazu. Auf dem Außengelände von Schulen gibt es bereits seit dem 11. Juni keine Maskenpflicht mehr. Seit Ende Mai läuft der Unterricht an der Saar wieder im vollen Präsenzunterricht.

Rheinland-Pfalz hatte ebenfalls am Dienstag angekündigt, dass Schüler im Unterricht ab kommenden Montag keine Maske mehr tragen müssen.

16.06.2021 

Spahn befürwortet Masken im Unterricht vorerst bis zu Sommerferien

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befürwortet es, wenn im Schulunterricht vorerst noch eine Corona-Maskenpflicht beibehalten wird. Er habe «großes Verständnis» für die Bundesländer, die zumindest bis in die Sommerferien hinein dieses Maß an Sicherheit geben wollten, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in München nach Beratungen mit seinen Länderkollegen. Über das Vorgehen nach den Sommerferien würden die Kultusminister im Lichte der Entwicklung und der Impfungen beraten. In Schulen seien naturgemäß viele Menschen in einem geschlossenen Raum, auch wenn man Fenster öffnen könne.

Masken seien nervig, aber im Vergleich zu allem anderen eine einfach und erträglich umzusetzende Maßnahme, sagte Spahn. Wenn alle in einem Raum sie trügen, gebe dies viel Schutz und Sicherheit. Der Minister verwies auch darauf, dass es Impfungen für Kinder unter 12 Jahre nicht gebe. Ab 12 Jahre seien sie gerade erst möglich geworden und außerdem eine Abwägungsfrage.

Maskenpflicht auf Schulhöfen in NRW endet - Laschet: Kein «Übermut»

Auch in Nordrhein-Westfalen bröckelt die Maskenpflicht. Vor allem auf Schüler kommen entspanntere letzte Schultage vor den Sommerferien zu. Dennoch mahnt Ministerpräsident Laschet zu Vorsicht.

Die Maskenpflicht im Freien soll in Nordrhein-Westfalen größtenteils aufgehoben werden - auf den Schulhöfen endet sie bereits ab kommenden Montag. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) stellte am Mittwoch ein generelles Ende der Maskenpflicht im Freien in Aussicht, warnte aber vor «Übermut» bei Lockerungen. «Wir dürfen kein Risiko eingehen», sagte der Unions-Kanzlerkandidat.

Millionen Schüler können bald aufatmen. Als ersten Schritt verkündete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) die Aufhebung der Maskenpflicht auf den Pausenhöfen. «Bei den aktuell niedrigen Infektionszahlen und der geringen Ansteckungsgefahr an der frischen Luft ist dieser Schritt verantwortungsvoll und angemessen.»

Vor dem Hintergrund des aktuell anhaltend niedrigen Infektionsgeschehens und des guten Vorankommens der Impfkampagne sei es «verantwortungsvoll vertretbar», die Maskenpflicht im Freien «größtenteils» abzuschaffen, teilte zudem das Gesundheitsministerium mit. «In Innenräumen wird an der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes überall dort festgehalten werden, wo es zum Schutz nötig ist.» Das Land arbeite derzeit an den Details der Umsetzung und werde die Regelungen anschließend unverzüglich öffentlich kommunizieren.

Auch Laschet sprach sich in einer Landtagsdebatte dafür aus, in Innenräumen den Mund-Nasen-Schutz überall dort beizubehalten, wo es nötig sei. Dies findet auch Zustimmung bei FDP, SPD und Grünen. Mehrere Bundesländer haben bereits die Aufhebung oder Lockerung der Maskenpflicht im Freien beschlossen. Wo in den Schulen noch Masken getragen werden müssen, wird nach Angaben Gebauers in der neuen Corona-Betreuungsverordnung ausgearbeitet, die in den nächsten Tagen von der Landesregierung verabschiedet werden soll.

Laschet sagte, Öffnungen sollten Schritt für Schritt erfolgen. Deshalb solle an Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen «mit geringen Einschränkungen der Freiheitsrechte festgehalten werden», sagte Laschet. «Wir sind im Endspurt.» Die Landesregierung werde «pragmatisch» auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens reagieren. Grünen-Fraktionschefin Verena Schäffer warnte: «Der Bundestagswahlkampf darf nicht zu einem Wettbewerb führen, wer welche Vorsichtsmaßnahmen am schnellsten über Bord wirft.»

Laschet, der auch CDU-Bundesvorsitzender ist, warnte vor der in Großbritannien verbreiteten Delta-Variante des Coronavirus. Trotz eines hohen Anteils an Erstimpfungen stiegen dort die Infektionszahlen wieder deutlich an. «Eine vierte Welle will niemand. Es gilt, alles zu tun, damit sie vermieden werden kann», sagte Laschet mit Blick auf Deutschland.

Laschet rief die Menschen zu Geduld bei den Corona-Impfungen auf. Nachdem derzeit in den Impfzentren fast ausschließlich Zweitimpfungen möglich seien, würden im Juli auch wieder Erstimpfungen ermöglicht. Weiterhin gelte das Versprechen: «Im Laufe des Sommers wird jeder und jede ein Impfangebot erhalten.»

Laschet stellte Sonderimpfangebote auch für Studenten und Studentinnen an den Hochschulen und Universitäten in Aussicht. Spätestens mit Beginn des kommenden Wintersemesters müsse an den Hochschulen wieder ein Regelbetrieb mit Präsenz und Studentenleben möglich sein.

Zugleich sprach sich der CDU-Politiker gegen jeglichen Zwang bei den Corona-Impfungen für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren aus. Zwar habe die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat den Biontech-Impfstoff für diese Altersgruppe zugelassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland empfehle ihn allerdings «aus gutem Grund» nur für Jugendliche mit Vorerkrankungen. Eltern sollten daher das Gespräch mit dem Kinderarzt suchen und sich beraten lassen. «Es darf keinen Impfzwang geben, und es darf auch keinen Druck geben, gerade bei Kindern nun das Impfen unbedingt zur Pflicht zu machen.»

NRW sei als bevölkerungsreichstes Bundesland nicht nur im Vergleich der Bundesländer, sondern auch im europäischen Vergleich mit am besten durch diese Krise gekommen, sagte Laschet. Das Bundesland werde «Zugpferd der wirtschaftlichen Erholung» in Deutschland nach der Pandemie. Ein Grund seien die offenen Grenzen und die nicht unterbrochenen Lieferketten für die Wirtschaft. Laschet verwies darauf, dass sich die Wirtschaft in NRW laut der Konjunkturprognose des RWI um 0,4 Prozentpunkte besser als im Bundesschnitt entwickle.

SPD-Oppositionsführer Thomas Kutschaty forderte als Folge aus der Corona-Pandemie einen «nationalen Kraftakt für Kinder und Bildung». «Auch nach Corona braucht jedes Kind einen Computer», sagte der Partei- und Fraktionschef der SPD. Auch Wlan in Schulgebäuden müsse Standard sein. Die Corona-Pandemie müsse auch ein Wendepunkt für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik sein, sagte Kutschaty. Die Kommunen brauchten ein Programm zur Belebung ihrer Innenstädte. Es drohe ein massives Ladensterben. Auch für die Gastronomie und die Kulturschaffenden dürfe die Zeit der Hilfsprogramme noch nicht vorbei sein.

SPD und Grüne forderten die Landesregierung auf, Vorsorge für Auffrischungsimpfungen im Herbst zu treffen. Die Impfzentren sollten nach Ansicht der SPD bis ins nächste Jahr hinein erhalten bleiben.
Bisher sind die Impfzentren bis Ende September finanziell abgesichert. FDP-Fraktionschef Christof Rasche schlug vor, den Bürgern zu empfehlen, sich einmal pro Woche testen lassen sollten. Damit könne man schneller erkennen, wo es wieder Corona-Ausbrüche gebe.

Die AfD warf den Regierungen Angst und Panikmache» in der Corona-Politik vor. Die Politiker hätten mit Inzidenzzahlen «gewürfelt», sagte AfD-Fraktionschef Markus Wagner mit Blick auf den Stufenplan für Lockerungen der Corona-Auflagen. Die «Dauerlockdowns» seien auch damit begründet worden, dass die Intensivbetten in den Krankenhäusern knapp würden. «Sie waren es nie.»

Deutlich mehr Klassenwiederholer nach Corona-Schuljahr 2020/21

Die wochenlangen Schulschließungen in der Corona-Krise haben ihre Spuren hinterlassen: Fast jeder 20. Schüler wiederholt das Schuljahr. Das ist rund ein Drittel mehr als normalerweise.

Nach zwei Schuljahren mit jeweils wochenlangem Distanz-Unterricht in der Corona-Krise steigt die Zahl der Klassenwiederholer deutlich. Drehten nach dem Schuljahr 2018/19 vor der Pandemie 4615 Schülerinnen und Schüler an staatlichen Schulen eine «Ehrenrunde», so sind es jetzt 6217, wie das Bildungsministerium in Schwerin am Mittwoch mitteilte. Das ist ein Plus von rund einem Drittel.

4,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler wiederholen damit das zu Ende gehende Schuljahr freiwillig oder weil sie aufgrund zu schlechter Noten nicht versetzt werden können. In den Vorjahren waren es jeweils 3,5 bis 3,6 Prozent gewesen. Eine Ausnahme bildet das Schuljahr 2019/2020. Nach den coronabedingten Schulschließungen im Frühjahr 2020 wurden auch die Schüler versetzt, die das Klassenziel eigentlich nicht erreicht hatten. Die Wiederholerrate betrug 2,9 Prozent - alle auf freiwilliger Basis.

Die Linke sieht die Schulen in MV vor großen Herausforderungen. «Es sind nicht nur zusätzliche Räumlichkeiten notwendig, die Zahl der wiederholenden Schülerinnen und Schüler erfordert auch zusätzliche Lehrkräfte», sagte die Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Linken im Landtag, Simone Oldenburg. Zudem müssten alle Schüler gefördert werden, um ihr massives Unterrichtsdefizit auszugleichen. «Andernfalls droht die Bugwelle der Wiederholerinnen und Wiederholer das Schulsystem zu überrollen - Klassen werden immer größer und damit die individuelle Unterstützung immer kleiner.»

Auch die Lehrergewerkschaft VBE (Verband Bildung und Erziehung) fordert vom Land, deutlich mehr Lehrkräfte einzustellen, um Schülerinnen und Schüler mit Lerndefiziten besser individuell fördern zu können. Aus dem Bildungsministerium hieß es, man prüfe derzeit, inwieweit durch die Klassenwiederholungen die Zuweisung zusätzlicher Lehrerstunden notwendig ist. Ein Sprecher erklärte, der Anstieg der Wiederholer-Zahlen sei «gut beherrschbar».

Der VBE-Landesvorsitzende Michael Blanck forderte, die Schulen bereits jetzt auf eine mögliche vierte Corona-Welle im Herbst vorzubereiten, um erneute Schulschließungen zu verhindern. In den nächsten Wochen seien dazu große Anstrengungen des Landes und der Schulträger erforderlich, mahnte er. So müssten flächendeckend Luftfilteranlagen eingebaut werden. Auch die Digitalisierung müsse weitergehen. «Viele Lehrkräfte warten immer noch auf die versprochenen Endgeräte», sagte Blanck.

Die Landesregierung hat für die Schüler in MV ein Aktionsprogramm «Stark machen, Anschluss sichern» mit 38 Millionen Euro aufgelegt. Zum Aufholen von versäumtem Schulstoff will das Ministerium Lehramtsstudenten und ehemalige Lehrer zur Unterstützung in die Schulen holen. Außerdem soll private Nachhilfe vom Land bezahlt werden.

Ringen um notwendige Lehren aus Corona für die Schulen

Die Corona-Pandemie hat digitale Defizite der Schulen schonungslos offengelegt. Das neue Schulgesetz schafft Grundlagen für Digitalunterricht, greift nach Ansicht der Opposition aber zu kurz. Kümmern will sich die Koalition außerdem um Schulschwänzer.

Kurz vor den Sommerferien haben sich Regierung und Opposition im Kieler Landtag eine Auseinandersetzung um die Schulpolitik geliefert. Neben der Verabschiedung einer Reform des Schulgesetzes ging es dabei am Mittwoch um die Digitalisierung und Mittel gegen das Schulschwänzen. Mit dem neuen Schulgesetz haben CDU, Grüne und FDP rechtliche Grundlagen für Digitalunterricht geschaffen. Nach Ansicht von SPD und SSW fehlt der Jamaika-Koalition jedoch der Mut.

Mit dem neuen Schulgesetz stärkt das Land nach Ansicht von Bildungsministerin Karin Prien die Schulen. «Wir stellen wieder durchgängig klar, dass Schule einen Bildungs- und einen Erziehungsauftrag hat», sagte die CDU-Politikerin. Zudem zog die Koalition eine Lehre aus der Corona-Pandemie: «Wir haben jetzt die gesetzliche Grundlage für die Nutzung digitaler Lehr- und Lernformen gerade auch anstelle von Präsenzunterricht, wenn besondere Umstände es erfordern.»

Ab dem neuen Schuljahr drohen Schülern bei Fehlverhalten härtere Sanktionen. Beispielsweise können sie für die Dauer von bis zu drei Wochen vom Unterricht ausgeschlossen werden; bislang sind es zwei Wochen. Bei schwerer oder wiederholter Störung des Unterrichts in einem bestimmten Fach ist ein dreiwöchiger Ausschluss möglich. Prien betonte, die Schulleitungen könnten künftig sachgerechter und verhältnismäßiger auf Fehlverhalten reagieren.

Ab dem neuen Schuljahr können auch Schüler in den fünften und sechsten Klassen als Mitglieder mit beratender Stimme in der Schulkonferenz mitwirken. Andere Änderungen betreffen Lehrer: Schulinterne Bewerbungen für Schulleiter-Posten werden erst bei einer wiederholten Ausschreibung berücksichtigt. Die freie Schulwahl bleibe im Rahmen der Kapazitäten bestehen, sagte Prien. «Wir wollen einerseits eine möglichst gleichmäßige Auslastung der Schulen erreichen und andererseits das Recht der Eltern auf die Schulwahl erhalten.»

Scharfe Kritik an der Reform kam von SPD und SSW. Nach Ansicht der SSW-Bildungspolitikerin Jette Waldinger-Thiering fehlen dem Regierungsbündnis schlicht Visionen. Ihr SPD-Kollege Martin Habersaat vermisste Mut zum Anpacken wichtiger Themen. «Stattdessen hat die Regierung sehr viel Arbeit auf Semantik vergeudet.» Der Begriff Erziehung habe bereits zuvor im Gesetz gestanden.

Mehr Engagement forderte Habersaat vor allem im Bereich der Digitalisierung. «Natürlich freuen wir uns alle, dass jetzt Präsenzunterricht wieder möglich ist. Aber die Laptops dürfen doch jetzt nicht wieder im Klassenschrank verschwinden.» Schulen sollten bei digitalen Angeboten kooperieren können oder im Einzelfall in Distanz arbeiten. Als Beispiel nannte Habersaat Projekte mit Partnerschulen im Ausland. Stattdessen dürften Schulen digitale Medien nutzen, wenn sie zur Verfügung stehen - «ja und wenn nicht, ist halt schade».

Nach Angaben der Landesregierung stehen für Digitalisierungsmaßnahmen an Schulen von 2019 bis 2024 rund 300 Millionen Euro zur Verfügung. Grundlage sind unter anderem Vereinbarungen mit dem Bund und Landesprogramme. 80 Prozent der Schulen seien an das Glasfasernetz angeschlossen, sagte der CDU-Bildungspolitiker Tobias von der Heide. «Uns muss es darum gehen, Schule mit Digitalisierung besser zu machen.» Mittlerweile gebe es Leihgeräte für Kinder, deren Eltern sich kein Tablet-PC leisten könnten.

Schärfer vorgehen will die Koalition gegen Schulabsentismus. «Unsere Gesellschaft kann und darf es sich nicht leisten, junge Menschen bei der Bildung zurückzulassen», heißt es in einem vom Parlament beschlossenen Antrag. Bis Ende des Jahres soll das Bildungsministerium ein Konzept vorlegen, wie Schulen gegen Schulschwänzer vorgehen können. «Im Einzelfall vielleicht auch mit der Polizei», sagte von der Heide.

Die Grünen-Bildungspolitikerin Ines Strehlau betonte: «Schulen müssen wissen, wie sie die Belastung von Kindern erkennen.» Und wo sie Hilfe holen können. Die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn verwies auf mögliche Folgen des Unterrichtsausfalls der vergangenen Monate. «Es bleibt zu hoffen, dass wir keine Häufung von Schulabsentismus feststellen werden oder allgemeine Anlaufprobleme, wenn es wieder in den regulären Schulbetrieb geht.»

Gebauer: Wegen Maskenpflicht Hitzefrei auch in Oberstufe möglich

Wegen der Maskenpflicht im Schulunterricht erlaubt das NRW-Schulministerium erneut Hitzefrei auch für Oberstufenschüler. Ein entsprechender Erlass sei in dieser Woche an die Schulen ergangen, teilte das Ministerium am Mittwoch auf dpa-Anfrage mit. «Das ist eine kleine Erleichterung für die Schülerinnen und Schüler an besonders heißen Tagen», erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Eine entsprechende Regelung hatte NRW bereits im Sommer 2020 verfügt.

Aktuell werden bis zum Wochenende Temperaturen teils über 30 Grad gemeldet. Nach den geltenden Vorschriften entscheiden ab 27 Grad Raumtemperatur in den Schulen die Schulleiter und Schulleiterinnen über Hitzefrei. Oberstufenschüler sind davon aber eigentlich ausgenommen. Diese Einschränkung wird nun - wie auch schon 2020 - wegen der besonderen Belastung durch die Coronaschutzmaske ausgesetzt. Die Ausnahmeregelung gelte so lange wie die Maskenpflicht.

15.06.2021

Neues Schuljahr soll wieder in Präsenz stattfinden

Rückkehr zum normalen Schulunterricht: Bildungsministerin Prien plant in Schleswig-Holstein ein Präsenz-Schuljahr. Bei der Maskenpflicht und Corona-Tests wird es in den ersten Wochen nach den Sommerferien wohl bleiben.

Nach den Einschränkungen im Unterricht durch die Corona-Pandemie sollen Schleswig-Holsteins Schulen nach den Sommerferien wieder ihren Normalbetrieb aufnehmen. «Wir starten nach den Sommerferien in ein Präsenzschuljahr», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Dienstag in Kiel. Zuvor hatte das Kabinett über das Rahmenkonzept für das kommende Schuljahr beraten.

Unter welchen dauerhaften Hygieneregeln der Unterricht ablaufen wird, soll zwei Wochen vor Beginn des Schuljahres entschieden werden. «Dazu müssen wir den Verlauf der Pandemie über den Sommer beobachten und sind auch weiterhin in engem Austausch mit unserem wissenschaftlichen Beirat», sagte Prien. Sie geht davon aus, dass zum Beginn des Schuljahres voraussichtlich für zwei Wochen die Maskenpflicht bestehen bleibt und es in dieser Zeit verpflichtende Corona-Tests geben wird. Prien begründete dies mit der Rückkehr vieler Familien aus dem Sommerurlaub.

«Schule wird nicht mehr so sein, wie sie vor der Pandemie war», sagte Prien. Der Präsenzunterricht habe vielen Schülern im zu Ende gehenenden Schuljahr gefehlt. «Dabei geht es nicht nur um fehlende Lernfortschritte, sondern auch um das Fehlen von Schule als sozialem Ort.»

Für das kommende Schuljahr sind neben zusätzlichem Personal an den Schulen und Förderprogrammen auch weitere Lernangebote in den Sommerferien in diesem und im kommenden Jahr sowie in den Herbst- und den kommenden Osterferien geplant.

Laut Ministerium haben bereits mehr als 130 Schulen die Teilnahme am Programm Lernchancen.SH zugesagt. 40 weitere planen noch, wie sie teilnehmen werden. Dabei sollen Schüler Hilfe im Unterricht, bei Hausaufgaben oder der Prüfungsvorbereitung bekommen. Für mehr als 20 000 Schüler gibt es Gutscheine beispielsweise für zwei Wochen gezielte Nachhilfe.

Die Abschlussprüfungen sind nach ersten Einschätzungen trotz der Corona-Krise auf gleichem Niveau wie in den vergangenen Jahren verlaufen, sagte Prien. Noch keine konkreten Zahlen gibt es darüber, wie viele Kinder und Jugendliche das Schuljahr wiederholen werden. Allerdings werde von der Möglichkeit des freiwilligen Wiederholens nach ersten Erkenntnissen «nur zurückhaltend Gebrauch gemacht», sagte die Ministerin.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach von einer Fülle von Versprechen. Konkrete Aussagen, wie es nach den Ferien weitergehen solle, fehlten allerdings. Die Schulen brauchten für die Förderung zusätzliches Personal. Vor allem die Förderung der Schüler, die Nachteile durch die Pandemie erleiden mussten, müsse im Vordergrund stehen. «Wir brauchen eine Verteilung nach Sozialfaktoren», forderte die GEW-Landesvorsitzenden Astrid Henke. Die Gewerkschaft warnte davor, bei der Erhebung der Lernrückstände vermehrt auf Tests und Leistungsbewertungen zu setzen. «Der Schwerpunkt der ersten Wochen muss auf sozialen und gemeinschaftlichen Projekten liegen», sagte Henke.

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat warf der Ministerin vor, verbindliche Regeln und Standards für das Distanzlernen schuldig zu bleiben. «Zum zweiten Mal in Folge wurde ein Lernsommer in kürzester Frist aus dem Boden gestampft, als käme der Termin der Ferien überraschend», sagte Habersaat. «Wer wirklich auf Unterstützung angewiesen ist, bekommt vielleicht nur einen Nachhilfegutschein in die Hand gedrückt.» Geschoben worden sei die Anschaffung der Endgeräte für Lehrer. «Niemand weiß, warum.»

Nach Ansicht der FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn müssen die Lernrückstände der Kinder im neuen Schuljahr verstärkt in den Fokus rücken. «Unterrichtsausfall und Distanzunterricht wurden unterschiedlich umgesetzt und aufgenommen, daher ist es wichtig, dass wir genau schauen, auf welchem Stand die Schülerinnen und Schüler sind», sagte sie.

Rheinland-Pfalz lockert die Maskenpflicht

Erleichterung für die Schulen in Rheinland-Pfalz: Nach mehr als einem halben Jahr wird Maskenpflicht im Unterricht aufgehoben. Auch die Grundlage für kommunale Maskenpflicht-Vorgaben im Freien entfällt.

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als einem Jahr hat die Landesregierung weitgehende Lockerungen der Maskenpflicht beschlossen. So müssen Schülerinnen und Schüler ab Montag keine Maske mehr im Unterricht tragen. Und in der Landesverordnung fällt ab Freitag die Grundlage für die in mehreren Städten verhängte Maskenpflicht auf Straßen und Plätzen mit vielen Passanten.

Die Landesregierung reagiert damit auf die gesunkene Zahl von Corona-Infektionen, wie Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Mainz sagte. Die neue Regelung für den Unterricht gelte überall dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen unter einem Wert von 35 bleibe. Maßgeblich ist die Inzidenz in den jeweiligen Landkreisen und Städten. Landesweit waren es am Dienstag 14,7.

Auf dem Weg zum Platz im Klassenzimmer solle die Schutzmaske weiter getragen werden, sagte Hubig. Damit gebe es eine ähnliche Regelung wie für Restaurants. Aber im Unterricht und auf dem Pausenhof muss keine Maske mehr getragen werden. «Unsere Schulen setzen ihre Hygienekonzepte hervorragend um, die Impfungen bei unseren Lehrkräften sind weit fortgeschritten», sagte die Ministerin.

Die Maskenpflicht im Unterricht wurde im November vergangenen Jahres eingeführt, zunächst nur für die weiterführenden Schulen und bei hoher Inzidenz. Zuletzt galt, dass an allen Schulen im Unterricht eine Maske getragen werden musste - bei vereinbarten Maskenpausen. An den Grundschulen gab es eine Ausnahme für den Aufenthalt auf dem Schulhof.

Zum Wochenbeginn und damit zum Beginn des Präsenzunterrichts an allen Schulen in Rheinland-Pfalz hatte die Vertretung der Eltern eine Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht gefordert. Bei einer Online-Sitzung des Landeselternbeirats wurde ein entsprechender Antrag mehrheitlich angenommen. Der Beschluss vom Dienstag wurde vom Landeselternbeirat begrüßt.

Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz hebt auch die bisherigen Vorgaben zum Tragen einer Corona-Schutzmaske im Freien auf. «Für alle Menschen entfällt grundsätzlich die Maskenpflicht im Freien», teilte die Staatskanzlei am Dienstag in Mainz mit. Ausgenommen sind Situationen, in denen es zu Gedränge kommt, etwa in Warteschlangen. Die Änderungen sollen in einer neuen Landesverordnung festgehalten werden, die ab Freitag gelten soll.

Nach der aktuellen Landesverordnung besteht die Maskenpflicht «an allen Orten mit Publikumsverkehr, so auch an Örtlichkeiten in der Öffentlichkeit unter freiem Himmel, an denen sich Menschen entweder auf engem Raum oder nicht nur vorübergehend begegnen». Daraufhin haben Kommunen wie die Landeshauptstadt Mainz Plätze und Straßen ausgewiesen, auf denen Maskenpflicht besteht.

In Innenbereichen wie in Geschäften oder in Bussen und Bahnen muss nach Mitteilung der Landesregierung weiter die Maske getragen werden. Das Coronavirus sei aber noch nicht besiegt, die Pandemie noch nicht vorbei, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nach einer Kabinettssitzung. «Abstand und Maske haben sich als sehr effektives Mittel der Pandemiebekämpfung erwiesen.»

Die neue Landesverordnung sieht außerdem vor, dass

- Bus- und Schiffsreisen wieder gestattet sind,

- Hallenbäder und Thermen öffnen,

- sportliche Aktivitäten im Freien mit bis zu 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zugelassen werden,

- Gemeinschaftseinrichtungen von Hotels, Jugendherbergen und Campingplätzen wieder öffnen dürfen sowie

- private Feiern mit bis zu 25 Gästen in Innenräumen möglich sind.

Umfrage: Mehrheit für Aufhebung der Maskenpflicht in Schulräumen

Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Aufhebung der Maskenpflicht in Unterrichtsräumen an Schulen. In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprachen sich 59 Prozent dafür aus. 31 Prozent lehnen dies ab. 10 Prozent machten keine Angaben. Frauen befürworten eine Aufhebung mit 62 Prozent etwas stärker als Männer mit 56 Prozent.

Der Deutsche Lehrerverband hatte sich gegen eine schnelle Aufhebung der Maskenpflicht an den Schulen ausgesprochen. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin, er rate insbesondere während des Unterrichts zu «größtmöglicher Vorsicht». «Das Virus ist ja noch nicht von der Bildfläche verschwunden.» Maskenpflicht und auch regelmäßige Tests sollten im auslaufenden Schuljahr bleiben.

Land plant Rückkehr zum Regelbetrieb der Schulen

Nach den pandemiebedingten Einschränkungen des Unterrichts auch in Schleswig-Holstein plant die Landesregierung für kommendes Schuljahr die Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen. Das Kabinett will am Dienstag über das Rahmenkonzept für das Schuljahr 2021/22 beraten. Anschließend (12.00 Uhr) will Bildungsministerin Karin Prien (CDU) die Pläne der Öffentlichkeit vorstellen.

Nach den Sommerferien soll an den Schulen wieder die Normalität zurückkehren - allerdings wegen der Corona-Pandemie weiter unter Hygienebedingungen. Präsenzunterricht soll für alle Schüler im Land wieder zum Regelfall werden. In dem am Freitag zu Ende gehenden Schuljahr war viel Unterricht auf Distanz erfolgt. Je nach Infektionsgeschehen vor Ort gab es Distanzlernen, Wechsel- oder Präsenzunterricht.

Erst seit Ende Mai waren im Norden wieder alle Schüler im Präsenzunterricht. Für Bildungsministerin Prien ist dieser aber unbedingt erforderlich für die Entwicklung und den Bildungserfolg von Kindern. Für das kommende Schuljahr sind neben zusätzlichem Personal an den Schulen und Förderprogrammen auch zusätzliche Lernangebote in den Sommerferien in diesem und im kommenden Jahr sowie in den Herbst- und den kommenden Osterferien im Gespräch.

Thüringer Kabinett entscheidet über Weiterführung der Schulcloud

Das Thüringer Kabinett entscheidet als letztes von drei beteiligten Bundesländern über die Fortführung des gemeinsamen Schulcloud-Projektes. Über das Ergebnis will Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag (13.00 Uhr) informieren. Die Landesregierungen in Brandenburg und Niedersachsen hatten dem entsprechenden Verwaltungsabkommen bereits zugestimmt. Alle drei Länder nutzen für den digitalen Unterricht an ihren Schulen eine Lernplattform, die vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam entwickelt wurde - bisher als Pilotprojekt.

Die Schulcloud ging in Thüringen bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie an den Start. Später wurde die Cloud deutlich früher als geplant für alle Schulen geöffnet, um im Lockdown digitalen Unterricht zu erleichtern.

Allerdings gab es auch immer wieder Kritik an der Leistungsstärke der Lernplattform. Außerdem wurden im vergangenen Jahr Hackerangriffe, Datenschutzlücken und Sicherheitsprobleme bekannt, die nach Angaben des Hasso-Plattner-Instituts aber behoben wurden.

14.06.2021

Corona-Regeln nicht eingehalten - Schulleiterin zu Recht suspendiert

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat die Suspendierung einer Grundschulleiterin wegen mehrfacher Nichtbeachtung von Vorschriften zur Bekämpfung des Coronavirus bestätigt. Das Gericht lehnte am Montag laut einer Mitteilung den Eilantrag der Schulleiterin ab. Die Frau wollte damit gegen das ausgesprochene Verbot der Führung ihrer Dienstgeschäfte vorgehen. Das Gericht begründete seine Entscheidung mit mehreren Verstößen der Schulleiterin auf dem Gelände der Schule.

Die Lehrerin habe dort wiederholt keine medizinische Maske getragen und sich «eigenmächtig» über die Verpflichtung hinweggesetzt, wöchentlich Selbsttests bei allen in Präsenz in der Schule tätigen Personen durchzuführen. Im April habe sie die Eltern benachrichtigt, dass sie die Testung der Schüler ausgesetzt habe und die Eltern gebeten, dies im Testzentrum vorzunehmen. Es gebe Hinweise, dass die Frau auch andere Schutzvorkehrungen wie das Lüften der Klassenzimmer nicht beachtet habe. Die von ihr vorgelegten ärztlichen Atteste, wonach sie aus medizinischen Gründen keine Maske tragen könne, seien unzureichend.

Landeselternvertretung: Schulen besser auf Corona-Winter vorbereiten

Die Thüringer Landeselternvertretung hat Schulträger dazu aufgerufen, die Schulen besser auf einen Winter unter Pandemie-Bedingungen vorzubereiten. «Jetzt ist die Zeit, in der die Schulen fit gemacht werden müssen für den kommenden Winter», erklärte die Landeselternvertretung am Montag. Zu wenige Schulträger hätten bisher Strategien und Konzepte entwickelt, Fördergelder abgerufen oder mit dem Einbau von Luftreinigern oder Lüftungsanlagen begonnen, hieß es.

Man dürfe sich nicht auf der aktuellen Euphorie angesichts der niedrigen Infektionszahlen ausruhen, hieß es in einer Mitteilung der Landeselternvertretung. Die Sommermonate müssten dafür genutzt werden, die entsprechende Infrastruktur an den Schulen zu schaffen.

Während bis zum Ende des Sommers ein Großteil der Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland die Möglichkeit bekommen sollen, sich impfen zu lassen, gibt es für Kinder unter zwölf Jahren derzeit keinen zugelassenen Impfstoff.

Bis zum 31. Oktober können Schulträger insgesamt 4,5 Millionen Euro beim Thüringer Infrastrukturministerium abrufen, um für ihre Schulen Luftreiniger zu kaufen oder andere Ausstattung, die im Kampf gegen die Corona-Pandemie helfen soll. Weitere 500 000 Euro sind für eine wissenschaftliche Begleitung zu Raumluftanlagen an Schulen vorgesehen.

Niedersachsen fördert Anbieter von digitaler Schulplattform

Der Anbieter der digitalen Schulplattform Iserv wird vom Land Niedersachsen bei Investitionen und Schaffung neuer Arbeitsplätze unterstützt. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) überreichte am Montag einen Förderbescheid von rund 1,7 Millionen Euro an das Braunschweiger Unternehmen. «Mitten in dieser für die Wirtschaft unsicheren Situation beweist Iserv durch die Verlagerung und auch personelle Erweiterung des Betriebs unternehmerischen Mut», sagte Althusmann zur Begründung.

Durch eine zunächst kostenfreie Version hätten im März 2020 kurzfristig über 700 Bildungseinrichtungen ans Netz angeschlossen werden können. «In den aktuell schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie hat Iserv einen wichtigen Beitrag geleistet», sagte der Wirtschaftsminister beim Besuch der Baustelle für eine neue Firmenzentrale.

Iserv hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 60 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. Bis Februar 2022 sollen weitere 40 hinzukommen. Die Softwarelösungen zur Schuldigitalisierung wird nach Firmenangaben von über 2,5 Millionen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften an rund 5000 Schulen in ganz Deutschland genutzt.

Schulen in Rheinland-Pfalz nehmen Präsenzunterricht wieder auf

Erstmals seit einem halben Jahr nehmen alle Schulen in Rheinland-Pfalz an diesem Montag den Präsenzunterricht wieder auf. Es sei wichtig, dass alle Schülerinnen und Schüler «vor den Sommerferien noch einmal einen geregelten Schulalltag erleben können», sagte Bundesministerin Stefanie Hubig (SPD).

Wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen wurde die Präsenzpflicht am 16. Dezember aufgehoben. Am 4. Januar starteten dann alle Schulen in Rheinland-Pfalz in den Fernunterricht, im digitalen Austausch zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern. Am 22. Februar begann zuerst an den Grundschulen der Wechselunterricht mit Gruppen, die teils zuhause und teils im Klassenzimmer unterrichtet wurden. Später folgten die Fünft- und Sechstklässler, ab 15. März waren dann alle Klassenstufen im Wechselunterricht.

«Sie müssen nach der Phase des Fern- und Wechselunterrichts wieder in der Schule ankommen», sagte Hubig der Deutschen Presse-Agentur. «Sie müssen tatsächlich wieder lernen, in der Schule und mit der gesamten Schulgemeinschaft zu lernen und zu leben.» Dies habe in den nächsten fünf Wochen Priorität.

12.06.2021

Feiern zur Schulentlassung in Niedersachsen starten

Dank niedriger Infektionszahlen und Corona-Lockerungen können sich Abiturienten und Abschlussklassen in Niedersachsen auf ihre Entlassungsfeiern freuen. Die ersten Abientlassungen beginnen an diesem Wochenende. Doch es gibt einiges zu beachten.

Nach einem von der Pandemie geprägten Schuljahr können sich die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen in Niedersachsen auf ihre Entlassfeiern freuen. An der Internationalen Schule in Hannover (ISHR), einer Privatschule mit rund 630 Schülern, werden schon an diesem Samstag die Hüte geworfen. 54 junge Frauen und Männer bekommen dann ihre Entlassungszeugnisse. An der ISHR endet das Schuljahr früher als an den anderen Schulen in Niedersachsen.

Dank niedriger Inzidenzen und Corona-Lockerungen sind solche Feiern wieder möglich. Allerdings gelten auch hier die Veranstaltungsregeln der niedersächsischen Landesverordnung. Im vergangenen Jahr feierte die ISHR noch mit einer Autokino-Veranstaltung. In diesem Jahr wird eine Open-Air-Bühne genutzt, auf der noch vor kurzem Comedian Oliver Pocher als erster Künstler nach langer Kulturpause auftrat.

Entscheidend für die Veranstaltungsregeln ist die Sieben-Tage-Inzidenz des jeweiligen Kreises, in dem gefeiert wird - also die Anzahl registrierter Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche. Landesweit lag dieser Wert am Freitag bei 11,1.

Bis zu einem Inzidenzwert von 35 dürfen der Verordnung zufolge im Freien bis zu 500 Menschen zusammenkommen. In Innenräumen dürfen sich ebenfalls 500 Menschen treffen, vorausgesetzt das Publikum nimmt Platz. Gibt es keine Stühle, sieht die Landesverordnung eine maximale Personenanzahl von 100 vor. Hygiene- und Abstandsregeln müssen eingehalten werden.

Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 35 dürfen im Freien nur bis zu 250 Menschen zusammenkommen, vorausgesetzt das Publikum sitzt. Bei stehendem Publikum ist die Anzahl der Gäste im Freien hingegen auf 100 begrenzt. Auch in Innenräumen dürfen sich bis zu 100 Menschen treffen, aber nur dann, wenn es Stühle im Saal oder der Halle gibt. Voraussetzung in jedem dieser Fälle ist ein negativer Coronatest oder ein Nachweis über einen vollständigen Impfschutz.

Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 50 sind Feiern dieser Größenordnung in Innenräumen nicht zulässig. Draußen dürfen sich bis zu 50 Menschen mit negativem Test oder Impfnachweis nur dann treffen, wenn das Publikum sitzt.

11.06.2021

Sommerschule gibt es auch in diesem Jahr

Zum zweiten Mal in Folge können Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz in den Sommerferien einen Lernrückstand aufholen. Das Land stellt für die Sommer- und die Herbstschule insgesamt eine Million Euro bereit, wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte. In diesem Jahr richtet sich das Förderangebot auch an Jugendliche in den neunten Klassen.

«Wir wissen aus dem vergangenen Jahr, dass das Angebot gut angenommen wird», erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Zuvor hatten das Bildungsministerium und die kommunalen Spitzenverbände eine Vereinbarung über die Ferienschule 2021 für die Sommer- und Herbstferien geschlossen. Die kommunalen Schulträger kümmern sich um die Organisation vor Ort, das Land kümmert sich um die Lerninhalte. Der Schwerpunkt liegt auf den Kernfächern Mathematik und Deutsch. Diesmal kann es aber auch Angebote in Englisch und den Naturwissenschaften geben.

Den Unterricht über drei Stunden am Tag gestalten Studierende fürs Lehramt, Lehrkräfte und besonders geschultes Personal. Die Kursleiter erhalten eine Aufwandsentschädigung von 300 Euro für einen zweiwöchigen Einsatz. «Die Ferienschule ist ein großes Gemeinschaftsprojekt, mit dem Land und Kommunen die Folgen der Corona-Pandemie abfedern», erklärte der Direktor des Landkreistages, Burkhard Müller.   

10.06.2021  

Künftige GEW-Chefin: Nicht noch einmal monatelange Schulschließungen

Die designierte Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Maike Finnern, hält lange coronabedingte Schulschließungen im neuen Schuljahr für höchstwahrscheinlich verzichtbar. «Das ist nicht noch einmal vorstellbar. Ich glaube nicht, dass wir noch einmal in eine Situation kommen, in der Schulen mehrere Monate geschlossen werden müssen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Finnern soll an diesem Donnerstag beim digitalen Gewerkschaftstag der GEW zur neuen Vorsitzenden gewählt werden. Die bisherige NRW-Landeschefin löst damit die langjährige Vorsitzende Marlis Tepe ab. Gleichzeitig beraten die Kultusminister der Länder am Donnerstag in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Sommerferien.

«Wichtig ist, dass die Bundesländer jetzt die Phase bis zum kommenden Schuljahr nutzen, um in den Schulen zu investieren», sagte Finnern. Es gehe nicht nur um Luftfiltergeräte, sondern auch darum, dass Fenster sich öffnen lassen, Heizungen funktionieren und es in jedem Raum ein Waschbecken gibt. «Das ist eine dringende Aufgabe, damit es im kommenden Winter einen verlässlicheren Betrieb gibt.»

09.06.2021  

Mit dem Zeugnis Zertifikat für Leistungen in Corona-Pandemie

Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern können Schülern mit dem Zeugnis ein Zertifikat zur Anerkennung ihrer Leistungen in der Corona-Pandemie überreichen. Dazu sei den Schulen der Vordruck der Urkunde übersandt worden, wie das Bildungsministerium am Mittwoch mitteilte. Es handele sich um eine Anerkennung, dass die Schüler dieses besonders schwierige Schuljahr mit den großen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gut gemeistert hätten.

