Mittwoch, 25. November 2020

+++ Liveticker – Auswirkungen des Coronavirus auf deutsche Schulen +++25.11.2020

Im SCHULEN.DE-Liveticker zum Coronavirus finden Sie tagesaktuell alle Informationen zur Auswirkung des Coronavirus auf die deutschen Schulen.

25.11.2020 08.30 Uhr

FDP-Kritik: Bundesmillionen für Lehrerlaptops zu spät

Bei der geplanten Anschaffung von Dienstlaptops für Lehrer geht es nach Ansicht der FDP im Bundestag viel zu langsam voran. Von einem «Sofort-Förderprogramm» könne nicht mehr die Rede sein, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzenden Katja Suding der Deutschen Presse-Agentur. Hintergrund ist eine Formulierung in der entsprechenden Bund-Länder-Vereinbarung zur Finanzierung der Geräte. Dort heißt es, dass die vom Bund bereitgestellten 500 Millionen Euro für die Lehrerlaptops bis Ende nächsten Jahres ausgegeben sein sollen.

Suding rechnet damit, dass in diesem Jahr kein Lehrer mehr eines der Leihgeräte erhalten wird. «In einer Situation, in der sogar die Rufe nach Hybridunterricht immer lauter werden, ist das katastrophal.»

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte vor wenigen Tagen bekanntgegeben, dass die Bundesmillionen für die Laptops bald fließen könnten, nachdem die entsprechende Verwaltungsvereinbarung mit den Bundesländern dafür getroffen sei. Diese muss nun noch in jedem Land und zum Schluss von Karliczek unterschrieben werden, bevor die Mittel freigegeben werden.

Das komplizierte Verfahren hängt mit dem deutschen Föderalismus zusammen. Für Bildung und Schulen sind die Länder jeweils selbst zuständig. Der Bund darf eigentlich nicht mitreden und einfach Geld zuschießen, weshalb solche Vereinbarungen nötig werden.

Das Dienstlaptop-Programm hatten Ländervertreter, SPD-Chefin Saskia Esken und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im August bei einem «Schulgipfel» im Kanzleramt angestoßen. Es ist neben einem 500-Millionen-Programm zur Beschaffung von Leihlaptops für bedürftige Schüler und weiteren 500 Millionen zur Finanzierung von IT-Administratoren für die Schulen die dritte Aufstockung des sogenannten Digitalpakts Schule. Dieses Förderprogramm mit ursprünglich 5 Milliarden vom Bund wurde 2019 für den Aufbau der digitalen Infrastruktur an den Schulen aufgelegt.

SPD-Chefin Esken für Wechselunterricht - Lehrer fordern klare Linie

Vor dem Corona-Spitzengespräch am Mittwoch fordert SPD-Chefin Saskia Esken eine Entlastung der Schulen durch Wechselunterricht - also Klassenteilung und abwechselndes Lernen zu Hause und in der Schule. Um dies zu ermöglichen, habe der Bund die Länder bei der digitalen Ausstattung der Schulen, Schüler und Lehrer unterstützt, sagte Esken dem «Tagesspiegel» (Mittwoch). «Auch gestufte Anfangs- und Pausenzeiten sind empfehlenswert, gerade auch zur Entzerrung des Schülertransports.» In den Schulbussen seien die Kinder und Jugendlichen «teils wie die Sardinen untergebracht».

Aus Sicht der Lehrergewerkschaft GEW besteht bei der Digitalisierung indes noch dringender Nachholbedarf. Die Anschaffung entsprechender Endgeräte für Lehrkräfte und Schüler müsse beschleunigt werden, außerdem brauche es eine datenschutzkonforme digitale Infrastruktur und genügend IT-Systemadministratoren. Was den Wechselunterricht angehe, so bräuchten die Schulen «eine klare Ansage» von Bund und Ländern, bei welcher Entwicklung des Infektionsgeschehens der Präsenzunterricht einzuschränken sei, sagte Gewerkschaftschefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). «Bisher hat die Politik leider nicht so gut vorgearbeitet, dass vom Präsenzunterricht reibungslos in das digitale Lernen umgeschaltet werden kann.»

Einer der Streitpunkte bei den Verhandlungen zwischen Länderregierungen und Kanzleramt über einen Corona-Plan bis Januar könnte am Mittwoch der Schulferienbeginn im Dezember werden. Die Idee eines vorgezogenen Beginns der Weihnachtsferien findet die SPD-Vorsitzende Esken überlegenswert: Dies könne «dem Schutz von Oma und Opa dienen, weil so den Familientreffen an den Weihnachtstagen eine Quarantäne vorangehen könnte», sagte sie dem «Tagesspiegel».

Der Bundeselternrat zweifelt den Nutzen eines früheren Ferienbeginns an. Er sei skeptisch, ob die zusätzlichen freien Tage auch wirklich zu einer freiwilligen Selbstisolierung genutzt würden, sagte der Gremiumsvorsitzende Stephan Wassmuth der «Welt». Allerdings wäre ein etwas früherer Ferienbeginn aus seiner Sicht auch kein sonderlich großes Problem: «Die Lehrer neigen derzeit ohnehin dazu, ihren Stoff in hohem Tempo durchzupeitschen, weil sie befürchten, dass demnächst wieder Schulschließungen oder Quarantäne drohen. Insofern machen zwei Tage Ferien nicht mehr viel aus.»

Landeselternvertretung gegen generelle Maskenpflicht im Unterricht

Vor dem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch hat die Thüringer Landeselternvertretung (LEV) ihre Forderung bekräftigt, weiterhin auf eine generelle Maskenpflicht im Unterricht zu verzichten. Wo es das Infektionsgeschehen erfordere, sei die Einhaltung der Abstandsregeln im Unterricht und der damit verbundene Wechsel zu geteilten Klassen der Maskenpflicht im Unterricht vorzuziehen, teilte die LEV am Dienstagabend mit. Dort, wo die Mindestabstände nicht eingehalten werden können, sieht die LEV das Tragen der Alltagsmaske hingegen als unkritisch an.

Niedersachsen startet vor Weihnachten nun doch früher in Schulferien

Die Weihnachtsferien in Niedersachsen werden nach Angaben der Staatskanzlei verlängert. Start ist nun doch bereits einige Tage früher als bisher geplant. Das sagte eine Sprecherin von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Dienstag. Letzter Schultag vor den Ferien soll Freitag, der 18. Dezember, sein. Bislang war der 22. Dezember als letzter Schultag geplant gewesen.

Zuvor hatten sich die Ministerpräsidenten bei ihren Gesprächen über die Corona-Regeln darauf geeinigt, die Ferien zu verlängern - mit Ausnahme von Bremen habe Einigkeit geherrscht, hieß es aus der Stuttgarter Staatskanzlei. Nach bisherigem Stand soll die Schule in Niedersachsen im neuen Jahr am 11. Januar wieder beginnen. Niedersachsens Kultusministerin Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte einen früheren Start zuletzt noch abgelehnt.

Sachsen-Anhalt plant im neuen Jahr Schnelltests in Schulen und Kitas

Mit Schnelltests an Schulen, Kitas und Horten will Sachsen-Anhalt das Corona-Ansteckungsrisiko nach den Weihnachts- und Silvesterfeiertagen minimieren. Es sei angedacht, Lehrkäfte, Erzieherinnen und Erzieher nach dem Feiertag Heilige Drei Könige auf freiwilliger Basis auf den Erreger zu testen, sagten Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und Bildungsminister Marco Tullner (CDU) am Dienstag in Magdeburg. Für die Tests sollen zwei zusätzliche Ferientage am 7. und 8. Januar genutzt werden. Wie die Tests organisiert werden sollen, ist noch offen.

Bereits am Montag hatte Tullner angekündigt, die am 19. Dezember beginnenden Weihnachtsferien um zwei Tage verlängern zu wollen. Damit soll die Gefahr minimiert werden, dass die Schulen nach den Silvesterfeiern zu Infektionsherden werden.

Corona und Schule - Was die Bundesländer nun vorschlagen

Die Bundesländer sind sich einig: Grundsätzlich sollen die Schulen in der Corona-Pandemie weiter offen bleiben. Über Sonderregeln zu Masken und Wechselunterricht soll weiterhin regional und auf Landesebene entschieden werden - je nach Infektionsgeschehen.

Flächendeckende Schul- oder Kita-Schließungen stehen in der Corona-Pandemie in Deutschland auch weiterhin nicht auf der Tagesordnung. Die Bundesländer haben vor den abschließenden Beratungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen in der Krise ihre Position dazu noch einmal bekräftigt. Auch ein flächendeckender Wechselunterricht ist nicht geplant.

«Das Offenhalten von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen hat höchste Bedeutung. Kinderbetreuungseinrichtungen (Kitas, Kinderkrippen, Kindergärten, Horte etc.) und Schulen bleiben geöffnet», heißt es in einer gemeinsamen Beschlussvorlage für die Videokonferenz an diesem Mittwoch mit der Kanzlerin, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Länder haben sich darin auf verschiedene Maßnahmen und Empfehlungen geeinigt, um die Weiterverbreitung des Virus und Ansteckungen in Schulen einzudämmen. Die konkrete Umsetzung bleibt aber weiterhin jeweils den Bundesländern selbst vorbehalten, so wie das rechtlich auch vorgesehen ist. Bildung und Schulen liegen in ihrer Zuständigkeit. Die geltenden Corona-Regeln an den Schulen sind in den Ländern zum Teil auch bereits strenger als im gemeinsamen Papier vorgeschlagen.

MASKENPFLICHT: In Hotspotregionen mit «deutlich mehr» als 50 Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche sollen Schüler ab der 7. Klasse auch im Unterricht Maske tragen, schlagen die Länder vor. In Schulen ohne Corona-Fälle soll davon abgewichen werden können.

In der Realität gibt es je nach Bundesland schon längst schärfere Maskenvorschriften: In Bayern etwa müssen auch Grundschüler im Unterricht Maske tragen, in anderen Ländern gilt eine Maskenpflicht ab der 5. Klasse auch im Unterricht.

WECHSELUNTERRICHT: Klassenteilung und abwechselndes Lernen zu Hause und in der Schule findet auch heute schon regional statt. Es gibt dazu etwa landeseigene Stufenpläne und auch örtliche Anordnungen für die Schulen durch die Behörden, abhängig vom Infektionsgeschehen.

Im Papier der Bundesländer wird dieses regionale Prinzip nun noch einmal bekräftigt. Weitergehende Maßnahmen, wie sogenannter Hybridunterricht, solle in «besonderen Infektionshotspots» schulspezifisch umgesetzt werden. Explizit genannt werden dabei die «älteren Jahrgänge». Einig sind sich die Länder, dass jüngere Schülerinnen und Schüler und Grundschüler als letzte auf Präsenzunterricht verzichten sollen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der momentan auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz der Länder ist, sagte am Dienstag mit Blick auf das Gespräch mit Merkel, dass die Länder beim Thema Schule wenig Verhandlungsspielraum sehen. «Es gibt einen Punkt, da würde ich sagen, da ist der Verhandlungsspielraum sehr gering, und das ist beim Thema Schule.» Die Länder sagten ganz klar, es könne nicht von der Bundesebene aus entschieden werden, welches Unterrichtsmodell umgesetzt werde.

QUARANTÄNEREGELN FÜR SCHÜLER: Hier schlagen die Länder ein einheitliches Vorgehen vor. Wird ein Schüler positiv auf Corona getestet, soll eine vom örtlichen Gesundheitsamt festgelegte Gruppe an Mitschülern sofort in eine fünftägige Quarantäne geschickt werden - die Tage am Wochenende zählen mit. Die Lehrer sollen wegen «des zeitlich befristeten und anders strukturierten Kontakts» nicht in diese «Clusterisolation» einbezogen werden.

Nach fünf Tagen Quarantäne sollen die betroffenen Schüler dann einen Schnelltest machen. Wer negativ ist, darf wieder in die Schule. Wer positiv ist, soll alle drei Tage erneut getestet werden, bis der Test negativ ist, und erst dann wieder in die Schule dürfen. Die Länder erwarten vom Bund, dass er ausreichende Testkapazitäten sichert.

LÄNGERE WEIHNACHTSFERIEN: Damit könnte die Zahl der Kontakte direkt vor den Feiertagen und damit die Ansteckungsgefahr im Familienkreis verringert werden. Mehrere Bundesländer, etwa Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg haben inzwischen eine Ausdehnung ihrer Weihnachtsferien angekündigt. Sie sollen nun, so wie in den meisten anderen Bundesländern, nicht einen Tag vor Heiligabend, der dieses Jahr auf einen Donnerstag fällt, sondern am Wochenende davor beginnen.

MOBILE LÜFTER IM KLASSENZIMMER: Auch dazu sind dem Länderpapier zufolge keine Beschlüsse geplant. Das Umweltbundesamt bekräftigte erneut seine Einschätzung, dass solche Geräte nur eine Ergänzung sein könnten, wenn Fenster nicht ausreichend geöffnet werden können. Hessische Wissenschaftler haben in einer Untersuchung herausgefunden, dass Stoßlüften in Schulen um ein Vielfaches wirksamer ist. Wie die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) mitteilte, hatten zwei Professoren der Hochschule in einem nicht genutzten Klassenzimmer einer Wiesbadener Schule die Wirkung auf zuvor freigesetzte Aerosole ermittelt, die per Ventilator im Raum verteilt wurden.

Wissenschaftler sollen nun auch Corona-Lage an Schulen untersuchen

So wie das bereits bei den Kitas passiert, soll nun auch das Infektionsgeschehen an den Schulen in Deutschland im größeren Stil wissenschaftlich untersucht werden. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat nach eigenen Angaben das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und die Kinderklinik der Uniklinik Köln damit beauftragt.

Ziel ist es demnach unter anderem Studien, Zahlen und Datenerhebungen, die bereits in den Bundesländern gemacht werden und wurden, zusammenzuführen, «um daraus in einer Gesamtschau belastbare Zahlen für die gesamte Republik zu haben», wie die amtierende KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Dienstag mitteilte. Es gehe darum, Aussagen zum Infektionsgeschehen und den an Schulen angewandten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie treffen zu können.

Bereits seit Mai läuft eine bundesweite «Corona-Kita-Studie» des Robert Koch-Instituts (RKI) und des Deutschen Jugendinstituts. Darin werden Gesundheitsdaten zu Infektionen und regelmäßige Befragungen von Mitarbeitern in den Einrichtungen ausgewertet.

Millionen für Laptops und Luftfilter an Schulen - aber reicht das?

Das Land greift Südwest-Schulen mit einer Millionensumme unter die Arme. Das Geld sollen Bildungseinrichtungen vor allem in Laptops und Filteranlagen in Klassenzimmern investieren. Manchen geht das Hilfepaket aber nicht weit genug.

Damit Schulen die Herausforderungen in der Corona-Krise besser meistern, gibt das Land ihnen 40 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen Bildungseinrichtungen zusätzlich mit Laptops und Luftfilteranlagen in Klassenzimmern ausgestattet werden. «Dabei ist es mir wichtig, dass im Interesse der Schulen individuell, schnell und unbürokratisch auf Bedürfnisse vor Ort reagiert werden kann», teilte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Dienstag mit.

Alle 4500 Schulen im Land sollen nach Planung des Ministeriums einen grundsätzlichen Betrag in Höhe von 3000 Euro erhalten - zusätzlich gibt es weitere Geldhilfen, die sich nach der Schülerzahl richten. Die Kommunen als Schulträger haben laut Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) freie Hand, das Geld gezielt für erforderliche Anschaffungen einzusetzen.

Nach Ansicht von Gemeindetagspräsident Roger Kehle ist es eine gute Lösung, Schulträger und Schulen entscheiden zu lassen, für welche Maßnahmen sie das Budget einsetzen. «Die Beschaffung von mobilen Luftfilteranlagen für einen Großteil der Klassenräume lässt sich damit nicht realisieren», sagte Kehle. Dies sei nach den Empfehlungen des Umweltbundesamtes aber auch nicht erforderlich, da das Fensterlüften den besten Luftaustausch gewährleiste. Die Geräte eigneten sich vorrangig für schwer zu lüftende Räume.

Für den Philologenverband ist das Förderprogramm «ein Tropfen auf den heißen Stein». Der Verband fordert weiterhin, alle Klassenräume mit Filteranlagen auszurüsten. Mit der Summe von 40 Millionen wäre, so schätzt Verbandschef Ralf Scholl, nur etwa ein Achtel der Klassenzimmer mit luftreinigenden Geräten versorgt. Sandra Boser (Grüne) begrüßte die zusätzlichen Hilfen: Neben Abstand, Hygiene, Mund-Nasen-Maske und Lüften könnten Luftfilter laut wissenschaftlichen Erkenntnissen ein wirkungsvoller Baustein sein, um gesundheitliche Risiken zu minimieren, sagte Boser.

Nach Ansicht von SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei sollten Schulleitungen nicht zwischen digitalen Geräten und der Gesundheit der Schüler entscheiden müssen. Der SPD-Politiker hält die Beträge für die Luftfilteranlagen - auf einzelne Schulen heruntergebrochen - für «relativ bescheiden». «Das Schlimme an Frau Eisenmanns Vorgehen ist, dass sie den Eindruck erweckt, die jetzt zur Verfügung gestellten Mittel würden ausreichen», teilte er mit.

Piazolo erwartet häufigen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht

Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen rechnet Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) für die nächste Zeit mit einem häufigen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht. Besonders für Schüler ab der siebten Jahrgangsstufe sei der verstärkte Wechsel zu erwarten, während an Grund- und Förderschulen der Unterricht vor Ort und persönlicher Kontakt besonders wichtig seien, sagte Piazolo am Dienstag in München. Er sprach sich für eine konkrete Hotspot-Strategie aus: «Entscheidungen werden sicher vor Ort fallen müssen, aber eine Linie muss vorgegeben werden.»

Details ließ Piazolo zunächst offen und verwies auf das für Mittwoch geplante Bund-Länder-Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In «besonderen Infektionshotspots» soll es in älteren Jahrgängen außer Abschlussklassen schulspezifisch «weitergehende Maßnahmen für die Unterrichtsgestaltung» wie Hybridunterricht geben, hieß es in einer Beschlussvorlage der Länder-Ministerpräsidenten.

Derzeit sind Piazolo zufolge etwa 94 Prozent der Klassen in Bayern im Präsenzunterricht, während zwei Prozent der Schüler im Wechselunterricht und vier Prozent im Distanzunterricht lernen.

Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte zuletzt Schüler, Eltern und Lehrer auf Klassenteilungen und Wechselunterricht zumindest in einigen Klassenstufen und in schweren Corona-Hotspots eingestimmt. Die Schulen sollten zwar offenbleiben, allerdings nicht «auf Biegen und Brechen», hatte Söder betont.

Gericht: Bei Corona-Fall nicht zwingend ganze Klasse in Quarantäne

Nach einem Corona-Fall in seiner Schulklasse hat sich ein Schüler vor dem Verwaltungsgericht Würzburg erfolgreich gegen die angeordnete Quarantäne gewandt. Der Antragsteller habe glaubhaft dargelegt, dass er nach den Kriterien des Robert Koch-Instituts keinen engen Kontakt mit der positiv getesteten Schülerin oder dem Schüler gehabt habe, teilte das Gericht am Dienstag mit. Damit sei ein Abstand beider von weniger als 1,5 Meter über mindestens 15 Minuten gemeint. Die Entscheidung vom Montag gilt nur für den Jungen, nicht für die gesamte Klasse. Gegen sie kann Beschwerde am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt werden. (Az. W 8 S 20.1793)

Das Gesundheitsamt hatte die Klasse des Zwölfjährigen Mitte November in eine 14-tägige häusliche Quarantäne geschickt, nachdem ein Kind positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet worden war. Weitere Kriterien wie die Größe und Beschaffenheit des Klassenraumes, die Anzahl der darin befindlichen Menschen und vor allem die tatsächliche Lüftungspraxis hatte es dabei nicht geprüft. Dagegen hatte sich die Familie des Jungen gewandt.

Rund 90 Prozent der Schulen nutzen digitale Plattform «Schulportal»

Rund 90 Prozent aller öffentlichen weiterführenden Schulen in Hessen nutzen die digitale Lehr- und Lernplattform «Schulportal» des Landes. Die Corona-Pandemie sei für die Schulen unzweifelhaft die größte Herausforderung seit Jahrzehnten, erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden. «Sie bietet aber in Sachen Digitalisierung auch eine einmalige Chance.» Das belegten die zuletzt stark gestiegenen Anmeldezahlen auf dem landesweiten «Schulportal».

Derzeit nutzen 534 der insgesamt 593 öffentlichen weiterführenden Schulen das Angebot, wie der Kultusminister mitteilte. Das Schulportal ist eine Onlineplattform zur Organisation des Schulalltags, zum Materialaustausch und zur Kommunikation. Es richtet sich sowohl an Lehrkräfte als auch an Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen.

Das Schulportal sei nicht nur für das Lernen zuhause geeignet, sondern könne auch im Klassenraum sinnvoll zum Einsatz kommen, erläuterte Lorz. Über die Pandemiezeit hinaus werde es eine entscheidende Rolle für die Schul- und Unterrichtsorganisation spielen.

Land hilft Schulen mit 40 Millionen Euro für Corona-Investitionen

Für coronabedingte Investitionen in Laptops und Luftfilteranlagen stattet das Land Schulen im Südwesten mit 40 Millionen Euro aus. Damit sollen Bildungseinrichtungen die Herausforderungen in der Pandemie besser meistern können. Das Förderprogramm ist Teil des Nachtragshaushalts und greift Schulen mit Investitionen in Digitales und Luftreinigungsgeräte unter die Arme. «Dabei ist es mir wichtig, dass im Interesse der Schulen individuell, schnell und unbürokratisch auf Bedürfnisse vor Ort reagiert werden kann», teilte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Dienstag mit.

Alle der 4500 Schulen im Land sollen nach Planung des Ministeriums einen grundsätzlichen Betrag in Höhe von 3000 Euro erhalten - zusätzlich gibt es weitere Geldhilfen, die sich nach der Schülerzahl richten. Sandra Boser (Grüne) begrüßte die zusätzlichen Hilfen: Neben Abstand, Hygiene, Mund-Nasen-Maske und Lüften könnten Luftfilter laut wissenschaftlichen Erkenntnissen ein wirkungsvoller Baustein sein, um gesundheitliche Risiken zu minimieren, sagte Boser.

24.11.2020 07.30 Uhr

Söder: Bayern zieht Start der Weihnachtsferien vor

Nun ist es endgültig: Bayern zieht wegen der Corona-Pandemie den Start der Weihnachtsferien vor. Letzter Schultag vor Weihnachten ist Freitag, der 18. Dezember. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dem Bayerischen Rundfunk. Damit fallen zwei Schultage weg: Ursprünglich wäre der 23. Dezember der erste Ferientag gewesen.

Der Abstand zwischen Unterricht und Weihnachten werde so vergrößert, sagte Söder. «Damit verbessern wir die Möglichkeiten, dass die Familien in Bayern das wichtigste Fest des Jahres gesund und unbeschwerter feiern können.» Das Infektionsrisiko werde durch die fast einwöchige Karenzzeit zwischen Schulunterricht und Weihnachten «erheblich gesenkt», argumentierte der Ministerpräsident.

Vor den neuen Bund-Länder-Beratungen über den weiteren Kurs im Umgang mit dem Coronavirus hatten sich die Unions-regierten Länder für eine solche Verlängerung der Ferien ausgesprochen - so stand es jedenfalls in einem gemeinsamen Papier. Zunächst war Nordrhein-Westfalen in Vorlage gegangen und hatte einen früheren Start in die Ferien angekündigt. In den meisten Bundesländern ist der 18. Dezember ohnehin planmäßig der letzte Schultag vor Weihnachten.

Holter rechnet mit Verschärfung der Corona-Regeln für Schulen

Bislang lehnte Thüringen eine Maskenpflicht im Unterricht ab. Inzwischen schließt Bildungsminister Helmut Holter sie nicht mehr aus - unter bestimmten Voraussetzungen. Eine Entscheidung könnte am Mittwoch nach Beratungen der Länder und des Bundes fallen.

Nach Einschätzung von Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) müssen sich die Thüringer auf strengere Corona-Regeln an Schulen einstellen. Er rechne mit verstärkten Infektionsschutzmaßnahmen an Schulen, sagte Holter der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die für Mittwoch geplanten Gespräche der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). «Ich gehe davon aus, dass es sicherlich in den oberen Klassen an den Gymnasien und den berufsbildenden Schulen zu geteilten Klassen kommen wird - und damit auch zu Wechselunterricht oder auch die Maskenpflicht eingeführt wird», sagte Holter.

Entschieden sei noch nichts, aber es deute sich an, betonte der Linke-Politiker. In Thüringen müssen Schüler und Lehrer einen Mund-Nasen-Schutz in den Gängen und an Orten der jeweiligen Schule tragen, wo sich viele Menschen relativ nahe kommen. Lange Zeit sprach sich der Freistaat aber klar gegen eine Maskenpflicht im Unterricht aus, wie es sie bereits in einigen Bundesländern gibt.

Holter betonte, dass er eine allgemeine Maskenpflicht im Unterricht noch immer nicht gut fände. Seiner Meinung nach sei es sowohl für Lehrer als auch für Schüler schwer, sechs Stunden Unterricht oder mehr mit Maske durchzuhalten. «Die Unterrichtsqualität ist eine andere. Ich empfinde es als eine zusätzliche Belastung für alle Beteiligten», sagte Holter.

Bei der jüngsten Schalte der Kultusminister der Länder am Freitag habe er darauf gedrungen, dass bei dieser Maßnahme jede Schule einzeln betrachtet wird. «Wenn es keine Infektion an einer Schule gibt, dann gibt es auch keinen Grund, eine Maske zu tragen», sagte Holter.

Lufthygiene-Experten: An Schulen auf langfristige Lösungen setzen

Lüftungsanlagen, Geräte mit Filtern oder UV-Licht - was sollte in Corona-Zeiten in Schulen zum Einsatz kommen? Die beste Akut-Lösung sei eine, die für manchen vielleicht «übersimpel und steinzeitlich» klinge, heißt es dazu vom Umweltbundesamt.

Statt auf mobile Luftreiniger sollten Schulen Experten zufolge besser auf sinnvollere langfristige Lösungen setzen. «Fest installierte Lüftungsanlagen sind auch nach der Corona-Pandemie noch von großem Nutzen», sagte der Präsident des Umweltbundesamtes (Uba), Dirk Messner, der Deutschen Presse-Agentur. Anders als viele mobile Luftreiniger verursachten sie häufig nur geringe Geräusche im Klassenzimmer und ließen nicht nur die Menge an Krankheitserregern in der Raumluft sinken, sondern auch die an Kohlendioxid und ausgedünsteten Schadstoffen. Kurzfristig stehe ohnehin eine ebenso simple wie hoch effektive Lösung im Vordergrund: regelmäßiges Lüften.

Derzeit ist unklar, wie es für die Schüler in den nächsten Wochen weitergeht. Bund und Länder hatten ihre Entscheidung über das weitere Vorgehen im Zuge der Corona-Pandemie auf den kommenden Mittwoch (25. November) verschoben.

Die Kommission für Innenraumlufthygiene (IRK) am Umweltbundesamt (Uba) mit 23 Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte erst kürzlich wieder betont, dass mobile Luftreiniger kein Ersatz für ausreichendes Lüften seien. Sie seien nur dort eine sinnvolle Ergänzung, wo Fenster nicht ausreichend geöffnet werden könnten und auch keine einfachen Zu- und Abluftsysteme in Frage kämen. Luftreiniger mit speziellen Filtern sammeln Viruspartikel aus der hindurchströmenden Luft, andere Geräte sollen Erreger etwa mittels UV-Licht abtöten.

Etliche Hersteller preisen ihre Luftreiniger derzeit als ideale Lösung unter anderem für die rund 33 000 Schulen bundesweit an, in einigen Klassenzimmer sind solche Geräte bereits im Einsatz. Wenn für einen mobilen Luftreiniger angegeben werde, dass er 99,99 Prozent der Viren herausfiltere, sei dies in Bezug auf eine Virenlast im Raum nicht erreichbar, erklärte Messner. «In der Praxis können 80 bis 90 Prozent erreicht werden, wenn die Reinigung lange genug erfolgt und das Gerät im Raum richtig aufgestellt ist.» Von einem entfernt davon sitzenden infizierten Schüler oder Lehrer abgegebene Viruspartikel gelangten unter Umständen aber erst nach längerer Zeitdauer zum Gerät.

Viele Menschen hofften in der Corona-Pandemie auf technische Lösungen, erklärte Messner. Luftreiniger könnten dazu verführen, sich in falscher Sicherheit zu wiegen. «Und so übersimpel und steinzeitlich diese Lösung für manchen klingen mag: Lüften funktioniert nun mal am besten.» Erreger verschwänden nach draußen, ebenso das für Müdigkeit und Konzentrationsschwäche sorgende Kohlendioxid, gesundheitsschädliche Stoffe, die aus Materialien im Klassenraum ausdünsten und auch Feuchte, die zu Schimmel führen könne.

Aber offene Fenster bei kalter Außenluft sorgen für Erkältungen, oder? Diese Sorge sei unberechtigt, hatte der HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing kürzlich erklärt. Im Gegenteil sei es wahrscheinlicher, sich in einem schlecht gelüfteten Raum bei anderen anzustecken. Denn Luftaustausch hält nicht nur die Menge an Sars-CoV-2 klein, sondern auch die anderer möglicherweise vorhandener Erreger wie Grippeviren oder Bakterien.

Die Ansteckungsgefahr in Schulen grundsätzlich und nachhaltig zu senken, könne mit fest installierten zentralen Lüftungsanlagen erreicht werden, sagte Messner. «Es ist seit Jahren Forderung des Uba, Schulen damit auszustatten.» Bei einem Neubau entfielen nur wenige Prozent der Bausumme auf eine solche Anlage.

«Als rasche Maßnahme empfehlen sich Zu- und Abluftanlagen für einzelne Klassenräume», ergänzte Messner. Professionelle Modelle mit Wärme- und Feuchterückgewinnung könnten an der Fensterfront angebracht werden. «Das wäre zeitnah umzusetzen und hält viele Jahre», so der Uba-Präsident. Auch improvisierte Abluftanlagen aus Baumarktmaterialien könnten Abhilfe im Klassenraum schaffen, wie ein Vorschlag der Max-Planck-Gesellschaft gezeigt habe. Bei den mobilen Luftreinigern hingegen sei unklar, wie lange sie nach der Pandemie überhaupt noch eingesetzt werden. Auch aus Umweltgesichtspunkten seien Lüftungsanlagen daher besser.

Philologenverband: Weihnachtsferien nicht kurzfristig verlängern

 

Der Deutsche Philologenverband warnt davor, zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie kurzfristig die Weihnachtsferien zu verlängern. Dies hätte nur ein «Planungschaos» zur Folge, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Lin-Klitzing dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstag). Lehrerinnen und Lehrer wollten ihren Unterricht vernünftig planen. «Unter kurzfristigen Ferienverlängerungen hätten im Zweifel insbesondere diejenigen zu leiden, die bald Abitur machen oder bei denen andere Prüfungen anstehen.» Statt eines hektischen Herumdokterns an den Ferienzeiten brauche es vielmehr Reihentestungen zum Schulbeginn im neuen Jahr - also freiwillige Corona-Tests für alle Schüler und Lehrer.

Kretschmann will Weihnachtsferien verlängern

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist wegen der Corona-Pandemie für einen früheren Start der Schüler in die Weihnachtsferien als bisher geplant. Er wolle sich auch bei der anstehenden Bund-Länder-Schalte für längere Weihnachtsferien stark machen, sagte ein Regierungssprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend. In Baden-Württemberg wie in einigen anderen Ländern sei bislang der letzte Schultag der 22. Dezember (Dienstag). Wenn die Schüler bereits am 18.12. (Freitag) in die Ferien entlassen würden, habe man bis Heiligabend eine Strecke von fünf bis sechs Tagen, die man nutzen könne, um Kontakte zu minimieren. «Dann wird man an den Feiertagen mit einem entspannteren Gefühl zu den Großeltern fahren und im Kreise der Familie das Weihnachtsfest begehen können», hieß es aus dem Staatsministerium.

Das Kultusministerium hatte vor zwei Wochen betont, dass es keine längeren Weihnachtsferien landesweit anordnen werde, weil es organisatorische Fragen auslösen und zahlreiche Eltern vor Betreuungsprobleme stellen könnte. Allerdings sei es einzelnen Schulen im Land erlaubt, die Weihnachtsferien dieses Jahr durch bewegliche Ferientage zu verlängern. In Baden-Württemberg gibt es in diesem Schuljahr vier bewegliche Ferientage.

Am Mittwoch wollen Bund und Länder Klarheit schaffen, wie es weitergeht mit den Corona-Maßnahmen - und wie Deutschland Weihnachten und Silvester verbringt. Kretschmann will sich den Informationen zufolge dabei besonders für eine allgemeine Maskenpflicht im öffentlichen Raum einsetzen. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung soll nach seiner Auffassung verpflichtend werden an allen Orten mit Publikumsverkehr in Innenstädten - auch dort im Freien, wo sich Menschen auf engem Raum oder nicht nur vorübergehend aufhal

Alle Schulen und Kitas im Landkreis Hildburghausen schließen

Nach besonders hohen Infektionszahlen binnen einer Woche werden von Mittwoch an im Thüringer Landkreis Hildburghausen alle Schulen und Kitas geschlossen. Darauf verständigte sich der Kreis mit der Landesregierung, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montag in Erfurt sagte. Zuvor hatte der MDR darüber berichtet.

Sachsen-Anhalt könnte Weihnachtsferien um wenige Tage verlängern

In Sachsen-Anhalt könnten die Weihnachtsferien um wenige Tage verlängert werden, um das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus nach den Feiertagen zu senken. Derzeit werde die Option geprüft, erst am 11. statt am 7. Januar wieder mit der Schule zu starten, sagte der Sprecher des Bildungsministeriums, Stefan Thurmann, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. In diesem Fall blieben zwischen den Silvesterfeiern und dem Unterrichtsbeginn zehn Tage Pause. «Damit würden Infektionen aus den Feiertagen nicht in die Schule getragen werden», so Thurmann.

Im Gegenzug würden wegen des dazwischen liegenden Wochenendes durch die verlängerten Ferien nur zwei geplante Schultage wegfallen. Die zehn Tage Pause orientieren sich auch an Zeiträumen, für die Corona-Verdachtsfälle von den Gesundheitsämtern in vorsorgliche heimische Quarantäne gesteckt werden. Sie werden anhand der Erkenntnisse angepasst, wie lange infizierte Menschen ansteckend sind und ab wann sie in der Regel Symptome zeigen.

Zuvor hatte bereits Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) angedeutet, dass die Weihnachtsferien in diesem Jahr coronabedingt verlängert werden könnten. Das Infektionsgeschehen an den Schulen und der Umgang mit den Weihnachtsferien gehörten zu den Themen, die derzeit zwischen Bund und Ländern besprochen würden. Am Mittwoch sollen in einer Bund-Länder-Schalte Entscheidungen fallen. Es gilt als abgemacht, dass die Corona-Beschränkungen über den November hinaus verlängert und teilweise verschärft werden.

Gebauer: Präsenzunterricht bleibt in NRW erste Wahl

Für NRW bleibt Präsenzunterricht auch in der Pandemie die «erste Wahl». Das betonte Schulministerin Yvonne Gebauer am Montag in Düsseldorf. Das sei die «höchste Form von Bildungsgerechtigkeit». Die FDP-Politikerin bekräftigte, dass die Landesregierung flächendeckenden Wechselunterricht ablehne. So hatte etwa Solingen für alle weiterführenden Schulen der Stadt je zur Hälfte Lernen im Klassenraum und zur anderen Hälfte Lernen daheim im digitalen Modus umsetzten wollen, was ihr aber untersagt worden war.

Auch ihre Amtskollegen in den anderen Bundesländern teilten allesamt ihre Auffassung, dass es möglichst beim Präsenzunterricht bleiben solle, sagte Gebauer. Sie verschließe sich Wechselmodellen aber nicht im Einzelfall. Je nach Infektionsgeschehen könne das für einzelne Schulen sinnvoll und sogar geboten sein.

Gebauer: Rund 5200 Schüler in NRW mit Coronavirus infiziert

Von rund 2,5 Millionen Schülern in Nordrhein-Westfalen sind nach Zahlen des Schulministeriums 5203 aktuell mit dem Coronavirus infiziert. Unter den etwa 200 000 Lehrern gebe es derzeit 721 Infektionsfälle, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag in Düsseldorf. Zum Stichtag 19. November waren 72 711 Schüler und 4231 Lehrer in Quarantäne. Es seien 13 Schulen komplett geschlossen. Trotz Pandemie könnten 95,4 Prozent aller Schüler weiter im Präsenzunterricht lernen.

Lehrerverband für geöffnete Schulen in der Corona-Pandemie

Der sächsische Landeslehrerverband hat sich in der Corona-Krise erneut für regionale Regelungen statt einer allgemeinen Schulschließung oder Klassenteilung ausgesprochen. Je nach Infektionsgeschehen sollten sowohl ein Normalbetrieb mit Unterricht nach regulärem Stundenplan als auch ein eingeschränkter Regelbetrieb mit Klassen- und Gruppentrennung möglich sein, teilte der Verband am Montag mit. Flächendeckende Einschränkungen des Schulbetriebs seien nicht für jede konkrete Situation vor Ort passgenau, sagte der Vorsitzende Jens Weichelt.

In einer Mitgliederbefragung des Verbandes lehnten es 72 Prozent ab, dass der Unterricht wieder ausschließlich zu Hause stattfinden sollte; 64 Prozent sprachen sich für einen Normalbetrieb unter Pandemiebedingungen aus - wenn es die Infektionszahlen gestatteten; 77 Prozent der Befragten befürworteten einen eingeschränkten Regelbetrieb bei steigenden Infektionszahlen im Umfeld. Der Verband befragte nach eigenen Angaben 2300 Lehrer.

Allerdings hätten sich die Infektionsfälle an einigen Schulen «massiv gehäuft», hieß es. In diesem Fall sei eine Schließung notwendig, um dem Infektionsgeschehen wirksam zu begegnen. Handlungsbedarf sieht der Lehrerverband unter anderem bei der Schülerbeförderung. Er schlug vor, überfüllte Busse und Bahnen durch den Einsatz zusätzlicher Verkehrsmittel oder durch gestaffelten Unterrichtsbeginn zu entzerren.

100 000 Schnelltests für Beschäftigte in Schulen und Kitas

Das Thüringer Bildungsministerium will von Anfang Dezember an Antigen-Schnelltests einsetzen, um die Beschäftigten an Schulen und Kindergärten auf eine Corona-Infektion zu testen. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) habe man eine Vereinbarung zur Beschaffung von 100 000 solcher Tests getroffen, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Bisher werden sogenannte PCR-Tests verwendet, wenn sich Lehrer oder Erzieherinnen testen lassen. Die Kosten dafür trägt das Land. Antigen-Schnelltests gelten als unkomplizierter und deutlich kostengünstiger. Ein Ergebnis liegt in der Regel schon nach wenigen Minuten vor, allerdings gelten diese Tests auch als ungenauer.

Bisher haben Lehrer und Erzieherinnen die PCR-Tests nur verhalten genutzt. Das Land Thüringen hatte mit der KVT einen Vertrag über
44 000 solcher Tests geschlossen. Allein im laufenden Jahr waren dafür drei Millionen Euro bereitgestellt; ein PCR-Test kostet das Land 69 Euro.

Bis auf Weiteres sollen sich Beschäftigte an Schulen und Kitas wöchentlich auf Kosten des Landes testen lassen können. Zunächst war geplant, dass diese Regelung nur befristet bis zum 22. November gilt. Inzwischen hat das Ministerium diese Frist aber gestrichen. In Thüringen arbeiten rund 44 000 Menschen in Kindergärten oder Schulen.

Schulferien in NRW schon ab 21. Dezember - Notbetreuung

Für die Schüler in NRW beginnen die Weihnachtsferien wegen Corona schon zwei Tage früher - für die Lehrer aber nicht. Denn es wird eine Notbetreuung geben, wie jetzt neu beschlossen wurde.

Da die Weihnachtsferien in NRW dieses Jahr zwei Tage früher starten, wird es für Schüler von der 1. bis zur 6. Klasse am 21. und 22. Dezember eine Notbetreuung geben. Das teilte das Schulministerium in einer Mail am Montag an alle Schulen mit. Die rund 200 000 Lehrkräfte haben aber an den beiden Tagen Dienst, wie die Landesregierung in Düsseldorf beschlossen hat.

An den zwei Tagen sollen die Lehrer im Bedarfsfall eine Notbetreuung anbieten für die Kinder, deren Eltern das zuvor beantragt haben. Die Anträge sollten möglichst früh gestellt werden, appellierte das Ministerium. Sofern die Notbetreuung den offenen Ganztag und weitere Betreuungsangebote umfasse, werde entsprechend weiteres Personal einbezogen.

Der zeitliche Umfang der Notbetreuung richtet sich den Angaben zufolge nach der allgemeinen Unterrichtszeit an den beiden Tagen. Die Schüler müssen Alltagsmasken tragen. Für jede Gruppe soll eine Teilnehmerliste geführt werden.

Zudem sollen Ausnahmen bei den zwei unterrichtsfreien Tagen zugelassen werden: Falls Schulen mit gymnasialer Oberstufe und berufliche Gymnasien ihre für den 21. oder 22. Dezember geplanten Klausuren oder mündlichen Prüfungen nicht verschieben können, sollen sie bei den Terminen bleiben. Auch bei Klassenarbeiten und Klausuren der Abschlussjahrgänge in Berufskollegs soll das gelten. Die Weiterbildungskollegs können an den vorgesehenen Prüfungsverfahren festhalten.

Bundesweite Daten zur Corona-Lage an Schulen geplant

Die Kultusminister der Länder wollen künftig einmal in der Woche bundesweite Daten zur Corona-Lage an den Schulen bereitstellen. Das kündigte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Montag in einem Gespräch mit Journalisten an. Bisher war es schwierig, ein genaues Gesamtlagebild über die Anzahl der geschlossenen Schulen, Corona-Infektionen bei Lehrern und Schülern und Betroffenen in Quarantäne zu bekommen, weil die Daten in den Bundesländern unterschiedlich erhoben und nicht zentral erfasst wurden.

Künftig werde eine regelmäßige wöchentliche Zusammenstellung veröffentlicht, sagte Hubig. Zum ersten Mal soll das ihren Angaben zufolge «in den nächsten Tagen» passieren. Der genaue Zeitpunkt war zunächst noch offen.

Die letzten bekannten Zahlen der KMK stammen vom 12. November. Zu dem Zeitpunkt befanden sich knapp 200 000 der rund 11 Millionen Schülerinnen und Schüler und 13 000 der rund 800 000 Lehrkräfte in Quarantäne. 106 der mehr als 30 000 Schulen waren komplett geschlossenen.


23.11.2020 07.25 Uhr

Spahn will kürzere Quarantäne für Schüler

Berlin (sde) Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schlägt ein neues Quarantänekonzept für Schulen vor. Bei einer auftretenden Infektion soll die Klasse zunächst in Quarantäne geschickt werden. Diese Quarantäne solle aber drastisch verkürzt werden.  Bei Infektionsfällen müsse die betroffene Klasse zunächst zu Hause isoliert werden. Es solle aber die Möglichkeit des "Freitestens" geben. Schüle dürften aber in die Schule zurückkehren, wenn sie nach fünf Tagen einen negativen Schnelltest hätten. Ziel sei es, die Schulausfallzeiten deutlich zu reduzieren. Spahn ließ offen, ob dieses Prinzip auch bei Lehrern gelten solle.

«Wir sind sauer» - Italiens Schüler haben genug vom Distanzunterricht

Wegen Corona haben viele Schüler in Italien digitalen Unterricht zu Hause. Keine Freunde mehr treffen, nicht mehr zusammen im Klassenzimmer sitzen. Viele Schüler sind damit unzufrieden und verlegen ihr Klassenzimmer auf die Straße.

Wenn Valeria morgens aufwacht, blüht ihr wieder ein langer Tag zu Hause vor dem Computer. Die Schülerin aus Rom hängt täglich gut sechs Stunden vor dem Laptop, denn da findet seit Wochen ihr Unterricht statt. Diese von der Corona-Pandemie hervorgerufene Art des Unterrichts regt junge Leute in Italien auf.

Im März hatte die Mitte-Links-Regierung Italiens die Schulen im Zuge der Pandemie geschlossen und erst Mitte September wieder geöffnet. Nach wieder gestiegenen Fallzahlen im Oktober wurde das Land mit rund 60 Millionen Einwohnern allerdings in drei Risiko-Zonen eingeteilt.

Seitdem gilt für Schüler in den höheren Jahrgangsstufen und Studenten an Universitäten in allen Risiko-Zonen wieder Unterricht auf Distanz. Je nach Region dürfen nur Kinder bis zu einem Alter von 10 bis 13 Jahren noch zur Schule gehen.

Valeria und ihre Mitschüler frustriert das. Deshalb haben die 17-Jährige und ein gutes Dutzend anderer den Distanzunterricht vor ihr Gymnasium, das Liceo Pilo Albertelli unweit vom Kolosseum, verlagert. An die Hauswand haben sie ein rotes Banner mit der Aufschrift «La scuola siamo noi» (Die Schule sind wir) gehängt.

«Wir sind sauer. Deshalb sind wir hier», sagt Valeria, während sie in warmer Jacke im Schneidersitz und mit ihrem Laptop auf den Beinen auf der kalten Straße sitzt. Die Regierung solle sie so ausstatten, dass sie wieder sicheren Unterricht in der Schule haben könne.

Das Prinzip des digitalen Unterrichts scheitert teils schon an der Ausstattung. Zahlen der italienischen Statistikbehörde aus dem vergangenen Jahr zufolge hatten zwölf Prozent der Kinder im Alter zwischen 6 und 17 Jahren keinen Computer oder kein Tablet.

Daniele, ein anderer Schüler, der vor dem Liceo protestiert, erzählt, dass in seiner Klasse manche den Unterricht auf dem Handy verfolgten. Andere müssten ein Gerät mit ihren Geschwistern teilen, sagt der 18-Jährige. Valeria hat nach eigener Aussage oft Kopfschmerzen vom langen Starren auf den Bildschirm und Augenweh.

Die Situation, zu Hause zu lernen, hat dem Psychiater Massimo Di Giannantonio zufolge auch Auswirkungen auf die mentale Verfassung und persönliche Entwicklung der Schüler. Die Verwirrung, zwischen dem, was real und dem, das virtuell ist, nehme für die ohnehin schon von Technik und Medien geprägten Jugendlichen zu. Es werde angenommen, dass sich die Zeit des Selbstständigwerdens und der Entwicklung des Verantwortungsbewusstseins dadurch verlangsamen könnte.

Auch in anderen Städten Italiens haben Schüler das Home-Schooling aus den eigenen vier Wänden auf die Straße verlegt. In Turin brachte die 12-jährige Anita den Stein für die Protest-Bewegung der Schüler ins Rollen, die bald im ganzen Land aufkeimen sollte. «Ich will nicht berühmt werden, sondern - mehr als alles andere - möchte ich wieder in die Schule gehen», sagte sie der Zeitung «La Repubblica».

Mittlerweile sehen auch Regierungsberater Grund zum Handeln. Agostino Miozzo, der Beauftragte für zivilen Schutz, der die Kommission der wissenschaftlichen Berater der Regierung koordiniert, sah in den geschlossenen Schulen einen Notzustand, wie er im Interview mit der Zeitung «Corriere della Sera» sagte. Die Schüler müssten wieder zurück in die Schulen. Viele Politiker hätten sich dafür entschieden, sie zu opfern, um ein Zeichen effizienter Reaktion gegen den Notfall zu setzen, merkte er weiter an.

Italiens Schulministerin Lucia Azzolina zeigte sich in einem in der Zeitung «La Stampa» abgedruckten Brief solidarisch mit den Schulkindern. «Es dürft nicht Ihr sein, die den höchsten Preis für diesen Notfall bezahlen», schrieb die Ministerin. Sie werde weiter dafür arbeiten, dass Schulen, die digitalen Unterricht anbieten, so bald wie möglich wieder geöffnet werden.

Wann Valeria und ihre Freunde wieder in die Schule dürfen, wissen sie nicht. Im März habe man ihnen noch gesagt, der Distanzunterricht sei eine Notlösung, im Sommer habe es wieder Hoffnung auf eine Rückkehr gegeben. Doch Valeria sagt, sie habe gewusst, dass es wieder vor dem Computer zu Hause ende.

Landeselternrat sieht beim digitalen Unterricht Luft nach oben

An den Schulen steigt die Zahl der Corona-Fälle, tausende Schüler sind in Quarantäne. Ist Sachsen besser auf Unterricht zu Hause vorbereitet als im Frühjahr? In Sachen Online-Unterricht hat sich zwar einiges getan. Nicht genug, sagen Kritiker.

Der digitale Unterricht in der Corona-Pandemie läuft in Sachsen nach Einschätzung vieler Eltern noch nicht optimal. Sollten im Zuge der Krise wieder mehr Schulen geschlossen werden, fürchtet der Landeselternrat erneut Probleme. «Es war absehbar, dass die Infektionszahlen wieder steigen. Aber man hat viele Dinge über den Sommer verschlafen», sagte der stellvertretende Vorsitzende, Jörg Menke. Zwar habe sich schon einiges getan, dennoch fehle es vielen Schulen an technischer Ausstattung und am Zugang zu schnellem Netz.

Aus Sicht der Eltern brauche es in der aktuellen Situation staatliche Vorgaben, um Qualitätssicherung auch beim digitalen Unterricht zu gewährleisten. Nur so könnten die Schüler ihre Abschlüsse bewältigen. «Man braucht einen Mindeststandard, der sich am Bildungsplan orientiert.» Dazu sollten vom Kultusministerium Lehrpläne entrümpelt werden und eine Konzentration auf die Pflichtfächer erfolgen - zumindest für die Zeit der Pandemie.

Mit steigender Zahl von Neuinfektionen sind auch wieder mehr Schulen betroffen. Mehr als 9000 Schülerinnen und Schüler lernten zuletzt in häuslicher Quarantäne. Tendenz steigend.

Die Lage an Sachsens Schulen stellt sich aus Sicht des Landeselternrates unterschiedlich dar. «Wie der Unterricht gestaltet wird, hängt immer auch von dem jeweiligen Lehrer ab», berichtete Menke. Es gebe Bio- oder Chemielehrer, die eigene Videos zu ihren Experimenten erstellten. «Andere verstehen unter digitalem Unterricht, ein PDF-Dokument hochzuladen.» Aus Sicht des Landeselternrates hätten die vergangenen Wochen stärker genutzt werden müssen, um etwa Videokonferenzen oder digitalen Unterricht über Plattformen wie Lernsax parallel zum regulären Unterricht zu üben. «Viele schalten erst um, wenn der Präsenzunterricht ausfällt. Das geht aber nicht von einem auf den anderen Tag», so Menke.

Das Kultusministerium verwies hingegen auf eine Reihe von Maßnahmen - etwa auf den neuen Dienst «Schullogin», der sämtliche digitalen Dienste für Schulen auf einer Plattform bündelt. Darüber könnte nicht nur auf die Lernplattform Lernsax zugegriffen, sondern auch Nachrichten gesendet, Dateien geteilt sowie Videokonferenzen abgehalten werden. Seit Anfang Oktober gibt es dafür ein neues System, mit dem bei coronabedingten Schulschließungen schnell und einfach Videokonferenzen organisiert werden könnten, hieß es. «Wir sind für mögliche Schulschließungen oder vorübergehende Lernzeiten zuhause deutlich besser aufgestellt, als es vor den Sommerferien der Fall war», betonte ein Ministeriumssprecher.

Einen Beweis dafür sieht die Behörde auch in den steigenden Nutzerzahlen: Griffen vor der der Corona-Krise rund 200 000 Lehrer, Schüler und Eltern auf Lernsax zurück, waren es Ende des vergangenen Schuljahres mehr als 500 000. Auch 20 000 Zugänge für die Online-Lernplattform sofatutor mit Lernvideos und interaktiven Übungen hat Sachsen gekauft. Betroffene Schulen können vom Landesamt für Schule und Bildung bei Bedarf einen Zugang erhalten.

Aus Sicht von sofatutor-Geschäftsführer Stephan Bayer hat sich bisher zu wenig getan, was Konzepte für Hybridunterricht und digitales Fernlernen angeht. «Jetzt zu sagen „Fenster auf und Maskenpflicht für alle“ ist ein bisschen zu wenig.» Digitalisierung sei mehr als Scans aus dem Lehrbuch, digitales Lernen funktioniere vor allem multimedial. «Deswegen ist das, worüber wir gerade sprechen, auch eher digitaler Notfallunterricht», so Bayer.

Die Linksfraktion im Landtag stellte dem Freistaat in Sachen Netzausbau und digitales Lernen kein gutes Zeugnis aus. «Selbst wenn Schulen Bundesgeld für digitale Endgeräte abgerufen haben und sich besser ausstatten, heißt das nicht, dass die Familien im Schließungsfall digitalen Heimunterricht durchführen können», so die Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg. Für klamme Elternhäuser blieben Tablets und Laptops weiterhin unerschwinglich. «Die Anzahl der zur Verfügung gestellten Endgeräte war da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.»

Die Ministerpräsidenten hatten jüngst Pläne von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgebremst, zur Halbzeit des bis Ende November geltenden Teil-Lockdowns weitergehende verbindliche Maßnahmen für Kontaktbeschränkungen - auch in Schulen - zu beschließen. Am 25. wollen die Länderchefs erneut mit der Kanzlerin zusammenkommen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) habe bereits im Vorfeld deutlich gemacht, dass er an dem Thema Schulen nicht rütteln möchte, so Regierungssprecher Ralph Schreiber im Vorfeld. Kretschmer sei es wichtig, dass die Schulen geöffnet blieben.

Bund und Länder bereiten Menschen auf längeren Teil-Lockdown vor

Die zweite Corona-Welle ist deutlich schlimmer als die im Frühjahr. Eigentlich sollten die derzeitigen Beschränkungen Ende November auslaufen. Das erwartet derzeit aber kaum noch jemand.

Angesichts anhaltend hoher Corona-Infektionszahlen müssen sich die Menschen in Deutschland auf eine Verlängerung des Teil-Lockdowns im Dezember einstellen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bereiteten die Bürger vor der an diesem Mittwoch geplanten Runde mit den Ministerpräsidenten grundsätzlich auf eine Verschärfung der zunächst bis Ende November geltenden Kontaktbeschränkungen vor.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte im ARD-«Bericht aus Berlin», es gebe keinen Grund zur Entwarnung. Deswegen «werden wir den Lockdown sicherlich zu verlängern vorschlagen. Und an einigen Stellen - insbesondere in den Hotspots - auch deutlich zu vertiefen.»

Für die Staatskanzleichefs der Länder war es ein arbeitsreiches Wochenende: Gleich mehrfach schalten sie sich in unterschiedlichen Runden zusammen, um ihr weiteres Vorgehen in der Pandemie zu beraten. Am Montag wollten ihre Chefs die Vorlage der Länder für die Beratungen mit Merkel an diesem Mittwoch festzurren - damit es nicht wieder so konfliktträchtig abläuft wie in der Vorwoche.

Merkel sagte in Berlin bei einem gemeinsamen Auftritt mit Scholz nach dem G20-Gipfel führender Wirtschaftsmächte, welche Maßnahmen genau ergriffen würden, «dem kann ich und will ich heute nicht vorgreifen». Sie versicherte: «Die Bürgerinnen und Bürger sollen von Bund und Ländern eine geschlossene, gemeinsame Antwort bekommen. Darauf haben sie eigentlich ein Recht. Und daran arbeiten wir jetzt diesmal sehr intensiv.» Tatsache sei, «dass wir noch nicht soweit sind, wie wir gerne gekommen wären durch die Kontaktbeschränkungen».

Auch Scholz sagte, bei der Entwicklung der Fallzahlen sei man noch nicht dort, wo man hinwolle. «Und deshalb ahnt ja auch jeder, dass es noch Verlängerung geben muss.»

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), derzeit als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz für die Organisation einer Länder-Linie zuständig, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wir sind uns einig, dass schon viel erreicht wurde, aber nicht genug.» Er ergänzte: «Wie lange wir verlängern müssen und wie genau wir das ausgestalten, wird gerade untereinander besprochen.»

Söder sagte am Sonntagabend in der ARD, neben weiteren Kontaktbeschränkungen müsse vor allem das Thema Schule diskutiert werden. Insbesondere in den Hotspots mit besonders hohen Corona-Zahlen sei es so, dass die Schule einer der Infektionsherde sei. Zwar sollten die Schulen grundsätzlich offen bleiben. Der Vorschlag sei aber, generell und auch in der Grundschule eine Maskenpflicht einzuführen und Wechselunterricht für die älteren Jahrgangsstufen. Ausnahmen sollten für die Abschlussklassen gelten. «Also: Insgesamt vertiefen, indem an der Schule nachgedacht wird - und auch weitere Kontaktbeschränkungen», sagte Söder.

DIE AKTUELLE SITUATION:

Seit Anfang November sind deutschlandweit alle Freizeit- und Kulturangebote auf Eis gelegt, Bars, Cafés und Restaurants geschlossen. Am Sonntag meldete das RKI 15 741 Fälle, die von den Gesundheitsämtern binnen 24 Stunden übermittelt wurden. Am Sonntag vor einer Woche lag die Zahl bei 16 947. Der Höchststand war am Freitag mit 23 648 Fällen erreicht worden. Die Zahl der Corona-Patienten auf der Intensivstation steigt laut Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin weiter, aber zuletzt weniger stark.

Was bedeutet das ...?

FÜR DIE NÄCHSTEN WOCHEN: Ohne Verlängerung müssten die Beschränkungen Ende November auslaufen. Wie lange sie darüber hinaus dauern sollen, ist noch unklar. Das Wirtschaftsmagazin «Business Insider» hat unter Berufung auf Länderkreise das Datum 20. Dezember genannt. Das Magazin zitierte zudem aus einer Beschlussvorschlage mit Stand Samstag 19.00 Uhr des Vorsitzenden der Ministerpräsidentenkonferenz: «Private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten sind auf den eigenen und einen weiteren Hausstand, jedoch in jedem Falle auf maximal 5 Personen zu beschränken. Eigene Kinder bis 14 Jahre sind hiervon ausgenommen», heiße es dort.

FÜR WEIHNACHTEN:

Laut «Bild» sind sich die Unionsländer einig, dass Kontaktbeschränkungen zumindest über die Weihnachtsfeiertage gelockert werden sollten. Auch die SPD-regierten Länder wollen laut «Bild am Sonntag» Lockerungen für die Festtage. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte der Zeitung: «Weihnachten und Silvester sollen die Menschen ihre Liebsten treffen können.» Kanzleramtschef Helge Braun sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag): «Es ist für mich nicht vorstellbar, dass die Großeltern an Weihnachten nicht mitfeiern.»

Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) äußerten 41 Prozent der rund 1000 Befragten die Sorge, das Fest wegen der Pandemie im kleinen Kreis oder allein feiern zu müssen. Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, sagte dem «Tagesspiegel»: «Man kann doch wohl Mitte November schon sagen, dass Weihnachten in den Familien stattfinden kann.»

FÜR SILVESTER:

Söder sagt, Weihnachten solle «freier» sein, «dafür Silvester wieder konsequenter». Für Silvester wünscht er sich ein Böller- oder Alkoholverbot auf größeren Plätzen. «Ein generelles Böllerverbot braucht es aber nicht.»

FÜR SCHULEN:

Die Kultusminister der Länder beharren darauf, sie grundsätzlich offenzuhalten, plädieren aber nach Informationen des Nachrichtenportals «ThePioneer» (Samstag) und der Deutschen Presse-Agentur für Ausnahmen. Nach einem Beschluss vom Freitag sollen in Hotspot-Gebieten mit sehr vielen Infektionen besonders betroffene Schulen ab der 11. Klasse auf einen «rollierenden Präsenzunterricht» in verkleinerten Lerngruppen umstellen können, also einen Wechsel von Lernen in der Schule und zuhause.

In einem zweiten Schritt ist das auch für untere Klassenstufen weiterführender Schulen vorgesehen. Die Abschlussklassen sollen in jedem Fall in der Schule bleiben. Die Unionsländer wollen Ähnliches: In Corona-Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 200 soll es ab der 7. Klasse Wechselunterricht geben.

«Infektionsketten wirklich unterbrechen und gleichzeitig lebenspraktisch bleiben, das ist die Aufgabe», sagte Spahn dem RND (Montag). Konkret schlug er vor, dass beim Auftreten eines Infektionsfalls sofort die betroffene Klasse in die häusliche Isolation geschickt wird. Bisher ist das teilweise nicht oder nur bei Sitznachbarn Infizierter der Fall. «Nach negativen Schnelltests am fünften Tag könnten die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule zurückkehren», sagte Spahn.

An besonders von Corona betroffenen Schulen soll es nach dem Willen der Kultusminister mehr Tests geben. Nach Zulassung eines Impfstoffes solle das Schulpersonal vorrangig ein Impfangebot erhalten.

FÜR DIE EINZELNEN LÄNDER:

Nach dem Willen der Unionsländer sollen laut «Bild» Länder und Landkreise mit weniger als 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen die Möglichkeit bekommen, die Corona-Maßnahmen auszusetzen («Opt-Out-Regelung»). Davon könnten aktuell nur Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie rund zwei Dutzend Landkreise profitieren.

FÜR UNTERNEHMER:

Scholz will die Hilfen für Unternehmen, die wegen der Corona-Beschränkungen schließen müssen, gegebenenfalls auch im Dezember weiter zahlen. «Wenn die Beschränkungen verlängert werden, ist für mich klar, dass die finanzielle Unterstützung der direkt betroffenen Branchen dann ebenfalls weiter nötig ist», sagte er der «Bild am Sonntag».

Bundesmillionen für Lehrerlaptops können bald fließen

Die 500 Millionen Euro des Bundes zur Anschaffung von Dienstlaptops für Lehrer können nach Angaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bald fließen. Mit den Bundesländern sei nun die dafür notwendige Verwaltungsvereinbarung getroffen worden. Diese muss jeweils in den Ländern unterschrieben werden, dann von der Bundesbildungsministerin, bevor die Mittel freigegeben werden können.

Das komplizierte Verfahren hängt mit dem deutschen Föderalismus zusammen. Für Bildung und ihre Schulen sind die Länder jeweils selbst zuständig. Der Bund darf eigentlich nicht mitreden und nicht einfach Geld zuschießen, weshalb solche Bund-Länder-Vereinbarungen nötig werden.

«Ich hoffe, dass nun bald flächendeckend Lehrerlaptops aus dem Programm angeschafft werden können», sagte Karliczek der Deutschen Presse-Agentur. Im Zweifelsfall werde dies auch dazu beitragen, dass Distanzunterricht in der Corona-Pandemie erleichtert werde.

Das Dienstlaptopprogramm hatten Vertreter der Länder, SPD-Chefin Saskia Esken und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im August bei einem «Schulgipfel» im Kanzleramt angestoßen. Neben einem 500-Millionen-Programm zur Ausstattung von bedürftigen Schülern mit Leihlaptops und weiteren 500 Millionen zur Finanzierung von IT-Administratoren für die Schulen ist es die dritte Aufstockung des sogenannten Digitalpakts Schule.

Dieses Förderprogramm mit ursprünglich 5 Milliarden vom Bund wurde 2019 für den Aufbau der digitalen Infrastruktur an den Schulen aufgelegt, etwa zur Installation von schuleigenem WLAN oder zur Anschaffung digitaler Tafeln - sogenannter Smartboards.

GEW fordert kostenlose Masken für Schüler und FFP2 für Lehrkräfte

Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert zum Schutz gegen Corona-Infektionen im Unterricht kostenlose Alltagsmasken für Schüler und Lehrer. Auf Wunsch sollten Lehrkräfte auch die sichereren FFP2-Schutzmasken erhalten, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntag). «Es ist Aufgabe des Arbeitgebers, für die notwendigen Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen der Beschäftigten, aber auch der Kinder und Jugendlichen zu sorgen.» Sie bekräftigte zudem die Forderung ihrer Gewerkschaft nach Wechselunterricht, also einer Teilung der Klassen und einem Wechsel von Präsenzunterricht in der Schule und Distanzunterricht zuhause.

 

21.11.2020 14.00 Uhr

Eltern-Initiative: «Viele Familien sind am Rande ihrer Kräfte»

Homeschooling und Homeoffice gleichzeitig: Viele Eltern und Schüler sind während des ersten Lockdowns im Frühjahr an ihre Belastungsgrenzen gekommen. Das soll nicht noch einmal passieren.

Die Initiative «Familien in der Krise» hat den Hamburger Senat aufgefordert, die Schulen während der Corona-Pandemie offen zu halten. «Das Recht der Kinder auf Sicherheit, Autonomie, Bildung und physischer und psychischer Gesundheit darf nicht hinter dem Schutz der Risikogruppen von Covid-19 zurückstehen», sagte Anna-Maria Kuricová, Mitbegründerin von «Familien in der Krise», der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auch in einer Pandemie hätten Kinder und Jugendliche das Recht, sich kindgerecht entwickeln zu dürfen. Außerdem müsse in allen Maßnahmen berücksichtigt werden, dass Kinder seltener erkranken und nicht als Treiber der Pandemie gelten.

Mit einer Einschränkung des Schulbetriebs würden Bildungssicherheit und Chancengleichheit ausgehebelt. Zahlreiche Studien beschrieben mittlerweile die negativen Auswirkungen der Schulschließungen im ersten Halbjahr dieses Jahres. «Besonders hart trifft es
Kinder, die es sowieso schon schwerer haben», sagte Kuricová. Laut einer Studie des ifo-Instituts hat sich während des Lockdowns im Frühjahr die Zeit, in der sich die Kinder mit Schule beschäftigten, halbiert. Zudem «deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Coronakrise die ohnehin schon hohe Bildungsungleichheit in Deutschland weiter verschärft haben dürfte», heißt es darin.

Forderungen von Verbänden und auch einigen Elternvertretern, zum sogenannten Wechselmodell überzugehen, hält die Initiative für nicht zu Ende gedacht und überstürzt. «Sollte ein Umsteuern nötig werden, treten wir für ein abgestuftes Vorgehen je nach Altersklasse ein», sagte die Mutter von zwei Töchtern. An Grundschulen sei Wechselunterricht schlicht keine Alternative, weil die Kinder noch nicht so gut alleine lernen könnten. Wechselunterricht sei allenfalls für die älteren Schülerjahrgänge eine Notlösung und abhängig von der digitalen Grundausstattung von Schulen, Lehrern und Schülern.

Stattdessen fordert die Initiative bessere Präventionsmaßnahmen – etwa die Anschaffung von Luftfiltergeräten und FFP2-Masken. Auch eine neue Teststrategie mit Hilfe von Antigen-Schnelltests könnte den Schulbetrieb sichern. «Viele Familien sind nach dem ersten Lockdown am Rande ihrer Kräfte», sagte Kuricová. Nicht nur Alleinerziehende seien auf eine verlässliche Betreuung ihrer Kinder angewiesen, damit sie arbeiten gehen können. Auch zahlreiche Familien seien auf ein zweites Gehalt angewiesen. «Und was machen Eltern, die Kinder auf verschiedenen Schulen haben mit verschiedenen Wechselmodellen? Die könnten ebenfalls nicht arbeiten gehen», meinte die 46-Jährige.

Sie kenne Eltern, die wegen der extremen Doppelbelastung während des ersten Lockdowns sogar ihren Job aufgegeben haben. Wichtig sei ein Dialog mit Experten aller relevanten Disziplinen, darunter Kinderärzte, Psychologen, Schulleiter, Pädagogen, IT-Experten und nicht zuletzt Schüler und deren Eltern. «Wir wünschen uns von allen Beteiligten mehr Mut, Ideen zu entwickeln und neue Wege zu gehen, wie Schule auch in der Pandemie funktionieren kann», sagte Kuricová.

Hamburg will vorerst an seinem Corona-Konzept festhalten und die Schulen offenhalten, da sich Schüler nicht überdurchschnittlich mit dem Virus anstecken. Am Mittwoch wollen sich die Länderchefs erneut mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen und neue Corona-Richtlinien verabschieden.

Kommt nun doch der Wechselunterricht? Druck für Corona-Verschärfungen

Die Schulen bleiben in der zweiten Corona-Welle offen - darauf haben die Kultusminister stets gepocht. Doch der Teil-Lockdown wirkt nur begrenzt. Und nun rücken doch die Schulen stärker in den Fokus. Was bahnt sich bei den Bund-Länder-Verhandlungen an?

Vor den Beratungen der Länder über die künftigen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie erhöht sich der Druck für eine Verlängerung oder Ausweitung der Beschränkungen. Unter anderem rücken nun die Schulen stärker in den Fokus, auf deren uneingeschränkte Offenhaltung die Kultusminister bisher gepocht haben. Denn das Ziel des Anfang November verhängten Teil-Lockdowns - eine starke Senkung der Infektionszahlen - ist bis jetzt verfehlt worden, wie Virologen und Mediziner beklagen.

Unklar ist noch, ob sich die Länder auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können, nachdem sie am vergangenen Montag die Bestrebungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einem wirkungsvolleren Vorgehen blockiert hatten. Die Landesregierungschefs wollen sich am Montag auf eine eigene Vorlage für die Beratungen mit Merkel am Mittwoch verständigen.

Der Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten, Alexander Dobrindt, forderte «zusätzliche Beschränkungen», um bis Weihnachten die Infektionszahlen stark einzudämmen. So müsse das Infektionsgeschehen an den Schulen stärker gebremst werden, sagte der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). «Die Schulen können zum Beispiel auf Wechselunterricht oder Hybridunterricht umstellen.» Schüler könnten auch mit besser schützenden FFP2-Masken ausgestattet werden. Zu diskutieren sei, ob die Schulferien früher beginnen und später enden sollten. Bisher beginnen sie je nach Land am 19. oder 23. Dezember und enden zwischen dem 3. und 10. Januar.

Auch Kanzleramtschef Helge Braun hatte auf die hohen Infektionsraten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hingewiesen. Vor allem in den weiterführenden Schulen müsse «alles getan werden, um die Abstandsregeln einzuhalten», hatte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag) gesagt und vorgeschlagen, ältere Schüler vermehrt auch digital zu Hause zu unterrichten.

Wie das Wirtschaftsmagazin «Business Insider» unter Berufung auf Länderkreise berichtet hatte, könnten die bisherigen Maßnahmen bis 20. Dezember verlängert und die Winterferien bundesweit bis 10. Januar ausgedehnt werden.

Trotz möglicher Verschärfungen setzt Kanzleramtschef Braun darauf, dass das Weihnachtsfest im Familienkreis gefeiert werden kann. «Es ist für mich nicht vorstellbar, dass die Großeltern an Weihnachten nicht mitfeiern», sagte er dem RND. «Wichtiger als die Anzahl der Menschen, die zusammenkommen, ist, dass man vorher seine Kontakte reduziert und darauf achtet, dass niemand Symptome hat.»

Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil kommt es bei den Bund-Länder-Beratungen darauf an, «verlässliche Regelungen zu treffen, die über Weihnachten und Neujahr hinaus reichen». Der SPD-Politiker schlug im «Handelsblatt» (Samstag) vor, oberhalb von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen überall dieselben Regeln gelten zu lassen. «Das gilt nicht für jedes Detail, aber die Linie muss über die Grenzen der Bundesländer hinweg möglichst klar und einheitlich sein», sagte er. «Sollte sich das Infektionsgeschehen im Laufe des Dezembers in einzelnen Ländern belastbar unterhalb des Schwellenwertes einpendeln, könnte man möglicherweise dort über Lockerungen nachdenken.»

Die Zahlen in den Landkreisen sind sehr unterschiedlich, im Norden und Nordosten liegen sie teils unter dem 50er-Wert, im Westen, Süden und Südosten hingegen teilweise über 200. Schleswig-Holstein plant laut «Welt» (Samstag) unter anderem bereits die Wiedereröffnung von Restaurants und Gaststätten, Hamburg die Wiedereröffnung von Kulturbetrieben unter Einhaltung strenger Hygiene-Auflagen.

Für Verschärfungen der bisherigen Maßnahmen plädieren auch Mediziner und Virologen. «Dazu sollte gehören, dass an allen weiterführenden Schulen die Klassen sofort geteilt werden und auf Wechselunterricht umgestellt wird», sagte der Virologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). «Zweitens sollten die Weihnachtsferien bundesweit eine Woche vor dem 24. Dezember beginnen.» Das könne helfen, um bis zum Jahreswechsel zurück in den grünen Bereich zu kommen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte der «Passauer Neuen Presse» (Samstag): «Man muss davon ausgehen, dass der Lockdown light im Dezember fortgesetzt wird. Das ist auch angesichts der Lage auf den Intensivstationen geboten.»

Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland ist weiterhin hoch. Am Samstag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 22 964 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Im Vergleich zum Wert vor einer Woche wurden gut 500 Fälle mehr gemeldet. Am vergangenen Samstag hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 22 461 gelegen. Der Höchststand war am Freitag mit 23 648 gemeldeten Fällen erreicht worden.

Wenn der Teil-Lockdown weiterlaufe, müssten auch die Hilfen für die Betroffenen in der Wirtschaft weiterlaufen, sagte Dobrindt. «Dann werden auch die November-Hilfen verlängert.» Auch Weil forderte für diesen Fall weitere Unterstützung: «Es muss auch in Zukunft einen verlässlichen Ausgleich für Einbußen geben. Daran führt kein Weg vorbei.»

Experten: Gut sitzende Masken und Lüften für Schulunterricht wichtig

Wie weiter mit der Schule in Corona-Zeiten? Das ist eine der Fragen, denen sich Kanzlerin und Ministerpräsidenten kommende Woche widmen müssen. Einfach Maskenpflicht anordnen, ginge aus Expertensicht nicht weit genug. Es kommt auf Details an.

Vor der nächsten Runde der Regierungschefs, bei der es auch um neue Corona-Regeln in Schulen gehen könnte, raten Experten bei Mund-Nasen-Bedeckungen auf das korrekte Tragen zu achten. «Dies ist bei möglichst wirkungsvollen Masken der Schlüssel zum Erfolg des Bausteins Maske im Gesamtkonzept», sagte Achim Dittler, Leiter der Arbeitsgruppe Gas-Partikel-Systeme am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Masken müssten so sitzen, damit man durch das Filtermedium atmet und keine Luft an der Maske vorbei entweicht.

«Brillenträger merken das am ehesten, wenn die Brille beschlägt», gab Dittler ein Beispiel. Auch ein Bart könne dazu führen, dass Aerosole mit Viruspartikeln um die Maske herum strömen und damit ungefiltert in die Umgebungsluft gelangen. Christian Kähler vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Universität der Bundeswehr München hatte dem «Tagesspiegel» jüngst gesagt: «Die ausgeatmete Luft mit den möglicherweise virenbelasteten Aerosolen geht den Weg des geringsten Widerstandes, tritt also durch die Lücken am Maskenrand an Nase, Wangen und Kinn aus.» Gleiches gelte beim Einatmen. Wenn man nebeneinander sitzt, wie Schüler in Klassenräumen oder auf Sitzbänken in Bahnen, könnten gerade Alltagsmasken keinen Schutz bieten.

Entscheidend ist aus Sicht der Fachleute neben der Frage, wie die Maske sitzt, auch die Qualität der Masken. Die selbst gemachten Alltagsmasken können - je nach Stoff und Lagenanzahl - im Vergleich zu OP-Masken oder sogenannten FFP-Masken bezüglich der Abscheidung feinster Aerosolpartikel schlechter abschneiden, wie Dittler betonte. Alltagsmasken wirkten sehr gut als Spuckschutz und hielten größere Tröpfchen wirkungsvoll zurück.

Die bläulichen OP-Masken, die zwar nicht für die Abscheidung sehr kleiner Partikeln vorgesehen sind, sondern für die Größe von Bakterien, hielten auch feinste Partikel gut zurück. Am wirksamsten seien sogenannte FFP3-Masken, die durch ihre Bauart oft schon enger am Gesicht anliegen. «Der beste Schutz ist eine möglichst wirksame Maske möglichst korrekt zu tragen», sagte Dittler.

Der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, hat verschiedene Maskentypen untersucht und kommt zu dem Schluss, dass mindestens die Hälfte der Stoffmasken überhaupt keine oder weniger als zehn Prozent der Partikel zurückhalte. «Die lenken das ausgeatmete Aerosol nur ab.» Neben FFP-Masken böten auch chirurgische Masken einen gewissen Schutz. «Aber das gilt natürlich immer nur, wenn sie gut im Gesicht sitzen, sonst zischt das Aerosol an den Öffnungen der Masken vorbei.»

Im Unterricht sollte man Masken immer dann aufsetzen lassen, wenn die Schüler einen Test schreiben oder zuhören, aber nicht selbst sprechen müssen, führte Scheuch aus. «Ansonsten bieten Lüften und Raumluftfilter den viel besseren Schutz.» Ein gutes Raumluft-Filtergerät sei deutlich effektiver als eine Maske mit einer 50-Prozent-Filterwirkung - «was schon sehr gut wäre». Noch effektiver sei Stoßlüften, was man durch CO2-Messungen kontrollieren könne.

Auch Dittler machte mit Blick auf womöglich entweichende Aerosole deutlich: «Aus diesem Grund sind Masken nicht das Einzige. Masken sind nicht unfehlbar.» Daher sei die Kombination mehrerer Maßnahmen wie häufiges Lüften, Abstandhalten und eine geringe Zahl an Menschen bei möglichst kurzer Aufenthaltsdauer in einem möglichst großen Innenraum entscheidend, um einer Ansteckung bestmöglich vorzubeugen.

Ob ein Mund-Nasen-Schutz richtig sitzt, könne man beispielsweise bei OP-Masken leicht feststellen, sagte der KIT-Forscher: Wenn man die Maske etwa mit einem Nasenclip gut an der Nase befestige, unten übers Kinn ziehe und dann einatme, müsse sich der faltige Stoff beim Ausatmen leicht verformen und beim Einatmen leicht in Richtung Mund herangesaugt werden. «Wenn sich die OP-Maske beim Ein- und Ausatmen bewegt, ist es ein Zeichen, dass sie bestmöglich sitzt.»

Fast 100 Corona-Infektionen an Schule in Hamburg-Veddel

Corona breitet sich auch an den Hamburger Schulen aus. Besonders betroffen ist zurzeit eine Schule im Stadtteil Veddel. Der Anteil der infizierten Schüler und Lehrer in der Hansestadt ist aber gering.

An einer Schule in Hamburg-Veddel sind fast 100 Corona-Infektionen festgestellt worden. Die Zahl habe sich bis Donnerstag um 65 Fälle erhöht, so dass es nun insgesamt 94 Infektionen seien, teilte die Schulbehörde am Freitag mit. Insgesamt 550 Schüler und Beschäftigte der Grund- und Stadtteilschule seien getestet worden. Auch bei der sehr kleinen Schul-Zweigstelle Billbrookdeich deute eine Reihentestung darauf hin, dass viele der 100 Schüler mit Corona infiziert seien, hieß es. Beide Schulen würden bis zur Aufklärung der Lage vorsorglich auf Distanzunterricht umgestellt.

Über die näheren Ursachen der Infektionen sei noch nichts bekannt, berichtete ein Sprecher der Schulbehörde weiter. «Die Streuung der Infektionen über fast sämtliche Klassenstufen deutet aber darauf hin, dass vermutlich viele Kinder bereits mit einer Infektion in die Schule gekommen sind.» Zuvor hatte das «Hamburger Abendblatt» über die hohe Zahl von Infektionen bei dem Massentest berichtet.

Hamburgweit meldete die Schulbehörde am Freitag 116 Neuinfektionen von Schülern und Lehrern an 44 Schulen. Damit sind derzeit insgesamt 633 Menschen an 206 Schulen infiziert, davon 528 Schüler sowie 105 Schulbeschäftigte. Die Infizierten machen den Angaben zufolge allerdings nur 0,2 Prozent aller Hamburger Schüler und 0,3 Prozent aller Hamburger Schulbeschäftigten aus.

