Freitag, 18. September 2020

+++ Liveticker – Auswirkungen des Coronavirus auf deutsche Schulen +++ 18.09.2020

Im SCHULEN.DE-Liveticker zum Coronavirus finden Sie tagesaktuell alle Informationen zur Auswirkung des Coronavirus auf die deutschen Schulen.

18.09.2020 17.09 Uhr

Generelle Maskenpflicht im Unterricht läuft aus - lokale Unterschiede

Auch wenn sich die bayerischen Schüler vorbildlich daran gehalten haben: Sie werden die Maskenpflicht im Unterricht wohl kaum vermissen. Die allgemeine Vorschrift läuft nun nach den ersten beiden Schulwochen aus. Dennoch darf die Bedeckung nicht überall herunter.

Bayerns Schüler können aufatmen: Die im Unterricht der weiterführenden Schulen zuletzt verpflichtende Maske darf ab nächster Woche wieder runter - sofern es das Infektionsgeschehen vor Ort zulässt. Die entsprechende Anordnung für die ersten beiden Wochen dieses Schuljahres laufe wie geplant aus, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag in München.

Er sei überzeugt, dass die - von den Schülern gut befolgte - Maskenpflicht sinn- und wirkungsvoll gewesen sei. Doch nach nunmehr knapp zwei Wochen Unterricht sei die Gefahr durch Reiserückkehrer deutlich niedriger als zu Schuljahresbeginn, eine generelle Pflicht sei daher nicht mehr nötig. Diese von Politik wie der Schulfamilie begrüßte Entscheidung befeuerte jedoch die Forderungen nach der Anschaffung von Luftreinigungsgeräten.

Trotz der wegfallenden Maskenpflicht im Klassenzimmer müssen vom Erstklässler bis zum Abiturienten auf dem übrigen Schulgelände alle weiterhin eine Mund-Nasen-Bedeckung anlegen. Und auch die Pflicht im Unterricht kann jederzeit wieder angeordnet werden, wenn die Infektionszahlen in der jeweiligen Region zu hoch sind. So verlängerte zum Beispiel die Stadt München am Freitag die Maskenpflicht für weiterführende Schulen, nachdem sie mit 50,7 den entscheidenden Grenzwert überschritten hatte.

Die Behörden orientieren sich dabei an einem Drei-Stufen-Plan: Werden in einer Stadt oder einem Landkreis mehr als 35 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner binnen einer Woche registriert, müssen im Normalfall alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse auch im Unterricht wieder eine Maske tragen, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Steigt der Wert auf über 50, gilt auch für Grundschüler Maskenpflicht, und der Mindestabstand ist obligatorisch. Dies wird aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten in der Regel dazu führen, dass Klassen aufgeteilt und im Wechsel in der Schule und zu Hause unterrichtet werden. Dieses grundsätzlich vorgesehene Vorgehen ist allerdings nicht obligatorisch; die Gesundheitsbehörden vor Ort können davon auch abweichen, beispielsweise wenn in dem Landkreis nur eine Gemeinde, ein Großbetrieb oder das Nachtleben besonderes betroffen ist.

Am Freitag wurden zudem wieder Stimmen laut, die Luftreinigungsgeräte für die Klassenzimmer forderten. «Eine Kurzumfrage unter den Gymnasien und Beruflichen Oberschulen zeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht: Mehr als die Hälfte der rückmeldenden Schulen berichtet von vielen schlecht zu lüftenden Klassenzimmern», teilte etwa der Bayerische Philologenverband mit. Eine Investition in entsprechende Geräte würde das Infektionsrisiko gerade auch mit Blick auf die kalte Jahreszeit deutlich reduzieren. Auch die FDP-Landtagsfraktion argumentierte: «Da Tröpfcheninfektionen und winzige Aerosol-Partikel über die Luft eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Sars-CoV-2 spielen, reicht regelmäßiges Lüften im Unterricht bei Weitem nicht aus.»

Derzeit befinden sich nach den jüngsten Daten des Kultusministeriums vom Freitagnachmittag knapp 8500 der 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie rund 770 Lehrkräfte in coronabedingter Quarantäne; vier Schulen sind aktuell komplett geschlossen. Bei 335 Kindern und Jugendlichen sowie 49 Lehrern wurde eine Infektion festgestellt. Insgesamt sind gut fünf Prozent der 150 000 Lehrkräfte derzeit aus verschiedenen Gründen krankgeschrieben oder wegen Corona vom Präsenzunterricht befreit, weil sie einer Risikogruppe angehören oder schwanger sind.

Diese Lehrer stellen weiterhin Unterrichtsinhalte etwa für den Distanzunterricht bereit oder lehren im Duett mit sogenannten Teamlehrkräften. 800 solcher Stellen wurden eigens geschaffen, mit 600 der rund 6000 Bewerbern gebe es inzwischen Vereinbarungen, berichtete Pizaolo.

Für den Wechsel in das Lernen zu Hause sieht der Minister die Schulen gut aufgestellt: Es gebe inzwischen klare Regeln und Strukturen sowie Vorgaben zu Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und regelmäßigem direkten Kontakt zwischen Schülern und Lehrern. Selbst mündliche Leistungsnachweise dürften inzwischen auf Distanz erbracht werden.

Dennoch bedauerte Piazolo mit Blick auf die strikten Hygienevorgaben auch für den Unterricht in den Schulen: «Es geht manches nicht, was pädagogisch sinnvoll ist.» Doch ein distanzierter Umgang, Frontalunterricht statt Arbeitsgruppen oder ausgefallene Klassenfahrten ließen sich nun einmal nicht vermeiden. «Es macht keinen Sinn zu jammern. Wir haben Corona, Corona nimmt keine Rücksicht auf Schule, deshalb müssen wir Rücksicht auf Corona nehmen und uns gut organisieren.»

18.09.2020 15.54 Uhr

Quarantäne für Schüler rechtens - Eilantrag gescheitert

Ein Schüler, der gemeinsam mit einem positiv auf das Coronavirus getesteten Mitschüler betreut wurde, durfte für 14 Tage in häuslicher Quarantäne geschickt werden. Das entschied das Verwaltungsgericht des Saarlandes in Saarlouis in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss (Az.: 6 L 977/20). Es wies damit einen Eilantrag der Eltern des betroffenen Schülers, der in eine Grundschule in Homburg geht, zurück.

Die Eltern hatten angegeben, ihr Kind habe keinen näheren Kontakt mit dem Infizierten gehabt und sei zudem zwei Mal negativ auf das Coronavirus getestet worden. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Der Schüler habe sich während der Nachmittagsbetreuung mehr als 90 Minuten in einem Raum mit dem positiv getesteten Schüler aufgehalten. Auch die negativen Testergebnisse des Schülers seien nur «Momentaufnahmen» und rechtfertigten nicht die Annahme, dass der betroffene Schüler nicht mehr ansteckungsverdächtig sei. Die Anordnung der Quarantäne durch das Gesundheitsamt des Saarpfalz-Kreises sei deshalb rechtens gewesen.

18.09.2020 13.58 Uhr

Generelle Maskenpflicht im Unterricht läuft aus - lokale Unterschiede

Auch wenn sich die bayerischen Schüler vorbildlich daran gehalten haben: Sie werden die Maskenpflicht im Unterricht wohl kaum vermissen. Die allgemeine Vorschrift läuft nun nach den ersten beiden Schulwochen aus. Dennoch darf die Bedeckung nicht überall herunter.

Bayerns Schüler können aufatmen: Die im Unterricht der weiterführenden Schulen zuletzt verpflichtende Maske darf ab nächster Woche wieder runter - sofern es das Infektionsgeschehen vor Ort zulässt. Die entsprechende Anordnung für die ersten beiden Wochen dieses Schuljahres laufe wie geplant aus, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag in München. Er sei überzeugt, dass die - von den Schülern gut befolgte - Maskenpflicht sinn- und wirkungsvoll gewesen sei. Doch nach nunmehr knapp zwei Wochen Unterricht sei die Gefahr durch Reiserückkehrer deutlich niedriger als zu Schuljahresbeginn, eine generelle Pflicht sei daher nicht mehr nötig.

Vom Erstklässler bis zum Abiturienten müssen jedoch alle jenseits ihres Sitzplatzes im Klassenzimmer weiterhin eine Mund-Nasen-Bedeckung auf dem übrigen Schulgelände anlegen. Und auch die Pflicht im Unterricht kann jederzeit wieder angeordnet werden, wenn die Infektionszahlen in der jeweiligen Region zu hoch sind.

Die Behörden orientieren sich dabei an einem Drei-Stufen-Plan: Werden in einem Landkreis mehr als 35 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner binnen einer Woche registriert, müssen im Normalfall alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse auch im Unterricht wieder eine Maske tragen, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Steigt der Wert auf über 50, gilt auch für Grundschüler Maskenpflicht, und der Mindestabstand ist obligatorisch. Dies wird aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten in der Regel dazu führen, dass Klassen aufgeteilt und im Wechsel in der Schule und zu Hause unterrichtet werden. Dieses grundsätzlich vorgesehene Vorgehen ist allerdings nicht obligatorisch; die Gesundheitsbehörden vor Ort können davon auch abweichen, beispielsweise wenn in dem Landkreis nur eine Gemeinde, ein Großbetrieb oder das Nachtleben besonderes betroffen ist.

Derzeit befinden sich nach den jüngsten Daten des Kultusministeriums vom Freitag knapp 7660 der 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie rund 770 Lehrkräfte in coronabedingter Quarantäne; vier Schulen sind aktuell komplett geschlossen. Bei 298 Kindern und Jugendlichen sowie 46 Lehrern wurde eine Infektion festgestellt. Insgesamt sind gut fünf Prozent der 150 000 Lehrkräfte derzeit aus verschiedenen Gründen krankgeschrieben oder wegen Corona vom Präsenzunterricht befreit, weil sie einer Risikogruppe angehören oder schwanger sind.

Diese Lehrer stellen weiterhin Unterrichtsinhalte etwa für den Distanzunterricht bereit oder lehren im Duett mit sogenannten Teamlehrkräften. 800 solcher Stellen wurden eigens geschaffen, mit 600 der rund 6000 Bewerbern gebe es inzwischen Vereinbarungen, berichtete Pizaolo.

Für den Wechsel in das Lernen zu Hause sieht der Minister die Schulen gut aufgestellt: Es gebe inzwischen klare Regeln und Strukturen sowie Vorgaben zu Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und regelmäßigem direkten Kontakt zwischen Schülern und Lehrern. Selbst mündliche Leistungsnachweise dürften inzwischen auf Distanz erbracht werden.

Dennoch bedauerte Piazolo mit Blick auf die strikten Hygienevorgaben auch für den Unterricht in den Schulen: «Es geht manches nicht, was pädagogisch sinnvoll ist.» Doch ein distanzierter Umgang, Frontalunterricht statt Arbeitsgruppen oder ausgefallene Klassenfahrten ließen sich nun einmal nicht vermeiden. «Es macht keinen Sinn zu jammern. Wir haben Corona, Corona nimmt keine Rücksicht auf Schule, deshalb müssen wir Rücksicht auf Corona nehmen und uns gut organisieren.»

18.09.2020 07.33 Uhr

GEW: Arbeitsbelastung von Lehrern in Corona-Krise erneut gestiegen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Belastung von Lehrerinnen und Lehrern in der Corona-Pandemie scharf kritisiert. Die Arbeitsbelastung sei schon vor der Krise hoch gewesen, aber während der Pandemie habe die Belastung noch einmal zugenommen, warnte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth im Gespräch mit der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Freitag). «Viele Lehrkräfte sind am Rande ihrer Kräfte und völlig erschöpft.» Vor allem die Berufsschulen stünden «kurz vor dem Kollaps», weil dort der Lehrermangel seit jeher besonders groß und die Klassen voll seien.

Pooth beklagte, viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz bekommen hätten, flüchteten in vollzeitschulische Bildungsgänge: «Sie sind frustriert und haben keinerlei Perspektive.» Laut Industrie- und Handelskammer seien in Niedersachsen im laufenden Jahr 3500 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen worden als im Vorjahr - ein Rückgang um ein Viertel. «Mir haben Pädagogen berichtet, dass sie zwei Klassen gleichzeitig unterrichten müssen. Waren früher in einer Klasse mit 25 Schülern zwei schwierig, sind unter 25 Schwierigen jetzt zwei Lernwillige», sagte sie.

Belastend wirke sich aber auch aus, dass die Lehrkräfte die Einhaltung der Hygienevorschriften «ständig kontrollieren müssen». Sie müssten Kinder vom Schulhof abholen und in den Klassenraum bringen, sie müssten zudem überprüfen, dass die Schüler den Sicherheitsabstand einhielten. Und die Mühe scheine umsonst, wenn «die Schüler die Schule verlassen haben und in den überfüllten Schulbussen sitzen».

Auch kritisierte sie, das Land habe keine Lehren aus den vergangenen Monaten gezogen - man lerne besser in kleinen Lerngruppen und Schüler freuten sich über Rückmeldungen der Lehrer zu ihren Online-Aufgaben. Es sei ein Vorurteil, dass Lehrer im Homeoffice «abgetaucht» seien. «Wie engagiert sie sind, zeigt doch auch, dass eigentlich 17 Prozent der Lehrkräfte zur Corona-Risikogruppe gehören und zu Hause bleiben könnten, tatsächlich aber nur 6 Prozent auch davon Gebrauch machen.»

18.09.2020 05.30 Uhr

Nach zwei Wochen Unterricht: Kultusminister Piazolo zieht Bilanz

Es ist ein ganz besonderes Schuljahr, das betonen alle Verantwortlichen immer wieder unisono. Am augenfälligsten: Erstmals müssen alle Schüler ab der fünften Jahrgangsstufe auch im Unterricht Masken tragen. Nun gibt der Minister bekannt, wie lange noch.

Kann die Maske im Unterricht nächste Woche runter oder nicht? Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zieht am Freitag (10.00 Uhr) in München Bilanz über die ersten beiden Wochen des neuen Schuljahres. Dabei dürfte es vor allem um die Frage gehen, ob die derzeit an allen weiterführenden Schulen geltende Maskenpflicht im Unterricht verlängert wird oder nicht. Piazolo hatte bereits angedeutet, dass diese «Zumutung» wie geplant Ende dieser Woche auslaufen dürfte.

Es ist ein Novum, dass sich Schüler und Lehrer im Unterricht nicht ins Gesicht schauen können. Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hat das Kultusministerium angeordnet, dass alle Personen auf dem kompletten Schulgelände einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen.

Eine Ausnahme gilt grundsätzlich nur im Unterricht - doch für die ersten beiden Schulwochen gab es eine Ausnahme von der Ausnahme: Um die Auswirkungen möglicherweise infizierter Reiserückkehrer nach den Sommerferien abzufedern, mussten alle Schüler der weiterführenden Schulen für neun Tage auch im Unterricht eine Alltagsmaske tragen.

Es ist nicht die einzige Maßnahme, die Schüler wie Lehrer vor einer Ansteckung schützen soll. So bleiben die Klassenverbünde so weit wie möglich unter sich. Neben Abstandsregeln gibt es genaue Hygienevorgaben, etwa zum Lüften oder für den Musik- oder Sportunterricht. Und: Erkältete Schülerinnen und Schüler müssen mindestens 24 Stunden zu Hause bleiben. Eine Ausnahme gibt es auch von dieser Regel, und zwar für Grundschüler: Sie dürfen analog zu Krippen- und Kindergartenkindern bei guter Infektionslage auch mit Schnupfen und leichtem Husten die Schule besuchen.

Zudem arbeiten die Behörden mit einem sogenannten Stufenplan: Werden in einem Landkreis mehr als 35 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner binnen einer Woche registriert, müssen im Normalfall alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse auch im Unterricht wieder eine Maske tragen, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Steigt der Wert auf über 50, gilt auch für Grundschüler Maskenpflicht und der Mindestabstand ist zwingend. Dies wird aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten in der Regel dazu führen, dass Klassen wieder aufgeteilt und im Wechsel in der Schule und zu Hause unterrichtet werden.

18.09.2020 04.40 Uhr

Lehrerverband: «Eigentliche Bewährungsprobe steht uns noch bevor»

Nach dem Start des Schuljahres in allen Bundesländern ziehen Lehrervertreter und Bildungsgewerkschaften eine durchwachsene Zwischenbilanz. Dass es unter Corona-Bedingungen bis jetzt so gut funktioniert habe, liege weniger an «vollmundigen Hygieneplänen» der Kultusministerkonferenz und der einzelnen Landesministerien, sondern daran, dass das Infektionsgeschehen in Deutschland derzeit noch überschaubar sei, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, der Deutschen Presse-Agentur. «Die eigentliche Bewährungsprobe steht uns noch bevor», sagte er mit Blick auf den Herbst und Winter.

«Alle geben sich wirklich Mühe, aber es läuft ein bisschen auf gut Glück», sagte Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Es gebe viel Verunsicherung. Schulleitungen beschwerten sich, dass vieles an ihnen hängenbleibe und der Rückhalt von der Politik fehle. «Es gibt Vorgaben, die zum Teil – etwa wegen baulicher Gegebenheiten – nicht erfüllt werden können. Und wenn dann etwas schiefgeht, heißt es da hat wohl jemand 'ne Party gefeiert.» Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, äußerte sich ähnlich. «Das neue Schuljahr ist mit großen Unsicherheiten gestartet, die bis heute nicht ausgeräumt wurden.»

17.09.2020 17.35 Uhr

Neun Schüler und drei Lehrer an Rostocker Schule infiziert

Wochenlang war es rund um das Coronavirus ruhig in Rostock. Nun ist es mit Macht wieder in der Hansestadt aufgetaucht.

An der Hundertwasser-Gesamtschule in Rostock-Lichtenhagen sind neun Schüler und drei Lehrer positiv auf das Coronavirus getestet worden. Für knapp 800 Schüler und mehr als 80 Beschäftigte der Schule sei deshalb eine umfassende Quarantäne ausgesprochen worden, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit. Sie dürften sich nur noch im häuslichen Umfeld aufhalten. Aufgehoben werde die Isolierung erst nach einem zweimaligen Test mit negativem Ergebnis.

«Jetzt kommt es darauf an, schnell und wirkungsvoll zu sein. Das Virus ist unter uns und wir müssen sofort und umfassend dafür sorgen, dass es sich nicht weiter verbreiten kann», sagte Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos). Die Mithilfe aller Betroffenen und deren Umfeld sei nötig. «Bitte bleiben Sie streng in der angeordneten Umgebung. Es geht um den Schutz aller», mahnte Madsen.

Zunächst war am Dienstag bei einer Lehrerin ein positiver Befund erstellt werden. Anschließend war die Schule am Mittwoch nach positiven Tests bei zwei weiteren Lehrern vorübergehend geschlossen worden. Die erste Vermutung, dass die Lehrerin das Virus in die Schule hineingetragen hat, scheinen sich nicht zu bestätigen, sagte Stadtsprecher Ulrich Kunze. Es werde davon ausgegangen, dass es aus der Schülerschaft stamme. Belastbare Details lägen aber nicht vor.

Die neun infizierten Schüler seien aus mehreren Klassenstufen, sagte Kunze. Die sei der Grund, dass die ganze Schule in Quarantäne geschickt worden sei. Details zur Übertragung müssten nun geklärt werden. Das Modell der Landesregierung zur Verhinderung von Übertragungen sieht vor, dass bei den älteren Schülern jeweils zwei aufeinanderfolgende Klassenstufen feste Gruppen bilden. Kontakte zu Mitschülern sind nur innerhalb einer Gruppe erlaubt.

Ein Krisenstab im Rathaus hat die Arbeit aufgenommen und koordiniere das weitere Vorgehen, wie Kunze weitere berichtete. Am Freitag soll das Bürgertelefon seine Arbeit wieder aufnehmen und Fragen Ratsuchender beantworten. Ratsuchende Eltern und Familienangehörige könnten ein digitales Merkblatt nutzen, das über Quarantäne-Regeln, Symptome und Ansprechpartner informiert.

17.09.2020 15.04 Uhr

Schulsenatorin Scheeres ist in Quarantäne

Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist daheim in Quarantäne, weil sie nach Angaben ihrer Behörde auf das Ergebnis eines Corona-Tests wartet. Sie habe den Test vorsorglich machen lassen, erläuterte ein Sprecher der Bildungsverwaltung am Donnerstag. Er bestätigte damit einen Bericht der «Berliner Morgenpost» und andere Medienberichte. Grund sei, dass Scheeres bei einer größeren Gesprächsrunde einer Person begegnet sei, die anschließend positiv getestet worden sei.

Die Veranstaltung sei nicht in der Bildungsverwaltung gewesen. «Wir gehen davon aus, dass es keinen direkten Kontakt gegeben hat», sagte der Sprecher. Scheeres sei vorübergehend zu Hause geblieben, bis das Testergebnis feststehe. Das gelte auch für ihre Staatssekretärin in der Bildungsverwaltung. Mit einem Ergebnis des Tests werde voraussichtlich Freitag gerechnet.

17.09.2020 11.08 Uhr

Gericht: Attest gegen Maskenpflicht an Schulen nur mit Diagnose

Ein simpler Satz ohne jegliche Diagnose auf einem ärztlichen Attest reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche von der Maskenpflicht in den Schulen zu befreien. Das hat nun ein Gericht entschieden. Einer der Gründe: Sonst bestehe die Gefahr von Gefälligkeitsattesten.

Ein pauschales Attest ist nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Würzburg für die Befreiung von der Maskenpflicht in Schulen zu wenig. Atteste, die Schülern ohne jede Begründung bescheinigten, aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-Nasen-Masken tragen zu können, reichten nicht aus um glaubhaft zu machen, dass das Tragen einer Alltagsmaske tatsächlich unzumutbar sei, argumentierte das Gericht in einer am Donnerstag veröffentlichten Eilentscheidung. «Es fehlt an der konkreten Diagnose eines Krankheitsbildes.»

Im vorliegenden Fall hatte eine Mutter stellvertretend für ihre sieben und neun Jahre alten Grundschülerinnen geklagt, weil ihre Kinder trotz eines pauschalen Attestes zunächst vom Unterricht ausgeschlossen und später alternativ zum Tragen eines Visieres aufgefordert worden waren.

Das Gericht fand die Anordnung einer Maskenpflicht zur Bekämpfung der Corona-Pandemie grundsätzlich verhältnismäßig. Zudem hätten die Schülerinnen nicht glaubhaft gemacht, dass ihnen das Tragen einer Maske aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder unzumutbar sei; das aus einem Satz bestehende pauschale Attest reiche dafür nicht aus. «Für eine Glaubhaftmachung bedarf es somit - wie auch in anderen Rechtsgebieten - ärztlicher Bescheinigungen, die konkrete und nachvollziehbare Angaben enthalten», hieß es in der Entscheidung. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Gefälligkeitsatteste die Maskenpflicht und deren Wirksamkeit unterliefen.

In Bayerns Schulen müssen Schüler wie Lehrer auf dem gesamten Gelände eine Maske tragen, also etwa auch in der Pause oder auf dem Weg zur Toilette. In den ersten neun Tagen des Schuljahres galt die Pflicht wegen der Reiserückkehrer zudem auch im Unterricht - ausgenommen davon waren allerdings die Grundschüler.

Würzburg ist aktuell einer der Schwerpunkte der Pandemie in Bayern. Seit Tagen wird dort der Grenzwert von mehr als 50 Infizierten pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gerissen. Nach den jüngsten Daten vom Mittwoch lag der Inzidenzwert bei 75.

17.09.2020 10.01 Uhr

Lehrerfortbildung in Corona-Zeiten ausgeweitet

Die Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz haben in diesem Jahr verstärkt an Fortbildungsangeboten teilgenommen. Seit Beginn der Corona-Pandemie Ende Februar hätten mehr als 12 000 Lehrerinnen und Lehrer insgesamt 465 Fortbildungsangebote des Pädagogischen Landesinstituts genutzt, teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Donnerstag in einer Fragestunde des Landtags in Mainz mit. Hinzu komme die Arbeit von zwei weiteren Instituten mit kostenlosen pädagogischen Fortbildungsangeboten.

Allein in den Sommerferien nutzten 10,2 Prozent der Lehrkräfte nach Angaben Hubigs die unterrichtsfreie Zeit für ihre Fort- und Weiterbildung - gut 26 Mal so viel wie im vergangenen Jahr. «Trotz der zusätzlichen Belastungen der Corona-Pandemie haben Lehrkräfte Fortbildungen besucht, um sich für die Digitalisierung fit zu machen», sagte die Ministerin. Das Pädagogische Landesinstitut habe neue Fortbildungsformate entwickelt, um den Corona-Bedingungen gerecht zu werden.

16.09.2020 16.25 Uhr

Schärfere Corona-Regeln für Schulen in Mecklenburg-Vorpommern

Aus Sorge vor vermehrten Corona-Infektionen im Herbst hat das Schweriner Bildungsministerium die Hygiene-Auflagen für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern verschärft. Danach müssen die Eltern künftig eine Erklärung abgeben, ob ihr Kind in einem Risikogebiet gewesen ist, ob es Kontakt zu infizierten Personen hatte und ob es gesund ist. Geben sie diese Erklärung nicht ab, darf das Kind nach den Herbstferien bis zu zwei Wochen lang die Schule nicht besuchen. Das geht aus einer neuen Verordnung hervor, die am Mittwoch in Kraft getreten ist. Zuvor hatte der NDR berichtet.

Schüler, die für den Schulweg Bus oder Bahn nutzen, sollen künftig auch auf dem Schulweg einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie in großen Gruppen zusammen sind und der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann. Das ist oft an Haltestellen der Fall.

Als Grund für die neuen Regeln gibt das Ministerium die wieder gestiegenen Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern an. Zuletzt waren im Nordosten binnen sieben Tagen 27 Ansteckungen registriert worden (Stand: 10. September).

15.09.2020 12.23 Uhr

Überlegungen für längeres Corona-Testangebot an Schulen und Kitas

Die Linke im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat eine Verlängerung des Corona-Testangebots für Schulmitarbeiter über die Herbstferien hinaus gefordert. «Gerade nach der Reisewelle in den Ferien müssen Testungen vorgenommen werden, um Lehrkräfte als Überträger auszuschließen», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg am Dienstag. Es müsse verhindert werden, dass Schulen und Ausbildungseinrichtungen sich zu Hotspots des Infektionsgeschehens entwickelten. Die einwöchigen Herbstferien beginnen am 5. Oktober.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte allen Schul- und Kita-Mitarbeitern jeweils fünf kostenlose Corona-Tests zwischen den Sommer- und den Herbstferien angeboten. In den ersten zwei Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres Anfang August hatten davon allerdings nur rund zwei Prozent der Beschäftigten an den Schulen Gebrauch gemacht, wie es aus dem Bildungsministerium hieß. Aktuellere Zahlen lagen zunächst nicht vor.

Auch in den Kitas sei die Nutzung der Testmöglichkeit gering, hieß es aus dem Sozialministerium. Nach Worten von Ministeriumssprecher Alexander Kujat gibt es dennoch Überlegungen in der Landesregierung, das Testangebot über die Herbstferien hinaus zu verlängern. Es war vor allem eingeführt worden, um dem Personal in Kitas und Schulen mehr Sicherheit zu geben.

Mecklenburg-Vorpommern ist bundesweit am geringsten von Corona betroffen, es gibt aber immer wieder vereinzelte Infektionen an Bildungseinrichtungen. Aktuell sind die Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow mit sieben Fällen und eine Berufsschule in Greifswald mit einem Fall betroffen.

15.09.2020 12.23 Uhr

Berlins Schulen sollen CO2-Messgeräte bekommen

CO2-Messgeräte sollen den Lehrern in Berliner Schulen künftig erkennen helfen, wann es Zeit zum Lüften ist. Das ist während der Corona-Pandemie umso wichtiger, weil häufiges Lüften als Maßnahme empfohlen wird, das Risiko zu senken, sich mit dem Covid-19-Virus zu infizieren.

«Wenn der CO2-Gehalt in der Raumluft steigt, verfärbt sich die Anzeige von Grün über Gelb auf Rot», sagte Martin Klesmann, Sprecher der Senatsbildungsverwaltung, der «Berliner Morgenpost» (Dienstag) über die Funktionsweise der Messgeräte. Spätestens bei Gelb-Rot sollten die Fenster geöffnet werden, möglichst auch die Tür, damit Durchzug entsteht.

Mit dem Ende des Sommers nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, dass die Fenster in Schulen regelmäßig geöffnet werden. Die Kohlendioxid-Messgeräte sind den Angaben zufolge kaum größer als ein Wecker. Die Anschaffung laufe über die Senatsbildungsverwaltung. Kosten und Anzahl der C02-Messgeräte, die jede Schule bekommen soll, sind noch offen. Laut Bildungsverwaltung bekommt aber nicht jeder Klassenraum ein eigenes CO2-Messgerät; infrage kommen etwa besonders große Lerngruppen oder Räume, die sich schlecht lüften lassen.

Tom Erdmann, Vorsitzender der Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), begrüßte den Einsatz der Geräte. «Ich halte das für eine gangbare Möglichkeit», sagte er der Zeitung. Aber besser wäre natürlich, sie in größerer Anzahl zu haben, «am besten in jedem Klassenzimmer». Landeselternsprecher Norman Heise schätzt das ähnlich ein: «Warum kann man das nicht flächendeckend machen?»

Dagegen ist der Einsatz von Luftreinigern mit Luftfiltern noch nicht sicher. An einigen wenigen Berliner Schulen startet nach Angaben der Bildungsverwaltung ein Pilotprojekt mit Hepa-Filtern, die auch Viren aus der Luft entfernen sollen. Wie effektiv das sei, müsse zunächst getetet werden, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung. Die Zahl der belastbaren Studien zu dem Thema sei überschaubar.

14.09.2020 18.28 Uhr

Zahl der coronainfizierten Schüler in Bayern verdoppelt

Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Schüler hat sich in Bayern übers Wochenende mehr als verdoppelt. Das Kultusministerium in München sprach am Montag von 135 infizierten Kindern und Jugendlichen. Vor dem Wochenende waren es 66. Bei den Lehrern gebe es aktuell derzeit 43 Infektionen - ein Fall weniger. Vier Schulen sind wegen Corona-Infektionen vorübergehend geschlossen: eine Mittelschule in Furth im Wald (Oberpfalz), eine Realschule in Deggendorf (Niederbayern), ein Gymnasium in Würzburg und eine nicht näher benannte Berufsschule.

«Es wird in diesem Schuljahr leider ein Stück weit Normalität sein, dass Klassen oder Lehrkräfte von den Gesundheitsämtern in Quarantäne geschickt werden», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Laut Ministerium sind momentan rund 2490 Schüler sowie knapp 400 Lehrer in Quarantäne. Oft wurden ganze Klassen heimgeschickt. Mehr Corona-Fälle gibt es an Kindertagesstätten: Rund 50 Einrichtungen sind derzeit ganz oder teilweise geschlossen.

In Bayern gibt es 1,65 Millionen Schüler sowie 150 000 Lehrerinnen und Lehrer. Die Schule läuft nach dem Ende der großen Ferien seit dem 8. September wieder. Noch bis Ende der Woche gilt mit Ausnahme der Grundschulen auch in Klassenzimmern eine Maskenpflicht.

Ebenfalls bis Ende der Woche laufen freiwillige Reihentests für Lehrer. Rund 60 Prozent wollen laut Kultusministerium teilnehmen. Nach den Herbstferien sollen die Tests wiederholt werden. In Rosenheim müssen nun auch Grundschüler im Unterricht Masken tragen, weil der kritische Warnwert von 50 Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten wurde.

14.09.2020 17.55 Uhr

Ministerium legt Bedingungen für zusätzliche Schulbusse fest

Zum Beginn des neuen Schuljahrs hat das Verkehrsministerium Bedingungen für den Einsatz von zusätzlichen Schulbussen wegen Corona festgelegt: Sind alle Sitzplätze belegt und wird die Anzahl der erlaubten Stehplätze um 40 Prozent überschritten, kann ein Landkreis sogenannte Verstärkerbusse bestellen. Ein Ministeriumssprecher erläuterte am Montag in Stuttgart, dass die konkrete Zahl vom jeweiligen Bustyp abhänge. In die verschiedenen Busse passen unterschiedlich viele Passagiere.

Jetzt müssten Landkreise und Busunternehmen den Bedarf ermitteln, sagte der Sprecher. Sie wüssten am besten, wie viele Schüler auf welchen Linien mitfahren und in die Busse passen. Das Ministerium trägt bis zu den Herbstferien 80 Prozent der zusätzlichen Kosten, die bei den Landkreisen anfallen. Dafür sollen bis zu zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Die zusätzlichen Busse sollen helfen, Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern. Im gesamten Nahverkehr gilt bereits Maskenpflicht für Kinder ab sieben Jahren. «Zusätzlich erhöhen wir mit dieser freiwilligen Maßnahme den Infektionsschutz im ÖPNV, entlasten die kommunalen Aufgabenträger und schaffen eine Einnahmequelle für Reisebusunternehmen, welche ihre freien Buskapazitäten zur Verfügung stellen können», sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

14.09.2020 16.46 Uhr

Hessen startet Untersuchung mit Corona-Schnelltests bei Lehrern

An hessischen Schulen startet eine Studie mit 1000 Lehrerinnen und Lehrern zum Einsatz von Schnelltests gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. «Regelmäßige Antigen-Schnelltests ermöglichen die frühzeitige Erkennung von Infektionen», teilte Sozialminister Kai Klose (Grüne) nach einem Besuch beim Darmstädter Unternehmen R-Biopharm AG am Montag mit. Der Faktor Zeit spiele beim Infektionsgeschehen eine wichtige Rolle. Die Tests seien schnell und unkompliziert und im Prinzip von jedermann selbst zu machen.

Bei der «Safe School Studie» handelt sich um eine wissenschaftliche Untersuchung. Sie prüfe unter anderem neue Einsatzmöglichkeiten von Antigen-Schnelltests, damit Infektionen mit SARS-CoV-2 frühzeitig erkannt werden, so die Landesregierung. Die Studie wird vom Kultusministerium finanziert und fachlich vom Sozialministerium begleitet.

Nach Angaben des Kultusministeriums startet die Studie am Mittwoch und läuft bis zum 13. November. Die Pädagogen sollen sich alle zwei Tage zu Hause testen, mit Ausnahme der Herbstferien. Die wissenschaftliche Leitung hat das Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. «Es ist ein Meilenstein, wenn man den Test selber machen kann», sagte Professorin Sandra Ciesek der Deutschen Presse-Agentur.

Erforscht werden soll, inwiefern Antigen-Schnelltests die bislang überwiegend verwendeten PCR-Tests sinnvoll ergänzen können. «Wir erwarten wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung zuverlässiger Testverfahren und Teststrategien», sagte Klose. Die Lehrer wurden vergangene Woche angeschrieben, ob sie sich beteiligen wollen. «Mit den Selbsttests verbinden wir die große Hoffnung, Infektionen frühzeitig erkennen und die weitere Ausbreitung verhindern zu können», sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU).

14.09.2020 16.12 Uhr

Bildung in Corona-Zeiten - 1,5 Millionen Schüler zurück auf Schulbank

Die Ferien sind vorbei. Am Montag haben Schulen im Südwesten ihren Betrieb wieder aufgenommen. Mehr als 100 000 Kinder hatten ihren ersten Schultag. Neben Deutsch und Mathe hören Schüler nun auch etwas von Begegnungsflächen oder Kohortenprinzip.

Als letztes Bundesland hat am Montag Baden-Württemberg den Schulbetrieb wieder aufgenommen. Nach den Sommerferien begann für die 1,5 Millionen Schüler und 35 000 Lehrkräfte an den 4500 Schulen ein ungewisses Jahr. Der Start stand im Zeichen besonderer Hygienevorschriften wegen der Corona-Pandemie.

Trotz Kritik von Verbänden und Gewerkschaften sieht Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) das Land gut gerüstet. Ab Klasse fünf und an den weiterführenden Schulen gilt Maskenpflicht auf sogenannten Begegnungsflächen wie Schulfluren, Aula und Toiletten. Im Unterricht soll auf Masken verzichtet werden. An Grundschulen sind Masken ebenfalls nicht vorgeschrieben.

Die Lehrer müssen auch im Lehrerzimmer eine Maske tragen. Die Corona-Verordnung der Landesregierung schreibt vor, dass an weiterführenden und beruflichen Schulen alle Personen - und damit auch Lehrkräfte - auf Begegnungsflächen eine Mund-Nasen-Bedeckung nutzen müssten.

Das Abstandsgebot an den Schulen gilt indes nicht mehr. Das Kultusministerium setzt stattdessen auf das sogenannte Kohortenprinzip - also Gruppenbildung -, um das Infektionsgeschehen nachvollziehen zu können und möglichst keine ganzen Schulen schließen zu müssen. Schüler mit Vorerkrankung dürfen zu Hause bleiben, müssen aber am Fernunterricht teilnehmen. Nach Angaben des Ministeriums fehlten aber nur rund ein Prozent der Schüler im Präsenzunterricht.

Etwa 102 500 Kinder im Südwesten haben im Lauf dieser Woche ihren ersten Schultag. Die große Mehrheit - 96 300 - startet an einer Grundschule. Damit werden voraussichtlich etwas mehr Mädchen und Jungen an Grundschulen eingeschult als im Vorjahr (94 020), wie das Statistische Landesamt mitteilte. Weitere 4400 Kinder mit besonderem Förderbedarf besuchen sonderpädagogische Zentren. 1800 drücken an einer privaten Freien Waldorfschule die Schulbank.

Im vergangenen Schuljahr wurden von insgesamt 92 910 erstmals schulpflichtigen Kindern 10,5 Prozent zurückgestellt. Dabei wurde der Schulstart für Jungen den Statistikern zufolge deutlich häufiger verschoben als für Mädchen: 12,8 Prozent verglichen mit 8,2 Prozent. Zu den erstmals schulpflichtigen Kindern gehören alle, die bis zum 30. September 2019 das sechste Lebensjahr vollendet hatten.

Bereits zwei Wochen vor dem Schulstart hatten Tausende Schüler im Südwesten an den allgemeinbildenden Schulen wie Grundschulen und Gymnasien sowie an Berufsschulen mit dem Büffeln begonnen. Schwächere Kinder und Jugendliche sollten bei den sogenannten Lernbrücken Wissenslücken aus der Corona-Zeit schließen.

14.09.2020 15.35 Uhr

Umfrage: Schulen schlecht vorbereitet auf neue Corona-Schließungen

In ganz Deutschland sind die Sommerferien jetzt vorbei. Wären die Schulen eigentlich diesmal besser vorbereitet auf coronabedingte Schließungen? Der Glaube daran ist einer Umfrage zufolge nicht besonders groß.

Bevölkerung und Eltern sind einer Umfrage zufolge mehr als skeptisch, ob die Schulen in Deutschland auf mögliche erneute coronabedingte Schließungen vorbereitet sind. Baden-Württemberg startete am Montag als letztes Bundesland ins neue Schuljahr. Der Digitalbranchenverband Bitkom veröffentlichte am selben Tag eine repräsentative Umfrage. Die Bürger vergaben darin im Schnitt nur die Schulnote 4,3 bei der Frage, wie sie die Schulen auf die Aufrechterhaltung des Unterrichts im Falle eines «erneuten Lockdowns» vorbereitet sehen. Eltern schulpflichtiger Kinder vergaben sogar lediglich ein «mangelhaft» (4,6).

Nach Ansicht der Bundesbeauftragten für Digitalisierung, Staatsministerin Dorothee Bär (CSU), wurde in den vergangenen Monaten noch nicht genug getan. «Die Corona-Krise hat wachgerüttelt, dennoch ist in den vergangenen Monaten zu wenig passiert», sagte Bär am Montag der Deutschen Presse-Agentur. «Auf einen zweiten Lockdown wären wir nicht wirklich besser vorbereitet.» Es gebe zwar positive Einzelbeispiele und einzelne Initiativen, aber in der Breite stünden Familien im Falle von Schließungen wieder vor ähnlichen Härten wie im Frühjahr.

Bewegung gab es am Montag allerdings beim Thema digitales Schul- und Lernmaterial: Eine von Bund und Ländern finanzierte neue Mediathek mit Filmen, Audios, Bildern, Arbeitsblättern und digitalen Lerneinheiten ging online. Auf der Plattform MUNDO standen zum Start rund 30 000 Medien bereit, wie das zuständige FWU Institut für Film und Bild in Grünwald bei München mitteilte. Die Corona-Pandemie habe die Bedeutung dieser Bildungsmaterialien für gelingende digitale Bildung in Deutschland einmal mehr unterstrichen, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Mit dem länderübergreifenden Projekt würden sie nun für alle Bundesländer verfügbar gemacht. Vom Deutschen Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, wurde das begrüßt: «In dieser Hinsicht geht es eindeutig voran», sagte die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing am Montag.

Der Bitkom-Umfrage zufolge, die im August durchgeführt wurde, wird der Stand der Digitalisierung (Geräte, Internetanbindung oder digitale Unterrichtsinhalte) an den Schulen lediglich mit «ausreichend» bewertet (4,2 Eltern, 4,2 alle Befragten). Digitalisierungsgegner gibt es demnach so gut wie gar nicht: Nur drei Prozent sind der Auffassung, digitale Technologien wie Computer oder Tablets sollten in Schulen nichts zu suchen haben. Eine große Mehrheit ist dagegen dafür, dass Computer, Smartboards oder Tablets in allen Schulen Standard sein sollten (88 Prozent, Eltern 93 Prozent). Zudem finden es die allermeisten Befragten wichtig, dass alle Schüler mit Laptops oder Tablets ausgestattet werden und Lehrer regelmäßig in digitalen Kompetenzen weitergebildet werden.

«Es reicht nicht, auf Hygiene und Abstand beim Präsenzunterricht zu achten. Sondern Schulen müssen digital fit werden», sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Thomas Sattelberger. Es brauche seriöse Lernplattformen, digital ausgebildete Lehrer und staatlich finanzierte Hardware für alle Schüler.

Bär kritisierte den Föderalismus, «wie er momentan bei dem Thema Bildung funktioniert», als «echten Hemmschuh». Für Bildung ist in Deutschland jedes Bundesland selbst zuständig. Die Digitalstaatsministerin forderte mehr Effizienz. «Es macht keinen Sinn, dass jedes Bundesland das Rad neu erfindet.» «Es ist unserem Land nicht würdig, dass wir bei der digitalen Bildung derart hinterherhinken.»

Am Geld mangelt es momentan nicht, aber es dauert, bis die Mittel an den Schulen ankommen. Über den Digitalpakt Schule stehen 5,5 Milliarden Euro zur technischen Modernisierung bereit, unter anderem für den Aufbau von schuleigenem WLAN oder die Anschaffung interaktiver Tafeln. Zusätzlich werden in der Corona-Krise 500 Millionen Euro für Leihlaptops für bedürftige Schüler bereitgestellt, zudem soll es 500 Millionen Euro für Dienstgeräte für Lehrer geben.

14.09.2020 03.30 Uhr

Pauken in Pandemiezeiten - Schüler starten ins neue Schuljahr

Nun wird es ernst: Am Montagmorgen klingeln die Schulglocken an rund 4500 Schulen im Land. Wird der Regelbetrieb trotz Corona funktionieren?

Unter Ausnahmebedingungen und ungewissen Vorzeichen starten 1,5 Millionen Schüler und mehr als 135 000 Lehrer am Montag in ein neues Schuljahr. In Baden-Württemberg enden am Montag im letzten Bundesland die Sommerferien. Trotz Kritik von Verbänden und Gewerkschaften sieht Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) das Land gut gerüstet für das neue Schuljahr. Ab sofort gilt ab Klasse fünf und an den weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht auf den sogenannten Begegnungsflächen wie den Schulfluren, der Aula und den Toiletten.

Im Unterricht soll auf Masken verzichtet werden. An Grundschulen sind Masken ebenfalls nicht vorgeschrieben. Das Kultusministerium setzt auf Gruppenbildung im Schulbetrieb, um das Infektionsgeschehen genau nachvollziehen zu können und möglichst keine ganzen Schulstandorte schließen zu müssen. Schüler mit Vorerkrankung dürfen zuhause bleiben, müssen aber trotzdem am Fernunterricht teilnehmen.

Unterdessen leiden die Schulen im Land weiterhin unter einer knappen Personaldecke. Von mehr als 5900 zu besetzenden Lehrerstellen an den öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen konnten 645 nicht besetzt werden, davon fast die Hälfte an Grundschulen.

13.09.2020 05.00 Uhr

Gemischte Bilanz zur Schulbus-Börse nach den ersten Tagen

Mehr Busse, damit sich die Schüler in Corona-Zeiten nicht zu sehr drängen müssen: Mobilitätsverband und Verkehrsministerium sehen das dafür geschaffene neue Projekt Bus-Börse auf einem guten Weg. Der Landeselternverband ist dagegen nicht zufrieden.

Über die vor wenigen Tagen geschaffene Schulbus-Börse gehen die Meinungen auseinander. Kern des Projekts ist es, das Gedränge der Schüler in den oft überfüllten Fahrzeugen mit Blick auf die Corona-Infektionsgefahr zu lindern, indem zusätzlich zu den regulären Fahrzeugen Reisebusse eingesetzt werden, die wegen der Corona-Krise unbenutzt auf den Höfen stehen. Nach Einschätzung des Verbandes der privaten Verkehrsbetriebe Mobilität & Logistik Rheinland-Pfalz (Molo), der die Börse organisiert, und des Verkehrsministeriums, das die Gelder dafür bereitstellt, ist die Aktion erfolgreich aus den Startlöchern gekommen. Vielen Eltern reicht das aber nicht.

«Von unserer Seite aus läuft das. Die Kommunen fragen die Busse an, die Unternehmen freuen sich, dass sie ihre Reisebusse einsetzen können», sagte Molo-Geschäftsführer Guido Borning der Deutschen Presse-Agentur. Die Kommunen als Schulträger hätten die Möglichkeit, sich direkt an die Busunternehmen vor Ort zu wenden. «Deswegen haben wir als Verband nicht den kompletten Überblick, aber nichtsdestotrotz ist es so, dass viele Verantwortliche aus den Kommunen sich bei uns gemeldet und wir Kontakte zu Unternehmen vermittelt haben.»

Das Land fördert über die Schulbus-Börse bis zu 250 Fahrzeuge und übernimmt 90 Prozent der Finanzierung, den Rest müssen die Kommunen als Schulträger drauflegen. «Aktuell werden 220 Busse mit Fahrer im Pool angeboten. Nach meinen Informationen wurden noch nicht alle abgerufen», berichtete Borning. «Es ist noch keine Kommune bei uns aufgeschlagen, die Bedarf angemeldet und gesagt hätte: Alles ist schon weg.»

Das Verkehrsministerium erklärte, es sei vorgesehen, dass die Kreise und kreisfreien Städte zuerst die örtlichen Verkehrsunternehmen wegen zusätzlicher Busse ansprechen und dann erst auf die Busbörse als ergänzendes Angebot zugreifen. Der Einsatz der zusätzlichen Busse durch die Kommunen sei unabhängig von einem Bescheid durch das Ministerium möglich, wird dort betont. Bereits seit dem 20. August könne jede Kommune Verträge mit Verkehrsunternehmen abschließen und die Busse auch schon einsetzen. Der Antrag könne dann parallel beim Verkehrsministerium eingereicht werden.

Das Ministerium versprach einen schnellen Bescheid - auch rückwirkend bis zum 20. August. Nach Einschätzung des Ministeriums werden in vielen Gebieten von Rheinland-Pfalz bereits zusätzliche Busse eingesetzt. Diese hätten «die Lage dort deutlich verbessert».

Auch nach der Einführung der Schulbus-Börse ist Landeselternsprecher Reiner Schladweiler mit der Situation unzufrieden. «Wir haben höchstens eine minimale Verbesserung», sagte Schladweiler der Deutschen Presse-Agentur. «Das dauert alles viel zu lange.» Obwohl immer mehr Eltern-Taxis unterwegs seien, blieben die Busse zu voll. Die in der Börse anvisierten 220 bis 250 Busse reichten bei Weitem nicht aus. «Wir fordern 1000 Busse in die Busbörse», sagte er.

Der Landeselternbeirat habe deshalb eine entsprechende Petition an den Landtag gestartet, die unter anderem auch eine Reduzierung der Stehplätze in den Bussen fordert, berichtete Schladweiler. Die Aktion läuft noch bis Ende Oktober und sammelte bislang mehr als 5400 Unterschriften ein (Stand Freitagmittag). Die Homepage, die dafür eingerichtet wurde, nutzen viele Unterzeichner auch, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Der Landeselternsprecher räumte ein, dass sich die Petition eigentlich an die Kommunen als Schulträger richten müsste. «Doch da bekommen wir immer wieder die gleiche Antwort: Wir haben kein Geld», berichtete er. Deswegen habe man sich entschlossen, die Initiative an den Landtag zu richten - auch mit Blick auf die Landtagswahl im März. Die Probleme seien teils schon jahrzehntealt und bekannt, doch habe sich die Situation nun nochmals zugespitzt: «Die Corona-Lage zwingt uns zum Handeln. Den Herbst haben wir noch vor uns», warnte er. Denn dann komme auch noch das Grippe-Virus hinzu.

«Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht viel verbessert», kritisierte Schladweiler. «Doch Corona zwingt uns, jetzt neue Wege zu gehen», sagte er mit Blick auf die geforderten 1000 Busse zusätzlich. «Wir würden etwas für die Umwelt tun, weil weniger Eltern-Taxis unterwegs sind, und die Schülerbeförderung sicherer machen mit weniger Stehplätzen.» Bei der Finanzierung sei natürlich auch der Bund gefordert: «Die Länder alleine können das auf Dauer nicht stemmen.»

Wie Schladweiler wies auch Verbandsgeschäftsführer Borning darauf hin, dass das Problem nicht neu sei: «Das Thema überfüllte Schulbusse haben wir schon seit Jahren. Das war immer auch eine Frage der Finanzierung.» Schulverkehr sei eine kommunale Pflichtausgabe. Eine Kommune könne selbst entscheiden, ob sie die Situation entzerren wolle.

«Wir freuen uns als Fachverband, dass das Land von sich aus gesagt hat, wir gehen in die ÖPNV-Finanzierung rein», sagte Borning. Die derzeit zugesagten bis zu 250 Busse entsprächen der Kapazität, die der Verband aktuell für machbar halte. «Wenn die Finanzierungsfragen anders geklärt werden und der Wunsch der Verantwortlichen da ist und das bezahlt wird, können wir bei unseren Mitgliedsunternehmen auch noch mehr Kapazitäten abrufen», sagte er mit Blick auf die Wünsche vieler Eltern und Schüler nach dauerhaft mehr Schulbussen.

12.09.2020 17.55 Uhr

SPD kritisiert Prozedere bei Gesundheitserklärungen für Schüler

Jeder Schüler muss zum Schulbeginn dokumentieren, dass er weder mit dem Coronavirus infiziert ist noch Kontakt mit Infizierten hatte. Allerdings hat er dafür eine ganze Woche Zeit. Das ist nicht gut, findet die SPD.

Kurz vor Schulbeginn hat die SPD im Landtag ein «Chaos um die Gesundheitserklärungen» kritisiert. Diese sollen Schüler in der ersten Schulwoche als Bestätigung dafür mitbringen, dass sie beispielsweise weder mit dem Coronavirus infiziert sind noch Kontakt zu Infizierten hatten. «Zuerst hatte das Kultusministerium erklärt, dass am kommenden Montag kein einziges Kind ohne Gesundheitserklärung in die Schule kommen dürfe», sagte Fraktionschef Andreas Stoch am Samstag. «Doch weil die entsprechenden Formulare zu spät an die Schulen kamen, ist das plötzlich passé. Nun kann es sein, dass Schüler, deren Gesundheitsstatus völlig unklar ist, eine Woche lang im Klassenzimmer sitzen.»

Das Kultusministerium sagte hingegen, man habe Eltern und Schülern ausreichend Gelegenheit geben wollen, die Gesundheitserklärungen durchzulesen und auszufüllen. Es handele sich hierbei um ein pragmatisches Vorgehen. «Keine Schülerin und kein Schüler soll in der ersten Schulwoche vom Schulbesuch ausgeschlossen werden, wenn die Gesundheitserklärung noch nicht am ersten Tag vorliegt», erklärte dazu eine Sprecherin des Ministeriums.

Außerdem werde bereits durch das Betreten des Schulgeländes erklärt, dass keine Corona-Symptome vorlägen oder Kontakt zu Corona-Infizierten bestand. «Die Gesundheitserklärung zielt darauf ab, die Vorgaben und Ausschlussgründe nochmals bewusst zu machen und dies zu dokumentieren», sagte die Sprecherin.

11.09.2020 16.55 Uhr

Lehrer müssen im Lehrerzimmer Maske tragen

Unmittelbar vor dem Schulstart hat das baden-württembergische Kultusministerium am Freitag auf Anfrage darauf hingewiesen, dass die Pädagogen auch im Lehrerzimmer eine Maske tragen müssen. Die Corona-Verordnung der Landesregierung schreibe vor, dass an den weiterführenden und beruflichen Schulen alle Personen – und damit auch Lehrkräfte - auf den sogenannten Begegnungsflächen eine Mund-Nasen-Bedeckung nutzen müssten, teilte ein Sprecher in Stuttgart mit.

Das Lehrerzimmer sei eine Begegnungsfläche, wie auch Flure, Treppenhäuser, Toiletten oder Pausenhöfe. Dabei wird unterstellt, dass dort ein Mindestabstand zwischen den Lehrkräften nicht dauerhaft verlässlich eingehalten werden kann. «Ausgenommen von der Maskenpflicht sind lediglich die Unterrichtsräume.» Zuvor hatte das «Badische Tagblatt» darüber berichtet.

11.09.2020 15.05 Uhr

Schüler scheitern mit Eilantrag gegen Maskenpflicht in der Schule

Zwei Eisenacher Schüler sind mit einem Eilantrag gegen eine Maskenpflicht in den Gängen und Fluren ihrer Schule vor dem Verwaltungsgericht in Meinigen gescheitert. Die beiden Gymnasiasten wollten erreichen, dass sie sich nicht an die im Hygieneplan ihrer Schule vorgeschriebene Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung halten müssen. Die Richter wiesen den Widerspruch am Donnerstag zurück, wie das Verwaltungsgericht Meinigen am Freitag mitteilte. Demnach fehle das notwendige Rechtsschutzbedürfnis.

Denn wenn die Schüler mit ihrem Eilantrag Erfolg gehabt hätten, hätten sie aufgrund anderer Anti-Corona-Maßnahmen weiterhin Masken tragen müssen. Diese Verpflichtung ergebe sich auf der entsprechenden Verordnung zur Eindämmung der Corona-Pandemie des Bildungsministeriums, hieß es in einer Mitteilung des Gerichts. Dort ist unter anderem geregelt, dass in Schulgebäuden immer dann Masken getragen werden sollen, wenn der Mindestabstand nicht einhalten werden kann - insbesondere beim Raumwechsel in den Pausen. Eine Maskenpflicht im Unterricht gibt es dagegen nicht. Der Gerichtsbeschluss ist noch nicht rechtskräftig.

11.09.2020 07.33 Uhr

GEW: Corona-Tests für Lehrer bieten nur «gefühlte Sicherheit»

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in den kostenlosen Corona-Tests für Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogische Mitarbeiter nur eine Momentaufnahme. Die Tests böten nur eine «gefühlte Sicherheit», sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth der Oldenburger «Nordwest-Zeitung» (Freitag). «Wer ein negatives Ergebnis hat, kann sich am nächsten Tag schon das Virus einfangen.» Anderseits hätten sich viele Kolleginnen und Kollegen diese Tests gewünscht, daher sei es gut, dass Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) dem nachkomme.

Zuvor hatte das Ministerium angekündigt, dass Lehrer sich bis zu den Herbstferien kostenlos auf das neuartige Virus testen lassen können. Das freiwillige Angebot von zwei Tests sei ein weiterer Baustein zur Sicherheit und zum Sicherheitsempfinden der Schulbeschäftigten, sagte Tonne. Für die Tests und Laborauswertungen stellt das Land demnach rund elf Millionen Euro aus dem Sondervermögen zur Bewältigung der Corona-Pandemie bereit. Zuletzt gab es laut Ministerium an knapp 50 Schulen im Land coronabedingte Einschränkungen.

Pooth kritisierte ein zehnseitiges Papier des Ministeriums, das für «Unmut» an den Schulen sorge. «Da stecken zwar gute Ideen drin, aber der Zeitpunkt ist absolut unpassend. Nämlich drei Wochen zu spät», sagte sie dem Blatt. «Keine Schulleiterin, kein Lehrer hat sechs Wochen Sommerferien gemacht, sondern genau an den Dingen gearbeitet, die ihnen der Minister jetzt vorschlägt.» Da schwinge «ein Stück Misstrauen» mit, das völlig unangemessen sei.

Pooth betonte, die Ausstattung der Schulen lasse immer noch zu wünschen übrig: «Bei einer Befragung unserer Kolleginnen und Kollegen sagen knapp 30 Prozent, dass die Hygieneregeln aufgrund der schlechten Ausstattung nicht einzuhalten sind.» Teils fehlten noch immer Waschbecken, Seife und Handtücher, an vielen Schulen ließen sich nicht einmal die Fenster öffnen. «Das ist inakzeptabel.»

10.09.2020 18.25 Uhr

Kritik an neuem Konzept für Schulen zu Folgen der Corona-Pandemie

Ein neues Konzept des niedersächsischen Kultusministeriums für den Umgang mit Folgen der Corona-Pandemie für allgemeinbildende Schulen stößt auf Kritik. Darin werden die Schulleitungen unter anderem verpflichtet, Projekttage und Gespräche zur individuellen Aufarbeitung durchzuführen. «Keine Schulleiterin, kein Lehrer hat sechs Wochen Sommerferien gemacht, sondern genau an den Dingen gearbeitet, die ihnen der Minister jetzt vorschlägt», sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Laura Pooth, der «Nordwest-Zeitung» (Freitag). Den Schulleitungen würde misstraut, es entstünde der Eindruck, dass der Minister glaubt, er habe es mit 80 000 Berufsanfängern zu tun.

Der Vorsitzende des Verbands Niedersächsischer Lehrkräfte, Torsten Neumann, kritisierte, dass das Papier erst diese Woche verschickt worden sei. Es hätte schon im Juni oder Juli den Schulen zur Verfügung stehen müssen, «bevor alle Planungen abgeschlossen sind und nicht erst, wenn das Schuljahr bereits in der dritten Woche läuft», hieß es in einer Mitteilung des Verbandes.

In dem Papier steht auch, dass alle Schulen im Falle eines Shutdown verpflichtet sind, einzelnen Schülern aller Schuljahrgänge über die Angebote der Notbetreuung hinaus beaufsichtigte Arbeitsplätze für das Distanzlernen zur Verfügung zu stellen - entsprechend ihrer
sächlichen und personellen Ressourcen. Pooth forderte in der «Nordwest-Zeitung», das Arbeitspapier nicht zur Pflicht zu machen. «Keinesfalls dürfen jetzt noch Sanktionen durchgesetzt werden.»

10.09.2020 17.41 Uhr

Schule im Hunsrück wegen Corona-Fällen vorerst geschlossen

Stromberg/Bad Kreuznach (dpa/lrs)Nach mehreren Corona-Infektionen bei Schülern ist eine Schule in Stromberg im Hunsrück vorsorglich geschlossen worden. Wie die Kreisverwaltung Bad Kreuznach am Donnerstag mitteilte, fällt der Unterricht noch bis Freitag komplett aus. Mittlerweile seien sieben Schüler der Integrierten Gesamtschule positiv auf das Coronavirus getestet worden. Schulleitung und Kreisverwaltung versuchten nun, Infektionsketten nachzuvollziehen.

10.09.2020 15.26 Uhr

Corona-Lücken ausgleichen - Land verlängert Angebote für Schüler

Die NRW-Landesregierung verlängert die Ferien- und außerschulischen Bildungsangebote, um Lerndefizite bei Schülern infolge der Corona-Krise auszugleichen. Bis Ende des Jahres können die Kommunen in Nordrhein-Westfalen weitere Programme für eine gezielte Förderung und Betreuung von Schülern einplanen. Der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtages habe dafür am Donnerstag grünes Licht gegeben, teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mit. Zuerst hatte der WDR über die Entwicklung berichtet.

«Das Sommerferienprogramm wird auch in den Herbstferien fortgesetzt», sagte Gebauer. Zugleich werde es ausgeweitet. Programme etwa zum sozialen, sprachlichen oder motorischen Lernen könne es nun auch außerhalb der Ferien an Wochenenden geben. Teilnehmen dürften Schüler aller Schulformen und Altersklassen.

Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte 75 Millionen Euro bereitgestellt, um Schüler, die von den coronabedingten Schulschließungen besonders stark betroffen waren, auch in den Sommerferien zu unterstützen. Allerdings riefen die Kommunen nach Informationen des WDR davon gerade mal zwei Millionen Euro ab. Denn das Sommerangebot sei für viele Städte und Gemeinden zu kurzfristig gekommen.

Mit dem jetzigen Landtagsbeschluss vier Wochen vor Beginn der Herbstferien sollen die Kommunen mehr Zeit für die Planung bekommen. Die verbliebenen Fördermittel stehen laut Ministerium bis zum Ende des Jahres 2020 und darüber hinaus bereit.

10.09.2020 11.26 Uhr

Düstere Prognose fürs Schuljahr: Philologen rechnen mit Schließungen

Stuttgart (dpa/lsw)Der Philologenverband sieht die Schulen im Land nicht für einen Regelbetrieb in Pandemie-Zeiten gerüstet. Nur mit großem Glück werde man im kommenden Schuljahr ohne die Schließung ganzer Schulen auskommen, sagte der Landesvorsitzende Ralf Scholl am Donnerstag in Stuttgart. Dass an Schulen Teile geschlossen werden müssen, davon könne man fest ausgehen. Das sogenannte Kohortenprinzip funktioniere an Gymnasien nicht - in der Oberstufe seien Schüler in jedem Kurs mit anderen Schülern zusammen. Gebe es dort eine Infektion, werde die ganze Kursstufe dichtgemacht, sagte Scholl. Das Kultusministerium arbeite nach wie vor nach dem Prinzip Hoffnung und schöpfe nicht alle Möglichkeiten aus, um den Regelbetrieb zu schützen. So hätte man nach den Ferien für die ersten beiden Wochen eine Maskenpflicht auch im Unterricht verordnen können.

10.09.2020 03.30 Uhr

SPD sieht Schulen für das neue Schuljahr schlecht gerüstet

Die Schüler im Land haben ein Jahr im Ausnahmezustand hinter sich. Aber von Normalität dürfte auch das neue Schuljahr noch weit entfernt sein.

Die Schulen im Land sind aus Sicht der SPD im Landtag schlecht vorbereitet für das am Montag startende neue Schuljahr. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Fulst-Blei, kritisierte Mängel bei der Digitalisierung. Mittel für neue Geräte würden nicht abfließen, zudem gebe es zu wenig Fortbildungen in dem Bereich für die Lehrer.

Das zweiwöchige Nachhilfeprogramm in den Ferien reiche bei weitem nicht aus, um die Wissenslücken aus der Corona-Pandemie zu schließen. Viele Schüler bräuchten auch im neuen Schuljahr laufend während des Unterrichts Unterstützung. Fulst-Blei plädierte dafür, den Schulen ein dezentrales Budget zur Verfügung zu stellen, um Nachhilfeleistungen selbst einkaufen zu können.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will am Donnerstag (11.00 Uhr) den aktuellen Stand der Planungen für das neue Schuljahr der Öffentlichkeit in Stuttgart vorstellen. Kurz zuvor (9.30 Uhr) veranstaltet auch der Philologenverband eine Pressekonferenz zur Lage der Schulen zu Corona-Zeiten. Die Bildungsgewerkschaft GEW hatte am Montag verkündet, dass sie die Schulen im Südwesten noch schlecht gewappnet sieht für den Unterricht unter Corona-Bedingungen. Wegen des Lehrermangels und der Corona-Risikogruppen fehlten derzeit so viele Lehrkräfte wie noch nie in den Klassenzimmern, hatte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz betont.

09.09.2020 16.32 Uhr

Gericht: keine Freistellung vom Unterricht wegen Corona ohne Attest

Das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) hat einen Antrag von zwei Schulkindern abgelehnt, die aus Angst wegen einer Ansteckung mit dem Corona-Virus vom Unterricht an ihrer Schule befreit werden wollten. Die beiden sieben und neun Jahre alten Schüler hatten, vertreten durch ihre Eltern, vor dem Gericht einen Antrag auf Eilrechtsschutz eingelegt. Das Gericht lehnte den Antrag ab. Es bestehe kein allgemeiner Anspruch auf Befreiung von der Pflicht zur Teilnahme am Präsenzunterricht, teilte das Verwaltungsgericht am Mittwoch mit (VG 1 L 435/20).

Die Eltern der beiden Schüler hatten bei der Grundschule und dem Schulamt zuvor beantragt, die Kinder vom Unterricht in der Schule zu befreien. Als Grund gaben sie die auf Grund der Corona-Pandemie bestehende Gefahrenlage an und dass sie Angst vor einer Ansteckung hätten. Grundschule und Schulamt forderten die Eltern daraufhin auf, durch ein ärztliches Attest nachzuweisen, dass sie oder die beiden Kinder zur Risikogruppe gehörten. Da die Eltern kein Attest vorlegten, lehnten die Behörden die Befreiung ab. Da die Kinder auch weiterhin nicht zum Unterricht erschienen, wurde eine Schulversäumnisanzeige erstattet.

Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass das Land Regelungen zur Eindämmung der Pandemie getroffen habe, die dazu beitragen, eine Ausbreitung des Virus auch im schulischen Bereich einzudämmen und das Risiko einer Ansteckung möglichst gering zu halten. Dazu gehöre beispielsweise der Mindestabstand zwischen Lehrern und auch, dass innerhalb der Schule eine Maske getragen werden müsse. Weitergehende Schutzmaßnahmen seien verfassungsrechtlich nicht geboten. Ebenso wenig wie in anderen Lebensbereichen bestehe ein Anspruch, vor jeglichem (Rest-)Risiko verschont zu bleiben, so das Gericht. Gegen den Beschluss ist die Beschwerde zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zugelassen.

09.09.2020 14.06 Uhr

Schulsenator zieht trotz Corona-Ausbruchs positive Zwischenbilanz

Einen Monat nach Ende der Sommerferien hat Schulsenator Ties Rabe eine positive Zwischenbilanz zur Rückkehr zum Präsenzunterricht für alle Hamburger Schüler gezogen. Trotz wieder gestiegener Corona-Zahlen und eines Ausbruchs an einer Schule in Winterhude sei es die richtige Lösung, da Kinder und Jugendliche in der Schule besser als zu Hause lernen würden, erklärte der SPD-Politiker am Mittwoch. «Sie brauchen die Anleitung und Motivation durch Lehrkräfte, sie brauchen ihre Klassenkameraden und ihre Freunde, und sie brauchen die gut ausgestatteten Arbeitsplätze, Lernmöglichkeiten und Betreuungsangebote in den Schulen.»

Bis auf eine Ausnahme hätten sich bisher in allen bekannten Corona-Fällen die Schüler oder Schulbeschäftigten nicht an den Schulen infiziert, sagte der Senator. «Abweichend davon gibt es jetzt allerdings in der Heinrich-Hertz-Schule in Winterhude eine ungewöhnliche Häufung von Infektionen.» Bei den dort bislang positiv getesteten 26 Schülern und 3 Schulbeschäftigten müsse davon ausgegangen werden, dass sich zumindest zwei von ihnen innerhalb der Schule angesteckt haben könnten. Einige Kinder hätten das Virus aber auch von außen eingetragen.

Aufgrund der vielen Infektionen gelte dort zunächst für eine Woche auch im Unterricht die Maskenpflicht. «Ich bin froh, dass die Gesundheitsämter hier wie in allen anderen Verdachtsfällen besonders konsequent und umsichtig vorgehen und aus Sicherheitsgründen in den betroffenen Klassen sehr häufig testen», sagte Rabe.

Die Heinrich-Hertz-Schule bilde angesichts der Gesamt-Corona-Zahlen aber eine Ausnahme: An allen anderen Schulen haben sich laut Behörde nur 27 der 256 000 Schülerinnen und Schüler (0,01 Prozent) und einer der rund 24 000 Schulbeschäftigten (0,004 Prozent) mit Corona infiziert.

09.09.2020 13.14 Uhr

Gebauer rechnet vor: Kein Missstand bei Luft in Klassenräumen

Etwa 2,3 Prozent der Unterrichtsräume an den öffentlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen können in der Corona-Pandemie nicht ausreichend gelüftet werden. Das teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags mit. Sie präzisierte damit Zahlen einer Umfrage zur Belüftungssituation, die das Ministerium am Vortag herausgegeben hatte.

Mit rund 90 Prozent habe die überwiegende Mehrheit der teilnehmenden Schulen angegeben, keine Probleme mit der Belüftung zu haben, rechnete Gebauer vor. An den übrigen zehn Prozent seien insgesamt 22,6 Prozent der Klassenräume nicht hinreichend zu belüften. Hochgerechnet bedeute das, dass etwa 2,3 Prozent aller Unterrichtsräume an den öffentlichen Schulen betroffen seien. Bei knapp 40 Prozent dieser Räume seien bauliche Mängel an den Fenstern die Ursache. Hochgerechnet könnten damit etwa ein Prozent aller Unterrichtsräume wegen Mängeln an den Fenstern nicht ausreichend gelüftet werden. «Von einem flächendeckenden Missstand kann bei einem Anteil von einem Prozent der Unterrichtsräume nicht die Rede sein», so Gebauer. An der Umfrage hatten gut 91 Prozent der knapp 5500 Schulen in NRW teilgenommen.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte vergangene Woche angekündigt, dass systematisch abgefragt werde, wo es Probleme mit Lüftungssystemen gebe. Die SPD-Opposition hatte die Frage auf die Tagesordnung des Schulausschusses gesetzt.

08.09.2020 07.00 Uhr

Rund 3000 Corona-Tests bei Kindern seit Schuljahresbeginn in MV

Seit dem Schulstart Anfang August sind nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Mecklenburg-Vorpommern etwa 13 000 Kinder und Jugendliche mit akuten Erkältungssymptomen ärztlich behandelt worden. Bei knapp einem Viertel davon sahen sich die Mediziner veranlasst, Corona-Tests vorzunehmen. Keiner davon fiel positiv aus. Das geht aus der aktuellen Statistik des Landesamtes in Rostock hervor. Lediglich zum Ende der Sommerferien waren bei zwei erkälteten Kindern Infektionen festgestellt worden.

Den Angaben zufolge war die Zahl der registrierten Erkältungsfälle in der zweiten Schulwoche auf 3800 nach oben geschnellt, fiel dann aber wieder. In der ersten Septemberwoche registrierten die an der Erhebung beteiligten 72 Kinderarztpraxen im Land noch 1730 Fälle. Die Corona-Tests sanken im gleichen Zeitraum von 1242 je Woche auf 260.

In Mecklenburg-Vorpommern dürfen Kinder mit Schnupfen, leichtem Husten und geringfügig erhöhter Temperatur die Schule und auch die Kita weiter besuchen. Bei Fieber und schwerer ausgeprägten Erkältungssymptomen sollen sie nach den von der Landesregierung herausgegebenen Handlungsempfehlungen aber zu Hause bleiben und einem Arzt vorgestellt werden.

Am Montag war an der Landesförderschule für hörgeschädigte Kinder in Güstrow ein Schüler positiv auf Covid-19 getestet worden. Allerdings hatte das Kind zuvor keine Krankheitssymptome gezeigt. Der Test war nach der Infektion zweier Familienmitglieder veranlasst worden. Mit insgesamt 63 Infizierten je 100 000 Einwohner verzeichnet Mecklenburg-Vorpommern weiterhin die geringste Ansteckungsquote bundesweit. In Bayern ist sie sieben Mal so hoch.

08.09.2020 04.00 Uhr

10 000 Lehrer haben sich seit Corona zu Digitaler Schule fortgebildet

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich mindestens 10 000 der etwa 41 000 Lehrer in Rheinland-Pfalz zum Thema Digitale Schule fortgebildet. Dafür gab es 486 Online-Veranstaltungen, wie Ministeriumssprecherin Sabine Schmidt sagte. In diesen Zahlen nicht enthalten seien Fortbildungen, die Schulen intern organisierten sowie analoge Angebote.

Das Land ermögliche seinen Lehrkräften eine Vielzahl an Fort- und Weiterbildungen. Dabei können sich Lehrkräfte auch an mehr als fünf Tagen pro Schuljahr fort- und weiterbilden, wenn dies dienstlich begründet und von der Schulleitung genehmigt ist. In den Sommerferien habe etwa jeder zehnte Lehrer an einer Fortbildung zum Thema Digitalität teilgenommen, fast zehnmal so viele wie sonst.

07.09.2020 15.13 Uhr

Gericht lehnt Eilantrag gegen Maskenpflicht an Schulen ab

(dpa/lby) - Die Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen in Bayern bleibt bestehen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München lehnte am Montag einen Eilantrag ab, mit dem ein Gymnasiast die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung während des Unterrichts kippen wollte. Diese Maßnahme diene dem legitimen Zweck, die Weiterverbreitung des Coronavirus unter den Schülern und Lehrern zumindest zu reduzieren und hierdurch die Virusausbreitung in der Bevölkerung insgesamt einzudämmen, heißt es in der Entscheidung. Rechtsmittel können gegen den Beschluss nicht eingelegt werden. Eine Mutter hatte den Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz im Namen ihres zehn Jahre alten Sohnes gestellt.

07.09.2020 13.10 Uhr

Corona: Lüftungscheck in NRW-Schulen beschäftigt den Landtag

Der Schulausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags wird sich am Mittwoch mit dem geplanten gebäudetechnischen Corona-Check für alle rund 5500 Schulen des Landes beschäftigen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass systematisch abgefragt werde, wo es Probleme mit Lüftungssystemen gebe. Nach ersten Daten sei davon auszugehen, dass etwa ein Prozent aller Schulen bauliche Mängel hätten und zum Teil etwa Fenster nicht geöffnet werden könnten.

Die SPD-Opposition hält die Dimension des Problems für weit größer und hat das Thema daher auf die Tagesordnung des Schulausschusses gebracht. Anfang März hätten in einer WDR-Umfrage immerhin 80 Prozent aller Schulleiter von rund 1200 befragten Schulen den baulichen Zustand an ihren Einrichtungen als schlecht bezeichnet, sagte der schulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Düsseldorf. «Ein halbes Jahr später spricht Armin Laschet davon, dass angeblich nur ein Prozent der Schulen Mängel aufweise. Die Behauptungen der Landesregierung decken sich in vielen Fällen nicht mit der Realität an den Schulen.»

07.09.2020 09.46 Uhr

Trotz Corona-Auflagen: Putzpersonal an Schulen kaum aufgestockt

Trotz der deutlich verschärften Hygieneregeln sind an wenigen Schulen die Putzkolonnen aufgestockt worden. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW unter Schulleitungen aller Schularten in Baden-Württemberg. Demnach gaben 80 Prozent der Leiter an, dass kein zusätzliches Reinigungspersonal von den Kommunen als Schulträger bereitgestellt worden sei. An knapp 20 Prozent der befragten Schulen gibt es laut Umfrage zusätzliches Personal, um die Hygiene-Auflagen durch die Corona-Verordnungen umzusetzen. In den ersten Septembertagen hatten sich bis zum Donnerstag 224 Schulen an der GEW-Umfrage beteiligt.

«Wir gehen leider davon aus, dass zum Schulstart am 14. September in den 4500 Schulen im Land an vielen Stellen vorgeschriebene Hygienestandards nicht eingehalten werden können», sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. Sie habe sich zwar schon lange vor den Sommerferien für mehr Reinigungspersonal und verbindliche Absprachen des Kultusministeriums mit den Schulträgern eingesetzt. «Aber Kultusministerin Susanne Eisenmann und die Schulträger haben offensichtlich ihre Hausaufgaben nicht gemacht», kritisierte Moritz.

Nach den Hygienehinweisen des Landes für Schulen müssen unter anderem Handkontaktflächen wie Türklinken und Griffe, Treppengeländer, Lichtschalter, Tische, Kopierer und zum Beispiel Tastaturen besonders gründlich und mindestens täglich gereinigt werden. In allen Toilettenräumen muss es ausreichend Spender für Flüssigseifen und Einmalpapier-Handtücher geben. Diese gilt es für die Schulen regelmäßig aufzufüllen.

Die Gewerkschaft will weitere Ergebnisse der Umfrage am Montag (11.30) in Stuttgart vorstellen.

06.09.2020 16.41 Uhr

Holpriger Schulstart: Weitere Quarantäne-Fälle unter Schülern

Das Kultusministerium sieht den Schulstart nach den Sommerferien als gelungen an. Ganz ohne Corona-Folgen für die Schulen - und Schüler - geht es allerdings nicht. An weiteren Schulen wurden Quarantänen angeordnet. Und wie entwickeln sich die Infektionszahlen im Land?

Inmitten der Coronavirus-Pandemie verläuft Niedersachsens Start ins neue Schuljahr holprig: Schüler mehrerer Schulen im Land haben sich mit dem Virus infiziert. Beschränkungen wurden verhängt.

Am Artland-Gymnasium in Quakenbrück hätten sich vier Schülerinnen und Schüler mit dem Virus infiziert, teilte der Landkreis Osnabrück am Sonntag mit. Der Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück, die niedersächsische Landesschulbehörde und die Schulleitung hätten entschieden, den Schulbetrieb zunächst für zwei Tage - Montag und Dienstag - einzustellen. Ziel sei zu verhindern, dass sich das Virus unkontrolliert verbreite. Kontakte zwischen Schülern und Lehrern sollten ermittelt werden. Betroffen seien Schüler verschiedener Klassen und Jahrgängen, bisher seien sechs Klassen sowie 16 Lehrer als Kontaktpersonen identifiziert. Weitere Tests seien für den Wochenbeginn geplant.

Zuvor hatte das Gesundheitsamt des Landkreises Celle an drei Schulen Beschränkungen verhängt, ein Verdachtsfall an einer Schule in Empelde in der Region Hannover bestätigte sich zudem. Schulschließungen gebe es im Raum Celle aber nicht, teilte der Landkreis mit. In einer Schule sei in Ganztagsgruppen in 39 Fällen Quarantäne verhängt worden - sowohl für Zweitklässler als auch für Viertklässler. Die anderen Kinder könnten am Montag ganz normal zum Unterricht kommen. Auch sieben Kinder einer Oberschule in Westercelle müssten in Quarantäne. Weitere sieben Quarantänefälle gab es demnach in zwei Klassen an einer Berufsschule in Altenhagen.

Die Gesamtzahl der Corona-Neuinfektionen in Niedersachsen stieg auch am Sonntag wieder, wie das Sozialministerium in Hannover mitteilte. Die Zahl der bestätigten Infektionen erhöhte sich um 48 auf 17 266 Fälle. 87,9 Prozent der Betroffenen sind demnach genesen. Seit Sonntag vor einer Woche betrug der Anstieg in Niedersachsen 543 Fälle. Die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen lag landesweit bei 6,4, am höchsten fiel der Wert im Landkreis Celle mit 13,4 aus.

In Empelde bestätigte Schulleiter Kay Warneke Medienberichten zufolge, dass Schüler aus fünf bis sechs Kursen, die der erkrankte Jugendliche besucht habe, voraussichtlich bis zum 17. September eine häusliche Quarantäne einhalten müssten. Die restlichen Schülerinnen und Schüler des betroffenen Oberstufenjahrgangs würden in der Zeit ebenfalls im Homeschooling unterrichtet.

Gut eine Woche nach Schuljahresbeginn waren landesweit 22 Schulen von Corona-Einschränkungen betroffen. Wegen festgestellter Infektionen seien 43 Klassen und 3 Jahrgänge in den Heimunterricht geschickt worden, teilte das Kultusministerium mit. Ganze Schulschließungen gab es nicht. Oft müssten auch nicht alle betroffenen Schüler in Quarantäne. Das Ministerium verwies darauf, dass die Einschränkungen nicht mit Unterrichtsausfall gleichzusetzen seien. Die Schulen seien verpflichtet, von der Quarantäne betroffenen Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht zu betreuen. Insgesamt sei der Neustart des Unterrichts aus Sicht des Ministeriums dennoch gut verlaufen.

Im Landkreis Cuxhaven trafen Corona-Beschränkungen drei Klassen der Oberschule in Dorum, wie der Kreis kürzlich mitteilte. In Dorum sei ein Lehrer positiv auf das Coronavirus getestet worden. Im Kreis Goslar sind zwei Klassen an Schulen in Seesen beziehungsweise in Goslar in Quarantäne. Vorsorglich wurde auch eine Klasse des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Wolfenbüttel in Quarantäne geschickt. Auch in Göttingen und Seelze waren Schulen betroffen.

06.03.2020 05.01 Uhr

Hubig sieht in Sommerschule Gewinn für alle - Herbstschule kommt

Beim Homeschooling in Corona-Zeiten ist mancher Schüler nicht richtig mitgekommen. In einer Sommerschule konnten Kinder und Jugendliche aber Verpasstes nachholen - mit Erfolg.

Fast 80 Prozent der Schüler der ersten Sommerschule in Rheinland-Pfalz fühlten sich danach besser auf das neue Schuljahr vorbereitet. Ungefähr genauso viele stimmten in einer Umfrage der Aussage, dass sie in dieser Ferienwoche viel gelernt hätten, eher oder ganz zu. Nahezu 60 Prozent der Jungen und Mädchen sagten, sie seien in Deutsch besser geworden, in Mathe seien es sogar mehr als zwei Drittel (68,2 Prozent). Ihre Angaben deckten sich mit den Aussagen der Kursleiter, wie der Sprecher des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums, Henning Henn, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte.

Grundlage ist eine Befragung von rund 1300 Teilnehmern der Sommerschule. Darunter waren 850 Schüler, zum Teil mit Unterstützung ihrer Eltern, und 450 Kursleiter. «Die Sommerschule war ein Gewinn für alle Beteiligten», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). «Rund 75 Prozent der befragten Schüler gaben an, sich gerne wieder bei einem Ferien-Lernangebot anzumelden.» Daher werde es auch eine Herbstschule geben.

Nach deren Einschätzung war für das erfolgreiche Lernen vor allem ein klarer Tagesablauf hilfreich. Mehr als die Hälfte der ehrenamtlichen Lehrkräfte sagte zudem, dass sie den Unterricht in einer neu zusammengesetzten Lerngruppe als besonders fördernd für das gemeinsame Leben empfanden. Gut 90 Prozent der befragten Schüler lobten ihre Kursleiter. Der Spaß sei nicht zu kurz gekommen, wie viele Aussagen der Schüler zeigten, heißt es in der Umfrage. 59 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben zudem an, neue Freunde kennengelernt zu haben.

Rund die Hälfte der Jungen und Mädchen waren Grundschüler. Ein Viertel kam aus Gymnasien, 14 Prozent aus Realschulen plus sowie knapp elf Prozent aus Integrierten Gesamtschulen.

In den meisten Gruppen (fast 69 Prozent) lernten zwischen sechs und zehn Schülern zusammen. Nur in 6,5 Prozent bestand die Ferienklasse aus 11 bis 15 Schülern. In einem Viertel der Gruppen holten nur ein bis fünf Teilnehmer versäumten Unterrichtsstoff nach.

An der ersten Sommerschule in den letzten beiden Ferienwochen (5. bis 24. August) hatten insgesamt rund 20 000 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Die Jungen und Mädchen konnten eine Ferienwoche lang täglich drei Stunden lang Lerninhalte nachholen. Das Programm mit 345 Nachhilfeangeboten in Deutsch und Mathematik im Corona-Sommer war nach Darstellung des Ministeriums bundesweit einzigartig.

05.09.2020 10.49 Uhr

Fast 60 Gymnasiasten in Weimar in Quarantäne

Nach zwei neuen Corona-Infektionen in Weimar müssen 57 Schüler des Schiller-Gymnasiums vorerst in Quarantäne. Die Zwölftklässler würden schnellstmöglich getestet, teilte die Stadtverwaltung mit. In einer Familie seien zwei Infektionen nachgewiesen worden.

Zu den Kontaktpersonen gehörten neben den Gymnasiasten auch Erzieherinnen eines Kindergartens. Dort werde das Risiko einer Ansteckung aber als eher gering eingeschätzt. Die Kinder könnten daher weiter die Kita besuchen, hieß es. Die Erzieherinnen tragen Mund-Nasen-Bedeckungen und werden laut Mitteilung vorsorglich getestet.

Zuvor war in Arnstadt nach fünf Neuinfektionen die Montessori-Kita geschlossen worden. Die Einrichtung bleibt bis zum 11. September zu.

04.09.2020 19.47 Uhr

22 Schulen in Frankreich wegen Corona-Epidemie geschlossen

Wenige Tage nach dem Wiederbeginn des Unterrichts sind in Frankreich und einem Überseedépartement bereits 22 Schulen wegen der Corona-Epidemie geschlossen worden. Zwölf der betroffenen Einrichtungen seien in Frankreich selbst, die übrigen zehn auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion im Indischen Ozean, sagte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer am Freitag im Radiosender Europe 1.

Nach den Sommerferien hatten die Schulen am Dienstag den Unterricht wiederaufgenommen. Es gibt in Frankreich rund 60 000 Schulen. Die Schüler müssen ab elf Jahren eine Maske tragen und die Abstandsregeln einhalten.

Frankreich wurde von der Pandemie schwer getroffen, es gab bisher rund 30 700 Tote in Verbindung mit Covid-19. Wie die Gesundheitsbehörden am Abend mitteilten, wurden innerhalb von 24 Stunden 8975 neue Fälle gezählt - das war deutlich mehr als an Vortagen. Strenge Ausgangssperren im Frühjahr schränkten das öffentliche und wirtschaftliche Leben massiv ein.

04.09.2020 16.04 Uhr

Laschet kündigt Corona-Check in allen Schulen an - Geld für Lüftung

Geld für Schulen, grünes Licht für Martinsumzüge, Gerechtigkeit für die Bundesliga und den Amateursport - Ministerpräsident Laschet hat für seine letzte große Pressekonferenz vor der Kommunalwahl gute Nachrichten im Gepäck.

Die Lüftungssysteme in allen rund 5500 Schulen Nordrhein-Westfalens sollen einem Corona-Check unterzogen werden. Das kündigte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag in Düsseldorf an. «Die Schulministerin und die Bauministerin sind mit großem Engagement dabei, zu identifizieren: Wo ist das Problem der Lüftungen in den Schulen?».

Bei seiner voraussichtlich letzten großen Pressekonferenz vor den Kommunalwahlen am 13. September griff Laschet damit ein besonders heftig diskutiertes Ärgernis auf. Früher war es bloß unangenehm, Klassenzimmer nicht richtig durchlüften zu können, wenn die Köpfe der Schüler rauchten. In Corona-Zeiten hängt nun auch die Gefahr durch Aerosole, die das Virus übertragen können, buchstäblich im Raum. Zahlreiche Lehrergewerkschaften und auch Oppositionsparteien haben die Regierung seit Wochen aufgefordert, zu handeln.

Jetzt verspricht der Ministerpräsident «passgenaue Fördermöglichkeiten» und technische Lösungen - etwa für Schulen, wo aus Sicherheitsgründen bislang die Fenster nicht zu öffnen seien. Nächste Woche seien erste Ergebnisse der Analyse zu erwarten.

Nach den bisher vorliegenden Daten sei davon auszugehen, dass etwa ein Prozent aller Schulen bauliche Mängel hätten, sagte Laschet. Wenn das zutreffe, könnten neue Programme aufgelegt oder eventuell nicht ausgeschöpfte genutzt werden, um die Mängel schnell zu beheben. Dazu gehöre auch die Prüfung, ob Luftfilter die Probleme lösen könnten.

«Das Land wird die Schulträger beraten, wie man möglichst schnell das Geld bekommt.» Angesichts der seit etwa zwei Wochen stetig sinkenden Zahl der Neuinfektionen in NRW gebe es aber keinen Grund, eine neue Maskenpflicht im Unterricht zu erwägen.

«Das Virus ist noch da, aber es ist kein Anlass zur Panik», beschrieb er die Lage. Bei 18 Millionen Einwohnern gebe es aktuell nur rund 200 Covid-19-Patienten in NRW. Nach Zahlen der Landesregierung vom Freitagmittag waren darunter 75 auf Intensivstationen. Damit habe NRW auch die Reiserückkehrerwelle inzwischen gut überstanden.

Klar sei: «Wenn wir jemals wieder etwas schließen müssen, weil Infektionszahlen dramatisch steigen, dürfen wir nie wieder bei Schulen und Kitas beginnen.» Hier gehe es nicht nur um das Recht auf Bildung, sondern ganz wesentlich auch um Gerechtigkeit - gerade für Kinder, deren Eltern nicht helfen könnten.

Mit seinem Corona-Krisenmanagement mit neuerdings verschärften Sanktionen für Maskenverweigerer und Quarantänebrecher sowie regionalen Steuerungsinstrumenten sei NRW gut aufgestellt für die Herbst- und Wintersaison, wenn wieder steigende Infektionszahlen zu erwarten seien, sagte Laschet. Deshalb hält er auch Martinsumzüge in diesem Jahr trotz der Pandemie für möglich, wenn Schutzmaßnahmen eingehalten werden. «Wenn Kinder morgens in den Kitas eng zusammen sind, dann können sie auch mit Abständen an der frischen Luft einen Martinsumzug machen.» Manche planten in diesem Jahr mit anderen Veranstaltungsformen. Es werde aber keine landesgesetzlichen Verbote zu Martinsumzügen geben.

Anders sei das beim Karneval. «Es wird am Ende auch Verbote geben müssen, die die kleinen Vereine gerade erwarten.» Beim Gesamtkonzept sei Vieles zu bewerten: etwa kleine Karnevalsveranstaltungen, Umzüge, Fernsehsitzungen und Feiern in Kneipen. Darüber sei die Landesregierung derzeit mit den Vereinen im Gespräch. «Noch in diesem Monat werden wir sicher zu Ergebnissen kommen.» Angestrebt sei ein Konsens mit Rheinland-Pfalz: «Die Situation in Mainz ist vergleichbar mit der in Köln.» Noch keine Gespräche gebe es derzeit über Weihnachtsgottesdienste - «wird es aber geben».

Auf die schwelende Frage, wann die Fußball-Bundesliga wieder vor Zuschauern spielen dürfe, könne es nur eine gesamtdeutsche Antwort geben, unterstrich Laschet. «Man braucht in Deutschland vergleichbare Regeln.»

Die Landesregierung sei aber auch im Gespräch mit anderen großen Sportverbänden. «Mir liegt vor allem der Amateursport am Herzen», sagte Laschet. «Viele Regionalligavereine bekommen keine Fernsehgelder», stellte er fest. Die Frage, wie Zuschauereinhamen für ihren Sport zu sichern seien, sei ebenso wichtig wie die Frage, ob die Bundesliga wieder vor Zuschauern spielen könne.

Der Ministerpräsident appellierte an die Bürger, sich an der Kommunalwahl zu beteiligen und für demokratische Parteien zu stimmen: «Gerade wo Populisten in diesen Zeiten Angst verbreiten, und wo von rechts versucht wird, die Demokratie zu schwächen, muss alles getan werden, dass Populisten und Radikale nicht am Ende durch eine Zufallsmehrheit Mehrheiten oder Blockademehrheiten in Stadträten erreichen». Wer in Zeiten der Pandemie nicht ins Wahllokal gehen wolle, solle an der Briefwahl teilnehmen.

04.09.2020 12.48 Uhr

Schulen weiter in Normalbetrieb mit unterschiedlichen Regeln

Schule und Corona - mit einem Bündel von Maßnahmen sollen die Bildungseinrichtungen verhindern, dass sich das Virus in ihren Räumen verbreiten kann. Die Länder geben sich dabei weiterhin großen Spielraum.

Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland sollen auch weiterhin trotz Pandemie möglichst wie gewohnt zur Schule gehen. Dabei können weiter von Land zu Land unterschiedliche Regeln zum Schutz vor einer Corona-Infektion gelten. Nur wenn die Maßnahmen nicht gegen eine Ausbreitung der Pandemie helfen, «kommt es zur vollständigen Umstellung auf Distanzunterricht», heißt es in einem neu aufgelegten «Rahmen für aktualisierte Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen», den die Kultusministerkonferenz (KMK) beschloss und am Freitag in Berlin veröffentlichte. Wann genau das gegebenenfalls sein soll, ist dem Papier nicht zu entnehmen.

In den Räumen soll mindestens alle 45 Minuten eine Lüftung durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten stattfinden - «wenn möglich auch öfter während des Unterrichts».

Beim Unterricht soll auf die Einhaltung des Mindestabstands verzichtet werden können. Der Abstand von mindestens 1,5 Metern soll im Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen nur möglichst bei Besprechungen, Konferenzen und Schulveranstaltungen eingehalten werden. Im normalen Betrieb soll es aber möglichst feste Gruppen (Kohorten) geben. Sie könnten helfen, im Infektionsfall die Kontakte und Infektionswege nachzuverfolgen, stellen die in der KMK versammelten Bildungsministerien fest.

Grundsätzlich sollen auch Schüler und Lehrer mit Grunderkrankungen in die Schule kommen. Immer wieder in der Diskussion ist, ob für Menschen etwa mit Asthma besonderer Schutz vor Corona nötig ist. Auch Schüler mit Grunderkrankungen können grundsätzlich vor Ort im Präsenzunterricht beschult werden, so die KMK. Besondere Hygienemaßnahmen für sie seien «zu prüfen». Eine Befreiung könne es entsprechend jeweiliger Länderregelungen gebe, Betroffene sollen dann ein entsprechendes Angebot im Distanzunterricht erhalten.

Beim Personaleinsatz gebe es keine Einschränkungen. «Prinzipiell besteht in jeder Situation die Möglichkeit, sich durch die Einhaltung der oben genannten Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen sowie das Einhalten des Mindestabstands zu den Schülerinnen und Schülern sowie anderen Personen zu schützen», heißt es in dem KMK-Papier. Die Länder könnten das aber auch anders regeln. «Eine generelle Zuordnung zu einer Risikogruppe ist laut RKI nicht möglich. Vielmehr erfordert dies eine individuelle ärztliche Bewertung der Risikofaktoren.»

Was die Masken für Mund und Nasen betrifft, stellt die KMK fest: «Die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wird von den Ländern in Abhängigkeit vom jeweiligen Infektionsgeschehen ausgesprochen und bei Bedarf in Absprache mit den zuständigen Gesundheitsbehörden auf den Unterricht ausgeweitet.» Im Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen könnten Masken auf dem gesamten Schulgelände angeordnet werden, wenn sich Kohorten mischen können. «Dies gilt nicht im Unterricht.» In einem eingeschränkten Regelbetrieb könne Eine Mund-Nasen-Bedeckung auch im Unterricht getragen werden, insbesondere von Schülern an weiterführenden Schulen.

Ein Abstandsgebot könne auf dem gesamten Schulgelände im Regelbetrieb angeordnet werden, wenn sich Kohorten mischen können. «Im Klassenraum ist davon abzusehen.» In einem eingeschränkten Betrieb soll es den Wegfall von Arbeitsgemeinschaften und Veränderungen beim Ganztagsangebot geben.

Bereits am Ende der ersten Schulwoche nach den Ferien wurden etwa in Mecklenburg-Vorpommern ein Gymnasium und eine Grundschule geschlossen, weil Personen positiv getestet worden waren. Virologen hatten vor der Annahme gewarnt, Kinder würden keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen. Die Viruszirkulation in den Schulen solle niedrig gehalten werden. Klassengrößen sollten abhängig von der Zahl der Neuinfektionen reduziert, feste Kleingruppen definiert werden. Aus virologischer Sicht sollten möglichst durchgängig Alltagsmasken getragen werden.

04.03.2020 12.14 Uhr

Dicke Luft vor dem Schulstart: Debatte um Raumreiniger im Klassenraum

Baden-Württemberg steigt als letztes Bundesland ins neue Schuljahr ein. Die wichtigsten Corona-Regeln hat das Kultusministerium festgezurrt. Aber das reicht nicht, kritisieren die Gymnasiallehrer. Unklar ist jedoch, wer sich den Schuh anziehen muss.

Trotz neuer Hygieneregeln für Klassenzimmer und Unterricht sind Kinder und Jugendliche nach Ansicht der Gymnasiallehrer zum Schulstart nicht gut genug vor Corona-Infektionen geschützt. Fenster ließen sich oft aus Sicherheitsgründen nicht vollständig oder gar nicht öffnen, kritisierte der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV). Deshalb müssten Raumluftreiniger beschafft werden, um die Aerosolkonzentration niedrig zu halten. Die winzigen Tröpfchen gelten als Hauptgrund für die Ansteckung mit dem Coronavirus.

«Eine solche technische Lösung könnte den Infektionsschutz für alle betroffenen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte massiv verbessern und Schulschließungen verhindern», sagte der PhV-Landesvorsitzende Ralf Scholl am Freitag in Stuttgart. Auch das Umweltbundesamt bewerte die Geräte als sinnvolle zusätzliche Maßnahme. Zudem hatten Forscher der Universität der Bundeswehr München einen Raumluftreiniger untersucht und eine Halbierung der Aerosolkonzentration binnen weniger Minuten festgestellt.

Das in der Studie verwendete Gerät kostet allerdings mehr als 4000 Euro. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht daher zwar auf lange Sicht ebenfalls die Vorteile eines Raumluftreinigers, ist aber skeptisch mit Blick auf Zeitplan und Kosten. «Die Geräte sind sinnvoll», sagte der GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider der Deutschen Presse-Agentur. «Aber wenn man sich anschaut, wie die Schulen derzeit ausgestattet sind und wie teuer so ein Reiniger ist, dann ist eine schnelle Umsetzung zum Schulstart unrealistisch.» Außerdem sei es schwierig, Handwerker für den umgehenden Einbau zu buchen.

Durch die Anlagen wird die Raumluft meist über Ventilatoren ausgewechselt. Die Außenluft wird angesaugt, gefiltert, gegebenenfalls aufgeheizt und schließlich in den Raum gelassen. Gleichzeitig wird die Abluft durch Unterdruck abgesaugt und vom Zentralgerät ins Freie befördert.

Das Kultusministerium reagierte verärgert auf die Kritik des PhV. «Wir haben für den Regelbetrieb der Schulen im Rahmen des Pandemiegeschehens ein umfassendes Hygienekonzept mit zahlreichen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen erstellt», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann. «Dieses Konzept sollte sich der Philologenverband vielleicht einmal durchlesen, bevor er die Behauptung in die Welt setzt, dass wir mit der Gesundheit der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler spielen», kritisierte die CDU-Politikerin weiter. «Die Behauptung des Philologenverbands deckt sich also nicht mit der Realität.»

Schulträger seien die Kommunen - und diese müssten gewährleisten, dass sich die Fenster an den Schulen öffnen ließen. «Das regelmäßige Lüften aller Räume ist eine der zentralen Infektionsschutzmaßnahmen», sagte Eisenmann. Schulträger müssten auch selbst entscheiden, ob Lüftungsanlagen eingesetzt würden. «Sie sind etwa dann sinnvoll, wenn eine ausreichende Belüftung der Räume nicht sichergestellt werden kann», sagte auch Eisenmann.

Die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahlen im kommenden März verwies auf die millionenschweren Mittel, die den Kommunen für die Sanierung ihrer Schulen zuständen. Das Land habe in den vergangenen drei Jahren unter anderem einen kommunalen Fonds aufgelegt, der zu 80 Prozent für Schulsanierungen eingesetzt werde. «Die Mittel in Höhe von 476,4 Millionen Euro sind vollständig bewilligt und werden fortlaufend von den Schulträgern abgerufen», erklärte die Ministerin.

04.03.2020 11.04 Uhr

Bußgeld auch für Maskenverweigerer auf Schulhöfen

Maskenverweigerern in Baden-Württemberg droht ab sofort auch auf dem Schulhof ein Bußgeld. Das geht aus dem neuen Strafkatalog hervor, den die Landesregierung nach den jüngsten Vereinbarungen von Bund und Ländern angepasst hat. Demnach drohen zwischen 25 und 250 Euro Bußgeld, wenn keine Mund-Nasen-Bedeckung außerhalb des Unterrichts getragen wird. Der sogenannte Regelsatz liegt bei 35 Euro, wie es in dem am Freitag veröffentlichten «Bußgeldkatalog für Ordnungswidrigkeiten» weiter heißt. Kontrolliert wird die Regelung nach Angaben des Sozialministeriums durch das Ordnungsamt, das in einem solchen Fall auch das Bußgeld erheben müsste.

Der Schutz ist ab Klasse fünf und an den weiterführenden Schulen auf den sogenannten Begegnungsflächen wie den Fluren, der Aula, dem Schulhof und den Toiletten vorgeschrieben. Im Klassenraum wird es an baden-württembergischen Schulen nach den Sommerferien dagegen keine Maskenpflicht geben.

Vor rund einer Woche war in einer gemeinsamen Beratung von Bund und Ländern entschieden worden, Verstöße gegen die Corona-Beschränkungen schärfer zu ahnden. Auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen konnten sich die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aber nicht einigen.

Auch das Mindestbußgeld für Maskenverweigerer außerhalb des Nahverkehrs wird im neuen Katalog angehoben. Es werden ab sofort wie in weiten Teilen Deutschlands auch mindestens 50 statt wie bislang 25 Euro fällig, wenn eine Maske nicht wie vorgeschrieben getragen wird. Die neuen Beschlüsse haben keine Auswirkung auf das im Südwesten geltende Mindestbußgeld für Verstöße gegen die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen. Dieses liegt weiter bei 100 Euro.

03.09.2020 17.46 Uhr

Coronavirus an Schulen in Niedersachsen - wie ist die aktuelle Lage?

In der Corona-Pandemie stehen die Schulen besonders im Fokus. Wird sich das Virus unter Schülern und Lehrern ausbreiten? Eine Woche nach Ende der Sommerferien sind manche Klassenzimmer schon wieder leer. Für die Schulaufsicht ist das keine Überraschung.

Seit rund einer Woche gehen mehr als eine Million Kinder und Jugendliche in Niedersachsen wieder zu Schule. Um das Risiko für eine Ausbreitung des Coronavirus zu reduzieren, gelten viele Regeln. Außerhalb ihrer festen Gruppe - etwa ihrer Klasse oder ihrer Jahrgangsstufe - müssen die Schülerinnen und Schüler Abstand von anderen halten. So muss im Fall einer Infektion nur die Gruppe und nicht die gesamte Schule in Quarantäne. Denn das Virus macht vor den Schultoren nicht Halt.

Frage: Wie ist die Lage an den Schulen?

Antwort: In den vergangenen Tagen wurden mehrere Corona-Fälle an niedersächsischen Schulen bekannt. Betroffen waren Schulen in Braunschweig, der Region Hannover sowie in den Landkreisen Friesland, Rotenburg, Helmstedt und Emsland. Mehrere Schulklassen sowie Lehrkräfte wurden in Quarantäne geschickt. Die Schülerinnen und Schüler müssen nun zuhause lernen, die Lehrer unterrichten vom Home-Office aus. In Gifhorn wurden sechs Kinder an vier Schulen positiv getestet - rund 160 Kontaktpersonen sollten zuhause bleiben, bis ihre Testergebnisse vorliegen. In Wilhelmshaven, Hildesheim und Schwarmstedt im Heidekreis konnten einige Schülerinnen und Schüler nach den Ferien zunächst nicht in ihre Schule, weil es positive Testergebnisse unter Lehrern, Schülern oder Geschwistern von Schülern gab.

Frage: Für wen wurde Quarantäne angeordnet?

Antwort: In den meisten Fällen waren einzelne Klassen betroffen. In Seelze bei Hannover sind bis zum 10. September ein kompletter neunter Schuljahrgang und Lehrkräfte in Quarantäne. Die Jungen und Mädchen werden online unterrichtet. Eine Schule in Bremervörde im Kreis Rotenburg war wegen eines bestätigten Falls im Lehrerkollegium zwei Tage vorsorglich geschlossen. An zwei Schulen im Bundesland Bremen wurden insgesamt 230 Kinder und Jugendliche in Quarantäne geschickt, nachdem ein Mädchen und ein Junge positiv getestet worden waren.

Frage: Wie beurteilt die Schulaufsicht die Entwicklung?

Antwort: Die Landesschulbehörde verweist darauf, dass es in Niedersachsen rund 3000 Schulen gibt. «Wenn es an einzelnen Schulen Einschränkungen gibt, sind es immer noch wenige Fälle. Das sind Fälle, die wir erwartet haben», sagte Sprecherin Bianca Trogisch. Die Behörde beobachte das Infektionsgeschehen und halte die Vorgaben aus dem Kultusministerium derzeit für ausreichend.

Frage: Was passiert, wenn es einen Corona-Fall an einer Schule gibt?

Antwort: Sobald eine Lehrkraft, eine Schülerin oder ein Schüler positiv auf das Virus getestet worden ist, muss die Schule das Gesundheitsamt und die Landesschulbehörde informieren. Danach werden weitere Personen, etwa die Eltern der betroffenen Klasse informiert. Möglich ist auch, dass das Gesundheitsamt zuerst von der Infektion erfährt und die Schule informiert. In beiden Fällen entscheidet das zuständige Gesundheitsamt, wer in Quarantäne muss. Ausschlaggebend dafür ist, mit wem die infizierte Person näheren Kontakt hatte. «Grundsätzlich gilt die jeweilige Klasse als enger Personenkreis, dieser Kreis muss bei einem Corona-Fall 14 Tage in Quarantäne», sagte Sonja Wendt von der Region Hannover. «Alle werden zwei Mal getestet.»

Frage: Darf ein Kind mit Erkältungssymptomen in die Schule?

Antwort: Das hängt von den Symptomen ab. Nach den Vorgaben des Kultusministeriums darf ein Kind mit leichtem Schnupfen zum Unterricht kommen. Sobald eine Schülerin oder ein Schüler aber erhöhte Temperatur, Fieber oder starken Husten hat, muss er oder sie zuhause bleiben. Erst nach 48 Stunden ohne Beschwerden darf die Schule wieder besucht werden. Bei Fieber, trockenem Husten und Halsschmerzen sowie einem Verlust des Geruchs- oder Geschmacksinns empfiehlt das Ministerium dringend einen Besuch beim Arzt.

Frage: Wann ist ein Corona-Test nötig?

Antwort: Der Arzt oder die Ärztin entscheidet, ob ein Corona-Test sinnvoll ist. Nach einem Test muss das Ergebnis abgewartet werden. Ist es negativ, kann der Unterricht wieder besucht werden. Bei einem positiven Test, gelten die Anweisungen des Gesundheitsamtes.

03.09.2020 15.51 Uhr

Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten wird in Schulen erlaubt

Kirchliche und weltliche Chorverbände im Land protestierten im Sommer gegen das geplante Gesangsverbot an Schulen. Das Kultusministerium sperrte sich zunächst - und gibt nun teilweise nach.

Die Forderung «Rettet die Schulmusik» prangt nach wie vor in großen Lettern auf der baden-württembergischen Internetseite des Bundesverbands Musikunterricht. Schrill tönten die Alarmglocken der Chöre und Musiker im Sommer, weil das Singen und das Spielen von Blasinstrumenten in geschlossenen Räumen aus Angst vor dem Coronavirus an den Schulen verboten werden sollten. Nun schlägt das Kultusministerium rechtzeitig vor dem Schulstart am 14. September andere Töne an. Nach der jüngsten Corona-Verordnung für Schulen werden das Singen und das Musizieren mit Blasinstrumenten trotz der strengen Corona-Auflagen erlaubt. Für Schulchöre und -orchester gilt diese Zusage allerdings nicht - noch nicht.

Nach Angaben des Ministeriums von Donnerstag müssen beim Musizieren im Unterricht und in geschlossenen Innenräumen aber mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Vor allem darf nur im Klassenverband oder einer Lerngruppe der Jahrgangsstufe musiziert werden, wie es in der neuen Corona-Verordnung «über den Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen» heißt. Auch muss ein Mindestabstand von zwei Metern in alle Richtungen eingehalten werden. Außerdem wird empfohlen, dass zwischen Lehrern und Schülern eine durchsichtige Schutzwand installiert wird. Es muss regelmäßig gelüftet werden, zudem müssen Instrumente nach dem Unterricht desinfiziert und Einmaltücher benutzt werden. Andererseits ist laut Verordnung «die Mitwirkung außerschulischer Personen am Schulbetrieb [...] zulässig», es wären also zum Beispiel Musikschullehrer erlaubt.

Völlig überraschend kommt der neue Taktschlag aus dem Kultusministerium nicht. Landesministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte bereits Ende Juli angekündigt, eine Rückkehr der Musik in die Klassenräume prüfen zu lassen. Ihre Sorge: Beim Singen können Wissenschaftlern zufolge sogenannte Aerosole, also Gemische aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen, bis zu eineinhalb Meter nach vorne ausgestoßen werden. Das kann eine Ansteckung mit dem Coronavirus begünstigen.

Nicht zuletzt deshalb erteilte Eisenmann den Schulchören und -orchestern nun auch zunächst eine Absage: Wegen der Dynamik des Infektionsgeschehens seien keine jahrgangsübergreifenden Angebote und Aktivitäten zugelassen. «Mir ist völlig bewusst, dass der Verzicht auf gerade diese Angebote für musikbegeisterte Schülerinnen und Schüler sowie die Musiklehrkräfte eine herausfordernde Situation darstellt», bedauerte die Ministerin. Sie versprach aber, dass vor den Herbstferien die Lage erneut bewertet werde.

Chor- und Musikverbände hatten im Sommer wiederholt gegen das geplante Musik-Verbot in Schulen protestiert, es gab Online-Petitionen und offene Protestbriefe. Die FDP hatte sogar das Musikland Baden-Württemberg in Gefahr gesehen.

In ersten Reaktionen zeigten sich baden-württembergische Musikverbände vorsichtig zufrieden mit den neuen Vorgaben. «Das ist ein Schritt auf uns zu», sagte der Präsident des Landesmusikrates, Hermann Wilske, der Deutschen Presse-Agentur. Wichtig sei nun vor allem, dass bis zur erneuten Prüfung der Regeln vor den Herbstferien die eigentlich für den Chor vorgesehenen Unterrichtsstunden vorgehalten und nicht an andere Fächer verteilt würden. Unverständlich findet Wilske allerdings die Öffnung der Musikschulen bei zeitgleich strengen Regeln für die Klassen. «Da wird mit zweierlei Maß gemessen», sagte der Vorsitzende des Dachverbands der Musikverbände und -Institutionen im Land.

Tilman Heiland, Präsident des Landesverbands im Bundesverband Musikunterricht, hält die Entscheidung des Ministeriums für nachvollziehbar, «weil wir sehr vorsichtig sein müssen». Er sieht allerdings in der Verordnung noch etliche Fragen unbeantwortet. «Das gibt den Schulen die Möglichkeit, kreativ zu sein, wenn sie mit den Auflagen umgehen müssen», sagte er. Musikunterricht bleibe aber ein Pflichtunterricht und müsse auch als ein solcher geschätzt werden.

Vor den Problemen für kleinere Schulen warnte der Schwäbische Chorverband. «Bei den Abstandsregeln wird die benötigte Fläche schnell sehr groß», sagte dessen Sprecher Johannes Pfeffer. Vor allem für Schulen mit kleineren Jahrgängen werde es kaum möglich sein, bei der vorgeschriebenen Aufteilung der Schulen in Kohorten Chöre oder Orchester zu bilden.

Die angekündigte neue Bewertung vor den Herbstferien sei ein Hoffnungsschimmer. Denn das gemeinsame Singen in Schulen stelle nach wie vor eine existenzielle Grundlage für die Chorarbeit in Kirchen und Vereinen dar. «Wird in Schulen nicht gesungen, bricht den Chören irgendwann der Nachwuchs weg», sagte Pfeffer. Außerdem sei der positive emotionale und soziale Effekt auf Kinder und Jugendliche aus dem Schulalltag nicht wegzudenken.

03.09.2020 15.18 Uhr

Minister verteilen Schultüten mit Corona-Masken an Erstklässler

Zum Schulstart in der Corona-Krise bekommen am Dienstag die Abc-Schützen an einer Münchner Grundschule von der Staatsregierung Schultüten mit Schutzmasken geschenkt. Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) wollen pünktlich zum Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien stellvertretend für alle Schulanfänger in Bayern den Mädchen und Jungen in einer Grundschule in der Innenstadt einen Besuch abstatten, teilte das Kultusministerium am Donnerstag mit. In den Schultüten, die sie dort verteilen, sind dem Vernehmen nach neben Stiften und einem Block unter anderem auch Corona-Masken mit einem Bild des bayerischen Löwen enthalten.

Zum Schutz vor Ansteckungen gilt an den ersten neun Schultagen für alle Lehrer und Schüler der weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Grundschulen sind davon zunächst ausgenommen. Hier müssen aber, wie an allen Schulen im Land, außerhalb des Unterrichts Mund und Nase verhüllt werden. Im Unterricht müssen Grundschüler und Lehrer dem Plan der Staatsregierung zufolge erst Masken tragen, wenn die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche in einer Region über den Grenzwert 50 steigt.

03.09.2020 14.45 Uhr

Kultusministerium legt Regeln zum Schulbesuch erkälteter Schüler fest

Leichter Schnupfen ja, schwerer Husten nein: Das bayerische Kultusministerium hat Regeln zum Schulbesuch erkälteter Schüler veröffentlicht. Demnach dürfen die Kinder und Jugendlichen bei leichten Symptomen wie Schnupfen und gelegentlichem Husten erst dann in die Schule, wenn sie binnen 24 Stunden kein Fieber entwickelt haben. So lange müssen sie zu Hause bleiben beziehungsweise werden nach Hause geschickt. Eine Ausnahme gibt es für Grundschüler, wie aus dem überarbeiteten Rahmen-Hygieneplan des Ministeriums hervorgeht. Kranke Kinder mit Fieber, Husten, Hals- oder Ohrenschmerzen, starken Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall müssen auf jeden Fall zu Hause bleiben.

03.09.2020 11.21 Uhr

Holter verurteilt Drohungen von Corona-Leugnern gegen Schulleiter

An einem Gymnasium wird ein kommissarisch eingesetzter Schulleiter von mutmaßlichen Corona-Leugnern bedroht. Außerdem werden krude Briefe an Thüringer Schulen verschickt. Bildungsminister Holter warnt davor, politische Diskussionen in die Schulen zu tragen.

Nach Drohungen von mutmaßlichen Corona-Leugnern gegen einen stellvertretenden Schulleiter in Ilmenau sieht Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) eine Grenze überschritten. «Schule ist ein geschützter Raum. Deshalb müssen solche politischen Auseinandersetzungen woanders geführt werden», sagte Holter am Donnerstag bei einem Treffen an der Goethe-Schule in Ilmenau.

Der dort kommissarisch eingesetzte Schulleiter Robby Krämer hatte einen Schüler des Gymnasiums verwiesen, der sich weigerte, im Schulgebäude eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Seitdem erhielt Krämer mehrere E-Mails, Anrufe und Nachrichten von mutmaßlichen Corona-Leugnern - teils auch auf sein privates Handy. Krämers Angaben zufolge sei ihm angedroht worden, dass ihm Leid zugefügt werden solle. Außerdem habe er eine E-Mail erhalten, «in der mir mitgeteilt wurde, dass ich nach der "Systemwende" zur Rechenschaft gezogen werden würde», sagte Krämer.

In Thüringen gilt im Unterricht keine Pflicht, eine Maske zu tragen - in den Schulgängen und an Orten, wo viele Menschen auf engem Raum aufeinandertreffen, aber schon.