Die mitregierende CDU findet die Idee nicht gut. «Ich fühle mich durch den Vorgang peinlich berührt», erklärte der CDU-Bildungspolitiker Marc Reinhardt. «Ein Zertifikat, mit dem pauschal das "Üben vom Lernen am Computer", das "Befolgen der Hygieneregeln" oder das "Aufbringen von Kraft zur Gestaltung des Alltags" bescheinigt beziehungsweise gewürdigt werden soll, erscheint mir einerseits wertlos, andererseits aber auch wie eine Verhöhnung der Schülerinnen und Schüler.» Jedermann wisse, dass die Schulen mehr schlecht als recht durch die Pandemie gekommen seien. Daran gebe es wenig zu beschönigen. «Nutzlose Zertifikate heilen diesen Zustand nicht. Ausdruck von Wertschätzung sind sie auch nicht.»

Abschlussfeiern an Schulen erlaubt

An den Schulen in Nordrhein-Westfalen dürfen Abschlussfeiern stattfinden. Darauf hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer am Mittwoch hingewiesen. Die Zeugnisübergabe zum Schulabschluss dürfe gemeinsam mit den Eltern gefeiert werden. Die aktuellen Regelungen der Coronaschutzverordnung und die sinkenden Inzidenzen ließen dies zu. Darüber hinaus könnten die Grundschulen bereits Einschulungsfeiern zum kommenden Schuljahr planen.

Bei einer Sieben-Tages-Inzidenz bis 35 in Kreis oder Stadt seien in geschlossenen Räumen Feiern mit bis zu 1000 Teilnehmern erlaubt - im Freien auch mehr. Bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 35 bis 50 seien es in geschlossenen Räumen und im Freien bis zu 500 Teilnehmer. Bei einer Sieben-Tages-Inzidenz über 50 seien in geschlossenen Räumen bis zu 250 Teilnehmer, im Freien bis zu 500 erlaubt.

Die bekannten Infektionsschutzmaßnahmen seien dabei einzuhalten: das Tragen von Masken, die Einhaltung von Mindestabständen und die Vorlage eines negativen Corona-Testergebnisses.

Rückkehr zum Regelbetrieb: In Berlin werden die Klassen wieder voller

Mit dem Wechselunterricht ist es erstmal vorbei. Jetzt heißt es für Berlins Schulen: Zurück zum Regelbetrieb. Seit Mittwoch sind wieder deutlich mehr Schülerinnen und Schüler zeitgleich in den Klassenräumen.

Schülerinnen und Schüler in Berlin sind wieder zurück in ihren Klassen. Am Mittwoch ist der Regelbetrieb in den Schulen wieder aufgenommen worden - zwei Wochen vor den Sommerferien. Mit dem Wechsel aus Unterricht in der Schule und digitalem Lernen zu Hause, auf den Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bisher gesetzt hat, ist es damit vorbei, und somit auch mit den verkleinerten Lerngruppen.

Präsenzpflicht gilt aber nach Angaben der Bildungsverwaltung noch nicht. Das heißt, Kinder müssen nicht in die Schule kommen, wenn sie oder ihre Eltern vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie das nicht möchten.

Und es geht auch nicht darum, in der Zeit bis zum letzten Schultag am 23. Juni noch möglichst viel Stoff durchzunehmen. In einem Schreiben an die Schulleitungen hat die Bildungsverwaltung ausdrücklich betont, neben dem Fachunterricht sollten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit haben, sich in der ganzen Lerngruppe zu treffen, Kontakte wieder aufzunehmen, über Erlebtes zu sprechen und gemeinsame Aktivitäten anzugehen. Die Bildungsverwaltung hat außerdem angeregt, die Gelegenheit zu nutzen, kurz vor Sommerbeginn möglichst viel im Freien zu lernen.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung wies am Dienstag darauf hin, dass die Maskenpflicht auf dem Schulhof ab Mittwoch aufgehoben ist. Das gilt auch, wenn ein Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann. In geschlossenen Räumen ist das Tragen einer medizinischen Gesichtsmaske nach wie vor vorgeschrieben. Und auch die Testpflicht bleibt bestehen: «Schülerinnen und Schüler müssen zweimal in der Woche einen Schnelltest machen.»

Die Gewerkschaft GEW fordert, bei der Rückkehr der Kinder und Jugendlichen in den pädagogischen Alltag müssten die sozialen Aspekte und das Miteinander im Vordergrund stehen. «Der Regelbetrieb nach Stundentafel ist nicht, was die Schülerinnen und Schüler jetzt brauchen», sagte der Geschäftsführer der GEW Berlin, Markus Hanisch, der Deutschen Presse-Agentur. «Die Möglichkeit für die Schulen, mit ganzen Lerngruppen Ausflüge im Freien zu unternehmen, ist der richtige Weg, um die letzten Schulwochen sinnvoll zu gestalten.» Wenn Unterricht in vollen Klassen stattfinde, solle das möglichst infektionssicher im Freien passieren.

Gleichzeitig mahnte Hanisch, die Bildungsverwaltung müsse bereits jetzt für die Zeit nach den Ferien planen: Bis zu den Sommerferien seien es nur noch zwei Wochen, aber mit Blick auf das nächste Schuljahr fordere die GEW, schon jetzt die Weichen zu stellen. «Die zusätzlichen Gelder aus dem Aufholprogramm von Bund und Ländern müssen jetzt schnell den Schulen übertragen werden.»

Noch vor der Sommerpause sollten außerdem Schulleitungen die Möglichkeit erhalten, Projekte mit dem Kollegium für das kommende Schuljahr anzustoßen. «Die Schulen brauchen dringend mehr Personal, um jetzt die verloren gegangene Beziehungsarbeit mit den Schülerinnen und Schülern leisten zu können.»

Die Gewerkschaft Verdi in Berlin sprach von Personalmangel und teilte mit, es sei daher mit einer Mehrbelastung der vor Ort Arbeitenden zu rechnen. Zudem bestehe für die Beschäftigten in Schulen ein erhöhtes Infektionsrisiko. «Der Schutz der Beschäftigten muss für die Senatsverwaltung oberstes Gebot sein. Leider können wir aber bisher kein bis zum Ende durchdachtes Schutzkonzept der Behörden feststellen», kritisierte die stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiterin Andrea Kühnemann.

Freiwillig war die Rückkehr zum Regelbetrieb vor den Ferien nicht. Bildungssenatorin Scheeres war ausdrücklich dagegen. Doch das Verwaltungsgericht Berlin hatte Ende Mai nach Eilanträgen entschieden, dass Berlin für eine Schülerin und einen Schüler einer Grundschule Präsenzunterricht sichern muss. Daraufhin beschloss der Senat, das Wechselunterrichtsmodell ab dem 9. Juni zu beenden.

Kultusminister beraten über neues Schuljahr unter Corona-Bedingungen

Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) berät am Donnerstag über die Vorbereitung des kommenden Schuljahres. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie der Schulbetrieb mit Blick auf die Corona-Pandemie nach den Sommerferien weitergehen soll. KMK-Präsidentin Britta Ernst (SPD) hatte gesagt, es sei wichtig, dass die Schulen nach dem Sommer in voller Präsenz öffnen, unabhängig davon, ob Kinder geimpft sind oder nicht. Im noch laufenden Schuljahr haben erste Bundesländer wegen der gesunkenen Corona-Zahlen bereits Lockerungen bei der Maskenpflicht an den Schulen angekündigt.

Die Ministerinnen und Minister wollen außerdem eine gemeinsame Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule verabschieden. Auf der Tagesordnung der Videokonferenz steht dazu ein Gespräch mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und den Vorsitzenden der Gemeinsamen Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens, Felix Klein und Samuel Salzborn. Am Freitag (12.00 Uhr) sollen die Ergebnisse der Beratungen bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

Kultusminister Piazolo fordert Lockerung der Maskenpflicht an Schulen

Zum Schutz vor Corona müssen Schulkinder auch in der Klasse eine Maske tragen. Nach dem Ende der dritten Welle muss das aber nun kritisch hinterfragt werden, findet der Fachminister. Die CSU bremst.

Wegen der stark sinkenden Corona-Infektionszahlen fordert Bayerns Kultusminister Michael Piazolo Lockerungen bei der Maskenpflicht an Schulen. «Die Maskenpflicht ist ein großer Eingriff in die Freiheit und wir müssen immer wieder kritisch hinterfragen, ob sie noch verhältnismäßig ist», sagte der Freie-Wähler-Politiker am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in München. Mit Blick auf die am Donnerstag beginnende Konferenz der Kultusminister (KMK) forderte er dazu «einen intensiven Austausch» für ein bundeseinheitliches Vorgehen.

Aus der Sicht von Piazolo sollte es im Schulgebäude selbst weiter die Maskenpflicht geben, eine Aufhebung sei aber auf dem Schulhof und auch am Sitzplatz in den Klassen angemessen. «Voraussetzung dafür ist eine Inzidenz, die deutlich unter 50 liegt. Über den genauen Wert für einen Korridor müssen wir uns aber natürlich gemeinsam verständigen», betonte Piazolo. Er könne sich gut vorstellen, die Lockerung unterhalb des Wertes 20 bis 25 zu gestatten. Er unterstütze aber auch ausdrücklich, dass jeder der wolle weiter eine Masken tragen könne.

Die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben bereits beschlossen, die Maskenpflicht für Schüler aussetzen zu wollen. Aus anderen Bundesländern sind bisher keine Überlegungen bekannt. «Das Thema steht aber jetzt an und wir müssen uns damit befassen», sagte Piazolo. Es sei «wichtig und richtig» gewesen, die Maskenpflicht einzuführen, aber nun habe sich die Lage glücklicherweise geändert.

Sollte sich die KMK bei ihrer Videoschalte nicht auf ein einheitliches Vorgehen einigen können, hält Piazolo auch ein Vorgehen nur für Bayern für angebracht: «Das Thema ist jetzt virulent. Ich werde mich deshalb dafür einsetzen, dass wir zeitnah auch im Ministerrat darüber austauschen werden.»

Der Koalitionspartner der Freien Wähler, die CSU, hatte bislang nicht erkennen lassen, die Maskenpflicht an Schulen lockern zu wollen. Auf Anfrage der dpa betonte Staatskanzleichef Florian Herrmann: «Wir alle freuen uns über die sinkenden Zahlen, dennoch sollten wir jetzt nicht gleich wieder in Hektik verfallen. Der Präsenzunterricht hat in vielen Schulklassen erst vor zwei Tagen wieder begonnen - und in manchen noch gar nicht. Daher sollten wir sorgfältig beobachten, wie sich die Maßnahmen auf die Inzidenzwerte auswirken.»

Herrmann weiter: Die laufende Corona-Verordnung sei erst vergangene Woche vom Kabinett einstimmig für vier Wochen beschlossen worden. «Dass die Staatsregierung alle Zahlen im Blick hat und auf Entwicklungen zum Wohle aller Beteiligten reagiert, versteht sich von selbst.» Eine «zeitnahe» Änderung ist demnach nicht in Sicht.

Piazolo sagte, neben den sinkenden Inzidenzen spreche auch die kontinuierliche Testung an den Schulen für Lockerungen. Diese würden die Sicherheit hoch halten und helfen, Ansteckungen zu verhindern. Seit Anfang September 2020 gibt es in Bayerns Schulen eine Maskenpflicht, diese galt zunächst nur auf dem Schulgelände und nicht auf dem Sitzplatz im Klassenzimmer. Wenige Wochen später wurde sie dann im Verlauf der Pandemie aber auch auf diesen ausgeweitet.

Der Bayerische Realschullehrerverband äußerte sich zustimmend zu Piazolos Gedankenspielen: «Es war schon immer unsere klare Haltung, dass die Inzidenzgrenzen entscheidend für den Umgang mit der Pandemie sind. Bei niedrigen verlässlichen Inzidenzwerten unter 35 muss über die Lockerung der Maskenpflicht im Unterricht und über die Verlagerung der Selbsttests für Schüler aus der Schule in den Verantwortungsbereich der Familien nachgedacht werden», sagte Jürgen Böhm, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbands.

Die Grünen im Landtag unterstützten die Position Piazolos grundsätzlich, mahnten aber auch zu Vorsicht: «Wir müssen hier schrittweise vorgehen – aber vor allem muss es endlich vorangehen», sagt Anna Schwamberger, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion. Das Wichtigste für die Schüler sei, dass der Präsenzunterricht mindestens bis zum Ende des Schuljahres für alle aufrecht erhalten werden könne.

Die FDP im Landtag forderte dagegen gar ein sofortiges Ende der Maskenpflicht. «Es kann nicht sein, dass man in der Gastronomie innen wie außen stundenlang ohne Maske sitzen darf, unsere Kinder aber nicht nur im Klassenzimmer sondern auch auf dem Hortgelände und auf dem Schulhof Masken tragen müssen», sagte Vize-Fraktionschefin Julika Sandt. Bei hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 30 Grad sei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Spielen und Toben eine «unsinnige Quälerei».

Umfragen an Schulen: Große Sorge wegen Lernlücken und Drucks

Ein mehr als schwieriges Schuljahr geht zu Ende. Die meisten Schüler, Eltern und Lehrer sind sich einig: Im nächsten Schuljahr kann es nur besser werden. Nötig seien allerdings bestimmte Rahmenbedingungen, fordert die Gewerkschaft.

Zum Ende des Schuljahres haben Schüler, Eltern und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ihre Sorge über die aktuelle Situation an den Schulen und in den Familien ausgedrückt. Umfragen unter rund 2000 Schülern, 3500 Eltern und 400 Pädagogen hätten große Lernlücken, einen enormen psychischen Druck und eine hohe Arbeitsbelastung aller Beteiligten deutlich gemacht, sagte der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm am Mittwoch.

Für das kommende Schuljahr müssten deshalb mehr Lehrkräfte an die Schulen und es müssten kleinere Klassen gebildet werden. Darüber hinaus seien eine bessere technische Ausstattung, die Überarbeitung der Rahmenpläne und mehr individuelle Förderung im Unterricht nötig.

Anton Fischer, Chef des Landesschülerrates, machte auf die psychischen Folgen der Schulschließungen aufmerksam. In der Umfrage hätten 63 Prozent der Schüler gesagt, dass sie unmotiviert seien. Knapp 50 Prozent fühlten sich gestresst, knapp 40 Prozent müde, 30 Prozent alleine gelassen.

Bereits im Januar habe der Landesschülerrat die Politik aufgefordert, den geistigen Zustand der Schüler nicht weiter zu strapazieren. «Leider ist so gut wie gar nichts passiert», sagte Fischer. Dabei wäre es aus Schülersicht durchaus möglich gewesen, wenigstens sechs Unterrichtseinheiten in der Woche für jeden Schüler zu ermöglichen. «Man hat Angst gehabt, falsche Entscheidungen zu treffen.» Es sei zu erwarten, dass die Auswirkungen sich über Jahre immer weiter zeigen und zu erheblichen Folgen für die Schüler führen werden.

Aus Sicht der Lehrer erfüllen nahezu 90 Prozent der Schüler nicht beziehungsweise nur teilweise die schulischen Anforderungen, sagte Walm. Mehr als 70 Prozent der Pädagogen hätten in den vergangenen Monaten Mehrarbeit leisten müssen. «Alle in der Schule zahlen gemeinsam den Preis für unzureichende personelle, technische, inhaltliche und organisatorische Rahmenbedingungen.»

Der Vorsitzende des Landeselternrates, Kay Czerwinski, bezeichnete die Situation in den Familien als angespannt und kritisch. Über alle Schularten hinweg bezeichneten 73 Prozent der Eltern die Schulschließungen als belastend bis sehr belastend. Es gebe keine Sicherheit, dass die aktuellen Entscheidungen der Landesregierung auch noch im kommenden Schuljahr Geltung haben werden. Rund die Hälfte der Eltern wünschte sich die Anpassung der Rahmenpläne und eine Konzentration auf die Kernfächer.

Ein Weg dahin könnte sein, Lehrern in Teilzeit den Weg zur Vollbeschäftigung schmackhaft zu machen, sagte Czerwinski. Auch müsste die Zuweisung der Sollstunden auf 113 Prozent angehoben werden. «Lehrer sind Menschen und die sind auch krank.» Aktuell würden die Sollstunden unter 100 Prozent geplant. Um das zu ändern, müsse von den politisch Verantwortlichen im Land Geld in die Hand genommen werden, damit das Ministerium seine Aufgabe vernünftig erledigen kann.

08.06.2021 

Weniger Ausbildungsplätze im Südwesten seit der Corona-Pandemie

Im Südwesten werden seit der Corona-Pandemie deutlich weniger Ausbildungsplätze angeboten. 2020 seien mehr als zehn Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Vorjahr, teilten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Stuttgart mit.

Baden-Württemberg sei eines der Länder mit dem höchsten Anteil an an- und ungelernten Beschäftigten. In der Altersgruppe zwischen 25 Jahren und 35 Jahren hätten 194 000 Menschen oder 13,4 Prozent überhaupt keinen berufsqualifizierenden Abschluss.

Der DGB und die Regionaldirektion begrüßten, dass sich die grün-schwarze Koalition auf die Einführung einer Ausbildungsgarantie verständigt habe. Wegen der in den kommenden Jahren absehbar angespannten Situation auf dem Ausbildungsmarkt sei ein dreistufiges Modell notwendig: Wenn keine Vermittlung in einen Betrieb gelinge, ist demnach die Vermittlung in eine überbetriebliche Verbundausbildung sinnvoll. Die dritte Stufe sei dann die Ausbildung bei einem außerbetrieblichen Träger.

Der DGB-Landesvorsitzende Martin Kunzmann sagte, die Ausbildung bei einem außerbetrieblichen Träger müsse inhaltlich und formal gleichwertig gegenüber einer betrieblichen Ausbildung sein. «Teilqualifizierungen lehnen wir ab. Bei der Qualität dürfen keine Abstriche gemacht werden.»

Viele junge Menschen konzentrierten sich jetzt auf ihren Schulabschluss und warteten, bevor sie sich für eine Ausbildung entscheiden, sagte Christian Rauch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion. Dadurch verschlechtere sich die Stellen-Bewerber-Relation in den kommenden Jahren dramatisch. Durch künftige Schulabgänger werde die Konkurrenz stärker, und die Zahl der unversorgten Bewerber nehme zu.

Behörde: Abitur-Abschlussfeiern sollen unbedingt stattfinden

Nach vielen Jahren Schule gilt er als einer der wichtigsten Momente im Leben von Abiturienten: Der Tag der Zeugnisübergabe. Damit das trotz Corona-Pandemie möglichst festlich vonstatten geht, soll es auf jeden Fall Abschlussfeiern geben. Teilnehmerzahl: fast unbegrenzt.

Nach der coronabedingt teils trostlosen Übergabe der Abiturzeugnisse im vergangenen Jahr soll es diesmal wieder festlich zugehen. «Wir erwarten von den Schulen, dass sie - im Rahmen der derzeit geltenden Regeln - Abschlussfeiern durchführen», sagte ein Sprecher der Hamburger Schulbehörde der Deutschen Presse-Agentur. In diesem Jahr haben sich seit dem 23. April rund 9900 junge Frauen und Männer unter erschwerten Corona-Bedingungen durch die schriftlichen und mündlichen Prüfungen gekämpft - ihre Zeugnisse sollen sie bis zum 18. Juni erhalten. Wie sich die Abiturienten letztlich geschlagen haben, will die Behörde nach Auswertung der Noten voraussichtlich am 25. Juni veröffentlichen.

Wegen der Corona-Pandemie fallen Abibälle erneut aus, so sollen die Abiturienten wenigstens bei offiziellen Feiern gewürdigt werden. In einem der dpa vorliegenden Brief der Behörde an die Schulleitungen heißt es: «Schulische Abschluss- und Einschulungsfeiern sind für das Schulleben außerordentlich wichtig und sollen auch in diesem Schuljahr in jedem Fall stattfinden. Wir bitten Sie, die entsprechenden Feiern zusammen mit den Kollegien zu ermöglichen.»

Die Veranstaltungen können sowohl drinnen als auch draußen stattfinden. Teilnahmeberechtigt seien Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, schulisches Personal sowie Eltern und Angehörige. «Es gibt keine Obergrenze für die Zahl der Teilnehmenden.» Allerdings sei die Gästezahl so zu bemessen, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern sichergestellt sei. Der gelte nicht für Familienangehörige und ihre Kinder sowie für die Schüler und Schülerinnen selbst etwa bei der Aufstellung für das Klassenfoto.

Für alle Teilnehmenden gilt grundsätzlich eine Maskenpflicht. Vor Beginn der Abschlussfeier müssen dem Schreiben zufolge mit Ausnahme der Schüler und des schulischen Personals zudem alle Teilnehmer schriftlich erklären, dass sie über einen höchstens zwölf Stunden alten, negativen Corona-Schnelltest oder über einen höchstens 48 Stunden alten, negativen PCR-Test verfügen. Zur Kontaktnachverfolgung können die Schulen auf die Luca-App zurückgreifen.

07.06.2021 

«Überbrücke die Lücke»: Lehramtsstudierende sollen Schülern helfen

Monatelang fiel der Unterricht aus oder wurde nicht komplett angeboten. Kinder und Jugendliche verpassten wegen der Corona-Zwangspause massenweise von dem Stoff, der ihnen sonst beigebracht worden wäre. Das soll aufgeholt werden, so gut es geht.

Die grün-schwarze Regierung befasst sich an diesem Dienstag mit einem ersten Unterstützungsprogramm für Schülerinnen und Schüler, die während der Corona-Krise in Lernrückstand geraten sind. Mit dem Programm unter dem Namen «Bridge the gap» («Überbrücke die Lücke») sollen schon bald etwa 500 Aushilfslehrer bis zu den Sommerferien an die Schulen kommen. Wer auf Lehramt studiert und im 4. Fachsemester ist, konnte sich auf die Stellen bewerben. Die Resonanz war groß, es gibt schon eine Warteliste. Kultusministerin Theresa Schopper und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (beide Grüne) wollen das Programm am Dienstag den Medien vorstellen.

Rückkehr ins Klassenzimmer: Inzidenz und Impfung machen es möglich

Nach fast einem halben Jahr Home Schooling steht für Hunderttausende Schülerinnen und Schüler im Südwesten an diesem Montag die Rückkehr ins Klassenzimmer an. Grund sind die sinkenden Corona-Inzidenzzahlen und die Impfung fast aller Lehrkräfte.

Liegt die Inzidenz in den Stadt- und Landkreisen stabil unter 50 Infektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen, dürfen neben den Grundschulen auch die weiterführenden Schulen ihre Pforten nach den Pfingstferien wieder für alle Kinder und Jugendlichen öffnen. In Regionen mit einer Inzidenz über 50 gibt es an weiterführenden Schulen Wechselunterricht.

Ab dem 21. Juni sollen aber auch diese Schulen wieder in den Regelbetrieb gehen, auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in ihrem Kreis noch zwischen 50 und 100 liegt. Außerdem ist wieder Sportunterricht unter Auflagen möglich.

06.06.2021

Verbände skeptisch vor Start des Präsenzunterrichts in allen Schulen

Monatelang mussten auch die Brandenburger Schüler wegen der Corona-Pandemie häufig zuhause lernen. Nun geht es wieder zurück in den Präsenzunterricht in den Schulen - doch die Gewerkschaft, der Pädagogenverband und der Landesschülerrat sehen hohe Risiken.

Vor dem Start des Präsenzunterrichts in allen Brandenburger Schulen haben sich die Bildungsgewerkschaft GEW und weitere Verbände skeptisch gezeigt. Unabdingbare Voraussetzung dafür wäre zumindest eine Corona-Erstimpfung für alle im Präsenzunterricht eingesetzten Lehrkräfte, sagte der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs der Deutschen Presse-Agentur. «Und viele Lehrkräfte haben noch immer keine Impfung erhalten.»

Der Brandenburgische Pädagogenverband und die Landesschülervertretung befürchten, dass Corona-Infektionen den Schülern und ihren Familien den Start in die Sommerferien verhageln könnten.

Am Montag starten in Brandenburg nach den Grundschulen auch die weiterführenden Schulen wieder im Präsenzunterricht. Zweieinhalb Wochen später beginnen in Brandenburg am 24. Juni die Sommerferien.

Das Bildungsministerium hatte erklärt, dass bereits alle Lehrkräfte und das gesamte Personal an den Schulen ein Impfangebot erhalten hätten. Es bestehe allerdings ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der Ausgabe der Berechtigungsscheine, dem Bemühen um einen Termin und einer tatsächlichen Impfung, kritisierte Fuchs. «Die Lehrkräfte fühlen sich von den Äußerungen verkohlt und im Stich gelassen.» Wichtig sei zugleich, dass schnell zusätzliche Stellen für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit zur Verfügung gestellt würden. «Die Rückkehr zum Präsenzunterricht darf nicht bedeuten, dass die Klassen wieder übervoll werden», betonte Fuchs.

Auch der Brandenburgische Pädagogenverband (BPV) sieht große Risiken für die Lehrkräfte. «Sie riskieren ihre Gesundheit, wenn sie noch nicht geimpft beziehungsweise durchgeimpft sind», sagte BPV-Präsident Hartmut Stäker. «Ich schätze 80 Prozent der Lehrer haben noch keine oder keine zweite Impfung.» Dabei müssten sich im vollen Präsenzunterricht 30 Schüler und ein Lehrer einen meist kleinen Klassenraum teilen. «Und wenn vor den Ferien die Inzidenzen wieder hochgehen, dann ist auch der Urlaub im Eimer», warnte Stäker.

Stäker räumte aber ein, dass es wichtig für die Schüler sei, sich im Klassenverband wieder direkt zu begegnen und auszutauschen. Zudem würden die Eltern vom Homeschooling entlastet und auch viele Lehrer begrüßen die Rückkehr zum Präsenzunterricht. «Die Meinungen der Lehrer sind in dieser Frage gespalten.»

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Landesschülerrats, Katharina Swinka. Der gemeinsame Unterricht und Tagesausflüge brächten auf jeden Fall einen Ausgleich für die lange Zeit allein zuhause. Doch: «In diesen zwei Wochen, die uns jetzt noch bleiben, wird keine Stoffvermittlung mehr stattfinden können», sagte Swinka. Daher liege der Fokus wohl auf der Verbesserung der Sozialkompetenz. «Aber da man sich nicht umarmen soll und auf dem Schulhof Abstand halten soll, wird das ein bisschen schwierig mit der Sozialkompetenz», meinte sie.

Hinzu komme die Angst vor einer Corona-Infektion. «Und das betrifft einen ja nicht nur selbst, sondern auch die Familie, Eltern, Großeltern und so weiter», sagte Swinka. «Meine persönlich Angst ist, dass ich mich in den zwei Wochen vor den Ferien irgendwo infiziere und dann in den Sommerferien erstmal zuhause sitze.»

Dagegen erklärte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) auf Anfrage, sie freue sich, dass ab Montag alle Schüler und Lehrer wieder zurückkehren könnten. «Die verbleibenden Wochen vor den Sommerferien sollen insbesondere für den sozialen Zusammenhalt der gesamten Klassengemeinschaft genutzt werden», betonte sie. «Das ist ganz wichtig, denn viele haben unter den Beschränkungen enorm gelitten.» Daher seien eintägige Ausflüge und Exkursionen wieder erlaubt und außerschulische Lernorte könnten verstärkt besucht werden.

Kultusministerin Schopper drückt bei Kinder-Impfung auf die Bremse

Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper trägt den Bedenken der Experten bei Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche Rechnung und bläst die angedachte Impfkampagne an Schulen zunächst ab. «Es ist in der Verantwortung der Eltern, mit den Jugendlichen zu überlegen, ob diese zum Impfen gehen sollen», sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Ich würde das niemandem vorschreiben wollen.»

Die Grünen-Politikerin geht davon aus, dass viele Eltern registriert haben, dass die Ständige Impfkommission den ab 12 Jahren zugelassenen Biontech-Impfstoff für Kinder und Jugendliche bisher nicht empfehle. «Ich glaube, dass die Eltern vorsichtig sein werden», sagte sie. Vor drei Wochen hatte die neue Ministerin noch zur Eile gedrängt und vorgeschlagen, sogar an den Schulen zu impfen.

Allerdings hält es Schopper für möglich, dass sich bis zu den Sommerferien Ende Juli noch etwas tut. «Ich glaube aber, dass es da noch eine Entwicklung geben wird, wenn mehr Impfstoff da ist und der Sommerurlaub ansteht», sagte die Kultusministerin. Zudem gebe es dann womöglich noch mehr Daten für das Impfen bei Kindern.

Schopper sieht aber keinen Grund, die Öffnung von Schulen nach den Sommerferien mit den Impfungen der Kinder zu verknüpfen. «In der Erwachsenenwelt hat jeder bis Ende des Sommers ein Impfangebot bekommen.» Die Voraussetzungen für Unterricht seien dann ganz andere als in den vergangenen Monaten, auch weil die Lehrkräfte größtenteils durchgeimpft seien. «Ich bin optimistisch, aber auch weiter vorsichtig. Hoffentlich kriegen wir keine Mutante, die alles auf den Kopf stellt.»

Auch nach den großen Ferien werde Corona noch eine Rolle spielen: «Stand heute gehe ich nicht davon aus, dass wir die Maskenpflicht nach den Sommerferien aufheben werden.»

05.06.2021

Bislang keine coronabedingten Klassenwiederholungen in Hamburg

Schätzungen zufolge hat rund ein Viertel der rund elf Millionen Schüler in Deutschland wegen der Corona-Pandemie Lernrückstände. In Hamburg zeichnen sich dennoch kaum freiwillige Klassenwiederholungen ab.

Das freiwillige Wiederholen des Schuljahres wegen der Corona-Pandemie ist in Hamburg derzeit kein Thema. «Bislang haben wir keine Meldungen aus den Schulen erhalten», sagte ein Sprecher der Schulbehörde der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings müssten noch die Zeugniskonferenzen Mitte Juni abgewartet werden. «Wie rechnen aber nicht mit einer größeren Anzahl von Anträgen.»

Bundesweit wird davon ausgegangen, dass rund ein Viertel der rund elf Millionen Schüler in Deutschland Lernrückstände aufzuholen hat, weil sie per Fernunterricht kaum oder nur schlecht erreicht wurden. Das Bundeskabinett hat deshalb bereits ein zwei Milliarden Euro schweres Corona-«Aufholprogramm» für Nachhilfe- und Förderprogramme sowie soziale Projekte beschlossen.

In Hamburg wurde das Sitzenbleiben bereits vor zehn Jahren abgeschafft und durch eine verpflichtende fächerbezogene Lernförderung ersetzt. Insofern sei die Klassenwiederholung bei Hamburgs Familien eher kein Thema, sagte der Sprecher. Gleichzeitig habe die Stadt bereits einen Maßnahmenkatalog zur Aufarbeitung von Lernrückständen aufgelegt, der in Teilen bereits in den Sommerferien starte.

04.06.2021

Neue Corona-Regel: Präsenzunterricht unter Inzidenz 100 ab 21. Juni

Stuttgart (dpa/lsw)Die coronabedingte Durststrecke für Hunderttausende Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg nähert sich angesichts sinkender Infektionszahlen dem Ende. Liegt die Inzidenz in den Stadt- und Landkreisen stabil unter 50 Infektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen, dürfen nach den Grundschulen auch die weiterführenden Schulen ihre Pforten nach den Pfingstferien wieder für alle Kinder und Jugendlichen öffnen. In der neuen, am Freitagnachmittag notverkündeten Verordnung des Kultusministeriums wird zudem festgelegt, dass weiterführende Schulen ab dem 21. Juni auch dann wieder in den Regelbetrieb gehen können, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in ihrem Kreis unter 100 liegt. Außerdem ist von Montag in Kreisen, die stabil unter einer Inzidenz von 35 liegen, wieder Sportunterricht jeglicher Art zulässig.

Lehrer beklagen zu viel Aufwand bei Corona-Testbescheinigungen

Schülerinnen und Schülern künftig eine Bescheinigung für einen Corona-Test in der Schule auszustellen, ist aus Sicht der Bildungsgewerkschaft GEW nicht machbar. «Es ist eine Frechheit, dass den Schulen schon wieder eine zusätzliche Aufgabe aufgezwungen wird», sagte die Landesvorsitzende Monika Stein den «Stuttgarter Nachrichten» (Samstag). «Die Ressourcen dafür sind zurzeit nicht vorhanden.» Die Formulare auszufüllen binde Zeit und Arbeitskraft, die eigentlich in den Unterricht gesteckt werden sollten. Außerdem hätten die Schulen bisher keine Informationen zu der neuen Regelung bekommen, die ab Montag gilt.

Eine Bescheinigung der Schule über einen negativen Test soll dann ausreichen, damit sich Schülerinnen und Schüler etwa bei Freizeitaktivitäten nicht erneut testen lassen müssen. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte der Zeitung, man werde den Schulen eine sehr einfache Vorlage zur Verfügung stellen. Diese müssten auch nicht generell, sondern nur auf Verlangen ausgestellt und zudem von den Kindern und Jugendlichen vorausgefüllt werden.

Regierung: Interne Abi-Feiern und Zeugnis-Zeremonien möglich

Interne Abi-Feiern sowie Abschlussfeiern von Vorschulkindern und feierliche Zeugnisvergaben werden bis Mitte Juli landesweit möglich sein. In der neuen Coronaschutzverordnung wird für «selbst organisierte Feste von Schulabgangsklassen oder -jahrgängen» außerhalb von Schulen allerdings ein Negativtestnachweis als Voraussetzung genannt.

Die zuständige Behörde muss über die Veranstaltung mindestens zwei Werktage vorher informiert werden. Zu Abschlussfesten von Vorschulkindern dürfen jeweils zwei Erwachsene, Geschwister und Lehrer kommen - ebenfalls nur bei negativem Testergebnis.

Wie die Landesregierung bei Twitter mitteilte, sind auch feierliche Zeugnisvergaben zum Beispiel bei Abi-Klassen erlaubt. Mit festem Sitzplan und Corona-Test. Kommen dürfen dann neben den Schülern auch Eltern und Lehrer.

«Stark trotz Corona» - Aufholprogramm für junge Berliner

Ein «Aufholprogramm» soll Berliner Kindern und Jugendlichen helfen, Lernrückstände in der Schule wettzumachen und mit den Belastungen durch die Corona-Pandemie besser klarzukommen. Das teilte die Senatsverwaltung für Bildung am Freitag mit. Für das mit «Stark trotz Corona» überschriebene Programm stehen den Angaben zufolge 64 Millionen Euro aus Bundesmitteln zur Verfügung. Der Großteil davon (44 Millionen) soll eingesetzt werden, um Schülerinnen und Schüler darin zu unterstützen, Lernrückstände aufzuholen.

Um bewerten zu können, welche Defizite es gibt, seien in Berlin zu Beginn des Schuljahrs sogenannte Lernstandserhebungen geplant, so ein Sprecher der Bildungsverwaltung. Jede Schule soll für das Programm «Lernrückstände aufholen» ein eigenes Schulbudget erhalten. Den Angaben zufolge sind Förderangebote wie Lerncoaching oder auch Wochenendschulen möglich.

Schon während der Sommerferien soll es vor allem für Schulanfänger sowie Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8 Lernangebote zum Abbau von Lernrückständen geben. Geplant sind nach Angaben der Bildungsverwaltung außerdem Intensivschwimmkurse sowie Ferienlernangebote zur Berufsorientierung ab Klasse 9.

«Die Berliner Kinder und Jugendlichen haben ein hartes Jahr hinter sich», so Bildungssenatorin Sandra Scheeres am Freitag. «Die Corona-Pandemie hat ihr Leben komplett durcheinandergewirbelt. Zum Glück aber neigt sich diese schwere und anstrengende Zeit ihrem Ende entgegen.» Es gebe in allen Bereichen viel aufzuholen. Dafür sei das Aktionsprogramm ins Leben gerufen worden.

Die Ferien beginnen in Berlin am 24. Juni. Das neue Schuljahr soll dann für alle Jahrgangsstufen und alle Schularten mit komplettem Präsenzunterricht starten. Die Testpflicht für Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte bleibt nach Angaben der Bildungsverwaltung bestehen.

Für Schülerinnen und Schüler sind in der ersten Schulwoche sogar drei statt wie üblich zwei Schnelltests Pflicht. Lehrkräfte müssten sich schon während der Präsenztage vor Schuljahresbeginn testen lassen, sagte der Sprecher. In allen Schulräumen bestehe weiterhin die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Wieder mehr Präsenzunterricht in Bayern ab Montag

München (dpa/lby)Bayerns Schüler sollen in Kommunen mit einer niedrigen Corona-Inzidenz unter 50 ab kommendem Montag wieder vollzählig in ihre Schulen zurückkehren. Ab 21. Juni gilt das dann auch für Gebiete mit einer Inzidenz unter 100, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag nach der Kabinettssitzung ankündigten. «Wir haben für die Schulen ein hervorragendes Sicherheitskonzept», sagte Piazolo. Masken- und Testpflicht gelten weiter, nur im Sportunterricht müssen die Schüler keine Masken mehr tragen.

KMK-Präsidentin: Schulöffnung nicht von Impfungen abhängig machen

Berlin (dpa)Nach den Sommerferien soll es an den Schulen in Deutschland mit vollem Präsenzbetrieb weitergehen, unabhängig davon, ob Schüler geimpft sind oder nicht. Das sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, am Freitag in der Sendung «Frühstart» von RTL/ntv. Geimpfte Kinder machten die Schule «natürlich auch sicherer». Die Eltern müssten mit den Ärzten ihres Vertrauens darüber beraten, wann und ab welchem Alter sie ihre Kinder impfen lassen wollten. Je jünger die Kinder, desto zurückhaltender seien die Empfehlungen der Kinder- und Jugendärzte. «Für uns ist wichtig, dass unabhängig davon, ob die Kinder geimpft sind, die Schulen trotzdem in voller Präsenz öffnen können.» Sie hoffe, dass der Unterricht nach den Sommerferien «so normal wie möglich» mit «voller Klassenstärke» weitergehen werde.

Ab Montag voraussichtlich alle Grundschüler im Präsenzunterricht

Am kommenden Montag können erstmals seit dem Beginn des Corona-Lockdowns vergangenen Herbst voraussichtlich alle hessischen Schüler der Klassenstufen 1 bis 6 wieder jeden Tag der Woche in die Schule gehen. «Das ist ein toller Tag für unsere Schulen und eine große Erleichterung für die Familien», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in Wiesbaden. Nach Monaten des Distanz- oder Wechselunterrichts kehre damit wieder mehr Normalität ein in den Alltag von rund 360 000 Schülern und ihren Eltern.

Der «neue» Schulalltag werde von regelmäßigen Selbsttests vor Unterrichtsbeginn begleitet. Allein in der vergangenen Woche seien an den Schulen mehr als eine Million dieser Tests gemacht worden, erklärte Lorz. Davon seien nach einer Überprüfung etwa 0,02 Prozent positiv gewesen. «Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass unsere Schulen weiterhin keine Infektionsherde sind», sagte Lorz.

Nach dem Zwei-Stufenplan der Landesregierung gilt für alle Regionen, für welche die Bundes-Notbremse entfällt, in einer ersten Stufe, dass neben den Abschlussklassen auch die Klassen 1 bis 6 in Präsenz unterrichtet werden. Für die Klassen 7 bis 11 gilt Wechselunterricht. Ab Stufe 2 können alle Kinder wieder jeden Tag zur Schule gehen - die Testpflicht zweimal in der Woche bleibt erhalten.

Lorz betonte nochmals, dass die derzeit diskutierte mögliche Impfung der Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren keine Bedingung für die Teilnahme am Präsenzunterricht nach den Sommerferien sein werde. «Ein extra Impfprogramm des Landes für alle rund 500 000 in Frage kommenden Schülerinnen und Schüler wird es bedauerlicherweise nicht geben», erklärte ein Ministeriumssprecher. Als Grund nannte er, dass der Bund anders als angekündigt keine zusätzlichen Impfdosen zur Verfügung stellen werde.