Aktuell befänden sich 121 der rund 9500 Hamburger Schulklassen in Quarantäne, das seien 1,2 Prozent. Betroffen seien 3724 der insgesamt 256 000 Schüler, also 1,5 Prozent. Seit dem Ende der Herbstferien wurden 1874 Neuinfektionen an Schulen gezählt, davon 1511 bei Schülern und 363 bei Schulbeschäftigten.

Verlängerung des Teil-Lockdowns im Gespräch - Schulen erneut im Fokus

Vor neuen Bund-Länder-Beratungen zu den Anti-Corona-Maßnahmen zeichnen sich keine Lockerungen ab. Vor allem an den Schulen soll es Maßnahmen geben. Cafés und Restaurants könnten noch bis kurz vor Weihnachten geschlossen bleiben.

In den Beratungen zu den anstehenden Entscheidungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie zeichnet sich eine Verlängerung des Teil-Lockdowns ab. Wie das Wirtschaftsmagazin «Business Insider» unter Berufung auf Länderkreise berichtet, könnten die seit Anfang November geltenden Maßnahmen bis zum 20. Dezember verlängert werden. Auch nach Informationen der «Berliner Morgenpost» und des «Tagesspiegel» (Freitag) gibt es Überlegungen, den seit Anfang November und zunächst bis Ende des Monats begrenzten Teil-Lockdown bis mindestens kurz vor Weihnachten zu verlängern.

Ist das Infektionsgeschehen nach Weihnachten nicht im Griff, sollen zudem nach Willen der SPD-geführten Länder und einiger CDU-Länder die Winterferien bundesweit bis 10. Januar verlängert werden, berichtete das Wirtschaftsmagazin weiter. Zu weiteren Vorschlägen gehörten eine Ausweitung der Mund-Nasen-Bedeckung, neue Maßnahmen im Schulunterricht sowie eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen.

Am kommenden Mittwoch wollen die Länderchefs zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Schalte über das weitere Vorgehen entscheiden. Bis Montag wollten Ländervertreter gemeinsame Vorschläge zu den möglichen Maßnahmen ab 1. Dezember erarbeiten.

Unterdessen erreichte die Zahl der Neuinfektionen an diesem Freitag erneut einen Höchststand, die Gesundheitsämter meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) 23 648 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sprach sich mit Blick auf den anstehenden Bund-Länder-Gipfel dafür aus, besonders die Schulen in den Blick zu nehmen. «Was wir für den November beschlossen haben, hat die Infektionsdynamik gebrochen. Aber es hat noch nicht dazu geführt, dass die Zahlen nach unten gehen», sagte Braun dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Nun gehe es vor allem darum, Kontakte zu reduzieren und die hohen Infektionsraten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu senken. «Sie tragen wesentlich zur Verbreitung der Infektion bei», sagte Braun. Vor allem in den weiterführenden Schulen müsse «alles getan werden, um die Abstandsregeln einzuhalten». Darüber würden Bund und Länder am Mittwoch diskutieren.

Braun schlug dem Bericht zufolge vor, ältere Schüler vermehrt zu Hause zu unterrichten und bei der Suche nach großen
Unterrichtsräumen auch außerhalb der Schulgelände zu
suchen, etwa «auf Bürgerhäuser und Kinosäle
auszuweichen». Ältere Schüler könnten ins Homeschooling geschickt werden.

Auch nach dpa-Informationen soll am Mittwoch über mögliche weitere Corona-Maßnahmen an den Schulen gesprochen werden. Laut «Berliner Morgenpost» und «Tagesspiegel» ist im Gespräch, an Oberstufen und Berufsschulen den sogenannten Präsenzunterricht einzuschränken. Schülerinnen und Schüler würden dann wie vor den Sommerferien wieder von zu Hause aus verstärkt digital lernen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) warb um Verständnis für ein regional unterschiedliches Vorgehen an den Schulen. «Es wird von der Länderseite nichts vorgestellt werden können, was einmal für alle in ganz Deutschland gilt, sondern man muss immer auf die regionalen Gegebenheiten Rücksicht nehmen», sagte sie am Freitag in Berlin.

Regierungssprecher Steffen Seibert nannte die Infektionszahlen am Freitag noch «weit, weit zu hoch». Sie seien bislang nicht auf ein niedrigeres Niveau gebracht worden. «Wir haben im Grunde nur den ersten Schritt bisher geschafft, also den starken, steilen, exponentiellen Anstieg zu stoppen und eine Stabilisierung zu erreichen.»

Seibert erinnerte daran, dass sich Merkel bereits bei den Beratungen mit den Ministerpräsidenten am vergangenen Montag «mehr gewünscht hätte». Bei der letzten Schalte der Länderchefs mit der Kanzlerin zur Halbzeit des Teil-Lockdowns am vergangenen Montag waren zunächst keine neuen verbindlichen Einschränkungen beschlossen worden. Das soll sich am kommenden Mittwoch ändern.

Seit Anfang November sind deutschlandweit alle Freizeit- und Kulturangebote auf Eis gelegt, Bars, Cafés und Restaurants sind geschlossen. Der Teil-Lockdown war zunächst bis Ende des Monats befristet worden.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warb am Freitag für scharfe Kontaktbeschränkungen. «Eine Familie darf sich nur noch mit zwei weiteren Personen aus einem anderen Hausstand treffen», sagte Laschet der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten» (Freitag). Das sei sein Vorschlag für die Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte am Freitag der dpa in Mainz: «Schon jetzt lässt sich sagen, dass wir über die kommenden Monate ganz


20.11.2020 17.30 Uhr

Städte und Gemeinden sehen große Probleme bei Teilungsunterricht

Der Städte- und Gemeindebund Brandenburg sieht bei der Umsetzung von möglichem Teilungsunterricht an Schulen in der Corona-Pandemie große Schwierigkeiten. Das betreffe etwa die Halbierung von Schulklassen, sagte Geschäftsführer Jens Graf am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die Bund-Länder-Gespräche über weitere Corona-Maßnahmen in der kommenden Woche.

Im Bereich der Kindertagesstätten und Horte in kommunaler Trägerschaft gebe es flächendeckend keine freien Kapazitäten, die dies auffangen könnten, gab Graf zu Bedenken. Voraussetzung für einen Teilungsunterricht in unteren Klassenstufen sei der Aufbau zusätzlicher Betreuungsangebote durch das Land. Die Mitarbeiterinnen hätten in den vergangenen Monaten Herausragendes geleistet, seien aber nun an der Belastungsgrenze angelangt.

Grundsätzlich unterstütze der Städte-und Gemeindebund den gemeinsamen Ansatz von Bund und Ländern, Schulen und Kitas offenzuhalten, betonte der Geschäftsführer. Aus Sicht der Kommunen sei es aber notwenig, sich rechtzeitig auf eine sich möglicherweise verschärfende Lage vorzubereiten. Graf befürwortete eine Ausweitung der Maskenpflicht auf die unteren Kalssenstufen. Gleiches gelte für Unterricht, wo Schülerinnen und Schüler bislang ungeschützten engen Kontakt haben, wie Schulsport oder Gesang. Auch stelle sich die Frage, ob die Lehrerzimmer weiterhin maskenfreie Zonen bleiben müssen.

Mit Stand Donnerstag waren laut dem Bildungsministerium in Potsdam 3 von 915 Schulen im ganzen Land wegen Corona komplett geschlossen. Von den Schulen wurden insgesamt 8897 Quarantäne-Fälle bei Schülerinnen und Schülern gemeldet, was einem Anteil von drei Prozent aller
292 659 Schüler entspricht. 682 Lehrkräfte sind derzeit in Quarantäne.

Zahl der Corona-Fälle an Berliner Schulen steigt weiter

An den Berliner Schulen ist mit Blick auf die Corona-Pandemie noch keine Besserung in Sicht, im Gegenteil. Die GEW fordert kleinere Lerngruppen und den Abschied von einem Mantra der Bildungssenatorin.

Die Zahl der Corona-Fälle an Berliner Schulen ist erneut gestiegen. An den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen sind aktuell 1197 Corona-Fälle unter Schülern sowie 415 beim Personal bekannt. 765 Lerngruppen sind in Quarantäne. Das geht aus den Daten hervor, die die Senatsverwaltung für Bildung am Freitag veröffentlicht hat. Eine Woche zuvor waren es noch 1022 bekannte Infektionen bei Schülerinnen und Schülern und 341 beim Personal sowie 622 Lerngruppen in Quarantäne.

Am kommenden Mittwoch wollen sich Bund und Länder über mögliche neue Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie verständigen. Dabei soll auch über strengere Regeln für die Schulen gesprochen werden. Einigkeit gab es bei den Ländern bisher, komplette Schulschließungen möglichst verhindern zu wollen.

An Berlins öffentlichen beruflichen Schulen wurden 303 (251) positiv getestete Schüler und 23 (21) Corona-Fälle beim Personal sowie 60 (56) Lerngruppen in Quarantäne gezählt.

Zehn der insgesamt mehr als 800 Berliner Schulen bieten inzwischen keinen Regelunterricht mehr an, eine Woche davor waren es erst zwei. Bei der Überprüfung aller Schulen durch die Gesundheitsämter sind sie in die Stufe Rot eingeordnet worden. «An den zehn Schulen, die auf Stufe Rot sind, gibt es nun bis auf weiteres Hybridunterricht, so wie es unser Stufenplan vorsieht», teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Freitag mit. «Das bedeutet Teilung der Lerngruppen sowie eine Mischung aus schulisch angeleitetem Lernen zu Hause und Präsenzunterricht.» Die Schulen seien auf die verschiedenen Eventualitäten gut vorbereitet.

In die Stufe Grün sind 42 Schulen eingeordnet worden, 573 in Stufe Gelb, 192 in Orange. Diese Einordnung ist laut dem Corona-Stufenplan mit unterschiedlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verbunden. Unabhängig davon, in welcher Corona-Stufe sich eine Schule befindet, gilt in Berlin seit Mittwoch eine generelle Maskenpflicht auch im Unterricht für alle Klassen an weiterführenden Schulen und an den Berufsschulen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat von der Senatsverwaltung für Bildung gefordert, berlinweit den Wechsel zwischen Unterricht in der Schule und digital zu Hause zu ermöglichen. «Und das am besten sofort», sagte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann am Freitag. An den weiterführenden Schulen ab Klasse 7 sollten die Gruppen tage- oder wochenweise wechseln. An den Grundschulen ist aus Sicht der GEW eine Kombination aus Unterricht und Hortbetreuung mit entsprechend kleineren Gruppen besser, bei dem die Kinder aber grundsätzlich in der Schule sind.

«Die Bildungssenatorin muss sich vom Mantra des Regelunterrichts verabschieden», forderte der GEW-Vorsitzende. Der sei bereits jetzt nicht mehr möglich. «Wir erleben sowieso einen schleichenden Lockdown an Schulen», sagte Erdmann mit Blick auf die gestiegene Zahl von Corona-Fällen unter Schülern und Lehrkräften. «Wenn die Gruppen reduziert werden, wird auch die Zahl derer, die in Quarantäne müssen, reduziert.»

In Berlin werden laut Bildungsverwaltung an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen im laufenden Schuljahr rund 330 000 Schülerinnen und Schüler von rund 39 900 Lehrkräften unterrichtet. An den öffentlichen beruflichen Schulen sind es etwa 70 000 Schülerinnen und Schüler und 4100 Lehrkräfte.

Corona: Karliczek rechnet mit weiter regionalem Vorgehen an Schulen

Vor den nächsten Corona-Beratungen der Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am kommenden Mittwoch hat Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) um Verständnis für ein regional unterschiedliches Vorgehen an den Schulen geworben. «Es wird von der Länderseite nichts vorgestellt werden können, was einmal für alle in ganz Deutschland gilt, sondern man muss immer auf die regionalen Gegebenheiten Rücksicht nehmen», sagte sie am Freitag in Berlin.

Bei den letzten Beratungen der Kanzlerin mit den Länderchefs am Montag hatte sich der Bund für schärfere Corona-Maßnahmen an allen Schulen stark gemacht, etwa für halbierte Klassen oder größere Räume, was in der Konsequenz Wechselunterricht für viele bedeuten würde. Der Bund hatte auch für eine Maskenpflicht im Unterricht für alle Schüler plädiert. Die Länder, die für die Schulen selbst zuständig sind, hatten das abgelehnt und wollen nun vor den nächsten Beratungen mit Merkel eigene Vorschläge vorlegen.

Neben den regionalen Gegebenheiten müsse man sich auch ansehen, ob es um kleinere Kinder und größere Kinder gehe, sagte Karliczek. «Vielleicht kann man da auch unterschiedlich vorgehen.» Auf die Frage, ob sie erwarte, dass es bei der Maßgabe bleibe, die Schulen möglichst offen zu halten, sagte die Ministerin, dies sei das oberste Prinzip, was nach dem ersten Lockdown gemeinsam vereinbart worden sei. Sie sprach zudem von Verlässlichkeit. «Wir wollen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das muss natürlich auch in der Pandemie gelten. Deswegen glaube ich schon, dass wir alles dafür tun werden.»

Hohe Zahl von Infektionen bei Corona-Test an Schule erwartet

Die Hamburger Schulbehörde erwartet eine hohe Zahl von Corona-Infektionen bei einem Massentest an der Schule auf der Veddel. Das sagte ein Sprecher der Schulbehörde am Freitag. Aber noch lägen der Behörde keine konkreten Zahlen zur Reihentestung von 550 Schülern und Beschäftigten der Grund- und Stadtteilschule vor. Auch bei der sehr kleinen Schul-Zweigstelle Billbrookdeich deute eine Reihentestung darauf hin, dass viele der 100 Schüler mit Corona infiziert seien. Beide Schulen würden bis zur Aufklärung der Lage vorsorglich auf Distanzunterricht umgestellt.

Über die näheren Ursachen der Infektionen sei noch nichts bekannt, berichtete der Sprecher weiter. «Die Streuung der Infektionen über fast sämtliche Klassenstufen deutet aber darauf hin, dass vermutlich viele Kinder bereits mit einer Infektion in die Schule gekommen sind.» Zuvor hatte das «Hamburger Abendblatt» über die hohe Zahl von Infektionen bei dem Massentest berichtet.

GEW will kleinere Klassen und Mindestabstand einklagen

Kleinere Klassen und die Wahrung des Mindestabstands will die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vor Gericht einklagen. Einen entsprechenden Eilantrag habe er am Freitag am Verwaltungsgericht München eingereicht, teilte der Anwalt der Gewerkschaft, Rainer Roth, mit. Wann dort darüber entschieden werden könnte, ist noch unklar.

Mit der Verbandsklage will die Gewerkschaft den Freistaat und die Stadt München nach eigenen Angaben «zum bestmöglichen Gesundheitsschutz an Schulen veranlassen». Lehrer und Schüler würden durch den Präsenzunterricht an bayerischen Schulen nicht ausreichend vor Corona-Ansteckungen geschützt.

«Es reicht jetzt einfach», sagte GEW-Landesvorsitzender Anton Salzbrunn am Freitag in München. «Seit Monaten fordern wir, dass der Schutz von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften ernst genommen wird, und nichts passiert – vor allem: kein Abstand.»

Mit der einstweiligen Anordnung wolle die Gewerkschaft nun erreichen, dass die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zur Verkleinerung von Klassen und die Einhaltung des Mindestabstands von 1,50 Meter flächendeckend umgesetzt werden.

Gymnasialdirektoren: Distanzunterricht nur als «Ultima Ratio»

Der coronabedingte Schulunterricht zuhause ist aus Sicht der Gymnasialdirektoren nur eine absolute Notlösung. «Ein Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht genauso wie der reine Distanzunterricht belasten Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern enorm und sollten nur als Ultima Ratio in Betracht kommen», schrieb Walter Baier, Landesvorsitzender der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien (BayDV), in einem am Freitag bekannt gewordenen Rundbrief an die Mitglieder.

Distanzunterricht sei nur als Mittel der Wahl einzusetzen, wenn die Inzidenzzahlen unkontrollierbar würden oder das individuelle Infektionsgeschehen an den Schulen es verlange. Durch Distanzunterricht werde der Klassenverband «aufgebrochen», worunter das soziale Miteinander leide, kritisierte Baier. Zudem drohten - wie aus seiner Sicht auch im vergangenen Schuljahr - manche Schüler etwa wegen mangelnder technischer Ausstattung oder fehlender Hilfe durch die Eltern im Distanzunterricht den Anschluss zu verlieren.

«Schülerinnen und Schüler, deren Eltern zu Hause bei der Bearbeitung der online zur Verfügung gestellten Aufgaben helfen können, sind klar im Vorteil», stellte Baier fest. Ein von der Schule gestelltes Leihgerät allein sei nicht die Lösung des Problems.

Schule dicht, länger Ferien? - Wie Familien sich vorbereiten können

Eltern fürchten die Nachricht, dass die Klasse ihrer Kinder in Corona-Quarantäne geschickt wird. Auch verlängerte Ferien bringen das Familienleben durcheinander. Wie kann man sich darauf vorbereiten?

Wenn Schüler plötzlich daheim bleiben, weil ganze Klassen in Quarantäne müssen oder die Ferien coronabedingt verlängert werden, sind sie mitunter irritiert: Sie sind es nicht gewohnt, dass ihre Eltern zwar zu Hause, aber im Homeoffice dennoch nicht greifbar sind. «Auf diese Fälle sollten sich Familien schon jetzt vorbereiten», sagt Familiencoach Kira Liebmann aus München.

Liebmann rät, an der Tür zum «Heimbüro» ein einfaches Ampelsystem zu installieren. Das könnte die ganze Familie aus farbigen Kreisen und Pfeilen selbst basteln. «Steht der Pfeil auf Grün, kann das Kind jederzeit hineinkommen. Orange zeigt an, dass Mutter oder Vater nur im äußersten Notfall zu sprechen sind - und Rot, dass er oder sie absolut nicht gestört werden darf», erklärt Liebmann.

Ampelsystem auch an Kinderzimmertür

Damit das Modell fair bleibt, dürften die Kinder natürlich auch eine Ampel an der Kinderzimmertür anbringen, wenn sie mal allein für sich spielen wollen, findet Liebmann.

Einem Dauer-Rot bei pubertierenden Teenagern würde Liebmann aber mit gewissen roten Sperrzeiten vorbeugen. «Da könnte man etwa von 14.00 bis 16.00 Uhr eine Grün-Phase festlegen, wo Eltern auch das Kinderzimmer betreten dürfen - mit Anklopfen, versteht sich.» Die Privatsphäre zu respektieren, sei in der Pubertät enorm wichtig, weiß die zweifache Mutter, die als Pubertätstrainerin auch Eltern coacht.

Kurzes Alleinbleiben und Anrufen üben

Auch ein kurzes Alleinbleiben würde Kira Liebmann mit den Kindern für alle Fälle trainieren: «Achtjährige Grundschulkinder können ruhig schon mal für ein halbe Stunde allein zu Hause bleiben», findet sie. Dazu wird auf dem Telefon die Handynummer von Vater oder Mutter eingespeichert und während eines raschen Einkaufs das Anrufen geübt.

Hilfreich sei es auch, Tagesstrukturen zu schaffen. Dadurch sei jedem Familienmitglied sofort klar, wann daheim Arbeits- und Lernzeiten sind und wann sich wieder gemeinsam getroffen wird. «Werden die Ferien allerdings nur um zwei Tage verlängert, sollten die Kinder ruhig auch mal einen Vorteil in dem ganzen Chaos haben und sich über zwei Tage mehr frei freuen», sagt Liebmann.

 

Umfrage: Deutsche bei Frage nach Schulschließungen gespalten

Bei der Frage, ob bei steigenden Corona-Infektionszahlen erneut Schulschließungen erwogen werden sollten, sind die Deutschen einer Umfrage zufolge gespalten. 46,2 Prozent sprachen sich in der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der «Augsburger Allgemeinen» (Freitag) dafür aus, dies eindeutig oder eher in Betracht zu ziehen. Fast ebenso viele (43,6 Prozent) wollten Schulschließungen eher oder eindeutig ausschließen. 10,2 Prozent gaben an, unentschieden zu sein.

Während der ersten Welle der Corona-Pandemie waren bundesweit Schulen geschlossen worden. Inzwischen fährt die Politik einen anderen Kurs und hat es zur Priorität erklärt, Schulen auch im aktuellen Teil-Lockdown offen zu halten.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung»: «Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, damit die Schulen auch in den nächsten Wochen und Monaten geöffnet bleiben, soweit das verantwortbar ist». Dazu sei es sicher sinnvoll, die Hygiene-Maßnahmen, wie etwa das Maskentragen, auszureizen. «Nur so werden wir das Ziel erreichen, dass der Schulbetrieb mit einem möglichst hohen Präsenzanteil aufrechterhalten werden kann.»

Sie sieht die Schulen für das digitale Lernen besser gerüstet als im Frühjahr. «Wie gut das digitale Lernen im Einzelnen heute funktioniert, variiert häufig noch von Schule zu Schule. Das hängt auch von der jeweiligen Ausgangslage im Frühjahr ab», sagte die Ministerin. «Insgesamt sind wir heute in Sachen Digitalisierung der Schulen weiter als im März. Daran hat der Digitalpakt Schule einen enormen Anteil. Zudem hören wir, dass mehr und mehr Endgeräte aus unserem Sofortausstattungsprogramm bei denjenigen Schülerinnen und Schülern ankommen, die keine eigenen Geräte haben.»

Grünen-Chef Robert Habeck forderte mehr Unterstützung für die Schulen. «Die Bundesregierung hätte schon längst einen Fonds für zusätzliches Personal an den Schulen auflegen müssen», sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Habeck brachte dabei auch Studenten ins Spiel: «Die Schulen könnten dann den zusätzlichen Aufwand, der durch Corona entsteht – Dokumentation, Aufsicht, digitalen Unterricht für Kinder in Quarantäne – viel besser stemmen.»


19.11.2020 15.45 Uhr

Einfache Anlage soll Stoßlüften in Corona-Zeiten überflüssig machen

Eine vielversprechende Alternative zum Stoßlüften in Corona-Zeiten wird in gut 20 Mainzer Schulen erprobt. Die beim Max-Planck-Institut für Chemie erfundene Anlage stößt auch im Ausland auf Interesse - und ist vielleicht auch eine Lösung für manches Büro.

Die Idee ist einfach und könnte den Schulunterricht im Corona-Winter sicherer machen: «Jeder Mensch produziert warme Luft, die nach oben steigt. Richtet man diesen Luftstrom nach draußen, nimmt er Aerosolpartikel und mögliche Coronaviren mit sich», erläutert das Max-Planck-Institut (MPI) für Chemie in Mainz das Prinzip. Das dafür notwendige Abluftsystem lasse sich aus einfachen Materialien bauen, die im Internet bestellt werden könnten, sagt Frank Helleis, Physiker am MPI. «Die Anlage bringt so viel wie dreimal Stoßlüften pro Stunde.» Das ist die Empfehlung des Umweltbundesamtes für Klassenräume im Herbst und Winter.

Breite Schirme direkt über den Tischen, an den Decken verbunden mit einem Rohr - so sieht die Anlage aus. «Alle Rohre führen in ein zentrales Rohr, das wiederum durch ein gekipptes Fenster nach draußen führt», erläutert das MPI. «Ein Ventilator am Ende des Rohrs sorgt dafür, dass die Luft aktiv nach draußen transportiert wird.» Einen Baubericht und die Dokumentation der Messreihen veröffentlicht das MPI auf seiner Website. Die Materialkosten pro Klassenraum beziffert Helleis auf ungefähr 200 Euro.

In der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim seien bereits drei Abluftanlagen im Einsatz, in der Grundschule Marienborn zehn. Die anderen rund 20 Mainzer Grundschulen sollen so schnell wie möglich folgen sowie 58 Räume an weiterführenden Schulen, die gebraucht werden, in denen aber Stoßlüften nicht möglich ist. Das kündigte die Stadt Mainz am Donnerstag an. Sie geht von Kosten in Höhe von 130 000 Euro aus, will so den Präsenzunterricht möglichst lange ermöglichen und beruft sich auf die Einschätzung von Schulamt und Umweltbundesamt.

Die Anlagen seien «in Ordnung - und gut umsetzbar in der momentanen Notsituation», sagt der Fachmann für Innenraumhygiene beim Bundesumweltamt, Wolfram Birmili. «Besser wäre natürlich, richtige Lüftungsanlagen einzubauen.» Diese hielten länger und hätten somit einen nachhaltigeren Nutzen.

Bei ersten Messungen seien rund 90 Prozent der Aerosole und etwa 50 Prozent CO2 aus den Klassenräumen entfernt worden, berichtet Erfinder Helleis. «Den großen Unterschied haben wir noch nicht richtig verstanden.» Es werde weiter getestet, voraussichtlich von kommender Woche an auch unter ganz normalen Unterrichtsbedingungen - mit Meersalz-Aerosolen. Die Abluftanlage sorge - auch unabhängig von Covid-19 - für bessere Luft in den Klassenzimmern.

«Die Messwerte sind überzeugend», schildert die Sprecherin des Bildungsministeriums, Sabine Schmidt, die Einschätzung ihrer Fachabteilung. Wenn sie sich bestätigten, könne dies auch etwas für andere Schulen oder gar andere Einrichtungen wie Büros sein, sagt sie.

Birmili vom Umweltbundesamt stellt fest: «Lufthygienisch ist das Studiendesign und die Erfassung des Partikelreduktionserfolges auf den ersten Blick plausibel belegt und valide.» Allerdings ersetze die Anlage das Lüften in den Pausen nicht. Im Gegensatz zu mobilen Luftreinigern, deren Einsatz das Bundesamt nur als Ausnahme sehe, «kann mit dieser technischen Lösung auch während des Unterrichts eine Abfuhr von Schadstoffen, Feuchte und CO2 aus der Raumluft vorgenommen werden.»

Der Nachweis, dass die Absaugung mit nur einem Ventilator wirklich flächendeckend funktioniere, fehle aber noch. Fragezeichen sieht Birmili auch bei der elektrischen Sicherheit - eine simple Steckdose - und der Konstruktion - direkt über den Köpfen der Schüler. Zudem müsse ausreichend Zuluft nachströmen können, und er sieht etwas höhere Kosten. Dennoch sei es eine preiswerte Anlage, die zwei begabte Heimwerker an einem Vormittag installieren könnten.

Allein in den ersten zwei bis drei Tagen seien mehr als 2700 Anfragen aus Deutschland und einigen europäischen Nachbarländern eingegangen, berichtet MPI-Sprecherin Simone Schweller. Viele Anfragen seien kritisch gewesen, die Bedenken hätten aber bisher alle ausgeräumt werden können. Statik und Brandschutz nennt der Leiter der testenden IGS, Roland Wollowski, als Beispiele.

An der IGS mit ihren rund 1400 Schülern sollen am kommenden Wochenende Schüler, Eltern und Lehrer geschult und dann damit begonnen werden, 30 weitere der insgesamt 90 Räume auszustatten. Ob dann im Winter auch auf die Masken im Unterricht verzichtet werden könne, sei noch offen. «Noch muss die Anlage beweisen, dass sie das kann.» Helleis vom MPI empfiehlt den Mund-Nase-Schutz trotzdem weiter, weil er das Infektionsrisiko zusätzlich drücke.

Rabe: Daten deuten auf geringere Ansteckungsgefahr in Schule hin

Sind Schulen ein Treiber der Pandemie oder nicht? Eine neue Auswertung von Hamburger Daten deutet darauf hin, dass das nicht so ist. Im Gegenteil, sagt Schulsenator Rabe. Die Schulen könnten sogar sicherer sein, als das private Umfeld. Aber es gibt auch Kritik.

Die Hamburger Schulbehörde hat die Infektionszahlen bei Schülern acht Wochen lang genau ausgewertet und dabei festgestellt, dass Bildungseinrichtungen selbst wahrscheinlich kein Treiber der Corona-Pandemie sind. «Unsere Zahlen sind recht klar: 4:1 Infektionen außerhalb der Schule im Vergleich zu Infektionen in der Schule», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag in Hamburg. Von den 372 Mädchen und Jungen, die sich zwischen den Sommer- und Herbstferien angesteckt haben, «haben 292 sich vermutlich gar nicht in der Schule infiziert», sagte Rabe dazu. Das habe die genaue Prüfung eines jeden Falles durch persönliche Gespräche ergeben. Im Erhebungszeitraum gab es an 171 von 472 Hamburger Schulen mindestens einen Corona-Fall.

«Sehr, sehr häufig haben wir einzelne Infektionen vorgefunden in Schulen, in denen es gar keine weitere Infektion gab. Dann muss man ganz nüchtern sagen: Dann kann man sich eigentlich in der Schule gar nicht infiziert haben. Dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Einzelfall.» Das sei bei fast drei Viertel der Schulen so gewesen. Bei 116 der 372 infizierten Schüler gab es an der Schule mindestens einen weiteren Fall. 36 davon wiederum holten sich die Infektion nachweislich in ihrer Freizeit, bei Feiern oder in der Familie. Damit könnten lediglich 80 Corona-Fälle vielleicht auf eine Infektion in der Schule zurückgehen, so Rabe weiter.

Auffällig war Rabe zufolge bei der vorläufigen Auswertung der Daten auch, dass sich jüngere Schüler unter zwölf Jahren nur halb so häufig infiziert hätten wie ältere. Deren Infektionsgeschehen sei dagegen mit dem von Erwachsenen zu vergleichen und zudem an Stadtteilschulen höher als an Gymnasien. «Warum es diese Unterschiede gibt, muss nun weiter untersucht werden.» Auch die Frage, warum es in 90 Prozent der Corona-Infektionen an Hamburger Schulen keine weiteren Fälle bei Mitschülern und Lehrern der Infizierten gab, müsse geprüft werden. «Wir haben hier sicherlich noch viele offene Fragen. Das ist ein erster Aufschlag. Jetzt braucht es Wissenschaftler und Gesundheitsexperten, die das weiter evaluieren.»

Die Hamburger Linken kritisierten die Folgerungen aus den Daten als «Nebelkerze» und «Schönwetterzahlen». «Die schulische Realität sieht anders aus, als der Schulsenator das jetzt vorläufig aus seinen Studien herleitet», sagte Sabine Boeddinghaus, bildungspolitische Sprecherin der Linke-Bürgerschaftsfraktion laut Mitteilung. Die Zahlen hätten mit Blick auf das derzeitige Infektionsgeschehen kaum Aussagekraft: «Von August bis Oktober war es ja sonnig und trocken.»

Auch die Hamburger CDU hält die Nachbetrachtung für wenig hilfreich. «Die Infektionszahlen sind erst nach den Herbstferien in der ganzen Stadt nach oben geschnellt. Mittlerweile sind die Infektionswege kaum noch nachvollziehbar», sagte Birgit Stöver, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Rabe solle nun endlich einen vernünftigen Corona-Notfall-Stufenplan für die Schulen vorlegen.

Die gesammelten Daten will Hamburg nun der Kultusministerkonferenz für weiterführende wissenschaftliche Studien zur Verfügung stellen. In Hamburg gibt es 472 staatliche und private Schulen mit 35 000 Lehrern und Mitarbeiter sowie 256 000 schulpflichtigen Mädchen und Jungen.

Mainz will 300 Klassenräume mit einfachen Lüftungsanlagen ausstatten

Die Stadt Mainz will mehr als 300 Klassenzimmer mit einfachen vom Max-Planck-Institut für Chemie erfundenen Abluftanlagen ausstatten. Alle 22 Grundschulen sollen in zwei Stufen damit ausgestattet werden, dazu kommen 58 Räume an weiterführenden Schulen, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte. Diese Räume würden für den Unterricht gebraucht, könnten aber nicht ausreichend belüftet und daher derzeit nicht genutzt werden. Die gesamten Materialkosten beziffert die Stadt auf rund 130 000 Euro. Wann die Anlagen funktionieren sollen, ist noch offen.

«Wir arbeiten mit Hochdruck an den Organisationsstrukturen für den Einbau und die ersten Ortsbegehungen in den Schulen finden diese Woche bereits statt», sagte Baudezernentin Marianne Grosse (SPD).

Das Umweltbundesamt hat die von Hobbyhandwerkern einfach zu bauenden Anlagen geprüft und findet sie «in Ordnung - und gut umsetzbar in der momentanen Notsituation», wie der Fachmann für Innenraumhygiene bei der Behörde, Wolfram Birmili, der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Besser wäre natürlich, richtige Lüftungsanlagen einzubauen.» Diese hielten länger und hätten somit einen nachhaltigeren Nutzen.

Die Stadt Mainz will mit den Lüftungsanlagen dazu beitragen, den Präsenzunterricht in Corona-Zeiten möglichst lange aufrecht zu erhalten. Die Anlagen des MPI transportieren die Aerosole der Schüler nach draußen und wurden an zwei Schulen getestet.

SPD für Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht ab 7. Klasse

Die SPD-Fraktion macht sich für einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht in Hessen für Schüler ab der 7. Klasse zum Schutz vor einer Corona-Erkrankung stark. Ein strukturierter Wechselunterricht für jeweils die Hälfte einer Schulklasse schaffe Platz im Klassenzimmer und reduziere so das Infektionsrisiko in der Schule, erklärte der Bildungsexperte Christoph Degen am Donnerstag in Wiesbaden. Mit diesem Modell würde sich auch die Zahl der Schüler in den Bussen und Bahnen reduzieren. So könnte auf dem Schulweg besser Abstand eingehalten werden.

Es gehe nicht darum, starre Regeln für alle hessischen Schulen einzuführen, betonte Degen. In Klassen und Kursen, die entweder aufgrund einer kleinen Schülerzahl oder dank großzügiger Räumlichkeiten kein Abstandsproblem hätten, bestehe zunächst kein Anlass, die Lerngruppen zu teilen. Auf Basis des örtlichen Corona-Warnwerts bei den Neuansteckungen auf 100 000 Einwohner binnen einer Woche sollten die Schulen aber die Möglichkeit bekommen, den Unterricht zu entzerren.

Der Bildungsexperte warnte wegen der anhaltend hohen Infektionszahlen zudem vor der Gefahr erneuter flächendeckender Schulschließungen. Ein Zustand wie im Frühjahr dürfe sich nicht wiederholen. Auch verlängerte Weihnachtsferien wären nichts weiter als eine «Schulschließung light», mahnte der SPD-Politiker.

Corona-Pandemie erhöht Armutsgefahr für Kinder und Jugendliche

Millionen Kinder in Deutschland müssen unter oder knapp an der Armutsgrenze leben. Experten rechnen damit, dass die Corona-Krise ihre Situation verschärfen wird. Auch um die Sicherheit zuhause gibt es weiter Sorgen.

Schon vor der Corona-Krise war nach Zahlen des Statistischen Bundesamts fast jeder siebte junge Bundesbürger von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. 2,1 Millionen Kinder und Jugendliche waren den Angaben vom Donnerstag zufolge im vergangenen Jahr betroffen, ihr Anteil betrug 15 Prozent. Er sank zwar im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwei Punkte. Doch die Pandemie wird nach Einschätzung von Experten die Lage in vielen Familien zuspitzen.

Daten zu den Auswirkungen der Krise auf die Armutsgefährdung von Kindern gibt es zwar noch nicht, wie Antje Funcke, Expertin für Familienpolitik bei der Bertelsmann Stiftung, sagte. Besorgniserregend sei aber beispielsweise die abnehmende Zahl von Minijobs, die meist von Frauen als zweites Einkommen in die Familienkasse eingebracht würden. «Familien brauchen in der Regel zwei Einkommen», so Funcke. Auch wegen Kurzarbeit würden Ersparnisse angegriffen. Deshalb sei davon auszugehen, dass die Armut von Kindern und Familien in Folge der Pandemie zunehme.

Kinder aus armen Familien seien zudem derzeit bei der Schulbildung noch mehr benachteiligt, jedes vierte der Kinder habe keinen internetfähigen Computer zu Hause. Hinzu kämen oft beengte Wohnungen. Nachhilfe oder Betreuung von Homeschooling sei für die Familien meist nicht leistbar. Einiges sei zwar nachholbar. Doch es sei zu erwarten, dass die Bildungsungleichheit zunehme, sagte Funcke.

Die Bertelsmann-Stiftung plädiere schon länger für die Einführung einer eigenen Grundsicherung, die alle Leistungen für Kinder bündele und vom Elterneinkommen abhängig sei. «Es ist allerhöchste Zeit, dass dies umgesetzt wird», so Funcke.

Neben weiteren Verbänden spricht sich auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) für eine Kindergrundsicherung aus. Ihr Experte für Kinderarmut, Valentin Persau, geht ebenfalls davon aus, dass sich in Folge von Corona die finanzielle Situation in vielen Familien zugespitzt hat. Einkommenseinbußen oder Arbeitsplatzverlust beträfen armutsgefährdete Menschen besonders. Damit die Krise nicht zu einem Entwicklungsrisiko für Kinder und Jugendliche werde, müssten die Investitionen steigen, etwa in die digitale Ausstattung von Schulen sowie mehr Ganztagsangebote.

Die Bertelsmann Stiftung war in einer Untersuchung zum Ergebnis gekommen, dass in Deutschland rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Armut aufwachsen - und damit 21,3 Prozent aller unter 18-Jährigen. Die Stiftung hatte sich am Familieneinkommen orientiert und Heranwachsende im Grundsicherungsbezug einbezogen, deren Familien Hartz IV erhalten.

Das Bundesamt geht von Armut oder sozialer Ausgrenzung aus, wenn eines oder mehrere der drei Kriterien Armutsgefährdung, erhebliche materielle Entbehrung oder Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung vorlägen. Es orientiert sich damit an einer europaweiten Vorgabe, was die Daten vergleichbar macht.

Demnach liegt Deutschland mit seinem Anteil von 15 Prozent Betroffenen zwar unter dem europäischen Schnitt von 22,5 Prozent - aber hinter Slowenien (11,7 Prozent), Tschechien (13,0 Prozent), Dänemark (13,2 Prozent) und Finnland (14,3 Prozent). Weitaus schlimmer ist die Situation beispielsweise in Rumänien, wo der Anteil betroffener Kinder und Jugendlicher bei 35,8 Prozent liegt, oder in Bulgarien (33,9 Prozent). Die Zahlen wurden zum Tag der Kinderrechte an diesem Freitag, dem 20. November, veröffentlicht.

Schon beim Lockdown im Frühjahr gab es große Sorgen vor einem Anstieg häuslicher Gewalt. Dies ist auch aktuell der Fall. Der Kinderschutzbund berichtete am Donnerstag, die Anrufe von Kindern beim Hilfetelefon «Nummer gegen Kummer» hätten zuletzt deutlich zugenommen. Ein Rückzug ins Private sei gefährlich, sagte Jörg M. Fegert, Direktor der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie der Uniklinikum Ulm. Ohne den Austausch mit anderen Kindern und Jugendlichen in der Schule werde die Gewalt seltener bemerkt. Auch Fegert verweist auf eine Schere zwischen Arm und Reich: Wo Eltern und Kinder in einer kleinen Wohnung aufeinander säßen, werde Gewalt wahrscheinlicher.

Angesichts vielfältiger Einschränkungen im medizinischen und sozialen Bereich warnt das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit weltweitem Blick vor einer «verlorenen Covid-Generation». Je länger die Krise dauere, desto gravierender seien ihre Auswirkungen auf Bildung, Gesundheit, Ernährung und Wohlbefinden. Impfungen und medizinische Behandlungen fänden nicht statt, Mangelernährung nehme zu. Jeder dritte Schüler weltweit sei von Schulschließungen betroffen - insgesamt sind das 572 Millionen.

Tullner verteidigt Festhalten an regulärem Schulbetrieb

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner hat die Entscheidung verteidigt, die Schulen trotz des aktuellen Corona-Infektionsgeschehens möglichst regulär offen zu lassen. Das Recht auf Bildung stehe hoch an und gerade die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass Bildungserfolg viel mit sozialen Erleben zu tun habe, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in einer Regierungsbefragung des Landtages.

Digitaler Unterricht benachteilige Familien, die nicht über die nötigen technischen Ressourcen verfügten, so Tullner. Es sei politisch verabredet worden, dass die Schulen offen bleiben sollten und stattdessen in anderen Bereichen die Kontakte reduziert werden.

Zuvor hatte die Linke wiederholt gefordert, vom regulären Unterricht in einen Halbtagsbetrieb zu wechseln oder die Klassen zu teilen und sie abwechselnd zuhause und in der Schule zu unterrichten. Angesichts der aktuellen Lage seien Schulen «staatlich angeordnete Corona-Partys», kritisierte der Linken-Abgeordnete Wulf Gallert. Der Bildungsminister behaupte, dass Schulen keine Infektionsherde seien. Das gelte aber auch für Restaurants und Museen, die trotzdem geschlossen seien.

Tullner wies den Vergleich vom Schulbetrieb mit einer Corona-Party zurück. «Das finde ich fast unverschämt», sagte er und verwies darauf, dass sich Schulleitungen, Lehrkräfte und Ministerium viele Gedanken machten, um mit der Situation umzugehen. Sein Haus hinterfrage die geltenden Regeln und bessere nach.

Eine Maskenpflicht im Unterricht lehne er weiterhin ab, sagte Tullner. Das sei nicht zumutbar. Wenn es einzelne Schulen gebe, die sich gemeinsam für eine Maskenpflicht entschieden, werde er diesen aber keinen Ärger machen.

Angst vor dem «Corona-Abi» - Schul-Akteure fordern Rechtssicherheit

Schule soll trotz Corona möglichst normal ablaufen, sagt die Regierung. In der Schule läuft schon lange nichts mehr normal, sagen die Praktiker. Bei einem «Schul-Gipfel» kam Vieles auf den Tisch, etwa: Abi, Lernstoff, Sportunterricht und Sitzenbleiben.

Vertreter von Schülern, Lehrern, Eltern und Opposition fordern von der nordrhein-westfälischen Regierung Klarheit über Leistungsanforderungen im Corona-Jahr. Das Abitur müsse angepasst werden, sagte Sophie Halley von der Landesschülervertretung (LSV) am Mittwoch in Düsseldorf. «Es ist absolut nicht mehr realistisch, dass der Lehrplan in irgendeiner Weise eingehalten werden kann.» Dies erzeuge bei den Oberstufenschülern «den größten Druck». Vertreter von SPD, Grünen, Lehrergewerkschaften und Elternvereinen, die sich am Dienstagabend bei einem «Schul-Gipfel» ausgetauscht hatten, zeigten in ihren zentralen Anpassungswünschen große Einigkeit.

PRÜFUNGEN: Der Aufgaben-Pool für zentrale Prüfungen müsste aus Sicht aller Akteure mindestens erweitert werden, damit Lehrkräfte Themen aussieben können, die coronabedingt gar nicht im Unterricht behandelt werden konnten.

BEAMTEN-MIKADO: «Wir brauchen einen besonderen Rechtsrahmen für dieses Schuljahr», unterstrich die Schulexpertin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer. «Im Augenblick schwimmen alle.» Die Landesregierung müsse sich endlich für eine bundesweite Verständigung stark machen, forderte SPD-Fraktionsvize Jochen Ott. «Es ist wie immer im Beamten-Mikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.» Alle hätten Angst, dafür verantwortlich gemacht zu werden, das Abitur-Niveau abzusenken.

SITZENBLEIBER: Auch der Vorsitzende der Schulleitervereinigung NRW, Harald Willert, forderte einen einheitlichen Rechtsrahmen, um angemessen auf die Pandemie reagieren zu können. Normalität gebe es schon lange nicht mehr, stellte er fest. «Heute würde jede Nichtversetzung von jedem Verwaltungsgericht sofort aufgehoben werden, falls die Eltern das wollen.» Die üblichen Bildungsvoraussetzungen seien nicht mehr gegeben.

KINO: Unter den über 260 Teilnehmern des «Schul-Gipfels» aus rund 20 Verbänden herrsche Einigkeit, dass ein Mix aus Präsenz- und Digital-Unterricht in kleineren Gruppen - auch in außerschulischen Lernorten - zu ermöglichen sei, bilanzierte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. Beer berichtete von zahlreichen Angeboten aus der Zivilgesellschaft. «Eine Kino-Kette sagt: "Wir haben 14 000 Plätze in Nordrhein-Westfalen. Wir stellen die gerne Schulen zur Verfügung.» Auch Lehramtsstudierende, denen coronabedingt Jobs weggebrochen seien, hätten Hilfe angeboten.

WANDERN: In Zeiten, wo Schüler ständig hinter Masken büffeln müssen, ist aus Sicht der Landesschülervertretung auch über corona-konforme Bewegungsformen nachzudenken. Halleys Formel: «Eher Wanderungen und Fahrrad-Touren» als bei anstrengenden Übungen in stickigen Sporthallen zu schwitzen. Bei kopflastigeren Fächern - zum Beispiel Fremdsprachen oder Religion - wollen sie den stufenübergreifenden Unterricht zugunsten fester Gruppen aufbrechen, um mehr Infektionsschutz zu erreichen.

GEWALT: Die LSV spricht sich außerdem für einen tageweisen Wechsel der Schülergruppen im Präsenz- und Distanzunterricht aus. Um häusliche Gewalt nicht aus den Augen zu verlieren, wäre wochenweiser Wechsel nicht wünschenswert, erklärte Halley. «Der blaue Fleck soll nicht verheilen, bevor die Schülerin oder der Schüler wieder in der Klasse ist.» Außerdem seien mehr Schulsozialarbeiter nötig, um Schülern «Druck von den Schultern zu nehmen» und Lehrer zu entlasten.

BILDUNGSGERECHTIGKEIT: «Die Gleichung "Präsenzunterricht unter den jetzigen Bedingungen bedeutet Bildungsgerechtigkeit", geht so nicht auf», sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Maike Finnern, zur Haltung der Landesregierung. «Kleine Lerngruppen sind mit gleichen Bildungschancen vereinbar.» Wichtig sei, mehrmals pro Woche mit Telefonaten, Videotelefonie, an Lernorten oder über Sozialarbeiter Kontakt zu halten.

REGIERUNG: Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bekräftigte im Landtag, Wechselunterricht könne nicht generell ausgeschlossen werden, sei aber immer nur «zweitbeste Wahl». Erfreulich sei, dass derzeit trotz insgesamt hoher Infektionszahlen im Land fast 95 Prozent aller Schüler weiter im Klassenraum lernen könnten, sagte sie im Schulausschuss. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) twitterte: «Die Maßnahmen scheinen zu wirken. Das exponentielle Wachstum ist gebrochen. Aber noch sind die Inzidenzen nicht so, dass man von Entwarnung sprechen kann.»

MITMACHEN: Auch nach dem «Schul-Gipfel werden unter der Mail-Adresse «schule@machen-wir.de» Meinungen und Vorschläge gesammelt. SPD und Grüne wollen die Ergebnisse in der kommenden Woche ins Landtagsplenum einbringen.

 

18.11.2020 10.00 Uhr

Montgomery bringt Schichtdienst für Lehrer ins Gespräch

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat angesichts der Corona-Krise mehr Engagement auch von Lehrern eingefordert. «Wo ist die Digitalisierung der Schulen, wo ist aber auch der gesplittete Unterricht und wo sind auch die Lehrer, die dann Schichtdienst machen?», sagte Montgomery am Dienstagabend im «heute journal» des ZDF. «Wir sind es im Krankenhaus zum Beispiel gewohnt, bei einem höheren Arbeitsanfall von Patienten, dass wir dann auch mal zwei Schichten machen, dass wir zusätzliche Arbeit leisten.»

Seiner Ansicht nach sei es geboten, in den Schulen hinsichtlich der Arbeitsformen und der Digitalisierung innovativer zu werden. «Damit wir den Kindern nicht ihre Zukunft rauben. Denn momentan betrügen wir Generationen um ihre Zukunft, weil sie keine ausreichende Schulbildung bekommen.»

Opposition will Plan für Mischung aus Präsenz- und Distanzlernen

Bei einem «Schulgipfel» hat die Landtagsopposition aus SPD und Grünen gemeinsame Strategien für den richtigen Umgang mit der Corona-Pandemie erörtert. Aus Sicht von SPD-Oppositionsführer Thomas Kutschaty brauche es für einen «Plan B» kleinere Schulklassen, größere Räume und Wechselschichten zwischen Präsenzbetrieb und Distanzlernen. «Jetzt ist die Zeit für alternative Lösungen. Wenn die Infektionszahlen weiter steigen sollte, könnte es dafür auch bald zu spät sein», teilte er nach dem digitalen Treffen mit.

Einigkeit herrsche darüber, dass Kinder und Jugendliche so lange wie möglich in den Schulen unterrichtet werden sollen, sagte Grünen-Fraktionschefin Josefine Paul. Es brauche bei dem aktuell sehr dynamischen Infektionsgeschehen jedoch Modelle, «die mit einem verantwortungsvollen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht arbeiten, damit alle Schulen und Familien nicht in ad-hoc-Reaktionen getrieben werden und keine Vorsorge für die Kinder getroffen wird», ergänzte sie. Beide forderten die Landesregierung auf, entsprechende Konzepte vorzulegen. Die Ergebnisse sollen von den Fraktionsspitzen gemeinsam mit Schul-Akteuren ausführlich am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag vorgestellt werden.

An der digitalen Konferenz mit zwischenzeitlich 260 Teilnehmern hatten auf Einladung von SPD und Grünen unter anderem Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, der Schulleitervereinigung, der Landeselternkonferenz und Landesschülervertretung teilgenommen.

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) nahm nicht an der Konferenz teil. VBE-Landeschef Stefan Behlau hatte seine Absage in der vergangenen Woche mit einer Absage an «Lagerbildung» verbunden. «Ein einseitig ausgerufener Schulgipfel wird bestehende Gräben eher vertiefen als zuzuschütten», mahnte er.

Bildungsministerium: Wenige Corona-Fälle an den Schulen

Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern sind nach Einschätzung des Bildungsministeriums kein Hotspot bei den Coronainfektionen. In den vergangenen drei Wochen sind nach Angaben des Ministeriums von Dienstag bei 37 Schülern Infektionen als sogenannte Indexfälle aufgetreten. Das bedeutet, dass sie das Virus von außen in die Schulen hineingetragen haben. In der Folge hätten sich zehn weitere Schüler mit dem Coronavirus angesteckt. Insgesamt sind an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen 187 200 Kinder und Jugendliche.

Im gleichen Zeitraum seien unter den 14 980 Mitarbeitern an den Schulen neun Infektionen mit dem Coronavirus bekannt geworden, daraus resultierten jedoch keine Folgeinfektionen. Von Infektionen waren in diesen drei Wochen landesweit 37 Schulen betroffen.

Aktuell sind wegen dieser Corona-Infektionen 2339 Schüler in Quarantäne. Drei Schulen in Grevesmühlen, Lübow sowie in Parchim sind derzeit geschlossen.

Behörde: Alle Schulmitarbeiter bekommen kostenlos FFP2-Masken

Für einen besseren Schutz gegen das Coronavirus und mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen auch an den Hamburger Schulen sollen alle 35 000 Lehrer und Mitarbeiter kostenlos FFP2-Masken bekommen. «Hamburgs Pädagogen und Schulbeschäftigte leisten einen wichtigen und sehr verantwortungsvollen Dienst an der Allgemeinheit und verdienen deshalb einen besonderen Schutz, den wir mit den zusätzlichen und besonders sicheren Masken erfüllen», sagte Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag dazu laut Mitteilung.

Bereits am Dienstag habe die Behörde rund 350 000 entsprechende Masken an die 472 staatlichen und privaten Schulen ausgeliefert. Bis Ende der Woche sollen alle Schulen ausgestattet sein. Pro Mitarbeiter gibt es dann zwei bis drei Masken pro Woche. Mit der Lieferung gehe allerdings keine Pflicht zum Tragen der FFP2-Masken einher. Die Schulmitarbeiter dürften auch herkömmliche Mund-Nase-Bedeckungen tragen. In der Hansestadt sind 256 000 Mädchen und Jungen schulpflichtig.

Die Zahl der in Hamburg bestätigten Corona-Neuinfektionen ist am Dienstag um 424 gestiegen. Seit Ausbruch der Pandemie haben sich in Hamburg 20 830 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

Laschet nennt Homeoffice für Schüler schlechte Option

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hat dem Fern-Unterricht zuhause während der Corona-Pandemie eine Absage erteilt. «Uns sind Bildungschancen der Kinder wichtig und deshalb tun wir alles, um für den Präsenzunterricht zu kämpfen», sagte der CDU-Politiker den NRW-Lokalradios am Dienstag. Das Modell, wonach die Hälfte der Kinder ins Homeoffice geschickt werde, sei allenfalls in Einzelfällen sinnvoll, «eh eine ganze Schule in Quarantäne geht», so der CDU-Politiker.

Lehrerverband schlägt wegen Corona zusätzliches Schuljahr vor

Wegen der Corona-Krise kann sich der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger auch ein zusätzliches Schuljahr vorstellen. Es zeichne sich ab, dass auch dieses Schuljahr kein normales werde und es nicht gelinge, die Lehrpläne zu erfüllen, sagte Meidinger dem Nachrichtenportal «Watson». «Für viele Eltern und Schüler würde die Möglichkeit eines Zusatzjahres enormen Druck aus der jetzigen Situation herausnehmen, übrigens auch das Problem des Notendrucks, den manche Elternverbände beklagen, entschärfen.» Ähnlich äußerte er sich gegenüber der «Passauer Neuen Presse»

Vorstellbar sei vieles, etwa das freiwillige Wiederholen eines Schuljahres ohne Wertung als Sitzenbleiben oder das Angebot eines Zusatzjahres beispielsweise vor den Abschlussprüfungen, sagte Meidinger. Er forderte zudem einen «langfristigen Masterplan», damit Eltern, Lehrer und Schüler nicht tagtäglich durch neue kurzfristig Maßnahmen verunsichert würden.

Debatte um Unterricht an Schulen in Corona-Pandemie geht weiter

Auch an Brandenburger Schulen steigt die Zahl der Corona-Fälle. Unterdessen wird weiter über den Präsenzunterricht diskutiert. Die Gewerkschaft fordert einheitliche Regeln, der Lehrerverband sieht Probleme.

Ausweitung der Maskenpflicht, Abstand halten, Klassen halbieren: Schulen in Brandenburg wollen Klarheit im Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte ein einheitliches Vorgehen und klare Vorgaben für die Einrichtungen. «Wir brauchen ein klares Konzept zwischen Präsenz- und Distanzlernen», sagte ihr Landesvorsitzender Günther Fuchs am Dienstag.

Es sei nicht klug, Entscheidungen ständig zu vertagen. Fuchs zufolge müssten Räume angemietet und zusätzliches Lehrpersonal rekrutiert werden. So könnten man beispielsweise Lehrer im Ruhestand fragen. «Die Klassen müssen halbiert werden.» Der GEW-Chef nannte es unverantwortlich, dass jetzt keine klaren Vorgaben von der Politik kämen.

Aus Sicht von Hartmut Stäker, Präsident des brandenburgischen Pädagogen-Verbandes, ist ein situationsbedingtes Vorgehen wichtig. Dort, wo die Infektionszahlen gering seien, müsse der Präsenzunterricht so lange wie möglich beibehalten werden, sagte er am Dienstag. Den Wechselunterricht an den Schulen umzusetzen, sei nicht einfach. «Da haben wir ein Personal- und ein Platzproblem.»

Schüler könnten nicht einfach nach Hause geschickt werden, da Eltern dann nicht arbeiten könnten, gab der Verbandschef zu Bedenken. Blieben sie in der Schule, müssten Lehrer sie beaufsichtigen. «Dann muss dieselbe Person, die gerade Präsenzunterricht macht, die Schüler beaufsichtigen. Wie soll das gehen?»

Aus Sicht von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sind Schulen in der Corona-Pandemie nicht die Infektionstreiber. Nur ein Bruchteil von ihnen sei betroffen, sagte Woidke am Dienstag im RBB-Inforadio. Von mehr als 900 Schulen im Land seien fünf geschlossen worden, was einem Anteil von 0,5 Prozent entspreche.

Der Regierungschef befindet sich derzeit nach einer Corona-Infektion in häuslicher Quarantäne in Forst (Spree-Neiße). Die Diagnose sei ein Schock für ihn gewesen, mittlerweise sei er aber geheilt. Geblieben sei ein «Riesen-Respekt» vor der Krankheit. Natürlich sei das Virus auch an Schulen verbreitet, es werde aber auf unterschiedlichsten Wegen dort hineingetragen, stellte Woidke fest. Deshalb sei es richtig, sich auf andere Bereiche des öffentlichen Lebens, wie zum Beispiel Restaurants und die Hotellerie zu konzentrieren, um die Schulen offen zu halten.

Mit Blick auf die vorübergehende Schließung der Schulen bemerkte Woidke: «Es war eine riesengroße Belastung für die Kinder, für die jungen Menschen, die sich aufs Abitur vorbereitet haben und es war eine genauso große Belastung für die Eltern. Nicht nur aus bildungspolitischer Sicht, sondern auch aus sozialer Sicht war das Gebot der Stunde, die Schulen wieder zu öffnen.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Montag mit den Ministerpräsidenten über weitere Corona-Maßnahmen beraten. In der ursprünglichen Fassung einer Beschlussvorlage des Bundes war noch von einer Ausweitung der Maskenpflicht an Schulen und einer Halbierung der Gruppengrößen die Rede gewesen. Am Ende vertagten Merkel und die Ministerpräsidenten jedoch die Entscheidung über derartige Maßnahmen bis kommende Woche.

Woidke verteidigte, dass bei den Bund-Länder-Gesprächen am Montag keine konkreten Verabredungen getroffen wurden. Das sei richtig, weil man erst einmal wissen müsse, was die Maßnahmen von vor zwei Wochen gebracht haben. Für das Treffen in einer Woche mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte sich der SPD-Politiker Einigkeit. Das erhöhe die Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung deutlich. Außerdem sei ein langfristiger Fahrplan nötig. Die Menschen wollten Sicherheit und nicht, dass «jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird».

Quote von Lehrern und Schülern in Corona-Quarantäne rückläufig

Das Kultusministerium sieht erste Erfolge des Teil-Lockdowns: Es müssen weniger Schüler und Lehrer in Quarantäne. Allerdings entscheidet jedes Gesundheitsamt vor Ort individuell, wie viele Menschen nach einem positiven Test zu Hause bleiben müssen.

Die Quoten von Lehrern und Schülern, die wegen behördlicher Corona-Auflagen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können, sind in Hessen seit einer Woche rückläufig. Seit 10. November sank der Wert bei den Schülern von rund 3,5 Prozent auf 2,1 Prozent, wie das Kultusministerium in Wiesbaden am Dienstag auf dpa-Anfrage mitteilte. Bei der Lehrkräften schrumpfte die Quote von 3,9 Prozent auf gut 2 Prozent.

«Wir sind optimistisch, dass die letzten landesweiten Änderungen mit einer Maskenpflicht ab Stufe 5 und konstanten Lerngruppen in den Stufen 1 bis 6 sowie die allgemeinen Beschränkungen im gesellschaftlichen Leben dafür verantwortlich sind», erklärte ein Ministeriumssprecher. Binnen einer Woche gingen rund 10 000 Schüler und 1400 Lehrkräfte mehr in den Unterricht.

Wer alles nach einem positiven Coronavirus-Test in der Schulgemeinschaft in Quarantäne muss, das entscheiden die Gesundheitsämter vor Ort und für jeden Fall individuell. In der Regel wird für einzelne Schüler, ganze Klassen oder Lerngruppen Quarantäne verhängt. Ganze Schulen werden eher selten geschlossen.

Wegen des Infektionsgeschehens haben laut Ministerium inzwischen fünf Kommunen für bestimmte Jahrgänge einen Wechselunterricht zwischen Präsenz in der Schule und Lernen von zu Hause aus verfügt. Laut dem vierstufigen Plan der Landesregierung entspricht dies Stufe 3. Er gilt in den Kreisen Lahn-Dill, Limburg-Weilburg und in Hanau (jeweils ab Jahrgangsstufe 7) sowie in Stadt und Kreis Offenbach für die Sekundarstufe II und Berufliche Schulen.

Sechs weitere Kommunen haben den Angaben zufolge einzelne Maßnahmen verfügt, die Teil der Stufe 3 sind. Dies sind Landkreis und Stadt Gießen, die Kreise Groß-Gerau, Bergstraße und Darmstadt-Dieburg sowie die Städte Wiesbaden und Darmstadt. Hessens Landesregierung hatte wiederholt betont, den Präsenzunterricht an den Schulen soweit wie möglich aufrechterhalten zu wollen.

Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Stefan Wesselmann, mahnte zwar mit Blick auf die Gesundheit von Lehrern und Schülern, Präsenzunterricht nicht «auf Biegen und Brechen» durchzusetzen. Jedoch sei auch ein flächendeckendes Wechselmodell nicht sinnvoll. Dann würde die Notbetreuung für solche Kinder, die gerade nicht im Präsenzunterricht sind, zusätzliche Ressourcen an Räumen und Personal binden. Wesselmann sprach sich grundsätzlich dafür aus, die Entscheidungen vor Ort zu treffen. «Einfache Lösungen gibt es da nicht.»

Der Ministeriumssprecher kündigte an, dass das Angebot kostenloser Corona-Tests für Lehrer bis auf weiteres verlängert wird. Es greift, wenn keine konkreten Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus vorliegen. Einen Anspruch haben alle Mitarbeiter an Schulen oder der Jugendhilfe, die regelmäßig Kontakt zu Schülerinnen und Schülern haben. Sie können sich alle 14 Tage testen lassen. Seit Beginn des Schuljahres hat es laut Ministerium 70 000 solcher freiwilligen Tests gegeben.

Das Sozialministerium kündigte an, dieses Angebot für Fachkräfte in Kitas und Kindertagespflege ab dem 30. November ebenfalls fortzusetzen. Hessen will für beide Berufsgruppe das Verfahren auf Schnelltests umstellen.

Gerade in Einrichtungen mit kleinen Kindern sei es unverantwortlich, sich in der kalten Jahreszeit alleine auf das Lüften der Räume zu stützen, mahnte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Vor allem Kinder in den Krippen im Alter von unter drei Jahren könnten nicht ständig in kalten Räumen betreut werden. Von den Erzieherinnen könne auch nicht erwartet werden, dass diese die Kinder ständig an- und ausziehen. Pädagogische Arbeit verkomme dann zu einer reinen Aufbewahrung der Kinder. Helfen könnte aber in den Kitas der Einsatz von Luftfiltern.

Söder: Schule soll offen bleiben, aber nicht auf Biegen und Brechen

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stimmt Schüler, Eltern und Lehrer in Bayern auf Klassenteilungen und Wechselunterricht zumindest in einigen Klassenstufen und in schweren Corona-Hotspots ein. «Ich bin der festen Überzeugung: Schulen sollen offen bleiben, aber nicht auf Biegen und Brechen», sagte Söder am Dienstag in München. Man müsse nun genau prüfen, in welchen Jahrgängen es ein besonders hohes Infektionsgeschehen gebe, wie man Lehrer besser schützen könne und wie man den Schulalltag möglicherweise mit einem Wechselunterricht für bestimmte Klassen gewährleisten könne. Dies könne auch ein Modell im Rahmen einer Hotspot-Strategie sein.

Bund und Länder hatten Entscheidungen über eine Fortsetzung des befristeten Teil-Lockdowns und über mögliche Verschärfungen an Schulen am Dienstag auf kommende Woche vertagt. In einer Beschlussvorlage des Bundes, die die Länder in wesentlichen Teilen einkassierten, war bereits von Klassenteilungen die Rede gewesen.

Söder verteidigte das Vorgehen: «Ich hätte mir gestern auch deutlich mehr vorstellen können. Aber es ist auch nicht falsch, das nächste Woche zu machen, und zwar mit einer längerfristigen Perspektive.» Er bekräftigte erneut, für Lockerungen sehe er «keinen Spielraum». «Denn die Zahlen gehen zwar etwas runter, aber sie gehen nicht so runter, dass es seriös wäre, jetzt einfach wieder alles aufzumachen.» Man müsse vielmehr überlegen, «wo wir es noch vertiefen können». Er sagte aber, es solle «keine Einschränkungen bei der Wirtschaft» geben.

Philologen-Verband gegen flächendeckende Klassenteilung

In der Debatte um geteilte Schulklassen hat sich der Philologen-Verband NRW gegen einen solchen flächendeckenden Schritt ausgesprochen. Man müsse sich jede einzelne Schule und das lokale Infektionsgeschehen genau ansehen und Schulleitungen die Möglichkeit geben, im Einzelfall hybrid zu unterrichten, sagte der Vize-Vorsitzende des Lehrerverbands, Ulrich Martin am Dienstag.

Eine Teilung der Lerngruppen und wechselweises Lernen je zur Hälfte daheim im Online-Modus und im Klassenraum setze eine entsprechende digitale Ausstattung der Schulen voraus. «Und diese ist nicht flächendeckend vorhanden.» Grundsätzlich gelte es, das Recht auf Bildung und den Gesundheitsschutz abzuwägen.

Zur Frage nach zusätzlich erforderlichem Lehrpersonal bei Klassenteilungen sagte Martin der Deutschen Presse-Agentur, Teilzeitkräfte freiwillig um eine Stunden-Aufstockung zu bitten, sei zwar denkbar. Dadurch seien aber kaum Ressourcen zu erwarten. In Teilzeit beschäftigte Lehrer gegen ihren Willen zur Vollzeit zu verpflichten, sei abwegig und völlig abzulehnen. In NRW sind laut einer Statistik des Schulministeriums für das Schuljahr 2019/20 von rund 194 000 hauptamtlichen Lehrkräften gut 74 300 in Teilzeit tätig.

 

 

17.11.2020 07.30 Uhr

Stamp gegen Halbierung der Schulklassen - Thema Schulen vertagt

Überlegungen der Bundesregierung zu verschärften Corona-Maßnahmen an Schulen sind bei Nordrhein-Westfalens Vize-Ministerpräsidenten Joachim Stamp (FDP) auf Ablehnung gestoßen. In der Nacht zu Montag war bekanntgeworden, dass Schulen nach Ansicht der Bundesregierung zwar offen bleiben sollen, die Klassen aber in große Räume verlegt oder halbiert werden sollen - dadurch könnte das Infektionsrisiko reduziert werden. Nach Darstellung von Familienminister Joachim Stamp (FDP) sind solche Vorgaben aber nicht umsetzbar, weil der Personalbedarf dadurch steigen würde. Das Bundeskanzleramt sei nicht Koalitionspartner der Landes-FDP, so der Liberale. «Dieser Passus kann nicht beschlossen werden.»

Nach Darstellung von Stamp fehlt das Personal, um die Klassen zu halbieren und im Wechsel in den Schulen zu unterrichten und daheim lernen zu lassen. «Wo kommen die doppelten Lehrerinnen und Lehrer für diesen Vorschlag her?», fragte er am Montagmorgen auf Twitter. «Wie weit weg ist das Bundeskanzleramt von unseren Kindern und Familien?» Stamp betonte, dass man Lehrkräfte bräuchte für digitalen Unterricht. Man könnte Schülern zwar Hausaufgaben mitgeben für eine Woche daheim. «Ohne Betreuung werden aber die Kinder den Anschluss verpassen, deren Eltern das nicht leisten können oder berufstätig sind», so Stamp.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder haben eine Entscheidung über das weitere Vorgehen an den Schulen vertagt: «Bund und Länder werden auf der nächsten Konferenz darüber beraten, wie Ansteckungsrisiken im Schulbereich in Hotspots reduziert werden können», beschlossen Merkel und die Länderchefs am Montag. Das nächste Gespräch sei für den 25. November geplant.

Corona: Weil sieht deutliche Fortschritte und verteidigt Schulkurs

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht in der Bekämpfung der Corona-Epidemie erste Erfolge, hält die Lage aber noch nicht für zufriedenstellend. «Wir können feststellen, dass wir deutliche Fortschritte gemacht haben», sagte Weil am Montagabend nach den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder. Der Anstieg der Neuinfektionen in Niedersachsen sei abgebremst worden.

«Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen», betonte Weil aber. Das heiße, dass ein Stillstand und Rückgang bei den Infektionen noch nicht erreicht ist. «Wir erhoffen das für die zweite Novemberhälfte.» Über möglicherweise nötige Verschärfungen der Corona-Regeln wollten Bund und Länder am Mittwoch kommender Woche sprechen. Ob diese erforderlich werden oder nicht, hänge aber vom Infektionsgeschehen ab. Eine Änderung der niedersächsischen Corona-Verordnung sei erst ab dem 25. November geplant.

Weil verteidigte den Kurs der Länder, die den Wunsch des Bundes nach weitergreifenden Maßnahmen an den Schulen zurückgewiesen hatten. Zum einen sei die Infektionslage in den Regionen unterschiedlich. Andererseits habe sich in Niedersachsen der bisherige Kurs bewährt. An 80 Prozent der Schulen habe in der vergangenen Woche Präsenzunterricht stattfinden können. Unabhängig davon werde Niedersachsen sich auch in den nächsten Wochen intensiv für die Sicherheit in den Kitas und Schulen einsetzen. Weitere Maßnahmen dazu werde Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag vorstellen.

Der Ministerpräsident kritisierte, dass der Bund seine Vorschläge für weitere Einschränkungen an Schulen am späten Sonntagabend an die Länder übersandt habe. Das habe die Beratungen am Montag nicht erleichtert. «Aber ich setze drauf, dass wir im nächsten Anlauf auch die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehen.»


16.11.2020 22.00 Uhr

Wie geht's weiter im Corona-Winter - Beschlüsse erst kommende Woche

Zwei Wochen nach Beginn des Teil-Lockdowns haben Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen beraten. Konkrete Entscheidungen etwa beim sensiblen Thema Schulen wurden aber erst einmal vertagt.

Bars, Restaurants, Fitnessstudios und Kultureinrichtungen sind seit Anfang des Monats zu. Als vorübergehender «Wellenbrecher»-Lockdown sollen die Maßnahmen die Corona-Zahlen wieder nach unten drücken, so der Plan. Zwei Wochen nach Inkrafttreten sind noch keine deutlichen Anzeichen für eine Trendumkehr beim Infektionsgeschehen zu erkennen, der rasante Anstieg bei den Neuinfektionen verlangsamt sich aber auch.

Vor diesem Hintergrund haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Montag darüber beraten, ob die Corona-Maßnahmen weiter verschärft werden müssen oder nicht. Konkrete Beschlüsse gab es am Ende nur wenige, weil sich Bund und Länder nicht einig wurden. Sie sollen nun bei der nächsten Gesprächsrunde am Mittwoch in einer Woche gefasst werden.

WO LIEGEN DIE KNACKPUNKTE? 

Bei den Themen Kontakte und Schulen. Die Regierung wollte in beiden Bereichen bereits jetzt einen schärferen Kurs einschlagen, die Länder haben das zunächst verhindert. So hatte der Bund vorgeschlagen, Treffen im öffentlichen Raum weiter zu begrenzen, von jetzt zwei Hausständen mit maximal zehn Menschen auf einen Hausstand und einen weiteren mit maximal zwei Personen. Im aktuellen Beschluss bleibt es nun aber zunächst bei Appellen, auf alle nicht erforderlichen Kontakte, Partys und auf Reisen zu verzichten. «Heute haben wir gemahnt, nächste Woche müssen wir dann entscheiden», sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach den Beratungen.

WORÜBER WIRD BEI DEN SCHULEN DISKUTIERT? 

Auch hier hatte der Bund vor dem Gespräch mit den Ländern weitreichende Einschränkungen vorgeschlagen, scheiterte damit aber zunächst an deren Widerstand. Das heißt aber nicht, dass die Vorschläge alle vom Tisch sind. «Bund und Länder werden auf der nächsten Konferenz darüber beraten, wie Ansteckungsrisiken im Schulbereich in Hotspots reduziert werden können», heißt es im gemeinsamen Beschlusspapier.

Ginge es nach der Bundesregierung würden «ausnahmslos» feste Gruppen eingerichtet und die Klassen halbiert, was in der Konsequenz auch wieder Wechselunterricht bedeuten würde. Alternativ könnten zwar auch «größere Räumlichkeiten» für den Schulbetrieb genutzt werden, heißt es von der Regierung, allerdings war schon im Sommer ergebnislos darüber diskutiert worden, ob Unterricht nicht auch in Messegebäuden, Kulturhäusern oder Hotels abgehalten werden könnte. Inwieweit das diesmal regional ernsthaft erwogen wird, ist offen. Der Bund plädiert außerdem dafür, dass alle Schüler und Lehrer auch im Unterricht Masken aufsetzen und dass der Schulbusverkehr entzerrt wird.

WIE WAHRSCHEINLICH SIND ERNEUTE FLÄCHENDECKENDE SCHULSCHLIESSUNGEN? 

Unwahrscheinlich, aber der Präsenzbetrieb, wie er seit den Sommerferien läuft, könnte wackeln, wenn die Corona-Zahlen nicht besser werden. Es gehe nicht um eine Schließung, sagte Merkel nach den Beratungen am Montag. Regierung und Länder hatten nach den Erfahrungen mit Schließungen und Schichtbetrieb und mit Blick auf die Zukunft der Schülerinnen und Schüler immer wieder gesagt: Die Schulen sollen möglichst offen bleiben. Lehrergewerkschaften hatten zuletzt den Druck erhöht und zumindest eine Rückkehr zum Wechselmodell bei hohem Infektionsgeschehen gefordert. Sie warnen davor, die gesundheitlichen Risiken für Lehrer und Schüler durch Corona auszublenden.

WAS IST FÜR CORONA-RISIKOGRUPPEN GEPLANT?

Der Schutz von Älteren, chronisch Kranken und Pflegeheimbewohnern mit erhöhtem Risiko für schwere Corona-Verläufe steht besonders im Blick. Dabei lautet die klare Ansage, dass eine völlige Abschottung von Millionen Betroffenen keine Antwort sein soll. Um den Schutz zu erhöhen, sollen aber etwa in Pflegeheimen Corona-Tests deutlich ausgeweitet werden, auch neue Schnelltests.

Dazu soll jetzt auch eine zentral vom Staat abgesicherte und organisierte Versorgung mit Schutzmasken kommen. Für den Winter sollen nach Plänen des Bundes pro Person insgesamt 15 höherwertige FFP2-Masken gegen «eine geringe Eigenbeteiligung» zu bekommen sein - das entspräche rechnerisch einer pro Winterwoche. Auf Landesebene hat Bremen schon ein ähnliches Angebot gestartet. Dort kann jeder Bürger über 65 Jahre zehn FFP2-Schutzmasken im Monat erhalten.

WAS IST MIT RESTAURANTS, BARS, KULTUREINRICHTUNGEN UND FITNESSSTUDIOS - BLEIBEN DIE AUCH NACH DEM NOVEMBER WEITER ZU?

Hier wurde keine Entscheidung getroffen. Wie es in den genannten Bereichen weitergeht, auch diese Frage werden Bund und Länder erst in der kommenden Woche bei ihrem nächsten Gespräch klären. Offiziell gilt bisher weiterhin die Aussage der letzten Beratungen der Kanzlerin mit den Länderchefs Ende Oktober, dass die Schließungen bis Ende November befristet sein sollen. Allerdings hatte etwa Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in der «Bild am Sonntag» bereits wenig Hoffnungen gemacht und gesagt, er sehe für das Öffnen von Restaurants und Kinos wenig Spielraum. Merkel sagte nach den Beratungen am Montag, man sei durch das Schließen bestimmter Einrichtungen im Freizeitbereich aus dem exponentiellen Wachstum herausgekommen und man müsse nun darüber sprechen, ob man das zum 1. Dezember alles wieder öffnen könne oder nicht.

Solingen sieht Rückenwind für Konzept der Klassenteilung

Die Stadt Solingen sieht sich nach Signalen aus Berlin und Bayern in ihrem Konzept der Klassenteilung für weiterführende Schulen bestätigt. Vor zwei Wochen hatte die bergische Stadt zur Bekämpfung der Pandemie angekündigt, dass wechselweise eine Hälfte einer Klasse im Präsenz-, die andere Hälfte daheim im Distanzunterricht lernen soll. Die NRW-Landesregierung erteilte dem eine Absage. Auch im Vorfeld der Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten am Montag ging es unter anderem um die Frage einer Klassenteilung. Das sei ermutigend, sagte ein Solinger Stadtsprecher vor dem Ende der Bund-Länder-Runde. «So schlecht kann unser Vorschlag also nicht gewesen sein.»

Merkel und die Länderchefs vertagten eine Entscheidung über das weitere Vorgehen an den Schulen auf den 25. November. Der Bund hatte zuvor verschärfte Maßnahmen an Schulen vorgeschlagen, wie eine Maskenpflicht für alle Schüler und Lehrer auch im Unterricht und eine Halbierung der Klassen. Damit konnte er sich am Montagabend aber nicht durchsetzen. Der bayerische Regierungschef Markus Söder (CSU) sprach sich im ZDF-«Morgenmagazin» ausdrücklich für die Möglichkeit eines Wechselunterrichts aus. «Der eine Teil wird via Internet zu Hause beschult, der andere in der Schule.»

Die schwarz-gelbe NRW-Regierung hatte den Solinger Weg untersagt, Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte als Grund die Bildungsgerechtigkeit angeführt. Laut dem Solinger Stadtsprecher hatte sich die Kommune über das Veto in einer sogenannten «Remonstration» beschwert und ihre abweichende Auffassung noch einmal klargestellt. Als Reaktion darauf habe die Bezirksregierung Düsseldorf der Kommune mitgeteilt, dass sie ihr Modell nicht für alle Schulen der Stadt habe anordnen dürfen, sondern nur im Einzelfall. Solingen habe in seinem Modell die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts aufgegriffen und halte das Konzept weiter für geeignet, um breite Schulschließungen zu vermeiden, erklärte der Stadtsprecher.

Corona: Weil sieht deutliche Fortschritte und verteidigt Schulkurs

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht in der Bekämpfung der Corona-Epidemie erste Erfolge, hält die Lage aber noch nicht für zufriedenstellend. «Wir können feststellen, dass wir deutliche Fortschritte gemacht haben», sagte Weil am Montagabend nach den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder. Der Anstieg der Neuinfektionen in Niedersachsen sei abgebremst worden.

«Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen», betonte Weil aber. Das heiße, dass ein Stillstand und Rückgang bei den Infektionen noch nicht erreicht ist. «Wir erhoffen das für die zweite Novemberhälfte.» Über möglicherweise nötige Verschärfungen der Corona-Regeln wollten Bund und Länder am Mittwoch kommender Woche sprechen. Ob diese erforderlich werden oder nicht, hänge aber vom Infektionsgeschehen ab. Eine Änderung der niedersächsischen Corona-Verordnung sei erst ab dem 25. November geplant.

Weil verteidigte den Kurs der Länder, die den Wunsch des Bundes nach weitergreifenden Maßnahmen an den Schulen zurückgewiesen hatten. Zum einen sei die Infektionslage in den Regionen unterschiedlich. Andererseits habe sich in Niedersachsen der bisherige Kurs bewährt. An 80 Prozent der Schulen habe in der vergangenen Woche Präsenzunterricht stattfinden können. Unabhängig davon werde Niedersachsen sich auch in den nächsten Wochen intensiv für die Sicherheit in den Kitas und Schulen einsetzen. Weitere Maßnahmen dazu werde Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag vorstellen.

Der Ministerpräsident kritisierte, dass der Bund seine Vorschläge für weitere Einschränkungen an Schulen am späten Sonntagabend an die Länder übersandt habe. Das habe die Beratungen am Montag nicht erleichtert. «Aber ich setze drauf, dass wir im nächsten Anlauf auch die richtigen Schlussfolgerungen daraus ziehen.»

Lauterbach kritisiert Schulen: Problem unterschätzt

An deutschen Schulen wird nach Einschätzung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nicht genug gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie getan. «Das Problem in den Schulen ist in Deutschland immer unterschätzt worden», sagte er am Montag in Berlin auf dem «Süddeutsche Zeitung Wirtschaftsgipfel». Die Infiziertenzahl bei den 10- bis 19-Jährigen sei derzeit ungefähr zehnmal so hoch wie während der ersten Corona-Welle im Shutdown.