Holter sprach von einem Einzelfall, wies aber darauf hin, dass ein Schreiben mit «pseudowissenschaftlichen Abhandlungen» an mehrere Thüringer Schulen mit verschickt worden sei, wie er sagte. «Die Schreiben deuten darauf hin, dass es hier um eine konzertierte Aktion geht», sagte Holter. Das Thema solle auch beim nächsten Gespräch der Kultusminister am Freitag besprochen werden.

Das Schreiben, das an mehrere Thüringer Schulen ging, wurde von der «Bürgerinitiative Eltern stehen auf, Regionalgruppe Thüringen» verschickt. Holter sagte, es sei nicht ausgeschlossen, dass das Schreiben auch in anderen Bundesländern verschickt wurde.

Darin werden Eltern nach den Hygienekonzepten an den Schulen befragt Unter anderem heißt es darin: «Angst sollte nicht der Motivator dafür sein, unsere Kinder in gesundheitlichen Einschränkungen und in psychisch soziale Krisen zu drängen.» Außerdem ist die Rede davon, dass Lehrer und Schulleitungen «drangsaliert» würden, indem ihnen bei Verstößen gegen die Anti-Corona-Maßnahmen hohe Bußgelder auferlegt würden.

Holter sagte, es müsse an dieser Stelle ein klares «Stoppzeichen» geben. Die Debatte um die Anti-Corona-Maßnahmen sei notwendig, dürfe aber nicht in die Schulen getragen werden. Er wolle ein Signal der Solidarität und Unterstützung mit dem betroffenen stellvertretenden Schulleiter senden.

02.09.2020 14.35 Uhr

Nach Coronafall bei Schüler alle Lehrer in Quarantäne

Nach einem Corona-Fall an einer Schule im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind alle 40 Lehrer unter Quarantäne gestellt worden. Deswegen falle der Unterricht in der Gesamtschule in Wildeck-Obersuhl zunächst komplett aus, sagte ein Kreissprecher am Mittwoch. Auch 111 Schüler der neunten Jahrgangsstufe seien in Quarantäne. Der Sprecher betonte zudem, es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. «Es gibt keine Hinweise auf ein Fehlverhalten.» Zuvor hatten verschiedene Medien über das Thema berichtet.

Laut dem Kreis war am Mittwoch ein Neuntklässler positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nun sollen alle Lehrkräfte in den nächsten Tagen getestet werden. Sobald die ersten negativen Ergebnisse bei Lehrern vorlägen, solle der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden. Lehrkräfte die in direktem Kontakt mit dem positiv getesteten Schüler standen, sollen zunächst in Quarantäne bleiben.

01.09.2020 19.10 Uhr

Millionenmetropole New York verschiebt wegen Corona-Krise Schulstart

Die Millionenmetropole New York hat wegen der Corona-Krise den Beginn des neuen Schuljahres um mehrere Tage nach hinten verschoben, um den Lehrern mehr Zeit zur Vorbereitung zu geben. Der eigentlich für den 10. September geplante Start des Unterrichts an den öffentlichen Schulen solle nun am 21. September stattfinden, teilte Bürgermeister Bill de Blasio am Dienstag mit. Das sei mit der Gewerkschaft der Lehrer verabredet worden.

Vor dem 21. September solle es schon drei Tage Online-Unterricht für alle Schüler geben. Ab dem 21. September könnten dann alle Schüler, deren Eltern sie für eine Mischung aus Online- und Vor-Ort-Unterricht angemeldet hätten, wieder tageweise zur Schule gehen.

New York war im Frühjahr eines der Epizentren der Corona-Pandemie gewesen. Inzwischen haben sich die Fallzahlen aber auf niedrigem Niveau stabilisiert. Gouverneur Andrew Cuomo hatte im August die Rückkehr in die Schulen erlaubt - so lange Sicherheitsvorschriften eingehalten würden und der Anteil positiver Testergebnisse an allen Corona-Tests eines Tages nicht über fünf Prozent liege.

Mit mehr als einer Million Schülern ist der Schulbezirk New Yorks der größte der USA - und einer der wenigen Großräume in den USA, in denen ein zumindest teilweise regulärer Unterricht geplant ist. Viele andere Schulbehörden haben bereits angekündigt, weiter online zu lehren.

01.09.2020 17.54 Uhr

Hessischer Landtag streitet über Corona-Regeln an Schulen

Bayern verschärft die Maskenpflicht in den Schulen, Nordrhein-Westfalen lockert die Regeln wieder. Und Hessens Kultusminister bleibt bei seiner Haltung.

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ist von der Landtagsopposition ein schlechtes Zeugnis zum Schulstart ausgestellt worden. Die Bildungsexperten warfen dem Minister am Dienstag im hessischen Landtag in Wiesbaden vor, kein ausreichendes Corona-Konzept für die Rückkehr zum regulären Präsenzunterricht in den Klassen vorgelegt zu haben. Schüler und Lehrer seien verunsichert. Lorz betonte in seiner Regierungserklärung dagegen, alle Beteiligten hätten die Corona-Krise bislang mit höchster Professionalität gemeistert. Den Schulen sei es gelungen, sich in Windeseile neu zu definieren.

Der Kultusminister sprach sich erneut deutlich gegen eine Maskenpflicht für Schüler im Unterricht aus. Alle Corona-Maßnahmen müssten verhältnismäßig bleiben. Bei allen Entscheidungen habe jedoch das Wohlergehen der Schüler und Lehrer immer oberste Priorität. Die Verantwortlichen seien in der Lage, alle Maßnahmen jederzeit in die eine oder andere Richtung anzupassen. Es gelte aber auch weiterhin, besonnen zu sein.

Die Einschätzung der lokalen Gesundheitsämter sei in Absprache mit den kommunalen Entscheidungsträgern ausschlaggebend dafür, ob es eine Verschärfung der derzeitigen Corona-Regeln in den Schulen gibt, erklärte der Minister. Die Gesundheitsbehörden vor Ort könnten zwar in Abhängigkeit von der Entwicklung der Corona-Fallzahlen das Tragen einer Maske auch im Unterricht zeitweise anordnen. Auf eine grundsätzliche Maskenpflicht im Unterricht wolle er jedoch aus pädagogischen und Gründen der sozialen Interaktion verzichten.

In Hessen gilt seit Schuljahresbeginn außerhalb des Unterrichts in Schulgebäuden und auf dem Gelände eine Maskenpflicht. Bayern hat dagegen jüngst entschieden, dass mit Beginn des neuen Schuljahres zunächst zeitlich befristet alle Lehrer und Schüler an den weiterführenden Schulen eine Maske im Unterricht tragen müssen. Die Schüler in Nordrhein-Westfalen dürfen dagegen die Maske im Unterricht mittlerweile wieder ablegen.

Lorz verwies nochmals auf den Leitfaden für die Schulen, der in Absprache mit der Kultusministerkonferenz vier Stufen je nach Infektionsgeschehen vorsieht. Die erste Stufe sei der angepasste Regelbetrieb, mit dem das Schuljahr begonnen worden sei. In der zweiten Stufe, dem eingeschränkten Regelbetrieb, gelten strengere Anforderungen an die Maskenpflicht, das Abstandsgebot und die Zusammensetzung der Lerngruppen.

In der dritten Stufe greife ein Wechselmodell mit einer Kombination von Präsenz- und Distanzunterricht in geteilten Lerngruppen. Stufe vier sehe einen Verzicht auf Präsenzunterricht und schulbezogene oder regionale Schulschließungen vor. Derzeit sei im Land eine Schule von der Corona-Schließung betroffen, berichtete der Kultusminister.

Der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen widersprach dem Kultusminister in seiner positiven Darstellung über den Start der Schulen nach den Sommerferien. In den ersten 14 Tagen des neuen Schuljahrs hätten über 50 Klassen geschlossen in Quarantäne geschickt und sechs Schulen komplett zugemacht werden müssen. Von einem normalen Betrieb mit regulärem Präsenzunterricht könne noch keine Rede sein. Absolute Priorität müsse es aber haben, weitere Schulschließungen zu verhindern.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Elisabeth Kula, mahnte, an den Schulen im Land herrsche eine tiefe Verunsicherung und «Wut über das chaotische Vorgehen des Kultusministeriums». Dieses ducke sich immer wieder weg und schiebe die Verantwortung auf andere. Sinnvolle Konzepte, um Unterricht und Schutz zugleich zu gewährleisten, würden abgelehnt. Stattdessen sei im Hauruckverfahren zum Regelunterricht zurückgekehrt worden. «Es braucht dringend konkrete Maßnahmenpakete.»

Der AfD-Abgeordnete Heiko Scholz forderte, die Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Sinne der Kinder an Schulen grundsätzlich auszusetzen. Die Masken würden die Übertragung von Sars-CoV-2 nicht zuverlässig verhindern.

Moritz Promny von der FDP-Fraktion warf der Landesregierung vor, für das digitale Lernen noch immer nicht die erforderlichen technischen Voraussetzungen an den Schulen geschaffen zu haben. Die Landesregierung drücke sich bei den Schulen vor der Verantwortung in der Corona-Pandemie.

Die Bildungsexperten der Regierungsfraktionen von CDU und Grünen, Armin Schwarz und Daniel May, betonten dagegen, dass das Land alle Anstrengungen unternehme, um die negativen Auswirkungen der Pandemie auf den Schulalltag so gering wie möglich zu halten. Die Landesregierung habe seit Beginn der Corona-Krise konsequent und planvoll agiert.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte derweil vor «Schönfärberei» bei der Beurteilung der Lage in den Schulen. Nach Einschätzung der Gewerkschaft ist ein Unterrichten in kleinen Lerngruppen, in denen die Abstandsregelungen eingehalten werden können, der beste Schutz vor einer Infektion. «Selbstverständlich muss dies mit einem Mund-Nasen-Schutz kombiniert werden, wenn zum Beispiel beim Kommen und Gehen ein Abstandhalten nicht möglich sein sollte», sagte die hessische GEW-Vorsitzende Birgit Koch.

Alle Schulen bemühten sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Kräften, soviel Unterricht und Normalität wie möglich zu organisieren, betonte Maike Wiedwald, die neben Koch ebenfalls GEW-Vorsitzende in Hessen ist. Dabei benötigten sie aber auch Unterstützung durch die Schulaufsicht und das Kultusministerium.

01.09.2020 09.37 Uhr

Maske und Abstand: Schulstart in Frankreich unter Corona-Bedingungen

In Frankreich hat für Millionen von Kindern und Jugendlichen das neue Schuljahr mit Corona-Regeln begonnen. Alle Schulen hätten am Dienstag ihre Türen geöffnet, es gebe keine Ausnahmen, sagte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer dem Fernsehsender BFMTV.

«Wir brauchen die Schule. Schule ist nicht überflüssig», sagte Blanquer. Die Herausforderungen des neuen Schuljahres seien zwar zahlreich, schrieb Staatschef Emmanuel Macron auf Twitter, aber endlich seien alle wieder zusammen. Er rief dazu auf, nun die gleiche Verantwortung wie in den vergangenen Monaten zu zeigen.

Die Bedingungen für den Beginn des neuen Schuljahres sind in Frankreich heftig diskutiert worden. Mehr als zwölf Millionen Schülerinnen und Schüler kehren aus den Sommerferien in die Klassenzimmer zurück - viele zum ersten Mal nach mehreren Monaten. Der Schulstart sei «gut vorbereitet», sagte Bildungsminister Blanquer. Der Unterricht solle so normal wie möglich ablaufen.

Die Schüler müssen ab elf Jahren eine Maske tragen und die Abstandsregeln einhalten. Unklar ist zum Beispiel noch, wie viele Schüler infiziert sein müssen, bevor ganze Klassen geschlossen werden.

Ab Dienstag gilt auch in französischen Unternehmen eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz. Frankreich ist von der Pandemie hart getroffen worden. Bislang sind mehr als 30 500 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Seit einigen Wochen steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder an. In vielen Städten, darunter auch in der Hauptstadt Paris, gilt eine Maskenpflicht auch im Freien.

01.09.2020 09.37 Uhr

NRW-Ministerium: Singen in Klassen nein, Sport ohne Maske ja

Singen in Klassenräumen soll vorerst bis zu den Herbstferien in den Schulen in Nordrhein-Westfalen verboten bleiben. Darauf hat das Schulministerium in einer E-Mail an die Einrichtungen aufmerksam gemacht. Singen im Freien oder in der Aula seien grundsätzlich erlaubt. Auch der Sportunterricht solle weiter im Freien stattfinden. «Das kontinuierliche Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung» sei für den gesamten Sportunterricht- «insbesondere in den Phasen physischer Betätigung» aber nicht vorgesehen.

Zum Thema Sport ergänzte das Ministerium: «Unterrichtseinheiten in Bewegungsfeldern und Sportbereichen, bei denen sich Körperkontakt nicht vollständig vermeiden lässt, können durchgeführt werden, wenn Unterrichtssituationen hergestellt werden, die das Infektionsgeschehen verringern.» Der Schwimmunterricht solle auch in Hallenbädern, soweit die Bäder geöffnet sind, stattfinden.

Singen wiederum sei «unter dem Gesichtspunkt des Infektionsgeschehens eine erhöhte Gefahr», erklärte Schulstaatssekretär Mathias Richter in seiner E-Mail. «Aufgrund von zahlreichen Nachfragen stelle ich klar, dass mit "geschlossenen Räumen" in erster Linie Klassenräume gemeint sind.» Verfüge eine Schule über «ausreichend große und gut zu belüftende Räume (z.B. Aula, Musiksaal)», in denen man auch Abstand halten kann, sei gemeinsames Singen okay. Bei Vorführungen solle man vorrangig auf Videos oder Tonaufnahmen setzen.

01.09.2020 03.26 Uhr

Keine Maskenpflicht an Schulen in Russland

Nach mehr als fünf Monaten Pause öffnen in Russland die Schulen wieder für den Unterricht. Für etwa 17 Millionen Schüler beginnt damit an diesem Dienstag das neue Schuljahr - wie jedes Jahr am 1. September nach gut drei Monaten Ferien. Viele haben die Klassenräume das letzte Mal Ende März betreten, als alle Schulen im Land wegen der Corona-Pandemie auf Fernunterricht umgestellt hatten. Nach Angaben des Bildungsministeriums in Moskau gelten nun neue Vorschriften, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Demnach sollen die Schüler nicht mehr die Klassenräume wechseln und morgens zeitversetzt in den Schultag starten, damit es auf den Fluren nicht zum Gedränge kommt. Am Morgen werde allen die Temperatur gemessen. Sollte ein Kind oder Jugendlicher eine Körpertemperatur von mehr als 37 Grad haben, werde ein Arzt eingeschaltet, hieß es. Bei einem Corona-Fall muss den Angaben zufolge die gesamte Klasse zu Hause bleiben. Eine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer im Unterricht gibt es demnach nicht.

In Russland sind nach offiziellen Angaben bereits mehr als 995 000 Corona-Infektionen erfasst geworden. Etwa 17 100 Menschen starben mit dem Virus. Jeden Tag kommen rund 5000 neue Fälle hinzu. Eltern befürchten deswegen, dass ihre Kinder bald schon wieder zu Hause statt im Klassenraum lernen könnten. Veranstaltungen an den Schulen wurden bereits für die nächsten Monate abgesagt.

31.08.2020 16.25 Uhr

Ministerium erlaubt nun doch Schülern Nutzung von Corona-App

Das Kultusministerium hat wegen der Corona-Warn-App seine Richtlinien zur Nutzung von Smartphones in der Schule geändert. Nach den neuen Vorgaben dürfen Bayerns Schüler ihre Handys während der Unterrichtszeit eingeschaltet lassen, um die Corona-App der Bundesregierung auch in dieser Zeit nutzen zu können, erklärte ein Sprecher des Ministeriums am Montag. Die Geräte müssten «jedoch stumm geschaltet sein und während des Unterrichts in der Schultasche verbleiben», heißt es auf der Informationsseite des Ministeriums im Internet.

Damit hat das Ministerium seine bisherige Linie geändert. Vor wenigen Wochen war noch der Regensburger Jugendbeirat mit einer entsprechenden Initiative gescheitert. Der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien der Oberpfalz wies das Anliegen entsprechend der Vorgaben aus München mit der Begründung zurück, dass die Nutzung der Warn-App an Schulen nicht erforderlich sei. Denn dort könnten im Unterschied zum öffentlichen Raum Infektionsketten auch ohne die App schnell erkannt und nachverfolgt werden, hieß es damals.

Grundsätzlich war bislang die Nutzung der Handys auf dem Schulgelände den Kindern und Jugendlichen im Freistaat verboten, wenn die Geräte nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden.

31.08.2020 16.25 Uhr

Maske auf in Bayern, Maske ab in NRW: Neue Regeln im Unterricht

Die Schüler in NRW können durchatmen: Nach 14 Tagen dürfen sie die Maske im Unterricht wieder ablegen. In Bayern hingegen gilt mit dem neuen Schuljahr zunächst mal eine befristete Maskenpflicht. Und im Rest der Republik?

Durchatmen für die Einen, Einschränkungen für die Anderen: In Nordrhein Westfalen dürfen Schüler ab Dienstag wieder ohne Maske in den Klassenraum - Bayern hingegen führt mit dem Start des neuen Schuljahrs eine vorübergehende Maskenpflicht im Unterricht ein. Zunächst für neun Schultage sollen Schüler und Lehrer eine Maske tragen, teilte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag in München mit. Lediglich Grundschüler dürften weiterhin ohne Mund-Nase-Bedeckung in der Schule erscheinen.

In Bayern ist die Maskenpflicht zum Start des Schuljahrs am Dienstag kommender Woche Teil des Hygienekonzepts, mit dem die Staatsregierung den Regelunterricht auch in der Krise bestmöglich aufrecht erhalten will. «Wir wollen wieder Schule haben in Bayern», sagte Söder. Masken seien besser als Schulausfälle. Sollte es in einer Region auch nach den neun Tagen hohe Fallzahlen geben, kann der Maskenzwang im Unterricht auch regional begrenzt verlängert oder neu verhängt werden. Formell wird Bayern sein Schulkonzept in der Kabinettssitzung an diesem Dienstag beschließen.

Der Freistaat geht damit im Kampf gegen die Corona-Infektionen einen ähnlichen Weg wie Nordrhein-Westfalen. Auch hier hatte nach den Ferien für 14 Tage eine Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen gegolten. Nachdem im bevölkerungsreichsten Bundesland die Fallzahlen entgegen dem Bundestrend jüngst rückläufig waren, endete die Maskenpflicht im Unterricht an diesem Montag. Einzelne Schulen behalten sie jedoch zunächst bei - etwa, weil in den Klassenräumen kein Mindestabstand eingehalten werden kann, oder weil aus gesundheitlichen Gründen nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen, um den Unterricht ohne Maskenpflicht zu stemmen.

NRW und Bayern sind die einzigen Bundesländer, die bislang eine flächendeckende Maskenpflicht im Unterricht eingeführt haben. Andernorts sind die Regelungen zum Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen in Schulen sehr unterschiedlich. In vielen Bundesländern müssen in den Gängen, Pausenhöfen oder Toiletten Mund und Nase bedeckt sein, nicht jedoch im Unterricht. In Hessen wurde in einigen Kommunen wie etwa Frankfurt auch Maskenpflicht für einzelne Schulen angeordnet. Und in sächsischen Schulen etwa gilt gar keine umfassende Maskenpflicht. In anderen Ländern haben einzelne Schulen für sich eine Maskenpflicht im Unterricht festgelegt.

Die Kultusminister der Länder sollen mögliche Vereinheitlichungen erörtern. Dazu waren sie nach dem Treffen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am vergangenen Donnerstag beauftragt worden.

31.08.2020 14.05 Uhr

Bayern führt befristete Maskenpflicht im Schulunterricht ein

Wenn in einer Woche die Schule in Bayern wieder losgeht, wird sich schnell zeigen, ob die Corona-Zahlen wieder rasant steigen. Masken im Unterricht sollen den Infektionsschutz zum Auftakt verbessern.

Nach dem Ende der Sommerferien gilt in Bayerns Schulen zunächst für neun Schultage eine Maskenpflicht für alle Schüler und Lehrer im Unterricht. Dies teilte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag nach Beratungen mit Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern in München mit. Von der Maskenpflicht als «Sicherheitspuffer» seien einzig Grundschüler ausgenommen. Der Unterricht beginnt in Bayern am Dienstag nächster Woche wieder.

Die Maskenpflicht zum Auftakt des Schuljahres ist Teil des Hygienekonzeptes, mit dem der Regelbetrieb an den Schulen auch in der Pandemie aufrecht erhalten werden soll. Dazu gehört, dass zur Minimierung der Ansteckungsrisiken zudem in den Gebäuden und überall dort, wo kein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann, eine Pflicht zum Tragen des Mund-Nase-Schutzes gibt.

Sollte in einer Region auch nach den neun Tagen hohe Fallzahlen geben, kann die Maskenpflicht im Unterricht auch regional begrenzt verlängert oder neu verhängt werden. Ziel sei es, den Regelunterricht auch in der Krise bestmöglich aufrecht zu erhalten. «Wir wollen wieder Schule haben in Bayern», sagte Söder.

Formell wird Bayern sein Schulkonzept in der Kabinettssitzung am Dienstag beschließen. Da an dem Bildungsgipfel in der Staatskanzlei auch Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) teilgenommen hatte, ist die Zustimmung in der Koalition sicher.

Der Freistaat geht damit im Kampf gegen das Corona-Infektionen einen ähnlichen Weg wie Nordrhein-Westfalen. Auch hier hatte nach den Ferien für sogar 14 Tage eine Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen gegolten. Nachdem im bevölkerungsreichsten Bundesland die Fallzahlen entgegen dem Bundestrend jüngst rückläufig waren, endete die Maskenpflicht im Unterricht an diesem Montag.

In Bayern gilt wegen der Pandemie generell eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und an allen Orten, an denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Verstöße werden mit 250 Euro und im Wiederholungsfall mit 500 Euro geahndet. Der Freistaat setzt zur Prävention der Infektion neben Masken auch auf umfangreiche Tests.

31.08.2020 13.32 Uhr

Einzelne NRW-Schulen behalten Maskenpflicht zunächst bei

An den meisten weiterführenden Schulen in NRW dürfen die Schüler ab Dienstag die ungeliebte Maske im Unterricht absetzen. Einige Schulen behalten die Pflicht jedoch bei und begründen dies mit einem höheren Infektionsrisiko. Kommunen appellieren an freiwilliges Maske-Tragen.

Nicht an allen weiterführenden Schulen in NRW endet an diesem Montag die Maskenpflicht im Unterricht. Beibehalten wird sie etwa an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Essen, zunächst bis zu den Herbstferien, wie die Schule auf Facebook mitteilte. «In keinem unserer Klassenräume kann im normalen Präsenzunterricht der Mindestabstand eingehalten werden», erklärte die Schule. Im Unterricht werde gesprochen, sich ausgetauscht. Man sehe hier ein erhöhtes Infektionsrisiko. Zuvor hatte die «WAZ» (Montag) darüber berichtet.

Bereits zu Beginn des Schuljahres sei in der Schulkonferenz über die Maskenpflicht bis zu den Herbstferien gesprochen worden, hieß es weiter. Von den Eltern habe es dafür Zuspruch gegeben.

Für die Ankündigung gab es Lob, aber auch Kritik. «Ich finde die Entscheidung der Schule super. Meine Tochter fühlt sich besser mit der Maske», kommentierte jemand. «Ich frage mich, wofür solche Sachen beschlossen werden und dann jede Schule eigenständig entscheidet», schrieb ein anderer.

Auch am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oberhausen bleibt die Maskenpflicht bestehen, zunächst für weitere knapp zwei Wochen. Für den Fall, dass die Schulkonferenz die Maskenpflicht ab dem 14. September abschafft, hat die Schulleitung Unterrichtskürzungen angekündigt. Grund sei, dass dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr alle Lehrer für einen Unterricht ohne Maskenpflicht zur Verfügung stünden. Pläne für eine Beibehaltung der Maskenpflicht für zunächst zwei Wochen gab es auch am Viktoriagymnasium in Aachen.

Die Maskenpflicht im Unterricht der weiterführenden und berufsbildenden Schulen in NRW bestand seit Beginn des Schuljahres am 12. August. Solch eine Maßnahme gab es flächendeckend in keinem anderen Bundesland. Für Grund- und Förderschüler der Primarstufe galt sie auch in NRW nicht. Auf Schulhöfen und im Schulgebäude bleibt die Maskenpflicht aber für alle an allen Schulformen bestehen.

Bereits vergangene Woche hatte der Krisenstab der Stadt Wuppertal an die Schulen appelliert, über den 31. August hinaus einen Mund-Nasen-Schutz während des Unterrichts tragen zu lassen. Das Tragen einer Maske sei ein sinnvolles Mittel zur Minderung eines Infektionsrisikos, wenn - wie in vollen Klassen der Fall - Mindestabstände von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könnten, hatte die Stadt mitgeteilt.

Schon vor einer Woche hatte das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg den weiterführenden Schulen das «durchgängige Tragen einer eng anliegenden Mund-NasenBedeckung» empfohlen - «selbst dann, wenn ein Mindestabstand von 1,5 m üblicherweise eingehalten werden kann». Ob durchgehend eine Mund-Nasenbedeckung getragen werde, habe gravierende Auswirkungen darauf, «wie groß der Personenkreis derer ist, die bei Auftreten eines positiven Falles in der Schule in Quarantäne müssen», heißt es in einem Infoblatt des Amtes.

31.08.2020 06.00 Uhr

Volle Busse: Einhaltung der Maskenpflicht wird stärker kontrolliert

Schon vor Corona galten Busse und Bahnen als Ansteckungsort in der Erkältungszeit. Nach dem Schulstart in Niedersachsen wird in dieser Woche nun vielerorts verstärkt kontrolliert, ob alle Fahrgäste Maske tragen. Einen besonderen Weg geht der Kreis Peine.

In vielen Bussen und Bahnen in Niedersachsen soll die Einhaltung der Maskenpflicht in dieser Woche intensiver als bisher kontrolliert werden. Weil wieder mehr als eine Million Kinder und Jugendliche gleichzeitig zur Schule müssen, ist der Nahverkehr jetzt deutlich stärker belastet als in den vergangenen Wochen. Wer gegen die Maskenpflicht verstößt, muss seit Ende vergangener Woche auch mit deutliche höheren Geldbußen rechnen als bisher.

In manchen Regionen werden zu Stoßzeiten zwar morgens und mittags zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt, allerdings längst nicht in allen niedersächsischen Städten und Landkreisen. «Eine flächendeckende Ausweitung der Kapazitäten wird landesweit nicht möglich sein, da weder ausreichend Fahrzeuge noch das erforderliche Personal dafür zur Verfügung stehen», sagte der Sprecher des Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen, Eckhard Spliethoff. Zudem habe das Land Niedersachsen dafür bisher keine zusätzlichen finanziellen Mittel bereitgestellt, kritisierte der Sprecher.

Schüler müssen wie alle Passagiere an den Haltestellen und in Bussen und Bahnen eine Maske oder einen anderen Mund-Nasen-Schutz tragen. Wenn ein Fahrgast ohne Maske einsteigen will, kann ihm das Personal den Zugang verweigern. Im Zweifel werde die Fahrt dann nicht fortgesetzt und die Leitstelle der Polizei gerufen, sagte der Sprecher des Verkehrsverbundes.

HANNOVER: Zur Maskenkontrolle setzen die Verkehrsbetriebe üstra etwa 110 Sicherheitsdienst-Mitarbeiter ein. Außerdem stehen an Haltestellen großer Schulzentren «Maskenscouts», die in den ersten Tagen nach den Sommerferien auf die Regeln hinweisen. Ferner wollen die Verkehrsbetriebe die Jugendlichen mit Unterstützung Prominenter etwa aus dem Sportbereich über soziale Medien ansprechen - «Wer Maske trägt, ist cool!» lautet die Botschaft. Zu Schulbeginn und -ende gibt es längere Busse, zusätzliche Straßenbahnwagen und einen mehr Fahrten.

WOLFSBURG: In Wolfsburg weisen Plakate auf die Maskenpflicht hin, Durchsagen in Bussen und an Verkaufsständen kommen hinzu, wie eine Sprecherin der Verkehrs-GmbH sagte. Stichprobenartige Kontrollen zusammen mit dem Ordnungsamt sollen helfen, die Maskenpflicht in den Bussen durchzusetzen. Auch Sanktionen könnten verhängt werden - und Busfahrer haben das Recht, uneinsichtige Fahrgäste abzuweisen. «Es läuft ganz gut», sagte eine Sprecherin in Wolfsburg. Nur in Einzelfällen gebe es Diskussionen mit Maskenverweigerern. «Im Grunde funktioniert es, auch bei den Schülern», sagte die Sprecherin.

BRAUNSCHWEIG: Dort sind nach Ende der Sommerferien in dieser Woche mehrere stichprobenartigen Kontrollen geplant, an denen am Dienstag auch Braunschweigs Ordnungsdezernent Thorsten Kornblum teilnimmt. Der weit überwiegende Teil der Fahrgäste halte sich aber an die Regeln, hieß es aus Braunschweig.

SÜDNIEDERSACHSEN: Im Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen kann die Zahl der Busse insgesamt wegen der Corona-Pandemie nicht erhöht werden. Hintergrund ist unter anderem der Mangel an Busfahrern. Wer angesichts der Infektionsgefahr auf dem Weg zur Schule nicht zwingend den Linienbus benötige, dem wird dort geraten, zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Zudem sollten die Kinder möglichst nicht im Bus essen, um den Mund-Nasen-Schutz nicht abzunehmen.

PEINE: Der Landkreis Peine geht einen neuen Weg und bietet Eltern, die ihre Kinder statt in den Bus zu setzen selber mit dem Auto bringen, eine Pauschale von 30 Cent pro Kilometer an. «Es geht darum, die Busunternehmen zu entlasten», sagte Landkreissprecher Fabian Laaß. Wenn Eltern ihre Kinder lieber selbst fahren, sollten sie sie aber nicht direkt vor der Schule aussteigen lassen, um ein Verkehrschaos zu verhindern. In Peine gibt es auch eine Monatsprämie von zehn Euro für radfahrende Schüler. Wie Eltern und Schüler das Geld erhalten, erfahren sie in den Schulen oder beim Landkreis.

FINANZHILFEN FÜR NAHVERKEHRSUNTERNEHMEN: Nach Angaben des niedersächsischen Verkehrsministeriums stellt die Landesregierung für die Nahverkehrsunternehmen 190 Millionen Euro bereit - zur Abmilderung von Auswirkungen der Corona-Pandemie, vor allem für erlittene Einnahmeausfälle. Zudem gibt es Überlegungen, Busse privater Reiseunternehmen etwa für die Schülerbeförderung einzusetzen, sagte ein Sprecher. Entsprechende Anfragen seien aber bislang nicht an die Landesregierung herangetragen worden.

INFEKTIONEN: Bisher sind zumindest für Bremen und den Nordwesten Niedersachsens keine Ansteckungen von Fahrern oder Fahrgästen mit Covid-19 in öffentlichen Verkehrsmitteln bekannt, wie VBN-Sprecher Spliethoff sagte. In den Fahrzeugen wurden Plexiglasscheiben eingesetzt, um die Fahrerinnen und Fahrer vor Ansteckung zu schützen. Zudem werden die Busse und Bahnen dem Sprecher zufolge regelmäßig gründlich gereinigt und desinfiziert.

31.08.2020 06.00 Uhr

Corona entschärft den Run auf Wohnheimplätze für Studenten

Jedes Semester die gleiche Klage über zu wenig Plätze in den Studentenwohnheimen - in diesem Wintersemester ist das etwas anders. Wegen Corona und den Folgen stehen die Chancen der Studenten auf ein Zimmer vielerorts besser als sonst.

Zelten auf dem Campus, Couchsurfing, endlose WG-Suche im Internet - in solche Notlagen werden die Studienanfänger des Wintersemesters 2020/21 kaum geraten. Die im vergangenen Jahr noch harte Konkurrenz um die raren Wohnheimplätze ist wegen der Corona-Krise deutlich entschärft. Der ganz große Druck auf die Studenten, noch schnell vor Semesterstart einen Unterschlupf zu finden, ist vielerorts gewichen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. «Die Studierenden werden sich in diesem Semester erheblich leichter tun, ein Zimmer zu erhalten, als es sonst üblich ist zum Wintersemester», brachte es Krstimir Krizaj vom Studierendenwerk Ulm auf den Punkt.

Auch die Studenten beschreiben die Lage als entspannter. Sie sehen als Grund aber vor allem die desaströse wirtschaftliche Lage der jungen Menschen in der Corona-Krise.

Im Sommersemester verzeichneten manche Studierendenwerke etwa in Heidelberg, Stuttgart und Freiburg sogar Leerstände - eine für sie bislang ungewohnte Situation. In Heidelberg stehen zum 1. September noch 200 Zimmer leer. In den Heimen des Stuttgarter Studierendenwerks waren zwischen April und August 750 Zimmer nicht belegt.

Ein Grund ist das Fernbleiben der internationalen Studenten. «Dass weniger Studenten aus dem Ausland kommen, macht sich bemerkbar, viele Unis haben auch ihre Austauschprogramme gestreichen», sagte Anita Bauer vom Studierendenwerk Stuttgart mit 6830 Plätzen. Regulär ziehen zum Wintersemester zwischen 700 und 800 Programmstudierende in die Wohnanlagen ein. «In diesem Jahr wird es nur ein Bruchteil davon sein.» Auch in Heidelberg mit einem hohen Anteil ausländischer Wohnheimbewohner zwischen 35 und 40 Prozent ist dieser Effekt spürbar.

Der Freie Zusammenschluss von Studen*tinnenschaften weist darauf hin, dass die Wohnheime generell nur wenige Prozent des Bedarfs abdecken und - unabhängig von der Pandemie - weitere Investitionen in studentischen Wohnraum nötig seien. Amanda Steinmaus vom Vorstand des Verbands sagte: «Die Zahl der Bewerber ist geringer, weil es viele sich angesichts der weggebrochenen Nebenverdienstmöglichkeiten nicht leisten können, auszuziehen, oder sie wieder bei den Eltern einziehen müssen - und manche beginnen erst gar nicht mit dem Studium.» Die Hilfe der Bundesregierung sei nicht ausreichend und komme verzögert, sagte die Lehramtsstudentin. Deshalb falle es den Studenten schwer, zu kalkulieren, ob sie die Miete noch bezahlen können.

In Stuttgart stehen derzeit rund 1300 Interessenten für einen Wohnheimplatz auf der Warteliste - im vergangenen Jahr um diese Zeit waren es 3200. Wer dezentrale Unterbringung nicht scheut, kann sogar gleich eine Bleibe in Esslingen oder Göppingen erhalten. Vereinzelte Studenten kommen derzeit auch im begehrten Stuttgart Mitte zum Zug. Sonst beträgt die reguläre Wartezeit sechs bis acht Monate.

Auch die Universität Ulm bleibt von den Corona-Folgen nicht unberührt. Im September rechnet man dort mit einem Leerstand von neun Prozent, üblich sind zwei Prozent. Die Zahl der Bewerber für ein Zimmer oder Appartement ab September und Oktober liegt gut 200 unter dem Vorjahreswert von 839. Studenten, die sich mit einem Zimmer begnügen, werden in diesem Wintersemester zu 80 bis 90 Prozent versorgt - sonst sind es nur 60 Prozent. Der Abteilungsleiter Wohnen, Krizaj, sagte: «Wegen weniger Präsenzveranstaltungen ist auch die Nachfrage geringer. Wer nur ein oder zwei Mal pro Woche an die Uni muss, kann aus dem näheren Umland noch pendeln.»

Auch die Programme mit Partnerhochschulen im Ausland seien auf Eis gelegt oder die Vorkurse dafür seien verschoben worden. Die Zahl der ausländischen Bewerber zum Wintersemester ist binnen eines Jahres von 193 auf 107 auf gesunken.

In Heidelberg ergattert in normalen Jahren nur jeder dritte Bewerber eine Studentenbude. Dort geht man deshalb bei einer Bewerberzahl von gut 4600 nach im vergangenen Jahr 6000 davon aus, dass im Wintersemester anteilig mehr Aspiranten zum Zuge kommen - allerdings nicht alle. Im Wintersemester werde wieder verstärkt Präsenzlehre angeboten, sagte Sprecher Timo Walther. Deshalb werde der Effekt, dass junge Menschen weiter zuhause online studieren, anstatt nach Heidelberg zu ziehen, wohl nicht eintreten.

In Karlsruhe sieht es ähnlich aus. Nach Worten eines Sprechers des Studierendenwerkes fehlen dort normalerweise rund tausend Zimmer und die Wartelisten seien extrem lang. Das habe sich wegen Corona verändert: «Durch die voraussichtlich deutlich geringere Präsenz am Campus verändert sich die Situation derzeit so, dass wir eine Vollbelegung mit fast keiner oder sehr geringer Warteliste erwarten», sagte der Sprecher. In Pforzheim würden sogar Leerstände erwartet. Das Studierendenwerk betreibt rund 2300 Wohnheimplätze in der Fächerstadt und rund 500 in Pforzheim.

In Freiburg hingegen herrscht kurz vor Beginn des Wintersemesters eine ähnlich hohe Nachfrage wie im Vorjahr. Auch die Warteliste sei gleich lang, erläuterte eine Sprecherin des Studierendenwerkes. Im Sommersemester allerdings standen zuletzt etwa 200 der insgesamt 4900 Plätze leer. Momentan seien genauso viele Studenten auf Zimmersuche wie sonst auch. «Zwar sind es weniger internationale Studierende, da viele kein Visum bekommen und ihr Land nicht verlassen können. Dafür kommen Abiturientinnen und Abiturienten vermehrt dazu, die sonst ein Jahr lang Pause vorm Studium gemacht hätten», sagte die Sprecherin.

31.08.2020 05.00 Uhr

Schulbeginn für rund 247 000 Kinder und Jugendliche in Thüringen

Nach sechs Wochen Sommerferien kehren Thüringens Schüler ab Montag in die Klassenräume zurück. Anders als vor der großen Sommerpause sollen sie nun auch wieder täglich zur Schule gehen und nicht mehr im Wechsel auch zu Hause lernen. Es ist das erste Mal seit den landesweiten Schulschließungen im März wegen der Corona-Pandemie, dass die Schulen wieder in den regulären Betrieb wechseln. Alle Schüler und Lehrer müssen wieder zur Schule - auch jene, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung Covid-19 haben.

Unter den fast 250 000 Schülern, die im Schuljahr 2020/2021 unterrichtet werden sind auch 18 790 Schulanfänger - und damit erneut mehr als im Vorjahr (18 430). Etwa 17 000 Lehrer werden versuchen, die Kinder und Jugendlichen an Thüringens Schulen auf die Ausbildung, den Beruf oder das Studium vorzubereiten.

31.08.2020 03.30 Uhr

Maskenpflicht im Unterricht endet - Neue Corona-Verordnungen

Die Maske geht, die Sorge bleibt: Nur noch einen letzten Tag müssen ältere Schüler in NRW eine Maske auch im Unterricht aufsetzen. Aber ist das auch sicher? Die Schulministerin und der Gesundheitsminister stellen Details der neuen Corona-Schutzstrategie in NRW vor.

Aufatmen bei Hunderttausenden Schülern in Nordrhein-Westfalen: Am Montag gilt für die Kinder und Jugendlichen der weiterführenden und berufsbildenden Schulen ein letztes Mal Maskenpflicht im Unterricht. Damit endet in NRW eine umstrittene Coronaschutzmaßnahme, die es flächendeckend in keinem anderen Bundesland gibt. Für Grund- und Förderschüler der Primarstufe galt sie auch in NRW nicht.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte angekündigt, den seit Schulbeginn geltenden Maskenzwang im Unterricht nicht über den 31. August hinaus zu verlängern, da die Infektionszahlen in NRW, entgegen dem Bundestrend, wieder zurückgegangen seien. Auf Schulhöfen und im Schulgebäude bleibt die Maskenpflicht aber für alle bestehen.

Inzwischen sind in den Lehrergewerkschaften Sorgen laut geworden, ob die Abschaffung der Maskenpflicht zu verantworten ist, obwohl die üblichen Sicherheitsabstände in den Klassenräumen nicht einzuhalten sind. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft brachte das mit der Formel auf den Punkt: «Maskenpflicht adé - aber wo bleibt Plan B?» Entweder die Anordnung der Maskenpflicht oder ihr Ende seien «falsche Politik», kritisiert ihre Landesvorsitzende Maike Finnern.

Die Kultusminister waren nach der Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am vergangenen Donnerstag beauftragt worden, mögliche Vereinheitlichungen bei der Maskenpflicht zu erörtern. Zu dem Themenfeld gehörten auch Infektionsgefahren auf Schulhöfen und das Thema Belüftungssysteme, hatte Laschet erklärt.

Die bisherigen Regelungen der Coronaschutzverordnung sowie der Verordnungen zur Betreuung in Kitas, Schulen und Behinderteneinrichtungen enden in NRW mit Ablauf des 31. August, ebenso wie die Corona-Einreiseverordnung. Die Landesminister für Gesundheit und für Schule, Karl-Josef Laumann (CDU) und Yvonne Gebauer (FDP), wollen am Montag (13 Uhr) Einzelheiten der neuen Fassungen vorstellen.

31.08.2020 03.30 Uhr

Schulbeginn im Sachsen im Zeichen der Pandemie

Nach sechs Wochen Sommerferien kehren Sachsen Schüler an diesem Montag in die Klassenräume zurück. Anders als vor der Sommerpause sollen nun alle Schüler wieder täglich zur Schule gehen und nicht mehr im Wechsel auch zu Hause lernen. Es ist das erste Mal seit den landesweiten Schulschließungen im März, dass die Schulen wieder in den regulären Betrieb wechseln - wenn auch unter Pandemiebedingungen. Eine umfassende Maskenpflicht im Unterricht oder in den Schulgebäuden gibt es nicht.

Unter den rund 486 000 Schülern, die im Schuljahr 2020/2021 unterrichtet werden sind auch 39 500 Erstklässler. Vor Beginn des neuen Schuljahres konnten unterdessen nicht alle Lehrerstellen besetzt werden: Von 1100 vom Kultusministerium ausgeschriebenen Stellen wurden nur 922 mit ausgebildeten Lehrern besetzt, 121 mit Seiteneinsteigern.

30.08.2020 12.27 Uhr

Grüne erarbeiten Konzept gegen erneute Schulschließung

Die Grünen im Landtag haben zum Ende der Sommerferien ein Konzept erarbeitet, wie angesichts der Corona-Pandemie eine erneute Schließung von Schulen und somit Bildungsdefizite verhindert werden könnten. Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze setzt laut Mitteilung vom Sonntag auf «regelmäßige Tests, Smart Distancing statt Social Distancing, endlich eine umfangreiche digitale Ausstattung für die Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler und die passende Infrastruktur für das Lernen in der Schule».

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat für Montag zu einem Bildungsgipfel in München eingeladen. Dabei dürfte es auch um die Frage gehen, wo in Schulen Masken getragen werden müssen und welche sonstigen Hygieneauflagen den Regelbetrieb mit Präsenzunterricht sichern sollen.

Die Grünen fordern, bei einem Hygienekonzept speziell auch den Schulweg im Blick zu haben. Um etwa überfüllte Schulbusse zu vermeiden, müssten zusätzliche Busse eingesetzt werden. Hierfür müsse der Freistaat den Kommunen Geld zur Verfügung stellen, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Gabriele Triebel. Auch versetzte Anfangszeiten könnten für Entzerrung sorgen.

 

30.08.2020 11.43 Uhr

Corona-Situation verschärft sich in Frankreich vor Schulbeginn

Die Ferien in Frankreich sind nun vorbei - für mehr als zwölf Millionen Schüler geht der Unterricht wieder los. Und das nicht vor dem Laptop, sondern in den Klassenzimmern. Ausgerechnet jetzt steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder stark.

In Frankreich spitzt sich die Corona-Lage kurz vor dem Schulstart besorgniserregend zu. Das Gesundheitsministerium sprach von einem «exponentiellen» Anstieg der Corona-Neuinfektionen. Ärzte fürchten, dass die Schulen für die Rückkehr ins Klassenzimmer am Dienstag nicht bereit sind. «Die für den Beginn des Schuljahrs am 1. September geplanten Regeln schützen weder das Personal noch die Schüler und ihre Familien», hieß es in einem offenen Brief, den die Zeitung «Le Parisien» veröffentlichte.

Am Freitagabend zählte das Gesundheitsministerium mehr als 7000 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. «Die Dynamik des Fortschreitens der Epidemie ist exponentiell», warnte das Ministerium. Seit einigen Wochen steigen die Fallzahlen im ganzen Land. Am Dienstag kehren nun mehr als zwölf Millionen Schülerinnen und Schüler aus den Sommerferien in die Klassenzimmer zurück - viele zum ersten Mal nach langen Monaten.

Die Mediziner fordern in ihrem offenen Brief eine Maskenpflicht für alle, die älter als sechs Jahre sind. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer verteidigte die Regelungen - etwa die Maskenpflicht ab elf Jahren. «Es darf nicht alles von der gesundheitlichen Realität erdrückt werden», sagte er der Sonntagszeitung «Journal du Dimanche». Einige Schulen könnten am Dienstag wegen der aktuellen Lage geschlossen bleiben - «aber so wenige wie möglich».

Die Corona-Lage ist in Frankreich regional unterschiedlich. Die Regierung hat 21 Départements als Risikogebiete eingestuft. Dort herrscht erhöhte Ansteckungsgefahr. Diese sogenannten roten Zonen liegen vorwiegend - aber nicht ausschließlich - an der Mittelmeerküste und rund um die Hauptstadt Paris. Für die Region Provence-Alpes-Côte d'Azur am Mittelmeer wie auch für den Großraum Paris gilt eine Reisewarnung der Bundesregierung. Viele befürchten, dass eine solche Reisewarnung auf ganz Frankreich ausgeweitet wird.

Präsident Emmanuel Macron warnte in diesem Zusammenhang erneut vor generellen Grenzschließungen. Sie seien nicht der richtige Weg, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Die Schließung von Grenzen habe keinen Sinn, wenn es Gebiete mit aktiver Virus-Zirkulation gebe, die identifiziert seien. «Lassen Sie uns in dieser Frage nicht die Fehler vom März wiederholen», so der Staatschef. Darüber habe er sich auch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgetauscht.

Frankreich versucht unterdessen mit verschärften Maßnahmen gegen die Epidemie vorzugehen. In zahlreichen Städten wie Paris oder der Elsass-Metropole Straßburg gilt nun eine Maskenpflicht unter freiem Himmel. In der Hauptstadt demonstrierten am Samstag einige Hundert Menschen gegen die neue Regel.

Die Entwicklung im Land wirkt sich auch auf die Tour de France aus, die am Samstag in Nizza begann. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen wird nun doch eine Mannschaft ausgeschlossen, wenn es zwei positive Corona-Fälle im gesamten Team inklusive Umfeld innerhalb von sieben Tagen gibt. Unter strikten Corona-Maßnahmen soll die Tour in den nächsten drei Wochen durch das Land rollen. Zuschauer sind erlaubt, wenn auch begrenzt.

Die Regierung betont immer wieder, landesweite Ausgangsbeschränkungen vermeiden zu wollen. Die Lage sei nicht mit der Situation im Frühjahr vergleichbar, erklärte Premierminister Jean Castex. Man teste viel mehr als damals. Dies täusche aber nicht darüber hinweg, dass die Zahl der Neuinfektionen steige. Frankreich zählt seit Beginn der Epidemie mehr als 30 500 Tote.

30.08.2020 07.00 Uhr

Nutzung von Corona-App in Schule bleibt tabu

 

Bayerns Schüler dürfen auch in Zukunft in der Regel nicht ihre Smartphones zur Nutzung der Corona-Warn-App in der Schule einschalten. Der Regensburger Jugendbeirat ist mit einer entsprechenden Initiative gescheitert. Das Kultusministerium in München betonte, dass nur in Einzelfällen der Nutzung der Corona-App erlaubt werden könne, wenn Schüler sich dadurch sicherer fühlten. Grundsätzlich ist die Nutzung der Handys auf dem Schulgelände den Kindern und Jugendlichen im Freistaat verboten, wenn die Geräte nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden.

Die Regensburger Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) hatte die Initiative der Jugendlichen unterstützt, die Handys in den Schulen aufgrund der Pandemie einschalten zu dürfen. Doch der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien der Oberpfalz wies das Anliegen mit der Begründung zurück, dass die Nutzung der Warn-App an Schulen nicht erforderlich sei. Denn dort könnten im Unterschied zum öffentlichen Raum Infektionsketten auch ohne die App schnell erkannt und nachverfolgt werden.

Ein Sprecher des Kultusministeriums ergänzte, dass die Nutzung der Corona-App ansonsten sehr sinnvoll sei. «Während des Schulweges ist die freiwillige Nutzung der App ohnehin uneingeschränkt möglich.» Am 8. September beginnt im Freistaat wieder der Unterricht.

Die Vorsitzende des Jugendbeirats in Regensburg, Leyla Stanojević, ist von der Position des Ministeriums nicht überzeugt. «Wenn die vom Staat entwickelte App schon nicht in staatlichen Einrichtungen benutzt werden darf, kann der Staat dies auch kaum von privaten Unternehmen erwarten», sagte sie.

 

29.08.2020 13.12 Uhr

Mit Maske und Tüte: 1. Schultag für ABC-Schützen in Niedersachsen

Für viele Jungen und Mädchen hat am Samstag in Niedersachsen und Bremen mit dem ersten Schultag ein neuer Lebensabschnitt begonnen. In Niedersachsen wurden 72 500 Erstklässler eingeschult, in Bremen knapp 5000. Viele Kinder trugen neben der Schultüte und dem neuen Ranzen auch eine Maske. Wegen der Corona-Pandemie waren an den Schulen keine großen Einschulungsfeiern geplant. Es galten Hygieneauflagen und Abstandsregeln. An den allgemein bildenden Schulen hatte der Unterricht nach dem Ende der Sommerferien bereits am Donnerstag wieder begonnen.

Schulbehörden und ADAC mahnten Verkehrsteilnehmer zur besonderen Vorsicht in den kommenden Tagen und Wochen, weil viele der Erstklässler alleine im Straßenverkehr unterwegs seien. «In der Nähe von Schulen, an Haltestellen und beispielsweise Ampeln und Zebrastreifen sollte vorausschauend gefahren werden und man sollte immer bremsbereit sein», riet Hannover Polizeipräsident Volker Kluwe am Samstag in der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung». «Denn aufgrund ihrer Körpergröße sieht man die Kinder hinter oder zwischen den parkenden Autos oft nicht.»

28.08.2020 18.26 Uhr

OVG bestätigt Maskenpflicht in Schulen

Schleswig-Holsteins Oberverwaltungsgericht hat die Maskenpflicht an den Schulen außerhalb der Klassenräume bestätigt. Diese Pflicht verletze nicht das Erziehungsrecht der Eltern, das auch den Schutz des Kindeswohls umfasst, entschieden die Richter am Freitag unter Verweis auf das Grundgesetz (Az. 3 MR 37/20). «Durch das Tragen einer Maske ist keine Kindeswohlgefährdung zu befürchten; denn in das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes ... wird dadurch nicht eingegriffen.»

Der 3. Senat wies einen Eilantrag von Eltern eines Schülers der zweiten Klasse ab. Die Antragsteller hatten beantragt, die Maskenpflicht vorläufig außer Kraft zu setzen. «Der Senat bezweifelt, ob das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit durch die Maskenpflicht an den Schulen überhaupt berührt werde», heißt es in der Mitteilung. Es gebe derzeit keine belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse dafür, dass das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule geeignet wäre, maßgebliche allgemeine Gesundheitsgefahren für Schüler hervorzurufen.

Angesichts des Wiederanfahrens des öffentlichen Lebens und der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts sei eine auch für den Schulbetrieb geltende Maskenpflicht nicht unverhältnismäßig. Sie sei vielmehr geboten und erforderlich, um einem weiteren raschen Wiederanstieg der Infektionszahlen und einem damit möglicherweise einhergehenden (erneuten) Herunterfahren gesellschaftsrelevanter Bereiche entgegenzuwirken. Mildere Mittel wie eine Maskenpflicht nur für Rückkehrer aus Risikogebieten seien wegen der Übertragbarkeit des Coronavirus vor Symptombeginn nicht gleich wirksam. Der Beschluss des Oberverwaltungsgerichts ist unanfechtbar.

«Unser Weg einer Maske dort, wo kein Abstand eingehalten werden kann, ist richtig», sagte Bildungsministerin Karin Prien zu der Entscheidung. «An den Schulen haben wir nach unseren Erkenntnissen nur noch rund 350 Kinder an rund 100 Schulen, die sich weigern eine Maske zu tragen», berichtete die CDU-Politikerin. «Dies ist aus Sicht der medizinischen Experten epidemiologisch kein relevantes Problem.» Das zeige, dass das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung als gemeinsame Anstrengung zur Eindämmung der Coronapandemie breit akzeptiert werde.

28.08.2020 18.18 Uhr

Söder hält Maskenpflicht im Unterricht für möglich

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält eine Maskenpflicht im Unterricht für denkbar. Den «Nürnberger Nachrichten» (Samstag) sagte er: «Wir wollen den Regelunterricht bei gleichzeitigem Schutz von Schülern und Lehrern. Wir reden da auch über Masken im Unterricht. Die Entscheidung soll im Konsens getroffen werden.» Die Maske sei ein einfaches und effektives Mittel, um drohende Schulschließungen zu verhindern. Für kommenden Montag sei eine Besprechung mit Schulvertretern geplant.

Bevor jedoch eine Entscheidung über die Maskenpflicht im Unterricht getroffen werde, würden die Erfahrungen anderer Bundesländer hierzu ausgewertet, sagte Söder. Zu berücksichtigen seien auch regionale Unterschiede in Bayern: «Wenn es etwa wie im Kreis Rhön-Grabfeld keine oder wenig neue Infektionen gibt, ist die Lage dort anders zu beurteilen als in München oder Rosenheim, wo die Zahlen im Moment höher sind.»

In Nordrhein-Westfalen müssen Schüler ab Klasse 5 Masken im Unterricht tragen, diese Regelung läuft jedoch an diesem Montag wegen gesunkener Infektionszahlen aus.

28.08.2020 17.35 Uhr

Corona-Fälle an 40 Berliner Schulen

(dpa/bb) - In Berlin gibt es aktuell an 40 Schulen Corona-Fälle. Betroffen sind 36 Schüler und 4 Lehrkräfte, wie die Bildungsverwaltung am Freitag mitteilte. Eine Schule in Spandau blieb deswegen diese Woche geschlossen, öffnet aber am kommenden Montag wieder. 22 Lerngruppen befinden sich den Angaben zufolge in häuslicher Quarantäne und werden digital unterrichtet. Vor einer Woche waren es noch 36 Klassen. Die Daten, die die Bildungsverwaltung regelmäßig abfragt, beziehen sich auf gut 350 000 Schüler allgemeinbildender Schulen an mehr als 800 Standorten.

28.08.2020 17.20 Uhr

Zankapfel Schulbusse in Corona-Zeiten - Land gibt weitere Masken

Die Landesregierung unterstützt die Beförderung von Fahrschülern mit zusätzlichen Bussen. Zu spät, zu wenig, kritisiert die Opposition. Im Landtag prallen die Meinungen aufeinander.

Zur Entlastung der angespannten Schülerbeförderung hat Rheinland-Pfalz bis Ende der Woche 200 zusätzliche Busse und Zehntausende Mund-Nasenschutz-Masken bereitgestellt. Verkehrsminister Volker Wissing teilte am Freitag im Landtag in Mainz mit, dass für die zugesagte «Bus-Börse» 200 zusätzliche Busse zur Verfügung stünden. Insgesamt hat das Land in der vergangenen Woche 250 Fahrzeuge als Nothilfe angekündigt.

Außerdem stellt die Landesregierung den Schulen noch einmal 500 000 Einweg-Masken als Reserve zur Verfügung, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums am Freitag mitteilte. Die Betreiber von Schulbussen können zudem weitere 150 000 Reservemasken vom Land bekommen. «Kein Kind wird am Bus zurückgelassen», betonte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Seit Beginn der Corona-Pandemie hat das Land damit rund eine Million Einweg-Masken für die Schulen und 300 000 Masken für die Schülerbeförderung bereitgestellt.

Zuvor hatte Landeselternsprecher Reiner Schladweiler die beengten Verhältnisse in der Schülerbeförderung kritisiert. «Die stehen wirklich wie die Heringe», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Ich habe gehört, dass Kinder bis an die Scheibe gedrückt standen.» Täglich bekomme er 12 bis 15 Beschwerden wegen der Busse.

Auch die Schüler sehen die Probleme. Es komme vor, dass manche nicht mehr in den Bus passten und von den Eltern abgeholt werden müssen, sagte Jonah Simon von der Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler. Zudem trügen viele Schüler im Bus keine Mund-Nasen-Bedeckung.

Die «Bus-Börse» des Landes wird vom Verband der privaten Verkehrsbetriebe Mobilität & Logistik Rheinland-Pfalz (Molo) organisiert. Er gehe davon aus, dass auch mehr als 250 Busse mobilisiert werden könnten, sagte Molo-Geschäftsführer Guido Borning. Viele Unternehmen hätten ihre Fahrzeuge abgemeldet, die Fahrer in Kurzarbeit geschickt. Das Land übernimmt 90 Prozent der Kosten für die zusätzlichen Busse.

Beim Landkreistag von Rheinland-Pfalz ist man skeptischer. «Der Pool ist mit 250 Bussen für eine Lösung eher zu klein», sagte der Vorsitzende Günther Schartz (CDU), Landrat des Kreises Trier-Saarburg. Einzelne Kreise wie Neuwied oder Südwestpfalz meldeten einen Mehrbedarf von 30 Bussen an. Es sei aber abzusehen, dass jeder nicht mehr als sechs oder sieben zusätzliche Busse bekomme, sagte Schartz.

Im Landtag gerieten am Freitag Regierungsparteien und Opposition heftig aneinander. Während die CDU die Landesregierung für übervolle Schulbusse verantwortlich machte, betonten die Regierungsfraktionen die Zuständigkeit der Kommunen.

«Kinder sind beim Bremsen und in Kurven den Gesetzen der Physik schutzlos ausgeliefert», sagte der Pirmasenser CDU-Abgeordnete Thomas Weiner. «Die Zeit der Stehplätze in den Überlandbussen muss zu Ende gehen.»

Mehrere SPD-Abgeordnete kritisierten, dass Landräte die Zeit der Sommerferien nicht genutzt hätten, um zu Beginn des Schuljahrs die Schülerbeförderung zu sichern. Diese sei seit 1980 Pflichtaufgabe der Landkreise und kreisfreien Städte - damals sei die CDU noch in Regierungsverantwortung gewesen. Der SPD-Abgeordnete Benedikt Oster warf der CDU vor, die Sorgen um die Gesundheit von Schulkindern zu instrumentalisieren. Unter Hinweis auf eine am Freitag gestartete Plakataktion der CDU sagte Oster: «Sie machen Wahlkampf auf dem Rücken von Kindern.»

Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) bezeichnete den Antrag der CDU als überflüssig und in keiner Weise hilfreich. «Jeder Stehplatz im Bus geht auf eine Entscheidung in den Kommunen zurück», sagte Wissing. Es gebe keine Verpflichtung, die maximale Höchstgrenze einer 70-prozentigen Nutzung der Stehplatzkapazität auszuschöpfen. Der Landtag lehnte einen Antrag der CDU ab, auf dem Verordnungsweg die zulässige Nutzung von Stehplätzen in der Schülerbeförderung schrittweise zu reduzieren.

Nach der Landtagssitzung warf der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf der Landesregierung vor, sie gefährde «mit ihren wiederholten Angriffen auf die Landräte im Kontext der Schülerbeförderung (...) den kommunalen Frieden». In Zeiten von Corona, die gerade den Landkreisen viel abverlange, müsse die Landesregierung ihren Beitrag leisten. «Sie darf die Landkreise mit den daraus resultierenden zusätzlichen Belastungen nicht alleine lassen.»

28.08.2020 16.05 Uhr

«Maske macht Schule» - Bildungsministerium startet Kampagne

Ende der Maskenpflicht im Unterricht: Aufatmen und Sorge in NRW Viel ist geschimpft worden über die bundesweit einzigartige Pflicht in NRW, in weiterführenden Schulen auch im Unterricht Maske zu tragen. In wenigen Tagen endet der Zwang - und manchen Lehrern und Gewerkschaftern wird es mulmig.

Das angekündigte Ende der Maskenpflicht im Unterricht stößt in Nordrhein-Westfalen auf Erleichterung, aber auch auf scharfe Kritik und Bedenken. «Die Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht ist verfrüht und voreilig», teilte die Landesvorsitzende des Philologenverbands NRW, Sabine Mistler, am Freitag mit.

Der Berufsverband der Gymnasiallehrer befürchtet, dass die Infektionszahlen an den Schulen infolgedessen steigen und «zu erneutem Distanzunterricht und damit zu deutlichen Einschränkungen führen» könnten. Auch andere Lehrerverbände und die SPD-Opposition äußerten ähnliche Sorgen und Kritik.

Nach einer Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag angekündigt, die Maskenpflicht im Unterricht nicht zu verlängern. Schüler der weiterführenden und berufsbildenden Schulen in NRW müssen daher nur noch am Montag ein letztes Mal eine Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht tragen. Für die Grund- und Förderschüler der Primarstufe galt sie ohnehin nicht.

«Erneut stellt Laschets Landesregierung in ihrer Schulpolitik alle Beteiligten kurzfristig vor vollendete Tatsachen», kritisierte die SPD-Opposition. «Natürlich ist das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung im Schulalltag oftmals eine Behinderung», heißt es in einer Mitteilung der Landtagsfraktion. «Dies aber ohne Plan B mit einer Rückkehr zum Regelbetrieb zu beantworten, ist ein grundfalsches Signal.»

Nötig sind stattdessen aus Sicht der SPD: die Einführung einer landesweiten Teststrategie, digitale Beschulung, Abstandssicherung, kleinere Lerngruppen, größere Unterrichtsräume, Kooperation mit außerschulischen Lernorten, Kurzstunden, Schichtbetrieb im Unterricht und gezieltes Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen. Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Der Landesvorsitzende des Lehrerverbands Bildung und Erziehung, Stefan Behlau, sprach von einer zwiespältigen Entscheidung: «Sicherlich wird die Kommunikation im Unterricht ohne Maske deutlich erleichtert, da jedoch das Abstandhalten in den Klassenräumen nicht möglich ist, geht ein wichtiger Schutz verloren.»

Viele Schulen hätten großen Sanierungsbedarf, stellte der Philologenverband fest. «So ist es nicht ungewöhnlich, dass Klassenräume nicht ausreichend belüftet werden können oder Belüftungsanlagen vollständig fehlen.» Im Herbst und Winter sei eine Verschärfung der Infektionsrisiken zu befürchten.

Auch die Landesvorsitzende der Grünen, Mona Neubaur, twitterte: «Kinder & Jugendliche sitzen ohne ausreichenden Abstand in oft schlecht zu lüftenden Räumen. Ein Ende der Maskenpflicht im Unterricht bereitet mir Sorgen.»

Die bisherigen Regelungen der Coronaschutzverordnung sowie der Verordnungen zur Betreuung in Kitas, Schulen und Behinderteneinrichtungen enden in NRW mit Ablauf des 31. August, ebenso wie die Corona-Einreiseverordnung. Die Landesminister für Gesundheit und für Schule, Karl-Josef Laumann (CDU) und Yvonne Gebauer (FDP), wollen am Montag Einzelheiten der neuen Fassungen vorstellen.

Ministerpräsident Laschet hatte bereits angekündigt, dass die Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts auf dem Schulgelände und in Schulgebäuden ihre Gültigkeit behalte. Am Donnerstagabend hatte er getwittert: «Versprochen. Gehalten. Da in Nordrhein-Westfalen die Infektionszahlen sinken, können wir auf die zum Schulstart zur Vorsicht einführte Sonderregel verzichten.»

Der Verband Lehrer NRW wertete das als «wichtigen Schritt in Richtung Normalität». Umso mehr sei nun aber Wachsamkeit gefragt, mahnte die Landesvorsitzende Brigitte Balbach. Alle am Schulleben Beteiligten müssten durch achtsames Verhalten dazu beitragen, dass die Schulen auch weiterhin keine Pandemie-Brennpunkte seien.

Der schulpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Helmut Seifen, äußerte Genugtuung, «dass die Landesregierung Einsicht gezeigt hat und den Betroffenen die wirklich überzogene Maßnahme, während des Unterrichts Maske zu tragen, erspart wird.»

28.08.2020 14.02 Uhr

SPD: Busbörse soll Infektionsrisiko bei Schultransporten verringern

Die SPD im Kieler Landtag will mit zusätzlichen Bussen das Corona-Infektionsrisiko bei Schülern verringern. Mit einer Parlamentsinitiative wollen die Sozialdemokraten die Landesregierung auffordern, eine landesweite Busbörse einzurichten. Diese solle frei verfügbare Fahrzeuge von öffentlichen und privaten Betreibern ermitteln, die bei Schülertransporten zusätzlich eingesetzt werden könnten. Um die Wahrung der Abstände in Bussen zu verbessern, sollten die Kapazitäten deutlich erhöht werden, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Kai Vogel, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit sind Busse oft überfüllt.

Nach dem SPD-Antrag, den die Fraktion für die September-Sitzung eingebracht hat, soll die Landesregierung bei den Kreisen und kreisfreien Städten abfragen, in welchem Umfang Kapazitätsengpässe bestehen und für zusätzlich benötigte Busse beziehungsweise eine dichtere Taktung sorgen. Das Land soll die dafür notwendigen Haushaltsmittel bereitstellen.

Die alternativen Fahrten mit dem Fahrrad zur Schule werden Vogel zufolge witterungsbedingt in den nächsten Monaten oft nicht mehr uneingeschränkt möglich sein. Er verwies auf die bereits von Busunternehmen verkündete Bereitschaft, derzeit ungenutzte Reisebusse für den Schülertransport zur Verfügung zu stellen. Hierfür müsste aber noch die Kostenfrage geklärt werden.

In Rheinland-Pfalz kann unterdessen eine vom Land angekündigte Busbörse an den Start gehen. Das Verkehrsministerium habe die entsprechende Förderrichtlinie erlassen, sagte eine Ministeriumssprecherin in Mainz. Damit können die für den Schülertransport zuständigen Landkreise und kreisfreien Städte Verträge mit örtlichen Unternehmen abschließen. Das Land will nach Ankündigung von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) 90 Prozent der Zusatzkosten tragen. Etwa 250 Reisebusse, die derzeit nicht für touristische Reisen gebraucht werden, könnten zum Einsatz kommen.

28.08.2020 13.54 Uhr

Holter gibt für dieses Schuljahr keine Unterrichtsgarantie

Kurz vor dem Schulstart nach den Sommerferien hat Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) bekannt, dass nicht jede Schulstunde garantiert werden könne. Es gebe die Frage, ob an jeder Schule jede Stunde gegeben werden könne, sagte Holter am Freitag in Erfurt. «Das kann ich so nicht garantieren, weil wir nach wie vor den Lehrerinnen- und Lehrermangel haben», betonte der Minister. Die Schulämter arbeiteten mit Abordnungen, um den Bedarf zu decken.

Nach Angaben des Bildungsministeriums wurden seit Januar dieses Jahres 817 Lehrer neu eingestellt. Dabei geht das Ministerium davon aus, dass im Laufe des gesamten Jahres zwischen 900 und 1000 Lehrer planmäßig in den Ruhestand gehen. Die Thüringer Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) wies darauf hin, dass verbeamtete Lehrer immer zum Schulhalbjahr oder zum Schuljahresende in den Ruhestand wechseln. Daher sei in diesem Jahr das Gros der Altersabgänge schon weg und bis zum Jahresende nur noch wenige weitere Abgänge zu erwarten.

Von den 817 neu eingestellten Lehrern in diesem Jahr waren 129 Seiteneinsteiger. Damit hat sich ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Seiteneinsteiger sind Lehrer, die nicht klassisch ein Lehramtsstudium und anschließend das zweite Staatsexamen gemacht, sondern ein anderes Universitätsstudium abgeschlossen haben. Ihr Anteil an den Neueinstellungen betrug in diesem Jahr 15,8 Prozent. Im Jahr zuvor wurden nur 54 Seiteneinsteiger eingestellt. (Anteil: 6,3 Prozent).

28.08.2020 06.00 Uhr

Lernbrücken - Nachhilfeprogramm für schwächere Schüler startet

Bereits zwei Wochen vor Schulbeginn starten im Südwesten schwächere Schüler mit Nachhilfekursen in das neue Schuljahr. Die sogenannten Lernbrücken sollen Wissenslücken aus der Corona-Zeit schließen. Unter anderem richtet sich das freiwillige Angebot an die Schüler, die während des coronabedingten Schulausfalls Probleme mit dem Unterricht zu Hause hatten. Landesweit bekommen ab Montag etwa 61 500 Kinder und Jugendliche die Nachhilfe, wie das Kultusministerium in Stuttgart mitteilte.

An den allgemeinbildenden Schulen wie Grundschulen und Gymnasien sowie an Berufsschulen erklären landesweit dann 6550 Lehrer Matheaufgaben und üben mit den Schülern Grammatik. Die Lehrer erhalten für jede geleistete Zeitstunde 40 Euro. An einer Grundschule in Hemmingen (Landkreis Ludwigsburg) etwa dauert der Zusatzunterricht von 8.30 bis 12.00 Uhr.

Gegen die Idee, Schüler in den Sommerferien zu fördern, spricht aus Sicht des Landesverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erst einmal nichts. Doch die Konzentration auf die Fächer Deutsch und Mathematik reiche nicht aus. Und Schüler, die bereits in der Vergangenheit nicht erreicht wurden, hätten in den Sommerferien kaum Interesse, Deutsch und Mathe zu büffeln. Kinder und Jugendliche aus dem ländlichen Raum könnten außerdem Probleme bekommen, wenn etwa Busse nicht fahren.

28.08.2020 05.00 Uhr

Volle Busse im Schülerverkehr - Eltern wegen Covid-19 in Sorge

Zu den Stoßzeiten morgens und mittags drängen sich die Schüler in vielen Bussen dicht an dicht. Dem Landeselternbeirat ist das in Corona-Zeiten ein Dorn im Auge. Die Bemühungen der Schulen um Infektionsschutz würden so unterlaufen.

Angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus in Hessen hat sich der Landeselternbeirat besorgt wegen überfüllter Busse und Bahnen auf den Schulwegen in vielen Regionen gezeigt. «Das ist eine Katastrophe», sagte der Vorstandsvorsitzende des Landeselternbeirats Hessen, Korhan Ekinci, der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. Es könne nicht sein, dass für die Schulen sorgsam Hygienepläne mit Maskenpflicht teils auch im Unterricht und anderen Maßnahmen ausgearbeitet würden und die Schüler auf dem Weg zur und von der Schule eng gedrängt in Bussen und auch manchen Zügen stehen oder sitzen müssten, so Ekinci.

Viele Kommunen verweisen nach seinen Worten darauf, dass ihnen das Geld für den Einsatz von mehr Bussen fehle. Dieses Argument will Ekinci nicht gelten lassen. «Als die Banken in Schieflage waren, wurden sie gerettet», sagte er. Hier aber gehe es um die Gesundheit der Kinder. Covid-19-Infektionen an mittlerweile zahlreichen Schulen bis hin zur Schließung ganzer Schulen machten deutlich, dass die «Einschläge» immer näher kämen, so Ekinci. «Wir brauchen eine Regie.» Es müsse ein Plan ausgearbeitet werden, der den kompletten Schultag einbeziehe - vom Start an der Haustür morgens bis zur Rückkehr am Nachmittag.

Beim Hessischen Städte- und Gemeindebund weiß man um das Problem der überfüllten Schulbusse. Das sei auch in coronafreien Zeiten ein Thema, sagt Martin Grobba, Referent für Wegerecht beim HSGB. Weil es aber nur um zwei kurze Zeiträume pro Tag gehe, ließen sich schwerlich ausreichend Fahrzeuge und vor allem Fahrer passgenau für diese Stoßzeiten vorhalten. Aufgabenträger für die Schülerbeförderung ist der Landkreistag. Die Leistungen werden teils von den Kommunen über die Kreisumlage sowie die Umlage für den Öffentlichen Personennahverkehr gezahlt.

Auch eine Sprecherin des Rhein-Main-Verkehrsverbundes erklärte, gerade in den Hauptverkehrszeiten sei die Flotte ausgelastet, vielerorts seien alle verfügbaren Fahrzeuge im Einsatz. Man tue alles, um auch zu Corona-Zeiten einen sicheren öffentlichen Nahverkehr zu gewährleisten. Dazu gehöre neben dem häufigeren Reinigen der Fahrzeuge und dem Einbau von Trennscheiben zu den Fahrern auch Unterstützung bei der flächendeckenden Einhaltung der Maskenpflicht.

In den vergangenen Monaten seien dafür Hunderttausende Masken an Fahrgäste verteilt worden. Außerdem schicke man eigene Teams in die Bahnen, um Fahrgäste auf die Maskenpflicht hinzuweisen und gegebenenfalls Masken zu verteilen. Künftig solle es auch häufigere Schwerpunktkontrollen mit den Ordnungsbehörden geben, welche bei Verstoß gegen die Maskenpflicht ein Bußgeld verhängen können.

Die Stadt Hanau hatte am Vortag angekündigt, ab sofort mit mehr Bussen den morgendlichen Schülerverkehr auf den am stärksten genutzten Linien zu verstärken. Den kurzfristigen zusätzlichen Busfahrereinsatz ermöglichten Mitarbeiter aus der Verwaltung des Verkehrsanbieters Hanauer Straßenbahn, die einen entsprechenden Führerschein hätten. Damit entzerre man die Enge in manchem Bus und sorge für eine bessere Einhaltung von Abstand mit Mund-Nasen-Schutz. Hanau hatte in den vergangenen Tagen die Schwelle von 50 Neuinfizierten je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen ähnlich wie Offenbach deutlich überschritten.

Auch die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte zum Schulstart den Einsatz zusätzlicher Busse im Schülerverkehr in Hessen gefordert. Gerade an großen Schulen im ländlichen Raum kämen die Fahrzeuge alle zeitgleich an, hatte die GEW-Landesvorsitzende Maike Wiedwald der Deutschen Presse-Agentur gesagt. «Wenn dann die Schüler auf einmal ins Gebäude strömen, ist Abstand halten schwer.» Zudem seien die Busse häufig überfüllt. Die Schulen fühlten sich damit überfordert und alleingelassen. Hier seien Schulträger und Land gefordert, Lösungen zu finden.

27.08.2020 21.08 Uhr

Spaniens Regierung warnt Eltern vor Schulboykott: «Präsenzpflicht»

Vor dem Hintergrund steigender Corona-Neuinfektionen in Spanien hat die Zentralregierung die Eltern vor einem Schulboykott aus Angst vor dem Virus gewarnt. «Die Präsenz in den Klassenräumen ist Pflicht», sagte Bildungsministerin Isabel Celaá nach einem Treffen mit Vertretern der verschiedenen Regionen des Landes zur Vorbereitung des je nach Schultyp und Region für Anfang bis Mitte September angesetzten Neustarts des Unterrichts.

Bei dem Treffen wurden neben dem von vielen Elternverbänden abgelehnten Präsenzunterricht weitere Vorsichtsmaßnahmen und Regeln beschlossen. So wird für Kinder ab sechs Jahren auf dem Schulgelände fast immer und überall Maskenpflicht gelten - auch dann, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern gewahrt werden kann. Lehrer und Schüler werden sich täglichen Temperaturmessungen unterziehen müssen.

Die Schulen sind in Spanien seit Mitte März geschlossen. Der unmittelbar bevorstehende Neustart des Unterrichts hatte zuletzt für viele Diskussionen gesorgt. In Madrid und anderen Regionen kündigten Lehrer Streiks an, Elternverbände drohten mit einem Unterrichtsboykott.

Die Neuausbrüche bereiten in Spanien immer mehr Sorgen. Am Donnerstag meldete das Gesundheitsministerium in Madrid 3781 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das ist die höchste Zahl seit Ende des Corona-Notstandes im Juni.

27.08.2020 06.55 Uhr

Schule im TV oder gar nicht: Wie Corona Bildung in Afrika erschwert

Wegen Corona wurden weltweit Schulen geschlossen. Besonders hart trifft das Schüler in Afrika: Viele haben kein Internet, Radio oder Fernsehen, um zuhause weiterzulernen. Die Konsequenzen der Schulschließungen gehen aber weit über die Bildung hinaus.

Die Schule von Joy und Dorkas besteht derzeit aus den paar Quadratmetern ihres Hauses in einem Slum von Nairobi. Auf dem Tisch liegen einige Schulbücher, in der Ecke ist ein kleiner Fernseher und an der Wand hängen zwei Tabellen, die die Zahlen bis 100 und die Namen von Tieren auf Englisch aufzeigen. Das ist alles, was die beiden zehn und vier Jahre alten Mädchen haben, um zu lernen. «Ich bin traurig, dass die Schulen geschlossen sind», sagt Joy.

Die Corona-Pandemie «hat eine Bildungs-Krise ausgelöst, die zu unseren Lebzeiten beispiellos ist», sagt Mohamed Fall, der Leiter des UN-Kinderhilfswerks (Unicef) in Ost- und im südlichen Afrika. Schulen wurden weltweit wegen des Coronavirus abrupt geschlossen - doch Afrika, wo das Bildungsniveau ohnehin niedriger ist als in anderen Regionen, trifft dies besonders hart. Zu Beginn der Pandemie waren Unicef zufolge mehr als 127 Millionen Schüler in Ost- und im südlichem Afrika nicht in der Schule, Ende Juli waren es noch immer rund 75 Millionen.

In einer kontroversen Entscheidung strich Kenias Regierung wegen Corona sogar das gesamte Schuljahr 2020. Erst im Januar 2021 soll es in Klassenzimmern wieder Unterricht geben. Das Bildungsministerium stellte schnell TV- und Radioprogramme und eine Online-Plattform auf die Beine, die den Schülern das Lernen Zuhause ermöglichen soll. «In Anbetracht der Umstände finde ich wurden lobenswerte Anstrengungen unternommen, um sicherzugehen, dass Schüler weiterhin lernen», meint Bildungsexperte Moses Ngware.

Doch die kleine Nachbarschaft im Slum Njathaini offenbart, wie unterschiedlich Kenianer damit zurecht kommen - und wie anders die Zukunft ihrer Kinder nach Corona aussehen wird. Hannah Mburu bemüht sich, dass ihre Töchter Joy und Dorkas weiterlernen. Aber sie tut sich mit dem Curriculum der 10-Jährigen schwer. Und sie kann nicht immer da sein, um sie zu betreuen; sie muss Arbeit suchen gehen. Für die Kleiderwäscherin ist das in der Corona-Krise sehr schwer.

Hannas Nachbarin Faith Wangui dagegen verdient als Schneiderin etwas besser. Ihr ist die Bildung ihrer 13-jährigen Tochter Quinte extrem wichtig. «Das ist unser Erbe, was wir ihr hinterlassen können». Dafür bringen sie und ihr Mann große Opfer. Während die Schulen geschlossen sind, zahlen sie einem Lehrer täglich umgerechnet rund 40 Euro-Cents, damit er Quinte und andere Kinder für ein paar Stunden unterrichtet - für Bewohner von Njathaini ist das viel Geld.

Nebenan wohnt Beth Nanjala. Die alleinstehende Mutter stellt den ganzen Tag mit ihren bloßen Händen Kohle-Briketts her, womit sie sich und ihre sieben Kinder ernährt. «Ich habe keine Kapazitäten, ihnen beim Lernen zu helfen.» Zuhause ist kein Fernseher oder Radio, Beth hat auch kein Handy, was ihre Kinder nutzen könnten. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu warten. Und zu arbeiten. Neben Beth schaufeln zwei ihrer Jungs im Alter von zehn und zwölf Kohle.

So geht es etlichen Kindern in Afrika. Einer am Donnerstag veröffentlichten Unicef-Studie zufolge konnten die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler südlich der Sahara nicht an jeglicher Art des Fernunterrichts teilnehmen. Die Region sei somit stärker betroffen als jede andere auf der Welt. In Kenia zeigt eine Umfrage der Statistikbehörde, dass Schüler während der Corona-Zeit in nur knapp 19 Prozent der befragten Haushalte einen Fernseher nutzen, um zu lernen, 15 Prozent nutzen Radio und 12 Prozent das Internet. Vor allem in ländlichen Regionen hätte ein Großteil der Kinder keinen Zugang zu diesen Mitteln, sagt Anne Waichinga von der Organisation World Vision. «Diese Kinder werden komplett ausgelassen.»

Wie das in der Realität aussieht, weiß Naomi Rotich. Sie ist Lehrerin auf dem Land im Bezirk Narok im Westen Kenias. «Die meisten Häuser hier haben kein Strom.» Deshalb besucht sie ihre Schüler, die sie im Rahmen eines Programms von World Vision während der Corona-Schulschließungen betreut, tagsüber. Doch dann seien die Schüler manchmal nicht vorzufinden, weil sie auf die Schafe oder Kühe der Familie aufpassen müssten. Die meisten Eltern können demnach ihren Kindern auch nicht beim Lernen helfen, weil sie nicht lesen oder schreiben können.

Durch die Corona-Krise werde die Schere zwischen armen und reichen Kindern in Sachen Bildung immer größer werden, befürchtet die 32-jährige Lehrerin. Daher meinen einige, die Entscheidung Kenias, das gesamte Schuljahr zu streichen, sei ein großer Gleichmacher: Ob man in Corona-Zeiten Zuhause lernen kann oder nicht, alle Schüler fangen im Januar 2021 von neuem an und wiederholen ihre Klasse.

Doch die Verluste durch die Schulschließungen gehen weit über die Bildung hinaus. Die Schule ist in den meisten afrikanischen Ländern nicht nur ein Ort, an dem gelernt wird. Viele Kinder kriegen dort eine warme Mahlzeit. Sie haben erwachsene Ansprechpartner. Und die Schule «ist ein Schutzschirm» für Mädchen, sagt Rotich. Seitdem die Schulen in Kenia im März geschlossen wurden, seien bereits einige ihrer Schülerinnen schwanger geworden oder verheiratet worden. «Ich mache mir Sorgen, dass weniger Mädchen in die Schule zurückkehren werden, wenn die im Januar wieder aufmachen.» Unicef-Chef Fall sagt, bis zu 25 Prozent aller Kinder würden nach den Schließungen womöglich nicht ins Klassenzimmer zurückkehren - das habe die Ebola-Krise in Westafrika gezeigt. «Dies könnte eine verlorene Generation werden.»

27.08.2020 03.30 Uhr

UN: Ein Drittel der Schulkinder in Corona-Krise ohne Fernunterricht

Mindestens ein Drittel aller Schulkinder der Welt hat einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef zufolge in der Corona-Krise nicht an Fernunterricht teilnehmen können. Rund 463 Millionen Kindern weltweit sei es während der Corona-bedingten Schließungen ihrer Schulen nicht möglich gewesen, an jeglicher Art des Fernunterrichts zu partizipieren, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

In großen Teilen Afrikas seien es beispielsweise fast die Hälfte aller Schulkinder gewesen, in Teilen Asiens und Europas rund ein Drittel. Am stärksten betroffen gewesen seien die jüngsten Schulkinder, sowie Kinder aus armen Haushalten und ländlichen Regionen.

Zeitweise seien in der ersten Jahreshälfte bis zu 1,5 Milliarden Kinder von Schulschließungen betroffen gewesen, hieß es weiter. «Die bloße Zahl dieser Kinder, deren Bildung monatelang komplett unterbrochen war, stellt einen globalen Bildungsnotfall dar», sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore. «Die Auswirkungen könnten in Gesellschaft und Wirtschaft noch jahrzehntelang zu spüren sein.»

Für den Bericht analysierte Unicef den häuslichen Zugang von Schulkindern in rund 100 Ländern zu Technologie wie Fernsehern, Radio oder Internet. Selbst wenn dieser Zugang gegeben sei, hätten jedoch oft andere Faktoren wie etwa fehlende Unterstützung, Arbeitspflichten oder eine ungenügende Lernumgebung die Kinder vom Fernunterricht abgehalten.

Unicef rief die Regierungen der Welt auf, bei ihren Lockerungen der Corona-Maßnahmen die sichere Wiederöffnung von Schulen zu priorisieren. Wo die Wiederöffnung noch nicht möglich sei, müsse der Zugang zum Fernunterricht verbessert werden.

26.08.2020 17.41 Uhr

Streit im Landtag über Schulstart: «Gelungen» oder «kopflos»?

Nicht nur draußen ist es stürmisch. Auch im Landtag weht ein rauer Wind. Wieder geht es um die Folgen der Corona-Epidemie für Rheinland-Pfalz.

Rheinland-Pfalz ist nach Einschätzung der Landesregierung unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Krise gut ins neue Schuljahr gestartet. Es habe enge Abstimmungen auf allen Ebenen gegeben, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch bei der ersten Sitzung des Landtags nach der Sommerpause. «Die Vorbereitungen waren alles andere als kopflos, sie waren gelungen.» Die Landesregierung habe mehr Stellen an den Schulen geschaffen und mehr Mittel zur Verfügung gestellt, bei der Digitalisierung gebe es einen Schub.

Die oppositionelle CDU warf der Ampelkoalition Konzeptionslosigkeit in der Bildungspolitik vor. Die Regierung ziehe sich in der Corona-Krise aus der Verantwortung zurück und schiebe diese Schulen und Lehrern zu, sagte die Abgeordnete Anke Beilstein. Die AfD sprach von einem «kopflosen Start» der Landesregierung ins neue Schuljahr. Überfüllte Schulbusse hätten zu gestressten Schülern, Eltern und Fahrern geführt, und Bildungsministerin Hubig habe sich für nicht zuständig erklärt, sagte der Abgeordnete Michael Frisch.

Politiker von SPD, FDP und Grünen wiesen die Vorwürfe zurück. «Der Schulstart verlief weder kopflos noch chaotisch», sagte die SPD-Abgeordnete Bettina Brück. «Es gibt kaum Beschwerden.» Das Land und die Schulen hätten sich gut vorbereitet. Für die Schülerbeförderung seien die Schulträger zuständig. Ähnlich äußerte sich Daniel Köbler (Grüne). Es habe sehr wohl Bürgermeister und Landräte gegeben, die die Beförderung der Schüler rechtzeitig und organisiert hätten. Doch es habe auch Landräte gegeben, «die haben gepennt».

Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage sagte der SPD-Abgeordnete Sven Teuber, die Landesregierung habe Rheinland-Pfalz durch entschlossenes Handeln bislang gut durch die Corona-Krise geführt. Er lobte die am Dienstagabend von den Spitzen der großen Koalition in Berlin beschlossene Verlängerung der Krisen-Kurzarbeit - längstens soll das Kurzarbeitergeld bis zum 31.12.2021 fließen.

Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sagte, es gebe «erste Anzeichen für eine Erholung auf dem Arbeitsmarkt», die allerdings regional unterschiedlich ausfallen werde. Die Landesregierung wolle weiterhin mit «passgenauen Angeboten» beispielsweise in der Aus- und Weiterbildung für die besonders von der Corona-Krise betroffenen Menschen sorgen. Die CDU-Abgeordnete Jessica Weller vermisste konkrete Maßnahmen der Landesregierung auf dem Arbeitsmarkt. Der Bund habe seine Hausaufgaben gemacht, das Land jedoch nicht.

Gegen die Stimmen der AfD votierte die breite Mehrheit von SPD, CDU, FDP und Grünen für den neuen Medienstaatsvertrag. Er soll den seit 1991 geltenden Rundfunkstaatsvertrag, der die grundsätzlichen Richtlinien des Rundfunksystems in Deutschland skizziert, ersetzen. Neben Anpassungen beim Rundfunk soll er künftig auch für Geräte und Online-Plattformen wie Smart-TVs - also TV-Geräte mit Internetzugang und Benutzeroberflächen -, Soziale Medien, Suchmaschinen und Video-Plattformen gelten, die Medieninhalte bereitstellen, sie aber nicht selbst produzieren. Der Vertrag war nach langwierigen Verhandlungen auf Länderebene, die von der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei koordiniert worden waren, im April von den Ministerpräsidenten unterzeichnet worden.

Der Landtag kam zu seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause erneut in der Rheingoldhalle zusammen, da dort alle 101 Abgeordneten mit Einhaltung der Corona-Abstandsregeln untergebracht werden können. Der Nachtragshaushalt steht im Mittelpunkt der Debatten des zweiten Plenumstags an diesem Donnerstag. Am Freitag wird Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zum zweiten Mal direkt von den Abgeordneten befragt.

26.08.2020 17.21 Uhr

Normaler Schulbetrieb trotz Corona? - Ferienende in Sachsen-Anhalt

Seit März waren in Sachsen-Anhalt die Schulen geschlossen oder nur eingeschränkt in Betrieb. Nach den Sommerferien soll es dort wieder halbwegs normal zugehen. Kann das klappen?

Die Ferien sind vorbei. Mit dem Start des neuen Schuljahres in Sachsen-Anhalt sollen von Donnerstag an erstmals seit fünf Monaten wieder alle Klassenstufen täglich in voller Besetzung in den Schulen sein. Doch auch im sogenannten Regelbetrieb gelten Corona-Regeln - und das Dauerthema Lehrermangel ist auch nicht vom Tisch. Wie soll das neue Schuljahr laufen und wo liegen die Probleme?

Frage: Wie viele Schüler und Lehrer starten ins neue Schuljahr?

Antwort: Nach Schätzungen des Bildungsministeriums startet das Schuljahr mit rund 200 000 Schülerinnen und Schülern. Das wären erneut etwas mehr als im Vorjahr, als laut Statistischem Landesamt rund 196 000 Kinder und Jugendliche eine allgemeinbildende Schule besuchten. Rund 19 000 Erstklässler werden am Wochenende feierlich eingeschult und starten nächste Woche in den neuen Lernalltag.

Bei den Lehrkräften ist die Frage schwieriger zu beantworten. Das Bildungsministerium gibt seit einigen Jahren erst Monate nach dem Schulstart Zahlen zur Unterrichtsversorgung und der Zahl der Pädagogen heraus und begründet das damit, dass die Daten sonst zu ungenau wären.

Frage: Wie soll der Unterricht im neuen Schuljahr ablaufen?

Antwort: Erstmals seit Mitte März sollen wieder alle Klassen in voller Stärke täglich unterrichtet werden. Grundschüler hatten schon vor den Ferien mehrere Woche wieder täglichen Unterricht, allerdings mit einem fest zugeteilten Lehrer. Alle älteren Jahrgänge wurden in Gruppen aufgeteilt und lernten abwechselnd in der Schule und mit Aufgaben von zuhause. So sollte der Sicherheitsabstand gewahrt bleiben. Im Regelbetrieb wird dieser Abstand nicht eingehalten.

Durch ihn sollen Lernlücken aus dem vergangenen Schuljahr entdeckt und nachgeholt werden, wie Bildungsminister Marco Tullner sagte. «Insgesamt ist Schule ein sozialer Lernprozess», sagte der CDU-Politiker am Montag bei einer Facebook-Fragestunde von MDR Sachsen-Anhalt. Deswegen sei die Rückkehr zum täglichen Unterricht wichtig.

Frage: Welche Schutzmaßnahmen gibt es?

Antwort: In den ersten beiden Tagen gilt eine generelle Maskenpflicht auf dem Schulgelände, allerdings nicht während des Unterrichts. So soll ermöglicht werden, dass alle Schülerinnen und Schüler und das Personal einen Bogen zum Gesundheitszustand ausfüllen, in dem auch mögliche Aufenthalte in einem Risikogebiet und Kontakte zu Infizierten abgefragt werden sollen. Wer diese Angaben bis Montag nicht in der Schule abgibt, darf sie nicht mehr betreten. Das Gleiche gilt für Rückkehrer aus Risikogebieten ohne negativen Corona-Test.

Ab nächster Woche dürfen die Schulleitungen selbst entscheiden, ob und wie Schutzmaßnahmen wie eine Maskenpflicht gelten. Eine Einschränkung gibt es: An staatlichen Schulen darf keine Maskenpflicht im Unterricht angeordnet werden. Es sei nicht praktikabel, acht Stunden am Tag ununterbrochen eine Maske zu tragen, begründete Tullner diese Entscheidung.

Frage: Wie unterstützt das Land die Schutzmaßnahmen?

Antwort: Seit voriger Woche wurden im großen Stil Masken und Desinfektionsmittel im Land verteilt, um die Schulen damit auszustatten. Am Dienstag waren die Lieferungen abgeschlossen, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte. Insgesamt seien rund eine Million Masken und 3000 Kanister Desinfektionsmittel verteilt worden. Darüber hinaus sind die Schulträger für ausreichend Schutzausrüstung, Seife und Desinfektionsmitteln verantwortlich.

Frage: Was passiert, wenn Corona-Fälle aufauchen?

Antwort: Dafür hat Sachsen-Anhalt ein Konzept erarbeitet, das mehrere Stufen vorsieht. Zunächst werden an allen Schulen größere Gruppen gebildet, die sich im Alltag möglichst nicht begegnen sollen. Diese sogenannten Kohorten müssen nicht einer Klasse entsprechen, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. So könnte auch eine komplette Oberstufe eine Kohorte bilden. An kleinen Grundschulen könnten außerdem lediglich zwei Gruppen gebildet werden. Bei einem Corona-Fall müssen alle, die zur betroffenen Kohorte gehören, in Quarantäne.

Tritt an einer Schule selbst ein Corona-Fall auf, dürfen alle Infizierten und ihre Kontaktpersonen die Einrichtung nicht mehr betreten. Auch für den Fall, dass sich in einer Region ein größerer Ausbruch des Virus ereignet, gibt es Schutzmaßnahmen. Die betroffenen Schulen gehen dann vom Regelbetrieb wieder in das Wechselmodell mit aufgeteilten Klassen und abwechselndem Lernen zuhause über, um den Sicherheitsabstand zu garantieren.

Im Einzelfall können die zuständigen Gesundheitsämter auch entscheiden, wegen eines regionalen Ausbruchs Schulen zu schließen. Das war schon vor den Sommerferien vereinzelt der Fall, unter anderem in Magdeburg.

Frage: Was ist mit Corona-Risikogruppen?

Antwort: Prinzipiell gilt die Schulpflicht. Wer ein Kind hat, das ein besonderes Risiko hat, schwer an Covid-19 zu erkranken, soll sich laut Bildungsminister Tullner direkt an die betreffende Schule wenden. Dann werde je nach Einzelfall eine Lösung gesucht. Bei den Lehrkräften ist es anders: Sie müssen alle zurück an die Schulen.

Das gilt auch für die 1300 Pädagoginnen und Pädagogen, die vor den Ferien vom Präsenzunterricht befreit waren, weil sie ein ärztliches Attest hatten, das ihnen ein besonderes Risiko bescheinigte. Erst wenn in einer Region die Fallzahlen eine bestimmte Schwelle überschreiten, können sich Lehrkräfte vom Unterricht befreien lassen - mit einem offiziellen Attest eines Amtsarztes.

Frage: Sind diese Regelungen praktikabel?

Antwort: Das Bildungsministerium sagt Ja, viele andere Nein. Der Schulleitungsverband befürchtet viele kraftraubende Diskussionen mit Schülern, Eltern und Kollegen über die je nach Schule festgelegten Schutzmaßnahmen und wünschte sich zuletzt vor allem beim Thema Maskenpflicht einheitlichere Vorgaben.

Der Landesschülerrat sprach sich dafür aus, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes außerhalb des Unterrichts generell vorzuschreiben und Klassen möglichst immer in den gleichen Räumen lernen zu lassen. Die Landeschefin der Lehrergewerkschaft GEW sprach von «zahlreichen personellen, konzeptionellen und hygienischen Problemen» an den Schulen, die nicht an einen Regelbetrieb denken ließen.

Frage: Wird der seit Jahren beklagte Lehrermangel abgemildert?

Antwort: Das lässt sich aus mehreren Gründen schwer vorhersagen. So ist unklar, wie viele Lehrerinnen und Lehrer in den kommenden Tagen tatsächlich vor den Klassen stehen. Das liegt nicht nur daran, dass das Ministerium keine Personalzahlen herausgibt. Unklar ist auch, wie viele Lehrkräfte sich krank melden oder aus anderen Gründen ausfallen.

26.08.2020 17.07 Uhr

Stichprobenartige Corona-Tests an Schulen gehen in die zweite Runde

Vor den Sommerferien haben stichprobenartige Corona-Tests von Kindern und Beschäftigten von Schulen und Kitas in Rheinland-Pfalz keinen Befund ergeben. Ob sich die getesteten 1330 Jungen, Mädchen und Erwachsene während der Sommerferien infiziert haben, soll jetzt herausgefunden werden. Die freiwilligen Rachenabstriche an den 24 ausgewählten Schulen sind vom 31. August bis 9. September geplant, anschließend folgen die Reihenuntersuchungen an den zehn Kitas, wie die Sprecherin des Bildungsministeriums, Sabine Schmidt, der dpa in Mainz sagte.

Ziel sei es, herauszufinden, ob sich die epidemiologische Lage während der Sommerferien geändert habe, hatte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) bei der Ankündigung von rund 1500 Tests Ende Juni gesagt. Damals war die Zahl der Neuinfektionen geringer als derzeit. Die ausgewählten Kitas und Schulen sollen möglichst repräsentativ Land und Stadt sowie Kreise mit vielen und mit wenigen Infektionen abbilden.

«Die Reihentestung in Kitas und Schulen ergibt insofern großen Sinn, als dass sie - nach den Sommerferien und den zahlreichen positiven Befunden innerhalb von Familien - helfen kann, etwaige unerkannte Infektionsketten aufzudecken», sagte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Stefanie Schneider, am Mittwoch. Die Testreihe biete in ihrem «breiten Setting einen guten Überblick über das Infektionsgeschehen an Bildungseinrichtungen».

Dessen ungeachtet seien derzeit 18 Schulen im Land zum Teil wegen Corona-Infektionen geschlossen, sagte Schmidt. 48 Schüler und eine Lehrkraft seien infiziert.

26.08.2020 15.32 Uhr

Kritik an LVR: Kein Transport für Förderschüler ohne Maske

Für die betroffenen Eltern und Kinder ist es ein großes Ärgernis: Der Landschaftverband Rheinland will Förderschüler, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen, vom Schultransport ausschließen. Das soll so nicht sein, heißt es aus dem Schulministerium.

Mehrere Elternverbände kritisieren eine Entscheidung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), Förderschüler ohne Mund-Nasen-Schutz in der Corona-Zeit vom Schultransport auszuschließen. Es sei völlig unverständlich, dass der LVR und auch einige andere Schulträger ihre Fahrdienst-Leistungen für Kinder einstellten, die aufgrund ihrer Behinderungen oder krankheitsbedingt keine Maske tragen könnten, beklagen Vertreter von Inklusionsnetzwerken und der Landeselternkonferenz NRW in einer Mitteilung am Mittwoch.

Wie ein LVR-Sprecher bestätigte, hatte der Verband als Schulträger und Organisator des sogenannten Schülerspezialverkehrs auf mehr als 1000 Linien im Rheinland die Schulleitungen in der vergangenen Woche gebeten, die Eltern über diese Entscheidung zu informieren. Da der Transport mit Pkw oder Kleinbussen durchgeführt werde, sei ein Mund-Nasen-Schutz zur Minimierung des Infektionsrisikos für die anderen häufig ebenfalls chronisch Erkrankten oder immungeschwächten Mitschüler notwendig. Anders als in einem Linienbus oder in einer Straßenbahn könne man hier auch im Einzelfall keine Ausnahmen realisieren. Die Eltern müssten daher die Beförderung für jene Kinder sicherstellen, die von der Maskenpflicht befreit seien. Der Schülerspezialverkehr sei zudem eine freiwillige Leistung.

«Betroffene Familien empfinden das Vorgehen des LVR als massiven Vertrauensbruch», heißt es in der Mitteilung der Elternvertreter. In der Umsetzung der Maskenpflicht würden ein Teil der Schülerinnen und Schüler einfach zurückgelassen. Auch von Schulen in anderer Trägerschaft gebe es inzwischen Berichte über «sitzengelassene Förderschüler».

Das Schulministerium stellte sich auf Anfrage auf die Seite der betroffenen Eltern. Wie es aus dem Ministerium hieß, gelte die Maskenpflicht gemäß der Coronaschutzverordnung auch für den Schülerspezialverkehr, «aber nicht für Personen, die aus medizinischen Gründen keine Mund-Nase-Bedeckung tragen können». In diesen Fällen sei ein ärztliches Attest vorzulegen. Sei das geschehen, sei ein Ausschluss vom Transport «nicht vorgesehen».

26.08.2020 13.02 Uhr

Kultusminister stellt Corona-Tests für Lehrer in Aussicht

Hannover (dpa/lni)Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne will Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit geben, sich auf das neuartige Coronavirus testen zu lassen. «Es wird Angebote für freiwillige Testungen geben», sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Hannover. Priorität hätten im Moment allerdings die Corona-Tests für Reiserückkehrer. Wer Urlaub in einem Risikogebiet gemacht habe, dürfe ohne den Nachweis eines negativen Corona-Tests nicht die Schule betreten, betonte der Minister. Vom Robert Koch-Institut als Corona-Risikogebiet eingestuft sind unter anderem Spanien mit Ausnahme der Kanaren sowie die Türkei. Die Schulleitungen hätten jedoch nicht die Verantwortung und die rechtliche Handhabe, Reiserückkehrer zu kontrollieren, sagte Tonne. Allerdings könnten sie bei Verdachtsfällen die zuständigen Gesundheitsämter informieren.

26.08.2020 12.27 Uhr

Rund 23,7 Millionen Masken für Lehrer an Schulen im Südwesten

hüringer Schulen wieder im Regelbetrieb arbeiten. Nicht nur die Politik will es so, auch Verbände und viele Eltern sind dafür. Doch an der Umsetzung gibt es auch Kritik.

Baden-Württemberg stattet seine Lehrer in der Corona-Krise mit 23,7 Millionen Masken aus. Ab Ende August werden die Mund-Nasen-Bedeckungen an 2800 weiterführende Einrichtungen wie Gesamtschulen, Berufsschulen und Gymnasien geliefert. Auch Hausmeister und Sekretariatsmitarbeiter sollen versorgt werden. Die Anzahl der Masken orientiert sich am Personal der Schule, wie eine Sprecherin des Kultusministeriums am Mittwoch mitteilte. Grundschulen werden nicht ausgestattet, dort gilt allerdings auch keine Maskenpflicht. Zuerst hatte die «Heilbronner Stimme» darüber berichtet.

In einem Schreiben des Ministeriums an die Schulen wird darüber informiert, dass einem Lehrer maximal drei Masken pro Tag zustehen. Bis zum Ende des Jahres soll der Bestand nach Einschätzung des Ministeriums reichen. Die Schülerschaft wird nicht mit Masken vom Land unterstützt, denn jeder habe aufgrund der geltenden Corona-Regeln im Nahverkehr und im Handel schon einen Schutz für Mund und Nase.

Derzeit sind noch Sommerferien in Baden-Württemberg. Ab dem Schulbeginn am 14. September sollen die Schülerinnen und Schüler regulär unterrichtet werden. An weiterführenden Schulen soll nach den Ferien zwar eine Maskenpflicht gelten - aber nicht im Unterricht, sondern auf Fluren, Pausenhöfen sowie in Treppenhäusern und Toiletten.

26.08.2020 05.00 Uhr

Masken, Abstand, Tests: Wie Schule in der Pandemie funktionieren soll

Fast ein halbes Jahr herrschte an Thüringens Schulen wegen der Corona-Pandemie der Ausnahmezustand, nun soll es einen großen Schritt zurück zur Normalität geben. Ab Montag starten Schulen und Kindergärten wieder ihren regulären Betrieb - obwohl die Infektionszahlen bundesweit zuletzt anstiegen. Kein Wechsel mehr aus Unterricht an der Schule und per Internet zu Hause - jedenfalls fürs Erste. Denn ob die Phase Grün, wie der Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen im Stufenplan des Bildungsministeriums heißt, für eine längere Zeit andauern kann, hängt von den Infektionszahlen ab.

Masken im Unterricht wird es nicht geben. Auf ein paar spezielle Corona-Regeln müssen sich Schüler, Lehrer und Eltern aber einstellen. Grundlage dafür ist eine Verordnung, die am 31. August - also am ersten Schultag nach den Sommerferien - in Kraft treten soll. Ein Überblick:

Wer muss in der Schule einen Mund-Nasen-Schutz tragen?

Im Unterricht müssen weder Schüler noch Lehrer eine Maske tragen. Allerdings ist eine Bedeckung in allen Situationen Pflicht, wo Menschen dicht beisammen sind. Beim Raumwechsel, in den kleinen Pausen und in der Mensa-Warteschlange heißt es also: Maske tragen! «Mund-Nasen-Bedeckungen sind für uns ein sehr wirksames Mittel des Infektionsschutzes. Sie werden im Schulalltag eine Rolle spielen», sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Außerdem sieht die neue Verordnung vor, dass bei steigenden Infektionszahlen das Tragen von Masken im Unterricht vom Bildungsministerium angeordnet werden kann. In Schulbussen müssen die Schüler ohnehin bereits Mund-Nasen-Bedeckungen verwenden.

Wie werden Lehrer geschützt, die zu einer Risikogruppe gehören?

Mit dem Start des Regelbetriebes müssen prinzipiell auch Lehrer wieder in die Schule, die wegen Vorerkrankungen oder wegen ihres Alters ein erhöhtes Risiko haben. Sie können per Antrag bei der Schulleitung eine Schutzausrüstung bekommen. «In der Regel sind das FFP2-Schutzmasken. Es kann aber auch zum Beispiel ein Visier zum Schutz sein», sagte der Ministeriumssrecher. Die Schulen seien bereits jetzt angehalten, zu prüfen, wie viele Lehrer Risiko-Merkmale tragen. Lehrer können sich diese durch ein Attest vom Hausarzt bescheinigen lassen.

Der Thüringer Lehrerverband hatte vergangene Woche kritisiert, dass es für Lehrer weniger Schutzmaßnahmen gibt als für Menschen, die in anderen Berufen arbeiten. Allerdings können sich Lehrer und beispielsweise Erzieher kostenlos und auch ohne Symptome auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen lassen.

Muss in Kindergärten oder an Schulen der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden?

Das kommt darauf an. In Kindergärten gilt: Beim Umgang von Erzieherinnen mit Kindern und bei Agieren von Kindern untereinander gelten keine Abstandsregeln. Das ist eindeutig in der neuen Verordnung formuliert. In Schulen soll die Abstandsregel so oft es geht, eingehalten werden - etwa bei Besprechungen, Konferenzen oder schulischen Veranstaltungen. Ansonsten kann aber von dem Abstandsgebot abgewichen werden.

Wer muss in den Kindergärten eine Maske tragen?

Wenn es um das Personal geht, entscheiden die Träger weitgehend selbst. Laut Verordnung können sie in Absprache mit der jeweiligen Leitung der Einrichtung vereinbaren, dass das Kindergarten-Personal Masken tragen muss. Anders sieht das bei Eltern und anderen Menschen aus, die nicht täglich in der Einrichtung sind: Sie müssen beim Betreten des Kindergarten einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Was passiert bei steigenden Infektionszahlen?

Dort, wo die Infektionszahlen stark steigen, können wieder strengere Regeln eingeführt werden. Das kann bedeuten, dass wieder abwechselnd in der Schule und zu Hause unterrichtet wird oder Schulen ganz schließen müssen. Nach Angaben des Ministeriums sei aber geplant, dass solche Maßnahmen im Bedarfsfall zunächst nur lokal angewandt werden - und nicht flächendeckend in ganz Thüringen.

25.08.2020 15.35 Uhr

Ministerium verteidigt Unterricht trotz Corona: 99 Prozent da

Mit einem Generalangriff auf die Schulpolitik in Corona-Zeiten setzt sich ein Schulleiterverband in die Nesseln und bringt drei weitere Verbände gegen sich auf. Aus Sicht des Schulministerium ist die Rückkehr zum Unterricht eine Erfolgsstory in NRW.

Trotz Corona-Pandemie können nach Angaben des Schulministeriums über 99 Prozent aller Schüler und Schülerinnen in Nordrhein-Westfalen wieder an regulärem Unterricht teilnehmen. Das berichtete Schulstaatssekretär Mathias Richter (FDP) am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Die hohe Quote zeige, dass «die Entscheidung für einen angepassten Schulbetrieb in Corona-Zeiten genau die richtige» gewesen sei, unterstrich der FDP-Politiker.

Das Schulministerium reagierte mit der Zwischenbilanz zwei Wochen nach dem Ende der Sommerferien auf drastische Kritik der Schulleitungsvereinigung (SLV) NRW. Die hatte in einem Offenen Brief an den Ministerpräsidenten kritisiert, unter den gegebenen Bedingungen könne «gar kein normaler Unterricht stattfinden». Das Schulministerium ignoriere die Voraussetzungen vor Ort - etwa Fenster, die sich in manchen Klassenzimmern gar nicht zum Lüften öffnen ließen.

Drei Schulleitungsverbände distanzierten sich am Dienstag ausdrücklich von der «Pauschalkritik» des SLV. Das Schulministerium habe «in den coronabedingten Ausnahmezeiten seit März 2020 keineswegs "unreflektiert und oberflächlich" entschieden und gehandelt», hielten die Schulleitungsvereinigung der Gesamtschulen in NRW sowie die Rheinische und die Westfälisch-Lippische Direktorenvereinigung in einem eigenen Brief an den Ministerpräsidenten und die Schulministerin dagegen.

Der Vorsitzende des SLV habe fälschlicherweise den Eindruck erweckt, für alle Schulleitungsverbände zu sprechen, kritisierte der Sprecher der Gesamtschulleitervereinigung, Mario Vallana. In dem Brief der drei vom SLV abgerückten Verbände heißt es: «Die aktuell gegebenen schulpolitischen Rahmensetzungen sind richtig, angemessen - und im engen Austausch aller Beteiligten abgestimmt worden.»

Das bekräftigte auch der Schulstaatssekretär. Wegen der gemeinsamen Vorbereitungen sei «der Schulstart gut gelungen», unterstrich Richter. Das Recht der Schüler auf Bildung werde mit dem Gesundheitsschutz aller am Schulleben Beteiligter in Einklang gebracht. Das Ziel, trotz Corona möglichst vollständig zum normalen Unterricht zurückzukehren, sei kein NRW-Alleingang, sondern werde von allen 16 Bundesländern verfolgt.

Zum Stichtag 19. August sei an rund 98 Prozent von fast 3200 Schulen in NRW, die auf eine entsprechende Umfrage geantwortet hätten, regulärer Unterricht im Klassenzimmer erteilt worden, teilte das Ministerium mit. Nur drei Schulen seien zum Zeitpunkt der Erhebung vollständig geschlossen gewesen, 66 weitere hätten Teilschließungen vermeldet.

Rund 97 Prozent der Lehrkräfte haben demnach normalen Unterricht vor Ort erteilen können. 524 Lehrer hätten sich in Quarantäne befunden, bei 30 sei bis Mitte vergangener Woche eine Corona-Infektion bestätigt worden. Unter den Schülern seien rund 5000 in Quarantäne bei über 300 bestätigten Infektionen.

Auch die Landesschülervertretung und der Lehrerverband Bildung und Erziehung hatten zum Schulstart grundsätzlich Verständnis geäußert, dass NRW versuche, mit Maskenpflicht - die für ältere Schüler sogar im Unterricht gilt - den Schritt zurück ins Schulleben zu wagen.

«Die Maßnahme ist ganz bewusst vorerst bis Ende August befristet, um bis dahin zu entscheiden, ob die tatsächlich weiterhin nötig sein wird», erklärte das Schulministerium.

25.08.2020 14.11 Uhr

Schulen in NRW dürfen Maskenverweigerer nicht pauschal ausschließen

Schulen in Nordrhein-Westfalen dürfen Schüler ohne Alltagsmaske nicht pauschal vom Unterricht ausschließen. Darauf hat das Düsseldorfer Verwaltungsgericht am Dienstag hingewiesen. In der Coronabetreuungsverordnung des Landes NRW fehle dafür die notwendige Rechtsgrundlage (Az.: 18 L 1608/20).

Zwei Schüler eines Gymnasiums am Niederrhein hatten sich nach ihrer Weigerung, Masken zu tragen, gegen den daraufhin verhängten Ausschluss vom Unterricht vor Gericht gewehrt - mit Erfolg. Eine Ausnahmegenehmigung aus medizinischen Gründen lehnte das Gericht für die beiden Schüler aber ab. Die vorgelegten Atteste genügten den Richtern nicht.

Die Gymnasiasten hatten als Alltagsmasken einen Insektenschutz (Fliegengaze) tragen wollen, was die Schule zu Recht als unzureichend abgelehnt habe. Zwar seien Ordnungsmaßnahmen gegen die Schüler grundsätzlich möglich. Ein Unterrichtssausschluss müsse aber zumindest befristet werden - auf einen konkreten Zeitraum zwischen einem Tag und zwei Wochen. Dies sei im konkreten Fall nicht geschehen.

Die Schule hatte argumentiert, bewusst keinen konkreten Zeitraum verhängt zu haben: Mit zulässigen Atemschutzmasken dürften die Schüler sofort wieder am Unterricht teilnehmen. Gegen den Beschluss kann noch Beschwerde eingelegt werden.

25.08.2020 07.00 Uhr

Schulsenator Rabe zieht positive Bilanz der ersten Schulwochen

Hambrug (dpa/lno) Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat eine positive Bilanz der ersten Schulwochen in Hamburg gezogen. In einem Beitrag im «Hamburg Journal» des NDR-Fernsehens (Montag) sagte Rabe: «Die ganzen Vorhersagen in Bezug auf Katastrophen haben sich bisher in der Schule alle nicht erfüllt.» In der Hansestadt besuchen rund 256 890 Jungen und Mädchen eine Schule. Die Zahl der Corona-Fälle dort wird in dem NDR-Beitrag - Stand Montag - mit 24 angeben. «Die Zahl der Infektionen ist sehr, sehr niedrig», sagte Rabe. «Und bisher hat sich noch kein Kind in der Schule selbst angesteckt, und die Infektionen sind woanders.»

25.08.2020 07.00 Uhr

Ärztekammer-Vorstand fordert Maskenpflicht für Unterricht

Am Donnerstag startet in Niedersachsen und Bremen nach sechs Wochen Sommerferien die Schule. Erstmals seit Mitte März sollen sich wieder komplette Klassen in den Gebäuden einfinden. Damit das gelingt, fordern Ärzte eine bestimmte Maßnahme.

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen wird in Niedersachsen der Ruf nach einer Maskenpflicht für Lehrer und Schüler auch im Unterricht lauter. «Wenn die Kinder und Jugendlichen ungeschützt in die Schulen gehen, dann rechne ich mit verheerenden größeren Ausbrüchen», sagte der Kinder- und Jugendmediziner Thomas Buck, der Vorstandsmitglied der Ärztekammer Niedersachsen ist. Es sei eine Illusion zu glauben, dass nur gesunde Kinder zur Schule gehen. Nur ganz wenige junge Menschen hätten nach einer Infektion mit dem Coronavirus schwere Symptome. «Die meisten Kinder und Jugendlichen werden symptomfrei sein, aber sie können Überträger sein.» An diesem Donnerstag starten die Schulen im Land in voller Klassenstärke.