03.06.2021

Holter: Kein Marathon von Klassenarbeiten und Leistungskontrollen

Nach Ansicht von Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) kann der Lernstand von Schülerinnen und Schülern nicht allein an den Noten gemessen werden. «Wir wollen keinen Marathon von Klassenarbeiten und Leistungskontrollen, um auf Teufel komm‘ raus noch bis zum Schuljahresende möglichst viele Noten zu vergeben», erklärte Holter am Donnerstag. Sein Ministerium wolle die Schulen zum Umgang mit Lernstanderhebungen, Klassenarbeiten und der Notengebung informieren.

Holter rief dazu auf, dass «Zeit und Aufmerksamkeit für das gemeinsame Lernen» im Mittelpunkt stehen sollten. «Wer in dieser Lage nur auf Noten schaut und allein daran den Aufholbedarf festmacht, verkennt die Lage und nimmt die vielen anderen Möglichkeiten, die den Schulen zur Verfügung stehen, nicht ausreichend wahr», erklärte Holter.

Die Thüringer Landeselternvertretung begrüßte Holters Einschätzung zur Lernstandserhebung. Auch die Thüringer Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnte eine «behutsame Rückkehr in einen Schulalltag in Präsenz» an. Es nütze niemandem, «wenn es zu einem stupiden Nachholen der nicht durchgeführten Leistungsnachweise kommt. Pädagogik statt Notenhuberei lautet das Motto!», erklärte die GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum.

Mehrere Fraktionen und Landespolitiker hatten in der Vergangenheit gefordert, die Lernstände der Thüringer Schüler zu erfassen, um Lücken und Nachholbedarf zu erkennen. Nach eigenen Angaben plant das Bildungsministerium «umfangreiche Programme», um Lernrückstände zu bewältigen.

Ernst setzt auch im kommenden Schuljahr auf Testpflicht für Schüler

Nach dem Start des Präsenzunterrichts an allen Brandenburger Schulen am kommenden Montag will Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) auch im kommenden Schuljahr 2020/21 weitgehende Normalität in den Einrichtungen erreichen. Dafür werde die regelmäßige Corona-Testpflicht für Schüler und nicht geimpfte Lehrer auch nach den Sommerferien beibehalten, teilte das Bildungsministerium am Donnerstag mit. Das Ministerium verwies darauf, dass alle Lehrkräfte sowie das gesamte Personal an den Schulen bereits ein Impfangebot erhalten hätten.

An allen Schulen sollen zu Beginn des neuen Schuljahres Lernstandserhebungen durchgeführt werden, um die Wissensdefizite der Schüler infolge der monatelangen Corona-Beschränkungen zu erfassen. Bereits in den am 24. Juni beginnenden Sommerferien soll es wie im vergangenen Jahr Ferienbetreuung mit Lernangeboten für Kinder und Jugendliche geben.

NRW plant keine bessere Benotung der Abi-Klausuren in Mathe

Mathe-Abiturienten in Nordrhein-Westfalen können nicht auf eine bessere Benotung hoffen. «NRW plant keine Notenanhebung», berichtet die «Rheinische Post» (Donnerstag) unter Berufung auf das Schulministerium in Düsseldorf. Grundsätzlich sei festzuhalten, dass die Prüfungsaufgaben im Fach Mathematik angemessen seien, weil sie lehrplankonform seien und den bundesweiten Standards entsprächen. Die Klausuren seien auch deshalb angemessen, weil es erweiterte Auswahlmöglichkeiten für die Lehrkräfte gegeben habe.

Damit sei den Besonderheiten des Corona-Jahres ausreichend Rechnung getragen, so das Ministerium weiter. In Mecklenburg-Vorpommern hatte das Bildungsministerium anders entschieden und die Noten für die entsprechenden Klausuren pauschal um zwei Punkte hochgesetzt.

02.06.2021

Knapp 69 Millionen Euro für Bewältigung der Corona-Folgen an Schulen

Zur Bewältigung der schulischen und psychosozialen Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche stehen in Brandenburg für die kommenden zwei Schuljahre knapp 69 Millionen Euro bereit. Mit knapp 39 Millionen Euro aus dem Bundes-Aktionsprogramm «Aufholen nach Corona» sollen außerschulische Angebote am Nachmittag gefördert werden, mit denen Lernrückstände aufgeholt und soziale Kompetenzen trainiert werden sollen, wie das Bildungsministerium am Mittwoch mitteilte. Das Land Brandenburg stelle aus dem Corona-Rettungsschirm weitere 30 Millionen Euro für zusätzliche Lehrkräfte und anderes pädagogisches Personal zur Verfügung.

«Wir wollen die Schülerinnen und Schüler tatkräftig unterstützen, ihre teilweise schwierige Situation zu bewältigen», sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). «Es ist nicht ihre Schuld, dass es zu Lernrückständen und psychosozialen Problemen gekommen ist.» Mit den Mitteln des Bundes sollen auch im kommenden Jahr Ferien- und Wochenendfreizeiten sowie weitere Angebote zur Bewältigung der Pandemiefolgen ermöglicht werden.

Kassenärzte: Bei Impfungen von Kindern kein Ansturm erwartet

Vor der ab kommendem Montag möglichen Corona-Schutzimpfung auch für Kinder ab 12 Jahren rechnen die Kassenärzte zunächst nicht mit einem gewaltigen Ansturm. Man gehe in dieser Gruppe von einer nicht allzu hohen Impfbeteiligung aus, hieß es bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) am Mittwoch. Wenn sich - schon recht hoch geschätzt - rund 50 Prozent der 12- bis 15-Jährigen im Bereich Nordrhein immunisieren lassen wollten, könnten diese etwa bis zum Ende der Sommerferien Mitte August geimpft sein. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich 80 Prozent der Kinderarztpraxen beteiligten, im Schnitt wöchentlich 45 Impfungen durchführten - und genug Impfstoff komme.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hatte den Impfstoff von Biontech vor wenigen Tagen auch für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Zuvor war das Vakzin erst ab 16 Jahren freigegeben gewesen. Die Ständige Impfkommission hat aber bisher keine Empfehlung für Kinderimpfungen ausgesprochen und prüft weiter. KVNO-Vorstandschef Klaus Bergmann sagte, gefährdete Heranwachsende - etwa mit schweren Allergien, Lungenproblemen oder anderen Erkrankungen - sollten zuerst geimpft werden. Das geschehe in vielen Kinderarztpraxen schon seit Wochen und könne nun ausgeweitet werden.

Grundsätzlich laufe der Impfmotor wegen fehlenden Impfstoffs «stotternd», bemängelte Bergmann. In den vergangenen Wochen sei deutlich weniger geliefert worden als angekündigt. Zugleich wachse die Erwartungshaltung in der Bevölkerung mit Blick auf die Aufhebung der Priorisierung ab nächstem Montag gewaltig. Man habe schon vielen Patienten absagen müssen, es sei mit weiterem Unmut und Unverständnis zu rechnen.

Hochschulen wechseln erst zum Wintersemester in den Präsenzbetrieb

Trotz inzwischen niedriger Corona-Zahlen bleiben Hamburgs Studierende noch während des gesamten Sommersemesters im Distanzunterricht. Erst zum Wintersemester im Oktober sollen die Studentinnen und Studenten nach dann drei Online-Semestern wieder an ihre Hochschulen zurückkehren, wie Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) am Mittwoch mitteilte. Die konkrete Ausgestaltung werde derzeit von Hochschulen und Behörde erarbeitet. Im Zentrum der Planungen stünden Kontakt- und Hygieneregelungen, Corona-Tests sowie die Entwicklung von Impfquote und Infektionsgeschehen.

«Es ist es unser klares Ziel, das Wintersemester an den Hamburger Hochschulen wieder in Präsenz stattfinden zu lassen», erklärte Fegebank. Damit erhielten Studierende im wahrsten Sinne wieder mehr Raum für Begegnung und gemeinsames Lernen. Derzeit erlaubt die Corona-Eindämmungsverordnung nur Präsenzformate etwa bei Prüfungen sowie Forschungs- und Lehrtätigkeiten in Laboren und Werkstätten. Seit Mitte Mai sind zudem die wissenschaftlichen Bibliotheken wieder für den Präsenzbetrieb geöffnet.

«Gleichzeitig wollen wir den Digitalisierungsschub an den Hochschulen weiter vorantreiben und auch künftig digitale Veranstaltungsformate anbieten», sagte Fegebank. So könnte die reine Wissensvermittlung in großen Vorlesungen wie in den Sozial- oder Rechtswissenschaften weiterhin ein digitaler beziehungsweise hybrider Baustein bleiben - «und so zum Lernen im eigenen Tempo beitragen», schrieb die Senatorin in einem Gastbeitrag für den Blog des Bildungsjournalisten Jan-Martin Wiarda.

Der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz und Präsident der Technischen Universität (TU) Hamburg, Prof. Andreas Timm-Giel, sagte: «Hochschulen leben von dem persönlichen Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden.» Eine Rückkehr auf den Campus sei ihm daher eine Herzensangelegenheit. «Dafür entwickeln wir gemeinsam mit allen Hamburger Hochschulen mehrere Szenarien abhängig von der Pandemielage.» Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts gab es im Wintersemester 2020/21 in Hamburg rund 116 000 Studierende.

01.06.2021 

Längere Schultage nach Corona? Ministerium und Lehrer skeptisch

Eine Verlängerung der Schultage nach der Pandemie, wie in Großbritannien geplant, sehen Lehrervertreter und Bundesbildungsministerium in Deutschland eher nicht. «Jetzt ist vor allem wichtig, dass wir zum Normalbetrieb zurückkehren. Das allein ist schon eine Kraftanstrengung, auch weil der Infektionsschutz weiter beachtet werden muss», sagte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Sie verwies auf das Aufholprogramm mit Nachhilfeangeboten, das Bund und Länder gerade auf den Weg bringen. «Dieses Aufholprogramm wird für viele Schülerinnen und Schüler zusätzliche Lernzeit bedeuten. Ob darüber hinaus eine Verlängerung der Unterrichtszeit um eine halbe Stunde sinnvoll und in Deutschland vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels kurzfristig umsetzbar wäre, müsste genau abgewogen werden.»

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, äußerte sich ebenfalls skeptisch. Die Situation sei mit der in Großbritannien nicht ganz vergleichbar, sagte er der dpa. Dort gebe es die Ganztagsschule, an die einfach eine halbe Stunde herangehängt werde. In Deutschland gebe es überwiegend Halbtagsschulen. «Wir brauchen für zusätzliche Angebote auch zusätzliche Lehrkräfte, die wir aufgrund des massiven Lehrermangels derzeit nicht haben.»

In Großbritannien ist eine Verlängerung der Schultage um rund eine halbe Stunde Teil eines Maßnahmenplans aus Regierungskreisen, aus dem die «Times» am Dienstag zitierte. Ziel soll es sein, die durch die Pandemie entstandenen Rückstände aufzuholen und Wissenslücken zu schließen.

Regelstudienzeit soll um weiteres Semester verlängert werden

Die Regelstudienzeit soll für Studierende in Niedersachsen wegen der erschwerten Studienbedingungen in der Corona-Pandemie um ein weiteres Semester verlängert werden. Das kündigte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) am Dienstag in Hannover an. Demnach soll auch das Sommersemester 2021 nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet werden. Durch die Verlängerung ist es unter anderem möglich, dass Bafög-Zahlungen entsprechend länger fließen und Langzeitstudiengebühren später fällig werden.

Thümler sagte, das Ministerium für Wissenschaft und Kultur habe eine entsprechende Verordnung für die Verlängerung um ein drittes Semester auf den Weg gebracht. «Wir gehen davon aus, dass das dann auch in Kürze veröffentlicht werden kann», sagte er. Bereits im März hatte der niedersächsische Landtag eine Verlängerung der Regelstudienzeit für das Wintersemester 20/21 beschlossen. Gleichzeitig wurde der Landesregierung die Möglichkeit eingeräumt, die Regelstudienzeit bei Bedarf per Verordnung erneut zu verlängern.

Müller: Regelunterricht in Schulen von 9. Juni bis zu Ferien

Nach einer Niederlage des Landes Berlin vor dem Verwaltungsgericht sollen die Schulen ab dem 9. Juni in den Regelunterricht zurückkehren. Das kündigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag an. Das gelte dann für die beiden letzten Wochen des Schuljahres vor den Sommerferien. Der derzeitige Unterricht für wenige Stunden pro Tag in kleinen Gruppen werde wieder erweitert, sagte Müller. Geplant sei «pandemiebedingter Regelbetrieb (...) in vollen Lerngruppenstärken». Der Senat akzeptiere die Gerichtsentscheidungen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte am Montag bereits einen «Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen» angekündigt. Wichtig sei dabei, dass die Schulen genug Vorbereitungszeit erhielten, um sich darauf einzustellen.

Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Berlin nach Eilanträgen entschieden, dass Berlin für eine Schülerin und einen Schüler einer Grundschule Präsenzunterricht sichern muss. Die beiden werden aktuell im Wechsel bei halbierter Klassenstärke unterrichtet. Die Kinder können Vollbeschulung bei weiter geltenden Corona-Schutzmaßnahmen beanspruchen, wie aus einer Mitteilung des Gerichts hervorging.

31.05.2021 

SWR: Präsenzunterricht schon ab 14. Juni

Angesichts günstiger Corona-Fallzahlen kehrt Rheinland-Pfalz laut dem SWR bereits am 14. Juni zum Präsenzunterricht an Schulen zurück. Ursprünglich waren nach den Pfingstferien vom 7. Juni an zwei Wochen Wechselunterricht und erst vom 21. Juni an voller Unterricht geplant. Nun sollen die Mädchen und Jungen schon nach nur einer Woche Wechselunterricht wieder jeden Werktag in die Schule gehen können.

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte dem SWR, sie sehe den deutlichen Rückgang der Corona-Fallzahlen mit großer Freude: «Ich glaube, das konnte sich vor zwei Wochen noch niemand in diesem Maße vorstellen.» Die Schülerinnen und Schüler könnten somit noch fünf volle Wochen in ihren Schulen bis zu den Sommerferien verbringen. Die verbleibende einzige Woche Wechselunterricht nach den Pfingstferien begründete Hubig laut SWR damit, dass Schulen, Lehrer und Familien damit die nötige Übergangszeit für die Vorbereitung auf vollen Präsenzunterricht hätten.

Die Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz hatten zum Wochenbeginn 127 neue Corona-Infektionen registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg im Vergleich zum Sonntag leicht auf 32,3, wie das Landesuntersuchungsamt in Koblenz am Montag mitteilte. Eine Woche zuvor hatte der Wert jedoch noch bei 53,4 gelegen.

Grundschüler haben wieder komplett Unterricht im Klassenzimmer

Viele Eltern sind erleichtert, aber nicht alle Sorgen sind schon weg: Seit Montag dürfen die Grundschulkinder fast überall in Brandenburg wieder für den kompletten Unterricht in die Schule - trotz der Corona-Pandemie.

In fast ganz Brandenburg gibt es an den Grundschulen seit Montag wieder Unterricht in den Klassenräumen. Die Zeit des Wechselunterrichts mit verkleinerten Lerngruppen und regelmäßigen Lernphasen zu Hause ist vorerst vorbei. Eine Ausnahme macht die Stadt Brandenburg/Havel, wo die Corona-Inzidenz bisher noch nicht stabil unter dem wichtigen Schwellenwert von 50 lag. Am Montag (7. Juni) sollen die weiterführenden Schulen folgen. Manche Sorgen und Probleme bleiben allerdings.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht bei der Rückkehr zum Regelunterricht an den Grundschulen manches skeptisch. «Jeder Tag, an dem Kinder nicht zur Schule gehen, ist nicht unbedingt ein guter Tag. Die Frage ist aber, ob die Bedingungen stimmen», sagte der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs am Montag. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht so tun, als gäbe es keine Probleme», sagte Fuchs. «Wir haben sehr, sehr volle Klassen. Wir müssen sehr wachsam sein, dass wir nicht das, was wir über einen langen Zeitraum unter großem Engagement erreicht haben, wieder gefährden.»

Auch der Pädagogenverband Brandenburg hält die Öffnung der Schulen für ein Risiko: «Die Lehrer sind noch nicht durchgeimpft und riskieren ihre Gesundheit und die Schüler auch», sagte Verbandspräsident Hartmut Stäker. Die Auswirkungen seien noch nicht absehbar, er bleibe aber skeptisch. Es sei zu befürchten, dass die Infektionszahlen erneut nach oben gehen. «Ich hätte mir gewünscht, dass es bliebe, wie es war mit dem Wechselunterricht - so wie in Berlin auch.»

Für die weiterführenden Schulen sei es genau das gleiche: «Wir haben da auch 30 Schüler im Gymnasium auf engsten Raum», so der Verbandspräsident. Die Lehrer hätten vielleicht eine Impfung, in seltenen Fälle alle beide. «Das ist ein Risiko. Das ist wie mit 100 durch die Kurve.»

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sagte, die Primarstufen seien gut wieder in den Präsenzunterricht gestartet. «Das freut mich sehr. Auch die Grundschülerinnen und Grundschüler, Eltern und Lehrkräfte haben sich gefreut, dass die Kinder nach langer Zeit des Distanz- und Wechselunterrichts wieder in der Klassengemeinschaft Schule erleben können.»

Nach Einschätzung des Landeselternrats muss die Zeit bis zu den Sommerferien nun genutzt werden, um Lerndefizite möglichst schnell aufzuholen. «Der Fokus muss auf Wissensvermittlung liegen», sagte Landeselternrats-Sprecher René Mertens am Montag. Die Entscheidung, den Wechselunterricht zu beenden, sei richtig gewesen. «Gerade die Grundschüler haben es ganz nötig, dass sie wieder ihre sozialen Kontakte und auch den Unterricht bekommen», sagte Mertens. «Da ist uns so viel verloren gegangen.»

Dass die weiterführenden Schulen erst in der kommenden Woche vollständig zum Präsenzunterricht zurückehren, findet Mertens nicht einleuchtend: «Man hätte damit auch schon in dieser Woche starten können.»

Für Kinder und Jugendliche aus dem Berliner Umland, die in Berlin zur Schule gehen, bleibt es dagegen beim Wechselunterricht. Dort soll es vor den Sommerferien, die in beiden Ländern am 24. Juni beginnen, keinen Normalbetrieb mehr geben. Und Pandemiebedingungen gelten auch für die Kinder und Jugendlichen in Brandenburg: Test- und Maskenpflicht bleiben, Klassenfahrten sind weiterhin untersagt.

Landesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 18,7 nach 20,0 am Sonntag, wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte. Den Daten zufolge liegen alle Landkreise und kreisfreien Städte mittlerweile unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 40. Das gilt mit 37,4 auch für Brandenburg an der Havel. Dort lag die Inzidenz am Samstag aber noch bei 51,3, also über der kritischen Marke. Erst wenn die kreisfreie Stadt drei aufeinanderfolgende Tage unter 50 bleibt, wäre der Regelbetrieb an den Grundschulen auch hier wieder möglich.

30.05.2021

Mathe-Abi zu schlecht ausgefallen - Anhebung um zwei Notenpunkte

Weil das Mathematik-Abitur in diesem Jahr viel zu schlecht ausgefallen ist, werden alle Noten in diesem Fach um zwei Notenpunkte angehoben. Dies gelte für die Grund- und die Leistungskurse, wie das Bildungsministerium am Sonntag in Schwerin berichtete. Im Durchschnitt lagen die Notenpunkte in diesem Jahr bei 4,1 im Grundkurs und bei 5,6 im Leistungskurs, im vergangenen Jahr bei 5,7 beziehungsweise 8,4.

Für dieses außergewöhnlich niedrige Niveau hätten mehrere Rahmenbedingungen zusammengewirkt. So habe in diesem Jahr der erste Jahrgang der neuen Oberstufe das Abitur nach neuen Vorgaben abgelegt. Die Aufgaben seien erstmals in Grund- und Leistungskurs-Klausuren aufgeteilt worden. Gleichzeitig sei ein qualitativ neuer Aufgabentypus Grundlage für das Abitur gewesen, der stärker auf Kompetenzen als auf Anwendung von erlerntem Formelwissen beruhe.

Die Schüler sollten durch das Zusammenwirken dieser Umstände keine Nachteile erfahren, hieß es. Mit der Anhebung um zwei Punkte solle der Punktedurchschnitt rechnerisch an die Ergebnisse der vergangenen Jahre angeglichen werden. Das Ministerium gab bekannt, dass eine für 2023 vereinbarte Evaluation auf 2021 vorgezogen werde. Zudem werde ab dem kommenden Schuljahr ein Sonderprogramm für Mathematik-Förderung in der Oberstufe aufgelegt.

Viele Schulen kehren in den Regelbetrieb zurück

Dank gesunkener Corona-Zahlen kehren am Montag die Schulen in mehreren Bundesländern in den Regelbetrieb zurück. In Nordrhein-Westfalen nehmen die Schulen den Präsenzunterricht in voller Klassenstärke wieder auf, und auch Länder wie Niedersachsen, das Saarland oder Hamburg verabschieden sich von Wechsel- und Distanzunterricht.

In Brandenburg gilt das zunächst nur für die Grundschulen. Einzige Ausnahme ist die Stadt Brandenburg/Havel, wo die Zahlen noch zu hoch sind. In einer Woche sollen auch die weiterführenden Schulen folgen. Die Masken- und Testpflicht gilt aber weiterhin. In Mecklenburg-Vorpommern, dem Land mit der bundesweit geringsten Inzidenz, sind die Schülerinnen und Schüler schon am vergangenen Donnerstag zum Präsenzunterricht in die Klassen zurückgekehrt.

29.05.2021

Bildungsminister Holter enttäuscht über fehlende Kinder-Impfdosen

Nach einer Vereinbarung der Gesundheitsminister rechnete Thüringen mit zusätzlichen Impfdosen, um Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zu impfen. Doch nun soll es anders kommen - sehr zum Unmut des Bildungsministers.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hat sich enttäuscht darüber gezeigt, dass den Ländern keine zusätzlichen Impfdosen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zur Verfügung gestellt werden. «Die große Hoffnung vor dem Impfgipfel war ja, dass zusätzlicher Impfstoff bereitgestellt wird. Das ist nicht aufgegangen und das ist eine große Enttäuschung», sagte Holter am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Bei einer Gesundheitsministerkonferenz Anfang Mai hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, dass die Länder Konzepte erarbeiten, um bis Ende August allen Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren ein Impfangebot machen zu können. Der Bund sollte dafür die nötigen Impfdosen zusätzlich bereitstellen. Bei dem Impfgipfel am Donnerstag hieß es dann aber nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums, es werde keine zusätzlichen Impfdosen geben.

Es sei nun eine Herausforderung zu regeln, wie der Impfstoff verteilt werden soll, sagte Holter. «Jetzt muss geschaut werden: Wie kann man das Impf-Angebot für die Kinder und Jugendlichen auch mit der Versorgung der Kinderärzte und der Impfstellen absichern?» Thüringen werde bei der nächsten Beratung der Gesundheitsminister an die Zusage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erinnern, kündigte das Gesundheitsressort in Erfurt an. Die Aussage der Bundesregierung, es werde keinen zusätzlichen Impfstoff geben, habe beim Impfgipfel überrascht.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, das weitere Vorgehen hänge nun von der Empfehlung der Ständigen Impfkommission ab. Anschließend wolle man das Thüringer Impfkonzept anpassen. «Die Kinder- und Jugendärzte können nach einer Zulassung den Impfstoff bei den Apotheken bestellen, so wie es bisher schon bei den niedergelassenen Ärzten läuft.» Die Zuteilung an die Apotheken erfolge durch den Bund.

Holter betonte, die Impfstellen und Kinderarztpraxen sollten die wichtigsten Orte zum Impfen von Kindern ab zwölf Jahren sein. Doch auch Impfteams, die in den Schulen impften, seien durchaus denkbar - die Entscheidung darüber liege aber bei den Schulen.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte am Donnerstag nach dem Impfgipfel angekündigt, man prüfe, ob es Sonderzeiten in den Impfstellen für Familien geben kann. Holter sagte, dass damit auch eine Art Priorisierung erfolge. Er wolle nicht, dass sich Kinder «hinten anstellen» müssen.

28.05.2021

GEW hält zu Scheeres: Rückkehr zum Regelunterricht wäre falsch

In der Diskussion um die Rückkehr zum Regelunterricht an Berliner Schulen bekommt die Bildungsverwaltung ungewohnte Unterstützung von Gewerkschaftsseite. In den vergangenen Tagen ist die Kritik an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) immer lauter geworden, die bis zu den Sommerferien am Wechselunterricht festhalten will. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält das weiterhin für genau richtig. «Corona ist nicht vorbei», sagte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann der Deutschen Presse-Agentur. Schließlich werde auch die Arbeit in Großraumbüros kritisch gesehen. «Insofern macht es überhaupt keinen Sinn, über volle Klassenzimmer nachzudenken, denn die sind nichts anderes als Großraumbüros für Schüler und Lehrkräfte», sagte Erdmann.

Die GEW unterstütze deshalb die Entscheidung der Bildungsverwaltung, am Wechselmodell festzuhalten. «Wohlwissend, dass das für die Kinder und die Familien eine erhebliche Belastung ist.» Das sei überhaupt nicht infrage zu stellen. «Aber das wird durch eine übereilte Schulöffnung nicht beendet», sagte Erdmann.

«Man darf bei der Debatte um das Kindeswohl außerdem nicht vergessen, dass in der Schule auch Erwachsene arbeiten, die viel zu wenig geschützt sind», so der GEW-Vorsitzende. «Gerade in den weiterführenden Schulen gibt es viele Kolleginnen und Kollegen, die noch kein einziges Mal geimpft sind.» Erdmann hat außerdem auf praktische Schwierigkeiten einer schnellen Rückkehr zum regulären Unterricht hingewiesen: «Eine Schule kann man von heute auf morgen nicht auf Präsenzbetrieb umstellen.»

Auch die Stundenpläne müssten dann neu geschrieben werden - und das sei ein Aufwand, der vor Schuljahresbeginn sonst oft Wochen in Anspruch nehme. «Und wenn das passiert, muss außerdem die Testdichte erhöht werden. Dann reichen zweimal die Woche nicht mehr», so der Gewerkschafter.

«Kurz vor den Ferien noch mit Präsenzunterricht zu starten, macht auch pädagogisch keinen Sinn», sagte Erdmann. Die Arbeiten seien geschrieben, bald sei Notenschluss - für die wenigen Wochen sei der Aufwand nicht gerechtfertigt. «Die Frage würde sich anders stellen, wenn wir noch acht Wochen Schule hätten, aber die haben wir nicht.»

Für ihre Haltung war Bilungssenatorin Scheeres in den vergangenen Tagen mehrfach kritisiert worden. Forderungen nach einer möglichst schnellen Rückkehr zum Präsenzunterricht gab es sowohl aus den Reihen der Berliner Grünen, als auch aus der CDU, von Kinder- und Jugendärzten und Elterninitiativen.

27.05.2021

Impfung von Kindern ab 12 Jahren soll ab 7. Juni möglich sein

Bund und Länder wollen millionenfache Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen ermöglichen. Den Eltern wird niemand die Entscheidung abnehmen - auch indirekter Zwang soll aber vermieden werden.

Kinder ab 12 Jahren sollen sich in Deutschland vom 7. Juni an generell gegen Corona impfen lassen können. Das beschlossen Bund und Länder auf einem Impfgipfel am Donnerstag in Berlin. Voraussetzung ist, dass die EU-Arzneimittelbehörde EMA den bisher ab 16 Jahren freigegebenen Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für diese Altersgruppe zulässt. Die EMA will darüber an diesem Freitag beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte das Ziel, «dass bis zum Ende des Sommers jeder Bürgerin und jedem Bürger ein Impfangebot gemacht wird». Das solle auch die 12- bis 16-Jährigen einschließen.

In ihrem Beschluss legen Bund und Länder fest, dass sich Kinder und Jugendliche ab 12 nach einer Zulassung «ab dem Ende der
Priorisierung, also in der Regel ab dem 7.6.2021, in vergleichbarer Weise wie bei anderen Impfwilligen, die keiner Priorisierung unterliegen, um einen Impftermin insbesondere bei den niedergelassenen Ärzten bemühen» können. Merkel sagte zu, Kinder mit Vorerkrankungen würden vorrangig geimpft würden - wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) dies in ihrer erwarteten Empfehlung rät. Das gelte dann ähnlich wie für Erwachsene.

ROLLE DER STÄNDIGEN IMPFKOMMISSION

Die Stiko will binnen anderthalb Wochen ihre Bewertung abschließen, wie Stiko-Mitglied Martin Terhardt im RBB sagte. Eine Variante könne eine Impfempfehlung nur für chronisch Kranke sein. Einer generellen Empfehlung für eine Impfung steht ein Mangel an Daten über mögliche Risiken von Infektionen und Impfungen entgegen.

Merkel erläuterte: «Die Impfung von Kindern ist ein sehr sensibler Akt.» Die Stiko werde fragen, wie groß der Nutzen und wie groß der Eingriff sei. Die Stiko werde sich nur davon leiten lassen: «Was bedeutet das für das einzelne Kind?»

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Abend der Deutschen Presse-Agentur, viele Länder planten, gezielt auf Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zuzugehen und ihnen ein Impfangebot zu machen. «In jedem Fall sollen Eltern und Kinder zusammen mit dem impfenden Arzt individuell abwägen und entscheiden, ob sie sich lieber durch eine Impfung schützen oder das Risiko einer Infektion eingehen wollen.» Klar sei: «Je mehr wir impfen, desto besser bringen wir als Gesellschaft das Virus unter Kontrolle.»

IMPFANGEBOT

Merkel sagte, auch nach dem 7. Juni werde nicht allen ein Angebot gemacht werden können. «Wir haben dafür keine zusätzlichen Impfstoffe», sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der der Ministerpräsidentenkonferenz vorsitzt. Für die Kinder ab 12 können laut dem Bund-Länder-Beschluss in den Ländern auch Angebote in Impfzentren gemacht oder spezifische Programme aufgelegt werden. Die Gesundheitsminister der Länder hatten bereits beschlossen, dass bis Ende August allen Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot gemacht werden soll.

In einem Bericht an die Länder hatte das Bundesgesundheitsministerium die Rechnung aufgemacht, angesichts von 5,3 Millionen Menschen zwischen 12 und 18 und einer angenommenen Impfbereitschaft von 60 Prozent gebe es Bedarf von jeweils 3,18 Millionen Dosen für die Erst- und die Zweitimpfung.

IMPFEN UND SCHULE

Merkel betonte: «Ein sicherer Schulbetrieb wird auch in Zukunft völlig unabhängig von der Frage sein, ob ein Kind geimpft ist oder ob ein Kind nicht geimpft ist.» Für Kita- und Grundschulkinder gelte dies mangels zugelassenen Impfstoffs ohnehin. «Es soll auch kein indirekter Zwang entstehen.»

Dies gelte auch für den Urlaub. «Sowohl im europäischen Ausland als auch in Deutschland kann man auch, wenn man keine Impfung hat, Urlaub machen, weil die Testungen dann als Voraussetzungen für die Urlaubsangebote natürlich vollkommen ausreichen werden», sagte Merkel.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte: «Keiner muss geimpft werden. (...) Wir wollen Impfangebote machen, aber es gibt keine Impfpflicht.»

IMPFFORTSCHRITT

Bund und Länder betonten, die Impfkampagne habe seit Beginn des zweiten Quartals deutlich an Fahrt gewonnen. Knapp 35 Millionen Deutsche (41,5 Prozent) seien mindestens einmal geimpft, 13 Millionen (15,7 Prozent) vollständig. Die Zahl der Neuinfektionen sinke in allen Bundesländern deutlich. Mehr als 75 Prozent der Über-60-Jährigen seien im Bundesschnitt mindestens einmal geimpft, über 30 Prozent voll geschützt, so das Gesundheitsressort.

Das Ressort von Spahn stellte in seinem Bericht an die Länder fest: «Auch nach der Aufhebung der Impfpriorisierung stellen die Länder sicher, dass etwaige Nachzügler aus den Priorisierungsgruppen möglichst kurzfristig ein Impfangebot erhalten können.»

LIEFERMENGEN

Im kommenden Monat werden in Deutschland voraussichtlich mehr als 31 Millionen Corona-Impfdosen ausgeliefert, wie die Daten des Gesundheitsressorts zeigen. Von den ursprünglich für das gesamte zweite Quartal 80 Millionen zugesagten Impfdosen wurden 31 Millionen bereits geliefert. Astrazeneca und Johnson & Johnson kündigten Lieferungen aber nur kurzfristig an, was die Organisation erschwere. Insgesamt wurden in den Ländern 88 Prozent der gelieferten Impfdosen verimpft - die Spanne reicht von 76 Prozent in Brandenburg bis 98 Prozent in Bremen. Vom Biontech-Präparat wurden 91 Prozent verimpft, von Moderna 76 und von Astrazeneca 87 Prozent. Bei Johnson & Johnson, dem einzigen Serum, bei dem nur eine Spritze reicht, liegt die ausgewiesene Quote bisher nur bei 35 Prozent. Für das dritte Quartal liegen laut Gesundheitsministerium außer von Moderna bisher keine Lieferpläne vor - erwartet werden über 120 Millionen Impfstoff-Dosen.

NEUE PROBLEME

Der US-Hersteller Johnson & Johnson zeigte nach Angaben aus EU-Kreisen Lieferprobleme an. Die für das zweite Quartal erwarteten 55 Millionen Impfstoffdosen würden wohl nicht erreicht, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Brüssel. Hintergrund seien ein Produktionsausfall in den USA sowie US-Ausfuhrbeschränkungen.

REAKTIONEN 

FDP-Chef Christian Lindner sprach von einem Gipfel der verpassten Chancen. «Alle für die Menschen wichtigen Fragen, wie die Beschleunigung der Impfkampagne, Auffrischungsimpfungen im Herbst, der digitale Impfpass und der Präsenzunterricht an Schulen, sind nicht beantwortet», kritisierte er. Ebenso fehlten klare Aussagen zu weiteren Öffnungen.

Maskenpflicht auf Schulhof wird am 1. Juni aufgehoben

Schwerin (dpa/mv)Die Maskenpflicht auf den Schulhöfen Mecklenburg-Vorpommerns wird vom kommenden Dienstag an (1.6.) wieder aufgehoben. Das kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstagabend in Schwerin an. Am 18. Juni ist der letzte Schultag vor den Sommerferien. Im Unterricht muss weiterhin eine Maske getragen werden.

Söder kündigt weitere Lockerung von Corona-Regeln für Schulen an

Markus Söder will die Corona-Regeln für die Schulen in Bayern in Kürze weiter lockern. Dabei soll auch ein entscheidender Grenzwert angehoben werden.

Zwei Wochen nach den Pfingstferien soll es in Bayern fast überall wieder normalen Präsenzunterricht geben. Lediglich in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 - davon gibt es aktuell nur noch ganz wenige - bleibt es auch nach dem 21. Juni bei Wechselunterricht. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag an.

Er will die Corona-Regeln für die Schulen damit weiter lockern. Bereits direkt nach den Pfingstferien, vom 7. Juni an, ist wieder überall dort Präsenzunterricht möglich, wo die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 liegt - das hatte das bayerische Kabinett vergangene Woche beschlossen. Zwei Wochen später soll der Grenzwert dann auf 100 steigen. Diese Zeitspanne solle als «Sicherheit» nach den Ferien dienen, erklärte Söder. Er äußerte sich, zugeschaltet aus Nürnberg, nach gemeinsame Bund-Länder-Beratungen zum Thema Impfen.

Man wolle nun wieder Schule ermöglichen, sagte der Regierungschef. «Das Konzept mit dem Testen und den bereits geimpften Lehrern hat sich sehr, sehr gut bewährt, so dass wir auch ein Signal der Perspektive setzen.» Damit seien bis zu den Sommerferien entweder sieben oder mindestens fünf Wochen wieder tatsächlicher Präsenzunterricht möglich.

Söder versicherte in dem Zusammenhang, dass es keine Corona-Impfpflicht für Kinder und Jugendliche geben soll. «Keiner muss geimpft werden», sagte der CSU-Politiker. «Wir wollen Impfangebote machen, aber es gibt keine Impfpflicht.» Schule werde trotzdem möglich sein.

Insgesamt zeigte sich Söder zuversichtlich, was die Corona-Lage und die Impfkampagne angeht - auch wenn man noch nicht über dem «Impf-Berg» sei. Insgesamt werde die Lage jeden Tag besser. Aber es gebe keinen Anlass für Übermut und Euphorie, es gebe noch viel Arbeit.

Günther: Schulbesuch nicht von Impfung abhängig

Ein Schulbesuch wird im Norden auch nach der Zulassung eines Corona-Impfstoffs für unter 16-Jährige ohne Impfung möglich sein. «Ein sicherer Schulbetrieb wird immer gewährleistet, unabhängig davon, ob Kinder geimpft sind oder nicht», sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Donnerstagabend nach Beratungen mit seinen Länderkollegen und der Bundesregierung. Bei dem sogenannten Impfgipfel habe der Bund klargestellt, dass für Kinder ab zwölf Jahren keine zusätzlichen Impfstoffe zur Verfügung gestellt werden könnten.

Sobald die erwartete Zulassung des Impfstoffs von Biontech durch die Europäische Arzneimittel-Agentur erfolgt sei, «können im Zuge der Aufhebung der Priorisierung ab dem 7. Juni Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren geimpft werden», sagte Günther. Eltern könnten dann über die üblichen Wege einen Termin für ihre Kinder vereinbaren. «Da bisher noch keine Stiko-Empfehlung vorliegt, ist zu empfehlen, dies in enger Abstimmung mit den Haus- oder Kinderärzten zu machen», empfahl der Regierungschef.

Die Stiko ist die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts, die nach der Zulassung von Impfstoffen in der EU eine Empfehlung für deren Einsatz in Deutschland abgibt.

Impfangebot auch für Kinder - Bald Regelbetrieb an allen Schulen

In Sachsen-Anhalt sind fast 40 Prozent der Menschen einmal geimpft, mehr als 15 Prozent komplett - nun sollen auch Kinder ein Angebot zur Immunisierung bekommen. Unterdessen geht es an den Schulen weiter Richtung Normalität.

Die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff (beide CDU) haben betont, dass die Corona-Impfungen auch für Kinder freiwillig bleiben. Weder für den Schulbesuch noch für den Sommerurlaub werde eine Corona-Impfung vorausgesetzt, sagten sie auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag in Leipzig. «Wir haben immer deutlich gemacht: Geimpft, genesen, getestet - das ist gleichgestellt», sagte Kretschmer.

Zuvor hatten sich Bund und Länder geeinigt, dass ab dem 6. Juni auch Kinder mit dem Präparat von Biontech/Pfizer geimpft werden können. Voraussetzung ist, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff vorher für diese Altersgruppe freigibt, wovon Bund und Länder ausgehen.

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt hatte zuvor vor einer vorschnellen Impfung von Kindern und Jugendlichen gewarnt. Man begrüße, «dass in absehbarer Zeit chronisch erkrankte Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren mit einem mRNA-Impfstoff vor Covid geschützt werden können», schrieb der Verband am Donnerstag. Darüber hinaus sollte es aber keine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche geben, wie verschiedene Mitglieder der Ständigen Impfkommission schon deutlich gemacht hätten. Die Ärztekammer warnte politische Entscheidungsträger, die Empfehlungen zu negieren. Kinder spielten im epidemiologischen Geschehen eine untergeordnete Rolle.

Das Bildungsministerium in Magdeburg teilte unterdessen mit, dass angesichts vergleichsweise niedriger Corona-Zahlen voraussichtlich bald alle Kinder und Jugendlichen im Land wieder täglich zur Schule gehen könnten. In allen Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen könne in jeder Schulform ab dem 31. Mai wieder Unterricht im Regelbetrieb stattfinden. Vom 7. Juni an sei das bei Werten unter 100 definitiv der Fall. In der Woche dazwischen entschieden die Schulleitungen über die Unterrichtsform. Die Präsenzpflicht bleibe weiterhin ausgesetzt.

«Die Schulen können endlich in den Regelbetrieb zurückkehren. Wir halten selbstverständlich die Testpflicht und weitere Hygienemaßnahmen aufrecht und können damit einen weitgehend regulären Schulbetrieb ermöglichen», sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Vor allem an den weiterführenden Schulen gilt aktuell das Wechselmodell, an den Grund- und Förderschulen wird zumeist schon wieder im Regelbetrieb unterrichtet.