Natürlich sei es auch denkbar, dass sich diese Kinder bei ihren Eltern infizierten, «aber die Studien zeigen, dass sich Kinder in erster Linie untereinander infizieren in der Schule und dann ihre Eltern infizieren», sagte Lauterbach. «Wenn es so weiter läuft, würden wir erwarten, dass wir das, was wir in den Restaurants, in den Gaststätten und dergleichen erkämpfen, dass wir das in den Schulen verlieren, und zwar komplett.»

Er plädiere «ohne Wenn und Aber» dafür, Schulklassen zu halbieren. Man habe sieben oder acht Monate Zeit gehabt, das Lernen von zu Hause aus vorzubereiten. Viele Länder in Skandinavien oder auch in Asien hätten das geschafft. Grundschulen nahm er von seinen Appellen aus, weil die Infektionszahlen hier geringer seien und das Ansteckungsrisiko geringer erscheine.

Mit Blick auf gesellschaftliche Entbehrungen sagte der Epidemiologe, man müsse sich «am Riemen reißen». Ein Teil der Menschen werde später auf eine verschobene Hochzeit zurückblicken, während andere mit Spätfolgen der Krankheit zu kämpfen hätten.

Bildungsverband fordert Corona-Register für Schulen und Kitas

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Niedersachsen hat die Schaffung eines bundesweiten Corona-Registers zur Erfassung von Infektionsdaten an Schulen und Kitas gefordert. Diese könnten dann als verlässliche Entscheidungshilfen für Corona-Maßnahmen an Schulen und Kindergärten dienen, teilte der VBE am Montag in Hannover mit. Bisher gebe es nur ein diffuses Bild über das tatsächliche Infektionsgeschehen an Schulen.

Der Verband kritisierte die Ablehnung der Bundesländer und auch Niedersachsens, vom Bund geforderte Maßnahmen wie halbierte Klassen oder eine Maskenpflicht für alle Schüler sowie Abstandsregeln im Schülertransport umzusetzen. Dies sei ein Spiel auf Zeit, die Zeit aber laufe davon, sagte der VBE-Landesvorsitzende Franz-Josef Meyer.

«Die Politik kann nicht weiter tatenlos zuschauen, wie sich das Virus rasant auch in den Schulen ausbreitet», so Meyer. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) müsse den Infektionsschutz zur Chefsache machen. «Die Politik muss jetzt ihre Handlungsfähigkeit beweisen.» Die Gesundheit der Lehrkräfte und der Schülerschaft dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Bei den am Montagabend noch andauernden Beratungen von Bund und Ländern zur Eindämmung des Coronavirus zeichnete sich ab, dass die Länder Pläne des Bundes für weitergehende Maßnahmen entschärfen wollten. Anders als in der Ursprungsfassung des Bundes verschwand bei den Ländern auch der Punkt Schulen praktisch vollends aus dem Entwurf. War dort ursprünglich unter anderem noch die Forderung nach einer Maskenpflicht für alle Schüler und Lehrer im Unterricht und auf dem Schulgelände enthalten, heißt es in der Länderfassung nur noch, dass die Offenhaltung von Schulen und Betreuungseinrichtungen im Präsenzunterricht «eine hohe politische Priorität» habe.

 

15.11.2020 15.45 Uhr

Kaum Maskenverweigerer an den Schulen im Norden

Die Maskenpflicht an Schleswig-Holsteins Schulen wird von 99,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler eingehalten. «Eine aktuelle Abfrage an unseren Schulen hat ergeben, dass landesweit nur etwa 1400 Schülerinnen und Schüler keine Maske tragen», teilte Bildungsministerin Karin Prien am Sonntag mit. Davon könne nur knapp ein Viertel keine medizinischen Gründe glaubhaft machen. «Die sogenannten "Maskengegner" sind kein weit verbreitetes Problem», sagte die CDU-Politikerin.

Am Freitag hatte das Oberverwaltungsgericht in Schleswig-Holstein die seit zwei Wochen geltende Regelung bestätigt. Demnach muss auch in den Grundschulen während des Unterrichts ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden, wenn die 7-Tages-Inzidenz in dem Landkreis über 50 liegt. «Die Pandemiebekämpfung ist eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Gesellschaft», betonte Prien. «Schule und Elternhäuser müssen Hand in Hand arbeiten.»

100 Millionen Euro für Corona-Schutzmaßnahmen in Schulen und Kitas

Das Land Hessen unterstützt Corona-Schutzmaßnahmen in Schulen und Kitas mit insgesamt 100 Millionen Euro. «Die Bildungseinrichtungen sollen möglichst offenbleiben. Dabei steht die Sicherheit der jungen Menschen sowie der Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher immer im Fokus», heißt in einer am Sonntag veröffentlichten Mitteilung von Landesregierung und Kommunalen Spitzenverbänden. Die Gelder seien «ein weiterer wichtiger Baustein (...), mit dem es den Schulen und Kitas hoffentlich gelingen wird, sicher durch den Winter und die Pandemie zu kommen».

Die Landesregierung unterstütze Kreise und Städte mit einer Kofinanzierung in ihren Anstrengungen, Schulen und Kitas «coronafest» zu machen. Die Gelder sollen beispielsweise dafür eingesetzt werden, die Belüftung in den Einrichtungen zu verbessern - etwa durch die Anschaffung von mobilen Luftreinigungsanlagen für Klassenräume und Kitas, in denen ein regelmäßiges Stoßlüften nicht ausreichend möglich ist. Nach Auffassung von Experten ist regelmäßiges Lüften ein wirksames Mittel, um die Ausbreitung des Coronavirus in geschlossenen Räumen einzudämmen.

GEW und Eltern: Nicht nur starr am Präsenzuntericht festhalten

Die Corona-Pandemie belastet zunehmend den Schulalltag: Deshalb fordern GEW und Eltern in Schleswig-Holstein neben dem Präsenzunterricht auch besseren Hybridunterricht. Gewerkschaft und Landeselternbeirat weisen auf Widersprüche und Schwachstellen hin.

Wegen der steigenden Corona-Belastungen an den Schulen fordern die Bildungsgewerkschaft GEW und der Landeselternbeirat Gymnasien Konsequenzen an Schleswig-Holsteins Schulen. «Das Bildungsministerium verdrängt statt zu handeln», sagte GEW-Geschäftsführer Bernd Schauer der Deutschen Presse-Agentur. «Dabei können wir das wachsende Gesundheitsrisiko für alle an Schule Beteiligten doch nicht einfach ausblenden.»

Die Landesregierung müsse endlich handeln. «Wir erwarten von Bildungsministerien Karin Prien (CDU), ihren eigenen Pandemie-Plan aus dem August und die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) in die Tat umzusetzen.» Demnach sollen Klassen halbiert werden, wenn ein Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen erreicht wird. «Das ist in Schleswig-Holstein leider inzwischen vielerorts der Fall», sagte Schauer. Im Landesdurchschnitt hatte Schleswig-Holstein Stand Freitag einen Inzidenzwert von 53,2, bundesweit lag der Wert bei 140,4.

Laut Bildungsministerium in Kiel waren zuletzt 205 Kohorten - also einzelne Schülergruppen, Klassen oder ganze Jahrgangsstufen - wegen Corona-Fällen oder (möglichen) Corona-Kontakten vom Präsenzunterricht in den Schulen ausgeschlossen und mussten zu Hause bleiben. Damit hat sich die Zahl der betroffenen Kohorten seit dem 30. Oktober (damals 95 Kohorten) in zwei Wochen mehr als verdoppelt. Komplett geschlossen waren zuletzt fünf Schulen, Ende Oktober waren es noch zwei. Ministerin Prien hat wiederholt betont, dass die Schulen keine Corona-Hotspots seien, und Präsenzunterricht durchweg erteilt werden solle, wo dies möglich sei.

«Jetzt Wechselunterricht ist viel besser, als später immer mehr Schulen in einen vollständigen Lockdown zu schicken», sagte Schauer. Lehrkräfte mit Vorerkrankungen müssten vom Präsenzunterricht ausgenommen werden. Aus Sicht der GEW bedarf es außerdem einer einheitlichen Linie der Gesundheitsämter bei Quarantäneanordnungen für Schüler und Lehrkräfte. «Da beobachten wir eine uneinheitliche Praxis, die in den Schulen Verwirrung stiftet», sagte Schauer.

Dieselbe Kritik äußerte auch Claudia Pick, Vorsitzende des Landeselternbeirats Gymnasien Schleswig-Holstein. Die Gesundheitsämter würden manchmal nur die Tischnachbarn von mit Sars-CoV-2 infizierten Schülern in Quarantäne schicken, manchmal dagegen ganze Klassen. «Das verunsichert und ist ein Flickenteppich.»

Auf Unverständnis stößt laut Pick der Widerspruch, dass im Supermarkt Abstand gehalten und ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden müsse - während in den Schulen zwar auch Maskenpflicht herrsche, aber die Abstände meist nicht einzuhalten seien. Und in den Schulbussen stünden die Kinder «im Zentimeterbereich» nebeneinander. «Es ist eng im Schulbus, wie passt das zum Rest der Situation?» Viele Eltern sorgten sich um die Gesundheit der Kinder, sagte Pick.

Wie die GEW empfahl auch Pick mehr Hybridunterricht, bei dem ein Teil der Klasse direkt vom Lehrer unterrichtet wird und andere Schüler übers Internet von zu Hause zugeschaltet sind. Die Schulen seien dafür sehr unterschiedlich aufgestellt. Es gebe praktische Probleme wie unzureichendes WLAN in Schulen, mangelndes technisches Wissen bei Lehrern, Datenschutz-Aspekte und pädagogische Probleme wie «oh, jetzt spricht die Lehrerin nur mit den Zugeschalteten». Deshalb sei es wichtig, Hybridunterricht frühzeitig zu üben.

Ziel müsse sein, eine Unterrichtsversorgung auch zu Hause sicherzustellen. Und nicht nur Schüler nach Hause zu schicken und ihnen Aufgaben mitzugeben, was in der Praxis häufig geschehe, sagte Pick. Schüler hätten auch Sorge, den für Prüfungen notwendigen Stoff zu Hause nicht vermittelt zu bekommen. Unterrichtslücken seien so schon im Frühjahr entstanden - und drohten jetzt erneut.

Bildungsforscher: Ältere Schüler sollten bis März von zu Hause lernen

In der Debatte um Schulschließungen aufgrund der Corona-Infektionslage hat der Kieler Bildungsforscher und Psychologe Olaf Köller dafür geworben, zumindest ältere Schüler digital von zu Hause zu unterrichten. Programme für den Distanzunterricht sollten dabei langfristig bis Ende März angelegt werden und nicht nur bis Weihnachten, sagte Köller, der an mehreren Stellungnahmen der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, zur Corona-Pandemie mitgeschrieben hat.

Angesichts der aktuellen Lage müssten die jüngeren Klassen zudem wieder verkleinert und Abstände untereinander vergrößert werden. «So lange wir keine Massenimpfungen haben und es kalt und winterlich ist, wird das Infektionsgeschehen problematisch bleiben», so Köller.

Am Montag beraten die Regierungschefs von Bund und Ländern in einer Videoschalte über die aktuelle Lage und den weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie. Zentral ist die Frage, ob die geltenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens verlängert oder ausgeweitet werden sollen. Dabei könnte es angesichts einer steigenden Zahl von Corona-Fällen und Quarantäne-Anordnungen bei Lehrkräften und Schülern auch darum gehen, wie die Schulen offen gehalten werden können.

Wissenschaftler Köller nannte für seinen Vorschlag mehrere Gründe. Zum einen könnten ältere Schüler mit dem Distanzlernen über mehrere Wochen hinweg besser umgehen als jüngere. Zum anderen müssten sie nicht von den Eltern betreut werden.

Wenn die älteren Jahrgänge von zu Hause aus lernten, gebe es zudem in den Schulen mehr Räume, um die jüngeren Jahrgänge zu verteilen, argumentierte der Wissenschaftliche Direktor des Leibniz-Instituts für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik. Auch mit Blick auf die Ausbreitung des Virus ist es aus seiner Sicht sinnvoll, Jugendliche aus den Schulen zu nehmen. Die Hoffnungen, dass Schüler weniger infektiös seien, habe sich nicht erfüllt. Vielmehr gebe es gerade bei jungen Menschen eine hohe Dunkelziffer, weil sie infiziert seien, ohne Krankheitssymptome zu zeigen.

Altmaier für Unterricht in geschlossenen Gaststätten und Hotels

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat Schulunterricht in geschlossenen Gaststätten und Hotels vorgeschlagen, um die Abstandsregeln besser einhalten zu können. Er würde sich wünschen, «dass die physischen Möglichkeiten der Kommunen noch besser ausgeschöpft werden», sagte der CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». «In Klassenräumen ist es oft schwer, den ausreichenden Abstand einzuhalten», begründete Altmaier seinen Vorstoß. «Ich würde es begrüßen, wenn der Unterricht deshalb auch zum Beispiel in Gemeindezentren, Kulturhäusern oder in den ungenutzten Räumen von Gaststätten und Hotels stattfinden würde.»


14.11.2020 19.30 Uhr

Vor Bund-Länder-Schalte: Debatte über Schulen im Fokus

Die Verlängerung der Corona-Beschränkungen scheint unumgänglich. Ins Zentrum der Debatte könnten am Montag bei der Schaltkonferenz von Bund und Ländern auch die Schulen rücken. Sie sollen unbedingt geöffnet bleiben - strittig sind die Maßnahmen dazu.

Vor der Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel rückt die Debatte über den Umgang mit den Schulen angesichts der hohen Infektionszahlen in den Fokus. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich dafür aus, die Schulen auf jeden Fall offen zu halten, warnte aber vor einer Fortsetzung des bisherigen Schulbetriebs. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte eine Entscheidung für Wechsel zwischen Home-Schooling und Präsenzunterricht. Sicher scheint, dass die im November verhängten Corona-Beschränkungen wohl fortgesetzt werden.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will zwei Wochen nach dem Start der für November angesetzten jüngsten bundesweiten Kontaktbeschränkungen an diesem Montag (14.00 Uhr) mit den Ministerpräsidenten der Länder eine Zwischenbilanz ziehen. Die Bundesregierung hat bereits klar gemacht, dass sie angesichts der bis zuletzt gestiegenen Zahlen derzeit keinen Anlass für Lockerungen sieht. Freizeiteinrichtungen sind derzeit geschlossen, Hotels dürfen keine Touristen beherbergen.

Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag): «Wir kommen in eine Situation hinein, wo der Schulbetrieb für Kinder, Lehrer, Eltern und Großeltern zu einem hohen Risiko wird.» Er riet dazu, die Schulklassen aufzuteilen und «im Winter durchgehend mit Maske» zu unterrichten. Kinder im Alter von 10 bis 19 seien so ansteckend wie Erwachsene. Jedenfalls gehe er davon aus, dass der «Wellenbrecher-Shutdown» verlängert werden müsse. «Neben den Schulen ist eine zu geringe Beschränkung privater Kontakte wahrscheinliche Ursache.»

Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, forderte von der Politik, bei den Corona-Beratungen Wechselunterricht ab einem Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von 50 zu beschließen. «Ich erwarte, dass es eine Entscheidung für den Wechselunterricht gibt», sagte sie der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). «Wir müssen die Gesundheit von Lehrern, Schülern und deren Eltern schützen.» Der Präsenzunterricht sei sehr wichtig, aber nicht um jeden Preis.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) lehnt die Idee etwaiger Schulschließungen wie im Frühjahr strikt ab. «Wir haben in einem großen Kraftakt viele Bereiche des öffentlichen Lebens geschlossen, damit Kitas und Schulen offenbleiben können, weil wir schmerzlich erfahren haben, wie sehr viele Kinder und ihre Familien in der Zeit der Schulschließung gelitten haben», sagte sie der «Rheinischen Post». «Daher halte ich die Diskussion um Schulschließungen aktuell für falsch.»

Derweil stellte Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus die Bürger auf weitere harte Wochen ein. Damit nicht wie bei europäischen Nachbarn deutliche schärfere Mittel wie Ausgangssperren, Schließungen von Geschäften und Massentests nötig seien, «müssen wir (..) in den nächsten Wochen erhebliche Anstrengungen unternehmen», schrieb der CDU-Politiker in einem der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegenden Brief an die Mitglieder der Unionsfraktion. Nach zwei Wochen Teil-Lockdown stelle man fest: «Der Trend bei Corona ist leider noch nicht durchbrochen.» Ziel sei es, «von den hohen Zahlen runterzukommen - nicht nur, die Dynamik des Anstiegs abzuschwächen».

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) stellte für die Ministerpräsidentenkonferenz eine «ungeschminkte Bestandsaufnahme über die Pandemielage in Deutschland» und eine mögliche Verschärfung der Schutz-Maßnahmen in Aussicht. «Wir müssen kritisch prüfen, ob unsere bislang ergriffenen Maßnahmen ausreichen, um das Infektionsgeschehen in Griff zu bekommen, oder ob wir und wo wir gegebenenfalls nachbessern oder sogar noch nachschärfen müssen», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag).

Die Veranstaltungs- und Messebranche forderte die Politik auf, langfristige Hilfsstrategien für ihren Wirtschaftszweig zu entwickeln. Zunächst sei die Event-Branche zufrieden mit den konkretisierten Novemberhilfen, sagte Tom Koperek, Mitgründer des Aktionsbündnisses «Alarmstufe Rot» der Kultur- und Veranstaltungsbranche, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). Die Branche trage alle Maßnahmen mit, müsse sich dann aber auch auf kontinuierliche Hilfsmaßnahmen verlassen können, so lange die Krise dauert.

Der Zentralverband der Messe-Veranstalter kritisierte, dass die Bundesregierung auch Wirtschaftsmessen als «Freizeit-nahe Veranstaltungen» eingestuft und untersagt habe. «Der zweite Lockdown verhindert für viele Unternehmen Geschäftschancen, die sie dringend brauchen», sagte der Geschäftsführer des Verbands der deutschen Messewirtschaft (AUMA), Jörn Holtmeier, dem RND.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) appellierte an Merkel und die Ministerpräsidentenkonferenz, bei ihrem Treffen von einer Verlängerung der Corona-Einschränkungen abzusehen. «Wir erwarten, dass nicht schon am Montag Entscheidungen für Dezember getroffen werden», sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges der «Rheinischen Post» (Samstag). Die Entwicklung des Infektionsgeschehens solle abgewartet werden.

Lauterbach wies darauf hin, neue Studien bestätigten die enorme Bedeutung von Restaurants, Cafés, Bars, Hotels und Fitnessräumen für die Ausbreitung des Coronavirus. «Genau dort entstehen Superspreader-Ereignisse», sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Wenn wir diese Orte wieder öffnen wie vor dem Shutdown, sind wir in kürzester Zeit wieder dort, wo wir waren: im exponentiellen Wachstum.»

Derweil forderten Deutschlands Klinikärzte die Bundesländer mit vielen Corona-Fällen zu einem Stopp verschiebbarer Eingriffe in den Krankenhäusern auf. In einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Erklärung kritisieren die Ärzteorganisation Marburger Bund und die intensivmedizinischen Fachgesellschaften, dass Krankenhäuser aus Umsatzgründen ihre Kapazitäten nicht auf Covid-19-Patienten konzentrierten. «Die Krankenhäuser in stark belasteten Regionen müssen unverzüglich von der Politik aufgefordert werden, plan- und verschiebbare stationäre Eingriffe je nach Belastungssituation zu reduzieren beziehungsweise einzustellen.»

In Deutschland haben die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 22 461 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet. Das sind 1 081 Fälle weniger als am Freitag, wie aus den Angaben des RKI vom Samstagmorgen hervorgeht. Auch im Vergleich zum Samstag vergangener Woche ist der Wert etwas niedriger. Zu dem Zeitpunkt hatte die Zahl gemeldeter Neuinfektionen bei 23 399 gelegen.

Ziel der Bundesregierung ist es, an eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 heranzukommen. Erst dann sei es wieder möglich, dass die Gesundheitsämter einzelne Kontakte von Infizierten nachvollziehen könnten. Diese Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche liegt seit Tagen deutlich über 130.

Landeselternrat: Gesundheitsschutz an Schulen nicht nachvollziehbar

Die Situation an niedersächsischen Schulen in der Corona-Krise halten viele für unübersichtlich. Kritik gibt es auch an einer mangelhaften Umsetzung von Quarantäne-Maßnahmen. Den Elternrat stört die ständige Wiederholung einer Behauptung ohne einen Beleg.

Am niedersächsischen Konzept für Schulen in der Corona-Krise gibt es weiter Kritik. «Bisher wird in der Schule der geringstmögliche Gesundheitsschutz angewandt, das ist nicht nachvollziehbar», sagte die Vorsitzende des Landeselternrats, Cindy-Patricia Heine. Für mehr direkten Infektionsschutz fordert sie etwa das Aufstellen von Plexiglaswänden, damit im Unterricht auf Masken verzichtet werden könne. Mit überlasteten Gesundheitsämtern könne derzeit kein Gesundheitsschutz gewährleistet werden.

Für den Elternrat sei es unstrittig, dass alle Präsenzunterricht wollen, aber natürlich immer unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln, sagte Heine. Gesundheitsschutz werde gesellschaftlich überall gefordert und reglementiert, aber in den Schulen einfach weggelassen, ganz zu schweigen vom öffentlichen Nahverkehr, sagte sie. Der Elternrat hatte es mehrfach als Problem bezeichnet, dass in öffentlichen Verkehrsmitteln und Schulbussen die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können.

Das Kultusministerium in Hannover hatte unter der Woche mitgeteilt, dass es seit Beginn des Schuljahres Ende August 1900 positive Corona-Tests bei Schülern gegeben habe. Hinzu kommen dem Corona-Meldeportal der Landesschulbehörde zufolge 334 positive Tests bei Lehrern sowie 167 positive Tests bei weiteren Schulbeschäftigten. Das Ministerium von Grant Hendrik Tonne (SPD) sah sich angesichts dieser Zahlen mit Blick auf den Meldezeitraum von zweieinhalb Monaten und 1,1 Millionen Menschen an den Schulen darin bestätigt, dass die Schulen «keine Infektionstreiber» seien.

Der Landeselternrat kritisiert, dass diese Aussage auch von der Kultusministerkonferenz kommt. «Das ist lediglich eine These ohne irgendeinen Nachweis, wird aber immer wieder als Hinweis und Bestätigung vorgetragen», sagte die Ratsvorsitzende Heine.

Keine Schulen geschlossen - aber 1022 Schüler positiv getestet

In Berlin sind keine Schulen wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Allerdings sind derzeit 1022 Corona-Fälle bei Schülerinnen und Schülern sowie 341 bei Mitgliedern des Personals an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen bekannt. Das geht aus den Daten hervor, die die Senatsverwaltung für Bildung am Freitag veröffentlicht hat. Die Zahlen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. 622 Lerngruppen sind aktuell geschlossen. An öffentlichen beruflichen Schulen gibt es 251 bestätigte Corona-Fälle unter den Schülern und 21 beim Personal sowie 56 geschlossene Lerngruppen.

Berlinweit bieten aktuell aber nur zwei Schulen keinen Regelunterricht mehr an. Sie sind bei einer Überprüfung aller Schulen durch die Gesundheitsämter in die Stufe Rot eingeordnet worden. Damit müssen sie auf kleinere Lerngruppen und eine Mischung aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause umstellen. 44 Schulen sind aktuell in Stufe Grün und 586 in Stufe Gelb eingeordnet worden. Auf der orangenen Stufe befinden sich 178 Schulen. Je nach Stufe sind laut Corona-Stufenplan unterschiedliche Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorgesehen.

Unabhängig davon, in welcher Corona-Stufe sich eine Schule befindet, gilt ab Mittwoch eine generelle Maskenpflicht auch im Unterricht für alle Klassen an weiterführenden Schulen und an den Berufsschulen. Das teilte die Bildungsverwaltung am Freitag mit. Der Unterrichtsbeginn soll zudem über zwei Stunden gestreckt werden, so dass nicht alle Schüler gleichzeitig morgens in den Bahnen und Bussen sitzen.

In Berlin werden laut Bildungsverwaltung an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen im laufenden Schuljahr rund 330 000 Schülerinnen und Schüler von rund 39 900 Lehrkräften unterrichtet. An den öffentlichen beruflichen Schulen sind es etwa 70 000 Schülerinnen und Schüler und 4100 Lehrkräfte.

Gegenwind für Kultusminister - Maskenpausen für Schüler

Bis ein Lehrer-Funktionär die Fassung verliert, muss viel passieren. Doch die Corona-Verhältnisse an den Schulen zehren an den Nerven der Beteiligten. Das bekommt Kultusminister Piazolo immer deutlicher zu spüren. Der verkündet derweil ein paar gute Nachrichten für Schüler.

Der Ton wird rauer, der Gegenwind deutlicher: Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sieht sich zunehmender Kritik von Lehrern und Eltern ausgesetzt. Am Freitag forderte die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände samt entsprechender Elternverbände die Abkehr von der «Strategie des Offenhaltens der Schulen um jeden Preis». Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern teilte mit, dass dringend ein Gesamtkonzept für den Unterricht unter Pandemiebedingungen benötigt werde. «Der Schlingerkurs des Kultusministeriums muss aufhören!»

Piazolo zeigte Verständnis. «Wir nehmen das sehr, sehr ernst. Es ist viel Nervosität da im Moment», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe eine ganze Reihe von Herausforderungen, etwa beim Gesundheitsschutz. Für ihn und das Ministerium gelte: «Man muss immer wieder kommunizieren, man muss aber auch die Themen aufnehmen und einzeln angehen.»

Entsprechend verkündete er neue Regeln für erkältete Schüler und erfüllte damit einen weit verbreiteten Elternwunsch. Auch in den weiterführenden Schulen dürfen die Kinder und Jugendlichen künftig bei einer leichten Erkältung ohne Gang zum Arzt in den Unterricht zurückkehren - sofern sie 48 Stunden lang kein Fieber bekommen haben. Ein ärztliches Attest oder ein negativer Corona-Test sind auch bei höheren Fallzahlen in der jeweiligen Region nicht mehr erforderlich.

Piazolo wies zudem auf Maskenpausen hin. Unter Einhalten des Mindestabstandes dürfe der Mund-Nasen-Schutz auf den Pausenflächen abgesetzt werden. Dies gelte sowohl auf dem Pausenhof als auch innerhalb des Schulgebäudes - letzteres unter der Prämisse, dass der Raum dabei zugleich intensiv gelüftet werde.

Die Staatsregierung hatte das Beibehalten von Präsenzunterricht in den Schulgebäuden unabhängig von den Infiziertenzahlen in der jeweiligen Region zu einem der wichtigsten Ziele während der Corona-Pandemie erklärt. Einen vollständigen Wechsel in den Distanzunterricht soll es nur noch bei einem schweren Infektionsgeschehen in der Schule selbst geben.

«Der derzeitig durchgeführte Vollunterricht auf "Biegen und Brechen" unter den bestehenden Bedingungen und ständig steigenden Infektionszahlen ist nicht die richtige Lösung!», kritisierten nun Philologenverband, Realschullehrerverband, der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen sowie die Katholische Erziehergemeinschaft gemeinsam mit den entsprechenden Elternverbänden.

Sie wiederholten eine Forderung, die sich seit Wochen durch die Diskussion zieht: «Die Schulen, Lehrkräfte und Eltern brauchen Klarheit und einheitliche Vorgehensweisen bei vergleichbaren Situationen und erreichten Infektionsgrenzwerten.» Zudem müsse Präsenzunterricht mit maximalem Gesundheitsschutz einhergehen. Außerdem dürften den Kindern und Jugendlichen durch die Pandemie keine Nachteile entstehen: «Unterrichtsinhalte, Anzahl der Leistungsnachweise und Inhalte der jeweiligen Abschlussprüfungen müssen im Sinne einer Schwerpunktsetzung der Situation angepasst werden.»

Schon am Donnerstag hatten die großen bayerischen Elternverbände harsche Kritik geübt und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) um Hilfe gebeten. Sie forderten klare Regeln. Außerdem solle der Unterricht auf den Kern des Lehrplans reduziert werden. Einzelne Schüler, die sich in Quarantäne befinden, müssten Distanzunterricht erhalten. Ebenso solle ein freiwilliger Distanzunterricht möglich sein, indem der Unterricht live gestreamt werde.

Die Forderungen stießen auf Widerspruch des Philologenverbands. «Man hat fast das Gefühl, dass die Eltern nun alles selbst an den Schulen entscheiden wollen», kritisierte der Vorsitzende Michael Schwägerl. «Eltern sind allerdings nicht der oberste Dienstherr der Lehrkräfte.» Der Streit zeugt von der allgemeinen Anspannung, die am Freitag nach Teilnehmeraussagen auch auf einem «kleinen Schulgipfel» mit Eltern, Schülern und Lehrern von Gymnasien zu spüren war.

Saarland stellt 250 000 FFP2-Masken für Lehrer bereit

Auf Wunsch vieler Lehrer stellt das saarländische Bildungsministerium kurzfristig 250 000 FFP2-Masken für Beschäftigte an Schulen bereit. Die Masken sollten den Schutz in Situationen erhöhen, in denen Lehrer und Schüler engeren Kontakt hätten, teilte das Bildungsministerium am Freitag in Saarbrücken mit. Eine Pflicht zum Tragen einer Maske für Lehrkräfte gebe es weiterhin nicht. Schüler ab der 5. Klasse dagegen müssen im Unterricht eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

250 000 FFP2-Masken sollten in der kommenden Woche verteilt werden, teilte das Ministerium mit. Weitere 250 000 seien bestellt, um den künftigen Bedarf zu decken. Die Masken würden im Rahmen der sogenannten Wunschvorsorge zur Verfügung gestellt. «Wir nehmen die Bedürfnisse unserer Lehrkräfte und aller Beschäftigten an unseren Schulen sehr ernst», sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD).

FFP2-Masken schützen den Träger wirksamer vor einer Ansteckung mit dem Virus als eine einfache OP-Maske oder eine Alltagsmaske aus Stoff. «Diese Entscheidung ist ein wichtiges Signal», teilte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Saar-Landtag, Frank Wagner, mit. «Es ist eine Erleichterung für die Lehrkräfte, dass nun doch die geforderten FFP2-Masken bereitgestellt werden.»

 

13.11.2020 11.00 Uhr

Lehrer warten weiter auf Dienstlaptops

Die Digitalisierung an Niedersachsens Schulen kommt nach Einschätzung der Grünen nicht voran. Das sei «ernüchternd», sagte deren Chefin der Landtagsfraktion, Julia Willie Hamburg, der «Braunschweiger Zeitung» (Freitag) zu einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen. «Die Lehrkräfte brauchen dringend Laptops, gerade in der aktuellen Corona-Lage ist das vorrangig», sagte die Politikerin der Zeitung.

In der Anfrage ging es um die Frage: «Auf welche Weise erfolgt die Ausstattung von Lehrkräften mit Dienstlaptops?» Das Kultusministerium wies in seiner Antwort auf den Beschluss hin, «Anstrengungen für den Ausbau digitaler Lehr-, Lern- und Kommunikationsmöglichkeiten für Schulen, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte zu intensivieren». Gemeint seien auch digitale Endgeräte für Lehrer.

Laut dem Ministerium unter Führung von Grant Hendrik Tonne (SPD) werde derzeit zwischen Bund und Ländern eine Vereinbarung zur Förderung dienstlicher Leihgeräte für Lehrkräfte ausgehandelt. Auf deren Grundlage solle dann eine Förderrichtlinie für die Umsetzung in Niedersachsen entwickelt werden. Dazu gehöre auch eine öffentliche Anhörung, dann folgten Antragsverfahren und Beschaffung. Den Grünen geht das nicht schnell genug.

«Die von Minister Tonne versprochene schnelle Anschaffung von Laptops droht zu einem weiteren Kapitel der Schlagzeilen-Politik unserer Landesregierung zu werden», beklagte die Grünen-Fraktionschefin. «Den Schulen helfen diese Ankündigungen allerdings wenig, wenn das Kultusministerium zur Digitalisierung seine Hausaufgaben nicht mit dem gebotenen Tempo macht.»

Digitale Ausstattung an deutschen Schulen unter dem EU-Durchschnitt

Bei der digitalen Ausstattung liegen deutsche Schulen unter dem EU-Durchschnitt. Besonders drastisch sei die Lage an den Grundschulen von Klasse eins bis vier, heißt es in einem EU-Bildungsbericht, den die Europäische Kommission am Donnerstag vorstellte. Im Schuljahr 2017/18 besuchten demnach nur neun Prozent der Kinder in Deutschland eine «gut digital ausgestattete und vernetzte Schule» - das sind 26 Prozentpunkte weniger als der EU-Durchschnitt.

Nur ein Drittel der deutschen Schulen war laut Bericht digital gut auf den Corona-Lockdown vorbereitet. 35 Prozent der Lehrer standen während des Lockdowns sehr regelmäßig mit allen ihren Schülerinnen und Schülern in Kontakt. Etwa zehn Prozent der Pädagogen hatten hingegen sehr wenig oder gar keinen Kontakt.

Oft mangele es den Schülern an einfachsten IT-Kenntnissen, heißt es in dem Bericht. Unterdurchschnittliche Kenntnisse bei grundlegenden IT-Anwendungen seien in Deutschland bei 33,2 Prozent der Schülerschaft zu beobachten. In Frankreich (43,5 Prozent) und Italien (62,7 Prozent) liegen diese Werte sogar noch höher.

Eine Sonderauswertung der im September veröffentlichten Pisa-Ergebnisse kam zu einem ähnlich ernüchternden Befund. Demnach hatten zum Zeitpunkt der Pisa-Erhebung 2018 in Deutschland nur 33 Prozent der Schüler Zugang zu einer Online-Lernplattform; im OECD-Schnitt waren es mehr als 54 Prozent. Deutschland landete damit in der Schlussgruppe. In Singapur, einigen chinesischen Metropolen oder Dänemark hatten schon 2018 den Angaben zufolge mehr als 90 Prozent der Schüler Zugang zu Lernplattformen.

Stuttgart will Luftreiniger an ausgewählten Schulen testen

Wegen der Corona-Pandemie will die Stadt Stuttgart Klassenzimmer, die nicht gut gelüftet werden können, probeweise mit Luftreinigern ausstatten. Es wurden zehn Räume an neun Schulen unterschiedlicher Schularten ausgewählt, in denen die Geräte zum Einsatz kommen sollen, wie die Landeshauptstadt am Donnerstag mitteilte. Es handle sich um einen Versuch, der von der Universität Stuttgart wissenschaftlich begleitet werde.

Die Geräte sollen aber kein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes, Stefan Ehehalt. Um der Ausbreitung von Viren vorzubeugen, habe an Schulen das Stoßlüften oberste Priorität. Luftreiniger können laut Ehehalt aber eine sinnvolle Ergänzung sein. 

Die Geräte können demnach Staub, Pollen und andere Partikel aus der Luft filtern, führen aber keine frische Luft zu. Der Versuch soll zeigen, wie wirksam die Filter sind und welche Gerätetypen sich für welche Räume eignen. Auch der Stromverbrauch und mögliche Gefahren, die von den Geräten ausgehen, sollen eine Rolle spielen. 

Auf Grundlage der Untersuchung soll den Angaben nach entschieden werden, ob Luftreinigungsgeräte künftig eingesetzt werden sollen. Zudem soll dadurch besser abgeschätzt werden können, welche Kosten dadurch auf die Stadt zukommen könnten. Im Vorfeld wurden für den Versuch rund 12 500 Schulräume inspiziert. Die Reinigungsgeräte sollen im Dezember aufgestellt werden.

Streit um längere Weihnachtsferien zum Corona-Schutz

Zwei Tage mehr Weihnachtsferien, um das Fest der Liebe vor Corona zu schützen? Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet preschte damit vor. Andere wollen nicht mitziehen.

Längere Weihnachtsferien zum Schutz vor Corona wie in Nordrhein-Westfalen soll es in mehreren anderen Bundesländern nicht geben. NRW will damit Familien besser vor einer Corona-Infektion rund um Weihnachten schützen. Andere Länder halten wenig von der Idee. Es geht darum, ob der letzte Schultag Freitag, 18. Dezember, oder Dienstag, 22. Dezember, ist. In neun Ländern fangen die Ferien ohnehin bereits am 21. Dezember an.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am Dienstag einen früheren Beginn der Winterschulferien in NRW um zwei Tage ins Spiel gebracht. «Die Idee ist nicht schlecht.» Hintergrund der Überlegungen ist, dass die Menschen einige Tage vor Weihnachten die Kontakte möglichst beschränken sollten, damit es bei den Familienfeiern nicht zu Ansteckungen kommt. Am Mittwoch gab NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) das Vorziehen bekannt.

Prompt regte sich Protest. Die Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Maike Finnern, sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur: «Aus Sicht der Familien kann die Maßnahme nur dann sinnvoll sein, wenn die Betreuung der Kinder gesichert ist und wenn sie wirklich die Zeit als vorgezogene Quarantäne nutzen, um zum Weihnachtsfest möglichst infektionsfrei zu sein.» Nicola Stroop, Vorstand des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter in NRW, nannte den Schritt «für Alleinerziehende eine Hiobsbotschaft».

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hingegen sprach im RBB-Inforadio von «einem pragmatischen Ansatz, den man diskutieren, den man machen kann». Planbarkeit für Eltern, Kinder, Lehrer und Erzieher sei wichtig.

Auch in Baden-Württemberg könnten die Schüler früher in die Weihnachtsferien starten - möglicherweise. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will das in die Verantwortung der Schulen geben und rief diese auf, die Weihnachtsferien durch bewegliche Ferientage um zwei Tage nach vorne zu verlängern. «Das ist sicher ein kluges Vorgehen, für das vieles spricht», sagte Eisenmann der «Südwest Presse» (Donnerstag). Die Entscheidung müssten aber die Schulen vor Ort treffen, das Vorgehen müsse örtlich einheitlich geregelt werden.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sagte hingegen: «Wir haben dann ein veritables Betreuungsproblem.» Familien hätten ihre Planungen mittlerweile abgeschlossen, auch ihre entsprechenden Urlaubsplanungen gemacht. Eisenmann riet Familien davon ab, die gewonnene Zeit bis zum 9. Januar für einen Urlaub zu nutzen.

Niedersachsen hält von einem Vorziehen nicht. Zwischen dem letzten Schultag und Heiligabend lägen dann lediglich fünf Tage - weniger als die Inkubationszeit von SARS-CoV-2 nach den aktuellen Erkenntnissen. «Die Botschaft von Scheinsicherheit zu senden, das können wir so nicht verantworten», sagte eine Ministeriumssprecher. Sollte sich die Erkenntnislage ändern, schließe man das aber nicht aus. Auch in Bremen ist das derzeit kein Thema, wie eine Sprecherin der Schulbehörde deutlich machte.

In einer am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen YouGov-Umfrage stimmten 63 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass es dieses Jahr einen bundesweit einheitlichen Beginn der Weihnachtsferien ab dem 21. Dezember geben sollte, damit eine längere Quarantäne-Zeit vor den Festtagen für die Schüler gewährleistet werden kann. 15 Prozent stimmten der Aussage nicht zu - 22 Prozent machten keine Angaben.

Schulen werden unterdessen immer mehr zu einem Ort des Infektionsgeschehens. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte: «Wir sehen immer mehr Ausbrüche in Schulen.» Zu beobachten seien hohe Neuinfektionszahlen in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen. Das Infektionsgeschehen werde in die Schulen und auch aus ihnen heraus getragen. «Wir wissen ja schon seit langer Zeit, dass natürlich auch Kinder infiziert werden können.» Hinweise auf eine geringere Sauerstoffversorgung und psychische Belastung von Kindern durch das Tragen von Mund-Nasen-Schutz gebe es nicht.

Nach einem Bericht der Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag) unter Berufung auf 14 Länder unterrichten rund 3000 Schulen in Deutschland nicht mehr im Regelbetrieb. Es geht um Schulen, die nicht mehr vollständig Präsenzunterricht anbieten. In Deutschland gibt es rund 40 000 Schulen mit insgesamt 11 Millionen Schülern und rund 800 000 Lehrern. Allein in Nordrhein-Westfalen befänden sich nach Angaben des dortigen Kultusministeriums Schülerinnen und Schüler an 552 Schulen auf Anordnung der Gesundheitsbehörden in Quarantäne und würden digital unterrichtet. In Baden-Württemberg gebe es an 273 Schulen keinen regulären Präsenzunterricht mehr.

In Bayern sind 24 der knapp 6200 Schulen wegen Corona-Infektionen geschlossen. Rund 34 500 Schülerinnen und Schüler sowie 2100 Lehrkräfte sind in Corona-Quarantäne. 2800 Kinder und Jugendliche sowie rund 400 Lehrer hatten am Donnerstag einen positiven Covid-19-Test, wie aus Daten des Kultusministeriums in München hervorgeht. Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte am Mittwochabend im ZDF-«heute journal», in seinem Bundesland gingen 95 Prozent der Schüler weiter regulär zur Schule.

GEW-Chefin Marlis Tepe geht der Corona-Schutz nicht weit genug. Sie sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag): «So wie im Moment unterrichtet wird, sind die Gesundheitsrisiken für Schüler und Lehrer zu hoch.» Die Klassen müssten geteilt werden. «Je eine Gruppe wäre dann in der Schule, eine zu Hause.» Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte sich für Maskenpflicht im Unterricht auch auf Grundschulen ausgesprochen. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte dem «Handelsblatt», alle Länder hätten «zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um den Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen möglich zu machen».


12.11.2020 11.00 Uhr

Land will in Corona-Krise mehr Geld für Schülerbeförderung ausgeben

Das Land Niedersachsen will mit einem erweiterten Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs das Corona-Ansteckungsrisiko auf dem Schulweg verringern. Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) will den Kommunen dafür insgesamt 30 Millionen Euro zur Verfügung stellen, wie der NDR am Donnerstag meldete. Einen entsprechenden Antrag müssten die Regierungsfraktionen nun in den Landtag einbringen, sagte ein Ministeriumssprecher dazu. Derzeit stehen in vielen Regionen Schülerinnen und Schüler dicht gedrängt in Bussen, Stadtbahnen und Zügen, um zur Schule zu kommen.

Baden-Württemberg für frühere Weihnachtsferien - Sachsen skeptisch

In Baden-Württemberg könnten die Schüler wegen der Corona-Pandemie früher in die Weihnachtsferien starten, so wie auch in Nordrhein-Westfalen geplant. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will das aber in die Verantwortung der Schulen geben und rief diese auf, die Weihnachtsferien durch bewegliche Ferientage um zwei Tage nach vorne zu verlängern. «Das ist sicher ein kluges Vorgehen, für das vieles spricht», sagte Eisenmann der «Südwest Presse» (Donnerstag). Die Entscheidung müssten aber die Schulen vor Ort treffen, das Vorgehen müsse örtlich einheitlich geregelt werden. Schüler würden dann in der Praxis nicht erst am Dienstag, 22. Dezember, in die Ferien entlassen, sondern schon am Freitag, 18. Dezember.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz ist da zurückhaltender. «Wir haben dann ein veritables Betreuungsproblem», sagte der CDU-Politiker am Donnerstag im MDR mit Blick auf die Eltern. «Familien haben ihre privaten Planungen mittlerweile abgeschlossen, auch ihre entsprechenden Urlaubsplanungen gemacht.» Zudem seien viele Eltern an dem Montag und Dienstag vor Weihnachten vermutlich noch berufstätig. «Über die zwei Tage muss man nochmal nachdenken, ich bin im Moment aber eher skeptisch», sagte er.

Eisenmann riet Familien davon ab, die gewonnene Zeit bis zum 9. Januar für einen Urlaub zu nutzen. «Ich bitte dringend darum, an Weihnachten nicht zu verreisen, sondern zu Hause zu bleiben», sagte die Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl 2021.

Nordrhein-Westfalen war bei der Ferienverlängerung vorangegangen. Um den Familien ein möglichst unbeschwertes Weihnachtsfest zu ermöglichen, habe man sich entschieden, den 21. und 22. Dezember freizugeben, hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch dem WDR gesagt, nachdem Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) dies angeregt hatte.

Einige Schulen nicht mehr im Regelbetrieb - Rufe nach mehr Schutz

Deutschland ist im Teil-Lockdown, aber die Schulen sollen offen bleiben. Ein Teil kann aber wegen Corona gar nicht mehr vollständig Präsenzunterricht anbieten. Verbände sorgen sich in der Pandemie um die Gesundheit von Lehrern und Schülern.

Rund 3000 Schulen in Deutschland unterrichten nach Medienberichten wegen Corona nicht mehr im Regelbetrieb. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag) unter Berufung auf Zahlen aus 14 Bundesländern. Es geht um Schulen, die nicht mehr vollständig Präsenzunterricht anbieten. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es rund 40 000 Schulen mit insgesamt 11 Millionen Schülern und rund 800 000 Lehrern.

Allein in Nordrhein-Westfalen befänden sich nach Angaben des dortigen Kultusministeriums Schülerinnen und Schüler an 552 Schulen auf Anordnung der Gesundheitsbehörden in Quarantäne und würden digital unterrichtet. In Bayern gebe es an 255 Schulen keinen regulären Präsenzunterricht mehr, in Baden-Württemberg an 273 Schulen.

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte am Mittwochabend im ZDF-«heute journal», in seinem Bundesland gingen 95 Prozent der Schüler weiter regulär zur Schule. «Das ist unter den Bedingungen, die wir im Moment in dieser Pandemie vorfinden, eine große Leistung.» Fernunterricht könne Präsenzunterricht nicht vollständig ausgleichen. Es müsse abgewogen werden zwischen dem Infektionsschutz einerseits und dem Bildungsauftrag andererseits.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, Marlis Tepe, gehen die Corona-Schutzmaßnahmen in den Schulen aber nicht weit genug. Sie sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag): «So wie im Moment unterrichtet wird, sind die Gesundheitsrisiken für Schüler und Lehrer zu hoch.» Die Klassen müssten geteilt werden. «Je eine Gruppe wäre dann in der Schule, eine zu Hause.» Für die Schüler sei es besser, rechtzeitig Klassen zu teilen und so im Unterricht Abstände einzuhalten, als zu riskieren, dass immer mehr Klassen komplett in Quarantäne müssten.

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, sagte dem RND, die Bestimmungen der Gesundheitsbehörden seien sehr unterschiedlich. «Wird in dem einen Landkreis die ganze Klasse in Quarantäne gesetzt, sind es in dem anderen nur die direkten Banknachbarn - wenn überhaupt, weil ja gelüftet wurde.» Das sei nicht nachvollziehbar und führe zu Unmut und Verunsicherung. Es brauche klare und transparente Regeln, wann wer in Quarantäne müsse.

Am Mittwoch hatte eine Angabe des Deutschen Lehrerverbandes für Wirbel gesorgt, wonach sich derzeit mehr als 300 000 Schüler und bis zu 30 000 Lehrer in Quarantäne befinden. Tepe meinte, es gebe dazu keine verlässlichen Angaben. «Die Zahl von 300 000 ist aus der Luft gegriffen.» Auch Beckmann sagte: «Wir wissen nicht, wie viele Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler in Quarantäne sind.»

Gebauer: Zwei Tage früher Weihnachtsferien für Schüler wegen Corona

Viele Schulkinder werden sich freuen: Die Winterferien werden zwei Tage früher beginnen als geplant. Damit soll das Infektionsrisiko bei den Familientreffen zu Weihnachten gesenkt werden. Aus Berlin kam vor der Entscheidung ein positives Echo, von der Opposition Kritik.

In Nordrhein-Westfalen können die Schüler wegen der Corona-Pandemie früher in die Weihnachtsferien starten als geplant. Um den Familien ein möglichst unbeschwertes Weihnachtsfest zu ermöglichen, habe man sich dazu entschieden, den 21. und 22. Dezember freizugeben, sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch dem WDR. Damit wird Freitag, der 18. Dezember, der letzte Schultag in diesem Jahr.

Sie wolle in den kommenden Tagen mit Lehrer-, Eltern- und Schülerverbänden klären, wie der Ausfall im laufenden Schuljahr kompensiert und wie eine Notbetreuung am 21. und 22. Dezember sichergestellt werden kann, kündigte Gebauer an. Eigentlich hätten die Winterferien am 23. Dezember begonnen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am Dienstag einen früheren Beginn der Winterschulferien in NRW um zwei Tage ins Spiel gebracht. Die Landesregierung werde das mit Verbänden erörtern, hatte Laschet gesagt. «Die Idee ist nicht schlecht.» Hintergrund der Überlegungen ist, dass die Menschen einige Tage vor Weihnachten die Kontakte möglichst beschränken sollten, damit es bei den Familienfeiern nicht zu Ansteckungen kommt. Die Ministerin sprach bei dieser Idee von einer «Vorquarantäne», die sie umsetzen wolle.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich positiv zu Überlegungen geäußert. «Das ist sicherlich ein Teil der Debatte», sagte Spahn am Mittwoch in der Sendung «Frühstart» der Fernsehsender RTL und ntv. Für Eltern, Kinder und Lehrer sei Planbarkeit wichtig. «Das wäre mit so einer Maßnahme gegeben.» Das könnte auch Teil der Debatte am Montag sein, wenn die Länderchefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die weiteren Schritte zur Pandemiebekämpfung beraten.

SPD-Oppositionsführer Thomas Kutschaty warf der Landesregierung in einer Mitteilung am Donnerstagabend einen «Zick-Zack-Kurs» vor, der «nur noch schwindelig mache». Noch vor wenigen Tagen habe Gebauer die Idee einer Verlängerung der Winterferien als untauglich bezeichnet. Außerdem kritisierte Kutschaty, dass die Landesregierung diese «bedeutende Maßnahme einsam und allein getroffen» habe, obwohl im Landtag an diesem Mittwoch Gelegenheit dazu gewesen wäre, das Parlament zu infomieren. «Die Leidtragenden sind einmal mehr die Schulen, Träger und Eltern, die unvorbereitet mit dieser Maßnahme konfrontiert werden.»


11.11.2020 11.30 Uhr

Sonderprogramm für mobile Lüftungsanlagen an Schulen bald abrufbereit

Das angekündigte Landesprogramm für mobile Luftfiltergeräte an nordrhein-westfälischen Schulen und Sporthallen kann in Kürze abgerufen werden. Gefördert würden bis zu 100 Prozent, aber höchstens 4000 Euro je Gerät, teilte NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf mit.

Insgesamt stellt das Land 50 Millionen Euro bereit. Das Geld ist vor allem für Unterrichtsräume, die weder über Fenster noch mit entsprechender Technik ausreichend gelüftet werden können. 73 Städte hätten dies für einzelne Unterrichtsräume gemeldet, die aber aktuell nicht genutzt würden, berichtete Scharrenbach. 315 Kommunen hätten dagegen angegeben, bei ihnen könnten sämtliche Unterrichtsräume intensiv gelüftet werden.

Gefördert werden könnten auch einfache bauliche Instandsetzungs- oder Umrüstungsmaßnahmen an Schulfenstern und entsprechende Maßnahmen in Sporthallen, erklärte die Ministerin. Derzeit erarbeite die Behörde einen bürokratiearmen Online-Antrag, der noch in diesem Monat bei den Bezirksregierungen freigeschaltet werden solle.

Gesundheitsamtsleiter gegen Schulschließungen

Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, hält im Kampf gegen die Corona-Pandemie Schulschließungen für unnötig. «Es gibt überhaupt keinen Grund, Schulen zu schließen», sagte der Seuchenexperte im Interview der «Frankfurter Rundschau» (FR/Mittwoch). «Diese Entscheidung hatte schon im Frühjahr kaum einen Anteil daran, dass die Zahlen gesunken sind.»

Forderungen in dieser Richtung seien «eine Entscheidung der Politik, für die es keine infektiologische Notwendigkeit gibt». Natürlich gebe es Infektionen in Schulen, «wir müssen aber die Frage beantworten: Finden Ansteckungen in den Schulen statt? Und das ist nicht der Fall. Wir wissen von kleineren Kindern, dass sie erheblich weniger ansteckend sind als Erwachsene. Das heißt: Lehrkräfte stecken Kinder an und nicht umgekehrt.»

Von Luftfiltern in Klassenräumen hält Gottschalk «gar nichts». Im schlimmsten Fall sorgten sie sogar dafür, dass mit Viren beladene Tröpfchen länger in der Luft blieben. Lüften sei viel wichtiger.

Mit dem zu erwartenden Impfstoff werde sich die Lage nach Gottschalks Einschätzung «im Frühjahr und Sommer» verbessern. In einem Jahr «werden wir eine deutliche Entspannung erreicht haben, da bin ich sehr optimistisch». Eigentlich sei er aber mit Prognosen vorsichtig geworden, sagte Gottschalk: «Da habe ich mich bei dieser Pandemie geirrt wie bei noch keiner anderen.»

Lehrerverband: Mehr als 300 000 Schüler in Deutschland in Quarantäne

Mehr als 300 000 Schüler und bis zu 30 000 Lehrer befinden sich derzeit nach Angaben des Deutschen Lehrerverbandes in Quarantäne. Das berichtet die «Bild»-Zeitung (Mittwoch). Die Folge seien immer mehr Schulschließungen, sagte der Präsident des Verbandes, Heinz-Peter Meidinger, der Zeitung. «Wir erleben an den Schulen jetzt einen Salami-Lockdown.» Die Politik habe sich zurückgezogen, jetzt entschieden die Gesundheitsämter. In Deutschland gibt es rund 40 000 Schulen mit insgesamt 11 Millionen Schülern und rund 800 000 Lehrern.

Die Corona-Maßnahmen in den Schulen gehen Meidinger nicht weit genug. Der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch) sagte er: «In fast allen Bundesländern wurden die Hygienestufenpläne, die in den Corona-Hotspots wieder auf halbierte Klassen setzten, außer Kraft gesetzt. Schulen sollen auf Biegen und Brechen offen bleiben.»

Er hoffe, dass generelle Schulschließungen vermeidbar seien, sagte Meidinger. «Dazu müssen aber bei exponentiell wachsenden Infektionszahlen die präventiven Vorsichtsmaßnahmen an Schulen hochgefahren werden», fordert er. Dazu zähle neben der Maskenpflicht auch die vorübergehende Wiedereinführung der Abstandsregel, was halbierte Klassen und Wechselbetrieb bedeuten würde.

Knapp die Hälfte der Deutschen spricht sich für eine deutschlandweite Maskenpflicht an Grundschulen aus. Bei einer am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen YouGov-Umfrage äußerten sich 48 Prozent der Befragten so. 37 Prozent stimmten dem nicht zu. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte sich zuletzt für eine Maskenpflicht im Unterricht auch in Grundschulen ausgesprochen. In mehreren Bundesländern gilt wegen der gestiegenen Infektionszahlen derzeit eine Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat unterdessen eine Verlängerung der Winter-Schulferien im einwohnerstärksten Bundesland wegen der Corona-Pandemie ins Spiel gebracht - und im Gegenzug zwei schulfreie Tage weniger an Karneval. Dies sei eine «denkbare Möglichkeit», sagte Laschet am Dienstag im WDR Fernsehen zu Überlegungen, die Winterferien zwei Tage früher beginnen zu lassen.

Konkret würde das bedeuten, dass diese nicht erst am 23., sondern schon am 21. Dezember beginnen würden. Die Landesregierung werde das mit Verbänden erörtern, sagte Laschet. Hintergrund der Überlegungen ist, dass die Menschen vor Weihnachten die Kontakte möglichst beschränken sollten, damit es bei Familienfeiern zu Weihnachten nicht zu Ansteckungen kommt. «Eine Sicherheit gibt das aber auch nicht», betonte Laschet.

Die zwei zusätzlichen Winterferientage könnten nach Plänen der Landesregierung dann an Karneval wieder abgezogen werden. Normalerweise haben die Schüler in NRW rund um den Rosenmontag unterrichtsfrei. Das Schulministerium denke über diese Ersatzlösung nach, sagte Laschet. «Denn eines ist klar: Karneval gibt es nächstes Jahr gar nicht.» Und eigentlich sollte man in der Zeit auch nicht in Skiurlaub fahren, fügte er hinzu.

Ministerin: Schulen erhalten 40 Millionen Euro für Pandemie-Ausgaben

Ob Luftfilter oder Laptops - für coronabedingte Investitionen sollen Schulen künftig eigene Budgets bekommen. Diese sollen von 40 Millionen Euro aus der Landeskasse gespeist werden, wie Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) im Interview der «Badischen Zeitung» (Mittwoch) ankündigte. Alle 4500 Schulen erhielten einmalig einen Grundsockel plus einen weiteren Betrag je nach Schülerzahl. «Eine Schule mit 100 Schülerinnen und Schülern wird etwa 5000 Euro bekommen, eine mit 500 Schülerinnen und Schülern etwa 15 000 Euro», erläuterte Eisenmann. Die Schulen könnten dafür Dinge kaufen, die ihnen im Kampf gegen die Pandemie wichtig seien.

Das Geld stehe als Teil des jüngst verabschiedeten Nachtragshaushalts zur Verfügung. «Wir werden mit dem Konzept zügig ins Kabinett gehen und wollen das in den nächsten Wochen umsetzen, damit das Geld rasch bei den Schulen ist», so Eisenmann, die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im kommenden Jahr ist.

Die Ministerin sprach sich trotz steigender Infektionszahlen gegen eine Rückkehr zu einem rollierenden Schulsystem mit Schichten aus, wie es das Robert Koch-Institut empfiehlt und SPD-Chefin Saskia Esken angeregt hat. «Wir machen nicht an Inzidenzen fest, ob wir flächendeckend Schulen und Kitas schließen», sagte Eisenmann dem Blatt. Ihr Ziel sei, Schulen und Kitas geöffnet zu halten. Alles jenseits des Präsenzunterrichts sei für viele junge Menschen mehr als schwierig. Vor den Sommerferien sei das rollierende System auf allergrößte Kritik gestoßen.

Eisenmann mahnte im Umgang mit der Krankheit zu Geduld. «Auch mit einem Impfstoff kehren wir nicht von heute auf morgen zur Normalität zurück. Ich gehe davon aus, dass das ganze Schuljahr ein Schuljahr unter Corona-Bedingungen werden wird.» Deshalb seien Prüfungen nach hinten verschoben worden. Es bestehe auch die Möglichkeit, den Lernstoff auf das Kerncurriculum zu reduzieren.

 

10.11.2020 09.00 Uhr

Corona: SPD-Chefin für wechselnden Unterricht in kleineren Gruppen

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen hat sich die SPD-Vorsitzende Saskia Esken dafür ausgesprochen, in Schulen nur noch kleinere Gruppen im Wechsel zu unterrichten. «Es kommt wirklich darauf an, dass wir Präsenzunterricht auch weiterhin aufrechterhalten», sagte Esken am Dienstag im ARD-«Morgenmagazin». Für Kinder und Jugendliche sei es wichtig, ihre Lehrer und Mitschüler regelmäßig zu treffen. Deshalb müssten die Schulen offengehalten werden. «Auf der anderen Seite ist Infektionsschutz natürlich sehr wichtig. Und deswegen sind kleinere Gruppen auch sinnvoll.»

Konzepte mit einem sogenannten hybriden Wechselunterricht - sprich abwechselnd im Präsenz- und im Fernunterricht - seien sehr hilfreich. Mindestens in der Oberstufe könnten sie nach Auffassung der SPD-Chefin auch durchgängig eingesetzt werden. Man habe mittlerweile ein Infektionsgeschehen, das es nicht zulasse, nur an einzelnen Orten zu reagieren. «Deswegen würde ich mir wünschen, dass die Kultusminister sich jetzt auf den Weg machen, solche Modelle eben auch flächendeckend einzusetzen, um Bildung zu gewährleisten.

Anders als im Frühjahr sind im derzeitigen Teil-Lockdown die Schulen in der Regel weiterhin geöffnet.

Keine Unterstützung für Luftreiniger an Thüringer Schulen

Das Thüringer Bildungsministerium wird vorerst kein Geld für Luftreiniger an Schulen zum Schutz vor dem Coronavirus ausgeben. Ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte dem MDR, dass nach derzeitigem Stand keine Landesmittel für die Anschaffung von Luftfiltergeräten zur Verfügung stünden. Dem Ministerium sei außerdem kein passgenaues Förderprogramm für Schulen bekannt.

Das entsprechende Bundesprogramm fördert lediglich die Um- und Aufrüstung von bestimmten stationären Anlagen, so der MDR am Dienstag. Die Schulträger in Thüringen hätten mehrheitlich signalisiert, dass dieses Programm für Schulen nicht nutzbar sei. Außerdem müssten sich auch die Schulträger, also die Kommunen und kreisfreien Städte, sowie das Finanz- und Infrastrukturministerium finanziell an den Luftfiltern beteiligen, so das Bildungsministerium.

Aktuell sieht das Lüftungskonzept an Schulen eine Stoßlüftung der Räume aller 20 Minuten vor. Aufgrund der sinkenden Temperaturen hatten die FDP-Fraktion, die Thüringer Landeseltern- und die Landesschülervertretung gefordert, dass die Landesregierung finanzielle Mittel für den Kauf von Lüftungsanlagen bereitstellt bzw. die Schulen damit ausstattet.

Karliczek für Maskenpflicht im Unterricht an allen Schulen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hält eine Maskenpflicht im Unterricht an allen Schulen für sinnvoll - auch an Grundschulen. «Eine allgemeine Maskenpflicht im Unterricht halte ich in einer Phase hoher Infektionszahlen selbst an Grundschulen ebenfalls für zumutbar, auch wenn das Maskentragen über den Tag natürlich lästig ist», sagte die CDU-Politikerin der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Dienstag). «Das Maskentragen ist aber für mich das effektivste Mittel, um Unterricht zu ermöglichen.»

In mehreren Bundesländern gilt wegen der gestiegenen Infektionszahlen derzeit eine Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen. Grundschüler sind allerdings in der Regel davon ausgenommen.

Karliczek brachte weitere Vorschläge im Kampf gegen das Coronavirus ins Gespräch. So könnten Schulen zum Beispiel auf andere Räume wie etwa Pfarrzentren ausweichen, um mehr Abstand zu erreichen, schlug sie vor. Ein entsprechendes Angebot sei kürzlich auch aus dem Museumsbereich gekommen. «Natürlich sind solche Räume nicht immer für Unterricht geeignet. Hier ist insgesamt viel Kreativität und auch Toleranz von allen Seiten gefragt.»

Diese Flexibilität forderte Karliczek auch beim Thema Lüften in Klassenräumen ein. «Regelmäßiges Stoßlüften hilft, auch wenn es mal kalt wird in den Räumen. Das war auch das Resultat eines Gesprächs der Kultusministerkonferenz mit Experten des Umweltbundesamtes. Es ist in der momentanen Lage den Schülern zuzumuten, einen dickeren Pullover anzuziehen», sagte die Bildungsministerin. Mobile Luftfiltergeräte seien «kein Allheilmittel». Diese würden das Lüften nicht ersetzen.

Zwei kostenlose Corona-Schnelltests für Personal in Schulen und Kitas

Lehrer, Erzieher und alle anderen Mitarbeiter in Schulen und Kitas können sich Medienberichten zufolge bis zum Ende der Weihnachtsferien zweimal kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Über die Möglichkeit berichten die «Schwäbische Zeitung» und die «Heilbronner Stimme» (beide Dienstag) unter Berufung auf das Kultusministerium. Ein ähnliches Angebot hatte es bereits rund um das Ende der Sommerferien gegeben, eine Fortsetzung hatte das Sozialministerium eigentlich nicht geplant. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hingegen hatte weitere Testmöglichkeiten gefordert.

Bisher waren PCR-Tests zum Einsatz gekommen, das künftige Angebot bezieht sich den Zeitungsberichten zufolge auf Antigen-Tests. Diese gelten als weniger verlässlich, gehen dafür aber deutlich schneller.

Zu viele Quarantäne-Fälle - Erste Schulen wechseln in Fernunterricht

Nach der Änderung der Corona-Regeln haben die ersten Schulen in Sachsen-Anhalt den täglichen Unterricht im Regelbetrieb aufgegeben. Mindestens drei Einrichtungen wechselten am Montag komplett in den Distanzunterricht von zu Hause aus, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte. Zuvor war für einen Großteil der dortigen Lehrerkollegien häusliche Quarantäne angeordnet worden. Wie viele Schulen insgesamt vom täglichen Unterricht auf eingeschränkten Betrieb wechselten, konnte das Ministerium zunächst nicht sagen. Eine Übersicht soll Ende der Woche vorliegen.

Seit Montag gelten für die Schulen strengere Corona-Regeln. So müssen alle, die sich auf dem Gelände bewegen, eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Eine Ausnahme ist der eigentliche Unterricht. Bisher konnten die Schulen selbst entscheiden, ob und wo sie eine Maskenpflicht anordnen.

Zudem ordnete das Land an, dass der seit Schuljahresbeginn aufrecht erhaltene tägliche Unterricht nicht mehr uneingeschränkt gelten soll. Dort, wo mindestens ein Viertel der Schülerinnen und Schüler oder der Lehrkräfte wegen Corona-Verdachts in Quarantäne geschickt wurde, werde der tägliche Unterricht aufgegeben.

Weiterführende Schulen wechseln in diesem Fall ins Wechselmodell, bei dem die Klassen in Gruppen geteilt werden und abwechselnd zuhause mit Aufgaben und in der Schule lernen. In betroffenen Grundschulen bleibt der tägliche Präsenzunterricht bestehen. Allerdings lernen die Kinder nur noch mit einem fest zugeteilten Lehrer.

Zuletzt verdreifachte sich die Zahl der Schüler, die als Corona-Verdachtsfälle in häuslicher Quarantäne bleiben mussten, binnen einer Woche auf knapp 2800. Trotz des für November angeordneten Teil-Lockdowns sollen Schulen und Kitas offen bleiben. Nach einer Bund-Länder-Vereinbarung gelten bis Ende des Monats Kontaktbeschränkungen. Touristische Übernachtungen sind verboten und der Betrieb in Gaststätten, dem Freizeit- und Kulturbereich ruht.

Philologenverband: Pandemie eindämmen statt abwarten

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen hat der Philologenverband Niedersachsen gefordert, die Quarantäne-Maßnahmen an betroffenen Schulen auszuweiten. Man müsse sich «von einer Politik des Abwartens und Reagierens verabschieden und zu einer aktiven, präventiven Eindämmung übergehen», mahnte der Vorsitzende Horst Audritz am Montag. «Angesichts der ernsten Lage ist das zögerliche Vorgehen des Kultusministers unverständlich, sein Beteuern, die Schulen seien sicher, geradezu fahrlässig.» Es sei abzusehen, dass Schulen keine isolierten Schutzzonen bleiben würden.

Audritz forderte, Schulen sollten schneller zum Wechselbetrieb zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling mit geteilten Klassen zurückkehren. Der Philologenverband verlangte zudem kontinuierliche Kontrolle der Infektionslage, konsequentes Tragen von Masken im Unterricht und Belüftungssysteme für unsichere Unterrichtsräume. Lehrkräften sollten FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden.

Audritz nannte es eine «Milchmädchenrechnung», die Sicherheit der Schulen mit der geringen Quote der Infizierten zu begründen: «Mit den steigenden Infektionszahlen insgesamt wird auch die Zahl der Infizierten an den Schulen deutlich zunehmen, so dass wissenschaftlich bereits gewarnt wird, Schulen könnten zu Verstärkern der Pandemie werden.»

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne will die Schulen in der zweiten Corona-Welle möglichst geöffnet halten. Nicht ausschließen will der SPD-Politiker aber die landesweite Rückkehr zu einem Wechselbetrieb, also abwechselnd Präsenzunterricht und Homeschooling mit geteilten Klassen - das sogenannte Szenario B.

Völlig fehl gehe die Einschätzung des Landesgesundheitsamtes, das empfehle, bei einem Corona-Ausbruch nur noch diejenigen Schüler in häusliche Quarantäne zu schicken, die wegen direkten Kontakts einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt waren, bemängelte Audritz. Das betreffe die Sitznachbarn und die unmittelbare Umgebung im Abstand von 1,5 Metern.

 

09.11.2020 08.00 Uhr

Lehrer und Erzieher nutzen kostenlose Corona-Tests bislang kaum

Schulen und Kitas bleiben während des Teil-Lockdowns geöffnet. Wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr können sich Beschäftigte der Bildungseinrichtungen kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Der große Run auf die Tests blieb bislang aus.

Beschäftigte in Thüringer Kitas und Schulen nutzen die für sie kostenlosen Corona-Tests bislang nur zurückhaltend. Bis zum Ende der Herbstferien wurden in diesen Berufsgruppen 4511 Tests durchgeführt und vom Land bezahlt, wie aus Daten des Thüringer Bildungsministeriums hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Die Möglichkeit solcher kostenlosen Tests gibt es für rund 44 000 Beschäftigte an Schulen und Kitas. Bislang wurden damit nur etwas mehr als zehn Prozent der Testmöglichkeiten im Bildungsbereich genutzt.

Während des neuen Teil-Lockdowns mit geschlossenen Restaurants, Kneipen und Theatern bleiben Kitas und Schulen im November weitgehend geöffnet. Die kostenlosen Tests können auch ohne Erkältungssymptome oder vorherige Reisen in Risikogebiete in Anspruch genommen werden.

Das Bildungsministerium hatte erst vor kurzem die Testmöglichkeiten für Erzieher und Lehrer ausgeweitet: Sie können seit Schulstart nach den Herbstferien einmal wöchentlich kostenlos überprüfen lassen, ob sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben oder nicht. Dieses Angebot gilt zwischen dem 2. und dem 22. November, hieß es.

Pro Test zahlt das Land 69 Euro. Allein im laufenden Jahr sind dafür rund drei Millionen Euro bereitgestellt. Nach Angaben des Bildungsministeriums seien so etwa 44 000 Corona-Tests möglich. Dafür hatte das Ministerium einen Vertrag mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) geschlossen. Nach Angaben einer Sprecherin des Bildungsministeriums sei dieser Vertrag zeitlich nicht befristet. Zudem sei es möglich, den Vertrag anzupassen.

Ein Sprecher sagte, dass man derzeit zusammen mit der KVT auslote, ob künftig verstärkt Schnelltests eingesetzt werden können, um Lehrer und Erzieher auf eine Corona-Infektion zu testen. Auch eine Ausweitung der Testkapazitäten sei im Gespräch.

Sogenannte Antigentests sind deutlich günstiger und liefern schnellere Ergebnisse als die bisher mehrheitlich angewandten PCR-Tests. Allerdings gelten die Ergebnisse auch als weniger zuverlässig.

41 500 Berliner Schülerinnen und Schüler sollen ein Tablet bekommen

Berlinweit sollen sozial benachteiligte 41 500 Schülerinnen und Schüler ein Tablet bekommen. Die Schulaufsicht hat diesen Bedarf inzwischen ermittelt, wie die Senatsverwattung für Bildung mitteilte. Für die Finanzierung sind 1,3 Millionen Euro zusätzlich aus Landesmitteln notwendig. Berlin erhält aus dem Sofortausstattungsprogramm des Bundes rund 25,7 Millionen Euro, mit denen 40 000 Tablets für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler angeschafft werden können. Die fehlenden 1500 Geräte finanziere das Land Berlin, so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Bereits in der ersten Jahreshälfte haben Berliner Schüler 9500 Tablets für das digitale Arbeiten während der Corona-Pandemie erhalten, die mit Landesmitteln finanziert wurden. An allgemeinbildenden Schulen in Berlin gibt es rund 350 000 Schüler.

Nach Angaben der Bildungsverwaltung wurde die Ausschreibung für die weiteren 41 500 Tablets in mehrere sogenannte Lose aufgeteilt. Dabei sind drei verschiedene Geräteanbieter mit den Betriebssystemen Android, iOS und Windows berücksichtigt worden. Außerdem sollen Berlins Lehrerinnen und Lehrer mit Laptops ausgestattet werden. Dazu laufe die Abstimmung zwischen Bund und Ländern derzeit noch.

Gericht: Behörden dürfen Schul-Exkursion wegen Corona verbieten

Mathe-Aufgaben mal in der Natur, das finden Schüler Klasse -erst recht, wenn es dafür für eine Woche auf eine Hütte geht. Die Corona-Pandemie kann dem aber einen Strich durch die Rechnung machen.

Auch wenn es wehtut: Die Behörden dürfen Schulexkursionen, bei der Schüler, Lehrer und eine Betreuungsperson in einer Hütte wohnen, aufgrund der Corona-Pandemie untersagen. Das gilt auch, wenn die ganze Klasse wie in der Schule unter sich bleibt. Über diese Entscheidung des Verwaltungsgerichts Karlsruhe (Az.: 3 K 4126/20) informiert das Rechtsportal anwaltauskunft.de des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Im konkreten Fall traf das Urteil eine Freie Waldorfschule. Sie führt traditionell mit jeder zehnten Klasse im Rahmen des Mathe-Unterrichts ein einwöchiges Praktikum durch. Dabei werden Lehrsätze der Trigonometrie auf die Feldvermessung angewendet. Während des Praktikums wohnen Schüler, Lehrer und eine Betreuungsperson in einer Hütte.

Das Regierungspräsidium untersagte das Praktikum aufgrund der aktuellen Corona-Lage. Zu der Zeit galt die zweite Pandemiestufe, wonach nur eintägige außerunterrichtliche Veranstaltungen möglich waren. Die Trägerin der Waldorfschule wollte sich damit nicht abfinden und rief das Gericht an. Sie argumentierte unter anderem, dass Schüler und Lehrer während des Aufenthalts wie im Klassenverband in der Schule unter sich seien.

Der Antrag der Waldorfschule scheiterte. Nach den einschlägigen Bestimmungen wären mehrtägige außerunterrichtliche Veranstaltungen wie die Exkursion derzeit untersagt - und Ausnahmegenehmigungen nicht vorgesehen.

Ministerium prüft Einführung von Schnelltests für Lehrer

Das Thüringer Bildungsministerium prüft den Einsatz von Schnelltests für die Beschäftigten an Schulen und Kindergärten. Man lote derzeit zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung aus, ob künftig Schnelltests eingesetzt werden können, um Lehrer und Erzieher auf eine Corona-Infektion zu testen, sagte ein Sprecher des Ministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Auch eine Ausweitung der Testkapazitäten sei im Gespräch. Beschäftigte an Schulen und Kindergärten können sich in Thüringen kostenlos testen lassen - auch ohne Erkältungssymptome.

Bis zum Ende der Herbstferien wurden in diesen Berufsgruppen 4511 Tests durchgeführt und vom Land bezahlt, wie aus Daten des Thüringer Bildungsministeriums hervorgeht.

Wegen Maskengegnern: Münster lässt am Montag Schulwege überwachen

War alles nur Fake oder wollen Maskengegner ausgerechnet am 9. November Kinder vor ihren Schulen abpassen? Ministerium, Ordnungsbehörden und Polizei sind auf alle Fälle eingestellt.

Nachdem Maskengegner Aktionen angekündigt haben, wollen Polizei und Ordnungsamt in Münster am Montag die Schulwege beobachten. «Wir sind auf eventuelle Aktionen der Initiative vorbereitet», sagte der Leiter des Ordnungsamtes, Norbert Vechtel. Außerdem könnten Betroffene anrufen oder eine E-Mail schreiben. Ob es am Montag tatsächlich zu Aktionen kommt, ist unklar.

Das Bildungsministerium hatte die Schulen in NRW vergangene Woche gewarnt: Es gebe Hinweise, dass die Initiative «Querdenken 711» am 9. November deutschlandweit an 1000 Schulen «Aktionen gegen die Pflicht zum Tragen der Mund-Nase-Bedeckung durchführen will», so das Ministerium in einer Rundmail an alle Schulen.

Demnach sollen mit «Querdenken» sympathisierende Eltern planen, Kinder und deren Eltern auf dem Schulweg anzusprechen, ihnen unwirksame Masken mit dem «Querdenken»-Logo in die Hand zu drücken oder eine CO2-Messung unter den Masken der Kinder anzubieten. Der Gründer der «Querdenken 711»-Initiative hatte daraufhin mitgeteilt, die angebliche Aktion sei in Wahrheit nur ein Fake gewesen, um eventuelle undichte Stellen bei der internen Kommunikation zu finden.

Der Landtagsabgeordnete Marcel Hafke (FDP) blieb skeptisch und warnte ebenfalls vor «Querdenken»-Aktionen, die seinen Informationen nach auch in Wuppertal geplant sein könnten.

Wenig Corona-Infizierte an Sachsens Schulen - Gesamtzahl steigt

Die Corona-Neuinfektionen in Sachsen ebben nicht ab. Auch die Zahl der Toten steigt. An den Schulen gibt es dagegen wenig Infizierte.

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten an Sachsens Schulen ist trotz wachsender Zahlen von neuen Ansteckungen im Freistaat gering. Nach Angaben des Sozialministeriums in Dresden waren bis zum Wochenende 400 Schüler in Quarantäne, was einer Quote von 0,09 Prozent entspricht. Über 99 Prozent der insgesamt 413 000 Schüler lernen demnach weiter in der Schule. Bei den Lehrkräften wurden in der vergangenen Woche 52 von insgesamt 33 930 an den öffentlichen Schulen positiv getestet. Keine Schule musste schließen.

Die Neuinfektionen gehen den Angaben zufolge fast ausschließlich auf Ansteckungen in den Herbstferien zurück. In der Regel würden sie nicht unter den Schülern weitergegeben. Hotspots an Einzelschulen gibt es laut Ministerium nicht.

In Sachsen steigt die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen indes weiter. Innerhalb eines Tages wurden nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) am Sonntag 1632 neue Ansteckungen im Vergleich zu Vortag registriert. Damit stieg die Gesamtzahl auf 25 878. Mindestens 402 Menschen starben bislang an oder mit dem Coronavirus. Die Sieben-Tages-Inzidenz - die Zahl der Neuinfektion pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen - liegt in Sachsen bei 145.

«sh.itslearning» - Lernplattform-Link erntet Spott

Der etwas zweideutige Internetlink zu einer Schulplattform sorgt in Schleswig-Holstein für Schmunzeln. «Dass man die Adresse auch als "Shit’s‘learning" lesen kann, mag für manche ein Schenkelklopfer sein, ist aber für den Erfolg des Projekts nicht von Belang», sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums am Sonntag. Zum 30. Oktober seien im Land bereits 260 Schulen sowie mehr als 125 000 Schüler und Lehrer an dieses System angeschlossen. Zuvor hatten die «Lübecker Nachrichten» berichtet.

Das Lernmanagementsystem selbst heißt «its learning». Der Internetlink «Sh.itslearning» für den Norden sei ein beschreibender Domainname als Kombination aus dem Landeskürzel SH und der Domain des Anbieters, sagte der Ministeriumssprecher. «SH als Landeskürzel ist Teil vieler "Namen" und Webseiten.» Ziel sei eine leichte Erreichbarkeit einer Internetseite.

Schleswig-Holsteins SPD-Landesvorsitzende und Bildungspolitikerin Serpil Midyatli twitterte am Sonntag, «der verunglückte Name für das neue Lernportal in Schleswig-Holstein ist irgendwie symptomatisch für die Performance der Bildungsministerin während der Pandemie».

Ressortchefin Karin Prien (CDU) konterte wenig später, die Regierung habe in der Corona-Pandemie in Rekordzeit eine leistungsfähige Lernplattform eingeführt. Andere arbeiteten sich «an Pennälerhumor und der URL der Webseite eines Dienstleisters ab».

 

07.11.2020 14.30 Uhr

Ministerium: Zahl der Corona-Infizierten an Schulen gering

Die Zahl der an Corona-Infizierten an Sachsens Schulen ist trotz hoher Neuinfektionen im Freistaat gering. Nach Angaben des Sozialministeriums vom Samstag in Dresden waren zum Wochenende 400 Schüler in Quarantäne, was einer Quote von 0,09 Prozent entspricht. Über 99 Prozent der insgesamt 413 000 Schüler lernen demnach weiter in der Schule. Bei den Lehrkräften wurden 52 der insgesamt 33 930 an den öffentlichen Schulen positiv getestet.

Die Neuinfektionen gehen den Angaben zufolge fast ausschließlich auf Ansteckungen in den Herbstferien zurück. In der Regel würden sie nicht unter den Schülern weitergegeben. Hotspots an Einzelschulen gibt es laut Ministerium nicht.