Der Kinderarzt aus Hannover plädierte für eine zunächst zeitlich beschränkte Maskenpflicht für Schüler und Lehrer von der Grundschule an. Auch Arztkollegen hätten sich fassungslos gezeigt, dass zwar auf engen Fluren, aber nicht im Unterricht Masken getragen werden sollen, sagte Buck. An Schulen in Nordrhein-Westfalen gibt es dagegen bis zum 31. August eine Maskenpflicht im Unterricht. Ausgenommen sind nur Grundschulen. Auch die Stadt und der Landkreis Osnabrück hatten eine Maskenpflicht für den Unterricht gefordert.

«Am gefährlichsten sind die ersten zwei bis vier Wochen nach den Ferien», sagte Buck. Dies beobachte man auch bei anderen Infektionskrankheiten wie der Grippe. Der Mediziner befürchtet zudem, dass sich viele Reiserückkehrer gar nicht auf das Coronavirus haben testen lassen. Bei trockener Raumluft nehme die Infektiosität zu - wichtig sei daher Stoßlüften, betonte der Ärztekammer-Vorstand.

24.08.2020 21.35 Uhr

New Yorks Schulen sollen Unterricht im Freien abhalten dürfen

Wegen der Corona-Pandemie sollen Schulen in New York ihren Unterricht künftig unter freiem Himmel abhalten dürfen. Dies kündigte der Bürgermeister der US-Millionenmetropole, Bill de Blasio, am Montag an. Die Schulen sollen dafür geeignete Orte vorschlagen: beispielsweise Schulhöfe, Straßen oder Parks. Die Stadt werde dann wenn möglich rasch Genehmigungen erteilen, vor allem für Schulen in besonders betroffenen Gegenden oder ohne eigenen Außenbereich.

Wegen der stark gesunkenen Corona-Fallzahlen dürfen die Schulen in New York im September mit Einschränkungen wieder öffnen. Die Metropole ist damit einer der wenigen Großräume in den USA, in denen ein regulärer Unterricht geplant ist. Viele andere Schulbehörden haben bereits angekündigt, weiterhin nur virtuell zu unterrichten.

24.08.2020 21.02 Uhr

Schuljahr in Mexiko beginnt mit TV-Unterricht

In Mexiko hat das neue Schuljahr wegen der Coronavirus-Pandemie mit Unterricht per Fernsehen und Radio begonnen. Mehrere Sender strahlten am Montag erstmals Programme für verschiedene Stufen aus, die zusammen mit dem Bildungsministerium entwickelt worden waren. Der Unterricht in den Klassenzimmern ruht seit März. Eine Rückkehr ist nach Einschätzung der Regierung für die rund 30 Millionen Schülerinnen und Schüler derzeit nicht sicher.

Mexiko hat offiziell mehr als 60 000 Todesfälle nach einer Covid-19-Erkrankung registriert. Im weltweiten Vergleich liegt das Land auf Platz drei.

Nur etwas mehr als die Hälfte (56 Prozent) der mexikanischen Haushalte haben nach offiziellen Angaben Zugang zum Internet. Einen Fernseher besitzen hingegen 95 Prozent. Der Unterricht an öffentlichen Schulen soll daher durch 4550 Sendungen im Fernsehen und 640 im Radio - auch in 20 indigenen Sprachen - erfolgen. An Privatschulen wird derzeit größtenteils per Internet unterrichtet.

24.08.2020 09.33 Uhr

Virologin warnt vor Gefährdung des Schulbetriebs durch Risiko-Urlaub

Virologin Ulrike Protzer plädiert dafür, aus Rücksicht auf den Schulbetrieb auf Urlaube im Risikogebiet und auf Feiern zu verzichten. «In einem Risikogebiet Urlaub zu machen, nur weil es da gerade billig ist, ist unverantwortlich», kritisierte die Beraterin der Staatsregierung zur Corona-Pandemie im Gespräch mit den «Nürnberger Nachrichten» (Montagsausgabe). «Wenn wir in anderen Bereichen unvorsichtig werden, riskieren wir die Öffnung der Schulen und KiTas.»

Das Risiko einer Infektion sei im Sommer geringer. «Im Herbst allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass wir weiter lockern können», sagte Protzer. «Ich befürchte sogar, dass wir einige Schrauben wieder anziehen müssen, wenn wir feststellen, dass wir zuviel Infektionen haben, um beispielsweise die Schulen offen zu halten.»

24.08.2020 05.30 Uhr

Ernst: Corona-Pandemie hat Schulen einen digitalen Schub gebracht

Die Pandemie hat den Schulunterricht verändert. Wie kann Datenschutz im digitalen Lernen gewährleistet werden?

Der monatelange Lockdown wegen der Corona-Pandemie hat nach Einschätzung von Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) in den Schulen eine Schub in Richtung Lernen mit digitalen Medien ausgelöst. «Weil die Schüler auf dem herkömmlichen Wege nicht mehr erreicht werden konnten, haben sich viele Lehrer mit den Möglichkeiten vertraut gemacht», sagte Ernst der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Bereitschaft in den Lehrerkollegien, sich mit digitalen Lernmanagement-Systemen auseinander zu setzen, sei gewachsen. «Viele Lehrer haben gelernt, dass es tatsächlich eine Arbeitserleichterung ist», berichtete Ernst.

«Wir hatten für dieses Schuljahr zunächst 100 Schulen in der Pilotphase, inzwischen sind es schon 422 und bis Ende des Schuljahres werden es 500 sein», sagte sie. Und es gebe weitere Schulen, die sich für ein anderes Lernmanagement-System entschieden hätten, sagte Ernst. «Wir werden die Schulcloud Brandenburg im nächsten Jahr vermutlich allen Schulen anbieten können.» Dort können Unterrichtsinhalte eingestellt und die Kommunikation gewährleistet werden, auch über Videokonferenzen. In Brandenburg gibt es rund 900 Schulen.

Das Ministerium wolle nun gemeinsam mit den Schulträgern ein Konzept dazu entwickeln, welche Unterrichtsmaterialien in der Cloud verwendet werden. Und bis zum Ende des ersten Schulhalbjahres sollen möglichst auch alle Schüler ein mobiles Endgerät besitzen. «Das sind Dauerleihgaben für alle Schüler, die kein eigenes Gerät besitzen», erläuterte die Ministerin. Dennoch gibt es beim digitalen Lernen weiter einen entscheidenden Haken. «Was wir nicht so schnell beheben können ist, wenn das nicht bis in die Kinderzimmer reicht, weil die Leitung in der Region nicht stark genug ist», bedauerte Ernst.

Die Herausforderung sei, dass die Daten über die Lernentwicklung der Schüler in digitalen Bildungslösungen geschützt sein müssten, betonte die Ministerin. Diese Daten seien für private Unternehmen wie Microsoft und Google sehr interessant als Geschäftsfeld der Zukunft. «In der Schulcloud, die wir mit dem Hasso-Plattner-Institut entwickeln, sind die Daten geschützt», erläuterte Ernst.

Deutlich verzögert hat sich durch die Corona-Pandemie die technische Ausstattung der Schulen - obwohl für Brandenburg aus dem Digitalpakt des Bundes dafür 151 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Doch bislang wurden erst gut 130 Anträge mit einem Fördervolumen von insgesamt knapp 18 Millionen Euro gestellt. «In der Pandemie hatten die Schulen genug damit zu tun, den Unterricht zu gewährleisten», meinte Ernst. «Konferenzen zur Erarbeitung eines Medien-Entwicklungsplans konnten nicht stattfinden.» Daher habe das Ministerium die Antragsfrist bis Ende des Jahres verlängert. «Rund die Hälfte der Schulen hat inzwischen einen Medienentwicklungsplan erarbeitet, ich gehe davon aus, dass nun viele Anträge kommen werden», sagte Ernst.

24.08.2020 05.30 Uhr

Lehrer fordern Raumluftreiniger für Klassenzimmer

Der Bayerische Philologenverband (bpv) fordert mit Blick auf die kühlere Jahreszeit Raumluftreiniger für Klassenzimmer zum Schutz vor Coronaviren. An vielen Schulen gebe es keine Anlagen, die einen wiederholten Luftaustausch in den Räumen gewährleisten könnten, sagte ein bpv-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur in München. In modernen Gebäuden könne man oft nicht mal schnell das Fenster aufreißen, um frische Luft reinzulassen. Auch CO2-Ampeln hält der Verband für sinnvoll. Sie messen in Räumen die Konzentration von Kohlendioxid und zeigen an, wann gelüftet werden sollte.

«Wir diskutieren über Masken im Unterricht, aber wir können genauso sicherstellen, dass die Luft entsprechend umgewälzt wird», sagte der Sprecher. Bei guter Lüftung könnten auch Lehrer aus Risikogruppen eher wieder eingesetzt werden. Laut bpv gibt es Geräte ab 2000 Euro, man bräuchte also bis zu 100 Millionen Euro, um die rund 50 000 Klassenzimmer in Bayern damit auszustatten. Vermutlich sei diese Summe aber niedriger, da es an einigen Schulen bereits ausreichende Lüftungssysteme gebe.

Tröpfchen und winzige Aerosol-Partikel sollen eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Sars-CoV-2 spielen. Vor allem die Aerosol-Teilchen können nach bisherigen Erkenntnissen Stunden bis Tage in der Luft schweben. Forscher der Universität der Bundeswehr München hatten einen Raumluftreiniger untersucht und eine Halbierung der Aerosolkonzentration binnen weniger Minuten festgestellt. Sie empfahlen die Geräte deshalb auch für Schulen oder Büros.

23.08.2020 14.09 Uhr

Bildungsministerium prüft flächendeckende Fiebermessung in Schulen

Im Schweriner Bildungsministerium gibt es Überlegungen, in der bevorstehenden Erkältungszeit flächendeckend Schüler Fiebertests vorzunehmen. «Wir führen gerade Gespräche mit den Gesundheitsexperten und prüfen das ernsthaft», sagte ein Ministeriumssprecher. Zunächst hatte die «Ostsee-Zeitung» (Samstag) berichtet. Ziel sei es, den täglichen Regelbetrieb in Schulen in den kommenden Herbst- und Wintermonaten aufrechterhalten zu können und flächendeckende Schulschließungen zu vermeiden. «Fiebermessungen können in der Erkältungszeit im Schutzkonzept ein guter Baustein sein», sagte der Sprecher. Sie gäben Eltern und Lehrkräften mehr Sicherheit, wenn mit dem Herbst mehr Kinder Schnupfen hätten.

«Schüler mit Fieber gehören nicht die Schule», sagte der Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektiologie der Unimedizin Rostock, Emil Reisinger, der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn Kinder mit Fieber nicht in die Schule gehen, können sie kein Corona-Virus und keine anderen Atemwegserkrankungen übertragen.» Die Fiebermessung könne ein Baustein im Kampf gegen die Pandemie sein, denn Fieber, Husten und Halsschmerzen seien die Leitsymptome der Covid-19-Erkrankung.

Definitionsgemäß werde ab einer Körpertemperatur von 38 Grad von Fieber gesprochen, zwischen 37,5 und 37,9 von erhöhter Temperatur. Ab wann ein Schüler nicht mehr in die Schule dürfe, gehöre zu den Dingen, die geklärt werden müssten. Aus heutiger Sicht sei es wahrscheinlich, dass ein Corona-Abstrichtest die zwangsläufige Folge einer Temperaturerhöhung ist, sagte Reisinger.

22.08.2020 17.03 Uhr

Grünen-Fraktionschefin befürchtet «Schul-Debakel»

Bayerns Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze befürchtet mit Beginn des neuen Schuljahres ein «Schul-Debakel». «Viele Eltern wissen noch immer nicht, wie der Unterricht im Herbst weitergehen soll», kritisierte Schulze im Gespräch mit der «Abendzeitung» (Samstagsausgabe). Viele Fragen etwa zur digitalen Ausstattung der Schüler, der Lüftung von Klassenzimmern und dem Transport der Kinder seien offen. «Und wo ist Kultusminister Michael Piazolo? Abgetaucht. Er scheint das Prinzip Hoffnung als Leitplanke seiner Politik ausgemacht zu haben.»

Dabei gelte es, aus den Fehlern der Corona-Krise wie der Panne bei den Teststationen an den Autobahnen zu lernen. Auch da seien noch nicht alle Fragen geklärt, meinte Schulze. «Zum Beispiel wie viele Kontaktpersonen der positiv Getesteten jetzt in Quarantäne sind und in welche Bundesländer sie weitergefahren sind.»

21.08.2020 21.10 Uhr

WHO: Corona muss auch im Umfeld von Schulen bekämpft werden

Mit dem Start des neuen Schuljahres muss das Coronavirus nicht nur in Schulen selbst, sondern auch im Umfeld der Kinder und Jugendlichen rigoros bekämpft werden - darauf weist die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hin. Sonst könne es sich schnell in Schulen ausbreiten. «Es ist wirklich entscheidend, dass wir Ausbrüche und Übertragungen in der Umgebung von Schulen unter Kontrolle bringen», sagte die Covid-19-Beauftragte Maria van Kerkhove am Freitag in Genf. Die WHO werde in den nächsten Tagen Empfehlungen für das Tragen von Masken in Schulen herausgeben.

Allerdings reichten Masken allein nicht aus, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, warnte der WHO-Nothilfekoordinator Mike Ryan. Gleichzeitig müssten Schülerinnen und Schüler auch Abstand wahren, und je nach Räumlichkeiten sei es vielleicht auch nötig, kleinere Klassen zu bilden. Bislang gibt es nach Angaben von van Kerkhove nicht genügend Studien über Ansteckungsketten mit Kindern. Die meisten Kinder, die sich infizierten, hätten nur sehr milde Symptome.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus äußerte die Hoffnung, dass die Pandemie dank moderner Technologie und internationaler Kooperation weniger als zwei Jahre dauern werden. «In der Hoffnung, dass wir zusätzliche Werkzeuge wie einen Impfstoff bekommen, denke ich, dass wir sie in kürzerer Zeit als die Grippe von 1918 beenden können.» Das Virus könne sich heutzutage zwar schneller verbreiten, weil die Welt viel enger verbunden sei als vor 100 Jahren, es gebe aber auch moderne Mittel zur Bekämpfung.

21.08.2020 17.03 Uhr

Regelstudienzeit soll um ein Semester verlängert werden

Die Regelstudienzeit soll in Mecklenburg-Vorpommern wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie an den Hochschulen und Universitäten um ein Semester verlängert werden. Ein entsprechender Entwurf befände sich in der Ressortabstimmung, sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Freitag. Dies solle Studenten etwa helfen, damit sie ein Semester länger Bafög erhalten können.

«Wenn Studierende aufgrund der Einschränkungen im Sommersemester 2020 ihr Studium um ein Semester verlängern müssen, sollen sie finanziell keine Nachteile erleiden», erläuterte Martin. Für viele lasse sich eine Verlängerung der Studienzeit nicht vermeiden.

Bislang bekämen Studenten nur weiterhin Bafäog, wenn festgestellt werden konnte, dass sie ihr Studium nicht planmäßig beenden konnte. Diese Einzelfallprüfung soll den Angaben zufolge durch die geplante Neuregelung entfallen.

Der Allgemeine Studierendenausschuss der Uni Rostock begrüßte die Pläne. «Jetzt können wir für hunderte, vielleicht sogar für ein paar tausend Studierende vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken. Wir erwarten jetzt aber natürlich auch, dass der Absichtserklärung bald schon Taten folgen» sagte Philipp Leist vom Studierendenausschuss in einer Mitteilung.

21.08.2020 16.55 Uhr

Corona: Kein Unterricht für 260 Schüler der Risiko-Gruppe

In Brandenburg haben sich mehr als 260 Schüler, die als Risiko-Patienten gelten, wegen Corona vom Unterricht in der Schule abgemeldet. Das sind 0,09 Prozent der insgesamt 294 000 Schüler im Land, wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte. Die Schüler erhielten über ihre Schule einen individuell abgestimmten Plan zum Distanzunterricht, hieß es. Zunächst hatte die «Märkische Oderzeitung» berichtet.

Für rund 500 Kinder und Beschäftigte einer Grundschule und einer Kindertagesstätte in Wittenberge (Prignitz) wurde die häusliche Quarantäne angeordnet. Die beiden Einrichtungen bleiben vorerst bis einschließlich 1. September geschlossen. So lange gelte auch die Quarantäne, teilte der Kreis am Freitag mit.

Die Elblandgrundschule und die AWO-Kita «Haus der kleinen Strolche» waren am Dienstag vorsorglich geschlossen worden, weil eine Familie mit ihren Kindern, die die Einrichtungen besucht hatte, positiv auf das Virus getestet worden war. Daraufhin ordnete das Gesundheitsamt des Kreises umfangreiche Tests bei allen Kindern und Beschäftigten an. Sieben Schüler und Erwachsene der mehr als 500 Getesteten wurden positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Dennoch sollen alle in Quarantäne. «Wir gehen damit absolut sicher», sagte Sprecher Frank Stubenrauch. Alle positiv Getesteten sollen Kontakt zu der infizierten Familie gehabt haben.

Eine Lübbenauer Grundschule (Oberspreewald-Lausitz), an der nach einem positiven Coronafall alle Lehrkräfte sowie 68 Kinder aus drei Schulklassen auf das Virus getestet worden sind, darf am Montag wieder öffnen. Alle Getesteten seien negativ, wie der Kreis mitteilte. Mehr als 300 Menschen des Karl-Liebknecht-Gymnasiums in Frankfurt (Oder) sollen ebenfalls getestet werden. Die Schule hatte alle 860 Schüler am Dienstagmorgen nach Hause geschickt, nachdem es sowohl unter den Schülern als auch unter den Lehrern jeweils einen positiven Corona-Fall gegeben hatte.

Der Hausärzteverband Brandenburg riet Reiserückkehrern, für Corona-Tests nicht ungesteuert in die Arztpraxen zu gehen. Per Telefon oder über die Homepage sollte zunächst herausgefunden werden, wann Abstriche genommen werden. Auch hätten nicht alle Praxen die Kapazitäten, Abstriche zu nehmen.

21.08.2020 08.37 Uhr

Bericht: Corona-Fälle an 37 Berliner Schulen

Wegen Corona-Fällen befinden sich nach einem Bericht der «Berliner Zeitung» an 37 Schulen der Stadt derzeit Teile von Schülern oder Schulpersonal in Quarantäne. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine Auflistung der Senatsschulverwaltung. Erfasst seien darin allgemeinbildende Schulen, für Berufsschulen gebe es noch keine offiziellen Zahlen. Die Aufstellung basiere auf Meldungen, die bis Donnerstag Nachmittag bei der Schulaufsicht eingegangen seien. In den meisten Fällen sei pro Einrichtung nur ein Schüler, eine Erzieherin oder eine Lehrkraft infiziert, bisher gebe es keine bestätigten Fälle von Ansteckungen innerhalb einer Schule. Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte der Zeitung: «Fast zwei Wochen nach Schuljahresstart können wir erkennen, dass die Schulen selbst kein Hotspot sind.» Infektionen würden in aller Regel von außen in die Schulen getragen.

21.08.2020 6.00 Uhr

Vorsitzende des Schulleitungsverbands: «Habe Respekt vor Schulstart»

Viele Länder haben ihn schon hinter sich, in Niedersachsen steht er kommenden Donnerstag bevor: Der Schulstart. Wie gut sind die Schulen auf einen Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen vorbereitet? Der Schulleitungsverband ist verhalten optimistisch.

Hygieneregeln, Masken in manchen Fluren, gutes Durchlüften: In der Theorie steht der Plan für den Schulstart in Niedersachsen. Vor dem Praxistest am kommenden Donnerstag hat Andrea Kunkel, Vorsitzende des Schulleitungsverbands, Respekt.

Frage: Wir haben in anderen Bundesländern erlebt, dass Schulen wegen einzelner Infektionen schon kurz nach Beginn des neuen Schuljahrs wieder schließen mussten. Befürchten Sie das für Niedersachsen auch?

Antwort: Ich glaube, dass man das überhaupt nicht ausschließen kann. Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass das auch hier so sein wird oder eher sein könnte.

Frage: Wie gut sehen Sie die Schulen in Niedersachsen vorbereitet für den Start?

Antwort: Wir wissen ja, dass wir mit eingeschränktem Regelbetrieb starten. Ich glaube, das ist sehr unterschiedlich von Schule zu Schule, wie wir die Hygieneauflagen umsetzen können. Das hängt immer davon ab, habe ich eine große Schule mit vielen Räumen und mit weiten Fluren und einem großen Schulgelände? Dann kann ich das natürlich anders umsetzen als bei einem kleinen, engen Gebäude, was dann auch mit allen Klassen belegt ist. Alle Schulen bereiten sich ganz intensiv darauf vor und gehen sämtliche Möglichkeiten durch. Wo müssen wir noch an einer Stellschraube drehen? Was müssen wir noch beachten? Und ich habe durchaus Respekt vor diesem Schulstart nächste Woche.

Frage: Welche Befürchtungen haben Sie?

Antwort: Es ist natürlich die Befürchtung, dass wir hier Corona-Fälle haben und dann eventuell einzelne Klassen oder Nachmittagsgruppen erst mal nicht die Schule besuchen können. Ansonsten denke ich, werden wir das vermutlich gut hinbekommen vor dem Hintergrund, dass wir gute Erfahrungen im Präsenzunterricht gemacht haben und wissen, dass Schülerinnen und Schüler die Hygieneregeln gut angenommen haben.

Frage: Wie viele Lehrer werden nicht in die Klassenräume zurückkehren, weil sie zur Risikogruppe gehören?

Antwort: Die Zahlen liegen uns als Verband nicht vor. Ich weiß von einzelnen Schulen, das ist aber nicht repräsentativ, dass da Kollegen und Kolleginnen, die zu Beginn der Sommerferien noch gesagt haben «Ja, ich komme auf jeden Fall», jetzt zum Teil wieder zurückgezogen haben, weil sich die Infektionslage verändert hat. Und ich glaube, das müssen wir mal abwarten.

Frage: Was bedeutet das für die Unterrichtsversorgung?

Antwort: Vor dem Hintergrund der Unterrichtsversorgung, die sowieso schwierig ist in diesem Schuljahr durch die Rückkehr zu G9, müssen wir mal gucken, wie wir dann versorgt sein werden. Einmal ist es sowieso eine schwierige Unterrichtsversorgung und dann die Kollegen, die aufgrund der Risikogeschichte nicht zur Schule kommen können.

Frage: Glauben Sie, dass das die Lehrerversorgung noch ein Problem werden könnte?

Antwort: Ich kann mir vorstellen, dass das vielleicht nicht flächendeckend ist, aber ich kenne durchaus Schulen, wo es schwierig sein könnte. Das wird noch ein Thema sein, davon bin ich überzeugt.

Frage: Ein neues Schuljahr bedeutet auch ein neuer Jahrgang. Gibt es besondere Probleme für die Erstklässler zum Schulstart?

Antwort: Ich würde das erst mal nicht als Problem benennen. Aber wir haben ja die besondere Situation, dass in vielen Fällen die Schuluntersuchungen vor Schulbeginn nicht stattfinden konnten und auch nicht nachgeholt werden konnten. Alle Besuchsangebote und Schnuppertage in den Schulen mussten entfallen. Von daher haben wir jetzt Schülerinnen und Schüler im ersten Schuljahr, die zum allerersten Mal unsere Schulen betreten. Und da müssen wir mal gucken, wie sie damit zurechtkommen. Ich bin da ganz optimistisch und denke, die werden das schon gut händeln. Aber da müssen wir einfach sehr vorsichtig, sehr sorgsam und mit sehr viel Fingerspitzengefühl agieren. Viele von Ihnen waren ja auch monatelang nicht in der Kita. Die haben natürlich auch über einen langen Zeitraum keine sozialen Kontakte in Gruppen wahrnehmen können.

Frage: Wie gut ist Niedersachsen seit Beginn der Pandemie in der Digitalversorgung der Schulen vorangekommen?

Antwort: Gemessen an dem, wie es vor der Corona-Pandemie war, hat es sicherlich einen Schub gegeben, den wir ohne diese Pandemie nicht hätten. Das ist aber aus unserer Sicht immer noch nicht zügig genug. Also vielleicht noch mal, um das deutlich zu machen: Die Mittel aus dem Digitalpakt rufen ja nicht die Schulen ab – die rufen die Schulträger ab - und da sind viele auf einem guten Weg. Aber es gibt eben auch noch einzelne Bereiche, da geht es nicht so gut voran, und es ist wichtig, dass Schulen und Schulträger das gemeinsam auf den Weg bringen.

Frage: Welche Bereiche meinen Sie da genau?

Antwort: Es gibt Schulen, die kein WLAN haben. Und wenn ich kein WLAN an der Schule habe, dann habe ich auch Schwierigkeiten, hier mit Tablets und so weiter zu arbeiten.

Frage: Was lässt sich aus der Zeit des Homeschoolings für den Schulstart mitnehmen?

Antwort: Ich glaube, wir können mitnehmen, dass es Homeschooling-Formate gibt, die wir weiterführen können. Es gäbe ja in dem Szenario B die Möglichkeit für weiterführende Schulen, an einem Tag in der Woche die Schüler im Homeschooling zu beschulen. Das auszuweiten, zu trainieren und da auch viel Selbstständigkeit zu generieren - das ist schon eine gute Möglichkeit. Es ist natürlich immer eine Frage der technischen Ausstattung.

ZUR PERSON: Andrea Kunkel ist Vorsitzende des Schulleitungsverbands Niedersachsen und an einer Grundschule in Langenhagen tätig.

20.08.2020 17.35 Uhr

Jugendherbergen bangen wegen Corona weiter ums Überleben

Die Schule hat wieder begonnen, die für die Jugendherbergen so wichtigen Klassenfahrten finden aber immer noch kaum statt. Das Ergebnis sind erste schockierende Hochrechnungen.

Die Jugendherbergen im Norden rechnen trotz des Wiederanlaufens der Schulen im Regelbetrieb in diesem Jahr mit einem Millionenverlust. Trotz Sparmaßnahmen und Kurzarbeit werde wohl ein Minus im mittleren einstelligen Millionenbereich auflaufen, teilte der DJH-Landesverband Nordmark am Donnerstag in Hamburg mit. «Wir sind weiterhin dringend auf Soforthilfen ohne Rückzahlungsverpflichtung angewiesen, um das Überleben der Jugendherbergen im Norden zu sichern», erklärte Landesverbands-Geschäftsführer Stefan Wehrheim.

Die 45 Jugendherbergen in Schleswig-Holstein, Hamburg und dem nördlichen Niedersachsen hatten demnach in diesem Jahr mit rund 1,1 Millionen Übernachtungen gerechnet. Tatsächlich würden es wegen der Corona-Pandemie voraussichtlich nur 300 000. Die sonst so wichtigen Klassenfahrten - bis zu 50 Prozent der Gäste seien Schulklassen - seien nahezu für das gesamte Jahr weggebrochen, denn auch im Herbst fänden wegen behördlicher Anordnungen kaum Fahrten statt.

«Unsere Gemeinnützigkeit, verbunden mit den strengen Vorgaben der Abgabenordnung zur Rücklagenbildung, unsere Zugehörigkeit zum Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe, die dafür angemessene, kostendeckende Preispolitik und die ständige Reinvestition in die Struktur unserer Häuser ermöglichen uns keine großen wirtschaftlichen Reserven», erklärte die Verbandsvorsitzende Angela Braasch-Eggert. Die Sonder-Darlehen seien eine Erleichterung. Doch das reiche nicht.

Die Buchungslage für das nächste Jahr sei mit rund 450 000 Übernachtungen zwar gut. Allerdings seien darunter auch Nachholtermine aus 2020. Inzwischen seien 34 Jugendherbergen wieder geöffnet, acht blieben aber noch bis zum Frühjahr geschlossen. Andere öffneten nur zeitweise etwa für Gruppen oder Kinderfreizeiten. «Alles hängt von dem weiteren Pandemie-Verlauf ab. Uns ist bewusst, dass sich innerhalb kürzester Zeit alles wieder komplett ändern kann», sagte Wehrheim.

 

 

20.08.2020 17.10 Uhr

GEW: Schulzeit wegen Corona-Einschränkungen ausweiten

Die Landesregierung betrachtet den Schulstart in Mecklenburg-Vorpommern unter Pandemiebedingungen als gelungen. Doch die Bildungsgewerkschaft GEW sieht mit Blick auf künftige Schulabschlüsse und den Gesundheitsschutz noch erhebliche Defizite.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hält es angesichts des coronabedingt eingeschränkten Unterrichts für nahezu ausgeschlossen, lehrplangerecht zu unterrichten. Sie bringt deshalb eine Ausdehnung der Schulzeit ins Gespräch. Den Abschlussklassen zehn und zwölf fehlten wegen der Schulschließungen im Frühjahr Kenntnisse und Noten. Und auch im neuen Schuljahr gebe es vielfach nur verkürzten Unterricht.

«Wenn man die Lernzeit nicht verlängern will, indem man die Schulen auch am Samstag öffnet, dann wären ein 11. und 13. Schuljahr eine Option», sagte Mecklenburg-Vorpommerns GEW-Landeschef Maik Walm am Donnerstag in Schwerin. Alternativ könne auch eine Reform der Bildungsziele helfen: «Mehr Kompetenzen vermitteln, dafür weniger Inhalte», so Walm. Das müsse dann aber Auswirkungen auf die Prüfungen haben.

Mecklenburg-Vorpommern war Anfang August als erstes Bundesland ins neue Schuljahr gestartet. Wegen der fortwährenden Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus gelten besondere Hygienebestimmungen, die auch Einfluss auf Gestaltung und Dauer des Unterrichts haben. So werden an Grundschulen täglich mindestens vier, an weiterführenden Schulen fünf Stunden garantiert. Nach Angaben des Bildungsministeriums übersteigt der Präsenzunterricht an vielen Schulen aber die Mindestvorgaben.

«Wir lügen uns in die Taschen, wenn wir von Normalität an den Schulen sprechen», sagte Walm. Schon vor der Corona-Pandemie hätten Lehrermangel, Schulen in schlechtem baulichen Zustand, fehlende IT-Ausstattung und eine unzureichende Internetanbindung die Schulbildung behindert. Mit der Corona-Krise seien die personellen und technischen Defizite nur noch deutlicher zutage getreten und ein Ende der Pandemie sei nicht in Sicht.

«Wir werden ein ganzes Schuljahr in einer Ausnahmesituation erleben» sagte Walm und forderte ein «Rettungspaket für die Bildung». So müsse mehr Geld bereitgestellt werden, etwa für zusätzliche Schulbusse, um den Schülerverkehr zu entzerren. «Es macht doch keinen Sinn, Schüler in den Schulen strikt zu trennen, wenn sie sich im Bus morgens und am Nachmittag dicht drängen müssen», sagte Walm. Derzeit würden besorgte Eltern ihre Kinder lieber im Auto zur Schule bringen, oder die Schüler kämen mit dem Fahrrad.

Das aber werde sich spätestens im Herbst ändern. Und für dann möglicherweise stark steigende Infektionszahlen sei das Schulsystem in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht gerüstet, kritisierte Walm. So sei erst ein Viertel der über 600 Schulen in der Lage, die vom Bildungsministerium empfohlene Lernplattform für Unterricht zu Hause zu nutzen. In vielen Familien fehlten Endgeräte für digitalen Unterricht und bis das Förderprogramm für die Anschaffung von Leihgeräten seine Wirkung entfalte, vergingen vermutlich noch Monate.

Walm verwies auf eine Umfrage unter Mitgliedern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW M-V). Demnach sei die Mehrheit der Lehrer der Meinung, dass die Landesregierung die Zeit seit Beginn der Pandemie nicht ausreichend genutzt hat, um das Recht auf Bildung sowie das Recht auf den Schutz der Gesundheit ins Gleichgewicht zu bringen. Die GEW unterstütze alle Bemühungen dafür. Das Recht auf Bildung müsse umgesetzt werden. Doch dürfe dabei der Schutz der Gesundheit von Lehrern und Schülern nicht auf der Strecke bleiben, mahnte Walm.

20.08.2020 16.57 Uhr

Gericht lehnt Lehrer-Anträge auf Befreiung vom Präsenzunterricht ab

Das Verwaltungsgericht in Schleswig hat acht Eilanträge von Lehrern abgelehnt, die mit Blick auf die Corona-Pandemie vom Präsenzunterricht an ihrer Schulen befreit werden wollten. Das Gericht hatte in seinen Beschlüssen von Donnerstag festgestellt, dass ein Anspruch auf Befreiung nur dann besteht, wenn der Präsenzunterricht für die Betroffenen trotz der getroffenen Schutzmaßnahmen unzumutbar ist (Aktenzeichen 12 B 45/20 u.a.). Die bloße Zugehörigkeit zu einer der Personengruppen, bei denen allgemein häufiger schwere Krankheitsverläufe beobachtet würden, genüge nicht.

Die Hygienemaßnahmen der Schulen, an denen die erfolglosen Antragsteller unterrichten, sind dem Gericht zufolge ausreichend. Diese seien zudem teilweise um individuelle Schutzmaßnahmen für die betroffenen Lehrer ergänzt worden. Die Lehrer hätten keinen Anspruch darauf, an ihrer Schule eine «Nullrisiko-Situation» vorzufinden. Einen allumfassenden Gesundheitsschutz während der aktuellen Pandemielage könne es nicht geben und gebe es auch in zahlreichen anderen Tätigkeitsbereichen nicht.

Von den insgesamt zehn anhängigen Anträgen sei einer zurückgenommen worden, in einem Verfahren habe die zuständige 12. Kammer eine weitere Aufklärung des Sachverhalts für geboten erachtet, teilte das Gericht weiter mit. Gegen die Beschlüsse kann Beschwerde beim Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht eingelegt werden.

Zu den abgelehnten Klagen gehört auch die einer Lehrerin aus dem Kreis Segeberg, die wegen einer Lungenerkrankung zu einer Risikogruppe gehört und die nach einem Gerichtsbeschluss von Anfang August vorerst keinen Präsenzunterricht geben musste.

Bildungsministerin Karin Prien, sagte zu den Beschlüssen: «Wir sehen uns dadurch in unserer Rechtsauffassung bestätigt». Die Zusage, dass die antragstellenden Lehrkräfte bis zur rechtskräftigen Klärung dieser Frage keinen Präsenzunterricht halten müssen, gelte fort. «Die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts zeigen deutlich, dass es immer nur um eine konkrete und individuelle Gefährdungsbewertung geht. Dessen ungeachtet gehen wir jetzt weitere Schritte zum Schutz unserer Lehrkräfte.»

20.08.2020 16.15 Uhr

Fast 7000 Schüler haben Hamburger Lernferien genutzt

Fast 7000 Kinder und Jugendliche haben während der Sommerferien in Hamburg die Möglichkeit sogenannter Lernferien zum Abbau coronabedingter Lernrückstände genutzt. Insgesamt hätten 241 der 471 staatlichen und privaten Schulen für 6902 Schüler 968 zweiwöchige Kurse organisiert, teilte die Schulbehörde am Donnerstag mit. Schulsenator Ties Rabe (SPD) sprach von einem großartigen Engagement der Schulen. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit diesem Angebot einen Teil der durch die Corona-Schulschließung ausgefallenen Unterrichtsstunden ersetzen konnten.»

Nach Angaben der Schulbehörde haben sich an dem Angebot in den letzten drei Ferienwochen 201 Grundschulen oder Grundschulabteilungen, 61 Gymnasien, 44 Stadtteilschulen, 13 Regionale Bildungs- und Beratungszentren und vier sechsjährige Grundschulen beteiligt. In sozial benachteiligten Stadtteilen hätten 89 Prozent aller Schulen Lernferien angeboten. Rund 80 Schulen, die im Sommer noch nicht mitgemacht hätten, planten Lernferien im Herbst, 108 andere wollten ihr Sommerangebot in den Herbstferien wiederholen.

Die jeweiligen Lerngruppen hatten den Angaben zufolge im Schnitt sieben Schülerinnen und Schüler. 77 Prozent aller Angebote richteten sich an jüngere Kinder bis zur sechsten Klasse. 81 Prozent der teilnehmenden Schüler seien von ihrer Schule für die Lernferien angeworben worden, neun Prozent seien aus eigenem Antrieb gekommen. Das Lehrpersonal setzte sich laut Schulbehörde zu 42 Prozent aus Lehramtsstudenten, zu 37 Prozent aus Lehrkräften aus der schulischen Lernförderung, zu jeweils acht Prozent aus Kursleitern der Volkshochschule und externen Kursleitern sowie zu fünf Prozent aus pensionierten Lehrern zusammen.

20.08.2020 14.30 Uhr

Schweriner Bildungsministerium bietet nun auch kostenlose Tests für Mitarbeiter privater Schulen

Schwerin (cl) Nach heftigen Protesten aus dem Kreis der privaten Schulen hat das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schwerin nun eingelenkt. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von privaten Schulen dürfen nun kostenlos bis zu fünf Covid-19-Testungen vornehmen lassen. Ursprünglich hatte Ministerin Bettina Martin (SPD) dieses Angebot nur den Mitarbeitern öffentlicher Schulen gemacht. Damit hatte sich das Land in dieser Frage anders positioniert als andere Bundesländer, die auch private Schulen in das Testprogramm integriert hatten. Dies hatte bei Eltern und Schülern den Eindruck aufkommen lassen, dass der Ministerin den Gesundheitsschutz der Mitarbeiter, Schüler und Eltern an privaten Schulen nicht ganz so wichtig ist. Nachdem die Details mit der Kassenärztlichen Vereinigung geklärt werden konnten, wurde das Testprogramm nun, fast drei Wochen nach Schulbeginn, auch auf die privaten Schulen erweitert.

 

20.08.2020 09.05 Uhr

Schulleiter: Schulen brauchen einheitlichere Corona-Regeln

Eine Woche vor dem Schulstart in Sachsen-Anhalt hat der Verband der Schulleitungen das Corona-Schutzkonzept des Landes kritisiert. Es brauche stärkere einheitliche Vorgaben, zum Beispiel zur Maskenpflicht, sagte Verbandschefin Ines Petermann der Deutschen Presse-Agentur. Es werde große Diskussionen geben, weil es zu den richtigen Schutzmaßnahmen viele verschiedene Meinungen bei Eltern, Lehrkräften und Schülern gebe. «Die Telefone stehen jetzt schon nicht mehr still, weil die Eltern Fragen haben.»

Sachsen-Anhalt schreibt nur am ersten und zweiten Schultag eine Maskenpflicht auf dem Schulgelände vor, die aber nicht im Unterricht gilt. Danach sollen die Schulleitungen entscheiden, ob und wie die Pflicht in ihren Einrichtungen weiter gilt. Erster Schultag ist der 27. August.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) begründete die kurze einheitliche Pflicht damit, dass zunächst alle Kinder und Jugendlichen ein Formular zu ihrem Gesundheitszustand, zur möglichen Rückkehr aus Risikogebieten und zu Corona-Kontakten ausfüllen und zu den neuen Hygieneregeln belehrt werden sollen. Wer die Bögen nicht zurückgegeben hat, darf das Schulgelände nicht mehr betreten.

Aus Sicht der Schulleiter ist das schwierig umzusetzen. «Wir sind darauf angewiesen, dass Eltern uns die Wahrheit sagen und korrekt die Fragebögen ausfüllen», sagte Petermann. Eltern könnten die Auskunft verweigern, oder die Antworten könnten nicht bis Montag vorliegen. Die Schulen hätten eine Aufsichtspflicht, Schüler ohne ausgefülltes Formular dürfen aber laut Hygieneplan nicht auf dem Gelände sein.

20.08.2020 05.00 Uhr

Eisenmann: Auch im neuen Schuljahr wegen Corona keine Präsenzpflicht

Schüler, die in Baden-Württemberg wegen der Corona-Epidemie nicht in die Schule gehen wollen, dürfen auch im neuen Schuljahr ausschließlich zu Hause lernen. «Wir hatten zuletzt keine Präsenzpflicht für die Schülerinnen und Schüler. Stand heute haben wir das auch nicht für das kommende Schuljahr vorgesehen», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) der «Rhein-Neckar-Zeitung» (Donnerstag). «Die Schulpflicht gilt aber!»

Wer nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könne, der müsse zuhause den Unterrichtsstoff lernen und Aufgaben erledigen. Laut Kultusministerium lag vor den Sommerferien der Anteil der Schüler, die dem Unterricht fernblieben, weil sie selbst ein erhöhtes Risiko für einen besonders schlimmen oder tödlichen Verlauf einer Corona-Infektion haben oder in einem Haushalt mit einer gefährdeten Person leben, unter einem Prozent. Bei Lehrerinnen und Lehrern, die sich vom Präsenzunterricht befreien lassen wollen, gilt nach wie vor eine Attestpflicht.

19.08.2020 17.43 Uhr

Jetzt auch Maskenpflicht an Schleswig-Holsteins Schulen

Kehrtwende in Kiel: Künftig gilt auch in Schleswig-Holstein eine Maskenpflicht an den Schulen - aber nicht im Unterricht. Ministerin Prien hatte bisher nur eine dringende Empfehlung ausgesprochen. Jetzt reagiert sie auch auf einen Gerichtsbeschluss.

Kurskorrektur an der Förde im Kampf gegen das Coronavirus: Von Montag an wird auch in Schleswig-Holstein an den Schulen das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes Pflicht - die Klassenräume sind davon aber ausgenommen. Das verkündete Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch in Kiel. Sie machte deutlich, dass Schulen nach Inkrafttreten der jetzt geplanten Ermächtigung des Landes auch für den Unterricht eine Maskenpflicht anordnen können.

Bisher gibt es im Norden nur eine dringende Empfehlung, an den Schulen eine Maske zu tragen. Die Pflicht dazu gilt ab Montag für Schulhöfe, Gemeinschaftsräume und die Wege bis zum Klassenzimmer - überall dort, sich die Lerngruppen (Kohorten) durchmischen können. Die «dringende Empfehlung» im Norden galt bisher ab der 7. Klasse, nun kommt die Maskenpflicht für alle Jahrgänge. Auf Schulhöfen soll sie nur dort nicht gelten, wo die Lerngruppen räumlich voneinander getrennt werden können.

Vor Priens Erklärung hatte das Verwaltungsgericht in Schleswig entschieden, dass ein Kieler Schüler, der gegen das Tragen einer Maske im Unterricht Widerspruch eingelegt hatte, die Mund-Nasen-Bedeckung vorerst nicht aufziehen muss. Der Widerspruch habe aufschiebende Wirkung, weswegen die Verpflichtung ihm gegenüber vorläufig nicht durchgesetzt werden könne, stellte das Gericht am Mittwoch fest. Für andere Schülerinnen und Schüler hat die Entscheidung den Angaben zufolge keine unmittelbaren Auswirkungen. (Az.: 9 B 23/20)

Prien hatte direkt danach erklärt, der Beschluss des Verwaltungsgerichts werde ausgewertet. Bei ihrem Statement am Nachmittag in Kiel erklärte sie den Kurswechsel bei der Maskenpflicht nun mit der Gerichtsentscheidung. Mit diesem Beschluss trage die bisherige Regelung nicht, dass Schulen im Einzelfall von sich aus eine Maskenpflicht anordnen können. Deshalb schaffe das Land jetzt eine Ermächtigung dafür. Das Gericht habe deutlich gemacht, dass eine Maskenpflicht nur durch eine landesrechtliche Regelung umgesetzt werden könne.

Noch am vergangenen Freitag, nach der ersten Schulwoche, hatte die Ministerin eine Maskenpflicht als nicht geboten eingestuft. Die Erfahrungen der ersten Woche hätten gezeigt, dass der dringenden Empfehlung des Ministeriums in den Schulen weitestgehend gefolgt werde. Prien hatte aber auch erklärt, angesichts des weiteren Infektionsgeschehens eine mögliche Pflicht zu prüfen.

Die dringende Empfehlung werde an den Schulen im Land umgesetzt, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch. Die Eindämmung der Pandemie funktioniere im Land auch deshalb gut, weil die Menschen Verantwortung übernähmen. Prien rief dazu auf, auch am Donnerstag und Freitag die Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zu befolgen, also schon vor Inkrafttreten der geänderten Landesverordnung.

19.08.2020 15.35 Uhr

Gericht: Schüler muss vorerst keine Maske im Unterricht tragen

Ein Kieler Schüler will im Unterricht keine Maske tragen und klagt dagegen. Ein Gericht entscheidet, dass er dies vorläufig nicht muss. Das Bildungsministerium wertet den Beschluss nun aus.

Ein Kieler Schüler, der gegen das Tragen einer Maske im Unterricht Widerspruch eingelegt hat, muss die Mund-Nasen-Bedeckung vorerst nicht aufziehen. Der Widerspruch habe aufschiebende Wirkung, weswegen die Verpflichtung ihm gegenüber vorläufig nicht durchgesetzt werden könne, stellte das Verwaltungsgericht in Schleswig am Mittwoch fest. Für andere Schülerinnen und Schüler hat die Entscheidung den Angaben zufolge keine unmittelbaren Auswirkungen. (Az.: 9 B 23/20)

In Schleswig-Holstein gibt es die Empfehlung, Masken auch im Unterricht zu tragen. Das Gericht hatte die im Hygienekonzept der Schule enthaltene Verpflichtung, eine entsprechende Bedeckung zu benutzen, als Verwaltungsakt eingestuft. Die Verpflichtung greife in relevanter Weise in das Grundrecht der Schüler auf allgemeine Handlungsfreiheit ein.

Gegen diesen Verwaltungsakt habe der Schüler Widerspruch eingelegt, dem kraft des Gesetzes aufschiebende Wirkung zukomme, hieß es. Zu der Frage, ob die Anordnung der Maskenpflicht und der damit verbundene Grundrechtseingriff selbst rechtmäßig, insbesondere verhältnismäßig sei, äußerte sich das Gericht nicht. Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt werden.

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte, der Beschluss des Verwaltungsgerichts werde derzeit ausgewertet. «Wir werden nun umgehend beraten, wie eine etwaige Änderung der Rechtsgrundlage aussehen könnte, um verbindliche Regeln zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung im Schulbereich zu ermöglichen.» Dass Regierungshandeln von Gerichten überprüft werde und Rechtsgrundlagen daraus resultierend weiterentwickelt würden, «ist im Übrigen nicht nur während der Coronapandemie eine Stärke unseres demokratischen Systems».

19.08.2020 05.40 Uhr

Plötzlich digital: Wie Corona das schulische Lernen verändert hat

«Alles eher analog als digital» - so erlebt eine Lehrerin auf dem Land den Schulalltag. Doch die Corona-Krise zwang die Schulen dazu, Neues auszuprobieren, Videokonferenzen zum Beispiel. Wie digital ist Schule inzwischen?

Schulhefte gibt es nicht mehr, dafür tippen alle auf ihren Laptops oder Tabletcomputern. Statt der Kreidetafel steht ein riesiger Bildschirm im Klassenzimmer. Und Schüler wie Lehrer können jederzeit online gehen, mit Breitbandinternet. Könnte so das Lernen der Zukunft aussehen? Vielleicht. Viele Schulen stehen bei der Digitalisierung des Lernens erst am Anfang. Doch Corona habe da sicherlich einen Schub gebracht, glaubt Benedikt Karl vom Bayerischen Philologenverband (bpv). Nicht nur, weil nun Geld fließen soll. Es streite jetzt auch niemand mehr ab, dass eine gute technische Ausstattung wichtig sei.

Dabei ging es Mitte März mit einem Riesenchaos los, als die Kinder plötzlich von zu Hause aus lernen sollten. Die Lernplattform Mebis brach zusammen und Eltern wurden mit Arbeitsaufträgen für ihre Kinder regelrecht überschüttet, per E-Mail, per Handychat oder übers Elternportal. Ihre Aufgabe: Die Massen an Arbeitsblättern sichten, ausdrucken und verteilen. Bald reifte die Erkenntnis: So kann es nicht weitergehen.

«Die Schulen haben alle gelernt, dass digitales Lernen mehr ist, als ab und zu eine PDF-Datei auf einer Lernplattform bereit zu stellen», hat Matthias Ehmann vom Kompetenzzentrum für digitales Lehren und Lernen der Universität Bayreuth beobachtet. So holten Lehrer ihre Schüler per Videokonferenz in virtuelle Klassenzimmer, andere drehten Erklärvideos oder ließen die Kinder in digitalen Räumen gemeinsam an Projekten arbeiten. Viele waren sehr kreativ, zur Freude der Jugendlichen. «Schüler, die im Präsenzunterricht sich nicht so zu Wort melden oder ihren Job nicht so erledigen, waren sehr motiviert auf der digitalen Ebene», berichtet Claudia Sanders, Rektorin der Mittelschule Oberhaching. «Wir sollten dieses Pflänzchen der Digitalisierung, das da durch Corona gewachsen ist, weiter pflegen», findet Ehmann.

Die Staatsregierung kündigte Ende Juli den «Digital-Turbo» an: Knapp eine halbe Milliarde Euro in den kommenden Jahren unter anderem für eine zentrale Bayern-Cloud, eine Schul-Videoplattform, ein Schul-Rechenzentrum, zusätzliche Leihgeräte für Schüler und Lehrer und neue IT-Systemadministratoren. Das Kultusministerium verwies auf eine Fortbildungsoffensive, die seit gut einem Jahr läuft. Darin lernten Lehrer etwa, wie sie Medien sinnvoll beim Lernen einsetzen könnten. Für Christian Seyferth-Zapf, ebenfalls vom Bayreuther Kompetenzzentrum, ist aber noch mehr notwendig. Man müsse das systematisch in der Lehramts-Ausbildung verankern, flächendeckend.

Doch wofür das alles? Einer der wichtigsten Vorteile des Lehrens mit digitaler Technik ist für Jürgen Böhm die schnelle Verfügbarkeit von Wissen. Der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv) nennt als Beispiel sein Fach Geschichte. Im Internet gebe es ein Riesenrepertoire an Informationen. «Das hätte früher Jahre gedauert, das in Bibliotheken zu recherchieren», sagt Böhm. Heute liegt die Herausforderung woanders: Es ist «die Kunst des Filterns», wie Böhm es nennt. Was sind Fake News? Welcher Quelle kann ich vertrauen? «Für die Schüler ist das nicht einfach», weiß der Pädagoge. «Für diese Welt müssen wir unsere Kinder fit machen.» Auch die Fähigkeit, an einem Projekt digital zusammenzuarbeiten, müsse man den Jugendlichen mitgeben.

Doch das Digitale ist nicht alles, warnen Experten. Wer nur mit Tablets oder anderen Geräten arbeite, verbaue sich als Lehrer ganz viele Möglichkeiten, findet Ehmann. Er spricht vom «Lernen mit allen Sinnen». Vokabeln mit einem Stift notieren oder das 3-D-Modell eines geometrischen Körpers mit den Händen erkunden - so etwas werde im Gehirn anders verarbeitet. Auch für Benedikt Karl ist die digitale Technik kein Allheilmittel sondern nur eine Hilfe. «Wahrscheinlich ist es die Mischung», glaubt Karl. Und Böhm propagiert: «Jemand, der digital arbeitet, muss rechnen, schreiben, lesen können. Die analogen Grundtechniken sind wichtig».

Genau diese Grundlagen vermittelt eine Grundschullehrerin aus dem Chiemgau. Während der Schulschließung betreute sie ihre Erstklässler aus der Ferne, merkte aber schnell: «Gerade die Kleinsten brauchen einfach noch bei vielen Dingen Hilfe und Unterstützung». Da habe der persönliche Kontakt einen besonders hohen Stellenwert.

Und noch etwas bekam sie zu spüren - die schlechte Internetversorgung auf dem Land. «Glasfaser gibt es noch nicht überall.» Zudem seien einige Schüler nur über das Handy der Eltern ins Internet gekommen, andere hatten keinen Drucker. So fuhr sie kurzerhand bei einigen Schülern vorbei und brachte ihnen das Arbeitsmaterial. «Hier war mir vor allem der, zumindest kurze, Kontakt wichtig, um ein wenig auszuloten, wie denn die Lage tatsächlich ist», sagt die Pädagogin. «Also alles eher analog als digital.»

19.08.2020 01.00 Uhr

Kultusminister Tonne warnt Lehrer vor Reisen in Risikogebiete

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat Lehrer ausdrücklich davor gewarnt, in Corona- Risikogebiete zu reisen. «Wenn Lehrkräfte sich zu Beginn ihrer Reise wissentlich in ein Risikogebiet begeben, dann tragen sie das Risiko und die Konsequenzen selber», sagte der SPD-Politiker der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (NOZ). «Das kann zum Beispiel zum Verdienstausfall führen, wenn Quarantänemaßnahmen notwendig sind und nicht aus dem Homeoffice gearbeitet werden kann.»

Mit Blick auf eine Maskenpflicht im Unterricht zeigte sich Tonne weiter skeptisch. «Es gibt nach meiner festen Überzeugung sehr seriöse Argumente gegen die Maske im Klassenzimmer.» An ganz vielen Stellen sei man in der Schule darauf angewiesen, Mimik zu sehen. Im Deutsch- oder Fremdsprachenunterricht zum Beispiel sei es wichtig, das ganze Gesicht zu sehen.

«Nonverbale Kommunikation ist sehr wichtig in der Schule. Wie das mit Maske sinnvoll gehen soll, weiß ich nicht», argumentierte Tonne. «Bei sommerlichen Temperaturen fünf, sechs oder mehr Stunden mit Maske in einem Klassenraum zu sitzen und sich dabei auf den Unterricht zu konzentrieren ist – um das mal vorsichtig auszudrücken – eine große Herausforderung.» Er glaube, dass das Lernen mit Maske «schwierig bis unmöglich» sei. Unterricht mit Mund-Nasen-Schutz könne allenfalls eine «kurzfristige Notlösung» sein.

18.08.2020 03.30 Uhr

Kabinett berät Corona-Regeln für Schulen - Minister nur per Video da

Nach drei Wochen Pause kommt in Magdeburg wieder das schwarz-rot-grüne Kabinett zusammen, um über die Corona-Regeln für das neue Schuljahr zu diskutieren. Bei den Beratungen am Dienstag wird der zuständige Bildungsminister Marco Tullner (CDU) aber wegen anderer Corona-Regeln nicht anwesend sein, sondern per Video zugeschaltet, wie Regierungssprecher Matthias Schuppe sagte. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme. Tullner sei gerade erst aus einem Mallorca-Urlaub zurückgekehrt.

Die Insel wurde wegen der Zahl der Corona-Fälle zuletzt zum Risikogebiet erklärt. Zwar sei der erste Test nach Tullners Rückkehr negativ ausgefallen, so der Regierungssprecher. Doch die Inkubationszeit betrage mehrere Tage. Auf Empfehlung des Pandemiestabs der Landesregierung solle Tullner zur Sicherheit in wenigen Tagen einen zweiten Test machen und der Kabinettssitzung fernbleiben. «Damit umgehen wir ein gewisses Risiko», sagte Schuppe.

Im Anschluss an die Kabinettssitzung (14.00 Uhr) soll Tullner auch der Öffentlichkeit sein Hygienekonzept für die Schulen präsentieren. Dafür werde er ebenfalls per Video zugeschaltet, hieß es.

In Sachsen-Anhalt sind noch bis zum 27. August Sommerferien. Bisher ist geplant, dass alle Jahrgänge danach wieder täglichen Unterricht in voller Klassenstärke bekommen. Unklar ist bisher, welche Regeln dann gelten sollen. So hat Nordrhein-Westfalen beispielsweise eine Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse eingeführt, die auch während des Unterrichts gilt. Anderswo sind die Masken nur außerhalb der Klassenräume Pflicht.

17.08.2020 18.00 Uhr

Minister appelliert an Schüler: Schulschließungen vermeiden helfen

Maske, Händewaschen, Einbahnstraßensysteme: Das neue Schuljahr hat in Hessen begonnen - und alles steht unter dem Zeichen der andauernden Corona-Pandemie. Dennoch: manche Herausforderungen scheinen leichter.

Manches ist wie immer, als Englischlehrerin Katrin Liesegang das Klassenzimmer «ihrer» 8b betritt: Der Lärmpegel, der am Montag aus den geöffneten Türen in die Schulkorridore dringt, die Aufregung am Beginn eines neuen Schuljahres, wenn sich alle nach den Sommerferien wieder sehen. Und gleichzeitig ein weiteres Schuljahr, das von der andauernden Corona-Pandemie überschattet bleibt.

Die Schülerinnen und Schüler der 8b am Privatgymnasium Dr. Richter in Kelkheim sind, wie vorgeschrieben, alle mit Mund-Nase-Bedeckung ins Schulgebäude gekommen und haben erst am Platz ihre Masken abgenommen. Die Fenster stehen weit offen, und auf viel frische Luft werde nun während des Unterrichts besonders Wert gelegt, erläutert Liesegang ihren 20 Schülern.

Die kleine Willkommensansprache an die Klasse ist geprägt von den Schutzmaßnahmen: «Das ist ähnlich wie im Restaurant», verdeutlicht sie noch einmal: Wer sich im Klassenraum bewege, müsse Maske tragen, am Platz darf sie dann abgenommen werden. «Das Einbahnstraßensystem behalten wir auch nach den Ferien bei», betonte Liesegang. Häufiges Händewaschen sei eh selbstverständlich.

Schulleiterin Marion Polydore und ihr Kollegium haben einiges versucht, damit die Schüler möglichst nur innerhalb ihrer Klassen Kontakte haben. Doch bei klassenübergreifendem Fremdsprachen- oder Religionsunterricht mussten dann doch noch Lösungen gefunden werden, die «nur» das gemeinsame Lernen von Schülern aus jeweils zwei Klassen vorsehen. «Es war ein Puzzlespiel ohne Ende», räumt Polydore ein.

Trotzdem blickt sie optimistisch in das neue Schuljahr: Manches sei doch im Vergleich zu Beginn der Pandemie entspannter geworden. «Jetzt ist es viel leichter, Masken oder Plexiglasscheiben zu bekommen.» Die Zeit des Abiturs unter Corona-Bedingungen habe sie als viel schlimmer empfunden.

Das Wiederholen der Corona-Regeln wird nicht nur an der Schule in Kelkheim geprobt. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat zum Start ins neue Schuljahr an die Vernunft der Schülerinnen und Schüler appelliert, die Corona-Regeln einzuhalten. Die Zeit vor den Sommerferien habe gezeigt, wie diszipliniert sich die überwältigende Zahl der Kinder und Jugendlichen verhalten habe, erklärte er bei einem Schulbesuch in Wiesbaden am Montag. «Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns auch im neuen Schuljahr auf sie verlassen und erneute Schulschließungen wie im März hoffentlich vermieden werden können.»

Hessen arbeite mit Hochdruck daran, die Schulen auf das digitale Lernen vorzubereiten, jedoch könne kein technisches Hilfsmittel den direkten Austausch in der Klasse vollständig ersetzen, betonte Lorz. Die Gesamtschülerzahl liegt im Schuljahr 2020/21 an den 1795 öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen bei 760 500, darunter 55 600 Erstklässler. Es stehen rund 55 470 Lehrerstellen und damit 770 mehr als zu Beginn des vergangenen Schuljahres zur Verfügung.

Auf Schulgeländen in Hessen muss bis zum Betreten des Klassenraums ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die 1,5-Meter-Abstand-Regel gilt zwischen Lehrern, Schülern und Betreuern im Unterricht nicht mehr. Der Mindestabstand soll jedoch beispielsweise bei Konferenzen oder Schulveranstaltungen nach wie vor eingehalten werden.

Landesschulsprecher Paul Harder sprach von einem Schulstart, der trotz Corona-Bedingungen «relativ normal» verlaufen sei. Es habe zwar «Maske auf, Abstand halten, Hände desinfizieren» gegolten. Ansonsten habe es nichts Besonderes gegeben. Corona sei in den Klassenzimmern ein Thema unter vielen gewesen.

Der Vorstandsvorsitzende des Landeselternbeirats, Korhan Ekinci, berichtete von einzelnen Beschwerden von Eltern aus Nordhessen oder aus dem Kreis Groß-Gerau, weil Schulen für die Klassenräume Maskenpflicht angeordnet hätten. «Die Diskussion um den Mund-Nasen-Schutz ist in vollem Gange.»

Dass etwa in Teilen des Kreises Groß-Gerau auch während des Unterrichts eine Alltagsmaske zu tragen ist, begründete Landrat Thomas Will (SPD) mit den zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen im nördlichen Teil des Kreises. Die Anordnung gilt zunächst bis Ende August für Schulen in Rüsselsheim am Main, Raunheim, Kelsterbach, Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg.

Dass eine Debatte über Alltagsmasken läuft, bestätigt auch die Kelkheimer Schulleiterin Polydore: «Die Erwartungen gehen 180 Grad auseinander - manche Schüler oder Eltern haben Angst, andere wollen so viel Normalität wie möglich.» In der Klasse 8b sind vielleicht nicht alle begeistert von den Masken - aber alle Schüler halten die Maßnahmen für vernünftig, auch um andere zu schützen. «Das ist jetzt halt so», sagt ein Schüler. Ein anderer findet es am wichtigsten, jetzt wieder an der Schule Freunde sehen zu können.

Denn da die Schüler in Lerngruppen aufgeteilt wurden, haben viele die andere Hälfte ihrer Klasse seit Ostern nicht gesehen. Dass nun mit dem gemeinsamen Start ins neue Schuljahr wieder alle im gleichen Klassenzimmer sitzen, sieht Klassenlehrerin Liesegang mit Erleichterung: «Das ist ganz wichtig, damit die Klassengemeinschaft nicht auseinander reißt.»


17.08.2020 16.58 Uhr

Kreis Groß-Gerau ordnet Maskenpflicht im Unterricht an

In Teilen des Landkreises Groß-Gerau müssen Lehrer und Schüler auch während des Unterrichts eine sogenannte Alltagsmaske wegen der Corona-Pandemie tragen. Landrat Thomas Will (SPD) begründete die Anordnung am Montag mit den zuletzt stark gestiegenen Corona-Infektionszahlen im nördlichen Teil des Kreisgebiets. «Für Schulen in Rüsselsheim am Main, Raunheim, Kelsterbach, Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg besteht die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasenbedeckung auch für den Präsenzunterricht im Klassen- oder Kursverband», teilte der Kreis mit. Ein Sportunterricht dürfe nicht stattfinden.

Die Regelung gilt zunächst bis Ende August. Das neue Schuljahr hatte am Montag in Hessen nach Ende der Sommerferien begonnen. Landesweit gilt, dass Schüler und Lehrer auf dem Schulgelände eine Maske tragen müssen, sie während des Unterrichts aber ablegen können. Kommunen können die Regelung aber verschärfen, wenn es die Ansteckungszahlen erforderlich machen. Auch den übrigen Schulen im Kreisgebiet werde dringend empfohlen, dass Schüler wie Lehrer eine Mund-Nasenbedeckung auch während des Unterrichts tragen, erklärte die Behörde.

Der Kreis Groß-Gerau kommt nach Angaben des hessischen Sozialministeriums derzeit auf 22 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen (Stand: 17. August). Vor allem Reiserückkehrer haben der Kreisbehörde zufolge zuletzt für einen Anstieg gesorgt. Die Infektionsfälle seien im Kreis ungleich verteilt und in einigen Kommunen stark erhöht. Landrat Thomas Will (SPD) kritisierte das Kultusministerium in Wiesbaden deutlich: «Ich habe schon vor den Ferien darauf hingewiesen, dass der pauschale Unterrichtsbeginn mit allen Kindern zur gleichen Zeit uns Probleme machen wird, aber darauf wollte man ja im Kultusministerium nicht hören.»

17.08.2020 16.25 Uhr

Schulleiter wegen Widerstands gegen Maskenpflicht suspendiert

Das Brandenburger Bildungsministerium geht konsequent gegen einen Schulleiter vor, der sich der Maskenpflicht in seiner Grundschule widersetzt hat. Er steht mit seiner Haltung jedoch keineswegs allein.

Das Brandenburger Bildungsministerium hat einen Schulleiter vom Dienst suspendiert, der sich der Maskenpflicht in seiner Rathenower Grundschule widersetzt hatte. Der Mann habe vergangenen Mittwoch in einem Brief an die Eltern erklärt, dass er sich an diese rechtliche Vorgabe nicht gebunden fühle, teilte das Ministerium am Montag mit. «Damit handelte er eindeutig rechtswidrig.» Seit Montag werde die Verordnung zur Maskenpflicht in Innenräumen - außer im Unterricht - auch an der Grundschule in Rathenow (Havelland) umgesetzt.

Zudem habe der Schulleiter vor Mitarbeitern des Schulamtes erklärt, dass er sich an die Weisung seines Dienstvorgesetzten nicht gebunden und seinem Eid als Beamter nicht mehr verpflichtet fühle, erklärte das Ministerium. Daher sei ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet worden. Die Dienstgeschäfte habe bis auf Weiteres die stellvertretende Schulleiterin übernommen.

Am Montag demonstrierten mehrere Dutzend Menschen vor der Grundschule gegen die Suspendierung des Schulleiters. Weil die Kundgebung nicht angemeldet gewesen sei, habe die Polizei am Montag Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz aufgenommen, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion West.

Der Städte- und Gemeindebund sprach von einem Einzelfall. Der Verband appellierte aber an die Eltern im Land, ihre Kinder für den Schulbesuch mit Masken auszurüsten. Es gebe eine größere Zahl von Eltern, die sich der Maskenpflicht für ihre Kinder verweigerten, sagte Vizepräsident Thomas Zenker am Montag. «Nach der Verordnung müssten wir die Kinder ohne Masken nach Hause schicken», mahnte er. «Weil wir das aber nicht wollen, haben Schulträger bereits Masken für diese Schüler besorgt.»

Geschäftsführer Jens Graf appellierte an alle Beteiligten, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein. Der Gemeindebund halte es für richtig, dass die Schulen wieder zum normalen Unterricht zurückgekehrt seien. «Dabei müssen sich alle dafür einsetzen, dass die Regeln eingehalten werden», betonte er. «Der Schulstart hat auch mit einigem Ruckeln gut geklappt.»

17.08.2020 15.02 Uhr

Regelmäßige Corona-Gurgeltests an Österreichs Schulen geplant

Ein Corona-Abstrich tief in der Nase ist eine eher unangenehme Sache. Doch es gibt Alternativen. Österreich lässt nun 15 000 Schüler gurgeln.

Corona-Tests mit Gurgelwasser bei Schülern und Lehrern sollen in Österreich ab Herbst einen Überblick über die Infektionslage an Schulen liefern. Eine repräsentative Gruppe von 15 000 Schülerinnen und Schülern und 1200 Lehrkräften an 250 Schulen soll alle drei Wochen getestet werden, um auch symptomfreie Fälle zu erfassen, wie Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Montag in Wien ankündigte. Dabei wird für die Tests statt des bislang üblichen Rachenabstrichs ein Gurgelverfahren benutzt, das von Forschern in Wien entwickelt und im Frühsommer getestet wurde.

Dabei muss eine Minute lang mit einer speziellen Salzlösung gegurgelt werden, damit wie bei einem Abstrich Partikel aus dem Rachen hängen bleiben. Die Probe wird anschließend in einem Labor auf Virenerbgut analysiert. Nach Angaben der Forscher können zehn Proben auf einmal getestet werden. Fällt der Befund positiv aus, werden die Proben nochmal einzeln analysiert.

In einer Pilotstudie im Frühjahr, bei der 5100 Schüler und Lehrer in Wien getestet wurden, habe das Gurgeln vergleichbare Ergebnisse wie der Rachenabstrich geliefert, sagte der Mikrobiologe und Studienleiter Michael Wagner von der Universität Wien. Das Gurgeln sei deutlich angenehmer und für Kinder beherrschbar: Selbst unter den Erstklässlern lieferten 80 Prozent demnach perfekte Proben.

Ein Testverfahren mit Gurgellösung prüft in Deutschland derzeit auch etwa die Stadt Köln. Falls sich das Verfahren als so zuverlässig wie der Abstrich erweise, solle das Gurgeln in Köln weitgehend den unangenehmeren Nasen-Rachenabstrich ersetzen, kündigte das dortige Gesundheitsamt an. Das Robert Koch-Institut (RKI) äußerte sich bezüglich der Methode zunächst zurückhaltend. «Die Sensitivität wird in der Regel als geringer eingeschätzt als bei einem guten Abstrich», sagte eine RKI-Sprecherin am Freitag dem «Tagesspiegel».

Das Monitoringprogramm in Österreich sei als Ergänzung der klassischen Tests durch die Gesundheitsbehörden angedacht, betonte Bildungsminister Faßmann. Die Schulen in Österreich sollen Anfang September im Regelbetrieb starten. Ein geplantes vierstufiges Ampel-Warnsystem soll dann in einzelnen Regionen je nach Infektionslage bestimmte Maßnahmen wie Maskenpflicht im Schulgebäude oder eine Rückkehr zu Heimunterricht auslösen.

17.08.2020 11.45 Uhr

Kein weiterer Schüler in Potsdam mit dem Coronavirus infiziert

Nach der Corona-Infektion eines Schülers im Potsdamer Montessori-Schulzentrum ist dort kein weiterer Schüler positiv getestet worden. Die Stadtverwaltung korrigierte am Montag eine anderslautende Meldung vom Wochenende. Vielmehr habe es sich um eine positiv getestete Person aus dem privaten Umfeld des Schülers gehandelt, berichtete die Stadt. Die Test aller 19 weiteren Kontaktpersonen waren negativ ausgefallen.

Auch in der Marienschule im Stadtteil Babelsberg war ein Schüler vergangene Woche positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Tests aller 52 Kontaktpersonen seien aber negativ ausgefallen, hatte die Stadt am Sonntag berichtet.

17.08.2020 09.33 Uhr

Keine Strafen für Lehrer bei Corona-Verstößen

Lehrer in Niedersachsen müssen kein Bußgeld bei Verstößen gegen Corona-Auflagen befürchten. Es werde keinen Bußgeldkatalog der Landesregierung «unter Aufnahme des Schulbereiches» geben, schrieb Kultus-Staatssekretärin Gaby Willamowius in einem Brief an die Lehrer im Land. Zuvor hatte die «Neue Osnabrücker Zeitung» berichtet. «Wir wissen, dass Sie Ihre Aufgaben äußerst verantwortungsvoll wahrnehmen – das hat sich gerade in dieser schwierigen Zeit gezeigt», schrieb sie. Die Landesregierung setze darauf, dass die Lehrer ihrer «Verantwortung zur Durchsetzung der notwendigen Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus auch weiterhin gerecht werden».

Derzeit wird eine Neufassung des Bußgeldkataloges im Zusammenhang mit Niedersachsens Corona-Verordnung erarbeitet. Kürzlich hatte das Gesundheitsministerium eine Neufassung angekündigt, die für Maskenverstöße deutlich höhere Sanktionen vorsehe - wie auch in Nordrhein-Westfalen soll bei Verstößen in Bussen und Bahnen ein Bußgeld von 150 Euro kassiert werden. Bislang sah der Bußgeldkatalog für Maskenverweigerer in Niedersachsen 20 Euro Strafe vor, die konkrete Höhe liegt aber im Ermessen der örtlichen Behörden.

16.08.2020 13.33 Uhr

Karliczek: Arbeit darf für Lehrer nicht zum Risiko werden

Lehrer aus Corona-Risikogruppen sollten nach den Worten von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in der Pandemie nicht unzumutbaren Belastungen ausgesetzt werden. «Wichtig für jeden Arbeitgeber ist, auf die Gesundheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu achten», mahnte Karliczek in der «Welt am Sonntag». «Wir brauchen die Kompetenz aller Lehrerinnen und Lehrer. Dabei müssen wir sicherstellen, dass die Arbeit für sie nicht zu einem persönlichen Risiko wird.» Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie weiter: «Das tun wir in der Bundesregierung, und das tun die Länder in ihrer Zuständigkeit.»

Die CDU-Politikerin war auf einen Konflikt um die Ablehnung vieler Atteste angesprochen worden, der in Schleswig-Holstein zwischen Regierung und Lehrerschaft ausgetragen wird. Deren Gewerkschaft GEW wirft der Kieler Bildungsministerin Karin Prien (CDU) einen «hartherzigen Kurs» vor, der betroffene Lehrkräfte in den Präsenzunterricht zwinge. 2000 der 28 000 Lehrkräften in Schleswig-Holstein hatten ein Attest vorgelegt, das sie als Angehörige einer Risikogruppe ausweist. «Die Betriebsärztin hat bis auf 100 Fälle alle rigide abgebürstet - aus unserer Sicht ohne ausreichende Einzelfallprüfung. Das ist völlig inakzeptabel», sagte GEW-Landesgeschäftsführer Bernd Schauer der «Welt am Sonntag». Gegen die Entscheidung liefen zehn Klagen.

Ministerin Prien weist die Vorwürfe zurück. Für Lehrkräfte gelte wie für alle Landesbediensteten: «Es kommt immer nur auf die individuelle Risikobewertung an. An einer Zivilisationskrankheit wie Übergewicht oder Asthma zu leiden, begründet abstrakt noch kein besonderes Schutzbedürfnis. Übrigens ja auch nicht bei Verkäufern im Supermarkt oder in der Industrie», sagte Prien der Zeitung.

 

 

 

 

 

16.08.2020 05.00 Uhr

Nachhilfeschulen rechnen mit größerer Nachfrage im neuen Schuljahr

Trotz vorübergehender Schulschließungen haben Nachhilfeschulen zunächst nicht von Einschränkungen im Schulbetrieb wegen der Corona-Pandemie profitieren können. «Im Gegenteil ist die Nachfrage nach Nachhilfe seit der Corona-Pandemie gesunken», sagte die Vorsitzende des Bundesverbands Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN), Cornelia Sussieck. Der Verband sowie der große Nachhilfe-Anbieter Studienkreis rechnen aber damit, dass es im neuen Schuljahr bald einen größeren Bedarf geben wird.

Eine bundesweite Umfrage bei den VNN-Mitgliedern habe ergeben, dass die Nachhilfe während und nach dem Lockdown um 60 Prozent eingebrochen sei, sagte Sussieck. Viele Nachhilfeschulen hätten Online-Unterricht angeboten, der von den meisten Schülern auch angenommen worden sei. Neue Schüler hätten sich aber nicht angemeldet. Sussieck vermutet: «Verständnis- und Lernlücken sind in den letzten Wochen wegen der Schulschließungen nicht aufgefallen. Außerdem waren die Belastungen für Eltern und Schüler durch die Umstellung auf Online-Unterricht und das Homeschooling so groß, dass die Eltern keine zusätzliche Online-Beschulung wollten.»

Auch der Anbieter Studienkreis habe mit Online-Unterricht reagiert und dafür 6000 Nachhilfelehrer geschult, sagte der Sprecher Thomas Momotow. Die zusätzliche Nachfrage sei jedoch zunächst gesunken. «Die Zurückhaltung am Markt hing sicherlich zum einen mit der allgemeinen Verunsicherung in der Bevölkerung darüber zusammen, wie es persönlich mit jedem Einzelnen – vor allem ökonomisch - weitergeht und zum anderen damit, welche Relevanz Noten für das verbleibende Schuljahr überhaupt haben würden.» Ab Juni habe sich die Nachfrage langsam erholt, nun während der Sommerferien bewege sie sich in Richtung Vorjahresniveau.

Studienkreis-Sprecher Momotow sagte, der Anbieter erwarte nach dem Schulstart einen deutlichen Anstieg der Nachfrage. Eine Befragung von Nachhilfe-Interessenten habe ergeben, dass viele Eltern glaubten, bei ihrem Kind seien durch den Unterrichtsausfall Lücken entstanden und die Schule schaffe es nicht, diese Homeschooling-Lücken schnell aufzuarbeiten. Auch der VNN rechnet laut der Vorsitzenden Sussieck damit, «dass sich die Nachfrage erhöht, wenn die ersten Klassenarbeiten geschrieben werden und dadurch Verständnis- und Lernlücken deutlich werden.»

14.08.2020 17.41 Uhr

Prien: 98 Prozent der Schulen ohne Corona-Beeinträchtigungen

Über 98 Prozent der Schulen arbeiten in Schleswig-Holstein ohne Beeinträchtigungen - Bildungsministerin Prien sieht den Start ins neue Schuljahr damit weitgehend gelungen. Perfekt ist der Ablauf aber nicht.

Nach der ersten Unterrichtswoche hat sich Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) zufrieden mit dem Start ins neue Schuljahr unter Corona-Bedingungen gezeigt. Über 98 Prozent der Schulen im Land hätten ohne Beeinträchtigung arbeiten können, sagte Prien am Freitag in Kiel. Stand Freitag gäbe es 14 Schulen, in denen einzelne Schülergruppen (Kohorten) wegen Corona-Fällen oder Corona-Verdachtsfällen vorsorglich nicht im Präsenzunterricht unterrichtet werden. In den meisten anderen Fällen sei die Kohorte schon nach einem Tag wieder zurück in die Schule gekehrt. Am Vortag waren noch 16 Schulen betroffen gewesen.

Eine Maskenpflicht hält Prien weiterhin für nicht geboten. Die Erfahrungen der ersten Woche hätten gezeigt, dass der dringenden Empfehlung des Ministeriums in den Schulen weitestgehend gefolgt werde. Sowohl auf den Schulhöfen und Laufwegen, als auch bei den älteren Schülerinnen und Schülern im Unterricht. Dennoch werde man das Infektionsgeschehen im Blick behalten und auch prüfen, ob zu einem späteren Zeitpunkt eine Pflicht notwendig wird. «Die größte Gefahr für den Präsenzunterricht an Schulen ist die Sorglosigkeit», sagte Prien. Viel hänge von der Zusammenarbeit der Schulen mit den Gesundheitsbehörden vor Ort ab. «Einige Abläufe müssen sich dabei auch erst noch im Schulalltag einspielen», räumte die Ministerin ein.

Wichtig sei jedoch weiterhin die Einzelverantwortung aller in den Schulen. «Wir haben in dieser Woche einige Fälle erlebt, in denen Kohorten vorsorglich nach Hause geschickt wurden. Das zeigt aber nur, dass unsere Routinen des Corona-Reaktionsplanes funktionieren und sich an den Schulen bewähren», sagte Prien.

Der englische Begriff «Hammer and Dance» treffe es gut. Die Schulschließungen seien der Hammer gewesen. «Jetzt sind wir im Tanz und wir bewegen uns einen Schritt vor, einen Schritt zur Seite und auch mal einen Schritt zurück, um möglichst viel Präsenzunterricht für möglichst viele Schülerinnen und Schüler umzusetzen.» Bestehende Pläne und Reaktionsroutinen würden überprüft und der Infektionslage angepasst. «Gleichzeitig arbeiten wir mit Hochdruck daran, die Digitalisierung von Schule weiter voranzutreiben.»

14.08.2020 16.50 Uhr

Schulleiter wendet sich gegen Maskenpflicht - Schulamt schreitet ein

Das Schulamt Neuruppin hat einen Schulleiter gestoppt, der sich in einem Schreiben an die Eltern gegen die Maskenpflicht in seiner Grundschule in Rathenow (Havelland) gewandt hatte. Dies bestätigte das brandenburgische Bildungsministerium am Freitag auf Anfrage.

«Die Maskenpflicht wird auch in der Jahn-Grundschule in Rathenow, so wie in der Umgangsverordnung des Landes Brandenburg vorgesehen, umgesetzt», stellte Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld klar. Darüber seien die Eltern in einem Schreiben der stellvertretenden Schulleiterin am Freitag informiert worden.

«Das versandte Schreiben vom 12.08.2020 entspricht nicht den rechtlichen Bestimmungen und wird damit zurückgezogen», erklärte Grönefeld mit Blick auf den Vorstoß des Schulleiters. Zuerst hatte die «Märkische Allgemeine» (online) berichtet. Zu möglichen Konsequenzen für den Schulleiter wollte sich die Sprecherin nicht äußern.

14.08.2020 08.59 Uhr

Schülersprecher: Brauchen mehr Geld für Hygienemaßnahmen

Nach Meinung des Landesschülersprechers Richard Gamp brauchen die Berliner Schulen gerade in der Corona-Krise eine bessere Ausstattung. Schüler und Eltern müssten stärker in die Erarbeitung von Konzepten einbezogen werden, sagte er am Freitagmorgen im rbb-Inforadio. Es müsse deutlich mehr Geld für Hygienemaßnahmen und besser ausgearbeitete Notfallkonzepte geben.

Wenn man wolle, dass Schüler besonders oft Hände waschen, brauche man entsprechende Sanitärmöglichkeiten, sagte Gamp. Wenn man wolle, dass Tische desinfiziert werden, brauche man Desinfektionsmittel. Auch die Bildungsgewerkschaft GEW hatte zuletzt eine Milliarde Euro Soforthilfen für Schulen gefordert, um zum Beispiel auch Personal einzustellen und zusätzliche Räume zu schaffen.

Die ersten Berliner Schulen hatten kurz nach Schulstart auf Corona-Infektionen reagieren müssen. An acht Schulen waren bis Donnerstagabend positive Tests bekannt, ein Gymnasium wurde vorsorglich geschlossen.

In Berlin gilt eine Maskenpflicht in Schulgebäuden, aber nicht während des Unterrichts. Schülersprecher Gamp findet die Regelung richtig. Im Unterricht solle man darauf achten, Abstand zu halten, regelmäßig zu lüften und Kontaktflächen zu desinfizieren. «Aber im Unterricht sollte meiner Meinung nach - wenn möglich - die Maske abgesetzt werden dürfen, weil es doch sehr, sehr unangenehm wird und das Lernen deutlich erschwert für die Schülerinnen und Schüler.»

14.08.2020 07.55 Uhr

Weil hält Regelbetrieb in Schulen für vertretbar

In Niedersachsen soll nach den Sommerferien an den Schulen im Grundsatz wieder der Regelbetrieb gelten. Dies sei vor dem Hintergrund der derzeitigen Fallzahlen «gut vertretbar», sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dem «Weser-Kurier» (Freitag). «Zwar haben wir wieder mehr Neuinfektionen. Aber wir sind nach wie vor in einem gut beherrschbaren Bereich unterwegs.» In Niedersachsen gebe es derzeit 5,2 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Das sei überschaubar. «Deshalb zögere ich auch, von einer zweiten Welle zu sprechen», erklärte Weil.

Mit einer möglichst raschen Rückkehr zum Regelbetrieb strebt die Landesregierung auch an, mögliche Nachteile für Schüler aus sozial schwächeren Familien zu vermeiden. Wer zu Hause gefördert werde und eine hohe Motivation mitbringe, der komme mit Unterrichtsformen zu Hause (Home-Schooling) ganz gut zu recht, sagte Weil. Wo diese Voraussetzungen aber fehlten, werde der Abstand zu anderen Schülern schnell größer. «Das bereitet uns natürlich Sorgen.» Die Sommerferien dauern in Niedersachsen noch bis zum 26. August.

14.08.2020 05.00 Uhr

Schüler sollen günstiges Internet bekommen - Laptops für Lehrer

Vertreter von Bund und Ländern haben sich am Donnerstagabend im Kanzleramt auf konkrete Schritte für eine bessere Bildung geeinigt. Das Thema Digitalisierung stand im Mittelpunkt. Die Corona-Pandemie hatte hier deutliche Schwächen aufgezeigt.

Schnelles Internet für Schulen, bezahlbarer Internetanschluss für Schüler und Laptops für Lehrer: Mehrere Kultusminister haben am Donnerstagabend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) Hilfen für eine bessere Bildung vereinbart.

DAS WURDE BESCHLOSSEN: Formale Beschlüsse wurden zwar nicht gefasst. Es sind erst weitere Abstimmungsprozesse zwischen Bund und Ländern nötig. Wie die Deutsche Presse-Agentur aber aus Teilnehmerkreisen erfuhr, ist konkret geplant, dass jeder Lehrer einen Dienstlaptop bekommt und jedem Schüler ein günstiger Zugang zum Internet ermöglicht wird, der maximal zehn Euro im Monat kosten soll. In Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium solle außerdem jede Schule in Deutschland zügig an schnelles Internet angeschlossen werden. Es wird demnach mit Kosten von rund 500 Millionen Euro gerechnet.

DARUM IST DAS NÖTIG: Die Corona-Pandemie hatte gezeigt, dass es im Bereich Schule und Digitalisierung noch große Defizite gibt. Aufgabenstellungen und Kommunikation über das Internet während der Schulschließungen funktionierten nur bedingt. Bildungsgewerkschaften und Lehrerverbände hatten kritisiert, dass nicht alle Schüler zu Hause mit entsprechender Technik ausgestattet seien. Auch das Fehlen von Dienstgeräten für Lehrkräfte wurde bemängelt.

DIESE REAKTIONEN GAB ES: «Wir haben heute sehr gute Ergebnisse erzielt», sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, Stefanie Hubig (SPD). Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) sagte der Deutschen Presse-Agentur nach dem Treffen: «Es war ein erfreulich konstruktives Gespräch über die Grenzen von Bund, Ländern und Parteien hinweg. Wir wollten zu gemeinsamen Lösungen kommen, und wir sind erstaunlich weit gekommen.» Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte: «Das zeigt, dass das Thema Schule uns allen sehr wichtig ist.» Das Treffen sei getragen gewesen von dem Gedanken, dass Schule und Bildung höchste Priorität hätten.

SPD-Chefin Esken will zu den Ergebnissen am Freitagmorgen (9.00 Uhr) ein Statement geben. Zudem stellt am Freitag die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) den «Bildungsmonitor 2020» vor. Dabei geht es allerdings weniger um das Thema Digitalisierung als mehr um den Leistungsstand der Schüler oder das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern.

WELCHE FORDERUNGEN ES NOCH GIBT: Der CDU-Politiker Friedrich Merz sagte der «Passauer Neuen Presse» (Freitag): «Es ist einfach inakzeptabel, dass bis heute noch immer nicht jede Schule einen WLAN-Anschluss hat. Deutschland ist bei der Digitalisierung Entwicklungsland.» Jede Schule müsse eine Internet-Domain haben und jeder Schüler ebenso wie alle Lehrkräfte eine eigene E-Mail-Adresse auf dieser Domain. «An den Schulen ist höchste Eile geboten. Gut, dass sich die Bundeskanzlerin dieser Sache persönlich annimmt. Wir haben massive Defizite in den Schulen, die jetzt im Zeitraffer beseitigt werden müssen.»

DROHEN WIEDER FLÄCHENDECKENDE SCHULSCHLIESSUNGEN? Flächendeckende Schulschließungen, wie zu Beginn der Corona-Pandemie, soll es nach dem Willen der Beteiligten möglichst nicht mehr geben. «Es besteht Einigkeit über das gemeinsame Ziel, erneute komplette und flächendeckende Schließungen von Schulen und Kitas möglichst zu vermeiden», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Gute Bildungspolitik sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte KMK-Präsidentin Hubig. «Wir alle müssen Sorge dafür tragen, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihr Recht auf Bildung verwirklichen können.» Kurz nach Beginn des Schuljahrs in mehreren Bundesländern waren einige Schulen wegen Corona-Fällen oder -Verdachtsfällen zuletzt schon wieder geschlossen worden.

Im Nachrichtenmagazin «Focus» kritisierte Hubig das Freizeitverhalten vieler Bundesbürger. «Wenn ich sehe, wie sich manche Erwachsene am Wochenende im Biergarten oder am Strand verhalten, bin ich erschüttert.» Und: «Wir erfüllen an den Schulen die höchsten Auflagen, um Bildung zu ermöglichen, während sich andere in ihrer Freizeit unvernünftig verhalten.»

Philologenverband kritisiert «Weiter so» zum Schulbeginn

Angesichts steigender Infektionszahlen fordert der Philologenverband Rheinland-Pfalz die Einhaltung des Abstandsgebots im Unterricht. Wenn dieser nicht eingehalten werden könne, müsse nach Auskunft von Virologen zwingend der Mund-Nasen-Schutz getragen werden, sagte die Verbandsvorsitzende Cornelia Schwartz vor Beginn des neuen Schuljahrs am kommenden Montag. «Wir hätten uns gewünscht, dass das Bildungsministerium reagiert auf die steigenden Zahlen.» Mit kleineren Klassen könnte das für den Infektionsschutz zentrale Abstandsgebot eingehalten werden. Der Philologenverband vertritt vor allem Lehrkräfte an Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen.

Das neue Schuljahr soll in Rheinland-Pfalz im Regelbetrieb starten, mit Maskenpflicht auf dem Schulgelände aber nicht während des Unterrichts. Für den Fall steigender Infektionszahlen sind zwei weitere Szenarien mit digitalem Fernunterricht vorgesehen.

«Wir wünschen uns nicht ein Weiter so auf Biegen und Brechen, sondern ein verantwortungsbewusstes Handeln mit Abstandsgebot auch im Unterricht», sagte Schwartz der Deutschen Presse-Agentur. Angesichts der hohen Infektionszahlen in der Stadt Ludwigshafen sei es allerhöchste Zeit, auch im Klassenraum auf Abstand zu achten.

Die jetzt für alle Lehrkräfte angebotenen freiwilligen Corona-Tests seien Geldverschwendung kritisierte Schwartz. «Einen wirklichen Effekt hat dies nicht, Prävention ist sinnvoller als Testung.» Sie habe sich privat eine Maske mit dem erhöhten Standard FFP2 zugelegt, da diese nicht vom Dienstherrn gestellt werde.

«Wir machen uns Sorgen, was am Montag passiert, wenn sich alle wieder durchmischen», sagte die Vorsitzende des Philologenverbands. «Da geht es nicht nur um uns, sondern um alle, weil sich das Infektionsgeschehen mit Schulbeginn massiv verstärken kann.»

13.08.2020 18.55 Uhr

Zahl der Coronafälle an Schulen steigt - drohen weitere Schließungen?

 

In Berlin sind die Ferien kaum zu Ende, da hat die erste Schule schon wieder geschlossen. Schuld ist das Coronavirus. Geht das jetzt weiter so? Viele Eltern machen sich Sorgen. Und die GEW verlangt viel Geld.

Für den Schüler einer Gemeinschaftsschule in Berlin-Lichterfelde ist der Unterricht nach den Ferien zu Ende gewesen, kaum dass das neue Schuljahr begonnen hatte. Er wurde gleich am Montag wieder nach Hause geschickt, nachdem er von Symptomen gesprochen hatte, die auf das Coronavirus hindeuteten. Der Test darauf war positiv. Inzwischen sind nach wenigen Tagen im neuen Schuljahr an acht Schulen positive Tests bekannt, ein Gymnasium wurde am Donnerstag vorsorglich geschlossen.

Dabei wollte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) trotz der inzwischen wieder steigenden Infektionszahlen nach den Ferien zum Regelbetrieb zurückkehren - mit Unterricht in gewohnter Klassengröße, ohne Abstandsregeln und ohne Maskenpflicht im Unterricht. Drohen nun Schulschließungen auf breiter Front? Müssen Eltern wieder selbst unterrichten, wie im Frühjahr, als sämtliche Berliner Schulen wegen der Corona-Pandemie dicht waren?

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte am Donnerstag in Berlin, Schulschließungen dürften nur das letzte Mittel sein. «Das ist für Eltern, Lehrer und Schüler keine leichte Situation, die wir unter allen Umständen verhindern wollen.» Deshalb sei es auch notwendig, dass in Schulen und Kitas die Hygienemaßnahmen beachtet und Infektionsketten schnell verfolgt würden.

Am Gerhart-Hauptmann-Gymnasium im Bezirk Treptow-Köpenick gab es drei Tage Unterricht, am Donnerstag blieb die Schule zu, nachdem eine Lehrkraft positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden war. An den sieben übrigen Schulen fielen Tests für jeweils einzelne Schüler positiv aus, wie ein Sprecher der Bildungsverwaltung sagte. Allerdings habe es in keinem der Fälle eine Infektion in der Schule gegeben.

Das Gymnasium sei vorsorglich geschlossen worden, nachdem die Schulleitung erst am späten Mittwochnachmittag von dem Testergebnis erfahren habe. In den übrigen Fällen seien die Kontaktpersonen der positiv getesteten Schüler wie vorgesehen in Quarantäne gegangen.

Bis zum späten Donnerstagnachmittag wurden 76 Lehrkräfte sowie 22 Schülerinnen und Schüler nach Angaben des zuständigen Bezirksstadtrats Bernd Geschanowski auf Sars-CoV-2 getestet. Die Ergebnisse könnten schon Freitagmorgen vorliegen, teilte er auf Anfrage mit. Das Gesundheitsamt des Bezirks werde dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Scheeres sagte am Donnerstagabend in der RBB-«Abendschau», sofort ganze Schulen zu schließen, sei unverhältnismäßig - angestrebt werde, einzelne Menschen oder Lerngruppen in Quarantäne zu schicken. Angesichts der aktuellen Schulschließung sei sie sehr besorgt: Lehrkräfte dort hätten sich nicht an den Hygieneplan gehalten, sagte sie und verwies auf fehlende Abstände.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) betonte am Donnerstag, nicht die Schulen seien das Problem. «Das Problem ist, wenn im privaten Bereich Hygieneregeln verletzt werden und dann Infektionen in Schulen getragen werden.» Das sieht auch Reinickendorfs Amtsarzt Patrick Larscheid so: «Wir haben ein Problem mit bestimmten Einzelpersonen, die auch die Schule besuchen. Aber wir haben hier keine dramatische Situation in der Schullandschaft.»

Larscheid sprach sich dagegen aus, Schulen wegen einzelner Corona-Fälle komplett zu schließen. Die positiven Tests einzelner Schüler oder Lehrer würden hochstilisiert zu einem großen Schulproblem. «Kein Mensch redet darüber, dass diese Schüler zum Beispiel auch Mitglieder in Fußballvereinen oder und Ähnlichem sind. Der Kontext Schule wird völlig überbewertet.»

Die Bildungsgewerkschaft GEW dagegen hatte schon vor Schulbeginn Kritik an der Rückkehr zum Regelbetrieb für Berlins rund 370 000 Schüler geübt und die Pläne mit Blick auf die Infektionsgefahren fahrlässig genannt. Berlins GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik forderte am Donnerstag, vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie müssten die Lerngruppen unbedingt verkleinert werden. «Eine Milliarde Euro an Soforthilfe müssen her, damit wir so schnell wie möglich Personal einstellen, zusätzliche Räume und digitale Infrastruktur schaffen und für echte Hygiene an den Schulen sorgen können.»

Der Landeselternausschuss verlangt eine erneute Diskussion über die Maskenpflicht im Unterricht. «Natürlich war damit zu rechnen, dass es Infektionsfälle geben wird», sagte der Vorsitzende Norman Heise. «Die Frage ist: Sind die Hygienekonzepte der Schulen wirksam, oder braucht es eine Nachsteuerung?» Die Elternvertreter empfehlen, sich über den Mund-Nasen-Schutz im Unterricht, für den sich Senatorin Scheeres nicht begeistern konnte, noch einmal Gedanken zu machen.

13.08.2020 13.04 Uhr

Alle Lehrer des geschlossenen Gymnasiums sollen zum Corona-Test

Alle Lehrerinnen und Lehrer des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums im Bezirk Treptow-Köpenick sowie eine Schulklasse sollen noch am Donnerstag auf Sars-CoV-2 getestet werden. Das teilte der zuständige Bezirksstadtrat Bernd Geschanowski am Donnerstag mit. Die Schule im Stadtteil Friedrichshagen war am selben Tag geschlossen worden, nachdem eine Lehrkraft angegeben hatte, positiv getestet worden zu sein.

Tom Erdmann, Berliner Vorsitzender der Bildungsgewerkschaft GEW, lobte die angekündigten Tests. «Da hat das Gesundheitsamt gut und richtig reagiert», sagte er. Die nächsten regulären Testtermine für Lehrkräften wären erst Anfang September gewesen.

Geschanowski zufolge lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einschätzen, wann das Gymnasium wieder öffnen kann. Das Gesundheitsamt des Bezirks werde über das weitere Vorgehen entscheiden, wenn die Testergebnisse vorliegen.

«Die Schließung der Schule erfolgte durch die Schulleitung, nicht von meinem Gesundheitsamt», so der Gesundheits-Stadtrat. Schulleiter Thomas Hähnert sagte der dpa: «Ich habe gestern Abend erst von dem positiven Testergebnis der Lehrkraft erfahren und habe in Rücksprache mit der Schulaufsicht entschieden, dass wir aus reiner Vorsicht und um das Verfahren mit dem Gesundheitsamt abstimmen zu können, die Schule geschlossen halten.»

Das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium ist die erste Schule in Berlin, die nur wenige Tage nach den Sommerferien wegen eines möglichen Corona-Falls wieder geschlossen wurde.

13.08.2020 12.45 Uhr

Amtsarzt warnt vor schnellen Schulschließungen

Reinickendorfs Amtsarzt Patrick Larscheid hat sich dagegen ausgesprochen, Schulen wegen einzelner Corona-Fälle komplett zu schließen. Das sei nicht nachvollziehbar, sagte Larscheid am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die positiven Tests einzelner Schüler oder Lehrer würden hochstilisiert zu einem großen Schulproblem. «Was es nicht ist. Kein Mensch redet darüber, dass diese Schüler zum Beispiel auch Mitglieder in Fußballvereinen oder und Ähnlichem sind», sagte Larscheid. «Der Kontext Schule wird völlig überbewertet.»

In Berlin hat es nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung bis Donnerstagvormittag acht bestätigte Corona-Fälle gegeben, unter anderem im Bezirk Reinickendorf. Ein Gymnasium im Bezirk Treptow-Köpenick wurde am Donnerstag vorsorglich geschlossen.

«Ich weiß, dass das nicht von den Gesundheitsbehörden ausging», sagte Larscheid. Die Entscheidung sei ein Schnellschuss von anderen Verantwortlichen gewesen. «Es ist kein Schulproblem, das wir haben. Wir haben ein Problem mit bestimmten Einzelpersonen, die auch die Schule besuchen. Aber wir haben hier keine dramatische Situation in der Schullandschaft. Davon kann überhaupt nicht die Rede sein.»

Bei den bisherigen Fällen sei es zum Teil um Schülerinnen und Schüler gegangen, die aus dem Ausland zurück nach Berlin gekommen und mit einem positiven Befund ein, zwei Tage in der Schule gewesen seien.

«Daraufhin wurden an einzelnen Stellen Klassenverbände zunächst für einige Tage in Quarantäne versetzt. Das ist ein ganz normales und im Übrigen sehr unaufgeregtes Vorgehen», sagte Larscheid. Bei einzelnen Infektionsfällen sei eine komplette Schließung keine angemessene Art zu reagieren, sagte Larscheid. «Das schafft bei Eltern und Kindern große Verunsicherung.»

An dem Gymnasium in Treptow-Köpenick ist die Schulleitung inzwischen im Kontakt mit dem zuständigen Gesundheitsamt. An der Schule im Ortsteil Friedrichshagen hat eine Lehrkraft angegeben, positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden zu sein, wie der Bezirk am Donnerstag mitteilte. Die Schulleitung hat am Mittwochabend nach eigenen Angaben kurzfristig in Rücksprache mit der Schulaufsicht entschieden, das Gymnasium am Donnerstag geschlossen zu halten.

13.08.2020 11.07 Uhr

Schul- und Kitakinder mit Schnupfen müssen nicht mehr nach Hause

Wiesbaden (dpa/lhe)Kindergarten- und Schulkinder mit einem Schnupfen sollen künftig in Hessen nicht mehr sofort nach Hause geschickt werden. Die entsprechenden Leitlinien seien angepasst worden, sagte die hessische Sozialstaatssekretärin Anne Janz (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden. Eine solche Maßnahme müsse nur noch bei den für die Erkrankung mit Covid-19 typischen Symptomen wie Fieber, trockener Husten oder allgemeine Abgeschlagenheit ergriffen werden.

13.08.2020 09.00 Uhr

Erste Berliner Schule schließt wieder wegen eines Corona-Falls

Nur wenige Tage nach Schulbeginn müssen die Schüler eines Gymnasiums in Treptow-Köpenick wieder zu Hause bleiben - zumindest am Donnerstag. Ein Lehrer hatte angegeben, positiv auf Corona getestet worden zu sein. Meldungen über Fälle an Schulen häufen sich.

In Berlin hat die erste Schule kurz nach den Sommerferien wegen eines möglichen Corona-Falls zunächst wieder geschlossen. Eine Lehrkraft habe angegeben, positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden zu sein, teilte der Bezirk am Donnerstag mit. Die Bestätigung des Gesundheitsamts stehe noch aus. Es handelt sich demnach um das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium im Ortsteil Friedrichshagen. Zuvor hatte der RBB berichtet.

«Es handelt sich um eine vorsorgliche, wohl eintägige Schließung dieser einen Schule», teilte die Senatsverwaltung für Bildung am Donnerstag mit. «Der Schulleitung wurde am späten Mittwochnachmittag bekannt, dass eine Lehrkraft positiv getestet wurde. Um sicherzustellen, dass keine der möglichen Kontaktpersonen am darauffolgenden Morgen in die Schule kommt, wurde dieses fürsorgliche Vorgehen beschlossen.»

Vier Tage nach Ende der Ferien wurden dem RBB zufolge bereits an mehreren Schulen Infektionen festgestellt.

Bereits am Montag hatte ein Schüler gleich nach der Ankunft an einer Gemeinschaftsschule in Lichterfelde von Symptomen gesprochen, die auf eine solche Infektion hindeuteten, wie am Mittwoch bekannt wurde. Daraufhin sei er nach Hause geschickt worden, später sei das positive Testergebnis bekannt geworden. Eine Lerngruppe und drei Lehrkräfte, zu denen der Schüler Kontakt gehabt habe, wurden daraufhin unter Quarantäne gestellt.

Der Unterricht in Berlin hatte am Montag begonnen - ohne Mindestabstand, dafür mit Maskenpflicht in Schulgebäuden außer im Unterricht und Hygienekonzept. Der Schritt war heftig umstritten. Unter anderem die Bildungsgewerkschaft GEW hatte eine Öffnung in dieser Form als fahrlässig kritisiert und kleinere Lerngruppen und eine Mischung aus Präsenzunterricht und häuslichem Lernen gefordert. Die Wirtschaft wiederum hatte sich trotz Corona-Pandemie für einen Schulbeginn mit Präsenzunterricht für alle Schüler ausgesprochen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern hatten Gesundheitsämter wenige Tage nach Schuljahresbeginn Schulen wieder geschlossen.

13.08.2020 07.49 Uhr

Nur rund 300 Hamburger Lehrer haben Attest aus Sorge vor Corona

Hamburg (dpa/lno)In Hamburg haben sich lediglich 1,65 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer aus Sorge vor einer Corona-Infektion vom Präsenzunterricht befreien lassen. Nach Angaben der Schulbehörde vom Donnerstag legten 301 der 20 037 Lehrkräfte ein ärztliches Attest vor. Zuvor hatte das «Hamburger Abendblatt» darüber berichtet. Die Zahlen der Behörde basieren auf einer Abfrage von 370 Schulen.

13.08.2020 05.00 Uhr

«Informeller» Schulgipfel im Kanzleramt

Unter schweißtreibenden und zusätzlich coronabedingt erschwerten Bedingungen hat für Millionen Schüler das neue Schuljahr begonnen. Bei einem kleinen Schulgipfel im Kanzleramt soll nun über die Lage beraten werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken, Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und mehrere Kultusminister aus den Ländern beraten an diesem Donnerstag im Kanzleramt über die Lage an den Schulen unter Corona-Bedingungen. Bei dem Gespräch am späten Nachmittag gehe es um einen «informellen Austausch» zu den Herausforderungen, vor denen die Schulen in Zeiten der Pandemie stünden, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert angekündigt.

Beschlüsse sind demnach nicht zu erwarten. Seibert hatte darauf verwiesen, dass Bildung und Schulen Ländersache seien und auch nicht alle Kultusminister der Länder bei dem Treffen anwesend seien. «Und dennoch gibt es ja auch so etwas wie eine Gesamtverantwortung der Bundesregierung dafür, wie unser Land insgesamt mit der Pandemie umgeht.» Deshalb gebe es aus gutem Grund immer wieder solche Gespräche zwischen Bund und Ländern. Dieses gehe auf eine Verabredung zwischen Esken und der Bundeskanzlerin zurück. Im Anschluss werde schriftlich über das Gespräch informiert.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur nehmen die Kultusminister aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Schleswig-Holstein und Sachsen teil.

Diskutiert wurde in den vergangenen Tagen vor allem über die Frage, wie streng die Hygieneregeln an den Schulen sein sollten, um viele Ansteckungen und erneute Schließungen zu vermeiden. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hatte am Mittwoch bei brütender Hitze unter besonders strengen Vorgaben das neue Schuljahr begonnen. Schüler ab der fünften Klasse müssen auch im Unterricht Maske tragen. Diese Regelung gilt flächendeckend bisher nur in NRW.

Beraten werden soll Seibert zufolge auch über «digitale Bildungsangebote», «die verlässlich und zeitgemäß Bildung vermitteln können». Die Corona-Pandemie hatte gezeigt, dass es in diesem Bereich große Defizite gibt. Aufgabenstellungen und Kommunikation über Internet während der Schulschließungen funktionierten nur bedingt. Bildungsgewerkschaften und Lehrerverbände hatten zudem kritisiert, dass nicht alle Schüler zu Hause mit entsprechender Technik ausgestattet seien. Bei dem Treffen mit Merkel dürfte auch zur Sprache kommen, warum die Milliarden, die der Bund im sogenannten Digitalpakt Schule zur technischen Aufrüstung der Schulen bereitgestellt hat, bisher eher spärlich abgeflossen sind.

Ihr gehe es bei dem Treffen darum, «eine verlässliche und zeitgemäße Bildung für das Heute und die Zukunft zu gestalten», sagte Esken dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). «Die Bereitstellung digitaler Bildungsformate, neue Unterrichtskonzepte wie Projektarbeit oder fächerübergreifendes Lernen werden wir dabei genauso ansprechen wie die finanzielle Unterstützung durch den Bund».

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus rief die Länder auf, bis Ende des Jahres nach Möglichkeit alle Lehrerinnen und Lehrer mit einem Laptop und entsprechender Software auszustatten. Zudem sei für die Schulen auch ein IT-Manager nötig. Brinkhaus sagte am Mittwoch in der ARD, grundsätzlich sei bei den Lehrerinnen und Lehrern ein großes Engagement vorhanden im Bereich der Digitalisierung. Zurzeit müssten aber die meisten mit ihrem Privatgerät arbeiten.

Karliczek forderte die Länder auf, die vom Bund bereitgestellten finanziellen Mittel für «starkes digitales Lernen vor Ort» auch zu nutzen. Sie sagte der «Rheinischen Post» (Donnerstag) mit Verweis auf den ausgeweiteten Digitalpakt Schule: «Mit einem Sofortausstattungsprogramm sorgen wir zum Beispiel dafür, dass sich Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sie nicht mit eigenen Endgeräten ausstatten können, Laptops bei den Schulen ausleihen können.» Damit die Technik auch funktioniere, gebe es derzeit Verhandlungen mit den Ländern, um auch Administratoren zeitlich begrenzt finanzieren zu können.

Unterdessen sprach sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, dafür aus, Lehrern für großes Engagement in der Coronakrise einen finanziellen Bonus zu bezahlen. «Ich bin grundsätzlich der Auffassung, dass besondere Leistungen von Lehrkräften auch mit Leistungsprämien honoriert werden sollten», sagte er dem Magazin «Focus». Der Verbandschef verteidigte Lehrer zugleich gegen Kritik, während der Schulschließungen zu wenig Einsatz gezeigt zu haben. Die übergroße Mehrheit der Pädagogen habe nach den bundesweiten Schulschließungen im März gute Arbeit geleistet.

13.08.2020 00.12 Uhr

Bildungsministerin: Corona-Hygieneplan für Schulen steht

Die Schulen in Rheinland-Pfalz müssen laut Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) kurz vor dem Schulstart nicht mit vielen überraschenden Vorgaben rechnen. «Wir haben jetzt (...) an der einen oder anderen Stelle nachgeschärft. Aber klar ist auch, der Hygieneplan ist im Kern der gleiche und es wird auf die Schulen nicht viel an neuen schulorganisatorischen Dingen zukommen», sagte Hubig am Mittwochabend bei «SWR Aktuell». Der ursprüngliche Hygieneplan für das neue Schuljahr sei bereits vor den Ferien versendet worden, die überarbeitete Fassung solle am (heutigen) Donnerstagmorgen folgen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf hatte am Mittwoch ein Konzept mit eindeutigen Vorgaben für alle 1500 Schulleitungen im Land vermisst. In Gesprächen mit Schulleitern habe er gehört, dass «viele noch nicht wissen, wie nach den Ferien der Unterricht wieder stattfinden soll, mit welchen Vorgaben». Hubig hatte am Dienstag eine Neufassung des landesweiten Hygieneplans und freiwillige Tests für alle Lehrkräfte angekündigt. «Wir werden am Montag mit dem Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen starten», sagte Hubig.

Angesprochen auf befürchtete volle Schulbusse, erklärte Hubig im «SWR», für die Schülerbeförderung seien die Landkreise und Städte zuständig, nicht das Bildungsministerium. Sie habe das Thema aber gegenüber Oberbürgermeistern und Landräten angesprochen und «Befürchtungen deutlich gemacht». «Die Landkreise und Städte sagen mir, sie hätten keine Busse mehr, die sie zusätzlich einsetzen
könnten.» Wichtig sei, dass die Schüler im Bus Masken tragen, wenn der Abstand nicht eingehalten werden könne. Das Land habe dafür gesorgt, dass genug Masken für sie zur Verfügung stünden.

12.08.2020 10.23 Uhr

Mehrere Verfahren am OVG zur Maskenpflicht während Schulunterricht

Münster (dpa/lnw)Am ersten Tag des neuen Schuljahres gibt es am Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster mehrere Klagen gegen die Maskenpflicht während des Unterrichts an weiterführenden Schulen. Nach Auskunft einer Gerichtssprecherin will eine Familie aus Euskirchen im Rheinland per Eilverfahren klären lassen, ob die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW in diesem Punkt rechtlich haltbar ist. Vom Verwaltungsgericht Düsseldorf ist das Verfahren eines Schülers aus Nettetal im Kreis Viersen an das OVG verwiesen worden. Wann das Gericht eine Entscheidung verkünden will, ist derzeit nach Angaben der Sprecherin noch offen.

12.08.2020 09.41 Uhr

NRW-Schulen mit Maskenpflicht zurück in den Regelunterricht gekehrt

Deutschland schaut auf NRW: Im bevölkerungsreichsten Bundesland hat die Schule wieder begonnen. Grundsätzlich als Präsenzunterricht. Die Schüler müssen auch in der Klasse Maske tragen. Klappt das?

Als einziges Bundesland ist Nordrhein-Westfalen am Mittwoch mit Maskenpflicht im Unterricht ins neue Schuljahr gestartet. Zum Schutz vor Corona-Infektionen muss ein Mund-Nasen-Schutz von allen Schülern der weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch in der Klasse am Platz getragen werden. Ausgenommen sind nur die Grund- und Förderschüler der Primarstufe. Für alle gilt aber eine Maskenpflicht auf dem Schulgelände und auf den Fluren.

Nach sechseinhalb Wochen Sommerferien beginnt in dieser Woche im bevölkerungsreichsten Bundesland für rund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche an 5500 Schulen wieder der Regelunterricht. Die Einschulungsfeiern für Erstklässler sind größtenteils am Donnerstag.

Wegen der Corona-Pandemie hatte NRW in den letzten Wochen vor den Sommerferien zunächst schrittweise wieder Präsenzunterricht eingeführt. Ansonsten wurden Schülerinnen und Schüler digital und auf Distanz unterrichtet.

Die Wiederaufnahme des Regelunterrichts wird bundesweit mit Spannung verfolgt: In dem dichtbesiedelten Bundesland könnte sich besonders deutlich zeigen, wie die Schutzkonzepte an den Schulen funktionieren. Die Infektionszahlen im Land waren in den vergangenen Wochen wieder gestiegen. Die Maskenpflicht im Unterricht hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) als alternativlos bezeichnet.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) verteidigte die Maskenpflicht im Unterricht. Gerade in der jetzigen Phase, in der viele Menschen von Reisen zurückkehrten, müsse man vorsichtig sein. «Die Pandemie ist längst noch nicht vorbei», sagte Laschet. «Wenn sich das Geschehen normalisiert, dann können wir auch schnell wieder von dieser Pflicht Abstand nehmen.» Die Maskenpflicht im Unterricht ist zunächst bis zum 31. August begrenzt. In anderen Bundesländern müssen die Schüler nur auf Gängen oder im Pausenhof Masken tragen.

Bußgelder bei Verstößen gegen die Maskenpflicht in NRW, so wie sie in Bussen oder Bahnen drohen, gibt es in Schulen nicht. Die Schulleitungen könnten laut dem zuständigen Staatssekretär Mathias Richter aber «erzieherische Maßnahmen» bei Schülern ergreifen, die sich bewusst oder sogar provokativ nicht an die Vorgaben des Infektionsschutzes hielten. «Letztlich kann es dazu führen, dass es nach Hause geht», so Richter.

Wegen des heißen Sommerwetters und der Maskenpflicht weitete das Ministerium unterdessen die Hitzefrei-Regelung auf die Schüler der Sekundarstufe II aus. Wenn die Temperaturen in den Räumen auf mehr als 27 Grad steigen, können damit auch Oberstufenschüler hitzefrei bekommen. Schulen können die Stunden verkürzen oder die fünfte und sechste Stunde ausfallen lassen. Ministerin Gebauer verwies darauf, dass die Unterrichtsräume gelüftet werden müssten.

Unterrichtet werden soll «jahrgangsbezogen in Klassen, in Kursen oder festen Lerngruppen», so das Ministerium in seinem Konzept. Grundsätzlich sind Schülerinnen und Schüler verpflichtet, am Präsenzunterricht teilzunehmen - es sei denn, sie haben zum Beispiel Vorerkrankungen. Alle Lehrer können sich bis zum 9. Oktober alle 14 Tage kostenlos auf Corona testen lassen.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt sprach sich unterdessen dagegen aus, im Fall einzelner Corona-Infektionen ganze Schulen zu schließen. «Wenn ein Corona-Fall in einer Schule auftaucht, muss nicht direkt die Schule für 14 Tage geschlossen werden», sagte er der «Rheinischen Post» (Mittwoch). Es reiche, wenn einzelne Klassen oder Kurse zu Hause blieben.

Voraussetzung dafür sei natürlich, dass die Schülerinnen und Schüler auch nur in diesen Gruppen zusammenkämen. «Grundsätzlich halte ich 14 Tage Quarantäne ohnehin für sehr lang bemessen. Es gibt inzwischen Studien, wonach auch sieben Tage ausreichen, bis das Ansteckungsrisiko vorbei ist.» Viele Schulen seien zudem bei Hygiene- und Abstandskonzepten auf den Start nach den Sommerferien nicht ausreichend vorbereitet, so Reinhardt.

Die Grünen warfen der schwarz-gelben Landesregierung vor, «keinen Plan B» zu haben, falls der Schulstart am Mittwoch massenhafte Corona-Fälle nach sich ziehen sollte. Die Entscheidung, ob und wann Schulen dann wieder schließen müssten, werde komplett den örtlichen Gesundheitsbehörden überlassen, kritisierte der Landesvorsitzende der Grünen, Felix Banaszak. «Klare Vorgaben fehlen.» Ministerin Gebauer habe keine Konzepte erarbeitet, um einen verantwortungsvolleren Unterricht in Kleingruppen mit Sicherheitsabständen zu organisieren. Die Ministerin habe auch versäumt, zusätzliche Räume - etwa in Vereinsheimen und Kirchen - und weiteres Personal zu organisieren.