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche ist im Land rapide gesunken. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstag einen Wert von 34,8 nach 40,6 am Mittwoch und 50,3 am Dienstag. Binnen 24 Stunden seien 125 neue Corona-Fälle gemeldet worden sowie 10 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Alle 14 Landkreise und kreisfreien Städte in Sachsen-Anhalt lagen am Donnerstag weiter deutlich unter der Marke von 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner und sieben Tagen. Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz wurde für den Saalekreis mit 62,6 ausgewiesen, die niedrigste mit 11,4 für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

Bislang sind laut dem Sozialministerium 39,1 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt einmal geimpft, das sind 862 235 Personen. Die Quote bei den Zweitimpfungen liegt bei 15,3 Prozent. Somit sind rund
330 600 Menschen komplett immunisiert.

Umfrage: 90 Prozent der Kinder vermissten Sport in Corona-Zeit

Eine große Mehrheit der Kinder in Deutschland hat nach einer Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks während der Corona-Krise unter fehlender Bewegung gelitten. 90 Prozent der Befragten hätten den Sport vermisst, teilte die Kinderrechtsorganisation am Donnerstag mit. Einem Großteil der Jungen und Mädchen gefällt demnach an Sport und Bewegung besonders, dabei mit anderen Kindern zusammen zu sein und Spaß zu haben. Fast zwei Drittel der Kinder (62 Prozent) mögen vor allem, an der frischen Luft zu sein.

«Die Bundesregierung muss jetzt deutlich mehr in den Kinder- und Jugendsport investieren», sagte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. «So sollte sie unter anderem jedem Kind ein Jahr lang den kostenfreien Zugang zu einem Sportverein ermöglichen.»

Das scheinen sich auch viele der Mädchen und Jungen zu wünschen: Wenn jedes Kind ein Jahr lang kostenlos in einem Sportverein mitmachen könnte, würden laut der Umfrage 86 Prozent der Kinder dieses Angebot auf jeden Fall oder wahrscheinlich wahrnehmen.

Die Zahlen gehen aus einer Umfrage des Forschungsinstituts Forsa im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes und der Deutschen Sportjugend hervor. Befragt wurden dabei im Mai deutschlandweit rund 1000 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren sowie rund 1000 Erwachsene. Anlass für die Umfrage ist der Weltspieltag am Freitag.

Kritik an Plänen zur Abschaffung der Testpflicht an Schulen

Bildungspolitiker von CDU, SPD und Grünen haben Pläne des Bildungsministeriums kritisiert, die Corona-Testpflicht an Schulen perspektivisch abzuschaffen. Der SPD-Bildungspolitiker Thomas Hartung argumentierte, dass gerade in einer Zeit mit Öffnungsschritten das Monitoring von Corona-Infektionen nicht vernachlässigt werden dürfe, «damit ich weiß, was passiert, wenn ich öffne», sagte er am Donnerstag bei einer gemeinsamen Sitzung des Bildungs- und des Gesundheitsausschusses.

Hartung betonte, dass er die Pläne für einen Verstoß gegen das Bundesinfektionsschutzgesetz halte. Ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte, dass das Testangebot an Schulen verbunden mit einem Betretungsverbot für Nicht-Getestete im Juni bestehen bleiben werde.

Bisher darf eine Thüringer Schule nur betreten, wer einen negativen Test vorweisen kann oder sich in der Schule selbst testet. Allerdings haperte es in der Vergangenheit teilweise an den verfügbaren Tests. Die Opposition hatte dem Bildungsministerium vorgeworfen, sich zu spät darum gekümmert zu haben.

Bildungsstaatssekretärin Julia Heesen machte in der gemeinsamen Ausschusssitzung klar: «Wir möchten gerne zum freiwilligen Testen kommen, weil wir den Präsenzbetrieb als Normalität haben wollen.» Man wolle erreichen, dass Schüler, die wegen der Testpflicht nicht in die Schulen kämen, wieder am Präsenzunterricht teilnehmen können. Außerdem wolle man Lehrerinnen und Lehrer entlasten, für die es mehr Aufwand bedeute, wenn einige Schüler noch zu Hause unterrichtet werden müssten, während andere bereits am Präsenzunterricht teilnehmen können.

Die FDP-Bildungspolitikerin Franziska Baum sagte am Rande der Sitzung: «Das führt im Zweifel dazu, dass diejenigen nicht mehr in die Schule kommen, die bisher kamen, weil sie sicher sein konnten, dass alle getestet sind.» Ähnlich argumentierte Grünen-Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich.

Zuvor hatte bereits der CDU-Bildungspolitiker Christian Tischner die Beibehaltung einer Testpflicht gefordert.

Abschlussprüfungen für 20 000 Ober- und Förderschüler in Sachsen

Für rund 20 000 Förder- und Oberschüler in Sachsen stehen die Abschlussprüfungen an. Am Montag (31. Mai) geht es los mit dem Fach Englisch, wie das Kultusministerium am Donnerstag mitteilte. Für rund 16 500 Schülerinnen und Schüler geht es um den Realschulabschluss, dafür müssen sie vier schriftliche und eine mündliche Prüfung absolvieren. 3500 Mädchen und Jungen streben einen Hauptschulabschluss an. «Die Prüfungssituation in diesem Jahr ist ohne Zweifel eine besondere Herausforderung für die Schüler», sagte Kultusminister Christian Piwarz.

Der CDU-Politiker verwies auf Maßnahmen, um es den Schülern in der Corona-Krise leichter zu machen. So wurden bereits zu Beginn des Schuljahres Themen festgelegt, die nicht Schwerpunkt der schriftlichen Prüfungen sind. Zudem konnten einige nicht prüfungsrelevante Fächer abgewählt werden, und in den schriftlichen Prüfungen gibt es 15 Minuten mehr Zeit. Im vergangenen Jahr bekamen 97,8 Prozent der Prüflinge einen Realschulabschluss.

Alle Schüler in MV können wieder in die Schule gehen

Schwerin (dpa/mv)Alle Schülerinnen und Schüler Mecklenburg-Vorpommerns können von Donnerstag an wieder zum Unterricht in die Schule gehen. Dies war bisher noch nicht für alle möglich, weil die Sieben-Tage-Inzidenz nicht in allen Regionen des Landes in der vergangenen Woche unter 50 lag. Diesen Wert unterschreiten mittlerweile aber auch die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte, Rostock sowie Vorpommern-Greifswald, womit dort ebenfalls Schüler wieder in die Schule gehen können. Für die anderen Regionen ist dies bereits seit Mittwoch wieder möglich.

26.05.2021

Alle Hamburger Schüler dürfen ab Montag wieder in der Schule lernen

Hamburgs Schüler dürfen im Zuge weiter sinkender Corona-Zahlen von Montag an wieder in der Schule unterrichtet werden. Das gilt für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge und Schulformen und auch für alle Schulfächer, wie Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Mittwoch mitteilte. «Nach einem halben Jahr ohne oder nur mit stark eingeschränktem Schulunterricht sollen Hamburgs Schülerinnen und Schüler wenigstens in den letzten drei Wochen vor den Sommerferien noch einmal vollständigen Unterricht in der Schule bekommen», sagte Rabe laut Mitteilung seiner Behörde.

Dieser nächste Öffnungsschritt war bereits vor einer Woche angekündigt worden. Unklar war aber noch, welche Klassenstufen das genau betrifft. Erst Mitte Mai waren nach teils monatelangem Homeschooling wieder alle Jahrgänge im Wechselunterricht in Schulen zurückgekehrt, werden seither aber nur in kleineren Gruppen unterrichtet. Zuvor mussten rund 40 Prozent der rund 200 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen ausschließlich zu Hause lernen.

Die Rückkehr vom Wechsel- zum vollständigen Präsenzunterricht ist Teil des Stufenplans, den der Hamburger Senat beschlossen hatte. Er sieht - in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen - schrittweise Lockerungen vor; dazu zählt seit Samstag auch die Öffnung der Außengastronomie und des Einzelhandels unter Auflagen.

Die strengen Hygieneregeln für die Schulen, wie unter anderem Test- und Maskenpflicht, bleiben in Kraft. Die Präsenzpflicht bleibt ausgesetzt, Eltern können also weiter entscheiden, ob ihr Kind in die Schule geht oder zu Hause lernt.

Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro
100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, lag in Hamburg am Mittwoch bei gut 31, das Robert Koch-Institut (RKI) gab auf Basis einer anderen Berechnungsmethode einen Wert von 29 an.

Kosten für Lernplattformen an Berliner Schulen steigen deutlich

Die Kosten für die Nutzung von Lernplattformen an Berliner Schulen ziehen erheblich an. Das geht aus einer schriftlichen Anfrage der Linke-Fraktion an das Berliner Abgeordnetenhaus hervor. Danach haben sich die Kosten für Betrieb, Weiterentwicklung und Support für die bislang vorwiegend genutzte Plattform Lernraum Berlin im vergangenen Jahr auf rund 790 350 Euro summiert. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung sind für dieses Jahr rund 1 611 750 Euro veranschlagt. Größter Posten sind in beiden Jahren die Kosten für die Weiterentwicklung mit rund 548 935 und 746 420 Euro.

Am Lernraum gab es im Dezember und nach den Weihnachtsferien Kritik, nachdem zahlreiche Schülerinnen und Schüler an einzelnen Tagen Probleme bei der Nutzung hatten und zum Teil schon das Einloggen sehr lange dauerte. Inzwischen können die Schulen eine weitere, kostenpflichtige Plattform namens itslearning nutzen. Der Lizenzvertrag wurde im Februar abgeschlossen.

Die Kosten für Betrieb, Weiterentwicklung und Support belaufen sich der Bildungsverwaltung zufolge für das erste Jahr der Aufbauphase auf 1 082 855 Euro. Dabei entfällt der größte Teil mit 677 705 Euro auf Kosten für den Betrieb. Der Betrag basiere allerdings auf einer Schätzung von 100 000 Nutzern und könne auch geringer ausfallen.

Als Vorteil einer zweiten, kostenpflichtigen Lernplattform gab die Senatsverwaltung an, sie sorge für eine Entlastung des Lernraums. Die itslearning-Plattform biete insbesondere den Schulen eine Alternative, die kein mit den Personalgremien abgestimmtes, datenschutzkonformes Lernmanagementsystem einsetzten.

Zur Frage, warum vor der Entscheidung für itslearning kein Vergabeverfahren erfolgte, antwortete die Bildungsverwaltung, wegen der Überlastung der Lernraum-Plattform und der hohen Dringlichkeit vor dem Hintergrund der pandemiebedingten Schulschließungen sei ein Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb durchgeführt worden.

Thüringen: Abiturprüfungen im Corona-Jahrgang starten - 6447 Prüfungsanmeldungen

Lernstress und dann noch Corona-Pandemie: In Thüringen brüten von diesem Mittwoch an Tausende Schüler über ihren Abituraufgaben. Immerhin haben sie aufgrund einer Sonderregelung bei den Aufgaben mehr Wahlmöglichkeiten.

Mit dem Fach Deutsch beginnen in Thüringen an diesem Mittwoch die Prüfungen für das Abitur. Nach Angaben des Bildungsministeriums wurden in diesem Jahr 6447 Abi-Prüfungen angemeldet. Bereits am Freitag schreiben die jungen Erwachsenen ihr Mathe-Abitur. Wegen der Corona-Pandemie war der Start der Abiturprüfungen in Thüringen frühzeitig nach hinten geschoben worden, damit die Schüler mehr Zeit zur Vorbereitung haben.

Seit Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 gab es an Thüringens Schulen immer wieder teils sehr starke Einschränkungen im Schulbetrieb. Zwischenzeitlich blieben die Schulen komplett geschlossen und die Kinder und Jugendlichen mussten zu Hause unterrichtet werden, teils wurden Klassen abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet. Bis heute sind noch nicht alle Schulen zum vollständigen Präsenzunterricht zurückgekehrt.

Wegen der besonderen Umstände war zwischendurch auch eine Streichung der Abiprüfungen diskutiert, jedoch rasch wieder verworfen worden. Dennoch gibt es in Thüringen in diesem Jahr Änderungen: Den Abiturprüflingen werden unter anderem mehr Wahlmöglichkeiten bei Prüfungsaufgaben eingeräumt, teilweise soll es auch mehr Bearbeitungszeit geben. Das Niveau aber, betonte ein Sprecher des Bildungsministeriums, bleibe gleich. Da sei man auch an Vorgaben der Kulturministerkonferenz gebunden.

Spitzenrunde berät über Covid-19-Impfungen für Heranwachsende

Thüringen rüstet sich für das Impfen von Kindern ab zwölf Jahren und Jugendlichen gegen Covid-19. Wie das praktisch funktionieren soll, beraten Ministerpräsident Bodo Ramelow, Bildungsminister Helmut Holter und Gesundheitsministerin Heike Werner (alle Linke) am Mittwoch (16.00) in einem digitalen Treffen mit Lehrkräften, Eltern, Ärzten sowie Vertretern von Schulen und Kommunen. Denkbar ist nach Angaben des Bildungsministeriums, dass Heranwachsende auch in den Impfzentren und regionalen Impfstellen geimpft werden. Außerdem sollen Kinder- und Jugendmedizin-Praxen und mobile Impfteams zum Einsatz kommen.

Noch ist allerdings kein Impfstoff für diese Altersgruppe zugelassen. Die Europäische Gesundheitsbehörde EMA prüft derzeit, ob sie den Impfstoff von Biontech für ältere Jugendliche empfiehlt.

25.05.2021

Stiko: Schulöffnung nicht entscheidend für Impfung von Kindern

Die Rückkehr zum Präsenzunterricht ist nach Ansicht der Ständigen Impfkommission (Stiko) kein entscheidender Grund für die Corona-Impfung von Kindern. Im Vordergrund müsse die Frage stehen, wie hoch die Gefährdung der Kinder durch eine Infektion mit dem Coronavirus sei, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens am Dienstag im Deutschlandfunk. Auch Privatleben oder Urlaub mit den Eltern seien sekundäre Argumente, «die für sich alleine genommen keine ausreichende Begründung liefern, um jetzt alle Kinder zu impfen».

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt Schülerinnen und Schülern in Aussicht gestellt, bis Ende August ein Impfangebot zu erhalten. Die Europäische Gesundheitsbehörde EMA prüft, ob sie den Impfstoff von Biontech für ältere Jugendliche empfiehlt. Die Stiko behält sich vor einer Empfehlung noch eine Prüfung vor. Mertens rechnet innerhalb der nächsten 10 bis 14 Tage mit einem Ergebnis der Beratungen. «Es kann sein, dass die Stiko den Vorstellungen der Politik nicht in allen Punkten nachkommen kann, da die Ergebnisse das unter Umständen nicht hergeben», so Mertens.

Knapp zwei Drittel der Bürger für Rückkehr zu Präsenzunterricht

Sollen Schülerinnen und Schüler noch in Wechselunterricht oder mit Homeschooling beschult werden? Die meisten Bundesbürger haben eine klare Meinung - doch eine starke Minderheit sieht es anders.

Knapp zwei Drittel der Bundesbürger sind unter Einhaltung von Test- und Hygienekonzepten für eine sofortige Rückkehr der Schulen zum Präsenzunterricht. 65,2 Prozent sind einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag der FDP-Bundestagsfraktion auf jeden Fall oder eher dafür. Die Umfrage liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. 24,7 Prozent sind auf jeden Fall oder eher dagegen. Jeder Zehnte ist unentschieden. Die Mehrheit für die sofortige Rückkehr zum Präsenzunterricht reicht von 78,3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis 55 Prozent in Bremen.

Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding sagte der dpa, jede Verzögerung einer Rückkehr zum Präsenzunterricht sei ein Bruch des Versprechens, die Schulen bei sinkenden Fallzahlen als erstes wieder zu öffnen. «Luftfilter, Schnelltests, Impfungen für Lehrkräfte ermöglichen sicheren Präsenzunterricht», sagte Suding. «Es gibt längst keinen Grund mehr, Kindern ihr Recht auf Bildung auch nur einen Tag länger zu verwehren.»

In den Ländern wird die Frage teils kontrovers diskutiert. So sollen in Nordrhein-Westfalen alle 2,5 Millionen Schüler ab dem 31. Mai wieder Präsenzunterricht erhalten - bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern. Die Landeselternkonferenz kritisierte dort, die Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI), erst bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von weniger als 50 zu öffnen, werde ignoriert.

In Niedersachsen wechseln Schulen und Kindergärten vom 31. Mai an in den Präsenz- und Regelbetrieb, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in den jeweiligen Kreisen und Großstädten stabil unter 50 liegt. Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper hatte in einem Interview gesagt, sie hoffe auf «ein bisschen Normalität» an den Schulen nach den Pfingstferien. Die Brandenburger Landesregierung wollte an diesem Dienstag über die Wiederaufnahme des vollen Präsenzunterrichts an Grundschulen beraten.

Laut dem jüngsten Tagesbericht des RKI sank in den vergangenen Wochen die Sieben-Tage-Inzidenz in allen Altersgruppen, also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und sieben Tagen. Covid-19-Ausbrüche beträfen vor allem private Haushalte, aber auch das berufliche Umfeld sowie Kitas und Schulen. Mehr als 112 000 Fälle sind aus Kitas, Horten und Schulen gemeldet. 46 000 Mal waren dort Beschäftigte wie etwa Lehrkräfte betroffen.

24.05.2021

Schule trotz Corona: Karliczek fordert Impfungen für Kinder ab zwölf

Dank der sinkenden Zahl an Neuinfektionen werden in vielen Regionen die Corona-Schutzmaßnahmen gelockert. Aber wie kann Schulunterricht möglichst bald wieder flächendeckend in Präsenz stattfinden?

Mit weiter sinkenden Corona-Neuinfektionszahlen wird verstärkt über den künftigen Schulbetrieb nachgedacht. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek forderte einen Fahrplan für Impfungen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren in allen Bundesländern. Dieser solle bezwecken, dass den Kindern und Jugendlichen möglichst bis zum Beginn des kommenden Schuljahres ein Impfangebot gemacht werden könne, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). «Ich möchte, dass vor allem nach den Sommerferien überall der Schulbetrieb wieder relativ normal beginnen kann. Dafür wäre es sehr hilfreich, wenn möglichst viele Schülerinnen und Schüler geimpft wären.» Nach dem Willen der Ministerin soll sich der Impfgipfel von Bund und Ländern am Donnerstag mit dem Thema befassen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor Corona-Impfungen für Schüler bis Ende August in den Raum gestellt. Dazu müssten Impfdosen von Biontech/Pfizer reserviert werden. «Ein Weg zu regulärem Unterricht nach den Sommerferien ist das Impfen der Jugendlichen», sagte der CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». «Das erklärte Ziel ist, dass die Länder den minderjährigen Schülerinnen und Schülern bis Ende August ein Impfangebot machen. Weil für sie wegen der Zulassung nur ein bestimmter Impfstoff infrage kommt, müssen dafür genügend Biontech-Dosen reserviert werden.»

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) wollte noch im laufenden Monat über die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech und Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren entscheiden.

Der US-Pharmahersteller Moderna strebt Ähnliches an. Der Konzern hofft auf eine europäische Impfstoffzulassung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren. Ein Antrag bei der EMA sei Anfang kommenden Monats geplant, sagte Moderna-Vorstandschef Stéphane Bancel der französischen Sonntagszeitung «Le Journal du Dimanche».

Der Städte- und Gemeindebund forderte, den Corona-Infektionsschutz an Schulen für das kommende Schuljahr zu verbessern. «Wir können nicht ausschließen, dass die Pandemie im Herbst unser Leben wieder beeinträchtigt», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online: Montag/ Print: Dienstag). «Nachdem die Schülerinnen und Schüler ein schweres Pandemiejahr hinter sich haben, muss jetzt alles unternommen werden zu verhindern, dass wir im Herbst wieder zu einem schulischen Lockdown kommen.»

Unterstützung kam von der Bildungsgewerkschaft VBE. «Es ist geradezu fahrlässig, weiterhin nicht alle technischen Möglichkeiten zu nutzen, um ein möglichst sicheres Schulumfeld zu etablieren», sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann am Montag. Es sei bereits in dem Fachgespräch mit der Kultusministerkonferenz im Frühjahr 2020 sehr deutlich gemacht worden, dass Lüften nur dann wirklich effektiv sei, wenn es nennenswerte Temperaturunterschiede zwischen der Raum- und der Außenluft gebe. «Mit dem nahenden Sommer vor der Tür muss daher dringend die Nachrüstung der Lernräume mit mobilen oder stationären Lüftungssystemen angegangen werden. Es wurde schon viel Zeit vertan.»

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder möchte die Lage der Schülerinnen und Schüler in der Corona-Pandemie nicht zu negativ bewerten. «Wir dürfen den Schülern nicht einreden, sie seien eine verlorene Generation», sagte Söder den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). «Ich glaube zum Beispiel nicht, dass das Abi in diesem Jahr schlechter ausfallen wird.» Die Herausforderung liege bei den Jüngeren und bei den Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Familien. Für sie werde man spezielle Bildungsprogramme anbieten, etwa in Form von Sommerschulen.

Für einen möglichst unbeschwerten Sommer hatte Gesundheitsminister Spahn als Zielmarke eine Inzidenz von unter 20 ausgegeben. Der CDU-Politiker sagte der «Bild am Sonntag»: «Im vergangenen Sommer lag sie unter 20. Das sollten wir wieder anstreben. Vorsicht und Umsicht gelten weiterhin.»

Und weiter: «Konzerte im nicht voll besetzten Olympiastadion oder im Park mit Tests und Abstand sind aus heutiger Perspektive drin.» Man habe aus dem vergangenen Sommer gelernt. «Damals haben die Auslandsreisen, häufig Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan, phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst. Das müssen wir in diesem Jahr verhindern», sagte Spahn. Beispielsweise wolle er frühzeitig Vereinbarungen mit der Türkei über Tests bei der Ein- und Ausreise schließen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) am Montag binnen eines Tages 2682 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Montagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5.13 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 5412 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Montagmorgen mit bundesweit 62,5 an (Vortag: 64,5; Vorwoche: 83,1). Am Sonn- und Feiertagen sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil weniger getestet wird.

Söder: Schüler sollen nicht als «verlorene Generation» gesehen werden

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder möchte die Lage der Schülerinnen und Schüler in der Corona-Pandemie nicht zu negativ bewerten. «Wir dürfen den Schülern nicht einreden, sie seien eine verlorene Generation», sagte Söder den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). «Ich glaube zum Beispiel nicht, dass das Abi in diesem Jahr schlechter ausfallen wird.» Die Herausforderung liege bei den Jüngeren und bei den Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Familien. Für sie werde man spezielle Bildungsprogramme anbieten, etwa in Form von Summerschools. «Vielleicht müssen wir auch die Lehrpläne anpassen und unkonventionelle Wege gehen. Aber das ist gut machbar», so Söder.

Der bayerische Ministerpräsident zeigte sich außerdem hoffnungsvoll, dass Reisen ins Ausland künftig gut möglich sein werden. Es müsse ein «Tapetenwechsel drin sein». Man solle den Menschen kein schlechtes Gewissen machen, wenn sie wegfahren wollten, sagte Söder. «Wer nach Mallorca fliegt, darf das mit ruhigem Gewissen tun».

23.05.2021

Spahn stellt Corona-Impfungen für Schüler bis Ende August in den Raum

Die deutsche Impfkampagne gegen das Coronavirus ist in vollem Gange. Damit richtet sich der Blick auf jene, die derzeit in der Regel noch gar keine Impfungen bekommen können: Kinder und Jugendliche.

Um die Impfkampagne auch unter jungen Menschen voranzutreiben, plädiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dafür, Impfdosen der Hersteller Biontech und Pfizer zu reservieren. «Ein Weg zu regulärem Unterricht nach den Sommerferien ist das Impfen der Jugendlichen», sagte der CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». «Das erklärte Ziel ist, dass die Länder den minderjährigen Schülerinnen und Schülern bis Ende August ein Impfangebot machen. Weil für sie wegen der Zulassung nur ein bestimmter Impfstoff infrage kommt, müssen dafür genügend Biontech-Dosen reserviert werden.»

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) will noch im laufenden Monat über die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech und Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren entscheiden. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte das Präparat des deutschen Herstellers Biontech und seines US-Partners Pfizer auch für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren zugelassen.

Der US-Pharmahersteller Moderna strebt Ähnliches an. Der Konzern hofft auf eine europäische Impfstoffzulassung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren. Ein Antrag bei der EMA sei Anfang kommenden Monats geplant, sagte der aus Frankreich stammende Moderna-Vorstandschef Stéphane Bancel der französischen Sonntagszeitung «Le Journal du Dimanche». Das Präparat von Moderna ist einer von vier Corona-Impfstoffen mit einer Zulassung in der Europäischen Union.

Der Deutsche Städtetag regte an, die Impfzentren im Sommer in die Impfung von Schülern einzubinden. Es müsse jetzt zügig geklärt werden, wo demnächst Kinder ab 12 Jahren geimpft werden sollen, sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Vor dem neuen Schuljahr sollten möglichst viele Jugendliche mindestens die erste Impfung erhalten.» Generell plädierte er für die Beibehaltung der Zentren, weil unklar sei, wann Arztpraxen und Betriebsärzte die Impfungen vollständig leisten könnten.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) derweil binnen eines Tages 6714 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Sonntagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.11 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 8500 Ansteckungen gelegen. Die 7-Tage-Inzidenz gab das RKI am Sonntagmorgen mit bundesweit 64,5 an (Vortag: 66,8; Vorwoche: 83,1). Am Sonntag sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Sonntagabend bei 0,87 (Vortag ebenfalls: 0,87). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 87 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Spahn gab als Zielmarke für weitreichende Lockerungen im Sommer eine Inzidenz von unter 20 aus. Für einen unbeschwerten Sommer müsse die Inzidenz weiter gesenkt werden, sagte er der «Bild am Sonntag». «Im vergangenen Sommer lag sie unter 20. Das sollten wir wieder anstreben. Vorsicht und Umsicht gelten weiterhin.»

Man habe aus dem vergangenen Sommer gelernt, sagte der Minister. «Damals haben die Auslandsreisen, häufig Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan, phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst. Das müssen wir in diesem Jahr verhindern», sagte Spahn. Beispielsweise wolle er frühzeitig Vereinbarungen mit der Türkei über Tests bei der Ein- und Ausreise schließen.

Kritik an Spahn kam von der FDP. Bundestagsvize Michael Theurer sagte: «Deutschland braucht einen klugen Stufenplan für Öffnungen und nicht einen Bundesgesundheitsminister, der mit Inzidenzen zockt wie ein Pokerspieler und so die Menschen und Wirtschaft alle paar Monate verunsichert.» Theurer warnte vor einem «Gezerre mit den Ländern wie im Frühjahr um die Inzidenz von 35».

22.05.2021

Regierung will Dienstag über Rückkehr zum Präsenzunterricht beraten

Die Brandenburger Landesregierung will sich am Dienstag mit der aktuellen Corona-Lage befassen und dabei auch über die Wiederaufnahme des vollständigen Präsenzunterrichts an Grundschulen beraten. Das sagte Regierungssprecher Florian Engels am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Corona-Lage entwickle sich erfreulicherweise gut. «Sicherlich werden auch mögliche weitere Öffnungsschritte in verschiedenen Bereichen beraten.» Darüber werde anschließend auf einer Pressekonferenz berichtet.

Einen Bericht der «Märkischen Allgemeinen» (Samstag) zu konkreten Schritten zum Unterricht in den Schulen in einem Entwurf der neuen Eindämmungsverordnung wollte der Sprecher nicht kommentieren. «Die Abstimmung zu den konkreten Inhalten erfolgt regierungsintern laufend», sagte Engels. In dem Zeitungsbericht hieß es, ein Entwurf der neuen Eindämmungsverordnung sehe vor, dass Grund- und Förderschüler bis zur 6. Klasse und alle weiteren Schulen ab dem 7. Juni - vorbehaltlich einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 an drei Werktagen in Folge - wieder zurück in den Normalbetrieb kehren könnten.

In Brandenburg wiesen am Samstag alle Landkreise und kreisfreien Städte eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 auf. Landesweit stieg die Zahl der neuen Corona-Infektionen binnen einer Woche je 100 000 Einwohner jedoch leicht von 49,1 am Freitag auf 49,4, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Karliczek: Lernstand wird noch vor Ferien bei Klassenarbeiten erhoben

An den Schulen soll der Lernstand der Schüler nach den Worten von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek noch vor den Sommerferien flächendeckend gesondert überprüft werden. Dies sei mit den Ländern vereinbart worden, erklärte die CDU-Politikerin im Deutschlandfunk-«Interview der Woche». Damit sollten Nachhilfeprogramme im neuen Schuljahr passgenauer ausgerichtet werden können.

Mit den Programmen sollen coronabedingte Lücken geschlossen werden. Der Bund stellt für diesen Zweck eine Milliarde Euro bereit und für soziale Förderprogramme eine weitere Milliarde.

Die Tests sollten in den nächsten Wochen nicht als bundesweite Vergleichstests durchgeführt werden, sondern niedrigschwellig als Klassenarbeit, «aber ein bisschen standardisierter», wie sie sagte. «Dafür gibt es Module, die jetzt länderübergreifend genutzt werden können.» Auf der Basis sollten die jeweiligen Klassenlehrer dann individuelle Empfehlungen aussprechen, was nachzuholen sei.

Karliczek wies auf den Lehrerverband hin, der nach ihren Worten davon gesprochen hatte, dass 20 bis 25 Prozent der Kinder pandemiebedingt große Lücken hätten.

Allerdings ist die Zeit für solche Erhebungen, soweit es sie nicht schon gibt, teils äußerst knapp bemessen: Die ersten Bundesländer gehen bereits in vier Wochen in die Sommerferien, für Klassenarbeiten bleiben dort allenfalls noch zwei bis drei Wochen.

Kultusministerin hofft auf «ein bisschen Normalität» nach Pfingsten

Die neue Kultusministerin Theresa Schopper hofft nach den Pfingstferien auf «ein bisschen Normalität» an den Schulen in Baden-Württemberg. In den zwei Monaten bis zum Ende des Schuljahres sollten natürlich Lernrückstände angegangen werden, sagte die Grünen-Politikerin der «Badischen Zeitung» (Samstag). «Aber man darf den emotionalen Aspekt nicht vernachlässigen. Wir wollen, dass Ausflüge und Sport wieder möglich sind. Dass Schüler zusammen in der Schule hocken, ratschen, Gemeinschaft und Nähe erleben – das ist wichtig», erklärte die Ministerin. «Schule ist ein Lebensraum, nicht nur ein Ort des Lernens und der Klausuren.»

Schopper hofft, dass die starke Polarisierung in der Debatte um Schulschließungen infolge der Corona-Pandemie mit fallenden Inzidenzen nachlassen wird. «Die große Belastung für Eltern durch Homeschooling und Betreuung plus Beruf wird zurückgehen, wenn Schule wieder verlässlich stattfindet. Auch für Lehrer wird die hohe Belastung zurückgehen», sagte sie der Zeitung. Langfristig sehe sie die Schulen bei entsprechendem Infektionsgeschehen offen. «Vielleicht muss man darüber reden, die Präsenzpflicht weiterhin auszusetzen, aber das kann man jetzt noch nicht abschließend bewerten.»

Landeselternrat sieht Fortschritte beim digitalen Lernen

Schulunterricht hat sich durch die Pandemie stark verändert. Aus Sicht vieler Eltern gibt es manches, was nach der Pandemie fortgeführt oder ausgebaut werden sollte.

Beim digitalen Lernen haben die Schulen in Niedersachsen während der Corona-Pandemie aus Sicht des Landeselternrats große Fortschritte gemacht. Schulleitungen, Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte hätten das schnell umgesetzt, sagte die Vorstandsvorsitzende Cindy-Patricia Heine. «Zumindest dort, wo die digitalen Infrastrukturen es möglich machen.»

Dem Elternrat zufolge sollten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler auch nach der Pandemie digitale Lernplattformen zur Kommunikation nutzen. Die Digitalisierung müsse auch im Präsenzunterricht intensiviert werden. «Da müssen alle Entscheidungsträger massiv investieren und vorantreiben, damit das im Flächenland Niedersachsen auch zuverlässig flächendeckend gelingt», so Heine. Verzögerungen im Breitbandausbau dürfe es nicht geben.

Viele Schülerinnen und Schüler finden es laut Landeselternrat hilfreich, dass sie in kleineren Lerngruppen als früher arbeiten. Derzeit sind die meisten Klassen geteilt. «Ein effektiveres und intensiveres Lernen hat manchen Lernrückstand kleiner werden lassen», sagte Heine. «Zumindest dort, wo überhaupt Unterricht für Schülerinnen und Schüler stattgefunden hat.» Das Gremium forderte die Politik auf, nach der Pandemie für möglichst kleine Klassen zu sorgen. Zudem brauche es dringend eine dritte Sportstunde. «Der Bewegungsmangel hat sich durch Corona noch weiter verschärft», so Heine.

Die Auswirkungen des vielen Homeschoolings sind dem Elternrat zufolge unterschiedlich. «Für manche Schülerinnen und Schüler war das eigenbestimmte und selbstständige Lernen sehr gut, andere sind dadurch abgehängt worden.» Es müsse sichergestellt werden, dass Kinder und Jugendliche die Chance bekommen, durch die Pandemie verpassten Lernstoff später aufzuholen.

Für die kommenden Monate fordert der Landeselternrat umfassende Schutzkonzepte mit Luftfilteranlagen, ausreichend Lehrkräfte, psychologische und sozialpädagogische Fachkräfte an allen Schulen sowie genügend Lernräume. «Wir brauchen sichere Schulen, in denen in voller Klassenstärke Präsenzunterricht abgehalten werden kann! Hier ist das Land und sind die Schulträger in der Pflicht», sagte die Vorstandsvorsitzende Heine.

Der Landeselternrat vertritt nach eigenen Angaben die Interessen der Erziehungsberechtigten von derzeit rund 1,1 Millionen Schülerinnen und Schülern in den allgemeinbildenden sowie berufsbildenden Schulen in Niedersachsen. Die Organisation hat ihre Geschäftsstelle in Hannover.

21.05.2021

Althusmann will Impfaktionen an Schulen

Niedersachsens CDU-Landeschef Bernd Althusmann hat dazu aufgerufen, die Voraussetzungen für Impfaktionen gegen das Coronavirus in Schulen zu prüfen. «Unser Ziel sollte es sein, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler gut geschützt ins neue Schuljahr starten können», sagte der Vize-Regierungschef der «Nordwest-Zeitung» (Freitag) in Oldenburg. Viele Jugendliche setzten sich ehrenamtlich etwa in der Kirche, bei der Jugendfeuerwehr oder beim Roten Kreuz ein - und «sollten zeitnah ein Impfangebot erhalten». Zunächst gehe es um Sorgfalt bei der Prüfung und Freigabe des Impfstoffs. «Aber bitte keine Überregulierung.»

Unter Kindern und Jugendlichen gebe es ein stark ausgeprägtes Bedürfnis nach sozialen Kontakten oder Sport, betonte Althusmann. «Bildungsexperten sagen uns gar, dass die motorische und sprachliche Entwicklung gerade bei Grundschülern durch Corona eingeschränkt werden könnte und hier jedes vierte Kind einen Bildungsrückstand habe. Den müssen wir jetzt aufholen.» Althusmann sprach sich für freiwillige Angebote aus, «um Erlerntes zu vertiefen oder um mögliche Lücken zu schließen». Er könne sich Sommercamps mit kleinen Lern-Gemeinschaften vorstellen.

Studie: Pandemie belastet Schulkinder in Deutschland stark

Weniger Treffen mit Freunden, kein regulärer Schulunterricht: Die Corona-Pandemie belastet einer Studie zufolge viele Kinder und Jugendliche in Deutschland. Mehr als die Hälfte aller Mädchen und Jungen ist im vergangenen Jahr unglücklicher geworden, wie der am Freitag veröffentliche Präventionsradar 2021 der DAK-Gesundheit ergab. Die Lebenszufriedenheit sei im Schnitt aller befragten Kinder um rund 20 Prozent im Vergleich zu der Situation vor der Corona-Krise gesunken.

Jedes dritte Kind fühle sich zudem in der Schule nicht ausreichend vor dem Virus geschützt. 56 Prozent hielten die Corona-Regeln dort dagegen für angemessen. Gleichzeitig hätten die emotionalen Probleme stark zugenommen - vor allem bei Mädchen, wie die Krankenkasse mitteilte. In der aktuellen Befragung zeigen 23 Prozent Symptome depressiver Störungen wie Traurigkeit, geringes Selbstwertgefühl, Interessensverlust und sozialen Rückzug. Im Vorjahr waren es lediglich 18 Prozent. Den Angaben zufolge führt auch der Wegfall vieler Sportangebote zu Problemen: Insgesamt sei der Anteil der Befragten mit ausreichender Bewegung im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel gesunken. Die Mehrheit komme nicht auf die wissenschaftlich empfohlenen 90 Minuten täglich.

Grundlage der Studie ist eine Befragung von 14 000 Schulkindern der Klassen fünf bis zehn in dreizehn Bundesländern im Schuljahr 2020/21, die das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel im Auftrag der Krankenkasse übernahm. Schulen in Hamburg, Bayern und dem Saarland waren nicht an der Umfrage beteiligt. Die DAK-Gesundheit ist mit 5,6 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands.

20.05.2021

Karliczek für weitere Öffnungen an Schulen

Endlich wieder mit den Klassenkameraden in der Schule lernen - das soll in den nächsten Wochen für immer mehr Kinder und Jugendliche möglich sein. Die Bildungsministerin fordert, parallel dazu eine Impfkampagne vorzubereiten.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek wirbt für weitere Schritte bei der Öffnung der Schulen und die Vorbereitung einer Impfkampagne für Kinder und Jugendliche. «Das Infektionsgeschehen geht zurück», sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). «Daher sollten nicht nur die die Öffnungen in der Wirtschaft und Kultur - so verständlich das selbstverständlich ist - im Fokus stehen, sondern über eine weitere Rückkehr zum Präsenzunterricht nachgedacht werden.»

Natürlich sei weiter Vorsicht angesagt. Aber: «Eine breitere Rückkehr zum Präsenzunterricht unter den bekannten Hygienestandards und begleitet von Tests dürfte in den meisten Regionen sehr wahrscheinlich verantwortbar sein, weil die Inzidenzen überwiegend deutlich unter 100 liegen.» Kinder und Jugendliche müssten Schritt für Schritt in ein normales Leben zurückfinden. Dazu gehöre auch ein regelmäßiger Schulbesuch, am besten noch vor den Sommerferien.

Die psychischen Belastungen seien zum Teil sehr groß gewesen. «Wir müssen unseren Kindern und Jugendlichen in diesen Wochen viel Aufmerksamkeit schenken, damit sie nachholen können, was in der Pandemie nicht möglich war», unterstrich Karliczek. «Dazu gehört auch, dass intensiv eine Impfkampagne für die Kinder und Jugendlichen vorbereitet wird, sobald der Impfstoff für die Kinder ab 12 Jahren zugelassen ist.» Bis der Impfstoff für die jüngeren Kinder bis 12 Jahren zur Verfügung stehe, werde es aber noch eine Weile dauern.

Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban (CDU), verlangte den Einsatz von mobilen Impfteams in Schulen, sobald die Zulassung des Impfstoffs für Jüngere erfolgt sei. «Vielen Schülerinnen und Schülern unter 18 Jahren im ländlichen Raum ist es nicht so einfach möglich, auf eigene Faust in Impfzentren zu fahren», sagte Kuban der «Rheinischen Post» (Freitag). Mit mobilen Impfteams seien bereits die Menschen in Pflegeheimen geimpft worden. Ihr neuerlicher Einsatz wäre «ein klares Signal, dass die junge Generation nicht vergessen wird und sie im Fokus der Debatte steht».

Mehrere Bundesländer haben bereits angekündigt, in Kürze zum Regelbetrieb in den Schulen zurückkehren. So soll es etwa in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern nach Pfingsten in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 wieder täglich Präsenzunterricht geben. In Nordrhein-Westfalen sollen alle Schüler ab dem 31. Mai wieder landesweit Präsenzunterricht erhalten, sofern die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt.