In Sachsen ebbt die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen nicht ab. Innerhalb eines Tages wurden 1777 nachgewiesene Ansteckungen registriert, wie aus der am Freitag veröffentlichten Statistik des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Neuere Zahlen lagen am Samstag zunächst nicht vor. Zugleich gab es in Sachsen binnen 24 Stunden elf neue Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. 386 Menschen starben bisher insgesamt an oder mit dem Coronavirus.

Berliner GEW fordert Umstellung auf mehr digitalen Unterricht

In Berlin steigen die Infektionszahlen. Kann der Unterricht an den Schulen weitergehen wie bisher - oder muss er zum Teil wieder digital stattfinden? Die GEW schlägt Alarm.

Angesichts der aktuellen Enwicklungen in der Corona-Pandemie hat die Bildungsgewerkschaft GEW gefordert, den Regelunterricht an Berliner Schulen zu beenden. Der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann sprach sich am Freitag dafür aus, die Lerngruppen zu halbieren und zur Kombination aus Unterricht in der Schule und zu Hause zurückzukehren, wie es ihn in Berlin vor den Sommerferien gegeben hatte.

Aus den Schulen gebe es vermehrt Hilferufe. Die Lehrkräfte fühlten sich an ihrem Arbeitsort nicht ausreichend vor möglichen Ansteckungen mit dem Coronavirus geschützt, sagte Erdmann.

Astrid-Sabine Busse vom Interessenverband Berliner Schulleitungen sagte am Freitag, sie sei dafür, die Schulen so lange wie möglich im Regelbetrieb laufen zu lassen. Auch für den Vorsitzenden des Landeselternausschusses, Norman Heise, gibt es derzeit keinen Grund, die Schülerinnen und Schüler teilweise wieder zu Hause zu unterrichten. Solche Forderungen von Seiten der Bezirkselternausschüsse seien ihm auch nicht bekannt.

Frank Rudolph, Sprecher des Philologenverbandes Berlin/Brandenburg, sagte, es sei klar, dass die Probleme an den Schulen größer würden. Der Philologenverband sei aber dagegen, den Regelunterricht generell zu beenden, und dafür, dass die Schulleitungen entsprechend entscheiden können sollten.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung sagte, derzeit sei die Situation an den Schulen keineswegs so, dass der Präsenzunterricht ausgesetzt werden sollte. «Schulen sind keine Hotspots, sagen auch die Amtsärzte. Nach der gestern Nachmittag erfolgten Einstufung laut Stufenplan sind viele Schulen sogar eine Stufe runtergestuft worden.» So habe beispielsweise das Gesundheitsamt in Treptow-Köpenick fast 40 Schulen auf Grün gesetzt, was Regelbetrieb bedeute. «Wir wollen vermeiden, dass Kinder und Jugendliche den Anschluss verlieren.»

Der GEW-Vorsitzende Erdmann hält dem entgegen, an keinem anderen Ort begegneten sich aktuell so viele Menschen in geschlossenen Räumen ohne Abstand und in den meisten Fällen ohne Masken wie in der Schule. «Die Beschäftigten in den Schulen haben den Eindruck, dass Infektionen an den Schulen billigend in Kauf genommen werden.» Das Recht auf Bildung sei ein hohes Gut. «Aber wir dürfen die Schulen nicht auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten und der Schülerinnen und Schüler im Regelbetrieb halten.» Das werde zunehmend zu einem unkalkulierbaren Risiko.

Seit dem Ende der Herbstferien gilt für die Berliner Schulen ein Corona-Stufenplan. Er legt fest, welche Einschränkungen und Maßnahmen bei einer weiteren Zunahme der Infektionszahlen vorgesehen sind. Dabei wird zwischen vier farblich differenzierten Stufen unterschieden.

Derzeit bieten in Berlin nach diesem Stufenplan nur drei Schulen keinen Regelunterricht mehr an. Dabei handelt es sich um zwei berufliche Schulen und eine Grundschule. Sie wurden bei einer Überprüfung aller Schulen durch die Gesundheitsämter in die Stufe Rot eingeordnet. Entsprechend stellen sie auf kleinere Lerngruppen und eine Mischung aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause um.

Dagegen sind 47 Schulen als grün und damit als unproblematisch mit Blick auf die Corona-Lage eingestuft, wie die Bildungsverwaltung am Freitag weiter mitteilte. 586 Schulen wurden in die Stufe Gelb eingeordnet. Dort sollen verstärkte Hygieneschutzmaßnahmen ergriffen werden. 154 Schulen sind auf der orangenen Stufe, wo weitere Maßnahmen wie eine Maskenpflicht im Unterricht greifen sollen.

Linke kritisiert aufgeschobene Einschulungsuntersuchungen

Die Linke hat die in mehreren Landkreisen aufgeschobenen Einschulungsuntersuchungen kritisiert. «Die Aussetzung der Untersuchungen hat zur Folge, dass möglicherweise Kinder eingeschult werden, die hätten zurückgestellt werden müssen. Zudem erhalten förderbedürftige Kinder über eine lange Zeit nicht die Unterstützung, die ihnen zusteht», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg am Freitag in einer Mitteilung.

Die Landesregierung müsse trotz der schwierigen Bedingungen in der Corona-Krise alles unternehmen, damit der Gesundheitsdienst personell in der Lage sei, seiner gesetzlichen Pflicht nachzukommen.

Das Gesundheitsministerium teilte auf Anfrage mit, dass schulärztliche wie auch die schulzahnärztlichen Untersuchungen bis Ende des Jahres ausgesetzt werden können. Die Mitarbeiter dieser Bereiche seien unverzichtbar für die Bewältigung der Corona-Pandemie.

Die Landkreise und kreisfreien Städte handhaben dies unterschiedlich, wie eine dpa-Umfrage ergab. Die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte und Ludwigslust-Parchim berichteten, dass sie diese Untersuchungen voraussichtlich bis Ende des Jahres aussetzen werden. Allein im November könnten die Einschulungsuntersuchungen für rund 300 Mädchen und Jungen an der Seenplatte nicht durchgeführt werden. Im Landkreis Vorpommern-Rügen sei dies zunächst bis Ende November nicht möglich.

Der Landkreis Rostock sprach davon, dass es die Einschuluntersuchungen nur noch ganz vereinzelt gebe. Im Landkreis Nordwestmecklenburg hieß es, dass die bereits vereinbarten Termine in jedem Fall abgearbeitet werden sollen. In Schwerin sollten diese Untersuchungen ursprünglich bereits im November statt Dezember starten, was angesichts der Corona-Lage wieder abgesagt worden sei. In Rostock finden diese Termine hingegen statt.

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hatte in der vergangenen Woche bereits gemeldet, dass dort im November Einschulungsuntersuchungen für rund 2000 Kinder verschoben werden mussten.


06.11.2020 14.45 Uhr

Studie: Lehrer in Sachsen offen für digitale Schulbildung

Lehrer in Sachsen stehen einer digitalen Wissensvermittlung zum Großteil aufgeschlossen gegenüber. Zu diesem Schluss kommt eine am Freitag vorgestellte Studie der TU Dresden im Auftrag des Zentrums für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB). Demnach stimmten knapp 70 Prozent der Befragten zu, dass digitale Medien ein selbstverständlicher Teil des Lernens werden sollten. Während sich Grundschullehrer skeptischer zeigten, wurde das Potenzial digitaler Medien vor allem an Oberschulen hoch eingeschätzt. Dass der Einsatz digitaler Medien zu einem größeren Lernerfolg der Schüler führt, glauben hingegen nur die Hälfte der Befragten.

«Obwohl sich Lehrkräfte aller Altersstufen einer zunehmenden Digitalisierung von Schule und Bildung gegenüber aufgeschlossen zeigen, offenbart die Befragung Generationsunterschiede», sagte Studienleiterin Nelly Schmechtig. Jüngere Lehrer zeigten sich optimistischer mit Blick auf den didaktischen Mehrwert digitaler Anwendungen im Unterricht. Ältere Befragte räumten - trotz prinzipieller Aufgeschlossenheit - häufiger ein, sich im Umgang mit technischen Neuerungen schwer zu tun.

Für die repräsentative Studie wurden im Mai und Juni 2019 rund 2300 Lehrer an Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien zum Einsatz und Umgang mit digitalen Medien befragt. 830 Lehrkräfte beteiligten sich an der Befragung.

Corona-Infektionen in Schulen steigen

Die Corona-Infektionen an Schulen im Saarland steigen: Am Freitag waren laut Bildungsministerium 155 Schüler und elf Lehrkräfte mit dem Coronavirus infiziert. Eine Woche zuvor waren es noch 21 Schüler und eine Lehrkraft gewesen. Derzeit seien rund 4160 Schüler und rund 480 Lehrer in Quarantäne - nach 460 Schülern und 54 Lehrern eine Woche zuvor (30. Oktober). Von diesem Montag an müssen Schüler ab der fünften Klasse im Unterricht eine Maske tragen. Bislang gilt die Maskenpflicht im Unterricht ab der zehnten Klasse.

Mit der Ausweitung der Maskenpflicht stellt die Landesregierung zusätzliche 1,3 Millionen Mund-Nasen-Bedeckungen zur Verfügung. Sie könnten noch am Freitag und am Montag in Räumen des Zentrums für Biodokumentation in Landsweiler-Reden von den Schulen abgeholt werden, teilte das Ministerium mit. Am Donnerstagabend war nach Angaben eines Sprechers bereits knapp die Hälfte der Masken in Empfang genommen worden.

Für Lehrer gelte weiterhin die dringende Empfehlung, auch im Unterricht eine Maske zu tragen. Um die Kommunikation mit den Schülern zu erleichtern, könne sie ablegt werden, wenn der Mindestabstand eingehalten werde.

Zu einer möglichen bundesweiten Aktion von Maskengegnern am Montag teilte das Ministerium mit, es gebe derzeit für das Saarland keine konkreten Hinweise dafür. Die Lage werde aber sehr genau beobachtet. Wer unwirksame Masken verteile, nehme «eine Corona-Infektion Dritter mit allen möglichen Folgen in Kauf und untergräbt die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie».

Unter anderem in Nordrhein-Westfalen hatte es am Donnerstag Verwirrung um eine angebliche Aktion von Maskengegnern gegeben: Es gebe Hinweise, dass die Initiative «Querdenken 711» deutschlandweit an 1000 Schulen «Aktionen gegen die Pflicht zum Tragen der Mund-Nase-Bedeckung durchführen will», warnte das dortige Bildungsministerium die Schulen in einer Rundmail. «Querdenken 711» teilte später mit, die angebliche Aktion sei nur ein Test gewesen - um die interne Kommunikation auf Lecks zu überprüfen.

Solche Aktionen wären «in der aktuellen Pandemiesituation schlicht vollkommen verantwortungslos», erklärte das saarländische Ministerium. Ohne eine geeignete Maske sei der Schulbesuch nicht erlaubt: Nicht zulässig seien Bedeckungen aus zu lose gewebtem Stoff oder mit Löchern, Mundschutz-Schilde oder Theater-und Fastnachtsmasken. Material und Form einer Maske müssten gewährleisten, dass sie die Funktion als mechanische Barriere erfüllen könne.

Viele Corona-Verdachtsfälle an Schulen - Maskenpflicht für alle kommt

An allen staatlichen Schulen in Sachsen-Anhalt gilt ab Montag eine Maskenpflicht. Das sieht ein Plan mit Corona-Regeln vor, den das Bildungsministerium am Freitag veröffentlichte. Bisher konnten die Schulleitungen selbst entscheiden, ob sie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf dem Schulgelände anordnen.

Während des Unterrichts gilt die Maskenpflicht nicht. Zudem sind alle Veranstaltungen wie Wandertage, Fahrten, Messen, Sportwettkämpfe und Tage der Offenen Tür derzeit nicht erlaubt. Damit reagiert das Ministerium darauf, dass immer häufiger Schulen von angeordneter Quarantäne für Corona-Verdachtsfälle betroffen sind.

In besonders betroffenen Einrichtungen soll von Montag an auch der reguläre Unterricht aufgegeben werden. Dann werden Kinder und Jugendliche wieder abwechselnd zuhause und in der Schule lernen. Konkret greift das sogenannte Wechselmodell, wenn mehr als ein Viertel der Schülerinnen und Schüler oder der Pädagogen in Quarantäne sind, wie das Ministerium weiter mitteilte. In Grundschulen bleibt in diesem Fall der tägliche Präsenzunterricht bestehen. Allerdings lernen die Kinder dann nur noch mit einem fest zugeteilten Lehrer.

Laut aktueller Übersicht des Bildungsministeriums, sind in dieser Woche 120 Schulen von Quarantäne-Maßnahmen betroffen, doppelt so viele wie vor einer Woche. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die auf Behördenanordnung ihr Zuhause nicht verlassen dürfen, verdreifachte sich im gleichen Zeitraum von 900 auf 2800. Wie viele Schulen am Montag wegen der Quarantäne-Fälle den Unterrichtsbetrieb einschränken müssen, blieb zunächst offen.

Seit Schuljahresbeginn gibt es trotz der Corona-Pandemie regulären Schulbetrieb. Allerdings wurden größere Gruppen gebildet, die einander möglichst nicht begegnen sollen, um bei Corona-Fällen nicht alle in Quarantäne schicken zu müssen. Die Schulen sollen aber trotz des seit einer Woche geltenden Teil-Lockdowns weiter offen bleiben.

Diagnosen für Maskenbefreiung: Datenschützer warnt Schulaufsicht

Die Forderung von Diagnosen für eine Befreiung von der Maskenpflicht im Schulunterricht sieht der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte als rechtlich nicht abgesichert. Wie Dieter Kugelmann am Freitag mitteilte, hat er eine Warnung gegen die Schulaufsichtsbehörde ausgesprochen - weil diese Schulen raten wollte, ausführliche medizinische Angaben von Schülern als Voraussetzung für die Maskenfreiheit anzufordern.

Das Vorgehen sei datenschutzrechtlich äußerst kritisch zu bewerten, da es an einer tragfähigen Rechtsgrundlage für das Einfordern solcher qualifizierten Atteste mangele, sagte der Datenschutzbeauftragte. Eine Sprecherin der für die Schulaufsicht zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) des Landes erklärte, der Sachverhalt werde geprüft.

Nach der Corona-Bekämpfungsverordnung könne lediglich die Vorlage einer bloßen ärztlichen Bescheinigung verlangt werden, ohne dass diese nähere Begründungen wie etwa Diagnosen enthalten müsse, erklärte Kugelmann. An ihn hätten sich bereits Dutzende Eltern gewandt, die beklagten, dass die bisher üblichen Atteste in den Schulen nicht mehr akzeptiert würden. Derzeit sei die Befugnis zur Anforderung qualifizierter Atteste, die Gesundheitsangaben enthalten, rechtlich nicht festgelegt. Die Datenschutz-Grundverordnung stelle Gesundheitsdaten jedoch unter einen besonderen Schutz.

Corona in Frankreich: Sorge um Weihnachten und wegen Lage an Schulen

Frankreich schaut wegen der Corona-Pandemie mit Sorge auf das Weihnachtsfest. Die Weihnachtsferien, wie man sie kenne, könne man wahrscheinlich vergessen, sagte Gilles Pialoux, Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenkrankheiten eines Pariser Krankenhauses, am Freitag dem Sender BFM TV. «Ich meine, vielleicht wird der Weihnachtsmann dieses Jahr Skype sein», sagte er. Und das sei nicht die schlimmste Strafe für die Menschen im Land. Das Schlimmste wäre, wenn die Epidemie so fortschreite wie bisher.

Auch Gesundheitsminister Olivier Véran hatte bereits erklärt, dass Weihnachten «kein normaler Feiertag» sein werde. «Aber unser Ziel ist es, dass der Druck der Epidemie nachlässt, damit wir rechtzeitig einkaufen gehen, uns in Freude vorbereiten können, und die Bedingungen geschaffen werden, unter denen sich Familien treffen können», sagte Véran der Zeitung «Le Journal Du Dimanche». Die Corona-Lage ist in dem Land mit rund 67 Millionen Einwohnern extrem angespannt. Am Donnerstag wurden mehr als 58 000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden registriert - ein Höchstwert.

Auch die Situation an den Schulen bereitet vielen Sorgen. Zwar gelten in Frankreich seit einer Woche strenge Ausgangsbeschränkungen. Anders als im Frühjahr sind Schulen aber weiterhin geöffnet. Lehrerinnen und Lehrer bemängeln allerdings, dass die Hygienevorschriften dort nicht eingehalten werden könnten. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer hatte am Donnerstagabend wegen der wachsenden Kritik Vorgaben für Oberschulen angepasst und mehr Heimunterricht zugestanden. Er versicherte, dass die Schulen kein extremer Ort der Ansteckung seien und die Lage unter Kontrolle sei. Für kommenden Dienstag haben Lehrergewerkschaften zu einem Streik aufgerufen.

GEW fordert Ende des Regelunterrichts an den Berliner Schulen

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat angesichts steigender Infektionszahlen gefordert, den Regelunterricht an Berliner Schulen zu beenden. Der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann sprach sich am Freitag dafür aus, die Lerngruppen zu halbieren und zur Kombination aus Unterricht in der Schule und zu Hause zurückzukehren, wie es ihn in Berlin vor den Sommerferien gegeben hatte. Aus den Schulen gebe es vermehrt Hilferufe. Die Lehrkräfte fühlten sich an ihrem Arbeitsort nicht ausreichend vor möglichen Ansteckungen mit dem Coronavirus geschützt, sagte Erdmann.

«An keinem anderen Ort kommen aktuell so viele Menschen in geschlossenen Räumen ohne Abstand und in den meisten Fällen ohne Masken zusammen», so der GEW-Vorsitzende. «Die Beschäftigten in den Schulen haben den Eindruck, dass Infektionen an den Schulen billigend in Kauf genommen werden.» Das Recht auf Bildung sei ein hohes Gut. «Aber wir dürfen die Schulen nicht auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten und der Schülerinnen und Schüler im Regelbetrieb halten.» Das werde zunehmend zu einem unkalkulierbaren Risiko.

Seit dem Ende der Herbstferien gilt für die Berliner Schulen ein Corona-Stufenplan. Er legt fest, welche Einschränkungen und Maßnahmen bei einer weiteren Zunahme der Infektionszahlen vorgesehen sind. Dabei wird zwischen vier farblich differenzierten Stufen unterschieden.

Grün steht für den üblichen Regelunterricht bei geringem Infektionsgeschehen, Gelb und Orange für Regelunterricht mit unterschiedlich verstärkten Hygienevorkehrungen. Rot bedeutet laut Bildungsverwaltung, dass bei hohen Infektionszahlen kein Regelunterricht mehr stattfindet, sondern eine Kombination aus schulisch angeleitetem Lernen zu Hause und Präsenzunterricht.

Tonne schließt Rückkehr zu Wechselmodell für Schulen nicht aus

Wie geht es weiter an Niedersachsens Schulen? Eine erneute flächendeckende Schließung will das Land vermeiden. Ein Unterricht im Wechselbetrieb mit geteilten Klassen ist dagegen wieder eine Option.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne will die Schulen in der zweiten Corona-Welle «mit einem verantwortungsvollen Blick auf den Infektionsschutz» geöffnet halten. Nicht ausschließen will der SPD-Politiker dabei eine landesweite Rückkehr zu einem Wechselbetrieb zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling mit geteilten Klassen, wie er der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitag) sagte. Die Zahl der Schulen mit coronabedingten Einschränkungen ist in Niedersachsen seit Wochenbeginn deutlich gestiegen. Schon jetzt befinden sich mehr als 100 Schulen im Wechselbetrieb - dem sogenannten Szenario B.

In Niedersachsen gibt es den Angaben zufolge rund 35 000 Klassen an 3000 Schulen. Wie die «NOZ» unter Berufung auf das Kultusministerium berichtete, gab es am Donnerstag an rund 340 Schulen Einschränkungen des Schulbetriebs. Am Freitag waren es einem Ministeriumssprecher zufolge bereits 396 Schulen: Darunter fielen 6 Schulschließungen, 263 Schulen ohne Präsenzunterricht und 127 Schulen mit geteilten Klassen.

Die CDU im Landtag nahm die Überlegungen des Kultusministers zum Wechselmodell wohlwollend auf. «Das würden wir, wenn sich die Infektionszahlen weiter so entwickeln, begrüßen», sagte Fraktionschef Dirk Toepffer am Freitag. Generell müsse das Land wegen der vielen Corona-Neuinfektionen eine Ausweitung des Teil-Lockdowns erwägen.

Vorgesehen ist das Szenario B für die Schulen derzeit in Regionen mit mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche, wenn an der jeweiligen Schule eine Infektionsschutzmaßnahme angeordnet wurde, etwa eine Quarantäne für eine Lerngruppe.

05.11.2020 13.45 Uhr

Söder: Keine automatischen Klassenteilungen oder Schulschließungen

Die Staatsregierung vertritt die klare Linie: Schulen und Kitas sollen trotz Corona so lange wie möglich offen bleiben. Und: Auch Klassenteilungen sollen nur sehr lokal angeordnet werden können.

Ungeachtet der drastisch gestiegenen Corona-Zahlen soll es an bayerischen Schulen auf absehbare Zeit keine automatischen Klassenteilungen oder gar Schulschließungen geben - weder in Landkreisen noch in kreisfreien Städten. Selbst in Corona-Hotspots sollen Schulen nicht automatisch auf einen Wechsel von Präsenz- auf Distanzunterricht umstellen, sondern allenfalls einzelne, betroffene Schulen. Das sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag in München zu den Ergebnissen eines Gesprächs mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern am Vortag.

Es gebe keine fixen Corona-Inzidenzwerte, bei denen Schulen geschlossen werden müssten, erklärte Söder. Entscheidend sei nur, ob es an einer Schule ein Infektionsgeschehen gebe oder nicht. Auch bislang hatte kein Automatismus bestanden. Ein Stufenplan des Kultusministeriums sah die Möglichkeit ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 allerdings explizit vor - das ist nun endgültig vom Tisch.

«Schule und Kita bleiben in Bayern geöffnet», betonte Söder. Das gelte so lange, bis ein Gesundheits- oder Schulamt feststelle, dass die Infektionsgefahr in einer bestimmten Einrichtung zu groß sei.

Der Regierungschef forderte sehr deutlich, den Leistungsdruck an den Schulen angesichts der Corona-Krise nicht unnötig zu erhöhen und etwa im Eiltempo Proben schreiben zu lassen. Es dürfe «kein Durchhetzen von Noten und Klausuren» geben, forderte er. Auch die Lehrpläne müssten, wo notwendig, an das Infektionsgeschehen angepasst werden.

Zugleich kündigte Söder an, auch nach diesem Schuljahr solle das Vorrücken in die nächste Klassenstufe großzügiger gehandhabt werden. Und wenn jemand nicht vorrücke, dann solle dies nicht auf die Schulkarriere angerechnet werden. «Ziel ist, dass aus einem nicht normalen Schuljahr trotzdem ein faires Schuljahr wird.»

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte: «Corona macht nicht vor dem Schultor halt, Corona prägt auch den Schulalltag.» Man unternehme aber sehr viel, um Schulen und Kitas offen zu halten.

Piazolo warb aber um Verständnis, dass man das Schuljahr angesichts der ungewissen Corona-Entwicklung nicht jetzt schon komplett durchplanen könne, sondern dass man gegebenenfalls immer wieder nachsteuern müsse. Es lasse sich heute auch noch nicht sagen, wie beispielsweise Prüfungsstoff für Mai angepasst werde. Zum Lehrplan sagte der Kultusminister dagegen, man biete den Lehrerinnen und Lehrern bereits jetzt «Beispiele für Schwerpunktsetzungen».

Piazolo zeigte sich grundsätzlich offen für eine Anpassung der bisherigen Regelung, dass Schüler etwa bei einem bestätigten Corona-Fall in der eigenen Klasse für 14 Tage in Quarantäne müssen. Man werde die Quarantäne-Regelungen aber auch nicht «leichtfertig umschmeißen», sondern nur gedeckt von wissenschaftlichen Erkenntnissen und auch nicht in einem bayerischen Alleingang.

Zur Forderung nach einer Ausstattung von Lehrerinnen und Lehrern mit FFP2-Schutzmasken sagten Söder und Piazolo, man werde noch einmal weiter diskutieren, welche Möglichkeiten es hier geben könnte.

Sozialministerium: Einzelne Schüler statt ganze Klassen in Quarantäne

Statt ganzer Klassen könnten künftig nur noch einzelne Schüler bei einem Corona-Fall in Quarantäne geschickt werden. Das schlägt zumindest das Sozialministerium vor.

Angesichts der Maskenpflicht im Unterricht sieht es das baden-württembergische Sozialministerium nicht mehr als zwingend notwendig an, ganze Klassen bei einem Corona-Fall in Quarantäne zu schicken. Stattdessen könnten nur noch direkte Kontaktpersonen wie Sitznachbarn isoliert werden, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ziel sei es, ein landesweit einheitliches Vorgehen zu erreichen. An entsprechenden Handlungshinweisen werde im Ministerium bereits gearbeitet. Darin folge man aktualisierten Empfehlungen des Robert Koch-Instituts.

Ob einzelne Schüler oder ganze Klassen in Quarantäne geschickt werden, entscheiden dem Sprecher zufolge aber nach wie vor die zuständigen Gesundheitsämter. Das Kultusministerium sieht das unterschiedliche Vorgehen kritisch und fordert Einheitlichkeit. Derzeit befinden sich im Land knapp 350 von 67 500 Klassen nicht im Präsenzbetrieb.

In Baden-Württemberg müssen Schüler weiterführender Schulen ab Klasse fünf einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Auch Berufsschüler sind zum Tragen der Masken im Unterricht verpflichtet.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat allerdings kein Verständnis für eine Lockerung der Quarantäneregelungen - und kritisiert, dass Schulleitungen die Arbeit überlasteter Gesundheitsämter übernehmen und über die Quarantäne der Schüler entscheiden müssen. «Das Krisenmanagement des Kultus- und Sozialministeriums ist für die Schulen eine Zumutung, sorgt für Chaos und zu einer weiteren Belastung für die Schulleitungen», betonte die Landesvorsitzende Doro Moritz. Es werde der falsche Eindruck erweckt, dass Covid-19 im Klassenzimmer harmlos sei. Die Schutzmaßnahmen in Kitas und Schulen müssten verbessert und mehr Personal zur Verfügung gestellt werden.

480 000 Einweg-Schutzmasken und Desinfektionsmittel für Schulen

Berlins Schulen bekommen weitere Ausrüstung für einen besseren Schutz vor dem Coronavirus. Die Gesundheitsverwaltung stelle den Schulämtern jeweils bis zu 40 000 Mund-Nasen-Schutzmasken zur Verfügung - insgesamt 480 000 Stück, teilte die Bildungsverwaltung am Donnerstag mit. Die medizinischen Einwegmasken sollen den Bezirksämtern demnach in den nächsten Tagen geliefert und von dort an die Schulen verteilt werden. Zudem könnten die Bezirke palettenweise Handdesinfektionsmittel abrufen; 8500 Liter habe ein Pharmakonzern gespendet, hieß es. Auch Schutzbrillen seien auf Paletten à 2000 Stück verfügbar.

Am Dienstag hatte der Senat beschlossen, dass auch 1200 mobile Luftreinigungsgeräte angeschafft werden. Diese sollen Schulen zugute kommen, deren Klassenzimmer aufgrund der baulichen Situation nur schwer belüftet werden können. In Berlin gibt es - Berufsschulen eingerechnet - 874 Schulen. Erklärtes Ziel ist, sie trotz zuletzt generell stark gestiegener Corona-Zahlen in der Stadt soweit wie möglich offen zu halten.

Ministerium in NRW warnt vor Maskengegnern auf Schulweg

Das nordrhein-westfälische Bildungsministerium hat die Schulen in dem Bundesland vor Aktionen von Maskengegnern am 9. November gewarnt. Es gebe Hinweise, dass die Initiative «Querdenken 711» deutschlandweit an 1000 Schulen «Aktionen gegen die Pflicht zum Tragen der Mund-Nase-Bedeckung durchführen will», so das Düsseldorfer Ministerium in einer Rundmail an alle Schulen.

Demnach sollen «Querdenken»-nahe Eltern planen, Kinder und deren Eltern auf dem Schulweg anzusprechen und ihnen unwirksame Masken mit dem «Querdenken»-Logo in die Hand zu drücken oder eine CO2-Messung unter den Masken der Kinder anzubieten. Laut Ministerium hat sich die Initiative dafür extra «das besondere Datum des 9. Novembers» ausgesucht. Auf einer in der E-Mail verlinkten Seite der Bundeszentrale für Politische Bildung wird der «Schicksalstag» der deutschen Geschichte erklärt, an dem 1938 die Pogromnacht stattfand und 1989 die Mauer fiel.

Da aus Sicht des Ministeriums «damit zu rechnen ist, dass Schülerinnen und Schüler und deren Eltern möglicherweise zu Verstößen gegen geltende Rechtsnormen (...) aufgerufen werden sollen, mit denen sie ihre Gesundheit oder die Gesundheit anderer (auch in der Schule) gefährden können», sollen die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld gewarnt und aufgeklärt werden.

Sollten Maskengegner Schulgelände betreten oder Kinder und Jugendliche bedrängen, sollen die Lehrer die Polizei rufen, so das Ministerium.

Chef des Landeselternbeirats fordert kleinere Klassen und mehr Lehrer

Kleinere Klassen und mehr Lehrer fordert der Chef des Landeselternbeirats (LEB), Michael Mittelstaedt. «Die Krise hat uns erneut vor Augen geführt, dass der Klassenteiler gesenkt werden muss und man mehr Lehrer braucht», sagte Mittelstaedt im Interview mit der «Heilbronner Stimme» und dem «Mannheimer Morgen» (Donnerstag). Es mache keinen Sinn, Gruppen mit 25 oder 30 Kindern zu unterrichten. «Mit kleineren Klassen ergibt sich eine viel bessere Unterrichtsqualität. Bildung kostet halt Geld», betonte der LEB-Vorsitzende.

Viele Klagen hört Mittelstaedt derzeit über die «Flut von Verordnungen und Erklärungen» wegen der Corona-Pandemie: «Keiner versteht mehr, welche Regeln gelten. Wer darf sich wann unter welchen Bedingungen treffen? Wie sind Elternabende unter der Pandemiestufe 3 möglich? Was ist online möglich?»

Weil es wohl nicht der letzte Winter unter Corona-Bedingungen sei, müsse man überlegen, was zu tun ist: «Wenn wir von zwei Wintern ausgehen, ist es naiv, alle 20 Minuten die Fenster aufzureißen. Das ist ein Notbehelf, der nichts mit einer geregelten Vorgehensweise zu tun hat.» Er forderte für den Fall Raumluftreiniger und Trennwände zwischen den Schülern.

Auch müssten sich Eltern auf eine stabile Betreuung der Kinder durch die Schule verlassen können. Eine Notlage von ein, zwei Wochen sei nicht das Problem. Aber, so unterstrich Mittelstaedt in dem Zeitungsinterview: «Eltern können doch nicht einfach ihren Job ein halbes Jahr an den Nagel hängen, um ihre Kinder zu betreuen. Ich verstehe die Mütter und Väter, die sagen, dass Schule primär außer Haus stattfinden muss.»

CO2-Messgeräte in Kölner Schulen

Alle 260 Kölner Schulen bekommen in den nächsten drei Wochen ein CO2-Messgerät. Diese Geräte sollen das richtige Lüften in den Klassen erleichtern. Nach Angaben der Stadt messen die Geräte die Aerosol-Last in der Luft. Wenn ein bestimmter Wert überschritten wird, soll der Raum stoßgelüftet werden. Die Schulen sollen die Geräte zunächst in verschiedenen Räumen testen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, in welchen Zeitabschnitten gelüftet werden soll. Die Erfahrungen sollen Ende November stichprobenartig bei den Schulen abgefragt werden.

Verband: Alleinerziehende zu wenig unterstützt

Der Landesverband der Selbsthilfegruppen Alleinerziehender in Brandenburg kritisiert in der Corona-Pandemie mangelnde Unterstützung der Betroffenen und ihrer Kinder. «Sie leiden derzeit besonders unter den Auswirkungen», sagte Birgit Uhlworm, Geschäftsführerin des Brandenburger Landesverbandes der Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (SHIA) und Sprecherin im Rat der Landesarmutskonferenz. «In dieser Gruppe spitzen sich alle Probleme, die Familien mit Kindern haben, noch einmal zu.»

Oftmals verfügten die Mütter und Väter nur über geringe Einkommen, seien auf Arbeitslosengeld II, Wohngeld oder den Kinderzuschlag angewiesen. «Das Geld ist sehr knapp», sagte sie. Bedürfnisse der Menschen mit Kindern und Jugendlichen werden aus Sicht des Landesverbandes nicht ausreichend wahrgenommen. «Unternehmen werden in der Corona-Krise extra unterstützt, die große Gruppe aber viel zu wenig», sagte sie.

Die Familien fühlten sich an vielen Stellen alleingelassen und sehen sich bürokratischen Hürden ausgeliefert. «Diese Menschen haben keine Lobby», sagte Uhlworm. Die Lage der Eltern und ihrer Kinder ist aus ihrer Sicht katastrophal. Leistungen, die Kindern und Jugendlichen über das Bildungs- und Teilhabepaket eigentlich zustehen würden, werden oft nicht wie festgelegt geleistet. So sei es vielerorts schwierig den Zuschuss zum Mittagessen zu erhalten, wenn die Kinder nicht in die Schule dürfen. «Doch auch zu Hause muss es Mittagessen geben», sagte sie.

Viele Schulen verlangten zudem, dass die Eltern ihre Kinder mit einigen Mund-Nasen-Bedeckungen als Ersatz und Desinfektionsmitteln ausstatten müssten, sagte sie. Wenn das Geld knapp sei, könne das eine Herausforderung für die Eltern sein. Das Bildungsministerium des Landes habe glücklicherweise klar gestellt, dass die Kosten über den Schulsozialfonds finanziert werden sollen.

Bundesweit besteht nach Angaben des SHIA-Landesverbandes fast jede fünfte Familie aus einem alleinerziehenden Elternteil. In Brandenburg ist es bereits jede vierte Familie. 64 000 Mütter und Väter leben mit ihren Kindern allein.


04.11.2020 10.00 Uhr

Warten auf die Schüler-Tablets: Noch sind kaum welche in den Schulen

Ein halbes Jahr ist es her, dass der Bund 500 Millionen Euro für Laptops und Tablets für bedürftige Schüler bereitgestellt hat. Anlass waren die Erfahrungen des Lockdowns im Frühjahr gewesen. Die meisten Schulen warten immer noch auf die Geräte.

Ein halbes Jahr nach der Verkündung des 500 Millionen Euro schweren «Sofortprogramms Digitale Endgeräte» des Bundes warten viele Schulen in Mecklenburg-Vorpommern noch immer auf die versprochenen Laptops und Tablets für bedürftige Kinder und Jugendliche. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter kreisfreien Städten und Landkreisen.

Die Stadt Schwerin hatte aus dem Sofortprogramm die Beschaffung von 1500 Tablets beauftragt, wie Stadtsprecherin Michaela Christen sagte. Angekommen seien noch keine. «Die Lieferung der Geräte ist bis Jahresende geplant.» In Rostock wird erst ab Januar mit der Lieferung der 481 bestellten Notebooks und 2687 Tablets gerechnet.

Auf MV entfallen von dem Sofortprogramm zehn Millionen Euro. Die damit gekauften Geräte sollen im Fall erneuter Schulschließungen den Fernunterricht übers Internet besser als im Lockdown im Frühjahr ermöglichen. Denn nicht alle Kinder verfügten über die nötigen Computer. Nicht überall reichte das Netz aus. Überdies fehlte es an Konzepten für wirkliches Lernen in Internet-Klassenräumen. Mancher Schüler wurde während der Schulschließungen im Frühjahr gar nicht erreicht.

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim geht spätestens im ersten Quartal 2021 von einer Lieferung seiner 1050 bestellten Geräte für die Schulen in Kreisträgerschaft aus - das sind die Gymnasien und die Berufsschulen. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ist etwas optimistischer und rechnet damit, dass die Auslieferung bis Ende 2020 abgeschlossen sein wird. «Bei allen Herstellern ist aktuell mit Wartezeiten von bis zu fünf Wochen zu rechnen», sagte Kreissprecherin Haidrun Pergande.

In Vorpommern sieht es etwas besser aus: Im Landkreis Vorpommern-Rügen sind bereits 500 Leihgeräte beschafft und 420 davon auch ausgegeben, wie eine Sprecherin mitteilte. Weitere 230 sollen bis Jahresende geliefert werden.

Im Nachbarkreis Vorpommern-Greifswald sind nach Worten von Sprecher Achim Froitzheim die Schulen in Trägerschaft des Kreises vollständig mit gut 1000 Tablets beliefert worden. Lediglich zwei Schulen hätten wegen Lieferengpässen noch nicht bestückt werden können. So richtig losgehen kann es aber noch nicht, denn: «Für die iPads sind Einweisungen der Lehrkräfte geplant», erklärte Froitzheim. Wegen der aktuellen Lage seien die Termine in den Dezember verschoben worden.

«Wir können nur hoffen, dass die Schulen nicht wieder geschlossen werden müssen», sagte die Vorsitzende der oppositionellen Linksfraktion im Schweriner Landtag, Simone Oldenburg, angesichts der Situation. Der Zustand sei unhaltbar. Die meisten Schulen seien noch Welten von einem digitalen Homeschooling entfernt. Das liege nicht nur an fehlenden Endgeräten. «Es fehlt auch eine funktionierende Lernplattform, Breitbandanschlüsse sind nicht vorhanden.» Auch fehlten vielerorts Lehrer-Laptops. Zudem habe nicht jeder einen Internetanschluss. Oldenburg vermisst ein schlüssiges Konzept.

Aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim heißt es zum Thema Lehrer-Laptops: «Ein Vorgehen zur über die Pressemitteilungen angekündigten Förderung für Dienstgeräten der Lehrkräfte vor einigen Wochen durch Bund und Länder ist noch nicht spezifiziert worden. Insofern liegen dem Landkreis zur Ausstattung der Lehrkräfte keine weiteren Informationen vor.» Ähnliches ist aus der Stadt Rostock zu Lehrer-Laptops zu hören. Es gebe dazu noch keine Abstimmungen mit dem Bildungsministerium MV, so die Pressestelle der Stadtverwaltung. Auch gebe es derzeit zu diesem Programm keine Förderrichtlinie.

Das Bildungsministerium hatte zu den zehn Millionen Euro des Bundes für digitale Endgeräte in MV noch eine Million dazugelegt. Außerdem trieb es die Entwicklung der Lernplattform «Its learning» voran, die digitalen Unterricht ermöglichen soll. Knapp die Hälfte der Schulen arbeite bereits damit, erklärte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) jüngst in der Tageszeitung «Nordkurier». Lehrer könnten Unterrichtsmaterial als Text oder Video bereitstellen, Schüler ihre Aufgaben digital abrufen, bearbeiten und einreichen. In Dokumenten oder für Projekte könnten Schülergruppen auch digital zusammenarbeiten und sich austauschen.

Luftfilter gegen Corona: Die Nachfrage steigt

Lüften hilft gegen Corona. Doch was, wenn man nicht lüften kann - weil Räume zu wenig Fenster haben oder es zu kalt ist? Dann könnten unter anderem mobile Raumluftfilter helfen. Die Nachfrage zieht an.

Mit Beginn der kalten Jahreszeit wird Lüften als wichtige Waffe gegen die Verbreitung des Coronavirus schwieriger. Mehrere Bundesländer wollen daher hochwertige mobile Raumluftfilter für Klassenzimmer fördern. Auch aus der Bundespolitik gibt es entsprechende Forderungen. Für Restaurants oder Büros könnten solche Geräte ebenfalls interessant sein. Die Nachfrage steigt, doch könnte die Industrie überhaupt liefern oder drohen Engpässe wie bei Schutzmasken und Beatmungsgeräten im Frühjahr?

Mehrere Unternehmen haben seit Beginn der Corona-Pandemie mobile Luftfilteranlagen gegen Viren entwickelt. Dazu gehören auch Trotec aus Heinsberg in Nordrhein-Westfalen und Wolf aus dem bayerischen Mainburg. Bei beiden bemerkt man inzwischen ein deutliches Anziehen der Nachfrage und steigende Lieferfristen.

Drei bis vier Wochen betrug die Wartezeit zuletzt bei Trotec, drei bei Wolf. Alexandra Goertz, Geschäftsführerin bei Trotec, ist zuversichtlich, dass die Industrie die Nachfrage auch bei einem Boom bedienen kann - wenn auch mit gewissen Wartezeiten, wie sie sagt. Bei Wolf geht man von einer Produktionskapazität von rund 1000 Geräten pro Woche aus, bei einem geschätzten potenziellen Bedarf von 40 000 bis 50 000 alleine für die Schulen in Deutschland.

Eine weitere Herausforderung ist die Beschaffung der Teile. Die Komponenten seien nicht besonders exotisch, sagt Goertz. Engpässe bei speziellen Teilen könne man nicht ausschließen, doch bisher klappe es gut, heißt es. Auch bei Wolf hat man das Thema im Auge.

Die Geräte der beiden Anbieter weisen gewisse Ähnlichkeiten auf. Es sind Kästen in Kühlschrankgröße, die einfach in den Raum - beispielsweise ein Klassenzimmer - gestellt werden, nötig ist nur eine Steckdose. Dann saugen sie Luft an, schicken sie zuerst durch einen gröberen Vorfilter und dann durch einen speziellen Filter, der in der Lage ist, auch Viren weitestgehend aus der Luft zu holen.

Die Qualität dieses Filters ist nach Ansicht von Experten wie Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg essenziell für die Wirksamkeit. Er hat bereits mehrere Geräte getestet, unter anderem von Trotec. Kähler nennt zudem zwei weitere Bedingungen für einen erfolgreichen Einsatz: Um die Luft schnell zu reinigen, müssen die Geräte ein mehrfaches des Raumvolumens pro Stunde filtern und dabei leise genug sein, um im Dauerbetrieb zu laufen.

Technisch war die Entwicklung für die Unternehmen mit Erfahrung im Luftfilterbereich kein Hexenwerk - auch weil sich viel aus anderen Geräten übertragen lässt, wie Goertz bestätigt. Wolf-Chef Thomas Kneip sagt: «Unser Produkt ist eine Adaption einer bestehender Technik, welche bereits in Krankenhäusern oder Reinräumen eingesetzt wird.»

Beide Unternehmen haben Teile der Produktion umgestellt, um die erhoffte Nachfrage zu bedienen. Finanziell ist die Entwicklung der Geräte ein kleines Risiko für die Unternehmen - aber natürlich auch eine Geschäftschance. «Wie bei allen Produkten wollen wir auch Geld damit verdienen», sagt Kneip, betont aber, normale Preise zu verlangen. «Wir haben uns an den üblichen Margen orientiert.» Der Preis soll auch im Vergleich wettbewerbsfähig sein.

Und Kneip hofft, dass die Virenfilter keine Eintagsfliegen der Corona-Krise werden. «Langfristig könnte gereinigte Luft auch in Hotels oder Tagungsräumen zum Qualitätsmerkmal werden», sagt er. Das muss man sich allerdings auch leisten können. Einige Tausend Euro kosten die Geräte typischerweise, die Luftfilter, die je nach Hersteller nach ein bis zwei Jahren ausgetauscht werden sollen, einige Hundert.

Nach Kritik: Schulgipfel über Unterricht unter Corona-Bedingungen

Die Schulen in Bayern sollen unter allen Umständen so lange wie möglich offen bleiben - so lautet das Ziel. Die Vorgabe der Staatsregierung hat Folgen, und über die sind längst nicht alle glücklich. Ein Schulgipfel soll nun die Wogen glätten.

Themen gibt es reichlich: Bei einem virtuellen Schulgipfel wollen Vertreter der Staatsregierung am Mittwoch (14.00 Uhr) mit Lehrern, Schülern und Eltern über die Situation an den Schulen sprechen. Schon im Vorfeld hatte es teils harsche Kritik der Verbände an der Schulpolitik in der Corona-Pandemie gegeben.

Zwar sind in dieser Woche gerade Herbstferien im Freistaat, doch danach sollen die Kinder und Jugendlichen trotz Teil-Lockdowns und Kontaktbeschränkungen wieder in ihre Klassenzimmer kommen - sofern nicht das Gesundheitsamt wegen eines konkreten Corona-Falles Quarantänemaßnahmen anordnet. Der Präsenzunterricht ganzer Klassen behagt - zumindest unter den aktuellen Bedingungen - vielen nicht.

So fürchten Lehrerverbände um die Sicherheit der Pädagogen und fordern von ihrem Dienstherrn die Bereitstellung von FFP2-Masken, die besser vor einer Ansteckung schützen als die Alltagsmasken. Auch Lüftungsgeräte für die Klassenzimmer sind ein Thema, ebenso der beständig drohende Distanzunterricht und dadurch provozierte geballte Anforderungen im Präsenzunterricht.

Neben den Lehrer- und Direktorenverbänden sind auch Eltern- und Schülervertreter zu dem Online-Gipfel eingeladen. Auch die kommunalen Spitzenverbände sollen dabei sein, ebenso wie Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), Ministerpräsident Markus Söder, Staatskanzleichef Florian Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml (alle CSU).

Die Staatskanzlei als Gastgeber dämpfte im Vorfeld allzu hochfliegende Erwartungen an konkrete Ergebnisse. Der Schulgipfel sei ein «reines Arbeitstreffen», sagte ein Sprecher. Entsprechend sei nicht geplant, die Öffentlichkeit inhaltlich über den Verlauf der Online-Veranstaltung zu informieren.


03.11.2020 17.00 Uhr

Land NRW verbietet geplanten Solinger Schulsonderweg

Die Corona-Neuinfektionen in NRW steigen weiter. Die Stadt Solingen plant als Gegenmaßnahme für ihre weiterführenden Schulen ein Sondermodell. Aber die Landesregierung sagt dazu im letzten Moment Nein.

Das Land NRW verbietet der Stadt Solingen ihren geplanten Corona-Sonderweg für weiterführende Schulen mit je zur Hälfte Präsenz- und Distanzunterricht. Das Gesundheitsministerium in Düsseldorf habe die Kommune am Dienstag per Erlass angewiesen, ihre Verfügung zur Einführung eines solchen Blockunterrichts nicht umzusetzen, teilte die Stadt mit. Solingen hatte angekündigt, ab diesem Mittwoch angesichts anhaltend hoher Corona-Neuinfektionen die Klassenstärken zu halbieren und je 50 Prozent der Schüler digital zu unterrichten.

Konkret sollte bis Ende November wechselweise die Hälfte einer Klasse im Präsenz-, die andere Hälfte daheim im Distanzunterricht lernen. Das wurde nun gestoppt. Als Ziel hatte die Stadt am vergangenen Freitag betont, man wolle die insgesamt rund 20 000 Schüler vor einer Schulschließung bewahren. Ausgenommen hatte das Modell Grund- und Förderschulen sowie die Abschlussklassen der Sekundarstufen I und II.

Da es sich um eine Anweisung des Landes handele, müsse die Stadt ihre Pläne begraben und Folge leisten, erläuterte ein Sprecher in Solingen. Man habe allerdings eine andere Auffassung als das Land und werde das dem Ministerium auch deutlich darlegen.

Die Lehrergewerkschaft GEW hatte das Solinger Konzept noch kurz zuvor als «vorbildlich» begrüßt und von verantwortungsvollem Handeln gesprochen. Den Solinger Schulen sollte die organisatorische Umsetzung selbst überlassen werden - ob sie etwa einen Wechsel im Tages- oder Wochenrhythmus einführen. Die Planung vor Ort war laut Stadt bereits angelaufen. Auch andere Kommunen hätten Interesse gezeigt. Laut «Rheinischer Post» (Dienstag) gab es in Krefeld ähnliche Überlegungen.

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts ist die Verkleinerung von Schulklassen «durch Teilung oder Wechselunterricht» ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen ratsam. In Solingen lag dieser Wert am Dienstag bei 227 und im Bundesland NRW bei 162,5. Der Wert zeigt an, wie viele Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen registriert wurden.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte sich erst kürzlich dagegen ausgesprochen, einen Teil der Schüler zu Hause und den anderen Teil in den Schulen zu unterrichten. In den mehr als 5000 Schulen in NRW ist aber nach Angaben des Schulministeriums die Zahl der bestätigten Corona-Fälle seit den Ferien bei Schülern wie Lehrern gestiegen.

Der Philologen-Verband NW mahnte, es brauche «klare Richtlinien und Handlungsanweisungen für den Fall, dass der Präsenzunterricht vor dem Hintergrund des lokalen Infektionsgeschehens nicht aufrechterhalten werden kann». Schulen sollten früher und umfassender informiert, alle relevanten Akteure regelmäßig ins Boot geholt werden. Wenn die Schulen offenbleiben sollten, müsse die Politik mehr für den Gesundheitsschutz tun.

Zunehmend Corona-Einschränkungen an den Schulen

Die Corona-Einschränkungen an Schulen in Schleswig-Holstein nehmen zu. Wie ein Sprecher des Bildungsministeriums am Dienstag am Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, erhielten Stand Montag 145 Schul-Kohorten wegen Corona-Fällen oder (möglichen) Corona-Kontakten keinen Präsenzunterricht. Vergangenen Freitag (30. Oktober) waren es nur 95 Kohorten gewesen. «Kohorte» ist ein Sammelbegriff. Darunter fallen Schülergruppen, Klassen oder auch ganze Jahrgangsstufen.

Die Zahl der betroffenen Kohorten steige zwar, allerdings erhielten - grob überschlagen - deutlich mehr als 90 Prozent der Schüler weiterhin Präsenzunterricht, betonte der Sprecher. Die Zahl der komplett geschlossenen Schulen verdoppelte sich von zwei auf vier. In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 951 Schulstandorte.

Insgesamt 19 Corona-Fälle wurden jüngst an der Elmshorner Leibniz Privatschule nachgewiesen. Die Schule bleibt bis zum 15. November weitgehend geschlossen, lediglich die gymnasiale Oberstufe darf unter verschärften Hygieneauflagen geöffnet bleiben, hatte die Kreisverwaltung Pinneberg am Montag mitgeteilt. In Schulen im Kreis Pinneberg gibt es laut Ministerium 12 betroffene Kohorten, im Kreis Segeberg 11 und im Kreis Nordfriesland 23.

Zurzeit müssen die Schüler in Schleswig-Holstein von der ersten Klasse an auch im Unterricht einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Im Landtag hatte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) vergangene Woche trotz rasant steigender Infektionszahlen bekräftigt, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten.

Kretschmann: Stoßlüften in Schulen ist das Mittel der Wahl

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält den Einsatz von Luftreinigungsgeräten in Klassenzimmern für eine nicht umsetzbare Lösung im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Nach Auskunft des Kultusministeriums seien lediglich drei Prozent der Klassenzimmer im Land nicht belüftbar, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. Und in der Regel finde in diesen Räumen kein Unterricht statt. Stoßlüften werde von Experten als außerordentlich wirksam geschildert und sei das «Mittel der Wahl». Dabei nehme die Temperatur um zwei bis drei Grad ab. Es wäre gar nicht möglich, Filtergeräte in allen Klassenzimmern im Land flächendeckend einzusetzen.

Kretschmann sprach sich auch gegen Wechselunterricht mit halbierten Klassen aus. Es sei schon viel Unterricht ausgefallen. Das Konzept der Landesregierung mache ein hohes Maß an Präsenzunterricht möglich. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden in Baden-Württemberg an 250 Schulen insgesamt 347 Klassen beziehungsweise Gruppen vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb herausgenommen (Stand: 3. November 2020). Zwei Schulen seien vollständig geschlossen.

Bildungsministerium: Quarantäne an 92 Schulen und Berufsschulen

Mit den steigenden Corona-Infektionszahlen nehmen in Mecklenburg-Vorpommern die Quarantänefälle an Schulen zu. Das Bildungsministerium in Schwerin meldete am Dienstag aktuelle Quarantänemaßnahmen an 79 allgemeinbildenden und 13 beruflichen Schulen. Betroffen seien derzeit 3626 Schüler sowie 410 Lehrkräfte und pädagogisches Personal.

An den allgemeinbildenden Schulen seien damit 2,3 Prozent aller Schüler und 3,4 Prozent der Lehrer betroffen. Ihre Zahl hat sich binnen einer Woche etwa verdoppelt: Am 26. Oktober waren den Angaben zufolge 1,3 Prozent aller Schüler und 1,7 Prozent aller Lehrer an den rund 560 allgemeinbildenden Schulen im Land in Quarantäne. Drei Schulen seien derzeit komplett geschlossen.

An den Berufsschulen sind die Zahlen betroffener Lehrer und Schüler geringer, sie steigen aber auch. Das Bildungsministerium erhebt die Zahlen jeweils montags. Sie liegen nach Auskunft eines Sprechers in der Regel am späten Abend vor.

Ein Ministeriumssprecher betonte, an 30 der 92 Schulen und Berufsschulen mit Quarantänemaßnahmen seien Infektionsfälle in der Schule festgestellt worden. An den anderen 62 Schulen seien lediglich Kontaktpersonen von Infektionsfällen außerhalb der Schule betroffen.

Seit Schuljahresbeginn waren den Angaben zufolge in MV 6805 Schüler und 780 Lehrkräfte und pädagogisches Personal vorübergehend in Quarantäne. An 151 Schulen habe es bislang Quarantänemaßnahmen gegeben. An den allgemeinbildenden Schulen in MV werden insgesamt 152 700 Schüler unterrichtet, an den Berufsschulen sind es 34 500.

«Wo drückt der Schuh?» Staatskanzlei lädt zum Schulgipfel ein

Im Freistaat gibt es einen Teil-Lockdown und Kontaktbeschränkungen, die Schulen aber bleiben trotz hoher Infektionszahlen offen. Am Unterricht in Krisenzeiten und seinen Bedingungen gibt es durchaus Kritik. Ein Schulgipfel soll die Gemüter nun besänftigen.

Es dürfte ein hitziges Treffen werden: Bei einem Schulgipfel der Staatskanzlei stoßen am Mittwoch Lehrer, Eltern, Schüler und Politiker aufeinander. Schon im Vorfeld hatte es teils harsche Kritik an der Schulpolitik der Staatsregierung in der Corona-Pandemie gegeben. In großer Runde soll nun beim Gipfel die aktuelle Lage an den Schulen im Freistaat diskutiert werden. Gesprächsbedarf dürfte es auch inmitten der Herbstferien reichlich geben: Distanzunterricht, geballte Leistungsproben im Präsenzunterricht, die Forderung nach hochwertigen Masken für Lehrer und fehlende Lüftungsgeräte in den Klassenzimmern sind nur einige der Themen, die die Schulfamilie derzeit umtreiben.

«Das wird als Videoschalte stattfinden, als reines internes Arbeitsgespräch mit einem größeren Kreis», sagte ein Sprecher der Staatskanzlei am Dienstag. Inhaltlich gehe es um ein «aktuelles Update, Lage der Dinge, wo drückt der Schuh?». Öffentlich äußern werde sich die Staatskanzlei nach dem auf mehrere Stunden angesetzten Gipfel am Nachmittag voraussichtlich nicht, um den Arbeitscharakter der Veranstaltung zu wahren.

Am Vortag hatten sowohl Eltern- als auch Schülerverbände in offenen Briefen fehlende Konzepte in Bayerns Corona-Schulpolitik beklagt und schnelle Verbesserungen gefordert. Trotz rasch steigender Corona-Infektionszahlen bleiben Bayerns Schulen und Kitas auch während des Teil-Lockdowns im November geöffnet - dies hat für die Politik höchste Priorität.

Die Landeselternvereinigung der Gymnasien (LEV) und der Bayerische Elternverband (BEV) bemängelten den Corona-Unterricht im Freistaat zum Wochenbeginn jedoch als planlos und ungerecht. Von einer «gelungenen Erziehungspartnerschaft» könne nicht die Rede sein, weil Eltern zu Ersatzlehrern werden müssten und keine Chancengleichheit mehr gegeben sei. Zudem herrsche auch acht Monate nach Beginn der Pandemie «digitales Chaos».

Die Elternverbände beklagten ebenso wie der Landesschülerrat eine «Notenjagd» aus Angst vor weiteren Schulschließungen. Dem entgegnete das Kultusministerium, dass die Schulaufsicht in diesem Punkt bereits tätig geworden sei, um die Schülerinnen und Schüler nicht übermäßig mit Proben zu belasten. Keine Lösung scheint hingegen bei den Lüftungsgeräten in Sicht, für die die Staatsregierung zwar Geld bereitstellt, die von vielen Kommunen aber nur zurückhaltend angeschafft werden.

Von Seiten des Kabinetts werden an dem Schulgipfel den Plänen zufolge Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sowie Ministerpräsident Markus Söder, Staatskanzleichef Florian Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml (alle CSU) teilnehmen. Eingeladen sind auch Vertreter der Lehrer-, Direktoren-, Eltern- und Schülerverbände sowie die kommunalen Spitzenverbände Landkreistag, Städtetag, Gemeindetag und Bezirketag.

Corona-Krankenstand führt zu einzelnen Engpässen an Hamburger Schulen

An Hamburger Schulen kommt es wegen coronabedingter Ausfälle von Lehrkräften zu einzelnen Engpässen. Das räumte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag bei NDR 90,3 ein. Zwar sei die eigentliche Zahl der von Corona betroffenen Lehrkräfte so gering, dass man sie kompensieren könne. «Viel schwieriger ist in der Tat, dass viele - was ja nicht verkehrt ist - bei Erkältungsanzeichen jetzt zu Hause bleiben.» Auch werde manchmal «ein halbes Kollegium in Quarantäne geschickt», wenn ein infizierter Schüler mit besonders vielen Lehrern in Kontakt gewesen ist.

Dann könne es vorkommen, dass Schüler auch mal vier Tage zu Hause lernen müssen, sagte Rabe. «Aber wir versuchen als Schulbehörde, dann gegenzusteuern und den Schulbetrieb möglichst schnell wieder hochzufahren.»

Insgesamt sei das Risiko für Lehrkräfte, sich in der Schule zu infizieren, mit einer Quote von 9:1 aber gering. «Das heißt, von 10 infizierten Lehrkräften hat nur eine sich in der Schule angesteckt, fast alle dagegen zu Hause.» Auch die Zahl der zur Risikogruppe zählenden Lehrerinnen und Lehrer sei in Hamburg vergleichsweise gering. «Das alles sind zusammen vielleicht zwei Prozent, drei Prozent aller Lehrkräfte», sagte Rabe.

Anstieg der Corona-Fälle in NRW-Schulen seit den Ferien

In den mehr als 5000 Schulen in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der bestätigten Corona-Fälle bei Schülern und Lehrern seit den Ferien angestiegen. Nach Ende der Herbstferien wurden in der vergangenen Woche (44. KW) 1808 Corona-Fälle bei Schülern verzeichnet, wie aus einem Bericht des Schulministeriums für die Ausschusssitzung des Landtags an diesem Mittwoch hervorgeht. In der 41. Kalenderwoche waren 853 Fälle gemeldet worden. Die Zahl der Schüler in Quarantäne sank indes von mehr als 23 300 vor den Herbstferien auf knapp 13 600 nach den Ferien. In NRW gibt es rund 2,5 Millionen Schüler und mehr als 5500 Schulen.

Bei den Lehrkräften wurden demnach vergangene Woche 367 Corona-Fälle gemeldet, in der Woche vor den Ferien waren es noch 166. In Quarantäne befinden sich 1287 Lehrkräfte (KW 41: 2084). Der Anteil der Lehrkräfte, die wegen Corona nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden konnten, lag laut Bericht vergangene Woche bei 3,9 Prozent und damit etwas niedriger als vor den Ferien (4,3 Prozent).

An 98,4 Prozent der Schulen fand vergangene Woche laut Ministerium Präsenzunterricht für alle Klassen statt. An 68 Schulen habe es Teilschließungen gegeben, keine Schule sei vollständig geschlossen gewesen. In der Woche vor den Ferien hätten 360 Schulen pandemiebedingt teilweise schließen müssen und acht Schulen komplett.

Trotz landesweit steigender Corona-Zahlen sollen die Schulen in NRW offen bleiben. Das hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Montag noch einmal bekräftigt. Seit Montag gilt in NRW ein Teil-Lockdown. Restaurants, Cafés, Sport- und Kultureinrichtungen bleiben bis Monatsende dicht. Schulen und Kitas bleiben dagegen offen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte die Lage an den Schulen als riskant bezeichnet. Die GEW fordert - wie auch Elternverbände - kleinere Gruppen in den Schulen, damit die Schüler mehr Abstand untereinander halten könnten.


02.11.2020 13.30 Uhr

Lehrerverband bemängelt «Raubbau mit der Gesundheit des Personals»

Vor den am Dienstag in Baden-Württemberg beginnenden Berufsschulprüfungen fordert der Verband der Lehrerinnen und Lehrern an beruflichen Schulen (BLV) einen besseren Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schüler. Die Politik müsse ihre Hausaufgaben machen, sagte der BLV-Vorsitzende Thomas Speck am Montag in Stuttgart.

Teile der Lehrkräfte seien aufgrund «explodierender Corona-Fallzahlen in Quarantäne und stehen somit für die Abwicklung der Prüfungen nicht zur Verfügung». Neben diesem personellen Engpass führten die Hygienekonzepte zusätzlich zu räumlichen Engpässen. «Und dann wird natürlich erwartet, dass ein umfassender Gesundheitsschutz für die Prüflinge stattfindet. Eine äußerst schwierige Gemengelage», sagte der BLV-Chef.

Der Preis, den Schulleitungen und Lehrkräfte dafür zu zahlen hätten, sei hoch. «So wird Raubbau mit der Gesundheit des Personals getrieben», kritisierte Speck. In einem auf Kante genähten Betrieb werde den Schulen durch die Corona-Auflagen noch ein gewaltiges Paket aufgebürdet.

Am 3. November beginnen für mehr als 30 000 Auszubildende in Baden-Württemberg die Prüfungen in der Berufsschule.

Elternverbände: Corona-Unterricht ist planlos und ungerecht

In einem offenen Brief an Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) haben bayerische Elternverbände den Unterricht in Corona-Zeiten massiv kritisiert und fehlende Konzepte beklagt. «Wir Eltern werden nicht hinnehmen, dass unsere Kinder durch die Pandemie zu Verlierern werden», hieß es in dem am Montag veröffentlichten gemeinsamen Schreiben der Landeselternvereinigung der Gymnasien (LEV) und des Bayerischen Elternverbands (BEV).

Von einer «gelungenen Erziehungspartnerschaft» könne nicht die Rede sein, weil Eltern zu Ersatzlehrern werden müssten und keine Chancengleichheit gegeben sei: «Der Leistungs- und Bildungsstand des einzelnen Schülers hängt in der Pandemie mehr denn je von elterlicher Unterstützung und Förderung ab», hieß es.

Die Schulen seien wegen der Gefahr, jederzeit wieder auf Distanzunterricht umstellen zu müssen, auf schnelle Notengebung bedacht, was Schüler und Eltern massiv unter Druck setze. Dass oftmals Lernstoff noch nachgeholt werden müsse, werde aber nicht berücksichtigt, beklagten die Verbände. Zudem herrsche auch acht Monate nach Beginn der Pandemie «digitales Chaos».

Musikschulen bleiben offen

Weil sie als Bildungseinrichtungen eingestuft werden, dürfen die mehr als 70 niedersächsischen Musikschulen trotz des Teil-Lockdowns im November offen bleiben. «Wir sind darüber sehr erleichtert», sagte der Geschäftsführer des Landesverbandes niedersächsischer Musikschulen, Klaus Bredl, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. «Wir nehmen die Herausforderung sehr ernst und passen die Hygienevorschriften an.» Beim Musizieren müssen Lehrende und Schüler eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Auch Gruppenunterricht sei möglich, wenn die Abstände eingehalten werden können, sagte der Verbandschef.

In der ersten Phase der Corona-Pandemie war dagegen landesweit kein Publikumsverkehr in den städtischen und privaten Musikschulen erlaubt. Unterrichtet wurde meist online abgehalten. Dies habe den Musikschulen einen Digitalisierungs-Schub gegeben, sagte Bredl. Die 74 Musikschulen in Niedersachsen haben über 152 000 Schülerinnen und Schüler, mehr als die Hälfte von ihnen sind unter zehn Jahre alt. Viele Einrichtungen kooperieren mit Kitas und Schulen. Im Nachbarland Nordrhein-Westfalen müssen die Musikschulen dagegen an diesem Montag (2. November) coronabedingt schließen.

Schulunterricht startet unter teils verschärften Hygienemaßnahmen

In Sachsen hat nach den Herbstferien der Schulunterricht unter teils verschärften Hygiene-Bedingungen begonnen. So müssen Gymnasiasten der Klassen 11 und 12 sowie Berufsschüler von nun an auch im Unterricht eine Maske tragen, wenn die Abstände in den Klassenräumen nicht eingehalten werden können. «Dazu gab es über das Wochenende zahlreiche Anfragen von Schülerinnen und Schülern», sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Montag. Begründet wurde die Maßnahme mit Verweis auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach das Infektionsrisiko bei Erwachsenen steige.

Alle Schüler ab Klassenstufe 5 sind zudem verpflichtet, außerhalb der Klassenzimmer eine Maske zu tragen, falls der erforderliche Abstand nicht möglich ist. Lehrerinnen und Lehrer erhalten auf Wunsch eine FFP2-Maske. Vor den Herbstferien wurden laut Ministerium mehr als 99 Prozent der Schüler in der Schule unterrichtet, die anderen mussten aufgrund von Quarantäne zu Hause lernen.

Laschet beharrt trotz Corona auf Präsenzunterricht in Schulen

Schwimmbäder, Sportvereine und Musikschulen sind diesen Monat wegen der Coronapandemie dicht, die Schulen hingegen nicht. Das begeistert nicht alle Eltern. Doch NRW-Regierungschef Laschet verteidigt die bisherige Linie.

Trotz gestiegener Corona-Zahlen will Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Schulen auf jeden Fall offenhalten. Der Präsenzunterricht sei ein unverzichtbarer Bildungszugang für Kinder und Jugendliche, sagte er am Montag bei WDR 2. «Wir wollen alles tun, um den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten.» In der Sendung hatte eine Radiohörerin und Mutter Bedenken gegenüber dieser Entscheidung geäußert: Sie habe Sorge, dass ihre Kinder das Coronavirus mit nach Hause brächten und dadurch auch eine Gefahr für die ältere Generation wären.

Laschet verteidigte dagegen die Fortsetzung des Präsenzunterrichts. Es gebe Regeln, wer wo sitze, und es gebe die Maskenpflicht. Die Mutter plädierte für die Teilung von Klassen, um die Abstände unter den Schülern zu erhöhen. Nach Darstellung von Laschet gibt es dafür aber nicht genügend Personal und Räume. Er wandte sich dagegen, im Wechsel einen Teil der Schüler nach Hause zu schicken und den anderen Teil in den Schulen zu belassen. Nicht alle Eltern könnten ihre Kinder daheim tagsüber angemessen unterstützen bei den Schularbeiten, viele hätten zudem nicht ausreichende digitalen Mittel daheim. Keinem Kind dürfe die Chance auf Bildung verwehrt werden, betonte Laschet.

Am Montag traten verschärfte Regeln in Kraft, mit denen die zuletzt sehr hohen Infektionszahlen wieder gedrückt werden sollen. So bleiben alle Restaurants und Cafés sowie Schwimmbäder, Fitnessstudios, Museen und Theater bis Monatsende dicht. Schulen und Kitas bleiben dagegen offen.

«Es ist kein schöner Tag», räumte der Regierungschef mit Blick auf die Maßnahmen ein. Sie seien aber nötig, um die Infektionszahlen wieder drücken zu können. Er appellierte an die Bevölkerung, soziale Kontakte so weit wie möglich herunterzufahren und sich an die Hygieneregeln zu halten. In den von den Schließungen betroffenen Branchen gibt es die Sorge, dass die Maßnahmen verlängert werden und die Läden auch im Dezember geschlossen bleiben müssen. Eine entsprechende Befürchtung äußerte der Inhaber einer Massagepraxis aus Soest in der Radiosendung.

Laschet sagte: «Mein Ziel ist es, dass wir das, was wir jetzt tun, nur für den Monat November machen.» Wenn die Infektionswelle gebrochen sei, könne man «in einen beruhigteren Dezember gehen». Allerdings gab er zu, dass der Verlauf der Infektionskurve unklar sei. «Weil wir nicht wissen, wie die Maßanhmen wirken, will ich nichts versprechen», bemerkte der CDU-Politiker. «Sobald wir irgendeine Chance haben, dass wir von diesen ganz strengen Maßnahmen herunterkommen, werde ich mit dafür sorgen.»

Der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Kutschaty, forderte in der «Westdeutschen Zeitung», noch in dieser Woche einen Schulgipfel abzuhalten. Er verwies auf das Vorgehen der Stadt Solingen, Schulklassen an weiterführenden Schulen zu trennen und Präsenzunterricht in wöchentlichem Wechsel zu erteilen. Solingen hat sehr viele Corona-Fälle. «Die Stadt musste die Reißleine ziehen, weil die Landesregierung den Corona-Zug ungebremst auf die Schulen zusteuern lässt», erklärte Kutschaty. «Dabei werden die Kommunen völlig allein gelassen.»

Beim Umgang mit der Corona-Pandemie setze Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) «allein auf das Prinzip Hoffnung», monierte der Oppositionspolitiker. Solingens Vorgehen steht beim Schulministerium auf dem Prüfstand.

iPad ist Luxus: Jobcenter muss Tablet für Schülerin nicht bezahlen

Die Jobcenter müssen Schülerinnen und Schülern einem Gerichtsurteil zufolge kein iPad bezahlen, selbst wenn ihre Schulklasse den Unterricht auf diese Tablets umstellt. Für die Ausstattung mit Lernmitteln sei der Schulträger zuständig, befand das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen. Wenn Familien sich die Geräte nicht leisten könnten, müsse der Schulträger eine kostenfreie Leihmöglichkeit schaffen (L 7 AS 66/19). Das teilte das Gericht in Celle am Montag mit.

In dem Fall hatten eine Sechstklässlerin und deren Familie, die von Hartz IV lebt, beim Jobcenter 460 Euro für ein iPad beantragt. Ohne das Gerät bekomme das Mädchen die Hausaufgaben nur in Papierform
und sei damit in seiner Klasse ausgegrenzt, argumentierten sie. Das Jobcenter war allenfalls bereit, ein Darlehen zu gewähren.

Das Gericht gab der Behörde recht. Kosten für digitale Geräte seien aus dem Regelbedarf zu bestreiten. Es liege kein Mehrbedarf vor, weil ein iPad weder schulrechtlich vorgeschrieben sei, noch zum Erreichen des Schulabschlusses erforderlich sei. Gegenüber einkommensschwachen Familien knapp oberhalb von Hartz IV stelle ein iPad einen Luxus dar und keinen notwendigen Schulbedarf.

Das Landessozialgericht befand auch, die Schule habe durch die
Bevorzugung eines Produkts der Firma Apple gegen ihre Neutralitätspflicht verstoßen. Ein solcher Rechtsbruch könne nicht durch den Einsatz öffentlicher Mittel unterstützt werden. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls ließ das Gericht eine Revision zu.

Rund 90 Schüler positiv auf Corona getestet

Die Schule beginnt nach den Herbstferien. Bekannte Regeln in der Corona-Pandemie wurden verschärft, auch um so lange wie möglich Präsenzunterricht zu erlauben. Infektionszahlen an Schulen waren bislang übersichtlich.

Seit Beginn des aktuellen Schuljahres Ende August wurde bei etwa 90 Schülerinnen und Schülern in Thüringen eine Infektion mit dem Corona-Virus nachgewiesen. Das geht aus jüngsten Zahlen hervor, die dem Bildungsministerium vorliegen. Daneben seien innerhalb dieses Zeitraums auch 12 Pädagogen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Etwa 245 000 Schüler besuchen die 978 Schulen im Freistaat. Rund 20 000 Lehrer unterrichten dort.

Seit den Sommerferien waren den Ministeriumsangaben zufolge etwa 80 Schulen von zeitlich begrenzten Einschränkungen und Einzelmaßnahmen zur Eindämmung der Pandemie durch die Gesundheitsämter betroffen - 7 Schulen wurden geschlossen.

In der Pandemie hat Thüringen an Schulen und in Kindergärten ein Ampelsystem eingeführt. Grün bedeutet Regelbetrieb, bei Gelb gelten erste Einschränkungen, zum Beispiel abwechselnder Unterricht in der Schule und zu Hause. Rot bedeutet in der Regel, dass betroffene Einrichtungen schließen müssen.

Angesichts der zuletzt auch im Freistaat heftig gestiegenen Infektionszahlen hat das Bildungsministerium aber bereits geltende Corona-Regeln an den Schulen nach den Herbstferien etwa verschärft, ohne grundsätzlich für alle Schulen die Ampel auf Gelb zu stellen.

Unter anderem können sich Schüler und Lehrer mit Risikomerkmalen für einen besonders schweren Krankheitsverlauf vom Präsenzunterricht befreien lassen. Voraussetzung dafür ist, dass ihre Schule in einem Landkreis oder einer Stadt liegt, wo innerhalb von sieben Tagen der Wert von 50 nachgewiesenen Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner überschritten wird. Zudem wurden etwa Klassenfahrten für die Zeit des für November angekündigten Teil-Lockdowns abgesagt.

Weiterhin gelten bereits bestehende grundsätzliche Vorgaben zum Infektionsschutz an Schulen. Dazu gehört etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Schulgebäuden, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann - insbesondere beim Raumwechsel in den Pausen. Eine Maskenpflicht im Unterricht gibt es dagegen nicht

Auch in Kindergärten gelten nach den Ferien verschärfte Regeln. So soll etwa in den Einrichtungen unter anderem häufig gelüftet und etwa auf gruppenübergreifende Aktivitäten verzichtet werden. Zudem sollten Eltern zeitlich versetzt ihren Nachwuchs in die Kitas bringen oder von dort abholen.

01.11.2020 17.15 Uhr

GEW kritisiert Regierung für Lehrbedingungen unter Corona

Bei Lehrern und Erziehern im Südwesten regt sich heftiger Widerstand gegen die Bedingungen, unter denen Schulen und Kitas im November geöffnet bleiben sollen. Ein Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete den Umgang der Landesregierung mit den Einrichtungen am Sonntag als verantwortungslos. «Die Verunsicherung und der Unmut unter den 130 000 Lehrkräften im Land wächst», sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz laut eines Sprechers in Stuttgart.

Während es überall neue Schutzmaßnahmen gebe und erneut milliardenschwere Rettungspakete beschlossen würden, verweigere die Kultusministerin Lehrkräften weiterhin FFP2-Schutzmasken. Die Schulen warteten weiter auf CO2-Messgeräte und Raumluftfilter und die Landesregierung ignoriere seit Monaten die Vorschläge für eine bessere personelle Unterstützung zum Beispiel durch Lehramtsstudierende und Pädagogische Assistenzen, sagte Moritz demnach. «Wir haben erst wenige Wochen im Schuljahr hinter uns und den Lehrerinnen und Lehrern, allen voran den Schulleitungen geht die Luft aus und die Angst wird größer.»

Während von Bund und Ländern zur Kontaktreduzierung aufgerufen werde, sollten in den 4500 Schulen im Land ab morgen wieder viele Stunden bis zu 30 Kinder und Jugendliche mit ihren Lehrkräften in viel zu engen und oft nicht gut zu lüftenden Klassenzimmern sitzen, gab die Vorsitzende Moritz zu bedenken.

Die GEW setze sich deshalb für Wechselunterricht ab der siebten Klasse ein, bei der eine Hälfte der Klasse zu Hause lerne. Dieses Modell würde auch vom Robert Koch-Institut für die Pandemiestufe 3 empfohlen. Doch an vielen Schulen fehlten Lehrkräfte. Gebe es mehr Lehrkräfte, sei ein solches Konzept auch besser umsetzbar, heißt es von der GEW. Als kurzfristige Maßnahme sollten zudem CO2-Ampeln gekauft werden, damit die vorgeschlagenen Lüftungskonzepte umgesetzt werden können. Zudem solle es weiter kostenlose Corona-Tests für Lehrkräfte geben.

Gesamtschule in Schwerin geschlossen - rund 600 Schüler in Quarantäne

Wegen mehrerer Corona-Infektionen schließt die Landeshauptstadt Schwerin eine Gesamtschule für zwei Wochen. Es sei für rund 600 Schüler und 60 Lehrer Quarantäne angeordnet worden, wie die Stadt am Samstagabend mitteilte. Nach vorherigen Angaben waren bereits am Freitag mehr als 100 Schüler der Schule in Quarantäne, nun werde sie komplett geschlossen. Damit soll der Ausbruch eingedämmt werden, die Verfolgung der Infektionsketten sei kaum noch möglich, sagte Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD).

Wenn Symptome auftreten, solle umgehend getestet werden. Am Samstag seien zehn der 16 registrierten Neuinfektionen in der Landeshauptstadt im Zusammenhang mit der Gesamtschule gewesen.

Rund 400 Euro für Schutz in jedem Klassenraum an staatlicher Schule

Für zusätzliche Schutzmaßnahmen angesichts der Corona-Pandemie stellt die Schulbehörde für jeden Klassenraum in einer staatlichen Schule in Hamburg rund 400 Euro zur Verfügung. Damit sollen etwa Plexiglasscheiben oder sogenannte C02-Ampeln gekauft werden können, wie aus einem Brief von Schulsenator Ties Rabe (SPD) hervorgeht, den die Schulbehörde am Samstag auf Twitter veröffentlichte. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Mit C02-Ampeln sollen demnach Lüftungszeiträume besser abgeschätzt werden können. Dies könne das regelmäßige Lüften jedoch nicht ersetzen, dies würde weiterhin die größte Sicherheit darstellen.

Das Programm hat den Angaben zufolge ein Volumen von mehr als vier Millionen Euro. Details sollen in der kommenden Woche genannt werden.


31.10.2020 15.15 Uhr

Ministerin Eisenmann möchte Corona-Schnelltests an Schulen und Kitas

Um Infektionen in Kitas und Schulen schneller zu erkennen, fordert die Kultusministerin Corona-Schnelltests. Gesundheitsminister Lucha kritisiert den Zeitpunkt der Forderung und verweist auf das bisherige Schutzkonzept.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) möchte in Schulen und Kitas künftig auch Antigen-Schnelltests zur Eindämmung von Corona-Infektionen einsetzen. «Ich halte den Einsatz von Antigen-Schnelltests für sinnvoll, weil sie die Möglichkeit bieten, mehr Personen in kürzerer Zeit zu testen und Infektionen schneller zu erkennen», sagte die Ministerin der «Heilbronner Stimme» und dem «Mannheimer Morgen» (Samstag). Mit den Schnelltests soll ein Ergebnis dann innerhalb weniger Minuten vorliegen.

Bisher setzt die Landesregierung an Schulen und Kitas nach Angaben des Sozialministeriums einzig auf sogenannte PCR-Tests. Deren Ergebnisse liegen in der Regel erst nach ein bis zwei Tagen vor. Durch die Schnelltests könnten «betroffene Einrichtungen oder Gruppen schnell getestet, auch Infizierte ohne nennenswerte Symptome zügig identifiziert und isoliert und unsere Kinder, Jugendlichen und Beschäftigten so vor einer Ausbreitung des Virus geschützt werden», sagte Eisenmann den Zeitungen.

Die Kultusministerin möchte demnach erreichen, dass die Schnelltests, die im Gegensatz zu PCR-Tests als fehleranfälliger gelten, in die Teststrategie des Landes aufgenommen werden, das dann auch die Kosten für diese «weitgehend übernehmen solle».

Die Bundesländer haben sich bei ihrem Treffen am vergangenen Mittwoch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lediglich darauf verständigt, dass Corona-Schnelltests künftig in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Senioren- und Behinderteneinrichtungen eingesetzt werden sollen.