12.08.2020 05.30 Uhr

Schulbeginn unter Vorbehalt - drei Corona-Szenarien im Blick

«Mit der Zunahme der Infektionen steigt die Sorge», sagt der Landeselternsprecher vor dem Start ins neue Schuljahr. Dieses beginnt mit Präsenzunterricht für alle, ohne Maske im Klassenraum.

Mehr als 400 000 Kinder und Jugendliche sowie etwa 41 000 Lehrkräfte gehen in der kommenden Woche in ein neues Schuljahr, das unter besonderen Vorzeichen vorsteht. Fünf Monate nach Schließung aller Schulen wegen der Corona-Pandemie beginnt dann für alle wieder der Unterricht im Klassenraum. Abstandsregel und Maskenpflicht im Klassenraum sind für den Unterricht in Rheinland-Pfalz zunächst aufgehoben. Damit das gelingt, setzt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) darauf, dass alle Beteiligten in der Schulgemeinschaft verantwortungsbewusst zusammenwirken.

Die Maskenpflicht an den Schulen hat zuletzt bundesweit für Diskussionen gesorgt - Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) plädierte für einen Mund-Nasen-Schutz, wenn die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Sie müsse die Dinge ja nicht umsetzen, kommentierte Hubig kühl. Am Montagabend hätten sich die Kultusminister der Länder noch einmal besprochen und «festgestellt, dass wir alle dieselbe Auffassung zur Maskenpflicht haben».

Den Regelbetrieb wieder aufzunehmen, steht unter dem Vorbehalt, dass es nicht zu einer stärkeren Zunahme der Corona-Infektionen kommt. Das Bildungsministerium will das Infektionsgeschehen weiter aufmerksam beobachten, in enger Abstimmung mit Gesundheitsexperten. Sollten die Zahlen deutlich steigen, könnte das zweite vorbereitete Szenario wirksam werden: Dann soll wieder abwechselnd im Präsenz- und Fernunterricht gelernt werden. Das dritte Szenario für den Fall eines größeren Ausbruchs sind temporäre Schulschließungen.

«Wenn am Montag 1500 Schülerinnen und Schüler hier sind, mache ich mir schon Sorgen wegen der nicht mehr geltenden Abstandsregelung im Klassenraum», sagt der Leiter der Integrierten Gesamtschule (IGS) Mainz-Bretzenheim, Roland Wollowski. «Es ist doch sehr eng hier.» Aber die Schule sei auf alle Entwicklungen vorbereitet.

Nach einer Umfrage des Landeselternbeirats wird es von drei Viertel der Elternvertreter begrüßt, zum Regelbetrieb zurückzukehren, ein Viertel ist dagegen. An der Umfrage beteiligten sich 2530 Elternvertreter an Schulen in Rheinland-Pfalz. Aber diese Befragung habe in Zeiten niedriger Infektionszahlen begonnen, sagt Landeselternsprecher Reiner Schladweiler. «Inzwischen ist die Angst um die Gesundheit der Kinder oder die eigene Gesundheit wieder größer», so Schladweiler im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Mit der Zunahme der Infektionen steigt die Sorge, ich merke das an der Zunahme der Mails.»

Die Aufhebung der Maskenpflicht im Klassenraum sieht Schladweiler nicht negativ. Im Unterricht sei die Mund-Nasen-Bedeckung doch sehr störend - «man sieht die Mimik beim Sprechen nicht, die Verständigung wird erschwert». Es sollte aber möglich sein, die Maske freiwillig zu tragen, etwa bei Kindern, deren Eltern einer Risikogruppe angehören. Mehr Kopfzerbrechen bereitet dem Elternsprecher der Schulbusverkehr. «Das ist unsere größte Sorge. Da sitzen die Kinder und Jugendlichen eng zusammen und in einer Kurve fällt man manchmal aufeinander.» Auch lasse sich die Einhaltung der Maskenpflicht im Schulbus kaum kontrollieren.

«Ich bin sicher, dass uns das Virus das ganze Schuljahr begleiten wird», sagte Schladweiler. Daher sei es wichtig, die Digitalisierung weiter voranzutreiben, auch wenn virtueller Unterricht den Gang in die Schule nie ganz ersetzen könne. «Irgendeine Schule in Rheinland-Pfalz wird in den nächsten zwei oder drei Wochen geschlossen werden, davon kann man ausgehen.» Ob einzelne Klassen, Kurse oder ganze Schulen geschlossen werden müssen, ist die Entscheidung des jeweils zuständigen Gesundheitsamts.

In einem solchen Fall wird es dann auf gute Voraussetzungen für digitalen Fernunterricht ankommen. Dafür ist auch ein neues Programm angelaufen, das Schülerinnen und Schülern, die in ihrer Familie keinen Zugang zu einem Computer haben, mit einem Laptop oder Tablet-Computer als Dauerleihgabe versorgt. Von 500 Millionen Euro des Bundes für die Beschaffung digitaler Endgeräte entfallen nach dem Königsteiner Schlüssel 24,1 Millionen auf Rheinland-Pfalz.

Auch werden im neuen Schuljahr 266 weitere Grundschulen in Rheinland-Pfalz in das Programm «Medienkompetenz macht Schule» aufgenommen. Seit der Erweiterung des Programms auf die Primarstufe vor drei Jahren sind dann mehr als zwei Drittel aller Grundschulen dabei. Bis 2023 sollen alle 963 Grundschulen mit dem im Programm enthaltenen Startpaket an Informations- und Kommunikationstechnik ausgestattet werden. Das Land fördert die Anschaffung von Notebooks und Tablet-Computern sowie von Whiteboards, also digitalen Schultafeln. Außerdem werden in dem bereits 2007 gestarteten Programm Lehrkräfte fortgebildet. Von den weiterführenden Schulen nehmen inzwischen fast alle daran teil.

Die Corona-Situation erzwingt auch im neuen Schuljahr zumindest bis zu den Herbstferien, dass es weiter keine mehrtägigen Klassenfahrten geben wird. Im vergangenen Schuljahr mussten mehr als 2000 geplante Klassen- und Kursfahrten gestrichen werden, wobei das Land die Kosten für die Stornierung bereits gebuchter Reisen übernommen hat.

12.08.2020 5.30 Uhr

NRW startet mit Masken im Unterricht - Bewährungsprobe für Laschet

Wenn NRW ins neue Schuljahr startet, wird nicht nur die bundesweit einzigartige Maskenpflicht im Unterricht kritisch beäugt. Es geht auch um Laschets Corona-Krisenmanagement und seine Eignung für höhere Weihen. Für die Opposition ist er bloß ein «Flip-Flopper».

Maskenpflicht im Unterricht bei brütender Hitze: In Nordrhein-Westfalen startet an diesem Mittwoch mit dem Schulbeginn nach sechseinhalb Wochen Sommerferien die Generalprobe. Ganz Deutschland schaut hin, ob und wie der Sonderweg des bevölkerungsreichsten Bundeslands funktioniert, denn Maskenpflicht im Unterricht gibt es bislang nur hier. Ausgenommen bleiben davon lediglich die Grund- und Förderschulen.

Unter scharfer Beobachtung stehen nicht nur die Bedingungen für Schüler und Lehrer vor Ort, sondern das gesamte, von Anfang an heftig umstrittene Corona-Krisenmanagement von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). «Wir müssen gerade in diesen Tagen besonders vorsichtig sein», rechtfertigt Laschet seinen Kurs. Daher sei die zunächst bis Ende August befristete Maskenpflicht richtig.

Gegen die Rückkehr der rund 2,5 Millionen Schüler in den Regelbetrieb an landesweit 2500 Schulen hatten mehrere Lehrer- und Elternverbände Bedenken geäußert, weil aus ihrer Sicht nicht ausreichend für den Infektionsschutz in großen Klassen Sorge getragen wird.

Unter anderem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft vermisst - wie auch die Landtagsopposition - intelligente Konzepte für eine Entzerrung des Unterrichts, etwa durch «Schichtbetrieb» und Angebote im Freien. Was, wenn sich nun massenhaft Schüler in NRW mit Corona anstecken, Schulen geschlossen werden müssen und die ohnehin seit Wochen anziehenden Infektionszahlen wieder starke Einschränkungen des öffentlichen Lebens erforderlich machen?

«Für Armin Laschet steht zur Zeit viel auf dem Spiel», stellt Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann fest. Dessen «Lockerungsübungen» im Corona-Krisenmanagement seien «in der Bevölkerung und in der Union nicht gut angekommen», sagte er der dpa. «Ob er mit einem harten Schulmanagement und mit neuen strengen Schutzauflagen punkten können wird, ist offen.»

Schließlich müsse sich Laschet derzeit im «Triathlon» um die Beliebtheit in der Bevölkerung, den Parteivorsitz der CDU und die Kanzlerkandidatur für die Union bewähren. Nachdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den NRW-Regierungschef in Sachen Popularität und Kanzlertauglichkeit in den Umfragen schon weit hinter sich gelassen habe, sei es «fast ausgeschlossen», diesen Vorsprung noch einzuholen, bilanzierte von Alemann.

Ein Fiasko im Corona-Krisenmangament an den Schulen, das in NRW Millionen Eltern, Lehrer und Schüler unmittelbar betrifft, wäre keine Empfehlung für höhere Weihen. Der Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag, Thomas Kutschaty, sieht Laschet bereits «im corona-politischen Blindflug». Bislang sei die schwarz-gelbe Landesregierung vor allem durch ihr «Hin und Her» aufgefallen, sagte der SPD-Fraktionschef der dpa.

«Nachdem Armin Laschet mit seinem Lockerungskurs erkennbar vor die Wand gefahren ist, gibt er jetzt zum Schulstart ganz plötzlich den Hardliner», urteilte der frühere NRW-Justizminister. «In den USA nennt man das einen Flip-Flopper.» Nachdem es die Landesregierung versäumt habe, frühzeitig auf eine konsequente Teststrategie zu setzen, sei die Maskenpflicht an den Schulen nun «leider notwendig».

Unter Lehrer-, Eltern-, Ärzteverbänden und Wissenschaftlern ist das bundesweit umstritten. Während der Marburger Bund die Maskenpflicht im Unterricht als sinnlose, «überflüssige Behinderung» sieht, stuft eine Gruppe renommierter Wissenschaftler sie in einer Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina als empfehlenswert ein.

Zumindest hat sich in NRW keine Partei und kein namhafter Verband dafür ausgesprochen, sicherheitshalber beim Lernen auf Distanz zu bleiben und wieder auf Home Schooling zu setzen. Dass dabei in den Wochen vor den Ferien nicht alle Schüler mitgenommen werden konnten, sondern Bildungsnachteile entstanden seien, sei unzweifelhaft, räumt Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ein. Auch die Landesschülervertretung hat davor gewarnt.

NRW startet nun als sechstes Bundesland nach Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Berlin ins neue Schuljahr. Laschets komplette politische Existenz stehe mit dem Ausgang des Experiments Schulvollbetrieb im Corona-Jahr nicht auf dem Spiel, betonte von Alemann. «Wenn Söder sein bayrisches Amt als das schönste der Welt hinstellt, warum macht es dann Laschet nicht ebenso?» In NRW sei er «bisher jedenfalls nicht herausgefordert».

11.08.2020 18.16 Uhr

Corona-Tests an Ludwigsluster Gymnasium negativ - Zweittest nötig

Der Landkreis Ludwigslust hat die wegen der Corona-Infektionen von drei Lehrern verfügte Schließung des Goethe-Gymnasiums von Mittwoch bis einschließlich Freitag verlängert. Zwar seien die Virus-Tests bei 205 Schülern, die seit dem Schulstart vor gut einer Woche Kontakt zu zwei infizierten Lehrern hatten, alle negativ ausgefallen. Doch solle vor der Öffnung der Schule das Ergebnis des Wiederholungstests am Donnerstag abgewartet werden, teilte die Kreisverwaltung am Dienstagabend in Ludwiglust mit. Für die betroffenen Schüler gelte bis dahin Quarantäne.

«Die Schulschließung bleibt bis Ende der Woche für Schulpersonal sowie alle Schülerinnen und Schüler bestehen», heißt es in der Mitteilung. Ob das am vorigen Freitag geschlossene Goethe-Gymnasium in der kommenden Woche wieder geöffnet werden könne, hänge von den Ergebnissen der Zweittests ab. Diese werden am Freitag erwartet.

Das 55-köpfige Schulpersonal war am Montag bereits zum zweiten Mal auf Corona getestet worden. Auch diese Tests waren den Angaben zufolge negativ, so dass nun davon ausgegangen werden kann, dass sich keine weiteren Pädagogen infiziert haben.

Neben dem Gymnasium in Ludwigslust war vorsorglich auch die Ostsee-Grundschule in Graal-Müritz (Landkreis Rostock) geschlossen worden. Dort war ein Schüler infiziert. Die Schule bleibt für zwei Wochen zu. In Rostock waren bei vier schulpflichtigen Kinder einer Familie Corona-Infektionen festgestellt worden, nachdem sie von einem Auslandsaufenthalt zurückkamen. Für die gesamte Familie wurde den Angaben zufolge eine zweiwöchige Quarantäne angeordnet, die auch auf Mitschüler der Kinder und einige Lehrer an der Rostocker Borwinschule ausgedehnt wurde.

09.08.2020 12.00 Uhr

Corona-Sorgen zum Start ins neue Schuljahr in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein startet am Montag das neue Schuljahr unter Corona-Bedingungen - mit Sorgen. Denn in Mecklenburg-Vorpommern mussten bereits Schulen geschlossen werden - auch bei Husum müssen Grundschüler vorerst zu Hause bleiben.

Unter Corona-Schutzmaßnahmen startet am Montag in Schleswig-Holstein das neue Schuljahr. Möglichst viele der rund 363 000 Schüler sollen wieder so viel Präsenzunterricht wie möglich bekommen. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) spricht von der Wiederaufnahme des Regelbetriebs unter Corona-Bedingungen. Das Ministerium empfiehlt Schülern und Lehrern dringend, in den ersten zwei Wochen eine Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule zu tragen - auch während des Unterrichts. Die Jahrgangsstufen eins bis sechs sind davon ausgenommen. Erneute Schulschließungen wie im Frühjahr sollen unbedingt vermieden werden.

Prien will zunächst einen guten Start ins Schuljahr sicherstellen - angesichts möglicher Risiken etwa durch Reiserückkehrer. Zudem sollen sich zunächst feste Lerngruppen in den Schulen bilden; sogenannte Kohorten. Nach den ersten zwei Wochen soll die Masken-Empfehlung überprüft und gegebenenfalls neu bewertet werden.

Eine Maskenpflicht in der Schule, wie sie andere Länder haben, lehnte Prien am vergangenen Mittwoch als zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verhältnismäßig und nicht verfassungskonform ab.

In Mecklenburg-Vorpommern mussten am Freitag bereits in der ersten Woche zwei Schulen wegen Corona-Fällen geschlossen werden. Das Bundesland war als erstes nach den Sommerferien ins neue Schuljahr gestartet, gefolgt von Hamburg. Nun sind neben Schleswig-Holstein auch Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen dran.

Auch die Grundschule in Rantrum bei Husum bleibt nach den Ferien in der ersten Schulwoche geschlossen. Bei einer Mitarbeiterin sei eine Infektion mit dem Virus nachgewiesen worden, wie der Kreis Nordfriesland am Samstagabend mitteilte. Demnach habe die Frau vor Kurzem an einer Dienstbesprechung teilgenommen und dabei Kontakt mit anderen Mitarbeitern gehabt.

«Dabei handelt es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Enger Kontakt bestand bei der Dienstbesprechung nicht. Gerade bei einer Grundschule gehen wir aber lieber auf Nummer sicher», sagte die Fachbereichsleiterin für Sicherheit, Gesundheit und Veterinärwesen, Nina Rahder, in einer Mitteilung des Kreises. Die Kontaktpersonen aus dem Kollegium der Mitarbeiterin sollten am Sonntag an einem Coronatest teilnehmen.

Mit Blick auf zuletzt wieder steigende Infektionszahlen sagte Prien am Wochenende der Deutschen Presse-Agentur: «Die Schulen sind mit Hygienekonzepten und festen Lerngruppen gut auf das neue Schuljahr vorbereitet. Zusätzliche Sicherheit werden wir durch einen Corona-Reaktionsplan schaffen.» Er gebe den Schulen ganz konkret eine Orientierung, wie bei welchem Ausbruchsgeschehen reagiert werden könne. «Wir müssen als Gesamtgesellschaft achtsam und verantwortlich dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler so viel wie möglich Präsenzunterricht und Bildung unter Corona-Bedingungen erhalten.»

In einem Informationsschreiben, das alle Eltern noch in den Ferien per Post erhalten sollten, sind sämtliche Corona-Schutzmaßnahmen dargelegt werden. Als wichtigste Regel nennt das Ministerium, dass Kinder nicht in die Schule gehen dürfen, wenn sie krank sind oder auch nur leichte Grippesymptome zeigen. Dem Schreiben ist eine «Belehrung zum Umgang mit möglichen Infektionskrankheiten in der Schule» beigefügt. Die Eltern sollen bestätigen, die «Belehrung» zur Kenntnis genommen zu haben, und ihre Kinder den unterschriebenen Zettel in der Schule in der ersten Schulwoche abgeben.

Die Krise hat laut Prien einen gewaltigen Digitalisierungsschub in den Schulen ausgelöst. Schleswig-Holstein erhält aus dem Digitalisierungspakt 170 Millionen Euro. Die Ministerin wies Kritik der SPD zurück, nicht schnell genug zu handeln. Das Sofortausstattungsprogramm, bei dem Schulen mit digitalen Geräten wie Laptops oder Tablets versorgt werden, greife seit Mitte Juli. Sie sei sicher, dass viele Schulen zum Schulanfang Geräte haben werden. In den nächsten Wochen würden alle Lehrkräfte endlich Dienst-E-Mail-Adressen bekommen. Die GEW fordert, dass Lehrer Dienst-Laptops bekommen.

Prien verteidigte erneut, dass nur ein Bruchteil der Lehrer, die sich mit Attesten zugehörig zu Corona-Risikogruppen gemeldet haben, vom Präsenzunterricht befreit ist. Angesichts der niedrigen Infektionszahlen in Schleswig-Holstein sei ein erhöhtes Risiko für Lehrer nicht anzunehmen. Prien geht davon aus, dass vorliegende Klagen von Lehrern nicht erfolgreich sein dürften. Im Fall einer laut GEW lungenkranken Lehrerin aus dem Kreis Segeberg hat das Verwaltungsgericht Schleswig es dem Ministerium vorerst untersagt, die Pädagogin direkt vor Schülern unterrichten zu lassen.

Zum Schulstart warnten Virologen vor dem Risiko von Infektionen unter Schülern und machten Vorschläge für Vorsichtsmaßnahmen. Dazu gehört, die Klassengrößen abhängig von der Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Zudem sollten aus virologischer Sicht feste Kleingruppen definiert werden mit möglichst geringer Durchmischung der Gruppen im Schulalltag. Für eine wirksame Unterdrückung der Virusausbreitung in der Gesamtgesellschaft bleibe es weiterhin Grundvoraussetzung, die Viruszirkulation in den Schulen niedrig zu halten, heißt es in der Stellungnahme der Gesellschaft für Virologie, die am Freitag verschickt wurde.

Während die Zahl der Schüler in Schleswig-Holstein im neuen Schuljahr um 0,2 Prozent sinkt, steigt die Zahl der Erstklässler um knapp 1,7 Prozent auf 23 000.

11.08.2020 14.28 Uhr

Sachsen verzichtet auf umfassende Maskenpflicht in Schulen und Kitas

Sachsen sieht sich durch vergleichsweise niedrige Infektionszahlen bei seiner Corona-Lockerungspolitik bestätigt. Das gilt nicht zuletzt für Schulen. Der Unterricht läuft dennoch unter Pademiebedingungen.

In Sachsen gilt weiterhin keine umfassende Maskenpflicht an Schulen und in Kitas. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sprach am Dienstag bei der Vorstellung einer entsprechenden Allgemeinverfügung aber auch die Verantwortung an: «Für den Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen in Schulen und Kitas ist es entscheidend, dass sich die Gesellschaft verantwortungsbewusst verhält.» Die Schulen seien gut gerüstet für den Regelbetrieb.

Wer sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Risikogebiet aufgehalten hat, darf Kitas und Schulen nur mit einem negativen Corona-Test betreten. Außerhalb des Unterrichts wird Schülern und Lehrern eine Mund-Nasen-Bedeckung empfohlen. Schulen können eine Pflicht um Tragen der Maske anordnen. Wer nicht zur Schule gehört, muss sie ohnehin tragen. Das gilt auch für Eltern.

Die Verfügung tritt am 31. August in Kraft und gilt bis 21. Februar - bis zum Ende der Winterferien in Sachsen. «Die lange Wirksamkeitsdauer soll zur Planungssicherheit beitragen. Wir machen damit aber auch deutlich, dass wir keine landesweit gültigen Beschränkungen mehr wollen, es sei denn, die Infektionslage verschärft sich wieder», erklärte Piwarz.

Lehrer, die etwa zur Risikogruppe gehören, können mit Attest vom Präsenzunterricht befreit werden, sagte Piwarz. Sie würden dann anderweitig eingesetzt.

Wer nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert ist oder mindestens ein Symptom dafür hat, darf Schulen und Kindertagesstätten in Sachsen nicht betreten, hieß es weiter. Gleiches gilt für Leute, die in den vergangenen zwei Wochen mit einer infizierten Person direkten Kontakt hatten sowie Menschen, die sich in den betreffenden Zeitraum in einem Risikogebiet aufhielten und keinen negativen Test vorlegen.

Nach Angaben des Kultusministeriums findet der Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen statt. Der Schulbesuch ist Pflicht. Schulische Veranstaltungen sind unter Einhaltung allgemeiner Hygienebestimmungen zulässig. Die Klassenzimmer sollen gut durchgelüftet werden. Um Infektionsketten nachvollziehen zu können, muss täglich dokumentiert werden, wenn sich nicht zur Schule gehörenden Personen während des Unterrichtes oder bei einer schulischen Veranstaltung länger als eine Viertelstunde in der Schule aufgehalten haben.

Eltern von Kindern in einer Kita sind verpflichtet, täglich schriftlich zu erklären, dass ihr Kind kein typisches Symptom der Krankheit Covid-19 wie Fieber, Husten, Durchfall, Erbrechen oder allgemeines Krankheitsgefühl aufweist. «Wird die Erklärung nicht vorgelegt, wird das Kind an diesem Tag nicht in Betreuung genommen», teilte das Ministerium mit. Eltern müssen in Kitas und auf dem Gelände eine Schutzmaske tragen.

Für den Hort ist eine schriftliche Erklärung zum Gesundheitszustand des dort betreuten Kindes nicht mehr erforderlich. Fremde müsse aber grundsätzlich eine Mund-Nasen-Bedeckung in einer solchen Einrichtung tragen.

Sachsen hatten die Wiederaufnahme des Regelbetriebes an Schulen von zwei wissenschaftlichen Studien flankieren lassen. Dabei kam heraus, dass Schulen bislang keine Hotspots bei der Verbreitung des Coronavirus waren.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hatte sich dagegen für eine Maskenpflicht auch im Klassenzimmer ausgesprochen. In Nordrhein-Westfalen, wo für rund 2,5 Millionen Schüler das neue Schuljahr beginnt, ist genau das für Schüler ab der fünften Klasse geplant - vorerst bis Ende August.

11.08.2020 8.20 Uhr

WDR-Umfrage: Ein Laptop für 30 Schüler - schlechte Digitalausstattung

Für das digitale Lernen in Corona-Zeiten haben die Schulen in NRW weiterhin viel zu wenig Laptops und PCs. Außerdem fehlt es vielfach am nötigen schnellen Internet. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des WDR bei den 396 Kommunen des Landes. 78 Prozent (309) davon hatten dabei geantwortet. Die Zahlen werden nicht zentral beim Schulministerium oder den Bezirksregierungen erfasst.

Laut den Ergebnissen kommen in den teilnehmenden NRW-Kommunen im Schnitt auf 30 Schülerinnen und Schüler ein Laptop und auf knapp 13 Schüler ein Tablet. Die Versorgung mit schnellem Internet sei regional sehr unterschiedlich. Im Schnitt habe nur jede dritte Schule einen Glasfaseranschluss. Das Ziel der Landesregierung, bis zum Ende dieses Jahres 60 Prozent der Schulen mit Glasfaser zu versorgen, sei wohl nicht zu erreichen, hieß es.

Die NRW-Kommunen hätten pro Schüler im vergangenen Jahr im Durchschnitt 57,10 Euro für die Digitalisierung ausgegeben. Expertenschätzungen zufolge sind 400 Euro nötig, um eine gute Ausstattung und Folgefinanzierung zu gewährleisten. Die Zahlen wurden innerhalb von vier Wochen in einer Online-Umfrage ermittelt und beziehen sich über alle Schulformen hinweg auf den Juli 2020.


09.08.2020 10.57 Uhr

Linke beklagt Benachteiligung bedürftiger Kinder in Corona-Krise

Die Corona-Krise bremst auch staatliche Hilfen für bedürftige Kinder teilweise aus. Weil sie während der Schul- und Kitaschließungen zu Hause versorgt wurden, gab es auch keinen Zuschuss zum Essensgeld. Die Linke fordert eine rasche Korrektur.

Die coronabedingte Schließung von Schulen und Kitas hat nach Angaben der Linken viele bedürftige Familien in Mecklenburg-Vorpommern von wichtigen Sozialleistungen abgeschnitten. Weil die Kinder zu Hause bleiben mussten und so nicht am gemeinschaftlichen Mittagessen teilnehmen konnten, hätten sie in dieser Zeit auch nicht von den staatlichen Zuschüssen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) profitieren können. «Es ist unerhört und inakzeptabel, die BuT-Mittel für die Mittagsverpflegung zurückzuhalten. Sie gehören ohne Wenn und Aber auf Heller und Cent den Kindern», erklärte die Linken-Landtagsabgeordnete Jacqueline Bernhardt. Die Landesregierung müsse dafür Sorge tragen, dass das Geld nachträglich an die anspruchsberechtigten Kinder ausgezahlt werde.

Laut Sozialministerium wurden im Nordosten im Jahr 2019 rund 16,5 Millionen Euro aus dem Teilhabe-Paket des Bundes für Kinder bedürftiger Familien ausgezahlt. Mit dem Geld soll sichergestellt werden, dass auch diese Kinder in Sportvereinen trainieren, an Klassenfahrten teilnehmen, ihren Schulbedarf decken oder Nachhilfe nehmen können. Mit 8,2 Millionen Euro wurde aber die Hälfte des Geldes verwendet, um Schul- und Kita-Essen zu finanzieren.

«Während der Corona-Krise wurden die Mittel für die Mittagsverpflegung lediglich für die Kinder an die Kommunen weitergereicht, die sich in der Notbetreuung befunden haben. Alle anderen Kinder, deren Eltern meist Hartz IV beziehen, fielen hinten runter», konstatierte Bernhardt. Nach ihren Berechnungen bedeutete allein dies für betroffene Familien eine Mehrbelastung von 45 Euro je Kind im Monat, da der Essenzuschuss ausblieb, weil die Kinder zu Hause versorgt wurden.

Kritik äußerte auch der renommierte Kinderschützer Rainer Becker. «Hier soll bei denjenigen wieder Geld gespart werden, die ohnehin schon am wenigsten haben, weil bei ihnen der geringste Widerstand zu erwarten ist», sagte er. Dies sei zutiefst unsozial, kinderfeindlich und unwürdig.

In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion verweist die Landesregierung auf die gesetzlichen Regelungen. Die Annahme, es gehe um Einsparungen, sei nicht gedeckt. «Man könnte allenfalls von verminderten Auszahlungen der Kommunen aufgrund der coronabedingten Schließungen von Einrichtungen beziehungsweise nicht durchgeführten Leistungen sprechen», heißt es wörtlich.

09.08.2020 08.15 Uhr

Lehrer, Eltern, Schüler uneins über mögliche generelle Maskenpflicht

In NRW gilt an weiterführenden Schulen nach den Sommerferien eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Was macht Bayern? Darüber berät am Montag das Kabinett. Bildungsverbände sind in der Frage gespalten.

Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter in Bayern sind sich uneins über eine denkbare generelle Maskenpflicht auch im Unterricht. Vor einer außerplanmäßigen Videokonferenz des Kabinetts am Montag äußerten sich der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), die Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien und der Landesschülerrat skeptisch bis ablehnend - und warnten etwa vor möglichen Folgen für Kinder auch im sozial-emotionalen Bereich. Der Philologenverband und die Direktorenvereinigung der Gymnasien dagegen erklärten, bei steigenden Corona-Zahlen wäre eine Maskenpflicht auch im Unterricht noch das kleinere Übel gegenüber anderen Maßnahmen.

In der Videoschalte am Montag will das Kabinett auch beraten, wie es nach den Sommerferien an den Schulen weitergehen soll. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte zuletzt einen Vier-Stufen-Plan vorgelegt, nach dem jedenfalls bis zum Platz im Klassenzimmer eine Maskenpflicht gelten soll, auch in Grundschulen. Nur bei höheren Infektionszahlen soll demnach eine Maskenpflicht auch im Unterricht gelten. Zuletzt hatte allerdings Nordrhein-Westfalen entschieden, dass dort im neuen Schuljahr an allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch im Unterricht eine Maske getragen werden muss. Das hat nun auch die Debatte darüber in Bayern weiter befeuert.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sagte, man werde die politischen Entscheidungen akzeptieren müssen. Persönlich sei ihre Bewertung eindeutig: «Unterricht mit Maske ist kein normaler Unterricht.» Dies würde negative Folgen haben sowohl für den Kompetenzerwerb als auch im sozialen und emotionalen Bereich. Man müsse deshalb bei steigenden Infektionszahlen abwägen, was besser sei: Präsenzunterricht für alle Kinder gleichzeitig mit Maske - oder Unterricht wieder nur mit halben Klassen und mit Abstand, aber ohne Maske. Bei dieser Abwägung müssten diverse Faktoren einbezogen werden - medizinische und pädagogische.

Die Vorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien, Susanne Arndt, mahnte: «Die Maßnahme, dass Kinder und Lehrer generell über mehrere Stunden eine Maske im Unterricht tragen, sollte die absolute Ultima Ratio sein.» Denn die Folgen einer solchen Maßnahme wären nicht absehbar. «Vorher sollte man überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, jede Klasse für sich quasi zu isolieren, um so die Begegnungen und damit die Möglichkeiten der Ansteckung zu reduzieren», sagte sie.

Der Landesschülerrat befürwortet zwar eine Maskenpflicht auf dem Schulgelände. Eine Maskenpflicht auch im Unterricht stelle aber eine zu große Einschränkung des Unterrichtsgeschehens dar, sagte der Landesschülersprecher der Realschulen in Bayern, Lucas Pflugfelder. Der Landesschülerrat fordert deshalb, die Maskenpflicht sollte «nur bis zum Sitzplatz und nicht während des Unterrichts gelten».

Der Vorsitzende des Philologenverbands, Michael Schwägerl, erklärte dagegen, man habe eine generelle Maskenpflicht auch im Unterricht bisher nicht grundsätzlich ausgeschlossen. «Denn die letzten Monate haben gezeigt: Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen, und ihn zu erhalten muss das Ziel sein», sagte er. «Bei steigenden Infektionszahlen sind dann sicherlich Masken im Unterricht das geringere Übel im Vergleich zu einem wöchentlichen Wechselmodell oder einer kompletten Schulschließung.» Die Maßnahmen sollten aber immer gesamtgesellschaftlich eingebettet sein: «Wenn im Unterricht Masken durchgehend verpflichtend werden, dann muss man beispielsweise auch über eine verschärfte Maskenpflicht in Restaurants nachdenken.»

Birgit Reiter aus dem Landesvorstand der Direktorenvereinigung betonte, man versuche alles, um das neue Schuljahr im September im Regelbetrieb zu starten. Sie fügte aber hinzu: «Auch wenn es keine schöne Vorstellung ist, dass unsere Schülerinnen und Schüler
genauso wie die Lehrkräfte über Stunden hinter Masken atmen müssen: Wenn Masken die Gesundheit wirklich wirksam schützen, sollte man zu diesem Mittel greifen.» In Kürze werde man sicher auch erfahren, wie sich die generelle Maskenpflicht in anderen Bundesländern bewähre.

«Wenn sich in Bayern die Infektionszahlen so entwickeln, dass nur so die Anwesenheit möglichst vieler Schülerinnen und Schüler an den
Schulen möglich ist, dann sind Masken eben nötig», argumentierte Reiter. «Das wäre auch für die soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen förderlicher als sie weiterhin zu Hause zu lassen.»

Schulbeginn in Corona-Zeiten - Sind die Länder gut vorbereitet?

Maske im Unterricht, ja oder nein? Gibt es genügend Räume für den Unterricht? Sind genügend Lehrer da? Das neue Schuljahr beginnt in Corona-Zeiten - und viele Fragen sind offen.

Zwei Schulschließungen wegen Corona-Infektionen kurz nach Schuljahresbeginn lassen nicht nur bei Eltern Zweifel aufkommen, dass die Kultusministerien die Ferienzeit ausreichend zur Vorbereitung genutzt haben. «Es ist ärgerlich, dass die Kultusminister das so lässig angegangen sind und die Sommerferien nicht dafür genutzt haben, einen verlässlichen Unterricht auch in Corona-Zeiten vernünftig vorzubereiten», sagte der Vorsitzende des Bundeselternrates, Stephan Wassmuth, der «Welt» (Samstag). Die Schulen seien zu schnell und unvorsichtig geöffnet worden.

Am Freitag waren in Mecklenburg-Vorpommern zwei Schulen nach wenigen Tagen wieder geschlossen worden. Eine Grundschule in Graal-Müritz nahe Rostock bleibt wegen eines infizierten Schülers zwei Wochen zu, ein Gymnasium in Ludwigslust mit rund 800 Schülern wird bis einschließlich Mittwoch kommender Woche geschlossen, nachdem eine Lehrerin positiv getestet wurde.

Der Ärzteverband Marburger Bund hält trotzdem die Rückkehr zum Regelbetrieb an Schulen für richtig. «Die Schule ist eine Großveranstaltung - aber eine, die wir uns leisten müssen», sagte Verbandschefin Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. Die Überlegungen für Corona-Regeln kämen aber «teilweise erstaunlich spät, denn das Schuljahr beginnt ja nun nicht überraschend».

Nordrhein-Westfalen löste mit seinem Vorstoß, ältere Schüler vorerst (bis 31. August) auch im Unterricht Masken tragen zu lassen, eine Debatte aus. In anderen Bundesländern können die Masken im Unterricht abgenommen werden. Nun fordern auch Berliner Elternvertretungen, dass Schüler und Lehrer in der ersten Schulwoche im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen sollten. Bisher ist das in Schulgebäuden lediglich auf Fluren, auf der Toilette, in Aufenthalts- und Begegnungsräumen vorgesehen.

Der Ärzteverband Marburger Bund nennt eine Maskenpflicht im Unterricht sinnlos. «Wenn alle auf ihren Plätzen sitzen und Abstand sichergestellt ist, macht das Tragen von Masken während der Unterrichtsstunden überhaupt keinen Sinn und wäre eine überflüssige Behinderung», sagte Johna der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). Allerdings hatten die Kultusminister der Länder beschlossen, dass alle Schüler nach den Sommerferien wieder wie gewohnt in die Schule gehen sollen und dass dabei auf die Abstandsregel verzichtet werden soll.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Hessen fordert wesentlich mehr Geld für die personelle Ausstattung sowie für Schulbauten, um den Unterricht in kleineren Klassen zu ermöglichen. «Die Versäumnisse im investiven Bereich rächen sich gerade. Es geht darum, den Rückstau genau anzugucken und systematisch abzubauen», sagte Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, der dpa. Die Bildungsgewerkschaft GEW in Berlin fordert auch kleine Lerngruppen sowie eine Mischung aus Präsenzunterricht und häuslichem Lernen.

Angesichts gestiegener Infektionszahlen warnte der Marburger Bund vor wachsender Nachlässigkeit in der Corona-Pandemie. «Wir sehen schon einen kontinuierlichen Anstieg der Infektionszahlen - er ist flach, aber er ist da», sagte Johna der dpa. Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland liegt den dritten Tag in Folge über der Schwelle von 1000 neuen Fällen. Das Robert Koch-Instituts meldete am Samstagmorgen 1122 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich somit mindestens 215 336 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert.

Nach dem «Fehlstart» der beiden Schulen in Mecklenburg-Vorpommern richten sich jetzt die Blicke auch auf andere Bundesländer, wo die Schule in der kommenden Woche wieder beginnt. Darunter ist das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen. In Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein geht die Schule am Montag wieder los, in NRW am Mittwoch. Nach Angaben aus den Ländern sind die Schulen inzwischen digital besser aufgestellt, sollte es wieder Schließungen und Fernunterricht geben. 

In NRW mit seinen 5500 Schulen und rund 2,5 Millionen Schülern sollen alle Lehrkräfte und alle bedürftigen Schüler Laptops oder Tablets aus umfangreichen Mitteln von Bund, Land und Kommunen finanziert bekommen. Die Landesregierung sieht Investitionen in Höhe von rund 350 Millionen Euro für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien vor. Das Förderprogramm laufe bis zum Jahresende. Nach Angaben des NRW-Digitalisierungsministeriums sind bislang mindestens 93 Prozent der Schulen ans schnelle, gigabit-fähige Internet angeschlossen oder werden es bald sein.

Bei der Digitalisierung waren BERLINs Schulen vor Corona nicht eben weit vorne. Häufig scheiterte es schon an einem leistungsfähigen Breitbandanschluss. Inzwischen haben den Angaben zufolge mehr als 600 Schulen in der Hauptstadt Medienkonzepte eingereicht, um Mittel aus dem bundesweiten, 5,5-Milliarden-Euro schweren Digitalpakt Schule abzurufen. Die Mittel aus dem Digitalpakt – insgesamt 257 Millionen Euro bis 2024 - flössen jetzt ab.

In BRANDENBURG wurde die Anbindung an die Schulcloud - eine gemeinsame Internet-Plattform mit digitalen Lehr- und Lerninhalten - massiv ausgeweitet. Ursprünglich sollten in diesem Jahr 100 Schulen an die Cloud angeschlossen sein, inzwischen arbeiten bereits 403 Schulen damit, 500 der insgesamt 916 Schulen sollen es im neuen Schuljahr werden.

Auch in SCHLESWIG-HOLSTEIN löste die Corona-Krise einen Digitalisierungsschub in Schulen aus. Das Land erhält aus dem Digitalpakt 170 Millionen Euro. Die Voraussetzungen, um Mittel abzurufen, seien weiter vereinfacht worden.

Corona-Tests bei Schülern und Lehrern in Graal-Müritz bislang negativ

An der Ostsee-Grundschule in Graal-Müritz (Landkreis Rostock), die am Freitag wegen der Corona-Infektion eines Schülers vorsorglich geschlossen worden war, ist bislang kein weiterer Fall bekanntgeworden. Mehr als die Hälfte der 137 zu testenden Schüler und Lehrer habe sich einem Abstrich unterzogen. Alle bisherigen Testergebnisse seien negativ gewesen, teilte ein Sprecher des Landkreises am Samstag mit. Die noch ausstehenden Tests würden über das Wochenende erfolgen.

Neben der Grundschule war auch am Goethe-Gymnasium in Ludwigslust der Unterricht ausgesetzt worden, nachdem dort eine Lehrerin einen positiven Befund aufgewiesen hatte. Inzwischen wurde das Virus bei zwei weiteren Pädagogen des Gymnasiums festgestellt.

Schleswig-Holstein will Schulstart ohne Maskenpflicht

Anders als die Nachbarländer Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern will Schleswig-Holstein den Schulstart nach den Ferien ohne Maskenpflicht vollziehen. «Für Schleswig-Holstein gehe ich davon aus, dass eine Maskenpflicht zum jetzigen Zeitpunkt weder medizinisch notwendig noch verhältnismäßig wäre und fühle mich in dieser Auffassung auch von der neusten Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin bestätigt», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS) und bekräftigte damit frühere Aussagen.

Sie verwies auf das niedrige Infektionsgeschehen in ihrem Land. Dies führe zu anderen Erfordernissen als etwa in Bayern oder Berlin. Doch werde auch sie die Entwicklung beobachten und unter Umständen neu bewerten. Wettläufe zwischen Bundesländern um besonders strenge Regeln halte sie aber für falsch.

In Schleswig-Holstein beginnt am Montag wieder der Unterricht. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern läuft die Schule bereits wieder. Dort müssen Schüler, Lehrer und Besucher an weiterführenden Schulen ab Klasse fünf auf dem Schulgelände einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Dieser darf nur während des Unterrichts abgelegt werden.

Elternvertretungen fordern Maske im Unterricht, CDU will mehr Tests

Am Montag starten Berlins Schulen trotz Corona wieder in den Regelbetrieb. Doch viele haben Zweifel, ob das klappen kann. Die zuständige Senatorin tritt Skeptikern entgegen.

Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres am Montag im Regelbetrieb fordern die Berliner Elternvertretungen Nachbesserungen an den Schutz- und Hygienekonzepten in der Corona-Pandemie. Nach Ansicht des Landeselternausschusses und der zwölf Bezirksausschüsse sollten Schüler und Lehrer zumindest in der ersten Schulwoche auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen - bisher ist das in Schulgebäuden lediglich auf Fluren, in der Toilette, in Aufenthalts- und Begegnungsräumen vorgesehen.

Sie verlangten am Samstag zudem, den Schulen freizustellen, in den ersten ein oder zwei Schulwochen nach Plan B mit reduzierter Klassengröße zu unterrichten. Nötig seien auch mehr Corona-Tests für Schüler und Lehrkräfte.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ließ erklären, Berlin gehe verantwortungsbewusst ins neue Schuljahr. Eine Maskenpflicht auch im Unterricht lehnt sie ab, verwies aber auf die Möglichkeit freiwilliger Lösungen. «Wir waren das erste Bundesland, das eine Maskenpflicht in der Schule beschlossen hat. Inzwischen gehen die meisten Bundesländer den Weg, im Schulgebäude Maskenpflicht, im Unterricht ohne Maske», sagte ein Sprecher der Senatorin auf dpa-Anfrage.

«Gegen eine Maskenpflicht im Unterricht sprechen sich auch Kinderärzte und Kinderpsychologen aus.» Auf Wunsch der Eltern könne sich eine Klasse aber darauf verständigen, Mund-Nasen-Schutze zu tragen. Auch die Lehrkräfte könnten dies tun. Ein anderer Weg wäre ein Beschluss der Schulkonferenz dazu.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, sagte, Anlass der neuerlichen Forderungen seien die Reiserückkehrer und die Sorge vor einer höheren Infektionsgefahr. Er verwies auf erste Schulschließungen wegen Corona in Mecklenburg-Vorpommern. Seine Hoffnung ist, dass Sonderregeln für die ersten ein oder zwei Wochen vor dem Hintergrund der Inkubationszeit helfen könnten, eine Verbreitung der Infektion zu vermeiden.

CDU-Landeschef Kai Wegner fordert Corona-Tests für alle Schulkinder. «Wenn jetzt wieder viele Kinder in einer Klasse zusammenkommen, kann sich das Virus schnell verbreiten», sagte er der Deutschen Presse- Agentur. «Elementar ist zu wissen, wie weit das Virus schon verbreitet ist, um frühzeitig Maßnahmen treffen zu können.» Aus einer Sicht hätte mit den Tests schon längst begonnen werden müssen.

Wegner warf Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zahlreiche Versäumnisse vor: «Frau Scheeres hatte so viel Zeit bis zum Schulbeginn, um vieles vorzubereiten: Digitalisierung, Hygienemaßnahmen und zusätzliche Möglichkeiten, um Klassenfrequenzen zu verkleinern», sagte der CDU-Landesvorsitzende. «Aber was ich von vielen Eltern derzeit höre: Sie sind völlig verunsichert, wie dieser Schulstart organisiert wird. Und das ist nicht gut.»

Die Berliner Wirtschaft pocht auf einen Schulbeginn mit Präsenzunterricht für alle Schüler. «Es ist höchste Zeit, dass der Regelbetrieb an den Berliner Schulen wieder startet», erklärten Industrie- und Handelskammer (IHK), Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Handelsverband und die Unternehmensverbände (UVB).

«Es liegt im Interesse der Unternehmer und ihrer Mitarbeiter, dass ihre Kinder wieder verlässlich unterrichtet und betreut werden», hieß es in der gemeinsamen Stellungnahme. «Berlin muss nun die Balance zwischen Gesundheitsschutz und Wiederbelebung der Wirtschaft schaffen.»

Am Montag beginnt in Berlin das neue Schuljahr mit Hygienekonzept - ohne Mindestabstand, dafür mit Maskenpflicht in Schulgebäuden, außer im Unterricht. Die Bildungsgewerkschaft GEW hält das für fahrlässig und fordert kleine Lerngruppen und eine Mischung aus Präsenzunterricht und häuslichem Lernen.

Die Wirtschaftsverbände lehnten das «entschieden» ab. «Für die Wirtschaft, die Mitarbeiter und ihre Familien wäre dies eine nicht vertretbare und derzeit unverhältnismäßige Belastung.» Der Sprecher von Scheeres nannte es unzumutbar, den Eltern jetzt noch kurzfristig mitzuteilen, dass sie ihre Kinder nun doch nicht oder nur teilweise in die Schule schicken können und sich selbst um die Betreuung kümmern müssen. «Da kann auch kaum ein Arbeitgeber mitgehen.

Wegner sagte, er finde den für den Fall von Infektionsfällen an Schulen vorgesehenen Teilungsunterricht nicht schlecht. «Doch warum machen wir den zur Ausnahme? Das sollte die Regel sein.» Dafür müssten die Schulkinder aber technisch gut ausgestattet werden.

Karliczek: Masken in Schule tragen, wo Abstand nicht möglich

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat dazu aufgefordert, «dass in der Schule Mund- und Nasenbedeckungen getragen werden sollten, wenn die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können». Das sagte sie der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Angesichts der Corona-Pandemie sieht sie die Schulen vor Herausforderungen, wie es sie «vielleicht noch nie» gab. «Jetzt wünschen sich verständlicherweise viele die Rückkehr zum Präsenzunterricht. Die persönliche Begegnung ist für den Lernerfolg unstreitig von besonderer Bedeutung.» Gerade benachteiligte Schülerinnen und Schüler hätten unter den Schulschließungen besonders gelitten. «Denn sie erreichen wir mit digitalen Lernformaten noch nicht gut genug.»

Beim digitalen Lehren und Lernen sei es vorangegangen, auch wenn noch nicht alle Ziele erreicht seien: «Die Krise hat uns aber auch die Chancen digitaler Lernformate gezeigt», so Karliczek

Berliner Bildungssenatorin gegen Maskenpflicht im Unterricht

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat Forderungen nach einer Maskenpflicht im Schulunterricht zurückgewiesen, aber auf die Möglichkeit freiwilliger Lösungen verwiesen. «Wir waren das erste Bundesland, das eine Maskenpflicht in der Schule beschlossen hat. Inzwischen gehen die meisten Bundesländer den Weg, im Schulgebäude Maskenpflicht, im Unterricht ohne Maske», sagte ein Sprecher am Samstag auf dpa-Anfrage.

«Gegen eine Maskenpflicht im Unterricht sprechen sich auch Kinderärzte und Kinderpsychologen aus.» Auf Wunsch der Eltern könne sich eine Klasse aber darauf verständigen, Mund-Nasen-Schutze zu tragen. Auch die Lehrkräfte könnten dies tun. Ein anderer Weg wäre ein Beschluss der Schulkonferenz dazu.

Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres am Montag im Regelbetrieb sprachen sich Berliner Elternvertretungen für Masken auch im Unterricht aus - zumindest in der ersten Schulwoche. Bisher ist das in Schulgebäuden auf Fluren, in der Toilette, in Aufenthalts- und Begegnungsräumen vorgesehen. Anlass für die Forderungen seien die Reiserückkehrer und die Sorge vor einer höheren Infektionsgefahr, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise.

Weitere Lehrer in Ludwigslust infiziert - 205 Schüler in Quarantäne

Wenige Tage nach dem Schulstart mussten in Mecklenburg-Vorpommern schon wieder zwei Schulen wegen Corona-Infektionen vorsorglich geschlossen werden. Am Gymnasium in Ludwigslust zeigt sich nun, dass der Fall dort größere Ausmaße annehmen könnte.

Die Corona-Infektion einer Gymnasiallehrerin in Ludwigslust hat Folgen. Wie der Landkreis Ludwigslust-Parchim am Samstag mitteilte, wurden bei Tests im gesamten Kollegium zwei weitere Pädagogen positiv auf das neuartige Virus getestet. «Damit greift jetzt die nächste Stufe», erklärte Landrat Stefan Sternberg (SPD). Da die infizierten Lehrer seit dem Schulstart am Montag Kontakt zu 205 Schülern gehabt hätten, würden diese nun als Kontaktpersonen ersten Grades per Allgemeinverfügung in Quarantäne geschickt. Eltern und Geschwister seien von der Quarantäneregelung nicht betroffen.

Sternberg zufolge werden am Montag nochmals das gesamte Schulpersonal sowie die 205 Schüler getestet. Die Ergebnisse würden für Dienstag erwartet. «Danach werden wir entscheiden, wie wir mit der Schulöffnung weiter verfahren», erklärte der Landrat. Vorerst war der Präsenzunterricht für alle 800 Schüler bis einschließlich Mittwoch kommender Woche ausgesetzt worden. Der Unterricht werde aber für alle Schüler gewährleistet, versicherte Sternberg. Die Schule stelle auf das Lernen von Zuhause am Computer um.

Neben dem Gymnasium in Ludwigslust war am Freitag vorsorglich auch die Ostsee-Grundschule in Graal-Müritz (Landkreis Rostock) geschlossen worden. Dort war bei einem Schüler eine Corona-Infektion festgestellt worden. Die Schule bleibt für zwei Wochen zu, wie der Landkreis mitteilte. Alle Kinder, Lehrer und sonstigen Schulmitarbeiter seien in Quarantäne geschickt worden.

Der Unterricht in Mecklenburg-Vorpommern hatte erst am Montag wieder begonnen. Das Bundesland war als erstes nach den sechswöchigen Sommerferien in das neue Schuljahr gestartet.

Während der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, nach den Schulschließungen in MV schärfere Hygienemaßnahmen für Schulen in Deutschland forderte, zeigte sich der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger mit den bisherigen Vorgaben zufrieden. Die zum Schulanfang beschlossenen Hygienemaßnahmen seien ausreichend. Dazu gehöre auch die Maskenpflicht an Schulen mit Ausnahme des Unterrichts, die allerdings umstritten ist.

Der Ärzteverband Marburger Bund hält die Rückkehr zum Regelbetrieb an Schulen für richtig. «Die Schule ist eine Großveranstaltung - aber eine, die wir uns leisten müssen», sagte Verbandschefin Susanne Johna. Dafür sei es wichtig, Corona-Regeln gut festzulegen. Dazu gehöre eine Strategie zum regelmäßigen Belüften der Räume, die auch im Herbst und Winter durchzuhalten sei. Sinnvoll seien auch Masken auf dem Schulhof gerade in engeren Bereichen. Während des Unterrichts halte sie dies aber nicht für angebracht, erklärte Johna.

Kritik an der Politik kam auch vom Bundeselternrat, der eine unzureichende Vorbereitung des Schulstarts beklagte. «Es ist ärgerlich, dass die Kultusminister das so lässig angegangen sind und die Sommerferien nicht dafür genutzt haben, einen verlässlichen Unterricht auch in Corona-Zeiten vernünftig vorzubereiten», sagte der Vorsitzende Stephan Wassmuth der «Welt» (Samstag). Schon seit Wochen habe man dafür plädiert, Klassen zu teilen, um im Falle eines Ausbruchs nur wenige Schüler in Quarantäne schicken zu müssen. Die Schulen seien zu schnell und unvorsichtig geöffnet worden.

07.08.2020 11.00 Uhr

Auch nach den Sommerferien keine Maskenpflicht im Unterricht

Baden-Württemberg steigt als letztes Bundesland ins neue Schuljahr ein. Und schon jetzt ist klar: im Unterricht wird auch nach dem Urlaub auf Masken verzichtet. Solange die Lage das zulässt, sagte Kultusministerin Eisenmann. Doch der Gegenwind ist bereits da.

Auch nach den Sommerferien wird es in baden-württembergischen Schulen keine Maskenpflicht im Klassenraum geben. «Ich halte aus pädagogischen Gründen wenig von einer Maskenpflicht im Unterricht», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann der dpa. Gerade im Unterricht sei es wichtig, klar kommunizieren zu können. «Stellen Sie sich zum Beispiel mal den Französischunterricht mit Maske vor, das ist schon schwierig», sagte die CDU-Politikerin.

Es gebe allerdings nach den Sommerferien ab Klasse fünf und an den weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht auf den sogenannten Begegnungsflächen wie den Schulfluren, der Aula und den Toiletten. «Freiwillig darf natürlich jeder eine Maske auch im Unterricht tragen - Schüler wie Lehrer», sagte Eisenmann. An Grundschulen seien Masken auch nach den Ferien nicht vorgeschrieben.

Eisenmann schließt allerdings nicht aus, dass die Pflicht zum Mund-Nase-Schutz an Schulen auch in den Unterrichtsstunden eingeführt werden muss, wenn die Infektionszahlen weiter steigen. Es könne auch bei einem lokalen Corona-Hotspot die Maskenpflicht im Schulunterricht angeordnet werden.

Nordrhein-Westfalen hat als bisher einziges Bundesland eine Maskenpflicht auch im Unterricht angekündigt. Im bevölkerungsreichsten Land beginnt das neue Schuljahr am kommenden Mittwoch.

Wissenschaftler wie der Charité-Virologe Christian Drosten und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, widersprechen allerdings der Lesart Eisenmanns und zahlreicher anderer Kultusminister. In einer Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle empfehlen sie, dass an Deutschlands Schulen von der fünften Klasse an auch im Unterricht Maske getragen wird, wenn nicht ausreichend Abstand möglich ist. Sie sprechen sich zudem dafür aus, «überall, wo dies umsetzbar ist», kleine feste Kontaktgruppen einzurichten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte Eisenmann auf, die Empfehlungen der Wissenschaft umzusetzen. Bei älteren Schülerinnen und Schülern seien Masken zwar vertretbar und konsequent, weil sie eine höhere Infektiosität hätten. «Aber es ist doch nicht nachvollziehbar, dass sie im Klassenzimmer nebeneinander sitzen und miteinander sprechen - und sobald sie aus dem Zimmer rausgehen, müssen sie eine Maske aufsetzen», sagt die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. Mehr Abstand, das sei die beste Variante im Klassenzimmer, sofern die Gebäude diesen zuließen. Außerdem müssten Lehrkräfte endlich eng anliegende sogenannte FFP2-Masken erhalten, die auch kleine Partikel und Tröpfchen zuverlässiger aus der Luft filtern können.

Die Gymnasiallehrer sind ebenfalls skeptisch: «Eine bessere und preiswertere Lösung wäre es, die rund 1,3 Millionen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte im Land mit Visieren auszustatten», sagte der Landesvorsitzende des Philologenverbandes, Ralf Scholl. Visiere seien zwar nicht ganz so effektiv wie Masken, verminderten aber das Ansteckungsrisiko auf etwa die Hälfte. «Zudem haben Visiere im Vergleich zu Masken den großen Vorteil, dass sie problemlos sechs Stunden ununterbrochen getragen werden können und die Mimik der Träger erkennbar bleibt.» Allerdings werden Visiere zum Beispiel aus Plexiglas in NRW abgelehnt, weil der Infektionsschutz damit nach Einschätzung des RKI nicht genauso sicher ist wie eine eng am Gesicht anliegende Mund-Nasen-Bedeckung.

Realschullehrer sind ebenfalls gegen die Maske: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass man eine Maske sechs Stunden am Stück trägt, ganz egal ob als Lehrer oder als Schüler», sagt Karin Broszat vom Realschullehrerverband. Die Überlinger Rektorin bevorzugt Abstandsregeln, auch wenn das bei Klassengrößen von 30 Jugendlichen schwierig sei.

Und die Schüler? Der Landesschülerbeirat stärkt Eisenmann den Rücken. Mit Maske lasse es sich aus rein psychologischen Gründen und gerade im heißen Sommer nicht angenehm arbeiten, sagt dessen Vorsitzender David Jung. «Das mag zwar nur eine marginale Empfindung sein und dennoch ist sie für uns von großer Bedeutung, weil kommendes Schuljahr noch etwaige Bildungsungleichheiten ausgebügelt werden müssen.» Dazu müssten die Schüler 100 Prozent ihrer Leistung bringen.

Baden-Württemberg nimmt in diesem Jahr als letztes Bundesland nach den Sommerferien den regulären Schulbetrieb auf. Ein Nachteil ist das nicht, sagte Eisenmann. «Natürlich ist es ein Vorteil zu sehen, wie in anderen Bundesländern die Schule nach den Sommerferien wieder anläuft.» Man könne lernen, was gut und was nicht so gut laufe. «Wir können Fehler vermeiden, die andere gemacht haben, und wir können Erkenntnisse, die es gegeben hat, auf Baden-Württemberg übertragen. Wir können von den Erfahrungen der anderen profitieren – warum sollen wir das nicht nutzen?»

07.08.2020 10.55 Uhr

Zwei Schulen in Mecklenburg-Vorpommern wegen Corona geschlossen

(dpa)Zwei Schulen in Mecklenburg-Vorpommern sind wegen Corona geschlossen worden. Betroffen sind das Goethe-Gymnasium in Ludwigslust, wo eine Lehrerin positiv getestet worden ist und die Ostsee-Grundschule in Graal-Müritz, wie aus Mitteilungen der beiden Landkreise vom Freitag hervorgeht. An der Grundschule ist demnach ein Schüler infiziert.

07.08.2020 08.15 Uhr

Eisenmann verteidigt unterschiedliche Corona-Regelungen an Schulen

Stuttgart (dpa/lsw) - Kultusministerin Susanne Eisenmann hat die unterschiedlichen Regelungen an den Schulen in der Corona-Krise verteidigt. Jedes Bundesland habe ein anderes «Infektionsgeschehen». Die Länder stimmten sich schon jetzt ausreichend ab, sagte die CDU-Politikerin am Freitag dem Südwestrundfunk (SWR). Eisenmann wies zudem Aussagen von Grünen-Chefin Annalena Baerbock zurück, die das Vorgehen der Länder stärker koordinieren will und einen Bildungsgipfel von Bund, Ländern und Bildungseinrichtungen fordert. «Wir brauchen keine Arbeitskreise von Unzuständigen, sondern Sicherheit vor Ort», sagte Eisenmann. Weitere «Vorgaben aus Berlin, die nur Zeit kosten und nichts bringen», wolle sie nicht.

06.08.2020 20.34 Uhr

Gericht: Lehrerin aus Risikogruppe muss vorerst nicht unterrichten

Eine Lehrerin in Schleswig-Holstein, die wegen einer Lungenerkrankung zu den Corona-Risikogruppen gehört, muss nach einem Gerichtsbeschluss vorerst nicht in der Schule Präsenzunterricht geben. Das Verwaltungsgericht in Schleswig untersagte am Donnerstag dem Kieler Bildungsministerium, die Lehrerin aus dem Kreis Segeberg bis zu einer endgültigen Entscheidung wie geplant einzusetzen. Am Montag beginnt in dem Bundesland das neue Schuljahr.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Astrid Henke, forderte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) auf, angesichts der Gerichtsentscheidung «von ihrer bisherigen hartherzigen Linie» abzurücken. Lehrkräfte, die zu Risikogruppen gehörten und ärztliche Atteste vorlegten, hätten schwere Vorerkrankungen und bräuchten wegen ihres gesundheitlichen Risikos einen besonderen Schutz bei ihrem Arbeitseinsatz.

Rund 1600 Lehrer haben in Schleswig-Holstein Atteste vorgelegt, dass sie zu Corona-Risikogruppen gehören und deshalb derzeit nicht direkt Schüler unterrichten könnten. Der betriebsärztliche Dienst hat nach den bisher bekannten Zahlen 780 Fälle geprüft und lediglich 32 Unterrichtsbefreiungen ausgesprochen.

Ministerin Prien hatte am Mittwoch bekräftigt, dass Lehrer wegen der geringen Infektionszahlen in Schleswig-Holstein kein größeres Risiko in der Schule hätten als andere Berufsgruppen. Ihr sei die Gesundheit und das Wohlergehen der Lehrkräfte sehr wichtig. Die Gefährdungsbewertungen des betriebsärztlichen Dienstes orientierten sich an den Gegebenheiten des jeweiligen Arbeitsplatzes - und dies gelte es zu respektieren.

06.08.2020 14.26 Uhr

Aufregung um Corona-Verdacht an Sportgymnasium - Tests aber negativ

Kurz nach Schulstart hat es erstmals an einer größeren Schule im Nordosten Aufregung um einen Corona-Verdacht gegeben: am Sportgymnasium Neubrandenburg. Allerdings nur kurz.

Ein Corona-Verdachtsfall außerhalb der Schule hat zwei Tage für Aufregung am Sportgymnasium Neubrandenburg und seinem Umfeld gesorgt. Nun gibt es aber Entwarnung, wie eine Sprecherin der Schule am Donnerstag sagte. Seit Mittwoch waren mindestens drei Schüler in häuslicher Quarantäne, weil bei ihnen der Verdacht bestand, dass sie außerhalb der Schule Kontakt zu einer Person hatten, die positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

Die betreffenden Sportschüler wurden nach Absprache mit dem Gesundheitsamt getestet, die Tests auf das Covid-19-Virus fielen der Sprecherin zufolge negativ aus. Damit könnten wieder alle Schüler zum Schulbetrieb - natürlich unter striktem Hygieneplan - erscheinen. Am Sportgymnasium lernen 580 Mädchen und Jungen.

Zur Sicherheit hatte die Schule nach dem ersten Bekanntwerden des Verdachts noch einigen weiteren Schülern empfohlen, in häuslicher Quarantäne zu bleiben. Dies war schon am Mittwoch für die meisten nach Rücksprache mit der Kreisverwaltung wieder aufgehoben worden, hatte aber für Spekulationen in sozialen Medien gesorgt. Es wäre der erste Fall gewesen, bei dem der Schulbetrieb an einer größeren Schule im Nordosten in diesem Schuljahr durch Covid-19-Probleme beeinträchtigt gewesen wäre.

05.08.2020 17.30 Uhr

Hamburg startet unter Corona-Bedingungen ins neue Schuljahr

Nach fast dreieinhalbmonatiger Corona-Zwangspause und sechs Wochen Sommerferien starten Hamburgs Schüler am Donnerstag unter verschärften Bedingungen ins neue Schuljahr. Wegen der Pandemie bestehen an allen 471 staatlichen und privaten Schulen der Hansestadt strenge Hygieneregeln und eine Maskenpflicht. Ausnahmen beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gelten nur am Arbeitsplatz im Klassen- und Lehrerzimmer sowie für Grundschüler bis zehn Jahren.

Insgesamt erwartet die Schulbehörde so viele Schüler wie seit Jahrzehnten nicht. Den Angaben zufolge besuchen in diesem Schuljahr in Hamburg 256 890 Jungen und Mädchen eine Schule. Das seien 5400 mehr als im vergangenen Schuljahr.

Nach Mecklenburg-Vorpommern, wo bereits am Montag die Schule wieder begonnen hat, ist Hamburg das zweite Bundesland, in dem die Ferien enden. Kommende Woche folgen dann Schleswig-Holstein, Berlin und Brandenburg.

05.08.2020 16.58 Uhr

Maskenpflicht kommt auch für Brandenburger Schulen

In Brandenburg ist die Maske bald nicht nur im Nahverkehr und beim Einkaufen Pflicht, sondern auch in Schulen. Allerdings soll es erstmal freiwillig losgehen, bis die neuen Regeln beschlossen sind.

Die Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus kommt auch für Schüler und Lehrer in Brandenburg. Die Mund-Nasen-Bedeckung solle für alle Personen in Schulgebäuden gelten - und zwar in Fluren, Gängen, Treppenhäusern und Aulen sowie beim Anstehen in der Mensa, teilte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Mittwoch in Potsdam mit. Im Unterricht und auf dem Schulhof solle die Maske nicht Pflicht sein. Darauf habe sie sich mit Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) verständigt.

Das Kabinett will die Regelung als Teil der neuen Corona-Verordnung am kommenden Dienstag beschließen. Den Schulen werde empfohlen, die Maskenpflicht zum Schulstart am Montag freiwillig einzuführen, bis die neue Verordnung in Kraft trete, sagte Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld der Deutschen Presse-Agentur. Die bisherige Verordnung läuft zum 16. August aus.

«Ziel ist es, alles dafür zu tun, dass Unterricht in Brandenburg möglichst im Regelbetrieb stattfinden kann», erklärte Bildungsministerin Ernst. «Außerdem tragen wir damit den Sorgen und Wünschen der Eltern und Schülerinnen und Schüler Rechnung, die sich in vielen Briefen an uns gewendet haben.» Für Horte soll es eine ähnliche Regelung geben: Dort sollen pädagogische Räume und Außenanlagen ausgenommen bleiben.

Gesundheitsministerin Nonnemacher zeigte sich besorgt, weil die Infektionszahlen in allen Bundesländern und weltweit wieder in unterschiedlichem Ausmaß spürbar zunähmen. «Zum Ende der Reisezeit besteht auch in Brandenburg die Gefahr, dass das Infektionsgeschehen angefacht wird», betonte sie. «Angesichts dieser aktuellen Lage wollen wir den Schulstart im Regelbetrieb mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen flankieren.»

Nach dem Ende der Sommerferien soll am 10. August in Brandenburg der reguläre Schulbetrieb trotz der Corona-Pandemie wieder aufgenommen werden. Ernst hatte am Dienstag bereits eine mögliche Maskenpflicht an Schulen in Aussicht gestellt. Im neuen Hygieneplan war zunächst keine verpflichtende Bedeckung von Mund und Nase vorgesehen. Der Berliner Senat hatte schon vergangene Woche angekündigt, dass dort im neuen Schuljahr ähnlich wie in weiteren Bundesländern eine Maskenpflicht in Schulgebäuden gelten soll, aber nicht im Unterricht.

Die CDU-Fraktion im Landtag bat um Verständnis. «Uns allen ist die schwierige und herausfordernde Zeit der kompletten Schulschließung noch sehr bewusst», sagte ihr bildungspolitischer Sprecher Gordon Hoffmann. «Darum bin ich überzeugt, dass das Tragen von Masken in Schulen die Zustimmung der Brandenburgerinnen und Brandenburger findet, solange ein geregelter Unterricht stattfindet.»

Brandenburgs Linksfraktionschefin Kathrin Dannenberg hält einen kostenlosen Mund-Nasen-Schutz für sinnvoll. «Wenn Kinder in die Schule kommen, haben von zehn Kindern vielleicht fünf Mundschutz dabei», sagte Dannenberg. «Dieser Mundschutz ist von den Gesundheitsämtern oder von der Landesregierung zur Verfügung zu stellen für unsere Schulen für unsere Kitas.» Sie forderte auch eine Aufklärungskampagne für Masken für Kinder und Eltern.

Den Schulbeginn am kommenden Montag für die Schulen nannte Dannenberg «die größte Herausforderung, die wir bisher hatten». Die Linksfraktionschefin dringt darauf, dass das Projekt der 18 Gesundheitsfachkräfte an 27 Schulen in Brandenburg fortgeführt wird, das in diesem Dezember endet. Sie könnten bei den Corona-Tests helfen. Alle Beschäftigten in Schulen und Kitas können sich 14-tägig kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Für Kita-Kinder und Schüler ist eine Stichprobe bei bis zu einem Prozent vorgesehen.

05.08.2020 16.34 Uhr

Schulstart in Schleswig-Holstein mit viel Präsenzunterricht

«Unsere Schulen sind gut vorbereitet»: Zum Schuljahresstart in Schleswig-Holstein zeigt sich Bildungsministerin Prien selbstbewusst. Es soll wieder so viel Unterricht in den Schulen geben wie möglich. Auf Corona-Ausbrüche sei man vorbereitet.

Im neuen Schuljahr soll es in Schleswig-Holstein trotz der Corona-Krise soviel Präsenzunterricht wie möglich geben. Es sei ein Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen vorgesehen, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch in Kiel. Erneute Schulschließungen wie im Frühjahr sollten unbedingt vermieden werden. Denn die Schule sei für die Schüler nicht nur Lern-, sondern auch Lebensort. Prien verwies auf ein am Vortag vorgelegtes Gutachten medizinischer Fachgesellschaften, die geöffnete Kitas und Schulen als «Aufgabe höchster nationaler Priorität» bezeichnen.

Das Schuljahr beginnt in Schleswig-Holstein am Montag. Für einen guten Start möglichst ohne Corona-Fälle empfiehlt das Ministerium dringend, in den ersten zwei Wochen eine Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule zu tragen - auch während des Unterrichts. Die Jahrgangsstufen eins bis sechs sind davon ausgenommen. Nach den zwei Wochen werde die Empfehlung überprüft und gegebenenfalls neu bewertet. Sollten die Infektionszahlen insgesamt niedrig sein, werde die dringende Empfehlung dann nicht mehr aufrecht erhalten, sagte Prien.

Eine Maskenpflicht in der Schule, wie sie andere Länder haben, lehnte Prien als zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verhältnismäßig und nicht verfassungskonform ab.

In einem Informationsschreiben, das alle Eltern bis Ende dieser Woche per Post erhalten, sollen sämtliche Schutzmaßnahmen dargelegt werden. Als wichtigste Regel nennt das Ministerium, dass Kinder nicht in die Schule gehen dürfen, wenn sie krank sind oder auch nur leichte Grippesymptome zeigen. Zudem wird an die Pflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten aus dem Ausland erinnert, 14 Tage in Quarantäne zu gehen oder einen aktuellen negativen Corona-Test vorzulegen. Zudem müssen sie sich beim örtlichen Gesundheitsamt melden.

Dem Informationsschreiben ist eine «Belehrung zum Umgang mit
möglichen Infektionskrankheiten in der Schule» beigefügt. Die Eltern sollen bestätigen, dass sie die «Belehrung» zur Kenntnis genommen haben, und ihre Kinder den unterschriebenen Zettel in der Schule in der ersten Schulwoche abgeben.

Prien wandte sich gegen Überbietungswettbewerbe der Länder bei Lockerungen oder Schutzmaßnahmen. Schleswig-Holstein setze seit Monaten auf eine schrittweise Öffnung mit Vernunft und Augenmaß.

Die Corona-Krise hat laut Prien einen gewaltigen Digitalisierungsschub in den Schulen ausgelöst. Schleswig-Holstein erhält aus dem Digitalisierungspakt 170 Millionen Euro. Sie wies Kritik der SPD zurück, nicht schnell genug zu handeln: «Wir stellen allen Schulen auf Wunsch ein einheitliches Lernmanagementsystem zur Verfügung. Die formalen Voraussetzungen, um Mittel aus dem Digitalpakt zu erhalten, wurden weiter vereinfacht. Wir schaffen zusätzliche Stellen um die Schulen bei der Digitalisierung zu beraten. Wir haben einen datenschutzkonformen Videokonferenzdienst für die Schulen bereitgestellt und Schulen durch das IQSH dabei unterstützt, digitales Lernen auf Distanz zu ermöglichen».

Das Sofortausstattungsprogramm, um Schulen mit digitalen Endgeräten zu versorgen, verdiene seinen Namen. Spätestens seit dem 14. Juli hätten die Schulträger über das Sofortprogramm digitale Ausstattung beschaffen können. Seitdem seien 7,35 Millionen Euro vergeben und insgesamt 9,18 Millionen Euro von 107 Schulträgern beantragt worden. 800 Lehrkräfte hätten in den vergangenen Wochen und insbesondere auch in den Ferien Fortbildungen zum Lernen mit digitalen Medien gemacht.

«Schneller kann so etwas nicht funktionieren», sagte Prien. Sie sei sicher, dass viele Schulen Geräte zum Schulanfang haben werden. Zugleich betonte Prien, digitales Lernen könne den direkten Kontakt niemals ersetzen. 455 von 792 Schulen in Schleswig-Holstein wollten das neue Lernmanagementsystem haben. Die anderen Schulen verwendeten andere Software. In den nächsten Wochen würden alle Lehrkräfte endlich Dienst-E-Mail-Adressen bekommen.

Im Falle von Corona-Ausbrüchen in Regionen oder Schulen soll ein Corona-Reaktionsplan den Schulen konkrete Handlungsorientierungen geben. Der Plan werde derzeit in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium erarbeitet.

Prien verteidigte erneut, dass nur ein Bruchteil der Lehrer, die sich mit Attesten zugehörig zu Corona-Risikogruppen gemeldet haben, vom Präsenzunterricht befreit sind. Angesichts der niedrigen Infektionszahlen in Schleswig-Holstein sei ein erhöhtes Risiko für Lehrer nicht anzunehmen. Ihr liege die Gesundheit und das Wohlergehen der Lehrkräfte sehr am Herzen. Prien geht davon aus, dass 20 vorliegende Klagen von Lehrern nicht erfolgreich sein dürften. Sie verwies auf gescheiterte Klagen in anderen Ländern.

05.08.2020 14.55 Uhr

Philologenverband: Normalbetrieb in Schulen wird es nur kurz geben

Der Berliner Philologenverband rechnet damit, dass es in vielen Schulen nach den Ferien Corona-Infektionsfälle geben wird. Er gehe davon aus, dass der für den Beginn des neuen Schuljahrs angekündigte Regelbetrieb nach wenigen Wochen wieder zurückgefahren werde, sagte Frank Rudolph, Sprecher des Philologenverbandes Berlin/Brandenburg am Mittwoch. «Weil mit Sicherheit Corona-Fälle in den Schulen auftreten werden. Ich glaube, dass so viele Schulen betroffen sein werden, dass es am Ende auf eine fast komplette Schließung wieder hinauslaufen wird.»

Auch Familienfeiern oder Gottesdienste seien bereits zu Ansteckungsherden geworden. «Was ist denn anders, wenn ich 30 Leute in einen Unterrichtsraum setze? Die Ansteckungsgefahr ist riesig», sagte Rudolph. «Und wir haben jetzt die warme Jahreszeit, wenn die kalte Jahreszeit kommt, in der ich nicht Durchzug lüften kann, dann passiert das einfach.» Er sei sehr pessimistisch, was das neue Schuljahr angehe und seine Kollegen auch.

05.08.2020 14.15 Uhr

Landkreise sehen keine Chance für mehr Schulbusse

Der Landkreistag Mecklenburg-Vorpommern hat Forderungen nach mehr Schulbussen zur Vermeidung von Gedränge und damit zum Schutz vor Corona-Infektionen als nicht umsetzbar zurückgewiesen. Hier und dort seien sicher Verstärkerfahrten möglich, doch flächendeckend sei der Einsatz von mehr Bussen im Schülerverkehr nicht machbar, sagte Judith Gelke vom Landkreistag am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Busse stünden nicht reihenweise ungenutzt in den Depots und warteten nur darauf, zum Einsatz zu kommen. Dasselbe gelte für das Fahrpersonal. Solle der Schülerverkehr aufgestockt werden, müsse im Gegenzug der Linienverkehr ausgedünnt werden. Das sei aber auch nicht möglich, denn die Menschen müssten zur Arbeit kommen.

Spielraum sei nur punktuell und in kleinem Umfang vorhanden - dieser werde auch bereits genutzt, sagte Gelke. So setze der Nahverkehr in Schwerin seit Schuljahresbeginn seine größten Gelenkbusse im Schülerverkehr ein, um für mehr Platz zu sorgen.

Seit dem Schuljahresbeginn am Montag gehen erstmals seit Mitte März wieder alle gut 150 000 Schüler des Landes täglich zur Schule. Eltern- und Lehrerverbände hatten daraufhin eine Entzerrung im Schülerverkehr gefordert. In den oft sehr vollen Bussen herrscht Maskenpflicht, auf die Einhaltung sollen die Busfahrer achten. Extra Begleitpersonal ist nach Kenntnis des Landkreistages nicht an Bord.

Der Verband Bildung und Erziehung erneuerte am Mittwoch seine Forderung nach mehr Schulbussen und verlangte auch mit Blick auf die angekündigten Hitzetage eine Begleitung. Gerade bei hohen Temperaturen müssten überfüllte Busse und Straßenbahnen vermieden werden. «Die Gefahr, dass die Schülerinnen und Schüler in dann stark erwärmten Fahrzeugen mit aufgesetzter Mund-Nasen-Bedeckung schnell Atemprobleme bekommen können, ist groß», sagte der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft, Michael Blanck.

05.08.2020 11.29 Uhr

Umfrage: Corona-Krise hat Lernzeit von Kindern halbiert

Die Zeit, in der sich Kinder täglich mit Schule und Lernen beschäftigen, hat sich einer Umfrage zufolge während der coronabedingten Schulschließungen in etwa halbiert: Statt 7,4 Stunden waren es auf dem Höhepunkt der Krise nur noch 3,6 Stunden. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten bundesweiten Befragung des Ifo-Instituts von mehr als 1000 Eltern hervor.

Die fehlende Schule wurde durch das Lernen zu Hause also nicht annähernd kompensiert. Dagegen verbrachten Kinder und Jugendliche im Schnitt 5,2 Stunden mit Fernsehen, Computer- oder Handyspielen und sozialen Medien. Zuvor waren es 4 Stunden.

Auffällig ist: Bei Leistungsschwächeren ging die Zeit für Schule und Lernen stärker zurück - von 7,4 auf 3,4 Stunden. Bei Leistungsstärkeren waren es 7,5 und dann 3,9 Stunden. Dagegen stieg die Zeit, in der Leistungsschwächere mit Fernsehen, Computer- oder Handyspielen und sozialen Medien verbrachten, von 4,6 auf 6,3 Stunden. Bei Leistungsstärkeren war es ein Anstieg von 3,8 auf 4,8.

Unter dem Strich kamen die Familien in Deutschland der Befragung zufolge aber mehrheitlich gut mit den Schließungen zurecht, nämlich 86 Prozent. Allerdings gaben 38 Prozent der Befragten auch an, die Zeit sei für Kinder und Eltern psychisch belastend gewesen.

«Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, dass wir unter Beachtung der Schutzmaßnahmen wieder zum normalen Schulunterricht zurückkehren. Wo Schließungen unvermeidlich sind, sollten die Schulen direkt auf Online-Unterricht umstellen«, sagte der Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik, Ludger Wößmann, bei der Vorstellung der Studie.

04.08.2020 22.37 Uhr

Hessen bleibt zunächst bei Masken-Regelung: Schulleitung entscheidet

In der Diskussion um eine Maskenpflicht an Schulen bleibt Hessen bislang bei seiner Linie, die Entscheidung in die Hände der Schulleitungen vor Ort zu legen. «Diese Regelung besteht nach wie vor», sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Dienstag in Wiesbaden. Man beobachte allerdings sehr genau das Corona-Infektionsgeschehen und den Umgang der anderen Länder in der Maskenfrage. Bis zum hessischen Schulstart Mitte August werde sich dann entscheiden, ob die bisher geplante Regelung noch mal angepasst werden müsse.

In Hessen ist vorgesehen, dass die Schulleitung für die Zeiten außerhalb des Präsenzunterrichts im Klassen- oder Kursverband das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung im Schulgebäude anordnen kann, soweit dies durch die Verhältnisse vor Ort erforderlich ist. Eine solche Vorgabe geschieht in Absprache mit dem Gesundheitsamt.

In mehreren anderen Bundesländern müssen Schüler und Lehrer im neuen Schuljahr auf dem Schulgelände eine Mund-Nase-Bedeckung tragen, in Nordrhein-Westfalen gilt die Pflicht zumindest vorübergehend auch im Unterricht. In Mecklenburg-Vorpommern - wo die Schule bereits begonnen hat - gilt die Maskenpflicht ab Mittwoch für Schüler ab Klasse fünf.

Die Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) forderte einheitliche Vorgaben des Landes zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung innerhalb von Schulgebäuden. Sie halte es für dringend geboten, dass Schüler ab zehn Jahren und Erwachsene zumindest in den ersten Wochen nach den Sommerferien in den Gängen, im Treppenhaus, auf dem Schulhof und in den sanitären Einrichtungen Alltagsmasken tragen. «Die Lehrkräfte könnten je nach Abstandssituation entscheiden, dass dann im Klassenraum die Maske wieder abgelegt werden kann.»

04.08.2020 15.49 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern: Maskenpflicht in Schulen ab Klasse fünf

In Mecklenburg-Vorpommern müssen Schüler und Lehrer von diesem Mittwoch an auf dem Schulgelände eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Außerdem sollen die Corona-Tests ausgeweitet werden, wie Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach einer Kabinettssitzung mit Vertretern von Kommunen, Wirtschaft und Verbänden am Dienstag sagte. Die Maskenpflicht gilt demnach ab Klasse fünf. Damit sind die Grundschulen befreit. Ausgenommen sind laut Schwesig auch die Klassenräume.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) sagte, dass die Schüler ferner angehalten werden sollen, auf dem Weg zum Schulbus und an der Haltestelle ihre Maske zu tragen. Mit den Kommunen sollen Lösungen für sehr volle Schulbusse gesucht werden, um für Entzerrung zu sorgen. Das Testprogramm für Lehrer und Referendare an den Schulen soll nach Martin zufolge auf weitere Schulmitarbeiter wie Sekretärinnen und Hausmeister ausgeweitet werden. Möglich seien bis zu fünf Tests pro Mitarbeiter bis zu den Herbstferien.

Das neue Schuljahr hatte am Montag in Mecklenburg-Vorpommern zunächst ohne Maskenpflicht in der Schule begonnen. Als dann aber immer mehr Bundesländer diesen Schritt ankündigten und sich auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dafür aussprach, schwenkte Ministerin Martin um.

04.08.2020 15.46 Uhr

Berlin will keine Maskenpflicht im Unterricht

Die Schulen in Rheinland-Pfalz sollen Mitte August ohne Maskenpflicht im Unterricht ins neue Schuljahr starten. Nach der Einführung einer Maskenpflicht in Klassenzimmern in Nordrhein-Westfalen sagte am Dienstag ein Sprecher des Bildungsministeriums in Mainz: «Es gilt weiter, dass wir - unter Beachtung von Hygienemaßnahmen - zum Regelbetrieb zurückkehren wollen, wenn es das Infektionsgeschehen zulässt.» Außerhalb des Unterrichts sei aber an den Schulen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

«Das Recht auf Bildung und das Recht, Schule als Ort des Miteinanders zu erleben, sind hohe Güter», sagte der Ministeriumssprecher. Selbstverständlich werde das Infektionsgeschehen ständig beobachtet, in enger Abstimmung mit Gesundheitsexperten. Bereits vor den Sommerferien hat das Bildungsministerium den Schulen mitgeteilt, dass neben dem Regelbetrieb zwei weitere Szenarien möglich seien - das bisherige Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht sowie temporäre Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch.

Lehrerverbände haben sich zuletzt wiederholt skeptisch über die Möglichkeiten eines Regelbetriebs an den Schulen geäußert. Am Dienstag erklärte der Leiter des Arbeitskreises der Bildungsgewerkschaften im Landesverband des Deutschen Beamtenbunds (dbb), Robert Tophofen: «Allein mit Schönwetter-Szenarien und Lösungsvorschlägen, die vor Ort in den Schulen kaum umzusetzen sind, wird kein ganzjähriger Regelbetrieb zu bewerkstelligen sein.» Er plädierte dafür, «weniger Schülerinnen und Schüler in lernförderlich zu gestaltenden Räumen» zu unterrichten.

04.08.2020 11.50 Uhr

Rheinland-Pfalz hält an Linie für Start ins neue Schuljahr fest

Die Schulen in Rheinland-Pfalz sollen Mitte August ohne Maskenpflicht im Unterricht ins neue Schuljahr starten. Nach der Einführung einer Maskenpflicht in Klassenzimmern in Nordrhein-Westfalen sagte am Dienstag ein Sprecher des Bildungsministeriums in Mainz: «Es gilt weiter, dass wir - unter Beachtung von Hygienemaßnahmen - zum Regelbetrieb zurückkehren wollen, wenn es das Infektionsgeschehen zulässt.» Außerhalb des Unterrichts sei aber an den Schulen eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

«Das Recht auf Bildung und das Recht, Schule als Ort des Miteinanders zu erleben, sind hohe Güter», sagte der Ministeriumssprecher. Selbstverständlich werde das Infektionsgeschehen ständig beobachtet, in enger Abstimmung mit Gesundheitsexperten. Bereits vor den Sommerferien hat das Bildungsministerium den Schulen mitgeteilt, dass neben dem Regelbetrieb zwei weitere Szenarien möglich seien - das bisherige Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht sowie temporäre Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch.

Lehrerverbände haben sich zuletzt wiederholt skeptisch über die Möglichkeiten eines Regelbetriebs an den Schulen geäußert. Am Dienstag erklärte der Leiter des Arbeitskreises der Bildungsgewerkschaften im Landesverband des Deutschen Beamtenbunds (dbb), Robert Tophofen: «Allein mit Schönwetter-Szenarien und Lösungsvorschlägen, die vor Ort in den Schulen kaum umzusetzen sind, wird kein ganzjähriger Regelbetrieb zu bewerkstelligen sein.» Er plädierte dafür, «weniger Schülerinnen und Schüler in lernförderlich zu gestaltenden Räumen» zu unterrichten.

04.08.2020 11.18 Uhr

Niedersachsen hält Maskenpflicht im Unterricht für unverhältnismäßig

Niedersachsen hält die von Nordrhein-Westfalen eingeführte Maskenpflicht auch während des Unterrichts an weiterführenden Schulen und Berufsschulen momentan für übertrieben. Das Land starte nach den Sommerferien an den Schulen einen eingeschränkten Regelbetrieb mit möglichst festen Lerngruppen, sagte Kultusstaatssekretärin Gaby Willamowius am Dienstag in Hannover. Angesichts der derzeit niedrigen Infektionszahlen in Niedersachsen sei das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung während der gesamten Unterrichtszeit in einer solchen Lerngruppe nicht verhältnismäßig.

Am Montag hatte NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) angekündigt, dass Schüler an weiterführenden und berufsbildenden Schulen zunächst bis zum 31. August Masken sowohl im Gebäude als auch im Unterricht tragen müssen. Damit gibt das Bundesland in diesem Bereich die strengsten Regeln vor.

04.08.2020 11.14 Uhr

Australische Corona-Studie: Risiko in Schulen gut zu managen

Kinder sollten unbedingt wieder in die Schule, da sind sich viele Experten einig. Doch die Sorge ist groß, dass Ausbrüche dort das Infektionsgeschehen immens anheizen. Beobachtungen in Australien und eine Modellrechnung für Großbritannien machen Hoffnung.

Das Risiko für Corona-Ausbrüche in Schulen und Kindergärten lässt sich einer Studie aus Australien zufolge mit Maßnahmen wie Kontaktverfolgung gering halten. Obwohl mit dem Virus infizierte Lehrer, Betreuer und Kinder ihre jeweilige Einrichtung aufgesucht hätten, als sie bereits infektiös waren, seien dort nur wenige weitere Menschen infiziert worden, berichten Forscher im Fachjournal «The Lancet Child & Adolescent Health». Das effektive Verfolgen von Kontakten Infizierter sei der Schlüssel dafür, eine Ausbreitung in Schulen und Kitas zu verhindern.

Anders als in vielen anderen Ländern waren die Schulen in Australien während der ersten Ausbreitungswelle begleitet von Abstands- und Hygieneregeln offen geblieben. Forscher um Kristine Macartney von der Universität Sydney hatten von Januar bis April für 25 Schulen und Kindergärten im Bundesstaat New South Wales Infektionszahlen und -wege erfasst. Gab es in einer Einrichtung einen Nachweis, wurden die engen Kontakte des Betroffenen identifiziert. Diese Menschen wurden angehalten, 14 Tage in Quarantäne zu gehen und regelmäßig nach Symptomen gefragt. Gab es diese, wurde ein Test veranlasst.

12 Kinder und 15 Lehrer/Betreuer besuchten ihre jeweilige Einrichtung demnach auch zu einer Zeit, in der sie infektiös waren - also etwa am Tag vor dem Auftreten erster Symptome. Von ihren insgesamt 1448 Kontaktpersonen dort erkrankten lediglich 18 an Covid-19. Betroffen war neben drei Schulen vor allem ein Kindergarten, in dem ein Erwachsener das Virus auf sechs Erwachsene und sieben Kinder übertrug. Eine Detailanalyse, bei der auch Antikörper-Tests gemacht wurden, ergab, dass Sars-CoV-2 merklich häufiger zwischen Erwachsenen oder von einem Erwachsenen auf ein Kind übertragen wurde als von einem Kind auf einen Erwachsenen oder zwischen Kindern.

Die Forscher gehen auch auf Einschränkungen der Aussagekraft ihrer Ergebnisse ein: So seien die meisten der engen Kontaktpersonen nur getestet worden, wenn sie Symptome entwickelten. Es sei anzunehmen, dass darum einige mild oder symptomlos verlaufene Fälle nicht erfasst wurden. Hinzu komme, dass die Schulen zwar offen geblieben seien, die Kinder aber dazu angehalten waren, wenn möglich von zuhause aus zu lernen. Kurz vor dem Ferienstart im April habe davon ein Großteil der Schüler Gebrauch gemacht.

In dem Fachjournal stellen Forscher um Jasmina Panovska-Griffiths vom University College London zudem eine Modellanalyse für sechs Szenarien zur anstehenden Öffnung der Schulen nach den Ferien in Großbritannien vor. Betrachtet wurde das potenzielle Infektionsgeschehen etwa bei rotierendem Unterricht jeweils für einen Teil der Schüler. Demnach muss es für eine Vollzeit-Schulöffnung gelingen, etwa drei Viertel der symptomatischen Infektionen zu erkennen und zu isolieren, um eine Ausbreitung effektiv eindämmen zu können. Zudem müsse dafür ein Großteil der Kontaktpersonen Infizierter erfasst werden.

Die Modellrechnung lasse darauf schließen, dass die Schulen in Großbritannien begleitet von einer effizienten Test- und Kontaktverfolgungsstrategie problemlos öffnen können, so Panovska-Griffiths. Ohne diese aber drohe in den Monaten darauf eine starke zweite Ausbruchswelle, selbst bei der Annahme, dass Kinder nur halb so ansteckend sind wie Erwachsene.

Viele Länder weltweit hatten auf die erste Corona-Infektionswelle unter anderem mit Schul- und Kitaschließungen reagiert, um die weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen. Für Familien bedeutet das aber oft eine immense Belastung, zudem befürchten Experten, dass gerade Kinder aus bildungsfernen Schichten im schulischen Bereich verstärkt den Anschluss verlieren. Auch Gewalt gegen Kinder und Missbrauch treten demnach häufiger auf, wenn die tägliche Betreuung in Schulen und Kitas wegfällt.

Darum betonen viele Experten: Die Kinder müssen zurück in Schule und Kita. Doch die Sorge ist groß, dass Ausbrüche dort das Infektionsgeschehen immens anheizen könnten. In kinderreichen Israel zum Beispiel gelten Schulen als einer der Hotspots beim Anstieg der Fallzahlen.

Andererseits lassen bisherige Analysen vermuten, dass sich Kinder nicht so oft anstecken wie Erwachsene und vor allem nur geringe oder keine Symptome entwickeln. «Bei Schulöffnungen sind wahrscheinlich eher die Lehrer das Problem: Sie reden laut, Schüler atmen die Tröpfchen ein», hatte der Leiter der Abteilung für Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie an der Freiburger Universitätskinderklinik, Philipp Henneke, kürzlich erklärt.

04.08.2020 11.00 Uhr 

NRW-Ministerin zu Maskenpflicht: Schulverweis bei groben Verstößen

Wenn Schüler in NRW dauerhaft gegen die neue Maskenpflicht verstoßen, können sie auch von der Schule verwiesen werden. Darauf hat die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in einem WDR2-Interview hingewiesen. Gebauer sagte dem Sender: «Wenn sich Schülerinnen und Schüler konstant nicht - weder im Unterricht noch auf den anderen Flächen - daran halten, kann das auch mit einem Verweis von der Schule beziehungsweise einem vorübergehenden einhergehen.»

Am Montag hatte Gebauer eine weitgehende Maskenpflicht zunächst bis zum 31. August angekündigt. An allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen soll sie sowohl im Gebäude als auch im Unterricht gelten. Damit gibt das Bundesland in diesem Bereich nun die strengsten Regeln vor.

Gebauer verwies darauf, dass die Maske aus «pädagogisch sinnvollen Gründen» auch zwischendurch abgenommen werden könne. Auch aus medizinischen Gründen. So sei ihr bewusst, dass ein Mund-Nasen-Schutz bei heißem Wetter eine besondere Beeinträchtigung sei. Gebauer verteidigte die Maskenpflicht dennoch: Das derzeitige Infektionsgeschehen in NRW mache sie alternativlos.

04.08.2020 03.30 Uhr

Senator informiert über das neue Schuljahr in Hamburg

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) informiert am Dienstag (12.30 Uhr) über Neuerungen zum Beginn des Schuljahres 2020/21 an diesem Donnerstag. Unter anderem soll es allgemein um Daten und Fakten rund um den Schulalltag gehen. Dazu gehörten etwa die Zahl der Schüler oder die Zahl der neuen oder sanierten Schulen.

Nicht im Zentrum der Ausführungen von Senator Rabe auf der Landespressekonferenz stehe die Corona-Pandemie, sagte ein Sprecher. Er werde aber natürlich entsprechende Fragen beantworten. Bereits am Montag hatte Rabe wegen der Corona-Pandemie eine Maskenpflicht an den Schulen verfügt. Der Mund-Nasen-Schutz muss mit Betreten des Schulgeländes getragen werden. Nur im Unterricht selbst darf die Maske abgelegt werden. Ausgenommen von den Regelungen sind Grundschüler.

03.08.2020 17.55 Uhr

Bildungsministerium prüft Maskenpflicht an Schulen in Brandenburg

Das Bildungsministerium in Brandenburg prüft angesichts der aktuellen Lage eine Maskenpflicht in den weiterführenden Schulen. Das sagte Sprecherin Ulrike Grönefeld der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Gemeint sei das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes in den Gebäuden, etwa auf Fluren. Details dazu teilte sie zunächst nicht mit. Man sei dabei in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium. Bislang plante Brandenburg - anders als Berlin - keine Maskenpflicht auf Fluren und in Gemeinschaftsräumen. «Unser Hygieneplan sieht erstmal die Maskenpflicht an Schulen nicht vor», hatte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) gesagt, zugleich aber auf die Zuständigkeit des Bildungsministeriums verwiesen.

Am 10. August sollen die Schulen nach den Sommerferien wieder öffnen - und nach insgesamt vier Monaten, in denen es nicht den vor der Corona-Krise gewohnten Unterricht gegeben hat. In dieser Woche beginnt für die Bildungseinrichtungen die Vorbereitung auf das neue Schuljahr. Nach Angaben des Bildungsministeriums gab es bereits Besprechungen mit den Schulämtern. In dieser Woche soll es weitere Handreichungen an die Schulämter geben. «Wir gehen von einem Regelbetrieb aus», hatte Grönefeld gesagt. Dennoch müssten die Schulen einen Plan B haben, falls es zu einem Ausbruch kommt.

Nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Brandenburg bereiteten sich Schulen auf die Wiedereröffnung nach den Ferien unter erschwerten Bedingungen vor. Es gehe nicht nur um Corona und den Umgang mit Hygiene- und Abstandsregeln. Ein Teil der Lehrkräfte sei nicht einsetzbar, weil sie zur Risikogruppe zählten, hieß es von der Gewerkschaft.

03.08.2020 17.08 Uhr

Zweite Studie bestätigt: Kaum Infektionen in Sachsens Schulen

Eine weitere Studie zur Häufigkeit von Corona-Infektionen an sächsischen Schulen bestätigt die im Testzeitraum geringe Gefahr. Die Regierung sieht sich in ihren Entscheidungen bestätigt - zumal die Experten auch vor Schulschließungen warnen.

Keine akute Infektion, nur vereinzelt Antikörper, aber psychische Folgen des Lockdown - das sind die Ergebnisse einer weiteren Corona-Studie an sächsischen Schulen im Mai und Juni. «Die akute Ansteckung lag bei Null, von 2599 Kindern und Lehrern war keiner infiziert», sagte Professor Wieland Kiess, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig, am Montag bei der Vorstellung der Ergebnisse in Dresden. In 0,6 Prozent von 2338 Blutproben (14 Proben) fanden sich Antikörper als Hinweis auf eine überstandene Corona-Infektion.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) kündigte an, dass das neue Schuljahr am 31. August im «Normalbetrieb unter Pandemiebedingungen» beginnt. Angesichts weiter geringer Infektionszahlen sei eine generelle Maskenpflicht für Schulen im Moment unnötig. Ein Vier-Stufen-Plan enthalte jeweils Maßnahmen bei bis zu 20, bis zu 35, bis zu 50 oder mehr Neuinfektionen, um bei lokalen Ausbrüchen in Schule oder Kita Infektionsketten schnell zu unterbrechen und Schließungen zu vermeiden oder zu begrenzen. Auch im Quarantänefall soll dann anhand von Aufgaben zu Hause gelernt werden.

Kinder seien im untersuchten Zeitraum kaum von Corona betroffen gewesen, fasste Kiess die Studienergebnisse zusammen, die eine Analyse seiner Dresdner Kollegen vom Juli bestätigen. «Also wer da über Schulschließungen reden will, den kann ich nicht verstehen.» Rachenabstriche und Blutproben wurden von Schülern und Lehrern an zehn Grundschulen und neun Gymnasien in Dresden, Leipzig, Borna, Zwickau und Werdau genommen. Im September/November sollen die Tests wiederholt werden.

Auch nach dem Resümee der Dresdner Forscher hatten sich Schulen nach ihrer Wiedereröffnung in der Corona-Krise nicht als Schwerpunkte bei Infektionen erwiesen. Aus ihrer Sicht wurde die Dynamik der Virusverbreitung überschätzt. Sie hatten für ihre Studie zum Immunitätsstatus von Schülern und Lehrern im Mai und Juni über 2000 Blutproben aus Dresden und dem Landkreis Bautzen untersucht.

Die Leipziger Mediziner fragten zudem 900 Kinder und Jugendliche nach psychischen Folgen der Schulschließungen. Beklagt wurden laut Kiess ein Verlust von Lebensqualität «und Fröhlichkeit», vor allem in Familien mit Armut und niedriger Bildung. «Die fehlende Tagesstruktur, nicht aufstehen zu müssen für die Schule, wird als Verlust angesehen.» Dazu kämen ein massiver Anstieg der Mediennutzung und Kontaktverlust zu Gleichaltrigen. «Kuscheln, sich in den Arm nehmen, das ist wichtig», sagte der Kinderarzt.

Corona löst zudem Sorgen um Familie und Zukunft aus, bei Mädchen vorrangig auch um die Gesellschaft. «Über ein Fünftel der Kinder findet, dass das Leben nie wieder so sein wird wie vor Covid-19», berichtete Kiess. «Und drei Viertel sagten von sich aus, ich möchte bitte wieder in die Schule gehen.» Fazit: Schulschließungen schaden denen massiv, «die sowieso wenig an Bildung teilhaben».

Kultusminister Piwarz sieht damit Sachsens Entscheidung für die Schulöffnung im Mai bestätigt und und damalige Vorwürfe der «Unverantwortlichkeit» widerlegt. «Schulschließungen können nur die absolute Ultima Ratio sein, wenn Infektionszahlen keine anderen Schritte zulassen.» Landesweit infizierten sich bisher 5543 Menschen mit Sars-CoV2, die Zahl der Fälle erhöht sich seit Wochen nur geringfügig - Piwarz hofft, dass das trotz Urlaubsrückkehrern so bleibt.

«Wir sind gut vorbereitet auf den Schuljahresstart, aber wir schauen auch auf das, was um uns herum passiert», sagte der Minister. Die Schulen entscheiden eigenverantwortlich wie bisher über das Tragen von Masken außerhalb des Unterrichts, auf den Fluren oder dem Schulhof. Piwarz appellierte, sich an die Regeln zu halten, solidarisch zu sein. «Es hängt am Verhalten von uns allen, ob Kinder betreut und beschult werden können.»

Auch Kiess hält eine Maskenpflicht an den Schulen in Sachsen nicht für nötig. Im Herbst müsse das neu bewertet werden, wenn es wegen der Jahreszeit allgemein mehr Infektionskrankheiten und auch mehr Corona geben werde.

03.08.2020 16.37 Uhr

Unterricht mit Maske: «Herausforderung» und «Zumutung»

Die geplante Maskenpflicht im Unterricht in Nordrhein-Westfalen bringt nach Ansicht des Verbandes Bildung und Erziehung einige Schwierigkeiten mit sich. Aus pädagogischer Sicht sei das eine Herausforderung, sagte der Verbandsvorsitzende Udo Beckmann am Montag. «Es ist fraglich, ob den Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern zuzumuten ist, die Masken während des ganzen Unterrichtstages zu tragen.» Das Sprechen damit sei aber auch eine Frage der Gewöhnung und es sei in jedem Fall besser, zusammen in der Schule zu lernen als dies nicht tun zu können, sagte Beckmann. «Trotzdem bleibt die Herausforderung, dass das Zwischenmenschliche auch von der Mimik lebt - und diese mit einer Maske kaum zu erkennen ist.»

Kritik kam von der Bundesschülerkonferenz. Die angekündigte Maskenpflicht während des Unterrichts sei angesichts der aktuellen Temperaturen eine Zumutung für die Schülerinnen und Schüler, teilten die Schülervertreter am Montag mit. Ein erhebliches Risiko seien zudem vielerorts fehlende oder mangelhafte Klimasysteme. «Außerdem ist in vielen Räumen das Lüften gar nicht möglich, weil sich die Fenster nicht öffnen lassen.»

Nordrhein-Westfalen hatte zuvor angekündigt, mit Beginn des neuen Schuljahrs in der kommenden Woche im bevölkerungsreichsten Bundesland an allen weiterführenden und berufsbildendenden Schulen eine Maskenpflicht auch im Unterricht einzuführen. Andere Bundesländer planen zwar auch eine Maskenpflicht in der Schule, aber nicht im Unterricht. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) begründete den Schritt mit steigenden Infektionszahlen.

«Die Nervosität steigt. Die von NRW eingeführte Maskenpflicht im Unterricht ist das klare Eingeständnis, dass bei der aktuellen Infektionslage nicht einfach auf Abstandsregelungen verzichtet werden kann, ohne den Gesundheitsschutz zu gefährden», sagte Beckmann.

03.08.2020 13.36 Uhr

Land bezahlt freiwillige Corona-Tests für Lehrer

Düsseldorf (dpa/lnw) - Ab dem 10. August können sich zum Start des neuen Schuljahrs Lehrer an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen freiwillig alle 14 Tage auf das Corona-Virus testen lassen. Das Land übernehme dafür die Kosten, kündigte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag in Düsseldorf an. Das Angebot gelte bis zum 9. Oktober. Bei einem positiven Befund würde das zuständige Gesundheitsamt die betroffene Schule informieren.

03.08.2020 13.11 Uhr

Schüler mit Schnupfen sollen 24 Stunden zuhause bleiben

Düsseldorf (dpa/lnw)Schüler mit Schnupfen sollen in Nordrhein-Westfalen künftig 24 Stunden zuhause bleiben. Wenn keine weiteren Symptome auftreten, die auf eine Corona-Infektion hindeuten, können sie wieder am Unterricht teilnehmen. Das kündigte das NRW-Schulministerium am Montag in Düsseldorf an. Die Schule beginnt in NRW nach gut sechs Wochen Sommerferien nächste Woche Mittwoch - am 12. August.

03.08.2020 08.55 Uhr

Rabe: Maskenpflicht in Hamburgs Schulen soll kommen

Hamburg (dpa/lno)Kinder an Hamburgs Schulen sollen künftig Mund-Nasen-Schutz tragen. Eine entsprechende Pflicht außerhalb des Unterrichts soll in Hamburg eingeführt werden, sagte Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Montag im ARD-«Morgenmagazin».

02.08.2020 13.10 Uhr

Lehrerverband sieht Schulstart mit gemischten Gefühlen

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen sieht die Lehrergewerkschaft VBE dem bundesweit ersten Schulstart nach den Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern an diesem Montag mit gemischten Gefühlen entgegen. «Natürlich haben wir Lehrerinnen und Lehrer auch ein Bauchgrummeln, wenn wir an den Schulstart denken und parallel sehen, dass die Infektionszahlen wieder steigen», erklärte der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck, am Samstag. «Und vor allem die Sorglosigkeit, die sich in der Gesellschaft anscheinend immer weiter breit macht, bereitet uns Sorgen.»

Selbst wenn in den Schulen konsequent alle Hygieneregeln eingehalten würden, sei den Lehrkräften schon klar, «dass es nach und auch schon vor der Schule zu einer Vermischung der Gruppen kommen wird, die in den Schulen strikt getrennt werden». Als Beispiel nannte er die Schulbusse und Haltestellen.

Das neue Schuljahr sei aber in den Schulen unter den gegebenen Umständen bestmöglich vorbereitet worden. «Jetzt gilt es, diesen Start auch mit Zuversicht umzusetzen», sagte Blanck. Den Schulen sei dabei bewusst, welche Verantwortung sie haben und das der Schulstart bundesweit genau beobachtet wird.

02.08.2020 13.00 Uhr

Die Planungen der Bundesländer für das neue Schuljahr

Mecklenburg-Vorpommern startet an diesem Montag als erstes Bundesland ins neue Schuljahr. Hamburg folgt am Donnerstag. In der Woche darauf geht es in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein los. Trotz Corona sollen die Schulen nach den Ferien zurück in den Regelbetrieb. Das hatten die Länder vereinbart. Ein Blick auf die bisherigen Planungen:

BADEN-WÜRTTEMBERG (Schuljahr beginnt am 14. September)
Der Unterricht soll in möglichst festen Gruppen ablaufen, sodass sich die Schüler möglichst wenig durchmischen. Auf dem Schulgelände und in Gebäuden der weiterführenden Schulen soll zudem eine Maskenpflicht gelten - nicht aber im Unterricht. Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt, können dies der Schule formlos melden. Dann müssen die Kinder aber aus der Ferne mitlernen. Alle Mitarbeiter an Schulen und Kitas können sich von Mitte August bis Ende September zwei Mal kostenfrei und freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Schwerpunkt im neuen Schuljahr solle es sein, Inhalte zu wiederholen und zu vertiefen, sagt Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU).

BAYERN (Schuljahr beginnt am 8. September) In Bayern gilt im neuen Schuljahr eine Maskenpflicht an Schulen - auch an Grundschulen. Der Mund-Nasen-Schutz soll bis zum Platz im Klassenzimmer getragen werden. Je nach Entwicklung der Corona-Pandemie sei regional auch eine Maskenpflicht während des Unterrichts möglich, sagt Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Für die Schulen wurde ein entsprechender Vier-Stufen-Plan entwickelt. Die Hygieneregeln werden je nach Infektionsgeschehen stufenweise verschärft bis hin zum Distanzunterricht zu Hause. Der Freistaat will zudem auch Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium einsetzen, um Stammlehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören und nicht an die Schule können, zu unterstützen. Für Lehrer sollen zu Beginn des Schuljahres einmalige Reihentests angeboten werden.

BERLIN (Schuljahr beginnt am 10. August) In der Hauptstadt ist wieder «durchgehender Unterricht» in «vollem Umfang» für alle geplant. Die Lehrer sollen zu Beginn den Lernstand der Schüler überprüfen und dann entsprechende Konzepte zur Unterrichtsgestaltung und eventuelle Fördermaßnahmen festlegen. Sport-, Musik- und Theaterunterricht darf wieder stattfinden. Gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen ist nicht gestattet. Körperkontakt soll vermieden werden. Im Schulgebäude gilt auf Fluren, in Aufenthalts- und Gemeinschaftsräumen oder der Toilette Maskenpflicht. In Unterrichtsräumen, auf dem Pausenhof oder im Hort soll diese Verpflichtung nicht gelten.

BRANDENBURG (Schuljahr beginnt am 10. August) Für Lehrer und Schüler in Brandenburg ist derzeit keine Maskenpflicht geplant. Alle Lehrer können sich in der Zeit zwischen Anfang August und Ende November sechs Mal auf Kosten des Landes freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Dagegen ist nur eine einmalige Test-Stichprobe bei einem Prozent der Schüler (also bei 2900). Sollte es zu einem Corona-Ausbruch kommen, sollen die Schüler möglichst nur einzelne Klassen in den Heimunterricht geschickt werden. Es soll nicht gleich die ganze Schule geschlossen werden. Bis zum Ende des ersten Halbjahres sollen für alle Schüler mobile Endgeräte zur Verfügung stehen.

BREMEN (Schuljahr beginnt am 27. August) Das kleinste Bundesland hat ein «Rahmenkonzept Schuljahr 2020/2021» aufgestellt und will damit «möglichst viel Normalität und einen Regelbetrieb unter den Auflagen des Hygieneplans erreichen». Leitmotiv aller Entscheidungen sei das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe. Vorgesehen sind «möglichst feste Klassenteams». Falls es pandemiebedingt doch zu Einschränkungen des Schulbetriebs kommen sollte, sollen Grundschüler und Schüler, die zu Hause keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten zum selbstständigen Lernen haben, bevorzugt mit Präsenzzeiten versorgt werden.

HAMBURG (Schuljahr beginnt am 6. August) Auch in Hamburg ist «in allen Schulformen und Jahrgangsstufen» wieder Regelbetrieb geplant. «Sofern es keine anderweitige Entwicklung der Infektionslage gibt, ist für die Planung davon auszugehen, dass das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen den Schülerinnen und Schülern für das Schuljahr 2020/21 auf Ebene der Klasse bzw. des Jahrgangs aufgehoben wird», heißt es in einer Mitteilung des Senats von Mitte Juli. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in den Pausen oder im Schulbus wird weiterhin empfohlen. Alle Hamburger Lehrer und anderen Beschäftigten der Schulen können sich mehrfach kostenlos auf Corona testen lassen.

HESSEN (Schuljahr beginnt am 17. August) In Hessen wird der Mindestabstand in den Klassenräumen und beim Sportunterricht aufgehoben, er besteht jedoch weiterhin beispielsweise bei Konferenzen. Im Musikunterricht ist gemeinsames Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten nur im Freien erlaubt. Die Schulleitung kann für die Zeiten außerhalb des Präsenzunterrichts im Klassen- oder Kursverband das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung anordnen. Jede Lehrkraft kann sich voraussichtlich vor dem Start ins neue Schuljahr auf eine mögliche Corona-Infektion testen lassen.

MECKLENBURG-VORPOMMERN (Schuljahr beginnt am 3. August)
Als erstes Bundesland geht Mecklenburg-Vorpommern am diesem Montag zurück in den regulären Schulbetrieb. Das Bildungsministerium hat die Schüler jahrgangsmäßig in Gruppen eingeteilt. So sollen beispielsweise die Jahrgangsstufen 1 bis 4 oder 7 und 8 unter sich bleiben. «Die verschiedenen definierten Gruppen sollen sich einander nicht bzw. möglichst nur unter Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 m begegnen», heißt es in einem Brief an die Schulleitungen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es kostenlose Corona-Tests für Lehrer und Kita-Personal. Möglich sind bis zu den Herbstferien fünf Tests pro Person im Abstand von zwei Wochen.

NIEDERSACHSEN (Schuljahr beginnt am 27. August) Niedersachsen will nach Angaben des Kultusministeriums ein Maximum an Bildung und Betreuung anbieten. «Wir planen das neue Schuljahr 2020/2021 auf der Basis von Normalität», war die Ansage von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) Anfang Juli. Für das neue Schuljahr wurden - je nach Infektionslage - drei Szenarien entwickelt. Im Moment wird vom «eingeschränkten Regelbetrieb» ausgegangen - laut Tonne «Schule wie immer» mit «ein paar Sonderregelungen». Das heißt, dass auf das Abstandsgebot verzichtet wird, es aber feste Lerngruppen geben soll. Masken sollen auf den Fluren getragen werden.

NORDRHEIN-WESTFALEN (Schuljahr beginnt am 12. August) Die 5500 Schulen mit ihren rund 2,5 Millionen Schülern im bevölkerungsreichsten Bundesland sollen nach Aussage von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) nach den Sommerferien «in einen verantwortungsvollen Regelbetrieb zurückkehren». Erste grobe Pläne hatte die Ministerin schon im Juni vorgelegt. Darin ging es unter anderem um die «Gewinnung von zusätzlichem Personal zur Sicherstellung des Regelbetriebs». Zudem wurde ein Leitfaden für die Schulen angekündigt, falls diese aus Gründen des Infektionsschutzes doch wieder auf Distanz-Unterricht umschalten müssen. Die Beschäftigten von Schulen und Kitas in NRW können sich bis zu den Herbstferien alle 14 Tage freiwillig und kostenlos auf Corona testen lassen.

RHEINLAND-PFALZ (Schuljahr beginnt am 17. August) Der für das neue Schuljahr weiterentwickelte Hygieneplan sieht kein Abstandsgebot mehr vor. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) plant je nach Entwicklung der Corona-Infektionen mit zwei weiteren Szenarien: Das bisherige Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht sowie temporäre Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt: «Wenn es zu einem Infektionsfall kommt, werden alle anderen in Quarantäne geschickt und es wird umfassend getestet - und die Schule im Zweifel temporär geschlossen.» Das Vorgehen sei mit Gewerkschaften, Lehrerverbänden, Eltern- und Schülervertretern besprochen.

SAARLAND (Schuljahr beginnt am 17. August) Der Unterricht soll in festen Gruppen innerhalb eines Jahrgangs stattfinden, «um eine Durchmischung mit den anderen Jahrgängen nach Möglichkeit zu vermeiden». Ziel sei es, dass bei Infektionsfällen für die nicht betroffenen Personen der Präsenzunterricht weiterlaufen könne. Im Hygieneplan des Landes für die Schulen wird außerdem empfohlen, Musikunterricht - wenn gesungen wird - bei gutem Wetter im Freien abzuhalten. Schüler, die zur Risikogruppe gehören, können mit ärztlichem Attest vom Schulbesuch befreit werden, müssen aber an Prüfungen teilnehmen. Dafür stellen die Schulen separate Räume zur Verfügung.

SACHSEN (Schuljahr beginnt am 31. August)
«Die Schülerinnen und Schüler werden wie gewohnt in ihren Klassen und Kursen nach den geltenden Stundentafeln und Lehrplänen unterrichtet», hat Kultusminister Christian Piwarz (CDU) für Sachsen angekündigt. Der Mindestabstand von 1,50 Metern gilt nicht mehr. Die Schulleitungen können selbst festlegen, wann und wo eine Maske zu tragen ist. Wer die Schule betritt, muss sich die Hände waschen oder desinfizieren. Täglich wird dokumentiert, wer in der Schule war, um Infektionsketten nachvollziehen zu können.

SACHSEN-ANHALT (Schuljahr beginnt am 27. August) In Sachsen-Anhalt gilt die Anweisung, dass alle Schulen sich auf die Rückkehr in den Regelbetrieb vorbereiten sollen. Das Bildungsministerium weist aber auch darauf hin, dass die Gesundheitsbehörden weiterhin lokale Schulschließungen vornehmen könnten. Daher seien die Schulen gehalten, sich auch auf eine teilweise oder vollständige Abkehr vom Regelbetrieb einzustellen, «um kurzfristig wieder Distanzunterricht anbieten zu können». Die konkreten Planungen für den Schulalltag laufen, ein aktualisierter Hygieneplan soll noch vorgelegt werden. Das Ministerium geht grundsätzlich davon aus, «dass das gesamte pädagogische Personal im Regelbetrieb eingesetzt werden kann». Das Bildungsministerium empfiehlt zudem «allen schulischen Akteuren» die Nutzung der Corona-​Warn-App.