Bildungsgewerkschaft gegen Impfpflicht für Lehrer

Die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, hat sich gegen eine Corona-Impfpflicht für Lehrerinnen und Lehrer ausgesprochen. «Wir halten viel davon, ein Impfangebot für alle Lehrerinnen und Lehrer zu machen», sagte Tepe am Donnerstag im ZDF-«Morgenmagazin». Eine Impfpflicht lehne sie jedoch ab. Es sei auch gut verständlich, dass für Kinder in den Schulen keine Impfpflicht vorgesehen werde.

Vor wenigen Tagen hatte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, eine Impfpflicht für verbeamtete Lehrer ins Spiel gebracht. Er rechne mit einer politischen Debatte über das Thema, sagte Meidinger der «Welt». Seiner Ansicht nach hätte der Staat bei entsprechender gesetzlicher Regelung die Handhabe dazu.

Schulleitungen: Kinder haben in der Pandemie viel gelernt

Viele sorgen sich um Lernrückstände der Kinder. Die Schulleitungen fordern einen anderen Blick und wollen Mut machen.

Kinder und Jugendliche haben in der Corona-Pandemie aus Sicht des Schulleitungsverbandes Niedersachsen viel gelernt. Viele Schülerinnen und Schüler könnten viel selbstständiger arbeiten als früher, sagte die Vorsitzende des Verbandes, Andrea Kunkel. Sie verwies darauf, dass inzwischen schon Grundschulkinder wissen, wie Dokumente heruntergeladen werden oder wie sie an einer Videokonferenz teilnehmen. Statt einer Diskussion über vermeintliche Lernrückstände brauche es den Blick auf die erworbenen Kompetenzen. «Der Fokus muss darauf liegen, was sie gelernt haben und wie darauf aufgebaut werden kann», sagte die Leiterin einer Grundschule.

Kinder, die Monate lang nicht im Präsenzunterricht waren, brauchen Kunkel zufolge Zuspruch und keinen Druck. Es sei wichtig, ihnen Mut zu machen und sie neu für die Schule zu begeistern. Wissenslücken könnten mit der Zeit ausgeglichen werden. Dafür brauche es Unterstützungssysteme in den Schulen.

Für die pädagogische Arbeit an den Schulen fordert der Verband mehr Freiraum. Die Pandemie sei ein Einschnitt, der auch Möglichkeiten aufzeige, so Kunkel. «Wir haben jetzt die Chance, Schule anders zu denken», sagte sie. Ihr zufolge sind für die Zeit nach der Pandemie grundlegende Veränderungen nötig. «In das System Schule muss anders investiert werden», forderte sie. Es brauche mehr Personal und die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche individueller zu fördern. Auch die Lehrpläne sollten kritisch überprüft werden, um den Schulbetrieb zukunftsweisend aufzustellen.

Die vielen Herausforderungen in der Corona-Krise haben Schulleitungen und Lehrkräfte stark gefordert. Viele seien an ihren Grenzen, so Kunkel. Immer wieder neue Regularien und kurze Zeitfenster für die Umsetzung waren demnach für die Schulleitungen kräftezehrend. «Auch wir müssen mal zur Ruhe kommen und Energie tanken können.» Inzwischen habe sich vieles eingespielt, dennoch sei die Belastung groß. Die Verbandsvorsitzende hofft daher, dass in den kommenden Monaten keine kurzfristigen Anordnungen kommen. «Es wäre gut, dieses Schuljahr in Ruhe zu Ende zu bringen. Wir brauchen keine überstürzten Aktionen.»

 

19.05.2021 

Schüler kehren ab 31. Mai in Präsenzunterricht zurück

Nach viel Hin und Her für die Schulen auch in NRW soll es bald wieder mehr Normalität geben. Also wieder tägliches Lernen im Klassenzimmer. Sinkende Corona-Zahlen machen es möglich, sagt die Landesregierung.

(dpa/lnw) - Schüler in Nordrhein-Westfalen sollen ab dem 31. Mai bei stabilen Inzidenzen unter 100 wieder täglich in den Präsenzunterricht zurückkehren. Das kündigten Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Schulministerin Yvonne Gebauer am Mittwoch in Düsseldorfer Landtag an. Voraussetzung sei für die jeweiligen Kreise und kreisfreien Städte eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Diese sei schon aktuell in mehr als der Hälfte der 53 Kreise und kreisfreien Städten erreicht. Es sei davon auszugehen, dass sich diese Zahl bis Ende Mai noch deutlich erhöhen werde.

Nordrhein-Westfalen will Schülern aller Schulformen mit dem Schritt zum Monatsende wieder etwas Normalität zurückgeben, betonte Gebauer (FDP). Derzeit befinden sich die Schulen in der überwiegenden Zahl der Kreise und Städte noch in einem abwechselnden Betrieb aus Online- und Präsenzunterricht. Die Inzidenzwerte sinken aber seit einiger Zeit. Bleiben Kreise und Städte unter 100, so könnten die Schüler dort für die verbleibenden fünf Schulwochen bis zu den Sommerferien wieder in den Klassenräumen unterrichtet werden. Letzter Schultag ist der 2. Juli.

Die Inzidenz für NRW war am Mittwoch landesweit laut Robert Koch-Institut auf 79,9 Neuinfektionen weiter gesunken. Parallel dazu schreitet das Impfen laut Ministerin gut voran. Hygienevorschriften, Masken- und Testpflicht sollten auch weiterhin in den Schulen gelten. Seit Frühjahr werden Schüler und Lehrkräfte im Präsenzmodus zweimal pro Woche getestet.

Nach mehreren Monaten mit weitgehenden Schulschließungen sei sie zuversichtlich, «dass wir Kindern und Jugendlichen ein Stück Normalität zurückgeben können». Das Leid vieler Kinder und Jugendlichen - emotionale, psychische oder soziale Beeinträchtigungen infolge geschlossener Schulen und fehlender Begegnungen - bleibe oft verborgen. «Man kann es nicht messen, nicht grafisch abbilden, aber es ist da.» Schulen, Lehrkräften und Eltern hätten ausreichend Zeit, sich auf die Änderungen im Schulbetrieb einzustellen. Die Möglichkeiten der Bundesnotbremse würden damit im Land voll umgesetzt.

Laschet betonte, Corona sei besonders für die Jüngeren eine langfristige Gefahr, auch in psychosozialer Hinsicht. Nach gut einem Jahr mit stark eingeschränkten sozialen Kontakten brauche es unbedingt wieder eine sichere Rückkehr in die Klassenzimmer. «Soziale Kontakte kann kein Bildschirm ersetzen, und deshalb ist der Präsenzunterricht so wichtig.»

Nach der Bundesnotbremse ist reiner Distanzunterricht vorgeschrieben, wenn in Kreisen und kreisfreien Städten eine Sieben-Tage-Inzidenz von 165 registriert wird. Am Mittwoch lag in NRW nur noch Hagen über dieser Schwelle. Unter einem Wert von 165 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner darf es einen Wechselmodus aus Distanz- und Präsenzlernen geben. Ausnahmen galten immer für die Abschlussklassen sowie für die Förderschulen, die im Präsenzbetrieb bleiben konnten.

Die Pandemie drohe auch zu einer Bildungskatastrophe zu werden - mit langfristigen Schäden für viele Schüler, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. Man habe viel zu lange über Themen wie die Öffnung der Außengastronomie gesprochen statt vorrangig über Kitas und Schulen.

Die Lehrergewerkschaft GEW mahnte, den Erfolg der bisherigen Maßnahmen dürfe man mit einem Unterricht in voller Klassenstärke nicht aufs Spiel setzten. In Schulen würden damit bald andere Regeln gelten als überall sonst im Land - etwa bei Abstandsgebot oder einem Aufenthalt vieler Menschen in einem Raum über einen längeren Zeitraum hinweg. Man hätte die Entwicklung der Lage noch weiter beobachten sollen, meinte die GEW. Der Verband Bildung und Erziehung betonte: «Vorfreude darf Vorsicht nicht ersetzen.» Nach der Devise «Sicherheit vor Schnelligkeit» solle es vollen Präsenzunterricht erst bei Inzidenzen stabil unter 50 geben, forderte der Verband lehrer nrw.

Landtag lehnt Verzicht auf Schulnoten ab

Der Brandenburger Landtag hat einen Verzicht auf Schulnoten bis zum Sommer und eine generelle Versetzung aller Schüler abgelehnt. Ein entsprechender Antrag der oppositionellen Linken fand im Landesparlament am Mittwoch keine Mehrheit. Damit wiesen die Abgeordneten auch die Forderung zurück, Lehrpläne in Mathe, Deutsch, Englisch und anderen Fächern zu reduzieren und außerschulische Bildungsangebote zu stärken.

«Für unsere Kinder herrscht seit mehr als einem Jahr Ausnahmezustand», hatte die Linken-Bildungspolitikerin Kathrin Dannenberg den Antrag begründet. «Der Bildungszug fuhr weiter und nach und nach wurde ein Waggon abgehängt, insbesondere mit Kindern, die nicht in der erste Klasse sitzen.» Mit dem Antrag wolle man den Druck von den Familien nehmen und für Motivation sorgen.

Dieses grundsätzlichen Ziel trug die SPD-Abgeordnete Katja Poschmann mit. «Ja, Kinder und Jugendliche stärker unterstützten», sagte sie. Dafür sei eine bessere Ausstattung notwendig. «Aber wir führen hier noch keine Haushaltsverhandlungen.» Der CDU-Abgeordnete Gordon Hoffmann betonte: «Wir halten Noten und Zeugnisse für richtig.» Sie böten eine klare Rückmeldung und Orientierung. Er setze auf das Fingerspitzengefühl und die Eigenverantwortung der Schulen.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) bekräftigte, den Wechselunterricht möglichst noch vor den Sommerferien beenden zu wollen. «Wir haben darauf hingewirkt, dass die Schülerinnen und Schüler nicht mit Tests überfallen werden, wenn sie wieder in die Schulen kommen», sagte Ernst. «Wir haben natürlich im Blick, dass die Pandemie psychosoziale Folgen für Kinder und Jugendliche hat», fügte sie hinzu. Die Zahl der Klassenarbeiten sei halbiert worden.

60 Millionen Euro aus dem Aktionsprogramm des Bundes flössen nach Brandenburg. So würden Ferienprogramme und Nachhilfe in den Kernfächern angeboten. «Wir müssen auch nicht so tun, als wenn Kinder und Jugendlichen das Lernen komplett verlernt haben.» Viele hätten sich wacker geschlagen.

Der Brandenburger Pädagogenverband kritisierte die Kommunikation des Bildungsministeriums über eine Rückkehr der Schulen zum Präsenzunterricht. Lehrkräfte und Schüler hätten das erneut aus der Presse erfahren. «Diese Art von Kommunikation mit den Betroffenen kritisieren wir gemeinsam aufs Schärfste mit anderen Gewerkschaften, Verbänden und Mitwirkungsgremien schon seit über einem Jahr», erklärte Präsident Hartmut Stäker am Mittwoch.

Der Pädagogenverband unterstütze grundsätzlich eine Rückkehr zum Präsenzunterricht, aber unter bestimmten Voraussetzungen, betonte Stäker. Dazu gehöre unter anderem die Einhaltung des Infektionsschutzgesetzes und eine vernünftige Vorlaufzeit für die Schulen. Ein Problem sieht der Verband aber vor allem darin, dass noch nicht allen Lehrenden ein Impfangebot gemacht wurde. Zudem könnten in vielen Schulen in vollen Klassen nicht die Hygiene-und Abstandsregeln eingehalten werden. Ähnlich sieht es der Landesschülerrat.

Aufregung und Petition nach Mathe-Abi - «Corona nicht berücksichtigt»

Nach der Abiturprüfung im Fach Mathematik haben sich zahlreiche Abiturienten in sozialen Medien über zu schwere Aufgaben beschwert. Vor allem auf Instagram warfen sie Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) vor, dass das Mathe-Abi das schwerste seit Jahren gewesen sei - und die zurückliegende Pandemie-Zeit mit Distanz- und Wechselunterricht nicht ausreichend berücksichtige. Mehr als 17 000 Unterzeichner forderten daher in einer Online-Petition die Anpassung des Notenschlüssels. Auch die SPD-Landtagsfraktion forderte das Kultusministerium am Mittwoch auf, die Ergebnisse zu überprüfen.

«Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler sind sich einig, dass es sich bei der Prüfung am 18. Mai um eine der schwersten Aufgabenstellungen der letzten Jahre gehandelt hat», berichtete SPD-Bildungsexpertin Simone Strohmayr. Dabei seien die Bedingungen während des Corona-Unterrichts für viele extrem herausfordernd gewesen. «Die Schülerinnen und Schüler wollen kein geschenktes Abi, aber sie haben ein Recht auf Fairness», betonte Strohmayr.

Das Ministerium hingegen versicherte gegenüber der «Main-Post»: «Die diesjährigen Abiturprüfungsaufgaben im Fach Mathematik wurden von den Experten insgesamt als gut machbar eingeschätzt.» Demnach zeigte Piazolo Verständnis für die Aufregung: «Schon in normalen Jahren sind Abiturientinnen und Abiturienten in der Prüfungsphase natürlich angespannt. (...) In diesem von Corona geprägten Jahr besteht diese Anspannung sicher bei vielen umso mehr, das kann ich gut verstehen.»

Ähnliche Aufregung um das Mathe-Abi hatte es bereits vor zwei Jahren gegeben, auch damals war in Online-Petitionen sogar bundesweit die Änderung des Bewertungsschlüssels gefordert worden. Das bayerische Ministerium hatte die Noten dann auch tatsächlich überprüft, aber festgestellt, dass der Abi-Durchschnitt im üblichen Schwankungsbereich lag. Der Bewertungsmaßstab wurde daher nicht geändert.

Gewerkschaft für Festhalten am Wechselunterricht

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Kurs des Berliner Senats ausdrücklich begrüßt, bis zu den Ferien am Wechselunterricht festzuhalten. Gleichzeitig forderte sie mehr Personal für Schulen und Jugendämter. Berlins GEW-Vorsitzender Tom Erdmann sagte am Mittwoch, die Gewerkschaft sei froh, dass der Senat auch bei sinkenden Inzidenzwerten nicht vorhabe, die Schulen wieder uneingeschränkt zu öffnen.

In den Schulen habe es wegen der Corona-Pandemie ständig Veränderungen gegeben. «Es wäre gut, wenn nun wenigstens in den letzten Wochen des Schuljahres etwas Ruhe reinkommt», sagte Erdmann. Viele Lehrkräfte und die meisten Schülerinnen und Schüler seien außerdem weiterhin noch nicht geimpft.

Co-Vorsitzende Doreen Siebernik forderte eine bessere Personalausstattung, damit die Folgen der Pandemie langfristig zu bewältigen seien. Das gelte nicht nur für Lehrkräfte, sondern auch für das Personal in der Schulpsychologie, der Schulsozialarbeit und in den Jugend- und den Gesundheitsämtern. Allein bei den Regionalen Sozialen Diensten der Jugendämter in Berlin seien rund 100 Stellen unbesetzt.

Die Bildungsverwaltung hatte den Schulleitungen am Freitag in einem Schreiben mitgeteilt, dass die Berliner Schülerinnen und Schüler bis zum Ende des Schuljahrs wie bisher nur zum Teil in der Schule unterrichtet werden - im Wechsel mit digitalem Lernen zu Hause. Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) stellte am Dienstag nach der Senatssitzung in Aussicht, dass es zum neuen Schuljahr wieder Präsenzunterricht geben soll, wenn die Infektionszahlen entsprechend niedrig sind.

Schwimmunterricht an sächsischen Schulen geht wieder los

Der Schwimmunterricht an den sächsischen Schulen kann nach Angaben des Kulturministeriums ab sofort wieder aufgenommen werden. Ziel sei, dass die Schülerinnen und Schüler in den neun Wochen bis zu den Sommerferien noch 20 bis 25 Stunden Schwimmunterricht erhalten. Dabei sollen sie möglichst die Basisstufe erreichen. Zudem gebe es Planungen, in den Ferien Schwimmkurse anzubieten. Dafür stünden 600 000 Euro zur Finanzierung bereit.

Wie das Ministerium am Mittwoch mitteilte, hatten im laufenden Schuljahr rund 38 000 Schülerinnen und Schüler nur sehr kurz Schwimmunterricht. Seit dem 2. November sind die Hallenbäder wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Grundvoraussetzung für die Wiederaufnahme des Unterrichts sei eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 165.

NRW kehrt ab 31. Mai landesweit zum Präsenzunterricht zurück

Nach viel Unruhe für Schüler und Lehrer auch in NRW soll nun schnell wieder landesweit ganz auf Präsenzunterricht umgestellt werden. Kontinuierlich sinkende Werte bei den Corona-Neuinfektionen machen es möglich.

In Nordrhein-Westfalen sollen alle Schüler ab dem 31. Mai wieder landesweit Präsenzunterricht erhalten. Das kündigte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag an. Das gelte für alle Schulformen und bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Einzelheiten wollte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) im Anschluss mitteilen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz für NRW war am Mittwoch laut Robert Koch-Institut auf 79,9 Neuinfektionen weiter gesunken. Laschet betonte, Corona sei besonders für die Jüngeren eine langfristige Gefahr, auch in psychosozialer Hinsicht. Nach gut einem Jahr mit stark eingeschränkten sozialen Kontakten brauche es unbedingt wieder eine sichere Rückkehr in die Klassenzimmer. «Soziale Kontakte kann kein Bildschirm ersetzen, und deshalb ist der Präsenzunterricht so wichtig.» Der solle nun in den fünf Wochen vor den Sommerferien für alle wieder kommen.

Unter den rund 2,5 Millionen Schülern in NRW und in den Lehrerkollegien dürfte die Ankündigung für Erleichterung sorgen - nach vielen Monaten mit oft kurzfristigen Wechseln hinein in die Schulen und wieder heraus. Nach der Bundesnotbremse ist Präsenzunterricht verboten in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165. Am Mittwoch lag nur noch Hagen über dieser Schwelle. Unter einem stabilen Wert von 165 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner ist ein Wechselmodus aus Distanz- und Präsenzlernen vorgesehen. Zuletzt waren am Montag noch Schulen in zehn Kreisen und kreisfreien Städten im reinen Distanzunterricht.

Ausnahmen galten dabei immer für die Abschlussklassen sowie für die Förderschulen, die im Präsenzunterricht bleiben konnten.

18.05.2021 

Hessen unterstützt Schüler beim Schließen von Corona-Bildungslücken

Wegen der Corona-Pandemie herrscht bei Schülern großer Nachholbedarf beim Lernstoff. Viele benötigen auch sozialpädagogische oder psychologische Unterstützung. Hessen startet ein millionenschweres Förderprogramm.

Mit dem Landesprogramm «Löwenstark – der Bildungskick» will Hessen Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, in der Corona-Pandemie verpassten Lernstoff aufzuholen. Corona habe negative Spuren im Bildungssystem hinterlassen und hinterlasse sie noch immer, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden. Das Landesprogramm setzt unter anderem auf Förderkurse, individuelle Lernbegleitung im Unterricht und Hausaufgabenbetreuung.

Angeboten werden sollen außerdem Online-Nachhilfe, Lerncamps, kulturelle Bildung, Sportkurse sowie sozialpädagogische und psychologische Unterstützung. Das Land stellt nach den Worten von Lorz für das laufende Jahr 60 Millionen Euro aus dem Corona-Sondervermögen bereit. Hessen habe auch das von der Bundesregierung geplante Förderprogramm im Blick, das sich noch in der Abstimmung befinde und später mit dem Landesprogramm verzahnt werden solle.

Für «Löwenstark - der Bildungskick» habe Hessen bewährte und neue außerschulische Partner mit ins Boot geholt, sagte der Minister. Dazu gehören unter anderem Stiftungen, Organisationen aus Sport und Kultur sowie ehrenamtliche Projekte.

«Ob Nachhilfe in Mathe, Leseförderung oder Bewerbungstraining, Musikangebote, Theaterbesuche, ein langer Schultag im Museum, Schwimmunterricht oder ein Bewegungsangebot auf dem Schulhof – so vielfältig die Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler sind, so breitgefächert soll auch unser Unterstützungsangebot sein», erläuterte Lorz.

Dies gelte auch für Schulleitungen und Lehrkräfte, die in den kommenden Monaten zusätzliche Möglichkeiten zur personellen Unterstützung, für Fortbildungen, zur speziellen Beratung und zum Coaching erhalten sollen.

Die Geschäftsführerin der Landesvereinigung Kulturelle Bildung Hessen, Susanne Hilf, erklärte: «Kinder und Jugendliche brauchen gerade jetzt künstlerisch-kulturelle Angebote, um die Herausforderungen des letzten Jahres zu reflektieren, ihren individuellen Sichtweisen Ausdruck zu verleihen und wieder Selbstwirksamkeit zu erfahren.»

Die Corona-Krise habe Defizite etwa beim Lesen nochmal vergrößert, erläuterte der Hauptgeschäftsführer Stiftung Lesen, Jörg Maas. «Ohne Lesen geht es nicht. Egal ob in der Schule, im Beruf oder in der Freizeit: Lesen ist die Grundlage, damit wir unseren Alltag meistern und gestalten.» Die Stiftung biete unter anderem Lesestart-Sets für junge Familien und ein Erstlesebuch für alle hessischen Schulanfängerinnen und Schulanfänger an. Das Aufholprogramm käme genau zum richtigen Zeitpunkt - während in anderen Ländern noch diskutiert werde, sagte Maas.

Kabinett beschließt: Saar-Schulen nach Pfingsten wieder in Präsenz

Im Saarland sollen nach den Pfingstferien ab dem 31. Mai wieder alle Schulen für den Vollpräsenz-Betrieb öffnen. Das beschloss der Ministerrat nach einem entsprechenden Vorschlag von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) am Dienstag. Zwingende Voraussetzung für die Rückkehr in den vollständigen Präsenzunterricht ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz auf Landesebene stabil unter 100 liegt.

Streichert-Clivot sprach von einem «sehr starken Signal: Das machen andere Bundesländer anders». Alle Hygiene- und Infektionsschutzregelungen sowie die Testpflicht zweimal in der Woche hätten Bestand. Auch bleibe es bei einer festen Kohortenbildung unter den Jahrgängen. Derzeit gibt es für die rund 120 000 Schüler im Saarland Wechselunterricht, das heißt, sie lernen im Wechsel von zu Hause und im Klassenzimmer.

Kinderärzte für schnelle Schulöffnungen - «Triage in Psychiatrien»

Kinder- und Jugendärzte sprechen von einer politischen Vernachlässigung von Kindern in der Pandemie. Eindringlich fordern sie die Öffnung von Kitas und Schulen.

Kinder- und Jugendmediziner fordern schnelle Schul- und Kitaöffnungen. «Schulen öffnen, Kitas öffnen - natürlich gemäß den geltenden Leitlinien und mit angemessenen Testungen. Jetzt ist es an der Zeit, das Ruder herumzureißen», sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch, der «Rheinischen Post» (Dienstag). «Wir sehen die dringende Notwendigkeit, dass sich Menschen, die sich noch nicht impfen lassen können, keine Nachteile davon haben dürfen. Es ist absolut notwendig, selbst wenn Jugendliche in den höheren Jahrgängen geimpft werden können, für Kinder im Grundschulalter, aber auch in mittleren Jahrgängen wieder ein normales soziales Leben zu ermöglichen, damit sie sich normal entwickeln können.»

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisierte die politische Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie scharf. «Kinder und Jugendliche wurden in der Pandemie von Anfang an massiv vernachlässigt. In der ersten Phase waren die pauschalen Einschränkungen wie Schul- und Kitaschließungen noch nachvollziehbar. Aber inzwischen haben wir gelernt, dass Kinder die Infektion deutlich weniger weitertragen und selbst deutlich seltener erkranken als Erwachsene», sagte BVKJ-Sprecher Jakob Maske der «Rheinischen Post». «Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt. Wer nicht suizidgefährdet ist und «nur» eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen.»

Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) forderte von Bund und Ländern mehr Anstrengungen zugunsten der Schüler. «Die Lage der jungen Generation steht aus meiner Sicht gegenwärtig immer noch viel zu wenig im Mittelpunkt der Diskussion», sagte sie der «Bild» (Dienstag). Das werde den Sorgen, die «wir uns machen sollten, nicht gerecht». Der Ausfall an Präsenzunterricht habe zu erheblichen Lernrückständen geführt.

Der Deutsche Lehrerverband hält eine Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht ab einer Inzidenz von 50 für empfehlenswert. «Wir haben ja bereits jetzt nur noch wenige Landkreise oberhalb der 165er Inzidenz, die für reinen Distanzunterricht ausschlaggebend ist», sagte ihr Präsident Heinz-Peter Meidinger der Zeitung. Unterhalb der 100er Inzidenz könnten Länder vollständigen Präsenzunterricht anordnen. «Unsere Auffassung ist allerdings, dass man sich bei vollständigem Präsenzunterricht ohne Abstandsregelung an der Empfehlung des RKI (Inzidenz 50) orientieren sollte, solange viele Lehrkräfte und fast alle Kinder noch nicht geimpft sind». Für das nächste Schuljahr zeigte sich Meidinger «recht optimistisch, dass da deutlich mehr Normalität in den Schulbetrieb zurückkehrt und bei fortschreitenden Impfungen die Inzidenzen niedrig gehalten werden können».

Minister: Impfangebot für Schüler bis Ferienende - Gymnasium startet

Die Impfkampagne gewinnt weiter an Fahrt: Mittlerweile wird die Immunisierung von Schülern vorbereitet. Minister Holetschek kündigt Impfangebote bis Ende der Sommerferien an. Ein Gymnasium startet schon jetzt.

An einem Gymnasium im Münchner Vorort Planegg können sich Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren am Freitag gegen das Coronavirus impfen lassen. Eine niedergelassene Praxis habe dies der Schule kurzfristig angeboten, sagte der Schulleiter Matthias Spohrer am Montag in Planegg. Die Biontech-Impfdosen seien den Ärzten regulär zugeteilt worden. Alle priorisierten Patienten der Praxis seien bereits geimpft.

«So entstand in Absprache mit dem Landratsamt München und nach Wegfall der Priorisierung in Bayern der Vorschlag, die Jugendlichen ab 16 in unserer Schule zu impfen», sagte Spohrer. Zuvor hatte die «Süddeutsche Zeitung» darüber berichtet. Bayerns Hausärzte dürfen Patienten ab diesem Donnerstag (20. Mai) unabhängig von der Impfreihenfolge mit sämtlichen Corona-Impfstoffen impfen.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) kündigte unterdessen in der «Augsburger Allgemeinen» (Dienstag) Vorbereitungen an, um bis zum Ende der Sommerferien allen Schülern sogar ab zwölf Jahren eine Corona-Impfung anzubieten und den Präsenzunterricht im kommenden Schuljahr zu sichern. In Bayern gibt es rund 835 000 Schüler zwischen 12 und 18 Jahren.

«Sofern der Impfstoff zugelassen wird, gehe ich davon aus, dass jede Schülerin und sogar jeder Schüler ab zwölf Jahren bis zum Ende der Sommerferien ein Impfangebot bekommt», sagte der Minister der Zeitung. Die Impfung der Schüler würde Schulen mehr Optionen eröffnen; es wäre auch wieder mehr Präsenzunterricht möglich.

Auch der Planegger Schulleiter Spohrer hält die Immunisierung der Jugendlichen für sinnvoll. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei dieser Altersgruppe liege um ein Vielfaches höher als bei Älteren. Außerdem schützten geimpfte Jugendliche ihre Kontaktpersonen in der Schule und in der Familie. Aus diesem Grund habe sich die Schulleitung entschieden, das Angebot anzunehmen und die Umsetzung vor Ort zu organisieren. Man habe das Angebot an die Familien weitergeleitet und darauf aufmerksam gemacht, dass es «absolut freiwillig» sei.

Holetschek sagte in der «Augsburger Allgemeinen» weiter, derzeit werde ein Konzept erarbeitet, wie die Impfungen für Schüler logistisch organisiert werden könnten. «Wir wollen die Impfzentren einbinden und prüfen, ob auch an den Schulen selbst geimpft werden kann.» Auch die Haus-, Kinder- und Jugendärzte sollten eingebunden sein.

Der Gesundheitsminister forderte vom Bund zusätzliche Impfdosen über die jetzigen Kontingente, die bei Biontech derzeit ab 16 Jahren zugelassen sind. «Der Impfstoff für Schüler muss komplett vom Bund zur Verfügung gestellt werden - so ist es vereinbart», sagte Holetschek. Aber: «Es ist wichtig, dass er nicht anderswo fehlt.»

Die Staatsregierung hatte vergangenen Mittwoch angekündigt, die Priorisierung bei den Hausärzten für Corona-Impfungen im Laufe dieser Woche aufzuheben.

17.05.2021 

Schüler fordern: Klassenarbeiten erst einmal absagen

Schülerinnen und Schüler aus der Region Hannover haben Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne in einem offenen Brief aufgerufen, auf Klausuren und Klassenarbeiten zunächst zu verzichten. Statt auf der Leistungsüberprüfung solle der Fokus zur Zeit auf der Vermittlung von Wissen und dem gemeinsamen Lernen liegen, heißt es in dem Brief. Deshalb plädierten die Schüler dafür, den entsprechenden Erlass zu ändern - und Klassenarbeiten sowie Klausuren in diesem Schulhalbjahr für die Jahrgänge 5 bis 11, mit Ausnahme der Abschlussklassen, auszusetzen. Der Landesschülerrat unterstützt den Vorstoß zur Absage von Klassenarbeiten.

Der SPD-Politiker Tonne hatte zuvor ebenfalls eine Übergangsphase angemahnt und dazu aufgerufen, die Schüler nach ihrer Rückkehr nicht sofort mit Tests und Klausuren zu überhäufen. «Die Schule soll nicht mit Druck starten», sagte er. Der verpasste Stoff könne auch in den nächsten Schuljahren aufgeholt werden. Das Land hatte die regionale Inzidenz-Grenze für den Distanzunterricht von 100 auf 165 geschoben. Unterhalb des Werts greift das Wechselmodell mit geteilten Klassen.

«Das monatelange Distanzlernen war eine enorme Belastung. Was wir nun brauchen, ist eine ruhige Ankunft in der Schule - und keine Klassenarbeiten», betonte Florian Reetz, der Vorsitzende des Landesschülerrates. «Die psychischen Belastungen sollten mit dem Übergang ins Wechselmodell abgebaut werden. Wenn einige Schulen meinen, die zusätzlichen Präsenztage für mehr Leistungsdruck zu nutzen, dann ist das eindeutig der falsche Ansatz.»

Anlass für den offenen Brief war den Angaben zufolge, dass Lehrkräfte angekündigt hätten, mit der Rückkehr in den Präsenzunterricht schnell Klausuren und Klassenarbeiten anzusetzen. Die Schülerinnen und Schüler begrüßten es, wieder zur Schule gehen zu können, heißt es in dem Brief. Aber: Monatelange Isolation, gepaart mit «teils enormen Anforderungen durch Hausaufgaben, Videokonferenzen und Ersatzleistungen» hätten viele Schüler «sehr stark belastet. Viele sind am Rande ihrer Kräfte angelangt und befinden sich in einer schlechten psychischen Verfassung».

Schon in den vergangenen Wochen habe sich eine deutliche Zunahme an Onlineklausuren abgezeichnet - eine zusätzliche Belastung. Noten sollten sich aus den Leistungen im ersten Halbjahr, der Beteiligung im Homeschooling und der folgenden Präsenzzeit zusammensetzen.

Voller Präsenzunterricht an Schulen in Rheinland-Pfalz ab Mitte Juni

In zwei Stufen sollen alle Jahrgangsstufen zum gemeinsamen Unterricht in den Klassenräumen zurückkehren - bei einer Inzidenz unter 100. Das laufende Schuljahr könne so gemeinsam abgeschlossen werden, teilt Bildungsministerin Hubig mit.

Die Schulen in Rheinland-Pfalz sollen nach den Pfingstferien noch zwei Wochen im Wechselunterricht bleiben und dann wieder grundsätzlich zum Unterricht in den Klassenräumen zurückkehren. «Ab dem 21. Juni 2021 öffnen wir so viel wie möglich», teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Montag mit. «Danach findet für alle Klassen- und Jahrgangsstufen Präsenzunterricht statt, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in den kreisfreien Städten und Landkreisen stabil unter 100 liegt.»

Rheinland-Pfalz sei mit landesweit zurückgehenden Infektionszahlen auf einem sehr guten Weg, erklärte Hubig. Im Anschluss an die bis zum 2. Juni dauernden Pfingstferien seien daher zwei Öffnungsstufen vorgesehen. In einem ersten Schritt werde in allen Jahrgangsstufen der Wechselunterricht fortgesetzt, bis zum 18. Juni. Danach könnten alle Schülerinnen und Schüler bei einer Inzidenz von weniger als 100 000 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen in die Klassenräume zurückkehren. «Alle Schülerinnen und Schüler können das Schuljahr bis zu den Sommerferien so gemeinsam abschließen», teilte Hubig mit.

Diese Planungen seien mit den Experten der Universitätsmedizin Mainz abgestimmt, fügte die Ministerin hinzu. Das Vorgehen sei auch mit Personalräten, Landeselternbeirat und der Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler besprochen worden.

Der weit überwiegende Teil der Lehrkräfte wurde nach Angaben des Ministeriums mindestens einmal geimpft. Die Auswertung des Landesuntersuchungsamts habe bestätigt, dass die Hygienekonzepte an den Schulen «sehr wirksam» sind. Weiter bestehen bleibt die Testpflicht. «Das sind sehr gute Voraussetzungen dafür, dass wir ab dem 21. Juni noch mehr Präsenzunterricht anbieten können.»

Nach den Bestimmungen des Bundes findet Wechselunterricht statt, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Sieben-Tage-Inzidenz den Schwellenwert von 100 überschreitet. Ab einer Inzidenz von 165 muss Fernunterricht stattfinden.

Schulen wieder offen für alle - Rabe: Normal-Unterricht bald möglich

An Hamburgs Schulen sind mit Wochenstart alle Jahrgänge zurück in den Klassenräumen. Die Kinder und Jugendlichen aller Klassen werden in der Corona-Pandemie nun im Wechsel an den Schulen unterrichtet. 40 Prozent der rund 200 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen konnten bisher ausschließlich zu Hause lernen. Zudem wechseln die Hamburger Kitas vom Not- in den eingeschränkten Regelbetrieb. Damit können die Mädchen und Jungen an mindestens drei Tagen in der Woche eine Betreuung von 20 Stunden in Anspruch nehmen.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) hält indes mit Blick auf die sinkende Sieben-Tage-Inzidenz normalen Unterricht noch vor den Sommerferien für möglich. «Also, wenn das so weitergeht, dann kann ich mir das durchaus vorstellen. In einzelnen Bundesländern hat man ja schon solche Schritte gemacht. Aber wir müssen das nochmal genauer angucken», sagte Rabe am Sonntagabend dem Hamburg Journal des Norddeutschen Rundfunks. Die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, lag in Hamburg am Wochenende der Gesundheitsbehörde zufolge bei 53,2.

LKA: Drei Aktionen von Corona-Leugnern vor Schulen bekannt

Vor allem die Maskenpflicht im Unterricht ist Kritikern der staatlichen Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung ein Dorn im Auge. In Niedersachsen gab es vereinzelte Proteste.

Dem Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) sind im Mai drei Aktionen von Corona-Leugnern beziehungsweise Kritikern der pandemiebedingten Einschränkungen vor Schulen bekanntgeworden. In Hannover sei es zu Sachbeschädigungen an zwei Grundschulen gekommen, dort hätten Unbekannte Texte mit Corona-Bezug auf den Boden gesprüht, berichtete eine LKA-Sprecherin. In Peine seien vor einer Schule Zettel im Zusammenhang mit den Pandemie-Maßnahmen verteilt worden. Wie die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» vor einer Woche berichtete, hatten sich vor weiteren Schulen Kreide-Sprüche gefunden - etwa «Hände weg von unseren Kindern» oder «Masken machen krank». Seither seien keine ähnlichen Aktionen bekanntgeworden, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag in Hannover.

Vor kurzem hatte der niedersächsische Kinderschutzbund beklagt, dass Mädchen und Jungen von ihren Eltern auf Demonstrationen gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen instrumentalisiert würden. So sei im April bei einer nicht angemeldeten Demonstration von Maskenverweigerern in Cuxhaven ein Kleinkind in ein Handgemenge zwischen Teilnehmenden und Polizisten gezogen worden. Solche bewusst eingegangenen Kindeswohlgefährdungen seien nicht hinzunehmen, hieß es. Auch Jugendliche würden manipuliert. Bei Corona-Demos in der Vergangenheit etwa in Hannover waren Kinder als Redner aufgetreten.

Schulen und Kitas in MV öffnen wieder

Nach einem deutlichen Rückgang der Corona-Infektionszahlen öffnen am Montag die Schulen und Kindertagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern wieder. In den meisten Regionen haben die Kinder von Klasse eins bis sechs und die Schüler der Vor-Abschlussklassen täglich Präsenzunterricht. Für die anderen gibt es zunächst Wechselunterricht.

In den Landkreisen Ludwigslust-Parchim, Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald haben auch die Jüngeren diese Woche Wechselunterricht. Dort hatte am Stichtag Mittwoch die Inzidenz laut Robert Koch-Institut (RKI) noch über 100 gelegen. Seit Freitag liegt sie aber in allen Kreisen und kreisfreien Städten unter diesem wichtigen Wert. Wer in die Schule geht, muss sich zweimal die Woche testen.

Die Schulen und Kitas waren am 19. April geschlossen beziehungsweise auf Notbetrieb umgestellt worden, um die dritte Corona-Welle zu brechen. Nach vier Wochen können sie nun wieder öffnen. Das Schuljahr ist indes fast vorbei. In fünf Wochen beginnen die Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern. Die Schulen waren in der zweiten Corona-Welle bereits kurz vor Weihnachten geschlossen und im Februar/März schrittweise wieder geöffnet worden.

16.05.2021 

Baldauf plädiert für flächendeckende Nutzung von «Lolli-Tests»

In Kindertagesstätten und Grundschulen sollten «Lolli-Tests» nach Ansicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden Christian Baldauf flächendeckend eingeführt werden. «Spätestens nach den Pfingstferien müssen die Lolli-Tests flächendeckend im Einsatz sein», forderte der Fraktionschef im rheinland-pfälzischen Landtag am Wochenende. Bei den «Lolli-Tests» müssen Kinder auf den Teststäbchen wie auf einem Lolli 30 Sekunden lang herumlutschen.

Gerade für kleinere Kinder sei die «Lolli-Test»-Methode viel angenehmer als ein Nasen-Rachen-Abstrich, erklärte Baldauf. «Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrerinnen und Lehrern bringt sie Entlastung und neuen Schutz vor dem Virus zugleich.» Daher sollte die Landesregierung alle notwendigen und organisatorischen Maßnahmen zur Vorbereitung der «Lolli-Test»-Methode auf den Weg bringen. Einer größeren Verbreitung der «Lolli-Tests» stand bislang vor allem die fehlende Zulassung für Selbsttests im Weg.

15.05.2021 

Lockerungen für Schulen in Regionen mit niedriger Inzidenz

Schüler aus Regionen mit niedrigen Inzidenzwerten können sich auf Lockerungen einstellen. Die neue Corona-Verordnung des Landes sieht vor, dass Schüler bei einer Inzidenz von unter 50 in ihrem Stadt- oder Landkreis in allen Schularten wieder in den Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen gehen. Während das Abstandsgebot nicht mehr gilt, bleiben Test- und Maskenpflicht bestehen, wie das Kultusministerium am Samstag in Stuttgart mitteilte. Außerdem sind Tagesausflüge wieder zulässig.

Auch in Kommunen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 bis 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner gibt es Lockerungen: Hier kehren die Grundschulen, Grundschulförderklassen sowie die Grundstufen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und die Schulkindergärten zum Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen zurück. Für alle anderen Schularten bleibt es beim Wechselunterricht - mit der Aussicht auf mehr Präsenz nach den Pfingstferien.

Die Regelungen gelten zum 11. Juni. Die Schulen können sie schon vor den Pfingstferien vom 25. Mai bis 5. Juni umsetzen; sie müssen dies aber wegen der noch wenigen verbleibenden Tage bis zum Ferienbeginn und des damit einhergehenden Aufwandes nicht.