In Baden-Württemberg konnten sich Lehrkräfte und Beschäftigte in Schulen, Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege bis November auch ohne Symptome zwei Mal kostenlos testen lassen. Ministerin Eisenmann würde dieses kostenlose Angebot gerne bis Ende November verlängern und auf drei Testungen erhöhen, Sozialminister Manne Lucha (Grüne) lehnt dies bislang ab.

Minister Lucha teilte zum Vorschlag seiner Kabinettskollegin am Samstag mit: «In dieser höchst angespannten Lage ist jetzt sicher nicht der Zeitpunkt, um mit neuen Forderungen vorzupreschen, sondern die Gesamtsituation im Auge zu haben.» Oberste Priorität habe jetzt ganz klar, die wichtigsten Infektionsherde herauszufiltern und die besonders vulnerablen Gruppen zu schützen. Das seien Bewohnerinnen und Bewohner der Alten- und Pflegeeinrichtungen, der Krankenhäuser sowie das Personal im Gesundheitswesen.

«Dies geht auch klar aus dem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz von dieser Woche hervor», teilte Lucha mit. Natürlich würden nach klaren Infektionsherd-Kriterien dann auch andere Gruppen wie Schulen und Kitas berücksichtigt. Es herrsche Einigkeit darüber, dass die nicht unbegrenzt zur Verfügung stehenden Tests selbstverständlich erst einmal dort eingesetzt würden, wo die Menschen am meisten gefährdet sind. Das Land habe sehr frühzeitig in einer ersten Tranche fünf Millionen Schnelltests geordert, um bei großen Ausbrüchen oder Lieferengpässen schnell reagieren zu können. In der Regel orderten die Einrichtungen die Schnelltests jedoch direkt über den Pharmahandel oder bei den Herstellern, so der Minister.

Gefährliche Enge - der Kampf gegen überfüllte Schulbusse

Im Unterricht und auf dem Schulhof müssen Schüler in Corona-Zeiten Abstand halten. Im Schulbus dagegen stehen sie oft dicht gedrängt. Das beunruhigt viele Eltern, die nun zusammen mit Schulen und Kommunen nach Lösungen suchen.

Im Kampf gegen überfüllte Schulbusse setzen erste Städte in Schleswig-Holstein jetzt auf eine Entzerrung der Schulanfangszeiten. Sie folgen damit auch dem Wunsch vieler Eltern, die seit Monaten Lösungen fordern, damit ihre Kinder auf dem Schulweg vor Ansteckungen mit dem Coronavirus möglichst geschützt werden.

Vertreter der Landeselternbeiräte der Gemeinschaftsschulen und der Gymnasien in Schleswig-Holstein sind dafür, den Unterrichtsbeginn zu entzerren und auf stark frequentieren Linien mehr Busse einzusetzen. In Flensburg haben sich 15 weiterführende Schulen bereits im September auf gestaffelte Schulanfangszeiten verständigt. Nach langem Zögern will jetzt auch Lübeck einen Runden Tisch nach Flensburger Vorbild einrichten.

Das hat der Hauptausschuss in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Bislang hatte die Hansestadt Lübeck stets auf die Zuständigkeit des Bildungsministeriums verwiesen. «Wir haben gegenüber den Schulen keine Verfügungsgewalt», sagte Stadtsprecherin Nicole Dorel.

Für das Bildungsministerium dagegen ist die Schülerbeförderung Sache der Kreise und kreisfreien Städte. «Wenn die die Beförderung entzerren wollen, können sie sich mit den Schulen auf einen gestaffelten Unterrichtsbeginn verständigen», sagte Sprecher David Ermes. Im Übrigen sehe das Ministerium im Schülerverkehr wegen der geltenden Maskenpflicht keine erhöhte Ansteckungsgefahr.

Elternvertreter kritisieren dagegen dieses Kompetenzgerangel. «Während im sonstigen öffentlichen Raum, in Geschäften und Restaurants, Abstandsregelungen auch mit Mundschutz gelten, scheint das mit dem Abstand im ÖPNV völlig belanglos zu sein», sagte Claudia Pick, Vorsitzende des Landeselternbeirats der Gymnasien in Schleswig Schleswig-Holstein. Dabei sei die Rückverfolgung von Kontakten bei überfüllten Bussen besonders schwierig.

Auch für den Vorsitzenden des Landeselternbeirats der Gemeinschaftsschulen, Thorsten Muschinski, führt die derzeitige Schülerbeförderung das Kohortenprinzip ad absurdum. «Sinnvoll wäre auf jeden Fall die Entzerrung des Unterrichtsbeginns», sagte er. 

Das sei allerdings nicht so einfach, wie es sich zunächst anhöre, sagte Ellen Kittel, Leiterin des Fachbereichs Bildung, Sport und Kultur der Stadt Flensburg. Sie hat schon im September Vertreter der weiterführenden Schulen, der Schulverwaltung und des kommunalen Busunternehmens an einen Tisch geholt, um die Schulanfangszeiten neu zu regeln. «Man muss jede Schule und ihre besonderen Gegebenheiten einzeln betrachten, doch wir sind auf einem guten Weg», sagte sie,

Doch nicht alle Eltern haben Probleme mit vollen Schulbussen. Eine Mutter aus Handewitt, deren zwei Kinder ein Gymnasium in Flensburg besuchen, sagte: «Das Busfahren stellt in meinen Augen kein größeres Risiko dar als der tägliche Schulbesuch mit Sportunterricht ohne Maske, den kleinen Klassenräumen und dem Gedränge an den Ein- und Ausgängen.»

Knapp zwei Prozent der Schulen melden Corona-Fälle

Während der Corona-Pandemie blicken viele Menschen auf die Lage in den Schulen. Die Behörden wollen die Bildungseinrichtungen offenhalten. Komplett verhindern lassen sich Corona-Fälle unter Lehrkräften und Schülern nicht.

Die erste Schulwoche nach den Herbstferien ist aus Sicht des niedersächsischen Kultusministeriums gut verlaufen. Die große Mehrheit der rund 3000 Schulen meldete demnach keine Corona-Fälle, wie Ministeriumssprecher Ulrich Schubert mitteilte. Eingeschränkt war der Betrieb am Freitag demnach an 52 Schulen, das sind knapp zwei Prozent. Nach den Zahlen des Ministeriums hatten zu diesem Zeitpunkt 38 Klassen, 20 klassenübergreifende Kohorten und vier Jahrgänge vorübergehend keinen Präsenzunterricht.

Wegen der hohen Fallzahlen in der Stadt Delmenhorst werden Schülerinnen und Schüler dort abwechselnd in der Schule und zuhause unterrichtet - so wird die Zahl der Menschen in einer Klasse verkleinert. Berufsschüler sind dort ausschließlich in ihren Ausbildungsbetrieben oder lernen zuhause, wie aus einer Verordnung der Stadt hervorgeht.

«Es ist uns weiterhin gelungen, trotz der schwierigen Gesamtentwicklung die Schulen offenzuhalten und damit dem Anspruch auf das Recht auf Bildung junger Menschen gerecht zu werden – bei maximalem Schutz der Schülerinnen, Schüler und Beschäftigten in den Schulen», so das Kultusministerium.

Von Montag an gilt für alle Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen in Corona-Hotspots eine Maskenpflicht, wie aus der am Freitag veröffentlichten neuen Verordnung des Landes hervorgeht. Inzwischen gilt mehr als die Hälfte der Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen als Corona-Risikogebiet, weil sie über 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen hatten. Außerdem wurde neu geregelt, wann Schulen vom Präsenzunterricht vorübergehend in den Wechselbetrieb mit geteilten Klassen gehen müssen. Dies gilt künftig, wenn in der Kommune der Inzidenzwert von 100 überschritten und für die Schule außerdem eine Infektionsschutzmaßnahme wie Quarantäne etwa für eine Klasse verordnet wurde.

Nach einer Abfrage zum Schuljahresbeginn arbeiten rund vier Prozent der landesbediensteten Schulbeschäftigten wegen der Corona-Pandemie von zu Hause aus. Ob seit den Herbstferien weitere Lehrkräfte mit Risikofaktoren Home Office beantragt haben, konnte das Kultusministerium nicht sagen. Wie viele Kinder und Jugendliche derzeit fürs Home Schooling angemeldet sind, weil sie oder Angehörige zu einer Risikogruppe gehören, wusste das Ministerium nicht. Die Entscheidung über solche Härtefälle liege bei den Schulleitungen.

In Bremen wurden nach Angaben des Bildungsressorts nur einige wenige Kinder und Jugendliche wegen Risikofaktoren vom Präsenzunterricht abgemeldet. Genaue Zahlen nannte Sprecherin Annette Kemp nicht. Knapp drei Prozent der Lehrkräfte arbeiten demnach von zu Hause, weil sie zur Risikogruppe gehören. «Die senatorische Behörde hat die Möglichkeit geschaffen, Personal zu rekrutieren – das ist bei dem leer gefegten Markt natürlich schwierig.» Manchmal würden Masterstudenten als «verlängerter Arm» der Lehrkräfte im Präsenzunterricht aushelfen.

Nach Angaben des Bremer Bildungsressorts liegt der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die seit Beginn dieses Schuljahres positiv auf Corona getestet wurden, bei 0,23 Prozent. Bei den Lehrkräften und dem betreuenden Personal sind es 0,37 Prozent.

30.10.2020 11.30 Uhr

Philologenverband verlangt besseren Corona-Schutz in Schulen

Der Thüringer Philologenverband verlangt einen besseren Corona-Schutz in den Schulen, wenn am Montag der Unterricht nach den Herbstferien wieder beginnt. Es sei unverständlich, dass das Bildungsministerium die sogenannte Ampel unabhängig vom allgemeinen Infektionsgeschehen in der Region auf Grün lassen wolle, teilte der Verband am Freitag in Erfurt mit. «Lehrer und Schüler werden in der Schule Gefahren ausgesetzt, die andernorts mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden», erklärte Heike Schimke, die Vorsitzende des Thüringer Philologenverbandes.

Zur Eindämmung der Pandemie an Schulen und in Kindergärten hat Thüringen ein Ampelsystem eingeführt. Grün bedeutet Regelbetrieb, bei Gelb gelten erste Einschränkungen, zum Beispiel abwechselnder Unterricht in der Schule und zu Hause. Rot bedeutet in der Regel, dass betroffene Einrichtungen schließen müssen.

Dass sich Lehrer und Schüler, die Risikogruppen angehören, in Kreisen mit einer hohen Zahl von Ansteckungen auf Antrag vom Präsenzunterricht befreien lassen können, reicht nach Auffassung der Philologen als Gesundheitsschutz nicht aus. Bei einem Wert von über 50 Infektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche müssten die Klassen wieder geteilt werden. Dabei gelte es zu beachten, dass jüngere Schüler so viel Präsenzunterricht wie möglich erhalten. Ältere Schüler könnten den Distanzunterricht effektiver nutzen.

Erkältet in Kita oder Schule - Was gilt in der Corona-Zeit?

Auch in Bayern wird es wieder harte Maßnahme im Kampf gegen die Corona-Pandemie geben. Aber: Kitas und Schulen sollen geöffnet bleiben - doch auch da gibt es wieder Hürden: zum Beispiel Rotznasen.

Schulen und Kitas sind von den neuen harten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgeschlossen. Doch jahreszeitbedingt läuft bei Kindern derzeit oft die Nase, sie husten ab und an: Das bringt vor allem dann Probleme, wenn sich in der eigenen Region in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Menschen je 100 000 Einwohner mit dem Coronavirus infiziert haben (Inzidenzwert). Und das ist in ganz vielen Orten in Bayern der Fall.

Darf mein Kind mit leichten Erkältungssymptomen wie Schnupfen und gelegentlicher Husten in die Schule gehen?

Ja, aber, heißt es beim Kultusministerium. Denn das richtet sich nach dem Alter der Schüler und Schülerinnen und den Infektionszahlen vor Ort. Grundschüler dürfen laut Rahmenhygieneplan Schulen bei Warnstufe Rot eigentlich erst nach einem negativen Covid-19-Test oder mit ärztlichem Attest zurück ins Schulhaus. Sprich: Ab zum Arzt, Abstrich nehmen lassen und so lange zu Hause bleiben, bis das hoffentlich negative Testergebnis da ist.

Allerdings haben die Gesundheitsämter einen gewissen Spielraum und können entscheiden, welche Warnstufe für die jeweilige Schule gelten soll. Das heißt, sie können von den Vorschriften abweichen und müssen nicht auf einen negativen Corona-Test bestehen.

Wie sind die Regeln für Schüler ab der 5. Klasse?

Ab dem Tag, an dem die Symptome wie Fieber, trockender Husten oder Durchfall aufgetreten sind, müssen sie zu Hause bleiben. Liegt der sogenannte Inzidenzwert in Stadt oder Landkreis unter 50 (Stufe 1 und Stufe 2), ist der Schulbesuch wieder erlaubt, wenn der Betroffene mindestens 24 Stunden nahezu symptomfrei ist. Fieberfrei sollten die Kinder sogar 36 Stunden sein.

Ab 50 Infizierten je 100 000 Einwohner heißt es allerdings auch auf den weiterführenden Schulen: Wer zurück ins Klassenzimmer will, muss 24 Stunden symptomfrei sein und zudem einen negativen Corona-Test oder ein ärztliches Attest mitbringen. Ausnahmen sind möglich.

Was soll in so einem Attest stehen?

Aus dem Attest könnte etwa hervorgehen, dass der Junge oder das Mädchen eine leichte bakterielle Erkrankung hat. Dem Landkreis München beispielsweise reicht ein Attest, «in dem der Arzt bescheinigt, dass das Kind nicht an Corona erkrankt ist». Könne der Arzt das nicht sicher ausschließen, so könne er statt des PCR-Tests (Rachenabstrichtests) auch einen sogenannten Corona-Schnelltest (Antigentest) durchführen. «Dieser zeigt innerhalb weniger Minuten an, ob eine Infektion vorliegt oder nicht», heißt es beim Landratsamt München.

Nur wenn der Schnelltest ein positives Ergebnis zeige, müsse zusätzlich ein PCR-Test folgen. Bei den PCR-Tests werden Erbgutspuren des Coronavirus in mehreren Durchgängen immer wieder verdoppelt. Auf das Ergebnis muss man in der Regel Tage warten.

Welche Vorschriften gelten in Kindertagesstätten?

Nach Angaben des Sozialministeriums trifft das örtliche Gesundheitsamt die Entscheidung, welche der Warnstufen - 1 (Inzidenzwert unter 35), 2 (zwischen 35 und 50) und 3 (über 50) - für eine Einrichtung gilt. Zudem entscheidet die Behörde selbstständig, ob diese Stufe für den gesamten Landkreis, die kreisfreie Stadt oder nur für Teile davon bindend ist. Ein Inzidenzwert von mehr als 50 bedeutet also nicht automatisch flächendeckende Kitaschließungen und damit eine Notbetreuung

Die Corona-Fallzahlen sollen für die Gesundheitsämter nur ein Anlass sein zu schauen, welche Maßnahmen in den Kitas notwendig sein könnten. «Wir wollen die Kitas für alle Kinder solange geöffnet lassen, wie es der Infektionsschutz in den jeweiligen Kommunen zulässt», erklärt Familienministerin Carolina Trautner (CSU).

Was bedeutet das für erkältete Kindergarten- und Krippenkinder?

Bayern will Kinder mit «laufenden» Nasen gerade in den kalten Monaten nicht generell von der Kinderbetreuung ausschließen. Wenn das lokale Gesundheitsamt für die jeweilige Einrichtung Stufe 1 oder 2 bestimmt, kann der Nachwuchs in der Regel in Krippe oder Kindergarten gehen.

Selbst wenn sich wie bei Stufe 3 das Infektionsgeschehen deutlich verschlechtert hat, heißt das nicht zwingend, dass fieberfreie Kinder mit leichtem Schnupfen oder Husten zu Hause bleiben müssen. Allerdings soll die Einrichtung laut Sozialministerium dann einen negativen Corona-Test oder ein ärztliches Attest verlangen.

Offene Schulen: KMK kündigt Gespräch mit Eltern und Lehrern an

Nach dem Bund-Länder-Beschluss für einen Teil-Lockdown bei Offenhaltung von Schulen und Kitas sind nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) Gespräche mit Eltern und Lehrern geplant. «Das Präsidium der Kultusministerkonferenz wird zeitnah mit den Lehrer- und Elternverbänden über die Situation in der Corona-Pandemie diskutieren», hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung nach erneuten Beratungen der Kultusminister der Länder.

«Die Ministerinnen und Minister, die Senatorinnen und Senatoren begrüßen den Beschluss, dass Schulen und Kitas weiter offenbleiben», hieß es weiter. Entsprechende Anpassungen der Maßnahmen zum Infektionsschutz würden regional in den Ländern geprüft. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und amtierende KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) sagte, es müsse vor Ort angepasst auf das Infektionsgeschehen reagiert werden, um das Recht auf Bildung mit dem bestmöglichen Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler zu vereinbaren.

Im Teil-Lockdown-Beschluss Merkels und der Ministerpräsidenten heißt es zum Thema nur kurz: «Schulen und Kindergärten bleiben offen. Die Länder entscheiden über die erforderlichen Schutzmaßnahmen.»

Hessen kündigte am Donnerstagabend an, dass von der kommenden Woche an für Schüler ab der fünften Klasse eine Maskenpflicht auch im Unterricht gilt. In anderen Bundesländern ist das schon der Fall. In Bayern greift die Maskenpflicht sogar für Grundschüler automatisch, wenn in einer Stadt oder einem Landkreis mehr als 50 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner binnen einer Woche registriert werden. Inzwischen liegen nahezu sämtliche Kommunen in Bayern deutlich über diesem Wert.

 

29.10.2020 08.00 Uhr

Umfrage aller Zeitungen ergibt Unmut über Schulpolitik

Die meisten Baden-Württemberger sind zufrieden mit dem Corona-Management der Landesregierung, aber unzufrieden mit der Schulpolitik in der Krise. Das ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag aller baden-württembergischen Tageszeitungen.

Demnach bewerten 60 Prozent der Befragten die Arbeit der grün-schwarzen Landesregierung in der Krise mit gut oder sehr gut. 57 Prozent halten die Schulpolitik des Landes für nicht gut oder weniger gut, nur 3 Prozent für sehr gut. 69 Prozent aller Befragten und 68 Prozent der Eltern bezweifeln, dass Lehrer für den digitalen Unterricht ausreichend geschult und ausgebildet sind. Die Schulpolitik wird von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verantwortet, die bei der Landtagswahl im kommenden März den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) herausfordert.

Die Tageszeitungen im Südwesten wollen bis zur Wahl jeden Monat eine Umfrage in Auftrag geben, um repräsentative Ergebnisse zu Themen wie Bildung, Verkehr und Wirtschaft zu erhalten. Mit diesem sogenannten BaWüCheck haben sich die Zeitungen erneut zu einer gemeinsamen Aktion zusammengeschlossen. Im vergangenen November hatten sie bereits eine einheitlich gestaltete Titelseite unter dem Motto «Die beste Zeit für guten Journalismus ist jetzt».

Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte zwischen dem 8. und 20. Oktober mehr als 1000 Menschen in Baden-Württemberg. Die 78 beteiligten Zeitungstitel aus 45 Verlagen haben eine Auflage von 1,6 Millionen Exemplaren und erreichen täglich rund fünf Millionen Menschen im Land.

Karliczek: «Schulen dürfen nicht zu Corona-Hotspots werden»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat eine Ausweitung der Maskenpflicht an Deutschlands Schulen im Kampf gegen das Coronavirus angeregt. «Wir müssen alles versuchen, die Schulen auch in den nächsten Wochen offen zu halten», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Alle in der Gesellschaft müssten sich an die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie halten. Gleichzeitig müsse geklärt werden, wie der Schulbetrieb an die verschärfte Infektionslage angepasst werde. «Dies müssen die Länder entscheiden, die die Situation in den Regionen am besten einschätzen können», sagte Karliczek. «Dabei wird auch über eine Ausweitung der Maskenpflichten nachzudenken sein, um eine Art Sicherheitspuffer für den Schulbetrieb zu schaffen.»

Die CDU-Politikerin begrüßte den jüngsten Beschluss von Bund und Ländern, wonach Schulen und Kindergärten offen bleiben. «Die Corona-Zeit darf für die Schülerinnen und Schüler nicht zu einer verlorenen Zeit werden», sagte sie. Die Belastung der Familien dürfte nicht noch gesteigert werden. «Die Schulen dürfen aber auch weiter nicht zu Corona-Hotspots werden», betonte die Ministerin.

Denkbar sei auch die vermehrte Teilung von Unterricht. «Es ist besser, vielleicht an manchen Orten den Präsenzunterricht zu Gunsten von mehr Abstand zu reduzieren, als am Ende gar keinen Unterricht in der Schule anbieten zu können.» Ebenso könne die teils schon praktizierte Mischung von Präsenz- und Distanzunterricht sinnvoll sein.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte dagegen die Entscheidung, Schulen komplett offen zu halten. «Ob ein Lockdown light funktionieren kann, wenn man die Schulen weitgehend ausnimmt, möchte ich bezweifeln», sagte Meidinger der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). «Da, wo die Neuinfektionszahlen durch die Decke gehen, ist der Wechselbetrieb mit halbierten Klassen sicher die beste präventive Möglichkeit, um vollständige Schulschließungen zu verhindern.» Diese wären unumgänglich, wenn das Infektionsgeschehen völlig unkontrollierbar werde.

GEW kritisiert Kita- und Schulbetrieb

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Bayern hat der Staatsregierung vorgeworfen, Schüler und Lehrer durch den Schulbetrieb in der Corona-Situation in Gefahr zu bringen. Für Ministerpräsident Markus Söder hätten Kita und Schule nur noch den Zweck, den Eltern den Rücken frei und die Wirtschaft am Laufen zu halten. «Das Personal in Kitas und Schulen hat täglich seine Gesundheit zu riskieren, damit Konzerne ungestört (wohlgemerkt überwiegend per Videokonferenz) globale Geschäfte fortführen können», kritisierte die Gewerkschaft am Mittwoch in einer Pressemitteilung.

«Die Folgen sind tägliche Massenveranstaltungen mit tausenden von Teilnehmer*innen in teilweise maroden Klassenzimmern, ohne Abstand, bei offenen Fenstern, ohne medizinisches und sicherheitstechnisches Fachpersonal - und das bei desaströs knapper Personaldecke.» Kita- und Schulbetrieb dürfe es aber nur geben bei notfalls verkleinerten Klassen und Gruppen, ausreichend Lüftung auch mit technischen Mitteln, Begleitung durch Betriebsärzte und anderen Schutzmaßnahmen.

Restaurants zu, Schulen offen - Die Corona-Regeln im November

Das Ziel ist klar formuliert: Familien und Freunde sollen sich zu Weihnachten wieder ohne größere Angst treffen können. Doch dafür müssten sich alle jetzt erstmal deutlich einschränken, meinen Bund und Länder. Die neuen Regeln kommen dem Shutdown vom Frühling schon recht nah. Sie sollen am 2. November in Kraft treten - und vorerst bis Monatsende gelten. Hessen hat angekündigt, die Beschlüsse so auch umzusetzen.

KONTAKTE: In der Öffentlichkeit dürfen sich nur noch Angehörige zweier Haushalte treffen - maximal zehn Personen. Bislang durften sich in Hessen bis zu zehn Menschen aus verschiedenen Haushalten in der Öffentlichkeit treffen.

GASTRONOMIE: Restaurants, Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen werden geschlossen. Erlaubt sind weiter Lieferdienste und Essen zum Mitnehmen. Kantinen dürfen geöffnet bleiben.

SCHULEN und KINDERGÄRTEN: Schulen und Kindergärten bleiben offen. Genauso Einrichtungen der Sozial- und Jugendhilfe.

FREIZEIT: Freizeiteinrichtungen werden geschlossen. Dazu gehören Theater, Opern, Konzerthäuser, Messen, Kinos, Freizeitparks, Saunen, Spielhallen, Spielbanken oder Wettannahmestellen. Alle Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, werden untersagt. Auch Bordelle in Hessen müssen nach wie vor geschlossen bleiben.

SPORT: Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder werden geschlossen. Der Amateursportbetrieb wird eingestellt, Vereine dürfen also nicht mehr trainieren. Individualsport, also etwa alleine oder zu zweit joggen gehen, ist weiter erlaubt. Profisport wie die Fußball-Bundesliga ist nur noch ohne Zuschauer zugelassen.

REISEN und HOTELS: Die Bürger sollen auf private Reisen, Tagesausflüge und Verwandtenbesuche verzichten - auch im Inland. Hotels und Pensionen dürfen keine Touristen mehr aufnehmen.

DIENSTLEISTUNGEN: Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios werden geschlossen, weil hier der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Medizinisch notwendige Behandlungen etwa beim Physiotherapeuten oder Fußpflege sind weiter möglich. Auch Friseure bleiben geöffnet.

SUPERMÄRKTE: Geschäfte im Einzelhandel bleiben geöffnet - es gibt aber Vorschriften, wie viele Kunden gleichzeitig im Laden sein dürfen.

ARBEIT: Überall, wo das möglich ist, soll wieder von zuhause gearbeitet werden.

FIRMEN: Betriebe, Selbstständige und Vereine, die von den neuen Corona-Regeln besonders betroffen sind, bekommen große Teile ihres Umsatzausfalls ersetzt. Bei Firmen mit maximal 50 Mitarbeitern gleicht der Bund 75 Prozent aus, bei größeren wird nach EU-Beihilferecht entschieden.

Vorstoß zu längeren Weihnachtsferien wegen Corona sorgt für Debatten

Zwei Tage längere Weihnachtsferien und damit eine Art natürliche Corona-Quarantäne vor dem Familienfest - dieser Vorschlag sorgt in Thüringen für Pro und Contra.

Die Landtagsfraktionsvorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, hat die Verlängerung der Weihnachtsferien in Thüringen um einige Tage vorgeschlagen. Wenn die Kinder ab dem
19. Dezember nicht mehr in die Schule gingen, würde das vor Weihnachten «wie eine sechstägige natürliche Quarantäne wirken», sagte Hennig-Wellsow am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Damit gäbe es beim Weihnachtsfest auch etwas mehr Sicherheit für ältere Familienmitglieder. «Niedersachsen prüft das auch.» Ihr Vorschlag stieß auf kontroverse Reaktionen von Zustimmung bis Ablehnung.

Das Erfurter Bildungsministerium reagierte distanziert. «Wir sind nicht dafür - Stand jetzt», sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Alle Untersuchungen belegten, dass von Schulen und Kindergärten keine erhöhte Infektionsgefahr ausgehe. «Die Ferien zu verlängern bringt damit nicht weniger Infektionen.» Allerdings schließe das Ministeriums nicht aus, dass einige Tage längere Weihnachtsferien Teil eines Stufenkonzepts sein könnten, sollte die Zahl der Corona-Infektionen nicht eingedämmt werden können.

Unterstützung kam dagegen vom Thüringer Lehrerverband. «Wir erachten es für sinnvoll, auf diese Weise das kontaktarme Zeitfenster vor den Feiertagen auszudehnen und so das Risiko von Ansteckungen innerhalb der Familien zu verringern», erklärte der Verband. Es gehe schließlich nicht um die massenhafte Verschiebung von Ferienzeiten. Diese beiden Tage könnten sicher von den Eltern gut organisiert werden. Ob für diese Zeit gesonderte Hausaufgaben verteilt werden, sollte im Ermessen der Lehrer liegen. Der Verband verlangte, schon heute den Schulen befristet Unterstützungspersonal für Aufsichten und Betreuung zu geben.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, lehnte eine Verlängerung der Weihnachtsferien ab. «Es ist in den vergangenen Monaten bereits so viel Unterricht ausgefallen, dass es auf jeden Tag ankommt, den versäumten Stoff nachzuholen», erklärte er. Eine Verlängerung der Ferien sei faktisch nichts anderes als ein erneuter Lockdown. Wo Infektionen unter Schülern bekannt werden, würde bereits jetzt auf Distanzunterricht für die betroffenen Klassen umgestellt. Kritisch äußerte sich auch SPD und Grüne.

Schulschließungen stellten berufstätige Eltern vor eine enorme Herausforderung, erklärte die SPD-Abgeordnete Diana Lehmann. Auch sie sieht in dem Vorschlag von Hennig-Wellsow einen Lockdown für die Schulen. Die SPD erwarte einen Vorschlag aus dem Bildungsministerium, wie Kita- und Schulbetrieb trotz Corona sichergestellt würden.

Auch für die Grünen habe die Sicherung des Unterrichts Priorität, erklärte deren Fraktionsvorsitzende Astrid Rothe-Beinlich. Hennig-Wellsow betonte, Priorität habe auch für sie, dass Kindergärten und Schulen offen bleiben könnten.

Sandro Witt, Leiter des Landesbüros vom DGB Hessen-Thüringen, erklärte, der Ferien-Vorschlag würde nur funktionieren, wenn berufstätige Eltern dann zusätzliche Urlaubstage bekämen oder einen finanziellen Ausgleich für unbezahlten Urlaub. Besser wäre es jedoch, die Schulen offen zu halten.


27.10.2020 20.00 Uhr

Corona-Infektion in Wismar: 93 Schüler und 11 Lehrer in Quarantäne

Nach dem positiven Covid-19-Befund bei einem Schulkind der 6. Klasse hat der Landkreis Nordwestmecklenburg für 93 Kinder und 11 Lehrkräfte einer Schule in Wismar Quarantäne angeordnet. Entsprechend dem vom Land vorgegebenen Plan sind davon alle Kinder der Klassenstufen 5 und 6 betroffen, teilte der Landkreis am Dienstag mit. Für die restlichen Klassenstufen könne der Unterricht weitergehen.

Wie üblich sollen zwei Runden Abstrichtests bei den Betroffenen mit einem Abstand von einigen Tagen erfolgen, deren Ergebnisse über das weitere Vorgehen entscheiden. Die ersten Abstriche sollen am Freitag in der Schule erfolgen.

16,8 Millionen Euro für IT-Administratoren an Schulen

Brandenburger Schulen erhalten zusätzlich 16,8 Millionen Euro aus dem Digitalpakt Schule zwischen Bund und Ländern. 15,1 Millionen Euro stammen vom Bund, Land und Kommunen müssten zehn Prozent kofinanzieren, teilte die Staatskanzlei nach der Kabinettssitzung am Dienstag mit.

Insgesamt stellt der Bund weitere 500 Millionen Euro als Finanzhilfen für die Länder im Rahmen des Digitalpaktes Schule zur Verfügung. Das Geld soll den Angaben nach zum Aufbau professioneller Strukturen beitragen. Die Ausbildung und Finanzierung von IT-Administratoren, die an Schulen sowie an Schulen für Gesundheitsfachberufe eingesetzt werden, sollen damit gefördert werden. «Wir haben in den letzten Monaten gesehen, dass es dort zusätzlicher Unterstützung bedarf», betonte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) in der Mitteilung. Das Ministerium werde so schnell wie möglich eine Richtlinie mit den kommunalen Spitzenverbänden abstimmen.

Kultusminister plädieren weiter für Offenhaltung der Schulen

Die Kultusminister der Länder bleiben bei ihrer Position, dass die Schulen in der Corona-Pandemie möglichst geöffnet bleiben sollen. Das Recht auf Bildung von Kindern und Jugendlichen werde am besten im Präsenzunterricht in der Schule verwirklicht, heißt in einem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK), der am Dienstag veröffentlicht wurde. Schulen seien als Orte auch des sozialen Miteinanders von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. «Dies muss oberste Priorität bei allen Entscheidungen über einschränkende Maßnahmen haben, die aufgrund steigender Infektionszahlen zu ergreifen sind.»

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und amtierende KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) sagte: «Jetzt ist die Zeit, Prioritäten zu setzen. Wir alle müssen uns im Privaten einschränken, müssen auf Feiern, Treffen mit Freunden und vielleicht auch Hobbies verzichten, damit unsere Kinder und Jugendlichen die Bildung erhalten können, die ihnen zusteht.» Laut KMK bewegen sich die bundesweiten Infektionszahlen an Schulen derzeit «im Promillebereich und damit auf einem vergleichsweise geringen Niveau». Die Länder würden ihre Infektionslage sehr genau analysieren und über passgenaue Maßnahmen für ihre Schulen entscheiden.

Kritik kam vom Deutschen Lehrerverband und vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). Der VBE sprach in einer Mitteilung von einem «weichgespülten Kompromiss». «Man begnügt sich damit, weiter zu manifestieren, dass überall die eigene Suppe gekocht wird.» Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger nannte die KMK-Erklärung «weitgehend Inhalts- und substanzlos». «Sie gibt keinerlei Antworten auf die drängenden Fragen, wie an den Schulen auf das stark anwachsende Infektionsgeschehen in Deutschland zu reagieren ist», teilte er mit.

Vom Deutschen Kinderschutzbund hieß es am Dienstag, die
Schließung von Kitas und Schulen müsse anders als im ersten
Lockdown die ultima ratio sein. Eine erneute Schließung von Kitas und Schulen würde Eltern, insbesondere Mütter, erheblich belasten. «Die Rechte der Kinder auf Bildung und Förderung sind dann nicht mehr garantiert», sagte Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers.


25.10.2020 14.30 Uhr

Wenig Einigung bei Bundesschülerkonferenz

Die Bundesschülerkonferenz (BSK) unter dem Motto «Demokratie jetzt!» ist in Saarbrücken mit wenigen Einigungen zu Ende gegangen. «Ich hätte mir gewünscht, dass wir mehr verabschiedet hätten», sagte der Pressesprecher der Bundesschülerkonferenz, Torben Krauß, am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Sowohl der geplante Schülerrechtekatalog als auch das Positionspapier zum Thema Schulen in Zeiten von Corona sind am Widerstand einzelner Landesschülervertretungen (LSV) gescheitert.

Demnach hatte sich die Mehrheit der 13 Landesvertretungen gegen weitere Schulschließungen und für die Durchführung von Abitur - und Abschlussprüfungen unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen, aber ohne Maskenpflicht ausgesprochen. Da die BSK aber auf dem Konsensprinzip beruht, konnte der Beschluss ohne eine fehlende Stimme der Vertretung aus Sachsen nicht angenommen werden. Sachsen habe nicht zugestimmt, da im Bundesland noch keine Position ausgehandelt war, sagte Krauß. Das Positionspapier könnte aber noch nachträglich digital verabschiedet werden. 

Auch der geplante Schülerrechtekatalog wurde nicht angenommen. Dieser hatte etwa die gesetzliche Verankerung der BSK vorgesehen. Es müssten noch einige Wünsche der Landesvertretungen berücksichtigt werden, sagte Krauß. Einig waren sich die Schülerinnen und Schüler beim ÖPNV. Sie fordern eine Ausweitung der Schülertickets sowie Preissenkungen.

Die BSK besteht aus 13 Landesschülervertretungen. Bremen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind nicht vertreten. Rheinland-Pfalz war 2018 aus der BSK ausgetreten, nimmt aber als Gastdelegation an den Tagungen teil. Hintergrund waren eine veränderte Satzung und Personalentscheidungen, die nicht dem demokratischen Selbstverständnis der Rheinland-Pfälzer entsprachen.

Zurück in die Schule mit neuen Corona-Regeln in NRW

Stoßlüften, Querlüften und wieder Masken aufsetzen im Unterricht - an gravierend neue Corona-Schutzmaßnahmen müssen sich die Schüler in NRW nach den Herbstferien nicht gewöhnen. Aber frostiger wird es werden «im frierenden Klassenzimmer».

Nach zweiwöchigen Herbstferien kehren rund 2,5 Millionen Schüler und mehr als 200 000 Lehrer in Nordrhein-Westfalen am Montag zurück in den Unterricht - und zwar mit neuen Corona-Regeln. Wichtigste Änderung: Schüler ab der 5. Klasse müssen auch im Unterricht wieder eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Damit reagiert die Landesregierung auf stetig steigende Neuinfektionszahlen.

Die Wiedereinführung der Maskenpflicht soll zunächst bis zu den Weihnachtsferien am 22. Dezember gelten. Im Schulgebäude und auf dem -gelände gilt sie weiterhin landesweit - also auch für Grund- und Förderschüler der Primarstufe. Plexiglasvisiere werden als Alternative nicht akzeptiert. NRW hatte bereits nach den Sommerferien ab Mitte August für etwa zweieinhalb Wochen eine damals noch von vielen heftig kritisierte Maskenpflicht auch im Unterricht.

Lehrer müssen immer dann Maske tragen, wenn sie den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht einhalten können. Wenn es der Unterricht erfordert, können sie sie zumindest zeitweise ausziehen - etwa beim Demonstrieren des «th» im Englischunterricht.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will so lange als möglich am Unterricht in den Klassen vor Ort festhalten und weder auf digitalen Unterricht auf Distanz noch auf Unterricht im Schichtbetrieb ausweichen. Viele Lehrer- und Elternverbände sowie Oppositionsparteien kritisieren das und wünschen sich rollierende Modelle, um auch im Klassenzimmer mehr Abstand halten zu können.

Das Schulministerium setzt dagegen auf die Wirkung regelmäßigen Stoß- und Querlüftens. Die SPD-Opposition hält das nicht für praktikabel und sieht die Schüler schon «im frierenden Klassenzimmer» bibbern. Auch die Schulleitervereinigung zweifelt, wie der Unterricht unter diesen Bedingungen aufrecht erhalten werden soll. Mit einem 50 Millionen Euro umfassenden Sonderprogramm will die Landesregierung mobile Luftreinigungsanlagen für Schulen finanzieren, die anders nicht ausreichend lüften können.

Nach Angaben der Schulministerin waren zum Stichtag 7. Oktober nur 8 und damit weniger als 0,2 Prozent der rund 6000 Schulen in NRW wegen Corona geschlossen. 2084 Lehrkräfte - 1,3 Prozent - seien in Quarantäne gewesen und mehr als 23 000 Schüler. Das seien 1,2 Prozent. Unter den Schülern seien 853 Corona-Infektionen bestätigt worden - bei den Lehrkräften seien es 166 gewesen.

Studieren in digitalen Hörsälen und Zelten - Unistart während Corona

Für Erstsemester beginnt mit dem Studium ein neuer Lebensweg. Doch der Start ins Wintersemester endet für einige vor dem Computer-Bildschirm. Zwar soll trotz Corona viel Lehre auf dem Campus ermöglicht werden - aber das Vorhaben scheitert vielerorts.

Die Corona-Beschränkungen haben die bayerischen Universitäten vor dem Start ins Wintersemester vor Hürden gestellt. Zwar dürfen den Vorgaben nach bis zu 200 Studierende an Präsenzveranstaltungen teilnehmen - es gibt aber kaum Räume, die diese Zahl an Studierenden unter Einhaltung des Mindestabstands zulassen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter zehn Universitäten im Freistaat. Obwohl Erstsemester bei Veranstaltungen vor Ort bevorzugt berücksichtigt werden sollen, müssen daher viele Einführungsveranstaltungen wegen der hohen Zahl an Studierenden online stattfinden.

«Selbst in unseren größten Innenstadt-Hörsaal passen mit dem Mindestabstand von 1,50 Metern nur etwa 77 Leute», sagte Oliver Jahraus, Vizepräsident der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Mit mehr als 50 000 Studierenden ist die LMU die größte Präsenzuniversität im Freistaat. 

Die Technische Universität München hat wegen des erhöhten Raumbedarfs mehrere Zelte für Lehrveranstaltungen auf den Campus einrichten lassen, von denen manche rund 190 Personen fassen. Die Vorlesungen sollen in drei Hörsäle gleichzeitig übertragen werden.


23.10.2020 15.30 Uhr

Schülerin scheitert mit Eilantrag gegen Quarantäne vor Gericht

Erfolglose Klage einer Schülerin gegen häusliche Quarantäne: Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hat einen Eilantrag einer Zwölftklässlerin eines Gymnasiums in Calw abgelehnt. Das Landratsamt hatte nach sechs Corona-Fällen in ihrer Jahrgangsstufe eine 14-tägige häusliche «Absonderung» für alle Zwölftklässler der Schule angeordnet. Dagegen wehrte sich die Schülerin. Nach Angaben des Gerichts vom Freitag verwies sie darauf, dass sie sich nur bei einzelnen Kursen und in gut belüfteten Räumen gemeinsam mit Infizierten aufgehalten und keine «Face-to-Face»-Kontakte mit ihnen gehabt habe. Zudem sei sie zwischenzeitlich negativ auf das Coronavirus getestet worden.

Dem folgte das Gericht nicht. Wegen des rollierenden Kurssystems der Oberstufe komme es zu einer größeren Durchmischung unter den Schülern. Entscheidend sei hier, dass die Antragstellerin Schulstunden mit mindestens einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person im selben Klassenraum gehabt habe. Auch ein negativer Corona-Test könne nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts als Momentaufnahme die Quarantänezeit nicht verkürzen (Beschluss vom 13.10.2020 - 8 K 4139/20).

Die Sache ist rechtskräftig. Eine Beschwerde der Antragstellerin wurde vom Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (Beschluss vom 16.10.2020 - 1 S 3196/20) zurückgewiesen.

Gericht weist Eilantrag gegen Maskenpflicht im Unterricht ab

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH) hat einen Eilantrag gegen die Maskenpflicht im Unterricht abgelehnt. Zwei Schüler aus dem Landkreis Ravensburg wollten das Verbot kippen. Aus ihrer Sicht ist es unklar, ob es an Schulen ein hohes Infektionsrisiko gibt. Zudem sei nicht nachgewiesen, dass ein einfacher Mund-Nasen-Schutz die Ausbreitung des Coronavirus wirksam bekämpfe.

Die Richter sahen das anders: Die Maskenpflicht sei ein geeignetes Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Es sei nicht zu beanstanden, diese Maskenpflicht an Schulen landesweit zu verhängen. Auch wenn im Landkreis Ravensburg derzeit weniger Menschen als im Landesdurchschnitt infiziert sind: Dies könne sich jederzeit schnell ändern. Landkreisgrenzen würden von Schülern und Lehrern «in vielen Fällen täglich überschritten», teilte der VGH in Mannheim am Freitag mit. (Az. 1 S 3201/20)

Pädagogik-Professor: Nicht nur über Corona-Maßnahmen in Schule reden

In der Debatte über Schule in der Corona-Pandemie vermisst der Erziehungswissenschaftler Prof. Manfred Bönsch Antworten auf pädagogische Fragen. Zu klären sei, welche Pläne es gebe, um Lernausfälle des vergangenen Schulhalbjahres aufzuholen, sagte der emeritierte Pädagogik-Professor der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Freitag). «Vermutlich sind systematisch, flächendeckend und für alle Fächer kaum die Lernausfälle erhoben worden, sie werden aber erheblich sein.» Um die ausgefallenen Inhalte aufzuholen, werde wahrscheinlich keine Zeit gewesen sein, weil Corona-Maßnahmen stets im Vordergrund gestanden hätten.

Unklar sei auch noch immer, wie viele Schüler konstant mit digitalen Medien erreicht würden, kritisierte Bönsch. Voraussetzung für echten digitalen Unterricht sei, dass alle Lehrer und Schüler entsprechende Endgeräte hätten, betonte Joachim Maiß, Vorsitzender des Berufsschullehrerverbandes. Auch müsse es entsprechende Konzepte geben, sonst blieben die Schüler, die zu Hause lernen, immer Schüler zweiter Klasse. Lehrer und Schüler müssten zudem den Umgang mit den digitalen Geräten lernen.

Bönsch warnt vor einem Lehrermangel an Haupt-, Real- und Oberschulen in Niedersachsen. Bis zu den Herbstferien sei krankheits- und coronabedingt wieder vielerorts Unterricht ausgefallen. Das Land müsse Auskunft darüber geben, in welchem Umfang Unterrichtszeiten und Lernzeiten wegen Hygiene- und organisatorischen Maßnahmen geschrumpft seien. Untersucht werden müsse auch, ob es mehr Frontalunterricht gebe, weil Lehrer den Kindern nicht zu nahe kommen dürften.

Schule in der Corona-Pandemie - Wir sind «ein Stück erfahrener»

Wie soll es nach den Ferien in der Schule weitergehen - reicht eine Maskenempfehlung im Unterricht für Corona-Hotspots? Andrea Kunkel, Vorsitzende des Schulleitungsverbandes, sieht einen Vorteil im Vergleich zum Beginn der Pandemie.

Der Schulstart nach den Herbstferien in Niedersachsen bedeutet aus der Sicht des Schulleitungsverbandes eine große Herausforderung. Eine Maskenpflicht statt einer Empfehlung ab der fünften Klasse für Schulen in einem Corona-Hotspot hätte vieles vereinfacht, sagte die Vorsitzende des Verbandes, Andrea Kunkel (60), der Deutschen Presse-Agentur. Entscheidend sei aber, am Präsenzunterricht festzuhalten.

Frage: Wie beurteilen Sie die Maßnahmen für die Schulen nach den Herbstferien?

Antwort: Wir brauchen so viel Präsenzunterricht wie nur irgend möglich und wir brauchen das so lange wie nur irgend möglich. Von daher teilen wir die Auffassung, dass es gut ist, am Präsenzunterricht festzuhalten. Das tragen wir eindeutig mit. Wir gehen auch mit in der Frage des Mund-Nasen-Schutzes. Das ist ja zunächst eine Empfehlung. Wir können uns aber gut vorstellen, dass daraus auch eine Verpflichtung werden kann. Es ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler so lange wie möglich in die Schulen kommen können. Natürlich muss die Gefährdungsbeurteilung sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für alle an Schule Beteiligten, also Lehrkräfte, Schulleitung und pädagogische Mitarbeiter, immer im Blick bleiben.

Frage: Was fehlt Ihnen bei den Corona-Maßnahmen für die Schule?

Antwort: Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, wie sich der Schulbetrieb ab Montag entwickelt. In dem neuen Hygiene-Plan sind für einzelne Fächer bestimmte Vorgaben noch mal deutlicher und klarer formuliert - gerade was beispielsweise das Singen betrifft. Aber die Tücke liegt immer im Detail: Wie wird es wirklich sein? Und die Vermutung liegt nahe, dass im Unterschied zu der Situation vor den Herbstferien vermutlich mehr und häufiger Schülerinnen und Schüler in Quarantäne gehen werden - und damit auch Lehrkräfte. Die Frage wird sein: Können wir unabhängig von infizierten Schülerinnen und Schülern und auch Lehrkräften den Unterricht in vollem Maße aufrechterhalten? Wie sieht es aus, wenn die Grippewelle rollt?

Frage: Hätten Sie eine Verpflichtung zum Tragen der Maske sinnvoller gefunden?

Antwort: Das wäre eine Möglichkeit gewesen - und hätte unser Handeln sicher in diesem Bereich vereinfacht. Wir finden wichtig, wirklich differenziert auf die einzelne Schule zu schauen. Wenn eine Schule oder ein Landkreis niedrige Inzidenzwerte aufweist, dann ist es natürlich auch schwierig, eine Verpflichtung zum Tragen der Masken zu verhängen. Es geht bei allen Maßnahmen auch immer darum, sie zu erklären und zu rechtfertigen beziehungsweise um Verständnis zu werben. Und es wird für uns eine große Herausforderung sein, permanent das Verständnis für die Corona-Maßnahmen einzufordern, sonst kann man den Schulbetrieb nicht aufrechterhalten.

Frage: Zu den Maßnahmen gehört auch regelmäßiges Lüften. Sehen Sie da Schwierigkeiten?

Antwort: Ich denke schon, dass das zur Zeit eine sinnvolle Maßnahme ist. Schwierig ist es immer dann, wenn sich Räume, insbesondere Klassenräume, nicht lüften lassen. In solchen Klassenräumen, das ist klargestellt worden, kann kein Unterricht stattfinden. Lüften heißt ja nicht nur, dass man das Fenster einen Spalt öffnet, sondern es muss eine richtige Querlüftung gewährleistet sein. Bis jetzt hat der Verband kaum Rückmeldungen, dass es an einzelnen Schulen nicht funktioniert. Wir vermuten aber, dass das durchaus so sein wird.
Andererseits ist in den Herbstferien auch einiges passiert: Es gibt Schulen, wo es gelungen ist, Fenster, die man jahrelang nicht öffnen konnte, doch zu öffnen. Die Frage ist immer: Was ist die Alternative?

Frage: Wie beurteilen Sie die Möglichkeit des Einsatzes von Lüftungsgeräten?

Antwort: Es ist illusorisch, zu meinen, Investitionen in Schule, die in den vergangenen 10 oder 20 Jahren aufgrund diverser Konzepte zum Einsparen öffentlicher Gelder nicht erfolgt sind, innerhalb kürzester Zeit aufholen zu können. Das gilt auch für den Einsatz von Lüftungsgeräten.

Frage: Was bedeuten die Maßnahmen für den Unterricht?

Antwort: Wichtig ist im Moment, alternative Möglichkeiten zu finden, wenn beispielsweise Lüften nicht möglich ist. Dann müssen alle Beteiligten an einen Tisch, miteinander verhandeln und pragmatische Lösungen finden. Wir haben eine gemeinsame Verantwortung dafür, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Es geht hier um Bildungsgerechtigkeit. Dazu stellt sich in vielen Schulen die Frage der Unterrichtsversorgung: Wie viele Lehrkräfte habe ich wirklich, und wie kann ich das alles aufrechterhalten bei Umsetzung aller Hygienemaßnahmen? Und gelingt mir das, wenn ich nur wenig Personal habe und von dem wenigen Personal auch noch Kollegen nicht da sind, weil sie erkrankt sind? Wir werden vielleicht nicht drum herumkommen, an der einen oder anderen Stelle zu sagen, wir können den Unterricht so gar nicht voll erteilen.

Frage: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf das Ende der Herbstferien beziehungsweise den Beginn der Schulzeit?

Antwort: Ich habe schon nach den Sommerferien gesagt, dass ich Respekt vor der Situation habe. Ich glaube schon, dass es weiterhin eine große Herausforderung bleibt. Dennoch sind wir ein Stück erfahrener.

ZUR PERSON: Andrea Kunkel (60) ist Vorsitzende des Schulleitungsverbands Niedersachsen und an einer Grundschule in Langenhagen tätig.

Gericht weist Eilantrag gegen Maskenpflicht im Unterricht ab

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH) hat einen Eilantrag gegen die Maskenpflicht im Unterricht abgelehnt. Zwei Schüler aus dem Landkreis Ravensburg wollten das Verbot kippen. Aus ihrer Sicht ist es unklar, ob es an Schulen ein hohes Infektionsrisiko gibt. Zudem sei nicht nachgewiesen, dass ein einfacher Mund-Nasen-Schutz die Ausbreitung des Coronavirus wirksam bekämpfe.

Die Richter sahen das anders: Die Maskenpflicht sei ein geeignetes Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Es sei nicht zu beanstanden, diese Maskenpflicht an Schulen landesweit zu verhängen. Auch wenn im Landkreis Ravensburg derzeit weniger Menschen als im Landesdurchschnitt infiziert sind: Dies könne sich jederzeit schnell ändern. Landkreisgrenzen würden von Schülern und Lehrern «in vielen Fällen täglich überschritten», teilte der VGH in Mannheim am Freitag mit. (Az. 1 S 3201/20)

Das Kultusministerium begrüßte den Beschluss. «Die Entscheidung bestätigt, dass unsere Maßnahmen zum Infektionsschutz an den Schulen angemessen und verhältnismäßig sind», teilte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) mit. Auch Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) zeigte sich zufrieden: «Es ist unser Ziel, dass Schulen und Kitas auch bei steigenden Infektionszahlen weiter geöffnet bleiben. Ein landesweiter Lockdown soll in jedem Fall verhindert werden.» Das Tragen von Masken, sei auch in der Schule ein wesentliches Mittel, um Ansteckungen zu vermeiden.

Attestpflicht für Schüler gefordert - Streit um Raumluftreiniger

Kommende Woche sind Herbstferien im Südwesten. Die Schüler freuen sich darauf, zuhause bleiben zu können. Wie es nach der unterrichtsfreien Zeit wegen Corona weitergeht, bleibt umstritten.

Der Philologenverband fordert die Einführung einer Attestpflicht für Schüler, die während der Corona-Krise nicht den Unterricht besuchen wollen. Baden-Württemberg sei das einzige Bundesland, in dem Eltern bestimmten, ob ihr Kind zur Schule gehe oder nicht, sagte Verbandschef Ralf Scholl am Freitag in Stuttgart. Die Schulpflicht im Sinne der Unterrichtsteilnahme sei praktisch ausgesetzt. Auch Lehrer, die zur Risikogruppe gehörten, müssten eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, wenn sie keinen Präsenzunterricht geben wollten.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte hingegen: «Die betroffenen Familien sind für diese Möglichkeit sehr dankbar.» Aber natürlich habe man diese Regelung im Blick. Aktuell führe ihr Haus erneut eine Abfrage an den Schulen durch, wie viele Lehrkräfte, aber auch Schülerinnen und Schüler vom Präsenzunterricht befreit seien. Sollte sich der Anteil der Schüler, der zuletzt bei unter einem Prozent gelegen habe, zwischenzeitlich deutlich erhöht haben, werde man das bisherige Vorgehen selbstverständlich überprüfen.

Der Verband, der die Interessen der Gymnasiallehrer vertritt, forderte gleichfalls die Einführung eines rollierenden Systems zum Schulbesuch nach den Herbstferien im Südwesten. Dadurch könnten die Abstandsregeln eingehalten werden und Busse und Bahnen würden entlastet. Erneut sprach sich die Interessenvertretung für die Anschaffung von Raumluftreinigern aus. Ihre Anschaffung koste 300 Millionen Euro. «In vielen Schulen lassen sich die Fenster nicht öffnen», sagte Scholl. Das Kultusministerium lehnt den Kauf solcher Geräte ab und verwies darauf, dass lüften das bessere Mittel sei.

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch kritisierte Eisenmann. «Es geht hier nicht nur darum, dass die kalte Jahreszeit ins Haus steht.» Blamabel sei ferner, dass selbst deutlich finanzschwächere Länder wie Nordrhein-Westfalen inzwischen große Förderprogramme für die Luftreinigung in Klassenzimmern aufgelegt hätten.

 

22.10.2020 22.00 Uhr

Weitere Corona-Infektionen im Zusammenhang mit Güstrower Gymnasium

Im Zusammenhang mit dem Covid-19-Ausbruch an einem Gymnasium in Güstrow (Landkreis Rostock) sind 15 weitere Infektionen festgestellt worden. Darunter seien 9 Schülerinnen und Schüler, 5 Ansteckungen im privaten Umfeld der infizierten Lehrkräfte und eine im privaten Umfeld einer positiv getesteten Schülerin, wie der Landkreis am Donnerstagabend mitteilte. Dem Ausbruch seien damit nun insgesamt 20 Infektionen zuzuordnen.

Rund 760 Schüler sowie Beschäftigte der Schule waren am Donnerstag zur zweiten Testung aufgefordert. Diese seien an drei Standorten in Güstrow durchgeführt worden. Die Ergebnisse sollen demnach am Freitag und Samstag vorliegen. Die Schule bleibt laut Landkreis noch mindestens bis zum 3. November geschlossen.

Zur Unterstützung des Gesundheitsamtes seien Bundeswehrsoldaten beim Landeskommando angefordert worden. Alle Fachämter der Kreisverwaltung müssen demnach Personal für die Arbeit des Gesundheitsamtes bereitstellen. Zudem gelten den Angaben zufolge von kommender Woche an verschärfte Hygienevorschriften in den Kreishäusern.

Maskenpflicht an saarländischen Schulen wird ausgeweitet

Wegen der stark gestiegenen Corona-Infektionszahlen weitet die Landesregierung die Maskenpflicht an saarländischen Schulen aus. Nach Ende der Herbstferien müssen von Montag an alle Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasse sowie der Berufsbildungszentren auch im Unterricht eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, wie das Bildungsministerium am Donnerstag mitteilte. Für alle Lehrer wurde eine «dringende Empfehlung» ausgesprochen, mit Maske zu unterrichten. Nur wenn der Mindestabstand eingehalten werden könne, dürften Lehrer ihre Mund-Nasen-Bedeckung ablegen. Die Regelung ist zunächst auf 14 Tage befristet.

Ausnahmen von der Maskenpflicht gibt es für Menschen, die wegen einer ärztlich attestierten gesundheitlichen Beeinträchtigung, einer chronischen Erkrankung oder einer Behinderung keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen können.

Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) sprach von einem «gravierenden Einschnitt», der das Lernen und Lehren nicht erleichtere. «Schulen selbst sind nicht Treiber der Pandemie, ebenso wenig Kinder», sagte sie. «Wir wissen, dass Infektionen vor allem im privaten Bereich stattfinden und von außen in die Schulen getragen werden. Vor allem private Feiern sind hoch problematisch.» Dennoch habe sie sich in Abstimmung mit Regierungschef Tobias Hans (CDU) und dessen Stellvertreterin Anke Rehlinger (SPD) dazu entschieden, die Maskenpflicht an Schulen auszuweiten. Dies sei ein «zusätzlicher Baustein» bei der Bekämpfung der Pandemie und solle mithelfen, dass Schulen und Kitas weiter offen bleiben könnten.

Gymnasiallehrer für Unterricht mit halbierten Klassen

Die Gymnasiallehrer in Schleswig-Holstein fordern angesichts der verschärften Corona-Situation kleinere Schulklassen. «Eine Halbierung der Klassen- und Kursgrößen wäre in der gegenwärtigen Krisenlage nicht nur pädagogisch geboten, sondern auch der beste Beitrag zum Gesundheitsschutz der Schüler- und der Lehrerschaft», sagte am Donnerstag der Landesvorsitzende des Philologenverbandes, Jens Finger. «Noch sind die schleswig-holsteinischen Schulen keine Infektionsherde, aber dabei soll es auch bleiben.»

Das Bildungsministerium hatte sich am Dienstag dagegen ausgesprochen, bei den bisherigen Infektionszahlen im Norden den Präsenzunterricht zu halbieren. Dies widerspräche dem Ziel, bei gebotener Vorsicht so viel Präsenzunterricht wie möglich zu erreichen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hatte sich für Unterricht mit halbierten Klassen in Gebieten mit hohen Infektionszahlen eingesetzt.

Der Philologenverband unterstütze die eindeutige Priorisierung des Präsenzunterrichts, erklärte der Landesvorsitzende Finger. Das erfordere aber auch, für den Fall erneut notwendig werdender regionaler Schulschließungen einen realistischen und praktikablen «Plan B» zu konzipieren. Hier gebe es noch deutliche Schwächen. Eine Reihe kommunaler Schulträger habe die vom Land zur Verfügung gestellten Mittel noch nicht einmal abgerufen. Das gelte sowohl für die Versorgung mit digitalen Endgeräten für den Fernunterricht als auch für Hygienemaßnahmen.

Eisenmann: Präsenzunterricht an den Schulen ist oberstes Ziel

Das baden-württembergische Kultusministerium setzt trotz steigender Corona-Infektionszahlen auf den Präsenzunterricht. «Die Schulen sind nicht der Hort von denen das Infektionsgeschehen ausgeht», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Donnerstag im Sozialausschuss des Stuttgarter Landtags. Man müsse den Kindern in der schwierigen Zeit eine gewisse Struktur und Zusammenarbeit mit den Lehrern ermöglichen. Aktuell seien 925 Klassen an 440 Standorten in Quarantäne. Insgesamt gebe es 67 500 Klassen im Südwesten.

Eisenmann sagte, Ziel sei es, flächendeckende Schulschließungen zu vermeiden. «Wir setzen auf Schulöffnung.» Ein rollierendes System für den Unterricht oder die Rückkehr zum Fernunterricht lehnte die CDU-Politikerin erneut ab. Es gehe aber nicht alles, was zum Schulleben dazugehöre - wie ein Abschlussfest oder eine Abschlussfahrt.

Eine Million Euro Corona-Hilfe für Jugendherbergsverband

Mit Mitteln in Höhe von einer Million Euro hat das Land Hessen im Mai den hessischen Landesverband des Deutschen Jugendherbergsverbands (DJH) im Rahmen der Corona-Soforthilfe unterstützt. Das geht aus einer Antwort des Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag hervor. Zudem nutze der Landesverband die Möglichkeiten des Kurzarbeitergelds, hieß es zur Situation der hessischen Jugendherbergen während der Pandemie. Die genaue Höhe sei der Landesregierung nicht bekannt.

Für die weitere finanzielle Unterstützung der Jugendherbergen gebe es derzeit zwei Bundesprogramme, hieß es weiter. Dabei sehe das Sonderprogramm «Kinder- und Jugendbildung, Kinder- und Jugendarbeit» für den Zeitraum April bis Dezember Hilfen als nicht rückzahlbare Zuschüsse vor.

Ein Sprecher des DJH-Landesverband Hessen ging davon aus, dass in diesem Jahr von einem Verlust von etwa einer halben Million Übernachtungen auszugehen ist. «In Bezug auf die wirtschaftlichen Schäden gehen wir weiter von einem Umsatzverlust von 18 bis 19 Millionen Euro aus», sagte der Sprecher. Der Vorjahresumsatz lag den Angaben zufolge bei 24 Millionen Euro.

21.10.2020 09.00 Uhr

Städtetag kritisiert Förderkonzept zur Belüftung an Schulen

Schulen profitieren nach Meinung des Städtetags in Nordrhein-Westfalen kaum von der Förderung des Bundes für Belüftungsanlagen. «Viele Schulgebäude haben gar keine Anlage, über die sich Lufttemperatur, Luftfeuchte und Luftqualität beeinflussen lassen und die sich mit zusätzlichen Filtern weiter verbessern ließe», sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetages NRW, Helmut Dedy, der «Rheinischen Post» (Mittwoch). Die Anschaffung mobiler Lüftungsanlagen werde aber nicht gefördert. Deshalb sei die Förderrichtlinie höchstens für einige öffentliche Gebäude, nicht jedoch für Schulgebäude relevant.

Hinzu komme, dass häufig der Platz fehle, um in bestehenden Anlagen zusätzliche Filter einbauen zu können. Technische und kostenintensive Aufwendungen seien aber durch finanzschwächere Kommunen nicht zu stemmen, denn die Bundesförderung sehe einen Eigenanteil von 60 Prozent vor, so Dedy weiter. Er forderte: «Hier müssen vom Bund Lösungen gefunden werden, den Eigenanteil zu reduzieren.»

Lehrer-Dienstlaptops kommen voraussichtlich 2021 an die Schulen

Für die geplante Anschaffung von Dienstlaptops für alle Lehrer könnte nach Einschätzung von Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) bis Ende dieses Jahres der Startschuss fallen. Derzeit werde an der nötigen Verwaltungsvereinbarung gearbeitet, sagte er der dpa in Wiesbaden. Es sei voraussichtlich nur noch eine Frage von Wochen, bis «alles unter Dach und Fach ist». Im Laufe des kommenden Jahres könnten die Geräte dann beschafft und verteilt werden.

«Auch wenn wir hier aufs Tempo drücken, muss das Vergabeverfahren sauber ablaufen», sagte Lorz. Bei den Dienstlaptops für die Lehrer gehe es allein um deutschlandweit 500 Millionen Euro vom Bund - plus zusätzliches Geld vom Land. «Wir reden allein für Hessen von 60 000 Endgeräten für die Lehrer», sagte der Minister. «Das ist schon ein Volumen.» Zusätzlich schaffe das Land derzeit rund 120 000 Laptops für Schüler an, bereits mehr als die Hälfte sei bestellt, sagte Lorz. Diese Geräte werden vom Land finanziert.

Hochschulen setzen wegen Coronakrise wieder auf digitale Lehre

Als Folge des Anstiegs der Corona-Infektionen müssen Studierende an Berliner Hochschulen jetzt wieder auf digitale Lehrangebote setzen. Im Wintersemester soll ein Studium vor Ort mit sogenannten Präsenzveranstaltungen die Ausnahme sein. Die Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten der Hochschulen und die Senatskanzlei - Wissenschaft und Forschung - teilten am Dienstag mit, der Anteil digitaler Lehre werde im Wintersemester wieder erhöht, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Noch im September war es der Plan, dass Studentinnen und Studenten trotz der Corona-Pandemie möglichst viel vor Ort an den Hochschulen sein können. Der Senat beschloss am Dienstag verschärfte Auflagen wegen der gestiegenen Infektionszahlen.

Die Vorlesungszeit begann für Kunsthochschulen und höhere Semester an Fachhochschulen am 1. Oktober. An den Unis und für Erstsemester an Fachhochschulen geht es am 2. November los.

In der Mitteilung vom Dienstag hieß es zudem, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sei in allen Hochschulgebäuden verpflichtend.

Keine kostenlosen Tests mehr für Lehrer und Erzieher

Das Angebot des Sozialministeriums für Lehrer und Erzieherinnen, sich kostenlos testen zu lassen, soll noch Ende dieses Monats auslaufen. «Stand jetzt wird es keine Verlängerung des kostenlosen Testangebots geben», sagte Sozialminister Manne Lucha der «Heilbronner Stimme» und dem «Mannheimer Morgen» (Mittwoch). Das Ministerium bestätigte das geplante Aus für die Gratistests.

Den Zeitungen zufolge kritisierte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Entscheidung. «Angesichts der kühleren Tage und der aktuellen Infektionslage halte ich es für richtig, dieses Angebot um einen weiteren Monat zu verlängern und auf insgesamt drei Tests zu erhöhen», erklärte Eisenmann

Ruhe vor dem Sturm? NRW-Schulen dringen auf Antworten zur Corona-Lage

Wenige Tage vor dem Ende der Herbstferien ist in der Schullandschaft ordentlich Druck im Kessel: Wie geht es weiter nach den Herbstferien? Angesichts ständig neuer Corona-Hiobsbotschaften haben viele Lehrer, Eltern und Schüler ein mulmiges Gefühl.

Angesichts des rasanten Anstiegs der Corona-Infektionszahlen werden in Nordrhein-Westfalen Rufe nach verschärften Schutzmaßnahmen an den Schulen lauter. Immer mehr Lehrerverbände fordern inzwischen offensiv die Wiedereinführung der Maskenpflicht. Nach den Sommerferien war die damals neue Maßnahme von vielen Kritikern noch scharf als Zumutung verurteilt worden.

Zehn Wochen und rund 40 000 Neuinfektionen später weht ein anderer Wind: «Die Zeit drängt», sagte der nordrhein-westfälische Oppositionsführer Thomas Kutschaty am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) müsse den zurecht besorgten Lehrern, Schülern und Eltern unverzüglich ein Handlungskonzept vorlegen. Dazu gehörten kleinere Lerngruppen, mehr digitaler Unterricht in der Sekundarstufe II und der Einbau von effektiven Raumluftfilteranlagen. Ähnliche Forderungen stellten Lehrergewerkschaften auf.

Die Schullandschaft umfasst in NRW eine beachtliche Kulisse aus rund 2,5 Millionen Schülern und mehr als 200 000 Lehrern an über 5500 Schulen. Viele Lehrer und auch Eltern sind in schlagkräftigen Verbänden organisiert. In der Vergangenheit erwies sich Unmut über Schulpolitik als Sargnagel für manche Landesregierung in NRW.

Die Schulministerin will sich aber nicht treiben lassen. «Die Landesregierung beobachtet das Infektionsgeschehen in Nordrhein-Westfalen bis zum Ende der Herbstferien sehr genau», hieß es knapp aus Gebauers Behörde. «Weitere Maßnahmen werden kontinuierlich auf Wirksamkeit und Notwendigkeit geprüft.»

Bislang hat sich die Landesregierung nicht in die Karten blicken lassen, ob es nach den Herbstferien überhaupt neue Vorschriften geben wird. «Es kann jedenfalls nicht sein, dass sie damit wieder erst kurz vor Ende der Ferien um die Ecke kommt und alle Beteiligten im Hauruck-Verfahren reagieren müssen», meinte Kutschaty.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert neben der Rückkehr zur Maskenpflicht im Unterricht ein Stufenkonzept mit klaren Handlungsanweisungen zu Lerngruppengrößen, Hygiene-Auflagen und einem Wechselmodell aus Lernen in der Schule und von zuhause aus - je nach Infektionslage. In Bayern gebe es das schon seit September, stichelte GEW-Landeschefin Maike Finnern. Ein Wink mit dem Zaunpfahl für NRW-Regierungschef Armin Laschet - der auch CDU-Bundesparteichef und Kanzlerkandidat werden will - im Dauerwettbewerb mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Die Nachrichten über die strikten Ausgangssperren im Landkreis Berchtesgadener Land dürften die Sorgen auch im übrigen Bundesgebiet weiter schüren. Dort müssen angesichts des bundesweiten Spitzenwerts von rund 273 Neuinfektionen, gerechnet auf 100 000 Einwohner und sieben Tage (Stand: Montagabend), jetzt auch Schulen und Kitas geschlossen bleiben.

«Das Letzte, was passieren darf, ist dass die Schulen wieder geschlossen werden», ermahnte Finnern die Regierung in NRW. Immerhin gehe aus einer Ende September vom Schulministerium veröffentlichten Umfrage hervor, dass jede vierte Schule in NRW sich nicht in der Lage sehe, die Infektionsschutzstandards einzuhalten. «Hier ist dringend Abhilfe erforderlich.»

Derzeit halte sich die Landesregierung nicht an Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für Schulen, kritisierte Finnern. Das RKI empfiehlt ab der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz von 35 Neuinfektionen Maskenpflicht im Unterricht mindestens an weiterführenden Schulen - ab der 50er-Schwelle auch für Grundschüler plus Unterricht im Schichtbetrieb in kleineren Klassen. In NRW haben einzelne Schulen die Maskenpflicht aufgrund hoher Infektionswerte bereits wieder eingeführt, an anderen wird auf freiwilliger Basis noch eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen.

Das Ministerium versicherte: «Die Schulen in Nordrhein-Westfalen sind nach wie vor sichere Orte.» Über 98 Prozent aller Schüler seien bis zum Beginn der Herbstferien im Unterricht gewesen. Schon eine Woche zuvor seien «ausführliche Informationen zum Schulbetrieb in Corona-Zeiten für die kommenden Wochen zur Verfügung gestellt worden».

In diesen Handreichungen steht etwa: Alle 20 Minuten Lüften und nach jeder Unterrichtsstunde für mindestens fünf Minuten. «Körperkontakt ist zu vermeiden. Dies gilt insbesondere für Begrüßungsrituale wie Handschlag, Umarmungen oder Wangenkuss.» Unterricht vor Ort habe «absoluten Vorrang» vor digitalem Unterricht auf Distanz.

Schulfahrten sind auf Grundlage der Hinweise vom 8. Oktober nach den Herbstferien sogar ins Ausland wieder erlaubt - das Storno-Risiko sei aber groß. Welche Hallen für den Sportunterricht freigegeben werden, entscheiden die Behörden vor Ort. Was das in der Praxis bedeutet, berichtete am Dienstag die Stadt Wuppertal: «Leider gibt es in Wuppertal aktuell 12 Turn- und Sporthallen, die ein entsprechendes Lüften nicht zulassen.»

Kutschaty beklagt ein Handlungsdefizit der Landesregierung: «Draußen stürmt der Corona-Herbstwind, aber im Schulministerium gilt offenbar "Still ruht der See".» Auch Laschet lasse zu dem Thema nichts von sich hören.

 

20.10.2020 11.00 Uhr

Lehrerverband pocht auf Betrieb mit halben Klassen in Hotspots

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat Ländern und Kommunen einen widersprüchlichen Umgang mit den Corona-Regeln für Schulen vorgeworfen. Der Regelbetrieb laufe vielerorts weiter, obwohl in Städten und Regionen immer häufiger der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche überschritten werde, sagte Meidinger der «Rhein-Neckar-Zeitung» (Heidelberg). «Bei diesem Wert müsste es eigentlich eine Rückkehr zum Wechselbetrieb mit halbierten Klassen geben.» Er kenne aber kaum eine Kommune, die entsprechend handele.

«Es sorgt uns, dass diese Richtwerte für verschärfte Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen komplett ignoriert werden, um Schulen auf Teufel komm raus offen zu halten.»

Ende vergangener Woche hatte die Kultusministerkonferenz trotz deutlich steigender Corona-Infektionszahlen nochmal bekräftigt, dass Schulen und Kitas möglichst lange offen bleiben sollen. Bei höheren Infektionszahlen könne es sinnvoll sein, die Maskenpflicht auch im Unterricht anzuordnen, hieß es.

Lehrer fordern besseren Schutz gegen Corona nach den Herbstferien

Lehrer machen Druck für einen wirksameren Schutz gegen das Coronavirus an den nordrhein-westfälischen Schulen. «Ein "Weiter so" darf es nach den Herbstferien nicht geben», mahnte die Vorsitzende des Philologenverbands, Sabine Mistler, am Montag in Düsseldorf. Die Ferien enden an diesem Wochenende.

Das von der Kultusministerkonferenz empfohlene regelmäßige Stoßlüften reiche nicht aus. «Schülerinnen und Schüler sollten in beheizten Klassenzimmern lernen, nicht in Kühlräumen», unterstrich die Chefin des überwiegend Gymnasiallehrer vertretenden Verbands.

Angesichts steigender Infektionszahlen sollte auch die Wiedereinführung der Maskenpflicht im Unterricht kein tabu sein. «Wenn immer mehr Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen zu Risikogebieten werden, dürfen Schulen nicht zu Hotspots werden.»

Der Philologenverband fordert Luftfilteranlagen und einen Stufenplan mit einheitlichen Handlungsanweisungen für die Schulen. Zu prüfen seien auch Schichtmodelle mit kleineren Lerngruppen.

Mistler appellierte an die Fürsorgepflicht der Landesregierung. «Deshalb wird an den Schulen zu Recht erwartet, dass alles Machbare und Notwendige getan wird, um eine Infektion oder Weiterverbreitung der Corona-Viren zu verhindern.»

Unter dem Eindruck rasant steigender Infektionszahlen hatte CSU-Chef Markus Söder am Montag in München eine bundesweit einheitliche Maskenpflicht für Regionen mit vielen Corona-Fällen verlangt - in Schulen, auf öffentlichen Plätzen und auch am Arbeitsplatz.

 

19.10.2020 11.00 Uhr

Schulbeginn nach den Herbstferien mit schärferen Corona-Auflagen

Nach den Herbstferien hat am Montag in Schleswig-Holstein wieder die Schule begonnen. Wegen der gestiegenen Infektionszahlen sind die Corona-Schutzmaßnahmen verschärft worden. In den ersten 14 Tagen nach den Ferien müssen die Schüler ab der 5. Klasse auch während des Unterrichts Masken tragen. Zudem hat das Bildungsministerium in Kiel angeordnet, dass während des Unterrichts alle 20 Minuten drei bis fünf Minuten bei weit geöffneten Fenstern gelüftet werden muss. Zudem muss durchgängig in allen Pausen gelüftet werden. Damit sollen die Aerosole in der Luft und damit das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus verringert werden. Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter unterstützen die Maßnahmen.

Corona-Kabinett beschließt neue Regeln - Schule startet

Wie geht der Kampf gegen Corona in Hessen weiter? Am Montag will die Landesregierung die Beschränkungen anpassen. Außerdem geht nach den Herbstferien der Unterricht in den Schulen weiter.

Das Corona-Kabinett der Landesregierung will am (heutigen) Montag die neuen Corona-Vorgaben für Hessen festzurren. Anschließend stellen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Grüne) in der Staatskanzlei in Wiesbaden die Ergebnisse vor (13.30 Uhr). Schon vorab wurde bekannt, dass Hessen das Beherbergungsverbot für Reisende aus innerdeutschen Corona-Hotspots abschaffen will.

Das Gremium will außerdem über die konkrete Umsetzung der Beschlüsse von Bund und Länder aus der vergangenen Woche beraten. Demnach soll die Schwelle für strengere Maßnahmen in deutschen Corona-Hochburgen gesenkt werden. Diese sollen bereits ab 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen greifen statt bisher bei 50. So soll dort die Maskenpflicht ausgeweitet werden, die Gästezahl bei privaten Feiern weiter begrenzt und eine Sperrstunde für die Gastronomie eingeführt werden.

Nach zwei Wochen Herbstferien geht in den Schulen der Unterricht wieder los - unter besonderen Corona-Vorzeichen. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte an die Eltern appelliert, ihre Kinder nicht mit Symptomen einer möglichen Coronavirus-Infektion in die Schule zu schicken. Hier gehe es ausdrücklich nicht um die normale Schnupfennase, die kein Problem sei. Aber bei den typischen Symptomen wie Fieber, trockenem Husten oder einem Verlust des Geschmackssinns sei Vorsicht geboten.

In vielen Kommunen im Rhein-Main-Gebiet gilt wegen der hohen Zahlen bei Neuinfektionen eine generelle Maskenpflicht für alle Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse für zunächst 14 Tage nach Ende der Herbstferien. Betroffen sind die Landkreise Groß-Gerau, Hochtaunus, Main-Taunus, Main-Kinzig, Offenbach und Rheingau-Taunus sowie die Städte Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach und Darmstadt. Die Kommunen einigten sich außerdem unter anderem auf verschärfte Regeln für Besuche in Altenheime und für Sportveranstaltungen.

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen schränkt die Stadt Offenbach die Kontakte ihrer Bürger weiter ein. Ab Montag dürfen sich nur noch maximal drei Menschen aus verschiedenen Haushalten im öffentlichen Raum treffen. Dies gilt auch zuhause und für die Gastronomie. Zwischen 23.00 und 6.00 Uhr darf kein Alkohol verkauft werden, die entsprechende Sperrstunde für die Gastronomie wird verlängert. Auch für private Feiern und beim Sport gelten weitergehende Einschränkungen.

Mehr als die Hälfte aller Schulen nutzen bereits die Schul-Cloud

Ein Jahr nach ihrem Start nutzen 52 Prozent aller Brandenburger Schulen die Schul-Cloud für den Unterricht zu Hause. Ende August dieses Jahres beteiligten sich 432 Schulen von öffentlichen und 40 Schulen von freien Trägern am Fernunterricht über das vom Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI) maßgeblich entwickelten Rechnernetz. Das teilte das Bildungsministerium in Potsdam auf eine Anfrage der Freie-Wähler-Landtagsfraktion mit. Von den aktuell insgesamt 916 Brandenburger Schulen befinden sich 733 in öffentlicher und 183 in freier Trägerschaft.

Den Angaben zufolge nutzten Ende August unter anderem 251 Grundschulen, 101 Oberschulen, 57 Gymnasien und 63 Förderschulen den Fernunterricht. Zu diesem Zeitpunkt konnten laut Ministerium 47 801 der rund 294 000 Schüler in Brandenburg mit der Lern- und Arbeitssoftware zu Hause arbeiten.

Die Schul-Cloud wird noch bis Ende Juli des kommenden Jahres als Pilotprojekt betrieben. Damit soll erfasst werden, welchen Bedarf Lehrer und Schüler für einen Unterricht außerhalb der Schule haben und welches Betriebs- und Betreibermodell sich eignet. Beides soll später bei der Weiterentwicklung der Schul-Cloud berücksichtigt werden.

Beteiligt an dem Projekt des Bildungsministeriums sind auch die DigitalAgentur Brandenburg und das Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg. Laut Koalitionsvertrag von SPD, CDU und Grünen in Brandenburg soll die Schul-Cloud nach Abschluss der Pilotphase allen Schulträgern des Landes zur Verfügung gestellt werden.

Derzeit nutzen vor allem Schüler der oberen Klasse die Lern- und Arbeitsplattform per Internet. Wie das Ministerium in der Antwort an die Freien Wähler mitteilt, sollen künftig die Schüler der 3. und 4. Klassen an die «aktive Nutzung» der Software herangeführt werden; Schüler der 4. und 5. Klassen sollen lernen, damit selbstständig zu arbeiten. Auch ABC-Schützen könnten die Schul-Cloud im Unterricht kennenlernen und gemeinsam mit den Lehrkräften nutzen, erläuterte das Ministerium.

Die Schul-Cloud wird laut HPI in allen Bundesländern genutzt. Derzeit könnten deutschlandweit mehr als 710 000 Menschen auf sie zugreifen. Neben Brandenburg stellen auch Niedersachsen und Thüringen die Schul-Cloud als digitale Lernumgebung zur Verfügung.