SCHLESWIG-HOLSTEIN (Schuljahr beginnt am 10. August) Auch in Schleswig-Holstein ist eine Aufteilung der Schüler in feste Großgruppen nach Jahrgangsstufe geplant. Innerhalb der Jahrgänge fällt die Abstandsregel, dafür sollen Kontakte zwischen den Jahrgängen möglichst vermieden werden. «An die Stelle des durchgängig einzuhaltenden Abstandsgebots tritt das Kohortenprinzip», heißt es in einem Konzept für das neue Schuljahr. Begründung: Im Infektionsfall könnte dann nur die entsprechende Kohorte in Quarantäne geschickt werden, ohne dass die ganze Schule zugemacht werden muss. Großflächige Corona-Tests für Lehrer sind im Norden nicht geplant.

THÜRINGEN (Schuljahr beginnt am 31. August) Thüringen hat für die Schulen ein Ampel-Konzept mit abgestuften Sicherheitsmaßnahmen vorgelegt: Grün bedeutet Normalbetrieb, Gelb eingeschränkter Regelbetrieb, wenn beispielsweise ein Infektionsfall an der Schule auftritt, die Kontaktpersonen aber bekannt sind und nach Hause geschickt werden können. Bei Gelb werden die Infektionsschutzmaßnahmen an der Schule verschärft. Wenn der Kontakt nicht nachzuvollziehen ist, tritt Stufe Rot in Kraft und es kann zu einer vorübergehenden Schulschließung kommen. In den Schulen muss überall dort eine Maske getragen werden, wo nötige Abstände zwischen Schülern nicht eingehalten werden kann, nicht aber im Unterricht, so Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Klassenfahrten sollen wieder möglich sein. Ab Mitte August sind freiwillige, kostenlose Corona-Tests für Lehrer geplant.

Corona bereitet Jugendherbergen weiter Sorgen - Kampf um Gäste

Jugendherbergen und -camps in Sachsen laden nach den coronabedingten Schließungen wieder ein. Die Nachfrage ist unterschiedlich.

Die sächsischen Jugendherbergen kämpfen im Zuge der Corona-Krise um mehr Gäste. «Die Lage ist zwar besser geworden, aber er gibt durchaus noch Luft nach oben», sagte der Vorstandsvorsitzende des sächsischen Jugendherbergswerkes, Thomas Mauersberger, in Chemnitz. Ein großer Teil der 24 Häuser in Sachsen sei nach der coronabedingten Schließung mittlerweile zwar wieder geöffnet. Mit dem Beginn der Sommerferien habe es auch einen ordentlichen Schub gegeben, von den Übernachtungszahlen der Vorjahre sei man aber noch weit entfernt.

Besonders die Streichung der Klassenfahrten habe heftig zu Buche geschlagen, so Mauersberger. Dadurch habe es erhebliche Einnahmeverluste gegeben. Er hoffe, dass es mit Beginn des neuen Schuljahres wieder mehr Anfragen gibt. «Gemeinsame Fahrten und Ausflüge sind wichtige Komponenten im sozialen Zusammenhalt einer Klasse», sagte der Vorstandsvorsitzende. Für die Klassenfahrten in Jugendherbergen sei ein spezielles Hygienekonzept erarbeitet worden.

Nach wie vor setze der Verband jedoch auch auf die Besuche von Familien. Die Herbergen seien in der Regel gut ausgestattet. Seit dem 1. Juli lade eine neue Herberge in Torgau ein. Eigentlich sollte sie schon im Frühjahr die ersten Gäste empfangen. Doch Corona habe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Herberge mit 32 modern ausgestatteten Zimmern und 122 Betten befinde sich direkt neben dem Schloss Hartenfels und unmittelbar am Elbradweg und sei gut von den Besuchern angenommen worden.

Im vergangenen Jahr seien 348 000 Erholungssuchende in den sächsischen Herbergen gezählt worden. «Ich rechne damit, dass wir in diesem Jahr auf 40 Prozent davon kommen werden», sagte Mauersberger. Es sei derzeit nicht sicher, ob alle Herbergen die Krise überleben werden. Er hoffe nach wie vor auf Fördermittel in einem Umfang, der den Erhalt der Häuser sichert.

Der Verband der Kinder- und Jugenderholungszentren in Sachsen (KiEZ) zeigte sich dagegen zufrieden mit der Nachfrage. Von den 2494 Plätzen in den fünf Einrichtungen seien 2132 belegt oder gebucht, sagte eine Sprecherin. Auch für die Herbstferien seien bereits 60 Prozent der Plätze vergeben.

Die Angebote in den Camps seien vielfältig. So gebe es Dschungel- und Kletterabenteuer sowie Tanz-, Reit- und Sprachkurse. Für die Jüngsten seien Schnuppercamps im Programm. Das Grillen am Lagerfeuer sei unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Wegfallen müssten dagegen die Discos wegen der Corona-Auflagen.

Im August gebe es unter anderem noch freie Plätze für ein Feuerwehrcamp in Schneeberg (Erzgebirgskreis), Walddedektive können sich in Seifhennersdorf (Landkreis Görlitz) auf die Suche machen, und in Sebnitz (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) wartet ein Handballcamp auf Sportbegeisterte.

Karliczek für Maskenpflicht an Schulen

Kurz vor dem Ferienende in sechs Bundesländern hat sich Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) für eine Maskenpflicht in Schulgebäuden ausgesprochen. Es sei zwar nachvollziehbar, «wenn Länder auf Abstandsregeln in den Schulen verzichten wollen, weil die räumlichen Bedingungen ansonsten nur eingeschränkt Präsenzunterricht zulassen würden», sagte sie der «Welt am Sonntag». «Dennoch wird der Präsenzunterricht nur dann funktionieren können, wenn weitere Regelungen zur Hygiene, zum Tragen von Schutzmasken sowie zum Abstandhalten auf dem Schulhof und auf den Fluren strikt eingehalten werden.»

Mehrere Bundesländer wie Berlin, Bayern und Baden-Württemberg haben bereits angekündigt, im Kampf gegen das Coronavirus eine Maskenpflicht in Schulgebäuden einzuführen. Sie soll allerdings nicht im Unterricht gelten. In anderen Ländern wie etwa Nordrhein-Westfalen ist von freiwilligen Maskengeboten die Rede, oder es liegt - wie in Hessen oder Sachsen - im Ermessen der Schulen.

An diesem Montag startet Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland ins neue Schuljahr. Hamburg folgt am Donnerstag. In der Woche darauf geht es in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein los. Trotz der Corona-Pandemie sollen die Schulen nach den Ferien in den Regelbetrieb zurückkehren.

Die Bildungsminister der Länder zeigten sich optimistisch, dass der Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen gelingen kann. «Tourismus, Restaurants und sogar Fitnessstudios sind längst wieder geöffnet, ohne große Probleme», sagt die mecklenburg-vorpommerische Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) der «Welt am Sonntag». «Es ist höchste Zeit, die Belange der Kinder nach vorne zu rücken.»

Auch Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) dringt auf Normalität. «Die Monate vor den Sommerferien waren noch zu verkraften, weitere Unterrichtsausfallzeiten sind es nicht», sagte er dem Blatt. Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärte: «Der Präsenzunterricht ist und bleibt für unsere Schülerinnen und Schüler die beste Form des Lernens - und für unsere Lehrerinnen und Lehrer der beste Arbeitsplatz.»

Ähnlich äußerte sich ihre schleswig-holsteinische Kollegin Karin Prien (CDU): «Präsenzunterricht hat für uns Priorität, und wenn das Pandemiegeschehen Schulschließungen wieder notwendig machen sollte, dann regional und zeitlich begrenzt und nicht flächendeckend wie im vergangenen Schuljahr.»

Kultusminister rechnet mit Regelbetrieb - Tests nur im Notfall

Der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) rechnet trotz steigender Corona-Infektionszahlen mit einem Regelbetrieb der Schulen nach den Sommerferien. «Darauf laufen alle Vorbereitungen hinaus», sagte er in einem Interview der Bremer Zeitung «Weser-Kurier» vom Samstag. «Aber wir gucken schon mit sehr großer Aufmerksamkeit und ich persönlich mit einer gewissen
Sorge auf die aktuelle Entwicklung des Infektionsgeschehens.»

Die Sommerferien in Niedersachsen dauern noch bis zum 26. August. Sein Ministerium beobachte die Erfahrungen anderer Bundesländer, in denen die Schule jetzt schon wieder beginne, sagte Tonne.

Den Vorschlag, Schülerinnen und Schüler anlasslos vor der Rückkehr in die Schulen zu testen, nannte der Kultusminister schwierig. Er schloss eine solche Maßnahme aber auch nicht völlig aus. Das hänge vom Geschehen der kommenden Wochen ab. «Wie entwickeln sich die Infektionszahlen, insbesondere bei Reiserückkehrern? Das alles müssen wir sehr genau beobachten», sagte er. «Klar ist: Die, die in die Kita oder Schule gehen, müssen sich dort sicher fühlen können.»

30.07.2020 16.13 Uhr 

Brandenburg plant zunächst keine Maskenpflicht in Schulen

Für Lehrer und Schüler in Brandenburg ist derzeit anders als in Berlin keine Maskenpflicht in Schulen wegen des Coronavirus geplant. «Unser Hygieneplan sieht erstmal die Maskenpflicht an Schulen nicht vor», sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Potsdam. «Dies ist allerdings der Bildungsministerin vorbehalten.» Nonnemacher verwies auf die Abwägung solcher Maßnahmen: «Wir müssen bei unseren Maßnahmen immer auf die aktuellen Infektionszahlen schauen, aber auch, wie das Verhältnis der Angemessenheit von Eingriffen in die Grund- und Freiheitsrechte zum Infektionsgeschehen ist.»

Berlin plant nach dem Ende der Sommerferien ab 10. August einen Mund-Nasen-Schutz für Schüler, Lehrer und andere Beschäftigte in Schulen etwa auf Fluren, in Aufenthalts- und Gemeinschaftsräumen oder Toiletten. In Unterrichtsräumen, auf dem Pausenhof oder im Hort soll die Verpflichtung nicht gelten, kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) an. Der Senat will die Maskenpflicht am Dienstag beschließen.

In Brandenburg soll der reguläre Schulbetrieb ebenfalls ab 10. August losgehen. Lehrern wird im neuen Hygieneplan empfohlen, im Kontakt zu Kollegen, Eltern und anderen Besuchern, bei der Schülerbeförderung und in Pausen auf dem Schulhof Masken zu tragen, wenn der Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann. Die Abstandsregel gilt für den Kontakt zwischen Lehrern, zwischen Lehrern und Eltern und anderen Besuchern - vor allem im Lehrerzimmer, in Pausenbereichen oder der Teeküche.


30.07.2020 16.23 Uhr

Berlin führt Maskenpflicht an Schulen ein

An Berlins Schulen gilt nach den Ferien eine Maskenpflicht. Das soll Schüler wie Lehrer besser vor dem Coronavirus schützen.

Berlin wird im Kampf gegen das Coronavirus eine Maskenpflicht an Schulen einführen. Die Regelung soll nach dem Ende der Sommerferien für Schüler, Lehrer und andere Beschäftigte in Schulgebäuden gelten, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag mitteilte. Sie müssen einen Mund-Nasen-Schutz zum Beispiel auf Fluren, in Aufenthalts- und Gemeinschaftsräumen oder der Toilette tragen. In Unterrichtsräumen, auf dem Pausenhof oder im Hort soll diese Verpflichtung nicht gelten.

In Berlin starten die Schulen am 10. August. Mit der Maskenpflicht, die der Senat am kommenden Dienstag noch formal beschließen muss, ist Berlin eine Art Vorreiter unter den Bundesländern. Auch anderswo in Deutschland könnte der Mund-Nasen-Schutz nach Ende der Ferien zum Schulalltag gehören, entsprechende Überlegungen gibt es bereits. Offen ist aber vielfach noch, ob und in welchem Umfang das verpflichtend sein soll.

In Baden-Württemberg etwa ist nach den Sommerferien eine Pflicht geplant. In einigen anderen Ländern wie Nordrhein-Westfalen wiederum ist von freiwilligen Maskengeboten die Rede, oder es liegt - wie in Hessen oder Sachsen - im Ermessen der Schulen.

Nach dem Willen des rot-rot-grünen Berliner Senats sollen die Schulen im neuen Schuljahr trotz Corona-Krise wieder weitgehend im Regelbetrieb arbeiten - also mit Präsenzunterricht und wegen der großen Schülerzahl in den Räumlichkeiten ohne Mindestabstand. Ausnahmen gelten für Schüler mit Vorerkrankungen.

Die Verpflichtung, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, gilt laut Bildungsverwaltung grundsätzlich für alle Schulformen. Für Förderschulen, an denen behinderte Menschen lernen, wird es aber Ausnahmen geben. Offen ist noch, ob an den Schulen Masken vorgehalten werden für Schüler, die keine oder diese vergessen haben. Dazu seien noch Gespräche geplant, hieß es.

30.07.2020 16.13 Uhr

Sachsens Abiturienten trotz Corona mit besseren Prüfungsnoten 

Trotz der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie haben Sachsens Abiturienten im Jahr 2020 den besten Notendurchschnitt der letzten Jahre erzielt. Nach Abschluss der Prüfungen liegt er bei 2,16 und ist somit gegenüber dem Vorjahr mit 2,20 noch einmal leicht besser, wie das Kultusministerium am Donnerstag in Dresden mitteilte.

Von den 10 252 (Vorjahr: 10 507) zur Abiturprüfung 2020 zugelassenen Schülern an den Gymnasien erreichten 10 014 die allgemeine Hochschulreife. Damit liegt die Bestehensquote bei 97,73 Prozent und ist im Vergleich zum Vorjahr (97,36 Prozent) leicht gestiegen.

«Trotz der Krisensituation haben die Abiturienten in häuslicher Lernzeit ihre Hausaufgaben erfüllt und sich gut auf die Prüfungen vorbereitet. Dass sie dabei sogar den besten Durchschnitt in einem sächsischen Abitur erreicht haben, spricht für die Schüler und die Lehrer, die ihre Schützlinge bestens vorbereitet haben», teilte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) mit.

Der Durchschnitt sei für ihn jedoch nicht entscheidend, so Piwarz. Wichtiger sei, dass die Abiturienten einen richtigen Abschluss mit Prüfungen in der Tasche haben, ohne «Corona-Stempel».


30.07.2020 14.23 Uhr

Schülerrat fordert wegen Corona-Krise mehr Schutz in Schulbussen

Der Landesschülerrat hat vor dem Schuljahresbeginn am Montag Maßnahmen für einen besseren Corona-Infektionsschutz im Schulbusverkehr gefordert. «Während im Unterricht auf kleine Gruppen gesetzt wird, ist der Schulweg in Bussen und Bahnen nicht näher an Corona angepasst», kritisierte der Vorsitzende Jakob Liebich am Donnerstag. Voll gepackte Schulbusse seien für die meisten Schülerinnen und Schüler Alltag. «Kleine Gruppen in der Schule bringen wenig, wenn danach alle Schüler zusammen im Bus auf engem Raum hocken.»

Mit den Verkehrsbetrieben müsse nach Lösungen gesucht werden. Die Fahrpläne müssten an den besonderen Schulalltag angepasst werden. Theresia Crone vom Landesschülerrat forderte mit Blick auf Lernlücken aufgrund der Corona-Krise, die Prüfungsinhalte in diesem Jahr anzupassen. Auch die Schüler der jetzigen Abschlussklassen hätten enorm unter dem digitalen Lernen gelitten, weil viele Lehrkräfte und Schulen überfordert gewesen seien, erklärte sie.

Zuvor hatten Teile der Landespolitik das Konzept von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) für den Schulstart kritisiert. Der garantierte Mindestumfang an Präsenzunterricht von vier Stunden täglich in der Grundschule und fünf Stunden in den weiterführenden Schulen sei zu gering, bemängelte der bildungspolitische Sprecher des Koalitionspartners CDU, Marc Reinhardt.

Martin hatte als Grund für die nicht vollumfängliche Präsenzunterricht-Garantie angegeben, dass rund 400 Lehrer coronabedingt im Homeoffice bleiben müssten. Ein Teil der Stundentafel müsse über Fernunterricht abgedeckt werden. Am Montag startet Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland nach den sechswöchigen Sommerferien ins neue Schuljahr. Die rund 150 000 Schüler sollen wieder täglich zur Schule gehen.

29.07.2020 09.30 Uhr

Kritik vor Schulstart - Zu wenig Präsenzunterricht-Garantie

Als erstes Bundesland startet MV am Montag ins neue Schuljahr. Weil rund 400 Lehrer wegen Corona nicht in den Schulen unterrichten, muss auch aus der Ferne beschult werden. Die Präsenzgarantie von vier bis fünf Stunden am Tag ist Kritikern zu wenig.

Das Konzept von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) für den Schulstart in Mecklenburg-Vorpommern am kommenden Montag ist beim Koalitionspartner CDU und bei der Opposition auf Kritik gestoßen. Der garantierte Mindestumfang an Präsenzunterricht ist nach Ansicht des bildungspolitischen Sprechers der Unionsfraktion im Landtag, Marc Reinhardt, zu gering.

Ministerin Martin hatte am Dienstag erklärt, weil rund 400 Lehrer coronabedingt im Homeoffice bleiben müssten, könne nur eine tägliche Präsenzunterricht-Garantie von vier Stunden in der Grundschule und fünf Stunden in den weiterführenden Schulen gegeben werden. Sie gehe aber davon aus, dass in vielen Schulen mehr direkter Unterricht möglich sein werde. Der Rest der Stundentafel müsse über Fernunterricht abgedeckt werden.

Die Stundengarantie sei nicht ehrgeizig genug, sagte Reinhardt nach einer Sitzung des Bildungsausschusses des Landtags am Mittwoch. Es müsse Lernstoff nachgeholt werden und es dürften vor allem keine weiteren Lücken entstehen. Besonderes Augenmerk müsse auf die Abschlussklassen gelegt werden. Es müsse alles unternommen werden, um die fünf Mindeststunden im weiterführenden Schulbereich auszudehnen.

Auch aus Sicht des Landeselternrats reicht die Garantie nicht aus, um die vorgegebenen Bildungsziele zu erreichen. Der Vorsitzende Kay Czerwinski zeigte sich jedoch überzeigt, dass an vielen Schulen mehr Unterricht angeboten werde. Die Schulen, denen das nicht gelinge, müsse das Bildungsministerium in die Lage versetzen, es zu schaffen, forderte er.

Die AfD-Opposition sieht große Probleme auf die Abschlussklassen zehn und zwölf zukommen. «Es bleibt unklar, wie die durch den Lockdown entstandenen Wissenslücken bei gleichzeitiger Bewältigung des neuen Stoffes geschlossen werden können», sagte deren bildungspolitischer Sprecher Jörg Kröger. Am Ende der zehnten Klassen werden die Prüfungen zur Mittleren Reife geschrieben, am Ende der zwölften Klasse das Abitur. Die ebenfalls oppositionelle Linke forderte, die Jahrgänge, die in diesem und im darauffolgenden Schuljahr ihre Abschlüsse ablegen, ausschließlich im Präsenzunterricht zu beschulen.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Simone Oldenburg, bezeichnete das Schulstart-Konzept von Martin als «Stückwerk». So gehe die Idee der festen Gruppen, die sich in der Schule zum Infektionsschutz nicht begegnen sollen, an der Lebensrealität der Kinder vorbei. Geschwister seien zu Hause zusammen, Schüler säßen gemeinsam im Schulbus und träfen sich am Nachmittag beim Sport. Auch beim digitalen Unterricht gebe es viele Unklarheiten. So sei nicht bekannt, welche Schulen über eine digitale Lernplattform verfügen, welche Schulen diese nutzten und wie viele Schulen überhaupt an das Breitbandnetz angeschlossen seien.

Der SPD-Bildungspolitiker Andreas Butzki zeigte sich von der der Kritik insbesondere der CDU und der Linken enttäuscht: «MV ist am kommenden Montag das erste Bundesland, das wieder den landesweiten Regelbetrieb an den Schulen aufnimmt. Damit werde der Nordosten Vorreiter und Vorbild sein. «Wir werden unter Beobachtung der anderen Bundesländer stehen und wir werden unsere Sache gut machen.» Daran habe er keinen Zweifel.

29.07.2020 13.16 Uhr 

Verfassungsbeschwerde wegen Schulbetrieb im Corona-Modus scheitert

Eine Familie aus Bayern ist vor dem Bundesverfassungsgericht mit dem Versuch einer Verfassungsbeschwerde gegen den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen gescheitert. Die Karlsruher Richter nahmen die Beschwerde laut einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss nicht an und lehnten auch einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung - aus formalen Gründen - ab (Az.: 1 BvR 1630/20, Beschluss vom 15. Juli).

Die Familie hatte unter anderem argumentiert, die drei Kinder seien in ihren Rechten auf Bildung und freie Entfaltung der Persönlichkeit beeinträchtigt, wenn Präsenzunterricht in der Schule etwa aufgrund von Abstandsregeln im Kampf gegen die Viruspandemie ausfalle. Die Eltern wiederum seien durch die damit verbundenen Belastungen ihres Familien- und Berufslebens in mehreren Grundrechten wie jenen zur Geschlechtergleichberechtigung und freien Arbeitsplatzwahl verletzt.

Das Gericht erklärte unter anderem, mit Blick auf die bestehenden Gefahren für Leib und Leben, die der Staat laut Grundgesetz schützen muss, müssten Interessen derjenigen zurücktreten, die von den Einschränkungen des Schulbetriebs derzeit betroffen sind. Zudem seien die entsprechenden Verordnungen immer zeitlich befristet. Und der Plan sei, dass es nach den Sommerferien in Bayern - sofern die Entwicklung des Infektionsgeschehens es zulässt - wieder regulären Präsenzunterricht unter Hygieneauflagen geben soll.

29.07.2020 07.00 Uhr

Nachhilfe-Bundesverband befürchtet große Defizite nach Ferien

Nach der Corona-Zwangspause gingen viele Schüler mit Lerndefiziten in die Sommerferien. Ferienkurse an Schulen sollten Abhilfe schaffen. Doch diese waren teils schlecht organisiert, sagen Experten.

Der Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagssschulen befürchtet große Lerndefizite bei den Schülern nach den Sommerferien. «Der VNN erwartet angesichts der Schwierigkeiten des Homeschoolings und der misslungenen Sommerschulen, dass sich das ganze Ausmaß der Lernlücken im kommenden Schuljahr nach den ersten Klassenarbeiten zeigt», sagte die Sprecherin des Bundesverbandes der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen, Marion Steinbach, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Art und Weise, wie die Sommerschulen in einigen Bundesländern organisiert sind, seien ein «Skandal», so Steinbach. «Das ist besonders vor dem Hintergrund ärgerlich, dass wir den Kultusministern bereits zu Beginn der Pandemie und erneut anlässlich der geplanten Sommerschulen unsere Unterstützung angeboten haben.»

Die Sommerschulen werden in einigen Bundesländern angeboten, um das coronabedingte Lerndefizit bei den Schülern auszugleichen. In Schleswig-Holstein etwa können Kinder bis zum Ende der Sommerferien ihre Lernlücken in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch schließen. Ein oder zwei Wochen in den Sommerferien sollen benachteiligte Schüler gefördert werden. Auch in Hamburg gibt es ähnliche Angebote, die vor allem an Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen angeboten werden.

Trotz wochenlangen Homeschoolings in der Corona-Pandemie habe es in der Ferienzeit in Hamburg und Schleswig-Holstein keinen Ansturm auf private Nachhilfekurse gegeben. Das gelte auch für andere Bundesländer, in denen die Sommerferien angefangen haben, sagte Steinbach.

Als einen Grund hierfür sieht die Verbandssprecherin die Sommerschulen in den Bundesländern. Ein weiterer Grund sei, dass Eltern und Schüler nach wochenlangen pandemiebedingten Belastungen die Ferien zur Erholung nutzen wollten.

Die Studienkreis GmbH verzeichnete in Schleswig-Holstein nach eigenen Angaben eine etwas schwächere Nachfrage nach Sommerferien-Kursen als der Bundesdurchschnitt. Hamburg liege im Durchschnitt. Insgesamt sei die bundesweite Nachfrage etwas schwächer als im Vorjahr, wie das Unternehmen mitteilte. Dennoch sei das Ferienkurs-Angebot ergänzt worden, um den Versäumnissen aus der Homeschoolingzeit gerecht zu werden. Studienkreis ist neben der Schülerhilfe einer von zwei großen kommerziellen Nachhilfe-Anbietern in Deutschland.

«Aus Erfahrung wissen wir, dass sobald nach den Ferien die ersten Klausuren geschrieben werden, der Bedarf an Nachhilfe wieder steigen wird», sagte eine Sprecherin des Branchenkonkurrenten Schülerhilfe.

28.07.2020 09.30 Uhr

Hunderte Lehrer arbeiten auch im neuen Schuljahr von zu Hause aus

Als erstes Bundesland startet Mecklenburg-Vorpommern am kommenden Montag ins neue Schuljahr. Neugierig wird auch anderswo geschaut, wie der Nordosten den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen organisiert.

In Mecklenburg-Vorpommern sollen mit Beginn des neuen Schuljahrs am Montag (3. August) alle Schüler wieder jeden Tag Unterricht in der Schule bekommen. Für die Grundschüler ist anschließend die Hortbetreuung sichergestellt, wie Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Dienstag in Schwerin sagte. Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Bundesland, in dem die Schule wieder startet, während in Baden-Württemberg am Donnerstag die Sommerferien erst beginnen. In einer Pressekonferenz beantwortete die Ministerin wichtige Fragen zum bevorstehenden Schuljahresbeginn.

Wie viel Unterricht wird es in den Schulen geben?

Die Schulen sollen in der Grundschule jedem Schüler mindestens vier Stunden Unterricht am Tag garantieren, an den weiterführenden Schulen mindestens fünf. «Das ist die absolute Mindestgarantie», sagte Martin. «Wir gehen davon aus, dass die meisten Schulen vor Ort mehr schaffen werden.» Auch «kleine» Fächer wie Sport, Musik und Religion sollen gegeben werden.

Ergänzt werde der Präsenzunterricht, wo nötig, durch digitales Lernen. Dafür sollen auch die Lehrer eingesetzt werden, die im Homeoffice arbeiten. Im Distanzunterricht soll es mehr Verbindlichkeit als vor den Ferien geben, sagte Martin weiter. Die Leistungen sollen auch bewertet werden, was vor den Ferien nicht der Fall war. Derzeit laufe die Beschaffung von Leih-Laptops und -tablets für bedürftige Schüler durch die Schulträger. Das sind bei öffentlichen Schulen in MV die Kommunen. Allerdings sei die Nachfrage bundesweit sehr hoch, es könnten Lieferschwierigkeiten auftreten.

Werden alle Lehrer wieder in der Schule sein?

Mehrere hundert Lehrer werden wegen der Corona-Gefahr weiter im Homeoffice arbeiten und damit für den Präsenzunterricht ausfallen. Bislang hätten sich rund 500 Pädagogen mit Vorerkrankungen beim Betriebsarzt gemeldet und nach jetzigem Stand werde mit etwa 400 gerechnet, die nicht vor der Klasse eingesetzt werden könnten, sagte die Ministerin. Rund 3500 der 13 000 Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern zählen demnach aufgrund von Alter und/oder Vorerkrankungen zur Corona-Risikogruppe. Dazu gehören Menschen, bei denen das Risiko erhöht ist, im Fall einer Infektion einen schweren Verlauf von Covid-19 zu erleiden.

Wie sollen Rückstände aus dem letzten Schuljahr aufgeholt werden?

In den ersten zwei Wochen des neuen Schuljahrs sollen die Lehrer herausfinden, wie es um den Lernstand der Kinder bestellt ist. Dann soll in den einzelnen Schulen entschieden werden, wo Schwerpunkte gesetzt werden müssen und wo Stoff nachgeholt werden muss. «Im Bildungsministerium werden wir die Lernstandserhebung evaluieren», versicherte Martin. Dies geschehe auch mit Blick auf Gespräche mit anderen Ländern über das Abitur im nächsten Jahr. Noch ist demnach offen, wie die Prüfungen erfolgen sollen. Bisher wird Wert auf eine möglichst große Vergleichbarkeit des Abiturs in den Bundesländern gelegt.

Was passiert, wenn es eine Corona-Infektion in einer Schule gibt?

Die Kinder werden in Gruppen eingeteilt, die sich möglichst nicht begegnen sollen. Innerhalb der Gruppen ist der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern aber aufgehoben. Die einzelnen Gruppen umfassen die Klassenstufen eins bis vier sowie fünf/sechs, sieben/acht, neun/zehn und elf/zwölf. Sollte ein Corona-Fall in einer Gruppe auftreten, könne mit der zeitweisen Schließung einer Gruppe oder auch einer ganzen Schule reagiert werden. «Das entscheidet die Gesundheitsbehörde vor Ort», sagte Martin. «Mir ist wichtig, dass wir nicht mehr zu einem vollständigen Lockdown kommen.»

Es sei ein «mehr als nur holpriger Schulstart zu erwarten», kommentierte die AfD-Landtagsfraktion. «Trotz Öffnung der Schulen ist wirklicher Regelunterricht, wie ihn die Stundentafeln und Lehrpläne erfordern würden, noch immer nicht vorgesehen», sagte der bildungspolitische Sprecher, Jörg Kröger. Es bleibe unklar, wie die durch den Lockdown entstandenen Wissenslücken bei gleichzeitiger Bewältigung des neuen Stoffes geschlossen werden können. Besonders für die Abschlussklassen entstünden gravierende Probleme. Der Lehrermangel werde durch Krankenstände und den Ausfall von Lehrkräften mit Vorerkrankungen verstärkt, kritisierte die AfD.

28.07.2020 15.20 Uhr

Rabe: Trotz Warnung im Risikogebiet? Das gilt als Schulschwänzen

Wer wegen der verpflichtenden Quarantäne nach der Rückkehr aus einem Corona-Risikogebiet sein Kind nicht pünktlich zum Schulstart in die Schule schicken kann, muss im drastischsten Fall ein Bußgeld zahlen. «Ich sage ganz offen: Wenn hier tatsächlich - trotz intensiver Warnungen der Schulleitungen - einzelne Familien wissentlich dieses Risiko eingegangen sind und jetzt die Schülerinnen und Schüler nicht am Unterricht teilnehmen können, dann ist das in meinen Worten Schulschwänzen und wird entsprechend geahndet», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag bei der Landespressekonferenz in Hamburg. Die Ahndung selbst müsse «unter klugen pädagogischen Abwägungen» vollzogen werden. «Da ist vieles möglich. Von ermahnenden Gesprächen und vielem mehr.»

In Fällen, bei denen ein solches Verhalten regelhaft vorkomme, könnten allerdings auch Bußgelder verhängt werden. «Das muss sich dann zeigen», so Rabe weiter. Das gelte aber vor allem dann, wenn sehr klar gegen entsprechende Auflagen verstoßen wurde. «Das kann allerdings durchaus in einigen Fällen der Fall sein.»

In Hamburg gehen in der kommenden Woche die Sommerferien zu Ende. Schon jetzt haben sich der Sozialbehörde zufolge hunderte Reiserückkehrer aus Risikogebieten bei den Gesundheitsbehörden gemeldet und in Quarantäne begeben.

28.07.2020 09.30 Uhr 

Die Planungen der Bundesländer für das neue Schuljahr 

Am Donnerstag geht Baden-Württemberg als letztes Bundesland in die Sommerferien. Für vier Tage ist ganz Deutschland dann gemeinsam im Ferienmodus, bevor am Montag in Mecklenburg-Vorpommern schon wieder die Schule beginnt. Im neuen Schuljahr geht es trotz Corona zurück in den Schulregelbetrieb. Das hatten die Länder vereinbart. Ein Blick auf die bisherigen Planungen:

BADEN-WÜRTTEMBERG (Schuljahr beginnt am 14. September)
Der Unterricht soll in möglichst festen Gruppen ablaufen, sodass sich die Schüler möglichst wenig durchmischen. Auf dem Schulgelände und in Gebäuden der weiterführenden Schulen soll zudem eine Maskenpflicht gelten - nicht aber im Unterricht. Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind am Präsenzunterricht teilnimmt, können dies der Schule formlos melden. Dann müssen die Kinder aber aus der Ferne mitlernen. Alle Mitarbeiter an Schulen und Kitas können sich von Mitte August bis Ende September zwei Mal kostenfrei und freiwillig auf das Coronavirus testen lassen.

BAYERN (Schuljahr beginnt am 8. September) Die Planungen laufen noch. Der Freistaat will im neuen Schuljahr auch Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium einsetzen, um Stammlehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören und nicht an die Schule können, zu unterstützen. 800 sogenannte Teamlehrkräfte werden dafür gesucht. Neben ausgebildeten Lehrern können sich auch Menschen mit anderen Hochschulabschlüssen für diese Stellen bewerben. Zudem sollen die Schulen spezielle Förderkurse anbieten, um Schüler mit Lerndefiziten wegen der Corona-Einschränkungen zu unterstützen. Für Lehrer sollen zu Beginn des Schuljahres einmalige Reihentests angeboten werden.

BERLIN (Schuljahr beginnt am 10. August) In der Hauptstadt ist wieder «durchgehender Unterricht» in «vollem Umfang» für alle geplant. Die Lehrer sollen zu Beginn den Lernstand der Schüler überprüfen und dann entsprechende Konzepte zur Unterrichtsgestaltung und eventuelle Fördermaßnahmen festlegen. Sport-, Musik- und Theaterunterricht darf wieder stattfinden. Gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen ist nicht gestattet. Körperkontakt soll vermieden werden. Schüler, die mit einem ärztlichen Attest nachweisen, dass sie zur Risikogruppe gehören, können bis auf weiteres auch von zu Hause aus mitlernen.

BRANDENBURG (Schuljahr beginnt am 10. August) Für Lehrer soll nach bisherigem Plan eine Maskenpflicht gelten. Alle Lehrer können sich in der Zeit zwischen Anfang August und Ende November sechs Mal auf Kosten des Landes freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Dagegen ist nur eine einmalige Test-Stichprobe bei einem Prozent der Schüler (also bei 2900). Sollte es zu einem Corona-Ausbruch kommen, sollen die Schüler möglichst nur einzelne Klassen in den Heimunterricht geschickt werden. Es soll nicht gleich die ganze Schule geschlossen werden. Bis zum Ende des ersten Halbjahres sollen für alle Schüler mobile Endgeräte zur Verfügung stehen.

BREMEN (Schuljahr beginnt am 27. August) Das kleinste Bundesland hat ein «Rahmenkonzept Schuljahr 2020/2021» aufgestellt und will damit «möglichst viel Normalität und einen Regelbetrieb unter den Auflagen des Hygieneplans erreichen». Leitmotiv aller Entscheidungen sei das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe. Vorgesehen sind «möglichst feste Klassenteams». Falls es pandemiebedingt doch zu Einschränkungen des Schulbetriebs kommen sollte, sollen Grundschüler und Schüler, die zu Hause keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten zum selbstständigen Lernen haben, bevorzugt mit Präsenzzeiten versorgt werden.

HAMBURG (Schuljahr beginnt am 6. August) Auch in Hamburg ist «in allen Schulformen und Jahrgangsstufen» wieder Regelbetrieb geplant. «Sofern es keine anderweitige Entwicklung der Infektionslage gibt, ist für die Planung davon auszugehen, dass das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen den Schülerinnen und Schülern für das Schuljahr 2020/21 auf Ebene der Klasse bzw. des Jahrgangs aufgehoben wird», heißt es in einer Mitteilung des Senats von Mitte Juli. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in den Pausen oder im Schulbus wird weiterhin empfohlen. Alle Hamburger Lehrer und anderen Beschäftigten der Schulen können sich mehrfach kostenlos auf Corona testen lassen.

HESSEN (Schuljahr beginnt am 17. August) In Hessen wird der Mindestabstand in den Klassenräumen und beim Sportunterricht aufgehoben, er besteht jedoch weiterhin beispielsweise bei Konferenzen. Im Musikunterricht ist gemeinsames Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten nur im Freien erlaubt. Die Schulleitung kann für die Zeiten außerhalb des Präsenzunterrichts im Klassen- oder Kursverband das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung anordnen. Jede Lehrkraft kann sich voraussichtlich vor dem Start ins neue Schuljahr auf eine mögliche Corona-Infektion testen lassen.

MECKLENBURG-VORPOMMERN (Schuljahr beginnt am 3. August)
Als erstes Bundesland geht Mecklenburg-Vorpommern am kommenden Montag zurück in den regulären Schulbetrieb. Das Bildungsministerium hat die Schüler jahrgangsmäßig in Gruppen eingeteilt. So sollen beispielsweise die Jahrgangsstufen 1 bis 4 oder 7 und 8 unter sich bleiben. «Die verschiedenen definierten Gruppen sollen sich einander nicht bzw. möglichst nur unter Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 m begegnen», heißt es in einem Brief an die Schulleitungen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es kostenlose Corona-Tests für Lehrer und Kita-Personal. Möglich sind bis zu den Herbstferien fünf Tests pro Person im Abstand von zwei Wochen.

NIEDERSACHSEN (Schuljahr beginnt am 27. August) Niedersachsen will nach Angaben des Kultusministeriums ein Maximum an Bildung und Betreuung anbieten. «Wir planen das neue Schuljahr 2020/2021 auf der Basis von Normalität», war die Ansage von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) Anfang Juli. Für das neue Schuljahr wurden - je nach Infektionslage - drei Szenarien entwickelt. Im Moment wird vom «eingeschränkten Regelbetrieb» ausgegangen - laut Tonne «Schule wie immer» mit «ein paar Sonderregelungen». Das heißt, dass auf das Abstandsgebot verzichtet wird, es aber feste Lerngruppen geben soll. Masken sollen auf den Fluren getragen werden.

NORDRHEIN-WESTFALEN (Schuljahr beginnt am 12. August) Die 5500 Schulen mit ihren rund 2,5 Millionen Schülern im bevölkerungsreichsten Bundesland sollen nach Aussage von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) nach den Sommerferien «in einen verantwortungsvollen Regelbetrieb zurückkehren». Erste grobe Pläne hatte die Ministerin schon im Juni vorgelegt. Darin ging es unter anderem um die «Gewinnung von zusätzlichem Personal zur Sicherstellung des Regelbetriebs». Zudem wurde ein Leitfaden für die Schulen angekündigt, falls diese aus Gründen des Infektionsschutzes doch wieder auf Distanz-Unterricht umschalten müssen. Die Beschäftigten von Schulen und Kitas in NRW können sich bis zu den Herbstferien alle 14 Tage freiwillig und kostenlos auf Corona testen lassen.

RHEINLAND-PFALZ (Schuljahr beginnt am 17. August) Der für das neue Schuljahr weiterentwickelte Hygieneplan sieht kein Abstandsgebot mehr vor. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) plant je nach Entwicklung der Corona-Infektionen mit zwei weiteren Szenarien: Das bisherige Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht sowie temporäre Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt: «Wenn es zu einem Infektionsfall kommt, werden alle anderen in Quarantäne geschickt und es wird umfassend getestet - und die Schule im Zweifel temporär geschlossen.» Das Vorgehen sei mit Gewerkschaften, Lehrerverbänden, Eltern- und Schülervertretern besprochen.

SAARLAND (Schuljahr beginnt am 17. August) Der Unterricht soll in festen Gruppen innerhalb eines Jahrgangs stattfinden, «um eine Durchmischung mit den anderen Jahrgängen nach Möglichkeit zu vermeiden». Ziel sei es, dass bei Infektionsfällen für die nicht betroffenen Personen der Präsenzunterricht weiterlaufen könne. Im Hygieneplan des Landes für die Schulen wird außerdem empfohlen, Musikunterricht - wenn gesungen wird - bei gutem Wetter im Freien abzuhalten. Schüler, die zur Risikogruppe gehören, können mit ärztlichem Attest vom Schulbesuch befreit werden, müssen aber an Prüfungen teilnehmen. Dafür stellen die Schulen separate Räume zur Verfügung.

SACHSEN (Schuljahr beginnt am 31. August)
«Die Schülerinnen und Schüler werden wie gewohnt in ihren Klassen und Kursen nach den geltenden Stundentafeln und Lehrplänen unterrichtet», hat Kultusminister Christian Piwarz (CDU) für Sachsen angekündigt. Der Mindestabstand von 1,50 Metern gilt nicht mehr. Die Schulleitungen können selbst festlegen, wann und wo eine Maske zu tragen ist. Wer die Schule betritt, muss sich die Hände waschen oder desinfizieren. Täglich wird dokumentiert, wer in der Schule war, um Infektionsketten nachvollziehen zu können.

SACHSEN-ANHALT (Schuljahr beginnt am 27. August) In Sachsen-Anhalt gilt die Anweisung, dass alle Schulen sich auf die Rückkehr in den Regelbetrieb vorbereiten sollen. Das Bildungsministerium weist aber auch darauf hin, dass die Gesundheitsbehörden weiterhin lokale Schulschließungen vornehmen könnten. Daher seien die Schulen gehalten, sich auch auf eine teilweise oder vollständige Abkehr vom Regelbetrieb einzustellen, «um kurzfristig wieder Distanzunterricht anbieten zu können». Die konkreten Planungen für den Schulalltag laufen, ein aktualisierter Hygieneplan soll noch vorgelegt werden. Das Ministerium geht grundsätzlich davon aus, «dass das gesamte pädagogische Personal im Regelbetrieb eingesetzt werden kann». Das Bildungsministerium empfiehlt zudem «allen schulischen Akteuren» die Nutzung der Corona-​Warn-App.

SCHLESWIG-HOLSTEIN (Schuljahr beginnt am 10. August) Auch in Schleswig-Holstein ist eine Aufteilung der Schüler in feste Großgruppen nach Jahrgangsstufe geplant. Innerhalb der Jahrgänge fällt die Abstandsregel, dafür sollen Kontakte zwischen den Jahrgängen möglichst vermieden werden. «An die Stelle des durchgängig einzuhaltenden Abstandsgebots tritt das Kohortenprinzip», heißt es in einem Konzept für das neue Schuljahr. Begründung: Im Infektionsfall könnte dann nur die entsprechende Kohorte in Quarantäne geschickt werden, ohne dass die ganze Schule zugemacht werden muss. Großflächige Corona-Tests für Lehrer sind im Norden nicht geplant.

THÜRINGEN (Schuljahr beginnt am 31. August) «Wir wollen am 31. August in ein normales Leben zurückkehren» - diese Devise hat Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) ausgegeben. Auch Klassenfahrten sollen wieder möglich sein. Ab Mitte August sind freiwillige, kostenlose Corona-Tests für Lehrer geplant. Thüringen hat für die Schulen ein Ampel-Konzept mit abgestuften Sicherheitsmaßnahmen vorgelegt: Grün bedeutet Normalbetrieb, Gelb eingeschränkter Regelbetrieb, wenn beispielsweise ein Infektionsfall an der Schule auftritt, die Kontaktpersonen aber bekannt sind und nach Hause geschickt werden können. Bei Gelb werden die Infektionsschutzmaßnahmen an der Schule verschärft. Wenn der Kontakt nicht nachzuvollziehen ist, tritt Stufe Rot in Kraft und es kann zu einer vorübergehenden Schulschließung kommen.

28.07.2020 04.30 Uhr 

Kabinett debattiert über Corona-Tests für Urlauber und Schulen 

Zum regulär letzten Mal vor der Sommerpause debattiert das Kabinett in Bayern am Dienstag über Anti-Corona-Maßnahmen. Auf der Agenda stehen Tests für Urlauber - und womöglich sind auch Reisebeschränkungen für einen bayerischen Landkreis Thema.

Auch die letzte reguläre Sitzung des bayerischen Kabinetts vor der Sommerpause am Dienstag (10.00 Uhr) steht einmal mehr ganz im Zeichen der Corona-Krise. Im Kabinett soll über die Umsetzung konkreter Testmaßnahmen besonders für Reisende im Freistaat debattiert werden. Am Montagabend ordnete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verpflichtende Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten an. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zuvor seine Forderung mit Blick auf die in Bayern gestarteten Sommerferien bekräftigt.

Die Sommerferien dürften vor allem auch für die Bewohner des niederbayerischen Landkreises Dingolfing-Landau ein Thema sein. Denn der Corona-Ausbruch auf einem Gemüsehof in Mamming hat auch Folgen für ihre Reisemöglichkeiten. Die Regierung von Schleswig-Holstein stufte den Landkreis am Montag explizit als Risikogebiet ein. Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks dürfen Menschen aus dem Landkreis auch nicht mehr ohne gültigen Test nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen.

Nach dem Massenausbruch auf dem Gemüsehof liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner der vergangenen sieben Tage nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit in dem Landkreis bei 191 und damit fast viermal so hoch wie der Grenzwert 50.

Bund und Länder hatten sich Ende Juni auf Einschränkungen für Reisende aus deutschen Risikogebieten verständigt - damals als Reaktion auf den Corona-Ausbruch beim Schlachtbetrieb Tönnies in Nordrhein-Westfalen. Die konkreten Regelungen sind allerdings Ländersache. Bayern war damals eines der ersten Bundesländer, das ein Übernachtungsverbot für Menschen aus dem Kreis Gütersloh einführte.

Bei der Sitzung von Bayerns Ministerrat dürften außerdem Corona-Testungen an den Schulen zu Beginn des neuen Schuljahres im September zur Sprache kommen. Erwartet werden auch eine Bilanz und ein Ausblick zur wirtschaftlichen Situation im Freistaat in Zeiten der weltweiten Pandemie.

Im August sind eigentlich keine Kabinettssitzungen geplant. Um über die aktuelle Corona-Lage ständig auf dem Laufenden zu sein und ein wöchentliches Update zu geben, werden Vertreter des Kabinetts aber auch in den Sommerferien regelmäßig in einem sogenannten Kabinettsausschuss tagen, kündigte Söder an. Durch den Sonderausschuss bleibe die Staatsregierung jederzeit handlungsfähig. «Das ist eine andere Urlaubszeit auch für uns», sagte der Ministerpräsident.

26.07.2020 13.52 Uhr 

Kostenlose Corona-Tests für Lehrer und Mitarbeiter von Schulen

Hamburg(dpa/lno) Alle Hamburger Lehrer können sich nach dem Beginn des neuen Schuljahres am 6. August kostenlos auf das neuartige Coronavirus testen lassen. Das Angebot richte sich auch an alle anderen Beschäftigten der Hamburger Schulen wie Erzieher, Sozialpädagogen und Sekretärinnen, teilten die Kassenärztliche Vereinigung und die Schulbehörde am Freitag mit. Die knapp 25 000 Lehrer und Mitarbeiter hätten die Möglichkeit, sich auch ohne konkreten Verdacht auf eine Infektion mehrmals testen zu lassen. Die Kosten von zwei bis vier Millionen Euro werde die Schulbehörde tragen, hieß es. Das freiwillige Angebot gelte vorerst bis zu den Herbstferien, die am 5. Oktober beginnen.

26.07.2020 12.12 Uhr

Normalität an Thüringer Schulen und Kitas ab Ende August

Zehntausende Kinder und Jugendliche in Thüringen sollen mit Start des neuen Schuljahres Ende August wieder ohne Einschränkungen betreut und unterrichtet werden. «Wir wollen am 31. August in ein normales Leben zurückkehren», sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Freitag in Erfurt. Dann sei sowohl für die Kindergärten als auch die Schulen die Rückkehr in den Normalbetrieb nach den Corona-Einschränkungen vorgesehen. Das gelte auch für Hortbetreuung oder Klassenfahrten. Alle 44 000 Beschäftigten in den Kitas und Schulen seien dann wieder im Dienst.

Zusätzlich zu den geltenden Infektionsschutzkonzepten sei ein Stufenplan erarbeitet worden, der regele, wie bei Infektionsfällen agiert werde, sagte Holter. Er reiche bis zur vorübergehenden Schließung von Einrichtungen bei steigenden Corona-Infektionsfällen und der Organisation einer Notbetreuung.

25.07.2020 15.00 Uhr

Prien befürchtet keine Welle von Lehrer-Krankschreibungen

Werden sich zum Schulstart in Schleswig-Holstein viele Lehrer krank melden? Fast 800 Lehrkräfte haben Atteste vorgelegt, dass sie zu Corona-Risikogruppen gehören - aber nur wenige werden vom Präsenzunterricht befreit. Ministerin Prien setzt auf Loyalität.

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) erwartet zum Schulstart in Schleswig-Holstein am 10. August keine Welle von Lehrer-Krankschreibungen. «Ich vertraue auf die Loyalität der Lehrkräfte und gehe davon aus, dass sie ihre Pflicht erfüllen», sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. Die Gewerkschaft GEW hatte kritisiert, dass nur 32 von 780 Lehrern, die ärztliche Atteste als zu Corona-Risikogruppen zugehörig vorgelegt hatten, vom Präsenzunterricht befreit werden. Die meisten Atteste sind laut GEW von der Arbeitsmedizinerin des Ministeriums als hinreichender Grund nicht akzeptiert worden.

Mit dem Schulstart soll es wieder regulären Unterricht geben - aber unter Corona-Bedingungen. An den Grundschulen soll im Klassenverband unterrichtet werden, an den weiterführenden Schulen ist soviel Unterricht wie möglich in kleinen Gruppen vorgesehen.

Krankschreibungen erfordern, wie Prien betonte, stets eine akute Erkrankung beziehungsweise medizinische Gründe, weshalb die Arbeitsleistung nicht erbracht werden kann. «Ich gehe davon aus, dass Ärztinnen und Ärzte eine solche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht ausstellen, nur weil eine Zuordnung zu einer RKI-Risikogruppe gegeben ist.» Entscheidend für die Risikobewertung sei die konkrete Situation am Arbeitsplatz - in diesem Fall an der Schule. «In Schleswig-Holstein haben wir zurzeit ein sehr geringes Infektionsgeschehen und deshalb auch ein sehr niedriges Risiko», sagte Prien.

Sollten zu Corona-Risikogruppen zählende Lehrer in der Schule an dem Virus erkranken, wäre dies nach Ansicht Priens keine Folge mangelnder Fürsorgepflicht. «Der Staat als Arbeitgeber kann nicht für eine 100prozentige Sicherheit in Zeiten der Corona-Pandemie sorgen», sagte Prien. In Schleswig-Holstein gebe es bisher keine Hinweise, dass der Arbeitsort Schule gefährlicher sei als andere Arbeitsplätze im Norden. Deshalb lasse sich daraus keine Verletzung der Fürsorgepflicht des Staates ableiten.

«Im Gegenteil: Als Dienstherr kommen wir unserer Fürsorgepflicht dadurch nach, dass wir betriebsärztlich überprüfen lassen, ob die Lehrkraft im Präsenzunterricht eingesetzt werden kann.» Grundlage sei die schulische Gefährdungsbeurteilung. Und da sei zu berücksichtigen, dass das Infektionsgeschehen in Schleswig-Holstein deutlich zurückgegangen sei. Zur Fürsorge zähle auch das 15-Millionen-Euro-Paket für coronabedingte Investitionen an Schulen, ergänzte Prien. Die Mittel sollen der Ministerin zufolge von den Schulträgern verwendet werden, um hygienische Standards an Schulen gewährleisten zu können.

Die GEW hatte kürzlich die Arbeit des betriebsärztlichen Dienstes des Bildungsministeriums als «eine Farce» kritisiert. Von sorgfältiger Prüfung sei keine Spur. «Weder gibt es eine Gefährdungsbeurteilung vor Ort noch werden die Haus- oder Fachärzte konsultiert oder Personalräte mit einbezogen», sagte GEW-Landesgeschäftsführer Bernd Schauer. Statt einer individuellen arbeitsmedizinischen Untersuchung gebe es nur ein Telefonat mit den Betroffenen, in dem Gesundheitsgefährdungen abgebürstet würden. Dagegen hatte Prien betont, die Ärztin prüfe sehr sorgfältig jeden Einzelfall.

Kanzleramtschef erwartet «aufwendiges Schuljahr»

Kanzleramtschef Helge Braun will sich dafür einsetzen, dass nach den Sommerferien wieder für alle Schüler in Deutschland Unterricht im Regelbetrieb angeboten wird. «Ich werbe dafür, dass Schule im Regelbetrieb, aber mit Regeln unter Corona-Bedingungen wieder stattfindet», sagte der CDU-Politiker der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). «Unser Ziel muss es sein, dass das kommende Schuljahr für die Schüler kein verlorenes wird. Sie müssen wieder den Zugang zu Bildung erhalten.»

Auch Eltern müssten sich wieder auf die Betreuungsangebote verlassen können. «Das kann aber nur mit optimalen Hygienekonzepten an den Schulen gelingen. Darauf müssen wir viel Liebe verwenden, es wird ein aufwendiges Schuljahr», sagte Braun.

Die Kultusminister der Länder hatten schon Mitte Juni beschlossen, dass die Schulen trotz der Corona-Pandemie nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb starten sollen. Dazu haben sich die 16 Bundesländer inzwischen auf einheitliche Hygieneregeln geeinigt.

Neben den üblichen Vorschriften wie dem Tragen von Schutzmasken und dem Verzicht auf Körperkontakt wird unter anderem ein Mindestabstand von 1,50 Meter empfohlen. Beim Unterrichtsbetrieb im regulären Klassenverband soll auf den Mindestabstand zwischen Schülern und Lehrern allerdings verzichtet werden können.

Der Deutsche Lehrerverband hält das Konzept für nicht ausreichend. Er fordert unter anderem schon zum neuen Schuljahr die Einstellung zusätzlicher Lehrer, um neben dem Regelunterricht auch dauerhafte Förderangebote zur Verfügung stellen zu können. Zudem müsse es für die Lehrer einen Visierschutz geben sowie die Möglichkeit wöchentlicher Corona-Tests.


24.07.2020 14.33 Uhr

Mannschafts- und Schulsport ohne Einschränkungen ab August

Mannschafts- und Schulsport ist in Hessen ab August wieder ohne Einschränkungen möglich. Wichtig bleibe aber, dass die Hygieneregeln in den Vereinen sowie im Sportunterricht eingehalten werden, erklärten Innen- und Sportminister Peter Beuth und Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU) am Donnerstag in Wiesbaden. Zuletzt waren Kontaktsportarten nur mit maximal zehn Personen in Hessen möglich. Die beiden Minister begründeten die Corona-Lockerungen mit der weiterhin positiven Entwicklungen der Pandemie im Land.

Durch die Lockerung könnten die übliche Saisonvorbereitung und der Spielbetrieb in den Ballsportarten wie Fußball, Handball und Volleyball wieder durchgeführt werden, erklärten die Minister. Auch die Schulen hätten nun Planungssicherheit und könnten sich mit der weitgehenden Rückkehr zum Regelbetrieb nach den Sommerferien bestmöglich vorbereiten.

Die Sportfachverbände und Vereine seien weiter angehalten, Hygienekonzepte zu erarbeiten und vor Ort mit Leben zu füllen. Vor allem beim Zugang zu den Sportstätten sollten Warteschlangen vermieden und in den Umkleiden sowie Sanitäranlagen auf Abstands- und Hygieneregeln geachtet werden, mahnte Minister Beuth.

Lorz kündigte für die Schulen einen überarbeiteten Hygieneplan in wenigen Tagen an. Der neue Hygieneplan sehe vor, dass Sportunterricht sowie außerunterrichtliche Sportangebote in allen Schulformen und in allen Jahrgangsstufen unter Einhaltung von bestimmten Schutzmaßnahmen stattfinden können. Um ein ungehindertes Infektionsgeschehen zu verhindern, sollen im ersten Schulhalbjahr aber keine überörtlichen schulsportlichen Wettbewerbe stattfinden.

23.07.2020 14.07 Uhr 

Ministerium: Saarland-Kindergartenjahr startet im regulären Betrieb

Die saarländischen Kindertageseinrichtungen öffnen zu Beginn des neuen Kindergartenjahres ab dem 1. August im Regelbetrieb. Damit werde die vierte Stufe des bundesweit abgestimmten Ausstiegsplans umgesetzt, teilte am Donnerstag das Gesundheitsministerium in Saarbrücken mit. «Künftig wird es wieder möglich sein, das Prinzip der festen Gruppe zu öffnen - so dass zu den Randzeiten am frühen Morgen und späten Nachmittag gemischte Gruppen gebildet werden können, um eine optimale Betreuungszeit zu erreichen», sagte Ministerin Monika Bachmann (CDU).

Eltern und Erziehungsberechtigte dürften wieder die Räumlichkeiten der Kindertageseinrichtungen betreten. Auch die Förderkräfte der AfI (Arbeitsstellen für Integrationspädagogik / Integrationshilfen) oder sonstige Unterstützungskräfte dürften in gewohnter Weise tätig sein.

«Damit sind wir an dem Punkt, an dem wir zur Normalität in den Einrichtungen zurückkehren», sagte Bachmann einer Mitteilung zufolge. «Dennoch müssen wir das Infektionsgeschehen weiter im Blick haben und wieder mit möglichen Einschränkungen rechnen.» Das Landesjugendamt unterstütze und begleite die 488 Kitas im Land, hieß es. Empfehlungen zur Umsetzung von Hygienemaßnahmen wurden mit der obersten Landesgesundheitsbehörde und den Gesundheitsämtern abgestimmt.

23.07.2020 12.59 Uhr 

Piazolo zieht positive Bilanz zum Schuljahresende während Corona

Zum Ende des wegen der Corona-Pandemie besonderen Schuljahres zieht das bayerische Kultusministerium eine positive Bilanz. «Die ganze Schulgemeinschaft hat in den letzten Wochen und Monaten seit den coronabedingten Schulschließungen sehr viel geleistet», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag laut Mitteilung. An allen Schulformen seien bei den Abschlussprüfungen Ergebnisse auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren erzielt worden. Die Verschiebung der Prüfungstermine habe eine intensive Vorbereitung ermöglicht. Für etwa 1,65 Millionen Schüler im Freistaat beginnen an diesem Freitag die Sommerferien.

Nach wochenlangen Schulschließungen waren Bayerns Schüler ab Ende April wieder schrittweise in die Schulen zurückgekehrt. Seit den Pfingstferien wurden dann Schüler aller Jahrgangsstufen in kleineren Lerngruppen wieder in der Schule unterrichtet. Präsenz- und Distanzunterricht fanden zuletzt im Wechsel statt. Derzeit geht das Kultusministerium davon aus, dass zum neuen Schuljahr im September der reguläre Unterrichtsbetrieb mit Hygienemaßnahmen wieder aufgenommen werden kann. Das Infektionsgeschehen müsse aber weiterhin im Auge behalten werden und verhindere bislang eine hundertprozentige Planung, hieß es.

22.07.2020 15.30 Uhr

Corona-Tests für Lehrer und Erzieher - aber nur für wenige Schüler

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres sollen Lehrer und Erzieher in Brandenburg die Möglichkeit bekommen, sich regelmäßig auf das Corona-Virus testen zu lassen. Der oppositionellen Linken reicht das bei weitem nicht aus.

Alle Beschäftigten in brandenburgischen Schulen und Kitas können sich von August an regelmäßig auf das Corona-Virus testen lassen. Für die Kita-Kinder und Schüler sei allerdings nur eine einmalige Stichprobe bei bis zu einem Prozent der Kinder und Jugendlichen vorgesehen, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch. Sie stellte eine mit der Kassenärztlichen Vereinigung vereinbarte Teststrategie vor. Die Kosten in Höhe von rund 78 Euro pro Test übernimmt der Steuerzahler. Dafür hat das Land 14,3 Millionen Euro aus dem Corona-Rettungsschirm bereitgestellt.

Anspruch auf die freiwilligen Tests haben demnach bis zu 26 900 Beschäftigte an den Schulen und 27 700 Mitarbeiter in den Kitas. Sie können sich von Anfang August bis Ende November bis zu sechs Mal testen lassen. Alle sollen entsprechende Berechtigungsscheine erhalten, mit denen sie zu ihrem Hausarzt gehen können.

Außerdem sollen für die Stichprobe knapp 3000 Kinder und Jugendliche an den Schulen und knapp 1100 Kinder in den Kitas ausgewählt werden. «Wir erwarten davon eine Aussage darüber, wie der Status bei den Kindern und Jugendlichen ist», sagte Nonnemacher. Nach einer Auswertung soll über eine Weiterführung der Tests entschieden werden.

Die oppositionelle Linksfraktion im Landtag kritisierte die Teststrategie als völlig unzureichend. «Deshalb halten wir unsere Forderung aufrecht, dass es mindestens ebenso umfangreiche Testungen bei den Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich geben muss, sowie bei Beschäftigten in Gemeinschaftsunterkünften und in Schlachtbetrieben», sagte der gesundheitspolitische Sprecher Ronny Kretschmer. Daher könne der jetzige Teststart nur ein erster Schritt sein.

Nonnemacher hatte dazu erklärt, dass die Senioren- und Pflegeheime das Angebot des Landes, Proben von Beschäftigten im Landeslabor untersuchen zu lassen, noch nicht ausreichend nutzten. Offensichtlich gebe es Probleme beim Transport der Proben in die Labore. Inzwischen habe sich aber das Deutsche Rote Kreuz bereiterklärt, bei der Logistik zu helfen.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Björn Lüttmann verlangte, es müsse noch mehr Klarheit darüber geschaffen werden, wann Kinder aus der Kita genommen werden müssen. Eine «laufende Nase» allein könne noch kein Grund sein, sie nach Hause zu schicken. Denn die Eltern müssten jetzt wieder auf einen verlässlichen Kita-Betrieb vertrauen können.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gordon Hoffmann, sprach von einem wichtigen Baustein,für ein gutes Betreuungs- und Bildungsangebot. Mindestens ebenso wichtig seien aber Vorkehrungen für den Fall, dass Coronafälle festgestellt würden. «Wenn wir gezwungen sein sollten, einzelne Schulen vorübergehend zu schließen, muss das Bildungsministerium in solchen Fällen sicherstellen, dass das Home-Schooling auch vernünftig funktioniert.»

Eisenmann: Wollen Singen und Blasmusik an Schulen ermöglichen

Entgegen ursprünglicher Planungen könnten Singen und Blasmusik in geschlossenen Räumen an Schulen unter gewissen Bedingungen nach den Sommerferien nun doch erlaubt werden. «Keiner will, dass Blasmusik oder Singen in unseren Schulen keinen Platz kriegt», erklärte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Mittwoch im Landtag. «Wir prüfen das sehr engmaschig.»

Man setze drauf, dass man in den nächsten Tagen Untersuchungen bestätigen könne, «dass man sagen kann: Mit zwei Metern Abstand, begrenzt auf eine bestimmte Gruppe, mit Durchlüftung, mit anderen Vorgaben kann man Singen und Blasmusik in den Schulen ermöglichen.» Trotzdem müsse man den Gesundheitsschutz weiterhin im Blick haben. «Wir entscheiden analog zum Infektionsgeschehen und gehen Schritt für Schritt voran.» Ziel müsse sein, eine zweite Infektionswelle zu verhindern. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums.

Kirchliche und weltliche Chorverbände im ganzen Land, aber auch die Opposition hatten gegen das geplanten Gesangsverbot an Schulen protestiert. Beim Singen können Wissenschaftlern zufolge sogenannte Aerosole, also Gemische aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen, bis zu eineinhalb Meter nach vorne ausgestoßen werden. Das kann eine Infektion mit dem Coronavirus begünstigen.

 

22.07.2020 07.00 Uhr 

Prien: Bei Corona-Verstößen Konsequenzen für Lehrer und Schüler

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat Lehrer und Schüler auf mögliche Konsequenzen nach Reisen in Corona-Risikogebiete hingewiesen. Bei Lehrern, die nach der Rückkehr aus solchen schon vor Reiseantritt als Risikogebiete klassifizierten Regionen in eine vorgeschriebene 14-tägige Quarantäne müssten und deswegen beim Schuljahresstart am 10. August fehlten, werde dies als unentschuldigtes Fernbleiben betrachtet, sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. «In der Folge werden die Dienstbezüge einbehalten beziehungsweise das Entgelt wird nicht fortgezahlt.» Weiterhin könne dies disziplinarrechtlich geahndet werden. Für tariflich Beschäftigte könne eine Abmahnung die Folge sein.

Versetzten Schüler «sich vorsätzlich oder fahrlässig in eine Lage, in der sie ihrer Schulpflicht nicht nachkommen können, begehen sie hiermit unter Umständen eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann», sagte Prien. Handle es sich um einen mit den Sorgeberechtigten verbrachten Urlaub, werde vermutlich eher auf die Eltern ein Ordnungswidrigkeitsverfahren zukommen. Schülern werde dann unentschuldigtes Fehlen im Unterricht angelastet.

22.07.2020 05.00 Uhr 

Corona-Krise bremst Ausbildungsmarkt - Jugendliche verunsichert

Kurz vor dem Berufsstart könnte die Unsicherheit wohl kaum größer sein. Sowohl für Unternehmen als auch für künftige Lehrlinge lässt sich die Zukunft schwer einschätzen. Kann die Krise überbrückt werden oder droht ein Einbruch bei der Ausbildung?

Weniger Bewerber, weniger Plätze und viele unbesetzte Stellen - auf dem Lehrstellenmarkt in Niedersachsen und Bremen herrscht vor Beginn des Ausbildungsjahres viel Unsicherheit. «Viele Jugendliche sind derzeit verunsichert und machen sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft», sagte Jan Phillip Lehmker von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Aufgrund der Pandemie komme der Ausbildungsmarkt langsamer als im Vorjahr in Fahrt. «Viele Ausbildungsverträge werden in diesem Jahr erst später abgeschlossen», sagte Lehmker.

Derzeit finden laut Arbeitsagentur diverse Online-Berufsmessen statt. Nach den vergangenen Monaten, in denen der Lockdown den Ausbildungsmarkt deutlich geprägt habe, sei jetzt wieder deutlich mehr möglich. Neben der Corona-Krise wirke sich in Niedersachsen auch der Wechsel zum Abitur nach 13 Schuljahren an den allgemeinbildenden Gymnasien aus. «Wir merken auch, dass Jugendliche besonders jetzt Beratung und Unterstützung benötigen», sagte Lehmker.

Seit Oktober des vergangenen Jahres meldeten sich nach den BA-Zahlen rund 43 600 Jugendliche als Bewerber und damit etwa 5800 weniger als im Vorjahr (-11,8 Prozent). Fast 20 000 Jugendliche suchten im Juni noch nach einer Ausbildung. Im Land Bremen haben sich rund 3600 Bewerber registrieren lassen, was rund 180 weniger waren als im Vorjahr (-4,8 Prozent). Mit rund 1900 Jugendlichen suchte dort zuletzt noch etwas mehr als die Hälfte nach einer Lehrstelle.

Auf der anderen Seite gibt es in beiden Ländern auch weniger Angebote für Ausbildungen. In Niedersachsen sank die Zahl um etwa 4300 auf rund 48 500. Bremen verzeichnete einen Rückgang um rund 770 auf etwa 4300 Ausbildungsplätze. Offen waren zuletzt in Niedersachsen noch mehr als 25 000 und in Bremen fast 2000 Stellen. Teils hätten die Arbeitgeber auf weniger potenzielle Abiturienten reagiert und Angebote daher schon ein Jahr vorgezogen. Mancherorts entschieden sich Firmen laut Arbeitsagentur aber auch gegen eine Ausbildung, da sie in der Vergangenheit keine passenden Azubis gefunden hätten.

Durch die Corona-Krise kommt ein dritter Aspekt hinzu: Manche Unternehmen zogen ihre Stellen zurück, weil sie erst die weitere wirtschaftliche Entwicklung abwarten wollen, wie BA-Sprecher Lehmker sagte. Er betonte, dass es teils deutliche regionale und auch branchenspezifische Unterschiede gebe. Das zeige sich an deutlich weniger Stellen in den vom Lockdown hart getroffenen Branchen wie der Hotellerie und Gastronomie sowie im Handel und Verkauf.

Für Tobias Dörsam, Geschäftsführer vom Elektroinstallationsbetrieb Elektro Werk in Hannover, gibt es auch eine weitere Entwicklung: «Der Ausbildungsbetrieb bewirbt sich förmlich beim Auszubildenden.» Da sei irgendein Extra wie ein bezahlter Führerschein oder ein Auto, dass der Azubi auch privat nutzen darf, durchaus normal. «Die passenden Azubis und Fachkräfte zu finden, ist sehr schwierig und das wissen auch die Bewerber. Der Anspruch der Auszubildenden wächst stetig.»

Die Folgen des Lockdowns zeigen sich unterdessen für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) auch darin, dass kleinere Betriebe oder Bereiche mit großen Umsatzeinbußen wegen der unsicheren Entwicklung eher dazu übergehen, ihr Angebot zurückzufahren. «Wir befürchten einen möglichen erheblichen Einbruch des Ausbildungsangebots im Herbst», sagte DGB-Sprecherin Tina Kolbeck-Landau. Die ersten Daten seien besorgniserregend. Sollte sich das so bis September fortsetzen, könnten ihr zufolge rund 10 000 Plätze in Niedersachsen fehlen.

Aus Sicht der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) ist es noch zu früh, eine belastbare Aussage zu treffen, da das Ausbildungsjahr noch nicht vorbei ist. Coronabedingt gebe es bei der Akquise etwa vier bis sechs Verzögerung. «Es ist zu erwarten, dass im 2. Halbjahr noch viel passieren wird», sagte LHN-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Sander. Die Auswirkungen des Fachkräftemangels seien aber auch ohne Corona spürbar.

Das Land Niedersachsen will derweil mit einem 18 Millionen Euro schweren Programm negative Folgen der Corona-Pandemie vom Ausbildungsmarkt fernhalten. Geplant sei etwa eine Mobilitätsprämie für Jugendliche - wer mindestens 45 Kilometer entfernt vom Ausbildungsort wohnt oder deswegen umzieht, soll eine Prämie von 500 Euro erhalten, wenn die Probezeit abgelaufen ist. Auch eine Vermittlungsoffensive sei geplant. Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, sollen demnach eine Einmalzahlung von 1000 Euro bekommen - verlängern Betriebe die Ausbildungsverträge, weil die Prüfung in der Pandemie verschoben wurde, gibt es 500 Euro. Die Förderung läuft bis 2022.

21.07.2020 17.26 Uhr 

Hohe Ablehnungsquote bei Nothilfe-Anträgen für Studenten

Viele Studenten, die Corona-Nothilfen beantragt haben, bekommen die finanzielle Unterstützung nicht. Das geht aus einer Antwort des Bundesbildungsministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Jens Brandenburg hervor. Demnach wurden im Juni insgesamt rund 82 000 Anträge auf sogenannte Überbrückungshilfe gestellt. Davon seien Stand 15. Juli knapp 65 000 von den Studentenwerken bearbeitet worden, mit rund 32 500 Zusagen und 26 000 abgelehnten Anträgen. Die Zahlen seien eine Momentaufnahme, da die Bearbeitung der Anträge für Juni noch nicht abgeschlossen sei, hieß es weiter.

Studenten in Not können seit Juni über eine zentrale Webseite einen Antrag auf Finanzhilfen stellen. Je nach Kontostand des Betroffenen kann es 100 bis 500 Euro pro Monat geben. Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden. Nachgewiesen werden muss, dass bestimmte Einkünfte - zum Beispiel durch einen Job im Restaurant - seit dem Frühjahr auf dem Konto nicht mehr eingegangen sind. Gezahlt wird der Zuschuss für maximal drei Monate (Juni, Juli, August). Der Antrag muss jeden Monat neu gestellt werden.

«Die hohe Ablehnungsquote zeigt, wie intransparent die Förderansprüche offensichtlich sind», sagte Brandenburg. Die Bundesregierung müsse jetzt sicherstellen, dass wirklich alle Studierenden in Not auf ihre Hilfe zugreifen könnten. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) erklärte in Berlin, man sei dabei, mit den zuständigen Studentenwerken zu klären, woran es liege.

Neben der Nothilfe gibt es für Betroffene auch Studienkredite bei der staatlichen Förderbank KfW, die vorübergehend zinsfrei gestellt werden.

21.07.2020 14.37 Uhr 

Ab September kein Kita-Verbot mehr für Kinder mit Schnupfen

Mit Schnupfen keine Kita - so sind in diesen Corona-Zeiten die Regeln. Weil allerdings im Herbst die Einrichtungen dann zur Hälfte leer sein könnten, soll es nun neue Leitlinien geben. Erzieherinnen und Erziehern soll dabei eine entscheidende Schlüsselrolle zukommen.

Kinder mit Schnupfen und laufender Nase sollen nach den Sommerferien nicht mehr automatisch vom Kita-Besuch ausgeschlossen werden. Erzieher sollen darüber jeweils im Einzelfall entscheiden. Sie sollen dazu rechtzeitig zum geplanten Start des Kita-Regelbetriebs am 1. September einen Leitfaden an die Hand bekommen, in welchem Fall die Kinder nach Hause geschickt werden sollten und wann sie trotz laufender Nase in der Einrichtung bleiben dürfen. Das kündigte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) nach der Kabinettssitzung am Dienstag in München an.

Man wolle hier «gutes Augenmaß bewahren», betonte die Ministerin – sonst wären die Kindergärten zum Start der üblichen Erkältungswelle im Herbst zur Hälfte leer. Rufe nach einer noch schnelleren Änderung der aktuell geltenden Leitlinien wies Trautner aber zurück – im Moment seien die derzeitigen Regelungen «absolut vertretbar».

Seit 1. Juli dürfen wieder alle Kinder in Bayern ihre Kindergärten und Krippen besuchen - allerdings nur in ihren festen Gruppen. Zudem dürfen Kinder mit jeglichen Krankheitssymptomen nicht in die Kita. Dies wird oft derart streng gehandhabt, dass auch ein bloßer - und im Kindesalter häufiger - Schnupfen für ein Besuchsverbot ausreicht.

Trautner betonte, die aktuellen Regelungen dienten der Sicherheit der Erzieher, aber auch der Kinder und Eltern. Man müsse immer abwägen, ob ein Kind wegen eines Schnupfens zu Hause bleibe müsse oder ob eine ganze Gruppe notfalls in Quarantäne müsse.

Nach den Sommerferien müsse man aber «andere Maßstäbe» anlegen, sagte Trautner. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erarbeitet deshalb gemeinsam mit Kinderärzten nun einen Leitfaden für die tägliche Kita-Praxis, der Erzieher bei der Einschätzung von Krankheitssymptomen bei Kindern unterstützen soll.

Grundsätzlich bereitet sich die Staatsregierung mit einem Drei-Stufen-Plan für die für den 1. September geplante Rückkehr zum Kita-Regelbetrieb vor. Hygienevorkehrungen sind weiterhin Pflicht, aber beispielsweise werden wieder offene Betreuungskonzepte erlaubt.

Ziel ist Stufe 1 - ein normaler Regelbetrieb. Stufe 2 sieht gewisse Einschränkungen vor, sollten die Corona-Infektionszahlen wieder steigen. Auch dann soll es aber wenn möglich nur lokal oder regional begrenzte Gegenmaßnahmen geben, beispielsweise wieder reduzierte Gruppengrößen. «Schließungen von Kindertageseinrichtungen bleiben das letzte Mittel und werden auf das infektionsschutzmäßig unbedingt nötige Mindestmaß begrenzt», versicherte die Staatsregierung.

Sollte sich - das wäre die Stufe 3 - das Infektionsgeschehen deutlich verschlechtern, soll ebenfalls vorrangig lokal oder regional begrenzt reagiert werden - etwa mit einer Einschränkung des Kita-Betriebs und der erneuten Rückkehr zu reinen Notbetreuungsgruppen. Trautner betonte aber: «Wir hoffen alle, dass das nicht der Fall sein wird.»

21.07.2020 13.10 Uhr

Interntaionale Deutscholympiade erstmals digital

Mehr als 120 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren aus über 60 Ländern nehmen an der diesjährigen Internationalen Deutscholympiade (IDO) teil. Erstmals wird der Wettbewerb zur deutschen Sprache digital stattfinden, wie die Veranstalter am Dienstag mitteilten. Grund ist demnach die Corona-Pandemie. Die IDO startet am 3. August mit einem Live-Studio im Goethe-Institut Dresden und täglichen Moderationen in mehreren Zeitzonen und endet am 7. August.

Der Wettbewerb wird in drei Sprachstufen (A2, B1 und B2) durchgeführt und besteht aus einer kreativ zu gestaltenden Einzelleistung sowie einer Aufgabe, die in internationalen Kleingruppen zu bewältigen ist. Die Preisverleihung ist Abschlusstag geplant.

Die Internationale Deutscholympiade wird alle zwei Jahre vom Goethe-Institut in Kooperation mit dem Internationalen Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrerverband (IDV) veranstaltet. Die Erst- bis Drittplatzierten der drei Sprachstufen gewinnen Reisen zu Sprachkursen am Goethe-Institut in Dresden 2021.

21.07.2020 13.00 Uhr

Berliner CDU will Studienzeit wegen Corona um ein Semester verlängern

Die Berliner CDU ist dafür, wegen der Corona-Krise ein Semester auf die Regelstudienzeit draufzuschlagen. «Ich möchte, dass sich Studierende trotz Corona voll und ganz auf ihre Ausbildung konzentrieren können und nicht Existenzsorgen haben müssen, weil das Bafög auslaufen könnte», erklärte CDU-Landeschef Kai Wegner. Er unterstütze deshalb die Forderung von Studentinnen und Studenten, die individuelle Regelstudienzeit pauschal um ein Semester zu verlängern.

Der Senat habe den Studierenden vor fast vier Monaten ein Corona-Extrasemester versprochen. «Bis heute ist jedoch nichts außer Ankündigungen passiert. Die in Aussicht gestellte Entlastung muss noch immer individuell durchgefochten werden», kritisierte Wegner. Andere Bundesländer hätten längst gesetzliche Regelungen geschaffen.

Der Senat solle die individuelle Regelstudienzeit daher per Erlass pauschal um ein Semester verlängern. Dadurch müssten Studierende nicht wie derzeit erst nachweisen, dass sich ihr Studium wegen der Corona-Pandemie verzögert hat, um länger Bafög zu bekommen. «Gerade die Studenten, die auf das Bafög angewiesen sind, haben keine großen finanziellen Reserven. Corona darf nicht dazu führen, dass diese Studenten ihren Traum vom Studium begraben müssen», so der CDU-Landeschef.

22.07.2020 13.00 Uhr

Corona-Tests: Keine Landesvorgabe für Schul- oder Kitaschließungen

Mehr Corona-Tests fördern auch mehr positive Ergebnisse zutage. Das könnte nach den Sommerferien zur Schließung von Kitas oder Schulen in NRW führen. Eine landesweite Vorgabe macht die Regierung dazu nicht. Den Eltern nützt das wenig, bemängeln die Grünen.

Die freiwilligen Corona-Tests könnten nach den Ferien die Schließung ganzer Schulen oder Kitas nach sich ziehen - wenn die örtlichen Behörden die Infektionslage als ernst einstufen. Die Entscheidung liege bei den kommunalen Gesundheitsbehörden, erklärte die nordrhein-westfälische Landesregierung am Montag in Düsseldorf. Die Maßnahmen könnten «je nach Infektionsgeschehen und regionaler Gegebenheit» beschlossen werden.

Die Landesregierung hatte bereits am Freitag angekündigt, dass sich die über 360 000 Beschäftigten in Schulen und Kitas bis zu den Herbstferien alle 14 Tage freiwillig und kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Aus Sicht der Grünen sind das «halbherzige Maßnahmen». Auch die SPD forderte ein viel breiteres Testangebot.

Am Montag veröffentlichte die Staatskanzlei Details ihrer Teststrategie. «Um die in Nordrhein-Westfalen vorhandenen Laborkapazitäten, die derzeit rund 240 000 mögliche Testungen pro Woche umfassen, nicht zu überfordern, sollen die Tests für die Beschäftigten der Kindertagesbetreuung und der Schulen wöchentlich abwechselnd stattfinden», teilte die Landesregierung mit. Das Angebot richte sich nicht nur an Lehrkräfte und Erzieherinnen, sondern auch an Tageseltern, Beschäftigte im sogenannten Offenen Ganztag sowie weiteres nicht-pädagogisches Personal.

«Neben dem Recht auf Bildung ist auch die Gesundheit aller am Schulleben Beteiligten ein hohes Gut, das wir schützen», unterstrich Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Für Schüler und Kitakinder gibt es bislang allerdings kein systematisches Corona-Testangebot.

Die Grünen forderten, Tests für alle Schüler nach den Ferien anzusetzen. Die nun angekündigte Teststrategie biete keine Lösungen für Familien in der nahenden Schnupfen-Saison, stellte die familienpolitische Expertin der Grünen-Fraktion, Josefine Paul, fest. Nötig seien klare Kriterien für den Umgang mit Kindern mit leichten Symptomen.

«Wenn jede Rotznase zu einem Ausschluss von der Kita führt, dann kann von Regelbetrieb keine Rede sein», kritisierte Paul. «Das Familienministerium belastet mit seinen undifferenzierten Vorgaben einmal mehr einseitig Familien und Kinder.» Auch die Bildungspolitikerin der Grünen, Sigrid Beer, bemängelte: «Dass jetzt nur bis zu den Herbstferien getestet werden soll, wenn die Erkältungssaison erst richtig los geht, ist völlig unverständlich.

Die SPD-Opposition forderte, die Test-Strategie auszuweiten. Konsequent wäre es, dem bayerischen Vorbild zu folgen und Urlaubsheimkehrern die Möglichkeit zu bieten, sich bei ihrer Rückkehr an Flughäfen freiwillig auf das Coronavirus testen zu lassen, argumentierte die Landtagsfraktion in einer Mitteilung. «Dadurch ließe sich das ferienbedingte Risiko einer möglichen zweiten Welle zumindest in Teilen bereits im Ansatz minimieren.»

Das NRW-Gesundheitsministerium führt indes laut eigenen Angaben Gespräche über die Einrichtung entsprechender Testzentren an den Flughäfen. Wenn Details feststünden, werde die Öffentlichkeit darüber informiert, sagte ein Sprecher des Ministeriums der «WAZ» (Dienstag).

Die SPD betonte zudem, das Tests überall dort zur Verfügung gestellt werden müssten, wo Menschen eng miteinander arbeiten oder zusammenkommen. Dies gelte insbesondere für die Alten- und Krankenpflege. Ebenso sehen das die Grünen: Die Landesregierung müsse bis zum Ende der Sommerferien eine Gesamtstrategie vorlegen, forderten sie.

Die Sorgen der Familien seien der Landesregierung sehr bewusst, entgegnete die CDU-Fraktion. «Wir wollen nach Möglichkeit vermeiden, dass Kinder beispielsweise trotz ärztlichen Attests nicht von Bildungs- und Betreuungsangeboten profitieren können», betonte der familienpolitische Sprecher der Fraktion, Jens Kamieth. Dabei seien die Corona-Tests «ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer neuen, verantwortungsvollen Normalität».


20.07.2020 14.02 Uhr 

NRW-Ministerium lobt Abitur 2020 - «Festhalten an Prüfungen richtig» 

Nach dem Abschluss der Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen hat das NRW-Schulministerium eine positive Bilanz gezogen. «Die Abiturprüfungen 2020 sind trotz der Coronavirus-Pandemie reibungslos verlaufen», erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag. Die Durchschnittsnote an Gymnasien und Gesamtschulen liege mit einem Schnitt von 2,42 auf Vorjahresniveau (im Jahr 2019: 2,43). «Es war richtig, dass wir an den Abiturprüfungen festgehalten haben, um den Schülerinnen und Schülern einen vollwertigen Schulabschluss zu ermöglichen.»

NRW hatte nach dem vorzeitigen Ende des Präsenzunterrichts im März wegen der Corona-Pandemie die Abiturprüfungen für die insgesamt rund 88 000 Schüler um drei Wochen verschoben. Dem Wunsch vieler Schüler und Eltern nach einer Absage der Prüfungen und einem Abitur auf der Grundlage der bereits erbrachten Vorleistungen war das Ministerium aber nicht gefolgt.

Der Anteil der nicht bestandenen Prüfungen sei vergleichbar mit dem der Vorjahre: an Gymnasien und Gesamtschulen mit 3,79 Prozent (2019: 3,77 Prozent), an den Beruflichen Gymnasien mit 5,35 Prozent (2019: 4,97 Prozent), erklärte das Ministerium. Das vergangene Schuljahr habe allen Beteiligten viel abverlangt, betonte Gebauer. Nun hätten sich die Schüler einen Abschluss «frei von jedem Makel» erarbeitet.

20.07.2020 13.13 Uhr 

Corona-Tests: Schul- oder Kitaschließung wird vor Ort beschlossen

Mehr Corona-Tests fördern auch mehr positive Ergebnisse zutage. Das könnte nach den Sommerferien zur Schließung von Kitas oder Schulen in NRW führen. Eine landesweite Vorgabe macht die Regierung dazu nicht. Entschieden werden soll vor Ort.

Die freiwilligen Corona-Tests könnten nach den Ferien die Schließung ganzer Schulen oder Kitas nach sich ziehen, wenn die örtlichen Behörden die Infektionslage als ernst einstufen. Die Entscheidung liege bei den kommunalen Gesundheitsbehörden, erklärte die nordrhein-westfälische Landesregierung am Montag in Düsseldorf. Die Maßnahmen könnten «je nach Infektionsgeschehen und regionaler Gegebenheit» beschlossen werden.

Die Landesregierung hatte bereits am Freitag angekündigt, dass sich die über 360 000 Beschäftigten in Schulen und Kitas bis zu den Herbstferien alle 14 Tage freiwillig und kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Am Montag veröffentlichte die Staatskanzlei Details ihrer Teststrategie.

«Um die in Nordrhein-Westfalen vorhandenen Laborkapazitäten, die derzeit rund 240 000 mögliche Testungen pro Woche umfassen, nicht zu überfordern, sollen die Tests für die Beschäftigten der Kindertagesbetreuung und der Schulen wöchentlich abwechselnd stattfinden», teilte die Landesregierung mit. Das Angebot richte sich nicht nur an Lehrkräfte und Erzieherinnen, sondern auch an Tageseltern, Beschäftigte im sogenannten Offenen Ganztag sowie weiteres nicht-pädagogisches Personal.

«Neben dem Recht auf Bildung ist auch die Gesundheit aller am Schulleben Beteiligten ein hohes Gut, das wir schützen», unterstrich Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Für Schüler und Kitakinder gibt es bislang allerdings kein systematisches Corona-Testangebot.

Die SPD-Opposition forderte, die Test-Strategie auszuweiten. Konsequent wäre es, dem bayerischen Vorbild zu folgen und Urlaubsheimkehrern die Möglichkeit zu bieten, sich bei ihrer Rückkehr an Flughäfen freiwillig auf das Coronavirus testen zu lassen, argumentierte die Landtagsfraktion in einer Mitteilung. «Dadurch ließe sich das ferienbedingte Risiko einer möglichen zweiten Welle zumindest in Teilen bereits im Ansatz minimieren.

»Zudem dürften regelmäßige Tests nicht auf Kitas und Schulen beschränkt bleiben, betonte die SPD. Das Angebot müsse überall dort zur Verfügung gestellt werden, wo Menschen eng miteinander arbeiten oder zusammenkommen. Dies gelte insbesondere für die Alten- und Krankenpflege.

Die Landesregierung kündigte außerdem an, 35 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, damit Weiterbildungseinrichtungen coronabedingte finanzielle Lücken besser kompensieren könnten. Die Förderung könne ab dem 22. Juli bei den Bezirksregierungen beantragt werden, teilte das Kulturministerium mit. Die jetzt beschlossene Hilfe aus dem Konjunkturpakt des Landes richte sich an rund 170 gesetzlich anerkannte Weiterbildungseinrichtungen, die - im Gegensatz zu den Volkshochschulen - nicht kommunal getragen seien.

19.07.2020 17.38 Uhr

Söder zweifelt regulären Schulbetrieb nach den Ferien an

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat angesichts der Corona-Situation in Teilen Europas Zweifel angemeldet, ob die Schule in Bayern nach den Sommerferien tatsächlich wieder regulär starten kann. «Ich sag' Ihnen ganz offen, ich bin noch nicht so überzeugt, dass es einen ganz normalen Regelunterricht geben wird», sagte Söder am Sonntag im ZDF-Sommerinterview. Er betonte: «Wir müssen uns auch Alternativkonzepte überlegen, ein abgestuftes System, für den Fall, dass es wieder schlimmer wird.»

Ziel der Staatsregierung ist es eigentlich, nach den Sommerferien wieder zum täglichen Präsenzunterricht für alle Schüler zurückzukehren - nach langem Corona-Ausnahmezustand. Zunächst waren die Schulen wochenlang komplett geschlossen. Und bis zu den Ferien findet der Unterricht für die allermeisten Schüler in Bayern nun lediglich im Wechsel in kleineren Gruppen statt. Die Staatsregierung hatte zuletzt bereits angekündigt, sich für den Herbst mit mehreren Alternativkonzepten für unterschiedliche Corona-Lagen zu wappnen.

19.07.2020 4.15 Uhr 

Land übernimmt Stornierungskosten für abgesagte Klassenfahrten

Hessens Eltern und Schulen müssen nicht auf den Kosten für abgesagte Klassenfahrten wegen der Corona-Pandemie sitzenbleiben. Für Klassenfahrten bis einschließlich Januar 2021, die auf Anordnung des Kultusministeriums gestrichen wurden, werden vom Land die berechtigte Stornokosten übernommen, teilte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit. Eine Summe von bis zu zehn Millionen Euro werde dafür in diesem Jahr bereitgestellt.

Die Regelung gelte für abgesagte Klassenfahrten ab dem 6. März. Eine Übersicht, wie viele Touren und Ausflüge insgesamt in Hessen coronabedingt gestrichen werden mussten, lägen dem Ministerium nicht vor. Ausgefallene Touren und Ausflüge sollen auch in den nächsten Monaten zunächst nicht nachgeholt werden. Da der Präsenzunterricht im abgelaufenen zweiten Schulhalbjahr über einen längeren Zeitraum nicht regulär stattfinden konnte, solle nach den Sommerferien möglichst viel Unterricht nach Stundenplan durchgeführt werden, erklärte das Ministerium zum Begründung.

17.07.2020 9.15 Uhr

Corona-Schuljahr endet mit Zeugnisübergabe - Sommerferien

An das jetzt zu Ende gehende Schuljahr 2019/20 dürften sich Schüler und Lehrer wegen Corona noch lange erinnern. Jetzt aber beginnen die lang ersehnten Sommerferien.

Corona-Pandemie, Schulschließungen, Homeschooling: In Thüringen endet ein außergewöhnliches Schuljahr. Am Freitag erhalten knapp 190 000 Schüler an allgemeinbildenden Schulen ihre Zeugnisse. Einige Abschlussklassen, darunter die rund 6640 Abiturienten und ein Teil der rund 6000 Absolventen von Regelschulen, haben ihre Zeugnisse bereits vorher bekommen, wie das Bildungsministerium mitteilte. Nach der Zeugnisvergabe beginnen dann die sechswöchigen Sommerferien.

Wegen der Pandemie mussten sich die Schüler in den vergangenen Wochen unter erschwerten Bedingungen mit dem Unterrichtsstoff auseinandersetzen. Weil die Schulen wochenlang schließen mussten, war Zuhauselernen angesagt, was auch den als «Hobbylehrer» gefragten Eltern oder Großeltern einiges abverlangte.

Zuletzt wurden Grundschüler in Thüringen wieder täglich in den Schulen unterrichtet, während etwa Gymnasiasten und Regelschüler wöchentlich zwischen Unterricht in der Schule und dem Lernen zu Hause wechselten. Schüler, die deswegen am letzten Schultag nicht regulär in der Schule sind, können laut Bildungsministerium die Zeugnisse auch per Post zugeschickt werden. Die Schulen könnten die Eltern auch um Abholung der Zeugnisse bitten, sagte ein Sprecher.

Einigen leistungsschwachen Schülern bleibt das Sitzenbleiben durch eine coronabedingten Ausnahmeregelung in diesem Schuljahr erspart. Bis auf die Schüler der 9. und 10. Klassen - beides Abschlussjahrgänge - rücken alle in die nächsthöhere Klasse auf.

Für das am 31. August beginnende neue Schuljahr hatte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) die Rückkehr der Schulen zum Regelbetrieb angekündigt - sollte das Infektionsgeschehen in Thüringen dies zulassen.

Lehrer fordern Regelungen für Corona-Schulbetrieb im neuen Schuljahr

Klar begrenzte Klassengrößen und Notfallpläne für den Distanzunterricht: Bayerns Lehrer fordern genau Vorgaben für das neue Schuljahr - und mehr Ehrlichkeit von der Staatsregierung.

Bayerns Lehrer dringen auf konkrete Regelungen für den Schulbetrieb im neuen Schuljahr und mehr Ehrlichkeit der Staatsregierung bei schulpolitischen Entscheidungen in Corona-Zeiten. Nach den Sommerferien sollten wegen der Pandemie höchstens 30 Schüler in eine Klasse gehen, forderte die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) am Donnerstag laut Mitteilung. Größere Klassen sollten im Freistaat vermieden werden, «um Teilungen für einen gegebenenfalls notwendigen Schichtbetrieb problemlos durchführen zu können».

Außerdem brauche es Notfallpläne, die im Fall lokaler infektionsbedingter Einschränkungen «festlegen, was wie in den Distanzunterricht ausgelagert wird». Auf diese Weise könnten dann auch Lehrkräfte aus der Risikogruppe ohne Gefahr eingesetzt werden. Darüber hinaus schlägt die Arbeitsgemeinschaft auch die Schulung eines Hygienebeauftragten an jeder Schule vor.

Für die im Herbst bevorstehenden Grippe- und Erkältungswellen fordert die Arbeitsgemeinschaft auch die Sicherstellung einer vorrangigen Corona-Testung. Im Fall einer normalen Erkältung könnten Schüler und Lehrer so wieder zeitnah am Schulbetrieb teilnehmen und gegebenenfalls eine Quarantäne vermeiden.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) forderte unterdessen mehr Offenheit in der Corona-Schulpolitik der Staatsregierung. «Wir wollen nicht die sein, die am Schluss den Karren aus dem Dreck ziehen. Wir wollen gute Lehrerinnen und Lehrer sein», sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Der Ankündigung der Staatsregierung, die Digitalisierung von Schulen müsse für einen sicheren Distanzunterricht rasch vorangetrieben werden, müssten Taten folgen. Nur so könne das Ziel, Präsenz- und Distanzunterricht professionell miteinander zu verbinden, erreicht werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände betonte, auf Dauer könne der Präsenzunterricht nicht durch andere Angebote ersetzt werden. Für das nächste Schuljahr müsse im Falle eines reduzierten Präsenzunterrichts dafür gesorgt werden, dass alle Schüler gleichermaßen an den Bildungsangeboten teilnehmen könnten.

Reibungslos könne der Schulbetrieb unter Ausnahmebedingungen noch nicht funktionieren, sagte BLLV-Präsidentin Fleischmann mit Blick auf das neue Schuljahr. «Wir werden im September nicht einfach alles anders machen können. Es ist im August kein Wunder zu erwarten, das dann auf einmal uns die Chance gibt, uns ganz anders aufzustellen.» Gegenteilige Erwartungen machten demnach den Lehrkräften schwer zu schaffen.

Vom Kultusministerium in Aussicht gestellte Förderangebote zu Beginn des neuen Schuljahrs, die coronabedingte Lerndefizite auffangen sollen, bewertete BLLV-Vizepräsident Tomi Neckov zwar als positiv. Die Umsetzung sei aber mit gravierenden Problemen verbunden. So fehle es im Freistaat massiv an Förderlehrern, die die individuelle Unterstützung Betroffener sicherstellen könnten. Mehr Fach- und Förderlehrkräfte - besonders für Bayerns Grund- und Mittelschulen - forderte auch die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände.

 

16.07.2020 8.45 Uhr

GEW: Lernen in den Sommerferien vernünftiger Mittelweg

Die Lehrergewerkschaft GEW hat die Lösung für freiwilliges Lernen in den Sommerferien in Sachsen-Anhalt als vernünftigen Mittelweg bezeichnet. Die Vorgaben seien für die Schulen relativ offen formuliert, sagte GEW-Chefin Eva Gerth der Deutschen Presse-Agentur. Die Schulen könnten damit pragmatisch umgehen. So sei vorgesehen, dass die Schülerinnen und Schüler vor allem in der ersten und der letzten Ferienwoche auch gemeinsam mit ihren Lehrern über Lernstoff und Aufgaben sprechen könnten. Damit bleibe für alle Beteiligten genügend Raum für Erholung und Urlaub.

Der Donnerstag ist der erste Tag der Sommerferien in Sachsen-Anhalt. Damit ist ein Schuljahr beendet, das wegen der Corona-Pandemie von wochenlangen Schulschließungen, Lernen von zuhause und eingeschränktem Unterricht geprägt war.

Die GEW sowie Schüler- und Lehrervertreter hatten bereits in den vergangenen Monaten mehrfach darauf hingewiesen, dass durch die Corona-Maßnahmen Schulstoff liegen bleibt und die Schülerinnen und Schüler unterschiedlich gut zuhause lernen konnten.

Sachsen-Anhalt hatte bereits in den zweiwöchigen Pfingstferien im Mai freiwillige Lernangebote organisiert, damit Kinder und Jugendliche Schulstoff aufholen können. Jeder fünfte Schüler beteiligte sich. Dieses Mal soll es hauptsächlich digitale Lernangebote im Internet geben. Experten haben dafür Aufgaben für mehrere Fächer zusammengestellt. Im Gegenzug sollen die Lehrerinnen und Lehrer für Fragen ihrer Schülerinnen und Schüler erreichbar sein. Zudem sind auch Lernangebote in den Schulen selbst geplant.

Unabhängig von diesen Zusatzangeboten geht Bildungsminister Marco Tullner (CDU) davon aus, dass zum Start des neuen Schuljahrs zunächst weitere coronabedingte Lernlücken geschlossen werden müssen. Wenn es keine größeren Änderungen bei den Corona-Regeln gibt, soll die Schule ab Ende August wieder im Normalbetrieb starten.

GEW-Landeschefin Gerth verwies darauf, dass es noch kein Konzept gebe, wie das Infektionsrisiko in den Schulen dann gering gehalten werden soll. «Nach jetzigem Stand haben wir dann an den Schulen nichts mehr, was sonst an Hygieneregeln gilt: Keine Maskenpflicht, keine Abstandsregeln, kein Testsystem.» Zwar gebe es derzeit nur wenige Corona-Fälle in Sachsen-Anhalt, das könne nach der Urlaubszeit und den Sommerferien aber auch wieder anders sein. «Es ist noch nichts sicher und klar, wir erwarten aber vom Bildungsministerium einen Plan.»

«Kraft und Nerven gekostet» - Durchatmen nach Corona-Schuljahr

In diesem Jahr gab es keinen Endspurt mit vielen Klassenarbeiten vor den großen Ferien. Dennoch hat die Pandemie Schüler, Lehrkräfte und Eltern stark belastet. Welche Angebote gibt es anstelle von abgesagten Urlaubsreisen oder Jugendfreizeiten?

Nach dem wohl außergewöhnlichsten Schuljahr der vergangenen Jahrzehnte starten für mehr als eine Million Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen die Sommerferien. Wegen der Corona-Pandemie gab es monatelang keinen Unterricht im Schulgebäude, keine Klassenarbeiten und keine Sportstunden. Homeschooling lautete das Wort der Stunde. Auch in Bremen starten die sechs Wochen langen Ferien, die in vielen Familien aufgrund von abgesagten Reisen oder Jugendfreizeiten anders werden als sonst.

Dank an Schüler und Lehrer: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne bedankte sich für das Engagement der Schüler und Lehrkräfte. Die Schulschließungen, das Lernen zu Hause, der Verzicht auf Treffen mit Freunden und die vorsichtige Rückkehr in Richtung Normalität habe den Alltag enorm durcheinander gebracht, sagte der SPD-Politiker. «Das hat Kraft und Nerven gekostet und hat von allen Beteiligten sehr viel Flexibilität abverlangt.» Jetzt sei es Zeit und Gelegenheit, ein wenig durchzuatmen.

«LernRäume» statt Sommerschule: Das Land stellt rund 4,5 Millionen Euro für das Projekt «LernRäume» bereit. Schülerinnen und Schüler sollen in außerschulischen Bildungsstätten neue Erfahrungen sammeln, ihren Horizont erweitern oder Kenntnisse vertiefen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Kinderschutzbund begrüßten dieses Vorhaben. Es sei richtig, keine verpflichtende Sommerschule einzurichten, um eventuelle coronabedingte Lücken zu schließen. «Ferien sind Ferien», sagte der Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Johannes Schmidt. «Kinder brauchen dringend wieder das Erleben von Freiräumen, vor allem in ihren Köpfen.»

Corona-Zeit als Belastung: Die Schulschließungen und anderen Einschränkungen haben sich nach Beobachtung von Lehrkräften deutlich auf das Wohlbefinden von Kindern ausgewirkt. «Die Kollegen waren überrascht, wie belastet viele Schüler wiederkamen», sagte die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Laura Pooth. Den Älteren sei es in der Corona-Zeit schwer gefallen, ihren Alltag zu strukturieren. Schüler, die noch nicht lange in Deutschland leben, sprachen bei der Rückkehr in die Schulen den Angaben zufolge teils schlechter Deutsch als zuvor. Wer keinen eigenen Schreibtisch besitze, habe Schwierigkeiten zu lernen.

Kritik am Krisenmanagement: FDP und Grüne kritisierten die Schulpolitik der rot-schwarzen Landesregierung in der Corona-Zeit. In den vergangenen Monaten sei Bildung mehr denn je abhängig gewesen von den finanziellen Verhältnissen der Familien, sagte der Bildungsexperte der FDP-Landtagsfraktion, Björn Försterling. Die Ausstattung von Schülerinnen und Schülern mit Tablets komme vier Monate zu spät. Die Grünen-Landesvorsitzende Anne Kura sprach von einem «chaotischen Krisenmanagement» des Kultusministers Tonne. Schulen, Kitas und Eltern benötigten mehr als vage Szenarien für die Zeit nach den Ferien. Der Sozialverband Deutschland (SOVD) kritisierte, dass Kinder mit Behinderungen vergessen werden. Für sie seien mit dem Schulalltag in der Krise wichtige Therapie- und Pflegeangebote weggefallen.

Zeugnistelefon: Niedersachsens Schüler und Eltern konnten sich wegen der Zeugnisvergabe telefonisch psychologisch beraten lassen. Die Schulpsychologen waren bis Mittwochnachmittag zu erreichen. Bei Fragen zur Notenvergabe oder anderen Inhalten des Zeugnisses vermitteln die Servicestellen der Landesschulbehörde in Hannover, Braunschweig, Lüneburg und Osnabrück den passenden Ansprechpartner. Das Thema Corona spielte dabei nach Angaben der Landesschulbehörde keine Rolle.

Kein Mindestabstand im Klassenraum - Hygiene-Konzept für Schulen

Vielerorts naht bald das Ende der Sommerferien, und dann sollen die Schulen trotz Corona wieder in den Regelbetrieb starten. Die dafür notwendigen Spielregeln liegen jetzt vor - aber einigen Betroffenen reicht das nicht aus.

Zweieinhalb Wochen vor dem Sommerferien-Ende in Mecklenburg-Vorpommern gibt es bundesweit einheitliche Hygieneregeln für die Schulen. Wie die Kultusministerkonferenz (KMK) am Mittwoch in Berlin mitteilte, haben sich die 16 Bundesländer auf einen gemeinsamen Rahmenplan geeinigt. «Es ist unsere Aufgabe, das Recht auf Bildung mit den notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor einer Verbreitung des Corona-Virus in Einklang zu bringen», erklärte die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).

Neben den üblichen Vorschriften wie dem Tragen von Schutzmasken und dem Verzicht auf Körperkontakt wird unter anderem ein Mindestabstand von 1,50 Meter empfohlen. Beim Unterrichtsbetrieb im regulären Klassenverband könne auf den Mindestabstand zwischen Schülern und Lehrern allerdings verzichtet werden, heißt es in dem gemeinsamen Papier. Die Befreiung chronisch kranker Schüler vom Unterricht müsse im Einzelfall «kritisch geprüft» werden.

Menschen, die eine Corona-Infektion haben oder entsprechende Symptome aufweisen, ist das Betreten der Schulgebäude grundsätzlich untersagt. Verdachtsfälle müssen umgehend dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Darüber hinaus soll die Nutzung der Corona-Warn-App «allen am Schulleben Beteiligten empfohlen werden». Die Regelungen wurden nach KMK-Angaben bewusst recht allgemein gehalten. Auf Details habe man mit Rücksicht auf die örtlichen Gegebenheiten verzichtet.

Trotz der Corona-Pandemie sollen die Schulen nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb starten. Das nun beschlossene Hygienekonzept galt von Anfang an als wichtige Grundlage für dieses Vorhaben. In Mecklenburg-Vorpommern beginnt das neue Schuljahr bereits am 3. August. Kurz darauf geht es für die Schüler in Hamburg, Schleswig-Holstein, Berlin und Brandenburg wieder los.

Der Deutsche Lehrerverband hält das KMK-Konzept für nicht ausreichend. In einem Zehn-Punkte-Plan fordert er unter anderem schon zum neuen Schuljahr die Einstellung zusätzlicher Lehrer, um neben dem Regelunterricht auch dauerhafte Förderangebote zur Verfügung stellen zu können. Zudem müsse es für die Lehrer einen Visierschutz geben sowie die Möglichkeit wöchentlicher Corona-Tests. Dies gebiete die Fürsorgepflicht des Staates als Arbeitgeber gegenüber seinen Lehrkräften.

Schon Mitte Juni hatten die Kultusminister die Rückkehr zum schulischen Regelbetrieb beschlossen. Der Städte- und Gemeindebund sieht dies allerdings skeptisch. «Es wird nach den Sommerferien keinen Schulbetrieb wie vor der Corona-Pandemie geben können», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der «Passauer Neuen Presse». Besondere Hygienemaßnahmen seien weiter erforderlich. «Dazu gehören kleinere Lerngruppen, gute Durchlüftung der Räume, mehr Raumkapazität und möglicherweise auch zusätzliches Personal.»

Kaum Corona-Fälle in MV - AfD für umfassendere Schulöffnung

Die AfD sieht sich durch die Einschätzung des Rostocker Mediziners Andreas Podbielski in ihrer Forderung bestätigt, punktuell Schulen und Kitas im Land schneller wieder vollumfänglich zu öffnen. «War es anfangs noch richtig, mit Vorsicht zu taktieren, wurde schnell klar, dass uns das geringe Infektionsgeschehen in Mecklenburg-Vorpommern größere Handlungsspielräume ermöglicht», erklärte am Mittwoch in Schwerin der AfD-Landtagsabgeordnete Jörg Kröger.

Einrichtungen etwa, in deren Einzugsbereichen keine Corona-Infektionen nachgewiesen worden seien, hätten bei sehr geringem Infektionsrisiko für Lehrer, Erzieher und Kinder schon länger wieder ohne Einschränkungen betrieben werden können, meinte Kröger. «Stattdessen agierte die Landesregierung zögerlich und auf Kosten der Bildung der Schüler und der Betreuung der Kinder», warf der Oppositionspolitiker der SPD/CDU-Koalition vor. Auch vor dem Hintergrund von Lehrermangel und Stundenausfall seien weitere Abstriche bei der Bildung nicht zu verkraften.

Angesichts der anhaltend geringen Infektionszahlen im Nordosten hatte der Hygiene-Professor Podbielski die Landesregierung zu mutigeren Schritten bei der Öffnungen von Kitas und Schulen geraten. Er schlug vor, in ausgewählten Einrichtungen für wenige Wochen testweise einen Regelbetrieb unter Vor-Corona-Bedingungen laufen zu lassen. Bei positivem Verlauf könne dies dann nach und nach auf andere Einrichtungen ausgedehnt werden, schlug Podbielski vor. Unterstützung für diesen Vorstoß bekam er auch von der Linksfraktion im Landtag.

Das Bildungsministerium in Schwerin hatte angekündigt, mit dem Schulstart am 3. August zum Regelbetrieb an den Schulen zurückkehren zu wollen. Dies wurde aber mit dem Zusatz versehen «unter Corona-Bedingungen», um deutlich zu machen, dass weiterhin besondere Schutzvorkehrungen gegen die Pandemie als erforderlich angesehen werden. So soll es zur Reduzierung von Kontakten unter anderem versetzte Pausenzeiten geben und auch wieder Unterricht über Internet, allerdings nur ergänzend zum regulären Präsenzunterricht an den Schulen.

Gemeinsames Länderkonzept für Hygieneregeln an Schulen

Zweieinhalb Wochen vor dem Sommerferien-Ende in Mecklenburg-Vorpommern gibt es bundesweit einheitliche Hygieneregeln für die Schulen. Wie die Kultusministerkonferenz (KMK) am Mittwoch in Berlin mitteilte, haben sich die 16 Bundesländer auf einen gemeinsamen Rahmenplan geeinigt. «Es ist unsere Aufgabe, das Recht auf Bildung mit den notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor einer Verbreitung des Corona-Virus in Einklang zu bringen», erklärte die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).

Trotz der Corona-Pandemie sollen die Schulen nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb starten. In Mecklenburg-Vorpommern beginnt das neue Schuljahr bereits am 3. August. Kurz darauf folgen Hamburg, Schleswig-Holstein, Berlin und Brandenburg. Die jetzt getroffene Vereinbarung zum Infektionsschutz soll den Ländern nach KMK-Angaben als Orientierung dienen. Auf Detailregelungen habe man wegen der spezifischen Gegebenheiten vor Ort jedoch bewusst verzichtet.

Kommunen erwarten keinen normalen Schulbetrieb nach Sommerferien

Der Städte- und Gemeindebund rechnet für das neue Schuljahr noch nicht mit einem Unterricht im Normalbetrieb. «Es wird nach den Sommerferien keinen Schulbetrieb wie vor der Corona-Pandemie geben können», sagte der Hauptgeschäftsführer des Kommunalverbandes, Gerd Landsberg, der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch). Besondere Hygienemaßnahmen seien weiter erforderlich. «Dazu gehören kleinere Lerngruppen, gute Durchlüftung der Räume, mehr Raumkapazität und möglicherweise auch zusätzliches Personal», sage Landsberg.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warf mit Blick auf das nächste Schuljahr Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) Konzeptionslosigkeit vor. Es sei zu wenig, wenn Karliczek sage, bei einem Anstieg der Infektionen im Herbst werde man Lösungen von Schule zu Schule finden, sagte Lauterbach der «Welt» (Mittwoch). «Ich hätte mir gewünscht, dass man im Sommer ein nationales Konzept entwickelt», sagte der SPD-Politiker. Das könne zum Beispiel vorsehen, dass die Klassen ausgedünnt werden, der Unterricht über den ganzen Tag gestreckt werde und es einen qualitativ hochwertigen Onlineunterricht gebe.

Auch Linke-Parteichefin Katja Kipping betonte in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Mittwoch), über die Sommerpause sei ein «Digitalisierungsschub» notwendig, um Beschäftigten «Homeoffice zu ermöglichen und schulische Bildung aus den Klassenzimmern zu den Kindern zu bringen».

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte Ende Juni erklärt, der Regelbetrieb sei nach den Sommerferien das Ziel. Hubig sagte damals bei der Vorstellung des Nationalen Bildungsberichtes, es liefen Planungen für drei verschiedene Szenarien je nach Entwicklung der Corona-Pandemie: Regelbetrieb, rollierender Betrieb mit abwechselndem Unterricht in der Schule und zu Hause, und auch mögliche Komplettschließungen von Schulen.

Als erstes Bundesland startet Mecklenburg-Vorpommern Anfang August ins neue Schuljahr. Kurz darauf folgen Hamburg, Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein.


14.07.2020 8.30 Uhr

Studie in Sachsen: Wiedereröffnete Schulen keine Corona-Hotspots

Die sächsischen Schulen haben sich nach ihrer Wiedereröffnung in der Corona-Krise bisher nicht als Hotspots für Neuinfektionen erwiesen. Das ist ein Ergebnis einer Analyse der Universitätsklinik Dresden, die am Montag vorgestellt wurde. Bei 2045 untersuchten Blutproben wurden in zwölf Fällen Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachgewiesen. In einigen Schulen habe es bestätigte Corona-Fälle gegeben, bei Lehrern und Schülern an den Schulen seien aber nicht überdurchschnittlich häufig Antikörper nachweisbar, hieß es.

«Wir gehen in die Sommerferien 2020 mit einem Immunitätsstatus, der sich nicht von dem im März 2020 unterscheidet», erklärte Studienleiter Reinhard Berner. Eine stille, symptomfreie Infektion habe den Daten nach noch seltener stattgefunden als zuvor vermutet.

Untersucht wurden im Mai und Juni mehr als 1500 Schüler überwiegend der Klassenstufen acht bis elf und etwa 500 Lehrer aus Schulen in Dresden und im Landkreis Bautzen. Die Studie sei repräsentativ für Regionen mit niedrigen Infektionszahlen, sagte Berner. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) kündigte an, dass nach den Sommerferien an den Schulen der Normalbetrieb mit Hygienevorschriften wieder beginnt.

Esken skeptisch zu Schulbetrieb ohne Abstandsgebot

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat Bedenken zu einem Schulunterricht ohne Abstandsgebot nach den Sommerferien geäußert. «Ich bin sehr skeptisch mit Blick auf das Ansteckungsrisiko, denn die vorliegenden Studien geben uns keine Sicherheit, dass die Gefahr unter Kindern und Jugendlichen zu vernachlässigen ist», sagte Esken dem «Handelsblatt» (Montag). «Jetzt im nächsten Schuljahr auf das Abstandsgebot in den Schulen zu verzichten, ist daher aus meiner Sicht mit einem Risiko verbunden», so Esken weiter.

Die Kultusminister der Länder hatte beschlossen, dass alle Schüler nach den Sommerferien wieder wie gewohnt in die Schule gehen sollen und dass dabei auf die Abstandsregel verzichtet werden soll, «sofern es das Infektionsgeschehen zulässt». Sie wollen noch vor dem Ende der Sommerferien ein Schutz- und Hygienekonzept für die geplante Rückkehr in den Schulbetrieb vorlegen. Wochenlang waren in ganz Deutschland Schulen und Kitas wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Seit Ende April wurde der Schulbetrieb stufenweise wieder aufgenommen.

Esken sagte dem «Handelsblatt», auf jeden Fall müsse vermieden werden, dass Schüler nach den Ferien wieder in vollgestopften Schulbussen unterwegs seien und täglich mit Hunderten anderer Schüler und zig Lehrkräften zusammenkämen, weil alle gleichzeitig Pause machten. Viele Schulen hätten in den vergangenen Wochen Konzepte für kontaktreduzierenden Unterricht entwickelt - «und waren dann sehr überrascht, als sie erfuhren, dass die Politik diese gar nicht für nötig hält».

Mediziner schlägt testweise Öffnung von Kitas und Schulen vor

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Rückkehr zu einem «normalen Leben» im Gang. Doch bis zum «Vor-Corona-Leben» ist es noch lange hin. Das gilt auch für Kitas und Schulen.

Angesichts der überaus positiven Entwicklung der Corona-Pandemie im Nordosten hat der Rostocker Hygiene-Professor Andreas Podbielski der Landesregierung zu einem mutigeren Umgang mit Öffnungen von Kitas und Schulen geraten. Er schlug vor, in ausgewählten Einrichtungen für wenige Wochen testweise einen Regelbetrieb unter Vor-Corona-Bedingungen laufen zu lassen und zu schauen, ob das funktioniert. Bei einem positiven Verlauf könnten dann nach und nach die anderen Institutionen mit ins Boot genommen werden, sagte Podbielski der Deutschen Presse-Agentur.