Weiter stellt das zuständige Gesundheitsamt fest, wann welche Öffnungsstufe greift. Die einzelnen Schritte treten dann am übernächsten Tag nach der Bekanntmachung in Kraft. Sie treten außer Kraft, wenn der Schwellenwert fünf Tage nacheinander unterschritten ist. In Kommunen mit einem Inzidenzwert von über 100 findet weiterhin Wechselunterricht statt, ab einem Wert von 165 ist selbst dieser untersagt und muss durch Fernunterricht ersetzt werden.

Für das Fach Sport ergibt sich eine Neuerung: Liegt der maßgebliche Inzidenzwert unter 100, ist Unterricht im Freien sowie innerhalb des Klassenverbands möglich. An allen weiterführenden Schulen findet der fachpraktische Sportunterricht bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 darüber hinaus ausschließlich kontaktarm statt. Ab einer Inzidenz von 100 ist Sportunterricht weiterhin untersagt.

Lehrerverband rechnet mit Regelbetrieb nach den Sommerferien

Die Corona-Zahlen sinken, die Impfquoten steigen. Viele Bereiche des öffentlichen Lebens bereiten sich auf Lockerungen vor. Und was ist mit den Schulen?

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, ist optimistisch, dass die Schulen nach den Sommerferien zum normalen Unterricht zurückkehren können. «Ich rechne damit, dass der dritten Welle keine vierte mehr folgen wird und das nächste Schuljahr bei anhaltend sinkenden Inzidenzen und weiteren Impffortschritten im Regelbetrieb starten kann», sagte Meidinger der «Welt» (Samstag).

Zumindest für die älteren Schüler gebe es eine reelle Chance, bis dahin geimpft zu sein. «Wir befürworten auch Impfaktionen an Schulen, um ein niedrigschwelliges Angebot für Schüler und Lehrkräfte zu schaffen», betonte Meidinger. Daran schließe sich aber die Frage an, wie der Schulbetrieb im Nebeneinander von geimpften und ungeimpften Schülern sowie Lehrkräften organisiert werden könne.

Dazu zählten Frage wie: «Was passiert, wenn Eltern nicht wünschen, dass ihr Kind von einem ungeimpften Lehrer unterrichtet wird? Dürfen ungeimpfte Schüler mit auf Klassenfahrt und in die Theatergruppe? Kann ich Geimpften das Tragen einer Maske abverlangen?»

Er rechne fest damit, dass es eine politische Debatte um eine Impfpflicht für Lehrkräfte geben werde, sagte Meidinger. Der Lehrerverband spreche sich zwar gegen eine Pflichtimpfung aus. Seiner Ansicht nach hätte der Staat bei verbeamteten Lehrkräften und entsprechender gesetzlicher Regelung aber wohl die Handhabe dazu.

Meidinger fordert, bereits jetzt Konzepte zu entwickeln, wie Lerndefizite aufgeholt werden könnten. «Wir brauchen noch vor den Sommerferien Lernstandserhebungen in den Kernfächern, um den Förderbedarf abschätzen zu können und entsprechende Beratungsgespräche mit den Eltern führen zu können.»

Insgesamt haben die knapp elf Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland laut des Lehrerverbands seit Beginn der Corona-Pandemie auf rund die Hälfte der Schulstunden im Präsenzunterricht verzichten müssen. Seit März 2020 seien durchschnittlich zwischen 350 und 800 Stunden Präsenzunterricht für jeden Schüler ausgefallen, sagte Meidinger der «Bild» (Samstag). «Das ist im Schnitt wohl ein halbes Schuljahr.»

Lehrerverband: Halbes Schuljahr Präsenzunterunterricht verloren

Die knapp elf Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben nach Angaben des Deutschen Lehrerverbandes seit Beginn der Corona-Pandemie auf rund die Hälfte der Schulstunden im Präsenzunterricht verzichten müssen. Seit März 2020 seien durchschnittlich zwischen 350 und 800 Stunden Präsenzunterricht für jeden Schüler ausgefallen, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der «Bild» (Samstag). «Das ist im Schnitt wohl ein halbes Schuljahr.»

Meidinger verlangte differenzierte Lösungen, um die entstandenen Lücken wieder zu schließen. Nötig seien verpflichtende Zusatzangebote im nächsten Schuljahr, nachmittags, aber auch am Wochenende und in den Ferien. «Das kann auch digitale Nachhilfe sein.» Noch wisse niemand, wo angesichts des Lehrermangels die zusätzlichen Kräfte für die Lernförderung herkommen sollen. «Ohne Lehramtsstudierende und Lehrkräfte, die schon in Rente oder Pension sind, wird es nicht gehen», warnte er.

14.05.2021

Dresdner Grundschulen öffnen wieder im eingeschränkten Regelbetrieb

Angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen dürfen die Grundschulen in Dresden wieder im eingeschränkten Regelbetrieb öffnen. Die Regelung gelte von Dienstag (18. Mai) an, teilte das Kultusministerium am Freitag mit. Der bisherige Wechselunterricht wird damit aufgehoben. Mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 gilt nicht mehr die Bundesnotbremse, sondern die Corona-Schutzverordnung des Landes. Diese sieht in diesem Fall Präsenzunterricht vor - allerdings in festen Gruppen und Klassen mit wenigen festen Lehrern.

Am Freitag lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen in der Landeshauptstadt bei 87,3. Für Kinderkrippen, Kindergärten und Horteinrichtungen verändert sich damit nichts. Diese sind ohnehin im eingeschränkten Regelbetrieb geöffnet.

Mehr als 40 Millionen für Schulbauförderung 2021

Um Schulen zu vergrößern, sie barrierefrei zu gestalten oder grundsätzlich zu sanieren, nimmt Thüringen in diesem Jahr 42,3 Millionen Euro in die Hand. Geplant seien weitere 14 Bauvorhaben an staatlichen und 3 an Schulen in freier Trägerschaft, teilte das Infrastrukturministerium am Freitag mit. Insgesamt hätten 16 von 33 staatlichen Schulträgern 30 Projekte zur Förderung angemeldet. Für diese Träger - Städte und Landkreise - stünden 37,23 Millionen Euro zur Verfügung. Die Gelder stammten größtenteils aus dem Thüringer Schulbauprogramm.

«Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Schulbetriebs während der Pandemie verdienen Thüringens Schülerinnen und Schüler mehr denn je ein gutes und modernes Lernumfeld und Lehrerinnen und Lehrer einen attraktiven Arbeitsplatz», sagte Infrastrukturstaatssekretärin Susanna Karawanskij. Bei den Investitionen gehe es auch darum, ländliche Räume als Wohn- und Lebensort für Familien attraktiver zu machen und gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu gewährleisten.

13.05.2021

Corona-Pandemie erschwert weiter die Vermittlung von Lehrstellen

Rein rechnerisch gibt es für jeden Jugendlichen in Sachsen mindestens ein freie Lehrstelle. Doch in Zeiten von Corona kann die Berufsberatung nicht wie gewohnt angeboten werden.

Die Corona-Krise erschwert nach Angaben der Arbeitsagentur jungen Leuten die Suche nach einer passenden Lehrstelle. «Corona und die damit verbundenen Unsicherheiten gestalten die Situation auf dem Ausbildungsmarkt schwierig», sagte Klaus-Peter Hansen, Chef der Arbeitsagentur in Sachsen, am Donnerstag in Chemnitz. Umso erfreulicher sei es, dass viele sächsische Unternehmen trotz der aktuellen Bedingungen auf Ausbildung setzen.

Laut Agentur sind derzeit noch 9420 Schüler auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Dem stünden 10 274 freie Lehrstellen gegenüber. Man sei aber mit dem Informations- und Beratungsangebot gut aufgestellt, so dass Betriebe und Jugendliche ohne Vertrag auch in unsicheren Zeiten zueinander finden könnten. Der Zugang zu ihnen sei jedoch in der Pandemie schwieriger. Sie seien derzeit mit ihrem Schulabschluss beschäftigt, zudem schränke der Lockdown persönliche Beratung ein.

«Daher appellieren wir, dass alle an einer Ausbildung interessierten jungen Menschen unsere Online-Angebote nutzen und sich bei der Jugendberufsagentur melden. Nur dann können wir die Lehrstellen möglichst passgenau vermitteln und dabei helfen, dass kein Jugendlicher verloren geht und möglichst viele Ausbildungsplätze passend besetzt werden», betonte Hansen.

«Schülerinnen und Schüler brauchen unter den aktuellen Bedingungen Orientierung und Beratung, damit der Übergang von der Schule in den Beruf gelingt», hob Hansen hervor. Momentan würden die Betriebe weniger Praktika anbieten. Deshalb habe die Arbeitsagentur noch mehr Online-Angebote auf den Weg gebracht, damit Jugendliche zu jeder Zeit und an jedem Ort ihre Stärken ausloten und Berufe näher kennenlernen können.

Sommerschulen sollen pandemiebedingte Lernrückstände auffangen

Inzwischen gibt auch der Kultusminister unumwunden zu, dass manche Schülerinnen und Schüler in der Pandemie den Anschluss verloren haben. Um Lernrückstände aufzuholen, soll deshalb zwei Wochen lang zusätzlicher Unterricht angeboten werden - in den Sommerferien.

Mit zwei Wochen zusätzlichen Unterrichts in den Sommerferien will das bayerische Kultusministerium die pandemiebedingten Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler auffangen. Über das freiwillige Angebot hinaus soll es auch an anderer Stelle mehr individuelle Förderung geben, etwa durch eine Differenzierung je nach Leistungsstand im Pflichtunterricht, geteilte Gruppen oder Zusatzkurse am Nachmittag. Zugleich sollen Aktivitäten wie Orchester, Chor oder Fußball-Schulmannschaften baldmöglichst wieder hochgefahren werden, um die sozialen Kompetenzen zu stärken.

Für bayerische Schüler ganz neu ist das Konzept der Sommerschulen. «Es sollen zwei Wochen in den Sommerferien sein, entweder zwei Wochen am Stück, oder eine Woche am Anfang der Ferien und eine am Ende. Das bleibt den Schulen vor Ort überlassen», sagte Piazolo der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in München. Dort würden vor allem Lücken in Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen geschlossen. Bei Bedarf könne es aber auch Angebote etwa zur beruflichen Orientierung, zur Persönlichkeitsbildung oder zu Lernstrategien geben.

Das Angebot sei freiwillig, schließlich hätten manche Familien schon Urlaubspläne, erläuterte Piazolo. Allerdings sei es das Ziel, dass gerade auch von den schwächeren Schülern möglichst alle die Sommerschulen besuchten. Der Unterricht dort soll von eigens angeworbenem Personal gestemmt werden, etwa durch pensionierte Lehrkräfte, Referendare oder Studierende. Für ein ebenfalls geplantes Tutorenprogramm erhofft sich Piazolo eine vierstellige Zahl von älteren Schülern, die den Jüngeren unter die Arme greifen.

In Summe stehen für das bereits in groben Zügen bekannte Förderprogramm, das auch Ferien-Angebote des Bayerischen Jugendrings beinhaltet, zunächst rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Der Großteil davon fließt in das Zusatz-Personal für die Sommerschulen. Die Zeit für Förderangebote während der normalen Unterrichtszeit sollen die regulären Lehrkräfte etwa durch den Wegfall von zu korrigierenden Schulproben gewinnen.

Die Organisation der Förderangebote - auch klassenübergreifende Kurse oder in Einzelfällen auch Kooperationen mehrerer Schulen sind denkbar - liegt dabei in den Händen der jeweiligen Schulen. Sie sollen dafür ein individuelles Budget bekommen. Das Kultusministerium unterstützt sie bei der Gewinnung von Personal unter anderem mit einem Bewerberportal.

12.05.2021

Gericht: Testpflicht an Schule rechtswidrig - Beschwerde der Behörde

Ein Grundschüler muss sich nach einer Entscheidung des Hamburger Verwaltungsgerichts nicht an seiner Schule auf Corona testen lassen, um am Präsenzunterricht teilnehmen zu dürfen. Es reiche ein negatives Ergebnis aus einem anerkannten Schnelltestzentrum, das maximal 24 Stunden alt sei, heißt es in dem Beschluss vom 29. April (Az. 2 E 1710/21). Die Schulbehörde hat gegen die Eil-Entscheidung Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt, wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch sagte. Der Schüler hatte sich zu Hause testen lassen und der Schule nur das Ergebnis mitteilen wollen. Einen solchen Selbsttest akzeptierte das Verwaltungsgericht nicht.

Seit dem 6. April müssen sich Schüler in Hamburg mindestens zweimal pro Woche unter Aufsicht an der Schule testen, wenn sie am Präsenzunterricht teilnehmen wollen. Als einzige Alternative ist ein PCR-Test erlaubt, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts verletzt die Testpflicht an der Schule den Datenschutz, zumindest wenn ein Test positiv ausfällt und das Ergebnis an das Gesundheitsamt weitergeleitet werden muss. «Die derzeitige Ausgestaltung der testabhängigen Zugangsbeschränkung verstößt nach summarischer Prüfung (…) gegen die Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung», heißt es in dem Beschluss. Die Datenerhebung setze Freiwilligkeit voraus. Die Alternative Homeschooling bedeute aber einen Nachteil für den Schüler, er könne sich darum nicht freiwillig entscheiden.

Bund fördert Frischluft-Klimaanlagen in Kitas und Grundschulen

Das Bundeswirtschaftsministerium will künftig beim Neueinbau von stationären Frischluft-Klimaanlagen in Kindergärten und Grundschulen den Großteil der Kosten übernehmen. Wie Kanzleramtschef Helge Braun per Twitter mitteilte, fördere das Ministerium den Neueinbau in Kindergärten und Grundschulen ab sofort zu 80 Prozent. «Gut gegen #Corona und auch langfristig ist gute Raumluft gut fürs "Lernklima"! ToDo: In den Sommerferien einbauen!», twitterte der CDU-Politiker.

Hintergrund ist laut Wirtschaftsministerium eine Erweiterung der Bundesförderung coronagerechter Um- und Aufrüstung von stationären raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) um den Neueinbau in Einrichtungen für Kinder unter zwölf Jahren, die das Kabinett am Mittwoch beschlossen habe. Die Erweiterung diene der besseren Pandemiebekämpfung, hieß es. Für den Infektionsschutz sei Frischluftzufuhr sehr wichtig – gerade bei Kindern unter zwölf Jahren, weil diesen derzeit noch kein Impfangebot gemacht werden könne.

Bei den Schulen würden alle berücksichtigt, in denen Kinder unter zwölf Jahren unterrichtet werden – auch wenn außerdem ältere Schüler an den Schulen seien. Das Ministerium wolle nun «mit Hochdruck» an der Novellierung der Richtlinie arbeiten.

Saarland passt Regeln für Schulen an - «Fördern statt Sitzenbleiben»

Wegen des stark von der Corona-Pandemie geprägten Schuljahrs hat das saarländische Bildungsministerium die Regelungen für die anstehenden Entscheidungen über Versetzungen angepasst. «Der Grundsatz lautet hierbei "Fördern statt Sitzenbleiben"», sagte Ministerin Christine Streichert-Clivot am Mittwoch einer Mitteilung zufolge. Im vergangenen Schuljahr habe man unter anderem die Versetzungsentscheidungen ausgesetzt. «Eine solche pauschale Regelung gibt es im laufenden Schuljahr nicht. Alle Schulen treffen Versetzungsentscheidungen», kündigte die SPD-Politikerin an.

Bei versetzungsgefährdeten Kindern soll geprüft werden, was im Einzelfall sinnvoll ist: der Gang in die nächsthöhere Stufe oder eine Wiederholung. «Alle Schülerinnen und Schüler sollen von ihren Lehrkräften in ihren unterschiedlichen Lernbedürfnissen individuell in den Blick genommen werden.» Vor einer Entscheidung werden die Schulen demnach Beratungsgespräche auch mit den Eltern anbieten. Bei diesen Gesprächen könnten die verschiedenen Möglichkeiten des Kindes in den Blick genommen werden, erklärte Streichert-Clivot.

Auch neue Kultusministerin Schopper ist gegen kürzere Sommerferien

Auch die neue baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) ist gegen kürzere Sommerferien, um pandemiebedingte Wissenslücken im Unterricht aufzuholen. «Die Schulzeit war jetzt nicht so, dass man digital zu Hause war und hat da entspannt die Füße aufs Sofa gelegt», sagte sie am Mittwoch dem Südwestrundfunk (SWR). Die Zeit des Online- und Wechselunterrichts sei sogar sehr anstrengend für alle Beteiligten gewesen. Deshalb bräuchten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer und Eltern eine Zeit der Erholung.

Auch Unterricht an Samstagen erteilte sie eine Absage: «Es ist so, dass die Leute mehr oder weniger am Rande ihrer Kräfte sind», sagte Schopper, die zuletzt Staatsministerin und zuvor bayerische Grünen-Chefin war.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatten den Vorschlag ebenfalls kritisiert. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte eine Verkürzung dagegen Anfang März für durchaus denkbar gehalten. «Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen», hatte der Grünen-Regierungschef dem «Mannheimer Morgen» gesagt.

Abiturienten beginnen mit der ersten schriftlichen Prüfung

Jetzt wird es ernst: Am Mittwoch schreiben rund 35 000 Schülerinnen und Schüler in Bayern ihre erste schriftliche Abiturprüfung. Nach dem Test im Fach Deutsch folgen am 18. Mai Mathe und am 21. Mai ein weiteres Fach. Die mündlichen Prüfungen in zwei zusätzlichen Fächern stehen dann am 7. und 18. Juni an. Über allem hängt die Frage: Ist das Abitur auch heuer, mitten im zweiten Pandemie-Schuljahr, fair und gerecht?

Unter anderem Landesschülersprecher Moritz Meusel hatte kritisiert, dass manche Jugendliche vor den Prüfungen monatelang kein Schulgebäude mehr von innen gesehen hatten, während andere seit Februar im Wechsel- oder gar Präsenzunterricht waren. Auch seien Schüler aus ärmeren Familien zusätzlich benachteiligt, weil sie sich keine Nachhilfe leisten konnten.

Das Kultusministerium hingegen sieht faire und vergleichbare Rahmenbedingungen gegeben. Den besonderen Umständen sei unter anderem durch eine Eingrenzung der Prüfungsinhalte und der Verschiebung des Prüfungstermins um zwei Wochen Rechnung getragen worden.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zeigte sich zuversichtlich, dass auch die diesjährigen Abiturienten die Prüfungen meistern werden. «Dafür wünsche ich Ihnen den Mut, auf Ihre Fähigkeiten zu vertrauen, gute Nerven und das nötige Quäntchen Glück!»

11.05.2021 

Landesregierung lockert mehrere Corona-Einschränkungen

Bei der Ankündigung der Kita-Schließungen vor rund einem Monat, lag die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 150. In den vergangenen Wochen hat sich dieser Wert etwa halbiert. Nun soll unter anderem bei Kitas und Schulen im Nordosten wieder mehr möglich sein.

Die Corona-Regelungen in Kitas und Schulen in Mecklenburg-Vorpommern werden von kommendem Montag an gelockert. Das kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstagabend in Schwerin an. Damit wird teils Präsenz-, teils Wechselunterricht möglich. Wer in die Schule geht, muss sich zweimal pro Woche testen. Am 21. Juni beginnen die Sommerferien. Von Montag an können ebenfalls Kitas landesweit wieder öffnen. Laut Bundesinfektionsschutzgesetz müssen Kitas und Schulen schließen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt bei mehr als 165 liegt. Das ist derzeit in keiner Region Mecklenburg-Vorpommerns der Fall.

Wegen deutlich gestiegener Corona-Infektionszahlen hatte die Landesregierung Kitas und Schulen im Bundesland vor rund einem Monat grundsätzlich geschlossen. Schwesig hatte stets betont, dass die Regelungen in Schulen und Kitas als erstes wieder gelockert werden sollen, wenn die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei weniger als 100 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche liegt. Am Dienstag lag dieser Wert bei 77,7, vor einer Woche bei 105,7. Bei einer Inzidenz unter 100 wird für Schüler der Klassen 1 bis 6 und Abschlussklassen Präsenzunterricht, für die anderen Jahrgänge Wechselunterricht möglich.

Die Außen- und Innengastronomie in Mecklenburg-Vorpommern kann von Pfingstsonntag an wieder öffnen. Zwei Tage danach sollen viele derzeit noch geschlossene Geschäfte im Bundesland wieder öffnen können. Am 25. Mai sollen ebenfalls weitere körpernahe Dienstleistungen wie Kosmetikstudios wieder ihren Betrieb aufnehmen dürfen.

Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern wird am 7. Juni für Einwohner des Landes und am 14. Juni für Gäste aus den anderen Bundesländern geöffnet. Ab sofort könne gebucht werden, sagte Schwesig.

NRW-Grüne für flexiblen Start ins Ausbildungs- und Studienjahr 2021

Düsseldorf (dpa/lnw)Die Grünen in Nordrhein-Westfalen fordern, den Beginn des Ausbildungsjahres für Azubis sowie den Start des Wintersemesters für Studienanfänger in diesem Jahr zu verschieben. «Wir müssen jetzt den Druck aus dem Kessel nehmen und ihnen Zeit geben, Erfahrungen nachzuholen und Stoff nachzuarbeiten», sagte Landesparteichefin Mona Neubaur dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Mittwochausgabe). Coronabedingt sollte sowohl bei den Azubis als auch bei Studienanfängern Flexibilität und eine Verschiebung des Starts «eventuell um ein paar Monate» ermöglicht werden. 

Lehrer werden wegen Corona-Maßnahmen öfter beleidigt oder bedroht

Lehrkräfte und Schulleitungen sind laut einer Umfrage wegen ständiger Änderungen und zahlreicher Schutzmaßnahmen in der Corona-Pandemie nicht selten mit Angriffen konfrontiert. Etwa jeder fünften Lehrkraft - 21 Prozent - in NRW seien Beschimpfungen, Belästigungen, Bedrohungen oder Diffamierungen von Beschäftigten an der eigenen Schule bekannt geworden. Und 7 Prozent der befragten Pädagogen gaben an, selbst in einem direkten Kontakt Ziel einer solchen Form von psychischer Gewalt gewesen zu sein. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).

Bundesweit waren 1501 Lehrerinnen und Lehrer befragt worden, darunter 329 in NRW. Gefragt nach psychischer Gewalt über das Internet, gaben 25 Prozent an, dass diese an ihrer Schule aufgetreten seien. Und 5 Prozent waren selbst Ziel derartiger Attacken via Internet. Die NRW-Befunde weichen laut VBE kaum von den bundesweiten ab. Als Urheber der Angriffe nannten die Befragten überwiegend Eltern.

Schulleitungen haben den Angaben zufolge dabei etwa Briefe - in vielen Fällen Musterschreiben aus dem Internet - erhalten, in denen mit rechtlichen Konsequenzen gedroht werde. Es seien Plakate oder Schmierereien mit Aufschriften wie «Ihre Tage sind gezählt» an Schulgebäuden gemeldet worden.

Von sogar körperlicher Gewalt - etwa Tritte oder Stöße - berichteten drei Prozent der Befragten. Schulpersonal dürfe nicht zum Blitzableiter für angestauten Ärger werden, mahnte der Verband. Die Lage für die Schulen sei schwierig. Jede vierte Lehrkraft in NRW sehe fehlende Planbarkeit und einen ständigen, kurzfristigen Politikwechsel als das derzeit größte Problem an.

10.05.2021 

Gymnasien bieten Schnelltests vor Abiturprüfungen an

Um die Abiturprüfungen ihrer Gymnasiasten sicherzustellen, bieten die Städte Nürnberg und Würzburg nach eigenen Angaben Schnelltests an. Demnach können Schüler am Tag vor ihrer jeweiligen Prüfung einen Schnelltest machen lassen. Sollte dieser positiv ausfallen, folge ein PCR-Test, der mit Priorität ausgewertet werden soll, so dass der Betreffende im Falle eines falsch positiven Schnelltests doch am nächsten Tag zur Prüfung antreten kann.

Das Angebot werde - je nach Infektionslage und kultusministeriellen Vorgaben - bei Bedarf auch für die Abschlussprüfungen von FOS/BOS, Real- und Mittelschulen gelten, hieß es am Montag aus Nürnberg.

Sommerkurse für Schüler geplant

Thüringer Schüler sollen in den Sommerferien Kurse besuchen können, um Lernrückstände aufzuholen. Die Kurse sollen von «externen Partnern» angeboten werden, wie das Thüringer Bildungsministerium mitteilte. Details zu den Plänen will Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag (ab 12.30 Uhr) bekannt geben. Zuvor hatten mehrere Bildungspolitiker ein Konzept gefordert, wie Lernrückstände bei Kindern und Jugendlichen, die durch Unterrichtsausfall oder das Distanzlernen während der Corona-Pandemie entstanden sind, aufgeholt werden sollen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte bereits im März ein großes Nachholprogramm für Schülerinnen und Schüler angekündigt und eine «nationale Kraftanstrengung» gefordert. Vergangene Woche brachte das Bundeskabinett ein solches zwei Milliarden Euro schweres Programm auf den Weg. Karliczek forderte aber am Sonntag die Länder auf, dieses Programm noch aufzustocken.

Thüringens Finanzämter nahmen im vergangenen Jahr rund 7,4 Milliarden Euro an Steuern ein - und damit 267 Millionen Euro weniger als noch im Jahr zuvor. Der Rückgang beträgt nach Zahlen des Finanzministeriums 3,48 Prozent. Details dazu will Finanzministerin Heike Taubert (SPD) am Dienstag in einer Bilanz vortragen.

Für viele Schüler in Bayern dieses Schuljahr keine Schulaufgaben mehr

Diese Nachricht dürfte in vielen Kinderzimmern - und auch bei vielen Eltern und Lehrern - Jubel auslösen: Keine Schulaufgaben mehr in diesem Schuljahr. Priorität hat nun erst einmal etwas anderes.

An Realschulen, Gymnasien und Wirtschaftsschulen in Bayern werden in diesem Schuljahr keine Schulaufgaben mehr geschrieben - die sogenannten großen Leistungsnachweise entfallen. Ausgenommen davon sind lediglich Abschlussklassen, die elfte Klasse an Gymnasien und die Oberstufe der Beruflichen Oberschulen - dort kann es theoretisch noch Schulaufgaben geben. Das teilte das Kultusministerium am Montag in München mit.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) begründete die Entscheidung damit, dass viele Schülerinnen und Schüler erst jetzt in den Präsenz- beziehungsweise Wechselunterricht zurückkehrten, dank sinkender Inzidenzwerte und des neuen Grenzwerts 165. Deshalb betonte er: «Der Fokus wird hier in den kommenden Wochen ganz klar auf der Sicherung von Basiswissen und grundlegenden Kompetenzen liegen. Unsere Schülerinnen und Schüler müssen sich erst wieder einfinden. Zeitdruck und übermäßigen Leistungsdruck wollen wir dabei vermeiden.»

An den Schulen, an denen die Zahl der großen Leistungsnachweise vorgegeben sei, fänden deshalb in diesem Jahr keine Schulaufgaben mehr statt. «Wir wollen auch heuer am Schuljahresende ein aussagekräftiges Feedback zum Leistungsstand - aber keinen übermäßigen Druck durch zu viele Leistungsnachweise», sagte Piazolo. «Selbst wenn nur noch eine Schulaufgabe pro Fach geschrieben würde, käme es vielfach zu einer Ballung - und die wollen wir verhindern.» Sogenannte kleine Leistungsnachweise könne es aber überall noch geben, schriftlich und mündlich, «freilich auch hier mit Augenmaß». An anderen Schularten, beispielsweise der Mittelschule, haben die Lehrkräfte laut Kultusministerium ohnehin größere Spielräume.

Piazolo begrüßte die Schulöffnungen auf breiter Front. «Ich freue mich, dass damit ein Stück Alltag in unsere Familien zurückkehrt», sagte er und räumte ein: «Mehr als fünf Monate ohne regelmäßigen Schulbesuch waren und sind für viele eine große Herausforderung.»

Piazolo kündigte zudem weitere Anpassungen an, Richtung Schuljahresende und auch mit Blick auf das kommende Schuljahr. «Die Corona-Auswirkungen werden den Schulbetrieb noch länger prägen», sagte er. «Wir werden daher auch heuer beim Vorrücken auf Probe großzügig sein, ein Wiederholen nicht auf die Höchstausbildungsdauer anrechnen und weiterhin Schwerpunkte im Lehrplan setzen.» Sein oberstes Ziel sei es aber, die Schülerinnen und Schüler so rasch wie möglich in einen normalen Schulalltag zurückzubringen, «am besten so bald wie möglich mit vollem täglichem Präsenzunterricht für alle».

Kurz vor Abitur - Schülersprecher kritisiert Prüfungsbedingungen

Kurz vor Beginn der Abiturprüfungen hat Bayerns Landesschülersprecher Moritz Meusel die schwierigen Prüfungsbedingungen kritisiert. So müssten die Schulen bei den schriftlichen Prüfungen Räume für Getestete, Ungeteste und Abiturienten in Quarantäne vorhalten, sagte Meusel im Interview mit dem Sender Bayern 2. Der organisatorische Aufwand für Lehrer und Schüler sei gewaltig.

Auch bemängelte der 18-Jährige in dem Interview, dass Schülerinnen und Schüler, die aufgrund hoher Inzidenzwerte monatelang im Fernunterricht waren, wesentlich schlechter auf das Abitur vorbereitet worden seien als diejenigen, die lange in die Schule gehen konnten. Schüler aus ärmeren Familien seien zusätzlich benachteiligt gewesen, weil sie sich keine Nachhilfe leisten konnten.

Außerdem kritisierte der aus dem Landkreis Bamberg stammende Moritz Meusel, dass der Lernstoff für das Abitur trotz der schwierigen Situation kaum reduziert worden sei: «Es gab ein bisschen Zeit on top, es wurde insgesamt ein bisschen Stoff gestrichen, aber für uns ist es deutlich zu wenig.»

Lolli-Testungen an Grund- und Förderschulen in NRW begonnen

Grund- und Förderschüler in ganz Nordrhein-Westfalen mussten am Montagmorgen ihre Test-Wattestäbchen nicht mehr in die Nase stecken, sondern in den Mund. Die sogenannten Lolli-Tests sind leichter zu handhaben und empfindlicher als die bisherigen Schnelltests.

In den Grund- und Förderschulen Nordrhein-Westfalens haben am Montag flächendeckende Corona-Tests mit der Lolli-Methode begonnen. Die Tests werden Lolli-Tests genannt, weil die Schülerinnen und Schüler dabei 30 Sekunden lang auf einem Teststäbchen wie auf einem Lolli herumlutschen. Die Testung geschieht zunächst gruppenweise. Die Proben werden in landesweit zwölf Laboren nach dem PCR-Verfahren ausgewertet. Erst wenn eine Gruppe positiv getestet wurde, werden Einzeltests der Gruppenmitglieder vorgenommen. Die Testergebnisse sollen bis spätestens 06.00 Uhr am Folgetag vorliegen.

Mit dem Test sollen alle mehr als 730 000 Schülerinnen und Schüler der knapp 3800 Grund- und Förderschulen zwei Mal pro Woche in ihrer jeweiligen Lerngruppe auf das Coronavirus getestet werden. Die Anwendung der Tests gilt als leichter für Schüler. Außerdem sind sie empfindlicher als die bisherigen Schnelltests. «Die Lolli-Tests werden uns dabei helfen, Infektionen frühzeitiger als mit Selbsttests zu entdecken und Infektionsketten von vornherein in Schulen zu unterbrechen», hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gesagt.

«Grundsätzlich ist diese Testung viel einfacher als die andere», sagte die Klassenlehrerin Kamuran Turan (34) von der Maria-Kunigunda-Grundschule der Deutschen Presse-Agentur in Essen am Montagmorgen. Die Schnelltests hätten Kinder teilweise nicht hinbekommen. «Hier können sie nicht viel falsch machen.»

 

 

09.05.2021 

Erste Millionen für «Extra-Zeit zum Lernen» bewilligt

Damit Schüler Lernrückstände durch Corona ausgleichen können, haben die Bezirksregierungen in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen beiden Monaten 3,3 Millionen Euro für außerschulische Bildungs- und Betreuungsangebote bewilligt. Das Geld fließe in rund 1500 Maßnahmen, teilte das Schulministerium am Sonntag mit. Es hatte für das Programm «Extra-Zeit zum Lernen», das von März 2021 bis Sommer 2022 laufen soll, insgesamt 36 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

«Unser Ziel ist, dass keiner Schülerin und keinem Schüler durch die Pandemie Nachteile für den weiteren Bildungsweg entstehen dürfen», sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) laut Mitteilung. Die Zahlen für März und April zeigten, dass das Angebot auf großes Interesse stoße.

08.05.2021 

Karliczek fordert finanzielle Länder-Beteiligung an «Aufholprogramm»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat die Länder aufgefordert, eigenes Geld zum «Aufholprogramm» des Bundes für Kinder in der Corona-Krise beizusteuern. Das Bundesgeld sei nur der erste Schritt, um gerade die Lernrückstände abzubauen, sagte Karliczek der «Rheinischen Post» (Samstag). «Da Bildung in der Verantwortung der Länder liegt, vertraue ich darauf, dass die Länder ebenfalls erhebliche eigene Anstrengungen unternehmen werden.»

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch ein zwei Milliarden Euro schweres Corona-«Aufholprogramm» für Kinder und Jugendliche beschlossen. Das Programm besteht aus zwei Säulen: Rund eine Milliarde Euro sollen in Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler gesteckt werden. Eine weitere Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Projekte vorgesehen, die Kinder, Jugendliche und Familien unterstützen, um auch in diesem Bereich Krisenfolgen abzufedern. Das Geld soll in diesem und im nächsten Jahr fließen und die Folgen der Corona-Maßnahmen bestmöglich abfedern.

Wenn nach den Sommerferien mit dem Programm begonnen werden soll, müssen die Vorbereitungen der Ministerin zufolge jetzt rasch starten. Die Länder seien nun gefragt. «Idealerweise sollten auch bereits die kommenden Sommerferien genutzt werden», so Karliczek.

07.05.2021 

Senat will Hamburgs Schulen für alle Schüler öffnen

Seit gut fünf Monaten dürfen viele Schüler coronabedingt gar nicht mehr in ihre Klassen. Doch das soll nun ein Ende haben. Bleibt die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100, kommt nach den Mai-Ferien die Wende.

Hamburgs rot-grüner Senat will die Schulen der Hansestadt nach Ende der Mai-Ferien wieder für alle Schüler öffnen. Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen sollen vom 17. Mai an im Wechselunterricht in die Schule dürfen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen fünf Werktage hintereinander unter 100 bleibe, teilte die Schulbehörde am Freitag im Anschluss an eine Sondersitzung des Senats mit.

Bereits Ende April hatte die Hansestadt angekündigt, dass Hamburgs Fünft- und Sechstklässler nach den Mai-Ferien wieder im Wechselunterricht in die Schulen dürfen. Begründet wurde das damit, dass mit Beginn der Abiturprüfungen Spielraum für eine weitere vorsichtige Öffnung sei.

Seit Mitte März sind bereits die Grund- und Sonderschüler sowie die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen im Wechselunterricht. Das heißt, dass die Schülerinnen und Schüler die Hälfte aller Unterrichtsstunden in einer halbierten Klassengruppe in der Schule lernen, die andere Hälfte zu Hause im Distanzunterricht. Der neue Öffnungsschritt soll nun ausdrücklich auch für die Jahrgangsstufen gelten, die bislang vom Präsenzunterricht ausgeschlossen waren.

Derzeit dürfen nach Angaben der Schulbehörde rund 60 Prozent der
rund 200 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen im Wechselunterricht lernen, rund 40 Prozent lernen dagegen ausschließlich zu Hause. «Ich freue mich, dass wir die jetzt entstehenden Spielräume nutzen und Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler in allen Jahrgangsstufen ermöglichen können», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD).

Gerade jüngere Schülerinnen und Schüler seien auf die Begleitung und Anleitung durch Lehrkräfte und Pädagogen angewiesen und brauchten die Schule «als Ort des sozialen Lernens, als Begegnungsstätte mit Gleichaltrigen und als Struktur für ihren Tagesrhythmus», betonte Rabe. In Hamburgs Schulen gelten strenge Sicherheitsregeln. Schüler müssen zwei Mal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen, Lehrer und andere Schulbeschäftigte sogar drei Mal pro Woche. Außerdem herrscht auch im Unterricht Maskenpflicht.

Die Präsenzpflicht bleibt weiterhin aufgehoben. Sollten Eltern beispielsweise aufgrund erheblicher gesundheitlicher Risiken im Familienkreis Bedenken gegen den Wechselunterricht haben, können ihre Kinder auch weiterhin im reinen Distanzunterricht zu Hause lernen. «Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass weniger als zwei Prozent aller Eltern von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen», berichtete die Schulbehörde.

Ministerin Ernst: Sitzenbleiben trotz Pandemie-Bedingungen möglich

Das Sitzenbleiben in der Schule ist laut Brandenburger Bildungsministerium in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie nicht ausgeschlossen. Inzwischen gebe es eine andere Regelung als im vergangenen Jahr, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Freitag im Bildungsausschuss des Landtages, daher könnten Leistungen im Distanzunterricht bewertet werden.

In den ersten Monaten der Pandemie im vergangenen Jahr sei der Distanzunterricht der Schüler nicht bewertet worden, da es keine rechtliche Regelung gegeben habe. Das habe zu großer Kritik geführt, sagte Ernst. Gerechterweise wollten die Schüler, dass ihre Leistungen anerkannt werden. Deshalb sei das Verfahren umgestellt worden.

«Es ist schwieriger, im Wechselunterricht oder im monatelangen Distanzunterricht Schülerleistungen zu bewerten», sagte sie. «Nur im Umkehrschluss zu sagen, wir verzichten in einem Jahr komplett auf eine Leistungsbewertung, halte ich für falsch», sagte die Ministerin.

Die Linken-Landtagsabgeordnete Kathrin Dannenberg hatte zuvor gefordert, dass alle Kinder versetzt werden. Bewertungen in Form von Noten solle es bis zu den Sommerferien nicht geben, mit Ausnahme der Abschlussklassen. Die Lehrkräfte sollten in den Zeugnissen auf die Kompetenzen der Kinder eingehen und deren positive Entwicklung deutlich machen. Sie sei überzeugt, dass eine Vergleichbarkeit derzeit überhaupt nicht möglich sei, sagte Dannenberg. «Da sind Bewertungen in Form von Zensuren nicht angebracht», sagte sie.

Keine Kraft mehr: So überleben Familien das Homeschooling

Bei den einen läuft es ganz okay, bei anderen gar nicht. Richtig Lust auf Homeschooling hat aber keiner mehr. Was Familien jetzt noch retten kann.

Seit Monaten mühen sich Familien jetzt durchs Homeschooling. Motivation? In vielen Haushalten nicht mehr vorhanden. Was also tun?

Familiencoach Kira Liebmann rät dazu, sich nicht so sehr auf die Lernsituation zu konzentrieren, sondern vor allem aufs Drumherum. «Wenn man es schafft, außerhalb des Schulkontextes eine entspannte Atmosphäre entstehen zu lassen, ist viel gewonnen.» Am wichtigsten sei dabei, dass Jugendliche genügend Ausgleich neben dem Lernen vor dem Bildschirm haben.

Konkret heißt das: eine Pausenstruktur schaffen. «Timer stellen, maximal 25 Minuten lernen, dann 5 Minuten Pause einlegen.» Kinder können sich etwa doppelt so lange konzentrieren, wie sie alt sind - ein 15-Jähriger somit 30 Minuten.

Was außerdem den Alltag erleichtert: bestimmte Zeiten am Tag festlegen, an denen man mit seinem Kind über Schulthemen spricht - und wann eben nicht mehr. «Ab 16 Uhr geht es dann meinetwegen um nichts Schulisches mehr.»

Kira Liebmann hat für Eltern einen weiteren Tipp: Oft kriegen wir Erwachsenen jetzt viel unmittelbarer mit, wie sich das Kind im Unterricht verhält. Ob es aufmerksam zuhört zum Beispiel, oder ob es sich meldet. «Das verleitet dann dazu, sich aus dem Hintergrund einzumischen: 'Du musst mehr mitmachen.'» Das sorge aber oft für Spannungen. Besser sei deshalb, Augen und Ohren zuzuklappen und seinen Kindern die Schule zu überlassen.