Kultusminister: Lüften beugt Coronavirus-Infektionen wirksam vor

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sieht regelmäßiges Lüften von Klassenräumen in der kalten Jahreszeit als eine sehr wirksame Methode gegen die Verbreitung des Coronavirus. Experten beurteilten es ohnehin eher kritisch, wenn Kinder in stickigen, überhitzten Räumen säßen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit Blick auf den Schulstart nach den Herbstferien am Montag. Nach Einschätzung von Hygienikern sei Lüften das beste Mittel, um Infektionen vorzubeugen.

Beim empfohlenen Stoßlüften alle 20 Minuten sinke die Raumtemperatur kurzzeitig nur um zwei bis drei Grad ab. Kinder- und Jugendmediziner würden ganz klar sagen, dass dies unbedenklich sei. «Das kann man aushalten - und sobald die Fenster wieder zu sind, steigt die Temperatur auch wieder zügig an», erläuterte Lorz.

Zu der Frage, ob spezielle Lüftungsgeräte für Klassenzimmer eingesetzt werden sollen, gebe es auch in der Wissenschaft noch keine abschließende Meinung. «Die Diskussion ist jetzt seit ungefähr vier bis fünf Wochen im Gange. Seither werden wir mit Angeboten von entsprechenden Firmen überschwemmt», sagte der Minister. Das müsse man sich sehr genau anschauen. «Wir brauchen valide Erkenntnisse, um dann gegebenenfalls sinnvoll investieren zu können.»

Erste Studien gäben Hinweise darauf, dass bestimmte Techniken unter bestimmten Umständen hilfreich sein könnten. «Experten sagen aber auch, das kann das Lüften nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen», betonte der Minister. «Im Endeffekt braucht auch nicht jeder Klassenraum ein Lüftungsgerät, sondern primär die Klassenräume, in denen Stoß- und Querlüften nicht gut funktionieren.»

Die Anschaffung sei dann Sache der Schulträger. Ob und in welcher Form die Landesregierung sie in dieser Frage unterstütze, stehe noch nicht abschließend fest.

17.10.2020 18.00 Uhr

Alarmstufe Rot im Südwesten - mehr Maskenpflicht, weniger Kontakte

Der Südwesten hat bei den Corona-Infektionen die «kritische Phase» erreicht und schaltet auf Alarmstufe Rot. Um das Virus einzudämmen, stehen nun weitere Einschränkungen bevor.

Wegen des starken Anstiegs der Infektionszahlen ruft Baden-Württemberg die höchste Corona-Alarmstufe aus. Weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie eine verschärfte Maskenpflicht in der Öffentlichkeit und zusätzliche Kontaktbeschränkungen sollen am Montag in Kraft treten, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Samstag nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung mitteilte.

Die Pandemiestufe 3 bedeutet den Eintritt in die «kritische Phase». Die beginnt insbesondere dann, wenn die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche die Grenze von 35 überschreitet. Das ist im Südwesten seit vergangenem Donnerstag der Fall. Am Freitag lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 42,2.

Konkret gelten ab Montag landesweit folgende Maßnahmen - unabhängig vom Inzidenzwert in der jeweiligen Region:

- Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

- Private Zusammentreffen werden auf zehn Personen oder zwei Hausstände begrenzt.

- Die Teilnehmerzahl für Veranstaltungen wird auf 100 beschränkt.

- Kliniken sollen ihre Kapazitäten für Corona-Patienten stufenweise anpassen und nicht zwingend notwendige Behandlungen schrittweise reduzieren.

- Die Fieber-Ambulanzen und Corona-Teststellen in den besonders betroffenen Regionen werden wieder hochgefahren. Telemedizinische Behandlungsmöglichkeiten werden ausgeweitet - zur Vermeidung von Kontakten in Arztpraxen.

- Maskenpflicht gilt ab Klasse 5 in den weiterführenden Schulen sowie in den beruflichen Schulen nun auch im Unterricht - das hatte das Kultusministerium bereits am Freitag angekündigt. Bislang galt sie dort nur auf sogenannten Begegnungsflächen wie Schulfluren, Aula und Toiletten. Die nicht-schulische Nutzung des Schulgebäudes wird eingeschränkt. An Hochschulen soll eine weitreichende Maskenpflicht auch auf den Sitzplätzen gelten.

Städte und Landkreise, deren Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche über 50 liegt, können aber per Allgemeinverfügung noch schärfere lokale Maßnahmen ergreifen - wie zum Beispiel nächtliche Ausgangssperren verhängen.

Man müsse aufgrund der Geschwindigkeit, mit der sich die Pandemie entwickele, die Maßnahmen verschärfen, sagte Kretschmann am Samstag. Er appellierte erneut an die Bevölkerung: Die Menschen sollten unnötige Reisen und Kontakte vermeiden. «Das ist das Gebot der Stunde, damit nicht alles aus dem Ruder läuft.» Man könne die Dynamik nur dann brechen, wenn man die Kontakte um die Hälfte reduziere.

Kretschmann hatte die Ausrufung der dritten und höchsten Stufe bereits am Freitag in Aussicht gestellt. Das dreistufige Alarm-System hatte die Landesregierung im September eingeführt. Entscheidend für die Einstufung ist die Sieben-Tage-Inzidenz. Aber auch andere Faktoren spielen bei der Bewertung eine Rolle, etwa die absoluten Infektionszahlen, die Zahl der Tests oder der Reproduktionswert (R-Wert), der angibt, wie viele Menschen ein Erkrankter im Schnitt mit dem Virus ansteckt.

Vor gut eineinhalb Wochen war die «Anstiegsphase» ausgerufen worden, in der Ausbrüche zunehmen, Landkreisgrenzen überschreiten und zunehmend nicht mehr nachzuvollziehen sind. Diese Stufe 2 wurde begleitet von verschärften Kontrollen und Appellen, beinhaltete aber keine weiteren Einschränkungen des Alltags.

Die dritte Phase zeichnet sich durch einen starken, möglicherweise exponentiellen Anstieg der Fallzahlen mit diffusen, häufig nicht mehr nachvollziehbaren Infektionsketten aus. Das ursprüngliche Konzept der Landesregierung sah für dieses Phase weitere Maßnahmen vor, etwa eine Einschränkung der Anzahl der Personen pro Verkaufsstelle im Einzelhandel und eine Einschränkung des Ausschanks von Alkohol in der Gastronomie. Davon war am Samstag zunächst keine Rede.

Zwar sei der Anteil schwerer Verläufe und die Auslastung der Krankenhäuser vergleichsweise gering, teilte das Staatsministerium mit. Dennoch seien viele Lebensbereiche durch die zunehmende Verbreitung des Virus betroffen, was wiederum das Risiko für vulnerable Gruppen erhöhe. Außerdem falle es den örtlichen Gesundheitsbehörden zunehmend schwer, alle Kontaktpersonen von Neuinfizierten zu ermitteln. «Damit steigt das Risiko, dass sich das Virus diffus ausbreitet.»

Das dreistufige Konzept soll eigentlich eine zweite Welle verhindern. Ministerpräsident Kretschmann appellierte an die Bürger, sich bereits am Wochenende an die verschärften Regeln zu halten und nicht erst bei Inkrafttreten am Montag. «Jede Kontaktvermeidung bringt etwas. Jeder Tag zählt.» Kretschmann warnte die Bevölkerung vor einem erneuten Lockdown. Wenn die Einschränkungen der dritten Alarmstufe über sieben bis zehn Tage nicht wirkten, werde man die Maßnahmen verschärfen und etwa die Treffen im öffentlichen Raum drastisch einschränken, sagte der Grünen-Politiker. «Das muss jedem klar sein: Wenn das nicht geht, dann werden wir zum Schluss sehr viel härter Maßnahmen ergreifen müssen, die dann auch tiefer ins Arbeitsleben eingreifen.»

 

17.10.2020 8.30 Uhr

Lehrer, Eltern und Schüler unterstützen härtere Corona-Maßnahmen

Masken tragen auch im Unterricht und alle 20 Minuten lüften: Diese verschärften Corona-Schutzmaßnahmen in Schleswig-Holsteins Schulen stoßen auf breite Zustimmung bei Lehrern, Eltern und Schülern. Am Montag beginnt nach den Herbstferien wieder die Schule.

Die härteren Corona-Maßnahmen, die nach den Herbstferien ab Montag an Schleswig-Holsteins Schulen gelten, stoßen bei Lehrern, Eltern und Schülern auf breite Zustimmung. Zunächst für 14 Tage müssen Schüler ab der 5. Klasse auch während des Unterrichts eine Maske tragen. Und es ist vorgeschrieben, dass während des Unterrichts alle 20 Minuten bei breit geöffneten Fenstern drei bis fünf Minuten gelüftet wird sowie durchgängig in den Pausen.

Die Maskenpflicht wird aus Sicht von Bildungsministerin Karin Prien funktionieren. Dies habe auch schon freiwillig nach den Sommerferien geklappt, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. «Wir dürfen unseren Schülerinnen und Schülern viel zutrauen.» Sie gingen gerade an weiterführenden Schulen verantwortungsbewusst mit den Verhaltensregeln in der Corona-Pandemie um. «Das ist ein tolles Signal für gegenseitige Rücksichtnahme, die gerade an Schulen wichtig ist für ein gutes Miteinander und eine gute Arbeitsatmosphäre.»

Die Elternbeiräte der weiterführenden Schulen unterstützten das Ministerium bei der Maskenpflicht, sagte Prien. Und der Landeselternbeirat der Gemeinschaftsschulen rufe dazu auf, die Schüler beim Thema Mund-Nasen-Schutz zu unterstützen und zu ermutigen. «Unser Ziel für die nächsten Monate bleibt: Möglichst viel, möglichst lange Regelbetrieb für möglichst viele Schülerinnen und Schüler an möglichst vielen Standorten», sagte die Ministerin.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), in der viele Lehrer organisiert sind, hält Masken tragen und Lüften für gerechtfertigt angesichts der massiv gestiegenen Corona-Zahlen. Nach 14 Tagen werde man sehen, ob die Maskenpflicht möglicherweise weiterhin notwendig sei, sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Katja Coordes in Kiel. Das Lüften mache ebenfalls Sinn, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Allerdings sei nicht bedacht worden, dass die Unterbrechung des Unterrichts eine pädagogische Herausforderung für die Lehrkräfte bedeute. Kleinere Unterrichtsgruppen und digitaler Unterricht könnten Optionen sein, wenn die Infektionszahlen weiter steigen sollten.

Ein besonderes Problem sind laut Coordes Unterrichtsräume, in denen Stoßlüften nicht möglich sei und die deshalb gemäß den Empfehlungen des Umweltbundesamtes für Unterricht in Corona-Zeiten nicht genutzt werden dürften. Es seien noch nicht alle Räume entsprechend überprüft worden. Laut Coordes gibt es vom Land Geld für Unterrichtscontainer, falls Räume nicht geeignet sind.

Auch die Vorsitzende des Landeselternbeirates Gymnasien Schleswig-Holstein, Claudia Pick, steht hinter der Maskenpflicht im Unterricht: «Das ist eine gute Maßnahme, um das Infektionsrisiko soweit wie möglich zu minimieren.» Und das regelmäßige Lüften zur Reduzierung der Aerosole in der Luft sei eine logische, vernünftige Konsequenz. Zu möglichen Erkältungen durch Zugluft meinte Pick: «Welches Gefährdung stufen wir denn höher ein?» Man müsse sich darauf einstellen, «dass es nicht mehr so gemütlich ist im Klassenzimmer». In der Gastronomie sei es üblich, dass Menschen dick eingehüllt im Freien säßen.

Anna Weigand, Landesschülersprecherin Gymnasien, sieht keine große Umstellung durch die Maskenpflicht, da bereits nach den Sommerferien viele Schüler in den Schulen Masken getragen hätten. «Das Atmen unter der Maske dürfte jetzt leichter fallen, da es kälter ist». Die 14 Tage-Frist sei sinnvoll, denn durch Reiserückkehrer steige das Infektionsrisiko. Das Stoßlüften diene vor allem dem Schutz der Lehrkräfte. «Es ist natürlich nicht energiesparend. Und wegen der Kälte sollte überlegt werden, ob Kopfbedeckungen im Unterricht getragen werden dürfen.» Langfristig sollte jede Schule ihre digitalen Möglichkeiten ausbauen.

Lehrer dürfen in den Herbstferien auch in Corona-Risikogebiete reisen

Auch viele Lehrer wollen die Herbstferien für einen Urlaub nutzen. Reisebeschränkungen für sie hat das Land als ihr Dienstherr nicht ausgesprochen – dabei könnte das zu Einschränkungen nach den Ferien führen.

Für Lehrerinnen und Lehrer gibt es mit Blick auf die Herbstferien keine Vorschriften, die ihnen das Reisen in Corona-Risikogebiete untersagen. Das gilt trotz der Gefahr, dass sie nach einer Reise eventuell vorübergehend ihren Dienst nicht wie üblich ausüben können. Weil Lehrer, die in den Ferien privat in ein ausländisches Corona-Risikogebiet reisten, den geltenden Verordnungen zufolge nach ihrer Rückkehr in Quarantäne müssten, habe das Land für sie Möglichkeiten geschaffen, von zu Hause aus zu arbeiten, sagte ein Sprecher des Thüringer Bildungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. «Weitere generelle arbeits- oder disziplinarrechtliche Konsequenzen hat die Einreise in ein Risikogebiet nicht.» An diesem Wochenende beginnen die Ferien.

Allerdings könne es bei verbeamteten Lehrern im Einzelfall sein, dass bei ihnen geprüft werde, ob sie gegen ihre Pflicht zur Gesunderhaltung verstoßen hätten, wenn sie wissentlich in ein ausländisches Corona-Risikogebiet einreisten, sagte der Sprecher. Da dem Ministerium bislang aber keine solchen Fälle bekannt seien, handle es sich dabei um eher theoretische Überlegungen. Diese gelten nach Angaben des Sprechers ohnehin nur für Corona-Risikogebiete außerhalb Deutschlands, weil es für Reiserückkehrer aus innerdeutschen Corona-Reisegebieten in Thüringen zumindest bislang keine Quarantäneregeln gibt.

Auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Thüringen hieß es, dort habe man keine Kenntnis davon, dass Lehrer in ausländischen Corona-Risikogebieten Ferien gemacht hätten. «Uns liegen auch keine Rechtsanfragen bezüglich möglicher dienstrechtlicher Konsequenzen vor», sagte ein Sprecher der Gewerkschaft.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sagte, im Kampf gegen die Pandemie seien alle Menschen unabhängig von ihren Berufen gefragt. «Selbstverständlich setzen wir auf die Verantwortung jedes einzelnen Bürgers und jeder einzelnen Bürgerin, sich angesichts der an vielen Orten wieder aufflammenden Pandemie umsichtig und sorgsam zu verhalten und die jeweils geltenden Regeln einzuhalten, im eigenen Interesse, aber auch im Interesse der Allgemeinheit», sagte Holter.

Gerichte zerpflücken staatliche Maßnahmen gegen Corona-Pandemie

Erst das Beherbergungsverbot, nun die Sperrstunde: Die Maßnahmen von Bund und Ländern zum Eindämmen der Corona-Pandemie finden vor Gericht wenig Zustimmung. Die Zahl der Neuinfektionen steigt derweil stetig weiter.

Bund und Länder werden bei ihren Schritten zum Eindämmen der Corona-Pandemie zunehmend von Gerichten ausgebremst. Nach den Urteilen gegen die Beherbergungsverbote in Baden-Württemberg und Niedersachsen hat am Freitag das Berliner Verwaltungsgericht die Sperrstunde in der Hauptstadt gekippt. Es gab den Eilanträgen von Gastronomen statt. Auch das Beherbergungsverbot für Urlauber aus Regionen mit hohen Infektionszahlen wird immer löchriger. Bayern lässt es an diesem Freitag auslaufen, wie Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München sagte. Hessen plant ebenfalls die Abschaffung. (VG 14 L 422/20 und VG 14 L 424/20)

Ungeachtet des Urteils in Berlin beschloss die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, dass künftig in Kommunen mit 50 oder mehr Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen eine Sperrstunde von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr morgens verhängt werden muss. Dies entspricht der erst am vergangenen Wochenende in Berlin in Kraft getretenen Regelung, die nun schon wieder obsolet ist.

Es sei nicht ersichtlich, dass die Sperrstunde für eine nennenswerte Bekämpfung des Infektionsgeschehens erforderlich sei, begründete das Berliner Gericht seinen Beschluss, gegen den die Landesregierung juristisch vorgeht, am Freitagabend aber zunächst scheiterte. Das teilte eine Sprecherin des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg am Freitag mit. Der Senat hatte eine sogenannte Zwischenverfügung beantragt. Die Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus.

Sperrstunden sind ein zentraler Baustein im Konzept von Bund und Ländern, um die auch in Deutschland stark steigenden Neuinfektionen in den Griff zu bekommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten am Mittwoch vereinbart, dass ab einem Wert von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen eine Sperrstunde um 23.00 Uhr für Gastronomiebetriebe zwingend zu erlassen ist. Ab einem Wert von 35 Neuinfektionen wird eine Sperrstunde empfohlen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Freitagmorgen 7334 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages - der höchste Wert seit Beginn der Pandemie. Am Vortag waren es 6638 neue Fälle gewesen. Die jetzigen Werte sind nur bedingt mit denen des Frühjahrs vergleichbar, weil heute wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden.

Bei den intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten zeichnet sich ein deutlicher Anstieg ab. Laut RKI wurden am Donnerstag 655 Corona-Infizierte intensivmedizinisch behandelt, 329 davon beatmet. Eine Woche zuvor hatte der Wert noch bei 487 (239 beatmet) gelegen.

Das RKI verzeichnet auch wieder vermehrt Corona-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen. «Da sich wieder vermehrt ältere Menschen anstecken, nimmt die Anzahl der schweren Fälle und Todesfälle zu», schreibt das Institut in seinem aktuellen Lagebericht. Im Frühjahr hatte es mehrere große Corona-Ausbrüche in Altenheimen gegeben.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) sagte im RTL/ntv-«Frühstart» zur Infektionslage: «Wir erwarten nicht, dass die Zahlen morgen geringer werden.» Deutschland habe es selbst in der Hand, ob es einen zweiten Lockdown geben werde. «Das A und O ist eben jetzt Vorsicht, sofort.» Der «Rheinischen Post» (Samstag) sagte Braun, «dass es als weitestgehende Maßnahme auch Beschränkungen der Mobilität in die besonders betroffenen Gebiete hinein und aus ihnen heraus geben kann». Das hätten die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten schon vor Monaten festgestellt.

Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus hat laut einer Umfrage zugenommen. 43 Prozent der Menschen in Deutschland haben «sehr große» oder «eher große Angst»; im Juli waren es 40 Prozent gewesen. Knapp die Hälfte der Befragten gab an, keine Angst zu haben. Das geht aus dem aktuellen YouGov-Covid-19-Tracker hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde. 72 Prozent glauben zudem, dass die Corona-Lage in Deutschland derzeit schlimmer wird.

Das Beherbergungsverbot war beim Corona-Gipfel am Mittwoch im Kanzleramt hochumstritten gewesen. Länder wie Nordrhein-Westfalen und Thüringen setzten es gar nicht um, andere wie Mecklenburg-Vorpommern halten bis heute strikt daran fest. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat nur die Bereitschaft signalisiert, die in ihrem Land besonders strengen Regelungen etwas zu lockern. Bund und Länder fanden keine Einigung und vertagten das Thema bis zum 8. November.

Am Donnerstag kippten dann Gerichte in Baden-Württemberg und Niedersachsen die dortigen Verbote. Sachsen und das Saarland strichen die Regel freiwillig. Die Rechtssprechung ist allerdings nicht eindeutig. Das Oberverwaltungsgericht in Schleswig-Holstein wies am Donnerstag einen Eilantrag gegen das Beherbergungsverbot ab. Am Freitag scheiterte vor dem Verwaltungsgericht Hamburg ein Ehepaar aus Köln. Aus Sicht des Gerichts hätte es nahe gelegen, den Antrag «zu einem früheren Zeitpunkt bei dem Gericht anhängig zu machen».

Nach der Regelung durften Touristen aus Gegenden mit besonders hohen Infektionszahlen nur in ein Hotel oder eine Ferienwohnung, wenn sie einen negativen Corona-Test vorlegen konnten, der nicht älter als 48 Stunden war. In Mecklenburg-Vorpommern ist darüber hinaus eine fünftägige Quarantäne und anschließend ein zweiter negativer Corona-Test vorgeschrieben.

Prof. Michael Meyer-Hermann, Leiter der Abteilung System Immunologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, zeigte sich enttäuscht über die Ergebnisse der Bund-Länder-Runde. «Wir haben Zeichen, dass das Virus sich gerade unkontrolliert ausbreitet», sagte er am Donnerstagabend im ZDF-«heute-journal». Er habe deshalb am Mittwoch im Kanzleramt eine «große Warnung» ausgesprochen. «Die Maßnahmen, die erfolgt sind, sind nicht die, die ich mir erhofft hatte», bedauerte Meyer-Hermann. «Die Bevölkerung muss einfach verstehen, dass es jetzt um die Wurst geht.» Die Menschen müssten Feste viel stärker einschränken, auf Reisen möglichst verzichten und konsequent Maske tragen.

Laut einer Umfrage im Auftrag des ARD-«Morgenmagazins stoßen die unterschiedlichen Maßnahmen und Regelungen in den Bundesländern bei den Bürgern auf wenig Akzeptanz: Gut zwei Drittel (68 Prozent) befürworten eher einheitliche Regelungen für Deutschland. Nach einer Forsa-Umfrage für RTL hat eine große Mehrheit der Bürger (74 Prozent) nicht den Eindruck, dass Bundesregierung und Bundesländer bei der Eindämmung der Corona-Pandemie gut zusammenarbeiten.

Trotz der steigenden Infektionszahlen sollen Schulen und Kitas nach Auffassung der Kultusministerkonferenz (KMK) möglichst lange offen bleiben. «Lüften bleibt dabei das A und O», sagte KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) am Freitag in Mainz nach zweitägigen Beratungen der 16 Landesminister. «Räume, die man nicht lüften kann, können auch nicht für den Unterricht genutzt werden.» Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sprach sich gegen vorbeugende flächendeckende Kita-Schließungen aus. «Kitas selbst sind keine Infektionsherde und Kinder sind nicht die Infektionstreiber», sagte sie in Berlin. Kita- und Schulschließungen dürften nur das allerletzte Mittel sein.

Die Zuspitzung der Infektionslage in ganz Europa überschattet auch zunehmend die deutsche EU-Ratspräsidentschaft. Nach der Absage des EU-China-Gipfels im September in Leipzig strich die Europäische Union am Freitag auch ihren erst vor zwei Wochen beschlossenen und für den 16. November geplanten Gipfel zur China-Politik in Berlin.

16.10.2020 22.00 Uhr

Baden-Württemberg vor Alarmstufe Rot - Maskenpflicht im Unterricht

Das Land kämpft mit aller Macht darum, die Kontrolle über die Pandemie zu behalten. Baden-Württemberg bewegt sich Schritt für Schritt auf einen zweiten Lockdown zu - um einen kompletten Stillstand noch abzuwenden.

Wegen dramatisch steigender Infektionszahlen steht Baden-Württemberg vor der Ausrufung der höchsten Corona-Alarmstufe - und vor weiteren Einschränkungen des Alltags. Ab kommender Woche gilt die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen auch im Unterricht. «Die Erweiterung der Maskenpflicht ab Klasse 5 auf den Unterricht gilt ab einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz von über 35», teilte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit. «Wir werden heute die Schulen darüber informieren, dass dies dann ab kommenden Montag zu beachten ist.»

Am Freitag lag die Inzidenz im Südwesten bei 42,2 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche. Im Landkreis Esslingen war dieser Wert mit 89,3 am höchsten.

Bislang galt die Maskenpflicht ab Klasse 5 und an weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg lediglich auf sogenannten Begegnungsflächen wie Schulfluren, Aula und Toiletten. An Grundschulen müssen weiterhin keine Masken getragen werden. Im Corona-Hotspot Stuttgart gilt bereits eine Maskenpflicht im Unterricht.

«Wenn die Zahlen so steigen wie jetzt in ganz Baden-Württemberg, müssen wir striktere Maßnahmen ergreifen», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Freitag bei einer Veranstaltung des Städtetags. «Ich bin zuversichtlich, dass das die Schulen hinbekommen.» Derzeit befänden sich gut 600 von 67 500 Klassen in Quarantäne. «Das verteilt sich gut.»

«Das halte ich für konsequent», kommentierte die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, die Maskenpflicht. Die Lüfterei in den Klassenzimmern funktioniere nicht wirklich. Man müsse jede weitere Maßnahme nutzen. Am wichtigsten sei aber Abstand. Moritz plädierte für einen Schichtbetrieb an den Schulen. So könnte beispielsweise im Tausch die halbe Klasse im Klassenzimmer lernen und die andere Hälfte den Unterricht digital verfolgen. Moritz sagte, sie denke nicht, dass man um eine erneute Einschränkung des Präsenzunterrichts herumkomme.

Die Landesregierung hatte im September ein dreistufiges Alarm-System im Kampf gegen eine zweite Corona-Welle eingeführt. Entscheidend für die Einstufung dabei ist die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz. Aber auch andere Faktoren spielen bei der Bewertung eine Rolle, etwa die absoluten Infektionszahlen, die Zahl der Tests oder der Reproduktionswert (R-Wert), der angibt, wie viele Menschen ein Erkrankter im Schnitt mit dem Virus ansteckt.

Vergangene Woche wurde die «Anstiegsphase» ausgerufen, in der Ausbrüche zunehmen, Landkreisgrenzen überschreiten und zunehmend nicht mehr nachzuvollziehen sind. Diese Stufe 2 wird begleitet von verschärften Kontrollen und Appellen.

Die dritte, kritische Phase beinhaltet weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens - unter anderem die landesweite Maskenpflicht im Unterricht. Sie gilt vor allem ab einer landesweiten Sieben-Tage-Inzidenz von 35 Fällen auf 100 000 Einwohner. Dann besteht ein starker, möglicherweise exponentieller Anstieg der Fallzahlen mit diffusen, häufig nicht mehr nachvollziehbaren Infektionsketten.

Nach dem Konzept der Landesregierung soll dann im Einzelhandel die Anzahl der Personen pro Verkaufsstelle eingeschränkt werden. In der Gastronomie könnten dann der Ausschank von Alkohol eingeschränkt und der Betrieb auf Außenbereiche beschränkt werden. Veranstaltungen und Kontaktmöglichkeiten sollen eingeschränkt, Hygienemaßnahmen sowie Sanktionen bei Verstößen ausgeweitet werden. Die Regelversorgung in Krankenhäusern soll auf das Nötigste beschränkt werden. Mit diesen Maßnahmen soll ein allgemeiner Lockdown - die Schließung von Schulen und Betrieben - möglichst vermieden werden.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann kündigte am Freitag an, dass die Bürger damit rechnen müssten, dass spätestens am Montag die dritte Pandemiestufe ausgerufen werde. Wenn es so weitergehe, werde Baden-Württemberg am Wochenende bei mehr als 50 Neuinfektionen per 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche liegen, sagte der Grünen-Politiker bei der Hauptversammlung des Städtetags Baden-Württemberg, die per Videokonferenz stattfand.

Die SPD vermisst allerdings Konsequenz im Krisenmanagement der Landesregierung. «Die meisten Inhalte des Landeskonzepts zur zweiten Stufe stehen bisher nur auf dem Papier», sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Stoch. «Daher habe ich die Befürchtung, dass es bei der dritten Stufe auch nicht anders wird. Aber die zweite Welle lässt sich nicht nur wegappellieren.»

Kretschmann appellierte am Freitag erneut an die Bevölkerung. «Wir können die Welle nur dann brechen, wenn wir jetzt handeln.» Mehr denn je komme es auf die Eigenverantwortung der Menschen an. Wenn die Infektions-Dynamik nicht gebrochen werde, werde es selbstverständlich auch keine Weihnachtsmärkte geben, sagte Kretschmann.

Im Streit um Beherbergungsverbote und das Krisenmanagement von Bund und Ländern machte sich Kretschmann für den Föderalismus stark und forderte ein Ende der «Debatte um Kleinstaaterei». In Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern gebe es eben vergleichsweise niedrige Infektionszahlen. «Die müssen doch nicht dieselben Regeln machen wie wir.» Mit dem Föderalismus sei man gut gefahren verglichen mit den Nachbarländern Deutschlands.

Gericht: Schüler-Quarantäne trotz Lüftens im Klassenzimmer rechtens

Ein Schüler ist laut einer Gerichtsentscheidung nach dem Unterricht bei einem positiv auf das Coronavirus getesteten Lehrer zu Recht in Quarantäne gesteckt worden - obwohl das Klassenzimmer durchgängig gelüftet war. Das erklärte das Verwaltungsgericht Düsseldorf am Freitag, das sich mit dem Fall beschäftigt hatte. Das Gesundheitsamt der Stadt hatte für den Schüler nach der 45-minütigen Schulstunde eine 14-tägige häusliche Quarantäne angeordnet. Dagegen war der Schüler juristisch vorgegangen.

Zu Begründung hieß es, dass sich die Kammer an den Erkenntnissen des Robert Koch-Instituts orientiert habe. Es sei zwar möglich, dass «wegen des konstanten Lüftens des Klassenraumes durch das Offenhalten jeweils eines Flügels von drei Flügelfenstern und der gegenüberliegenden Klassenzimmertüre eine gewisse Reduktion des Infektionsrisikos» erreicht worden sei. Ob die Lüftung aber ausgereicht habe, könne «im Rahmen der effektiven Gefahrenabwehr» nicht beurteilt werden. Der durch das Lüften erreichte Luftaustausch hänge unter anderem von der Witterung ab.

Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Münster eingelegt werden.

Maskenpflicht im Unterricht an Berufsschulen und in den Oberstufen

Hamburgs Berufsschüler und Schüler an den Oberstufen der allgemeinbildenden Schulen müssen von kommender Woche an auch im Unterricht Mund-Nase-Masken tragen. Zudem sollen die Klassenräume in allen Schulen nach den Herbstferien alle 20 Minuten gelüftet werden, teilte der Senat am Freitag mit.


16.10.2020 08.30 Uhr

Schülervertretung: Schüler sollen selbst über Maskenpflicht abstimmen

Bislang muss in Hamburgs Schulen nur außerhalb des Unterrichts Maske getragen werden. Doch die Corona-Infektionszahlen steigen auch in der Hansestadt. Die Schüler selbst wollen jetzt über eine mögliche Verschärfung der Regeln entscheiden.

Die Hamburger Schülervertretung hat Schülerinnen und Schüler aufgefordert, über die Einführung einer Maskenpflicht im Unterricht abzustimmen. Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen gehe es darum, zumindest für die ersten beiden Wochen nach den Herbstferien die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung während der bisher Masken-freien Unterrichtsstunden zu fordern, sagte der Landesvorsitzende der Schülerinnenkammer Hamburg, Henry Behrens, der Deutschen Presse-Agentur. In Hamburg geht die Schule am Montag wieder los. Die Onlineumfrage sollte noch am Freitag beginnen.

In einer ersten Stichprobe mit rund 100 Schülern hätten sich 52 Prozent für und 48 Prozent gegen das Tragen einer Maske im Unterricht ausgesprochen. Über das Wochenende soll nun in einer größeren Onlineumfrage endgültig über die Position der Schülervertretung in dieser Frage entschieden werden.

Behrens selbst befürwortete eine generelle zweiwöchige Maskenpflicht in der Schule. «Es gibt Dinge, die schlimmer sind. Und wenn Operationen mit Maske durchgeführt werden, dann können sicherlich auch zwei Wochen Unterricht mit Maske passieren.»

Einen Aufruf zum freiwilligen Maske tragen würde er zwar auch unterstützen. Allerdings bezweifelte Behrens, dass sich dann alle Schülerinnen und Schüler daran halten würden. «Freiwillig ist gut, aber verpflichtend ist noch besser.»

Ein zweiter sogenannter Lockdown müsse auf jeden Fall verhindert werden, sagte der 18-jährige Gymnasiast. «Wir können es uns nicht noch einmal erlauben, die Schulen zu schließen. Genau wie für die Wirtschaft hätte eine Schließung auch für die Schüler fatale Folgen. Viele hinken jetzt schon hinterher.»

Bayern verschärft Maskenpflicht

Die Corona-Zahlen steigen auch in Bayern unaufhaltsam. Markus Söder warnt vor einem neuen Lockdown - und zieht die Zügel deutlich an.

In bayerischen Regionen mit hohen Corona-Zahlen gelten künftig strikte Beschränkungen für private Kontakte, zudem wird die Maskenpflicht in den betroffenen Städten und Landkreisen deutlich ausgeweitet. Eine entsprechende Verschärfung der bayerischen Anti-Corona-Maßnahmen hat das Kabinett am Donnerstag beschlossen, dies tritt am Samstag in Kraft. Mit dem Maßnahmenkatalog, der von den Kommunen verpflichtend umgesetzt werden muss, geht Bayern zum Teil deutlich über einen Bund-Länder-Beschluss vom Mittwoch hinaus.

«Es gibt keinen Anlass zu Panik in Deutschland, aber zu ernster und großer Sorge», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach der Kabinettssitzung. Wenn man jetzt nicht konsequent handle, rücke man einem Lockdown immer näher. «Wir wollen das nicht – aber wir müssen eine Menge noch tun, um das zu verhindern», mahnte er. Deshalb gehe Bayern über den Bund-Länder-Beschluss hinaus. «Corona ist kein Krieg, sondern eine Geduldssache, eine echte Geduldssache», betonte Söder.

Die Maskenpflicht gilt bei Überschreiten des 35er-Werts künftig quasi automatisch auch im Schulunterricht ab der fünften Klasse, beziehungsweise bei Überschreiten des 50er-Werts auch an Grundschulen. Bislang gab es hier keinen Automatismus, sondern lediglich einen Drei-Stufen-Plan des Kultusministeriums, auf dessen Grundlage die Gesundheitsämter vor Ort entscheiden mussten. Künftig müssen die Ämter die Maskenpflicht zwingend anordnen. Und diese gilt laut Söder dann auch in Horten und in Mittagsbetreuungseinrichtungen.

Wegen Corona: Franziskus warnt vor Schulabbruch von Millionen Kindern

Papst Franziskus will mit einem globalen Pakt für Bildung den Kindern und Jugendlichen weltweit zu besseren Chancen verhelfen. «In der aktuellen Gesundheitskrise - wo es viel Verzagtheit und Orientierungslosigkeit gibt - sind wir der Meinung, dass dies der Zeitpunkt ist, einen globalen Bildungspakt für und mit den jüngeren Generationen zu unterzeichnen», sagte der Papst in einer Videobotschaft am Donnerstag in Rom. In dem Pakt würden «Familien, Gemeinschaften, Schulen und Universitäten, Institutionen, Religionen, Regierende, ja, die gesamte Menschheit dazu verpflichtet, reife Menschen heranzubilden». In der italienischen Hauptstadt tagten in der Päpstlichen Lateranuniversität internationale Experten zu dem Thema.

Die Idee zu einer Übereinkunft für bessere Bildung hatte das 83 Jahre alte katholische Kirchenoberhaupt bereits lange vor der Corona-Krise. Doch jetzt könnten etwa zehn Millionen Kinder weltweit wegen der Wirtschaftskrise, die durch die Pandemie ausgelöst wurde, zum Schulabbruch gezwungen sein, warnte er. Die Generalsekretärin der

Zwei Schulen nehmen nach Corona-Zwangspause wieder Betrieb auf

Die beiden Schulen in Löcknitz (Vorpommern-Greifswald) und Neubrandenburg, die wegen Corona-Fällen nach den Herbstferien zunächst geschlossen blieben, nehmen den Schulbetrieb von diesem Montag an wieder auf. Das teilten die beiden Schulleitungen am Donnerstag mit. Alle Schüler wurden daran erinnert, die geforderten Gesundheitsbestätigungen mitzubringen. An den Bildungseinrichtungen waren in den einwöchigen Ferien insgesamt drei Lehrer und acht Schüler positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Daraufhin schlossen sich Hunderte Tests für die anderen Schüler und Lehrer sowie das Umfeld an, die aber negativ verliefen. Betroffen waren das deutsch-polnische Gymnasium Löcknitz, wo rund 450 Schüler aus Polen und Deutschland lernen, sowie die Integrierte Gesamtschule «Vier Tore» in Neubrandenburg.

Umweltbundesamt legt Lüftungsempfehlungen für Schulen vor

Das Umweltbundesamt hat Empfehlungen für die Belüftung von Schulen in der Corona-Pandemie vorgelegt. Die vierseitige Handreichung wurde vor dem Hintergrund der Debatte über Ansteckungsrisiken im Unterricht erarbeitet. Zuletzt war über Mützen und Schals im Klassenzimmer diskutiert worden, weil empfohlen wird, auch im Winter in kurzen Abständen breit zu lüften. «Um sich vor infektiösen Partikeln zu schützen, sollte pro Stunde ein dreifacher Luftwechsel erfolgen. Das bedeutet, dass die Raumluft dreimal pro Stunde komplett gegen Frischluft von außen ausgetauscht wird», schreibt das Umweltbundesamt in seinen am Donnerstag veröffentlichten Empfehlungen.

In der kalten Jahreszeit soll demnach während des Unterrichts alle 20 Minuten mit weit geöffneten Fenstern für 3 bis 5 Minuten gelüftet werden - sogenanntes Stoßlüften. Zudem solle während der gesamten Pausen gelüftet werden. Das Amt rät davon ab, nur die Tür zum Lüften zu öffnen, weil sich kleine virushaltige Schwebeteilchen (Aerosole) dann von einem Raum über den Flur in andere Klassenräume verbreiten könnten. Auch von Lüften mit nur einem offenen oder mit gekippten Fenstern wird abgeraten.

«Sowohl beim Stoßlüften wie beim Querlüften sinkt die Temperatur im Raum nur um wenige Grad ab. Nach dem Schließen der Fenster steigt sie rasch wieder an», heißt es weiter. Zum «Einstudieren» des richtigen Lüftungsverhaltens schlagen die Experten den Einsatz von CO2-Messgeräten vor. Diese seien bereits für 50 bis 100 Euro zu erhalten. Die Geräte zeigen an, wann die Luft verbraucht ist. Sie geben damit einen Hinweis, wann wieder gelüftet werden sollte.

Für Klassenzimmer, in denen sich die Fenster nicht öffnen lassen - das ist zum Teil aus Sicherheitsgründen der Fall - seien «stationäre, in die Fensterbereiche eingebaute Zu- bzw. Abluftanlagen als baulich schnell realisierbare Option denkbar». Den Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte sieht das Umweltbundesamt eher skeptisch. Wenn, dann seien sie allenfalls als Ergänzung zum aktiven Lüften geeignet.

Langfristig spricht sich das Umweltbundesamt dafür aus, dass alle Schulen, aber auch Kultureinrichtungen mit Wärmetauschanlagen ausgestattet werden sollten. Bei solchen Lüftungsanlagen wird Frischluft von außen angesaugt und gleichzeitig durch die nach außen strömende Abluft erwärmt. Das sei die nachhaltigste Lösung für den Abstransport von Viren, CO2 und Feuchte, erklärten Heinz-Jörn Moriske und Wolfram Birmili am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Solche Anlagen empfehle man für Neubauten schon seit zehn Jahren.

Corona bringt die Digitalisierung an Musikschulen in Schwung

Der Lockdown im Frühjahr hat auch Sachsen-Anhalts Musikschulen getroffen - von einem auf den anderen Tag war Umdenken gefragt. Die Erfahrungen nutzen den Einrichtungen auch für die Zukunft.

Die Corona-Krise hat die Digitalisierung der Musikschulen in Sachsen-Anhalt beschleunigt. «Die Pandemie hat die Zukunft in die Gegenwart geholt», sagte Christian Reineke, Geschäftsführer des Landesverbands der Musikschulen mit Sitz in Magdeburg. «Wir sind der Zeit jetzt schätzungsweise drei bis vier Jahre voraus.» Grund dafür ist der Ausfall des Präsenzunterrichts in allen 20 staatlich anerkannten Musikschulen während des Lockdowns. Damals mussten sich die Lehrkräfte laut Reineke schnell überlegen, wie der Unterricht trotzdem aufrecht erhalten werden könne.

Lehrkräfte hätten mit ihren Schülern beispielsweise via Handy kommuniziert, ihnen wöchentliche Aufgaben per Video zukommen lassen. «Die Notwendigkeit einer Digitalisierung ist durch die akute Lage offenkundig geworden», so Reineke. Dabei seien auch Baustellen aufgefallen: Mobile Dienstgeräte sind den Angaben nach nicht überall vorhanden, technische Grenzen wie eine schwache Internetverbindung, gerade im ländlichen Raum, traten auf, Fragen zum Datenschutz müssten geklärt werden.

Derzeit würden knapp 19 000 Schülerinnen und Schüler an den Musikschulen im Land unterrichtet. Etwa 2000 größtenteils Kinder und Jugendliche stehen zudem auf Wartelisten. Grund dafür sei der Lehrkräftemangel. Den habe es bereits vor der Pandemie gegeben. «Gerade im ländlichen Raum ist es schwer, Honorarkräfte zu finden», so Reineke. Mit mehr finanziellen Mitteln ließe sich das Problem seinen Angaben nach lösen - denn die Erfahrung zeige, dass bei ausgeschriebenen Festanstellungen Interesse bestehe.

Ziele für die Zukunft seien deswegen ausreichend Personal und die Erkenntnisse der vergangenen Monate zu nutzen. Digitale Unterrichtsmethoden sollen künftig den Präsenzunterricht ergänzen. Denn die Erfahrungen von Lehrkräften, Schülern und Eltern zeigten, wie wertvoll der direkte Kontakt zu Menschen sei. Zudem sei die nonverbale Ebene beim Musizieren entscheidend - die falle vor allem beim digitalen Zusammenspiel größtenteils weg. «Der digitale Unterricht ist eine gute Brücke zu den Schülern und sinnvoll, um die Motivation aufrechtzuhalten», bilanziert Reineke. «Er kann aber nicht mit dem Präsenzunterricht gleichgesetzt werden.»

14.10.2020 21.00 Uhr

Kultusminister beraten über Corona und vergleichbare Schulabschlüsse

Die Kultusminister der Länder beraten an diesem Donnerstag und Freitag unter anderem über die Lage der Schulen in der Corona-Pandemie und über eine bessere Vergleichbarkeit von Schulabschlüssen. Die Gespräche finden wegen Corona als Videokonferenz statt. Auf der Tagesordnung steht erneut der lange geplante Bildungsrat, der die Länder bei der Abstimmung bildungspolitischer Fragen beraten soll. Zudem wird weiter an einer vertraglichen Vereinbarung zwischen den Ländern gearbeitet, die unter anderem für mehr Vergleichbarkeit bei den Schulabschlüssen sorgen soll. Nach Angaben von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) geht es etwa darum, dass künftig verbindlich ein bestimmter Anteil der Abiturprüfungen aus einem gemeinsamen Aufgabenpool der Länder übernommen werden soll.

Erneut Fernunterricht an Moskauer Schulen wegen Corona

Angesichts dramatisch steigender Corona-Zahlen in Russland muss ein Teil der Schüler in Moskau wieder zu Hause lernen. Die Klassenstufen sechs bis elf werden vom kommenden Montag an in den Fernunterricht wechseln, wie die Stadtverwaltung am Mittwoch mitteilte. Die jüngeren Schüler sollen nach den Herbstferien wieder zur Schule zurückkehren dürfen. Diese Regelung gilt demnach zunächst für zwei Wochen. Bereits im Frühjahr mussten in Russland alle Schüler zu Hause lernen.

Die Behörden meldeten am Mittwoch landesweit 14 231 neue Infektionen an einem Tag - so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Damit erkrankten bislang mehr als 1,3 Millionen Menschen in dem Land. 23 205 starben im Zusammenhang mit dem Virus. Mehr als eine Million Menschen erholten sich bereits nach einer Erkrankung. Besonders viele Infektionen gibt es in Moskau.

Die Behörden in der Hauptstadt kontrollieren seit Tagen verstärkt, ob die Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Einkaufszentren und Supermärkten einen Mund-Nasen-Schutz tragen - und verhängen Bußgelder bei Verstößen. Viele Moskauer hatten in den vergangenen Wochen in öffentlichen Räumen auf eine Maske verzichtet.

Philologenverband fordert einheitliche Corona-Regeln an Schulen

Der Philologenverband Baden-Württemberg hat landesweit einheitliche Vorgaben für die Schulen beim Umgang mit dem Coronavirus gefordert. «Dass Stuttgart die Maskenpflicht an den Schulen einführt, Esslingen trotz noch höherer Inzidenz aber nicht, ist doch ein schlechter Witz. Dafür bedarf es klarer Richtlinien», sagte der PhVBW-Vorsitzende Ralf Scholl am Mittwoch. Entscheidungen über eine Maskenpflicht oder ein rollierendes System mit halben Klassenstärken dürften nicht von Zufällen oder den Vorlieben lokaler Entscheidungsträger abhängen.

Statt eine «völlig wirklichkeitsferne Debatte» über eine Verlängerung der Weihnachtsferien zu führen, sollten endlich wirksame Maßnahmen ergriffen werden, erklärte Scholl. «Die Schulen müssen für Schüler und Lehrkräfte sicher gemacht werden, damit sie geöffnet bleiben können, und dazu muss Geld im Rahmen des Nachtragshaushalts in die Hand genommen werden.»

Dazu gehöre besonders die Anschaffung von Raumluftreinigern. Zudem müssten die Verantwortlichen darüber nachdenken, in Risikogebieten ein rollierendes System mit halben Klassenstärken einzuführen. Auf diese Weise könne der Sicherheitsabstand besser eingehalten werden, erklärte Scholl.

Allerdings seien in den Risikogebieten weniger die Schulen das Problem bei den Corona-Infektionen, sondern ein «viel zu häufig unverantwortliches Freizeitverhalten», meinte Scholl. Solange es also im privaten Raum keine strengeren Regelungen gebe, hätten Vorgaben in allen anderen Bereichen nur begrenzte Wirkung.

 

13.10.2020 13.30 Uhr

Kultusministerin sieht Verlängerung der Weihnachtsferien kritisch

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat sich skeptisch zu dem Vorschlag geäußert, die Weihnachtsferien wegen Corona zu verlängern. Die Ministerin bezweifle, dass der Vorschlag eine geeignete Schutzmaßnahme sei, teilte eine Sprecherin des Ministeriums am Dienstag mit. «Auch Ende Januar ist der Winter ja noch nicht vorbei, deshalb ist das ein wenig zu kurz gedacht», sagte Eisenmann nach Angaben der Sprecherin.

Mit einer solchen Maßnahme entstünden außerdem eine ganze Reihe von neuen Problemen. Für die Schulen gäbe es dann zusätzliche organisatorische Herausforderungen, sagte Eisenmann. Zahlreiche Planungen wie Lern- und Prüfungszeiträume würden durcheinander gebracht. «Wir sollten den Schulen jetzt nicht noch zusätzliche Probleme aufhalsen, die Schulleitungen sind ohnehin schon sehr belastet durch die Corona-Krise», sagte die Ministerin.

Der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß hatte der «Bild» gesagt: «Wir sollten darüber nachdenken, die Winterferien um zwei bis drei Wochen zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen.» Ziel müsse sein, bestmöglich durch die Pandemie zu kommen. Der Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger (CSU) regte sogar bis zu vier Wochen längere Weihnachtsferien mit entsprechender Kürzung der Oster- und Sommerferien an. «Das Wohl der Schüler und Lehrer muss im Vordergrund stehen», begründete er seinen Vorschlag.

Streit über Beherbergungsverbot - längere Weihnachtsferien?

Der Streit über Beherbergungsverbote dürfte das Treffen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten an diesem Mittwoch dominieren. Davon abzugehen kommt für manche Länderregierungschefs nicht in Frage. Auch ein Vorstoß zu Schulen löst ein Kontroverse aus.

Der Streit über das Beherbergungsverbot vieler Länder zum Schutz vor Corona-Infektionen nimmt vor dem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder an Schärfe zu. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, forderte, das Verbot dabei nochmals auf den Prüfstand zu stellen. Länderregierungschefs wie Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) und Markus Söder (Bayern) verteidigten es dagegen. Für Diskussionen sorgt ein Vorstoß aus den Reihen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wegen der Infektionszahlen die Weihnachtsferien zu verlängern.

Am Dienstagmorgen überschritt die Zahl der innerhalb eines Tages neu mit dem Coronavirus infizierten Menschen nach Angaben des Robert Koch-Instituts mit 4122 erneut die 4000er-Grenze. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach RKI-Angaben mindestens 329 453 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Mit Leverkusen und Gelsenkirchen überschreiten seit Dienstag zwei weitere große Städte die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen.

Söder rief vor dem Treffen an diesem Mittwoch dazu auf, strengere und einheitliche Maßnahmen zu ergreifen. Es müsse zum Beispiel erweiterte Maskenpflichten gelten. «Wir wollen keinen zweiten Lockdown. Aber ein zweiter Lockdown rückt näher, wenn es keinen Ruck gibt.»

Kanzlerin und Ministerpräsidenten kommen an diesem Mittwoch erstmals seit Mitte Juni wieder im Kanzleramt zusammen und tagen nicht in einer Videokonferenz. Laut «Bild»-Zeitung begründete Kanzleramtschef Helge Braun gegenüber den Staatskanzleichefs die Notwendigkeit hierfür mit der dramatischen Infektionslage in Deutschland. Man müsse eine offene Debatte führen, die «historische Dimensionen» haben könne, wurde er unter Bezug auf Teilnehmer in «Bild» zitiert.

Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus mahnte für das Treffen unter anderem in der Frage der Beherbergungsverbote eine einheitliche Linie an. «Ich erwarte morgen ein klares Signal gegen die Kleinstaaterei. Wir benötigen Klarheit für die Menschen in Deutschland. Dies gilt insbesondere für innerdeutsche Reisen», sagte der CDU-Politiker am Dienstag am Rande einer Veranstaltung in Hamburg.

Bareiß betonte: «Gerade Hotels haben in einem großen Kraftakt die Hygienemaßnahmen umgesetzt und für Sicherheit gesorgt. Ein nochmaliger Lockdown der ganzen Hotelbranche muss verhindert werden.» Der Chef des Landkreistages, Reinhard Sager, sprach im Nachrichtenportal «t-online» von einem «im Alltag kaum zu überblickenden Flickenteppich und großer Verunsicherung in der Gesellschaft».

Die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, sagte der «Saarbrücker Zeitung» (Dienstag): «Ich habe die begründete Hoffnung, dass sich Bund und Länder von dieser Form des Beherbergungsverbots verabschieden müssen.» Hartges spielte damit offenbar auf die angekündigten Klagen gegen das Verbot an. Der Staatsrechtler Christoph Degenhart hält die Maßnahmen für nicht gerechtfertigt. «Sie greifen in die Grundrechte der Betriebe sowie der Reisenden ein», sagte er dem «Handelsblatt» (Dienstag).

Dagegen sprach sich Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Schwesig (SPD) im ARD-«Morgenmagazin» gegen Lockerungen aus: «Wir brauchen eine klare, stringente Linie. Die kann in einer Zeit, wo die Zahlen immer mehr in Deutschland steigen, nicht Lockerung sein.» Schwesig sprach sich stattdessen für strengere Regeln aus, «insbesondere in Risikogebieten». Bayerns Regierungschef Söder verlangte am Montagabend im Bayerischen Rundfunk «klarere Regeln für alle». Dabei schloss er nicht aus, Anti-Corona-Maßnahmen nicht nur regional, sondern flächendeckend etwas zu verschärfen.

Die meisten Bundesländer hatten am Mittwoch beschlossen, dass Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen bei Reisen innerhalb von Deutschland nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test vorlegen können. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen. Als sicher gilt, dass am Mittwoch über das Thema gesprochen werden wird.

Diskutiert werden könnte beim Bund-Länder-Treffen auch über die Schulen - dass diese nicht wieder geschlossen werden müssen, gilt als eines der wichtigsten Ziele der Maßnahmen. Die Bundestagsabgeordneten Christoph Ploß (CDU) und Stephan Pilsinger (CSU) machten in der «Bild»-Zeitung den Vorschlag, die Winterferien um zwei bis drei Wochen zu verlängern und im Sommer entsprechend zu kürzen. Unionssraktionsvize Thorsten Frei pfiff die beiden Abgeordneten aber wieder zurück. Er sagte bei RTL/ntv: «Angesichts der Verbreitungswege, die derzeit dominieren, befürchte ich, dass wir durch eine Verlängerung der Weihnachtsferien viel Unruhe stiften, aber letztlich keinen durchgreifenden Erfolg erringen.»

Das Robert Koch-Institut wies in einem Strategiepapier darauf hin, dass der Alltag auch nach Einführung eines Corona-Impfstoffs zunächst eingeschränkt bleiben werde - einschließlich Maskentragen und Abstandsgeboten. Demnach werden zwar voraussichtlich im kommenden Jahr ein oder mehrere Impfstoffe zur Verfügung stehen - und die Bekämpfung des Coronavirus entscheidend verbessern. Allerdings dürfte es ein solches Mittel zu Beginn nur in begrenzten Mengen geben und insbesondere Risikogruppen zugute kommen.

Für alle Schulen im Eichsfeld gilt «Stufe Gelb»

Alle Schulen im Eichsfeldkreis gehen wegen des erhöhten Corona-Infektionsaufkommens von Mittwoch an in den eingeschränkten Regelbetrieb mit erhöhtem Infektionsschutz über. Als Folge seien Einschränkungen im Präsenzunterricht in unterschiedlichem Ausmaß möglich, teilte das Ministerium am Dienstag auf seiner Internet-Seite mit, das über die Schulen die «Stufe Gelb» verhängte. Über die konkrete Situation informiere die jeweilige Schule hieß es. Der Stufenplan des Ministeriums sieht für Schulen und Kindergärten je nach Infektionsgeschehen drei Stufen (Grün, Gelb, Rot) vor.

Nach einem Anstieg der festgestellten Neuinfektionen gelten im Landkreis Eichsfeld seit Montag schärfere Corona-Regeln. Demnach hatten sich zuletzt 36 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Besonders viele Neuinfektionen gab es in Uder (14) und Heiligenstadt (sechs). Mehr als 300 Menschen sind im Eichsfeld derzeit in Quarantäne.

Bildungsgewerkschaften: Nach «Schulgipfeln» tut sich zu wen

Vor zwei Monaten hatte Bundeskanzlerin Merkel das Thema Schule und Corona mit einem Treffen im Kanzleramt zur Chefsache gemacht. Im September folgte ein zweiter «Schulgipfel». Seitdem habe sich zu wenig bewegt, kritisieren Bildungsgewerkschaften.

Zwei Monate nach dem ersten Spitzengespräch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur schnelleren Digitalisierung der Schulen in Corona-Zeiten sehen Bildungsgewerkschaften bisher kaum Fortschritte. «Den Ankündigungen des Schulgipfels sind noch viel zu wenig Taten gefolgt. Die Mühlen mahlen langsam und so werden die Erwartungen, dass alles von heute auf morgen umgesetzt wird, enttäuscht», sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Verband Bildung und Erziehung rechnet damit, dass noch Monate vergehen, bis sich sichtbar etwas an den Schulen getan hat. «Ich gehe davon aus, dass es noch bis Ende dieses Schuljahrs dauert, um in Sachen Digitalisierung eine halbwegs akzeptable Situation an den Schulen herzustellen», sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann.

Am 13. August hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken, Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Vertreter mehrerer Bundesländer vereinbart, dass Lehrer mit Dienstlaptops ausgestattet, alle Schulen «schnellstmöglich» an das schnelle Internet angeschlossen werden und Schüler eine Internetflatrate für maximal 10 Euro bekommen sollen. Bei einem zweiten Gespräch im Kanzleramt im September wurde zudem der Aufbau sogenannter digitaler Kompetenzzentren für die Lehrerweiterbildung vereinbart. Während der Schulschließungen waren die Defizite bei der technischen Ausstattung deutlich geworden.

Tepe sprach von einem «Zuständigkeitswirrwarr zwischen Bund, Ländern und Kommunen», in dem viele der Maßnahmen hängen blieben. Ein Blick auf die einzelnen Vorhaben: 

LEHRERLAPTOPS

500 Millionen Euro hat der Bund dafür angekündigt. Möglichst noch in diesem Jahr sollen Hunderttausende Lehrer ausgestattet werden, hatte es zuletzt geheißen. Falls Schulen geschlossen oder Klassen und Lehrer in Quarantäne geschickt werden, sollen die Lehrkräfte künftig mit Dienstgeräten über sichere Kanäle und funktionierende Lernplattformen mit den Schülern kommunizieren, Online-Unterricht durchführen und Leistungen bewerten können. Das ist zumindest die Idee.

Die Bildungsgewerkschaften haben bei ihren Landesverbänden nachgefragt. Ergebnis: «Noch immer verfügen nur wenige Lehrkräfte über einen Dienstlaptop», heißt es beim VBE. «Bis heute müssen an die 90 Prozent der Lehrkräfte ihre Privatgeräte nutzen», sagte GEW-Chefin Marlis Tepe.

SCHÜLER-FLATRATE

In manchen Familien gibt es keinen Computer zur Bearbeitung von Schulaufgaben und auch keinen Internetzugang für die Kinder. Deshalb wurde im Zuge der Corona-Krise ein 500-Millionen-Euro-Programm für Leihlaptops für bedürftige Schüler aufgelegt. Nach dem letzten «Schulgipfel» war dann auch von Fortschritten beim Thema Schüler-Flatrate die Rede. Es habe Gespräche mit mehreren Telekommunikationsanbietern gegeben, die eine Flatrate für zehn Euro anbieten wollten, hieß es.

«Von der Vorstellung, dass für jede Schülerin und jeden Schüler der Zugang zu einem günstigen Internetzugang gewährleistet ist, sind wir noch weit entfernt», bilanzierte der VBE nun. Die GEW hat nach eigenen Angaben ebenfalls noch keine Rückmeldungen darüber, ob die zehn-Euro-Flatrate schon irgendwo angekommen ist.

Am Montag kündigte Vodafone nun eine solche Flatrate an: «Zehn Euro netto pro Monat für die feste Ende-zu-Ende-Verbindung zum Schulserver», wie es in einer Mitteilung hieß. Schulträger könnten den Tarif für ihre Schüler noch im November mit monatlicher Kündigungsmöglichkeit buchen.

SCHNELLES NETZ AN SCHULEN UND LEHRERWEITERBILDUNG

Auch hier beklagen die Bildungsgewerkschaften, dass es zu langsam vorwärts geht. «Die Fort- und Weiterbildungslandschaft mit Angeboten für die Lehrkräfte, die sie für das Lehren in der digitalen Welt fit machen sollen, gleicht weiterhin einer Wüste, in der man die Oasen suchen muss», sagte Tepe. Auch beim schnellen Internet hapere es. «Was in Städten schon mal klappt, bleibt auf dem Land genauso oft ein Wunschtraum.»

Beckmann kritisierte, es würden weiterhin flächendeckende staatliche Angebote einer praxisorientierten Fort- und Weiterbildung für den digitalen Unterricht vermisst. Die Politik habe die Lösung all dieser Fragen zu lange zu wenig ernst genommen und auch in den zurückliegenden Monaten versäumt, die Probleme mit Nachdruck anzugehen. Der VBE-Vorsitzende bemängelte zudem, dass durch eine «jahrelange Schönfärberei im Schulbereich» ein massiver Personalmangel entstanden sei. «Unterrichten heißt Bilden und Erziehen und Bildungsarbeit ist und bleibt in erster Linie Beziehungsarbeit, daran ändert auch die notwendige digitale Ausstattung an Schulen nichts.»


12.10.2020 20.45 Uhr

Wechsel aus Distanz- und Präsenzunterricht im Landkreis Regen

Viele Schüler im Landkreis Regen müssen wegen der enorm hohen Zahl an Corona-Infektionen ab Dienstag wieder regelmäßig von zu Hause aus lernen. Die meisten Schulen könnten den geforderten Abstand von 1,5 Metern zwischen den Kindern nicht einhalten und teilten die Klassen auf, erklärte der Leiter des Schulamts Regen, Walter Kloiber. Nach eigener tagesaktueller Berechnung liegt der sogenannte Inzidenzwert derzeit bei fast 90 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen - so hoch wie nirgends in Bayern.

Jede Schule müsse selbst entscheiden, wie sie den Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht am besten umsetzt. Viele Schulen würden die Klassen nun teilen und im täglichen Wechsel unterrichten. «Der Unterricht wird in der Regel aber nicht reduziert, sondern stundenplanmäßig stattfinden», betonte Kloiber. Regen ist der erste Landkreis, der die vom Kultusministerium vorgesehenen Regelungen bei hohen Infektionszahlen auch tatsächlich beschlossen hat.

Schon seit Montag herrscht im Landkreis Regen Maskenpflicht im Unterricht. Außerdem gelten strengere Regeln für Veranstaltungen, Besuche in Pflegeeinrichtungen und die Gastronomie. «Wir wissen, dass wir den Bürgern viel zumuten», sagte Landrätin Rita Röhrl (SPD) am Wochenende. Die Allgemeinverfügung gilt zunächst bis kommenden Sonntag (18.10.).

Das Landratsamt reagiert damit auf die vielen Corona-Infektionen. «Das liegt einerseits an einem Abschlussjahrgang eines Gymnasiums mit vielen Infizierten», sagte ein Sprecher des Landratsamts. Ob sich die Schüler im Unterricht ansteckten oder bei Geburtstagsfeiern im erlaubten Rahmen, sei unklar. Andererseits erreiche ein Landkreis mit rund 77 000 Einwohnern viel schneller die kritischen Grenzwerte, betonte der Sprecher. «Tatsächlich haben wir nur etwa 70 Infizierte, in einer Großstadt würde das kaum ins Gewicht fallen.»

Zwei Schulen in Dessau-Roßlau wegen Corona geschlossen

Wegen positiver Corona-Tests bei Schülern sind eine Grundschule und eine Sekundarschule in Dessau-Roßlau vorübergehend geschlossen. In beiden Einrichtungen hatten Lehrkräfte Kontakt zu erkrankten Geschwisterpaaren, wie die Stadt am Montag mitteilte. Insgesamt seien für 21 Lehrerinnen und Lehrer sowie die Kinder der Klassen Tests angeordnet worden. Die übrigen Schüler können den Angaben nach wegen des Lehrermangels nicht unterrichtet werden. Sofern die Tests des Personals negativ ausfallen, könne der Unterricht ab Mittwoch wieder aufgenommen werden.

Zusätzlich befinden sich eine Klasse einer Berufsschule sowie vier Lehrkräfte in Quarantäne. Grund ist der positive Corona-Befund eines 20-jährigen Berufsschülers, so die Stadt.

Mit Mütze, Schal und Daunenjacke im Klassenzimmer

Wegen Corona wird bald ein kalter Wind durch viele Schulen wehen. Für den Infektionsschutz soll regelmäßig gelüftet werden. Schüler dürften mit Mütze und Handschuhen im Klassenzimmer sitzen.

Schüler und Lehrer müssen sich nach den Herbstferien warm anziehen. Um Ansteckungen mit Corona in der Schule zu vermeiden, soll regelmäßig in relativ kurzen Abständen gelüftet werden. Bei sinkenden Temperaturen wird das zunehmend unangenehm. Lehrervertreter und Bildungspolitiker rufen deshalb zum Anziehen nach dem «Zwiebelprinzip» auf.

«Für die kalten Monate werden jetzt Pullover, Schals und Decken zur Grundausstattung der Schülerinnen und Schüler gehören», sagte die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, der «Bild»-Zeitung (Montag). Der Philologenverband vertritt die Gymnasiallehrer. Schüler und Lehrer sollten sich schichtweise anziehen. Es gelte das «Zwiebelprinzip», sagte Lin-Klitzing der Deutschen Presse-Agentur.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte, begeistert sei niemand davon, aber es werde wohl kein Weg daran vorbeiführen, wenn man alle 20 Minuten bei Minusgraden lüften müsse.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte sich vor ein paar Tagen in einem Brief an die Schüler seines Bundeslandes gewandt und sich für die Einhaltung der Corona-Regeln bedankt. Zum Thema Lüften schrieb Tonne: «Seid also bitte darauf vorbereitet, dass es zwischendurch etwas kühler wird und zieht euch warm genug an bzw. habt eine Jacke oder einen Pullover zum Überziehen dabei.»

ALLE 20 MINUTEN 3 BIS 5 MINUTEN FENSTER AUF

Räume regelmäßig zu lüften, ist eine empfohlene Maßnahme im Kampf gegen die Ausbreitung von Sars-CoV-2. Es wird davon ausgegangen, dass man sich über kleinste Schwebeteilchen, sogenannte Aerosole, die sich über die Atemluft im Raum verteilen, anstecken kann. Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) hatte im September zu dem Thema Wissenschaftler aus Virologie, Hygiene und Strömungsmechanik angehört. Diese hatten sich dafür ausgesprochen, Klassenzimmer im 20-Minuten-Takt für 3 bis 5 Minuten stoßzulüften und während der Pausen zusätzlich die Türen für Durchzug zu öffnen. Der Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte in Schulräumen wurde grundsätzlich nicht für nötig befunden, sofern sich in den Räumen die Fenster richtig öffnen lassen.

Im Umweltbundesamt wird eine Handreichung zum Lüften für alle Schulen im Bundesgebiet erarbeitet. Diese soll am Donnerstag pünktlich zur nächsten Konferenz der Kultusminister vorgelegt werden. Die Handreichung werde auf vier Seiten den Stand der Empfehlungen zum Thema und zum möglichen Einsatz von Luftreinigungsgeräten zusammenfassen, sagte ein Sprecher am Montag.

DAS PROBLEM MIT DEN FENSTERN 

Lehrervertreter hatten in der Vergangenheit immer wieder bemängelt, dass die Sache mit dem Lüften ja gut und schön sei, aber dass sich viele Fenster in den Schulen gar nicht öffnen oder höchstens ankippen ließen. Manche sind aus Sicherheitsgründen zugenagelt oder zugeschraubt. Eine Abfrage des Schulministeriums im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen hatte ergeben, dass jede zehnte Schule wegen «baulicher Mängel» Probleme bei der notwendigen Belüftung einiger Unterrichtsräume hat.

CO2-MESSGERÄTE MIT LÜFTUNGSANZEIGE

Der Lehrerverband fordert schon länger den Einsatz von Luftfilteranlagen und CO2-Messgeräten in Schulen, die anzeigen, wenn zu viel ausgeatmetes Kohlendioxid - und damit auch Aerosole - in der Luft sind und dringend gelüftet werden muss. Bayern gehe hier voran, sagte Meidinger. Das Kultusministerium in München hatte angekündigt, 37 Millionen Euro für solche Kohlendioxid-Ampeln und für Luftfilter, dort wo Lüften über die Fenster nicht geht, bereitzustellen.

ERKÄLTUNGSGEFAHR DURCH LÜFTEN?

Klar ist, wenn alle 20 Minuten die Fenster für fünf Minuten weit aufgerissen werden, dürften bei manchem Schüler und Lehrer die Zähne klappern, und es gibt Befürchtungen, dass das sogar die Gefahr für Infekte erhöht. Die Sorge hält HNO-Arzt Bernhard Junge-Hülsing vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte für unberechtigt. Es gebe keine Hinweise darauf. Im Gegenteil sei es wahrscheinlicher, sich in einem schlecht gelüfteten Raum bei anderen anzustecken.

CORONA-SCHULJAHR BISHER 

Insgesamt lief der Schulbetrieb bisher verhältnismäßig normal. Rückmeldungen aus den Bundesländern zum Monatsanfang hatten gezeigt, dass mehrere Zehntausend der insgesamt rund 11 Millionen Schüler in Deutschland wegen Corona-Fällen oder Verdachtsfällen vorübergehend nicht am Präsenzunterricht teilnehmen konnten. Komplette Schulschließungen gab es nur vereinzelt. Nach den Erfahrungen im Frühjahr haben die Kultusminister der Länder und auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) es zur obersten Priorität erklärt, Schulen und Kitas jetzt offenzuhalten. Allerdings hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) vor ein paar Tagen auch schon wieder die Möglichkeit eines Schichtbetriebs ins Spiel gebracht.

Meidinger sagte: «Wir sollten alles dafür tun, dass der Präsenzunterricht in vollen Klassen weiter möglich ist.» Die Kultusminister seien in der Pflicht, die entsprechenden Bedingungen dafür zu schaffen.

Jugendherbergen teils weiter zu - bereits Vorbuchungen für 2021

Wegen der Coronavirus-Pandemie öffnen zahlreiche Jugendherbergen in NRW in diesem Jahr nicht mehr. Im Rheinland seien von den 33 Häusern zehn zu, in Westfalen-Lippe seien von 29 Häusern zwölf geschlossen, teilten die beiden Landesverbände des Deutschen Jugendherbergswerks am Montag in Düsseldorf und Hagen mit. Wegen der Pandemie seien viele Klassenfahrten abgesagt worden. Schulklassen gehören aber zu den Hauptkunden der Herbergen. Die Vorbuchungen für das kommende Jahr sähen aber sehr gut aus, berichteten beide Landesverbände.

Die Jugendherbergen im Rheinland meldeten für 2019 erneut mehr als eine Million Übernachtungen. Seit 2013 sei jedes Jahr die Millionengrenze überschritten worden.

Bildungsverwaltung löscht Tweet zu Interview-Äußerungen

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung hat ihre Veröffentlichungen auf Twitter und Facebook zu Interview-Äußerungen der Grünen-Politikerin Bettina Jarasch am Montag gelöscht. Jarasch, die als Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Abgeordnetenhauswahl antreten will, hatte am Sonntag in Interviews mit der «Berliner Morgenpost» und dem «Tagesspiegel» Kritik an der Berliner Bildungspolitik geübt.

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Frage, ob muslimische Lehramtsanwärterinnen in Berlin Kopftuch tragen dürfen, sagte sie: «Wir haben jetzt eine höchstrichterliche Entscheidung. Unser Neutralitätsgesetz ist nicht verfassungskonform.» Außerdem sprach sie sich unter anderem für multiprofessionelle Teams in Berlins Schulen aus, um dem Lehrkräftemangel zu begegnen.

Die Bildungsverwaltung von Senatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte auf Twitter und Facebook Stellung dazu genommen: «Frau Jarasch fordert multiprofessionelle Teams für Schulen. Fakt: Multiprofessionelle Teams sind in Berlin möglich und bereits im Einsatz.» Und: «Frau Jarasch behauptet, das Bundesarbeitsgericht hätte das Berliner Neutralitätsgesetz für verfassungswidrig erklärt. Fakt: Das Bundesarbeitsgericht kann das Gesetz nicht für verfassungswidrig erklären und hat es auch nicht getan.»

Das Bundesarbeitsgericht hatte Ende August entschieden, dass das im Berliner Neutralitätsgesetz verankerte pauschale Kopftuchverbot für Lehrerinnen einen unzulässigen Eingriff in die Religionsfreiheit darstelle. Innerhalb der rot-rot-grünen Koalition gehen die Ansichten über das Gesetz auseinander.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung sagte am Montag, es sei in keiner Weise beabsichtigt gewesen, parteipolitisch zu agieren. Die Verwaltung sieht keinen Verstoß gegen das Neutralitätsgebot bei öffentlichen Äußerungen. «Es waren keine rechtlichen Gründe, die uns veranlasst haben, den Tweet zu löschen», sagte der Sprecher.

Auf Twitter und Facebook erklärte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie: «Gestern haben wir Äußerungen einer Politikerin zu Themen der SenBJF kommentiert. Es ging uns um eine Klarstellung in Bezug auf die Arbeit des Hauses. Da aber teilweise der Eindruck entstand, wir würden uns in eine parteipolitische Debatte begeben, haben wir den Tweet gelöscht.»

Lern-Herbstferien an 95 Hamburger Schulen

An 95 Hamburger Schulen können Schülerinnen und Schüler in diesen Herbstferien coronabedingte Lernrückstände aufholen. Das Angebot richte sich vor allem an Jungen und Mädchen mit Lernschwächen und Sprachförderbedarf von der Vorschulklasse bis Klassenstufe 9, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Montag bei einem Besuch in der Grundschule Sterntalerstraße in Billstedt. Insgesamt würden dazu an den 95 teilnehmenden Schulen 516 Lerngruppen angeboten, deren Größe bei rund zehn Schülern liege, die dann täglich für drei Stunden zusammen lernen.

Ein ähnliches Angebot hatte es bereits in den Sommerferien gegeben. «Dieses großartige Engagement unserer Schulen in den Ferien ist keine Selbstverständlichkeit», betonte der Senator. Seine Behörde finanziert die zusätzlichen Angebote in den Ferien in diesem Jahr mit rund einer Million Euro.

Umweltbundesamt stellt Leitfaden zum Lüften für Schulen vor

Das Umweltbundesamt will am Donnerstag seinen angekündigten Leitfaden zum richtigen Lüften in Schulen in Corona-Zeiten vorstellen. Die Handreichung werde auf vier Seiten den Stand der Empfehlungen zum Thema und zum möglichen Einsatz von Luftreinigungsgeräten zusammenfassen, sagte ein Sprecher am Montag. Der Direktor im Umweltbundesamt, Heinz-Jörn Moriske, hatte bei einem Expertengespräch mit der Kultusministerkonferenz (KMK) im September die Erarbeitung einer entsprechenden Handreichung zum Lüften für alle Schulen im Bundesgebiet zugesichert. Die Länder haben auch in eigenen Hygieneplänen schon Vorgaben dafür formuliert.

Die KMK hatte zu dem Thema Wissenschaftler aus Virologie, Hygiene und Strömungsmechanik angehört. Diese hatten sich dafür ausgesprochen, Klassenzimmer im 20-Minuten-Takt für 3 bis 5 Minuten stoßzulüften und während der Pausen zusätzlich die Türen für Durchzug zu öffnen. Der Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte in Schulräumen wurde grundsätzlich nicht für nötig befunden, sofern sich in den Räumen die Fenster richtig öffnen lassen.

 

11.10.2020 19.15U hr

Anstieg der Neuinfektionen: Stuttgart setzt auf strenge Maßnahmen

In Stuttgart ist die Sieben-Tage-Inzidenz über den Wert von 50 gestiegen. Die Politik appelliert deshalb an die Bürger. Es sollen auch strengere Regeln in Kraft treten.

Die zuletzt stark gestiegene Zahl der Corona-Neuinfektionen in Stuttgart hat Folgen - ab Mittwoch um Mitternacht treten strengere Regeln in der Landeshauptstadt in Kraft. «Wir müssen jetzt entschieden handeln, um die Zahl der Neuinfektionen sofort wieder runter zu bekommen», sagte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) zur Begründung der Maßnahmen am Sonntag. «Die Zahlen steigen auf besorgniserregende Weise an, und zwar so stark, dass das Gesundheitsamt die für die Kontrolle der Pandemie so wichtige Kontaktpersonennachverfolgung nicht mehr gewährleisten kann», sagte der Leiter des Stuttgarter Gesundheitsamts Stefan Ehehalt.

Die Landeshauptstadt mobilisiert zur Verfolgung von Kontaktpersonen im Zuge der Corona-Pandemie deshalb die ganze Stadtverwaltung. Zudem erbittet sie die Hilfe der Bundeswehr.

Um die Zahl der Neuinfektionen einzudämmen, ergreift die Stadt eine ganze Reihe neuer Maßnahmen. So sollen bei privaten Feiern nur noch zehn Teilnehmer erlaubt sein, in öffentlichen und angemieteten Räumen, seien dann noch 25 erlaubt, teilte ein Sprecher des Stadt am Sonntag mit. Illegale Party sollen durch mehr Kontrollen verhindert werden.

In der Innenstadt wird das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend. Der Verkauf von Alkohol soll auf bestimmten Plätzen ab 21 Uhr, der Konsum ab 23 Uhr verboten werden. Die betroffenen Plätze sollen vom Amt für öffentliche Ordnung noch bestimmt werden. Diese Beschränkungen gelten laut Stadt für zunächst zwei Wochen. Eine Sperrstunde für Gastronomiebetriebe ist demnach nicht geplant.

Weiter sind Zuschauer bei Fußball-Spielen vorübergehend nicht zulässig. Bei anderen Sport- oder Kultur-Veranstaltungen seien bis zu 500 Teilnehmer erlaubt. Diese müssten jedoch durchgehend eine Maske tragen, so ein Sprecher der Stadt. Die nun getroffenen Maßnahmen sollen in Allgemeinverfügungen rechtlich festgelegt und ab Dienstag veröffentlicht werden.

In einem weiteren Schritt soll der Beginn des Schulunterrichts entzerrt werden. Die Stadt denkt deshalb darüber nach, eine Anordnung auf Basis des Infektionsschutzgesetzes zu erlassen, die Schülern ab einer bestimmten Klassenstufe vorgibt, später mit dem Unterricht zu beginnen. Dies solle im Einvernehmen mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg geschehen. Oberbürgermeister Kuhn möchte sich am Montag zudem an wichtige Dienstleister in der Stadt, etwa Banken und Versicherungen, wenden und sie bitten, das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen.

Am Samstag war in der Landeshauptstadt die Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen überschritten worden, der Wert lag am Samstagabend bei 50,5. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden waren am Samstag in Stuttgart 82 neue Infektionen gemeldet worden.

Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Bürgern nahe gelegt, auf den Urlaub im Herbst zu verzichten. «Vielleicht sollten die Bürger in den Herbstferien nicht groß in der Gegend herumreisen. Weder im Inland, noch im Ausland - und schon gar nicht in Risikogebiete», sagte der Grünen-Politiker im Interview mit der «Heilbronner Stimme», dem «Mannheimer Morgen» und dem «Südkurier» (Samstag).

Mediziner: Regelmäßiges Stoßlüften schützt die Gesundheit

Das Lüften von Räumen, insbesondere in Schulen und Kitas ist wichtig. So wichtig, dass sogar die bekannte AHA-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) erweitert wurde.

Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger hat auf die Notwendigkeit des regelmäßigen Stoßlüftens für die Dauer weniger Minuten in Schul- und Kitaräumen in der kühlen Jahreszeit hingewiesen. «Neben Tröpfchen gelten die wesentlich kleineren Aerosole als Hauptübertragungsweg der Coronaviren, wenn auch in geringerem Umfang», sagte Reisinger der Deutschen Presse-Agentur. Während die schweren Tröpfchen schnell auf den Boden sinken, könnten die leichteren Aerosole über eine längere Zeit in der Luft schweben und sich so in geschlossenen Räumen verteilen. In schlecht belüfteten Räumen steige so die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Schwebeteilchen anreichern und zur Übertragung führen können.

Werde richtig gelüftet, brauche sich auch niemand vor einer wachsenden Erkältungsgefahr zu fürchten, fügte der Mediziner hinzu. «Beim Stoßlüften von wenigen Minuten Dauer kühlt der Raum kaum aus.» Alle Gegenstände und auch die Wände behielten die Zimmertemperatur bei und geben diese gespeicherte Wärme auch wieder ab.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) hatte mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass Unterricht in Räumen verboten sei, in denen das Lüften nicht möglich sei. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den zuständigen Kreisen und Städten ergab, dass es landesweit keine Schulen mit Räumen gibt, in denen nicht gelüftet werden kann.

Die Landeshauptstadt Schwerin machte auf mögliche Ausnahmen aufmerksam. «In einzelnen Räumen kann die Lüftung erschwert sein, weil Fenster nur angekippt werden können. Hier gelten dann entsprechend den Hygienekonzepten der Schulen längere Lüftungszeiten oder geänderte Raumbelegungen», sagte eine Sprecherin.

«Die Gewährleistung einer natürlichen Belüftung und Belichtung in
Klassenräumen ist entsprechend baulicher Vorgaben unerlässlich», teilte die Hansestadt Rostock mit. Alle Klassenräume verfügten über Fenster, die beides ermöglichen. Zusätzliche Möglichkeiten biete die Plus-Energie-Schule, das Gymnasium Reutershagen. «Hier ist ein
Luftaustausch über die Fenster möglich. Gleichzeitig verfügt das Gebäude über ein Lüftungssystem, das einen vollständigen Luftaustausch ermöglicht.»