Wie Podbielski sagte, sei er sich bewusst, dass ein solches Vorgehen als Experiment ausgelegt werden könnte. «Niemand kann ernsthaft vorhersagen, was genau passieren wird.» Klar sei aber auch, dass wenn diese Experimente nicht gemacht werden, es nur kleine Fortschritte auf dem Weg hin zur Normalität gibt. Sicher sei zudem, dass Schüler Präsenzunterricht bräuchten.

Hintergrund dieser Einschätzung seien wissenschaftliche Erkenntnisse. «Wir werden das Sars-CoV-2-Virus nicht mehr loswerden, es wird künftig zu den ganz normalen Erregern gehören», sagte Podbielski. Welchen langfristigen Erfolg eine Impfung habe, könne heute noch niemand sagen. «Erst ein oder zwei Jahre später werden wir wissen, was die Impfung tatsächlich bringt. Wollen wir uns jetzt wirklich jahrelang nur noch um Corona herumdrehen», fragte der Mediziner.

Deshalb sei es wichtig, möglichst rasch ins «normale Leben» zurückzukehren. Dabei stünden für ihn die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt. «Auf ihrem Wissen und Können beruht unsere Zukunft und unser Wohlergehen. Nicht darauf, ob eine Kneipe mehr oder weniger voll ist», setzte er die Priorität.

Jugendhilfe in Corona-Zeiten - «Wie in einer ganz normalen Familie»

Homeschooling, Ganztagsbetreuung und die Umsetzung der Regelungen: Die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe hat die Corona-Pandemie vor besondere Herausforderungen gestellt. Ein Besuch in Görlitz.

Kinder halten jung. Mit Elan und einem großen Lächeln nimmt Ilona Willig die Treppe nach oben. Die Erzieherin hat an diesem Nachmittag gerade ihren Dienst im Janusz-Korczak-Haus der Diakonie Libera in Görlitz begonnen. Bis 22 Uhr ist die 62-Jährige für die Jugendlichen in ihrer Wohngruppe da. Unterm Arm trägt sie einen Geschenkkarton mit Schokoladenriegeln. Dabei liegt eine Karte der «vier Zicken», versehen mit einem Dankeschön für den Weg «hart durch dick und dünn», vor allem auch in den vergangenen Wochen. «Wie alle Familien stellt die Corona-Pademie uns auch vor ganz besondere Herausforderungen», sagt die Mitarbeiterin der Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung.

Zwei der «Zicken» laufen an ihr vorbei. Inzwischen überwiegt die Freude auf die bevorstehenden Ferien, das Auf und Ab der vergangenen drei Monate rückt in den Hintergrund. Die Mädchen teilen sich ein Zimmer, solange sie in Absprache mit dem Jugendamt nicht in ihren eigenen Familien - aus unterschiedlichen Gründen - wohnen können. Fünf Gruppen werden durch die Erzieher im Haupthaus selbst sowie in Außenwohngruppen in Görlitz betreut. Im Schnitt leben acht Kinder und Jugendliche in den familienähnlichen Gemeinschaften, verbringen Alltag, Wochenenden, Freizeit und Ausnahmesituationen miteinander - immer mit dem Ziel der Rückkehr in die eigene Familie.

Einrichtungsleiter André Rudolf spricht von einer großen Herausforderung in den vergangenen Wochen. «Einen Mehraufwand, wie es ihn in der Altenpflege gab, hatten die Kollegen der Kinder- und Jugendhilfe auch. Jede Familie, die zwei oder drei Kinder hat, weiß wovon ich rede. Die Vormittage mussten neu organisiert werden. Unsere Mitarbeiter waren auf einmal nicht nur Erzieher, sondern mussten die Rolle als Lehrer übernehmen», sagt der 47-Jährige. Dazu fielen Angebote, wie «Jungs- oder Mädchentreff», weg. Gestrichen waren auch Sport- und Tanztheaterprojekte und die Jugendkochschule.

Stattdessen hieß es Homeschooling, Ganztagsbetreuung und die Umsetzung der Regelungen durch die Schutzverordnungen: «Aufgaben, die unter anderen Umständen nicht in ihren Bereich fallen», nennt es Christina Lumper, Vorstand der Diakonie Libera. Viele verschiedene Persönlichkeiten lebten mehrere Wochen 24 Stunden unter einem Dach - ohne Kontakte nach außen. Das ist für die Mitarbeiter, die teilweise eigene Kinder im Homeschooling Zuhause hatten, eine «massive Ausnahmesituation», sagt sie.

Lumper weiß auch, dass ihre Kollegen in der Behindertenhilfe vor Ort oft mehrere Aufgaben gleichzeitig übernahmen: Ansprechpartner, Betreuer, Ersatz für die Angehörigen. Neben dem Kinder- und Jugendhaus in Görlitz betreibt die Diakonie Libera ein weiteres in Dresden, zwei Altenhilfeeinrichtungen und eine Kindertagesstätte in Hoyerswerda sowie in Brandenburg eine Kindertagesstätte in Kroppen sowie Einrichtungen der Behindertenhilfe in Großmehlen und der Altenhilfe in Ortrand.

In Sachsen gibt es laut Sozialministerium insgesamt 889 Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Dahinter stehen insgesamt knapp 4900 Plätze, inklusive «Betreutes Wohnen»: «In den Einrichtungen mit diesen Leistungen bestand die Herausforderung, die Kinder zu den Zeiten zu betreuen, in denen sie in Kita und Schule gewesen wären. Die teilstationären Einrichtungen waren entsprechend der Allgemeinverfügungen während des Lockdowns – überwiegend - nur im Notbetrieb geöffnet», so ein Ministeriumssprecher.

Auffällig sei, dass sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in den Einrichtungen untergebracht werden, während der Corona-Pandemie nicht bedeutend verändert hat. Dieser Trend deckt sich mit einer deutschlandweiten Umfrage des Deutschen Jugendinstituts. In der Studie gibt ein Großteil der Jugendämter an, dass sich die Anzahl von Gefährdungsmeldungen und Inobhutnahmen ab März 2020 entweder nicht verändert habe oder sogar gesunken sei. Ein Grund könne die Unterbrechung von Kommunikationswegen sein, wie Einrichtungsleiter Rudolph vermutet. «Durch den Wegfall der Schule sind Meldewege, zum Beispiel bei Anzeigen von Kindeswohlgefährdungen, unterbrochen.»

Rudolph sieht trotz allem aber auch einen positiven Aspekt. «Es haben viele die letzten Monaten als entschleunigte Zeit empfunden. Die Gruppen waren fester im ihren Gefüge zusammen. In Notsituation gibt es einen besonderen Zusammenhalt», sagt der Hausleiter. Die Familiengruppen hätten in der besonderen Zeit Aufmerksamkeiten bekommen. Für die «vier Zicken» und die anderen vier Jugendlichen ihrer Gruppe gab es etwa ein Hoverboard.

Das Schwebe-Skateboard – bekannt aus dem Film «Zurück in die Zukunft» - kommt auf dem großen Außengelände zum Einsatz. Vielleicht nimmt es die Gruppe sogar mit in ihren Urlaub ins Erzgebirge. Ilona Willig jedenfalls freut sich auf die kommenden Sommerwochen mit ihren «Zicken». Doch jetzt wirft die Erzieherin erstmal schnell noch eine Blick auf die Hausaufgaben und macht sich dann gemeinsam mit ihren Schützlingen über die Zubereitung des Abendbrots her – eben ganz wie in einer normalen Familie.

Schulzeugnisse: Noten in Corona-Zeiten

Die zweite Hälfte des Schuljahres 2019/2020 dürfte wohl als Corona- Halbjahr in die Annalen eingehen. Es war geprägt von Ausfällen, Online-Unterricht und Unterricht zu Hause. Noten und Zeugnisse gibt's trotzdem.

Die unterrichtsfreien Schulwochen in Corona-Zeiten spiegeln sich auch bei der Leistungsbewertung wider, sprich: den Zeugnisnoten. Aber kann man überhaupt benoten, wenn die Schulen dicht und die Klassenräume leer sind? Es wird wohl insgesamt etwas großzügiger verfahren werden, nach dem Motto: «Im Zweifel für den Schüler». Ein Freibrief ist das aber nicht.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf die Noten?

In Niedersachsen wurden die Schulen am 16. März komplett geschlossen und am 27. April schrittweise und eingeschränkt zunächst für Abschlussklassen wieder geöffnet. Im Entwurf für eine Mantelverordnung heißt es: «Den Schülerinnen und Schülern sollen aufgrund der Einschränkungen wegen der Covid-19-Pandemie keine Nachteile entstehen.» Mitte April wurden vorsorglich vorläufige Note für die Leistungen der Schüler bis zu diesem Datum ermittelt. Grundsätzlich sind Noten des zweiten Halbjahres immer Ganzjahres- Noten. Das heißt, auch das 1. Halbjahr fließt mit in die Gesamtnote ein.

Und wie ist das in Bremen geregelt?

In Bremen gibt es ein Dreiphasen-Modell. Leistungen, die vor dem Lockdown bis zum 13. März (Phase I) erbracht wurden, sollen vollständig in die Jahres- bzw. Halbjahresnote einfließen. Leistungen während des Voll-Lockdowns (Phase II) sind nur zu berücksichtigen, wenn sie positiv fürs Gesamtbild des Schülers sind. Nach dem schrittweisen Neustart des Schulbetriebs (Phase III) gibt es bei Präsenzunterricht wieder regelmäßig Leistungsbewertungen. Aber: Bei Schülern, die ohne Präsenzphasen zu Hause lernen müssen, wird auf eine formale Leistungsbewertung verzichtet.

Sind die Noten trotz der Corona-Pandemie aussagekräftig?

Der Gymnasiallehrerverband findet ja. Zwar hätten die Lehrer bei der Notenvergabe sicherlich die Rücksichtnahme auf die Sondersituation im Kopf gehabt, sagte der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen, Horst Audritz. Dadurch sei in der Fläche auch eine leichte Verbesserung des Notendurchschnitts zu erwarten. «Aber anderseits sind natürlich Leistungen ein Dreivierteljahr vor Corona erbracht worden, so dass die Noten immer noch aussagekräftig genug sein müssten.»

Verhindert Corona «Ehrenrunden»?

Nein. Auch in diesem Schuljahr werden Schülerinnen und Schüler sitzen bleiben. Aber: Die Hürden fürs Weiterkommen wurden zumindest formal und vorübergehend in der niedersächsischen «WeSchoVo» - der Verordnung über den Wechsel zwischen Schuljahrgängen und Schulform der allgemein bildenden Schulen - gesenkt. So wurde der Ermessensspielraum der Klassenkonferenzen bei Versetzungsentscheidungen coronabedingt eingeschränkt.

Corona-Tests an fünf Stuttgarter Schulen angelaufen

In der Landeshauptstadt Stuttgart haben nach Corona-Verdacht Tests von Lehrern und Schülern an fünf Schulen begonnen. Pädagogen und Schüler einzelner Klassen seien betroffen, weil einzelne Kinder Kontakt zu einem infizierten Menschen hatten, teilte die Stadt mit. Die Tests am Stuttgarter Klinikum sollten bis Dienstag andauern. Das Gesundheitsamt hatte 140 Abstriche empfohlen, 98 waren am Montag genommen worden. Die Ergebnisse werden für Mittwochabend erwartet. Die Konsequenzen für den Schulbetrieb macht das Gesundheitsamt davon abhängig, wie die Test-Ergebnisse ausfallen, aber auch davon, ob die Kinder Symptome gezeigt haben.

Nach der Erkrankung zweier Kitakinder werden auch bei Personal und Kindern in zwei Stuttgarter Einrichtungen Abstriche genommen, wie die Stadt weiter mitteilte.

In Göppingen wird in zwei Schulen und einem Kindergarten getestet. Dort hatte eine Ende der Woche als infiziert diagnostizierte Mutter zuvor Krankheitssymptome an ihren drei Kindern festgestellt. Zunächst hatten sie sie zu Hause gelassen und nach Besserung ihres Zustands am Dienstag und Mittwoch wieder in Schule und Kindergarten geschickt. Wie der Landkreis Göppingen mitteilte, ist nicht auszuschließen, dass die Kinder ansteckend sind.

In Stuttgart sollen die betroffenen Klassen und Gruppen nach den Worten von Isabel Fezer, Bürgermeisterin für Jugend und Bildung, vorsorglich zu Hause bleiben. Dieses Vorgehen trage wesentlich dazu bei, Infektionsketten zu durchbrechen und das Coronavirus einzudämmen.

In Göppingen gingen am Montag die Klassen- und Spielkameraden der drei möglicherweise mit dem Virus infizierten Kinder nicht in die Schule und den Kindergarten. Für sie ist erst nach einem Abstrich mit einem negativen Ergebnis der Schul- und Kindergartenbesuch wieder möglich. Gleiches gilt für die betroffenen Lehrer und Erzieherinnen.

Jüngst waren an fünf Schulen im Landkreis Göppingen Schüler und Lehrer getestet worden, nachdem bei fünf Schülern das Virus festgestellt worden war. Anfang Juli waren alle betroffenen Schulen wieder virusfrei.

Mehr als 3800 Schüler holen Unterrichtsstoff im «Lernsommer» nach

Lernlücken in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch können Schüler in Schleswig-Holstein noch bis Ende der Sommerferien im Rahmen des Lernsommers an den Schulen schließen. «Der erste Eindruck nach zwei Wochen Lernsommer an den Schulen ist, dass dies gelingt», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Montag. Engagierte Lehrkräfte an den Schulen arbeiteten in kleinen Gruppen mit den Schülern. Auch die Kinder und Jugendlichen seien hoch motiviert, wie Schulleitungen meldeten. Andere sagten: «Wer hier ist, will etwas lernen.» Zuvor hatte NDR 1 Welle Nord darüber berichtet.

Nach Angaben des Bildungsministeriums nehmen 3823 Schüler an 145 Schulen am Lernsommer teil. 479 Lehrer unterrichten sie. Noch im Juni war das Ministerium von bis zu 4500 Schülern ausgegangen, die durch die wochenlangen Schulschließungen in der Corona-Krise entstandene Lernlücken füllen wollen. Insgesamt gibt es knapp 800 allgemeinbildende Schulen im Land.

Ein oder zwei Wochen in den Sommerferien sollen benachteiligte Schüler gefördert werden. Die Schulen entscheiden weitgehend, wie das Programm bei ihnen genau aussieht. Möglich sind mehrere Stunden pro Tag oder auch drei Tage Unterricht und zwei Tage mit anderem Programm. Das Land hat dafür fünf Millionen Euro bereitgestellt. Teilnehmende Schulen erhalten zusätzliches Budget, um externe Angebote von kultureller Bildung oder sportliche Aktivitäten anbieten zu können.

Eltern fordern Nachbesserungen für Schulstart im Herbst

Die Landes-Eltern-Vereinigung (LEV) der Gymnasien in Bayern fordert für den Schulstart nach den Sommerferien zahlreiche Nachbesserungen. «Es muss klare Rahmenbedingungen für den vermutlich auf unabsehbare Zeit notwendigen Distanzunterricht geben», sagte die LEV-Vorsitzende Susanne Arndt am Montag in München. Präsenzunterricht wäre zwar vorzuziehen, sei aber nicht wahrscheinlich. «Die Eltern sind verunsichert und vermissen eine klare Strategie», kritisierte Arndt. «Klare Regeln zur Gestaltung von Online-Unterrichten sucht man vergeblich. Es ist ein Flickenteppich entstanden, der insbesondere Schülerinnen und Schüler benachteiligt, die daheim nicht außerordentliche Unterstützung erhalten können.»

Der LEV verlangt unter anderem die Einstellung neuer Lehrer sowie eine leistungsfähige, digitale Plattform für den Online-Unterricht, über die auch Videokonferenzen möglich sind. Weitere Forderungen sind etwa ein leistungsfähiges WLAN für Schulen und ein gerechtes Konzept für die Notengebung bei Schul- oder Klassenschließungen. Zudem müsse sichergestellt werden, dass alle Schüler digitale Endgeräte hätten.

Die LEV begründete die Forderungen mit den Ergebnissen einer Umfrage unter Eltern, für die rund 13 900 Antworten ausgewertet worden waren. Danach hatten 35 Prozent der Kinder nach Einschätzung ihrer Eltern die Phase der coronabedingten Beschränkungen weniger gut oder nicht gut überstanden. Knapp die Hälfte hatte das Gefühl, die Kinder hätten weniger gut oder nicht gut Wissen erworben. Mehr als jede zehnte Familie hatte technische Probleme, etwa weil Computer oder Drucker fehlten oder weil die Internetverbindung zu schlecht war. Es gab auch Lob: 60 Prozent fühlten sich von Schule und Lehrern gut unterstützt.

 

05.07.2020 22.00 Uhr

Studie untersucht Ansteckungsgefahr durch Coronaviren bei Kindern

Die Langzeitstudie in Bayern «COVID Kids Bavaria» soll die Ansteckungsgefahr bei Kindern durch Coronaviren klären. Sechs Kinderkliniken von Universitäten würden die Öffnung von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen wissenschaftlich begleiten, teilte das Wissenschaftsministerium in München mit.

Antworten erhoffen sich die Forscher unter anderem auf die Frage, ob Einrichtungen wie Krippen, Kindergärten und Grundschulen zu einer unkontrollierten COVID-19-Ausbreitung führen könnten. Daneben werde die flächendeckende Studie auch allgemeine Fragen der Kindergesundheit in den Blick nehmen.

Details sollen am Montag in München vorgestellt werden. Neben den Studienleitern Christoph Klein und Johannes Hübner vom Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum München werden auch Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Bernd Sibler (beide CSU) erwartet.

Tablets für saarländische Schüler über eine Medienausleihe

Um jeden Schüler und jede Schülerin im Saarland bei Bedarf mit einem Tablet ausstatten zu können, wollen Land und kommunale Spitzenverbände eine Medienausleihe aufbauen. Wie das saarländische Bildungsministerium am Samstag mitteilte, einigten sich das Land sowie der Saarländische Städte- und Gemeindetag und der Landkreistag Saarland auf mehrere Ziele zur Digitalisierung der Schulen im Saarland.

So soll allen Schülern auch in einer «eventuellen pandemiebedingten Quarantäne-Situation» der Zugang zu digitalen Endgeräten ermöglicht werden. Hierfür sollen Kinder bei bestehender Bedürftigkeit auch vom Leihentgelt für die Tablets befreit werden. Etablieren sollen die Medienausleihe demnach die Schulträger in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium. Die ersten 1000 Tablets sind nach Angaben von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) bereits angeschafft worden.

Im Rahmen des im Juni beschlossenen milliardenschweren Nachtragshaushalts waren nach Angaben des Landes 50 Millionen Euro für die Digitalisierung der Schulen eingeplant worden. Gerade die Pandemie habe gezeigt: «Wir brauchen einen Quantensprung bei der digitalen Bildung», hatte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gesagt. Noch nie sei in so kurzer Zeit so viel im Saarland investiert worden. Zusammen mit den im Nachtragshaushalt beschlossenen Geldern und dem «DigitalPakt Schule» sollen laut Bildungsministerium bis 2024 mehr als 110 Millionen Euro in den Ausbau der digitalen Bildung investiert werden.

Mehr als 2000 Klassenfahrten wegen Corona-Pandemie ausgefallen

Die Schulen in Rheinland-Pfalz mussten in dem jetzt beendeten Schuljahr wegen der Corona-Pandemie auf mehr als 2000 Klassen- und Kursfahrten verzichten. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) habe seit März 2026 Anträge zu stornierten Fahrten bearbeitet, teilte eine Sprecherin des Bildungsministeriums mit.

Das Land übernimmt die Kosten für die Stornierung bereits gebuchter Reisen, wie Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) Ende März mitgeteilt hat. Ausgezahlt wurden bislang rund 3,8 Millionen Euro.

Im neuen Schuljahr soll zunächst weiter auf Klassen- und Studienfahrten sowie Schülerbegegnungen verzichtet werden - zunächst bis zu den Herbstferien. Stornierungskosten für diese Reisen werden weiter vom Land übernommen. «Außerdem ist weiterhin von der Buchung neuer Schulfahrten abzusehen», heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Schulen. Schulfahrten und Schülerbegegnungen seien zwar ein wichtiger Bestandteil des Schullebens. Die derzeit geltenden Abstands- und Hygieneregeln ließen sich dabei aber nur schwer umsetzen. Zudem müsse im kommenden Schuljahr die Konzentration auf den Kernbereichen von Unterricht liegen.

Sommerferien für Hunderttausende Schüler nach Corona-Schuljahr

In Rheinland-Pfalz ist ein besonderes Schuljahr beendet. Je nach aktueller Lage soll nach den Sommerferien wieder mehr Normalität an den Schulen herrschen. Ministerpräsidentin Dreyer appellierte, auch in den Ferien auf Abstand und Alltagsmasken zu achten.

Hunderttausende Schüler haben ungewöhnliche Monate hinter sich. Am Freitag ist das von der Corona-Krise gezeichnete Schuljahr 2019/20 in Rheinland-Pfalz zu Ende gegangen - rund 406 900 Schüler allgemeinbildender Schulen starteten in die Sommerferien.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) appellierte in einer Videobotschaft beim Kurznachrichtendienst Twitter, trotz aller Ferienfreude weiterhin beispielsweise auf Abstandsregeln und die Maskenpflicht zu achten. «Denn das Virus ist nicht weg, sondern wir müssen einfach mit ihm leben.»

Nach den Sommerferien ab Mitte August soll in den Schulen wieder der Regelbetrieb herrschen - mit einem neuen Hygieneplan. Dieser sieht unter anderem für den Unterricht in den Klassenräumen keine Abstandsregel mehr vor. Während der Sommerferien will das Bildungsministerium beobachten, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt und ob dies die Rückkehr zum Regelbetrieb auch zulässt. Andernfalls sind zwei Szenarien im Blick - das bisherige Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht sowie temporäre Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch.

Eine Analyse von rund 1040 stichprobenartigen Tests von Schüler und Mitarbeitern an landesweit 25 Schulen ergaben dem Gesundheitsministerium zufolge keine Hinweise auf eine Infektion mit dem Coronavirus. «Nach den Sommerferien sollen die Tests wiederholt und die Ergebnisse verglichen werden», kündigte das Ministerium an.

Ministerpräsidentin Dreyer erklärte in einer Mitteilung, der Ministerrat treffe sich auch in der Sommerpause einmal pro Woche, um schnell auf die jeweilige Corona-Lage reagieren zu können. «Der rasante Coronaausbruch in Gütersloh zeigt uns, wie gefährlich das Virus noch immer ist.»

Im Kreis Gütersloh im Nachbarland Nordrhein-Westfalen hatte sich der Krankheitserreger unter Mitarbeitern des Fleischverarbeiters Tönnies in Rheda-Wiedenbrück schnell verbreitet. Es wurde für den Kreis ein Lockdown angeordnet, der voraussichtlich noch bis zum 7. Juli gilt.

02.07.2020 21.00 Uhr

Bundesweite Studie: Homeschooling belastet Eltern-Kind-Beziehungen

Das wochenlange Homeschooling in der Corona-Pandemie hat laut einer Studie die Beziehung von rund einem Viertel der befragten Eltern zu ihren Kindern belastet. Nach Einschätzung von Müttern und Vätern waren zwar 48,5 Prozent der Schüler sehr oder ziemlich motiviert, 51,1 Prozent aber eher wenig bis gar nicht. Das geht aus der bundesweiten Online-Befragung «Homeschooling 2020» der Universität Koblenz-Landau hervor, bei der zwischen dem 8. April und 4. Mai Eltern von Schülern allgemeinbildender Schulen 4320 Fragebögen vollständig ausgefüllt haben, vor allem Mütter.

48,1 Prozent gaben an, dass die Lehrer die Aufgaben in keinem erkennbaren Rhythmus übermittelten. Die Aufgaben wurden laut Studie insgesamt als wenig abwechslungsreich von den Eltern wahrgenommen.
Eine Mehrheit wünschte sich mehr Rückmeldungen von den Lehrern. Immerhin fanden die Eltern mehrheitlich, dass die Aufgaben für zu Hause stets oder oft so klar formuliert seien, dass ihr Kind sie selbstständig bearbeiten könne.

Die stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Nadine Schön forderte am Donnerstag den Aufbau einer Schulcloud, um den Fernunterricht
technisch zu verbessern, und eine Anpassung der Lehreraus- und
Weiterbildung. «Die Studie untermauert, was wir in der Corona-Krise selbst erlebt haben: Die digitale Bildung steckt noch in den Kinderschuhen», kritisierte Schön.

Nur wenige Schulen mit sehr schneller Internetverbindung

Bei der Ausstattung der Schulen mit sehr schnellen Gigabitverbindungen ins Internet belegt der Südwesten den vorletzten Platz unter den Ländern. Nur 275 Schulen sind mit der schnellsten Leitung ins Netz versorgt, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag hervorgeht. Das entspricht einem Anteil von 5,2 Prozent. Im Südwesten gibt es rund 5000 Schulen. Sachsen-Anhalt belegt den letzten Platz. Zuerst hatten «Stuttgarter Nachrichten» und «Stuttgarter Zeitung» (Donnerstag) darüber berichtet.

Ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums in Stuttgart betonte, der Glasfaserausbau erfolge im Land mit großer Dynamik. Das Angebot, auch die Schulen gigabitfähig anzuschließen, werde inzwischen sehr stark genutzt. Bei der Mehrheit der Projekte seien deshalb auch Schulanschlüsse ein Teil des Glasfaserausbaus.

Dass der Südwesten mit den Stadtstaaten Hamburg (85,1 Prozent) und Bremen (78,9 Prozent) nicht mithalten kann, lässt sich dem Bericht zufolge damit erklären, dass der Ausbau der Netzinfrastruktur in Flächenländern schwieriger ist als in Großstädten mit hoher Einwohnerdichte auf kleiner Fläche. Aber auch im Vergleich mit anderen Flächenländern steht der Südwesten schlecht da. So hat etwa Bayern der Antwort der Bundesregierung zufolge Ende 2019 mehr als 2500 Schulen (41,5 Prozent) mit einer Internetgeschwindigkeit ausgestattet, die das Herunterladen eines Datenvolumens von mehr als tausend Mbit pro Sekunde erlaubt.

Kultusminister verteidigt Digitalisierungskonzept für Schulen

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat die Digitalisierungsstrategie für Hessens Schulen gegen die Kritik der Opposition im Landtag verteidigt. Hessen sei beim Ausbau von leistungsstarken Breitbandanbindungen auf einem guten Weg, sagte der Minister am Donnerstag im Wiesbadener Landtag. Bei der Versorgung mit schnellem Internet liege Hessen unter den Flächenländern auf Rang vier. Unter den 25 am besten versorgten Landkreisen in Deutschland seien neun aus Hessen.

Rund 90 Prozent der Schulen im Land seien bereits an das Gigabit-Netz angeschlossen, projektiert oder befänden sich im laufenden Aufbau. Der Kultusminister bekräftigte das Ziel des Landes, bis zum Jahr 2022 möglichst alle Schulen in Hessen an das Highspeed-Netz anzubinden.

Die Landtagsopposition warf Schwarz-Grün dagegen vor, der angekündigte Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie von entsprechenden Bildungs- und Lernkonzepte gehe viel zu langsam voran. Es fehle etwa an einer ausreichenden Breitbandversorgung, zudem mangele es an der Ausstattung mit Computern und passenden Fortbildungen für die Lehrer.

Schulträger auf Einkaufstour: Geld für Schüler-Laptops ist frei

Mecklenburg-Vorpommerns Schulen können ab sofort mit Laptops und Tablets für bedürftige Schüler ausgestattet werden. Die Schulträger - bei den öffentlichen Schulen sind das die Kommunen - können jetzt mit dem Einkaufen beginnen, wie das Bildungsministerium am Donnerstag in Schwerin mitteilte. Zehn Millionen Euro stünden aus dem Digitalpakt des Bundes bereit, das Land habe eine weitere Million Euro dazugelegt. Die Geräte sollen leihweise den Schülern überlassen werden, die sich kein eigenes Gerät leisten können.

«Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig digitales Lernen ist», sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) mit Blick auf die Schließung der Schulen während der Corona-Pandemie. Dabei konnten die Lehrer nicht alle Schüler erreichen, weil diese zum Teil nicht das nötige Gerät zu Hause haben. Digitale Bildung dürfe nicht vom Portemonnaie der Eltern abhängen, betonte Martin. Mit den geförderten Geräten seien die Schüler im Land für das kommende Schuljahr gut aufgestellt.

Falsches Schreiben zu Corona-App für Lehrer aufgetaucht

Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium hat am Donnerstag vor einem falschen Brief an die Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz gewarnt. Das Ende Juni in Umlauf gebrachte Schreiben imitiert Briefkopf und Stil der amtlichen Schreiben aus dem Ministerium. Darin heißt es, zum Teil in satirischer Überspitzung, dass eine spezielle Corona-Warn-App für Lehrkräfte verpflichtend installiert werden müsse und dass die Einhaltung der Abstandsregeln mit Hilfe von GPS-Daten überprüft werde. «Alle dort aufgeführten Punkte entsprechen nicht der Wahrheit», betonte am Donnerstag eine Sprecherin des Ministeriums. Es habe bereits einige Anrufe zu dem Schreiben gegeben. Richtig sei, dass den Lehrkräften lediglich empfohlen werde, zum neuen Schuljahr die Corona-Warn-App des Bundes zu installieren.

 

01.07.2020 21.30 Uhr

Kein Abstand in der Klasse mehr - neue Normalität nach den Ferien

Mit Corona-Warn-App, Seifenspender und Hygiene-Beauftragten soll die Wiederaufnahme des Regelbetriebs an den Schulen gelingen. Die Bildungsministerin und Mediziner beantworten Fragen dazu.

Das neue Schuljahr bringt Kindern und Jugendlichen in Corona-Zeiten ein Stück Normalität zurück. Am 17. August soll der Regelbetrieb wiederaufgenommen werden. Das wirft bei Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern und den Lehrkräften viele Fragen auf. Antworten gaben am Mittwoch das Bildungsministerium und Professoren der Universitätsmedizin Mainz.

- Ist das nicht viel zu riskant, wenn 30 junge Menschen in einer Klasse zusammensitzen?

In Abstimmung mit Medizinern und Hygiene-Experten hat sich nach Angaben von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) gezeigt, dass angesichts der seit Wochen niedrigen Infektionszahlen die Klassengemeinschaft wieder in ihren gewohnten Räumen zusammenkommen kann. Dafür gilt eine Ausnahme vom Abstandsgebot. «Aber dafür brauchen wir auch Disziplin», sagte Hubig. Auf Körperkontakte, Umarmungen und Händeschütteln muss weiter verzichtet werden. Das Abstandsgebot gilt auch weiterhin außerhalb der Klassenräume.

- Wird die Ausnahme von der Abstandsregel nicht dazu führen, dass sich die Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Klassenraums nicht mehr daran halten?

«Das wird eine Aufgabe für uns alle sein», antwortet die Ministerin. In den Schulen sollen die im neuen Hygieneplan vorgeschriebenen Hygiene-Beauftragten darauf achten, dass sich die Kinder und Jugendlichen an die außerhalb der Klasse geltenden Bestimmungen halten. So schwer es auch fällt: «Auf Körperkontakte, Umarmungen und Händeschütteln ist zu verzichten.»

- Wie will der neue Hygieneplan das Infektionsrisiko gering halten?

An erster Stelle steht die persönliche Hygiene mit gründlichem Händewaschen, Husten- und Niesetikette, Mund-Nasenschutz in Fluren, Gängen und Treppenhäusern oder beim Einkauf im Schulkiosk. Ebenso wichtig ist die Raumhygiene mit Stoßlüftungen über mehrere Minuten hinweg. Sie habe in einer Schaltkonferenz mit den Schulträgern deutlich gemacht, sagte Hubig, «dass es wichtig ist, dass die Schulen funktionierende Fenster haben, nicht nur gekippt, sondern weit aufgemacht werden können». Dritter Punkt ist die Hygiene im Sanitärbereich - mit ausreichend Seife, Einmalhandtüchern und täglicher Reinigung. In jeder Schule soll es Hygiene-Beauftragte geben, die dies sicherstellen.

- Wie wird der Schulbetrieb aussehen, wenn mit der ersten Erkältungswelle die Angst vor Corona-Infektionen wächst?

Niemand mit Schnupfen, Husten, Fieber oder Halsschmerzen darf die Schule betreten, heißt es im Hygieneplan. «Bei Auftreten von Symptomen während der Unterrichtszeit sind die betreffenden Schülerinnen und Schüler zu isolieren und die Eltern zu informieren.» Wolfgang Kohnen von der Abteilung für Hygiene und Infektionsprävention der Universitätsmedizin Mainz hofft, dass die zunehmende Beachtung der Hygiene-Regeln dazu führen wird, «dass wir diese großen Norovirus-Ausbrüche oder Influenza weniger sehen werden».

- Tragen Kinder und Jugendliche nicht in besonderem Maße zur Verbreitung der Pandemie bei?

Nein. «Nach heutigem Wissensstand sind Kinder keine Superspreader», sagt der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz, Fred Zepp. «Sie bekommen das Virus eher von den Älteren.» Kinder seien eher weniger infektiös als Erwachsene und litten seltener unter einem schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 mit einer schweren Lungenentzündung. «Je älter die Jugendlichen werden, desto ähnlicher wird die Viruslast der von Erwachsenen», fügt der Mainzer Virologe Bodo Plachter hinzu.

- Was geschieht, wenn krankheitsbedingt nicht genügend Lehrkräfte für den Regelbetrieb zur Verfügung stehen?

Zurzeit stehen nach Angaben von Bildungsministerin Hubig 13 Prozent der Lehrkräfte nicht zur Verfügung. Sie gehe davon aus, dass dieser Anteil zu Beginn des Schuljahres geringer sei. «Und wir kümmern uns mit Hochdruck darum, dass wir den Vertretungsbedarf abdecken.»

- Kann die Corona-Warn-App einen Beitrag zum Gesundheitsschutz an den Schulen leisten?

«Die Nutzung der App soll allen am Schulleben Beteiligten ausdrücklich empfohlen werden», heißt es im Hygieneplan. Einen Konflikt zur Einschränkung der Handy-Nutzung durch Schüler sollte es nicht geben. «Man kann ein Handy auch in der Tasche haben», sagt die Bildungsministerin. «Es muss nicht eingeschaltet auf dem Tisch liegen zum Daddeln.»

- Die Abstandsregel ist doch in der Landesverordnung vorgeschrieben, wieso können Schulen jetzt eine Ausnahme machen?

Zur juristischen Absicherung der Ausnahme wird die Corona-Bekämpfungsverordnung entsprechend geändert.

Herbergen rechnen mit Tausenden Stornierungen bei Klassenfahrten

Nach dem Verbot mehrtägiger Klassenfahrten im ersten Schulhalbjahr 2020/2021 wegen der Corona-Krise rechnen die hessischen Jugendherbergen mit Stornierungen von rund 60 000 bis 80 000 Übernachtungen. Es werde den Herbergen die letzte Hoffnung auf ein wenig Normalität nach den Herbstferien genommen, teilte der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks am Mittwoch mit. Nachdem durch die Lockerungen 21 der 30 Herbergen im Land wieder geöffnet seien, habe man nun den nächsten Dämpfer aus der Landespolitik in Kauf nehmen müssen. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte am Dienstag die Rückkehr zum regulären Schulbetrieb nach den Sommerferien angekündigt, mehrtägige Klassenfahrten bis einschließlich Januar aber ausgeschlossen.

Die zu stornierenden Schulfahrten würden außerhalb der Stornofristen liegen, der Umsatzverlust für die Jugendherbergen liege bei 100 Prozent, teilte der Verband mit. Zudem gebe es zur Zeit zunehmend Zahlungsverweigerungen der zuständigen Schulämter für Klassenfahrten, die im verordneten Schließzeitraum der Jugendherbergen zwischen März und Mai diesen Jahres lagen.

Lorz habe in einem Brief an die Schulleitungen vorgegeben, dass das Buchen von Klassenfahrten für das kommende Schuljahr nur bei einer möglichen kostenlosen Stornierung erfolgen soll. Hessische Schulen würden in wenigen Tagen bei den Jugendherbergen die Möglichkeit bekommen, dass sie in Hessen schon jetzt für das kommende Schuljahr Klassenfahrten ohne Stornokostenrisiko buchen können. «Auch wenn dies gegen jede Vernunft geschieht, wenn wir den Weg nun nicht gehen, könnten wir unsere Häuser auch direkt heute schließen», sagte der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes, Timo Neumann.

«Kraftakt» soll Schüler nach Corona-Zwangspause voranbringen

Nicht alle Berliner Schüler kommen gut durch die Corona-Krise. Das lange Homeschooling zehrte an den Nerven, der Lernfortschritt hält sich in Grenzen. Nun drücken viele in den Ferien die Schulbank.

Wochenlange Schulschließungen wegen der Corona- Pandemie, Homeschooling und später nur wenig Präsenzunterricht - nach einem verrückten Schuljahr haben viele Berliner Kinder und Jugendlichen große Lernlücken. 11 500 von ihnen haben nun die Chance, versäumten Unterrichtsstoff in den Sommerferien nachzuholen.

Für die Sommerschule seien bereits mehr als 1000 Lerngruppen gebildet worden und die meisten Anfang der Woche gestartet, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch. «Weitere folgen in den kommenden Wochen», fügte sie bei einem Besuch in der Wilma-Rudolph-Oberschule in Dahlem hinzu. In den Herbstferien (12. bis 24. Oktober) werde das bislang einmalige Projekt fortgesetzt.

«Es war ein organisatorischer Kraftakt, in der Kürze der Zeit ein solches Lernangebot zu realisieren», so die Senatorin. «Wir sind hier bundesweit vorneweg mit unserem Angebot.» Die Sommerschule richte sich nicht nur an Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen, in denen Eltern ihre Kinder nicht beim Lernen unterstützen oder Geld für Computer oder Smartphone fehlt.

«Wir haben vor allem leistungsschwache Kinder- und Jugendliche im Blick», sagte Scheeres. Aber: «Wir wollten ein Angebot für alle, die aufgrund der Corona-Krise Lernrückstände haben oder das Gefühl, sie müssten jetzt mehr tun.» Klar sei für die Schüler wie für viele anderen auch: «Es ist keine einfache und normale Situation.»

Teilnehmen an den insgesamt zwei- bis vierwöchigen Kursen der Sommer- und später Herbstschule können Schüler der Jahrgangsstufen 1 und 2 sowie 7 bis 9. In kleinen Gruppen werden sie von Mitarbeitern von etwa 30 Bildungsträgern, freiwillig engagierten Lehrern und Lehramtsstudenten in den Kernfächern Deutsch und Mathematik sowie der ersten Fremdsprache unterrichtet, also zum Beispiel Englisch. Pro Woche sind 15 Stunden vorgesehen.

Bezahlt wird alles vom Land, sechs Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Für die Teilnehmer fallen keine Kosten an. Ein ähnliches Angebot gibt es auch für Berufsschüler. Hier ist das Interesse mit 600 Anmeldungen laut Scheeres jedoch überschaubar.

«Keine Frage, dass die Sommerschule das richtige ist nach dieser Zeit der Schulschließungen», sagte die Leiterin der Wilma-Rudolph-Oberschule, Maria Kottrup. «Die Schüler mussten zu Hause unter teils sehr schwierigen Bedingungen lernen.» Das könne nun etwas kompensiert werden. «Zwei Wochen Unterricht in kleinen Gruppen ist sehr intensiv.» Dabei habe die Sommerschule gleich mehrere Vorteile für die Kinder und Jugendlichen: «Sie bekommen Struktur in den Tag, sie lernen und sie sehen ihre Freunde.»

Die große Zahl der Anmeldungen zeige, dass dies auch viele Eltern so sähen. An der Dahlemer Schule machen 90 Schüler mit und damit 20 Prozent derjenigen, die theoretisch in Frage kämen. Während der Kurse dokumentieren die Teilnehmer ihre Fortschritte an allen Schulen in einem Ferienlogbuch, zum Abschluss erhalten sie ein Zertifikat.

Jugendherbergen wollen grünes Licht für Klassenfahrten

Die Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland machen sich für die Wiederaufnahme von Klassenfahrten stark. «Klassenfahrten dürfen auch in Corona-Zeiten nicht ausfallen», sagte der Vorstandsvorsitzende der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Jacob Geditz, am Mittwoch. Die Jugendherbergen hätten nun ein Schutz- und Hygienekonzept vorgelegt, mit dem eine «sichere Klassenfahrt» in die rund 40 Häuser gewährleistet werden könne. Dies betreffe sowohl den Aufenthalt als auch Programmabläufe, sagte Geditz der Deutschen Presse-Agentur.

Die Corona-Krise hat die Jugendherbergen hart getroffen: Die Einnahmenausfälle beliefen sich mittlerweile auf gut 26 Millionen Euro. Mehr als 550 000 Übernachtungen seien weggebrochen - nicht nur in der Zeit der Schließung, sondern auch bis Jahresende. Sechs Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz seien bis auf Weiteres in Folge Von Corona geschlossen worden.

Erfreulich sei, dass die Zahl der Buchungen derzeit für die Ferienmonate Juli und August wieder zunehme, sagte Geditz. «Das Vorjahresniveau werden wir da aber nicht erreichen. Die Lage bleibt prekär.» Im Saarland gibt es fünf Jugendherbergen.

Angst im Lehrerkollegium - Philologenverband will bei Abstand bleiben

Lehrkräfte an den Gymnasien in Rheinland-Pfalz sind besorgt, dass bei einem Verzicht auf die Abstandsregel mit Beginn des neuen Schuljahrs das Risiko von Corona-Infektionen wächst. «Viele Kollegen haben mir zurückgespiegelt: Sie haben Angst», sagte die Landesvorsitzende des Philologenverbands, Cornelia Schwartz, der Deutschen Presse-Agentur.

Sie hoffe, dass sich das Bildungsministerium in dem für diese Woche angekündigten Hygieneplan für das neue Schuljahr doch noch entschließe, bei der Abstandsregel von 1,50 Metern zu bleiben, sagte Schwartz. Bei einer Aufhebung der Abstandsregel in der Schule sei zu befürchten, dass dann auch außerhalb der Schule die Bereitschaft nachlasse, sich daran zu halten.

Bei Wiederaufnahme des vollen Regelbetriebs gebe es in einer Klasse mit 30 Jugendlichen kaum eine Chance, Abstand zu halten, sagte die Landesvorsitzende des Philologenverbands. Bevor es in der Schule andere Abstandsregelungen gebe als außerhalb davon, hätte sie sich die Entscheidung gewünscht: «Wir leisten uns das, was wir schon immer hätten leisten müssen, nämlich kleinere Klassen.» Für die dann erforderliche Einstellung zusätzlicher Lehrkräfte müssten die Mittel bereitgestellt werden. «Für die Lufthansa gab es ja auch Geld.»

Sie hoffe, dass es zum Start des neuen Schuljahres eine Lösung gebe, mit der alle gut umgehen könnten, sagte Schwartz. «Die schlechteste aller Lösungen wäre es, wenn wir reinstolpern in ein neues Schuljahr, alles aufmachen und dann bei einem Anstieg der Infektionszahlen wieder Schulen schließen müssten.»

 

30.06.2020 20.00 Uhr

Wieder regulärer Schulunterricht in Hessen nach den Sommerferien

Mitte August soll an den Schulen wieder Normalität einziehen - zumindest in großen Teilen. Voraussetzung ist, dass die Infektionszahlen überschaubar bleiben. Wissenslücken sollen die Schüler bis dahin schließen.

Fünf Monate nach Beginn der coronabedingten Zwangspause sollen die Schulen in Hessen Mitte August zu einem weitgehend regulären Präsenzunterricht zurückkehren. Dies gelte für alle Kinder und Jugendlichen zu Beginn des neuen Schuljahres, wie Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden ankündigte. Im Unterricht soll das Abstandsgebot dann nicht mehr gelten.

«Wir gehen diesen Schritt aus Überzeugung - wohlwissend, dass es ein Nullrisiko nicht geben kann und dass im Bedarfsfall lokal oder auch flächendeckend erneut Einschränkungen erforderlich werden können», erklärte der Minister. Er berief sich auf medizinische Empfehlungen und die Ergebnisse einer Konzeptgruppe, in der Vertreter von Schülern, Eltern, Lehrern, Ministerium und Schulämtern mitgearbeitet hätten.

Seit Wiederaufnahme des Unterrichts in Hessen nach der coronabedingten Zwangspause, die Mitte März begonnen hatte, sind die Schüler abwechselnd in kleineren Gruppen unterrichtet worden. In den Grundschulen hat bereits am 22. Juni wieder normaler Präsenzunterricht begonnen, allerdings können die Eltern bislang noch selbst entscheiden, ob ihr Kind zur Schule geht oder zuhause lernt. Die bisherigen Rückmeldungen zeigten, dass sich die Kinder mit großer Ernsthaftigkeit an die Corona-Regeln hielten, sagte Lorz.

Im neuen Schuljahr gilt wieder Präsenzpflicht für alle Schüler und Lehrer. Ausnahmen seien nur mit einem ärztlichen Attest möglich, teilte Lorz mit. Lehrer könnten sich bei Bedarf kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Die Schüler, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könnten, sollen digital zugeschaltet werden. Bei Bedarf werde ihnen ein entsprechendes Gerät geliehen.

Das Wichtigste sei, dass die Kinder wieder jeden Tag in die Schule könnten, sagte Lorz. Es habe sich gezeigt, dass die soziale Interaktion dort nicht zu ersetzen sei. Es werde weitgehend regulären Unterricht geben - allerdings unter Pandemie-Bedingungen.

So können Schulen je nach Möglichkeit vor Ort feste Lerngruppen einrichten, die sich untereinander nicht mischen. Hygieneregeln müssten eingehalten werden - dazu gehören Flächendesinfektion, häufiges Händewaschen, Vermeidung von Körperkontakt und Mund-Nasen-Bedeckungen außerhalb der Unterrichtsräume. Für den Fall steigender Infektionszahlen lägen alternative Szenarien vor.

Grundsätzlich soll es bei den bestehenden Lehrplänen und Curricula bleiben. Einzelne Anpassungen seien aber möglich. Auch das Sitzenbleiben werde wieder eingeführt. Damit Schüler Wissenslücken auffüllen können, sind Ferienangebote geplant, auch digital. An diesem Freitag (3.7.) ist der letzte Schultag vor Beginn der sechswöchigen Sommerferien.

Auch Musik- und Sportunterricht sollen unter Einschränkungen wieder angeboten werden, sagte der Minister. Mehrtägige Klassenfahrten sind hingegen untersagt.

Lorz sagte, er rechne mit einer Ausfallquote bei den Lehrern von zehn Prozent. Der Verband der Lehrer Hessen hatte bereits einen besseren Schutz gefordert: Neben Masken und Visieren für Lehrkräfte brauche man Plexiglas-Schutzwände für die Pulte und Desinfektionsspender in jedem Klassenraum. Das Ministerium kündigte erneute Lieferungen von Mund-Nasen-Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Schutzhandschuhen, Kitteln und Gesichtsschutzschilden an.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte das Konzept. Die Devise des Ministeriums sei «Es wird schon alles gut gehen», doch die Pandemie sei noch nicht vorbei. Es fehle ein Plan B im Fall einer zweiten Welle von Infektionen im Herbst. Die Schulen müssten darauf vorbereitet werden, dass auch im kommenden Schuljahr ein Wechsel aus Präsenzunterricht und angeleitetem Lernen zu Hause notwendig werden könne. Die Schule solle weitergehen, doch müssten Arbeits- und Gesundheitsschutz beachtet werden. «Hier sind die Spielräume nicht wahrgenommen worden», kritisierte der Landesverband der Gewerkschaft.

Büffeln in den Ferien - Angebote für Schüler mit Nachholbedarf

Etwaige Wissenslücken in Deutsch, Mathematik und Englisch, die sich in der Corona-Zwangspause aufgetan haben, können hessische Schüler mit Büffeln in den Ferien schließen. Die Ferienakademie 2020 ist laut Landesregierung kostenlos und gilt für die Jahrgangsstufen 1 bis 8. Das Angebot steht in den letzten beiden Ferienwochen kostenlos zur Verfügung.

Unterrichtet wird in Kleingruppen von externem Personal wie Lehramtsstudierenden, Mitarbeiter von Nachhilfeinstituten und Volkshochschulen sowie Ehrenamtlichen; bisher gebe es mehrere hundert Bewerber hierfür. Mehrere tausend Schüler hätten sich gemeldet und er sei zuversichtlich, dass sich dies gut zusammenführen lasse, sagte Minister Alexander Lorz (CDU).

Zudem soll es Sommercamps geben, die von den Schulen unter finanzieller Förderung des Kultusministeriums angeboten werden können. Das Konzept orientiert sich an den sonst angebotenen Ostercamps, die in diesem Jahr wegen der Pandemie nicht stattfinden konnten. Hinzu kommt «Ferdi», ein digitales Ferienförderangebot für Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 5 mit Nachholbedarf beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Hier können die Kinder zuhause am Rechner lernen.

Ministerium: Abschlussprüfungen an Schulen trotz Corona erfolgreich

Die Schüler in Schleswig-Holstein haben nach Angaben des Bildungsministeriums trotz wochenlanger Schulschließungen und anderer Widrigkeiten wegen der Corona-Pandemie die Abschlussprüfungen erfolgreich beendet. Demnach erwarben 11 500 Abiturienten die allgemeine Hochschulreife. Gut 22 900 Schüler nahmen laut Mitteilung vom Dienstag an den allgemein bildenden Schulen an den Abschlussprüfungen teil. Hinzu kämen insgesamt 25 000 Abschlüsse an den Berufsschulen. Die Noten bewegten sich insgesamt auf dem Niveau der Vorjahre, hieß es.

Die durchschnittlichen Abiturnoten wichen mit 2,44 (2,48) an den Gymnasien und mit 2,65 (2,63) an den Gemeinschaftsschulen nur minimal von den Vorjahreswerten ab. Die Bestnote 1,0 wurde 126 Mal vergeben - 112 Mal an Gymnasien und 14 Mal an Gemeinschaftsschulen. An den Beruflichen Gymnasien bestanden 2122 Schüler die Abiturprüfung mit einem Mittelwert der Abiturdurchschnittsnote von 2,60 (2019: 2,63). 17 Schüler freuten sich über die Bestnote. Darüber hinaus schafften nicht ganz 500 Schüler an den Berufsoberschulen der Beruflichen Schulen und Regionalen Berufsbildungszentren die allgemeine Hochschulreife.

Der Anteil der nicht bestandenen Prüfungen betrug an den Gymnasien 3,2 Prozent, nach 4,0 im Vorjahr. An den Gemeinschaftsschulen waren es wie im Vorjahr 4,6 Prozent und an den Beruflichen Gymnasien 5,18 Prozent (5,1). In der Sekundarstufe I war der Landesdurchschnitt in den drei schriftlichen zentralen Prüfungen (Englisch, Deutsch, Mathematik) mit 3,3 besser als im Vorjahr.

Wieder gemeinsamer Schulunterricht in Hessen nach den Sommerferien

Mitte August wird an Hessens Schulen wieder Normalität einziehen - zumindest zu großen Teilen. Voraussetzung ist, dass die Infektionszahlen in der Corona-Pandemie überschaubar bleiben.

Die Schulen in Hessen sollen nach Ende der Sommerferien Mitte August zu einem weitgehend regulären Präsenzunterricht für alle Kinder und Jugendlichen zurückkehren. Das Abstandsgebot wegen der Corona-Pandemie gelte dann nicht mehr im Unterricht, kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden an.

«Wir gehen diesen Schritt aus Überzeugung - wohlwissend, dass es ein Nullrisiko nicht geben kann und dass im Bedarfsfall lokal oder auch flächendeckend erneut Einschränkungen erforderlich werden können», erklärte der Minister. Er berief sich auf medizinische Empfehlungen und die Ergebnisse einer Konzeptgruppe, in der Vertreter von Schülern, Eltern, Lehrern, Ministerium und Schulämtern mitgearbeitet hätten.

Seit Wiederaufnahme des Unterrichts in Hessen nach der coronabedingten Zwangspause sind die Schüler abwechselnd in kleineren Gruppen unterrichtet worden. In den hessischen Grundschulen hat bereits am 22. Juni wieder ein normaler Präsenzunterricht begonnen, allerdings können die Eltern bislang noch selbst entscheiden, ob ihr Kind zur Schule geht oder den Unterrichtsstoff zuhause lernt. An diesem Freitag (3.7.) ist der letzte Schultag vor Beginn der sechswöchigen Sommerferien.

Im neuen Schuljahr gilt dann wieder Präsenzpflicht für alle Schüler und Lehrer. Ausnahmen seien nur mit einem ärztlichen Attest möglich, teilte Lorz mit. Lehrer könnten sich bei Bedarf kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Die Schüler, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könnten, sollen digital ins Klassenzimmer geschaltet werden. Bei Bedarf werde ihnen ein entsprechendes Gerät geliehen.

Das Wichtigste sei, dass die Kinder wieder jeden Tag in die Schule könnten, sagte Lorz. Es habe sich gezeigt, dass die soziale Interaktion dort nicht zu ersetzen sei. Es werde einen weitgehend regulären Unterricht geben - allerdings unter Pandemie-Bedingungen. Es solle feste Lerngruppen geben, die sich untereinander auch nicht zum Fachunterricht mischen sollen. Diesen würden Lehrer fest zugeteilt. Auch Hygieneregeln müssten eingehalten werden. Für den Fall steigender Infektionszahlen lägen alternative Szenarien vor.

Grundsätzlich soll es bei den bestehenden Lehrplänen und Curricula bleiben. Einzelne Anpassungen seien aber möglich. Auch das Sitzenbleiben werde wieder eingeführt. Musik- und Sportunterricht sollen unter Einschränkungen angeboten werden, sagte der Minister. Damit Schüler entstandene Lücken auffüllen können, sind Ferienangebote geplant, auch digital.

 

29.06.2020 20.45 Uhr

Aufgaben zu schwer - Bremen hebt Mathe-Abitur-Noten um zwei Punkte an

Weil der Notendurchschnitt bei den Abiturprüfungen im Fach Mathematik schlechter ist als üblich, hebt die Bremer Schulsenatorin die Noten um jeweils zwei Punkte an. Die Aufgaben aus dem zentralen Abitur-Pool der Bundesländer seien offenbar wegen des Aufbaus und der Verständlichkeit der Texte sehr schwierig gewesen. «Wir gehen davon aus, dass es sich weniger um ein Corona-bedingtes Phänomen handelt, als vielmehr um die Schwere der Aufgaben», sagte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) am Montag. In vielen anderen Bundesländern seien diese Aufgaben entweder nicht ausgewählt oder sprachlich erheblich modifiziert worden. Die Maßgabe, vom kommenden Schuljahr an die Pool-Aufgaben des Berliner Instituts für Bildungswesen (IQB) nehmen zu müssen, werde ausgesetzt.

Schon im vergangenen Jahr seien die Noten angehoben worden. Gemeinsam mit Kultusministern anderer Bundesländer habe sie das IQB zum Handeln aufgefordert, aber es sei bislang dort so gut wie nichts passiert, kritisierte Bogedan. Das Thema solle weiter diskutiert werden. Die Aufgaben sollten auch konsequenter angepasst werden; beziehungsweise sollten mehr eigene Aufgaben konzipiert und mit anderen Bundesländern ausgetauscht werden. In anderen Fächern werde es keine pauschale Anhebung der Abiturnoten geben.

In der vergangenen Woche hatte bereits Sachsen die Abiturnoten im Fach Mathematik um jeweils einen Punkt angehoben. Eine Erhebung bei den Gymnasien habe ergeben, dass der Notendurchschnitt im Leistungskurs im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Punkte schlechter gewesen sei, hatte das Kultusministerium den Schritt begründet. Die gestellten Aufgaben entsprachen laut Ministerium zwar grundsätzlich dem sächsischen Lehrplan. Allerdings musste in einigen Aufgaben das erworbene Wissen auf neue und unbekannte Sachverhalte angewendet werden.

Kultusminister stellt Leitlinien für Schulen nach Sommerferien vor

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) wird am (morgigen) Dienstag in Wiesbaden (12.00 Uhr) in den Corona-Leitlinien vorstellen, wie Hessens Schulen nach den Sommerferien ins neue Schuljahr starten sollen. Das Konzept haben Experten des Ministeriums zusammen mit den Schulleitern aller Schulformen und aus allen Regionen im Land erarbeitet. Mit am Tisch saßen auch Vertreter der Eltern und Schüler. Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, dass möglichst alle Schüler in Hessen wieder an fünf Tagen in der Woche in die Schule gehen können.

NRW-Schulen holen digital auf: Lehrer und Schüler bekommen Laptops

Der Corona-Shutdown hat gezeigt, woran es in den Schulen fehlt: Jetzt sollen Lehrer und Schüler mit Laptops ausgestattet werden. Auch Direktoren wird digitale Fortbildung angeboten.

Das Land will rund 350 Millionen Euro für die Ausstattung von Lehrern und Schülern mit digitalen Endgeräten sowie Angebote der Fortbildung investieren. Die rund 200 000 Lehrer in Nordrhein-Westfalen sollen Laptops oder Computer erhalten, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag in Düsseldorf. Für Schüler aus Familien, die sich keinen Computer oder Laptop leisten können, sollen Leihgeräte gekauft werden.

Außerdem sollen bis Jahresende 2022 alle Schulen mit dem leistungsfähigen Netz verbunden sein, sagte die Ministerin. Wegen der Coronavirus-Pandemie waren die Schulen im Frühjahr wochenlang geschlossen und die Schüler mit digitalen Hilfsmitteln unterrichtet worden.

Alleine für die Geräte der Lehrer stünden 103 Millionen Euro zur Verfügung, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer am Montag in Düsseldorf. Damit würden die Voraussetzungen geschaffen, «dass unsere Lehrerinnen und Lehrer alle Chancen digitaler Medien für ihren Unterricht nutzen und auch online unterrichten können», sagte die FDP-Politikerin.

Schüler, die sich aus sozialen oder wirtschaftlichen Gründen keinen Laptop oder Computer leisten können, sollen leihweise ein Gerät bekommen. Die Schüler selbst müssten die Bedürftigkeit nicht nachweisen. Die Lehrer sollen die Schüler benennen, die ein Gerät bekommen sollen. Dafür seien rund 178 Millionen Euro reserviert.

Voraussetzung für digitales Lernen ist ein schnelles Internet. Ziel der Landesregierung sei, bis Jahresende 2022 alle Schulen mit dem leistungsfähigen Netz zu verbinden, sagte die Ministerin. Inzwischen sei knapp ein Drittel der NRW-Schulen angeschlossen. 40 Prozent seien bei der Umsetzung, bei weiteren 23 Prozent sei dies vorgesehen. Bei sieben Prozent gebe es noch keine Planungen der Schulträger.

Gebauer bekräftigte, dass das nächste Schuljahr an den Schulen im Regelbetrieb starten solle. Zugleich hat das Schulministerium das Lernen auf Distanz pädagogisch aufgearbeitet. Für 36 Millionen Euro wurde die Schulplattform Logineo und ein weiteres Lernmanagementsystem entwickelt, um die Digitalisierung der Schulen, das daran angepasste Arbeiten der Lehrer und das Lernen mit digitalen Medien zu unterstützen. Die Vorbereitung weiterer Angebote, etwa eines Messenger-Dienstes mit einer Videokonferenzlösung seien abgeschlossen.

Das Ministerium wolle zum neuen Schuljahr landesweite, digitale Fortbildungsangebote auch für Direktoren anbieten, sagte Gebauer. So sollen die Schulleiter zur Entwicklung von Unterricht und Schule in der digitalisierten Welt qualifiziert werden. Außerdem sind «Webinare» in Planung, um Lehrkräfte bei der Gestaltung von Distanzunterricht zu unterstützen.

 

28.06.2020 19.00 Uhr

Kitas und Grundschulen öffnen vollständig

Die Eltern haben darauf gedrungen: Grundschulen und Kitas sollen von diesem Montag an einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen anbieten. Aber von Normalität ist man noch entfernt.

Kitas und Grundschulen sollen von diesem Montag an wieder eine Art Regelbetrieb anbieten. Mit einer Betreuung und einem Unterricht wie zu Zeiten vor dem Coronavirus können Eltern und Kinder aber wohl nicht rechnen. Die Gewerkschaft GEW geht von Einschränkungen aus, weil zum Beispiel Erzieher und Lehrer fehlen, die zu Corona-Risikogruppen gehören. Das Abstandsgebot in den Kitas und Grundschulen wird fallen. Die grün-schwarze Landesregierung stützt sich dabei auf eine Studie mit Kindern bis zu zehn Jahren. Sie hat ergeben, dass Kinder keine Treiber der Infektionen sind.

Allerdings gibt es besondere Maßnahmen: Kinder aus einer Gruppe sollen sich in den Kitas und auch in den Grundschulen nicht mit Kindern aus anderen Gruppen durchmischen. In Grundschulen soll der tägliche Unterricht zeitlich versetzt für die verschiedenen Klassen beginnen. Schwerpunkte des Unterrichts sollen Mathe, Deutsch und Sachkunde sein. Es gilt aber weiterhin keine Schulpflicht: Kinder, die etwa aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Schule kommen möchten, sollen weiter zu Hause unterrichtet werden. Die GEW pocht darauf, dass die Schulträger mehr Reinigungskräfte einstellen, um Flächen und Türklinken wie vorgeschrieben zu desinfizieren.

Mitte März hatten die Schulen in Baden-Württemberg wegen des Coronavirus komplett geschlossen. Die Abschlussklassen sind bereits seit dem 4. Mai zurück in die Schulen gekehrt, die Viertklässler seit Mitte Mai. Seit Mitte Juni gibt es bereits an allen Schulen in Baden-Württemberg einen Unterricht im Schichtbetrieb im Wechsel mit dem Fernunterricht und mit einem abgespeckten Stundenplan.

Coronavirus in Schulen in Göppingen - eine Grundschule geschlossen

Die Eltern haben darauf gedrungen: Grundschulen und Kitas sollen von Montag an einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen anbieten. Doch in Göppingen muss erst einmal eine Schule wieder zumachen.

Vor der für diesen Montag geplanten weiteren Öffnung von Kitas und Grundschulen in Baden-Württemberg verursacht das Coronavirus in Göppingen Wirbel. Dort wurde nach Angaben eines Stadtsprechers eine Grundschule bis einschließlich Mittwoch geschlossen, weil bei einem Kind, das die Schule besucht, eine Infektion mit dem Virus festgestellt worden war. Nach Angaben des Landkreises Göppingen vom Samstagabend ist an insgesamt fünf Schulen je ein Schüler positiv auf das Virus getestet worden. Drei Schulen befänden sich in Göppingen, zwei Schulen seien in Geislingen.

«Das Gesundheitsamt hat mit den jeweiligen Schulen Kontakt aufgenommen und die Mitschülerinnen und Mitschüler und Lehrkräfte der betroffenen Klassen in Quarantäne versetzt», teilte der Landkreis mit. Auch weitere Kontaktpersonen sollten getestet werden. Ob neben der Uhland-Grundschule in Göppingen auch die vier weiteren betroffenen Schulen schließen sollen, war am Sonntag zunächst unklar.

Seit Mitte Juni gibt es an allen Schulen im Südwesten einen Unterricht im Schichtbetrieb im Wechsel mit dem Fernunterricht und mit einem abgespeckten Stundenplan. An diesem Montag sollen Kitas und Grundschulen in eine Art Regelbetrieb starten. Das Abstandsgebot in den Einrichtungen wird dann fallen. Die grün-schwarze Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) stützt sich dabei auf eine Studie mit Kindern bis zu zehn Jahren. Sie hat ergeben, dass Kinder keine Treiber der Corona-Infektionen sind.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte nicht ausgeschlossen, dass Kitas und Grundschulen wieder geschlossen werden müssen, falls es Corona-Infektionsherde gibt. Die Uhland-Schule ist nicht die erste Schule, die wegen des Coronavirus wieder zumachen musste.

Sachsen-Anhalt zahlt Stornokosten für abgesagte Klassenfahrten

Sachsen-Anhalt ist bislang mit 850 000 Euro für Stornierungskosten von coronabedingt abgesagten Klassen- und Studienfahrten aufgekommen. Mehr als 600 Anträge seien geprüft, 592 bis Mitte der Woche angewiesen worden, teilte das Bildungsministerium in Magdeburg auf Nachfrage mit. Im Landesschulamt lägen zudem mehrere Hundert Anträge vor. Sie würden nach und nach bearbeitet. Es gingen stetig weitere Anträge ein.

Der Topf mit dem Geld für die Stornokosten ist noch gut gefüllt. Nach einem Beschluss des Finanzausschusses stehen laut dem Ministerium rund sechs Millionen Euro für die Erstattung der Stornierungskosten bereit. Darüber, wie viele Fahrten abgesagt wurden, hat das Ministerium derzeit keinen Überblick. Nicht für alle würden Stornokosten fällig. Einen Annahmeschluss für die Anträge zu den Stornokosten gebe es nicht, schließlich dauerten Verhandlungen mit den Reiseunternehmen noch an.

Sachsen-Anhalt hatte am 10. März alle Schulfahrten sowie Schüleraustausche ausgesetzt. Die Schulleitungen wurden aufgefordert, bis auf eintägige Fahrten innerhalb Sachsen-Anhalts, alle Reisen abzusagen. Das Land sagte zu, nicht abwendbare Stornierungskosten zu übernehmen.

Und wie sieht es in Zukunft mit Klassenfahrten aus? Das Ministerium teilte dazu mit, Schulen könnten für das kommende Schuljahr Buchungen vornehmen, wenn der Vertrag mit den Veranstaltern kostenfrei stornierbar ist. «Lehnt ein Veranstalter diese Möglichkeit ab, darf nicht gebucht werden», hieß es.

Expertin: Corona-Zwangspause für schulvermeidende Kinder riskant

Die Corona-Pandemie hat den Schulalltag völlig umgekrempelt. Für schulvermeidende Kinder kann die Rückkehr in die Schule schwer sein. Schulpsychologen rechnen in den kommenden Wochen mit mehr Arbeit.

Der Schulausfall während der Corona-Zeit kann aus Sicht von Fachleuten für Kinder mit Angststörungen auch im Nachhinein problematisch sein. «Für die meisten Schüler und Schülerinnen mit Schulangst oder Schulphobie war die Situation nicht günstig», sagte die Referatsleiterin der schulpsychologischen Beratung beim Landesschulamt, Carola Wilhayn, in Halle. Die Schulpsychologen und Schulpsychologinnen im Land rechnen für die kommenden Wochen mit mehr Beratungsanfragen - und loben zugleich die Arbeit an vielen Schulen.

Die beiden Angststörungen, die im Zusammenhang mit einem Schulbesuch am bekanntesten seien, seien Schulangst und Schulphobie, erklärte Wilhayn. Schulangst könne sich entweder als Angst vor einer negativen Bewertung, etwa der Furcht vor schlechten Noten, oder als eine soziale Angst, etwa der Angst vor Spott durch andere, äußern. Kinder mit einer Schulphobie spürten hingegen eher Angst, sich für einen längeren Zeitraum von ihren engsten Bezugspersonen zu trennen. In beiden Fällen mieden die Kinder in der Folge die Schule.

Die Corona-Krise sei eine völlig unerwartete Ausnahmesituation gewesen. «Die Schulen mussten sich innerhalb kurzer Zeit komplett umstellen und neue Wege finden, um trotzdem mit den Schülerinnen und Schülern Kontakt zu halten», sagte die Schulpsychologin. Anfangs seien die schulpsychologischen Angebote daher zweitrangig gewesen. «Es gab nur vereinzelt Anfragen von Eltern, die mit der Doppelrolle, auch noch Lehrer zu sein, überfordert waren», so Wilhayn. Auch einige Telefonate im Kontext häuslicher Gewalt führten die Experten und Expertinnen der schulpsychologischen Beratungen anfänglich.

Für die Schüler und Schülerinnen mit den Angststörungen könne die Wiedereröffnung der Schulen zu Schwierigkeiten führen. «Wir rechnen damit, dass in den kommenden Wochen mehr Beratungsanfragen auf uns zukommen», sagte Wilhayn. Der Grund: Die betroffenen Kinder würden womöglich wieder häufiger mit ihren Ängsten konfrontiert werden und könnten dadurch ein verstärktes Vermeidungsverhalten zeigen. «Bei Kindern mit Schulphobie sehe ich ein stärkeres Risiko der Schulvermeidung», so die Expertin. Denn sie waren während der Schulpause ihren Ängsten vor der Trennung von Zuhause nicht ausgesetzt und würden nun wieder umso mehr mit dieser konfrontiert.

Auch für Kinder mit sozialen Ängsten könne der Neustart schwierig sein. «Sie konnten sich während der Corona-Zeit sozial zurückziehen und im heimischen Schutzraum trotzdem oder vielleicht sogar besser ihre Leistungen zeigen», sagte Wilhayn. Nun würden die Ängste, etwa vor Hänseleien oder mündlichen Vorträgen vor der Klasse, wieder aufkommen. Für Kinder mit Angst vor einer Leistungsbewertung sei eine Prognose schwieriger. «Die meisten Lehrkräfte sind vorsichtig an das Thema Leistungsbewertung herangegangen», lobte die Expertin. Die Angst vor schlechten Noten sei daher womöglich noch nicht so präsent.

Nach Angaben des Sozialministeriums im Land sind die Aufgaben der Schulpsychologen und Schulpsychologinnen vielseitig. Sie unterstützten nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern und Lehrkräfte bei schulbezogenen Fragen - oft in Zusammenarbeit mit Sozialarbeiter, Vertrauenslehrkräften oder dem Jugendamt. Das kann Themen wie Lern- und Verhaltensschwierigkeiten, aber auch Krisensituationen betreffen. Darüber hinaus bieten die Fachleute Fortbildungen für Lehrer und Lehrerinnen an.

In der Regel zeige die Schule einen Beratungsbedarf beim Landesschulamt an, hieß es. Auch Eltern könnten im Einzelfall direkt oder über die Schule ihres Kindes den Kontakt zu den Beratenden herstellen. Insgesamt gebe es 25 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen in Sachsen-Anhalt, erklärte Wilhayn. Die Prävalenz - sprich die Häufigkeit aller Fälle - liegt bei den Angststörungen von Kindern bei etwa zehn Prozent.

Für Kinder mit sozialen Ängsten oder jenen, die Sorge hätten, den Leistungsanforderungen nicht gewachsen zu sein, könne der Neustart nach Corona aber auch eine Chance sein, betonte Wilhayn. Mitunter hätten die Schülerinnen und Schüler während der Phase der Schulschließung gemerkt, dass ihnen die Schule doch gefehlt habe. Wichtig sei, stets den individuellen Fall zu betrachten und die Ursachen für das schulvermeidende Verhalten zu finden.

Mit Blick auf die Sommerferien rät die Schulpsychologin, die Zeit zu nutzen. «Jeder hat sich die Sommerzeit verdient», sagte Wilhayn. Eltern von Kindern mit Ängsten könnten die Situation aber dafür verwenden, sich beraten zu lassen und zu informieren. Die Beratungen der Schulpsychologen und Schulpsychologinnen sind nach Angaben des Sozialministeriums kostenlos.

Ministerin: Alle Schulen bekommen Lernmanagementsystem

Zum neuen Schuljahr soll allen Schulen im Norden ein einheitliches Lernmanagementsystem zur Verfügung stehen. Schleswig-Holstein werde das in anderen Bundesländern erfolgreich eingesetzte System itslearning einführen, kündigte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Freitag an. «Das ist ein großer Schritt, damit wir unser Ziel erreichen, digitales Lernen und Lehren in allen Schulen und für alle Schülerinnen und Schüler zum Standard zu machen.» Nicht zuletzt die Corona-Pandemie habe deutlich gemacht, dass an der Digitalisierung von Unterricht und Lernen kein Weg mehr vorbeigehe.

«Digitale Angebote können und sollen den Präsenzunterricht und das soziale Erleben im schulischen Alltag nicht ersetzen, aber wir brauchen sie als innovative Ergänzung und zur Weiterentwicklung unserer Schulen in einer zunehmend digitalen Welt», sagte Prien. Das cloudbasierte System ermögliche eine datenschutzkonforme Kommunikation und Kooperation aller an Schule Beteiligten, erläuterte das Ministerium. Lehrer könnten damit Unterrichtsmaterial bereitstellen und Aufgaben erteilen, Schüler könnten gemeinsam an Projekten arbeiten und untereinander kommunizieren. Auch Eltern könnten einbezogen werden in die Kommunikation der Schule.

Außerdem erhielten die Schulen auch Zugriff auf den Video-Konferenzdienst des Landes. Schrittweise bekämen alle Lehrer eine dienstliche E-Mail-Adresse. Für die digitale Modernisierung der Schulen und zusätzliches Personal bringt das Land laut Bildungsministerium 74 Millionen Euro zusätzlich auf.

 

26.06.2020 13.23 Uhr

Hessen will Ferienakademie für Schüler mit Nachholbedarf anbieten

Um coronabedingte Wissenslücken bei Schülern zu füllen, soll es in Hessen in den letzten beiden Wochen der Sommerferien ein kostenloses Lernangebot vom Land geben. In der «Ferienakademie 2020» werde in Kleingruppen Deutsch, Mathematik und gegebenenfalls Englisch gebüffelt, teilte das Kultusministerium am Freitag in Wiesbaden mit. Das Angebot gilt für die Jahrgangsstufen 1 bis 8, von Montag bis Donnerstag zwischen 9.00 und 13.00 Uhr.

«Durch die Schließung unserer Schulen ist den Schülerinnen und Schülern Unterrichtsstoff entgangen, der nicht so einfach nachzuholen ist», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Die Ferienakademie richte sich an Mädchen und Jungen mit Nachholbedarf und solle den Start ins neue Schuljahr erleichtern.

Die Kurse werden laut Ministerium überwiegend von externem Personal gegeben, darunter Lehramtsstudierende, Mitarbeiter von Nachhilfeinstituten und Volkshochschulen sowie Ehrenamtliche. Lorz zeigte sich zuversichtlich, dass sich ausreichend geeignete Männer und Frauen melden, die sich in den Ferien etwas hinzuverdienen wollen.

Gebauer: Weitere 55 Millionen für digitale Geräte für Schüler

In der Corona-Krise drohen sozial benachteiligte Schüler abgehängt zu werden. Nicht jeder hat zuhause einen Laptop oder Computer. Das soll sich aber bald ändern.

Für die digitale Ausstattung der Schulen und benachteiligter Schüler in Nordrhein-Westfalen stellt die Landesregierung weitere 55 Millionen Euro bereit. Damit werde das Sofortausstattungsprogramm des Bundes, aus dem NRW gut 100 Millionen Euro bekomme, aufgestockt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag im Schulausschuss des Landtags.

Mit dem Sofortprogramm soll in der Corona-Zeit und darüber hinaus vor allem Schülern aus einkommensschwächeren Familien die Teilnahme am Unterricht auf Distanz mit Laptops, Notebooks oder Tablets ermöglicht werden. Durch die Aufstockung der Hilfe werde eine Ausstattung mit Endgeräten für alle Schüler mit besonderem Bedarf ermöglicht, sagte Gebauer. Die Geräte verblieben im Eigentum der Schulträger. Auch nach einem Ende der Corona-Pandemie seien sie von Nutzen. Die Ministerin will am Montag Einzelheiten des Digitalisierungsprogramms der Schulen vorstellen.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte vor dem Hintergrund der fortdauernden Corona-Krise am Mittwoch verstärkte Investitionen in die Digitalisierung der Schulen angekündigt. Sozial benachteiligte Schülern sollten ein mobiles Endgerät erhalten. Alle Lehrkräfte würden mit digitalen Endgeräten und Software ausgestattet. Die digitale Lernplattform Logineo solle den Schülern auch für den Unterricht zu Hause zur Verfügung gestellt werden.

Die Mittel für Digitalisierungsvorhaben belaufen sich nach Angaben der Landesregierung auf insgesamt 381 Millionen Euro. Davon kommen 260 Millionen Euro aus Landesmitteln. Das Sofortausstattungsprogramm des Bundes für bedürftige Schüler und Schulen in der Corona-Krise umfasst insgesamt eine halbe Milliarde Euro.

Die rund 2,5 Millionen Schüler in NRW sollen nach dem Willen der Landesregierung nach den Sommerferien wieder jeden Tag zum Unterricht in die Schule gehen. Sollte wegen des Corona-Infektionsgeschehens phasenweise kein Präsenzunterricht möglich sein, findet der Unterricht auf Distanz statt. Ziel sei aber so viel Präsenzunterricht wie möglich, hatte Gebauer gesagt.

Bildungsexperten und Lehrerverbände warnen davor, dass Schüler in der Corona-Krise abgehängt werden könnten, wenn zu Hause keine Geräte wie Laptops, PCs oder Tablets vorhanden seien oder Eltern sie nicht in der außergewöhnlichen Lernsituation unterstützen könnten.

Kitas und Grundschulen öffnen vollständig - Einschränkungen bleiben

Von diesem Montag an sollen Grundschulen und Kitas im Südwesten zum Regelbetrieb zurückkehren, soweit dieser in Corona-Zeiten möglich ist. Die Gewerkschaft GEW rechnet aber weiter mit Einschränkungen. Einige Kitas hätten zum Beispiel ihre Öffnungszeiten reduziert, sagte GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider am Freitag in Stuttgart. In den Grundschulen gebe es einen veränderten Stundenplan. Grund dafür sei der Mangel an Personal und geeigneten Räumen. Der Fachkräftemangel - auch in den Kitas - habe sich in Corona-Zeiten noch verschärft, meinte Schneider.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte von einer Rückkehr zu einem Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen gesprochen. Das Abstandsgebot wird in Kitas und Grundschulen fallen. Kinder aus einer Gruppe sollen sich aber in den Kitas und auch in den Grundschulen nicht mit Kindern aus anderen Gruppen durchmischen.

In Grundschulen soll der tägliche Unterricht zeitlich versetzt für die verschiedenen Klassen beginnen. Schwerpunkte des Unterrichts sollen Mathe, Deutsch und Sachkunde sein. Es gilt aber weiterhin keine Schulpflicht: Kinder, die etwa aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Schule kommen möchten, sollen weiter zu Hause unterrichtet werden.

Mitte März hatten die Schulen in Baden-Württemberg wegen des Coronavirus komplett geschlossen. Die Abschlussklassen sind bereits seit dem 4. Mai zurück in die Schulen gekehrt, die Viertklässler seit Mitte Mai. Seit Mitte Juni gibt es an allen Schulen in Baden-Württemberg einen Unterricht im Schichtbetrieb im Wechsel mit dem Fernunterricht und mit einem abgespeckten Stundenplan.

Regelstudienzeit wird um ein Semester verlängert wegen Corona

Wegen der Corona-Pandemie wird die Regelstudienzeit für Studenten in Baden-Württemberg um ein Semester verlängert. Dies gelte für alle Studenten, die im Sommersemester 2020 eingeschrieben seien, teilte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Freitag in Stuttgart mit.

Wichtig sei das vor allem für Bafög-Empfänger, weil diese wegen möglicher Verzögerungen im Studium ansonsten ihren Anspruch auf die staatliche Unterstützung verlieren könnten. «Niemand soll sich wegen der Corona-Pandemie um seine Bafög-Förderung Sorgen machen müssen», sagte Bauer.

Viele Studienangebote sind wegen des Coronavirus auf digitale Formate umgestellt worden. Zudem sei häufig das Angebot der Bibliotheken eingeschränkt - ebenso wie die Möglichkeit, Labore zu nutzen und an Exkursionen und Praxiseinheiten teilzunehmen, hieß es.

Keine Zwischenfälle seit Öffnung der Grundschulen

Die erste Woche seit der Rückkehr der Grundschüler geht ohne große Zwischenfälle zu Ende. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums gab es bislang keine Infektionsfälle an einer der 1159 hessischen Grundschulen. Seit Montag wird der überwiegende Teil der 216 000 hessischen Grundschüler wieder gemeinsam im Klassenverband unterrichtet. Auch in der nächsten Woche gehen die Grundschüler noch zur Schule - dann beginnen die Ferien.

Für die beiden Abschlusswochen wurde die Schulbesuchspflicht in Hessen aufgehoben, die Schüler dürfen auch zu Hause lernen, wenn die Eltern das wollen. Landesweit seien rund 90 Prozent der Schüler zurückgekehrt, schätzt das hessische Kultusministerium. Allerdings gebe es starke Unterschiede zwischen den Schulen. Mit Verspätung war die Königstorschule in Kassel in die Woche gestartet. Nach einem positiven Test bei einem Kind kurz vor der Schulöffnung blieben Schule und Kita bis einschließlich Donnerstag geschlossen, am (heutigen) Freitag darf sie wieder öffnen.

Schüler gehen nach chaotischem Halbjahr in die Ferien

Dieses Schuljahr war in jeder Hinsicht ungewöhnlich: Wochenlang gab es wegen der Corona-Krise keinen normalen Unterricht. Nun können Schüler, Eltern und Lehrer erstmal durchatmen - und darauf hoffen, dass es nach den Sommerferien wieder Regelbetrieb gibt.

Nach einem chaotischen Halbjahr gehen die rund 2,5 Millionen nordrhein-westfälischen Schüler am Freitag in die Sommerferien. Wegen der Corona-Pandemie hatte es an den Schulen wochenlang keinen oder nur eingeschränkten Präsenzunterricht gegeben - Lernen auf Distanz war angesagt. Viele Schüler haben ihre Zeugnisse bereits im Laufe dieser Woche erhalten: Wegen der besonderen Situation hatten die Schulen die Möglichkeit, die Zeugnisse zeitlich gestaffelt auszugeben. Für Fragen rund um das Thema Noten bieten die Bezirksregierungen wieder Zeugnistelefone an.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bekräftigte, nach den Ferien sollten alle Schulen «zu einem verantwortungsvollen Regelbetrieb zurückkehren, sofern die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens dies zulässt». Sie hoffe, dass Schüler, Eltern und Lehrer aus dieser Aussicht Motivation schöpfen könnten.

Zum Ferienstart rechnet der ADAC mit Staus auf den Autobahnen. Vor allem auf den Strecken in Richtung Nord- und Ostsee sowie Richtung Süden könne es ab Freitagmittag voll werden. «Wir erwarten wegen der Corona-Krise weniger Auslandsreisen per Flugzeug und dafür mehr Urlaub mit dem Auto in Deutschland und den Nachbarländern», sagte ADAC-Reiseexperte Roman Suthold.

An den Flughäfen ziehen die Passagierzahlen nach Aufhebung der Reisewarnungen zwar langsam wieder an. Jedoch werden am ersten Ferienwochenende an den Airports in Düsseldorf und Köln/Bonn weitaus weniger Flieger starten und landen als in vorherigen Jahren.


25.06.2020 15.30 Uhr

Berliner Schüler in Corona-Krise mit bestem Abitur seit langem

Wer in diesem Jahr das Abitur ablegen musste, hatte mit den widrigsten Umständen seit Jahrzehnten zu kämpfen. Mitten in die Prüfungsvorbereitungen platzte das Coronavirus. Umso erstaunlicher sind die nun vorliegenden Ergebnisse.

Corona-Überraschung an Berlins Schulen: Trotz wochenlanger Schließungen und besonderer Umstände bei den Prüfungen wegen der Pandemie haben die Schüler in der Hauptstadt das beste Abitur seit langem abgelegt. Der Notendurchschnitt lag bei 2,3 - nach neun Jahren mit einem Durchschnittswert von 2,4. Das teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag nach einer Schnellauswertung der Daten mit.

Demnach stieg der Anteil derjenigen, die die Reifeprüfung bestanden: Das war bei 96,7 Prozent der rund 14 000 Abiturienten der Fall; 2019 waren 95,4 Prozent durchgekommen. Von den Schülern, deren Herkunft- oder Familiensprache nicht Deutsch ist, kamen 94,1 Prozent durch das Abitur - das sind 1,3 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr.

Zudem bemerkenswert: Die Abi-Traumnote 1,0 erreichten in diesem Jahr 2,5 Prozent der Abiturienten, nach 2,1 Prozent im Jahr 2019. Auf einen Notendurchschnitt von 1,1 kamen 1,6 Prozent der Absolventen (2019: 1,2 Prozent). Das beste Abitur wurde mit 892 Punkten abgelegt. Die Schülerinnen schnitten mit einem Notendurchschnitt von 2,27 etwas besser ab als ihre männlichen Klassenkameraden mit 2,42.

Scheeres erklärte, die Berliner Abiturientinnen und Abiturienten hätten die schwierige Situation wegen Corona hervorragend gemeistert: «Sie können wirklich stolz auf sich sein.» Dank gelte auch den Schulleitern, Oberstufenkoordinatoren und Lehrern, die in diesem Jahr die Prüfungen unter Einhaltung aufwendiger Infektionsschutzmaßnahmen möglich gemacht hätten.

Nach wochenlanger Schließung wegen der Corona-Pandemie und Prüfungsvorbereitungen zu Hause waren die Abiturienten am 20. April als erste wieder in die Schulen zurückgekehrt, um ihre schriftlichen und mündlichen Prüfungen abzulegen. Dabei galten - wie im weiteren Verlauf des Schuljahrs für alle anderen Schüler auch - besondere Abstands- und Hygieneregeln.

Dieses Vorgehen war seinerzeit hochumstritten, der Landesschülerrat hatte ebenso wie Elternvertreter dagegen Front gemacht und ein Abitur ohne Prüfungen gefordert. Scheeres hatte das abgelehnt und auf die Notwendigkeit eines einheitlichen Vorgehens aller Bundesländer in der Frage verwiesen. Andernfalls bestand aus ihrer Sicht die Gefahr, dass andere Länder das Berliner Abitur nicht anerkennen.

Opposition warnt vor Zusammenlegung von Schulklassen

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Schulbetrieb sind noch nicht überstanden, da drohen Schülern und Lehrern schon die nächsten Herausforderungen. Ein Erlass des Kultusministeriums erntet Kritik.

Schülern und Lehrern in Niedersachsen stehen nach Darstellung der Opposition im neuen Schuljahr zusätzliche Belastungen bevor. Wie die Grünen und die FDP am Donnerstag unter Berufung auf einen Erlass des Kultusministeriums mitteilten, müssen die Schulen in diesem Sommer größere Klassen als bisher bilden, wenn die Zahl der Schüler in einem Jahrgang unter einen Grenzwert fällt. Außerdem stünden den Schulen dann weniger Lehrer zur Verfügung. Üblich sei das bisher nur nach der 2., 4., 6. und 8. Klasse gewesen.

«Wer den Schulen, die eigentlich mehr Personal bräuchten, jetzt auch noch Personal wegnimmt, dem sind insbesondere die Kinder, die in der Corona-Krise besonders gefördert werden müssen, in Wahrheit herzlich egal», sagte Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg in Richtung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). «Für die Kinder bedeutet dies nach all dem Ungewohnten auch noch eine Rückkehr in einen neuen Klassenverband mit neuen Bezugspersonen.»

FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling warf Tonne vor, die Unterrichtsversorgung schönzurechnen. Der Erlass des Ministeriums führe zu größeren Klassen, mehr Belastungen für die Lehrer und könne Freundschaften zerreißen. «Es ist pädagogisch sinnvoll, Klassen nicht jährlich neu zu bilden, was für den Minister aber wohl nicht ausschlaggebend ist», sagte Försterling.

Die Gewerkschaft GEW rief das Kultusministerium auf, die Erlasse zurückzunehmen. «Gerade in Corona-Zeiten ist dieses Handeln höchst unvernünftig», sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. Würden in einem Jahrgang beispielsweise bisher 92 Kinder in vier Klassen unterrichtet und zum neuen Schuljahr drei Schüler gehen, etwa durch Sitzenbleiben oder Umzug, würden nur noch drei Klassen gebildet. In den Jahrgängen 5 bis 10 fielen zudem Stunden weg, in denen sich die Lehrer um die Förderung der Schüler oder den Zusammenhalt in der Klasse kümmerten.

Auch der Lehrerverband VNL/VDR warnte davor, an den Erlassen festzuhalten. Auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler werde versucht, die Kosten zu senken, sagte Landeschef Torsten Neumann.

Das Kultusministerium äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen, kündigte aber eine Stellungnahme im Laufe des Tages an.

Abiturienten bleibt in Corona-Epidemie kaum Zeit für Uni-Bewerbung

Nach den wegen der Corona-Epidemie verschobenen Prüfungen bleibt vielen Abiturienten in Niedersachsen kaum Zeit für die Bewerbung an der Universität. Ihre Zeugnisse erhalten die Abiturienten nach Angaben des Kultusministeriums in Hannover zwischen dem 10. und 12. Juli. Die Bewerbungsfrist für örtlich zulassungsbeschränkte Fächer endet unterdessen an vielen Universitäten am 15. Juli. Niedersachsen hatte die Abi-Prüfungen wegen der Infektionswelle um drei Wochen verschoben. Ihre Noten, die oftmals den Ausschlag über die Wahlmöglichkeit eines Studienfaches geben, erfahren die Abiturienten Ende Juni, ebenfalls später als sonst üblich.

Angesichts der für etliche Abiturienten verkürzten Bewerbungsfrist riet der Sprecher des Informationsportals «Studieren in Niedersachsen», Malte Hübner, jungen Leuten, sich umgehend zu informieren. Denn in den wenigen Tagen nach der Zeugnisausgabe könnten die Ansprechpartner überlastet sein.

Auch die Universitäten selber sind angesichts der Corona-Epidemie auf verstärkte telefonische Anfragen von Studieninteressenten eingestellt. Dabei tun die Hochschulen vieles, um auch digital zu informieren. Die Göttinger Universität etwa bietet Podcasts zum Studienangebot ebenso an wie die Möglichkeit, per Live-Schalte Fragen zu stellen. Auch die Universität Hannover bietet Videos zu verschiedenen Studiengängen auf ihrer Website an.

Die Zeitnot betrifft aber nicht alle angehenden Studenten. Für bundesweit zulassungsbeschränkte Fächer ist eine Bewerbung über das zentrale Portal «Hochschulstart» bis zum 20. August möglich. Für Fächer ohne Zugangsbeschränkungen endet die Einschreibefrist vielfach am 30. September. Der Landesschülerrat hatte das niedersächsische Festhalten an Abschlussprüfungen kritisiert, weil die Corona-Epidemie die Schüler auch psychisch unter Druck setzt. Wer nicht freiwillig an den Prüfungen teilnehmen wolle, solle eine Durchschnittsnote erhalten, hatte der Schülerrat gefordert.

Regierung und Verbände: Ausbildung im Norden trotz Corona zuverlässig

Die Corona-Krise schlägt auch auf die Berufsausbildung vehement durch. Tausende Lehrstellen sind noch unbesetzt. Regierung, Arbeitsagentur, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände richten einen dringenden Appell an Jugendliche und Betriebe.

Rund 9000 Ausbildungsplätze sind in Schleswig-Holstein derzeit unbesetzt. Vor diesem Hintergrund riefen Wirtschaftsstaatssekretär Thilo Rohlfs (FDP) und Bildungsstaatssekretärin Dorit Stenke (CDU) am Mittwoch Schüler, Eltern und Betriebe auf, die duale Ausbildung verstärkt in den Blick zu nehmen und alle Angebote rasch zu nutzen. Bei einem Treffen in Kiel betonten Spitzenvertreter von Land, Arbeitsagentur, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden, die berufliche Bildung müsse trotz Corona-Krise dauerhaft und verlässlich gestaltet werden.

Eine qualifizierte Berufsausbildung biete jungen Menschen beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben, hieß es. Sie sei zudem ein wirksamer Schutz gegen Arbeitslosigkeit und sichere jedem Einzelnen die Teilhabe an Gesellschaft und Wohlstand.

Stenke zufolge werden in diesem Sommer knapp 28 000 junge Menschen ihren allgemeinbildenden Schulabschluss ablegen, rund 65 Prozent davon streben eine duale Berufsausbildung an. Zwar gebe es einen massiven Überhang an unbesetzten Ausbildungsstellen, trotzdem fehlten aktuell mindestens 500 Ausbildungsplätze. «Gegenüber 2019 sind insbesondere weniger Ausbildungsstellen im Verkauf, in der Lebensmittel- und Genussmittelherstellung sowie in der Gastronomie, bei Arzt- und Praxishilfen und bei Köchen festzustellen.»

Auch die Zahl der gemeldeten Bewerber sei um fast neun Prozent niedriger als im Vorjahr. Darüber hinaus sei die Zahl derjenigen, die seit März eine Ausbildungsstelle gefunden hätten, merklich geringer als in einem normalen Jahr. So hätten im April und Mai nur 1150 und damit ein Drittel weniger Bewerber eine Ausbildungsstelle gefunden. Für dieses Jahr sei mit einem Rückgang abgeschlossener Ausbildungsverträge in Höhe von 10 bis 15 Prozent zu rechnen, sagte Rohlfs.

Auslöser seien etwa die unterbrochenen Vermittlungsaktivitäten. So sei neben dem Schulbetrieb auch die Arbeit der Jugendberufsagenturen weitgehend zum Erliegen gekommen, Kontaktmessen seien abgesagt worden und auch an den Schulen habe keine Berufsorientierung stattgefunden. «Die Unternehmen mussten ihren Fokus zunächst auf die Bewältigung der Corona-Krise legen und ihre eigene Existenz sichern», sagte Rohlfs. Zudem habe die massenhaft beantragte Kurzarbeit erhebliche Kapazitäten der Bundesagentur für Arbeit in Anspruch genommen.

«Ein fehlender Berufsabschluss erhöht deutlich das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben», sagte der Vizechef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Thomas Letixerant. «Während 54 Prozent aller Arbeitslosen in Schleswig-Holstein keinen Berufsabschluss haben, sind es bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nur 13,5 Prozent.»

In ganz Schleswig-Holstein stünden noch viele freie Ausbildungsplätze im Handwerk zur Verfügung, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck, Andreas Katschke. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei trotz Corona hoch. «Um Bewerber und Betriebe auch während der Corona-Krise zusammenzubringen, haben die Handwerkskammern ihre digitalen Angebote stark ausgeweitet.» In den Online-Lehrstellenbörsen der beiden Handwerkskammern im Land seien etwa 1500 freie Ausbildungsplätze zu finden.

Vorrang habe nach wie vor die betriebliche Ausbildung, sagte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn. Außerbetriebliche Auffangprogramme seien als absolut nachrangig zu betrachten. Prämien für Betriebe, die Auszubildende aus von Insolvenz betroffenen Firmen übernehmen, seien wichtige und notwendige Hilfen für Unternehmen und Auszubildende.

UVNord-Geschäftsführer Sebastian Schulze appellierte an die Betriebe: «Wir dürfen trotz erheblicher pandemiebedingter Schwierigkeiten in den Ausbildungsanstrengungen nicht müde werden.» Der Bedarf an Fachkräften werde nach der Krise zügig wieder steigen.

 

24.06.2020 13.45 Uhr

Vertretungslehrer sollen coronabedingt fehlende Lehrkräfte ersetzen

Bei der Vorbereitung des Regelbetriebs an den Schulen im Anschluss an die Sommerferien planen Bildungsministerium und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) auch den Einsatz von Vertretungslehrern ein. Diese sollen den Präsenzunterricht von coronabedingt fehlenden Kolleginnen und Kollegen übernehmen. Die notwendigen Mittel dafür würden bereitgestellt, teilte eine Sprecherin des Ministeriums am Mittwoch in Mainz mit.

Aktuell stehen durchschnittlich 15 Prozent der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung, worüber am Mittwoch auch die «Allgemeine Zeitung» berichtete. Dies entspreche rund 6000 Lehrkräften, sagte die Sprecherin. Diese Lehrerinnen und Lehrer arbeiteten von zuhause aus und betreuten Kinder, die aufgrund von Erkrankungen selbst zuhause sein müssten. Außerdem bereiten sie nach Angaben des Ministeriums den Unterricht vor und nach, der dann vor Ort von einer Vertretungskraft übernommen wird. «Diese Vertretungskraft fungiert dann als Bindeglied zwischen Klasse und Lehrkraft.»

Für den Beginn des neuen Schuljahrs Mitte August lässt sich noch nicht sagen, wie hoch die Zahl der coronabedingt fehlenden Lehrkräfte sein wird. Das Ministerium weist darauf hin, dass dann für alle Lehrkräfte eine Attestpflicht gelte - von dieser sind zurzeit Lehrer befreit, die der Risikogruppe der über 60-Jährigen angehören. Angesichts der gesunkenen Zahlen von Neuinfektionen geht das Ministerium nach Angaben der Sprecherin davon aus, «dass wieder mehr Lehrkräfte zur Verfügung stehen».

«Zu spät» - Schüler kritisieren Regelung für Abi-Partys in NRW

Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen haben dem Land zu spätes Handeln bei der Regelung von Abi-Partys vorgeworfen. «Wir hätten uns eine transparentere und frühere Entscheidungsfindung gewünscht», sagte Sophie Halley, Vorstandsmitglied der Landesschüler*innenvertretung NRW der Deutschen Presse-Agentur. Seit Samstag (20. Juni) sind nach der neuen Coronaschutz-Verordnung unter Auflagen Abschluss- und Abi-Partys in NRW erlaubt.

Viele Stufen hätten schon Wochen und Monate vorher angefangen, ihre Abi-Partys zu planen, sagte Halley. Nach dem Verbot von Großveranstaltungen seien sie dann mehrheitlich abgesagt worden. «Jetzt hätte man sie aber doch feiern können. Jetzt ist es aber zu spät», sagte Halley.

Die Partys dürfen entsprechend der Verordnung nur ohne Eltern stattfinden. Zudem muss jede Fete mindestens zwei Tage vorher bei den Gesundheitsbehörden angemeldet werden. Diese können die Feiern bei einem lokalen Corona-Ausbruch auch verbieten. Halley kritisierte, dass andere Partys und Feste mit bis zu 50 Teilnehmern keine Anmeldung bei den Gesundheitsämtern benötigten, aber «Abipartys, auch kleiner als 50, müssen zum Gesundheitsamt». Das sei keine Gleichbehandlung.

Laschet: Kein Kind soll wegen fehlender Geräte nicht mitlernen können

Trotz angepeilter Rückkehr zum Normalbetrieb in den Schulen will das Land NRW Geld in die Hand nehmen, um Schüler mit digitalen Endgeräten auszustatten. «Es wird keine Situation mehr geben, dass ein Kind zuhause, weil die Eltern keinen Computer haben, nicht mitlernen kann», sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag.

So will das Land 380 Millionen Euro - davon 260 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt - investieren, um sowohl Schüler als auch Lehrer flächendeckend mit digitalen Geräten auszustatten. Außerdem soll mehr Geld in die Anbindung von Schulen an schnelle Glasfasernetze fließen.

Zwar soll nach den Sommerferien an den Schulen des Landes so weit wie möglich wieder normaler Präsenzunterricht stattfinden. Trotzdem will sich NRW auch für den Fall rüsten, dass die Corona-Pandemie erneut Unterricht auf Distanz notwendig macht - wie aktuell etwa im Kreis Gütersloh. Konkretere Details soll Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) voraussichtlich noch in dieser Woche bekannt geben.

Schulsenator erwartet Regelbetrieb nach den Sommerferien

Die Schulen waren besonders hart von den Corona-Maßnahmen betroffen. Zunächst ganz geschlossen, wechselten sich später Präsenz- und Fernunterricht ab. Nach den Sommerferien will Hamburg zur Normalität zurückkehren.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) geht davon aus, dass die Hamburger Schulen nach den Sommerferien wieder ohne Mindestabstand in den Regelbetrieb gehen können. Zwar müsse angesichts des unvorhersehbaren Corona-Infektionsgeschehens auch immer «mitgedacht werden, dass der Mindestabstand wieder eingehalten werden muss», sagte er am Dienstag im Schulausschuss der Bürgerschaft. Angesichts der aktuell guten Zahlen in Hamburg sei er aber zuversichtlich, dass es nach den Sommerferien «vom Angebot her eine Rückkehr zu den Vollangeboten» von vor der Corona-Krise geben könne.

Ein solches Angebot solle die volle Stundenzahl umfassen «auch mit Sport, mit Musik, mit Theater und anderen Kursen». In besonderen Fällen müsse das Angebot von Hygieneregeln flankiert werden. «Das gilt vor allem für Sport, aber auch fürs Singen und die Bläser-Klassen», sagte Rabe.

Die Aufhebung der Mindestabstandsregel sei schon aus räumlichen Gründen Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Regelbetriebes in den Schulen. Ansonsten könnten die Schüler nur in kleineren Lerngruppen im Wechsel im Präsenzunterricht in der Schule und im Fernunterricht betreut werden. Auch darauf müssten sich die Schulen weiter vorbereiten.

Beim Fernunterricht gebe es dringenden Verbesserungsbedarf in Hamburg. «Wir wissen, da ist viel zu tun.» Rabe bat um Geduld. Hamburg arbeite an der Einführung eines einheitlichen digitalen Lernmanagementsystems. «Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir werden das auch nicht in den nächsten fünf Wochen erreichen können.»

Um durch die coronabedingten Unterrichtseinschränkungen entstandene Lerndefizite festzustellen, wolle die Schulbehörde in den Jahrgangsstufen 4 und 7 nach den Ferien einen Test durchführen und die Ergebnisse schnell an die Schulen zurückmelden. «Wir wollen den Lehrkräften ermöglichen, sich ein Bild zu verschaffen, wo ihre Schülerinnen und Schüler stehen», sagte der Senator. Zudem werde seine Behörde den Schulen weitere Test für weitere Jahrgänge zur Verfügung stellen, die diese dann in Eigenregie durchführen könnten.

 

23.06.2020 13.45 Uhr

Gebauer: Abiprüfungen 2021 werden um neun Tage verschoben

Die Abiturprüfungen im kommenden Jahr werden in Nordhein-Westfalen um neun Unterrichtstage nach den Osterferien verschoben. Das kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Dienstag in Düsseldorf an. Die Prüfungen beginnen demnach erst am Freitag, 23. April 2021. Trotz dieser Verschiebung fänden die Klausuren in Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik unverändert an den langfristig bundesweit festgelegten Terminen statt. Es werde auch weiter zentrale Abituraufgaben geben, aber mit erweiterter Auswahl von Prüfungsaufgaben.

Auch die Prüfungen zum Erwerb des Hauptschulabschlusses nach Klasse 10 und des mittleren Schulabschlusses (Fachoberschulreife) werden um eineinhalb Wochen verschoben, um mehr Unterrichtszeit zu gewinnen.

Kretschmann und Eisenmann: kein Streit in Sachen Schulunterricht

In Baden-Württemberg sollen die Schüler nach den Sommerferien so weit wie möglich regulär in den Schulen unterrichtet werden. Das teilten Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Dienstag in Stuttgart mit. Sie beteuerten, es gebe in dieser Frage keinen Streit.

Eisenmann ist auch Spitzenkandidatin der CDU zur Landtagswahl 2021. Am Montag hatten sich die beiden Spitzenpolitiker unterschiedlich zur Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen nach den Sommerferien geäußert. Kretschmann hatte in einem Interview der «Stuttgarter Zeitung» und «Stuttgarter Nachrichten» mit Verweis auf die hohe Zahl an Lehrern, die zu Risikogruppen gehören, erklärt: «So kann man keinen Regelbetrieb wie vor der Corona-Pandemie machen.» Eisenmann hatte entgegnet: «Eine pauschale Absage eines Regelbetriebs zu diesem frühen Zeitpunkt halte ich für falsch.»

Nun veröffentlichten Kretschmann und Eisenmann eine gemeinsame Mitteilung. Darin erklärte Kretschmann: «Unser gemeinsames Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg nach den Sommerferien wieder unterrichtet werden, und natürlich wollen wir dabei auch so nah wie möglich an den Schulalltag in Vor-Corona-Zeiten anschließen.» Und Eisenmann beteuerte, an dem Ziel, nach den Ferien an den weiterführenden Schulen einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen anzubieten, habe sich für sie nichts geändert.

Kretschmann ergänzte: «Mir ist es dabei ganz wichtig, keine Missverständnisse und falschen Erwartungen bei Eltern und Schülern aufkommen zu lassen.» Bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gebe, könne es «hier und da» Abweichungen vom normalen Schulbetrieb geben.

KMK-Präsidentin: Regelbetrieb nach Sommerferien ist das Ziel

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hat erneut bekräftigt, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder vollständig öffnen sollen. «Der Regelbetrieb ist kein Wunschdenken. Der Regelbetrieb ist das Ziel, dass wir haben», sagte sie am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des Nationalen Bildungsberichts. Die KMK hatte die Rückkehr zum Regelbetrieb ohne Abstandsregel nach den Ferien in der vergangenen Woche beschlossen - mit der Einschränkung: «sofern es das Infektionsgeschehen zulässt.»

Bildungsgewerkschaften hatten sich skeptisch gezeigt, ob das wirklich gelingt, auch wegen vieler Lehrkräfte, die zur Risikogruppe zählen und nicht zur Schule kommen könnten. Diese Befürchtung hatte auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geäußert.

Hubig zufolge laufen Planungen für drei verschiedene Szenarien, die eintreten könnten, je nachdem, wie sich die Pandemie weiter entwickelt: Regelbetrieb, rollierender Betrieb mit abwechselndem Unterricht in der Schule und zu Hause, so wie momentan üblich, und auch mögliche Komplettschließungen von Schulen. «Für diese drei Szenarien planen wir und geben den Schulen entsprechend Leitlinien an die Hand.» Sie hoffe aber, dass sehr maßvoll und sehr verantwortungsvoll mit Schulschließungen umgegangen werde.

 

22.06.2020 7.45 Uhr

Kretschmann: Rückkehr zum Regelbetrieb an Schulen unrealistisch

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält eine Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen in Baden-Württemberg nach den Sommerferien für unrealistisch. «Unser Kernproblem ist die hohe Zahl der Lehrkräfte und Erzieher, die sich zu den vulnerablen Gruppen zählen. In den Schulen sollen das bis zu 20 Prozent sein», sagte Kretschmann in einem Interview der «Stuttgarter Zeitung» und «Stuttgarter Nachrichten» (Montag). «So kann man keinen Regelbetrieb wie vor der Corona-Pandemie machen.»

In der vergangenen Woche hatten die Kultusminister der Länder beschlossen, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder vollständig öffnen und in den Regelbetrieb zurückkehren sollen. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte angekündigt, dass sie bis Anfang Juli erklären werde, wie es mit dem Unterricht im Südwesten im neuen Schuljahr weitergehen werde. Grundsätzlich solle es so viel Präsenzunterricht wie möglich geben.

Eisenmann ist auch Spitzenkandidatin der CDU bei der Landtagswahl im kommenden März. Der aufziehende Wahlkampf wirkt sich nach Angaben Kretschmanns schon jetzt erheblich auf die Regierungsarbeit aus. «Zwar nicht auf die Ergebnisse, die erzielen wir auf allen Gebieten. Aber der Aufwand wird immer größer», sagte der Regierungschef den Zeitungen. «Jede interne Forderung wird sofort an die Öffentlichkeit gespielt. Das nimmt dramatisch zu und macht das Regierungsgeschäft schwerer.»

Weniger Lehrstellen wegen Corona oder nur späterer Start?

Eigentlich startet das neue Lehrjahr in vielen Branchen am 1. August. Doch nach den strengen Corona-Beschränkungen sind viele Gelegenheiten ausgefallen, in der sich Betriebe und künftige Azubis treffen. Wird es dieses Jahr weniger Azubis in Sachsen-Anhalt geben?

Viele Firmen in Sachsen-Anhalt brauchen dringend gute Nachwuchskräfte, doch die negativen Folgen der Corona-Pandemie belasten auch viele hiesige Ausbildungsbetriebe. Der Bund will Lehrbetriebe mit einer Prämie unterstützen, wenn sie Azubis halten und zusätzliche einstellen. Sachsen-Anhalt prüfe derzeit, ob und wie es das frisch geplante Programm des Bundes unterstützen werde, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums und reagierte damit auf entsprechende Forderungen von Wirtschaftsvertretern.

Derweil befürchten Experten im Land, dass sich Betriebe zunächst von der Ausbildung zurückziehen könnten. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg verweist darauf, dass die Lehre in vielen Betrieben zumindest später beginnen könnte als geplant.

Es sei davon auszugehen, dass viele Lehrverträge später geschlossen würden als üblich, sagte die Geschäftsführerin für Berufliche Bildung bei der IHK-Magdeburg, Stefanie Klemmt. Ein Grund sei, dass viele Orientierungsangebote wie Berufsfindungsmessen, der Zukunftstag oder Betriebspraktika wegen der Corona-Beschränkungen ausgefallen seien. Jetzt müssten andere Kennenlernmöglichkeiten zwischen Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben gefunden werden.

So planen die vier IHKs und Handwerkskammern in Sachsen-Anhalt, gemeinsame Online-Bewerbertage anzubieten. Kurz vor den Sommerferien solle es vier Termine geben, in denen Berater per Videoschalte Jugendliche bei der Berufswahl oder der Suche nach konkreten Azubistellen beraten sollen, kündigte Klemmt an. Auch Präsenztermine in den Schulen selbst seien angedacht.

Derzeit gebe es rund 15,5 Prozent weniger geschlossene Azubiverträge als im Vorjahreszeitraum, sagte Klemmt über die Situation im Norden Sachsen-Anhalts. «Wir hoffen, dass sich das jetzige Minus bis November oder Dezember aufhebt.»

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hatte zuletzt bereits angekündigt, dass mit Kammern und Berufsschulen daran gearbeitet werde, die Fristen für den Start ins neue Ausbildungsjahr flexibler zu gestalten. Die Handwerkskammer Magdeburg verwies darauf, dass neue Azubis nur in Ausnahmefällen nach dem 1. August starten sollten.

Für den Norden Sachsen-Anhalts bekommt Klemmt nach eigenen Angaben bisher kaum die Rückmeldung, dass Betriebe aufgrund der negativen Corona-Folgen geschlossene Lehrverträge auflösen. Zudem seien ihr dort nur in Einzelfällen Betriebe bekannt, die sich wegen der Corona-Krise von der Ausbildung zurückziehen wollten.

Die IHK Halle-Dessau meldet, dass besonders betroffene Branchen zurückhaltend sind bei der Einstellung neuer Lehrlinge. Das betreffe etwa die Gastronomie, aber auch die Reise- und Veranstaltungsbranche, sagte Simone Danek, IHK-Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung im Süden des Landes. In anderen Betrieben hätten sich auch für zukünftige Azubis die Einstellungsgespräche wegen der Corona-Pandemie verschoben. Zudem gebe es Firmen, die unverändert an ihrem Fahrplan festhielten. Eine jüngst gestartete bundesweite Umfrage soll ein genaueres Bild ergeben, auch für die Situation in Sachsen-Anhalt.

Die Handwerkskammer Magdeburg fürchtet derzeit, dass weniger Betriebe Nachwuchs ausbilden. So habe eine bundesweite Umfrage unter ausbildenden Handwerksbetrieben ergeben, dass jeder vierte sich aus der Ausbildung zurückziehen wolle, sagte Hauptgeschäftsführer Burghard Grupe. Messbare Anzeichen gibt es dafür noch nicht: Bisher liege die Zahl der geschlossenen Lehrverträge im Norden Sachsen-Anhalts auf Vorjahresniveau.

Grupe forderte schnelle Klarheit darüber, wie die angekündigte Prämie des Bundes ausgezahlt wird. Viele Firmen hätten in den vergangenen Tagen bereits bei der Kammer nach dem Programm gefragt, so Grupe. Es brauche schnell Klarheit, da jetzt die Verträge für das neue Lehrjahr geschlossen würden, das am 1. August beginne. «Wir brauchen hier schnellstmöglich einen Fahrplan», so Grupe. Bekannt ist derzeit, dass Ausbildungsbetriebe 2000 Euro erhalten, wenn sie die Zahl ihrer Lehrstellen halten. Wer mehr ausbildet, soll 3000 Euro bekommen.

Grundschule für alle - Hessen lockert Corona-Regeln

Angesichts vergleichsweise niedriger Infektionszahlen lockert Hessen die Corona-Einschränkungen weiter. Diskussionen gibt es vor allem über die Öffnung der Grundschulen für alle Schüler.

Hessen kehrt in der Corona-Krise ein Stück weiter zur Normalität zurück. Die wohl am meisten diskutierte Lockerung von diesem Montag an: Die Grundschüler im Land gehen wieder regulär in die Schule. Die verbleibenden zwei Wochen bis zu den Sommerferien werden die Kinder der ersten bis vierten Klasse wieder gemeinsam unterrichtet - das Gebot zum Abstandhalten gilt dort dann nicht mehr. Auch in Altenheimen und im Einzelhandel werden die Einschränkungen gelockert.

Die Bildungsgewerkschaft GEW bezeichnete die Öffnung der Grundschulen für alle Schüler als «verantwortungslos». Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann, kritisierte die Widersprüchlichkeit des Schritts angesichts gleichzeitig noch geltender Verbote zum Beispiel für Großveranstaltungen. Niemand sei gerne ein Versuchskaninchen - «schon gar nicht, wenn nicht für angemessene Laborbedingungen gesorgt ist», sagte Wesselmann in der vergangenen Woche.

Das Kultusministerium geht davon aus, dass alle Grundschulen ausreichend Zeit hatten, sich auf die Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche vorzubereiten. Angesichts der Kritik verwies das Ministerium auf neue Erkenntnisse zur Infektionslage. Außerdem würden Eltern und Familien entlastet. Die Schulbesuchspflicht ist aber bis zu den Sommerferien aufgehoben. Das heißt, Eltern können entscheiden, ob ihr Kind zur Schule geht oder von zuhause aus den Unterrichtsstoff lernt. An den weiterführenden Schulen ändert sich bis zu den Sommerferien erst einmal nichts. Geplant ist, dass nach dem Ferienende Mitte August auch dort wieder der normale Unterricht beginnt.

Bewohner von Alten- und Pflegeheimen in Hessen dürfen ab sofort wieder bis zu drei Mal in der Woche besucht werden. Menschen mit Behinderung, die stationär betreut werden, sollen jeden Tag eine Person empfangen dürfen.

Auch im Einzelhandel lockert Hessen die Corona-Einschränkungen weiter: Läden dürfen wieder mehr Kunden hereinlassen. Erlaubt ist nun eine Person pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche, bisher waren es 20 Quadratmeter. Kunden müssen aber weiterhin eine Maske tragen und zu anderen Menschen mindestens 1,5 Meter Abstand halten.

Die neuen Regelungen gelten nach Angaben der Landesregierung in Hessen zunächst bis zum 16. August.

Mehrere Schulen schließen in Dortmund wegen Coronavirus-Infektionen

Wegen Infektionen mit dem Coronavirus müssen mehrere Schulen in Dortmund bis zu den Sommerferien schließen. Ein Kind an einer Grundschule in Dortmund-Eving wurde positiv getestet, wie die Stadt am Sonntag mitteilte. Kontaktnachverfolgungen hätten am Wochenende weitere Fälle ergeben. Betroffen sind neben der Grundschule drei Berufskollegs und eine Hauptschule.

Seit dem ersten nachgewiesenen Auftreten des Virus in Dortmund wurden 893 Fälle nachgewiesen, wie die Stadt mitteilte. 779 Betroffene gelten als genesen.