Und selbst, wenn Jugendliche in einer ausgeprägten «Das ganze Homeschooling interessiert mich überhaupt nicht»-Phase stecken: Was ist das Schlimmste, was jetzt passieren kann? «Im Zweifel wiederholen sie das Jahr eben noch mal, da müssen sie dann durch», sagt Liebmann.

06.05.2021

Gericht: Pflicht von Lehrern zur Aufsicht von Selbsttests rechtens

Lehrerinnen und Lehrer dürfen verpflichtet werden, an Schulen Corona-Tests zu beaufsichtigen. Dies hat das Verwaltungsgericht Münster in einem Donnerstag veröffentlichten Eilbeschluss entschieden (Az.: 5 L 276/21 vom 3. Mai). Geklagt hatte eine im Kreis Coesfeld tätige Lehrerin. Sie hatte sich gegen ihre Verpflichtung gewehrt, die Schülerinnen und Schüler an ihrer Schule bei der Anwendung von Selbsttests anzuleiten und zu beaufsichtigen.

Sie hatte laut Gericht argumentiert, damit zu einer Tätigkeit verpflichtet zu werden, die außerhalb ihrer Ausbildung, ihres Berufsbildes und ihrer Qualifikation liege. Vielmehr sei dies als Tätigkeit auf dem allgemeinen staatlichen Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege anzusehen. Auch sei sie nicht geimpft und deshalb bei der Aufsicht einer ihr nicht zumutbaren Gesundheitsgefährdung ausgesetzt.

Das Gericht sah das anders. Die Anweisung zur Beaufsichtigung der Schüler verletze die Lehrerin nicht in ihren Rechten. Aus dem beamtenrechtlichen Anspruch auf Fürsorge durch den Dienstherrn ergebe sich kein Anspruch darauf, an der Schule eine «Nullrisiko-Situation» anzutreffen. Ein allumfassender Gesundheitsschutz während einer pandemischen Lage könne nicht sichergestellt werden.

Die Lehrerin habe außerdem nicht glaubhaft gemacht, dass sie bei der Aufsicht einer ihr nicht zumutbaren Gesundheitsgefährdung ausgesetzt sei. Die konkrete Ausgestaltung der Aufsicht reduziere das Risiko einer Erkrankung auf ein für die Antragstellerin hinnehmbares Maß. Auch die Beratungs-, Betreuungs- und Aufsichtspflicht von Lehrern umfasse die Durchführung von Selbsttests. Von einer Tätigkeit im Bereich der allgemeinen Gesundheitspflege könne keine Rede sein.

Der Beschluss ist nicht rechtskräftig. Die Lehrerin kann dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen.

Kritik und Verteidigung - Übertrittszeugnisse spalten Meinung

Einen Tag vor Verleihung der Übertrittszeugnisse im Freistaat hat das für die weitere Schullaufbahn von Viertklässlern richtungsweisende Verfahren für Kritik gesorgt. «Das sogenannte Grundschulabitur terrorisiert in Bayern seit Jahren Kinder, Eltern und Lehrpersonen. Es gehört endlich abgeschafft», forderte etwa die SPD-Landtagsfraktion. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband betonte am Donnerstag: «Von einer fairen und vergleichbaren Ermittlung der immer noch notwendigen Notendurchschnitte kann in diesen Zeiten beim besten Willen nicht mehr die Rede sein.»

In Bayern wird ein bestimmter Durchschnitt der Noten in den drei Hauptfächern benötigt, um nach der Grundschule auf das Gymnasium oder die Realschule gehen zu dürfen. Dies führe zu einem enormen Notendruck, bemängelten die Kritiker. Nach vielen Wochen mit Distanz- und Wechselunterricht sowie völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in den einzelnen Schulen und Familien seien eine Vergleichbarkeit und eine faire Beurteilung gar nicht möglich.

Der bayerische Philologenverband, Vertreter der Gymnasiallehrkräfte, hält hingegen das Festhalten am Übertrittszeugnis auch im Corona-Ausnahmeschuljahr für «sinnvoll und pädagogisch». Die Lehrkräfte an den Grundschulen wüssten sehr genau, wer für welche weiterführende Schule infrage komme. «Und diese Beurteilung muss auf validen Noten basieren, diese sind der beste und sicherste Indikator für den späteren schulischen Erfolg», erläuterte der Vorsitzende Michael Schwägerl.

Ernst hofft zum neuen Schuljahr auf Impfung für Schulkinder

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) setzt für das kommende Schuljahr auf Corona-Impfungen für Schulkinder. «Wir werden nach dem Sommer, so hoffe ich, auch Kinder ab zwölf Jahren impfen können», sagte Ernst der «Märkischen Oderzeitung» (Donnerstag). «Mit der Impfung der Lehrkräfte und der verpflichtenden Teststrategie macht das die Schulen noch sicherer.» Die geplanten Nachhilfeprogramme zum Aufholen der Lernrückstände wegen der Schulschließungen könnten nur im Präsenzunterricht greifen.

Zur Frage, ob Kinder Klassen wiederholen sollten, riet Ernst den Eltern, dies sorgfältig abzuwägen. «Ich empfehle den Eltern dort, wo die gesamte Lerngruppe vielleicht nicht ganz so weit ist, die Kinder und Jugendlichen nicht aus ihren vertrauten sozialen Zusammenhängen zu reißen», sagte die Ministerin. Die Schulen seien darauf eingestellt, ab dem kommenden Schuljahr die Lernrückstände aufzuholen. «Wenn Eltern den Eindruck haben, dass ihr Kind von der Lerngruppe komplett abgehängt ist, dann würde ich das Gespräch mit der Schule suchen, um eine Wiederholung zu erwägen», sagte Ernst.

Tausende starten trotz Corona Auslandsstudium

Trotz weltweiter Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind tausende junge Menschen aus Deutschland auch in diesem Jahr für einen Studienaufenthalt ins Ausland gegangen. Wie der Deutsche Akademische Austauschdienst am Donnerstag mitteilte, haben seit Jahresbeginn rund 9000 Studenten über das europäische Austauschprogramm Erasmus einen Auslandsaufenthalt begonnen.

Zum Stichtag Ende April seien es trotz Corona rund 75 Prozent der Erasmus-Auslandsaufenthalte im Vergleich zu diesem Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019 gewesen. «Das Interesse an einem Auslandsaufenthalt im europäischen Ausland ist ungebrochen groß. Unsere Mitgliedshochschulen und die Studierenden haben sich dabei schnell und verantwortungsvoll an die äußerst herausfordernde Pandemiesituation angepasst», sagte DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee.

Bislang 284 positive Corona-Schnelltests an Schulen in MV

Seit Beginn der Corona-Schnelltests an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns sind 284 Ergebnisse positiv ausgefallen. Darunter sind 227 Schülerinnen und Schüler sowie 57 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Donnerstag im Landtag in Schwerin sagte.

Bislang seien 411 794 Tests genommen worden, darunter 343 714 von Schülern und 68 080 von Beschäftigten. Wie viele der positiven Schnelltests durch den notwendigen PCR-Test bestätigt worden sind, war zunächst nicht bekannt.

Laut Bildungsministerin werden seit dem 17. März im Nordosten Corona-Schnelltests an den Schulen genommen, eine Testpflicht besteht seit Ende April. Wer in die Schule geht, muss sich zweimal die Woche testen.

Elternräte der Gymnasien fordern baldige Rückkehr zu Regelbetrieb

Die Elternräte der niedersächsischen Gymnasien fordern eine baldige Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen. Die Wochen mit Corona-Schnelltests hätten gezeigt, dass Schulen keine Hotspots für Infektionen seien, schrieb der Verband der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens in einer Mitteilung.

Das Kultusministerium solle anordnen, nach einer kurzen Übergangsphase im Szenario B mit Wechselunterricht wieder zu Szenario A mit Präsenzunterricht überzugehen. Die Schülerinnen und Schüler seien mehrere Monate nicht mehr in den Schulen gewesen; es werde sonst schwer, die negativen Folgen auszugleichen.

Die Elternräte regten an, die fünften und sechsten Klassen genau wie die Abschlussklassen schneller wieder vollständig in den Schulen zu unterrichten. Diese Jahrgänge hätten nach dem Wechsel auf die weiterführenden Schulen bislang kaum Gelegenheit gehabt, sich in ihre Schulen und Klassengemeinschaften einzufinden.

Bisher keine Fördermittel für Schul-Luftfilter abgerufen

Die Schulträger in Thüringen haben nach Angaben des Bauministeriums noch keine Landesmittel für die Beschaffung von Luftfilteranlagen für Schulen abgerufen. Die entsprechenden Bescheide liegen den staatlichen Schulträgern allerdings vor, so dass man zeitnah mit Mittelabrufen rechne, erklärte das Ministerium auf Anfrage. Dafür haben die Träger noch bis 31. Oktober Zeit.

Insgesamt stellt das Land rund fünf Millionen Euro zur Verfügung. 4,5 Millionen Euro können davon für Luftfilteranlagen und andere Ausstattung im Kampf gegen die Corona-Pandemie abgerufen werden - etwa für Trennwände oder Co2-Sensoren. Gut 500 000 Euro sind für eine wissenschaftliche Begleitung zu Raumluftanlagen an Schulen vorgesehen.

Wechselunterricht auch für Klassen sieben bis elf in Hessen

Hessens Schulen können ab Donnerstag auch in den Klassen sieben bis elf wieder Wechselunterricht anbieten. Voraussetzung ist, dass in dem Landkreis oder der kreisfreien Stadt ihrer Schule die Corona-Inzidenz niedrig geblieben ist. Konkret muss die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen (Inzidenz) an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen - Sonn- und Feiertage nicht mitgezählt - unter 165 bleiben.

Bislang dürfen nur die Kinder der Jahrgangsstufen eins bis sechs im Wechselunterricht in ihre Klassen. Die Jahrgänge ab Klasse sieben wurden seit Mitte Dezember im Distanzunterricht mit Homeschooling unterrichtet. Die Abschlussklassen erhielten Präsenzunterricht.

«Es ist sehr positiv, dass nun beginnend mit dem heutigen Tag in immer mehr Regionen Hessens insbesondere die Schülerinnen und Schüler wieder regelmäßig in die Schule gehen können, die seit Mitte Dezember ausschließlich Distanzunterricht erhalten haben», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Er sei sehr optimistisch, dass der Wechselunterricht dazu beiträgt, dass schon bald alle Schülerinnen und Schüler in Hessen wieder in die Schule gehen werden. «Das Licht am Ende des Tunnels wird von Tag zu Tag heller.»

05.05.2021

Kabinett berät über 100 Euro Freizeitbonus und Nachhilfe-Milliarde

Die Corona-Maßnahmen haben Kinder und Jugendliche überall ausgebremst: In der Schule, bei der Zukunftsplanung, in der Freizeit. Mit einem Aufholprogramm soll nun der Schaden begrenzt werden. Das Kabinett berät zudem über den Rechtsanspruch auf Ganztag an Grundschulen.

Das Bundeskabinett will an diesem Mittwoch zwei große Vorhaben in der Familien- und Bildungspolitik auf den Weg bringen. Um die Corona-Folgen für Kinder und Jugendliche abzufedern, soll ein rund zwei Milliarden Euro schweres sogenanntes Corona-Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche beschlossen werden. Außerdem haben Familien- und Bildungsministerium einen gemeinsamen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler, der im Koalitionsvertrag verabredet wurde, umgesetzt werden soll.

Das geplante Corona-Aufholprogramm soll aus zwei Säulen bestehen: Mit rund einer Milliarde Euro sollen Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler in den Bundesländern unterstützt werden. Es wird davon ausgegangen, dass jeder vierte Schüler Lernrückstände aufzuholen hat. Mit dem Fördergeld sollen die Länder bestehende Programme ausbauen können, etwa Sommercamps und Nachhilfekurse während des Schuljahrs. Die Kurse könnten von Stiftungen, Vereinen, Initiativen, Volkshochschulen, pensionierten Lehrkräfte, Lehramtsstudenten und auch kommerziellen Nachhilfeanbietern übernommen werden.

Eine weitere Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Geplant ist unter anderem eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. Das Geld soll je nach Bedarf für Ferien-, Sport- und Freizeitaktivitäten eingesetzt werden können. Mehr Geld soll zudem für Sprachförderung an Kitas in sogenannten sozialen Brennpunkten zur Verfügung gestellt werden, weil viele Kinder die Einrichtungen nicht besuchen konnten. Auch eine stärkere Förderung von Schulsozialarbeit, Freizeitangeboten und kostengünstigen Ferienfahrten ist geplant.

Der Deutsche Städtetag forderte eine schnelle Umsetzung des Aufholprogramms. «Wir müssen Kindern und Jugendlichen unmittelbar helfen, damit sie soziale und psychische Folgen durch die Lockdowns bewältigen können», sagte Vizepräsident Markus Lewe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es dürfe keine Zeit und Kraft mit komplizierten Antragsverfahren verplempert werden. Lewe, der auch Oberbürgermeister von Münster ist, rief die Länder zudem dazu auf, das Bundesgeld durch eigene Mittel «spürbar» zu ergänzen.

Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) sprach sich dafür aus, Kinder und Jugendliche aus Flüchtlings- und Einwandererfamilien besonders in den Blick zu nehmen und Sprach- und Freizeitangebote für sie zu verstärken. Ihre Familien seien von
den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen, sagte sie dem RND. Viele arbeiteten in Berufen, in denen Homeoffice nicht möglich sei, etwa in der Pflege oder im Einzelhandel oder im Gastgewerbe, das stärker von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen sei.

Das Kabinett will außerdem an diesem Mittwoch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule auf den Weg bringen. Damit versucht die große Koalition kurz vor dem Ende der Legislaturperiode noch eines ihrer zentralen Vorhaben im Bildungs- und Familienbereich umzusetzen. Kinder, die ab dem Schuljahr 2025/2026 eingeschult werden, sollen laut dem Gesetzentwurf von Bundesfamilien- und Bundesbildungsministerium in den ersten vier Schuljahren einen Anspruch auf ganztägige Betreuung bekommen - für mindestens acht Stunden an Wochentagen und auch in den Ferien.

Einige Bundesländer, vor allem im Osten, haben schon eine gut ausgebaute Ganztagsbetreuung, entweder in Form von Ganztagsschulen oder als Kombination aus Schule und Hort. In anderen Ländern müsste noch viel investiert werden, um den Rechtsanspruch ab 2025 erfüllen zu können. Wegen der immensen Kosten für den laufenden Betrieb, für Personal und Investitionen an den Grundschulen gibt es bis heute Streit. Die Länder fordern eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes. Eine Zustimmung im Bundesrat und eine Umsetzung des Vorhabens bis zur Bundestagswahl sind daher offen.

Bereits zugesagt hatte die Regierung 3,5 Milliarden Euro für Investitionen und eine laufende Beteiligung an den Betriebskosten. Im Gesetzentwurf werden dafür jährlich dreistellige Millionenbeträge von Bundesseite genannt.

Skeptisch zeigte sich der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Angesichts des bereits jetzt bestehenden Fachkräftemangels bei erzieherischen Berufen «wird es nicht gelingen können, bis 2030 rund 800 000 zusätzliche Ganztagsplätze zu schaffen», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele Betreuungskräfte erreichten in den nächsten Jahren außerdem das Rentenalter. Landsberg forderte Bund und Länder zu einer Ausbildungsinitiative für Erziehungsberufe auf und sprach sich für eine deutlich höhere Beteiligung des Bundes an den Betriebskosten aus.

04.05.2021

Keine Beschwerden: Reibungsloser Start ins Ausnahme-Abitur

Es ist ein Abitur im Ausnahmezustand: Nach der Vorbereitung unter Pandemie-Bedingungen starten die Abschlussklassen in Baden-Württemberg mit dem Fach Deutsch in die Prüfungen. Wegen der besonderen Umstände gelten dafür einige Sonderregeln.

Für rund 46 500 Schüler der Abschlussklassen in Baden-Württemberg haben am Dienstag die schriftlichen Abiturprüfungen begonnen. Los ging es von 9.00 Uhr bis 14.45 Uhr mit dem Fach Deutsch. Nach Angaben des Kultusministeriums bekamen die Schüler damit wie im vergangenen Jahr eine halbe Stunde mehr Zeit als üblich, um eine der Prüfungsaufgaben zu bearbeiten - so soll der Pandemie-Situation Rechnung getragen werden. Die Lehrer konnten zudem wieder aus einem größeren Aufgaben-Pool Prüfungsfragen für ihre Klassen auswählen.

Berichte über Probleme beim Prüfungsauftakt seien nicht eingegangen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Dienstag. «Der Start in das diesjährige Abitur ist demnach reibungslos verlaufen.» Die Aufgabenverteilung habe problemlos funktioniert, auch die Einhaltung der strengen Hygieneregeln habe «reibungslos» geklappt.

Um Corona-Infektionen zu verhindern, gilt beim Prüfungsmarathon bis zum 20. beziehungsweise 21. Mai (berufliche Gymnasien) in den Schulen Maskenpflicht. Getestete und nicht getestete Schüler sollen währenddessen räumlich voneinander getrennt werden.

Der Vorsitzende des Landesschülerbeirats, David Jung, sagte, der Start in die Prüfungen sei gut gelaufen. «Ich habe heute auch Deutsch geschrieben und kam gut durch», so Jung. Die Aufgaben seien angemessen und «in allen Rubriken fair» gewesen.

Zur Vorbereitung in Zeiten von Corona waren die Lerninhalte in allen Fächern auf das sogenannte Kerncurriculum reduziert worden - dafür sind 75 Prozent der Unterrichtszeit ausgelegt. So sollte den Schülern Zeit für Wiederholung und Vertiefung gegeben werden. Die Prüfungen wurden zudem zeitlich nach hinten verschoben, die Schüler konnten darüber hinaus zwischen einem Haupt- und einem Nachtermin wählen.

In diesem Jahr werden nach Angaben des Kultusministeriums an den allgemeinbildenden Gymnasien etwa 30 100 Schüler schriftlich in Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache und einem weiteren Kernfach geprüft. Weitere rund 16 400 Schüler legen ihre Abiturprüfungen an beruflichen Gymnasien ab. Im Jahr 2020 bestanden 98,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Prüfungen.

Bayern sperrt auf - Lockerungen für Biergärten, Tourismus, Schulen

Eine «gute Mischung aus Vorsicht und Optimismus»: So beschreibt Ministerpräsident Söder die geplanten stufenweisen Lockerungen in Bayern. Entscheidend sind dabei immer die regionalen Corona-Zahlen.

Nach teils monatelanger Zwangspause heißt es in Regionen mit niedrigen Corona-Zahlen am kommenden Montag (10. Mai): Biergärten auf, Kinos auf, Theater auf - wenn auch unter Auflagen. Pünktlich zu den Pfingstferien soll auch der Tourismus wieder langsam anlaufen. Zudem dürfen schon am Montag in weiten Teilen Bayerns die Grundschulen wieder für alle aufsperren, lediglich für weiterführende Schulen bleibt es zunächst bei strikteren Grenzwerten. Und: Vollständige Geimpfte und Genesene werden schon ab Donnerstag von vielen Corona-Beschränkungen befreit. Dies und mehr hat das Kabinett am Dienstag beschlossen. Ein Überblick über zentrale Punkte:

BIERGÄRTEN: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 darf bereits ab kommenden Montag (10. Mai) die Außengastronomie wieder öffnen, allen voran die Biergärten. Eine Einschränkung aber: Um 22.00 Uhr muss Schluss sein. Stabile Corona-Zahlen heißt nach Worten von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), dass es etwa für einen Wochen-Zeitraum keine großen Ausschläge bei der Sieben-Tage-Inzidenz geben dürfe und die Tendenz eher fallend sein müsse. Formal muss das Ministerium den regionalen Öffnungen jeweils zustimmen - es ist laut Kabinettsbeschluss allerdings «gebeten, das hierfür nötige Einvernehmen zu erteilen». Bei regionalen Inzidenz-Werten zwischen 50 und 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche soll unter anderem eine Corona-Testpflicht gelten, unter 50 soll diese dann entfallen.

THEATER UND KINOS: Unter denselben Bedingungen und Voraussetzungen dürfen am Montag auch Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos öffnen - wenn die Corona-Zahlen in der jeweiligen Region stabil sind.

SPORT: In Regionen mit stabilen Corona-Zahlen unter 100 ist ab Montag auch kontaktfreier Sport in Gebäuden sowie Kontaktsport unter freiem Himmel wieder erlaubt - ebenfalls verbunden mit einer Testpflicht, die bei einer Inzidenz unter 50 wieder entfallen soll.

TOURISMUS: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 werden ab Freitag, 21. Mai, wieder touristische Angebote zugelassen. Dazu zählen Hotels, Ferienwohnungen und -häuser sowie Campingplätze. Die konkreten Auflagen für inzidenzabhängige Öffnungen, wie Testpflichten und Hygienekonzepte, sollen bis zur kommenden Woche von den Ministerien erarbeitet werden. Ein Kernpunkt ist auch: Sollten die Corona-Zahlen regional wieder steigen, müssten die Öffnungen auch wieder zurückgenommen werden. Öffnungsmöglichkeiten soll es unter diesen Bedingungen auch für «spezielle touristische Infrastrukturen» geben. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nannte dabei als denkbare Beispiele «Freizeiteinrichtungen von der Seilbahn bis zum Reisebus».

SCHULEN: An den weiterführenden Schulen bleibt es bis zu den Pfingstferien beim bisherigen strikteren Grenzwert 100 für Distanzunterricht. Lediglich Grundschulen dürfen ab nächsten Montag (10. Mai) bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 Wechselunterricht in allen Klassen anbieten. Gleiches gilt für die 5. und 6. Klasse an Förderschulen. Erst nach den Pfingstferien - also ab dem 7. Juni - soll dann auch an weiterführenden Schulen der Grenzwert 165 gelten, wie in der Bundes-Notbremse vorgesehen. Ausnahmen gelten weiterhin unter anderem für Abschlussklassen und Viertklässler, die auch bei höheren Corona-Zahlen weiterhin überall Wechselunterricht haben.

BILDUNGSMONITORING: Das Kultusministerium soll dem Kabinett in Kürze berichten, wie es um den Lernstand der Schülerinnen und Schüler angesichts der langen Corona-Einschränkungen bestellt ist und wie die Unterstützungsangebote und der weitere Zeitplan nun aussehen.

AUSGANGSBESCHRÄNKUNGEN: Bayern bleibt bis zum Ende der Pfingstferien am 6. Juni bei seiner im Länder-Vergleich strikteren nächtlichen Ausgangssperre - damit bleibt in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 Joggen und Spazierengehen zwischen 22.00 Uhr und Mitternacht verboten. Erst ab 7. Juni sollen dann die Ausnahmen gelten, wie sie in der Bundes-Notbremse vorgesehen sind.

GEIMPFTE UND GENESENE: Bereits von diesem Donnerstag an wird Bayern vollständig Geimpfte und Genesene negativ Getesteten gleichstellen. Das bedeutet: Test- und Quarantänepflichten entfallen, die nächtliche Ausgangssperre in Hotspots gilt für vollständig Geimpfte nicht mehr, und bei regionalen Kontaktbeschränkungen gilt dann: Bei der Zahl der maximal erlaubten Kontakte zählen vollständig Geimpfte nicht mit. Bayern setzt damit bundesweit geplante Regelungen etwas früher um. Auflagen etwa beim Besuch von Alten- und Pflegeheimen gelten aber weiterhin für alle, ebenso wie Maskenpflicht und Hygieneregeln.

KÖRPERNAHE DIENSTLEISTUNGEN: In Regionen mit Sieben-Tage-Inzidenzen unter 100 können ab Montag (10. Mai) alle bisher noch geschlossenen körpernahen Dienstleistungen wieder starten - unter den Bedingungen, wie sie für Friseure und Fußpfleger gelten (etwa FFP2-Maskenpflicht).

HUNDESCHULEN: In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 165 können ab kommenden Montag auch Hundeschulen wieder öffnen.

MUSIKGRUPPEN: Musikensembles, Amateurtheater und ähnliches sollen in Kürze in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 wieder starten dürfen. Ein Datum dafür gibt es aber noch nicht. Wissenschafts- und Gesundheitsressort sollen ein Konzept vorlegen.

CORONA-VERORDNUNG: Die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wird mit diesen Änderungen nun bis einschließlich 6. Juni verlängert.

CORONA-ZAHLEN: In Bayern liegen aktuell (Stand Dienstag) nach Angaben des Robert Koch-Instituts 19 Regionen unterhalb einer Inzidenz von 100, 38 im Bereich zwischen 100 und 150 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Es folgen 10 weitere Landkreise beziehungsweise kreisfreie Städte unter 165. Die restlichen 29 liegen oberhalb von 165 - wobei sich 19 sogar noch über einer Inzidenz von 200 befinden. In Bayern gibt es 71 Landkreise und 25 kreisfreie Städte.

Wechselunterricht in fast jedem zweiten Stadt- und Landkreis in Sicht

Sinken die Corona-Infektionszahlen weiter, könnte in vielen Städten und Kreisen Baden-Württembergs bereits bald wieder Wechselunterricht an den Schulen angeboten werden. Die Schulen könnten zu diesem Modell aus Präsenz- und Fernunterricht zurückkehren, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in ihrem Stadt- oder Landkreis an fünf Werktagen in Folge unter dem Inzidenzwert von 165 liegt, wie das Kultusministerium am Dienstag mitteilte. Schulen hätten dann zudem eine Übergangsfrist von bis zu drei Tagen. «Diese können sie nutzen, wenn die Rückkehr zum Wechselunterricht nach dem Ablauf der Frist aus organisatorischen Gründen nicht unmittelbar möglich ist», heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Laut Bundesrecht ist Präsenzunterricht in der Regel nur noch im Wechsel möglich, wenn die Inzidenz drei Tage in Folge den Wert von 100 überschreitet. Ein durchgängiger Präsenzunterricht für einzelne Klassen oder Lerngruppen ist nach Angaben des Kultusministeriums nicht möglich. Es ist aber weder der Anteil des Fernunterrichts noch die Häufigkeit vorgegeben, in der zwischen Fern- und Präsenzunterricht gewechselt werden muss. Ziel sei es, soviel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist zuletzt zwar sowohl bundesweit als auch in Baden-Württemberg gesunken. Sie lag am Dienstag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Stand 5.08 Uhr) aber noch bei 141,4, in Baden-Württemberg nach Angaben des Landesgesundheitsamtes sogar bei 173,1 (Stand Montag, 16.00 Uhr). Am Montag überschritten noch mehr als die Hälfte der Kreise und Städte den Wert von 165. Wenn dieser Schwellenwert drei Tage hintereinander überschritten ist, müssen gemäß der Bundes-Notbremse die Schulen schließen.

Berichte: Wechselunterricht in Schulen bis Inzidenz von 165 geplant

Die niedersächsische Landesregierung will Medienberichten zufolge angesichts sinkender Infektionszahlen die Corona-Regeln für Schulen lockern. Wie die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» (HAZ) und die «Nordwest-Zeitung» am Dienstag berichten, soll es für Schülerinnen und Schüler bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 Wechselunterricht geben. Das bedeutet, dass eine Hälfte der Schüler in der Schule unterrichtet wird, während die andere Hälfte zu Hause lernt. Mit Ausnahme von Abschlussklassen sowie Grund- und Förderschulen ist bislang Distanzunterricht ab einer Inzidenz von 100 vorgeschrieben.

Eine entsprechende Regelung soll nach Informationen der Zeitungen Teil einer neuen Corona-Verordnung sein, die ab kommender Woche gilt. Einzelheiten will die Landesregierung an diesem Dienstag vorstellen. Bereits am Montag hatte die Staatskanzlei in Hannover vorsichtige Lockerungen angekündigt, die in Kreisen und Städten gelten sollen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz belastbar unter 100 liegt. Lockerungen könnten demnach auch für den Einzelhandel, die Gastronomie und den Tourismus in Aussicht stehen.

Wie die HAZ berichtet, sollen von Mitte Mai an auch die Regelungen beim Freizeitsport gelockert werden. Wie im Stufenplan vorgesehen, soll bei einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 Kontaktsport im Freien wieder mit bis zu 30 Personen betrieben werden können. «Bei Erwachsenen gilt dies nur bei Vorlage eines negativen Testnachweises», sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) der Zeitung. Der Minister verwies demnach auf Aussagen von Aerosolforschern, wonach beim Sport im Freien unter Corona-Gesichtspunkten nur ein geringes Infektionsrisiko bestehe.

Abitur im Ausnahmezustand - rund 45 000 Jungen und Mädchen legen los

Es ist ein Abitur im Ausnahmezustand. Die Abschlussklassen lernen schon seit Monaten unter ganz besonderen Bedingungen. Für die Prüfungen gelten wegen den Pandemie strenge Corona-Vorschriften. Nach viel Büffelei mit Masken und Tests geht es nun endlich los.

Für insgesamt rund 45 000 Jungen und Mädchen der Abschlussklassen in Baden-Württemberg wird es ernst: Das Abi 2021 beginnt an den Gymnasien - und es steht ganz im Zeichen des Coronavirus. Beim Prüfungsmarathon von diesem Dienstag (4. Mai) bis zum 20. Mai beziehungsweise 21. Mai (berufliche Gymnasien) geht es natürlich vor allem ums Wissen, aber besonders groß geschrieben wird auch der Infektionsschutz. In den Schulen gilt Maskenpflicht, die getesteten und nicht getesteten Schüler sollen räumlich voneinander getrennt werden.

Unter diesen Umständen kann von einem normalen Abitur eigentlich keine Rede mehr sein. Die Bildungsinhalte wurden bereits in allen Fächern auf das sogenannte Kerncurriculum reduziert - dafür sind 75 Prozent der Unterrichtszeit ausgelegt. So soll und sollte den Schülern Zeit fürs Wiederholen und Vertiefen gegeben werden. Die Abschlussprüfungen wurden zudem um zwei bis drei Wochen nach hinten verschoben. Zum Abitur konnten die Schüler zudem zwischen einem Haupt- und einem Nachtermin wählen, die schriftlichen Prüfungen wurden um 30 Minuten verlängert. Außerdem hatten und haben die Lehrer in der schriftlichen Prüfung weitere Aufgaben zur Vorauswahl. So können sie Aufgaben auswählen, die am besten zum erteilten Unterricht passen.

In diesem Jahr werden an den allgemeinbildenden Gymnasien knapp 28 600 Schülerinnen und Schüler in den schriftlichen Prüfungsfragen in Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache und einem weiteren Kernfach geprüft. Die weitaus meisten von ihnen dürften ihr Abi auch erfolgreich meistern, geht man von den Quoten des vergangenen Jahres aus: Im Jahr 2020 bestanden 98,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Prüfungen. Die Durchschnittsnote lag bei 2,31, und die am häufigsten vergebene Durchschnittsnote war die 2,6. Die Bestnote 1,0 erhielten 2,9 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten, wie das Statistische Landesamt errechnet hat. Eine 1 vor dem Komma stand in 31 Prozent der vergebenen Abiturzeugnisse, eine 2 in jedem zweiten Zeugnis und eine 3 in fast 19 Prozent von ihnen.

Insgesamt haben im vergangenen Sommer rund 44 800 Jugendliche ein allgemeinbildendes oder berufliches Gymnasium mit der allgemeinen Hochschulreife in der Tasche verlassen - 63 Prozent von ihnen ein allgemeinbildendes, 37 Prozent ein berufliches Gymnasium.

03.05.2021

Corona-Impfangebote für alle bayerischen Lehrer im Präsenzunterricht

Ab sofort können auch alle Lehrer an den weiterführenden und den beruflichen Schulen in Bayern auf eine zeitnahe Corona-Schutzimpfung hoffen. «Wir können jetzt allen Lehrerinnen und Lehrern in Bayern, die im Präsenzunterricht im Einsatz für die Bildung sind, ein Impfangebot machen», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Montag in München. Bislang hatten nur die Lehrerinnen und Lehrer an den Grund- und Förderschulen die Möglichkeit einer bevorzugten Impfung.

Das Angebot richte sich explizit primär an die Lehrkräfte, die regelmäßig in Präsenz unterrichteten, in der Notbetreuung tätig seien oder bei den Abschlussprüfungen beispielsweise als Aufsicht in der Schule eingesetzt würden, teilte das Kultusministerium mit. Die Schulleitungen würden den betreffenden Lehrern eine entsprechende Bestätigung zum Nachweis der vorrangigen Impfberechtigung für das Impfzentrum ausstellen. «Mit den neuen Impfangeboten für die Lehrkräfte an Mittelschulen, Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen machen wir jetzt einen weiteren wichtigen Schritt für mehr Sicherheit», betonte Piazolo.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer-und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, sagte, die Entscheidung sei nicht nur ein wichtiges Signal, sondern zwingend notwendig. «Jede Lehrerin und jeder Lehrer, der seinen Fuß in die Schule setzen soll, braucht ein Impfangebot», habe der BLLV gefordert - dies sei nun erfüllt.

Niedersachsen will Corona-Beschränkungen vorsichtig lockern

Tourismus, Gastronomie und Handel drängen auf Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Einen Weg aus dem monatelangen Lockdown will die Landesregierung am Dienstag abstecken. Erste Erleichterungen sollen vom kommenden Wochenende an greifen.

Nach monatelangem Lockdown will Niedersachsen die Corona-Beschränkungen angesichts rückläufiger Zahlen vorsichtig lockern. Dies soll in Kreisen und Städten der Fall sein, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz belastbar unter 100 liegt, kündigte die Staatskanzlei in Hannover am Montag an.

Die mit der neuen Corona-Verordnung des Landes ab kommendem Wochenende ins Auge gefassten Lockerungen wollen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) nach einer Kabinettssitzung am Dienstag vorstellen. Unter anderem geht es um Tourismus und Gastronomie sowie den Einzelhandel.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will verbesserte Möglichkeiten für den Schulunterricht präsentieren. Bislang hat das Land an seinem restriktiven Kurs festgehalten, dass Schulen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 größtenteils in den Distanzunterricht wechseln. Vielversprechend angelaufen sind inzwischen regelmäßige Schnelltests aller Schülerinnen- und Schüler vor dem Schulbesuch. Auch daran wollte der Kultusminister mögliche Lockerungen koppeln.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sank die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Montag von 101,7 auf 99,5. In 16 der 45 Kreise und Großstädte liegt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen noch über 100.

Mehrere Tourismusregionen, Verbände und das Gastgewerbe verlangen unterdessen von der Landesregierung gemeinsam eine rasche Antwort auf ihre Vorschläge für vorsichtige Öffnungen. Der finanzielle Druck auf die Betriebe sei mittlerweile so hoch, dass man jetzt endlich handeln müsse, erklärte der Harzer Tourismusverband am Montag auch stellvertretend für weitere Organisationen und Firmen aus der niedersächsischen Branche: «Viele Existenzen sind bedroht, wichtige Leistungsträger können nicht auf Überbrückungshilfen des Bundes zugreifen - flankierende Dienstleistungs- und Servicebereiche leiden ebenfalls massiv unter dem ausbleibenden Gästeaufkommen.»

Der Harz-Verband schloss sich mit Kollegen aus weiteren Regionen, den Landesablegern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sowie des Bundesverbands der Campingwirtschaft und mit den niedersächsischen Heilbädern zusammen. Sie wollen an diesem Donnerstag (6. Mai) Details ihrer Forderungen bekanntgeben. «Seit nunmehr sechs Monaten befindet sich die Tourismusbranche deutschlandweit im Lockdown», hieß es vorab. «Öffnungsperspektiven sind nicht in Sicht. So kann es nicht bleiben.» Auch Touristiker aus Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen sich demnach beteiligen.

Auch die Ostfriesischen Inseln warten auf Öffnungssignale für Tourismus und Gastgewerbe. Doch das von den Inseln vorgelegte Pilotprojekt zur Öffnung des Tourismus wird dagegen in seiner zunächst geplanten Form nicht kommen, wie Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn (parteilos) am Montag mitteilte. «Es wird eine Pandemieverordnung geben, die für ganz Niedersachsen gilt, bei der es für die Inseln keine Ausnahmeregelung geben wird», sagte Horn nach einem Gespräch mit Gesundheitsministerin Daniela Behrens und Umweltminister Olaf Lies (beide SPD) und den Inselbürgermeistern.

Auf zentrale Punkte des Konzeptes wie etwa eine umfassende Teststrategie solle aber bei künftigen Öffnungen zurückgegriffen werde, sagte Horn. Umweltminister Lies sagte mit Blick auf die Bestandteile des Öffnungs-Konzept der Inseln im Anschluss an das Gespräch: «Ich bin überzeugt, dass sich ein ganz großer Teil davon, auch in der nächsten Verordnung schon wiederfindet und sicherlich auch in folgenden Verordnungen, die wir noch erarbeiten.»

Söder kündigt Öffnung von Grundschulen bis Inzidenz 165 an

Die meisten Schüler in Bayern haben ihre Schule schon länger nicht mehr von innen gesehen. Zumindest für Grundschüler soll sich das nun ändern, wenn auch nicht überall. Den Freien Wählern reicht das nicht.

Grundschulen in Bayern dürfen ab nächsten Montag auf breiter Front wieder für alle Klassenstufen im Wechselunterricht öffnen - nämlich schon bei einer regionalen Sieben-Tage-Inzidenz bis 165. Das kündigte Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder am Montag nach einer Videokonferenz des CSU-Vorstands an. Indem er für Grundschulen vom Grenzwert 100 abrückt und auf den Wert 165 aus der Bundes-Notbremse einschwenkt, kommt er seinem Koalitionspartner, den Freien Wählern, ein Stück weit entgegen. An weiterführenden Schulen will Söder dagegen bis auf Weiteres beim Grenzwert 100 bleiben. Den Freien Wählern reichte das Angebot deshalb zunächst jedenfalls nicht.

Zugleich stellte Söder Öffnungsmöglichkeiten ab der kommenden Woche für die Außengastronomie, für Theater und Kinos in Aussicht, wenn die regionale Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt, und mit Tests und Termin. Ebenso deutete er an, in den Pfingstferien könnten Ferienwohnungen und Hotels öffnen, mit Tests und Hygienekonzepten.

Die Lockerungen für Grundschulen begründete Söder damit, dass dort Distanzunterricht zum Teil mit Schwierigkeiten verbunden sei. Bei den weiterführenden Schulen dagegen sei dies anders: «Das funktioniert.» Zudem verwies Söder auf höhere Corona-Zahlen unter Jugendlichen. Man gehe aber davon aus, dass es nun immer mehr Regionen unter 100 gebe, die Lage werde sich also bis nach Pfingsten sukzessive verbessern.

Zudem sollen nun alle Lehrer im Präsenzunterricht auch an den weiterführenden und den beruflichen Schulen ein Impfangebot bekommen. Bislang hatten nur Lehrer an Grund- und Förderschulen die Möglichkeit einer bevorzugten Impfung.

Am Montag lag knapp ein Drittel der Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern über dem Wert 165. Voraussetzung für eine Rückkehr vom Distanz- zum Wechselunterricht ist aber, dass der Wert an fünf Tagen hintereinander stabil darunter liegt - dann sind die entsprechenden Lockerungen ab dem übernächsten Tag möglich.

Die Freien Wähler allerdings fordern den höheren Grenzwert für Distanzunterricht für alle Schularten und Klassen. Die Grundschulen bis zum Wert 165 zu öffnen, sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. «Das darf aber nicht reichen.» Die Schulen für alle bis zum Grenzwert 165 zu öffnen, sei wichtig für die Bildung und zur Infektionsbekämpfung, «weil nur mit Tests in der Schule die Infizierten erkannt werden». Die aktuell relativ hohen Corona-Zahlen der Jugendlichen kämen aus dem Privaten. «Es wäre also kontraproduktiv, die Altersgruppe der Jugendlichen ungetestet in die Pfingstferien zu schicken, wo sie vermehrt ihre Freunde treffen und Infektionen weitertragen. Besser, sie vorher in die Schule zu holen und mehrmals testen», sagte Aiwanger.

Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Freie-Wähler-Fraktion, Fabian Mehring, bekräftigte die Forderung nach weiteren Lockerungen. Am Dienstag soll darüber im Kabinett beraten und entschieden werden.