 

 

 

10.10.2020 08.45 Uhr

Wegen Corona: Zwei Schulen im Nordosten bleiben nach Herbstferien zu

Vorsicht ist besser als Masseninfektion. Im Nordosten gehen die Herbstferien zu Ende, während sie in anderen Bundesländern erst beginnen. Weil einige Infektionen bei Lehrern und Schülern bekannt wurden, bleiben mindestens zwei Schulen vorerst dicht.

Wegen mehrerer Corona-Infektionen bleiben nach den Herbstferien zwei Schulen in Mecklenburg-Vorpommern ab 12. Oktober geschlossen. Neben dem deutsch-polnischen Gymnasium in Löcknitz (Vorpommern-Greifswald) handelt es sich um die Integrierte Gesamtschule «Vier Tore» in Neubrandenburg, wie das Gesundheitsamt des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte am Freitag mitteilte. Bei Tests wurden in Neubrandenburg bei einem Lehrer und drei Schülern Infektionen mit dem Corona-Virus festgestellt. Mit der vorübergehenden Schließung - geplant ist zunächst eine Woche - soll eine Weiterverbreitung des Erregers vermieden werden.

Schüler und Lehrer sollen auch persönliche Kontakte untereinander meiden. Woher die Infektionen kamen, sei unklar. Die Nachverfolgung der Kontakte im privaten Umfeld laufe. In Löcknitz sind inzwischen  zwei Lehrer und fünf Schüler als «infiziert» eingestuft worden. Am Freitag wurden deshalb alle etwa 450 deutschen und polnischen Schüler sowie alle Lehrer der Schule entweder bereits zum zweiten Mal oder erstmals getestet.

Als Erstes war am vergangenen Wochenende in Löcknitz die Infektion eines Lehrers bekanntgeworden. Der Kreis hatte betont, dass Lehrer und Schüler, die seitdem als Verdachtsfälle galten, grundsätzlich zwei Wochen Quarantäne einhalten müssten. Die betraf bereits gut die Hälfte der Schüler. Schwere Infektionsverläufe mit Klinikaufenthalten seien bisher aber nicht bekannt.

Mit 14,3 beziehungsweise 13,9 Infektionsfällen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen, weisen die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald die höchsten Inzidenzwerte im Nordosten auf, liegen aber noch deutlich unter dem sogenannten Risikowert von 50 Infektionen pro 100 000 Einwohner. Landesweit liegt dieser Wert für den Nordosten bei 7,9.

In Mainz geplante Kultusministerkonferenz nun virtuell

Die in der Mainzer Rheingoldhalle als Präsenzveranstaltung geplante Kultusministerkonferenz (KMK) in der kommenden Woche wird nun virtuell über die Bühne gehen. Das habe das Präsidium der KMK entschieden, teilte das KMK-Sekretariat in Berlin am Freitag mit. Weitere Informationen zu der Veranstaltung am 15. und 16. Oktober sollen den Angaben zufolge Anfang kommender Woche bekanntgegeben werden. Den KMK-Vorsitz hat derzeit Rheinland-Pfalz inne.

Landesregierung möchte Erkenntnisse über Luftreiniger gewinnen

Die Landesregierung möchte Unternehmen im Zuge der Corona-Pandemie Erkenntnisse zu Luftreinigern an die Hand geben. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) regt dazu den Aufbau spezieller Beratungszentren an wissenschaftlichen Einrichtungen und eine praxisnahe Studie über die Effizienz mobiler Luftreiniger an, wie «Stuttgarter Nachrichten» und «Stuttgarter Zeitung» berichten (Samstag). Für das Programm mit dem Titel «Healthy Air Initiative» möchte die Regierung demnach 1,5 Millionen Euro ausgeben. Der Ministerrat soll demnächst darüber entscheiden.

Die von der Landesregierung angedachten Beratungszentren sollen demnach insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen Auskunft geben, wie sie durch technische Lösungen eine effektive Raumlüftung erzielen können. «Mit der flankierenden Studie zur Effizienz von mobilen Luftreinigern schaffen wir zudem die Faktengrundlage für gesicherte Empfehlungen in der Praxis», sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen.

Ministerium: Mehr Schüler in Quarantäne - aber kein größerer Ausbruch

Tausende Schüler in Bayern sind wegen der Corona-Pandemie in Quarantäne - einen größeren Ausbruch an Schulen sieht das Kulturministerium aber derzeit nicht. Bis Donnerstag seien 0,82 Prozent der 1,65 Millionen Schüler nicht im Präsenz-Unterricht in der Schule, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums in München. Das bedeutet rund 13530 Schüler und damit fast 1000 mehr als noch in der Vorwoche. 0,02 Prozent seien wegen eines positiven Tests in Quarantäne - das sind etwa 330 Schüler. Letzte Woche waren es noch etwa 400 mit positivem Testergebnis.

Zwar seien die Gesundheitsbehörden für das Erfassen der absoluten Infektionszahlen zuständig. Aber bislang gebe es an den Schulen nach Kenntnis des Ministeriums keine «auffälligen Infektionsentwicklungen», also keinen Hotspot innerhalb einer Schule. Nur eine Schule ist nach Angaben des Ministeriums komplett geschlossen.

Von rund 155 000 Lehrern in Bayern waren am Donnerstag 0,72 Prozent in Quarantäne (1116 in absoluten Zahlen/letzte Woche: 970) und rund 0,04 Prozent (62/letzte Woche 46) hatten einen positiven Coronatest.

09.10.2020 07.30 Uhr

Landesschülerrat warnt vor neuer Gelassenheit im Umgang mit Corona

Mit Blick auf die kälteren Monate warnt der Landesschülerrat in Niedersachsen vor Sorglosigkeit im Umgang mit der Corona-Pandemie. «Derzeit gibt es das Phänomen einer neuen Gelassenheit», sagte der Vorsitzende des Schülergremiums, Florian Reetz, der Deutschen Presse-Agentur. Die Tatsache, dass es nach den Sommerferien ganz gut gelaufen sei, führe bei einigen Schülerinnen und Schülern zu einer sinkenden Toleranzgrenze für die Regeln. «Die Angst vor Corona geht immer weiter runter», sagte der 18-Jährige.

Diese Tendenz sei «super gefährlich». Dagegen müsse angegangen werden, erklärte der Schüler aus Braunschweig. Die Regeln seien für alle klar, weil sie gut kommuniziert würden. Mit Blick auf die kältere Jahreszeit forderte Reetz, genau zu klären, was bei regionalen Anstiegen der Infektionszahlen passieren müsse. Dabei stelle sich etwa die Frage, ab wann Masken im Unterricht nötig seien.


08.10.2020 20.45 Uhr

Ministerin Eisenmann rechnet mit Regelbetrieb der Schulen im Herbst

Kultusministerin Susanne Eisenmann geht davon aus, dass der Regulärbetrieb der Schulen bis zu den Weihnachtsferien aufrechterhalten werden kann. «Dort, wo die Infektionszahlen auf über 50 Fälle pro 100 000 Einwohner steigen, können die Landkreise zum Beispiel auch Maskenpflicht im Unterricht vorschreiben», sagte die CDU-Politikerin dem «Badischen Tagblatt» (Freitag). Mit dem Ablauf des Schulstarts zeigte sich die Kultusministerin «sehr zufrieden». Vieles an Schwarzmalereien habe sich so nicht bewahrheitet.

Von weit entfernten Reisezielen in den bald anstehenden Herbstferien hält die Ministerin dagegen nichts. «Ich rate dazu, zuhause zu bleiben», sagte Eisenmann. Jedem müsse klar sein, Reisen, insbesondere in Risikogebiete, bedeute gegebenenfalls Quarantäne oder sogar die Infektion als Mitbringsel.

Auch Delmenhorst Corona-Risikogebiet - Schulen am Freitag geschlossen

Die Stadt Delmenhorst hat nach dem Überschreiten des kritischen Corona-Grenzwertes für Neuinfektionen für Freitag die Schließung aller Schulen angeordnet. Auch Delmenhorster Schülerinnen und Schüler, die eine Schule außerhalb des Stadtgebietes besuchten, dürften am Freitag nicht am Unterricht teilnehmen, hieß am Donnerstag in einer Mitteilung der Stadt. Am Montag beginnen in Niedersachsen die Herbstferien.

Die Stadt hatte am Donnerstag die Marke von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten.

Viele Corona-Infektionen: Siegburg schließt seine Schulen

Die Stadt Siegburg bei Bonn hat wegen hoher Corona-Infektionszahlen alle Schüler vorzeitig in die Ferien geschickt. Die Schulen blieben an diesem Freitag geschlossen, schrieb die Verwaltung am Donnerstag auf ihrer Homepage. Für die Schülerinnen und Schüler beginnen die Herbstferien damit einen Tag früher. Auch für die Kita-Betreuung gelten Einschränkungen. Zudem empfahl die Verwaltung den Bürgern, im gesamten Stadtgebiet auch draußen eine Maske zu tragen.

In Siegburg hatten sich in den vergangen sieben Tagen 69 Menschen pro 100 000 Einwohner angesteckt. Die Warnschwelle liegt bei 50. Der Kreis führt den Anstieg unter anderem auf einen Ausbruch in einer christlichen Gemeinde zurück - für 350 Mitglieder der Gemeinde sei Quarantäne angeordnet worden.

In der offiziellen Statistik des Robert Koch-Instituts taucht die Stadt mit ihrem hohen Ansteckungswert nicht auf: Sie gehört zum Rhein-Sieg-Kreis. Im gesamten Kreisgebiet war die Zahl der Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen mit 22,3 am Donnerstag deutlich niedriger.

Künftig weniger kostenlose Corona-Tests für Lehrer und Erzieherinnen

Mitarbeitern von Schulen und Kitas stehen nach den Herbstferien weitere kostenlose Corona-Testmöglichkeiten zur Verfügung - allerdings seltener als bisher. Bis zu den Weihnachtsferien können sich Beschäftigte in Schulen und der Kindertagesbetreuung bis zu dreimal auf das Virus testen lassen, teilte die Landesregierung am Donnerstag mit. Der Zeitpunkt sei frei wählbar. Bislang hatten Lehrer und Erzieherinnen im neuen Schuljahr alle 14 Tage einen Abstrich machen können. Insgesamt hätten 241 326 Beschäftigte freiwillig das Angebot wahrgenommen - 153 771 davon an Schulen. Die Positivrate sei mit 0,2 äußert niedrig, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Schulen und Kitas seien keine Hotspots, betonte der Minister. Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen müssten die Testkapazitäten allerdings ressourcenschonend eingesetzt werden. So werde für die Tests immer auch medizinisches Personal benötigt, dass dann in der Regelversorgung fehle, begründete Laumann die Anpassung der Testmöglichkeiten.

Berlins Schulen bekommen einen Stufenplan für die Corona-Pandemie

Virologen warnen vor steigenden Infektionszahlen im Herbst und Winter. Wie sollen die Schulen darauf reagieren? Ein neuer Corona-Stufenplan mit vier Farben gibt Antworten.

Ein neuartiger Corona-Stufenplan für Berlins Schulen legt fest, welche Einschränkungen und Maßnahmen bei einer weiteren Zunahme der Infektionszahlen vorgesehen sind - bis hin zur erneuten Aufgabe des bisherigen Regelunterrichts. Das kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag an. Er soll ab Ende der Herbstferien gelten. Der Stufenplan wurde in Anlehnung an die Corona-Ampel der Gesundheitsverwaltung im Hygienebeirat entwickelt, den Senatorin Sandra Scheeres zu Beginn des Schuljahres einberufen hatte, wie die Bildungsverwaltung mitteilte.

Er unterscheidet zwischen vier, nach Farben unterschiedenen Stufen. Grün steht für den üblichen Regelunterricht bei geringem Infektionsgeschehen, Gelb für Regelunterricht mit verstärkten Hygienevorkehrungen. Dabei ist beispielsweise in der Oberstufe anders als bisher eine Mund-Nasen-Bedeckung auch im Unterricht zu tragen, im Lehrerzimmer ebenfalls.

Orange steht auch noch für Regelbetrieb mit verstärkten Hygienemaßnahmen. Dann gilt etwa eine Maskenpflicht in der gesamten Schule, auch unter Überdachungen im Freien. Arbeitsgemeinschaften sowie Religions- und Weltanschauungsunterricht, bei dem Schüler aus verschiedenen Klassen zusammenkommen, sollen dann nicht mehr stattfinden.

Rot bedeutet laut Bildungsverwaltung, dass bei hohen Infektionszahlen kein Regelunterricht mehr stattfindet, sondern eine Kombination aus schulisch angeleitetem Lernen zu Hause und Präsenzunterricht wie zuletzt vor den Sommerferien. Klassenverbände oder Lerngruppen werden wieder geteilt und nur noch als feste Gruppen betreut, um so das Infektionsrisiko zu senken. Es gibt jeweils für Grundschulen, weiterführende und die beruflichen Schulen einen eigenen Stufenplan.

«Der Infektionsschutz an unseren Schulen hat für mich Priorität», sagte Scheeres. «Der Stufenplan gibt den Schulen Handlungssicherheit und dient als Grundlage für ein berlinweit abgestimmtes Vorgehen.»

Jede Schule soll jeweils einer Stufe zugeordnet werden - unter anderem auf Grundlage des allgemeinen Infektionsgeschehens im Bezirk im Fall der Grundschulen beziehungsweise in Berlin bei den weiterführenden und beruflichen Schulen. «Berücksichtigt werden die konkrete schulische Infektionslage und die Rahmenbedingungen einer Schule», so die Bildungsverwaltung. «Es erfolgt eine Prüfung für jede einzelne Schule durch das jeweils zuständige bezirkliche Gesundheitsamt und die Schulaufsicht.» Am Ende entscheide das Gesundheitsamt einmal in der Woche, jeweils donnerstags.

Land verbietet Schulfahrten ins Ausland bis mindestens Anfang Februar

Schulklassen dürfen wegen der Corona-Pandemie bis mindestens Anfang Februar nicht ins Ausland reisen. Sowohl Klassenfahrten als auch Studienreisen ins Ausland sowie internationale Schüleraustausche seien bis zum Ende des Schulhalbjahres untersagt, teilte das Bildungsministerium am Donnerstag in Magdeburg mit. Minister Marco Tullner (CDU) habe die Schulleitungen bereits am Mittwoch aufgefordert, alle bereits geschlossenen Verträge zu Auslandsfahrten umgehend zu stornieren. Unvermeidbare Stornierungskosten übernehme das Land. Zuvor hatte die «Magdeburger Volksstimme» (Donnerstag) über das Verbot berichtet.

Hintergrund sind die steigenden Corona-Infektionszahlen. In vielen europäischen Ländern ist die Zahl der Fälle je 100 000 Einwohner höher als in Deutschland. Reiserückkehrer werden seit Wochen als ein Hauptgrund für steigende Fallzahlen in der Bundesrepublik genannt. Doch auch in Deutschland werden wieder mehr Infektionen gemeldet.

Zeitnah soll auch klar sein, wie mit Schulfahrten innerhalb Deutschlands umzugehen ist, teilte das Bildungsministerium weiter mit. Es sollen Gespräche der Regierungschefs und Gesundheitsminister zu dem Thema abgewartet werden. Am Mittwoch hatte sich ein Großteil der Länder bereits darauf verständigt, dass niemand in Hotels und Herbergen übernachten darf, der aus einem Corona-Hotspot kommt und keinen aktuellen negativen Test nachweisen kann. Das ist gegeben, wenn mehr als 50 Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner und Woche gemeldet werden. In Sachsen-Anhalt gilt diese Regel schon seit Juni.

08.10.2020 07.20 Uhr

Deutschland-Urlaub für Reisende aus Risikogebieten wird schwierig

In immer mehr Regionen überschreiten die Corona-Zahlen die Grenzwerte. Für viele Herbsturlauber wird es nun schwierig. Wo man hinfahren und übernachten kann, wo Quarantäne gilt, ist vielerorts unterschiedlich.

Bei Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands müssen sich Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen im Herbst auf erhebliche Schwierigkeiten gefasst machen. Die Länder beschlossen am Mittwoch mehrheitlich, dass solche Urlauber nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test haben. Das wurde am Mittwoch nach einer Schaltkonferenz der Staatskanzleichefs der Länder mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) mitgeteilt. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen. Fünf Länder gaben zu dem Beschluss aber abweichende Erklärungen ab. Berlin und Thüringen teilten mit, sie wollten sich einem solchen Beherbungsverbot nicht anschließen.

Bund und Länder bekräftigten aber im Kern eine Linie, die bereits Ende Juni vor den Sommerferien grundsätzlich beschlossen worden war. In der Besprechung sollte es angesichts teils unterschiedlicher Regelungen um einen einheitlicheren Rahmen für den Herbst gehen.

In dem Beschluss heißt es mit Blick auf die Tests: «Die Eindämmung des Infektionsgeschehens und die Testungen im Gesundheitswesen sowie Testungen zur Aufrechterhaltung des Bildungswesens und der inneren Sicherheit haben Priorität.» Insofern könnten solche «Freitestungen für Reisezwecke» nur gemacht werden, wenn die regionalen Kapazitäten dies zusätzlich zulassen. Generell gibt es auch keine Regelung dazu, dass die Krankenkassen Tests bei Inlandsreisen zahlen. Dies gilt derzeit nur für Pflichttests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten im Ausland. Wer keine Symptome hat, muss einen Test in der Regel aus eigener Tasche bezahlen - es sei denn ein Arzt entscheidet es anders.

Bremen, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Thüringen legten Protokollerklärungen zu dem Beschluss vor. Niedersachsen will demnach prüfen, ob der Beschluss mitgetragen werden kann. Thüringen wies darauf an, «dass die Einschätzung der Gesundheitsbehörden der betroffenen Gebiete Grundlage und Maßstab für die Maßnahmen der Reisezielgebiete sein muss». Das Gesundheitsministerium in Erfurt erläuterte, de facto gebe es keine Einreiseverbot in Thüringen. Berlin forderte, bei der Bewertung des Infektionsgeschehens «als Gesamtstadt und Einheitsgemeinde» behandelt zu werden.

In Bayern sollen die Beherbergungsregeln auch für Bezirke innerhalb Berlins gelten, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte. Dies soll auch dann gelten, wenn das Land Berlin insgesamt unter der kritischen 50-er Marke bleibt. Konkret müssen die Bezirke aber noch vom bayerischen Gesundheitsministerium benannt werden.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte, er habe den Eindruck, dass die Bundesländer in dieser Frage unterschiedliche Positionen haben und noch nicht dicht beieinander lägen. Warum alle Menschen aus einer Risikoregion nicht beherbergt werden sollten, sei ihm unverständlich, sagte Ramelow. Hoteliers zu zwingen, Menschen aus inländischen Corona-Risikogebieten aus dem Haus zu verweisen, bezeichnete er als «ein Eingriff in das Gewerberecht».

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärte, innerdeutsche Testpflichten und Beherbergungsverbote seien wenig sinnvoll. «Wir werden bald so viele betroffene Regionen haben dass die Regel kaum umsetzbar, geschweige denn kontrollierbar ist.» Zudem müssten Angebote in Deutschland erhalten bleiben, gerade um zu verhindern, dass Deutsche in ausländische Hochrisikoregionen reisen.

Zentrales Kriterium beim Krisenmanagement ist, ob es in einer Region mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gibt. Anhand dieser Schwelle stuft die Bundesregierung auch andere Staaten als «Risikogebiete» für deutsche Urlauber ein. Im Inland haben Bund und Länder vereinbart, dass ab dieser Marke in «besonders betroffenen Gebieten» örtliche Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Lüftungsprobleme und volle Busse: Wie das Schuljahr bisher lief

Die Corona-Infektionszahlen steigen, die Erkältungszeit und der Winter stehen vor der Tür. Ob die Schulen für diese schwierige Zeit nach den Herbstferien ausreichend gewappnet sind, ist umstritten. Lüftungsfragen und Schulbusse stehen im Mittelpunkt der Debatte.

Das neue Schuljahr ist in der Corona-Pandemie trotz großer Bedenken nach einhelliger Auffassung recht gut angelaufen. Bei deutlich steigenden Infektionen beginnen am Freitag (9.10.) in Rheinland-Pfalz die Herbstferien. Wie wird es danach in den Schulen weiter gehen, wenn sinkende Temperaturen das Lüften erschweren und die Grippesaison dazu kommt? Lüften und das Gedränge in den Schulbussen werden nach Einschätzung von Lehrern und Schülern die größten Herausforderungen sein. Der Philologenverband mahnt das Bildungsministerium, seine Fürsorgepflicht wahrzunehmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Rück- und Ausblick.

Ist der Start ins neue Schuljahr mit normalem Unterricht gelungen?

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zieht eine positive Bilanz: «Die ersten Wochen des Schuljahres 2020/2021 sind angesichts einer historischen Herausforderung, wie der Corona-Pandemie sehr gut und ruhig verlaufen.» Dies sei vor allem den Schulen, Lehrkräften, Schülern, Eltern und der Schulaufsicht zu verdanken. Das Land habe die Schulen aber auch gut auf den Start vorbereitet - unter anderem mit einem «klar strukturierten und praxisnahen Hygieneplan».

Durch häufiges Lüften unter anderem hätten Schulschließungen bislang größtenteils verhindert werden können, sagt Landeselternsprecher Reiner Schladweiler. «Das Schuljahr 2020/21 ist insgesamt, trotz großer Bedenken mehr oder weniger gut gestartet», bilanziert Eric Grabowski von der Landesschülervertretung.

Die Lehrerverbände sehen das kritischer. «Das Experiment verlief mehr oder weniger glimpflich», sagt die Landesvorsitzende des Philologenverbands, Cornelia Schwartz. Die Kultusminister ignorierten jedoch Fakten oder redeten sie weg. So könnten Schüler sehr wohl infiziert werden und die Infektionen auch weitergeben. Der Einsatz mobiler Lüftungsgeräte erhöhe zudem den Gesundheitsschutz erheblich. Ein «Weiter so» an den Schulen werde nur immer tiefer in die Krise führen.

Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Bold sagt: «Hinter uns liegen turbulente Wochen, die an den Schulen durch das große Engagement der Lehrkräfte und Schulleitungen gut gemeistert werden konnten.» Das Ministerium habe dagegen erst in der letzten Ferienwoche Vorgaben zum Regelbetrieb unter Corona gemacht.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer, stellt fest: «Wir können feststellen, dass lokale Ausbrüche gut isoliert und Infektionsketten durchbrochen werden konnten.» Die getroffenen Hygieneregelungen würden bisher insgesamt tragfähig scheinen, so Hammer.

Wie viele Schulen mussten bisher wegen Corona schließen?

Zwei Schulen sind derzeit ganz geschlossen, insgesamt mussten sechs Schulen seit Beginn des Präsenzunterrichts im neuen Schuljahr vorübergehend wegen Corona-Infektionen zumachen, heißt es im Bildungsministerium. Dazu kommen Teilschließungen. Derzeit seien 106 Schüler und 8 Lehrer infiziert - bei rund 570 000 Menschen in den Schulen.

Ist die Digitalisierung vorangekommen?

Der Landeselternbeirat sieht «noch keinen richtigen Fortschritt auf breiter Basis» bei der Digitalisierung der Schulen. Nur wenige Schulträger seien dem Auftrag so richtig nachgekommen. Zudem gebe es weiterhin technische Probleme. Die Verlegung von Breitband und Glasfaser gehe nur schleppend voran. An vielen Schulen gibt es nach Erkenntnissen der GEW immer noch kein leistungsfähiges Internet. Ein Mix aus normalen Schul- und Heimunterricht bei weiter steigenden Infektionszahlen könne technisch noch immer nicht überall gewährleistet werden, sagt Bold vom VBE.

Die GEW sieht aber auch Fortschritte: «Wir erkennen einen deutlichen Schritt im Ausbau der digitalen Infrastruktur», sagt der Landesvorsitzende Hammer. Positiv sei auch, das rund 56 000 Schüler aus ärmeren Familien sowie etwa 3000 Lehrer im Fernunterricht kostenlos Laptops oder Tablets bekommen. Bald sollten alle Lehrer mit Dienstlaptops ausgestattet werden. Der Schulcampus mit Materialien für digitalen Unterricht werde Anfang 2021 verfügbar sein. Dennoch brauche es schnell tragfähige Konzepte für Fernunterricht und genügend qualifiziertes Personal für Vertretungsunterricht in der Erkältlungs- und Grippesaison. Fast 50 Millionen Euro stehen im Nachtragshaushalt für zusätzliches Vertretungspersonal bereit, heißt es im Ministerium.

Infektionsherd Schulbus: Hat sich die Lage verbessert?

Überfüllte Busse haben zu Beginn des Schuljahres für viel Ärger gesorgt und bleiben ein Kritikpunkt. Viele Eltern führen ihre Kinder deshalb mit dem Auto zur Schule, sagt Landeselternsprecher Schladweiler. In einem Schreiben unter anderem an die Landesregierung und den Landkreistag werde «auf die von vielen Eltern als unerhört empfundenen Missstände» hingewiesen. Zur Enge in vielen Bussen kommen Maskenverweigerer. Grabowski von der Landesschülervertretung hat die Erfahrung gemacht: «Wenn man Menschen im Bus daran erinnert, das diese bitte die Maske tragen sollen, bekommt man eher fragwürdige Rückmeldungen.»

Das Land hat auf die Kritik mit einer Bus-Börse reagiert, obwohl die Schülerbeförderung eigentlich kommunale Pflichtaufgabe ist. Die Unterstützung wurde bis Jahresende verlängert, heißt es beim Verband der privaten Verkehrsbetriebe Mobilität & Logistik Rheinland-Pfalz, der die Börse organisiert. Die bislang rund 220 Busse und ein Tagessatz von 300 Euro pro Fahrzeug reichten aber voraussichtlich nicht aus. Das Land bezahle allerdings in begründeten Fällen auch mehr. «Wir sind froh, dass es überhaupt mitfinanziert.» Möglicherweise könnten künftig auch Taxi-Busse eingesetzt werden.

Wie können die Klassenzimmer im Winter gelüftet werden?

Die GEW kritisiert: «Manche Schulträger haben es bisher immer noch nicht geschafft, dafür zu sorgen, dass alle Klassenräume gut gelüftet werden können.» Elternvertreter Schladweiler ergänzt: «Nur wenige Klassenräume verfügen über eine zweite, direkt gegenüberliegende Fensterfront.» Die Türen zu den Klassenräumen sollten Experten zufolge geschlossen bleiben. Schladweiler sieht den Bund in der Pflicht, Geld für mobile Raumlüfter, zusätzliche Unterrichtsräume sowie mehr Lehrkräfte bereitzustellen. Die GEW fordert kleinere Lerngruppen und eine wissenschaftliche Prüfung, ob schlecht gelüftete Räume überhaupt genutzt werden dürfen. Zudem müsse der Kauf von Lüftungsgeräten geprüft werden, die Schulen dürften dabei aber nicht allein gelassen werden.

Wird die Maskenpflicht doch auf den Unterricht ausgeweitet?

Steigende Infektionen bei sinkenden Temperaturen und vergleichsweise großen Klassen: Der Philologenverband sieht aus Infektionsschutzgründen im Moment nur die Möglichkeit, auch im Unterricht flächendeckend Masken zu tragen oder zum Unterricht im wöchentlichen Wechsel zurückzukehren, obwohl beides aus pädagogischen Gesichtspunkten nicht optimal sei und viel Koordinierung erfordere. Grabowski von der Landesschülervertretung sagt: Auf dem Schulhof, wo der Mindestabstand eingehalten werden kann, müssen Masken getragen werden. Nicht aber in den Klassen, wo das nicht gehe. Zudem hielten sich nicht alle Schüler und Lehrer daran. Mancherorts gebe es temporär Maskenpflicht im Unterricht, sagt Bold vom VBE. Das sei richtig und wichtig. Notwendig sei aber eine gewisse Verlässlichkeit.

 

 

07.10.2020 16.00 Uhr

Trotz Corona-Pause: Brandenburger Schüler müssen nicht nachsitzen

Die meisten Brandenburger Schüler können aufatmen: Zusätzlicher Unterricht in ihrer Freizeit wegen der Corona-Zwangspause im Frühjahr ist nur in Ausnahmefällen zu erwarten. Große Defizite gibt es in der Sekundarstufe 1 allerdings in einem Kernfach.

Trotz der wochenlangen Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie müssen die meisten Brandenburger Schüler nicht noch zusätzlich in ihrer Freizeit pauken. «Die Rückmeldungen aus den Schulen zeigen, dass flächendeckender Unterricht an Samstagen oder in den Ferien nicht notwendig ist», sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Mittwoch zu den Ergebnissen der Lernstands-Erhebungen zu Beginn des Schuljahres. «An einzelnen Schulen kann es das allerdings geben.»

So wollen 28 Grundschulen zusätzliche Lernzeiten an Wochenenden anbieten. Dies werde in jedem Fall mit den Eltern abgesprochen, betonte die Ministerin. Einen Bedarf für Unterricht in den Ferien habe bislang keine Schule angemeldet. «Wir freuen uns, dass die Wochenenden meist den Familien gehören und die Ferien geplant werden können.»

Der Lernstand wurde in den Grundschulen und in der Sekundarstufe 1 in den Kernfächern wie Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache ermittelt. Dabei zeigten sich die größten Defizite in den Fächern Deutsch und Mathematik, wie die zuständige Referatsleiterin im Bildungsministerium, Birgit Nix, erläuterte. Die Schulen wollen die Defizite mit der Erhöhung der Wochenstunden in den Problemfächern, zusätzlichen Lehrern und freiwilligen Lernangeboten ausgleichen.

Für Vertretungslehrer stellt die Landesregierung in diesem Jahr ein größeres Budget in Höhe von acht Millionen Euro bereit. Außerdem sollen Lehramtsstudenten an den Schulen eingesetzt werden. Dafür hätten sich bereits 450 Interessenten gemeldet, berichtete Nix.

Einen besonderen Rückstand meldeten die Schulen in den Klassen der Jahrgangsstufen 9 und 10: Dort zeigten 14,2 Prozent der Schulen Unterstützungsbedarf im Fach Mathematik an, während es bei anderen Kernfächern deutlich weniger waren. «Dieses Problem begleitet uns aber schon länger und ist nicht nur coronabedingt», erklärte Ernst.

Der Landesschülerrat habe gemeldet, dass die Abiturienten die Osterferien selbstständig für die Vorbereitungen auf die Prüfungen nutzen wollten, sagte Ernst. Die Standards für die Abiturprüfungen sollen anders als beim Mittleren Abschluss nicht gesenkt werden. Für diese Prüfung zum Abschluss der Jahrgangsstufe 10 soll der Bewertungsschlüssel etwas kulanter gehandhabt werden. Damit soll Ernst zufolge erreicht werden, dass den Schülern nach den wochenlangen Schulschließungen keine Nachteile entstehen.

«Diese Überprüfung war für die Lehrkräfte ein riesiger Aufwand und ein Kraftakt», betonte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Gordon Hoffmann. Es sei gut, dass keine Ferien gestrichen werden müssten und auf flächendeckenden Unterricht am Wochenende verzichtet werden könne. «Wichtig ist aber, dass die Kinder, die Nachholbedarf haben, nun auch die entsprechende Förderung bekommen.»

Verband beklagt Notbetrieb an Schulen und fordert Lehrergipfel

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) sieht den Unterricht an den Schulen in Gefahr und schlägt Alarm: «Wir haben noch nie so einen Notbetrieb erlebt, wie jetzt», sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann am Mittwoch in München. Zwei Krisen prallten momentan aufeinander: ein dramatischer Lehrermangel und die Coronakrise, die für Schulleiter und Lehrer mit sehr großen Herausforderungen und enorm vielen Zusatzaufgaben verbunden sei.

Fleischmann forderte deshalb einen Lehrergipfel. Hier müsse es Ergebnisse geben, wie Lehrer sofort entlastet und der Lehrermangel in Zukunft vermieden werden könne. «Schulverwaltung und Politik wollen weiter irgendwie diesen Schein wahren, und anstatt das Problem ehrlich zu benennen und anzugehen, eiern sie rum», warf sie unter anderem Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) vor. Das Problem des Lehrermangels sei jahrelang kaschiert worden, auch weil die Schulen vieles aufgefangen hätten. Das sei wegen Corona nicht mehr möglich, da etwa Klassen nicht mehr zusammengelegt werden könnten, wenn ein Lehrer krank werde.

Tomi Neckov, Leiter einer Mittelschule in Schweinfurt, beklagte unter anderem den bürokratischen Aufwand, der sich durch Corona verschärft habe. «Deshalb erwarte ich im Moment von der Staatsregierung einfach nur Ehrlichkeit und das Eingeständnis, dass wir keinen Regelbetrieb im Augenblick an den Schulen haben», sagte er. Das würde den Druck gegenüber den Eltern herausnehmen. «Die denken, dass sie einen Anspruch haben auf normalen Unterricht, der eben nicht stattfinden kann im Augenblick.» Für die Grippewelle sieht er seine Schule nicht gerüstet. «Wenn die Saison beginnt und die Lehrkräfte noch zusätzlich ausfallen, dann weiß ich nicht, wie ich den Betrieb noch aufrecht erhalten kann.»

Piazolo verspricht Dienst-Laptops für alle Lehrer in Bayern

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) will in naher Zukunft jede Lehrerin und jeden Lehrer im Freistaat mit einem Dienst-Laptop ausstatten. «Das Ziel ist es, jedem Lehrer ein Dienstgerät zur Verfügung zu stellen», sagte Piazolo am Dienstag in München. Mit einer ersten Tranche von rund 25 000 Geräten sei bereits ein Anfang gemacht. Insgesamt bezifferte Piazolo den Bedarf auf rund 150 000 Geräte - so viele Lehrer gebe es in Bayern. Finanziert werden sollen die Laptops aus Bundes- und Landesmitteln.

Das Kultusministerium will laut Piazolo ungefähre Vorgaben machen, was die Computer leisten sollen. Anschaffen sollen die Geräte die Kommunen, die für die Ausstattung der Schulen zuständig sind. Dabei soll es sich um Laptops oder andere mobile Geräte handeln, die die Lehrer dann auch zu Hause nutzen können, beispielsweise auch dann, wenn coronabedingt kein Präsenzunterricht möglich sein sollte.

Insgesamt sieht Piazolo die Digitalisierung an Bayerns Schulen, für die es vielerorts die Corona-Krise als Initialzündung brauchte, auf einem sehr guten Weg. Die Zahl der digitalen Klassenzimmer habe man um 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf jetzt 37 900 gesteigert. Und mittlerweile gibt es laut Ministerium mehr als 126 000 mobile Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler - ein Plus von 158 Prozent.

Piazolo betonte aber auch: «Spannend ist nicht die Zahl der digitalen Klassenzimmer – sondern die Frage, was man damit anfängt.» Hier ließen sich die Lehrerinnen und Lehrer viel einfallen. Insgesamt sei das Thema Digitalisierung wegen Corona natürlich «hochgeschnellt».

Aktuell sind nach Angaben Piazolos mehr als 99,5 Prozent aller Schulklassen in Bayern im Präsenzunterricht. Lediglich 0,5 Prozent der Klassen sind demnach von coronabedingter Quarantäne betroffen.



06.10.2020 11.30 uhr

Schulministerin: Bei Digitalisierung ist «wahre Aufholjagd» nötig

In Sachen Digitalisierung der Schulen muss NRW nach Ansicht von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) eine «wahre Aufholjagd» betreiben. «Die gelingt an der einen Stelle sehr gut und an der anderen weniger», sagte Gebauer am Dienstagmorgen in der WDR 5-Sendung «Morgenecho».

Nach einer Umfrage des Westdeutschen Rundfunks unter Schulleitern besteht bei der Digitalisierung an den Schulen noch erheblicher Verbesserungsbedarf. Insgesamt bewerteten die Schulleiter die digitale Ausstattung ihrer Schulen mit der Schulnote 3,8. Gebauer sagte dazu: «Wenn wir bei der Notenvergabe bleiben möchten, dann muss man sagen, wir haben von Rotgrün bei der Digitalisierung der Schulen eine fünf minus übernommen.» 2017 hatte die amtierende Koalition aus CDU und FDP die Regierung übernommen.

Sie glaube schon, dass es noch schneller gehen könne. Allerdings müsse man auch immer schauen, was alles umgesetzt werden müsse. «Es geht um die Infrastrutur, die an vielen Schulen schlicht und ergreifend noch fehlt.» Als Beispiele nannte die Ministerin Breitbandanschluss oder WLAN-Versorgung. Es gehe aber auch um Handhabung, sprich Aus- und Fortbildung. Alles müsse parallel laufen.

Gebauer sieht die Landesregierung auf einem guten Weg. 2017 seien nur 13 Prozent aller Schulen an ein leistungsfähiges Netz angeschlossen gewesen. «Ende des Jahres liegen wir bei 60 Prozent, dann kann man schon erkennen, wie viel die Landesregieung hier in den letzten Jahren auf den Weg gebracht hat», sagte sie in dem Interview.

Lauterbach: «Präsenzunterricht kann zum Superspreadingevent werden»

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dämpft Hoffnungen auf einen schon 2021 verfügbaren Corona-Impfstoff für Kinder - und fordert angesichts steigender Infektionszahlen gestaffelte Unterrichtszeiten während der kalten Monate. «Präsenzunterricht kann zum Superspreadingevent im Herbst und Winter werden», sagte der studierte Epidemiologe der «Rheinischen Post» (Dienstag). Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, rät Lauterbach dazu, den Unterricht für einen Teil der Schüler morgens und für die anderen am Mittag zu beginnen. «Dafür braucht es einen entschlackten Lehrplan für das laufende Schuljahr, in dem manche Fächer ausnahmsweise nicht unterrichtet werden müssen - oder nur noch virtuell.» So würden überfüllte Klassenräume und Stoßzeiten an den Schulen verhindert und das Risiko für Ansteckungen etwa in Bussen und Bahnen verringert.

Zurzeit laute das Motto an den Schulen aufgrund fehlender Konzepte der Kultusministerien «Maske auf und durch», kritisierte Lauterbach. «So gefährden die zuständigen Behörden unter Umständen die Gesundheit der Schüler, Lehrer und Eltern und riskieren immer weiter steigende Infektionszahlen, weil Schüler das Virus genauso wie Erwachsene weitergeben können.»

Viele Eltern sehen Fernunterricht allerdings sehr skeptisch, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für «Focus Online» zeigt. Demnach sind sieben von zehn Befragten der Meinung, dass sogenanntes Homeschooling mehr Nachteile als Vorteile bedeutet. 76 Prozent finden, dass ihre Kinder durch Fernunterricht eher oder eindeutig schlechter auf die Zukunft vorbereitet werden als bei herkömmlichem Präsenzunterricht. Das liegt den Eltern zufolge sowohl an der mangelnden technischen Ausstattung der Schulen sowie der fehlenden Kompetenz der Lehrkräfte.

Lauterbach rechnet damit, dass die Schulen noch das ganze Schuljahr 2020/2021 mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen haben werden und ihre Unterrichtspraxis radikal umstellen müssen. Das gelte umso mehr, weil junge Menschen wahrscheinlich nicht zur gleichen Zeit wie Erwachsene geimpft werden könnten. «Es ist nicht zu erwarten, dass wir im kommenden Jahr Kinder und Jugendliche impfen können», sagte Lauterbach der «Rheinischen Post». Sie seien nicht Teil laufender Studien, «weswegen ein möglicher Impfstoff für junge Menschen nicht zugelassen werden kann».

Landtags-Grüne fordern Zusatz-Schulbusse bis zum Ende der Pandemie

Zum Schutz vor Corona-Ansteckungen fordern die Grünen im bayerischen Landtag eine Verlängerung der Zusatzförderung des Freistaates für mehr Schulbusse bis zum Ende der Pandemie. «Für wirksamen Infektionsschutz und einen dauerhaft gewährleisteten Regelschulbetrieb brauchen wir gerade in der kalten Jahreszeit Abstand auch in Schulbussen», sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Markus Büchler, am Montag in München. Die Ende Oktober auslaufende finanzielle Unterstützung für die Kommunen müsse daher verlängert werden.

Zum Schutz vor Ansteckungen auf den Schulwegen sind in Bayern seit Anfang September 350 sogenannte Verstärkerbusse im Einsatz, die Kosten werden von der Staatsregierung kofinanziert. «Mindestens dieser Service muss bis zum Ende der Corona-Pandemie aufrechterhalten werden - auch um Konvois umweltschädlicher Elterntaxis zu vermeiden», betonte Büchler. Die Staatsregierung müsse hier schnell eine Entscheidung treffen, damit die Kommunen ihrerseits planen könnten. Die bisherige Regelung ist bis Ende Oktober genehmigt, für eine Verlängerung braucht es eine gesonderte Entscheidung des Kabinetts.

Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) sagte in einer Mitteilung, ihr Ministerium erarbeite bereits gemeinsam mit dem Finanzministerium ein Konzept dazu. «Wir brauchen die Verstärkerbusse noch länger und wollen die Kommunen auch unterstützen. Wir helfen, wo wir können.» Das Ministerium habe zudem eine Online-Plattform ins Leben gerufen, mit der sich Kommunen und Busunternehmer untereinander vernetzen und dem Bedarf an zusätzlichen Bussen gerecht werden könnten.



05.10.2020 14.15 Uhr

Ministerien: Nicht jeder Schnupfen weist auf Corona-Infektion hin

Kinder in Sachsen können auch mit leichten Anzeichen einer Erkältung Kitas und Schulen besuchen. Nicht jeder Schnupfen und jedes Kratzen im Hals weise auf eine Corona-Infektion hin, teilten das Gesundheits- und das Kultusministerium am Montag mit Blick auf die beginnende Erkältungssaison mit. Kinder, die leichte Symptome aufweisen, benötigen demnach keine gesonderte Gesundheitsbescheinigung, hieß es. Grundsätzlich gehe es immer um einen «Abwägungsprozess zwischen ‎Infektionsschutz und dem Recht der Kinder auf Teilhabe und Bildung».

Die Ministerien wiesen aber zugleich darauf hin, dass Kinder, die eindeutig krank seien, zu Hause bleiben sollten. Die Einschätzung sollten grundsätzlich die Eltern treffen. Bei Fieber, Husten, Durchfall oder Erbrechen müssten diese überlegen, ob ein Arzt aufgesucht werden soll. Erst wenn die Kinder 24 Stunden fieberfrei und gesund seien, sollten sie wieder in Schule oder Kita gehen.

NRW-Schulministerium droht Lehrern mit Gehaltskürzungen

Das NRW-Schulministerium befürchtet, dass Lehrer nach dem Ende der Herbstferien nicht zum Unterricht erscheinen könnten - weil sie nach ihrem Urlaub noch in Quarantäne sind. Für solche Fälle werden harte Konsequenzen angedroht.

Lehrer müssen bei einer Urlaubsreise in ein Corona-Risikogebiet die danach fällige Quarantäne bis Ende der Herbstferien abgeschlossen haben. Darauf hat das NRW-Schulministerium hingewiesen. «Private Reisen können zwar (...) nicht untersagt werden, allerdings können bei der Rückkehr aus einem Risikogebiet dienst- oder arbeitsrechtliche Konsequenzen (...) in Betracht kommen», heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Bezirksregierungen, die wiederum die Schulen darüber informieren sollen. Bei unentschuldigtem Fernbleiben vom Dienst könnten auch Bezüge gestrichen werden, mahnt das Ministerium.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Thomas Kutschaty, kritisierte das Ministerium dafür. «Das ist auf keinen Fall der richtige Weg», sagte Kutschaty am Sonntag in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. «Das zeigt aber auch, welche Wertschätzung diese Landesregierung den Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Nordrhein-Westfalen entgegenbringt.» Mit Drohungen werde man die Lehrer kaum motivieren. «Das ist schädlich, das sollte man nicht tun», kritisiert der Oppositionsführer.

Die Schülerinnen und Schüler werden in dem Schreiben des Schulministeriums darauf hingewiesen, dass ihnen ein Betreten des Schulgeländes verboten werden kann, wenn sie nach einer Reise in ein Risikogebiet nicht die Quarantänebestimmungen einhalten, sondern einfach wieder zur Schule gehen. «Unabhängig von den rechtlichen Folgen stellt ein solches Verhalten einen schweren Verstoß gegen die Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme in der Schule dar.»

Schülerinnen und Schüler, die über das Ferienende hinaus in Quarantäne bleiben, müssen nicht befürchten, dass ihnen dies als Schwänzen angerechnet wird. Das Urlaubsverhalten sei hier dem privaten Lebensbereich zuzurechnen, urteilt das Ministerium. Wenn eine Schule Zweifel hat, ob ein bestimmter Schüler wirklich deshalb dem Unterricht fernbleibt, weil er in Quarantäne ist, kann die Schule von den Eltern einen Nachweis für die Reise in das Risikogebiet verlangen. Die Quarantänepflicht entfällt wie stets durch den Nachweis eines negativen Testergebnisses. Die Herbstferien in NRW beginnen am 12. Oktober.

04.10.2020 11.00 Uhr

Angebot kostenloser Corona-Tests für Lehrer bis Mitte November

Das Angebot kostenloser Corona-Tests für hessische Lehrer wird verlängert. Das Land habe sich mit der Kassenärztlichen Vereinigung und einem Frankfurter Labor geeinigt, die Tests wie bisher bis 15. November fortzusetzen, teilte das Kultusministerium der dpa in Wiesbaden mit. Einen Anspruch haben alle Mitarbeiter an Schulen oder der Jugendhilfe, die regelmäßig Kontakt zu Schülerinnen und Schülern haben. Sie können sich alle 14 Tage testen lassen.

Das freiwillige Angebot war zunächst bis zu den Herbstferien begrenzt gewesen. Es greift, wenn keine konkreten Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus vorliegen.

Zum Schulstart nach den Herbstferien am 19. Oktober gilt in Hessens Schulen zudem ein aktualisierter Hygieneplan. Er sieht unter anderem detailliertere Angaben zu Hygiene, Alltagsmasken und Mindestabstand vor, wie aus einem Schreiben des Kultusministeriums an die Schulleiter hervorgeht.

Der Plan gibt unter anderem vor, auf eine intensive Lüftung der Räume zu achten. Alle 20 Minuten sei eine Stoßlüftung beziehungsweise Querlüftung durch vollständig geöffnete Fenster über die Dauer von drei bis fünf Minuten vorzunehmen, heißt es.

Überwiegende Zahl der Schulen trotz Corona in Betrieb

Der überwiegende Teil der Schulen in Baden-Württemberg hat - wie in ganz Deutschland - bislang den Betrieb trotz Corona wie geplant aufrechterhalten können. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Kultusministerien der Länder und eine Auswertung aktuell zugänglicher Meldungen der Ministerien ergab, kommt es vereinzelt zwar zu deutlichen Einschränkungen für Tausende Schüler und Lehrer. Mit Blick auf die Gesamtzahl von bundesweit rund 40 000 Schulen mit 11 Millionen Schülern und rund 800 000 Lehrern, sind die Zahlen dennoch vergleichsweise überschaubar.

In Baden-Württemberg waren Stand 1. Oktober 194 von 4500 Schulen von Corona-Maßnahmen betroffen. 304 Schulklassen waren wegen Infektionen oder Verdachtsfällen nicht im Präsenzunterricht, zwei Schulen waren vollständig geschlossen.

Nach den zum Ende der Woche vorliegenden Daten der Landesbehörden oder Kultusministerien der Länder waren bundesweit zuletzt knapp 40 000 Schüler und fast 4000 Lehrer wegen Infektionsfällen, Verdachtsfällen oder eigener Infektion in Quarantäne oder als Vorsichtsmaßnahme im Fernunterricht. Daneben meldeten Bundesländer, die keine Einzelzahlen zu Schülern veröffentlichen, insgesamt rund 700 Klassen oder Lerngruppen, die zuletzt nicht in der Schule waren. Komplett geschlossen waren den aktuellen Zahlen zufolge 23 Schulen.

Lehrer dürfen bei Schulbeginn nicht mehr in Quarantäne sein

Lehrer müssen bei einer Urlaubsreise in ein Corona-Risikogebiet die danach fällige Quarantäne bis Ende der Herbstferien abgeschlossen haben. Darauf hat das NRW-Schulministerium hingewiesen. «Private Reisen können zwar (...) nicht untersagt werden, allerdings können bei der Rückkehr aus einem Risikogebiet dienst- oder arbeitsrechtliche Konsequenzen (...) in Betracht kommen», heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Bezirksregierungen, die wiederum die Schulen darüber informieren sollen. Bei unentschuldigtem Fernbleiben vom Dienst könnten auch Bezüge gestrichen werden, mahnt das Ministerium.

Die Schülerinnen und Schüler werden darauf hingewiesen, dass ihnen ein Betreten des Schulgeländes verboten werden kann, wenn sie nach einer Reise in ein Risikogebiet nicht die Quarantänebestimmungen einhalten, sondern einfach wieder zur Schule gehen. «Unabhängig von den rechtlichen Folgen stellt ein solches Verhalten einen schweren Verstoß gegen die Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme in der Schule dar.»

Schülerinnen und Schüler, die über das Ferienende hinaus in Quarantäne bleiben, müssen nicht befürchten, dass ihnen dies als Schwänzen angerechnet wird. Das Urlaubsverhalten sei hier dem privaten Lebensbereich zuzurechnen, urteilt das Ministerium. Wenn eine Schule Zweifel hat, ob ein bestimmter Schüler wirklich deshalb dem Unterricht fernbleibt, weil er in Quarantäne ist, kann die Schule von den Eltern einen Nachweis für die Reise in das Risikogebiet verlangen. Die Quarantänepflicht entfällt wie stets durch den Nachweis eines negativen Testergebnisses. Die Herbstferien in NRW beginnen am 12. Oktober.

 

02.10.2020 9.00 Uhr

Knapp 12 700 Schüler und Lehrer in Bayern in Corona-Quarantäne

Knapp 12 700 Schüler und Lehrer in Bayern müssen derzeit coronabedingt in Quarantäne bleiben. Zudem sind 400 Schülerinnen und Schüler sowie knapp 50 Lehrkräfte positiv auf das Virus getestet worden, wie aus aktuellen Daten des Kultusministeriums hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Demnach sind etwa 0,77 Prozent der 1,65 Millionen Schüler aufgrund einer angeordneten Quarantäne derzeit nicht im Präsenzunterricht, was etwa 11 700 Kindern und Jugendlichen entspricht. Weitere 0,03 Prozent, also rund 400, hatten zudem einen positiven Covid-19-Test. Bei den Lehrkräften betragen die Werte 0,61 sowie 0,03 Prozent. Somit sind rund 970 der bayernweit 155 000 Lehrerinnen und Lehrer in Quarantäne, etwa 46 sind erkrankt.

Mit Blick auf größere Quarantäne-Maßnahmen sind rund 0,54 Prozent der Klassen derzeit wegen einer entsprechenden Anordnung des Gesundheitsamts nicht im Präsenzunterricht. Komplett geschlossen sind aktuell nur zwei der mehr als 6000 Schulen im Freistaat.

Immer mehr Schüler müssen wegen Corona zu Hause bleiben

Ohne Maske im Unterricht, mit Maske außerhalb. Und immer schön in Gruppen - viel ist an Schulen anders, um das Risiko von Corona-Infektionen zu minimieren. Und trotzdem häufen sich die Fälle.

Drei Wochen nach dem Start des neuen Schuljahres müssen immer mehr Schüler wegen Corona-Infektionen und Verdachtsfällen zu Hause bleiben. Derzeit sind 304 Schulklassen im Südwesten wegen Infektionen oder Verdachtsfällen aus dem Präsenzunterricht genommen worden, wie das Kultusministerium unter Berufung auf die Rückmeldung aus den Regierungspräsidien auf Anfrage angab (Stand: 1. Oktober). Die Schüler dieser Klassen werden nun nur noch per Fernunterricht unterrichtet. Vor einer Woche waren es noch 172 Klassen. Zwei Schulen - eine in Ulm und eine in Mannheim - seien vollständig geschlossen.

Betroffen seien insgesamt 194 Schulen im Land, heißt es aus dem Ministerium. Bei insgesamt 4500 Schulen bedeutet das aber, dass derzeit nicht einmal jede zwanzigste Schule betroffen ist.

93 Schulen in Niedersachsen mit coronabedingten Einschränkungen

Fünf Wochen nach dem Ende der Sommerferien sind in Niedersachsen 93 Schulen von coronabedingten Einschränkungen betroffen. Komplett geschlossen sei allerdings nur die private Berufsfachschule für Logopädie in Oldenburg (Stand 1. Oktober, 9.00 Uhr), teilte das Kultusministerium in Hannover auf dpa-Anfrage mit. An 92 Schulen würden einzelne Klassen, Lerngruppen oder Jahrgänge über das Distanzlernen unterricht.

Verfügt werden die Einschränkungen von den zuständigen örtlichen Gesundheitsämtern. Wenn der Präsenzunterricht ausgesetzt wird, sei dies nicht immer mit häuslicher Quarantäne für Schüler und Lehrer verbunden, erklärte ein Ministeriumssprecher. Der Fernunterricht könne auch vorbeugend angeordnet werden, etwa bei einem Verdacht.

Der Landkreis Friesland hatte wegen steigender Infektionszahlen beschlossen, alle seine Schulen am 1. Oktober zum Schichtmodell zurückkehren zu lassen. Das bedeutet, dass im Wechsel ein Teil der Schüler zu Haus unterrichtet wird. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) kritisierte diesen Schritt. In der Übersicht der Schulen mit coronabedingten Einschränkungen des Ministeriums vom 1. Oktober sind noch nicht alle Schulen des Landkreises Friesland aufgeführt.

Insgesamt gibt es in Niedersachsen rund 35 000 Klassen an 3000 Schulen, nach den Daten des Ministeriums waren demnach in dieser Woche an drei Prozent der Schulen einzelne Corona-Infektionen beziehungsweise Verdachtsfälle bekannt. Ohne Präsenzunterricht waren am 1. Oktober neben der komplett geschlossenen Berufsschule 134 Klassen, 84 Lerngruppen (Kohorten) sowie 23 Jahrgänge. Wie viele Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte positiv auf das Coronavirus getestet wurden, konnte das Ministerium nicht sagen. Landesweit gibt es mehr als eine Million Schülerinnen und Schüler, die von über 100 000 Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitern betreut werden.


01.10.2020 11.30 Uhr

Top oder Flop? Unterricht unter Corona-Bedingungen bleibt umstritten

Seit sieben Wochen läuft in Hessen wieder der Schulunterricht unter Corona-Bedingungen. War es Chaos oder ein Erfolg angesichts der Situation? Die Bewertungen gehen weit auseinander.

Zum Start der Herbstferien (2.10.) in Hessen stellt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) der Landesregierung für die Corona-Maßnahmen in Schulen ein schlechtes Zwischenzeugnis aus. «Es sind überhaupt keine Vorkehrungen getroffen, wie wir im Herbst und Winter unter Corona-Bedingungen zurechtkommen sollen», sagte die GEW-Vorsitzende Birgit Koch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Das Kultusministerium beurteilt die vergangenen sieben Wochen dagegen positiver.

Mitte August hatte für mehr als 760 000 hessische Schüler das Schuljahr begonnen. Ein normaler Schulbetrieb wie vor Corona sollte es nicht werden. Zwar verzichtete das Land auf eine generelle Maskenpflicht in Klassenzimmern. Doch Hygieneregeln wurden festgelegt. Zudem galt für Schüler zwar wieder eine Präsenzpflicht. Doch digitale Angebote sollten den Unterricht ergänzen.

Bei Covid-19-Infektionen ordneten die örtlichen Gesundheitsbehörden Quarantäne an: mal für Lerngruppen, mal für komplette Jahrgänge, mal wurden Schulen geschlossen. Ende September durften beispielsweise 5562 Schüler, das entspricht laut Ministerium 0,73 Prozent, wegen Corona-Maßnahmen nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Bei den Lehrern waren es 574 Lehrkräfte (0,92 Prozent). Seit Schuljahresbeginn seien 16 von 1795 Schulen zeitweise wegen positiver Corona-Tests geschlossen worden.

Das Fazit des Landes: «Bewährt hat sich, dass die lokalen Gesundheitsbehörden je nach Infektionslage eine Verschärfung der Maskenpflicht für das Tragen im Unterricht anordnen können», sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Darüber hinaus sei es sehr erfreulich, dass seit Schuljahresbeginn an jedem Tag immer mehr als 99 Prozent der Schüler in die Schule hätten gehen können. Wie viel Unterricht insgesamt ausgefallen ist, dazu hat das Land nach eigenen Angaben keine Zahlen.

Die GEW bezweifelt das. Von einer «Verschleierungstaktik» spricht die Vorsitzende Koch. Sie stellt dem Land auch in anderen Fragen schlechte Noten aus. Viele Ankündigungen seien nie erfüllt worden, sagt Koch: «Das hessische Kultusministerium hat die Sommerferien nicht genutzt, um entsprechend zielführende Dinge auf den Weg zu bringen, die einen geregelten Schulalltag unter Corona-Bedingungen ermöglichen.» Dazu gehöre die Anbindung aller Schulen an ein digitales Schulportal, ein hessenweit einheitliches Videokonferenzsystem. Mancherorts seien nicht einmal alle Klassenräume ausreichend belüftbar.

Die zentrale Kritik sei: «Wir haben viel zu viele Menschen viel zu lange Zeit und in viel zu kleinen Räumen ohne Abstand und ohne Mund-Nasen-Schutz.» Körperliche Distanz zu halten sei unter diesen Bedingungen nicht möglich, Unterricht mit Maske auch keine Lösung.

«Es gibt einige Punkte, bei denen der Schuh ganz schön heftig drückt», sagt Korhan Ekinci, Vorsitzender des Landeselternbeirats. So seien die Eltern mit den Bustransporten zu den Schulen nicht zufrieden, diese fänden unter völlig unterschiedlichen Hygienebedingungen statt. «Auch bei der Digitalisierung haben wir Bauchschmerzen.» Das Stoßlüften der Klassenräume werde angesichts des Herbstwetters zum Problem: «Seit letzter Woche bekommen wir vermehrt Meldungen, dass Kinder sich krank fühlen.»

Wie man darauf reagieren könne, dazu gebe es zwar Ideen. «Es fehlt aber ein Regisseur, der sagt: Ich habe den Überblick.» Insgesamt gehe es im Bereich Schule nicht so schnell voran, wie es die Infektionszahlen eigentlich verlangten. Das Land müsse auch den Mut haben, falsche Entscheidungen rückgängig zu machen.

«Viele Schüler sind froh, wieder zur Schule zu gehen», sagt Landesschulsprecher Paul Harder. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass Unterricht zu Hause nicht funktioniere. «Die Lehrer sind dafür nicht ausgebildet, Geräte fehlen, für die Digitalisierung wurde viel zu wenig gemacht.» Harder kritisiert «leere Versprechungen» des Kultusministeriums: Das Schulportal als digitale Kommunikationsmöglichkeit für Lehrkräfte und Datenablage stehe entgegen Ankündigungen des Landes weiter nur der Hälfte der Schule zur Verfügung, Funktionen fehlten. Bei positiven Corona-Tests an ihrer Schule fühlten sich die Schüler zudem nicht ausreichend informiert. Auch wenn es nur Einzelfälle gebe, wolle man darüber in Kenntnis gesetzt werden.

Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, René Gottschalk, und seine Co-Autorin Ursel Heudorf werten im Hessischen Ärzteblatt die Entwicklung der Covid-19-Fälle bis Ende August in Frankfurt aus. Sie kommen zum dem Schluss: «Es gibt keine Hinweise, dass die schrittweise Wiedereröffnung der Schulen zu einer erkennbaren Zunahme an Infektionen bei Kindern und Schulpersonal geführt hat – obwohl wegen Ängsten und Sorgen von Schulgemeinden viele Tests vorgenommen wurden.»

40 000 Tablets für Berlins Schülerinnen und Schüler

In Berlin sollen weitere 40 000 Schülerinnen und Schüler ein Tablet erhalten. Das Land bekommt dafür aus dem Sofortausstattungsprogramm des Bundes 25,7 Millionen Euro, wie die Senatsverwaltung für Bildung mitteilte. «Damit können neben den bereits ausgegebenen 9500 Tablets weitere 40 000 für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler beschafft werden.» Beschränkungen auf bestimmte Jahrgangsstufen gibt es dabei nicht. Die Ausschreibung wird den Angaben zufolge vorbereitet. Die 9500 Tablets, die ab dem Frühjahr ausgegeben wurden, wurden mit Landesmitteln finanziert.

Vorgesehen ist laut Bildungsverwaltung, die neue Ausschreibung in mehrere Lose aufzuteilen, so dass drei verschiedene Geräteanbieter mit den Betriebssystemen Android, iOS und Windows zum Zug kommen sollen. «Wir sorgen mit zügigen Ausschreibeverfahren nun dafür, dass die Schulen und Lehrkräfte zeitnah digitale Endgeräte erhalten», so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Für die Ausstattung der Lehrerinnen und Lehrer mit Laptops stellt der Bund insgesamt 500 Millionen Euro bereit. Davon erhält das Land Berlin nach Angaben der Bildungsverwaltung voraussichtlich rund 25 Millionen Euro. Die Ausschreibung werde ebenfalls bereits vorbereitet, während mit Bund und Ländern noch Details zu klären seien.

Das sind die Hygieneregeln für Schulen

Der Hygieneplan des Landes Hessen für Schulen sieht keine Mindestabstände in den Lerngruppen vor. Bei Krankheitssymptomen, die auf eine Covid-19-Erkrankung hindeuten, ist das Betreten der Schule verboten. Im Schulgebäude und auf dem Gelände muss eine Maske getragen werden - nicht aber im Unterricht. Auf Körperkontakte wie Umarmungen und Händeschütteln soll verzichtet werden. Die Schule muss auf eine intensive Lüftung der Räume achten: Mindestens alle 45 Minuten soll bei vollständig geöffneten Fenstern mehrere Minuten gelüftet werden.

Trotz Corona: Fast alle Schüler können regulär zur Schule gehen

Mecklenburg-Vorpommern startete bereits vor einigen Monaten ins neue Schuljahr in Corona-Zeiten. Fast alle Schüler konnten seitdem regulär zur Schule gehen. Bildungsministerin Martin kündigte einige Neuerungen für die Zeit nach den Herbstferien an.

Nach den Sommerferien hat in Mecklenburg-Vorpommern ein Großteil der Schüler trotz der Corona-Pandemie regulär zur Schule gehen können. Derzeit seien 54 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne, sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Mittwoch in Schwerin. Das sind laut Ministerium rund 0,03 Prozent aller Schüler im Bundesland.

Demnach seien derzeit insgesamt zwölf Lehrkräfte und pädagogisches Personal in Quarantäne. Nach den Sommerferien waren den Angaben zufolge bislang zwölf Schulen von Corona-Infektionsfällen betroffen. An insgesamt 30 Schulen habe es Quarantäne-Maßnahmen gegeben. Rund 1500 Schüler und 210 Lehrer waren demnach bislang in Quarantäne.

Laut Martin sind zusätzlich 256 Millionen Euro im zweiten Nachtragshaushalt für die Jahre 2020/2021 für Bildung vorgesehen. Der größte Einzelbetrag mit 100 Millionen Euro ist laut Ministerium demnach für Modernisierungen und Neubauten vorgesehen. Etwa 90 Millionen Euro sind für die bessere Ausstattung der Schulen mit Computertechnik und Fortbildungen der Lehrer eingeplant, weitere 40 Millionen Euro sollen die Hochschulen für die Digitalisierung erhalten.

«Das ich jetzt Handlungsspielräume kriege, die ich noch vor einem Jahr mir hätte gar nicht träumen lassen, das ist eine große Chance», sagte Martin. Es gehe nun darum, die Gelder sinnvoll und nachhaltig auszugeben, auch für eine Zeit nach der Corona-Pandemie. «Wir kriegen eine Aufmerksamkeit auf das Thema Bildung, die wir seit Jahren nicht mehr hatten.»

Beschäftigte an Schulen können sich in MV freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Bislang habe es etwa 2000 Tests gegeben, sagte Martin. Da sich ein Beschäftigter mehrfach testen lassen kann, könne nicht genau beziffert werden, wie viele Lehrer daran bislang teilgenommen hätten. Das Angebot werde mindestens bis Ende des Jahres weiterbestehen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht angesichts der bevorstehenden kalten Jahreszeit von einer höheren Beteiligung in den kommenden Monaten aus. An den allgemeinbildenden Schulen unterrichten landesweit rund 13 000 Lehrer.

Um das Risiko einer Corona-Infektion zu minimieren, soll nach den Herbstferien im Oktober laut Martin alle 20 Minuten für mindestens drei Minuten in einem Klassenraum gelüftet werden. Ebenfalls nach den Herbstferien soll ein Pilotprojekt beginnen, bei dem an Schulen Fieber gemessen wird. Die Teilnahme der Schüler sei freiwillig, in jedem Landkreis und den beiden kreisfreien Städten soll jeweils eine Schule daran teilnehmen.

Martin appellierte erneut an die Verantwortung der Eltern. Diese sollen ihr Kind unbedingt zu Hause lassen, wenn es krank sei oder aus einem Risikogebiet komme.

In den Sommerferien haben indes etwa 1400 Schüler am Förderunterricht teilgenommen, wie Martin berichtete. Dies ist etwas weniger als ein Prozent der Gesamtzahl der Schüler an allgemeinbildenden Schulen. Die Ministerin wies darauf hin, dass es jedoch weitere Angebote von Schulen und Lehrern gegeben habe. Einen solchen Förderunterricht solle es ebenfalls in den bevorstehenden Herbstferien geben.

Die Ministerin kündigte zudem Pläne für eine digitale Landesschule an. Dort sollen etwa Unterrichtseinheiten entwickelt werden, zu denen sich Schulen dann live dazu schalten können. Allerdings seien die Pläne noch in einer frühen Phase, ab wann diese umgesetzt werden, könne noch nicht gesagt werden.

An der Universitätsmedizin Rostock solle ein neuer Studiengang angeboten werden, dabei gehe es um die Ausbildung intensivmedizinischer Pflegekräfte. Dafür seien zunächst 15 bis 20 Studienplätze vorgesehen.

Im Bundesland sollen der Ministerin zufolge fürs digitale Lernen rund 25 000 Laptops und Tablets an sozial schwächere Kinder gehen. Wie viele davon bislang ausgeteilt worden sind, war zunächst unklar. Lehrer sollen diese Geräte ebenfalls erhalten.

Kritik äußerte die Linksfraktion. «Schon lange fehlen viele Lehrkräfte, jetzt sind auch noch zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer im Distanzdienst oder krankgeschrieben. Vielerorts kann Unterricht in einigen Fächern gar nicht angeboten werden und das digitale Lehren und Lernen funktioniert nur an einzelnen Schulen, weil es meist an Geräten und der passenden Internetanbindung fehlt», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Die Zwischenbilanz der Ministerin verdiene nicht einmal die Note ausreichend.

 

30.09.2020 09.30 Uhr

Bildungsministerin: Lehrer mit als Erste gegen Corona impfen

Lehrer sollten nach Auffassung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek mit als Erste gegen das Coronavirus geimpft werden, wenn es den Impfstoff gibt. «Als Bundesbildungsministerin würde ich mir wünschen, dass Lehrerinnen und Lehrer aufgrund ihrer Vielzahl an Kontakten in der Schule zu den Ersten gehören, denen eine Impfung angeboten wird - insbesondere, wenn sie zu einer Risikogruppe gehören», sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). Das würde den Lehrern verständliche Sorgen vor einer Infektion nehmen, meinte sie. Auch würde eine bevorzugte Impfung für Lehrer helfen, den für die Gesellschaft so wichtigen Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.

Karliczek verwies darauf, dass das Robert Koch-Institut, der Ethikrat und die Ständige Impfkommission gerade Empfehlungen entwickelten. «Die Impfung ist und bleibt freiwillig», betonte sie.

Der Wettlauf um einen Impfstoff läuft weltweit auf Hochtouren. Einige wenige Mittel sind bereits in der entscheidenden Testphase III mit Zehntausenden Probanden. Dabei wird überprüft, ob der Impfstoff nicht nur verträglich ist, sondern auch tatsächlich vor einer Corona-Infektion schützt. Noch ist das für kein Mittel nachgewiesen.

Weiter sagte die Ministerin, Herbst und Winter würden zu einer sehr großen Herausforderung für das Schulsystem. «Wenn die Infektionszahlen insgesamt steigen, werden davon auch die Schulen betroffen sein. Wir sollten uns nichts vormachen», sagte sie.

Es sei das Ziel aller Bundesländer, generelle Schulschließungen zu vermeiden. «Um bereits einzelne Schulschließungen zu umgehen, muss überall vor Ort rasch und entschieden reagiert werden, wenn in einer Klasse der Verdacht auf eine Infektion festgestellt wird.» Ein wesentlicher Punkt sei: «Es müssen die möglicherweise betroffenen Kinder schnellstens in Quarantäne gehen und dann auch getestet werden.»

Die CDU-Politikerin warb zudem dafür, den Bildungsgipfel von Bund und Ländern zu einer Dauerinstitution zu machen. «Die Krise hat dazu beigetragen, dass Bund und Länder sich schneller als vorher verständigen. Das müssen wir nach der Krise beibehalten und die Kooperation Schritt für Schritt weiterentwickeln.»

Holter: Corona-Pandemie an Schulen im Griff

Ein Stufenplan für Thüringens Schulen soll möglichst normalen Unterricht ermöglichen, ohne dass Corona-Infektionsketten entstehen. Nach Ansicht des Bildungsministers funktioniert das bisher gut. Dennoch mussten etliche Einrichtungen ihren Betrieb einschränken.

Einen Monat nach Beginn des neuen Schuljahres ist die Corona-Pandemie an Thüringens Schulen nach Ansicht von Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) bislang im Griff. «Der Betrieb an den Schulen Thüringen ist im ersten Monat des Schuljahres weitgehend normal, aber coronabedingt auch mit den leider erwartbaren kleineren Einschränkungen verlaufen», bilanzierte Holter auf Anfrage. Nach Daten seines Ministeriums mussten in den vier Wochen nach Ende der Sommerferien Dutzende Schulen in Thüringen ihren Betrieb zwischenzeitlich einschränken. Im Weimarer Land etwa betrifft dies derzeit alle Schulen.

Erstmals seit den landesweiten Schulschließungen im März im Zuge der Corona-Pandemie starteten alle Schulen nach den Sommerferien wieder im regulären Betrieb. Um auf neue Infektionen schnell reagieren zu können, führte das Bildungsministerium ein Stufenkonzept ein.

Während Stufe Grün Regelbetrieb bedeutet, gibt es bei Stufe Gelb erste Einschränkungen. So ist dann etwa abwechselnder Unterricht in der Schule und zu Hause möglich. Stufe Rot bedeutet in der Regel, dass die Schule wegen eines Corona-Ausbruchs vorübergehend geschlossen bleibt. Laut Bildungsministerium betraf dies bislang drei Schulen, wobei zwei davon inzwischen wieder geöffnet haben.

«Ich bin froh, dass an den Schulen und Kindergärten bisher keine gefährlichen Infektionsketten entstanden sind», erklärte Holter. Die meisten Corona-Fälle seinen von außen in die Schulen getragen worden. Die Pandemie sei bisher im Griff. «Ich appelliere aber weiter an alle, sich weiter umsichtig und vorsichtig zu verhalten», so Holter.

Vor den Herbstferien: Staatliche Corona-Maßnahmen werden verschärft

Die Herbstferien stehen vor der Tür und damit die Angst, dass die Corona-Infektionszahlen noch stärker steigen. In einigen Regionen könnten sie außer Kontrolle geraten, meint Ministerpräsident Söder.

Aus Angst vor stärker steigenden Infektionszahlen in den Herbstferien verschärfen Bund und Länder die Corona-Maßnahmen wieder. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder warnten am Dienstag eindringlich vor unnötigen Reisen in Risikogebiete. Zudem sollen private Feiern, von denen sich einige zuletzt als Hotspots erwiesen hatten, eingeschränkt werden, wenn die Infektionszahlen in bestimmten Regionen dies nötig machen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte abends im ZDF-«heute-journal», beim Geselligsein, in der Gastronomie sowie beim Reisen und in der Freizeit gebe es momentan das größte Ansteckungsrisiko. «Das Virus ist ja hier der Spielverderber, nicht ich oder wir in der Politik.»

Spahn sagte nach einer Schaltkonferenz der Kanzlerin mit den Länderregierungschefs, eine Differenzierung staatlicher Beschränkungen nach Regionen und nach der konkreten Infektionslage vor Ort sei weiter sinnvoll, sonst gehe die Akzeptanz der Bevölkerung verloren. Er rief die Bürger dazu auf, ihr Verhalten zu prüfen. Jeder könne sich etwa überlegen, ob jetzt, mitten in der Pandemie, die Zeit für eine größere Familienfeier sei. Freiheit heiße nicht, dass jeder machen könne, was er will. Jeder trage Verantwortung für die Menschen um ihn herum. «Mit staatlichem Zwang alleine wird es nicht gehen.»

Söder betonte, man wolle keinen zweiten Lockdown. In einigen Regionen könnten aber die Infektionszahlen außer Kontrolle geraten, wenn nicht gehandelt werde. Priorität hätten Arbeitsplätze, Schulen und Kitas. Eine Million Tote weltweit im Zusammenhang mit dem Coronavirus «kann doch keiner ignorieren», sagte Söder weiter. «Um uns herum explodieren die Zahlen.»

Merkel erläuterte, Deutschland sei gut durch den Sommer gekommen, nun stehe mit dem Herbst und Winter aber eine «schwierigere Zeit» bevor. Man könne sich dem aber entgegenstellen mit den richtigen Maßnahmen. Diese könnten nur durchgesetzt werden, wenn es die Bereitschaft der Bürger gebe, die Regeln zu befolgen, damit sich die Seuche nicht weiter ausbreite. Vorrang habe, die Wirtschaft so weit es gehe am Laufen zu halten und dass Kinder in Schulen und Kitas gehen könnten, sagte auch sie.

Lehrer sollten nach Auffassung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek mit als Erste gegen das Coronavirus geimpft werden, wenn es den Impfstoff gibt. Die sei aufgrund der Vielzahl an Kontakten in der Schule geboten, insbesondere, wenn sie zu einer Risikogruppe gehören, sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). Auch würde eine bevorzugte Impfung für Lehrer helfen, den für die Gesellschaft so wichtigen Schulbetrieb aufrecht zu erhalten.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, forderte eine bundeseinheitliche Corona-Ampel für Schulen. Er sagte der «Rheinischen Post»: «Von einer in allen Bundesländern geltenden Corona-Schulampel, die klar regelt, ab welchem Infektionsgeschehen welche Maßnahmen zum Gesundheitsschutz an Bildungseinrichtungen ergriffen werden müssen, sind wir auch nach einem solchen Beschluss weiterhin meilenweit entfernt.»

Bundesärztekammerpräsident Klaus Reinhardt erklärte, die nationale Strategie von Bund und Ländern «gibt den Menschen Orientierung und den Beschäftigten im Gesundheitswesen etwas mehr Planungssicherheit». Allerdings sei jetzt eine umfassende Teststrategie nötig, «die Tests da vorsieht, wo sie medizinisch sinnvoll sind und die vor allem die neuen Möglichkeiten der Corona-Schnelltests nutzt».

Der Präsident des Deutschen Landkreistags, Reinhard Sager, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: «Noch können wir eine zweite Welle verhindern. Die verabredeten Feier-Obergrenzen sind daher ein richtiger Schritt als eine von wenigen bundesweiten Leitplanken.». Sager rief zugleich dazu auf, an einer dezentralen Eindämmungsstrategie festzuhalten.

Nach Auffassung der FDP sollten sich die Maßnahmen gegen das Virus nicht nur nach der Zahl der Neuinfektionen richten, sondern unter anderem auch nach der Auslastung der Gesundheitsämter oder der Krankenhäuser vor Ort. FDP-Chef Christian Lindner begrüßte, dass sich Bund und Länder bei Feiern in Privatwohnungen nur auf eine Empfehlung verständigt hätten. Für die Liberalen gelte die Unverletzlichkeit der Wohnung. Es sei für sie unvorstellbar, dass Polizei oder Orudnungsamt zur Kontrolle an die Wohnungstür klopften.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hielt Bund und Ländern in der «Rheinischen Post» vor, sie agierten in der Krise nicht vorausschauend. «Sie scheinen einmal mehr überrascht zu sein, dass die kalte Jahreszeit und die nächsten Ferien vor der Tür stehen». Sie forderte einen unabhängigen Pandemierat.

Folgende Beschlüsse fassten Bund und Länder:

PRIVATE FEIERN:

Alle Bürger werden gebeten, in jedem Einzelfall kritisch abzuwägen, ob, wie und in welchem Umfang private Feiern notwendig und vertretbar seien. Bei steigenden Infektionszahlen sollen Obergrenzen für die Teilnehmerzahl festgelegt werden, und zwar in zwei Stufen. Wenn es in einem Landkreis binnen sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen pro 100 000 Menschen gibt, sollen in öffentlichen oder angemieteten Räumen höchstens 50 Personen gemeinsam feiern dürfen. Für Partys in Privaträumen wird eine maximale Teilnehmerzahl von 25 Menschen «dringlich empfohlen» - aber nicht vorgeschrieben, wie der Bund es ursprünglich wollte.

Wenn es in einem Landkreis binnen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner gibt, sollen höchstens noch 25 Menschen in öffentlichen oder angemieteten Räumen feiern dürfen. Für Feiern in Privaträumen wird eine Obergrenze von zehn Teilnehmern «dringlich empfohlen». Ausnahmen könnten zugelassen werden, wenn es für angemeldete Feierlichkeiten vom Gesundheitsamt abgenommene gibt.

BUßGELD BEI FALSCHANGABEN IN RESTAURANTS:

Wer falsche persönliche Angaben beim Restaurantbesuch macht, dem soll ein Bußgeld von mindestens 50 Euro drohen. In Schleswig-Holstein soll das sogar bis zu 1000 Euro kosten. Gastwirte werden bei der Kontrolle dieser Angaben ebenfalls in die Pflicht genommen. Merkel forderte Gaststättenbetreiber auf, besser zu kontrollieren. Die Daten sind wichtig, denn sie werden zur Nachverfolgung möglicher Infizierten-Kontakte gesammelt.

FRÜHWARNSYSTEM GEPLANT:

Eine von NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) und auch Söder vorgeschlagene Corona-Warnampel wird zwar nicht ausdrücklich erwähnt. Es heißt aber, die Länder würden bereits vor Erreichen einer Zahl von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen «ein geeignetes Frühwarnsystem» einrichten.

REISEN IN RISIKOGEBIETE:

In vielen europäischen Ländern sowie weltweit gibt es hohe Infektionszahlen, es gelten Reisewarnungen. Es soll aber Sonderregelungen etwa für notwendige Geschäftsreisen geben.

FIEBERAMBULANZEN FÜR DIE HERBST- UND WINTERZEIT:

Angesichts der zu erwartenden Grippewelle in der Herbst- und Winterzeit sollen die Möglichkeiten des Einsatzes von Fieber-Ambulanzen, Schwerpunktsprechstunden und Schwerpunktpraxen genutzt werden. Zugleich sollten sich gerade auch Risikogruppen vorsorglich gegen die saisonale Grippe impfen lassen.


29.09.2020 21.15 Uhr

Dreistufiger Corona-Warn- und Aktionsplan gilt in Rheinland-Pfalz

Gelb-Orange-Rot: Rheinland-Pfalz will flexibel und passgenau auf die Entwicklung der Infektionszahlen reagieren. Die Schrauben können angedreht und gelockert werden. Ein «Grün» gibt es bei dieser besonderen Ampel nicht.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat einen dreistufigen Warn- und Aktionsplan zur Bekämpfung der Corona-Pandemie erarbeitet, der am Dienstag in Kraft getreten ist. Er sieht auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte doe drei Warnstufen Gelb, Orange und Rot mit jeweils speziellen Regelungen und Einschränkungen vor, die bei Bedarf schrittweise gesteigert oder zurückgenommen werden können. Damit wollen Land und Kommunen regional flexibel auf mögliche Änderungen der Lage reagieren, gegebenenfalls sogar bezogen auf einzelne Gemeinden.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing Lichtenthäler (beide SPD) haben den Plan am Dienstag vorgestellt. Er trat mit sofortiger Wirkung in Kraft. Mit Stand Dienstagmittag war nirgends in Rheinland-Pfalz eine Warnstufe erreicht.