Corona-Infektion bei Grundschulkind: Stadt Kassel schließt Schule

Nach dem Nachweis des Coronavirus bei einem Grundschulkind schließt die Stadt Kassel bis auf Weiteres vorsorglich die Königstorschule im Westen der nordhessischen Kommune. Auch die Eltern des Kindes seien an Covid-19 erkrankt, teilte die Stadt am Sonntag mit. «Da nicht abschließend geklärt ist, mit wie vielen weiteren Personen das infizierte Kind in Kontakt war, hat die Stadt Kassel in enger Abstimmung mit der Schulleitung entschieden, dass die Königstorschule ab Montag, 22. Juni, als Vorsichtsmaßnahme vorerst geschlossen wird.» Ebenso werde der Hort Kreuzkirche geschlossen, in dem Kinder der Grundschule betreut werden.

Wie lange die Einrichtungen geschlossen bleiben, sei noch nicht festgelegt, sagte ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage. Über das weitere Vorgehen werde entschieden, sobald Ergebnisse von weiteren Tests vorlägen.

Die Stadt erklärte, die am Wochenende hinzugekommenen bestätigten Infektionen in Stadt und Landkreis Kassel stünden nach derzeitigen Erkenntnissen nicht in Verbindung mit Fällen in einem Flüchtlingsheim im Stadtteil Bettenhausen. Dort sind nach letzten Angaben 20 Corona-Infektionen nachgewiesen.

Landesschülerbeirat fordert wegen Corona Abi-Noten «mit Augenmaß»

Nach den Abiturprüfungen in Baden-Württemberg hat der Landesschülerbeirat Lehrer dazu aufgerufen, die Arbeiten mit Augenmaß zu benoten. Es werde zwar kein genereller «Corona-Bonus» erwartet, teilte die Schülervertretung am Samstag in Stuttgart mit. Lehrer müssten aber bei der Korrektur der Prüfungsarbeiten die durch die Corona-Krise entstanden Schwierigkeiten berücksichtigen. Für Schüler sei es wegen der Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen schwer gewesen, sich richtig vorzubereiten.

Die Abiturprüfungen im Land hatten vor rund einem Monat begonnen. Nach Angaben von Schülern waren sie in diesem Jahr besonders schwer. Zudem seien Themen abgefragt worden, die im Unterricht zuvor nicht bearbeitet worden seien. Der Schülerbeirat habe nach den Prüfungen landesweit entsprechende Rückmeldungen erhalten. Er setze nun auf die Aussage von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), wonach kein Schüler durch die Corona-Krise einen Nachteil haben dürfe.

20.06.2020 9.45 Uhr

Gütersloh, Göttingen, Kassel - Corona-Ausbrüche sorgen für Probleme

Die Zahl binnen 24 Stunden erfasster Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist so hoch wie seit einem Monat nicht mehr. In mehreren Regionen wird nach Infektionswellen intensiv gegen eine Ausbreitung gekämpft - in Ostwestfalen hilft dabei nun auch die Bundeswehr.

Corona-Ausbrüche in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen stellen die Behörden vor große Herausforderungen. Im Kreis Gütersloh (NRW) trafen am Freitag 25 Soldaten am Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück ein, um erste Tests durchzuführen. Der Kreis hatte die Bundeswehr wegen des Corona-Ausbruchs bei dem Schlachtereiunternehmen um Unterstützung gebeten. 13 der Helfer sind als Sanitätssoldaten vor Ort, 12 zur Dokumentation.

In dem ostwestfälischen Landkreis sind Reihentests in großem Maßstab angeordnet. Allein im Tönnies-Stammwerk müssen in den nächsten Tagen noch Tausende Mitarbeiter getestet werden. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Hunderte Mitarbeiter des Schlachtbetriebs mit Sars-CoV-2 infiziert sind. In der Folge wurden in der Region Schulen und Kitas geschlossen, etliche Menschen mussten in Quarantäne. Von einem Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums hieß es am Freitag, es komme jetzt darauf an, möglichst schnell die Infektionsketten zu unterbrechen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schloss einen regionalen Lockdown nicht mehr aus. Derzeit könne das Infektionsgeschehen noch lokalisiert werden. «Sollte sich dies ändern, kann auch ein flächendeckender Lockdown in der Region notwendig werden», sagte er am Freitagabend in Düsseldorf. Er sprach von einem massiven Ausbruchsgeschehen. Bis zum Freitagabend wurden 803 Infizierte registriert, es stehen aber noch etliche Tests aus.

Zu Versorgungsengpässen wird die vorübergehende Schließung des größten deutschen Schlachtbetriebs von Tönnies nach Experten-Einschätzung wohl nicht führen. «Fleisch wird in Deutschland nicht knapp, auch nicht Schweinefleisch», sagte Tim Koch von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in Bonn. In Rheda-Wiedenbrück werden nach Angaben von Tönnies sonst pro Tag etwa 20 000 Schweine geschlachtet und zerlegt.

Auch die Stadt Göttingen steht mit einem erneuten Corona-Ausbruch vor Herausforderungen. «Wir müssen jetzt hoffen, dass alle in dieser Ausnahmesituation einen kühlen Kopf bewahren», sagte Christian Hölscher von der Jugendhilfe Göttingen am Freitag. Innerhalb von zwei Tagen seien knapp 120 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt worden, teilte die Stadt mit.

Die Behörden hatten die betroffene Wohnanlage in der Innenstadt am Donnerstag unter Quarantäne gestellt. Rund 700 Bewohner sind betroffen. Es handele sich um «ein lokales, aber massives Infektionsgeschehen», erklärte Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD). «Diese Ereignisse zeigen uns immer wieder, dass die Pandemie nicht vorbei ist.»

In Kassel sind unterdessen nach etwa 20 Corona-Nachweisen in einer Geflüchtetenunterkunft rund 60 Menschen in Quarantäne. Es handele sich um den bisher größten Ausbruch in der Stadt, sagte Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote (Grüne). Weil unter den Infizierten auch vier Kinder sind, wurden eine Schule und ein Hort geschlossen.

Die Zahl binnen 24 Stunden erfasster Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist nun so hoch wie seit einem Monat nicht mehr. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 770 neue Fälle (Datenstand 19. Juni, 0.00 Uhr). Zuletzt war der Wert am 20. Mai so hoch (797 Neuinfektionen). Insgesamt haben sich seit Beginn der Corona-Krise 188 534 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am Freitagmorgen meldete.

Weitere Schulöffnungen scharf kritisiert - Corona-Zahlen steigen

Ab Montag gilt wieder der Präsenzunterricht für alle Grundschüler. Nach Ansicht einer Gewerkschaft ist das eine gefährliche Fehlentscheidung. Für Ärger sorgen auch die zurückgenommenen Sonntagsöffnungen für Geschäfte. Ein Handelsverband beschwert sich.

Die weiteren Grundschulöffnungen mit Präsenzunterricht für alle Kinder trotz der Corona-Pandemie erhitzt weiter die Gemüter. Vehemente Kritik kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Unterdessen soll das Virus und seine Verbreitung in Risikogruppen mit Studien besser erforscht werden. Was sonst noch in Sachen Corona für Gesprächsstoff sorgt:

GRUNDSCHUL-ÖFFNUNGEN

Lehrergewerkschaften haben erneut vor der geplante Wiedereröffnung der Grundschulen am Montag gewarnt. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Birgit Koch, nannte es «verantwortungslos», dass nach der Corona-Zwangspause nun wieder alle Grundschüler zum Präsenzunterricht kommen sollen. «Bis zum Schulhaus haben wir die Corona-Pandemie - und innen soll sie nicht mehr sein?», sagte sie. Die Gewerkschaft bekommt nach den Worten von Koch regelmäßig E-Mails von Eltern mit dem Tenor, Grundschulen seien keine Versuchslabore im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie. Viele Mütter und Väter kündigten an, ihre Kinder nicht zum Unterricht zu schicken, sagte sie. Die GEW rechne damit, dass nach wie vor 10 bis 15 Prozent der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen, weil sie einer Risikogruppe angehören. Hessens Kultusministerium geht davon aus, dass alle Grundschulen ausreichend Zeit hatten, sich auf die Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche vorzubereiten.

CORONA-STUDIEN

Hessen will mit Corona-Studien bei besonderen Risikogruppen mehr über die Infektionsverläufe und geeignete Testmethoden lernen. Sozialminister Kai Klose (Grüne) kündigte an, dass dafür 50 Pflege- und Altenheime ausgewählt werden. Start der Studie soll im Frühherbst sein. Sie soll etwa acht bis zwölf Wochen dauern. Gerade die Bewohner der Alten- und Pflegeheime seien besonders durch einen Ausbruch des Coronavirus gefährdet, erklärte der Minister. Bekannt sei, dass das Risiko für eine Ansteckung in diesen Einrichtungen vor allem von den Personen ausgeht, die von außen in diese Strukturen neu oder wiederholt hineinkommen. Bei der Teststudie seien deswegen vor allem die Personen im Fokus, die neu in die Heime aufgenommen werden, sowie das Personal. Es läuft bereits eine Corona-Studie in 60 hessischen Kitas, bei der Kinder und Erzieherinnen über mehrere Wochen hinweg regelmäßig auf mögliche Infektionen getestet werden.

FALLZAHLEN

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in Hessen so stark gestiegen wie seit einigen Tagen nicht mehr. Jüngst kamen wieder 63 neue Fälle hinzu, wie das Sozialministerium mitteilte. Seit Beginn der Pandemie wurden 10 503 nachweislich infizierte Menschen gezählt. Die Summe der Todesfälle in Hessen, die mit der Erkrankung Covid-19 in Verbindung gebracht werden, erhöhte sich um einen auf 499. Vom Schwellenwert für eine Verschärfung der Beschränkungen des öffentlichen Lebens sind alle Städte und Kreise weit entfernt. Dieser liegt bei 50 Infektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen. Den höchsten Wert hat der Landkreis Hersfeld-Rotenburg mit 17. Dahinter folgen der Werra-Meißner-Kreis mit 12 und die Stadt Kassel mit 11.

CORONA-AUSBRUCH

Nach 20 Corona-Fällen in einer Geflüchtetenunterkunft sind in Kassel 60 Menschen in Quarantäne. Es handele sich um den bisher größten Ausbruch in der Stadt, sagte Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote (Grüne). Eine Grundschule und ein Hort wurden vorläufig geschlossen. Rund 150 Menschen wurden und werden insgesamt getestet. Es gebe unter den Infizierten bisher keinen schweren Krankheitsverlauf. Laut der Stadt war am Dienstag die erste Infektion in der Einrichtung im Stadtteil Bettenhausen bekannt geworden. Daraufhin seien alle Bewohner, Betreuer und Mitarbeiter getestet worden. 200 Kontaktpersonen wurden ermittelt.

Sportunterricht an Schulen nach Corona-Pause wieder erlaubt

Nach langer Corona-Zwangspause ist an bayerischen Schulen ab sofort auch wieder Sportunterricht erlaubt - wenn auch unter Auflagen. Das teilte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag in München mit. «Ich freue mich sehr, dass wir damit das wichtige Anliegen vieler Schüler und Eltern erfüllen können», sagte er. «Sportunterricht ist ein essenzieller Bestandteil der Schule. Es ist gut, dass er jetzt wieder möglich ist.» Der Schulsport habe im Schulwesen in Bayern einen hohen Stellenwert.

Ein Hygieneplan, den das Ministerium am Freitag an die Schulen schickte, sieht für den Schulsport Hygieneauflagen vor, wie sie auch für den Vereinssport gelten. Dazu gehören laut Ministerium das Abstandsgebot und die Kontaktfreiheit. «An den bayerischen Schulen sollen sich Schüler, Lehrkräfte und alle anderen Beschäftigten sicher fühlen. Hygieneauflagen sind daher sehr wichtig», betonte Piazolo.

In dem Schreiben des Ministeriums heißt es: «Ein vollumfänglicher lehrplanmäßiger Sportunterricht ist noch nicht möglich.» Aber in den dafür vorgesehenen Stunden sei Sportunterricht grundsätzlich möglich. Maßgeblich sei die jeweils gültige Infektionsschutzverordnung. «Aktuell hat die Sportausübung ausschließlich kontaktfrei zu erfolgen. Oberstes Gebot sind die Einhaltung der Mindestabstandsregel von 1,5 Metern und die konsequente Einhaltung der Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere bei gemeinsamer Nutzung von Sportgeräten», heißt es in dem Papier unter anderem. «In Sporthallen gilt eine Beschränkung der Übungszeit auf 60 Minuten sowie bei Klassenwechsel ein vollständiger Frischluftaustausch in den Pausen.»

Martin: Nach Ferien normaler Schulbetrieb unter Pandemie-Bedingungen

Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern. Doch an den Schulen wird weit weniger Ruhe einkehren als in vorhergehenden Jahren. Sie müssen sich auf die von der Corona-Pandemie diktierten Bedingungen einstellen. Ab 3. August soll vieles wieder normal laufen - so lautet das Ziel.

Mit festen Lerngruppen, detailliertem Corona-Hygieneplan und flexiblem Unterrichtsbeginn will Mecklenburg-Vorpommern Anfang August in das neue Schuljahr starten. Der Mindestabstand von 1,50 Meter falle in den Schulklassen weg und eine Mundschutzpflicht sei nicht geplant, sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Freitag in Schwerin. Auf den zwischenzeitlich erwogenen Schichtunterricht werde verzichtet, so dass auch der Schülertransport wieder normal laufen könne. «Es wird einen verlässlichen Regelunterricht geben», versicherte Martin.

Der Nordosten sei als erstes Bundesland in die Sommerferien gestartet und nehme somit auch als erster wieder den Unterricht auf. Deshalb müssten die kommenden Wochen intensiv genutzt werden, die Schulen auf die weiterhin besonderen Bedingungen einzustellen. «Das Coronavirus wird Anfang August nicht weg sein. Wir kehren somit nach den Ferien in den normalen Schulbetriebe zurück, aber eben unter Pandemiebedingungen», erklärte die Ministerin. Für alle Lehrer gelte dann auch wieder prinzipiell die Dienstpflicht. Freistellungen vom Präsenzunterricht seien auch bei Lehrern, die wegen Vorerkrankungen oder Alter zur Risikogruppe zählten, nur nach ärztlicher Konsultation möglich.

Es gelte, das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe wieder umfassend zu gewährleisten und gleichzeitig die Gesundheit von Schülern und Lehrern zu schützen. Der Unterricht in festen Gruppen, gegebenenfalls auch als Blockunterricht in den Fachkursen, solle dazu beitragen das Ansteckungsrisiko zu mindern und bei Infektionsfällen schnell und lokal reagieren zu können. Es gebe auch fest zugeordnete Lehrkräfteteams. Schulstunden und Pausen würden so geregelt, dass sich Schüler unterschiedlicher Klassen möglichst wenig begegnen. «Es darf auf keinen Fall wieder zu einem landesweiten Lockdown an den Schulen kommen», betonte Martin. Vom neuen Schuljahr an gebe es auch Corona-Tests auf freiwilliger Basis.

Für Grundschüler würden täglich mindestens vier Unterrichtsstunden gewährleistet, zudem die Betreuung im Hort abgesichert. Vor allem in den höheren Klassenstufen werde es auch nach den Ferien noch Unterricht über das Internet geben, aber in weit geringerem Maße als in den zurückliegenden Wochen. «Unabhängig von Corona wird das digitale Lernen einen immer größeren Raum einnehmen», zeigte sich Martin sicher. Deshalb gelte es, die technische Ausstattung so zu verbessern, dass alle Schulen die neu eingerichtete Lernplattform nutzen können.

Laut Martin sind alle allgemeinbildenden und beruflichen Schulen über die neuen Regelungen informiert, so dass sie den Schulstart vorbereiten können.

Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck, forderte das Ministerium auf, sich auf alle denkbaren Entwicklungen einzustellen: «Es muss neben einem Plan A auch einen Plan B und unter Umständen auch einen Plan C geben. Wichtig wird sein, dass, egal welche Situation wir haben, alle Beteiligten, Eltern, Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, wissen, woran man ist und was zu tun ist.»

Zudem ermahnte er die Schulträger, die Ferienzeit zu nutzen, um die sanitären Anlagen auf Vordermann zu bringen und in allen Räumen regelmäßiges Lüften zu ermöglichen. In engen Räumen sollten zwischen Lehrern und Schülern zudem Plexiglas-Scheiben angebracht werden. Blanck begrüßte die Bereitstellung der Lernplattform «itslearning». Doch müsse dafür gesorgt werden, dass auch alle Schüler über digitale Endgeräte verfügen.

Die Linke äußerte sich kritisch zu dem von Martin angekündigten Ferien-Nachhilfe-Programm. Damit sollen etwa 2700 Schüler auf Landeskosten privaten Nachhilfe-Unterricht erhalten können, um nach dem coronabedingten Schulausfall Lernstoff zu festigen. So sei nicht geklärt, wie die Kinder bei ruhendem Schülerverkehr in den Ferien zu den Lernangeboten kommen können, bemängelte Linksfraktionschefin Simone Oldenburg. Zudem kritisierte sie das Antragsverfahren als bürokratischen Hürdenlauf. «Durch die widersinnigen Formalitäten werden gerade die Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien ein solches Angebot zur Nachhilfe meiden», warnte Oldenburg.

18.06.2020 20.30 Uhr

Schule nach den Sommerferien ohne Abstandsregel - womöglich

Nach dem Ja von Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten für eine Rückkehr zum Regelschulbetrieb nach den Sommerferien, haben sich die Kultusminister der Länder nun festgelegt: Die Abstandsregel an den Schulen soll im neuen Schuljahr wegfallen, mit einer Einschränkung.

Alle Schüler sollen nach den Sommerferien wieder wie gewohnt in die Schule gehen - auf die Abstandsregel soll dabei, wenn möglich, verzichtet werden. Darauf haben sich die Kultusminister der Länder in einer Schaltkonferenz am Donnerstag verständigt. Zur Gewährleistung des Rechts auf Bildung streben die Länder einen «regulären Schulbetrieb nach geltender Stundentafel» im Klassenverband oder in einer festen Lerngruppe an, heißt es in einem gemeinsamen Beschluss. «Die Länder stimmen dabei überein, dass hierfür die Abstandsregelung von 1,5 Metern entfallen muss, sofern es das Infektionsgeschehen zulässt», heißt es weiter.

Definitiv ist damit der Wegfall der Abstandsregel also nicht. Alles hängt von der weiteren Entwicklung in der Corona-Pandemie ab.

SCHULSCHLIESSUNGEN NUR ALS «ULTIMA RATIO»

Die aktuellen Ereignisse zeigen, wie schnell der Hebel wieder umgelegt werden kann: Wegen der vielen Infektionen beim Fleischfabrikanten Tönnies in Gütersloh sind im ganzen Landkreis erneut Schulen und Kitas geschlossen worden. Die Kultusminister plädierten am Donnerstag dafür, dass solche harten Schritte künftig nur das letzte Mittel sein sollten: «Uns ist wirklich wichtig, dass das Recht auf Bildung, das was Schule ausmacht als sozialen Ort, als Ort des sozialen Lernens, dass das sehr hochgehalten wird und dass Schulschließungen unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens auch eher eine Ultima Ratio sein sollten in Zukunft», sagte die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) nach den Beratungen.

WIE ES WEITERGEHT 

Als nächsten Schritt wollen sich die Bildungsminister darum kümmern, dass die Hygienemaßnahmen «für alle an Schule Beteiligten» vor Ort angepasst werden, sagte Hubig. «Wir werden uns als Kultusministerkonferenz rechtzeitig auf einen gemeinsamen Rahmen für aktualisierte Schutz- und Hygienemaßnahmen verständigen». Dem Arbeitsschutz für das Personal an den Schulen solle dabei in vollem Umfang Rechnung getragen werden.

KRITIK VON LEHRERVERBÄNDEN UND BILDUNGSGEWERKSCHAFTEN

Lehrerverbände und Bildungsgewerkschaften warnen vor einem «Spiel mit dem Feuer», wenn die Abstandsregel fällt und pochen auf Schutzkonzepte für die Lehrer. Es sei eine Farce, wenn in jedem Supermarkt Plexiglasscheiben Kunden und Personal trennten - aber an Schulen kein Abstand eingehalten und die Lehrer nicht geschützt würden, hatte der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, schon Anfang des Monats gesagt.

«Auf das Abstandsgebot in den Schulen zu verzichten, ist der falsche Weg», sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Abstand und Hygienemaßnahmen seien das A und O, um Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern vor Infektionen zu schützen.

Dazu kommt, dass schätzungsweise 10 bis 20 Prozent des Lehrpersonals als «Risikogruppe» den Schulen fernbleiben könnten. Beckmann sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur, es hätte von den Kultusministern das klare Zeichen gebraucht, «dass in Pandemie-Zeiten nicht flächendeckend ein vollumfängliches Bildungs- und Betreuungsangebot zu gewährleisten ist». Er befürchtet Unmut gegen Schulleitungen und Lehrer, wenn dann möglicherweise der «reguläre Schulbetrieb» doch nicht durchgehalten werden kann.

Hubig: Zeugnisse ohne Nachteile wegen der Corona-Krise

Die Schüler in Rheinland-Pfalz sollen zum Schuljahresende ein Zeugnis bekommen, dabei aber keine Nachteile wegen der Corona-Krise haben. Das hat die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Donnerstag in Mainz nach einer Schalte der Kultusminister gesagt. Die Lehrer sollten die Noten aufgrund der Leistungen im zweiten Halbjahr im Präsenzunterricht und der Halbjahresnoten finden - unter Berücksichtigung der Corona-Zeit.

Nach den Sommerferien soll der Unterricht im Schuljahr 2020/2021 im normalen Regelbetrieb wieder beginnen. Die Abstandsregelung von 1,50 Metern entfalle dann. Die Hygienekonzepte müssten aber noch im Detail aufgestellt werden. Dabei werde - abhängig von den Neuinfektionen - in drei Szenarien gedacht. Regelbetrieb, Fern- und Präsenzunterricht im Wechsel sowie als ultima ratio komplette Schulschließungen.

Corona-Schulabschlüsse 2020 bisher nicht schlechter als in Vorjahren

Die unter Corona-Bedingungen in den vergangenen Wochen abgelegten Schulabschlüsse in Mecklenburg-Vorpommern sind nach Auswertung eines Großteils der Prüfungen nicht schlechter ausgefallen als in den Vorjahren. An den 87 Prozent der Schulen, an denen die Mittlere Reife abgelegt werden kann und die bislang ausgewertet wurden, hätten 98 Prozent der Schüler die Prüfung bestanden, teilte das Bildungsministerium in Schwerin am Donnerstag mit. Die landesweite Durchschnittsnote liege bei 2,6 und damit exakt auf dem gleichen Wert wie in den Jahren 2019 und 2018.

Bei den Abiturprüfungen liegen bislang die Ergebnisse von etwa zwei Drittel der Schulen ohne Fachgymnasien vor, wie es weiter hieß. 96,9 Prozent der Schüler hätten ihr Abitur bestanden. Die bislang ermittelte landesweite Durchschnittsnote liege zwischen 2,3 und 2,4. In den beiden Vorjahren habe sie jeweils bei 2,3 gelegen.

An diesem Freitag endet das Schuljahr in Mecklenburg-Vorpommern für mehr als 151 000 Kinder und Jugendliche und es beginnen die Sommerferien. «Die vergangenen drei Monate waren für alle eine enorme Herausforderung», sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). Sie dankte allen Schülern, Lehrkräften, Schulleitungen und den Eltern für ihr Durchhaltevermögen. Sie sei froh, dass sich die Infektionszahlen in Deutschland und vor allem in Mecklenburg-Vorpommern so positiv entwickelt haben. «Somit ist es richtig und wichtig, dass wir nach den Sommerferien am 3. August wieder in einen verlässlichen und täglichen Regelunterricht an den Schulen zurückkehren werden.»

Schulen und Kitas wieder zu: Wut und Sorgen im Kreis Gütersloh

Geschlossene Schulen und Kindertagesstätten und hunderte Infizierte sorgen für Wut und Unverständnis bei den Menschen im Kreis Gütersloh. Die Verantwortung für den Ausbruch sehen sie bei dem Schlachtereibetrieb Tönnies.

Elena Engenhorst steigen die Tränen in die Augen. Ihr Sohn spielt an einer Wasserstelle. Der Fünfjährige hüpft mit seinen blauen Gummistiefeln auf und ab. Daneben steht der Kinderwagen mit dem anderen Sohn. «Der Große war erst eine Woche wieder in der Kita und abends beim Einschlafen hat er mich noch gefragt, was wohl am nächsten Tag in der Kita Schönes passieren wird», so die junge Mutter. «Und jetzt muss ich ihm erklären, dass er wieder nicht hingehen darf.» Sie habe Angst, dass die Spielplätze auch wieder zu machen. «Wir Erwachsenen können diese soziale Distanz akzeptieren, aber für unsere Kinder ist das kaum aushaltbar», sagt die Mutter.

Ähnlich geht es auch Paulina Twardowski. «Ich bleibe zur Zeit Zuhause, um mein zweijährige Tochter zu betreuen», so die alleinerziehende Mutter. Sie sei an ihrer Belastungsgrenze. «Das wird eine sehr anstrengende Zeit für mich und die Kleine», sagt Twardowski.

Für Dirk Ködding von der Grundschule Neisseweg in Gütersloh kam die Nachricht der Schulenschließung völlig überraschend. «Wir sind alle tieftraurig», so der Schulleiter. «Vor allem die Viertklässler tun mir sehr leid, denn für die wird es nun keinen normalen Abschied geben.» Bei den Kleinen seien Tränen geflossen. Auch einige Eltern hätten sich bereits bei der Schule gemeldet. «Da gibt es nun viele Unsicherheiten besonders in Bezug auf die Notbetreuung», sagt Ködding. Diese werde aber stattfinden.

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies ist vielerorts im Kreis Hauptgesprächsthema. So auch bei Lara Köppikus. Die 17-Jährige hat erst vor kurzem ihr Fachabitur gemacht. «Ich habe von dem Vorfall bei Tönnies bei Facebook gehört», so die Schülerin. «Da gab es viele Posts und  Nachrichten.» Sie selbst mache sich nicht so große Sorgen zu erkranken. Dennoch wolle sie sich nun wieder häufiger die Hände desinfizieren.

Auch bei dem Friseur Abdullah Yildiz dreht sich nun alles um den Corona-Ausbruch bei dem Schlachtereibetrieb. «Die Kunden, die da waren, haben alle nur darüber gesprochen», so der 34-Jährige. «Wir mussten wegen Corona schon sechs Wochen zumachen und haben Angst, dass das wieder passiert.» Viele Läden hätten nicht so große Rücklagen um die Krise zu überbrücken. Die ganze Innenstadt werde darunter leiden.

«Ich wollte mich eigentlich zum 1. August selbstständig machen», so der Friseur. «Keine Ahnung, wie das nun gehen soll.» Außerdem habe er Sorge, wie bei den Arbeitern bei Tönnies nun die Quarantäne eingehalten werden solle. «Das sind 7000 Menschen, wie soll das kontrolliert werden?» Tönnies hätte diesen Ausbruch verhindern müssen, schließlich habe der Konzern riesige Macht in der Region, sagt er.

«Mich macht das traurig, denn das ist eine Katastrophe für die Stadt», sagt auch Jürgen Holtkamp, der draußen vor einer Kneipe sitzt und eine Cola trinkt. »Mir tun die Mitarbeiter bei Tönnies leid.» Die Arbeitsbedingungen seien «furchtbar», glaubt er. Das sieht auch sein Freund Andreas Kersting so. Für die beiden Männer trägt Clemens Tönnies als Unternehmer die Verantwortung für den Corona-Ausbruch.


17.06.2020 20.15 Uhr

Gebauer steht zu Schulöffnungen - Nach Ferien alle in Regelbetrieb

Die Rückkehr der Grundschulen zum Normalbetrieb hat einen Proteststurm der Opposition entfacht. Eine von rund 2800 Grundschulen in Wuppertal musste wegen eines Corona-Falls geschlossen werden. Kein Grund für die Schulministerin, an ihrem Kurs zu zweifeln.

Trotz der ersten Schließung einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen wegen einer Corona-Infektion hält Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) an der Rückkehr zum Regelbetrieb fest. «Die Kinder haben ein Recht auf Bildung», sagte sie am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags. Seit Montag werden die rund 640 000 Grundschulkinder in NRW wieder täglich und in voller Klassenstärke unterrichtet.

Nach den Sommerferien sollten möglichst alle Schüler sämtlicher Schulformen wieder in den Regelbetrieb zurückkehren, bekräftigte Gebauer. In diesem Punkt seien sich auch die Kultusminister aller Länder einig. Bis zu der angestrebten Rückkehr in den Normalbetrieb seien es in NRW noch acht Wochen. Ob der Schritt dann möglich sei, hänge von der weiteren Entwicklung des Corona-Infektionsgeschehens ab.

Bund und Länder einigten sich am Mittwoch darauf, dass bundesweit die Schulen nach den Sommerferien bei einem positiven Verlauf der Infektionszahlen in den Regelbetrieb zurückkehren sollen. Wie der volle Schulbetrieb dann organisiert werden soll, darüber werden an diesem Donnerstag die Kultusminister der Länder in einer Schaltkonferenz beraten. «Alle sind sich einig, wir brauchen wieder einen regulären Schulbetrieb», sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch vor dem Treffen der Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

In NRW gibt es über alle Schulformen hinweg nach Angaben aus dem Schulministerium derzeit 42 bestätigte Infektionsfälle bei Lehrkräften und Schülern. Eine Grundschule in Wuppertal war von den örtlichen Gesundheitsbehörden geschlossen worden. An drei weiteren Grundschulen seien Teilgruppen geschlossen worden. In NRW gibt es fast 2800 Grundschulen mit rund 640 000 Schülerinnen und Schülern.

Unterdessen schloss der Kreis Gütersloh nach einem erneuten Corona-Ausbruch beim Schlachtereibetrieb Tönnies alle Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien. Durch diesen Schritt solle eine Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung vermieden werden, sagte eine Sprecherin des Kreises.

Der Ausbruch zeige, dass es absolut notwendig sei verschiedene Pläne zu entwickeln und das Lernen auf Distanz durch ausreichend Endgeräte und entsprechende Software zu ermöglichen, teilte der Lehrerverband VBE mit. «Es ist nicht auszuschließen, dass uns ähnliche Szenarien im kommenden Schuljahr erwarten und darauf müssen alle Schulen jetzt vorbereitet werden.»

Bei SPD und Grünen stieß die Rückkehr der Grundschulen zum Regelbetrieb nur zwei Wochen vor den Sommerferien auf massive Kritik. Der SPD-Schulpolitiker Jochen Ott sagte, dass die Kinder etwa in Wuppertal nun in Quarantäne müssten und Urlaubspläne der Familien so durchkreuzt würden. Die Grünen-Abgeordnete Sigrid Beer warf Gebauer vor, für den Grundschulbetrieb in festen Lerngruppen unter Corona-Bedingungen weder genügend Räume noch das notwendige Zusatzpersonal bereitgestellt zu haben. Dass im Offenen Ganztag (OGS) die Gruppen dann gemischt würden, führe das System der Lerngruppen wieder «ad absurdum».

Der VBE berichtete davon, dass viele Lehrkräfte das Gefühl hätten, ihre Arbeit für das Lernen auf Distanz, Einhaltung der Hygienepläne und vieles mehr nicht mehr gesehen werde. Die Lehrer fühlten sich «missachtet», sagte auch der SPD-Abgeordnete Ott. Er warf dem Schulministerium vor, schon vor Ostern gewusst zu haben, dass wegen der Abiturprüfungen die restlichen Schüler bis Ende des Schuljahres höchstens noch zwei bis drei Tage die Schulen besuchen könnten. Dies habe das Ministerium aber den Eltern damals verschwiegen.

Die Pandemie-Lage in NRW habe sich in den vergangenen Wochen deutlich entspannt, sagte Gebauer. Die Folgen des eingeschränkten Schulbetriebs seien für Kinder und Erwachsene enorm. Kinder brauchten Strukturen im Alltag und Kontakt zu anderen Kindern.

Die AfD unterstützte Gebauers Kurs. «Das Normale ist die Normalität und nicht, dass man die Schulen schließt», sagte der AfD-Politiker Helmut Seifen. Auch die weiterführenden Schulen hätten vor den Sommerferien nach Ansicht der AfD zum Regelbetrieb zurückkehren sollen.

Gebauer bekräftigte, dass trotz Corona-Krise Abschlussfeiern mit Zeugnisübergaben an Grund- und weiterführenden Schulen rechtlich abgesichert seien. Es erschließe sich ihr nicht, warum einige Schulleitungen etwa in Köln Abschlussfeiern abgesagt hätten. Sie räumte aber ein, dass es aufgrund der Corona-Schutzverordnungen «mitunter schwierige Situationen» bei der Organisation geben könne. Abschlussfeiern seien in den Schulen oder auch außerhalb möglich. Auch Eltern dürften an den feierlichen Zeugnisausgaben teilnehmen.

Abibälle seien wegen ihres privaten Charakters aber verboten seien. Der «Wermutstropfen» sei, dass es wegen des Infektionsschutzes keine Veranstaltungen «mit überwiegend geselligem Charakter« geben dürfe. «Das ist der schmerzliche Preis, der zu zahlen ist.»

Kultusminister beraten über weiteres Vorgehen an Schulen

Die Kultusminister der Länder beraten an diesem Donnerstag (14.00 Uhr) in einer Schaltkonferenz darüber, wie es nach den Sommerferien an den Schulen weitergehen soll. Dabei sollen auch Bildungsexperten angehört werden. Geplant ist eine Rückkehr zum Regelbetrieb mit vollen Klassenstärken ohne Abstandsgebot. Fraglich ist aber noch, wie das bei weiter geltenden strengen Hygienebestimmungen praktisch umgesetzt werden soll.

Das neue Schuljahr könne «nicht eins zu eins so gemacht werden», wie das alte Schuljahr begonnen habe», sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), der Deutschen Presse-Agentur. Bei den Beratungen gehe es um die Frage, wie man mit dem Unterrichtsstoff umgehen müsse und um Empfehlungen für den Fernunterricht. «Es kann sein, dass es vor Ort wieder zu einzelnen Schulschließungen wegen des Infektionsgeschehens kommt. Für den Fall müssen wir ja auch in Zukunft vorbereitet sein», sagte Hubig. Mecklenburg-Vorpommern geht als erstes Bundesland an diesem Wochenende in die Sommerferien.

Zehnte Schule in Magdeburg wegen Coronavirus-Ausbruch geschlossen

Zehn Schulen geschlossen, 27 Neuinfektionen seit dem Vortag - das bisher relativ coronafreie Magdeburg spürt nun die Auswirkungen des Virus. Wie es weitergeht, ist offen.

27 Neuinfektionen seit dem Vortag und zehn geschlossene Schulen - das Coronavirus bestimmt in Magdeburg das Geschehen. Ab Donnerstag werde die Gemeinschaftsschule «Johann Wolfgang von Goethe» in Sudenburg für 14 Tage geschlossen, weil zwei Coronavirus-Fälle aufgetreten seien, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Damit sind nun zehn Schulen, zwei Kinder- und Jugendeinrichtungen und sechs Spielplätze vorübergehend geschlossen.

Die Infektionsketten sind der Stadt zufolge weiterhin unklar. Der aktuelle Ausbruch habe nach Schätzung von Amtsarzt Eike Hennig seinen Lauf Anfang des Monats genommen. Am Dienstag teilte die Stadt mit, dass es Hinweise aus Berlin gebe, dass ein Pfarrer dort in einer Pfingstgemeinde Leute angesteckt habe. Auch in Magdeburg sei eine Pfingstgemeinde aktiv, die von Menschen im Umkreis der Infizierten besucht würde. Möglicherweise sei dort auch jemand aus Berlin gewesen. Diesbezüglich gebe es jedoch keine weiteren Erkenntnisse, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Andere Verbindungen zwischen Magdeburg und Berlin seien nicht bekannt.

Seit dem Vortag sind nach Angaben der Stadt in Magdeburg 27 neue Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Zudem wurden in Halle zwei neue Fälle und jeweils ein neuer Fall im Landkreis Wittenberg sowie im Saalekreis festgestellt, wie das Sozialministerium am Mittwoch mitteilte. Insgesamt wurden in Magdeburg gut 180 Infektionen seit Beginn der Pandemie bekannt. Davon sind 60 seit Freitag in der offiziellen Statistik des Sozialministeriums hinzugekommen.

Zwischen Freitag und Dienstag wurden alleine von der Fieberambulanz und den mobilen Abstrichteams der Kassenärztlichen Vereinigung 951 Tests auf das Virus durchgeführt, wie die Stadt mitteilte. Dazu dürften noch Tests in den Fieberambulanzen der Krankenhäuser und in Arztpraxen kommen. Einem Test verweigert hätten sich aber nur wenige Personen. Seit vergangener Woche seien rund 540 Personen unter Quarantäne gestellt worden, hieß es.

Landesweit liegt die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen nach Angaben des Sozialministeriums nun bei 1803 Fällen (Stand Mittwoch, 10.43 Uhr). Dazu dürften noch vier Fälle aus Magdeburg kommen, die bislang nicht in der Statistik des Sozialministeriums aufgeführt sind. Denn die Angaben des Sozialministeriums haben zeitlichen Verzug. Sie müssen laut Ministerium nach bestimmten Kriterien im Gesundheitsamt erfasst werden und können dann an das Land weitergeleitet werden. So könne es sein, dass Landkreise und kreisfreie Städte bereits Infektionen bekanntgeben, die in den Zahlen des Ministeriums noch nicht erfasst sind. 271 Personen seien im Krankenhaus behandelt worden, hieß es vom Sozialministerium. Schätzungen zufolge sind 1650 Personen wieder genesen. 57 Menschen sind bislang im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.

15.06.2020 21.00 Uhr

Schulstart nach Corona ist Neuland für alle

 

Wegen der Coronakrise haben viele Schüler seit rund drei Monaten keine Schule mehr von innen gesehen. Das ändert sich jetzt, zumindest schrittweise. Von Normalität kann aber noch keine Rede sein. Schule im Schichtbetrieb ist Neuland für alle.

Seit Montag sind die Schulen in Baden-Württemberg für alle Schüler wieder geöffnet - allerdings nur im Schichtbetrieb und nicht bei vollem Stundenplan. Wegen des Coronavirus gehen die Schüler lediglich zeitweise in die Schulen. Den Rest der Zeit wird weiterhin per Fernunterricht gepaukt. Bei diesem «rollierenden System» sind also nicht alle Schüler gleichzeitig da, sondern die Jahrgangsstufen wechseln sich ab, um Abstandsgebote einhalten und das Infektionsrisiko senken zu können.

Weil es nicht genügend große Räume gibt, mussten manche Klassen für den Unterricht in Gruppen aufgeteilt werden. Das fällt manchen Schulen leichter, manchen schwerer: «Die Situation ist sehr inhomogen», sagte am Montag der Landeselternbeiratsvorsitzende Carsten Rees. «Wir haben Schulen aus der Gründerzeit mit riesigen Klassenzimmern und hohen Decken und wir haben Schulen aus den 70ern, die wie Pappschachteln aussehen.»

Für die Schulleitungen sei die Organisation dieses Wiedereinstiegs in den Schulbetrieb schon im Vorfeld «Stress pur» gewesen - unter anderem auch wegen verspäteter oder unzureichender Informationen seitens des Kultusministeriums. «Erst im laufenden Betrieb werden wir dann sehen, mit welchen Problemen die Schulen zu kämpfen haben», sagte Rees. Für eine abschließende Beurteilung sei es noch zu früh. Im SWR hatte auch der Bundeselternbeirat das Kultusministerium in Stuttgart kritisiert. Man habe immer das Gefühl, dass die Schreiben aus dem Ministerium sehr kurzfristig kämen, sagte der Bundesvorsitzende Stephan Wassmuth.

Das Kultusministerium betonte dagegen, die Schulen seien «bereits sehr frühzeitig über den heutigen Start der Ausbaustufe nach den Pfingstferien informiert» worden. Die bisherigen Rückmeldungen zeigten, «dass die Schulleiterinnen und Schulleiter gemeinsam mit den Lehrkräften und den Schulträgern diese Zeit genutzt haben und in den zurückliegenden Wochen viel geleistet haben, um eine reibungslosen Wiederaufnahme des Unterrichts zu ermöglichen», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Neben der Teilung der Klassen sollen die Schulen möglichst sicherstellen, dass sich die Schüler in den Pausen nicht durchmischen und die Hygienevorschriften einhalten. Die Fahrpläne der Schulbusse wurden angepasst. Zudem können manche Lehrer nicht im Klassenraum unterrichten, weil sie sich zur Risikogruppe zählen.

Der Philologenverband sprach sich für eine Maskenpflicht in der Schule, auf dem Schulhof sowie während des gesamten Schulwegs aus. Auch während des Unterrichts könne das Tragen von Masken sinnvoll sein, wenn etwa der Lehrer durch die Sitzreihen laufe, sagte der Landesvorsitzende Ralf Scholl. Insgesamt seien die Schüler glücklich, wieder zur Schule zu dürfen. «Bei allen überwiegt die Freude», sagte auch Matthias Schneider, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Organisationsaufwand für die Schulen sei allerdings enorm.

«Positiv sind die paradiesischen Zustände, was die Klassengrößen angeht», erklärte Michael Gomolzig, Sprecher des Landesverbandes Bildung und Erziehung (VBE). Deprimierend allerdings seien die hohen Anforderungen an die Lehrer, die nun Präsenzunterricht abhalten, gleichzeitig aber weiterhin Aufgaben für Fernunterricht bereitstellen müssten und auch freiwillig Notbetreuung anböten. «Es ist ein Teilstart unter erschwerten Bedingungen», sagte Gomolzig. Für ein richtiges Fazit sei es aber noch zu früh.

Der Landesschülerbeirat hatte am Wochenende gefordert, nun verstärkt jüngeren Schülern die Chance auf Präsenzunterricht zu geben, nachdem der Fokus in den vergangenen Wochen stark auf den Abschlussklassen lag. Jetzt aber solle den jüngeren Schülern mehr Zeit in der Schule ermöglicht werden, sagte Sprecher Roman Jauch.

Der Präsenzunterricht falle für viele Schüler sehr bescheiden aus, kritisierte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Timm Kern. Die Landesverbände der GEW und des VBE verwiesen dazu aber auch auf die Zahl der Lehrkräfte, von denen nur 80 Prozent zur Verfügung stünden. Die anderen 20 Prozent zählten zur Risikogruppe der über 60-Jährigen oder der Pädagogen mit Vorerkrankungen.

Lehrer aus Risikogruppen können sich bislang über ein Formblatt von der Präsenzpflicht befreien lassen und von zu Hause aus arbeiten. Wie das Kultusministerium am Montag mitteilte, ist das vom 29. Juni an nur noch auf der Grundlage eines ärztlichen Attests möglich. Schwangere Lehrerinnen seien von der Attestpflicht ausgenommen.

Mitte März hatten die Schulen in Baden-Württemberg wegen Corona komplett geschlossen. Die Abschlussklassen sind bereits ab dem 4. Mai zurück in die Schulen gekehrt, die Viertklässler seit Mitte Mai. Die Grundschulen sollen bis Ende Juni vollständig öffnen - dann ohne Abstandsgebote. Die grün-schwarze Landesregierung stützt sich dabei auf die Zwischenergebnisse einer vom Land bei den Uni-Kliniken in Auftrag gegebenen Studie. Demnach spielen Kinder bis zu zehn Jahren als Überträger des Virus nur eine untergeordnete Rolle.

Gericht: Schulunterricht auch mit weniger als 1,5 Metern Abstand

Wie viel Nähe ist zulässig an den Schulen angesichts der Corona-Pandemie? Ein Grundschullehrer bestand auf dem Mindestabstand von 1,5 Metern. Vor Gericht ist er gescheitert.

Schüler dürfen in Sachsen-Anhalt auch ohne den allgemein geltenden coronabedingten Mindestabstand unterrichtet werden. Das hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) des Landes Sachsen-Anhalt am Montag entschieden. Es wies den Antrag eines Grundschullehrers ab, der gegen die Aufweichung des Corona-Abstandsgebots geklagt hatte. Nach Einschätzung des Gerichts verletzen die geltenden Regelungen nicht die staatliche Pflicht zum Schutz der Gesundheit der betroffenen Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler. Die Infektionszahlen im Land seien auf einem vergleichsweise geringen Niveau.

Die Landesregierung sei berechtigt, den Katalog von Maßnahmen zur Eindämmung des Virus stetig anzupassen und nicht mehr für notwendig erachtete Schutzmaßnahmen zurückzunehmen. Zudem sei eine konkrete Gefährdung von Schülern und Lehrern bei Unterschreitung des Mindestabstands von 1,5 Metern bislang wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen. Ein Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schüler, der die Infektionsgefahr vollständig ausschließe, sei nicht zu verlangen. Die OVG-Entscheidung ist laut einer Sprecherin unanfechtbar.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte: «Ich freue mich über das Urteil. Das Ergebnis schafft Rechtssicherheit für alle Schulen und Eltern, aber vor allem sichert es den Weg für Schülerinnen und Schüler zurück in die Schulen.» Bei allen notwendigen Hygienemaßnahmen seien dauerhafte schulische Angebote notwendig, die sowohl die pädagogischen wie auch die sozialen Aspekte beachteten.

Für die meisten Jahrgänge gilt derzeit ein Wechselmodell. Dabei werden die Klassen in kleine Gruppen aufgeteilt und lernen abwechselnd zuhause und in der Schule. So soll der Mindestabstand eingehalten werden, um eine neuerliche Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Die Grundschulen sind aber wieder zum täglichen Unterricht übergegangen. Die Kinder lernen in voller Klassenstärke, aber mit einer festen Lehrkraft. Dafür darf der Mindestabstand von 1,5 Metern unterschritten werden. Als Vorsichtsmaßnahme werden die Klassen strikt voneinander getrennt.

Das OVG führte weiter aus, die Landesregierung habe mit der Entscheidung zur Regelbeschulung mit einem Bündel an Maßnahmen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz eingehalten. Als Beispiele wurden der Unterricht im festen Klassenverband genannt, der Infektionsketten nachvollziehbar machen soll, Hygienehinweise, Reinigungspläne, ausreichende Lüftung und die Befreiung vom Präsenzunterricht.

Die Richter gingen in ihrer Entscheidung auch auf die aktuell vermehrten Neuinfektionen in der Landeshauptstadt ein, nach denen diverse Schulen und Horte geschlossen wurden. Die Fälle hätten gezeigt, dass die zuständige Infektionsschutzbehörde die für Schüler und Lehrkräfte bestehenden Gefahren zügig durch Maßnahmen vor Ort begegne. Die staatliche Schutzpflicht sei zudem durch das Recht der Kinder auf Bildung und den Schutz von Familien beschränkt. Eine fortdauernde Beschulung und Betreuung zu Hause hindere Eltern zudem daran, ihrer Erwerbstätigkeit nachzugehen, teilte das OVG weiter mit.

Der klagende Grundschullehrer war von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt worden. Die Schulen vollständig zu öffnen, setze die Lehrkräfte und die Kinder einem enormen Risiko aus, hatte GEW-Landeschefin Eva Gerth gesagt. Die Bildung fester Gruppen, die sich nicht begegnen sollten, sei in den Schulen kaum umsetzbar.

Der Mindestabstand in Schulen beschäftigt nicht nur in Sachsen-Anhalt die Justiz: Erst vergangenen Donnerstag hatte das Sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen entschieden, dass in den Schulen und Kindergärten in Sachsen von den 1,5 Metern abgewichen werden darf. Eine Grundschullehrerin hatte geklagt und war gescheitert.

Ganze Klasse, täglicher Unterricht: Regelbetrieb an NRW-Grundschulen

Noch wenige Schultage bleiben bis zu den Sommerferien. An Grundschulen läuft wieder alles so normal wie möglich: Keine reduzierte Klassengröße mehr, täglicher Unterricht. Die Schulministerin verteidigt den Schritt gegen Kritik.

Nach fast zehn Wochen Corona-Einschränkungen sind die rund 600 000 nordrhein-westfälischen Grundschulkinder am Montag wieder in den Regelbetrieb gestartet. Bis zu den Sommerferien nach dem 26. Juni sollen die Erst- bis Viertklässler wieder täglich und in voller Klassenstärke unterrichtet werden. Nach ersten Rückmeldungen sei der Start an den Grundschulen gut verlaufen, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf Anfrage. «Mit großem Engagement haben Schulleitungen, Lehrkräfte und das pädagogische Fachpersonal im Offenen Ganztag diesen wichtigen Schritt wieder hin zu einem verantwortungsvollen Regelbetrieb an unseren Schulen möglich gemacht», teilte die Ministerin mit.

«Es ist kein Experiment», hatte sie in einem WDR 2-Interview betont. Grundschulkinder brauchten Struktur, die ihnen die Schule bieten könne. Es sei nach der langen Zeit der Schulschließung für die jüngsten Schulkinder wichtig, mit einem positiven Schulerlebnis abschließen zu können. Das Infektionsgeschehen in der Altersgruppe gehe in Nordrhein-Westfalen zudem gen Null.

Den Angaben des Schulministeriums zufolge stehen für den Unterricht in Grundschulen nur rund 80 Prozent der Lehrer zur Verfügung. In den Klassenräumen gilt kein Abstandsgebot mehr. Kritik kam unter anderem von Elternverbänden und Lehrergewerkschaften. Sie sehen die Gefahr neuer Ansteckungen.

In der Bevölkerung stieß die Rückkehr zum Normalbetrieb auf ein geteiltes Echo. Nach dem «NRW-Trend» im Auftrag des WDR-Magazins «Westpol» ist die Mehrheit der Befragten (52 Prozent) der Auffassung, dass der normale Schulbetrieb besser erst nach den Sommerferien starten sollte. 40 Prozent finden die Öffnung der Grundschulen zum jetzigen Zeitpunkt richtig. Nach einer Umfrage im Auftrag der FDP-Landtagsfraktion dagegen halten 57,9 Prozent der Befragten die Entscheidung der Landesregierung zum Schulstart am Montag für richtig und 30,5 Prozent für falsch.

Nur wenige Corona-Fälle an Schulen seit Wiederbeginn des Unterrichts

Seit dem Neubeginn des Schulbetriebs in Niedersachsen am 27. April sind dem Kultusministerium 75 Infektionen mit dem Corona-Virus an 46 Schulen bekannt geworden. Bei 69 Schülerinnen und Schülern habe es bestätigte Infektionen gegeben, teilte das Ministerium in Hannover der Deutschen Presse-Agentur mit. Sechs Personen waren Lehrer oder andere Beschäftigte der Schulen.

38 Schulen mussten vorübergehend wieder geschlossen werden. Davon entfielen allein 35 auf den Infektionsherd Göttingen. Und auch dort gab es nur an drei Schulen Kinder mit Infektionen, der Rest wurde vorsorglich geschlossen. Das Virus hatte sich unter mehreren Familien in einem Hochhaus bei Feiern zum islamischen Zuckerfest verbreitet.

«Diese Zahlen spiegeln die aktuell recht stabile Lage im Landesschnitt wider», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Es könne aber immer wieder vorkommen, dass regionale Infektionsherde auf die Schulen ausstrahlen. Auch sei die Rolle von Kindern bei der Verbreitung des Virus Sars-CoV-2 noch nicht abschließend geklärt.

«Daher stehe ich für einen realistischen Kurs, der für das neue Schuljahr mit unterschiedlichen Szenarien arbeitet», sagte Tonne. «Wir wünschen uns so viel Normalität wie möglich, werden aber weiterhin schrittweise vorgehen, die Lage ständig analysieren und gegebenenfalls Schlussfolgerungen ziehen.»

In der Stadt Bremen ist seit dem stufenweisen Neubeginn des Unterrichts am 7. Mai bei 20 Schülerinnen und Schülern an 17 Schulen das Virus nachgewiesen worden. Das teilte die Schulbehörde mit.

13.06.2020 17.00 Uhr

Schüler erhalten ihr Abschlusszeugnis im Autokino

Der Coronakrise zum Trotz haben die Absolventen der Internationalen Schule in Hannover eine Abschlussfeier bekommen. In einem Autokino am Rande der Innenstadt erhielten die etwa 50 Schülerinnen und Schüler am Samstag ihre Zeugnisse. Es sei «eine würdige, und wohl auch sehr außergewöhnliche Graduation-Zeremonie» gewesen, sagte Stefan Handwerker, Business Director der Schule.

Zum Schluss standen alle Absolventen in dunkelroten Roben mit Abstand zueinander auf der Bühne. Sie durften ihre Hüte nicht hochwerfen, wie es angelsächsische Tradition ist, aber immerhin schwenken. In etwa 120 Autos voller Gäste wurde begeistert gehupt, wie eine Sprecherin sagte. «Auch das Wetter hat gehalten.»

Die Internationale Schule Hannover Region (ISHR) liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Autokinos. An der ISHR werden mehr als 600 Schülerinnen und Schüler aus über 60 Nationen vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse unterrichtet.

Umfrage: Mehrheit findet Grundschul-Start vor Sommerferien richtig

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bekommt Rückendeckung durch eine Umfrage im Auftrag der Landtagsfraktion der Liberalen: Demnach findet es eine Mehrheit der Menschen in NRW richtig, dass am Montag - kurz vor den Sommerferien - der Unterricht an Grundschulen wieder startet.

Die Mehrheit der Menschen in NRW findet den Start des regulären Unterrichts an Grundschulen am Montag richtig. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die von der FDP-Landtagsfraktion beim Institut «Civey» in Auftrag gegeben wurde. Demnach fanden 57,9 Prozent der Befragten die Entscheidung der Landesregierung richtig und 30,5 Prozent falsch. 11,6 Prozent waren unentschieden. Der Start zwei Wochen vor den Sommerferien war unter anderem von der Lehrergewerkschaft VBE scharf kritisiert worden. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte dagegen betont, dass jeder Tag zähle.

Bei der Umfrage nannten sowohl die Mehrheit der Menschen mit Kindern im Haus (59,6 Prozent) als auch die ohne (56,8 Prozent) den Start des Regelunterrichts richtig. 30,9 der Menschen mit Kindern und 30,3 Prozent der ohne nannten die Entscheidung falsch.

Die FDP sieht den Weg ihrer Schulministerin bestätigt: «Es ist den Freien Demokraten ein Herzensanliegen für alle Kinder baldmöglichst wieder regulären Schulbesuch zu ermöglichen, denn jeder Tag ist ein Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Henning Höne: «Die Wiederaufnahme des regulären Unterrichts an den Grundschulen findet auch in der Bevölkerung große Unterstützung, das bestärkt uns darin diesen Weg zu gehen, auch wenn er allen Akteuren viel abverlangt.»

Tatsächlich könnten die Schulen in den zwei Wochen auch Erfahrungen für das nächste Schuljahr sammeln, so Höne: «Denn auch wenn die Infektionszahlen niedriger sind, wird Corona uns noch länger begleiten.»

Hamburgs Schulsenator: Normale Grundschule nach den Sommerferien

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) will die Grundschulen in der Hansestadt nach den Sommerferien wieder normal öffnen. Dies teilte die Behörde nach einem Digital-Symposium mit Bildungsministern anderer Bundesländer und Wissenschaftlern am Freitag mit.

Gewerkschaft: Lehrer fühlen sich als Menschen zweiter Klasse

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat einen fehlenden Dialog zwischen Kultusministerkonferenz (KMK) und Lehrergewerkschaften beklagt. «Wir waren unter anderem nicht zum KMK-Gespräch eingeladen, da waren lediglich Virologen und Bildungswissenschaftler. Die Gewerkschaften als Vertretung der Lehrerschaft wurden also nicht gehört. Das ist sehr bedauerlich und eine vertane Chance in der Krise», sagte die Schulbeauftragte im Bundesvorstand, Ilka Hoffmann, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). Man verfolge die Entscheidungen der Politik zurzeit mit großem Misstrauen. Viele Pädagogen fühlten sich wie Teilnehmer eines Experiments. «Lehrer und Erzieher fühlen sich zurzeit als Menschen zweiter Klasse von der Politik behandelt.» In manchen Bundesländern seien sie zwar mehr in Entscheidungen eingebunden, in anderen Bundesländern wiederum gar nicht.

Die GEW hatte zuletzt die geplante Rückkehr zum Schulbetrieb ohne Abstandsregeln kritisiert. Die Bildungsgewerkschaft hatte am Mittwoch einen «runden Tisch gefordert, an dem Politik, Gewerkschaften, Eltern- und Schülervertretungen sowie Mediziner zusammenkommen und über Lösungswege entscheiden».

 

12.06.2020 13.45 Uhr

Nach Corona: Schulen in Ungarn wieder geöffnet, aber kaum Schüler

In Ungarn sind die Schulen mit Abklingen der Corona-Pandemie seit dem 2. Juni wieder geöffnet, doch gibt es kaum Schüler, die die Klassenzimmer bevölkern. Von 1,2 Millionen Schulkindern besuchten gerade mal 30 000 bis 36 000 pro Tag die Schule, berichtete die regierungsnahe Tageszeitung «Magyar Nemzet» am Freitag unter Berufung auf das Klebelsberg-Zenrum, Ungarns zentrale Schulverwaltung. Bis Ende dieses Schuljahres beruht die persönliche Anwesenheit im Unterricht auf Freiwilligkeit.

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie ließ die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban Mitte März alle Schulen und Kindergärten schließen. Das Unterrichtswesen stieg prakisch ohne Vorbereitung auf Homeschooling und digitalen Unterricht um. Experten bemängeln, dass vor allem Kinder aus den unteren Schichten weder über die dafür nötige Ausrüstung verfügen noch die entsprechende begleitende Fürsorge der Eltern genießen. Die Kluft zwischen bildungsnahen und -fernen Schichten würde weiter wachsen.

Seit der Wiedereröffnung der Schulen und Kindergärten Anfang des Monats gelten relativ milde Pandemie-Regeln. Das Tragen von Masken ist nicht vorgeschrieben, Abstandsregeln sollen so gut wie möglich eingehalten werden. Veranstaltungen wie etwa zum Schulschluss dürfen nur im kleinen Rahmen stattfinden.

Wegen des schwachen Besuchs von drei bis vier Prozent der Schüler wird derzeit kein strukturierter Unterricht angeboten. Lehrer und Schüler verbringen die Zeit vor allem mit Hausaufgabenbetreuung, individueller und gruppenweiser Nachhilfe sowie Sport, wie «Magyar Nemzet» schrieb.

In Ungarn waren bis zum Freitag 4053 Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Nur 88 von ihnen sind 19 Jahre alt oder jünger. Die Zahl der akuten Fälle wurde mit 1051 angegeben, die der Toten mit 555.

Hubig kündigt Angebote für Schüler mit Unterstützungsbedarf an

Im neuen Schuljahr werden die Kinder und Jugendliche voraussichtlich wieder ganz normal zur Schule gehen können. Wie vor Corona ist der Schulalltag aber noch längst nicht.

Für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf soll es in Rheinland-Pfalz den Sommerferien spezielle Angebote geben. «Und wenn das gut läuft, werden wir das auch in den Herbst-, Winter- oder Osterferien anbieten», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.

Der Unterricht wird im neuen Schuljahr auch nicht gleich wie gewohnt beginnen: Im ersten Halbjahr sollten die Lehrer einen besonderen Blick auf die Grundlagen werfen und schauen, welche vertieft oder gefestigt werden müssten, sagte Hubig. «Damit die Themen, die während der Corona-Zeit so nicht gelernt werden konnten, nachgeholt werden können.» Dies habe das Ministerium den Schulen bereits mitgeteilt.

Viele Schüler seien gut durch die Corona-Zeit gekommen, hätten sogar manche Themen intensiver und komplexer gelernt. «Es gibt aber natürlich auch Schüler, für die diese Situation schwierig ist. Deshalb haben wir ja die Notbetreuung sehr früh auch für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf geöffnet.»

«Es wird nicht eins zu eins so sein wie vor Corona-Zeiten», sagte Hubig. Einzelne Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, könnten nur von zuhause aus oder in anderer Form unterrichten. Dafür brauchen sie in Rheinland-Pfalz künftig ein Attest. Beim Sportunterricht werde es auch noch Einschränkungen geben.

Auf die Abstandsregelungen könne in den Schulen nach Einschätzung von Experten aus jetziger Sicht verzichtet werden. Mund-Nasen-Masken brauchten die Schüler im Unterricht auch nicht zu tragen. «Da ist Mimik und Gestik wichtig», sagte Hubig. Die Alltagsmasken spielten aber weiterhin eine Rolle, etwa bei der Schülerbeförderung sowie in den Fluren, Gängen und Treppenhäusern. «Wir brauchen weiterhin Hygienekonzepte, die Nachverfolgbarkeit und ganz klare Klassengruppen, die fest zusammengesetzt sind.» Zudem würden schulartspezifische Konzepte entwickelt, etwa für Berufsschulen mit mehreren tausend Schülern.

Hubig appellierte an die Eltern, ihre Kinder nicht krank in die Schule zu schicken. Dies sei für alle wichtig. Manche Schüler gehörten wegen einer Erkrankung auch zur Risikogruppe. Sie müssten nicht am Unterricht teilnehmen. «Das ist immer eine Abwägungsfrage und sollte mit den behandelnden Ärzten abgeklärt werden», betonte die Ministerin.

Mobil, flexibel, krisenfest: Piazolos Ideen für die Schule von morgen

Die Corona-Pandemie erforderte einen nie da gewesenen Schritt: zum Infektionsschutz mussten auch Bayerns Schulen schließen. Für Kultusminister Piazolo rückblickend ein zukunftsweisender Moment.

Als Lehre aus der Corona-Pandemie will Bayerns Kultusminister Michael Piazolo die Schulen im Freistaat durch mehr Digitalisierung mobiler, flexibler und so krisensicherer aufstellen. «Wir haben in den vergangenen Wochen einiges gelernt, was wir beibehalten wollen für die Schule der Zukunft», sagte der Freie-Wähler-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in München.

Durch die Dynamik bei den Infektionszahlen habe sich notgedrungen auch eine Dynamik bei der Digitalisierung an den Schulen ergeben, - «ein regelrechter Sprung, ausgehend vom Kickoff durch den Lockdown», sagte Piazolo. Dies müsse man nun genauso dynamisch weiterführen - allerdings habe die Krise auch gezeigt, wie unverzichtbar der klassische Präsenzunterricht sei. Dieser werde - bei aller Digitalisierung - auch in Zukunft weiter der Normalfall sein.

Für ihn sei es dabei besonders wichtig, dass es mehr Mobilität gebe, betonte Piazolo. «Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir mittelfristig unseren Lehrern eigene Geräte für Zuhause zur Verfügung stellen können. Um flexibler zu werden, sei dies in einem ersten Schritt für Referendare und langfristig dann auch für die Schüler nötig. «Das geht natürlich nicht alles auf einen Schlag, aber die Richtung muss dahin gehen.»

Aus Piazolos Sicht könne man auch für die generelle Kommunikation innerhalb der «Schulfamilie» viel aus der Pandemie lernen. Das bedeute nicht, dass es «nun für alles Videoschalten gebe», aber auch hier sei ein Ausbau der Angebote richtig. Das gelte auch für Methodik und Fortbildung: «Rund 80 000 Lehrer haben bereits unsere digitalen Fortbildungsangebote genutzt. Da müssen wir unbedingt dranbleiben.» Wünschenswert wären hier auch Anpassungen im Lehramtsstudium, in jedem Fall sollten aber die Referendariate für eine Stärkung der digitalen Kompetenz der Lehrkräfte genutzt werden.

Eine Hürde sei bisher immer die Finanzierung gewesen. Doch den Kommunen als verantwortliche Sachaufwandsträger der Schulen stünden derzeit fast 1,1 Milliarden Euro aus Fördertöpfen von Bund und Land zur Verfügung. «Mein Wunsch wäre es, dass die Schulaufwandsträger noch in diesem Jahr für die Beschaffung der Geräte einen möglichst hohen Anteil dieser Mittel investieren. Ich möchte hierzu zeitnah den Dialog mit den kommunalen Spitzenverbänden fortsetzen, um ein gemeinsames Vorgehen zu vereinbaren.»

Der bayerische Realschullehrerverband (brlv) unterstützt Piazolos Pläne grundsätzlich, warnt allerdings zugleich: «Doch die Hardware alleine wird keinen Innovationsschub bringen. Es braucht professionelle und externe Lösungen, um Systeme zu warten, zu administrieren und Fehler zu beheben», sagte brlv-Landeschef Jürgen Böhm. Nur mit einer engen Partnerschaft zwischen Schulen und Sachaufwandsträger könne verhindert werden, dass es nicht an jeder Schule zu unterschiedlichen «Insel-Lösungen» komme.

In der Pandemie habe sich trotz diverser Probleme auch gezeigt, dass in Bayern schon viel Gutes auf dem Weg sei. So nutzten rund 1,3 Millionen der 1,7 Millionen Schüler die Möglichkeit, über die staatliche digitale Plattform mebis Lerninhalte abzurufen, sagte Piazolo. In Summe gebe es auf «mebis» rund 250 000 Kurse, als Reaktion auf anfängliche Schwierigkeiten seien die Serverkapazitäten verzehnfacht worden. Man habe kurzfristig für die weiterführenden Schulen das Kommunikationstool «Microsoft Teams for Education» angeschafft, um insbesondere auch Videokonferenzen zu ermöglichen.

Zudem habe man für Schüler, die kein eigenes Endgerät hätten, eine flexible Leihmöglichkeit aus dem vorhanden Gerätepool geschaffen. Den Kommunen stünden mit einem Sonderprogramm 78 Millionen Euro aus Bundesmitteln für neue Leihgeräte zur Verfügung.

Auch bei den jüngeren Schülern gehöre neben den drei klassischen Kulturtechniken «lesen, schreiben, rechnen» die immer wichtigere Vermittlung von Medienkompetenz zum richtigen Methodenmix der Schulen, sagte Piazolo. Je nach Alter könne dies spielerisch ab der Grundschule geschehen. Der Schulalltag werde dadurch bereichert, ohne dass die soziale Interaktion, das persönliche Miteinander zwischen Schülern und Lehrern darunter leide.

Es sei aber dabei nicht das Ziel, den Regelbetrieb der Schulen nach Hause zu verlagern, dieser solle «selbstverständlich» wie bisher in den Schulen mit den Lehrern stattfinden, sagte Piazolo. Auch dies sei eine Lehre der Krise, Lehrer seien die Profis bei der Vermittlung von Wissen, und Eltern sollten hier nicht zu Aushilfslehrern werden.

Gleichwohl müsse schon wegen einer möglicherweise im Herbst drohenden zweiten Corona-Infektionswelle oder anderen Pandemien damit gerechnet werden, dass es auch wieder zum Lernen zuhause kommen könne. Deshalb sei es wichtig, sich darauf einzustellen. «Denn», dies müsse auch klar benannt und zugegeben werden, «auf Corona war kein Land oder Staat perfekt vorbereitet.» Dies gelte für das Gesundheitssystem generell wie für den Bereich der Bildung und Schulen.

Niedersachsen ermöglicht wieder Schulsport und Abschlussfeiern

Niedersachsen ermöglicht vom 22. Juni an wieder den Schulsport, Abschluss- und Einschulungsfeiern sowie Zeugnisübergaben. Die Feiern müssten allerdings unter freiem Himmel organisiert werden, es sei denn das bis dahin größere Veranstaltungen auch wieder drinnen erlaubt werden, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Freitag in Hannover. Auch sollen in den Schulen wieder Theater- und Filmaufführungen, Projekttage sowie Fahrten zu außerschulischen Lernorten möglich sein. Dies sei jeweils in den Kleingruppen geplant, in denen derzeit der Präsenzunterricht stattfindet.

Vor der Sommerpause wolle das Ministerium über den Neustart der Schulen nach den Ferien entscheiden. Der Wunsch sei, soviel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten und zugleich den Gesundheitsschutz optimal zu wahren. «Wir arbeiten in Szenarien», sagte der Sprecher.

Auch über den Umfang des Kita-Betriebs nach den Ferien will das Ministerium bis vor der Sommerpause entscheiden. Am 22. Juni endet das Angebot von Notgruppen. Es wird ein eingeschränkter Regelbetrieb wieder aufgenommen mit dem Ziel, dass sämtliche Kinder wieder ihre Kita besuchen können. In dieser Woche sei die Betreuungsquote bereits auf 45,6 Prozent gestiegen.

Nicht cool: Wenn Pubertierende zu Maskenverweigerern mutieren

Auch wenn Schulen, Läden, Kinos und Co. längst wieder geöffnet haben, gelten zwei Regeln weiter: Masken tragen und Abstand halten. Manchen Teenagern fällt es schwer, sich daran zu halten.

In Cliquen ziehen sie ohne Maske durch Einkaufszentren und finden sich richtig cool dabei. Oder sie reißen demonstrativ die Atemschutzmaske vom Gesicht, sobald die Eltern außer Sichtweite sind. Manchmal hört man Eltern auch mit ihren Teenagern streiten, weil diese sich weigern, die Masken zu tragen.

«Teenager sind oft prinzipiell gegen alles - das ist quasi ihr Job während der Pubertät», erklärt Familiencoach Kira Liebmann aus München. Je mehr Eltern die Kinder drängen, etwas zu tun oder nicht zu tun, desto eher würden die Jugendlichen genau das Gegenteil versuchen. «Die Maskenpflicht ist daher bei vielen Jugendlichen ein prima Weg, das «Ich bin dagegen» zu demonstrieren. Wer in der Clique dabei am mutigsten vorgeht, hat das höchste Ansehen», so Liebmann, die als Pubertätstrainerin Eltern coacht.

Oft zählt nur, was Eltern vorleben

Jugendliche würden sich viel über ihre Außenwirkung und Äußeres definieren. Masken werten da ein Gesicht nicht unbedingt auf. Gerade wo Schönheit und Aussehen auf Instagram einen hohen Stellenwert einnehmen, soll man sein Gesicht verdecken? Keine Maske passe da zum vorher genau überlegten Look. Was können Eltern da ausrichten?

«Während der Pubertät ist der Bereich im Gehirn kaum ansteuerbar, der für logisches und überlegtes Handeln und Denken zuständig ist», weiß Liebmann. Eltern sollten daher überprüfen, was sie vorleben: Werden Masken in der Familie negativ, positiv oder überhaupt thematisiert?

Integrieren Eltern die Masken in den Alltag? Oder regen sie sich über sie auf, weil man darunter nicht atmen kann? All das habe Einfluss auf das Verhalten der Kinder. Liebmann: «Teenager tun nicht immer was Eltern sagen, aber oft was Eltern tun.»

Kein Machtkampf mit dem Teenie

Liebmann empfiehlt, sich nicht auf einen Machtkampf einzulassen. «Diesen verlieren Eltern meistens. Entweder weil sie aufgeben oder überzogene Strafen aussprechen. Beides belastet die Eltern-Kind-Beziehung mehr als dass es nützt», erklärt die Jugendexpertin.

Bei Teenies, die sich auf keine Argumente einlassen, zieht es oft eher, wenn Schule oder Verkaufspersonal sagen, dass es ohne Maske nicht geht. «Hauptsache, es kommt nicht von den Eltern.»

11.06.2020 16.30 Uhr

Ab Montag wieder Schule - Unterricht im «rollierenden System»

Für manche Schüler ist es rund drei Monate her, dass sie in der Schule unterrichtet wurden. Das soll sich nach den Pfingstferien ändern - trotz Corona. Für die Schulen ist das ein Kraftakt.

Viel Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme sind gefragt, wenn am Montag die Schulen nach den Pfingstferien wieder öffnen. Möglicherweise läuft nicht alles rund. Nach den Schulschließungen wegen des Coronavirus sollen jetzt alle Schüler zeitweise wieder in den Schulen unterrichtet werden. Beim geplanten «rollierenden System» sind die Schüler nicht gleichzeitig in der Schule, sondern die Jahrgangsstufen wechseln sich ab.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht die Schulen gut vorbereitet. Sie seien früh über die Pläne informiert worden. Der Landeschef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, sagte, unterm Strich werde das «rollierende System» funktionieren. Es könne aber zu Einschränkungen kommen, wenn etwa in kleinen Grundschulen Lehrer ausfielen, weil sie zu Risikogruppen zählten.

Nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW stehen die Schulen vor einem Kraftakt. Es liefen schließlich auch der Fernunterricht und die Notbetreuung für Kinder weiter, deren Eltern in ihren Berufen unabkömmlich seien, sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz.

Die Herausforderung: Die Abstandsgebote sollen in den Schulen eingehalten werden. Weil es nicht genügend große Räume gibt, müssen manche Klassen für den Unterricht in kleinere Gruppen aufgeteilt werden. In den Pausen sollen sich die Schüler nicht durchmischen. Und auch die Fahrzeiten der Schulbusse müssen an den neuen Corona-Stundenplan angepasst werden, wie Moritz zu bedenken gab.

Moritz hielt dem Kultusministerium eine mangelnde Kommunikation mit den Schulleitungen in der Corona-Krise vor. Das Ministerium müsse im direkten Austausch erklären, warum welche Maßnahmen wegen des Coronavirus in den Schulen erforderlich seien. «Das würde helfen, Vertrauen wieder aufzubauen», meinte Moritz. Bislang kommuniziere das Ministerium nur per Mail mit den Schulleitungen. Vertreter von Gewerkschaften und Verbänden hatten wiederholt beklagt, die Schulen erführen zuerst aus den Medien von den Plänen des Ministeriums.

Das Kultusministerium wies den Vorwurf einer mangelnden Kommunikation zurück. «Der Amtschef des Kultusministeriums kommuniziert wöchentlich mit der Direktorenvereinigung, mit den Lehrergewerkschaften, mit den Kommunalen Landesverbänden, mit den Regierungspräsidien und Staatlichen Schulämtern, mit den freien Schulen», teilte ein Sprecher mit. Insbesondere auch GEW und VBE seien beim Thema der Ausweitung des Präsenzunterrichts von Beginn an einbezogen worden. «Im Übrigen gibt es einen vielfältigen Austausch der Fachabteilungen des Kultusministeriums mit den Schulen und den Schulleitern.»

Die Grundschulen sollen bis Ende Juni vollständig öffnen - dann ohne Abstandsgebote. Eisenmann erklärte, die Konzepte und Verhaltensregeln dazu würden gerade erarbeitet. Die GEW bezweifelt aber, dass eine vollständige Schulöffnung möglich sein wird, da viele Lehrer zu Risikogruppen gehörten und nicht in den Schulen unterrichten könnten.

SPD-Landtagsfraktionschef Andreas Stoch bekräftigte, die Schulen bräuchten klare und verlässliche Vorgaben für den Unterricht bis zu den Sommerferien - vor allem aber auch für das neue Schuljahr. «Dazu muss Ministerin Eisenmann endlich die Betroffenen in die Planungen einbeziehen und damit aufhören, ständig neue und unausgereifte Ankündigungen per Pressemitteilung in die Welt zu setzen.»

Kritik an Lockerungen für Grundschüler

Vom 22. Juni an soll es wieder regulären Unterricht an Hessens Grundschulen geben. Die Entscheidung sorgt für Diskussionen, die Gewerkschaft GEW lehnt die Rückkehr zum Regelbetrieb ab.

Die weiteren Lockerungen von einigen Corona-Beschränkungen haben für Diskussionen in Hessen gesorgt. Insbesondere die Entscheidung der Landesregierung, dass die Grundschulen vom 22. Juni an wieder regulären Unterricht erteilen sollen, stieß auf Kritik. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnte die Rückkehr zum Regelbetrieb ab. Unzumutbar sei das Vorhaben gerade auch für die Schulleitungen. Sie müssten für die vierten Klassen nun zum vierten Mal innerhalb von gut sechs Wochen komplett neue Pläne für den Personaleinsatz und die Gruppeneinteilung sowie Raum- und Pausenpläne entwerfen.

Das Land hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass Hessen an den Grundschulen den Neustart wagt. Am 22. Juni beginnt für alle Kinder der gemeinsame Präsenzunterricht, das Abstandsgebot gilt dann nicht mehr. Bisher werden Grundschüler noch nicht wieder im gesamten Klassenverband unterrichtet, sondern tageweise in verschiedenen Gruppen. Allerdings müssen Eltern ihre Kinder in den zwei Wochen bis zu den Sommerferien (6.7.) nicht zur Schule schicken, sondern können mit ihnen den Unterrichtsstoff auch zu zuhause lernen.

Die hessische GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch lehnte Änderungen für die letzten zwei Wochen vor den Sommerferien ab. «Wir sehen keine Möglichkeit, wie der Gesundheitsschutz gewährleistet werden soll, wenn mehr als 25 Kinder ohne Abstand in schlecht gelüfteten Räumen unterrichtet werden sollen», hieß es.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) reagierte mit scharfer Kritik. Die Öffnung der Schulen sei für Eltern und Schüler ein wichtiger Schritt. «Dieser Schritt darf aber auf keinen Fall unter Verzicht auf Arbeitsschutz und Hygienestandards erfolgen», erklärte der stellvertretende Vorsitzende des DGB Bezirks Hessen-Thüringen, Sandro Witt. Er nannte das Vorgehen kopf -und verantwortungslos.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte am Mittwoch erklärt, die Abstandsregeln durch ein Konzept ersetzen zu wollen, wonach konstante (Lern-)Gruppen gebildet und durch deren Trennung Durchmischungen vermieden werden sollen. An den weiterführenden Schulen ändere sich bis zu den Sommerferien erst einmal nichts, sagte Lorz weiter. «Die allgemeine Corona-Infektionslage, neue medizinische Erkenntnisse und positive Rückmeldungen aus den Schulen haben uns dazu bewogen, weitere Lockerungsschritte für junge Familien in ganz Hessen in Angriff zu nehmen.»

Zu den weiteren Lockerungen gehört, dass Kindertagesstätten in Hessen vom 6. Juli an wieder vollständig öffnen und den Regelbetrieb aufnehmen sollen. Eltern können also ab diesem Zeitpunkt wieder ganz normal ihre Kinder betreuen lassen, sofern das Personal ausreicht und es das Infektionsgeschehen erlaubt.

Die Stadt Hanau sprach am Donnerstag von «enormen» Herausforderungen angesichts der Rückkehr zum Regelbetrieb für Kitas. Nach der Entscheidung über die vollständige Öffnung «müssen wir unsere bisherigen Konzepte und Pläne überdenken», sagte Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) laut einer Mitteilung.

Vertreter kommunaler Spitzenverbände hatten am Vortag die Lockerungen begrüßt. Der Präsident des Hessischen Landkreistags, der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU), befand in Wiesbaden, die Maßnahmen seien «richtig und angemessen». Doch die Situation sei nach wie vor fragil. In den Grundschulen vor den Ferien wieder den Regelbetrieb aufzunehmen, sei richtig. Schulen hätten neben dem Bildungsauftrag schließlich auch eine soziale Funktion.

Rund 20 Prozent der Schulen wollen «Lernsommer» anbieten

Wochenlang fiel der Schulunterricht auch in Schleswig-Holstein wegen der Corona-Krise aus. Nun soll der «Lernsommer» den Schülern helfen, fit für das kommende Schuljahr zu werden. Bislang haben 139 der knapp 800 Schulen ihre Teilnahme signalisiert.

Verkürzte Sommerferien für einen Teil der Schüler in Schleswig-Holstein: Mindestens an jeder fünften Schule in Schleswig-Holstein können Mädchen und Jungen in den Sommerferien durch die wochenlangen Schulschließungen in der Corona-Krise entstandene Lernlücken füllen. Bislang 139 Schulen «quer über das Land verteilt» hätten ihre Teilnahme am «Lernsommer.SH» erklärt, sagte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstag. Insgesamt gibt es knapp 800 allgemeinbildende Schulen im Land.

Ein oder zwei Wochen in den Sommerferien sollen benachteiligte Schüler in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch gefördert werden. Die Schulen können weitgehend entscheiden, wie das Programm bei ihnen genau aussieht. Möglich sind mehrere Stunden pro Tag oder auch drei Tage Unterricht und zwei Tage mit anderem Programm.

Das Land hat dafür fünf Millionen Euro bereitgestellt. Lehrer sollen damit zusätzlich vergütet werden. Auch Lehramts-Studenten können an dem Programm für Schüler der 1. bis 10. Klassen teilnehmen. Darüber hinaus erhalten die Schulen ein zusätzliches Budget, um externe Angebote von kultureller Bildung oder sportliche Aktivitäten anbieten zu können. Der Lernsommer finde aber nicht am Strand statt, sagte Prien. «Das ist kein Ferienlager.»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, «wir müssen in den nächsten Wochen besonders auf die Kinder und Jugendlichen achten, die in einem Elternhaus mit erschwerten sozialen und finanziellen Bedingungen aufwachsen und deshalb beim Lernen nicht so gut unterstützt werden konnten». Home-Schooling-Angebote hätten diese oft nicht so gut erreicht. Sie würde sich wünschen, dass es in ganz Deutschland solche Angebote geben würde.

«Neben dem Vermitteln von Lernstoff in den Kernfächern wollen wir dabei auch besonders kulturelle und politische Bildung in den Blick nehmen», sagte Prien. Eltern von Schülern, bei denen die Lehrer einen besonderen Förderbedarf in den Sommerferien sehen, sollen mit den Zeugnissen entsprechende Briefe erhalten. Es könne aber niemand gezwungen werden, sein Kind in den Ferien in die Schule zu schicken. «Aber selbst wenn wir damit nur 70 Prozent erreichen, wäre das ein Erfolg.»

Das Bundesprogramm «Kultur macht stark» helfe bei den Plänen des Landes, sagte Prien. Bundesweit stehen dafür für den Zeitraum 2018 bis 2022 insgesamt 250 Millionen Euro bereit. Wegen Corona könnten derzeit aber viele Präsenz-Veranstaltungen nicht stattfinden, sagte Karliczek. Es seien deshalb nicht alle Mittel wie geplant abgerufen worden. «Deswegen haben wir jetzt die Möglichkeit, dass wir noch Mittel haben, die wir für solche Sonderprogramme einsetzen können.»

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat kritisierte, «offenbar verweigern sich 80 - 85 Prozent der Schulen in Schleswig-Holstein dem sogenannten Lernsommer 2020». An teilnehmenden Schulen werde es Angebote nur für einen Bruchteil der Schüler geben. «Ob die Teilnehmenden dann die sein werden, die zu Hause nicht die besten Voraussetzungen zum Lernen und zum digitalen Unterricht vorfinden, steht in den Sternen». Die Schüler, die Hilfe am nötigsten hätten, würden damit in ihrer übergroßen Mehrzahl nicht erreicht, schon gar nicht in den Bereichen Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen. «Das heißt: Wir brauchen dringend Lösungen, um mit vorhandenen Defiziten in der Anfangsphase des nächsten Schuljahres umzugehen.»

Lehrerverband genügen Pläne zum Infektionsschutz an Schulen nicht

In Thüringen sollen Kindergärten und Grundschulen ab Montag wieder täglich für alle Kinder öffnen und sechs bis acht Stunden Betreuung anbieten. Doch der Lehrerverband sieht dadurch das Personal in Gefahr.

Der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbands Rolf Busch hat wegen der Corona-Pandemie mehr Schutz für Lehrer, Schüler und Beschäftigte an Schulen gefordert. «Wir brauchen Schutzkonzepte für alle Beteiligten», sagte Busch am Donnerstag in einer Video-Schalte in Erfurt. Eine verlässliche Schule sei wichtig und die Lehrer seien dazu bereit - allerdings nicht in Gänze, wenn Hygieneregeln aufgegeben würden, betonte Busch.

Die Thüringer Landesregierung hatte sich am Dienstag darauf verständigt, an Kindergärten und Grundschulen ab Montag wieder eine tägliche Betreuung für alle Kinder anzubieten. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sprach von sechs bis acht Stunden Betreuungszeit pro Tag. Die Notbetreuung endet.

Dafür sollen aber die Abstandsregel in den Einrichtungen nicht mehr gelten. Anstelle ihrer soll der Grundsatz gelten, dass es feste Gruppen und Klassen mit festen Bezugspersonen gibt. Ein Austausch zwischen den Gruppen soll möglichst vermieden werden. Kommt es zu einer Infektion, könnte dann die jeweilige Gruppe in Quarantäne gestellt werden. «Das reicht uns nicht in der jetzigen Situation nicht», sagte Busch.

Er verwies darauf, dass unter anderem im Landtag Plexiglasscheiben installiert worden seien und es in vielen anderen Bereichen Zugangsbeschränkungen zu Räumen gebe. In Schulen sei bislang aber nichts dergleichen angedacht, monierte Busch.

Mit dem neuen Modell, das nach Angaben Holters bis zum Wochenende in eine Verordnung einfließen soll, orientiert sich Thüringen an Sachsen, wo das Prinzip der festen Gruppen und Klassen an Kindergärten und Grundschulen bereits praktiziert wird.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Hessen und Thüringen sieht zwar in der Öffnung von Grundschulen und Kindergärten einen wichtigen Schritt, lehnt das Aufgeben der Abstandsregeln aber ab. «Dieser Schritt darf aber auf keinen Fall unter Verzicht auf Arbeitsschutz und Hygienestandards erfolgen», erklärte der Vize-Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt.

Jugendherbergen fürchten Schließungen - Kritik an Bundesregierung

Schullandheime und Jugendherbergen im Norden fürchten die Schließung vieler Häuser durch die Corona-Krise und kritisieren das Konjunkturpaket der Bundesregierung als unzureichend. Klassenreisen fielen seit Monaten aus, seien oft bis Jahresende storniert und damit würden Einnahmen gemeinnütziger Unterkünfte für dieses Jahr mehrheitlich wegbrechen, erklärten die Schullandheime und Jugendherbergen in Norddeutschland am Donnerstag gemeinsam. Das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket solle die Heime retten. Doch das werde mit den bisher geplanten Maßnahmen kaum gelingen, heißt es weiter. Es müsse dringend nachgebessert werden, um das Sterben vieler Häuser zu verhindern.

«Die Maßnahmen gehen für unseren Sektor nahezu komplett am Bedarf vorbei. Das wäre vermeidbar gewesen», erklärte der Geschäftsführer im Landesverband Nordmark des Deutschen Jugendherbergswerks, Stefan Wehrheim in der gemeinsamen Pressemitteilung der Schullandheimverbände des Nordens.

Die Schullandheimverbände des Nordens (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen) und der DJH-Landesverband Nordmark mit seinen Jugendherbergen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordniedersachsen vertreten nach eigenen Angaben über 100 Einrichtungen.

Die Verbände kritisieren, dass die Überbrückungshilfen den wirklichen Ausfall durch die Corona-Pandemie nicht berücksichtigten. Auch das im Konjunkturpaket genannte Kredit-Sonderprogramm sei nicht hilfreich. Da die meisten Träger kostendeckend arbeiteten, sei es für viele von ihnen schwer, Kredite überhaupt zurückzuzahlen.

Stattdessen fordern die Verbände nicht zurückzahlbare Zuschüsse. Jugendherbergen und viele Schullandheime im Norden hätten mehr als 70 Prozent ihrer Zielgruppe durch die Corona-Krise für dieses Jahr verloren.

Das Deutsche Jugendherbergswerk und die Schullandheimverbände des Norden sehen jetzt die Bundesregierung in der Pflicht, mit Soforthilfen nachzubessern. Kämen diese nicht, würden Schließungen drohen: «Gerade die kleinen Einrichtungen nah an der Natur werden oft als erstes und dauerhaft schließen, wenn nicht bald wirksame Hilfe kommt.», so Benjamin Krohn von der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Schullandheime.

Gewerkschaft: Ministerium muss besser mit Schulen kommunizieren

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat eine mangelnde Kommunikation des Kultusministeriums mit den Schulleitungen in der Corona-Krise beklagt. Das Ministerium müsse im direkten Austausch erklären, warum welche Maßnahmen wegen des Coronavirus in den Schulen erforderlich seien, sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Das würde helfen, Vertrauen wieder aufzubauen.» Bislang kommuniziere das Ministerium nur per Mail mit den Schulleitungen. Vertreter von Gewerkschaften und Verbände hatten wiederholt beklagt, die Schulen erführen zuerst aus den Medien von den Plänen des Ministeriums.

An diesem Wochenende enden die Pfingstferien in Baden-Württemberg. Der Plan von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist es, ab Montag die Schüler aller Jahrgangsstufen zumindest zeitweise wieder in den Schulen zu unterrichten - in Kombination mit dem weiter laufenden Fernunterricht. Da Abstandsregeln wegen des Coronavirus eingehalten werden müssen, ist laut Moritz viel Organisationsarbeit an den Schulen nötig.

Die Grundschulen sollen bis Ende Juni sogar wieder vollständig öffnen - dann ohne Abstandsgebote. Die GEW bezweifelt aber, dass dies möglich sein wird, da viele Lehrer selber zu Risikogruppen gehören und nicht in den Schulen unterrichten können.

 

09.06.2020 8.30 Uhr

NRW-Schulen im Corona-Sprint - Chaos und Durcheinander?

Corona hat alle Schulplanungen durcheinandergewirbelt. In den letzten Wochen vor den Sommerferien sind Unruhe und Verunsicherung allgegenwärtig. Viele stresst auch der geplante Fast-Vollbetrieb an den Grundschulen.

An vielen Schulen in NRW herrschen Durcheinander und Verunsicherung mit Blick auf die letzten zweieinhalb Wochen bis zu den Sommerferien. Das sagte die Vorsitzende der Landeselternkonferenz (LEK), Anke Staar, der Deutschen Presse-Agentur. Es könne sein, dass manche Jahrgänge in den weiterführenden Schulen bereits in den nächsten Tagen zum letzten Mal Präsenzunterricht erhalten. Das Schuljahr endet in NRW am 26. Juni mit der Zeugnisausgabe.

Einen einheitlichen letzten Präsenzunterrichtstag wird es nicht geben. Aus verschiedenen Gründen: «Man will jetzt noch mal die jüngeren Schüler verstärkt in die Schulen holen», so Staar. Die Landespolitik habe bei der schrittweisen Öffnung der Schulen zuerst den älteren Jahrgängen Priorität eingeräumt, die in diesem oder im nächsten Jahr ihre Abschlüsse machen. Jetzt werde das mancherorts tendenziell umgedreht.

Seit der Wiedereröffnung der Schulen für alle Jahrgänge haben diese Staar zufolge zudem in unterschiedlichem Umfang Präsenztage anbieten können. «Abhängig von den Raumkapazitäten und je nachdem, wie viele Lehrer einsetzbar waren und sind.» An manchen Schulen stehen 90 Prozent der Lehrer für Präsenzunterricht zur Verfügung, an anderen zwei Drittel, schilderte die LEK-Vorsitzende.

In den Sommerferien seien hochwertige Bildungsangebote und eine verlässliche Betreuung für die Schüler erforderlich, mahnte Staar. «Man kann die Ausfälle der vergangenen Wochen damit nicht auffangen, aber etwas mindern.» Auch viele Kommunen erarbeiteten dazu bereits seit längerem Pläne. «Dafür braucht es auch die entsprechenden Mittel des Landes, auf die aber wohl viele noch warten.» Ohne Planbarkeit in Schule und Betreuung in den Ferien könne letztlich auch die Wirtschaft nicht wieder voll hochfahren, da sie nicht auf die Arbeitskraft der Eltern verzichten könne.

Einer pädagogisch sinnvollen Betreuung in den Ferien komme nach den corona-bedingten Schulausfällen besondere Bedeutung zu, betonte auch der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE), Stefan Behlau. «Es war bisher nicht die Rede davon, dass dafür auch Lehrkräfte eingesetzt werden sollen.» Man werde wohl vor allem auf bewährte außerschulische Träger wie Kommunen, Sport- und Musikvereine oder die freie Jugendhilfe bauen, meinte der Landesvorsitzende.

Ferienkurse zum Nachholen von Unterrichtsstoff hält der VBE allerdings für sehr schwierig. «Wer legt fest, welche Schüler an welchen Kursen teilnehmen? Wie geht man dann nach den Ferien damit um - soll daran angeknüpft werden?»

Auch die Rückkehr zu einem Regelbetrieb ab kommenden Montag mit täglichem Präsenzunterricht für alle rund 600 000 Grundschüler in NRW könnte nach LEK-Einschätzung weitere Probleme aufwerfen. Es werde noch kein voller Regelbetrieb möglich sein. Es brauche dann viel mehr Räumlichkeiten, um neben den Unterrichtszeiten auch eine ausreichende Betreuung im Ganztag anzubieten, sagte Staar. «Viele Eltern sind hochgradig verunsichert, ob ihre Kinder dann an der Schule verlässlich betreut werden. Zugleich entfalle die Notbetreuung am 15. Juni. Der Frust werde bei den Schulen abgeladen, die nun kurzfristig umorganisieren mussten. Es brauche mehr Ruhe und wieder Vertrauen unter den Akteuren im Schulbetrieb.

Senat will Kitas und Schulen weiter öffnen - aber wie geht das?

Viele Eltern wünschen sich, dass alle Kinder zurück in Kitas und Schulen dürfen. Der Senat will das auch. Wie sich das in Zeiten der Corona-Krise umsetzen lässt, ist noch nicht beantwortet.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Kapek hat von der Bildungsverwaltung gefordert, für die Zeit nach den Sommerferien mehrere Szenarien in den Blick zu nehmen. Es reiche nicht, die Rückkehr zum Regelunterricht vorzubereiten, sagte Kapek der Deutschen Presse-Agentur. «Man muss auch auf den zweiten Lockdown vorbereitet sein.» Dafür müsse beispielsweise geklärt werden, wie Schüler, die nach wie vor kein Laptop oder Tablet und keinen Internetzugang hätten, künftig im Fall von Schulschließungen zu Hause unterrichtet werden könnten. Kapek regte eine Gesamtschulkonferenz zu diesen Themen an und empfahl der Bildungsverwaltung eine bessere Kommunikation mit den Eltern.

Von deren Seite gibt es durchaus Skepsis, ob die Pläne des Senats zum Regelbetrieb an Schulen und Kitas umsetzbar sind. «Wir Eltern haben in den letzten drei Monaten alles gegeben, um neben Arbeit auch Homeschooling und die Betreuung unserer Kinder zu gewährleisten», teilte die Initiative Kitakrise Berlin am Montag mit. «Diese Situation kann so nicht mehr weitergehen. Wir fordern tragfähige Lösungen.»

Vor der Sitzung des Senats am Dienstag, bei der über die weitere Öffnung von Schulen und Kitas beraten werden soll, wollen Eltern vor dem Roten Rathaus für das «Recht auf Bildung und Betreuung» demonstrieren. «Eine der größten Herausforderungen ist, dass nicht alle Lehrkräfte und Erzieherinnen zurück zum Dienst kommen», sagte die Sprecherin der Elternorganisation Kitakrise Berlin, Katharina Mahrt. «Wir zweifeln daran, ob diese komplette Öffnung gelingen kann, ohne dass das Personal dafür da ist.»

Schon in den vergangenen Wochen habe sich gezeigt, dass es den Kitas an Personal oder Räumen fehle. «Das macht uns Kopfschmerzen», sagte Mahrt. Für den Unterricht in den Schulen müsse überlegt werden, wie sich zusätzliches Personal gewinnen lasse. Die Elternorganisation schlägt vor, dafür vorübergehend Lehramts-Studierende einzubinden.

Der Berliner Senat beschäftigt sich am Dienstagvormittag mit der Rückkehr von Kitas und Schulen zum Normalbetrieb. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat bereits angekündigt, die Weichen für die komplette Öffnung der Kitas stellen zu wollen. Danach soll noch im Juni jedes Kind wieder ein Betreuungsangebot erhalten.

Seit Montag sind neben den älteren Kindern auch die Vierjährigen bereits zurück in den Kitas. Nun fehlen die Jüngeren noch. In den Kitas soll auf möglichst stabile Gruppen geachtet werden, um das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus zu verringern. Dafür ist die bisher geltende Begrenzung der Gruppengrößen aufgehoben worden. Nun geht es um das Konzept, wie künftig sämtliche Kinder wieder betreut werden können.

Scheeres möchte auch in den Schulen nach den Sommerferien zum Regelbetrieb zurückkehren. Die Ferien starten in Berlin in diesem Jahr am 25. Juni und enden am 7. August. Die Schulen sind bereits seit 27. April wieder geöffnet, allerdings sind die Klassen in der Regel geteilt worden. Die Gruppen werden derzeit zeitlich versetzt oder in verschiedenen Räumen unterrichtet. Nur ein Teil des Unterrichts ist in der Schule möglich, daneben gibt es weiterhin Homeschooling - berufstätigen Eltern verlangt das einiges ab.

Familienministerin Spiegel stellt Angebote für die Ferien vor

Familien mit Kindern sowie Jugendliche waren und sind von den Beschränkungen der Corona-Pandemie besonders betroffen. Auch die Sommerferien sind in diesem Jahr nicht die ersehnte lange Pause nach einem intensiven Schuljahr. Viele Freizeit-Angebote entfallen, Hygiene- und Abstandsregeln gelten weiter. Die Landesregierung hat eine Reihe von Maßnahmen erarbeitet, um vielen Kindern, Jugendlichen und Familien gute Ferienangebote zu machen. Sie sollen eine schöne, möglichst unbeschwerte Zeit erleben können, kündigte das Ministerium an. Jugend- und Familienministerin Anne Spiegel (Grüne) stellt am (morgigen) Dienstag (15.00 Uhr) in Mainz die Initiativen vor.

CDU dringt auf konsequente Vorbereitung des neuen Schuljahres

Nur noch wenige Tage sind es in Mecklenburg-Vorpommern bis zu den Sommerferien. Doch der Schulstart Anfang August wirft schon jetzt seine Schatten voraus. Wegen der Corona-Epidemie wird vieles anders werden - müssen.

Kurz vor den Sommerferien erhöht Koalitionspartner CDU den Druck auf das SPD-geführte Bildungsministerium, alle Voraussetzungen für den Regelunterricht an den Schulen zu schaffen. «Das bedeutet fünf Tage in der Woche Unterricht für alle und in allen Fächern», sagte CDU-Fraktionschef Torsten Renz am Montag in Schwerin.

Auf Initiative der Union wird sich der Landtag auf seiner Sitzung am Freitag mit der Vorbereitung des neuen Schuljahrs befassen, das schon am 3. August startet. Die bis dahin verbleibenden acht Wochen gelte es konsequent zu nutzen. «Ich erwarte von allen Führungskräften, dass sie die festgelegten Ziele umsetzen und dabei auch nicht auf die Uhr schauen», betonte Renz.

SPD-Fraktionschef Thomas Krüger wollte sich nicht zu dem von der CDU initiierten, von der SPD aber mitgetragenen Antrag äußern. Doch verwies er auf die Ankündigung von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). Demnach werde es in Mecklenburg-Vorpommern nach den Sommerferien wieder einen verlässlichen und täglichen Regelunterricht für alle Schüler geben. «Nicht alle Lehrkräfte werden aber sofort an Bord sein. Das ist die Herausforderung», sagte Krüger.

Linken-Fraktionschefin Simone Oldenburg zeigte sich mit Hinweis auf die noch ungeklärten Fragen zum Schülertransport bei zeitlich über den Tag gestaffeltem Unterricht skeptisch. «Es ist zu erwarten, dass wir mit weniger Präsenzunterricht starten», sagte sie. Die Oppositionspolitikerin schlug vor, für Grundschüler und Schüler der Abschlussklassen den Präsenzunterricht vollständig abzusichern, für die Klassenstufen sieben und neun zunächst aber nur jede zweite Woche. Dafür gelte es aber auch, die technischen Voraussetzungen für den Unterricht übers Internet zu verbessern. Wie Renz von der CDU plädierte auch Oldenburg für regelmäßige Corona-Tests an den Schulen.

Nach Angaben von Bildungsministerin Martin wird der Schuljahresstart gemeinsam mit Gesundheitsexperten vorbereitet. Vorbehaltlich der Entwicklung der Infektionszahlen werde die 1,50-Meter-Abstandsregel aufgehoben. Nur so könne ein täglicher Unterricht verlässlich gewährleistet werden. Doch räumte Martin bereits ein, dass nicht alle Schüler zur selben Zeit in der Schule sein können. In den am 22. Juni beginnenden Sommerferien soll Förderunterricht angeboten werden.

Alle Schulen in Mecklenburg-Vorpommern waren am 16. März geschlossen worden, um der Ausbreitung des Coronavirus Einhalt zu gebieten. Schrittweise wurden sie vom 27. April an wieder geöffnet, ohne jedoch schon zum Regelbetrieb zurückzukehren.

Gericht: Bei Abibällen in Berlin nicht mehr als 150 Feiernde

Bei Abiturbällen in Berlin dürfen nach einem Gerichtsbeschluss derzeit nur jeweils 150 Teilnehmer wegen der Corona-Einschränkungen zusammenkommen. Rein private oder familiäre Veranstaltungen und Zusammenkünfte in Innenräumen sind nach den Verordnungen zur Eindämmung der Pandemie bis 29. Juni nur mit bis zu 150 Personen erlaubt; erst ab dem 30. Juni könnten sich 300 Menschen treffen, teilte das Gericht am Montag zu dem Eilbeschluss mit. Die Einschränkungen seien nicht zu beanstanden.

Damit scheiterte der Antrag eines Veranstalters, der Abiturbälle in Berlin organisiert. Er wollte erreichen, dass ein solches Abschlussfest in Altglienicke mit 269 Teilnehmenden am 11. Juni über die Bühne gehen kann. Bis Ende Juni hatte der Veranstalter laut Gericht 50 weitere Abibälle in der Hauptstadt in ähnlicher Größe bis zu 300 Personen geplant - bei Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln sowie ohne Tanz. Eine Beschwerde gegen den Beschluss sei beim Oberverwaltungsgericht bereits eingelegt.

Das Verwaltungsgericht schätzte es als plausibel ein, dass größere Menschenansammlungen ein deutlich erhöhtes Infektions- und Verbreitungsrisiko mit sich brächten. Die Begrenzung der Personenzahl für «Indoor-Veranstaltungen» sei ein Baustein des Gesamtkonzepts zur schrittweisen Lockerung der Corona-Einschränkungen. Es sei gerechtfertigt, dass der Senat nicht alle Einschränkungen zeitgleich oder in gleicher Weise aufhebe.

Bei Abibällen sei nicht auszuschließen, dass es wegen der engen persönlichen Beziehungen der Teilnehmer auch zu physischen Kontakten komme, so das Gericht. Diese könnten nicht durchgehend kontrolliert werden.

Coronavirus - Zwei Schulen vorsorglich für zwei Tage geschlossen

Die dänische Schule in Satrup und die Nordlichtschule in Süderbrarup (beide Kreis Schleswig-Flensburg) bleiben wegen der Corona-Infektion einer Mutter von drei Kindern vorsorglich für zwei Tage geschlossen. Die Infektion sei bei der 30-Jährigen neu nachgewiesen worden, teilte der Kreis am Montag mit. Aufgrund der Kontakte ihrer Kinder werden die beiden Schulen vorsorglich am Dienstag und Mittwoch geschlossen. Es handele sich um keine Quarantänemaßnahme, betonte Landrat Wolfgang Buschmann.

«Wir klären, ob von den Kindern tatsächlich eine Ansteckungsgefahr ausgegangen ist oder aktuell ausgeht», sagte der Landrat. Bis einschließlich 10. Juni lägen voraussichtlich die Ergebnisse der drei Kinder vor. «Um bis dahin das Infektionsrisiko für alle anderen Schülerinnen und Schüler so gering wie nur möglich zu halten, haben wir uns entschieden, die beiden Schulen vorsorglich und zunächst für zwei Tage zu schließen, um weitere Kontakte unbedingt zu vermeiden.»

Ebenfalls werden alle Bewohner der Kinder- und Jugendpflegeheime in Struxdorf, Sörup und Mohrkirch aufgrund der möglichen Kontakte vorsorglich von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein auf das Coronavirus getestet. Kreisweit gibt es den Angaben zufolge 17 Infizierte. In Quarantäne befinden sich 31 Menschen.

 

08.06.2020 12.00 Uhr

Schulbeschäftigte fordern besseren Corona-Schutz

Beschäftigte an Hamburger Schulen fordern eine besseren Schutz gegen das Corona-Virus. Die derzeitige Lage sei grotesk, erklärte Verdi-Gewerkschaftssekretär Max Stempel am Montag. «Teilweise muss um einen Spuckschutz für wenige Euro gebettelt werden.» Die Behörde würde gut daran tun, auf die Beschäftigten zu hören. «Für einen Normalbetrieb, wie er nach den Ferien angedacht ist, sind die Schulen so nicht gerüstet.»

Am Dienstag werde eine Delegation Schulsenator Ties Rabe (SPD) eine Petition übergeben, kündigte Stempel an. Auf Fotos forderten dabei vor allem Beschäftigte aus dem nichtpädagogischen Bereich unter anderem einheitliche Maßnahmen zum Infektionsschutz, Homeoffice für Angehörige von Risikogruppen, ein engmaschiges Testverfahren für Schüler und Beschäftigte und mehr Personal zum Ausgleich coronabedingter Ausfälle.

Thüringen will Abstandsregeln an Kitas und Grundschulen aufheben

Nach Plänen der Thüringer Landesregierung sollen die Abstandsregeln an Kindergärten und Grundschulen ab 15. Juni aufgehoben werden. Stattdessen soll es feste Gruppen, Klassen und Bezugspersonen geben, wie aus einer Kabinettsvorlage hervorgeht, die am Dienstag beraten werden soll und die der dpa vorliegt. Mit den Änderungen soll die Notbetreuung an Kindergärten und Schulen enden.

Aus der Kabinettsvorlage geht auch hervor, dass Schulen und Kindergärten generell mit dem Start des neuen Schuljahres ab September wieder komplett in den Regelbetrieb wechseln sollen. Bis dahin soll es ab Klasse fünf weiterhin einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht geben.

In einem Interview mit dem «Freien Wort» hatte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) zudem in Aussicht gestellt, dass es in den Sommerferien ein Betreuungsangebot für Grundschüler geben wird. «Das ist auch eine Erwartung der Eltern, die wegen der Corona-Einschränkungen in den vergangenen Wochen vielfach schon Urlaub zur Kinderbetreuung nehmen mussten und nun keinen mehr haben», sagte Holter dem Blatt.

Philologenverband: Maskenpflicht im Unterricht problematisch

Der Deutsche Philologenverband sieht eine mögliche Maskenpflicht im Unterricht problematisch. «Damit wird der Kern jedes Unterrichts torpediert: Unterricht beruht auf klarer Kommunikation, auf zwischenmenschlicher Interaktion, nicht nur auf Augenkontakt», sagte die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing der «Welt» (Montag).

Im Falle eines Regelbetriebs seien neue Hygiene- und Schutzkonzepte notwendig. «Sollten die Abstandsregeln tatsächlich fallen, müssen freiwillige Reihentests für alle Schüler und Lehrer zwei Mal wöchentlich zur Verfügung stehen», so Lin-Klitzing. Notwendig seien zudem klare Regelungen, um Lerngruppen zu isolieren, sowie Lüftungskonzepte.

Daneben brauche es einen Plan, sollten Schulen bei Infektionsfällen wieder schließen. «Die Schulen müssen in die Lage versetzt werden, notfalls von heute auf morgen von einem Präsenz- in einen Fernunterricht wechseln zu können.»

Grundsätzlich forderte sie, die Schulöffnungen regional unterschiedlich zu gestalten. «Die Infektionslage in Sachsen ist eine völlig andere als in Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen.»

Der Deutsche Lehrerverband hatte zuletzt erklärt, bei einem Normalbetrieb der Schulen sei eine Maskenpflicht auch während des Unterrichts sinnvoll. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger räumte jedoch ein: «Allerdings erschwert das ordentlichen Unterricht.» Auch er sprach sich für umfangreiche regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Schülern aus sowie Notfallpläne im Fall von ansteigenden Infektionen.

 

07.06.2020 10.00 Uhr

Grünen-Chefin: Viel über Bundesliga diskutiert, zu wenig über Kinder

In der Corona-Krise haben Kinder und ihre Rechte aus Sicht der Grünen monatelang eine beklagenswert kleine Rolle gespielt. «Dabei sind Kinder das zerbrechlichste Glied unserer Gesellschaft. Aber statt die Voraussetzungen zu schaffen, damit Kitas und Schulen als erstes wieder öffnen, wurde ewig über die Öffnung der Fußball-Bundesliga und von Möbelhäusern diskutiert», sagte Parteichefin Annalena Baerbock der «Welt am Sonntag».

Sie forderte bundesweite Leitlinien, «wie wir nach den Sommerferien in Schulen und Kitas zu einem kindergerechten Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zurückkehren». Dass solche Vorgaben fehlen, sei ein schwerer Fehler. Auch hätte der Bund aus ihrer Sicht mit den Ländern einen Extra-Fonds auflegen müssen, damit Kindergärten und Schulen zusätzliches Personal bekommen.

Baerbock verwies auf die Leiden nicht weniger Kinder. «Fast jedes zehnte Kind hat während des Lockdowns Gewalt erlebt. Diese Studien zeigen, wie fatal es ist, dass Kinder und ihre Rechte monatelang keine Rolle spielten», sagte sie.

Sie beklagte, dass es Spitzentreffen mit der Industrie gegeben habe, aber keinen Schul- und Kitagipfel der Regierung. «Dazu lade ich jetzt als Oppositionspolitikerin ein - Gewerkschaften, Kita-Träger, Grundschullehrerverband, Kindermediziner.» An diesem Mittwoch werde digital beraten.

Schulausfall: Landeselternrat fordert individuelle Prüfungsaufgaben

Wegen der coronabedingten Schulschließungen seit März kann ein Teil des Unterrichtsstoffs nicht vermittelt werden. Das hat Folgen für die Schüler, die nächstes Jahr ihre Prüfungen zum Abitur oder zur Mittleren Reife ablegen müssen.

Der Landeselternrat Mecklenburg-Vorpommern fordert für die Prüfungen zum Abitur und zur Mittleren Reife im kommenden Jahr eigene Prüfungsaufgaben für jede Schule. So solle verhindert werden, dass den Schülern Nachteile wegen des Unterrichtsausfalls aufgrund der Corona-Krise entstehen, sagte der Vorsitzende des Landeselternrates, Kay Czerwinski, der Deutschen Presse-Agentur. Die Anfragen besorgter Eltern häuften sich.

«An den einzelnen Schulen konnten unterschiedliche Unterrichtsinhalte nicht vermittelt werden», sagte er. Deshalb müsse es den Schulen erlaubt werden, ihren Schülern nächstes Jahr eigene Aufgaben für die Abschlussprüfungen zu stellen und dabei die Lücken zu berücksichtigen. In der Kultusministerkonferenz müsse geklärt werden, dass die Abschlüsse bundesweit anerkannt werden.

Nach Czerwinskis Worten ist die Situation in Mecklenburg-Vorpommern besonders dramatisch, weil der Nordosten zu den Bundesländern mit einem besonders frühen Ferienbeginn in diesem Jahr gehört. Die Zeugnisse werden bereits am 19. Juni ausgegeben. «In Bundesländern mit einem späteren Sommerferien-Start haben die Schulen noch die Möglichkeit, in den kommenden Wochen Unterrichtsstoff aufzuholen. In Mecklenburg-Vorpommern ist das nicht möglich.» Es drohe eine Benachteiligung der Jugendlichen im Nordosten.

Die Elftklässler an den Gymnasien und die Neuntklässler an den Regionalen Schulen erhalten seit dem 4. Mai wieder Unterricht - allerdings nicht in vollem Umfang, wie Czerwinski betonte. Die Schulen waren Mitte März geschlossen worden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Czerwinski begrüßte die vom Bildungsministerium geschaffene Möglichkeit für die Schüler, in den Ferien kostenlos Nachhilfe zu nehmen, um Lücken zu schließen. Dafür hat das Land eine Million Euro bereitgestellt. Schüler können bei privaten Nachhilfe-Anbietern Stunden nehmen; die Rechnung will das Land begleichen.'

Kabinettsvorlage: 20 Prozent der Schüler sollen Tablets leihen könne

Digitaler Fernunterricht in Corona-Zeiten geht nur mit Computer. Manche Schüler haben aber keinen. Baden-Württemberg will das jetzt zügig ändern.

Die angekündigte Anschaffung von 300 000 Laptops und Tablets für Schüler in Baden-Württemberg nimmt konkrete Gestalt an. Am Dienstag soll sich das grün-schwarze Kabinett mit einer Vorlage aus dem Kultusministerium befassen, die das Ziel hat, für insgesamt 130 Millionen Euro Geräte kaufen zu können. Die Summe teilen sich Bund und Land. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart: «Das bedeutet, dass für etwa 20 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg Leihgeräte zur Verfügung stehen werden.»

In der Kabinettsvorlage heißt es: Zwar ist in den Schulen der Unterricht wieder schrittweise gestartet, an einen normalen Regelbetrieb mit Präsenzunterricht mit allen Schülerinnen und Schülern ist wegen der Abstands- und Hygieneregeln infolge der Corona-Pandemie aber derzeit noch nicht zu denken.» Daher sollen die Bedingungen für den Fernunterricht verbessert werden. Es dürfe nicht sein, dass ein Kind sein Schulziel nicht oder nur schwer erreiche, weil es nicht die nötige technische Ausstattung habe. Geplant sei, dass die Schulträger, also die Kommunen, «zügig» in die Geräte investieren könnten, um sie dann an Schüler verleihen zu können.

Davon sollen sowohl die Schüler an öffentlichen wie auch an privaten Schulen profitieren. Das Geld soll den Schulträgern einmalig zur Verfügung gestellt werden. Für Folgekosten wie Reparaturen und Wartungen kommt das Land aber ausdrücklich nicht auf.

Bildungsexperten und Lehrerverbände hatten seit der Schulschließungen wegen des Coronavirus Mitte März davor gewarnt, dass bestimmte Schüler abgehängt werden könnten, wenn zu Hause keine Geräte wie Laptops oder Tablets vorhanden seien oder wenn Eltern sie nicht genügend in der außergewöhnlichen Lernsituation unterstützten.

 

Lehrerverband: Bei Normalbetrieb der Schulen Maskenpflicht sinnvoll

Ein Normalbetrieb der Schulen trotz der weiter schwelenden Corona-Pandemie erfordert aus Sicht des Deutschen Lehrerverbandes einige neue Hygieneregeln. Wenn wieder alle Schüler der Klasse in einem Raum sitzen, sei natürlich eine Maskenpflicht auch während des Unterrichts sinnvoll, so wie in asiatischen Ländern, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger der «Bild»-Zeitung» (Samstag). Er räumte zugleich ein: «Allerdings erschwert das ordentlichen Unterricht.»

Am Donnerstag hatten die Kultusminister der Länder noch einmal offiziell ihr Ziel bekräftigt, so bald wie möglich wieder zu einem normalen Schulbetrieb zurückzukehren.

Meidinger sagte, Bedingung dafür sei höchstmöglicher Gesundheitsschutz für Lehrer, Schüler sowie der Angehörigen in ihren Haushalten. Dafür müssten Klassen und Lerngruppen vollständig und den ganzen Schultag über getrennt werden. Weiter schlug Meidinger umfassende, regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Schülern vor sowie Notfallpläne im Fall von ansteigenden Infektionen. Meidinger sagte abschließend: «Sollte sich erweisen, dass vollständige Schulöffnungen bundesweit zu einem starken Anstieg an Infektionsausbrüchen an Schulen führen, müsste diese Öffnung umgehend gestoppt und zurückgenommen werden.»

Die Ministerpräsidenten mehrerer Bundesländer hatten in den vergangenen Wochen bereits erkennen lassen, dass sie nach den Sommerferien zu einem normalen Schulbetrieb zurückkehren wollen.

An Grundschulen in Sachsen gibt es bereits Unterricht im gewohnten Klassenverband. In Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen soll dies in den kommenden Tagen und Wochen umgesetzt werden, auch wenn dabei die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden können.