Söder rief die Freien Wähler vorab zu einem gemeinsamen und einheitlichen Vorgehen auf und warnte: «Wer blockiert, verliert.» Auch der Bayerische Elternverband forderte Öffnungen für weiterführende Schulen und mehr Unterricht im Freien.

Was Söder darüber hinaus bereits ankündigte: Für vollständig Corona-Geimpfte sowie Genesene sollen so schnell wie möglich mehrere Einschränkungen wegfallen. Die geplante Bundes-Verordnung werde der Freistaat sofort umsetzen. Bei coronabedingten Kontaktbeschränkungen sollten vollständig Geimpfte und Genese nicht mehr dazugerechnet werden. Er verwies etwa auf anstehende Konfirmationen, bei denen dies dann schon gelten könnte. Und auch bei den Ausgangsbeschränkungen soll es nach Söders Worten Ausnahmen für Geimpfte und Genesene geben.

Die von Söder in Aussicht gestellten Öffnungsmöglichkeiten etwa für die Außengastronomie, für Theater und Kinos sind derweil keine neue Erfindung. Darauf hatten sich Bund und Länder als möglichen weiteren Öffnungsschritt schon Anfang März verständigt. Und auch in der bayerischen Corona-Verordnung sind die Öffnungsmöglichkeiten schon enthalten - unter der zusätzlichen Voraussetzung, dass die Entwicklung des Infektionsgeschehens «stabil oder rückläufig» erscheint. Weil dies vor einigen Wochen noch nicht der Fall war, hatte das Kabinett solche neuen Lockerungen aber auf Eis gelegt.

Jugendring für Öffnung von Angeboten für Kinder und Jugendliche

Der Bayerische Jugendring (BJR) fordert die Öffnung von Angeboten für Kinder und Jugendliche unabhängig von den Corona-Inzidenzwerten. Kinder und Jugendliche müssten jetzt wieder ins Leben zurückgeholt werden, da Studien immer deutlicher ein besorgniserregendes Bild ihrer psychischen Situation ans Licht brächten, sagte BJR-Präsident Matthias Fack am Montag in München. «Für mich heißt das: Angebote müssen inzidenzunabhängig in Präsenz möglich sein.»

Laut BJR sind momentan Angebote der Jugendarbeit in Präsenz verboten, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche über 100 liegt. Die Pandemie und die strengen Kontaktbeschränkungen seien für Kinder, Jugendliche und Familien eine enorme psychische Belastung. Hier könnte die Jugendarbeit vorbeugen und helfen, dass psychische Störungen erst gar nicht entstehen.

«Der Blick von Gesellschaft und Politik muss sich jetzt noch fokussierter als vor Corona auf Kinder und Jugendliche richten», sagte Fack. Insbesondere Jugendliche könnten wohl je nach Alter frühestens im Sommer mit einem Impftermin rechnen. Sie dürften aber im weiteren Verlauf und erst recht nach der Pandemie auf keinen Fall vergessen werden. Der BJR ist eine Arbeitsgemeinschaft von landesweit und regional tätigen Jugendverbänden sowie örtlichen Jugendgruppen in Bayern. Dem Verband zufolge erreichen sie mit ihren Angeboten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen.

Niedersachsen will Corona-Beschränkungen vorsichtig lockern

Nach monatelangem Lockdown will Niedersachsen die Corona-Beschränkungen angesichts rückläufiger Zahlen vorsichtig lockern. Dies soll in Kreisen und Städten der Fall sein, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz belastbar unter 100 liegt, kündigte die Staatskanzlei in Hannover am Montag an.

Die mit der neuen Corona-Verordnung des Landes ab kommendem Wochenende ins Auge gefassten Lockerungen wollen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) nach einer Kabinettssitzung am Dienstag vorstellen. Unter anderem geht es um Tourismus und Gastronomie. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will verbesserte Möglichkeiten für den Schulunterricht präsentieren. Bislang hat das Land an seinem restriktiven Kurs festgehalten, dass Schulen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 größtenteils in den Distanzunterricht wechseln.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sank die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Montag von 101,7 auf 99,5. In 16 der 45 Kreise und Großstädte liegt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen noch über 100.

OVG: Test-Pflicht für Teilnahme am Präsenzunterricht rechtens

Die Verpflichtung, vor Teilnahme am Präsenzunterricht in Schulen ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen zu müssen, ist nach Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts in Schleswig rechtmäßig. Die Auflage, den Schulbesuch vom Testergebnis abhängig zu machen, sei zulässig und verhältnismäßig, teilte das Gericht am Montag mit. Sie diene dem legitimen Zweck, Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen. Die Zugangsbeschränkung sei erforderlich, um Schulschließungen zu vermeiden und den verfassungsrechtlichen Bildungsauftrag umzusetzen.

Der für Infektionsschutz zuständige 3. Senat hatte in der vergangenen Woche in zwei Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes entschieden. Um am Präsenzunterricht in Schleswig-Holstein teilnehmen zu können, müssen sich alle Schüler seit dem Ende der Osterferien zweimal wöchentlich testen. Dagegen hatten sich sieben Schülerinnen und Schüler aus Grund- und weiterführenden Schulen in Kiel und Kronshagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) in zwei Eilanträgen im Normenkontrollverfahren gewendet. Die Beschlüsse sind unanfechtbar (Az. 3 MB 23/21 und 3 MB 25/21).

Zahl der befristeten Stellen bei Lehrern steigt in Corona-Pandemie

Nicht jeder Lehrer bekommt automatisch den Beamtenstatus. In Hessen arbeiten Tausende hinter dem Lehrerpult nur mit befristeten Verträgen. In der Corona-Pandemie ist ihre Zahl noch gestiegen

Im hessischen Schuldienst arbeiten immer mehr befristete Lehrer, ihr Zuwachs hat sich in der Corona-Pandemie noch beschleunigt. Von Oktober 2019 bis Oktober 2020 sei die Zahl derer mit befristeten Verträgen von 5765 auf 6713 gestiegen, teilte das Kultusministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. In Vollzeitstellen umgerechnet sei dies ein Anstieg von 3427 auf 4106.

11 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer oder 7,9 Prozent der Vollzeitstellen seien somit zum Stichtag 1. Oktober 2020 über befristete Verträge gelaufen, teilte das Ministerium mit. Der zentrale Grund hierfür sei die Kompensation der Lehrer, die durch ein Attest in der Pandemie vom Präsenzunterricht befreit seien.

Diesen Anstieg sieht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Im vergangenen Jahr sei der Prozentsatz von 6,8 auf 8 Prozent der rund 60 000 Lehrkräfte gestiegen, teilte die GEW mit. Der Anteil steige aber bereits seit 2015.

Bei den befristeten Verträgen handelt es sich nach Angaben der Gewerkschaft voraussichtlich um nicht oder nicht voll ausgebildete Lehrkräfte, also ohne zweites Staatsexamen. Voll ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer würden in den meisten Fächern sehr schnell ein Einstellungsangebot bekommen.

Durch die Pandemie sei der Vertretungsbedarf in den Schulen gewachsen. Lehrkräfte, die ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, könnten sich via Attest vom Präsenzunterricht freistellen lassen. Dies ist laut GEW im April 2021 bei rund 2800 Lehrerinnen und Lehrern der Fall gewesen. Für diese seien aber nur 800 Vertretungskräfte eingestellt worden. Dies hängt nach Auffassung der Gewerkschaft unter anderem mit der viel zu bürokratischen Vergabe bereitgestellter Mittel zusammen. Zudem sei wegen der sich ständig veränderten Unterrichtsorganisation und dem unzureichendem Gesundheitsschutz eine solche Stelle nicht gerade attraktiv, und Lehrer im Ruhestand könnten wegen des erhöhten Risikos eines schweren Krankheitsverlaufes nicht mehr angesprochen werden.

Nach Auskunft des Ministeriums können alle Lehrkräfte, auch die mit befristeten Verträgen, im Einverständnis mit den Schulleitungen Fortbildungen zum Einsatz digitaler Medien in den Schulen beantragen. Der Gewerkschaft zufolge hat es bislang aber keine technische Ausstattung für den digitalen Unterricht und andere Aufgaben gegeben. Allenfalls gebe es einzelne Computerarbeitsplätze in den Schulen. «Viele haben sich daher in den vergangenen Monaten privat leistungsfähige Endgeräte angeschafft, wie sie etwa für Videokonferenzen erforderlich sind», teilte die GEW mit. Inzwischen sei zwar die Anschaffung solcher Geräte angekündigt, diese seien jedoch noch nicht in den Kollegien angekommen.

Befristete Verträge können der GEW zufolge auch eine berufliche Sackgasse für Vertretungslehrer werden. Die Verträge dürften nämlich nicht nach Belieben verlängert werden. Je nach Einzelfall werde es nach rund fünf Jahren problematisch. Das Land biete nicht automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis an.

Gut 400 positive Corona-Tests bei Schülern

Nach Einführung der verpflichtenden Corona-Tests an Thüringer Schulen sind binnen einer Woche 416 Schüler positiv auf eine Infektion getestet worden. Das geht aus aktuellen Zahlen des Thüringer Bildungsministeriums vom Montag hervor. Demnach wurden in der vergangenen Woche mindestens 174 499 Selbsttests an Schulen durchgeführt. Der Anteil positiv ausgefallener Ergebnisse beträgt damit nur 0,24 Prozent.

Seit Anfang vergangener Woche müssen Lehrer und Schüler zwei Mal pro Woche Corona-Selbsttests durchführen. Wer nicht mitmacht, darf die Schule nicht betreten.

Beim Personal an Schulen wurden in dem Zeitraum 42 373 Tests gemacht - 49 davon fielen positiv aus. Die Positiv-Rate lag damit bei 0,12 Prozent.

Hinter wie vielen positiven Testergebnissen auch tatsächlich eine Corona-Infektion steckte, ist unklar - die Daten werden vom Bildungsministerium nicht erhoben. Hintergrund ist, dass nach einem positiven Selbsttest noch ein empfindlicherer PCR-Test nötig ist, um eine Infektion zu bestätigen.

02.05.2021

Distanzunterricht bleibt die Regel

Viele Eltern stellen in der Corona-Krise fest, dass ihre Kinder die Schule vermissen - vor der Pandemie undenkbar. Doch von einer Rückkehr zur Normalität sind die Schulen weit entfernt.

Trotz leicht sinkender Coronazahlen bleibt es nahezu in ganz Bayern vorerst beim Distanzunterricht an den Schulen - Abschlussklassen und Viertklässler ausgenommen. Lediglich in etwa einer Handvoll Landkreise und kreisfreien Städte ist von Montag an Wechselunterricht in allen Klassenstufen möglich.

Im Laufe der Woche könnten bei stabilen oder sinkenden Sieben-Tage-Inzidenzen aber weitere Kommunen mit Wechselunterricht hinzukommen. Am Sonntag lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut in 18 bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten unter 100.

Die Staatsregierung hat die Vorschriften für den Schulunterricht mittlerweile zum Teil der neuen bundesweiten Notbremse angepasst. Unterschreitet ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt den Sieben-Tage-Inzidenzwert 100 an fünf aufeinander folgenden Tagen, kann ab dem übernächsten Tag auf Wechselunterricht umgestellt werden.

Umgekehrt gilt: Überschreitet ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt den Wert 100 an drei aufeinander folgenden Tagen, gibt es ab dem übernächsten Tag wieder Distanzunterricht. Ausgenommen sind Abschlussklassen und Viertklässler an Grundschulen. In der Bundes-Notbremse ist allerdings der höhere Grenzwert 165 vorgesehen, in Bayern ist es bei 100 geblieben. Die Freien Wähler wollen das ändern.

01.05.2021 

Arbeitgeber fordern Schulöffnungen ab Pfingsten

Die Zeit ohne Unterricht in der Schule war lang genug, finden mehrere Arbeitgeberverbände. Sie fordern eine schnelle Rückkehr in die Klassenräume. Bei der Bildungsgewerkschaft GEW stößt das auf Kritik.

Mehrere Arbeitgeberverbände in Niedersachsen fordern, dass die Schulen spätestens ab Pfingsten wieder öffnen und mindestens im Wechselmodell unterrichten. Ansonsten drohe den Kindern, dass sie bis nach den Sommerferien über 44 Wochen nicht im Klassenraum gesessen haben. «Die Kollateralschäden der Corona-Politik für die Bildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind jetzt schon enorm, aber diese Aussicht ist schlichtweg eine Katastrophe», sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände im Haus der Industrie, Volker Schmidt. An einen Inzidenzwert oder die weitere Entwicklung der Fallzahlen knüpfte er die Forderung nicht.

Schmidt betonte, gerade für Kinder aus «sozial schwächeren» Familien, deren Eltern es schwerfalle, für eine vernünftige technische Ausstattung zu sorgen und beim Lernen zu helfen, sei das Homeschooling schwierig. Viele Kinder hätten ohne Schule zudem kaum Kontakt zu Gleichaltrigen und bewegten sich zu wenig.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte zuletzt die Hoffnung geäußert, dass der Präsenzunterricht ab Mitte Mai bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 ermöglicht werden könnte. So sieht es auch die sogenannte Bundes-Notbremse vor. Bisher müssen die Schulen in Niedersachsen aber bereits ab einer Inzidenz von 100 in den Distanzunterricht wechseln. Das werde auch absehbar so bleiben, hatte eine Sprecherin von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nach Tonnes Äußerungen erklärt.

Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte den uneingeschränkten Ruf der Arbeitgeber nach schnellen Schulöffnungen. «Der Inzidenzwert ist zwar nicht der alleinige Maßstab, aber ihn plötzlich völlig zu ignorieren, wäre absolut unverständlich», sagte Landeschefin Laura Pooth. Das gelte jedenfalls so lange, wie Hygiene, Testungen und Impfangebote noch nicht vollständig umgesetzt seien.

«Schule ist weit mehr als eine Aufbewahrung für Kinder, damit die Eltern arbeiten gehen können», betonte Pooth. «Ein andauerndes Hin und Her von alten und neuen Regelungen hilft niemandem, das muss endlich aufhören.» Die Krise habe außerdem gezeigt, wie notwendig weitere Investitionen in die Schulen seien.

Im Haus der Industrie sind insgesamt 14 Arbeitgeberverbände vertreten, darunter Niedersachsenmetall.

30.04.2021

Bildungsforscher: Keine Nachteile für Abiturienten bei Berufswahl

Trotz der anhaltenden Ausfälle im Pandemie-Schuljahr rechnet der Tübinger Bildungsforscher Richard Göllner nicht mit Nachteilen für angehende Abiturienten in der Arbeitswelt. «Ich glaube nicht, dass Arbeitgeber systematische Defizite der diesjährigen Absolventen ausmachen werden», sagte er der «Stuttgarter Zeitung» (Freitag). «Die Prüfungen sind in der Tiefe genauso anspruchsvoll wie sonst.»

Unter Umständen könnten die schwierigen Umstände durch die Corona-Einschränkungen sogar ein Vorteil auf der Karriereleiter werden. «Möglich ist es», sagte der Göllner, der als Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen forscht. «Denn diese Generation konnte ihre Selbstlernfähigkeiten, die auch für den weiteren Ausbildungserfolg von zentraler Bedeutung sind, besonders gut einüben.» Außerdem gebe es Selbstvertrauen, in schwieriger Lage die bisher wichtigste Prüfung des Lebens erfolgreich zu bestehen.

Göllner zeigte sich zwar überzeugt, dass den Schülern die Vorbereitung für die Abiturprüfungen gelungen sei. Er bedauere die Abiturienten allerdings wegen der sozialen Ausfälle durch die Corona-Einschränkungen. «Es gab keine Studienfahrten, es gibt keinen letzten Schultag, keine Abifeier. Die Absolventen können nicht einfach ein Jahr ins Ausland gehen. Da wird dieser Generation tatsächlich etwas fehlen», sagte er.

Die Abitur- und Zwischenprüfungen für rund 46 000 baden-württembergische Schülerinnen und Schüler beginnen am 4. Mai.

Testpflicht an Schulen: Wie gehen Eltern damit um?

Die Testpflicht an Schulen ist da. Bei Eltern wirft das viele Fragen auf. Doch egal, wie die Antworten darauf ausfallen: Eltern tun gut daran, sich mit ihrer Meinung zurückzuhalten.

Zweimal pro Woche in der Schule einen Corona-Test machen: Ein Thema, das Familien spaltet. Die einen befürworten die zusätzliche Sicherheit, andere sehen darin einen Eingriff in die Privatsphäre ihrer Kinder.

Egal, wie Eltern zum Thema Testpflicht stehen: Ihre Ansichten dazu färben direkt auf die Jugendlichen ab - darüber sollten wir Erwachsenen uns bewusst werden, sagt Familiencoach Kira Liebmann. «Wer sagt: «Du muss nicht in die Schule gehen, ich will nicht, dass du getestet wirst»», lebt seinen Kindern eine Verweigerungshaltung vor, die sich höchstwahrscheinlich übertragen wird oder einem bei anderen Themen wieder von seinem Kind serviert wird.

Tests nicht übermäßig thematisieren

Kira Liebmann rät Eltern, Schnelltests in Schulen nicht übermäßig zu thematisieren. «Ich kann da natürlich meine Meinung zu haben. Aber die Jugendlichen dürfen sich auch ihr eigenes Bild dazu machen.» Außerdem solle man im Hinterkopf behalten, dass Kinder ausgegrenzt werden können, wenn Eltern sie wegen der Testpflicht zu Hause behalten wollen.

Und was ist, wenn sich die Jugendlichen gegen die Tests in der Schule sperren? «Dann müssen Eltern herausfinden, um was es wirklich geht: Haben sie Angst davor, bloßgestellt zu werden, wenn sie positiv sein sollten? Oder wird verweigert, weil die Teenager sowieso gerade in einer Null-Bock-Phase stecken?»

Positiv-Ergebnis? Schon im Vorfeld Plan machen

Wenn es um die Angst vor einem positiven Corona-Testergebnis geht, sollten Eltern mit ihren Kindern einen genauen Plan entwickeln, etwa: «Wenn der Schnelltest positiv ausfällt, passiert erstmal gar nichts. Wir holen dich sofort ab und lassen einen PCR-Test machen. Und wenn der positiv ausfällt, entscheiden wir weiter.» Genau zu wissen, was passiert, gebe Kindern Sicherheit.

29.04.2021

Schulen sollen im Kampf gegen Corona-Bildungslücke mehr Geld bekommen

Schüler brauchen Unterstützung, um verpassten Schulstoff aus der Coronazeit nachzuholen. Darin sind sich die Abgeordneten im hessischen Landtag einig. Nur über das Wann und Wie herrscht Uneinigkeit. Der Kultusminister stellt einen «Königsweg» vor.

Um Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler aus der Corona-Pandemie zu kompensieren, sollen Hessens Schulen mehr Geld vom Land bekommen. Das kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden an. «Wir werden allen Schulen Mittel zur Aufstockung ihrer Schulbudgets zur Verfügung stellen», sagte er. «Denn das ist für mich der Königsweg.» Damit könnten die Schulen vor Ort die Maßnahmen ergreifen und finanzieren, die sie für sinnvoll und erforderlich hielten. Dies könnten beispielsweise zusätzliche Förderkurse oder Hausaufgabenhilfen sein.

Die Pandemie habe zu einer hohen Belastung gerade von Kindern und Jugendlichen geführt, betonte Lorz. Umso wichtiger sei es, die Schulen in den Blick zu nehmen. Dabei gehe es nicht nur um Lernrückstände, sondern auch der Mangel etwa an sozialen Kontakten und Bewegung mache den Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Dies auszugleichen sei eine «gesamtgesellschaftliche Aufgabe», sagte der Minister. Das Problem müsse sehr grundsätzlich und mit langem Atem angegangen werden.

Die Abgeordneten waren sich fraktionsübergreifend einig, dass Schülerinnen und Schüler bei der Kompensation von Corona-Lernrückständen unterstützt werden müssen. Die Opposition warf der Landesregierung jedoch vor, das Problem nicht konsequent anzugehen.

243 000 Jugendliche ab Klasse sieben seien seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen, sagte der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen. «Das Coronavirus hat psychische Spuren bei so vielen hinterlassen, die man mit ein paar Lerncamps sicher nicht wegwischen kann.» Es dürfe nicht nur darum gehen, Lernrückstände aufzuarbeiten, sondern man müsse auch psychische und soziale Probleme in den Blick nehmen, sagte Degen. Im Land werde jedoch beim dringend nötigen Corona-Aufholprogramm gezaudert und gezögert.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elisabeth Kula, sagte: «Die Vereinbarung von Bund und Ländern, eine Milliarde Euro für Nachhilfe zur Verfügung zu stellen, greift viel zu kurz und wird diejenigen, die am dringendsten Unterstützung benötigen, kaum erreichen.» Längst hätten Konzepte zur individuellen Förderung und Angebote für psychosoziale Probleme entwickelt werden müssen.

Der AfD-Abgeordnete Dimitri Schulz schlug einen schulspezifischen Ergänzungsunterricht vor. Dabei müsse Präsenzunterrichts erste Wahl sein. Nach sechs Monaten sollte die Qualität des Ergänzungsunterricht mit Tests überprüft werden, sagte Schulz.

«Die Schulen sind im Ausnahmezustand, die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes haben im Kern zu einem Lockdown für Kinder geführt, und Kinder- und Jugendpsychologen schlagen seit Monaten Alarm», sagte der FDP-Bildungsexperte Moritz Promny. Die Liberalen schlagen unter anderem das «Konzept der offenen Schule» vor. Dann erhielten Schülerinnen und Schüler, die nach Einschätzung ihrer Lehrkraft besonders unter den Schließungen leiden, in der Schule einen Arbeitsplatz sowie die notwendige Infrastruktur und Ansprechpartner.

Außerdem sollten «digitale Schuljahre» im Netz bereitgestellt werden, damit Schüler versäumten Stoff gut nachholen könnten. Unterstützung könnte es auch von Studenten geben, die als «Lernbuddys» schwächeren Schülern zur Seite stehen - und dann diese Leistung auf das Studium angerechnet bekommen.

«Seit Monaten wird über Lernrückstände diskutiert, aber die Landesregierung hat nicht entschlossen genug gehandelt», sagte Promny. Die Rückstände seien noch nicht mal erhoben.

Bremen startet Impfungen für Lehrer an weiterführenden Schulen

In Bremen haben die ersten Berechtigten der Priorisierungsgruppe drei Einladungen für eine Corona-Impfung erhalten. Die betreffe zwar vor allem die Personengruppe der 60- bis 69-Jährigen. Zur Priogruppe drei zählten in Bremen aber auch 6000 Beschäftigte an weiterführenden Schulen sowie rund 4000 Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe, teilte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) mit. Die ersten Schulbeschäftigten könnten bereits am Wochenende geimpft werden.

«Leider können wir aber noch nicht allen Beschäftigten kurzfristig Termine ermöglichen», so Bernhard. Der Impfstoff sei weiter sehr knapp und bremse die Impfgeschwindigkeit. Es werde daher noch weitere Wochen dauern, bis allen Impfberechtigten der Priogruppe drei und danach allen Bremerinnen und Bremern ein Impfangebot gemacht werden könne.

In Bundesland Bremen hat bereits mehr als jeder Vierte mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Zurzeit sind laut Gesundheitsbehörden alle Impftermine bis Ende Mai ausgebucht. Weitere priorisierte Gruppen aus der Priogruppe 3 würden im Anschluss daran ein Impfangebot bekommen. Es könne sich nicht im Impfzentrum registriert oder vorangemeldet werden.

Bernhard verwies auf die Ankündigungen des Bundesministeriums für Gesundheit, wonach im Juni die Priorisierung aufgehoben werden solle. Im Juni stehe darüber hinaus den Ärzten in sehr großem Umfang Impfstoff zur Verfügung, so dass die gemeinsame Impfkampagne dann rasch alle Bevölkerungskreise erreichen könne.

Verpackung fehlerhaft: Rückruf von Schul-Schnelltests

Wegen fehlerhafter Angaben auf der Verpackung sind Corona-Schnelltests zurückgerufen worden, die auch an Thüringer Schulen geliefert worden sind. Allerdings sei nicht die Funktionsweise der Tests selbst beeinträchtigt, sondern nur Angaben auf Verpackung und Beipackzettel fehlerhaft, wie das Thüringer Bildungsministerium am Donnerstag mitteilte.

Betroffen seien die Schnelltests «2019-nCoV Ag Saliva Rapid Test Card» des Herstellers Guangzhou Decheng Biotechnology Co., LTD - und dabei die Chargen mit den Nummern 05821002C und 05821003C. Der Rückruf wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte veröffentlicht.

Nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums sei bislang unklar, wie viele Tests genau betroffen seien. Außerdem gehe man davon aus, dass ein Teil davon bereits verbraucht wurde. Das Ministerium forderte alle Schulen auf, die Chargennummern der gelieferten Tests zu vergleichen.

Schulen, die betroffene Tests finden, könnten sie entweder aussortieren und neue Tests bestellen oder sich vom Deutschen Roten Kreuz schulen lassen und die betroffenen Tests anschließend weiter nutzen.

Hamburgs Fünft- und Sechstklässler dürfen wieder zur Schule

Seit fünf Monaten durften sie coronabedingt gar nicht mehr in ihre Klassen. Nun können die Fünft- und Sechstklässler zumindest wieder im Wechsel die alte Schulbank drücken.

Nach Ende der Mai-Ferien dürfen Hamburgs rund 21 000 Fünft- und Sechstklässler wieder im Wechselunterricht in die Schulen. Da die Abiturienten mit Beginn der Prüfungen nun keinen Unterricht mehr hätten, wolle man den Spielraum für eine weitere vorsichtige Öffnung nutzen, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag. «Diese Kinder und Jugendlichen haben seit März letzten Jahres fast ein dreiviertel Jahr lang keinen Unterricht in der Schule gehabt und konnten in den letzten fünf Monaten nicht mehr in der Schule lernen.» Dabei seien gerade jüngere Schüler auf die Begleitung und Anleitung durch Lehrkräfte und Pädagogen angewiesen, sagte er.

Schule sei für diese Mädchen und Jungen Ort des sozialen Lernens, Begegnungsstätte mit Gleichaltrigen und Struktur für ihren Tagesrhythmus. «Ich freue mich, dass wir die jetzt entstehenden Spielräume nutzen können und hoffe darauf, dass die sinkenden Infektionszahlen in Hamburg vor den Sommerferien weitere Möglichkeiten eröffnen», sagte Rabe. Die Schulen würden die Zeit bis zum 17. Mai nutzen, um sich auf den weiteren Öffnungsschritt vorzubereiten. Die Schüler und ihre Sorgeberechtigten sollen in den nächsten Tagen von den Schulleitungen direkt informiert werden.

Seit Mitte März sind bereits die Grund- und Sonderschüler sowie die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen in Hamburg im Wechselunterricht. Das heißt, dass die Schülerinnen und Schüler die Hälfte aller Unterrichtsstunden in einer halbierten Klassengruppe in der Schule lernen, die andere Hälfte zu Hause im Distanzunterricht.

Die Präsenzpflicht bleibt laut Schulbehörde weiter aufgehoben. Eltern und volljährige Schüler können selbst entscheiden, ob sie am Wechselunterricht teilnehmen oder im Distanzunterricht bleiben. Die Erfahrungen hätten aber gezeigt, dass weniger als zwei Prozent von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen, hieß es.

In Hamburgs Schulen gelten strenge Sicherheitsregeln. Schüler müssen zwei Mal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen, Lehrer und andere Schulbeschäftigte sogar drei Mal pro Woche. Außerdem herrscht auch im Unterricht Maskenpflicht.

Kinder- und Jugendärzte fordern mehr Hilfen für junge Menschen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert wegen Folgen der Corona-Pandemie deutlich mehr Hilfen für junge Menschen. Verbandspräsident Thomas Fischbach bezeichnete die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung für ein «Aufholpaket» für junge Menschen als nicht ausreichend. Der «Rheinischen Post» (Donnerstag) sagte er: «Die Bundesregierung droht mit dem Aufholpaket die Chance zu verpassen, auch die psychische Entwicklung von Kindern außerhalb der Schulen zu fördern. Der Fokus liegt zu stark auf der Bekämpfung von Leistungsdefiziten.»

Er erklärte: «Wir Kinder- und Jugendärzte beobachten sehr häufig Entwicklungsstörungen und psychische sowie körperliche Erkrankungen, die direkt auf die Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen sind.» Insbesondere Kinder aus Familien, in denen die Eltern zu wenig Abwechslung böten oder sich nicht ausreichend kümmern könnten, blieben auf der Strecke.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verteidigte hingegen die Pläne der Bundesregierung. «Wir achten darauf, gerade auch die Kinder, Jugendlichen und Familien zu erreichen und zu unterstützen, die es besonders schwer haben.»

Die große Koalition verhandelt derzeit über ein Förderprogramm in Höhe von rund zwei Milliarden Euro für Kinder und Jugendliche. Ursprünglich war geplant, das Programm am Dienstag im Kabinett auf den Weg zu bringen. Weil es noch Abstimmungsbedarf zwischen Union und SPD gibt, wurde der Beschluss auf voraussichtlich nächsten Mittwoch verschoben. Mit dem Geld sollen zur Hälfte Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler in den Ländern unterstützt werden. Die zweite Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Geplant ist nach SPD-Angaben auch eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. 

28.04.2021

Vier Wochen zum Aufholen des Schulstoffs im neuen Schuljahr

Die ersten vier Wochen im kommenden Schuljahr sollen zum Nachholen von coronabedingt versäumtem Unterrichtsstoff dienen. Das kündigte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Mittwoch im Bildungsausschuss des Landtags an. «Diese Zeit soll dazu dienen, die Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, nach der langen Zeit der Einschränkungen wieder in einen geregelten Schulalltag zurückzufinden, Wissensstände festzustellen und den Blick auf die kommenden Wochen und Monate zu legen», sagte die Ministerin. Allen sei klar, dass die Bewältigung der Folgen der Corona-Krise in der Schule längerfristig angelegt sein müsse.

Es gebe ein ganzes Maßnahmenpaket. Bereits aufgelegte Förderprogramme sollen verlängert werden. So könnten Lehramtsstudenten auch weiterhin gegen Bezahlung zusätzlich in den Schulen helfen. Auch werde es wieder zusätzliche Förderung bei privaten Bildungsanbietern geben, «dies sowohl schulbegleitend als auch in den Ferien».

Ein zusätzliches Programm soll es für Schüler geben, die im Lockdown den Anschluss an die Schule komplett verloren haben. «Dabei wird auch die Jugendhilfe eine wichtige Rolle spielen», betonte die Ministerin.

Der oppositionellen Linken ist das alles zu wenig. Die geplanten vier Wochen zum Beginn des nächsten Schuljahrs reichten «hinten und vorne» nicht aus. «Meine Fraktion erneuert ihren Vorschlag, das Schuljahr nach den Sommerferien bis zum Oktober zu verlängern, um den versäumten Unterricht wenigstens in Teilen nachzuholen», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg.

Keine Blauen Briefe - Landtag billigt Gesetz zu Corona-Schuljahr

Keine Blauen Briefe und freiwilliges Sitzenbleiben - der Landtag hat am Mittwoch ein Gesetz verabschiedet, das Schülern in diesem Corona-Schuljahr faire Bedingungen ermöglichen soll. So müssen Schüler in NRW laut Bildungssicherungsgesetz am Ende dieses Schuljahres keine Blauen Briefe fürchten. Anders als im vergangenen Jahr können leistungsschwache Schüler aber trotzdem sitzenbleiben. Sie können eine Klasse auch freiwillig wiederholen, ohne dass das auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet wird.

Für die zentralen Prüfungen in Klasse zehn (ZP 10) an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen werden in diesem Schuljahr wieder landeseinheitliche Aufgaben gestellt. Vergangenes Jahr war wegen der Pandemie auf zentrale ZP 10-Prüfungen verzichtet worden. Stattdessen hatten Lehrkräfte Klassenarbeiten schreiben lassen. An den Gymnasien wird es wie schon vergangenes Jahr am Ende der zehnten Klasse erneut keine zentralen schriftlichen Prüfungen geben.

Die Opposition aus SPD, Grünen und AfD stimmte gegen das Gesetz. Der SPD-Schulpolitiker Jochen Ott kritisierte das Festhalten an Noten und Abschlussprüfungen. Es müssten auch dieses Jahr wieder dezentrale Klassenarbeiten in Klasse zehn erlaubt werden. Für Abiturienten wäre ein «Freischuss» ein «wichtiges psychologisches Signal» gewesen. «Wir blicken auf ein desaströses Schuljahr zurück, ein Schuljahr unter Pandemie-Bedingungen, in dem das Schulministerium ziellos umherirrte.»

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte, das Gesetz bringe Schülern und Lehrkräften «Sicherheit, Klarheit und Verlässlichkeit». «Es ist ein besonderer und kein normaler Jahrgang.» Haupt- und Realschulprüfungen könnten flexibler gestaltet werden, ohne ihre Anerkennung in Frage zu stellen. Schulabschlüsse müssten auch national vergleichbar bleiben.

Grünen-Schulpolitikerin Sigrid Beer sagte, das Gesetz tauge nicht dazu, die Nachteile des wochenlangen Distanz- und Wechselunterrichts zu kompensieren. AfD-Politiker Helmut Seifen nannte die coronabedingten Schulschließungen eine «Katastrophe». Schüler hätten wenig Gelegenheit gehabt, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Wieder mehr Präsenzunterricht an Schleswig-Holsteins Schulen geplant

Strenger als die Bundesnotbremse, aber mehr Präsenzangebote für Schüler: Die Landesregierung will die Regeln für den Schulunterricht in der Corona-Pandemie transparenter gestalten. Bildungsministerin Prien will vor allem eine Gruppe stärker ins Blickfeld rücken.

Die Landesregierung will die Präsenzangebote an Schleswig-Holsteins Schulen vorsichtig erweitern. Bei weniger als 100 Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen sollen künftig alle Jahrgänge zumindest Wechselunterricht haben, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch. Das soll mehr Planungssicherheit für Eltern und Schulen bringen.

Bei einer Inzidenz in den Kreisen und kreisfreien Städten zwischen 50 und 100 soll es an Jahrgangsstufen 1 bis 6 Präsenz- und ab Jahrgangsstufe 7 Wechselunterricht geben. In Einzelfällen kann in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt aber auch an den Grundschulen Wechselunterricht erfolgen. Bei einer Inzidenz von unter 50 soll überall Präsenzunterricht möglich sein.

Der von der Regierung beschlossene neue Reaktionsplan sieht vor, dass nach drei Tagen über einer 50er oder 100er Inzidenz zum übernächsten Tag entsprechend zwischen den Unterrichtsmodellen gewechselt werden soll. Sinkt die Inzidenz, wird nach fünf Tagen unterhalb des Grenzwerts entsprechend gewechselt.

Bislang seien in einzelnen Kreisen weiterhin nicht alle Jahrgänge wieder im Präsenzunterricht, sagte Prien. «Das bedeutet für diese Kinder und Jugendlichen und deren Eltern eine besondere Härte.» Sie will vor allem Schülern der Mittelstufen auch aufgrund der mittlerweile vorhandenen Selbsttests an den Schulen künftig mehr Präsenzunterricht ermöglichen.

Im Gegensatz zu den Vorgaben der Bundesnotbremse, die Distanzunterricht erst ab einer Inzidenz von 165 zwingend vorschreibt, hält die Landesgrenze in diesem Bereich an ihrem Grenzwert von 100 fest. «Wir haben in Schleswig-Holstein mit der strengeren Regelung gute Erfahrungen gemacht», sagte Prien.

Für die kommende Woche bedeutet das konkret: In Flensburg, Nordfriesland, Plön und Schleswig-Flensburg findet für alle Schüler Präsenzunterricht statt. In Kiel, Lübeck, Neumünster, Dithmarschen, Steinburg, Ostholstein und Rendsburg-Eckernförde gibt es in den Stufen 1 bis 6 Präsenz- und in den Stufen 7 bis 13 Wechselunterricht. In Segeberg sind alle Stufen im Wechselunterricht. In den Kreisen Stormarn und Pinneberg erfolgt Distanzlernen, für die Stufen 1 bis 6 auch eine Notbetreuung. Für die Abschlussklassen gibt es jeweils Präsenzangebote. Für den Kreis Herzogtum Lauenburg soll die Entscheidung am Freitag fallen.

Unterdessen hat der Philologenverband ein Impfangebot für Lehrer gefordert, die Aufsicht bei Coronatests von Schülern führen. Nach Angaben der Landesregierung sollen ab der kommenden Woche alle Lehrer und Schulbeschäftigten ein Impfangebot bekommen sollen. «Ab dem 6. Mai können sich in Schleswig-Holstein jetzt alle Lehrkräfte zur Impfung anmelden und ab dem 10. Mai nach und nach geimpft werden», sagte Prien.

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat begrüßte zwar, dass bei einer Inzidenz unter 100 Präsenzangebote für alle Schüler geplant sind. Der Oppositionspolitiker warf Prien aber vor, bislang noch kein Konzept für zusätzliche Lernangebote während der Sommerferien vorgelegt zu haben. «Nach dem Lernsommer 2020 hatten Ministerium und Schulen ein Jahr Zeit, sich auf den Lernsommer 2021 vorzubereiten.» Er habe in den am Mittwoch erfolgten Ankündigungen auch Informationen zu Aufholstrategien im kommenden Schuljahr oder zur Beruhigung der Schüler vermisst, die über eine freiwillige Wiederholung des Schuljahres nachdenken.

Kinder- und Jugendbeauftragter fordert Sonderprogramm für Sport

Der Kinder- und Jugendbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalts, Holger Paech, hat ein Sonderprogramm gefordert, damit Jugendsport und Jugendfreizeiten trotz der Pandemie wieder in nennenswertem Umfang stattfinden können. Wenn der Staat den noch nicht 16-Jährigen aktuell kein Impfangebot machen könne, so müsse er anderweitig umso aktiver werden, sagte Paech am Mittwoch in Magdeburg. Kinder und Jugendliche dürften in der aktuellen Debatte um Lockerungen von Corona-Maßnahmen nicht aus dem Blick verloren werden.

Es sei völlig richtig, geimpften Personen Grundrechte zurückzugeben, betonte Paech. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kinder und Jugendliche aktuell gar keine Chance hätten, sich impfen zu lassen, weil es für sie keinen zugelassenen Impfstoff gebe. Aber auch sie bräuchten eine verlässliche Perspektive hin zu mehr Normalität. «Zumindest an der frischen Luft oder in großen Hallen muss da deutlich mehr möglich sein - etwa im Sport, Fitnessbereich, in der Kultur oder bei Jugendfreizeiten.» Kinder und Jugendliche dürften sich nicht als Verlierer der Corona-Lage fühlen.

Barmer: Mehr Kinder und Jugendliche seelisch überlastet

Magdeburg (dpa/sa)Immer mehr Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt eine Psychotherapie in Anspruch genommen. Binnen elf Jahren habe sich die Zahl der Therapien bei den bis zu 24-Jährigen mehr als verdoppelt, teilte die Barmer in Magdeburg mit. Die Corona-Pandemie mit dem Wechsel von strikten Kontaktbeschränkungen und sporadischen Schulbesuchen habe die Situation verschärft. Am Mittwoch (10.00 Uhr) stellt die Krankenkasse ihren aktuellen Arztreport vor und erklärt, welche Anlässe zu psychotherapeutischen Behandlungen führen und welche Verläufe es gibt. Es geht auch darum, welche Altersgruppen besonders betroffen sind und welche Hilfen es gibt.

27.04.2021

Nach der Bundes-Notbremse: Berlin beschließt neue Regeln für Schulen

Die Regeln der Bundes-Notbremse gelten auch für die Berliner Schulen. Details dazu hat der Senat am Dienstag beschlossen. Grundsätzlich gilt: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in der Hauptstadt drei Tage hintereinander über einem Wert von 165 pro 100 000 Einwohner, findet kein Präsenzunterricht mehr statt. Die Schülerinnen und Schüler wechseln dann zum «schulisch angeleiteten Lernen zu Hause». Allerdings gibt es in Berlin Ausnahmen zum Beispiel für die Jahrgangsstufe 6, die beim Wechselunterricht bleibt und so auf den Übergang in die weiterführenden Schulen vorbereiten soll. Das teilte die Senatsverwaltung für Bildung am