Malte Rieth, Makroökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), hält die Rückkehr zum Regelbetrieb für volkswirtschaftlich dringend geboten. Der «Bild»-Zeitung sagte er: «Ein knappes halbes Schuljahr an Bildungsausfall bedeutet selbst nach konservativen Schätzungen einen künftigen Wohlstandsverlust von mindestens 110 Milliarden Euro.» Noch nicht eingerechnet sei hier der Arbeitsausfall der Eltern.


05.06.2020 18.00 Uhr

Kultusminister bekräftigen schnelle Rückkehr zu Schulregelbetrieb

Die Kultusminister der Länder haben noch einmal offiziell ihr Ziel bekräftigt, so bald wie möglich wieder zu einem normalen Schulbetrieb zurückzukehren. In einer Mitteilung der Kultusministerkonferenz (KMK) vom Freitag heißt es, die Bildungsministerien der Länder strebten im Interesse der Schülerinnen und Schüler so schnell wie möglich eine Wiederaufnahme des schulischen Regelbetriebs an, sofern das Infektionsgeschehen dies zulasse. Bereits am Dienstagabend hatten sich die Minister bei einer Schaltkonferenz auf diese Formel verständigt.

Genaue Aussagen, wie es wann in den Schulen weitergeht, werden nicht getroffen. Das regelt jedes Land für sich, weil Schulpolitik Ländersache ist. Die Ministerpräsidenten mehrerer Bundesländer hatten in den vergangenen Wochen bereits erkennen lassen, dass sie nach den Sommerferien zu einem normalen Schulbetrieb zurückkehren wollen.

An Grundschulen in Sachsen findet bereits Unterricht im gewohnten Klassenverband statt. In Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen soll dies in den kommenden Tagen und Wochen umgesetzt werden, auch wenn dabei die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden können.

Die derzeitige Präsidentin der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte laut Mitteilung: «Die Kultusministerkonferenz ist sich einig: Unsere Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf Bildung. Und dieses Recht kann am besten in einem möglichst normalen Schulbetrieb umgesetzt werden.»

Weitere Lockerungen an Sachsen Schulen und Kitas ab Montag

An Sachsens Schulen gibt es ab Montag weitere Lockerungen. Nach einer in dieser Woche vom Kabinett beschlossenen Allgemeinverfügung soll es trotz Corona-Krise Zeugnisübergaben und Abschlussfeiern geben können. Auch Elternabende, Elterngespräche oder Gremiensitzung können wieder erfolgen. Voraussetzung sind die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln. Die Allgemeinverfügung gilt bis zum 29. Juni.

Auch Kitas können ihren Betrieb von Montag an etwas flexibler gestalten: Feste Gruppen sollen zwar bestehen bleiben, können aber künftig größer sein und durch mehr Erzieher betreut werden. Als Beispiel nannte das Kultusministerium etwa die Betreuung auf einer Etage oder in zwei benachbarten Räumen mit einem gemeinsamen Sanitärtrakt.

Die Schulbesuchspflicht an Grundschulen bleibt weiterhin ausgesetzt. Eltern können damit entscheiden, ob ihre Kinder in der Schule oder zu Hause lernen. Ein Wechselmodell sei aber nicht möglich, hieß es.

Hunderte Schulkinder in Göttingen müssen in Corona-Quarantäne

Massentest, Quarantäne für Schulkinder und dementsprechend für einige kein regulärer Schulunterricht – der Corona-Ausbruch macht Göttingen zu schaffen. Doch auch in einem anderen Bereich müssen nun Dutzende Menschen mit den Folgen des Regelbruchs umgehen.

Nach einem Corona-Ausbruch in Göttingen müssen voraussichtlich mehrere hundert Schulkinder für zwei Wochen in Quarantäne. Betroffen seien die Klassen der Kinder, die sich in Folge von Regelverstößen bei Privatfeiern zum muslimischen Zuckerfest mit dem Virus infiziert hatten, sagte Sozialdezernentin Petra Broistedt (SPD) am Freitag. Unter den bislang 120 Infizierten im Zusammenhang mit den Privatfeiern befinden sich 39 Schülerinnen und Schüler.

Für alle Kinder und Jugendlichen, die nun in Quarantäne müssen, sei dies ein großes Problem, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Stadtschülerrats, Tim Wiedenmeier. «Das bedeutet weitere soziale Abschottung. Die ist schwer zu ertragen.» Wie viele Jungen und Mädchen genau betroffen sind, konnte ein Stadtsprecher zunächst nicht sagen.

Unabhängig von den Quarantäne-Maßnahmen sollen die Göttinger Schulen, die wegen des Corona-Ausbruchs allesamt geschlossenen wurden, ab Montag den Betrieb unter Auflagen wieder aufnehmen, sagte Sozialdezernentin Broistedt. Die Schulen erhielten dazu einen umfangreichen Katalog mit Verhaltensmaßregeln.

Unterdessen hat die Stadt mit einem dreitägigen Massentest in dem Hochhauskomplex begonnen, der als Schwerpunkt des Corona-Ausbruchs gilt. Daran hätten sich am ersten Tag knapp 220 Bewohner beteiligt. Die Menschen seien sehr kooperativ gewesen, sagte ein Verwaltungssprecher. Nennenswerte Zwischenfälle gab es nach Angaben der Polizei nicht. Die Beamten waren vor Ort, weil die Verwaltung angekündigt hatte, die verbindliche Teilnahme an dem Test zur Not mit Hilfe der Polizei durchzusetzen.

In dem Wohnkomplex sind nach Angaben der Stadt rund 600 Menschen gemeldet. Die Behörden vermuten allerdings, dass dort noch sehr viel mehr Personen leben. Wie sichergestellt werden kann, dass auch die nicht gemeldeten Bewohner zum Test erscheinen, blieb offen. Unabhängig davon wurden am Freitag in Göttingen auch rund 250 Bewohner und Mitarbeiter eines Altenheims getestet, nachdem sich ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatte.

Weil viele Mitglieder der Großfamilien aktiv Sport treiben, hatte die Stadt in dieser Woche allen Göttinger Sportvereinen den Trainings- und Wettkampfbetrieb untersagt. Weitere mögliche Einschränkungen machte die Verwaltung vom Verlauf des Infektionsgeschehens abhängig. Gefragt, wie er die Lage einschätze, hatte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am Donnerstagabend geantwortet: «Die Ampel steht auf dunkelgelb.»

 

04.06.2020 10.00 Uhr

Ministerin Ernst setzt auf Regel-Schulbetrieb nach den Sommerferien

Wegen der Corona-Krise haben Brandenburgs Schüler seit Mitte März Heimunterricht oder können nur tageweise in die Schulen. Das könnte sich im neuen Schuljahr ändern.

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) will alle Schulen im Land auf einen regulären Betrieb nach den großen Ferien vorbereiten. «Es geht schließlich um das Recht auf Bildung und um das Recht auf soziale Teilhabe der Kinder und Jugendlichen. Das ist ein hohes Gut», sagte Ernst der Deutschen Presse-Agentur. «Deshalb müssen wir alles dafür tun, dass die Schulen nach dem Sommer wieder zum Normalbetrieb übergehen können.»

Voraussetzung sei, dass der Verlauf der Corona-Pandemie dies zulasse, betonte die Ministerin. «Wir haben derzeit niedrige Infektionszahlen, weil sich die Bürgerinnen und Bürger verantwortungsvoll verhalten haben und wir bekommen mehr und mehr wissenschaftliche Hinweise, dass Kinder keine besonders große Ansteckungsgefahr darstellen», sagte Ernst. «Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass es vermutlich gelingt, die Schulen nach den Sommerferien wieder für den Regelbetrieb zu öffnen.»

Dennoch arbeite das Ministerium an verschiedenen Szenarien, betonte Ernst. Denn je mach Verlauf der Infektionszahlen müsse man sich auf verschiedene Modelle vorbereiten. «Einmal mit dem Normalbetrieb, einmal mit einer optimierten Verlängerung der jetzigen Situation und als drittes Szenario vielleicht mit einem Wechsel der verschiedenen Situationen.»

Doch auch ein Regelbetrieb könne nach den Ferien nicht ohne Einschränkungen laufen, erläuterte Ernst. Denn es gebe unter den Lehrkräften und auch unter den Schülern einige, die zu den Risikogruppen zählten. Zudem könnten nach möglichen Corona-Ausbrüchen regionale oder lokale Schulschließungen notwendig sein.

Das Ministerium habe bereits 1164 neue Lehrkräfte für das nächste Schuljahr unbefristet eingestellt, berichtete Ernst. Hinzu kämen weitere 92 feste Zusagen. «Darunter werden viele Seiteneinsteiger sein, die wir entsprechend qualifizieren», sagte Ernst. «Aber ich bin überzeugt, dass wir genügend Lehrkräfte für einen weitgehenden Regelbetrieb an den Schulen zur Verfügung haben werden.»

Vor der Aufnahme des Regelbetriebs soll Bilanz gezogen werden über ausgefallenen Unterricht und auch versäumtes Lernen, kündigte Ernst an. Im kommenden Schuljahr sollen die Klassen dann wieder gemeinsam unterrichtet werden und nicht wie bislang in halbierten Lerngruppen. «Normalbetrieb, heißt Normalbetrieb», betonte Ernst. Dafür müsse noch ein Konzept für Corona-Testungen in den Schulen erarbeitet werden. «Das wird ein ganz wichtiger Baustein sein, weil Normalbetrieb heißt, dass die 1,50-Meter-Abstandsregel nicht mehr gilt.»

Umfrage zum Homeschooling: Zufriedene Familien, gestresste Eltern

Die Mehrheit der Familien hat die Zeit der kompletten Schulschließungen aufgrund der Corona-Krise laut einer Umfrage durchaus positiv erlebt. 82 Prozent der befragten Mütter und Väter gaben an, dass sie mit der Situation in der Familie während des Homeschoolings zufrieden (61 Prozent) oder sogar sehr zufrieden (21 Prozent) waren. Wie aus der Forsa-Erhebung im Auftrag der DAK-Gesundheit ebenfalls hervorgeht, waren zudem 72 Prozent von ihnen mit ihrer beruflichen Arbeit sehr oder eher zufrieden. Fast die Hälfte der befragten Eltern empfanden in dieser Zeit aber oft oder sehr oft Stress.

Für die Studie, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin am Donnerstag vorlag, wurden sowohl Eltern als auch Kinder zwischen 10 und 17 Jahren befragt. Von den Jugendlichen gaben 81 Prozent an, dass sie mit der Situation in der Familie während des Homeschooling zufrieden waren. 18 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen machen sich demnach aber häufig Sorgen wegen der Auswirkungen der Corona-Krise, etwa auf die Gesellschaft, ihre Schulzeit oder auf die Wirtschaft.

Mit Blick aufs Lernen zu Hause sind die Meinungen gespalten: Etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen war damit eher unzufrieden (37 Prozent) oder sehr unzufrieden (14 Prozent). Passend dazu sieht die Mehrheit der befragten Schüler die schrittweise Wiedereröffnung der Schulen positiv: 23 Prozent finden das sehr gut und 39 Prozent gut.

Den eigenen Eltern stellen die Kinder und Jugendlichen für die Zeit des Homeschooling ein gutes Zeugnis aus: 91 Prozent sagten, dass sie mit der Unterstützung durch ihre Eltern während dieser Zeit sehr zufrieden (40 Prozent) oder eher zufrieden (51 Prozent) waren.

Weil spricht mit Schülern über Abitur in Corona-Zeiten

Die Abiturprüfungen laufen in diesem Jahr wegen der Corona-Epidemie ganz anders ab als vorgesehen - mit betroffenen Schülern tauscht sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Donnerstag (11.00 Uhr) in Stadthagen aus. An der IGS Schaumburg will er mit den jungen Leuten unter anderem über die anstehenden Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen diskutieren. Die schriftlichen Prüfungen hatten Mitte Mai begonnen, inzwischen büffeln die Schüler noch für die mündlichen Fächer.

Bundespräsident Steinmeier hat viel Respekt für Schüler und Lehrer

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach eigenen Worten viel Respekt davor, wie Schüler, Eltern und Lehrer mit der Corona-Krise umgehen. Die vergangenen Wochen seien so etwas wie eine Belastungsprobe für sie gewesen. «Und das wird wahrscheinlich eine Weile lang noch so bleiben», sagte Steinmeier am Mittwochnachmittag beim Besuch der Hedwig-Dohm-Oberschule in Berlin-Moabit.

Dort traf sich das Staatsoberhaupt mit drei Schülern aus der 8., 9. und 10. Klasse sowie einem Lehrer zum Austausch über deren Erfahrungen mit dem Schulunterricht während der Corona-Pandemie.

«Ich habe insbesondere Respekt vor Alleinerziehenden, die nicht in der Lage sind, sich ihre Erziehungs- und Betreuungsaufgaben mit anderen in der Familie zu teilen», betonte der Bundespräsident. «Wir sind noch weit entfernt von der Normalität. Das schafft Stress, das schafft Unsicherheit und löst Fragen aus», sagte Steinmeier.

«Corona ist in erster Linie ein Risiko für die Gesundheit, aber natürlich auch ein Risiko gerade für die Schülerinnen und Schüler, die in besonderem Maße auf Unterstützung und Betreuung angewiesen sind», so der Bundespräsident, der daran erinnerte, dass nicht alle Jugendliche einen Laptop zu Hause hätten.

Er sei überzeugt, wenn demnächst erneut weitere Lockerungen erörtert würden. Dann dürften gerade Schulen und andere Bildungseinrichtungen nicht hintenanstehen. Er sei auch überzeugt, dass die Politik im Bund und in den Ländern auf diese Fragen in besonderem Maße achten werde.

Nach wochenlanger Schließung ab Mitte März findet an der Hedwig-Dohm-Oberschule inzwischen wieder Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler statt. Dabei kommen die 9. und 10. Klassen jeweils Montag bis Mittwoch und die 7. und 8. Klassen Donnerstag und Freitag in die Schule.

Elternverbände fordern Betreuung von Schülern in den Sommerferien

Bald sind Sommerferien - doch wie sollen Eltern nach den coronabedingten Schulschließungen auch noch diese sechs Wochen überbrücken? Verbände fordern ausreichend Betreuungsangebote, bei denen die Kinder zudem etwas lernen sollten.

Elternverbände fordern qualifizierte Betreuungsangebote für Schulkinder in den Sommerferien. Wegen der wochenlangen Schulschließungen in der Corona-Krise hätten Eltern häufig ihren Jahresurlaub aufgebraucht, gleichzeitig ende für zahlreiche Arbeitnehmer nun die Kurzarbeit. «Viele Familien sind in den Ferien auf Betreuungsangebote angewiesen, um ihren Job retten zu können», sagte die Vorsitzende der Landeselternkonferenz (LEK) NRW, Anke Staar, am Mittwoch. Zuvor hatte die «WAZ» berichtet.

«Urlaubskontingente sind aufgebraucht, Homeoffice und Kinderbetreuung sind nicht wirklich zu vereinbaren und die Großeltern müssen immer noch geschont werden», erklärte auch der Vorsitzende der Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW (LEiS), Ralf Radke. Deshalb müsse es während der gesamten Ferien Betreuungsangebote für Schüler bis zur achten Klasse sowie für alle Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf geben. «Andernfalls haben viele Eltern keine Chance, ihre Arbeitszeiten nachzuholen», meinte Radke.

Dem Schulministerium zufolge kann es an den Grundschulen Ferienangebote des Offenen Ganztags (OGS) geben, sofern diese bereits vorgesehen waren. Wo dies nicht in vollem Umfang möglich sei, plane das Ministerium ein entsprechendes Zusatzangebot, über das zeitnah informiert werde. «Darüber hinaus prüft das Schulministerium derzeit, unter welchen Voraussetzungen zum Beispiel Schülerinnen und Schülern mit besonderem Unterstützungsbedarf auch in den Sommerferien Bildungs- und Erziehungsangebote gemacht werden können.»

Die LEK-Vorsitzende Staar forderte «qualitativ hochwertige Bildungsangebote», bei denen etwa studentische Hilfskräfte oder freiwillige Lehrer eingesetzt werden könnten. Das Land müsse dafür finanzielle Mittel bereitstellen.

Aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist der Wunsch von Eltern nach pädagogischer Betreuung zwar verständlich. «Gleichwohl können das die Schulen nicht verantwortungsvoll stemmen, weil Schulleitungen und Lehrkräfte nach wochenlangem Corona-Stress die Ferien nicht nur für den eigenen Urlaub gebrauchen, sondern auch für die Planungen für das neue Schuljahr, das ja auch nicht normal anlaufen wird», teilte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern mit.

 

03.06.2020 12.30 Uhr

Umfrage: Mehrheit für normalen Schul- und Kitabetrieb nach den Ferien

Die Mehrheit der Bundesbürger ist einer Umfrage zufolge für die vollständige Öffnung von Schulen und Kitas nach den Sommerferien. 58 Prozent der Befragten sprachen sich in der Befragung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap für eine komplette Öffnung der Schulen und Kitas in Deutschland nach den Sommerferien aus, wie der SWR als Auftraggeber der Umfrage am Mittwoch in Mainz mitteilte. Rund ein Drittel der Befragten (34 Prozent) sagten dagegen, der Kita- und Schulbetrieb sollte weiterhin nur teilweise erfolgen. Drei Prozent der Teilnehmer bevorzugten eine Schließung der Schulen und Kindertageseinrichtungen.

In den ostdeutschen Bundesländern war der Wunsch nach uneingeschränkter Öffnung der Schulen und Kitas besonders ausgeprägt. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) plädierten dafür. In den westdeutschen Bundesländern war die Zustimmung deutlich geringer. (56 Prozent). Infratest dimap hat mehr als 1000 Menschen befragt.

Schülervertreter: an den Schulen geht es drunter und drüber

Schülervertreter fordern klarere Regeln für den Unterricht in Corona-Zeiten. Momentan gehe es an den Schulen drunter und drüber, sagte der Vorsitzende des Landesschülerbeirats, Leandro Cerqueira Karst, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Teilweise würden Schüler benotet, teilweise auch nicht. «Schüler und Lehrer fühlen sich etwas alleingelassen.» Zwar müssten Schulen gewisse Freiheiten haben, um je nach eigener Lage handeln zu können. Wenn die Situation wegen Corona aber andauere, müsse es Konzepte vom Kultusministerium geben.

Wenn nach den Sommerferien noch Lernen zu Hause über moderne Medien nötig sei, müsse man sich auch Gedanken über die Bewertung der Leistungen machen. Alle Schüler bräuchten dafür allerdings die nötige technische Ausstattung, sagte Cerqueira Karst. Er pflichtete damit im Grundsatz dem Grünen-Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz bei, der klare Regeln für das Lernen zu Hause in Corona-Zeiten gefordert hat. «Wenn das Klassenzimmer ins Netz verlegt wird, müssen dieselben Regeln gelten wie in der Schule», sagte Schwarz. Bislang gibt es für die seit Wochen anhaltenden Heimlernphasen der Schüler keine Noten.

Digitalisierung der Schulen: Bildungsgewerkschaft macht Druck

Bei der Ausstattung der Schulen mit Tablets, Laptops und digitaler Infrastruktur muss nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft deutlich mehr passieren. Die Gewerkschaft präsentierte am Mittwoch die Ergebnisse einer Lehrerbefragung, die kurz vor der Corona-Krise gemacht wurde. Demnach nutzen neun von zehn Pädagogen ihre privaten Geräte für dienstliche Zwecke. Digitalisierung dürfe keine Privatsache sein, sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann anlässlich der Vorstellung der Studienergebnisse.

Die Gewerkschaft kritisierte konkret eine Regelung im «Digitalpakt Schule», wonach für mobile Geräte wie Tablets oder Laptops nur ein Fünftel der Fördermittel oder 25 000 Euro pro Schule ausgegeben werden dürfen und forderte zudem, dass die Mittel aus dem Digitalpakt deutlich auf 20 Milliarden Euro erhöht werden. Über das Förderprogramm stellt der Bund den Schulen fünf Milliarden Euro für Investitionen in digitale Tafeln (Smartboards), Schul-WLAN, Online-Lernplattformen und mobile Geräte zur Verfügung. Von den Ländern kommen insgesamt weitere 500 Millionen dazu.

Das Programm läuft seit gut einem Jahr. Die Mehrheit der Lehrkräfte (59 Prozent) gab in der Befragung an, dass ihre Schule inzwischen Mittel aus dem Digitalpakt für Investitionen eingeplant hat oder diese bereits beantragt oder bewilligt wurden. 93 Prozent der Befragten verwenden grundsätzlich digitale Medien wie Beamer, Smartboards, Computer oder Tablets im Unterricht. Die Mehrheit der Lehrer (58 Prozent) hat in den letzten zwei Jahren an Fortbildungen zu Digitalisierungsthemen teilgenommen. Nur jeder Fünfte ist aber der Meinung, dass in dem Bereich ausreichend Fortbildungen angeboten werden. 42 Prozent sind nicht dieser Ansicht.

Schulschließungen könnten sich in Pisa-Studie niederschlagen

Die wochenlangen Schulschließungen und der weiterhin nur eingeschränkte Schulbetrieb könnten sich nach Ansicht von OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher auch in den nächsten Pisa-Testergebnissen niederschlagen. Es sei gut möglich, dass die «sozialen Disparitäten» in späteren Pisa-Vergleichen weiter zunähmen, sagte Schleicher der Deutschen Presse-Agentur.

Die Veröffentlichung der letzten Pisa-Ergebnisse vor einem halben Jahr, am 3. Dezember, hatte den Zusammenhang, wonach Schulerfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängt, erneut bestätigt. Schleicher schließt nun nicht aus, dass sich dieser Effekt verstärken könnte. Kinder aus wohlhabenden Familien kämen oft mit Schulschließungen zurecht. «Kinder aus ungünstigem sozialem Umfeld haben dagegen meist nur eine einzige wirkliche Chance im Leben, das sind gute Lehrer und eine leistungsfähige Schule.» Ihnen fehle der Zugang zu guten Angeboten zum Online-Lernen und manchmal auch ein Platz um zu Hause in Ruhe zu lernen.

Die Ausnahmesituation an den Schulen könnte nach Angaben des Bildungsexperten auch Auswirkungen auf das spätere Erwerbsleben der Schüler haben. «Letztlich können sie ein verlorenes Schuljahr mit sieben bis zehn Prozent verlorenem Lebenseinkommen gleichsetzen», sagte er. Wegen der Corona-Krise waren Schulen in Deutschland wochenlang geschlossen und sind jetzt nur in einem eingeschränkten Schichtbetrieb geöffnet.

Die Pisa-Studie ist die größte internationale Schulleistungsvergleichsstudie. Die Federführung hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Seit dem Jahr 2000 werden dafür alle drei Jahre weltweit Hunderttausende Schüler im Alter von 15 Jahren in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet.

In einer Schaltkonferenz berieten die Kultusminister der Länder am Dienstagabend über das weitere Vorgehen nach den Sommerferien. Konkrete Pläne wurden noch nicht vereinbart. Alle Länder eine aber das Ziel, im neuen Schuljahr möglichst wieder einen Regelbetrieb an den Schulen anzubieten, hieß es nach dem Gespräch aus Teilnehmerkreisen. Das sei jedoch abhängig vom weiteren Infektionsgeschehen.

 

02.06.2020 14.15 Uhr

Kultusminister beraten über Vorgehen im neuen Schuljahr

Die Kultusminister der Länder beraten an diesem Dienstagabend in einer Schaltkonferenz über das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Sommerferien. Nach Angaben eines Sprechers der Kultusministerkonferenz (KMK) sind aber keine konkreten Beschlüsse zu erwarten. Das Gespräch diene der Vorbereitung des nächsten offiziellen Termins der Kultusminister am 18. und 19. Juni.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete zuvor über ein ihr vorliegendes Rahmenkonzept der KMK mit konkreten Planungen für das nächste Schuljahr. Alle Länder wollen demnach so rasch wie möglich zu einem regulären Schulbetrieb nach geltendem Stundenplan zurückkehren.

In dem Konzept werden aber auch Szenarien entworfen für den Fall, dass bis dahin weiterhin die strengen Abstands- und Hygieneregeln gelten. Dann werde es auch weiterhin einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht geben. Prüfungsanforderungen würden einem reduzierten Stundenplan angepasst und Sport fiele weitgehend aus. Nur unbedingt erforderliche Leistungsnachweise sollten möglichst unter freiem Himmel erbracht werden.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus KMK-Kreisen erfuhr, handelt es sich dabei nicht um ein fertiges Konzept, sondern um eine erste Diskussionsgrundlage der Länder. Ob «normaler» Unterricht oder weiterhin ein «Schichtbetrieb» nach den Sommerferien stattfinde, hänge entscheidend vom Infektionsgeschehen ab, von den Bewertungen der zuständigen Gesundheitsbehörden und davon, inwieweit die strengen Hygiene- und Abstandsregeln weiter in Kraft blieben.

Vertreter mehrerer Bundesländer hatten bereits angekündigt, dass sie nach den Sommerferien wieder einen Normalbetrieb an den Schulen anstreben. Schon vor den Ferien wollen einige zumindest an den Grundschulen auch wieder volle Klassen unterrichten und dabei auf die Abstandsregeln verzichten. Schulpolitik ist in Deutschland Ländersache. In der KMK versuchen die Länder aber, sich auf grobe Leitlinien zu verständigen.

SPD fordert Konzepte für Schulunterricht nach den Sommerferien

Die oppositionelle SPD fordert vom Kultusministerium Konzepte für den Schulunterricht nach den Sommerferien unter den Bedingungen der Coronakrise. «Wir wollen einen Schulbetrieb, der so gut funktioniert, wie es unter Infektionsgesichtspunkten nur irgendwie geht, und zwar verantwortbar», sagte SPD-Landtagsfraktionschef Andreas Stoch am Dienstag in Stuttgart. «Wir können das Ganze nicht weitertreiben lassen und im nächsten Schuljahr wieder quasi nur auf Sicht fahren.» Stoch warf Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vor, sich weniger den fachlichen Notwendigkeiten zu widmen, sondern vor allem parteipolitisch als Spitzenkandidatin der CDU zur Landtagswahl 2021 zu handeln. «Das halten wir für nicht verantwortbar.»

Eltern klagen am OVG auf Aufnahme von durchgängigem Präsenzunterricht

Am Oberverwaltungsgericht des Landes Nordrhein-Westfalen sind mehrere Klagen von Eltern auf durchgängigen Präsenzunterricht in den Schulen anhängig. Die Kläger richten sich damit gegen die Coronabetreuungsverordnung, wie das OVG am Dienstag in Münster auf Anfrage mitteilte. Eine Familie mit vier Kindern aus Euskirchen verweist auf das in der Verfassung festgeschriebene Recht auf Bildung. Der Unterricht über Datenplattformen oder per Email führe bestenfalls zur Erhaltung der vorhandenen Kenntnisse, wie die Rechtsanwälte schriftlich zur Begründung mitteilten. Die Coronabetreuungsverordnung vom 20. Mai sei unverhältnismäßig.

Eine Familie aus Köln mit zwei Kindern hat ebenfalls Klage eingereicht. Nach Angaben des OVG wird eine Entscheidung frühestens in der kommende Woche fallen. In dieser Woche will das OVG nach Angaben einer Sprecherin Entscheidungen zu einem Quarantäne-Fall und zu einer Forderung nach unbeschränktem Kontaktsport verkünden.

Kinderhilfswerk und Schüler fordern Beteiligung an Schulplanung

Die Schüler sollten nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerks und der Bundesschülerkonferenz aktiv in die Planungen für das nächste Schuljahr eingebunden werden. Gerade jetzt in der Krisensituation brauche man die Expertise der Schülerinnen und Schüler bei der sie betreffenden Öffnung der Schulen, sagte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes am Dienstag in einer gemeinsamen Mitteilung. Erwachsene sollten nicht so tun, als seien sie stets allwissend. «Als direkt Betroffene der Maßnahmen bekommen wir die Auswirkungen im Schulalltag deutlich zu spüren. Evaluationen und Verbesserungen der Konzepte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern durchzuführen und abzustimmen ist daher wichtiger denn je», sagte Jan Zinal von der Bundesschülerkonferenz.

Momentan findet in den meisten Schulen eine Art Schichtbetrieb statt. Vertreter mehrerer Bundesländer hatten aber bereits angekündigt, dass sie nach den Sommerferien wieder einen Normalbetrieb an den Schulen anstreben. Die Frage ist, inwieweit dann noch Abstandsregeln eingehalten werden können. Diskutiert wurde in dem Zusammenhang auch darüber, ob Container aufgestellt oder weitere Gebäude angemietet werden könnten, um mehr Platz für den Schulbetrieb zu schaffen.

Corona macht Abi-Feiern einen Strich durch die Rechnung

Abendkleider, Hochsteckfrisuren, Anzug und Krawatte: Zum Abiball machen sich die Zwölftklässler normalerweise richtig schick. In diesem Jahr sind viele der Feste Corona zum Opfer gefallen.

Bei den Abiturfeiern müssen die Thüringer Gymnasien wegen der Coronapandemie in diesem Jahr improvisieren. Die üblichen Feste gemeinsam mit Eltern und Familien sind wegen der Hygienevorschriften voraussichtlich nicht möglich. Einen angemessenen Rahmen zu finden, sei daher eine Herausforderung, sagte Roul Rommeiß, Vorsitzender der Thüringer Landeselternvertretung, der Deutschen Presse-Agentur. «Das bestandene Abitur ist ein wichtiger Tag im Leben, der auch nicht einfach nachholbar ist.» Nach so vielen Jahren Schule hätten die Schüler trotz Corona die Zeugnisübergabe in einem würdigen Rahmen verdient.

Bereits ausgefallen sind an fast allen Schulen die Themenwochen am Ende des letzten, verkürzten Schulhalbjahres, in der die Abiturienten verkleidet in die Schule kommen und allerlei Streiche aushecken. «Zu dieser Zeit waren ja außer den Abiturjahrgängen alle anderen Schüler noch Zuhause, das war für viele schon eine Enttäuschung», sagt die Landesschülervertreterin Selma Konrad. «Durch das Fehlen solcher Traditionen hat es sich gar nicht richtig nach dem letztem Schultag angefühlt, alles war ein bisschen unwirklich.» Die meisten Schüler hätten aber Verständnis für die Maßnahmen. Umso wichtiger sei nun die Zeugnisübergabe in einem angemessenen Rahmen. «So können alle wenigstens kurz noch einmal zusammenkommen und vielleicht zumindest ein gemeinsames Abschlussfoto machen.»

Auch hinter den meist in Privatregie veranstalteten Abibällen steht nun ein großes Fragezeichen. Wenn überhaupt, kommen nur abgespeckte Feiern infrage. In vielen Fällen wurden diese dem Elternsprecher und verschiedenen Schulleitern zufolge aber bereits gestrichen. «Etwaige Stornokosten für ausfallende Veranstaltungen bleiben unter Umständen an den Eltern als Veranstalter hängen - es wäre daher wünschenswert, wenn die Landesregierung da finanziell aushelfen könnte», sagte Rommeiß.

Bei der Zeugnisausgabe suchen die Schulen nach Lösungen. «Zumindest die ursprünglich geplanten Termine für die Zeugnisausgabe können in fast allen Schulen eingehalten werden», sagte Rommeiß. Feste Pläne, wie dieser Tag gestaltet wird, gibt es aufgrund der unsicheren Situation aber kaum. An der Jenaplanschule in Jena sollen die Eltern familienweise an den Fenstern des Schulgebäudes stehen, um die Zeugnisübergabe im Hof verfolgen zu können. «Wir können das anbieten, weil wir nur etwa 20 Abiturienten haben - andere Schulen werden das so nicht hinbekommen», sagte Schulleiter Frank Ahrens.

Am staatlichen Gymnasium «Marie Curie» in Leinefelde-Worbis werden Schulleiter Bernd Schüler zufolge derzeit mehrere Varianten für die 82 Schüler und ihre Angehörigen geplant. «Sicher ist nur, dass es in diesem Jahr nicht sein wird wie normalerweise - aber dass wir die Übergabe so ansprechend wie möglich gestalten wollen. Diese Form der Ehrerbietung haben die Schüler verdient.» Auch am Tilesius-Gymnasium in Mühlhausen wird die endgültige Entscheidung für die Zeugnisausgabe vermutlich erst eine Woche vorher fallen, erklärt Schulleiter Udo Penßler-Beyer. Immerhin kämen bei 80 Schülern und deren Angehörigen schnell 400 Personen zusammen. «Da ist alles noch offen, aber wir müssen uns etwas einfallen lassen, diesen Tag entsprechend zu würdigen.»

Am Heinrich-Mann-Gymnasium in Erfurt werden die Zeugnisse nicht wie üblich während des Abiballs übergeben, sondern nur mit den 63 Abiturienten ohne Eltern an der Schule. «Wir wollen das so sicher wie möglich machen und keine unnötigen Risiken eingehen. Die Schule geht danach ja weiter», sagt Schulleiterin Christiana Berke.

Flexibilität und Einfallsreichtum werden die Schulen dann noch einmal nach den Sommerferien beweisen müssen, wenn für die frischgebackenen Erstklässler der erste Schultag ansteht. «Bei uns führen an diesem Tag normalerweise alle Lehrer gemeinsam ein Märchen auf», erklärt Ahrens. Es sei zu hoffen, dass diese Tradition auch in diesem Jahr nicht ausfallen müsse. «Es ist schwer zu sagen, wie sich das Geschehen bis dahin entwickelt - aber auch das wird eine Herausforderung für die Schulen, diesen wichtigen Tag im Leben der Kinder so gut wie möglich zu gestalten», sagte Rommeiß.

Kultusminister erteilt Schul-Abschlussfeiern eine klare Absage

Zehntausende Schüler in Niedersachsen haben in den vergangenen Wochen unter Corona-Bedingungen ihre Abschlussklausuren geschrieben. Nun erteilt der Kultusminister Abschlussfeiern und Abibällen eine klare Absage. Doch er hat einen Vorschlag.

Die schriftlichen Prüfungen sind geschafft, in dieser Woche beginnen für die rund 11 500 Abiturienten in Niedersachsen die mündlichen Prüfungen - doch Abschlussfeiern und Abibälle wird es in diesem Jahr nicht geben. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat jetzt für alle Entlassungsfeiern eine klare Absage erteilt. «Für die Schulabgänger und die Familien tut mir das sehr leid, weil diese Veranstaltungen häufig das Highlight der Schulzeit sind», sagte Tonne der Nachrichtenagentur dpa.

Solche Feste mit Hunderten Menschen fielen unter das bis Ende August geltende Veranstaltungsverbot. «Die Feiern können gegebenenfalls nachgeholt werden - das würde mich sehr freuen, auch wenn es natürlich nicht dasselbe ist», sagte Tonne.

Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen wollen Schülern zumindest eine feierliche Übergabe von Abschlusszeugnissen im Beisein ihrer Eltern ermöglichen. In welchem Rahmen und mit welchen Auflagen genau dies in NRW geschehen soll, steht noch nicht fest.

Für Niedersachsen sagte Kultusminister Tonne: «Abschlussfeiern und Abibälle können in diesem Jahr leider nicht stattfinden.» Wegen der Rückkehr der Gymnasien zum Abi nach 13 Schuljahren gibt es in diesem Jahr deutlich weniger Abiturienten in Niedersachsen als sonst. Außerdem macht ein Teil der rund 60 000 Schüler der Jahrgänge 9 und 10 an Ober-, Gesamt-, Real- und Hauptschulen Abschlussprüfungen.

Niedersachsen arbeite an einem Konzept, um Einschulungsfeiern für die kommenden Erstklässler zu ermöglichen, sagte Tonne. Die Sommerferien gehen Ende August zu Ende - der reguläre Unterricht für die Erstklässler würde nach bisherigem Stand am 31.8. beginnen. «Ich halte dieses emotionale Willkommenheißen für sehr wichtig, damit die Kinder einen guten Schulstart haben», sagte Tonne. «Es ist aber klar, dass auch hier der Infektionsschutz gewährleistet sein muss.»

Schulen und Kitas öffnen wieder für alle

In Sachsen-Anhalt sind Schulen und Kitas wieder für alle Kinder und Jugendliche geöffnet. Elf Wochen nach der verordneten Schließung werden von Dienstag an zunächst alle Schülerinnen und Schüler im sogenannten Wechselmodell unterrichtet. Dabei werden die Klassen in kleinere Gruppen geteilt und lernen im täglichen oder wöchentlichen Wechsel im Klassenzimmer oder mit Aufgaben zuhause. So soll der Mindestabstand garantiert werden.

Zwischen dem 8. und dem 15. Juni sollen dann alle Grundschüler zum täglichen Unterricht zurückkehren. Dabei wird die Klasse nicht mehr geteilt. Weil dann der Mindestabstand nicht immer gegeben ist, sollen die Klassen strikt voneinander getrennt und immer von der gleichen Lehrkraft unterrichtet werden. Auch an den Kitas und den Horten wird dieses Modell fester Gruppen mit einem zugeordneten Betreuerteam umgesetzt. Es gilt von Dienstag an und erlaubt erstmals seit 16. März allen Kindern wieder, in die Kita zurückzukehren.

Damit endet in Sachsen-Anhalt das wochenlange Prinzip der Notbetreuung, bei denen Kinder nur in Kita oder Schule gehen durften, wenn ihre Eltern in definierten unverzichtbaren Berufen arbeiteten.

Schulen und Kitas gehörten zu den ersten Einrichtungen, die Mitte März geschlossen wurden, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Auch zahlreiche andere Bereiche des öffentlichen Lebens waren betroffen. Wegen der geringen Zahl an neuen Infektionsfällen werden die Beschränkungen schrittweise aufgehoben.

 

01.06.2020 17.00 Uhr

Ministerin: 88 000 Abiturienten haben schriftliche Prüfungen abgelegt

Laut NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer sind die wegen der Corona-Krise um drei Wochen verschobenen schriftlichen Abiturprüfungen reibungslos verlaufen. «Die Schulen haben alles dafür getan, damit die Schülerinnen und Schüler sich auf das Wesentliche konzentrieren können und ihren Fokus ganz auf ihre Abiturprüfungen legen können», sagte die FDP-Politikerin laut einer Mitteilung vom Pfingstmontag. «Überall in Nordrhein-Westfalen konnten die schriftlichen Prüfungen in allen Unterrichtsfächern regulär und sicher durchgeführt werden.» Mögliche Nachfragen hätten stets mit Unterstützung der Schulaufsicht und den örtlichen Behörden geklärt werden können.

Insgesamt haben den Angaben zufolge etwa 88 000 Schüler und Schülerinnen der verschiedenen Schulformen wie geplant und mit Abstands- und Hygienemaßnahmen die schriftlichen Prüfungen des Zentralabiturs bis zum 26. Mai abgelegt. An vielen Schulen habe es bereits mündliche Prüfungen gegeben. Bis zum 9. Juni seien noch Nachholtermine für die schriftlichen Prüfungen angesetzt. Der letztmögliche Termin für die Zeugnisausgabe ist der 27. Juni.

Vergangene Woche hatte Gebauer angekündigt, den Zehntausenden Abiturienten und Absolventen anderer Schulen trotz der Corona-Krise die feierliche Übergabe von Abschlusszeugnissen im Beisein ihrer Eltern zu ermöglichen. Das Land wolle dafür die rechtlichen Regelungen schaffen, dass Abschlussveranstaltungen wie Zeugnisübergaben unter Einhaltung der Infektions- und Hygieneregeln ermöglicht würden. Für Abibälle soll die Sonderregelung aber ausdrücklich nicht gelten.

Präsenzunterricht für Alle - Kinder kehren an die Schulbank zurück

Die Corona-Pandemie bedeutet für viele Schulen und Kindergärten eine Ausnahmesituation. Ab spätestens Dienstag sollen aber auch die letzten Kinder und Jugendliche an die Schulbänke zurückkehren - zumindest tageweise.

Nach den flächendeckenden Schließungen von Schulen kehren spätestens ab Dienstag auch die letzten Kinder und Jugendlichen wieder zurück in ihre Klassenzimmer. Allerdings sehen die bisherigen Pläne der Landesregierung vor, dass bis zum Ende des Schuljahres noch nicht alle Schulen wieder in einen Regelbetrieb mit fünf Tagen Präsenzunterricht für alle Schüler wechseln. Wohl auch längst nicht alle Lehrer werden bis zum Start der Sommerferien wieder an den Schulen unterrichten. Mehr als 20 Prozent von ihnen gehören einer Risikogruppe an - wegen Vorerkrankungen oder weil sie älter als 60 Jahre alt sind, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums mitteilte.

Ihnen steht es frei, in die Schulen zu kommen oder nicht. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte zwar die Hoffnung ausgedrückt, dass gerade ältere Lehrer freiwillig trotz Corona-Pandemie in den Schulen unterrichten. Doch wie viele dieser Lehrer dieser Hoffnung entsprechen, ist unklar.

Nach den Vorstellungen der Thüringer Landesregierung sollen sich Lehrer und Erzieher schon bald regelmäßig darauf testen lassen können, ob sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte dies als Voraussetzung genannt, um ab dem nächsten Schuljahr wieder einen Regelbetrieb in Kindergärten und an Schulen einführen zu können. Derzeit läuft zum Beispiel an Thüringer Grundschulen noch eine Notbetreuung.

Dagegen können in Sachsen bereits alle Grundschüler wieder in die Schule. Im Nachbarbundesland werden Kindergartenkinder in größeren Gruppen betreut und Grundschüler lernen in Klassen mit der üblichen Größe. Allerdings gilt eine strenge Trennung zwischen den Gruppen und Klassen. Außerdem sollen die Gruppen nicht von wechselnden Pädagogen betreut oder unterrichtet werden, sondern möglichst von fest dafür vorgesehenen Erzieherinnen und Lehrern.

Nach dpa-Informationen wird derzeit auch in Thüringen geprüft, ob man Unterricht und Betreuung nach dem sächsischen Modell gestaltet. Nach Angaben der Thüringer Staatskanzlei werde «intensiv geprüft», «ob und wie der eingeschränkte Regelbetrieb an Kindergärten weiter ausgeweitet werden kann, damit mehr Kinder täglich in die Kindergärten gehen können».

Zwei Neuinfektionen an Thüringer Schulen

An Schulen in Suhl und in Worbis (Kreis Eichsfeld) sind neue Corona-Infektionen nachgewiesen worden. So habe sich eine Lehrkraft an der Regelschule Worbis mit dem Virus angesteckt, teilte das Landratsamt am Sonntag mit. Schüler, die von ihr in der vergangenen Woche mehr als eine Stunde unterrichtet worden seien, müssten in Quarantäne. Zudem würden alle Lehrer und Schüler der betroffenen Klassen am Pfingstmontag getestet.

Auch die Stadt Suhl meldete am Sonntag eine zweite Corona-Infektion an einer Grundschule. Dort sei ein weiteres Kind positiv auf das Virus getestet worden, hieß es. Das Gesundheitsamt stehe in Kontakt mit den Eltern, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Insgesamt seien 22 Personen getestet worden, alle anderen Ergebnisse seien negativ ausgefallen.

Viele Eltern wünschen die Rückkehr zum Schulalltag - aber nicht alle

Unterricht in Klassenstärke wie vor der Corona-Krise? Viele Berliner Eltern finden das gut. Es gibt aber auch Argumente dagegen und Skepsis, wie es nach den Sommerferien weitergeht.

Eltern von Schulkindern in Berlin sind geteilter Ansicht über die schnelle Rückkehr zum gewohnten Unterricht. Mehrere Bundesländer haben in den vergangenen Tagen angekündigt, dass die Schüler zumindest an Grundschulen bald nicht mehr getrennt, sondern wieder in voller Klassenstärke unterrichtet werden sollen. Das sei auch aus Sicht vieler Eltern in Berlin richtig, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, der Deutschen Presse-Agentur. «Und gefühlt werden es mehr.»

Nach wochenlangem Homeschooling und eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten sei der Wunsch oft groß, wieder zum Schulalltag zurückzukehren. «Oft bauen auch die Arbeitgeber Druck auf, die ihre Angestellten wieder zurück am Arbeitsplatz haben wollen», sagte Heise. In vielen Familien sei inzwischen außerdem das Urlaubspensum der Eltern weitgehend aufgebraucht. «An manchen Schulen gibt es am Tag nur drei Stunden Unterricht, das macht das Arbeiten für die Eltern nicht planbar.»

Auf der anderen Seite gebe es aber auch Eltern, die sich Sorgen machten und darauf hinwiesen, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei, sagte Heise. «Und es gab ja auch schon Virusinfektionen in Schulen.»

Zu berücksichtigen sei auch, dass in Berlin die Sommerferien schon am 25. Juni beginnen, im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern eher früh. Unterricht nach dem aktuellen Modell aus Corona-Pandemie-Zeiten gibt es zunächst nur noch vier Wochen lang.

Wichtig aus Sicht der Landeselternvertreter ist vor allem die Frage, wie es nach den Sommerferien weitergeht: Wenn Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten im Sommer zurückgehe, biete das die Chance, mehr Präsenzunterricht oder auch Normalbetrieb zu ermöglichen, sagte Heise. «Wenn die Fallzahlen ansteigen, kann man nur in dem Modell weiterarbeiten, das wir haben.» Die Bildungsverwaltung müsse in jedem Fall mit verschiedenen Szenarien planen.

Unterricht, der tatsächlich in der Schule und mit Begleitung durch erfahrene Lehrkräfte stattfindet, sei nach den Ferien gerade für die Jüngsten wichtig so der Landeselternvorsitzende. Die Erst- und Zweitklässler, die Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, seien darauf angewiesen.

«Wir hoffen, dass sich die Senatsverwaltung in ihren konzeptionellen Plänen rechtzeitig zu Wort meldet», sagte Heise. Und dass sie die Erfahrungen aufgreift, die die Schulen in den vergangenen Wochen und Monaten gemacht haben: «Wenn es ein Gutes in Anführungszeichen an der Pandemie gibt, dann ist es der große Schub bei der Digitalisierung», sagte Heise. «Man kann nur hoffen, dass im nächsten Schuljahr nicht gesagt wird, jetzt haben wir das alles mal ausprobiert, und es war in Ordnung, aber wir arbeiten jetzt wieder weiter, wie wir es gewohnt sind.»

Weitere Klassen kehren an die Schulen zurück

Nach den Pfingstferien kehrt für weitere Schüler in Niedersachsen wieder ein Stück Normalität ein. Vom 3. Juni an haben die zweiten, siebten und achten Klassen wieder Unterricht an den Schulen. Knapp zwei Wochen später, vom 15. Juni an, geht der Unterricht laut Kultusministerium auch für Erst-, Fünft- und Sechstklässler wieder los, sodass alle Jahrgänge zurück an den Schulen sind.

Die nächste Stufe weitreichender Lockerungen ist in Niedersachsen vorläufig für den 8. Juni geplant. Bis dahin soll unter anderem die Schließung von Theatern, Opernhäusern und Kinos neu bewertet werden. Auch die Regel, wonach sich in der Öffentlichkeit die Angehörigen von maximal zwei Haushalten treffen dürfen, kommt auf den Prüfstand. Außerdem ist eine erneute Ausweitung des Übernachtungstourismus vorgesehen. Bisher dürfen Hotels nur 60 Prozent der Plätze vergeben, für Ferienwohnungen gilt eine Wiederbelegungsfrist von sieben Tagen.

Eltern und Lehrer sehen täglichen Unterricht an Grundschulen kritisch

Eltern- und Lehrervertreter sehen die Rückkehr zum täglichen Unterricht an Grundschulen in Sachsen-Anhalt kritisch. Sie hätten es vorgezogen, an den Grundschulen wie in allen anderen Schulformen das Wechselmodell weiterzufahren, sagte die Landeschefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Eva Gerth. Nur in diesem Modell seien größere Abstände gewährleistet. Es sei problematisch, dass bei der Kitabetreuung und an den Grundschulen jetzt der sonst so stark eingeforderte Mindestabstand nicht mehr wichtig sein solle, sagte auch der Chef des Landeselternrats Matthias Rose.

Von Dienstag an können wieder alle Kinder und Jugendlichen Kitas, Schulen und Horte besuchen. Damit endet das Prinzip der Notbetreuung. Die Einrichtungen waren Mitte März geschlossen worden, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen.

Zum Start werden an den Schulen alle Jahrgänge im sogenannten Wechselmodell unterrichtet. Dabei werden die Klassen in mehrere kleinere Gruppen geteilt, die abwechselnd in der Schule und zuhause lernen. Vom 8. Juni an soll der Unterricht an den Grundschulen umgestellt werden und die Kinder täglich in voller Klassenstärke zusammen lernen. Der Mindestabstand gilt nicht. im Gegenzug sollen die Klassen immer von der gleichen Lehrkraft unterrichtet und auf dem Schulgelände von anderen Gruppen getrennt werden.

Senatorin Prüfer-Storcks sieht Schulschließung rückblickend anders

Hamburgs scheidende Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sieht die Entscheidung zur Schul- und Kitaschließung im Rückblick anders. Ob es notwendig gewesen sei, die Kitas und Schulen zu schließen, darüber würden sich noch heute die Wissenschaftler streiten. «Hätten sie (die Wissenschaftler) damals nicht gesagt, dass Kinder und Jugendliche die Krankheit stärker übertragen als Erwachsene, dann hätten wir vielleicht anders entschieden und Schulen wie Kitas offengelassen oder schneller wieder geöffnet. Aber auch die Wissenschaftler brauchten Zeit, um die neue Krankheit zu erforschen», sagte Prüfer-Storcks der «Welt am Sonntag» (Regionalausgabe Hamburg).

Mit den bisherigen Maßnahmen zeigt sich Prüfer-Storcks zufrieden. «Momentan kann man sagen: Die Pandemie flacht ab, wir haben mit unseren Maßnahmen viel erreicht und vieles richtig gemacht.»

Zugleich hält sie eine zweite Infektionswelle im Herbst nicht für unwahrscheinlich: «Corona wird nicht einfach so verschwinden, das Virus ist noch da.» Unklar sei, ob für das derzeitige Abflachen der Pandemie in Deutschland nur die ergriffenen Maßnahmen und die Disziplin der deutschen Bevölkerung verantwortlich gewesen sei oder ob es bei Covid-19 doch saisonale Schwankungen wie bei der Grippe gebe. «Wir wissen es nicht. Deshalb darf man sich nicht in falscher Sicherheit wiegen», sagte sie der Zeitung. «Gefährlich wäre es, wenn wir im Herbst die saisonale Grippe hätten und diese sich mit einer zweiten Corona-Welle paaren würde.» Deshalb setze sie sich dafür ein, dass für den Herbst eine sehr umfangreiche Grippe-Impfstrategie entwickelt werde, die über das hinausgehe, was die Ständige Impfkommission bisher empfiehlt.

Prüfer-Storcks hatte Ende Februar verkündet, sie werde in den Ruhestand gehen - kurz darauf musste sie für Hamburg den ersten Corona-Fall vermelden und war seitdem im Dauereinsatz.

 

30.05.2020 17:30 Uhr

Infektionsmediziner: Schule ohne Abstandsregeln jetzt vertretbar

Die Wiedereinführung von Schulunterricht ohne Abstandsregeln in der Corona-Krise ist nach Auffassung des Kieler Infektionsmediziners Helmut Fickenscher gerade vor den Sommerferien ein guter Zeitpunkt. «Die bisher erfolgreiche Eindämmung des Virus macht dies vertretbar und man kann in den wenigen Wochen bis zu den Ferien Erfahrungen sammeln, bei Gefahrensituationen gegensteuern und hat die langen Ferien als zeitlichen Sicherheitspuffer» sagte Fickenscher der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist besser, als nach den Ferien ohne eine solche Erprobungsphase ins neue Schuljahr ohne Abstandsregeln zu starten und dann möglicherweise in schwierige Situationen zu kommen.»

Fickenscher ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.

In Schleswig-Holstein sollen vom 8. Juni an alle Grundschüler wieder in ihren Klassen ohne Abstandsregeln unterrichtet werden. Noch vor den dort am 29. Juni beginnenden Sommerferien sollen zudem alle Schüler aller Schularten zumindest tageweise zusammen kommen. Ab Mitte Juni peilt auch Sachsen-Anhalt für Grundschüler einen Betrieb in voller Klassenstärke an. In Baden-Württemberg ist das ab Ende Juni geplant.

Die Frage, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Virus spielen, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine kleinere Studie des Berliner Virologen Christian Drosten von der Charité hatte Hinweise darauf gegeben, dass sie genau wie Erwachsene das Virus weitergeben können. Andere Forscher haben gefunden, dass Kinder ein geringeres Ansteckungsrisiko haben.

Zu Beginn der sich rasch ausbreitenden Pandemie sei es richtig gewesen, «so vorsichtig wie möglich zu sein», sagte der Experte. Mit den niedrigen Zahlen an Neuinfektionen habe sich die Situation geändert. Es gehe jetzt um die Abwägung der Verhältnismäßigkeit von Einschränkungen und Risiken. «Wir haben in den vergangenen Wochen eine ganze Menge an Lockerungen erlebt und sind damit bisher überraschend gut gefahren.»

Jugendherbergen in MV in ihrer Existenz bedroht

Jugend- und Gruppenreisen sind das Kerngeschäft des Deutschen Jugendherbergswerks. Doch dieser Markt ist wegen der Corona-Krise vollkommen weggebrochen.

Mit einem schwarzen Sarg auf einem Auto macht das Deutsche Jugendherbergswerk Mecklenburg-Vorpommern derzeit auf die existenzbedrohende Lage aufmerksam. «Das Überleben unserer Struktur steht in den Sternen», sagte der Vorstand des DJH-Landesverbands Kai-Michael Stybel der Deutschen Presse-Agentur. Schulfahrten seien untersagt, viele Vereine hätten eigene Existenzsorgen zu überstehen und denken vorerst nicht ans Reisen. «Über 50 Prozent unseres Jahresgeschäfts ist weitreichenden Stornierungen sind der Krise zum Opfer gefallen.» So seien im Zusammenhang mit der Corona-Krise bereits mehr als 170 000 Übernachtungen storniert worden.

Über die Pfingstfeiertage werde der DJH allerdings drei der 14 Häuser für Besucher öffnen. Dabei handele es sich um die Standorte Prora, Warnemünde und Heringsdorf.

Gleichzeitig erlebe das Jugendherbergswerk in diesen Wochen der Corona-Krise eine sehr große Solidarität aus den Reihen der Partner im Bereich der Jugendverbände, Schulen, Eltern- und Schülerräte, sagte Stybel. «Alle betonen die Unverzichtbarkeit der Jugendherbergen. Daran zweifeln auch wir nicht.»

Lockerung der Corona-Regeln - der aktuelle Stand in den Bundesländern

Die Bundesländer können im Kampf gegen die Corona-Pandemie über die schrittweise Öffnung des öffentlichen Lebens weitgehend in eigener Verantwortung entscheiden. Zum Pfingstwochenende sind in einigen Ländern wieder mehr Dinge erlaubt und auch nach den Feiertagen geht es mit vielen Neuerungen weiter. Hier der aktuelle Stand der Lockerungen in den Ländern bei ausgewählten Lebensbereichen.

Wichtig: Die Lockerungen erfolgen in aller Regel unter Auflagen wie Abstands- und Hygienebestimmungen. Zudem gilt weiterhin die bundesweite Maskenpflicht in Handel und Nahverkehr.

Schulen und Kitas

BADEN-WÜRTTEMBERG: Mitte Juni sollen alle Schüler zumindest zeitweise wieder Präsenzunterricht erhalten. Die Kitas sollen spätestens Ende Juni wieder vollständig öffnen. Bisher dürfen höchstens 50 Prozent der Kinder, die normalerweise die Einrichtung besuchen, gleichzeitig dort betreut werden.

BAYERN: Laut Kultusministerium ist rund die Hälfte aller Jahrgänge wieder an den Schulen, erst nach den Pfingstferien Mitte Juni sollen alle Schüler wochenweise in die Schule gehen. Bis 1. Juli sollen auch alle Kinder zurück in Kindergärten und Krippen dürfen.

BERLIN: Bis zum Sommer soll jedes Kita-Kind wieder ein Betreuungsangebot erhalten. Alle Schüler haben Unterricht, jedoch nur teilweise in der Schule.

BRANDENBURG: Allen Schülern wird vor den Sommerferien der Schulbesuch und die Teilnahme am Präsenzunterricht mindestens tage- oder wochenweise ermöglicht. Bei Kitas soll ein eingeschränkter Regelbetrieb anlaufen.

BREMEN: Alle Schulklassen werden schrittweise zurückgeholt. Ab 1. Juni sollen alle Vorschulkinder wieder in Kitas kommen.

HAMBURG: Alle Schüler sollen wenigstens einmal pro Woche Unterricht in der Schule bekommen. Kitas gehen schrittweise in den Regelbetrieb.

HESSEN: Kitas sollen zum 2. Juni wieder in den eingeschränkten Normalbetrieb übergehen. Der Unterricht an den Schulen hat schrittweise wieder begonnen.

MECKLENBURG-VORPOMMERN: Die Schüler kehren bereits schrittweise in die Schulen zurück. Kitas stehen wieder allen Kindern offen.

NIEDERSACHSEN: Die Notbetreuung in den Kitas wird schrittweise ausgeweitet, von Mitte Juni an soll es für alle Kinder ein zeitlich eingeschränktes Angebot für den Kita-Besuch geben. Auch die Schüler kehren nach und nach zurück, vom 15. Juni an haben alle Jahrgänge wieder Unterricht in den Schulen.

NORDRHEIN-WESTFALEN: Kita-Kinder und Schüler kehren schrittweise zurück. Alle Schüler erhalten tageweise Präsenzunterricht, ab 8. Juni soll es einen «eingeschränkten Regelbetrieb» für alle Kita-Kinder geben.

RHEINLAND-PFALZ: Der Unterricht hat stufenweise wieder begonnen, alle Schüler sollen bis Mitte Juni zumindest zeitweise wieder zur Schule gehen. Die Kitas sollen ab dem 2. Juni für alle öffnen, wenn auch mit Einschränkungen.

SAARLAND: Im Laufe des Juni sollen alle Schüler zumindest zeitweise wieder an die Schule zurückkehren. Kitas sollen ab dem 8. Juni wieder eingeschränkten Regelbetrieb aufnehmen.

SACHSEN: Sachsens Kitas und Grundschulen können im eingeschränkten Regelbetrieb für alle Kinder öffnen. Schüler an weiterführenden Schulen sollen zumindest teilweise wieder an den Schulen unterrichtet werden.

SACHSEN-ANHALT: Ab 2. Juni sollen Kitas und Schulen zu einem regulären Betrieb zurückkehren. Bis zum 15. Juni sollen wieder alle Grundschüler täglich zur Schule kommen.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Für einige Jahrgänge hat der Unterricht bereits wieder begonnen. Vom 8. Juni an sollen alle Grundschüler wieder eine tägliche Beschulung im Klassenverband erhalten. Der Regelbetrieb an allen Schulen soll nach den Sommerferien mit dem neuen Schuljahr am 10. August wieder starten. Vom 1. Juni an soll in den Kitas ein eingeschränkter Regelbetrieb gelten.

THÜRINGEN: Die Kommunen konnten selbst entscheiden, ob sie in den Kindergärten einen eingeschränkten Regelbetrieb anbieten. Bis spätestens 2. Juni soll dieser in allen Kitas starten. Dann sollen auch wieder alle Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen können.

Karliczek: Nach den Sommerferien volles Schulprogramm gewährleisten

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat Länder und Schulen eindringlich dazu aufgerufen, die Voraussetzungen für einen verlässlichen Unterricht nach den Sommerferien zu schaffen. «Jede Schule in jedem Land muss sich ein Ziel setzen: Nach den Ferien muss überall ein strukturierter Unterricht angeboten werden - und zwar so, dass möglichst ein volles Schulprogramm gewährleistet ist», sagte die CDU-Politikerin der «Rheinischen Post» (Samstag). «Wie auch immer.» Die Eltern seien vielfach am Limit, und auch die Schüler litten, sagte Karliczek.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren bundesweit die Schulen geschlossen worden, auch jetzt ist der Unterricht noch stark eingeschränkt.

Sie wisse um die Schwierigkeiten, räumte die Ministerin ein. «Aber wir leben einfach in einer Ausnahmesituation und da muss jetzt alles mobilisiert werden, damit die Kinder und Jugendlichen wieder verlässlich unterrichtet werden.» Es müsse vor Ort intensiv an Lösungen gearbeitet werden, damit der Schulbetrieb «mit einer Mischung aus Präsenz- und Digitalunterricht» wieder umfassend laufen könne.

«Die Sommerferien können die Schulen auch nutzen, mehr Raumkapazitäten zu schaffen, indem sie zum Beispiel Container aufstellen», meinte Karliczek. Sie begrüßte auch den Vorschlag des Bundeselternrats, für den Unterricht etwa auf Vereinshäuser und kommunale Veranstaltungsräume zurückzugreifen. «Das kann helfen, die Abstandsregeln einzuhalten.»

Die Schulpolitik ist in Deutschland Ländersache. Vertreter mehrerer Bundesländer hatten bereits angekündigt, dass sie nach den Sommerferien wieder einen Normalbetrieb an den Schulen anstreben. Schon vor den Ferien wollen einige zumindest an den Grundschulen auch wieder volle Klassen unterrichten und dabei auf Abstandsregeln verzichten. Über die mögliche Weiterverbreitung des Coronavirus über Kitas und Schulen wird viel diskutiert. Gesicherte Erkenntnisse über die Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr bei Kindern und Jugendlichen gibt es noch nicht.


28.05.2020 20.30 Uhr

Ein Jahr lang Corona-Tests an 24 Berliner Schulen geplant

In 24 Berliner Schulen sollen zwölf Monate lang Corona-Tests durchgeführt werden. Geplant sei, Schüler aus 48 Klassen zu untersuchen, sagte Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers am Donnerstag im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses. Details der mit der Charité geplanten Langzeitstudie müssten aber noch geklärt werden, sagte ein Pressesprecher der Senatsverwaltung. Es gebe zudem Überlegungen, alle Lehrer an 24 Schulen vor und nach den Sommerferien zu testen. Zuvor hatte der rbb berichtet.

Mitte Mai hatte der Berliner Senat eine Ausweitung der Corona-Tests mit einem Schwerpunkt auf Stichproben beschlossen. Flächendeckende Tests werde es nicht geben, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Test-Stichproben solle es nach einem Konzept von Charité und Vivantes zum Beispiel in Schulen, Kitas, Pflegeheimen, Krankenhäusern sowie bei Polizei und Feuerwehr geben. Berlin will sich außerdem an einer geplanten bundesweiten Studie zum Corona-Infektionsrisiko von Kita-Kindern beteiligen, hieß es vor zwei Wochen.

Hubig verteidigt landesweite Regeln für Schulen und Kitas

Bei der Öffnung von Kitas und Schulen will Rheinland-Pfalz bei einem landeseinheitlichen Vorgehen bleiben. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) wies am Donnerstag im Landtag einen Antrag der AfD zurück, Kitas und Schulen in Kommunen ohne Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen vollständig aufzumachen.

Dies sei «medizinisch vertretbar und pädagogisch geboten», sagte der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Joachim Paul. Die Gegebenheiten vor Ort müssten bei der Öffnung von Kitas und Schulen stärker berücksichtigt werden. Der jüngste Vorstoß aus Thüringen gehe auch in diese Richtung.

«Wenn wir so unsere Schulpolitik machen würden, gäbe es ein heilloses Chaos und viel Ungerechtigkeit», erwiderte Hubig. Aber sie begrüße es, dass sich die AfD dafür ausspreche, der Wissenschaft zu vertrauen. «Ich hoffe, das behalten Sie bei.» Der AfD-Antrag «Der Wissenschaft vertrauen - Kitas und Schulen möglichst vollständig öffnen» wurde in der Abstimmung von allen anderen vier Fraktionen abgelehnt.

Debatte über Schulöffnungen: Was spricht dafür, was dagegen?

Wie und wann sollten Schulen und Kindergärten in der Corona-Pandemie wieder öffnen? Diese Frage zählt derzeit zu den am meisten diskutierten in der Politik. Immer mehr Bundesländer planen inzwischen eine schrittweise Rückkehr zum Regelbetrieb - obwohl es bisher keine gesicherten Erkenntnisse über die Ansteckungsgefahr von Kindern gibt. Gleichzeitig warnen Experten vor den Auswirkungen auf Kinder, wenn sie wochenlang nicht zu Schule gehen. Es gilt, verschiedene Punkte gegeneinander abzuwägen. Einige Fragen und Antworten.

- Übertragen Kinder das Sars-Cov-2-Virus?

Aufgrund einer relativ dünnen wissenschaftlichen Datenlage lässt sich die Frage derzeit nicht abschließend beurteilen. Einer Untersuchung des Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité zufolge, die Ende April veröffentlicht wurde, sind Kinder vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Wissenschaftler bestimmten in Proben von 3712 Infizierten die Menge an Sars-CoV-2-Viren. Das Ergebnis: Im Wesentlichen gebe es keine nachweisbaren Unterschiede in der Zahl der Viren bei den verschiedenen Altersgruppen.

Drosten selbst allerdings wies bereits auf mögliche Schwächen der Studie hin. Auch andere Experten äußerten Kritik. So sei etwa die Zahl der untersuchten Kinder und Jugendlichen in der Studie relativ klein.

Forscherinnen und Forscher von der Uni Genf kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie Drosten. In einer ersten, noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Veröffentlichung beschreiben sie, dass ihren Untersuchungen zufolge symptomatische Kinder aller Altersstufen eine vergleichbare Virusmenge wie Erwachsene tragen und sie innerhalb des frühen Stadiums der Krankheit «infektiöses Virus ausstoßen». Die Übertragung des Virus durch Kinder sei deshalb plausibel.

- Gibt es auch Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen?

Ja. Forschern von verschiedenen Universitätskliniken in Baden-Württemberg zufolge spielen Kinder bei der Übertragung des Erregers nur eine untergeordnete Rolle. Sie würden anscheinend nicht nur seltener krank, sondern seien wohl auch seltener infiziert als Erwachsene, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu ersten Ergebnissen aus der Studie. Die Studie werde aber noch weiter ausgewertet. Das federführende Universitätsklinikum Heidelberg wollte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur vor der offiziellen Vorstellung der Ergebnisse nicht weiter äußern.

Forschern in China zufolge scheint es zudem einen deutlichen Unterschied beim Ansteckungsrisiko von Kindern und Erwachsenen zu geben. Laut ihren Ergebnissen sind Kinder nur ein Drittel so anfällig, sich zu infizieren, wie Erwachsene zwischen 15 und 64 Jahren.

- Wie viele Kinder haben sich bislang in Deutschland mit dem Sars-Cov-2-Virus infiziert?

Angaben des Robert-Koch-Instituts zufolge (Datenstand 27.5.) ist der Anteil von Kindern und Jugendlichen unter den knapp 180 000 nachgewiesenen Corona-Fällen in Deutschland gering. Den Angaben nach infizierten sich bis Ende Mai rund 3600 Kinder unter 10 Jahren, das entspricht rund 2 Prozent aller Infizierten. Knapp 8000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren steckten sich nachweislich mit dem Virus an (4,4 Prozent).

- Was für psychische Auswirkungen hat es auf Kinder, wochenlang nicht zur Schule zu gehen?

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat vor gravierenden Folgen für Kinder und Jugendliche gewarnt, wenn Schulen und Kitas nicht bald wieder vollständig öffnen. Das Fehlen der gewohnten Lehr- und Lernumgebung wirke sich einschneidend auf das soziale Zusammenleben aus, sagte Präsident Thomas Krüger der «Welt» (Donnerstag). «Es ist ein schwerer Eingriff in ihre Lebenswelt, in ihre Grundrechte und beeinträchtigt ihre psycho-soziale Entwicklung.»

- Wie schlimm ist es, wenn Kinder Unterricht verpassen?

«Es ist für Kinder ein ganz großer Einschnitt, wenn der normale Unterricht in der Schule nicht stattfindet», sagt Kai Maaz, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt der dpa. Dabei seien unterschiedliche Perspektiven zu beachten: Zum einen könne der Unterricht zuhause niemals auf so einem Niveau stattfinden wie in der Schule, wo ausgebildete Lehrkräfte sich ausschließlich damit beschäftigen, den Kindern etwas beizubringen. Fachlich entstünden nun bei manchen Kindern wahrscheinlich größere Lücken. Diese seien aber - wenn jetzt richtig reagiert werde - noch aufzuholen.

Hinzu komme, dass man in der Schule nicht nur Fachliches lerne. «Schule ist auch der Ort, an dem man soziale Kompetenz lernt, sich streitet, sich behauptet.» All dies falle derzeit weg.

Hamburg hofft auf normale Grundschule nach Sommerferien

In Hamburg müssen sich die Grundschüler wohl nur noch einige Wochen gedulden, bis sie alle ihre Klassenkameraden wieder gemeinsam in einem Klassenzimmer sehen werden. Der Schulsenator Ties Rabe (SPD) hoffe darauf, dass zumindest die Grundschüler nach den Sommerferien wieder regulären Schulunterricht haben werden, sagte ein Behördensprecher am Donnerstag auf dpa-Nachfrage. Es gebe in der Wissenschaft immer stärkere Diskussionen darüber, ob die sehr strengen Corona-Regeln gerade für kleine Kinder angemessen sind. «Wir hoffen, nach den Sommerferien wieder zu einer absoluten Normalität zurückkehren zu können, allerdings fehlen noch genauere Erkenntnisse hinsichtlich der Infektionsgefahr», so der Sprecher weiter.

Hamburg plane daher für Mitte Juni ein Digital-Symposium mit Kultusministern anderer Bundesländer und namhaften Experten für Virologie, Pädiatrie, Hygiene und Öffentliche Gesundheit.

Am Mittwoch hatte die Entscheidung der schleswig-holsteinischen Landesregierung, in den Grundschulen alle Schüler ab 8. Juni wieder ohne Corona-Abstandsregeln zu unterrichten, eine kontroverse Debatte ausgelöst. Lehrer- und Fachverbände kritisierten das Vorgehen als verfrüht, als Gesundheitsgefährdung von Lehrkräften und angesichts der ohnehin nahen Sommerferien ab 29. Juni kaum sinnvoll. Dagegen begrüßte der Landeselternbeirat das Vorgehen, es kehre ein bisschen Normalität in die Schulen zurück.

Ab Mitte Juni peilt auch Sachsen-Anhalt für Grundschüler wieder einen Betrieb in gesamter Klassenstärke an. Vertreter anderer Bundesländer hatten zuletzt nicht mehr ausgeschlossen, dass zumindest nach den Sommerferien an den Schulen wieder ein Regelbetrieb stattfinden kann.

Experten sehen keinen normalen Schulbetrieb nach Sommerferien

Nach Einschätzung mehrerer Bildungsexperten werden die Schulen auch nach den Sommerferien noch nicht zurück in den Normalbetrieb gehen können. «Die Planungen des neuen Schuljahres sollten nicht von einer Wiederkehr des gewohnten «schulischen Regelbetriebs» ausgehen», heißt es in den Empfehlungen einer 22-köpfigen Expertenkommission für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, die am Donnerstag vorgestellt wurden. Vorsitzender der Kommission ist Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation.

Den Empfehlungen stehen allerdings Äußerungen aus einzelnen Bundesländern entgegen, wonach für das nächste Schuljahr wieder ein regulärer Schulbetrieb angestrebt wird. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) oder Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) etwa hatten das in Aussicht gestellt.

In dem 45-seitigen Papier wird nun für den Fall eines weiterhin bestehenden eingeschränkten Schulbetriebs empfohlen, dass jüngere Schüler vor älteren Jahrgängen Vorrang beim Präsenzunterricht haben sollten und dass Lehrpläne und Prüfungsinhalte für das nächste Schuljahr reduziert werden. «Die Vergabe von Abschlüssen sollte soweit möglich von Zensuren entkoppelt und auf das klassische Sitzenbleiben verzichtet werden», heißt es weiter. Die Experten empfehlen außerdem, dass bedürftige Schüler ohne eigene Laptops oder Tablets zu Beginn des Schuljahres mit Leihgeräten ausgestattet werden.

Regelbetrieb von Grundschulen im Südwesten ohne Abstandsgebote

Wenn Kitas und Grundschulen im Südwesten bis Ende Juni wieder vollständig öffnen, werden dort die Abstandsgebote wegen des Coronavirus wegfallen. Ein Regelbetrieb könne nur ohne Abstandsgebote gehen, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Donnerstag in Stuttgart. Deshalb habe das Land eine Studie an den Unikliniken zum Thema Kinder und Coronavirus in Auftrag gegeben.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatten am Dienstag erklärt, dass Kinder als Überträger des Virus nur eine untergeordnete Rolle spielten. Sie stützten sich dabei auf Zwischenergebnisse der besagten Studie und kündigten eine vollständige Öffnung der Kitas und Grundschulen bis Ende Juni an. Dazu sollen jetzt Konzepte erarbeitet werden.

Das Kultusministerium schreibt auf seiner Internetseite mit Verweis auf die ersten Erkenntnisse der Studie, bei Kindern bis zehn Jahren könne auf Abstandsgebote verzichtet werden. «Entscheidend wird jedoch sein, dass die jeweiligen Gruppen oder Klassen untereinander bleiben und sich nicht vermischen, auch nicht in den Pausen.» Dazu solle mit den Kommunen und Trägern zügig ein Rechtsrahmen erarbeitet werden.

 

27.05.2020 12.30 Uhr

Schulministerin will Abschlussfeiern mit Zeugnisübergaben ermöglichen

Zehntausende Schülerinnen und Schüler in NRW haben in den vergangenen Wochen unter Corona-Bedingungen ihre Abschlussprüfungen gemacht. Auf vieles mussten sie am Ende ihrer Schulzeit schon verzichten. Doch wenigstens Abschlussfeiern soll es nun doch geben.

Zum Abschluss der Schullaufbahn soll bei Zehntausenden Abiturienten und Absolventen anderer Schulen trotz Corona-Krise doch noch Festtagsstimmung aufkommen: Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will Schülern die feierliche Übergabe von Abschlusszeugnissen im Beisein ihrer Eltern ermöglichen. Das Land werde in den nächsten Tagen die rechtlichen Regelungen dafür schaffen, dass Abschlussveranstaltungen wie Zeugnisübergaben unter Einhaltung der Infektions- und Hygieneregeln ermöglicht würden, sagte Gebauer am Mittwoch der Deutschen-Presse-Agentur.

Die Zeugnisverleihung symbolisiere den erfolgreichen Abschluss der Schulzeit und markiere gleichzeitig den Eintritt in den nächsten Lebensabschnitt. «Dies ist ein wichtiges Ereignis für die ganze Familie», sagte Gebauer. «Es wäre ein schmerzlicher Verzicht, den Schülerinnen und Schülern und ihren Familien diesen ganz besonderen Moment der Freude und des Stolzes vorzuenthalten.»

Für Abibälle gilt die Sonderregelung aber ausdrücklich nicht. «Abiturbälle als privat organisierte und sehr gesellige Veranstaltungen fallen jedoch nicht unter die beabsichtigte Regelung», betonte Gebauer. Sie hoffe, dass die Schüler es umso mehr zu schätzen wüssten, gemeinsam mit ihrer Familie in feierlicher Atmosphäre das Ende ihrer Schulzeit begehen zu können.

25 Millionen Euro vom Bund - Sachsen kauft Laptops für Schulen

Sachsen stattet seine Schulen in den kommenden Monaten mit mehreren Tausend Laptops, Notebooks und Tablets aus. Wie das Kultusministerium am Mittwoch mitteilte, erhält der Freistaat dafür 25 Millionen Euro aus dem insgesamt 500 Millionen Euro umfassenden Sofortausstattungsprogramm des Bundes. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) könne die Zusatzvereinbarung unterzeichnen. Diese sei eine Ergänzung zum «DigitalPakt Schule 2019 bis 2024».

Die Geräte sollen Schülern zur Verfügung gestellt werden, die nicht über Laptop, Tablet oder Computer verfügen. So solle sichergestellt werden, dass sie am Online-Unterricht zu Hause teilnehmen können, wenn wie in der Corona-Krise kein oder nur ein eingeschränkter Präsenzunterricht stattfinden kann. «Das Programm leistet damit einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit», teilte das Ministerium mit.

Die Gelder sollen den Angaben zufolge möglichst unkompliziert und bald an die Schulträger weitergegeben werden. Rechnerisch könnten mit dem Fördergeld rund 30 000 bis 40 000 mobile Geräte angeschafft werden, hieß es. «Neben Laptops, Notebooks und Tablets sollen auch Software-Programme für das digitale Lernen einschließlich notwendiger Schulungen für Lehrer gefördert werden.»

Derzeit werde eine Förderverordnung erarbeitet. «Das Kultusministerium zielt auf ein möglichst unbürokratisches Verfahren, damit den Schulen die Geräte zu Beginn des neuen Schuljahres zur Verfügung stehen», so das Ministerium.

Landespolitiker befürworten Modellversuch mit Schul-Corona-Tests

Die Corona-Tests am Neustrelitzer Gymnasium Carolinum könnten nach Ansicht von CDU- und SPD-Landespolitikern ein Vorbild für einen größeren Modellversuch im Nordosten sein. Das sagten der hochschulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Daniel Peters, sowie der SPD-Vize-Fraktionschef in Schwerin, Andreas Butzki, der Deutschen Presse-Agentur. Vorgeschlagen wurden vier Standorte im Land für einen wissenschaftlich begleiteten Versuch. «Wir müssen unseren Kindern die größtmögliche Sicherheit gewähren», erklärte Butzki, der aus Neustrelitz kommt.

Das Gymnasium ermöglicht Schülern, sich freiwillig zweimal pro Woche testen zu lassen. Die Praxis läuft problemlos und es gibt schon Anfragen aus Schweden und Frankreich dazu, wie Schulleiter Henry Tesch sagte: «Die Frage ist, kann eine Schule ein Indikator für eine ganze Region sein.»

Die Landespolitik will, dass im neuen Schuljahr möglichst vielen Schülern wieder Unterricht ermöglicht wird, wie Butzki und Peters erklärten. So sollten wieder größere Klassen in Räumen möglich sein. Derzeit unterrichtet ein Lehrer in Neustrelitz eine Klasse in zwei Räumen. Butzki warnte jedoch davor, die Ergebnisse des gerade ablaufenden Schuljahres einfach auf August zu übertragen. «Wir haben dann touristische Hochsaison und es werden Viele kommen.»

Der Modellversuch könnte einen sicheren Schulalltag auf Basis analytischer Tests ermöglichen, sagte der 38-jährige Peters nach einem Besuch am Gymnasium. Dieser sollte noch im Juni beginnen und mit Schulstart Anfang August fortgeführt werden. Das würde die Rostocker Firma, die dem Carolinum derzeit die Tests kostenfrei zur Verfügung stellt, laut Peters auch ermöglichen. Schüler, Eltern und Lehrer sehnten sich wieder nach nahezu regulärem Unterricht. Mit solchen Clustern hätte man in der touristischen Hochsaison auch «ein funktionierendes Frühwarnsystem für die betreffende Region.»

Zwölf Millionen Euro für Berlins Sommerschul-Program

Für das neue Sommerschul-Programm der Senatsverwaltung für Bildung stehen zwölf Millionen Euro zur Verfügung. Es soll rund 12 000 Schülern aus benachteiligten Familien ermöglichen, einen Teil des wegen der Corona-Schließungen versäumten Schulstoffs in den Sommer- und Herbstferien nachzuholen. Weitere
8 337 000 Euro sind nach Angaben der Bildungsverwaltung für die «Lernbrücken»-Projekte zur Förderung von Kindern und Jugendlichen vorgesehen, die zu Hause beim Lernen wenig Unterstützung bekommen.

Die Summen stehen im Entwurf für den Nachtragshaushalt, den der Senat am Dienstag beschlossen hat. Das «Lernbrücken»-Programm hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) gestartet. Für die Anschaffung von 9500 Notebooks für Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien kann die Bildungsverwaltung mit rund 4 723 000 Euro aus dem Nachtragshaushalt rechnen.

«Mit dem Nachtragshaushalt steht Geld zur Verfügung, mit dem wir die negativen Folgen der Corona-Pandemie abmildern können. Im Fokus steht dabei insbesondere die Unterstützung von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen», so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). «Die Corona-Krise darf nicht dazu führen, dass die ohnehin schon benachteiligten Kinder und Jugendlichen ins Hintertreffen geraten.»

Zeitung: 250 Schüler und 32 Lehrer in NRW in Quarantäne

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsämter haben im Zusammenhang mit Corona-Fällen derzeit einem Medienbericht zufolge für 250 Schüler sowie 32 Lehrer Quarantäne zu Hause angeordnet. «Bei den in Quarantäne befindlichen Lehrern gibt es fünf bestätigte Covid-19-Fälle», teilte das Schulministerium der «Rheinischen Post» mit, wie die Zeitung berichtet (Mittwoch). Landesweit in Quarantäne seien mindestens ein Lehrer oder Schüler an 118 Grundschulen, 40 Hauptschulen, 39 Real- und Sekundarschulen sowie an 34 Gymnasien, 48 Berufskollegs und 6 Förderschulen. Die Zahlen beziehen sich demnach auf den 19. Mai.

26.05.2020 11.30 Uhr

Änderungen des Schulgesetzes wegen Corona-Pandemie im Landtag

Der hessische Landtag befasst sich in seiner Sitzung am (heutigen) Dienstag (14.00 Uhr) in Wiesbaden mit Änderungen des Schulgesetzes. Wegen der Corona-Pandemie hat es bereits zahlreiche neue Regeln für Schüler und Lehrer gegeben, die auch gesetzlich geregelt werden müssen. Dabei handelt es sich etwa um den Verzicht des Sitzenbleibens, wie Prüfungen durchgeführt werden und das Lernen zuhause. Zum Start der dreitägigen Plenarwoche soll es auch um Maßnahmen gehen, wie die Qualität der Studienbedingungen und der Lehre an den hessischen Hochschulen verbessert werden kann.

Ministerium: Abi-Nachschreibetermin gut gelaufen - besondere Umstände

Der erste Block der Nachschreibetermine für das Abitur ist nach Einschätzung des Brandenburger Bildungsministeriums gut gelaufen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die krankheitsbedingt noch den letzten Abi-Nachschreibtermin nutzen müssten, sei gering und entspreche den zurückliegenden Jahren, wie das Ministerium am Montag mitteilte. Als letztes Fach wurde Mathematik abgeschlossen. Von den 10 000 Abiturienten des Jahrgangs 2020 haben demnach weniger als 40 ihre schriftlichen Abiturprüfungen noch nicht absolvieren können, ein Teil habe die Termine aufgrund von Langzeiterkrankungen nicht wahrnehmen können.

Wegen der Corona-Krise müssen bei den Prüfungen ein Mindestabstand von 1,50 Metern und strenge Hygieneregeln eingehalten werden. Wer sich zu stark psychisch belastet oder krank fühlte, sollte auf die Nachschreibe-Termine ausweichen.

Bildungsministerin Britta Ernst zeigte sich erfreut: «Ich freue mich sehr, dass die Abitur-Nachschreibeprüfungen mit hoher Beteiligung gut gelaufen sind. Und zwar unter diesen, für alle Beteiligten besonderen Bedingungen.» Die Ministerin dankte Lehrkräften und Schulleitungen für die gute Organisation.

Kölner Schüler bekommen Visiere zum Schutz vor Corona

Zum Schutz vor dem Coronavirus bekommen von dieser Woche an alle 140 000 Kölner Schüler Visiere aus Kunststoff. Ein Kölner Hersteller spende den Schulen die Schutzschilde, gab die Stadt bekannt. Sie sollen in den nächsten Wochen an die Schulen geliefert werden. Bereits in der vergangenen Woche seien sie an einer Grundschule und einer weiterführenden Schule getestet worden, sagte eine Stadtsprecherin.

Die durchsichtigen Visiere dienen allerdings nur als eine Ergänzung zu den Mund-Nase-Masken und sollen in den Schulen getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann.

Gericht: Grundsicherungsberechtigte Schülerin hat Anspruch auf Tablet

Eine Schülerin, die Grundsicherung erhält, hat Anspruch auf ein für die Teilnahme am digitalen Schulunterricht erforderliches Tablet. Das hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (LSG) in einem Montag veröffentlichten Beschluss entschieden. Das Gericht sprach von einem «pandemiebedingten Mehrbedarf».

Anlass für die Feststellung war der Eilantrag einer Achtklässlerin aus dem Kreis Recklinghausen. Die 14 Jahre alte Gymnasiastin bezieht Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II. Ende Januar 2020 beantragte sie beim Jobcenter einen internetfähigen Computer und legte eine Bestätigung der Schule vor, wonach sie diesen für Hausaufgaben benötige. Das Jobcenter und erstinstanzlich auch das Sozialgericht Gelsenkirchen verneinten jedoch einen Anspruch.

Den sah das LSG jedoch grundsätzlich als gegeben. Die geltend gemachten Kosten stellten einen unabweisbaren, laufenden Mehrbedarf dar, der anzuerkennen sei. Der Bedarf für die Anschaffung eines Computers zur Teilnahme an pandemiebedingtem Schulunterricht sei im sogenannten Regelbedarf jedoch nicht berücksichtigt. Die Höhe des geltend gemachten Bedarfs sei mit etwa 150 Euro zu veranschlagen.

Im konkreten Fall verpflichtete das LSG das Jobcenter jedoch nicht zur Kostenübernahme. Der Schülerin sei mittlerweile durch die Schule die Nutzung eines Laptops aufgrund einer privaten Spende ermöglicht worden, begründete das Gericht seine Entscheidung. Anders als die Vorinstanz sprach das Landesgericht der Jugendlichen allerdings Prozesskostenhilfe zu.

 

25.05.2020 14.30 Uhr

Neue Regeln für Unterrichtsbefreiung für Lehrer aus Risikogruppen

Das nordrhein-westfälische Schulministerium ändert die Regelungen für den Einsatz von Lehrern aus sogenannten Corona-Risikogruppen im Unterricht. Ab dem 3. Juni können sich Lehrkräfte nur noch mit einem ärztlichen Attest vom Präsenzunterricht befreien lassen. Darin müsse bestätigt werden, dass im Falle einer Infektion mit dem Virus aufgrund der besonderen Umstände bei der Lehrkraft «die Gefahr eines schweren Verlaufs von Covid-19 besteht». Bis zur Vorlage eines solchen Attests seien die Lehrer zum Dienst verpflichtet, heißt es in einer Rundmail des Ministeriums an die Schulen, die der Deutschen Presse-Agentur am Montag vorlag.

Das Ministerium begründete die Änderungen mit neuen Informationen durch das Robert-Koch-Institut, dass «eine generelle Festlegung zur Einstufung in eine Risikogruppe nicht möglich» sei. Bisher reichte eine schriftliche Erklärung der Lehrkraft gegenüber der Schulleitung als Nachweis der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe. Auch Lehrerinnen und Lehrer, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, konnten bisher unabhängig von Vorerkrankungen nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden. Lehrkräfte dieser Altersgruppe können aber bereits jetzt schon freiwillig in der Schule unterrichten.

Giffey: Komplette Schul- und Kita-Öffnung nur ohne 1,50-Meter-Regel

Eine komplette Öffnung von Schulen und Kitas wird nach Ansicht von Familienministerin Franziska Giffey erst möglich sein, wenn die 1,50-Meter-Abstandsregel nicht mehr gilt. «Das ist eine ganz klare Geschichte. Weil sie ansonsten einfach nicht 100 Prozent der Kinder in 100 Prozent der Zeit von Kita und Schule zurückholen können», sagte die SPD-Politikerin am Montag in Berlin.

Die Entscheidung, ob man sich von der 1,5-Meter-Abstandsregelung verabschiede, sei eine «sehr, sehr schwere Entscheidung». Das könne nicht für das gesamte Bundesgebiet am Tag X festgelegt werden, sondern müsse anhand der Lage vor Ort entschieden werden. «Wenn die Lage vor Ort so ist, dass das Risiko als äußerst gering eingeschätzt werden kann, dann kann man diese Schritte gehen in Richtung verantwortbarer Öffnung hin zu 100 Prozent Regelbetrieb.» Eine genaue Festlegung auf den Tag in allen Bundesländern könne es nicht geben. «Das ist auch nicht in unserer Macht, weil das die Länder nunm

Hamburgs Schulen wieder für alle geöffnet - 50 000 Masken gespendet

Nach dreimonatiger Corona-Krise sind die Hamburger Schulen noch weit von Normalität entfernt. Immerhin sollen nun alle Schüler zumindest ein paar Stunden pro Woche wieder Unterricht bekommen. Ein Unternehmer unterstützt die Hygienemaßnahmen mit einer Spende.

Nach drei Monaten Ferien und Online-Unterricht sollen in dieser Woche alle Hamburger Schüler ihre Lehrer wiedersehen. Angesichts der verlangsamten Ausbreitung des Coronavirus sollen sie ein- oder zweimal pro Woche zur Schule gehen. Der Präsenz- und Fernunterricht werde in den nächsten vier Wochen im Wechsel erfolgen, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Montag. Vor den am 25. Juni beginnenden Sommerferien werde es aber keinen normalen Schulbetrieb geben. Ein Rückkehr zur Normalität hält der Senator nach den Sommerferien im August für möglich. Wegen der Ansteckungsgefahr waren die Schulen nach den Märzferien nicht wieder geöffnet worden.

Die Schulen seien mit dem Online-Unterrichten weit gekommen, sagte Rabe. «Aber wir sollten nicht so tun, als ob der Fernunterricht den herkömmlichen Unterricht ersetzen kann.» Ein Teil der rund 200 000 Hamburger Schüler war bereits Anfang Mai wieder zur Schule gegangen. Dazu zählten die Klassenstufen 6, 10, 11 und 12 der Gymnasien, die Jahrgänge 9, 10, 12 und 13 an den Stadtteilschulen, die 4. Klassen an Grundschulen sowie die Schüler der Sonderschulen und Berufsschulen.

Schüler und Lehrer müssen sich beim Präsenzunterricht an die Corona-Schutzregeln halten und besonders auf das Abstandsgebot achten. Die Klassen werden geteilt. Die Schulen werden jetzt häufiger gereinigt. Eine grundsätzliche Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung gibt es nicht. Rabe nahm am Montag in einer Grundschule im Stadtteil Eilbek die ersten Masken einer Spende von insgesamt 50 000 Stück entgegen. Er dankte dem Gründer des Online-Versandhandels About You, Tarek Müller, für die Unterstützung.

Die Lehrer und andere Beschäftigte an den rund 380 Hamburger Schulen waren von der Behörde bereits vor den Maiferien mit Masken versorgt worden. Mitarbeiter an speziellen Sonderschulen bekommen wegen der besonderen Bedingungen dort persönliche Schutzausrüstungen. Dazu zählen OP-Masken und Schutzkittel. Beim Hamburger Luftfahrtzulieferer Hamburg Aviation Cluster lässt die Schulbehörde 9000 Desinfektionsmittelspender im 3D-Druck herstellen.

 

24.05.2020 18.00 Uhr

Fürther Schüler schreiben Abschlussprüfungen in Fußballstadion

Beim Fußball dürfen in der Corona-Krise keine Fans in die Stadien - die SpVgg Greuther Fürth kann ihren Sportpark am Ronhof nun immerhin für einen guten Zweck teilweise öffnen. Der fränkische Fußball-Zweitligist lädt Partnerschulen ein, in den Räumen der Haupttribüne Abschlussprüfungen abzuhalten. In den kommenden Wochen nutzen verschiedene Schulen das Angebot, um unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln Prüfungen und Abschlussfeiern abzuhalten.

Die Fürther boten dies den Schulen nach eigenen Angaben kostenfrei an, ein entsprechendes Hygienekonzept wurde genehmigt. «Es ist schön zu sehen, dass wir einigen so helfen können», sagte Geschäftsführer Holger Schwiewagner am Sonntag.

Die Leopold-Ullstein-Realschule Fürth etwa will im Stadion ihre Prüfungen abhalten. «Die Schülerinnen und Schüler, die in den Vereinsräumen ihren Abschluss schreiben, werden dies sicherlich noch lange im Gedächtnis behalten», sagte Konrektorin Birgit Seidl. Für die Grund- und Mittelschule Pestalozzistraße sind Räume des VIP-Bereichs für «die Zeugnisübergabe und eine kleine Entlassfeier» vorgesehen, worüber sich Schulrektor Thomas Bauer sehr freute.

Stadt Heidelberg hilft Eltern von Grundschülern aus der Klemme

Als landesweit erste Gemeinde will die Stadt Heidelberg Eltern bei der Betreuung der Grundschüler deutlich entlasten. Weil viele der nach der Corona-Zwangspause wieder unterrichteten Viertklässler nur zwei Stunden am Tag die Schulbank drücken, soll ein pädagogischer Dienstleister von diesem Montag an die Betreuung mitübernehmen. So soll die bisherige Notbetreuung von allen Kindern, deren Eltern unabkömmlich sind oder deren Wohl gefährdet ist, bis 17.00 Uhr genutzt werden können, erläuterte ein Stadtsprecher. Bislang habe es dafür nicht genügend Plätze gegeben.

Vom grünen Licht des Kultusministeriums hängt nach Angaben des Stadtsprechers ab, ob - wie geplant - mit Hilfe der kommunalen Fachkräfte alle Viertklässler zumindest bis zur Mittagspause verlässlich betreut werden können. So könnten wenigstens Menschen mit Halbtagsjobs wieder arbeiten gehen. Das aus der Stadtkasse finanzierte Angebot soll an allen 18 Grundschulen in der Stadt aufgebaut werden. Laut Gemeindetag ist Heidelberg mit dieser Initiative Vorreiter im Land.

Lernplattform statt Klassentafel - Unterricht in Corona-Zeiten

Schrittweise läuft der Unterricht in den Schulen in den kommenden Wochen wieder an. Doch was muss verändert werden, damit Wissen auch von zu Hause aus auf hohem Niveau vermittelt werden kann?

Mit dem coronabedingten Heimunterricht ist die 16-jährige Schülerin Josefine Mroß bislang gut zurechtgekommen. «Das Lernen zu Hause ist zwar anstrengender als in der Schule, aber dafür kann man morgens länger schlafen», sagt die Zehntklässlerin, die die Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Potsdam besucht. «Die Lehrer haben auf der Lernplattform unserer Schule alles ordentlich verlinkt, man hat alles, was man braucht.»

Nach den Schulschließungen in Brandenburg am 18. März kann die Potsdamer Schülerin seit dem 27. April wöchentlich an zwei bis drei Tagen für einige Stunden wieder ihre Schule besuchen. Ab diesem Montag (25. Mai) nun soll jedes Kind mindestens an einem Tag pro Woche die Schule wieder von innen sehen.

Hartmut Stäker wäre froh, wenn der Unterricht an allen Schulen so gut funktionieren würde. «Leider zeigen sich in der Corona-Krise die Versäumnisse vieler Jahre», sagt der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands (BPV). «Es fehlt noch immer ein Medienkonzept, das unter anderem die Netzvoraussetzungen für jede Schule und Mindeststandards für die digitale Ausstattung jedes Schülers und jedes Lehrers festlegt.»

Ähnlich sieht es auch der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs. «Fehlende technische Voraussetzungen und nicht vorhandene Hardware sowie ein ungenügendes inhaltliches Konzept der Landesregierung haben die Grenzen des digitalen Lernens und Lehrens aufgezeigt.»

Diese Form des Unterrichts nutzen zu können, setze voraus, «dass die Landesregierung ein belastbares Konzept, das die technischen Voraussetzungen und die fachlichen Fragen umfasst, mit allen Beteiligten erarbeitet und zügig umsetzt», betont Fuchs. «Wir brauchen einen Quantensprung vom Mittelalter in die digitale Gegenwart und Zukunft.»

Auch nach Ansicht der Linke-Fraktionschefin im Landtag, Kathrin Dannenberg, zeigt die Corona-Krise «Riesendefizite» bei der Digitalisierung im Bildungsbereich. Dies habe auch die Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage bestätigt.

«Zwar behauptet die Landesregierung, die Wissensvermittlung über internetbasierte Formen verlaufe positiv. Tatsächlich aber zeigt die Praxis, dass Lehrpersonal und Schüler überwiegend per Email und Telefon kommunizieren», sagt Dannenberg. Auch die Aussage, die Schulen seien «größtenteils an ein leistungsfähiges Internet angebunden», könne nicht mit Zahlen belegt werden.

Viele Lehrer habe das Home-Schooling «schlicht überfordert», hat Stäker beobachtet, da sie weder in der universitären Aus- noch in der Fortbildung auf die Arbeit mit digitalen Lehrmethoden vorbereitet worden seien. «Dabei dringen wir seit Jahren auf eine zügige Digitalisierung an den Schulen, auf eine ausreichende Breitbandversorgung und technisch geschultes Personal, das den Lehrern zur Seite steht.»

Bereits vor zwei Jahren habe sein Verband multiprofessionelle Teams gefordert. «IT-Spezialisten an jeder Schule, nicht nur Lehrer mit ein paar Anrechnungsstunden, sind notwendig. Doch diese Fachkräfte sind heute Mangelware», sagt Stäker. Zwar gebe es bei den Schulträgern Experten, die Administratoren. Im Landkreis Dahme-Spreewald zum Beispiel gebe es drei IT-Fachleute. Doch die seien für hunderte Computer in der Kreisverwaltung und an Schulen zuständig. «Ganz dringend notwendig» seien auch Lehrer-Fortbildungen für digitales Lernen, sagt der BPV-Präsident. «Was bisher angeboten wird, reicht nicht aus.»

Lob für die Lehrer kommt vom Landesschülerrat. «Da es kein einheitliches Konzept für den Unterricht unter Krisenbedingungen gab, haben sich viele Lehrer selbst etwas überlegt», sagt Vizesprecher Moritz Mosch. Dadurch falle der Unterricht «in Umfang und Qualität» jedoch sehr verschieden aus. Auch die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern sei «manchmal ein großes Problem». Aus dem Bildungsministerium seien Informationen für die Lehrer teilweise ungenau und zu spät gekommen.

Josefine Mroß hat sich nach zehn Wochen häuslichen Lernens wieder auf den Schulbesuch gefreut. Zu Hause fehle ihr «die Struktur» des Unterrichts durch den Stundenplan. Defizite der Wissensvermittlung habe sie nicht bemerkt. «Unsere Sportlehrerin hat auf der Lernplattform sogar ein paar Videos für Übungen zu Hause verlinkt.»

Lehrerverbände: Corona-Krise legt Defizite im Bildungsbereich offen

Die Corona-Krise hat nach Ansicht von Lehrerverbänden in Brandenburg seit Jahren bestehende Defizite im Bildungsbereich verdeutlicht. Es fehlten noch immer ein Medienkonzept für die Netzanbindung der Schulen und Mindeststandards für die digitale Ausstattung von Schülern und Lehrern, sagte der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands, Hartmut Stäker. Der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Günther Fuchs, forderte ein «belastbares Konzept» für das digitale Lernen. Die Linke-Fraktionschefin im Landtag, Kathrin Dannenberg, sieht «Riesendefizite» bei der Digitalisierung im Bildungsbereich.

 

23.05.2020 9.30 Uhr

Schulen im Norden öffnen für weitere Klassen

An den Schulen in Schleswig-Holstein beginnt nach coronabedingter Zwangspause für weitere Jahrgänge am Montag wieder der Unterricht. Das gilt für die Klassen 1 bis 3 an den Grundschulen sowie für die Jahrgänge 8 bis 12 an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. In den Klassenräumen müssen Mindestabstände und Hygienevorschriften eingehalten werden. Ebenfalls vom Montag an sind wieder Nachmittagsangebote für die Mädchen und Jungen möglich, die dann in der Schule sind. Auch Mensen und ähnliche Einrichtungen dürfen bei Bedarf öffnen.

 

Universität Greifswald bietet Schulen Hilfe beim Onlineunterricht an

Schulen in Mecklenburg-Vorpommern können ab sofort Hilfe beim Onlineunterricht vom Rechenzentrum der Universität Greifswald erhalten. Es stelle den Schulen kostenfrei ein System für den virtuellen Unterricht zur Verfügung, teilte ein Sprecher am Freitag mit. Das Rechenzentrum habe zu Beginn des Sommersemesters eine neue Infrastruktur für den Onlinelehrbetrieb bereitgestellt. So konnte trotz der Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie der Lehrbetrieb digital abgesichert werden, hieß es.

Nachdem das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Greifswald nach Unterstützung bei der Videokommunikation gefragt habe, habe sich das Rechenzentrum entschlossen, das Angebot allen interessierten Schulen im Land zu öffnen, sagte der Direktor des Rechenzentrums, Ralf Schneider. Die einzige technische Voraussetzung sei, dass eine teilnehmende Schule Moodle als Lernplattform betreibt. Die  Moodle-Installation der Schule werde einfach mit den virtuellen Hörsälen der Universität Greifswald verbunden, die damit auch zu virtuellen Klassenzimmern würden.

Schulunterricht mit Corona-Regeln

Nach mehr als zwei Monaten Corona-Zwangspause kehren am Montag bis zu 107 000 weitere Kinder und Jugendliche zumindest zeitweilig an ihre Schulen zurück. Damit lernen dann mehr als die Hälfte aller Schüler im Wechsel zu Hause und in ihrer Klasse.

Nach und nach kehren die Schüler in Rheinland-Pfalz für den Unterricht an die Schulen zurück. An diesem Montag (25.5.) beginnt eine weitere Phase der stufenweise Öffnung. Mehr als die Hälfte aller Schüler werden dann zumindest tageweise wieder von ihren Lehrern unterricht. Von einem normalen Schulalltag werden sie aber noch weit entfernt sein - es gelten strenge Regeln und Auflagen.
Ein Überblick:

Für welche Schüler beginnt am Montag wieder der Unterricht?

Rund 107 000 Kinder und Jugendliche werden von Montag an wieder unterrichtet, allerdings nicht im gewohnten Klassenverbund wie vor Beginn der Corona-Krise. Der Präsenzunterricht beginnt nun unter anderem wieder für die Drittklässler an den Grundschulen sowie die Klassen 5 und 6 an den Realschulen plus, den Integrierten Gesamtschulen und den Gymnasien.

Sind dann wieder alle Schüler an den Schulen?

Nein, den Zahlen zufolge ist das etwa die Hälfte aller Schüler. Bis Juni sollen aber alle zumindest zeitweise wieder Präsenzunterricht haben. Am 8. Juni sollen die noch fehlenden Schüler insbesondere der Klassenstufen 7 und 8 sowie 1 und 2 an Grundschulen auch wieder zurückkehren. Bei den jüngeren Schülern hatte es die größten Zweifel gegeben, ob sie sich an Hygiene- und Abstandsregeln werden halten können. Die ganze Zeit über war an den Schulen eine Notbetreuung eingerichtet für Schüler, deren Eltern arbeiten gehen und Beruf und Familie in Corona-Zeiten nicht unter einen Hut bringen können.

Welche Regeln gelten in der Schule?

Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium hat dazu einen Hygieneplan veröffentlich. Unter anderem gilt Folgendes prinzipiell:
- 1,50 Meter Abstand halten, Tische müssen entsprechend gestellt werden
- keine Berührungen oder Umarmungen
- gründliche Handhygiene - Händewaschen oder Händedesinfektion
- Husten und Niesen in die Armbeuge
- Türklinken möglichst nicht mit der vollen Hand, sondern z.B. mit dem Ellenbogen öffnen
- regelmäßiges Lüften
- tägliche Reinigung etwa der Toilettenräume
- Abstandsmarkierungen auf dem Boden

Müssen die Schüler Masken tragen?

Für den Unterricht im Klassenraum ist das Tragen einer Abdeckung für Mund- und Nase nicht vorgeschrieben, aber möglich. Etwa für den Gang durch das Schulgebäude sollte aber eine sogenannte Alltagsmaske aufgesetzt werden. Eine besondere Herausforderung ist der Schülertransport in Bussen und Bahnen morgens und nach der Schule. Im Nahverkehr gilt eine Maskenpflicht.

Was passiert, wenn eine Corona-Infektion bei einem Lehrer oder Schüler festgestellt?

Wer Krankheitssymptome wie Fieber, trockenen Husten, Atemprobleme, Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns, Halsschmerzen oder Gliederschmerzen an sich bemerkt, soll auf jeden Fall zuhause bleiben. «Symptomatische Personen dürfen die Einrichtung nicht betreten», betont das Ministerium. Treten solche Anzeichen während der Unterrichtszeit auf, müssen die Schüler isoliert und ihre Eltern informiert werden. Wird eine Infektion mit Covid-19 festgestellt, entscheidet das örtliche Gesundheitsamt, wie weiter zu verfahren ist - etwa, ob eine Klasse oder eine Gruppe in Quarantäne muss.

Wie viele Corona-Infektionen wurden bislang an den Schulen in Rheinland-Pfalz bekannt ?

Diese Zahlen hat das Bildungsministerium nicht und verweist auf die Gesundheitsämter.

Wie sieht der neue Unterrichtsalltag aus?

Der Unterricht in der Klassengröße vor Beginn der Corona-Krise wird durch die Abstandsregeln nicht möglich sein. Den Richtlinien des Bildungsministeriums dürfen maximal 15 Schüler gleichzeitig im Klassenraum sein. Schüler können also nur tageweise in verschiedenen Gruppen am Unterricht teilnehmen. Partner- und Gruppenarbeit ist zunächst generell nicht möglich. Singen wird erst einmal auch nicht möglich sein, Sport soll vorerst nur im Freien unterrichtet werden.

Vor welchen Herausforderung stehen die Schulen?

Nicht alle Lehrer werden unterrichten können, weil sie selbst etwa wegen Vorerkrankungen zu einer Risikogruppe gehören oder enge Angehörige haben, die nicht an Covid-19 erkranken sollten. Eine Freistellung gilt zudem für Schwangere oder stillende Mütter. Wer also etwa 60 Jahre oder älter ist, darf, muss aber nicht Unterricht erteilen. Es werden also Lehrer fehlen. Zugleich müssen die Lehrer noch stärker als sonst die Schüler in den Pausen beaufsichtigen, damit auch dort Abstandsregeln eingehalten werden.

Wie viele Lehrer werden voraussichtlich ausfallen?

Etwa 15 Prozent der rund 41 000 Lehrer gehören entweder selbst zur Risikogruppe oder leben mit Menschen aus einer Risikogruppen zusammen. Diese Lehrkräfte sind grundsätzlich weiter im Dienst, aber im Präsenzunterricht nur eingeschränkt einzuplanen.

Wie lange wird dieser Zustand noch anhalten?

Mindestens bis zu den Sommerferien, die am 6. Juli in Rheinland-Pfalz beginnen. Es wird vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie abhängen, wie dann im neuen Schuljahr weitergemacht wird. Gelten weiterhin Abstandsregeln, wovon Experten derzeit ausgehen, werden wohl auch die Schulen nicht wieder zum Unterricht zurückkehren können, wie er vor Beginn der Krise angeboten wurde.

Was sagen die Lehrer?

Nach Einschätzung des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) dürfte die neue Situation noch von den meisten Schulen zu stemmen sein. Ab dem 8. Juni werde es aber spätestens problematisch, weil dann die Schulen personell wie räumlich an ihre Grenzen stießen. Sinnvoll wären aus Sicht der Gewerkschaft «flächendeckende Tests und schnelleres Handeln der Gesundheitsämter, um eventuell aufflackernde Infektionsherde schnellstmöglich einzudämmen».

Kultusministerium: 95 Prozent der Schüler zurück an Grundschulen

Nach der Wiedereröffnung der Grundschulen in Sachsen hat sich die große Mehrheit für den Unterricht vor Ort entschieden. Etwa 95 Prozent der Grundschüler seien nach der Corona-Zwangspause zurückgekehrt, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Freitag auf Anfrage. Nach einem Gerichtsentscheid ist der Besuch einer Grundschule in Sachsen zunächst bis zum 5. Juni freiwillig.

Wer von den restlichen Schülern aber krank zu Hause sei oder aus Angst vor einer Infektion zu Hause lerne, werde nicht erhoben, hieß es. Insgesamt sei man nach den ersten Tagen Kita-Betrieb und Schulöffnung «vorsichtig positiv» gestimmt.

Am Montag hatte Sachsen als erstes Bundesland Schulen und Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb wieder geöffnet. Statt auf kleine Gruppen und Abstandsregeln zu setzen, bleiben in Kitas und Grundschulen die Schüler strikt voneinander getrennt.

Man mache sich derzeit Gedanken, wie der Schulbetrieb nach den Sommerferien weitergehen solle, sagte die Ministeriumssprecherin. Vorerst wolle man aber abwarten, wie der eingeschränkte Regelbetrieb funktioniere. «Auch mit Blick auf das Infektionsgeschehen.»

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte zuvor in einem Interview mit dem «Focus» erklärt, nach den Sommerferien wieder regulären Schulbetrieb in Sachsen anbieten zu wollen - auch an den weiterführenden Schulen. Dort werden die Kinder derzeit in einem Wechsel aus Lernzeiten an der Schule und zu Hause unterrichtet.

Knapp jeder zehnte Lehrer arbeitet wegen Corona von zu Hause

In Sachsen-Anhalt arbeiten derzeit rund 1300 Lehrer wegen des Coronavirus von zu Hause aus. Diese Lehrer hätten sich vom Arzt bescheinigen lassen, dass sie wegen ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen zur Corona-Risikogruppe gehörten, teilte das Bildungsministerium am Freitag mit. 13 635 Lehrer waren demnach vor Beginn der Pfingstferien hingegen voll dienstfähig. Zuvor hatte der MDR darüber berichtet.

Krankgeschrieben sind die 1300 Lehrer allerdings nicht, sie gelten als eingeschränkt dienstfähig und werden lediglich nicht für den Präsenzunterricht eingesetzt. Sie kümmerten sich momentan in erster Linie um den Fernunterricht, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Darüber hinaus sei eine größere Zahl von Lehrern derzeit aus Gründen nicht dienstfähig, die nichts mit dem Coronavirus zutun hätten. So seien etwa 458 Lehrerinnen im Mutterschutz.

Die Schulen in Sachsen-Anhalt haben ihre Schüler nach der mehrwöchigen Corona-Zwangspause sukzessive in die Klassenräume zurückgeholt. Nach den Pfingstferien sollen die Schulen wieder einen regulären Betrieb aufnehmen, allerdings mit strengen Sicherheitsregeln. Kritiker hatten Bedenken geäußert, ob die Sicherheit der Lehrer dabei gewährleistet werden könne, da viele Lehrer den Risikogruppen angehörten.

Gestohlene Abituraufgaben: Polizei durchsucht mehrere Häuser

Wegen des Diebstahls von Abituraufgaben aus einem Bamberger Gymnasium hat die Polizei mehrere Hausdurchsuchungen und Vernehmungen durchgeführt. Die gestohlenen Aufgaben wurden laut einem Polizeisprecher dabei am Mittwoch nicht gefunden. Vergangene Woche waren zwischen Donnerstag und Sonntag Unbekannte in die Schule eingebrochen, hatten einen Tresor gewaltsam geöffnet und mehrere Unterlagen gestohlen. Darunter waren Prüfungsaufgaben für das Deutsch-Abitur. Die bayerischen Schülerinnen und Schüler bekamen deshalb am Mittwoch bei den Abitur-Prüfungen Ersatzaufgaben gestellt.


21.05.2020 19.45 Uhr

Brandenburg will Corona-Fälle in Schulen und Kitas verhindern

Die Lockerung der Corona-Regeln bringt auch Risiken mit sich. Die rot-schwarz-grüne Regierung in Brandenburg will es nicht zu Infektionsherden in Kitas und Schulen kommen lassen - und sagt wie.

Die Brandenburger Landesregierung will weitere Corona-Infektionen in Kindertagesstätten mit strikten Kontrollen verhindern. «Wir müssen sehen, dass wir (...) den größtmöglichen Schutz für die Kinder, für die Eltern und für die Beschäftigten bieten», sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch im Landtags-Gesundheitsausschuss in Potsdam. Nach dem Hygienekonzept dürften keine Kinder mit Krankheitssymptomen in Kitas kommen. Die Eltern müssten erklären, dass es in ihrem Haushalt keine Symptome für die Krankheit Covid-19 gebe. Einige Kita-Gruppen sollten außerdem wissenschaftlich begleitet werden. In Brandenburg traten bisher in mehreren Kitas Corona-Infektionen auf.

Eine Kita in Reckahn, einem Ortsteil von Kloster Lehnin im Kreis Potsdam-Mittelmark, wurde nach der Infektion einer Erzieherin geschlossen. Zwei Kinder und mindestens eine weitere Erwachsene seien ebenfalls positiv getestet worden, teilte die Gemeinde am Mittwoch mit. Die Kita schließe bis 29. Mai, dem Ende der Quarantäne. Zuletzt wurden dort noch vier Kinder von zwei Erzieherinnen betreut. Häusliche Quarantäne galt bereits für 4 von 7 Erzieherinnen und 8 von 18 Kindern. Vor einigen Wochen infizierte sich eine Erzieherin der Kita im Ortsteil Netzen. Für Kinder und Beschäftigte, die mit ihr direkten Kontakt hatten, galt dann Quarantäne. Außer der Erzieherin sei bisher niemand infiziert, erklärte die Gemeinde Kloster Lehnin.

Inzwischen ist etwas mehr als ein Drittel aller Kinder in Notbetreuung - der Anteil schwankt aber in den Kreisen von 27 bis 57 Prozent. Ab kommendem Montag öffnen die Kitas weiter: Alle Kinder sollen bis zu den Sommerferien Ende Juni zumindest vier Stunden an mindestens einem Tag in der Woche in die Kita gehen - vorrangig Kinder im letzten Kita-Jahr vor der Einschulung. Je nach Kapazität kann das Angebot ausgeweitet werden.

Auch der Schutz an Schulen wird möglicherweise verstärkt. Das Bildungsministerium schließt verstärkte Tests auf den Erreger nicht generell aus. «Aus unserer Sicht ist eine mindestens anlassbezogene Testung beim Infektionsgeschehen etwas, worüber wir sehr gerne weiter nachdenken würden», sagte Ministerin Britta Ernst (SPD) am Mittwoch im Bildungsausschuss. Es müsse weiter diskutiert werden, ob neben den Hygieneregeln die Abstandsregeln der zentrale Arbeitsschutz für die Lehrkräfte sei. «Auf jeden Fall erhöhen Tests das Gefühl der subjektiven Sicherheit», sagte Ernst. Ob der Aufwand lohne, müsse mit dem Gesundheitsministerium erörtert werden.

Die Jahrgangsstufen 1 bis 4 der Grundschulen sollen ab 25. Mai an zwei Tagen in der Woche Unterricht erhalten, die Stufen 5 und 6 sollen nur noch einmal pro Woche zur Schule gehen. Wenn genug Räume und Lehrkräfte da sind, könne das Angebot für die Klassen 5 und 6 ausgeweitet werden. Vor den Sommerferien, die am 24. Juni beginnen, soll allen Schülern der Schulbesuch mindestens tage- oder wochenweise ermöglicht werden.

Das Ministerium erhöhte das Budget für Vertretungslehrer um rund eine Million Euro, um den Unterricht in den Schulen und zu Hause zu unterstützen. Seit 20. April seien 191 Lehrkräfte befristet eingestellt, wieder eingestellt oder verlängert sowie 54 Kräfte langfristig eingestellt. Weitere 70 Lehrkräfte sollten eingestellt oder verlängert werden.

Gesundheitsministerin Nonnemacher kündigte eine Teststrategie für Pflegeheime an. Linke-Gesundheitspolitikerin Bettina Fortunato kritisierte, dass keine solche Strategie für Schulen und Kitas geplant sei. «Ein konsequenter Schutz der Bevölkerung ist das nicht.» Die Lage in Flüchtlingsunterkünften entspannt sich nach Einschätzung des Ministeriums et