Die gelbe Warnstufe ist erreicht, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage fünf Tage lang bei 20 Fällen pro 100 000 Einwohnern oder darüber liegt. Übersteigt diese sogenannte 7-Tage-Inzidenz fünf Tage hintereinander den Wert von 35, wird die Stufe Orange erreicht, bei über 50 dann Rot. Die Maßnahmen reichen von eher allgemeinen Verhaltensmaßregeln bei Stufe Gelb über Verschärfungen der Personenbegrenzung und Maskenpflicht bei Orange bis hin zu Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen und dem Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht bei Rot.

Die Farbe Grün fehlt bei dem Alarmplan. Dreyer hatte dazu vorher klar gemacht, dass sie das Bild einer Ampel «für weniger passend» hält. «Denn in der Corona-Pandemie stehen die Zeichen nicht auf Grün, das führt zu einer falschen Sicherheit», hatte sie noch am Montag gesagt. Sie habe aber nichts dagegen, wenn im allgemeinen Sprachgebrauch von einer Ampel die Rede sei, fügte sie am Dienstagabend hinzu. Eine Ampel mit den Farben Grün-Gelb-Rot gibt es seit Längerem in Berlin.

Das Hauptproblem beim Infektionsgeschehen seien derzeit die privaten Feiern, sagte Dreyer. Der Beschluss der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sehe daher unter anderem vor, dass Feiern in öffentlichen oder angemieteten Räumen auf maximal 50 Teilnehmer beschränkt werden sollen. Das soll gelten, wenn in einem Landkreis innerhalb von sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner auftreten. Bei Feiern in privaten Räumen soll eine maximale Teilnehmerzahl von 25 empfohlen werden. Wenn die Zahl von 50 Neuinfektionen überschritten wird, soll die Teilnehmerzahl auf 25 begrenzt werden, in privaten Räumen auf 10.

Bürgerinnen und Bürger, die in einem Restaurant oder anderen Gastwirtschaften falsche Angaben zu ihrer Person machen, müssen künftig mit einem Mindestbußgeld von 50 Euro rechnen. Über die genaue Höhe der Bußgelder in Rheinland-Pfalz werde die Landesregierung in den kommenden Tagen entscheiden, kündigte Dreyer an.

Der vorgelegte Warn- und Alarmplan soll eine Handlungsempfehlung für die kommenden Wochen sein. Die örtlichen Behörden sollen befugt und notfalls auch verpflichtet sein, über die Verordnung hinausgehende Maßnahmen, aber auch Ausnahmen anzuordnen, teilte die Landesregierung mit. Automatismen sollen keine ausgelöst werden. Außerdem soll berücksichtigt werden, ob die Fälle auf ein eingrenzbares Geschehen - beispielsweise in einer Pflegeeinrichtung - zurückzuführen sind.

DIE EINZELNEN STUFEN:

GELB - «Warnstufe»

tritt in Kraft bei einem 7-Tage-Inzidenzwert von 20 Fällen über fünf Tage. Es gilt bei Gelb wie auch bei den anderen beiden Farben die Einschränkung: «Es sei denn, das Geschehen ist eingrenzbar». In dieser Phase soll an die Bevölkerung appelliert werden, sich verantwortungsvoll zu verhalten, die Hygieneregeln einzuhalten und zu lüften.

ORANGE - «Gefahrenstufe»

Am ersten Tag, wenn der 7-Tage-Inzidenzwert 35 Fälle erreicht, tritt auf Einladung des Gesundheitsministeriums eine regionale Corona-Task-Force zusammen. Sie setzt sich zusammen aus Vertretern der jeweils betroffenen Kommunen, Ordnungsbehörden, des Gesundheitsamts, von Gesundheits -, Innen- und Bildungsministerium, der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, kommunalen Spitzenverbände und der Polizei. Dieses Gremium empfiehlt dann die jeweiligen Maßnahmen. In dem Plan werden als Beispiele genannt: Verschärfung der Personenbegrenzung auf eine Person je zehn Quadratmeter; Erweiterung der Maskenpflicht zum Beispiel in Schulen, Freizeitparks, Messen; Reduzierung von erlaubten Veranstaltungsgrößen auch für private Feiern; keine Möglichkeit der Ausnahmegenehmigung zur Erweiterung der Personenanzahl für Veranstaltungen bis zu einer Regelgrenze von 20 Prozent der am Veranstaltungsort vorhandenen Platzkapazitäten; Verbot von Kontaktsport.

ROT - «Alarmstufe»

Die Task Force gibt in diesem Fall Empfehlungen für regionale Maßnahmen mit dem Hauptziel, eine flächendeckende Ausbreitung des Corona-Geschehens zu verhindern. Als Beispiele werden in dem Plan folgende Einschränkungen - zusätzlich zur Stufe Orange - aufgeführt: Verschärfung der Personenbegrenzung auf eine Person je 20 Quadratmeter; Kontaktbeschränkung auf maximal fünf Personen; Maskenpflicht auf öffentlichen stark frequentierten Plätzen; Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht an Schulen; Etablierung von Notbetreuungen; Entscheidung über Maskenpflicht auch an festem Platz bei Veranstaltungen; weitere Reduzierung von erlaubten Veranstaltungsgrößen auch für private Feiern; Schließung einzelner gesellschaftlicher und gewerblicher Bereiche; Entscheidung über Sperrstunden.

Merkel: Nicht ganze Schulen schließen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat betont, dass komplette Schulschließungen in der Corona-Krise künftig vermieden werden sollen. Schulen und Kitas wolle man «unbedingt betreiben», sagte Merkel am Dienstag nach einer Videokonferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder zur Abstimmung über die weitere Corona-Strategie.

Es brauche eine Teststrategie für Lehrer und Kinder «und ein bestimmtes Verhalten, wenn ein Infektionsfall auftritt. Hier soll nicht eine ganze Schule geschlossen werden». Merkel verwies auf das Hygienekonzept der Kultusministerkonferenz, das darauf hinauslaufe, dass nicht alle Schüler mit allen Kontakt hätten, sondern nur innerhalb ihres Jahrgangs - «was dann im Gegensatz bedeutet, dass man nicht die gesamte Schule stilllegen muss».

Zu den geplanten Bußgeldern für Falschangaben in Namens- und Adresslisten von Restaurants sagte Merkel: «Falsche Personenangaben, das ist kein Kavaliersdelikt». Deswegen lege man ein Bußgeld von 50 Euro fest.

Hamburger Schulen lüften gegen Corona - Weiter keine Klassenreisen

355 Corona-Infektionen hat es seit Anfang August bei Hamburger Schülern und Schulbeschäftigten gegeben. 48 Klassen sind in aktuell in Quarantäne. Dennoch sei die Schule ein sicherer Ort, sagt Schulsenator Rabe - und zieht Bilanz.

Mit einem strengen Lüftungskonzept will die Hamburger Schulbehörde steigenden Corona-Infektionszahlen entgegenwirken. Nach den Herbstferien müsse an allen Schulen alle 20 Minuten für mindestens fünf Minuten gelüftet werden, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) nach der Senatssitzung am Dienstag.

«Das bedeutet, dass die Unterrichtsstunde ein Mal unterbrochen werden muss», um «alles aufzureißen». Der Temperaturunterschied sorge für einen Luftaustausch. Filteranlagen oder CO2-Ampeln seien dann unnötig. Klassenreisen könne es aus Infektionsschutzgründen aber zumindest bis Jahresende nicht wieder geben. «Eintägige Schulausflüge sind durchaus denkbar, Klassenreisen nicht», sagte Rabe.

Insgesamt sei die Schule aber «im Großen und Ganzen» ein sicherer Ort. «Seit dem 4. August wurden aus 149 Schulen 355 mit Covid-19 infizierte Schülerinnen, Schüler und Schulbeschäftigte gemeldet. In den meisten Fällen verlief die Krankheit altersbedingt sehr milde, oft symptomfrei», sagte er. Größere gesundheitliche Probleme seien nicht bekannt.

In drei Fällen habe es offenbar Infektionen innerhalb einer Schule gegeben. Betroffen waren demnach die beiden Stadtteilschulen in Winterhude sowie die Julius-Leber-Schule in Schnelsen. «Dort haben sich vermutlich Schüler und Schulbeschäftigte sowohl außerhalb als auch innerhalb der Schule selbst infiziert.» In den anderen 146 Schulen sei das Virus von außen in die Schule eingetragen worden.

Derzeit befänden sich 58 der rund 9500 Schulklassen sowie 162 Schulbeschäftigte in Quarantäne. Schulschließungen habe es in hamburg noch keine gegeben, betonte Rabe.

Die CDU-Opposition warf dem Senator vor, das «Regelungschaos im Umgang mit dem Lernen unter Corona-Bedingungen» noch immer nicht in den Griff bekommen zu haben. «Es gibt noch immer kein einheitliches Vorgehen bei Corona-Verdachtsfällen und –Infektionen, die Kommunikation mit den Gesundheitsämtern läuft schleppend, immer wieder werden Eltern viel zu spät informiert», monierte die Schulexpertin der Fraktion, Birgit Stöver. «Gerade mit Blick auf die insgesamt wieder stark gestiegenen Infektionszahlen und die kommende Erkältungssaison im Herbst und Winter wird es immer knapper, das Ruder herumzureißen.»


28.09.2020 17.00 Uhr

Eltern und Lehrer warnen vor Microsoft-Nutzung an Schulen

Elternvertreter und Lehrer haben eindringlich vor einer Nutzung von Microsoft-Programmen für die geplante digitale Bildungsplattform des Landes gewarnt. Die Schulen bräuchten möglichst schnell eine Lernplattform, deren Server innerhalb der EU stünden, die datenschutzkonform seien und Persönlichkeitsrechte von Lehrern und Schülern schützten, teilten der Landeselternbeirat, die Arbeitsgemeinschaften gymnasialer Elternvertreter und der Philologenverband am Montag in Stuttgart mit. Die digitale Souveränität des Staates dürfe nicht in Frage gestellt werden durch dominante Anbieter und die Abschaltmöglichkeit von Cloud-Produkten. «Was, wenn Trump nicht nur Soldaten abzieht, sondern auch Clouddienste einschränkt?», sagte Cord Santelmann vom Philologenverband mit Blick auf US-Präsident Donald Trump. «Das ist nicht absurd, sondern die Welt, in der wir heute leben.»

Auch die Opposition hat Bedenken hinsichtlich der Microsoft-Nutzung an Schulen. Das Kultusministerin entgegnete am Montag, dass die Entscheidung über den Einsatz von Microsoft-Produkten noch gar nicht getroffen sei. Das Ministerium prüfe lediglich den Einsatz von Bestandteilen von Microsoft 365 und sei dazu fortlaufend mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz im Gespräch. Ziel sei es, bis Anfang Oktober zu bestimmen, wie die Nutzung dieser Bestandteile unter datenschutzkonformen Bedingungen aussehen könne. Damit solle etwa sichergestellt werden, dass keine Daten außerhalb der EU gespeichert würden.

Hamburger Schule gibt allen Fünftklässlern iPads

Im Rahmen des Projekttags «Jedem Kind seinen Apfel» ist am Montag der erste Jahrgang der Lessing-Stadtteilschule in Hamburg-Harburg flächendeckend mit iPads ausgerüstet worden. «Alle Geräte werden als Dauerleihgabe ausgegeben - das heißt, in der Schule verbleibt kein Gerät», sagte Schulleiter Tobias Stapelfeldt der Deutschen Presse-Agentur. Während demnach bereits die Jahrgänge neun und elf Tablets vereinzelt für den Seminarunterricht und die Projektarbeit genutzt haben, machten die fünften Klassen nun den Anfang für den normalen Schulunterricht.

Finanziert wurden die insgesamt 400 Geräte den Angaben zufolge aus Corona-Hilfen und Mitteln des Digitalpakts. Ziel des jungen Kollegiums ist es laut Schulleiter, jeden Schüler mit einem Gerät auszustatten. «Bei 1000 Schülern ist das natürlich nicht in einem Schritt zu machen», gab Stapelfeldt zu bedenken.

Vom ersten Impuls bis zur Ausgabe der ersten Geräte seien nur wenige Monate vergangen, berichtete der Schulleiter. Die besondere Lage in Zeiten von Corona habe dafür den Anlass gegeben. «Ziel war es, dass vor den Herbstferien zu machen, damit wir auf alle Szenarien eingehen können», sagte Stapelfeld. Solche Szenarien sind demzufolge, dass beispielsweise einzelne Schüler oder ganze Klassen in Quarantäne kommen.

Einziger Knackpunkt bleibe weiterhin das heimische Internet, denn nicht jeder Haushalt verfüge über eine ausreichend gute Verbindung, sagt Stapelfeldt. «Wir versuchen aber die Geräte so einzurichten, dass auch ohne Internetverbindung Programme zu nutzen sind».

Auf den Tablets seien Apps für Fächer wie Deutsch, Mathe oder Fremdsprachen vorinstalliert, Lehrerin und Tabletexpertin Merle Heintz erklärte. Im Sinne des Datenschutzes müssten Schüler zu keinem Zeitpunkt persönliche Daten angeben.

«Wir entscheiden genau, welche Einstellungen verändert - und welche Programme installiert werden dürfen», betonte Stapelfeldt. Sollte ein Gerät aus Versehen kaputt gehen, hafte dafür die Schule. Geschehe das aber mutwillig, kämen die Eltern mit in die Haftung.


26.09.2020 22.50 Uhr

Corona sorgt für Engpässe bei Jugend-Sozialstunden

Straffällig gewordene Jugendliche werden häufig zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt - doch die Einsatzstellen werden mancherorts knapp.

In Thüringer Kommunen suchen Jugendhilfeeinrichtungen in der Corona-Pandemie händeringend nach Einsatzstellen, an denen straffällig gewordene Jugendliche Sozialstunden ableisten können. «Gerade in der aktuell schwierigen Phase wären weitere Einsatzstellen von Nöten», sagte Regina Püschel, Bereichsleiterin Jugendkonflikthilfe beim Verein «Horizont» in Nordhausen.

Grundsätzlich mangele es an Einrichtungen, die auch nachmittags oder am Wochenende Möglichkeiten bereitstellen könnten. Die gemeinnützige Arbeit ist eine von mehreren «Erziehungsmaßregeln» im Strafrecht. Durch die Corona-Einschränkungen habe sich die Lage verschärft. Von ähnlichen Problemen berichten auch die Jugendkonflikthilfestellen in Erfurt, Weimar, Gera und Eisenach.

Während in Nordhausen jedes Jahr im Schnitt 140 Jugendliche gemeinnützige Arbeit verrichten, sind es in Weimar jährlich etwa 130, in Gera, Eisenach und Jena um die 80. «Die Jugendlichen müssen die Einhaltung von Regeln, Pünktlichkeit und Durchhaltevermögen lernen», so Püschel. «Dieses Modell funktioniert dafür sehr gut.» Etwa 80 bis 90 Prozent der jungen Täter schlössen die Maßnahmen erfolgreich ab. Das größte Problem der jungen Leute liege darin, dass deren soziale Kompetenz in den vergangenen Jahren abgenommen habe. Immer wieder komme es zu Problemen mit Unpünktlichkeit, mangelnder Motivation oder Unzuverlässigkeit.

Deshalb sei der direkte Kontakt zu den Einsatzstellen wichtig, um Jugendliche rechtzeitig in andere Stellen vermitteln zu können. In etwa 40 Prozent der Fälle erfüllten die Jugendlichen alle Auflagen ohne Komplikationen.

In den Einsatzstellen sorge vermehrt Personalmangel für Probleme, erklärt Monique Hubka von der Stadtverwaltung Gera. Die Teilnehmer müssten oft permanent begleitet werden, viele Stellen hätten dafür nicht die nötigen Kapazitäten. Die Schließungen und nur zaghafte Wiederöffnungen trügen dazu bei, dass die Sozialstunden aktuell nicht oder nur in sehr reduzierter Form abgeleistet werden könnten.

Die Bereiche, in denen Jugendliche für gemeinnützige Arbeiten eingesetzt werden, sind vielfältig. Sie reichen je nach Kommune von Alten-, Jugend- und Pflegeeinrichtungen über Tierheime, Bauhöfe bis zu Sportvereinen, Feuerwehren oder dem Technischen Hilfswerk. «Bei solchen externen Stellen kommt es immer wieder vor, dass die Jugendlichen ihr Interesse für den jeweiligen Bereich entdecken und sich nach Abschluss der Maßnahme privat engagieren», hat Püschel beobachtet. Wenn wie aktuell Arbeitsstunden wegen Corona nicht abgeleistet werden können, werden die gesetzten Fristen in der Regel verlängert - was aber den Stellenbedarf nach der Krise noch steigere.

Sinn der gemeinnützigern Arbeit ist es laut dem Thüringer Justizministerium, den Jugendlichen bewusst zu machen, dass sie für ein begangenes Unrecht einstehen müssen. Erzieherische Gesichtspunkte müssten immer im Vordergrund stehen, etwa um sinnvolle Alltagsstrukturen zu erlernen. Bei Jugendstraftaten handele es sich zudem «oft um vorübergehende Entgleisungen».

In den vergangenen Jahren wurden in Thüringen jährlich im Schnitt um die 500 Jugendlichen zu sogenannten Erziehungsmaßregeln wie Sozialarbeit verurteilt. Statistisch nicht erfasst werden Arbeitsstunden, die etwa bei einer außergerichtlichen Einigung verhängt werden.

Den Kommunen zufolge werden die meisten Arbeitsstunden für Delikte wie Diebstahl, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Ordnungswidrigkeiten oder Sachbeschädigung verhängt. Neben den Arbeitseinsätzen gibt es zudem Maßnahmen wie den Täter-Opfer-Ausgleich, Betreuungsweisungen, Suchtberatungen und Verkehrskurse.

Kultusministerin drückt Schulbank und schaut digitalem Unterricht zu

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann schaut sich am Montag den Unterricht an einer Gemeinschaftsschule an. Vor allem digitale Bildung steht dabei auf dem Lehrplan. Der Besuch war nach einer TV-Talk-Show zustande gekommen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) kommt am Montag (09.30 Uhr) einer Einladung im Zuge der Talk-Show «hart aber fair» nach und besucht eine Schule. Ende Mai hatte sie mit Verena Pausder, Gründerin eines Digitalvereins, im ARD-Polit-Talk über die durch die Corona-Pandemie bedingten Schulschließungen diskutiert. Am Montag will Pausder an der Gemeinschaftsschule Leutenbach (Rems-Murr-Kreis) eine digitale Unterrichtsstunde halten. Bei ihrem Besuch besucht Eisenmann die Klassen vier und neun und will sich nach Angaben eines Ministeriumssprechers vor allem über den Stand der Digitalisierung an Schulen in Baden-Württemberg informieren.

Seit zwei Wochen läuft der Schulbetrieb nach den Ferien im Südwesten wieder. An 128 Standorten werden die Klassen wegen einer Infektion mit dem Coronavirus oder dem Verdacht einer Infektion vorübergehend nur im Fernunterricht unterrichtet, wie das Kultusministerium Donnerstag mitteilte. 172 Schulklassen sind bislang aus dem Präsenzunterricht genommen worden.

 

25.09.2020 23.00 Uhr

Kultusministerium plant Rekordausgaben für Bildung

Die Landesregierung möchte im kommenden Jahr so viel Geld in Bildung investieren wie nie zuvor. Der von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag vorgestellte Bildungsetat sieht für Kindergärten, Schulen und Berufsbildung Ausgaben von 7,5 Milliarden Euro vor. Das seien 350 Millionen Euro mehr als in diesem Jahr, teilte das Kultusministerium mit. Die Ausgaben für frühkindliche Bildung sollen von 1,4 auf 1,6 Milliarden Euro steigen, das Geld soll in mehr Plätze und Qualitätsverbesserungen bei Krippen und Kindergärten fließen.

Investiert wird auch in das Einstellen der erforderlichen Zahl von Lehrern, dazu sollen 520 Studienratsstellen neu in den Haushalt aufgenommen werden. Für den Ausbau von Ganztagsschulen sind 300 Millionen Euro eingeplant. Und das angesichts der Corona-Krise zunächst über die Sommerferien angebotene freiwillige Bildungsprogramm mit Unterstützung der Kirchen und anderer Träger soll fortgesetzt werden. Die Bildungsausgaben sollen im kommenden Jahr 20,9 Prozent des Landeshaushaltes ausmachen, über den der Landtag noch beraten und abstimmen muss.

Lüften in der Schule: Gewerkschaften und Eltern sehen offene Fragen

Bildungsgewerkschaften und der Bundeselternrat haben die Politik zu schnellen Hilfen beim Thema Frischluft in der Schule in Corona-Zeiten aufgefordert. «Die Schulen brauchen dringend Orientierung und Unterstützung, die kalte Jahreszeit beginnt jetzt. Die Lüftungsregelung 20-5-20 wird bei Regen und niedrigen Temperaturen eine riesige pädagogische Herausforderung», erklärten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und der Bundeselternrat (BER) am Freitag in einer gemeinsamen Mitteilung.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte am Mittwochabend Wissenschaftler aus Virologie, Hygiene und Strömungsmechanik zu dem Thema angehört. Wie die KMK danach mitteilte, hätten sich die Experten dafür ausgesprochen, Klassenzimmer im 20-Minuten-Takt für 3 bis 5 Minuten stoßzulüften und während der Pausen zusätzlich die Türen für Durchzug zu öffnen. Den Einsatz mobiler Luftreinigungsgeräte in Schulräumen halten die befragten Experten laut KMK grundsätzlich nicht für nötig, sofern sich dort die Fenster richtig öffnen lassen. Der Direktor im Umweltbundesamt, Heinz-Jörn Moriske, sicherte bei dem Gespräch die Erarbeitung einer Handreichung zum Lüften für alle Schulen im Bundesgebiet zu.

Dies werde begrüßt, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme von Bundeselternrat, GEW und VBE. Dennoch seien bei dem Experten-Treffen, an dem auch die drei Organisationen teilnahmen, «viele Fragen offen geblieben». Die KMK müsse das Tempo beschleunigen und so schnell wie möglich einen klaren Zeitplan für die Umsetzung von Maßnahmen vorlegen. «Dabei dürfen Kosten für notwendige Umbauten oder Geräte kein K.o.-Kriterium sein.» So müsse etwa mit Hochdruck daran gearbeitet werden, dass bisher nicht zu öffnende Fenster in den Schulen entsprechend umgebaut werden.

Landtag verlängert Regelstudienzeit in MV - Bafög-Bezug gesichert

Die coronabedingten Einschränkungen im Lehrbetrieb der Universitäten und Hochschulen Mecklenburg-Vorpommerns haben für Studenten mit Bafög-Bezug finanziell keine negativen Folgen. Im Eilverfahren verlängerte der Landtag die Regelstudienzeit um ein Semester. Nur zwei Tage nach Einbringung verabschiedete das Parlament am Freitag die dazu erforderliche Gesetzesänderung, ohne nochmals darüber zu debattieren.

Somit können betroffene Studenten auch ein halbes Jahr lang länger Bafög beziehen, da diese staatliche Finanzhilfe nur für die jeweilige Regelstudienzeit gezahlt wird. Ein gesonderter Antrag auf Fristverlängerung samt ausführlicher Begründung ist nicht mehr nötig.

«Das ist eine sehr gute Nachricht für die Studierenden an unseren Hochschulen», sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). Die coronabedingten Einschränkungen im Sommersemester 2020 hätten gerade bei Bafög-Empfängern zu Unsicherheiten geführt. «Mit der pauschalen Verlängerung der Regelstudienzeit haben sie nun die notwendige Sicherheit, um ihr Studium ohne finanzielle Sorgen abschließen zu können», erklärte die Ministerin. Die Verlängerung der Regelstudienzeit sei ein wichtiger Schritt, der außerdem Bürokratie einspare, für Studierende und Studierendenwerke.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie hatten im März Universitäten und Hochschulen im Land ihre Lehrtätigkeit von Präsenz- auf Online-Veranstaltungen umgestellt. Bibliotheken blieben geschlossen, Konsultationen waren kaum möglich, und Prüfungsabläufe wurden geändert. Daraus dürften Studenten keine Nachteile erwachsen, hatte Martin die befristete Änderung des Hochschulgesetzes begründet. Das Land sei aktiv geworden, weil es nicht zu einer bundesweit einheitlichen Lösung gekommen sei.

Sollte es auch im Wintersemester 2020/2021 zu coronabedingten Studienverzögerungen kommen, kann die Regelstudienzeit im Nordosten per Verordnung um ein weiteres Semester verlängert werden.


24.09.2020 18.00 Uhr

Experten empfehlen alle 20 Minuten Stoßlüften im Klassenzimmer

In vielen Schulen wird wohl bald ein kalter Wind wehen. Die Kultusministerkonferenz hat mit Blick auf die Corona-Pandemie und die kommenden Monate Experten zum Thema Lüften im Klassenzimmer befragt. Diese empfehlen: Alle 20 Minuten die Fenster weit auf.

Zur Vermeidung von Corona-Ansteckungen in den Schulen empfehlen Wissenschaftler nach Angaben der Kultusministerkonferenz (KMK) regelmäßiges Lüften in kurzen Abständen und sehen nur in «Einzelfällen» die Notwendigkeit für mobile Luftreinigungsgeräte. Wie die KMK am Donnerstag mitteilte, hätten mehrere Experten bei einer Anhörung am Mittwochabend zum Stoßlüften der Klassenzimmer im zeitlichen Abstand von 20 Minuten für etwa 3 bis 5 Minuten Dauer sowie zum Querlüften der Räume in den Pausen geraten. Im Klartext: Alle 20 Minuten sollen alle Fenster weit aufgemacht werden - und in den Pausen zusätzlich die Tür für Durchzug.

An der KMK-Runde nahmen den Angaben zufolge Wissenschaftler aus den Bereichen Hygiene, Virologie und Strömungsmechanik teil. Zudem waren Vertreter des Umweltbundesamtes, der Kommunen, der Bildungsgewerkschaften und des Bundeselternrats dabei.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Stefanie Hubig sagte: «Gerade mit Blick auf die bevorstehende kühlere Jahreszeit ist es wichtig, dass wir jetzt für alle Schulen in Deutschland zu einer Handreichung mit klaren und nachvollziehbaren Vorgaben kommen, die überall gut umsetzbar sind.» Der Direktor im Umweltbundesamt, Heinz-Jörn Moriske, sicherte nach KMK-Angaben die Erarbeitung einer solchen Handreichung für alle Schulen im Bundesgebiet zu.

Den Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten in Schulräumen halten die befragten Experten laut KMK grundsätzlich nicht für nötig, sofern sich dort die Fenster richtig öffnen lassen. Zur Vermeidung von Corona-Ansteckungen könne aber der Einsatz solcher Geräte in Räumen, die nicht über komplett zu öffnende Fenster verfügen, «flankierend und in Einzelfällen sinnvoll sein». Wenn dann sollten nach Auffassung der Wissenschaftler aber nur «qualitätsgeprüfte Geräte, die mit Hochleistungsschwebstofffiltern ausgerüstet sind» zum Einsatz kommen. Sie müssten zudem leise arbeiten und «einen ausreichenden Volumenstrom, gemessen an der Raumgröße» garantieren.

Über das Thema Frischluft im Klassenraum wird seit kurzem verstärkt diskutiert. Vertreter aus dem Bildungswesen hatten die Frage aufgeworfen, wie das mit dem Lüften in der kalten Jahreszeit unter Corona-Bedingungen funktionieren soll. Kritisiert wurde wiederholt auch, dass sich in manchen Schulräumen die Fenster gar nicht richtig öffnen lassen.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung, Joachim Maiß, sagte am Donnerstag: «Bei Herbststürmen und Schlagregen kann man nicht stoßlüften, ohne die Klassenräume zu fluten und Erkältungskrankheiten unter allen Anwesenden Vorschub zu leisten.» Die Kultusminister setzten Lehrkräfte und Schüler Gefahren aus, die auf offener Straße mit Bußgeldern belegt würden - «ganz so, als ob es das Virus in den Schulen nicht gäbe». Wenn man nicht in wirksame Filtertechnik investieren wolle oder könne, brauche man «einen verlässlichen Mix aus Präsenz- und Onlineunterricht».

Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, forderte Schritte wie in Bayern. Dort hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angekündigt, den Kommunen 50 Millionen Euro zum Kauf von Raumlüftern und Filtern in Schulen und Kitas zur Verfügung zu stellen. Lin-Klitzing sprach sich zudem für Plexiglaswände zwischen den Schülern und für die Lehrkräfte aus. Der Deutsche Lehrerverband hatte Lüftungsanlagen und CO2-Messgeräte gefordert, die anzeigen, wann dringend gelüftet werden muss.

Corona-Krise: Schüler aus 172 Klassen müssen zu Hause bleiben

Dass der Schulbetrieb nach dem Sommer nicht reibungslos anläuft, war abzusehen. Einige Schüler werden wegen Corona schon kurz nach dem Schulstart wieder nach Hause geschickt. Ein Problem ist auch dicke Luft in den Klassenzimmern.

Knapp zwei Wochen nach dem Start des neuen Schuljahres sind 172 Schulklassen im Südwesten aus dem Präsenzunterricht genommen worden. An 128 Standorten werden die Klassen wegen einer Infektion mit dem Coronavirus oder dem Verdacht einer Infektion vorübergehend nur im Fernunterricht unterrichtet, wie das Kultusministerium am Donnerstag mitteilte. Drei Schulen in Ulm, Friedrichshafen und Schorndorf seien vorerst vollständig geschlossen. Zuvor hatte die «Stuttgarter Zeitung» berichtet. In Baden-Württemberg gibt es rund 67 500 Klassen an 4500 Schulen.

Die Landtagsgrünen fordern einen wissenschaftlich begleiteten Modellversuch für Luftfilter, um die Ansteckungsgefahr in Schulen und Kitas zu verringern. «Die Kultusministerin muss jetzt schnelle Vorarbeit leisten, bevor in den Wintermonaten noch mehr Schulklassen zu Hause bleiben müssen», sagte der technologiepolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Poreski, am Donnerstag. Man müsse herausfinden, inwieweit Luftreiniger geeignet sind, in Klassenzimmern und Kitaräumen für eine effektive Verbesserung der Luft zu sorgen. Es müsse etwa geklärt werden, ob die Geräte eine Strömung erzeugen, die Aerosole schneller zu Boden bringen und eine Ausbreitung der Viren mindern. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) müsse Vorbereitungen für technische Nachbesserungen an Schulen und Kitas treffen.

Bei der CDU-Fraktion zeigte man sich verwundert über die Forderung des Koalitionspartners. Man habe so einen Modellversuch schon vor Wochen gefordert, zuständig sei dafür das Sozialministerium, teilte ein Sprecher mit. «Das grün geführte Sozialministerium hat damals eher abwiegelnd reagiert und auf Empfehlungen des Umweltbundesamtes verwiesen, das Geräte zur Säuberung der Raumluft in Klassenzimmern eher nicht für angezeigt hält.»

Aerosole sind flüssige Partikel, die stundenlang in einem Raum schweben können und bei Einatmung tief in die Lunge vordringen. Sie gelten als ein Haupttreiber der Corona-Pandemie. Wenn sich im Herbst und Winter das private und öffentliche Leben vermehrt in geschlossene Räume verlagert, sei es von erheblicher Bedeutung, die Ausbreitung der Aerosole einzudämmen, hieß es am Donnerstag aus dem Staatsministerium. Die Raum- und Luftverhältnisse beeinflussten das Infektionsrisiko entscheidend. Wissenschaftsministerium und Sozialministerium sollen deshalb nach einem Beschluss der Lenkungsgruppe einen multidisziplinären Expertenkreis einberufen, um neue Erkenntnisse über Aerosole zu gewinnen und damit das Risiko einer zweiten Corona-Welle einzudämmen.

Corona-Schnelltests kommen - doch was können sie wirklich?

Schnelltests erlauben einen Corona-Nachweis mit relativ wenig Aufwand. Erste Produkte werden erprobt und bereits eingesetzt. Was können die Tests leisten - und was nicht?

Vor dem Unterricht, dem Besuch in einer Pflegeeinrichtung oder einem Kino: Wenn Menschen zügig und zuverlässig auf das Coronavirus getestet werden könnten, wäre es möglich, Infektionen einfach zu erkennen. Dies versprechen sogenannte Antigentests. Sie sind vergleichsweise schnell und unkompliziert. Erste Produkte sind bereits auf dem Markt.

Anders als die üblicherweise durchgeführten PCR-Tests suchen Antigentests in Abstrich-Proben nicht aufwendig nach dem Erbgut des Virus, sondern nach Molekülen, die charakteristisch für die Viren sind. Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest wird auf einem Teststreifen angezeigt, ob das gesuchte Molekül gefunden wurde und die Person positiv ist oder nicht.

In den vergangenen Wochen und Monaten wurden zahlreiche Antigentests entwickelt und erprobt - so etwa in der Berliner Charité. Die Ergebnisse sähen gut aus, sagte der dortige Virologe Christian Drosten kürzlich im NDR-Podcast «Das Coronavirus-Update». Etwa am Eingangstor von Seniorenwohnheimen könnten sie «unglaublich viel Gutes» bewirken: Sie brächten die Möglichkeit mit sich, harte Besuchseinschränkungen verhindern zu können.

Zwar erkennen Antigentests eine Infektion insbesondere in den Anfangstagen und im späteren Verlauf deutlich weniger zuverlässig als die PCR-Methode, welche selbst kleinste Mengen des Erbguts korrekt anzeigen kann. Doch die Ergebnisse der aufwendigeren und teureren PCR-Tests sind im Normalfall erst frühestens nach einem Tag verfügbar. Und: In der infektiösen Phase können die Schnelltests das Virus laut Drosten recht sicher erkennen - daher könnten sie ein schnelles und pragmatisches Verfahren darstellen, um zu erkennen, ob eine Person hochansteckend ist.

An einigen deutschen Kliniken kommen die Schnelltests bereits zum Einsatz: So etwa an der Uniklinik Heidelberg, die einen Antigen-Test der Firma SD Biosensor verwendet. Die HNO-Klinik nutzt den Schnelltests laut einer Sprecherin bei Eingriffen im Nasen-Rachenraum – bei Notfall-Patienten und bei Patienten, die stationär aufgenommen werden möchten, aber kein gültiges Testergebnis vorweisen können. Auch der Helios-Konzern setzt an einzelnen Klinikstandorten die Antigen-Schnelltests ein – allerdings nur im Bereich von Notaufnahmen, sofern ein sehr schnelles Test-Ergebnis dringend benötigt wird.

Erst vor wenigen Tagen kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit Blick auf die kalte Jahreszeit für Mitte Oktober unter anderem eine neue Corona-Teststrategie an. Teil dieser Strategie sollen Schnelltests werden, weil sie mittlerweile auch qualitativ besser seien. So könnten beispielsweise Besucher von Pflegeheimen schnell getestet werden, um direkt ein Ergebnis zu erfahren.

In einem Eilverfahren wurde in den USA im August ein Antigentest des Konzerns Abbott zugelassen, der auch das für den Marktzugang in Europa nötige CE-Kennzeichen erhalten hat.

Die Firma Roche teilte am Mittwoch mit, ihr neuer Antigentest sei nun in Deutschland erhältlich. Allerdings werden die Tests nicht für jedermann angeboten, sondern sie sollen nur von medizinischem Personal angewandt werden. Laut einer Roche-Sprecherin ist der Grund die Probenahme: «Hierfür muss ein Abstrichtupfer tief in den Nasen-Rachenraum eingeführt werden, denn nur so kann aussagekräftiges Material gewonnen werden.» Auch Tests der Firma Nal von Minden aus Moers sind nur für die Anwendung durch medizinisches Fachpersonal vorgesehen.

«Es handelt sich nicht um einen Heimtest», erklärt auch Abbott zu seinem Produkt. Da Covid-19 eine hoch ansteckende Krankheit ist, verbiete das Infektionsschutzgesetz es, Heimtests für Laien zu entwickeln oder zu verkaufen. Tatsächlich sieht dieses vor, dass Infektionskrankheiten wie Covid-19 nur von Ärzten festgestellt werden. Auch die Medizinprodukte-Abgabeverordnung schreibt vor, dass die Tests nur an Ärzte, Kliniken und Gesundheitsbehörden abgegeben werden dürfen, außer wenn das Robert Koch-Institut eine befristete Ausnahme genehmigt hat.

In Hessen soll eine Studie nun die Anwendung der Tests durch Laien erforschen. Rund 1000 Lehrer sollen jeden zweiten Tage selbst Abstriche bei sich vornehmen und diese mittels Schnelltest untersuchen. So soll einerseits der Selbsttest erprobt, andererseits aber auch Infektionen an Schulen erkannt werden. Eingesetzt wird ein Test des Darmstädter Unternehmens R-Biopharm.

Antigen-Schnelltests «sind schnell und unkompliziert im Prinzip von jeder Person und überall durchzuführen», erklärte Hessens Sozialminister Kai Klose. Das Prozedere für den Test dauert 20 Minuten und ist erheblich komplexer als ein Schwangerschaftstest. Nach dem Abstrich, der in der Nase erfolgen soll, muss das im Tupfer befindliche Sekret aufbereitet und mit verschiedenen Flüssigkeiten vermischt werden, wie in einem Erklärvideo des Herstellers zu sehen war. Nach zwei Warteperioden von je 10 Minuten zeigt der Teststreifen entweder nur einen Strich zur Kontrolle an, dann ist der Test negativ - oder zwei Striche, wenn er positiv ausfällt.

Volle Schulbusse während Corona-Pandemie im Fokus des Landtags

Wie groß sind die Corona-Gefahren im Schulbus? Masken bieten den Kindern laut Landesregierung Schutz vor einer Ansteckung. Die SPD fordert zusätzliche Busse.

Mit den Gefahren einer Corona-Infektion in engbesetzen Schulbussen hat sich Schleswig-Holsteins Landtag auseinandergesetzt. Die SPD fordert, mehr Schulbusse einzusetzen. Was bringe der Unterricht in Kohorten, wenn der Schulbus auf dem Land nur einmal am Morgen fahre, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Kai Vogel während der Debatte am Donnerstag. Es müsse darum gehen, die Zahl der Neuinfektionen in Schleswig-Holstein so gering wie möglich zu halten.

Für die Schülerbeförderung sind im Norden die Kreise und kreisfreien Städte zuständig. «Eng an eng steht man in den Bussen», sagte Vogel. Weil sie teilweise Schulwege von mehr als 20 Kilometern hätten, seien viele Schüler auf Fahrten mit dem Schulbus angewiesen. Derzeit stünden Busse teilweise ungenutzt herum. «Wenn wir dieser Branche nicht das Ende bereiten wollen, müssen wir denen doch ohnehin helfen.» Schon Ende August hatte das private Omnibusgewerbe angekündigt, für den Schulbusverkehr stünden insgesamt rund 100 Reisebusse kurzfristig und landesweit bereit.

Nach Angaben der Landesregierung wäre es mit 100 Bussen aber ohnehin nicht getan. «Ja, die Busse sind unbestreitbar voll», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Dort schütze aber auch die Maske. Wenn es darum gehe, jedem Schüler einen Sitzplatz im Bus zu verschaffen, «brauchen wir 1000 zusätzliche Busse». Bei Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern seien sogar 2000 nötig. Das würde 30 Millionen Euro pro Jahr kosten.

Ähnlich argumentierte die Grünen-Abgeordnete Ines Strehlau. Um jedem Schüler einen Sitzplatz zu sichern, müsste beispielsweise der Kreis Segeberg die Zahl der Busse von aktuell 150 verdoppeln. «Diese Kosten können sich weder die Kommunen noch das Land leisten.» Derzeit scheine ein ausreichender Schutz der Schüler in Bussen vorhanden zu sein. Schulbusse seien «kein Hotspot für eine Ansteckung mit Covid-19».

Thema der Debatte war auch ein Antrag der AfD zur Maskenpflicht an den Schulen. Deren Bildungspolitiker Frank Brodehl verwies auf psychologische Folgen des Maskenzwangs wie Schlafstörungen und Waschzwänge oder Bindungsstörungen. «Kinder spüren sehr genau, was für Ängste sich in unserer Gesellschaft entwickeln.» Die Masken seien nicht zuletzt auch «ein Ausdruck des Panikmodus». Deshalb sollten Masken nicht zur neuen Normalität für die Kinder werden.

Bildungsministerin Prien entgegnete, das nördlichste Bundesland sei bisher vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen. Das Infektionsgeschehen steige an, sei aber nach wie vor niedrig. Prien verwies auf das Präventionsparadox: Wegen der niedrigen Fallzahlen stelle ein Teil der Menschen die Notwendigkeit der Beschränkungen infrage. «Von Panikmodus an unseren Schulen kann keine Rede sein.» Die AfD versuche, ein Problem herbeizureden.

Lehrer und Erzieher können sich länger auf Corona testen lassen

Lehrer und Erzieher können sich länger als zunächst geplant zwei Mal kostenfrei und freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Das Zeitfenster, in dem dies für das gesamte Personal an Schulen, Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege gelte, werde bis zum 1. November verlängert, teilte das Kultusministerium am Donnerstag in Stuttgart mit. Die Tests seien wie bisher auch ohne Symptome möglich, das Land übernehme bis zum Ende der Herbstferien die Kosten. «Damit können sie auch noch die ersten kühleren Tage abwarten, bevor sie sich testen lassen und ihre Tests gezielt wahrnehmen», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Ursprünglich galt dieses Angebot, das sich auch an Hausmeister, Schulsekretärin sowie alle weiteren Beschäftigten richtet, seit Mitte August und noch bis Ende September. Nach dem 1. November soll laut Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) ermittelt werden, wie viele Menschen von der Testmöglichkeit Gebrauch gemacht haben. «Diese Informationen und die weitere Beobachtung des Infektionsgeschehens im Umfeld von Schulen und Kitas werden uns Aufschlüsse für die weitere Teststrategie des Landes Baden-Württemberg geben», erklärte Lucha.

Von Oktober an sollen zusätzlich sogenannte Sentineltests starten, in je zwei Kitas und Schulen pro Regierungspräsidium. Das diene dazu, das Infektionsgeschehen zu beobachten und frühzeitig Hinweise auf bestimmte Entwicklungen zu bekommen. Sentinelerhebungen beruhen auf freiwilliger Mitarbeit, Daten werden als Nebenprodukt der gesundheitlichen Vorsorge oder Versorgung erfasst.

«Wir sind immer noch dabei, das Coronavirus zu verstehen und mehr Informationen über dessen Verbreitung zu gewinnen. Hier hilft uns das Sentinelverfahren und wird uns zusätzliche Informationen bringen, die wir dann nutzen können, um unsere Strategien im Umgang mit dem Coronavirus weiter zu verbessern», sagte Lucha.

 

23.09.2020.05.00 Uhr

GEW-Chefin für Maskenpflicht im Unterricht

Im Kampf gegen eine Verbreitung des Coronavirus hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft eine generelle Maskenpflicht in Schulen gefordert. «Die meisten Lehrkräfte finden eine Maskenpflicht auch im Unterricht eher hilfreich. Diesen Schutz muss man ihnen bieten», forderte die Vorsitzende Marlis Tepe in der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch). Pädagogisch sei dies zwar nicht sinnvoll, «aber es schützt Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern».

Derzeit gibt es in den meisten Bundesländern eine Maskenpflicht in Schulgebäuden, nicht aber im Unterricht. Die Kultusministerkonferenz hatte Anfang September festgestellt, dass die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung von den Ländern in Abhängigkeit vom jeweiligen Infektionsgeschehen ausgesprochen und bei Bedarf in Absprache mit den zuständigen Gesundheitsbehörden auf den Unterricht ausgeweitet werden könne.

Tepe forderte weiter Gefährdungsbeurteilungen für jede Schule und ein bundesweit einheitliches Konzept für das Lüften der Unterrichtsräume. «Es gibt marode Schulen, in denen nicht einmal die Fenster geöffnet werden können. Da muss es Alternativlösungen geben», sagte die GEW-Chefin der Zeitung.

Land sagt Hilfe bei Beförderung der Schüler in Corona-Pandemie zu

Hessens Landesregierung sagt den Kommunen bei der Beförderung der Schüler in der Corona-Pandemie Unterstützung zu. Sollte durch eine Entzerrung der Anfangszeiten in der Schule keine ausreichende Entlastung für die vollen Bussen erreicht werden, sei Schwarz-Grün grundsätzlich zu Hilfen zwischen den Herbst- und Osterferien bereit, erklärte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) in einem Schreiben an den Landrat des Wetteraukreises, das der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden vorliegt.

Darin brachte der Minister den Einsatz zusätzlicher Fahrzeuge und Reisebusse sowohl im freigestellten Schüler- als auch im Linienverkehr ins Spiel. Die genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen für einen unkomplizierten Einsatz dieser Fahrzeuge seien von seinem Haus mit dem Kultusministerium und den Regierungspräsidien bereits abgestimmt worden. Die Weichen für eine kurzfristige finanzielle Förderung seien ebenfalls gestellt.

Da die Situation und die Anforderungen in den Kommunen sehr unterschiedlich sind, wurde nach Angaben des Ministers eine Abfrage in die Wege geleitet, um den Bedarf an zusätzlichen Bussen zu prüfen. Erste Antworten deuteten auf ein sehr differenziertes Bild hin. Die Staffelung der Schulanfangszeiten sei teilweise schon sehr erfolgreich und sollte von den Schulträgen für alle ihre Schulen geprüft werden.

Al-Wazir betonte in seinem Schreiben an CDU-Landrat Jan Weckler, dass die Landkreise, kreisfreien Städte und Sonderstatusstädte sowohl Aufgabenträger für den ÖPNV als auch Träger der Schulen seien. Der Landesregierung sei aber gerade mit Blick auf die bevorstehende Herbst- und Winterzeit die gemeinsamen Verantwortung bewusst, für die Schüler den Weg zur Schule möglichst sicher zu gestalten.

Der Landrat hatte sich zuvor in einem Schreiben an den Verkehrsminister gewandt und gebeten, den Einsatz von Reisebussen im Linienverkehr dafür zu prüfen. «In Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist dies schon der Fall. Ich wäre froh, wenn das auch in Hessen, und damit auch im Wetteraukreis möglich wäre.» Als Grund für sein Schreiben an die Landesregierung nannte der Landrat die seit Schuljahresbeginn wieder zum Teil übervollen Busse im Morgenverkehr.


22.09.2020 18.00 Uhr

Niedersachsen für Präsenzunterricht an Schulen mit viel Frischluft

Um flächendeckende Schulschließungen zu vermeiden, soll das Thema Frischluft in Gebäuden noch mehr Bedeutung bekommen. Das Thema Lüften auch bei schwierigen Witterungsverhältnissen sei dabei zentral, betonte Kultusminister Grant Hendrik Tonne nach dem Schulgipfel am Montag im Kanzleramt. «Wir in Niedersachsen orientieren uns dabei an der Faustformel 20-5-20: 20 Minuten Unterricht 5 Minuten Stoßlüften und 20 Minuten Unterricht.» Dieser Rhythmus lasse sich gut in den Ablauf einer Schulstunde integrieren. So könne der Präsenzunterricht auch in der kalten Jahreszeit trotz Corona gelingen.

Das Gespräch habe gezeigt, dass ein konstruktiver Austausch und konkrete Ergebnisse möglich seien, ohne den Bildungsföderalismus in Frage zu stellen, betonte der SPD-Politiker am Dienstag. «Wir müssen das aufgenommene Tempo aber hochhalten und dürfen nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Es gibt zu Recht die hohe Erwartungshaltung, dass die Rahmenbedingungen für Schule und zeitgemäßen Unterricht zügig verbessert werden.»

So müsse man raus aus der Kreidezeit und rein ins digitale Klassenzimmer. Der Bund werde sehr zügig weiteres Geld zur Verfügung stellen, 500 Millionen Euro für Lehrer-Endgeräte und 500 Millionen Euro für den Bereich Administration und Qualifizierung. «Damit können wir in Niedersachsen erneut mit zweimal rund 50 Millionen Euro rechnen. Nach den rund 50 Millionen Euro für Endgeräte für bedürftige Schülerinnen und Schüler sind dies weitere relevante Summen, um den Ausbauprozess zusätzlich zu beschleunigen», ergänzte der Minister. Ein weiteres gutes Signal sei die 10-Euro-Schüler-Bildungsflatrate für bedürftige Schüler.

Für den Landeselternrat bleibt das Ganze ein «Flickwerk am unzureichend ausgestalteten Regelbetrieb, wenn nicht endlich finanzielle Mittel in wirklich angemessener Höhe von Bund und Ländern in die Hand genommen werden, um unser marodes Bildungssystem insgesamt zu stabilisieren». Die Elternvertreter stellen zudem infrage, ob das Lüften allein die Infektionszahlen niedrig halten kann. Die TU Berlin habe eine Studie veröffentlicht, wonach sich die gefährlichen Aerosole in voll besetzten Klassenzimmern innerhalb von zwei Minuten im gesamten Raum ausbreiten könnten, schrieb die Elternvertretung.

«Ob das von Minister Tonne vorgeschlagene Lüftungskonzept 20-5-20 das Infektionsrisiko im vertretbaren Rahmen senken kann, ist aus Sicht der Elternschaft fraglich.» Ein weiterer Aspekt sei auch, dass sich in vielen Klassenzimmern die Fenster nicht oder nicht vollständig öffnen ließen.

Prien zieht positive Bilanz des Schul-Gipfels von Bund und Ländern

Laptops für alle Lehrer, günstige Daten-Flatrates für Schüler: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Prien zeigt sich zufrieden mit den Ergebnissen des Schul-Gipfels im Kanzleramt - und dringt auf eine schnelle Umsetzung des Digitalpaktes. Die SPD äußert Zweifel.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat eine positive Bilanz des Schulgipfels von Bund und Ländern gezogen. Der Termin am Montagabend mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und den Kultusministern der Länder im Kanzleramt «hat uns alle weitergebracht», sagte Prien am Dienstag in Kiel. «Die Ausstattung der Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten werden wir zügig umsetzen können und auch die Sicherstellung von Administratoren für die digitale Infrastruktur an den Schulen ist auf einem guten Weg.» Die SPD äußerte Zweifel am Durchsetzungsvermögen Priens.

Bei einem Treffen bereits im August war im Kanzleramt grundsätzlich vereinbart worden, Dienstlaptops für die 800 000 Lehrer in Deutschland anzuschaffen. Vom Bund gab es nun am Montag die Zusage, die dafür veranschlagten 500 Millionen Euro schneller als geplant bereitzustellen. Bekräftigt wurde außerdem, dass sich der Bund mit 500 Millionen Euro an den Kosten zur Ausbildung und Finanzierung von IT-Administratoren beteiligen will, die sich um die Technik an den Schulen kümmern sollen. Zudem wurde der Aufbau einer bundesweiten Bildungsplattform und sogenannter digitaler Kompetenzzentren verabredet, in denen Lehrer für die Arbeit mit digitalen Unterrichtsmitteln weitergebildet werden sollen.

«Die Bildung von Kompetenzzentren für digitales und digital unterstütztes Unterrichten wird den Schulen konkret weiterhelfen», sagte Prien. «Die Planungsressourcen der Schulträger müssen jetzt gebündelt werden, damit alle Schulen ans Netz kommen und der Digitalpakt schnellstmöglich umgesetzt werden kann!», sagte Prien. Insgesamt zeige sich, dass die digitale Bildungsgerechtigkeit ein gemeinsames Anliegen aller Beteiligten sei.

Fortschritte gibt es nach Angaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) beim Thema Daten-Flatrate für Schüler. Es solle eine Flatrate geben für alle Schüler für zehn Euro pro Monat. Für bedürftige Schüler soll der Tarif kostenlos sein, finanziert aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket für Familien mit geringem Einkommen. Prien hatte vor dem Treffen im Kanzleramt betont, «wir benötigen dringend mobile Datentarife mit sozialverträglichen Preisen für alle Schülerinnen und Schüler, damit die Ausstattung zuhause nicht über den Bildungserfolg entscheidet.»

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat kritisierte Priens Handlungskompetenz. Noch im September habe die Ministerin die Frage nicht beantworten können, wie bei den Endgeräten für Lehrkräfte die Datensicherheit gewährleistet werden und wie der Zugang zum Landesnetz organisiert werden solle - «hoffentlich nicht mit der privaten Mailadresse», meinte Habersaat.

Solche Antworten müssten die Länder jetzt schnell finden. Und auch der Zugang der Schulen zum schnellen Internet müsse zügig vorangebracht werden. Schleswig-Holstein sei relativ weit beim Anschluss der Schulen ans Glasfasernetz. «Dennoch musste unsere Landesregierung gerade einräumen, dass entgegen anderslautender Ankündigungen in dieser Wahlperiode nicht alle Schulen ans schnelle Netz angeschlossen werden können». Vielleicht helfe ja der Schubs vom Bund hier ebenso wie beim nötigen Ausbau der Ganztagsschulen.

Sachsen weitet kostenlose Corona-Tests aus

Mehr Menschen als bisher können sich in Sachsen kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Das Angebot gilt für Ärzte oder Praxis-Mitarbeiter, die selbst Tests vornehmen und Menschen, die sich in eine Pflege- oder Reha-Einrichtung begeben.

Von Anfang Oktober an können sich in Sachsen weitere Menschen aus dem medizinischen und pflegerischen Bereich kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Wie das Kabinett in Dresden am Dienstag beschlossen hat, können je bis zu vier Mitarbeiter von Arztpraxen, in denen Kinder auf das Virus getestet werden, alle zwei Wochen kostenlose Abstriche machen. Die Praxen bekämen die Labor- und Logistikkosten erstattet. Das Angebot gelte zunächst befristet für drei Monate, teilte das Gesundheitsministerium mit.

«Ganz bewusst unterstützen wir mit dem Test-Angebot für Ärzte Strukturen, die die wichtigen Testungen vornehmen», sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD). Das diene auch dem reibungslosen Betrieb von Kitas und Schulen.

Einmalig kostenlos testen lassen können sich zudem Menschen ohne Symptome mit Wohnsitz in Sachsen, die voll- und teilstationär in sächsische Alten-, Behinderten- oder Pflege-Einrichtungen aufgenommen werden sollen. Das gleiche Angebot gilt für Menschen, die sich zur Behandlung in eine Reha-Einrichtung innerhalb oder außerhalb Sachsens begeben wollen. Bund und Freistaat teilen sich die anfallenden Kosten. Diese Möglichkeit ist zunächst bis Ende des Jahres befristet.

Weiter können sich noch bis Ende September einmalig Mitarbeiter ohne Symptome in stationären und ambulanten Pflege- und Betreuungseinrichtungen, Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflege, Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe sowie Schulsozialarbeit testen lassen. Der Freistaat übernimmt die Kosten für Testung von Reiserückkehrern aus dem Inland oder oder einem Nicht-Risikogebiet im Ausland vor Wiederaufnahme der Tätigkeit, wenn das Urlaubsende nicht länger als 72 Stunden zurückliegt. Für Rückkehrer aus Risikogebieten im Ausland gibt es weiter Testpflicht. Der Bund übernimmt hier die Kosten.

In Sachsen wurden am Dienstag 76 Neuinfektionen gemeldet. Am Montag hatte die Steigerung verglichen mit dem Freitag der Vorwoche noch bei 112 gelegen. Die Zahl der insgesamt Infizierten stieg auf 6796.

Nur wenige Lehrkräfte nicht für Präsenzunterricht verfügbar

Gut einen Monat nach Beginn des neuen Schuljahrs in Rheinland-Pfalz steht nur ein kleiner Teil der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung. Die Zahl der Pädagogen, die nicht dafür eingesetzt werden könnten, weil sie im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus einen schweren Verlauf der Erkrankung befürchten müssten, sei konstant niedrig, sagte der Staatssekretär im Bildungsministerium, Hans Beckmann (SPD), am Dienstag im Fachausschuss des Landtags. Die Sitzung wurde als Videokonferenz organisiert.

Mitte vergangener Woche waren nach Angaben Beckmanns 365 Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte nicht für den Präsenzunterricht verfügbar, darunter 82 an Grundschulen, 68 an Realschulen und 86 an Gymnasien. Je nach Schulart waren 0,7 bis 1,3 Prozent aller Pädagogen nicht in der Schule einsatzbereit. Viele Sorgen zu möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Schulbetrieb hätten sich zum Glück nicht erfüllt, sagte Beckmann.

Nach «Schulgipfel» im Kanzleramt Kritik an Ergebnissen

Bund und Länder wollen bei der Schuldigitalisierung vorankommen und haben bei einem Treffen im Kanzleramt die nächsten Schritte vereinbart. Es bleiben aber Fragen offen und es gibt viel Kritik.

Bildungsgewerkschaften und Elternvertreter haben die Ergebnisse des Schultreffens bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montagabend als zu dürftig kritisiert. Es handele sich lediglich um «Ankündigungen». Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bezeichnete die Gespräche im Kanzleramt dagegen am Dienstag als «wegweisend».

An dem Treffen hatten neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und die Kultusminister von 14 Bundesländern teilgenommen. Die Runde verabredete, bereits geplante Vorhaben zur Schuldigitalisierung nun zügig umzusetzen, damit es im Falle regionaler Schließungen wegen Corona mit dem Fernunterricht besser klappt. Flächendeckende Schließungen soll es nicht mehr geben.

Der Bund engagiere sich so stark wie noch nie, sagte Karliczek mit Verweis auf Mittel, die Berlin den Ländern für die Anschaffung von Lehrerlaptops, Leihgeräten für bedürftige Schüler und für die Ausbildung und Einstellung von IT-Administratoren bereitstellt oder noch bereitstellen will. «Ein Programm in dieser Art, von dieser Art der Zusammenarbeit, hat es in der Geschichte der Bildungsrepublik in Deutschland noch nicht gegeben.»

Der große Wurf sei ausgeblieben, kritisierte dagegen der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann. «Das war ein Schulgipfel der Ankündigungen», sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Stephan Wassmuth, der Vorsitzende des Bundeselternrats, nannte das Treffen eine Enttäuschung und warnte: «Wenn es wegen der Corona-Pandemie wieder zu Schulschließungen kommt, wird wenig besser laufen als im März.»

LEHRER-LAPTOPS 
Die Anschaffung war bereits vereinbart. Beim Treffen im Kanzleramt erklärte sich der Bund nun bereit, zügig 500 Millionen Euro für die Dienstgeräte vorzuschießen. Ursprünglich sollte das Vorhaben aus dem EU-Corona-Aufbaufonds finanziert werden. Den gibt es aber noch gar nicht, deswegen geht der Bund zunächst in Vorleistung. Ziel ist es, noch in diesem Jahr, Hunderttausende Lehrer auszustatten. Verantwortlich für die Anschaffung und Ausgabe sollen Schulen und Schulträger sein.

Falls Schulen geschlossen oder Klassen und Lehrer in Quarantäne geschickt werden, sollen die Lehrer künftig mit Dienstgeräten über sichere Kanäle und funktionierende Lernplattformen mit den Schülern kommunizieren, Online-Unterricht durchführen und Leistungen bewerten können. Das ist zumindest die Idee.

Bildungsgewerkschaften hatten das lange gefordert, ebenso dienstliche Email-Adressen. Das Argument: In der Wirtschaft käme auch niemand auf die Idee, von Angestellten zu verlangen, ihren privaten Rechner zu nutzen. Es geht auch um Datenschutz. Sensible Schülerdaten, wie Noten, Bewertungen, Kommunikation müssen besonders geschützt werden. Bei einem Privatrechner ist das möglicherweise nicht gewährleistet und die Lehrer haften selbst dafür.

SCHUL-ADMINISTRATOREN
Wenn Schulen und Lehrer technisch aufgerüstet werden, muss sich auch jemand um die Technik kümmern. Der Bund bekräftigte, was ebenfalls schon länger vereinbart ist, dass er hierfür 500 Millionen Euro bereitstellen wird. Zwei Möglichkeiten sind angedacht: Entweder stellen die Schulen eine Art «IT-Hausmeister» ein oder beauftragen Firmen damit. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei möglich, dass Administratoren auch mehrere Schulen betreuten. Wichtig seien aber «ortsnahe Kräfte», die schnell an der Schule seien.

SCHÜLER-FLATRATE
Hier berichteten die Teilnehmer des Schulgipfels von Fortschritten. Es habe Gespräche mit mehreren Telekommunikationsanbietern gegeben, die nun eine günstige Schüler-Flatrate für diesen Preis anbieten wollten. «Die zehn Euro pro Monat sind gesetzt», sagte die Bundesbildungsministerin am Dienstag. Für Schüler aus Familien mit geringem Einkommen soll die Monatsgebühr vom Staat übernommen werden. Wann die Tarife bei welchem Anbieter zur Verfügung stehen und wie das konkret ausgestaltet wird, blieb am Dienstag aber weiter unklar.

SCHULSCHLIESSUNGEN
Bei diesem Thema wurde Karliczek nach dem Schultreffen deutlich: «Eine weitere flächendeckende Schulschließung kommt nicht infrage», sagte sie. Wichtig sei, dass regional das Infektionsgeschehen im Griff behalten werde.

In mehreren Bundesländern sind seit Beginn des neuen Schuljahres wegen Corona-Fällen Schulen bereits vorübergehend wieder geschlossen oder Klassen in Quarantäne geschickt worden. Das bayerische Kultusministerium hatte etwa zu Wochenbeginn mitgeteilt, dass sich im Freistaat derzeit mehr als 8800 Schüler und 771 Lehrer in Quarantäne befänden.

WEITERE BAUSTELLEN
Damit der Schulbetrieb auch in der kalten Jahreszeit weiterlaufen kann, fordern Lehrervertreter und Bildungsgewerkschaften Maßnahmen für Frischluft, um Corona-Ansteckungen durch sogenannte Aerosole - kleine Schwebeteilchen - zu verhindern. Der Lehrerverband bemängelt immer wieder, dass sich viele Fenster in den Schulen nur spaltweise öffnen ließen und fordert Lüftungsanlagen und CO2-Messgeräte, die anzeigen, wann dringend gelüftet werden muss.

Für diesen Mittwoch hat die Kultusministerkonferenz der Länder eine Expertenanhörung geplant, um darüber «auf Grundlage wissenschaftlicher Expertise beraten zu können», wie die KMK-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) ankündigte.

Karliczek: Flächendeckende Schulschließung «kommt nicht infrage»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat sich nach dem Kanzleramtstreffen zur Lage der Schulen in der Corona-Pandemie deutlich gegen erneute flächendeckende Schulschließungen ausgesprochen. Wichtig sei, dass regional das Infektionsgeschehen im Griff behalten werde, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin. Das sei das Ziel. «Eine weitere flächendeckende Schulschließung kommt nicht infrage. Ist aber auch, glaube ich, überhaupt nicht nötig.»

In mehreren Bundesländern waren seit Beginn des neuen Schuljahres wegen Corona-Fällen Schulen wieder vorübergehend geschlossen oder Klassen in Quarantäne geschickt worden. Das bayerische Kultusministerium etwa hatte am Montag mitgeteilt, dass sich im Freistaat derzeit mehr als 8800 Schüler und 771 Lehrer in Quarantäne befänden.

Karliczek bezeichnete den Schulgipfel am Montag im Kanzleramt als «wegweisend». Der Bund engagiere sich so stark wie noch nie, sagte sie mit Verweis auf Mittel, die Berlin den Ländern für die Anschaffung von Lehrerlaptops, Leihgeräten für bedürftige Schüler und für die Ausbildung und Einstellung von IT-Administratoren bereitstellt oder noch bereitstellen will. «Ein Programm in dieser Art, von dieser Art der Zusammenarbeit, hat es in der Geschichte der Bildungsrepublik in Deutschland noch nicht gegeben.» Die Digitalisierung der Schulen werde nicht über Nacht wirklich werden, aber man wolle Tempo machen. «Mittelmaß kann nicht unser Anspruch sein. Wir müssen besser werden und wir werden besser werden.»

Karliczek hatte am Abend bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und den Kultusministern der Länder über weitere Schritte zur Digitalisierung der Schulen beraten. Dabei verabredeten die Teilnehmer, bereits geplante Vorhaben zur Lehrerfortbildung, zur Beschäftigung von Technikern an den Schulen, zur Anschaffung von Dienstgeräten und zum Anschluss der Schulen an schnelles Internet voranzutreiben.

21.09.2020 23.00 Uhr

«Schulgipfel» vereinbart schnelle Anschaffung von Lehrerlaptops

Bund und Länder wollen die Schuldigitalisierung unter dem Eindruck der Corona-Krise vorantreiben. Bei einem Treffen im Kanzleramt wurde am Montagabend dafür eine weitere Finanzzusage gemacht. Konkrete Beschlüsse gab es ansonsten nicht.

Die 800 000 Lehrer in Deutschland sollen möglichst zügig ihre versprochenen Dienstlaptops bekommen. Bei einem Treffen am Montagabend im Kanzleramt verabredeten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und die Kultusminister aus 14 Ländern entsprechende Schritte zur Finanzierung. «Ausdrücklich zu begrüßen ist die Bereitschaft der Bundesregierung, noch in diesem Jahr die Beschaffung der Endgeräte für Lehrkräfte zu ermöglichen», sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) nach dem Gespräch.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr, will der Bund die für die Lehrergeräte veranschlagten 500 Millionen Euro zunächst vorstrecken, damit die Anschaffung schneller geht. Erst nachträglich soll die Finanzierung dann, wie von der großen Koalition ursprünglich vereinbart, aus dem 750 Milliarden Euro schweren Corona-Aufbaufonds der EU erfolgen, den die EU-Mitglieder vereinbart hatten. Dieser Fonds muss erst noch aufgebaut werden.

Bekräftigt wurde bei dem Treffen im Kanzleramt außerdem, dass sich der Bund mit 500 Millionen Euro an den Kosten zur Ausbildung und Finanzierung von Administratoren, die sich um die Technik an den Schulen kümmern sollen, beteiligen will. Nach früheren Angaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ist die entsprechende Vereinbarung dazu schon «fast unterschriftsreif».

Fortschritte gibt es der CDU-Politikerin zufolge beim Thema Daten-Flatrate für Schüler. Eine solche Zehn-Euro-Flatrate hatten Merkel und einige Ländervertreter im August bei ihrem ersten Schultreffen vereinbart. Sie habe mit einigen Telekommunikationsanbietern gesprochen, andere hätten sich dem angeschlossen, «so dass es eine Flatrate geben soll, für alle Schüler, einen Datentarif für zehn Euro pro Monat», sagte Karliczek nach dem Treffen im Kanzleramt. Für bedürftige Schüler soll der Tarif kostenlos sein, finanziert aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt.

Zudem wurde der Aufbau einer bundesweiten Bildungsplattform und sogenannter digitaler Kompetenzzentren verabredet, in denen unter anderem Lehrer für die Arbeit mit digitalen Unterrichtsmitteln weitergebildet werden sollen. Dies hatten Union und SPD allerdings auch schon bei ihrem Koalitionstreffen Ende August vereinbart.

Kritik kam vom Verband Bildung und Erziehung. «Der große Wurf ist heute ausgeblieben», sagte der Vorsitzende Udo Beckmann. Er sprach von Absichtserklärungen und fehlendem Bewusstsein für die notwendige Geschwindigkeit. Der Verband hatte, wie auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, neben dem Thema Digitalausstattung auch auf Fortschritte beim Infektionsschutz mit Blick auf die kalte Jahreszeit gedrängt und einheitliche Regeln für den möglichen Einsatz von Luftfiltern und Kohlendioxid-Messgeräten gefordert.

KMK-Präsidentin Hubig kündigte nach dem Treffen im Kanzleramt für diesen Mittwoch ein Gespräch mit Experten zum Thema Lüftungshygiene an, «um auf Grundlage wissenschaftlicher Expertise beraten zu können».

Die Beratungen im Kanzleramt standen auch unter dem Eindruck gestiegener Infektionszahlen in Deutschland und in den europäischen Nachbarländern. In mehreren Bundesländern waren seit Beginn des neuen Schuljahres wegen Corona-Fällen vereinzelt Schulen wieder vorübergehend geschlossen oder Klassen in Quarantäne geschickt worden. «Bund und Länder sind gemeinsam entschlossen, eine erneute flächendeckende Schließung der Schulen nach Möglichkeit zu verhindern», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert nach dem Treffen.

Im Frühjahr waren die Schulen wochenlang geschlossen. Bis zu den Sommerferien gab es danach meist nur eingeschränkten Betrieb. Dabei waren die Defizite bei der Digitalisierung der Schulen deutlich geworden. Fernunterricht und Kommunikation auf elektronischem Wege funktionierten während der Schulschließungen nur bedingt. Bildungsgewerkschaften hatten darauf verwiesen, dass es in manchen Haushalten keinen Computer gibt und außerdem bemängelt, dass Lehrer ihre Privatrechner nutzen müssen und dabei Gefahr laufen gegen Datenschutzbestimmungen zu verstoßen, wenn sie darauf sensible Schülerdaten, wie Noten, Zeugnisse oder Bewertungen speichern.

 

Baerbock fordert vor Schulgipfel Belüftungskonzepte

Vor dem Schulgipfel im Kanzleramt hat Grünen-Chefin Annalena Baerbock Belüftungskonzepte für alle Schulen sowie einen Bürokratie-Abbau für eine schnellere Digitalisierung gefordert. Schulen müssten beim Pandemieschutz jetzt Priorität haben, sagte Baerbock nach einer Sitzung des Grünen-Vorstands in Berlin. Es müsse beim Gipfel am Montagabend sichergestellt werden, dass in den nächsten Wochen Lüftungskonzepte in allen Schulen umgesetzt und Filteranlagen eingebaut würden. Schulen bräuchten eine Pauschalgenehmigung, um schnell Geld aus dem «Digitalpakt» zu bekommen, über den der Bund die Digitalisierung mitfinanziert.

Jedes Kind, auch in Quarantäne, müsse den Unterricht übers Internet verfolgen können, forderte Baerbock. Dazu gehöre W-Lan in jedes Klassenzimmer, außerdem müsse sichergestellt sein, dass jedes Kind ein Gerät dafür zur Verfügung habe - etwa einen Laptop.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und die Kultusminister der Länder wollten am Montagabend über die Lage an den Schulen in Corona-Zeiten beraten.

Elternvertreter: Schulen nicht besser vorbereitet als im März

Viele Eltern befürchten steigende Infektionszahlen an den Schulen in der kalten Jahreszeit. Drohen dann wieder Schließungen?

Die Infektionszahlen in Berlin steigen und Berlins Elternvertreter sehen der Corona-Pandemie in Herbst und Winter, wenn die Möglichkeiten für den Aufenthalt im Freien abnehmen, mit großen Sorgen entgegen. «Die Schulen sind nicht besser vorbereitet als im März», sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Beim digitalen Lernen und dem Arbeiten mit Lernplattformen habe es zu wenig Fortschritte gegeben. «Schulen, die das während des Lock-downs sehr gut gemacht haben, werden das auch weiter sehr gut machen», sagte Heise. «Aber das sind Schulen, die sich da schon in den letzten Jahren gut aufgestellt haben und entsprechende Technik und schnelle Internetanschlüsse haben.»

«Die Schulen, die das im März noch nicht hatten, die haben das jetzt auch nicht. Da sind wenige Schulen dabei, die ihre IT-Technik so aufstocken konnten, dass man sagt, wir können ruhigen Gewissens schauen, was auch immer da kommt», stellte Heise fest. Die wenigsten Schulen hätten breitbandigen Internetanschluss, um Videokonferenzen anzubieten, so dass man hybriden Unterricht machen könnte - «sprich, eine Gruppe ist zu Hause, die andere ist vor Ort, und beide können dem Unterricht folgen». Dafür fehlten die technischen Voraussetzungen.

Insgesamt sollte aus Sicht der Elternvertreter Unterricht möglichst nicht wieder nach Hause verlagert werden. «Wir müssen darauf schauen, den Schulalltag auch im Herbst und Winter so gut wie möglich geregelt zu bekommen und mit so viel Präsenzunterricht wie möglich», sagte Heise. «Was die Schulschließungen mit sich gebracht haben, haben wir alle erlebt und das wollen wir alle weitestgehend vermeiden.» Wie und nach welchen Kriterien Schulen eventuell geschlossen werden, sei auch ein Thema im von der Bildungsverwaltung eingesetzten Hygienebeirat.

Aktuell ist in Berlin keine Schule komplett geschlossen, es sind aber einzelne Klassen oder Lerngruppen in Quarantäne. Bisher gab es auch noch keine bestätigte Ansteckung innerhalb einer Schule. Die positiv getesteten Personen waren überwiegend Reiserückkehrer oder es gab eine Infektion im privaten Umfeld. Die Berliner Schulen sind mit Beginn des neuen Schuljahrs zum Unterricht in gewohnten Klassengrößen zurückgekehrt, die Abstandsregeln gelten nicht mehr.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), SPD-Chefin Saskia Esken und die Kultusminister der Bundesländer wollten am Abend über die Lage an den Schulen in Corona-Zeiten und über weitere Schritte bei der Digitalisierung der Schulen beraten.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres begrüßte am Montag, dass der Bund gemeinsam mit den Ländern die digitale Weiterentwicklung der Schulen vorantreiben wolle. «Wichtig ist mir, dass wir zum Beispiel bei der Beschaffung von Dienst-Laptops für Lehrkräfte praktische Unterstützung vom Bund erfahren, um diese äußerst sinnvolle Maßnahme möglichst unbürokratisch und zeitnah umsetzen zu können.» Laptops für Lehrer war bereits ein Thema beim vergangenen Treffen der Kultusminister mit der Kanzlerin im August.

Land testet Fiebermessungen in Schulen und Kitas

Aus Sorge vor vermehrten Corona-Infektionen in der bevorstehenden kalten Jahreszeit will Mecklenburg-Vorpommern Fiebermessungen für Kitas und Schulen testen. «Wir werden erproben, ob es Sinn macht, die Kinder vor Beginn von Kita und Schule zu testen», sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Montag nach einer Kabinettsklausur in Schwerin. «Wir werden solche Geräte anschaffen, wissen aber nicht, ob sich Aufwand und Nutzen flächendeckend lohnen. Deshalb starten wir mit einer Pilotphase.» Die Teilnahme sei freiwillig. Ziel ist laut Schwesig, dass pro Landkreis und kreisfreier Stadt eine Kita und eine Schule mitmachen.

Corona und Schulen - Gipfel im Kanzleramt berät über Lage

Vor ein paar Wochen hatte Kanzlerin Merkel das Thema Schulen in der Corona-Zeit zur Chefsache gemacht. Nach einem kleinen Schulgipfel im August kommen nun an diesem Montag die Bildungsminister aus Bund und Ländern, SPD-Chefin Esken und Merkel zu weiteren Beratungen zusammen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat vor Gesprächen über die Schulen im Kanzleramt an diesem Montag (18.00 Uhr) an alle appelliert, die Hygieneregeln einzuhalten und damit zur Aufrechterhaltung des Schulbetriebs in der Corona-Pandemie beizutragen. Schule sei keine isolierte Veranstaltung. «Die Gesellschaft hat es durch ihr Verhalten insgesamt stark in der Hand, wie der Schulbetrieb in den nächsten Monaten laufen wird», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Karliczek, SPD-Chefin Saskia Esken und die Kultusminister der Bundesländer beraten am Abend über die Lage an den Schulen in Corona-Zeiten und über weitere Schritte bei der Schuldigitalisierung. Die Schulschließungen im Frühjahr hatten in dem Bereich viele Defizite offengelegt.

MERKEL: KINDER DÜRFEN NICHT VERLIERER DER PANDEMIE SEIN

Merkel nannte den Termin in ihrem Videopodcast am Wochenende «ein wichtiges Treffen». Zwar liege die Zuständigkeit für die Schulen bei den Ländern, aber es gehe jetzt darum, «gemeinsam alles dafür zu tun, dass Kinder und Jugendliche nicht die Verlierer der Pandemie sind. Dies ist mir auch persönlich ein ganz wichtiges Anliegen».

Vertreter von Bund und Ländern betonten vor den Gesprächen im Kanzleramt erneut, dass flächendeckende Schulschließungen, wie im Frühjahr, vermieden werden sollen. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte der dpa: «Die gesamte Schulfamilie ist sich einig, dass wir den Präsenzunterricht aufrechterhalten und keine Schulschließungen mehr wollen.»

WORÜBER KONKRET GESPROCHEN WIRD

Das Treffen knüpft an ein Gespräch Merkels, Eskens und mehrerer Ländervertreter im August an. Damals wurde unter anderem besprochen, dass für Schüler eine günstige mobile Internetflatrate angeboten werden soll und die Lehrer in Deutschland mit Dienstlaptops ausgestattet werden. Die 500 Millionen Euro für die Dienstgeräte sollen aus dem Corona-Aufbauprogramm der EU finanziert werden. Das gibt es allerdings noch gar nicht. Nach dpa-Informationen könnte es darum gehen, dass Bund und Länder das Geld vorstrecken, damit es schneller geht.

Weitere Themen sind der Anschluss der Schulen an schnelles Internet, die Fort- und Ausbildung von Lehrern und der Aufbau bundesweiter Online-Bildungsinhalte. Esken brachte am Wochenende auch kostenlose Nachhilfe für benachteiligte Schüler ins Gespräch.

WAS WÄHREND CORONA SCHON AUF DEN WEG GEBRACHT WURDE

Das milliardenschwere Förderprogramm «Digitalpakt Schule» (5,5 Milliarden Euro) für den Aufbau der Infrastruktur an den Schulen war im Zuge der Corona-Krise um 500 Millionen Euro vom Bund aufgestockt worden. Mit dem Geld können die Schulen Leihgeräte für bedürftige Schüler anschaffen für den Fall erneuten Fernunterrichts. Außerdem sollen die Ausbildung und Finanzierung von IT-Administratoren in den Förderkatalog des Digitalpakts aufgenommen werden, damit die Technik an den Schulen professionell betreut wird. Eine Entsprechende Vereinbarung zwischen Bund und Ländern ist nach Angaben Karliczeks «fast unterschriftsreif».

LEHRERVERBAND UND BILDUNGSGEWERKSCHAFTEN SEHEN FORTSCHRITTE, ABER...

Der Deutsche Lehrerverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatten zuletzt von Fortschritten bei der Schuldigitalisierung gesprochen. Allerdings sei noch viel Luft nach oben. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte der dpa vor dem Treffen: «Unser Problem ist im Moment nicht das Geld. Unser Problem ist tatsächlich die Umsetzung.» 30 bis 40 000 Schulen und 800 000 Lehrkräfte in Deutschland, da sei ein «dickes Brett» zu bohren. «Auch wenn wir mittlerweile einen wesentlich größeren Bohrer aufgeschraubt haben und die Schlagzahl deutlich erhöht haben, wird das trotzdem noch etwas dauern, bis wir durch das Brett durch sind.»

WEITERGEHENDE FORDERUNGEN VON DGB UND PHILOLOGENVERBAND

Über Schulen und digitale Ausstattung zu reden könne nur ein erster Schritt sein, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke Hannack, der dpa. «Wir brauchen noch in diesem Herbst einen echten Corona-Bildungsgipfel, denn die Corona-Krise trifft Kitas, Schulen, berufliche Bildung, Weiterbildung und Hochschulen gleichermaßen.» Dabei müssten auch die Beschäftigten im Bildungssystem, Eltern, Schüler, Studenten und Azubis zu Wort kommen.

Der Deutsche Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, forderte mit Blick auf wahrscheinlich steigende Ansteckungszahlen im Winter Lüftungskonzepte für alle Schulen. «Das geht von der einfachen Instandsetzung nicht zu öffnender Fenster über mobile Raumlüfter bis hin zu kurzfristigen baulichen Belüftungsmaßnahmen», sagte die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing der dpa. Der Bund müsse entsprechende finanzielle Hilfen dafür bereitstellen.

Zeitung: Rund 7000 Schüler und 580 Lehrer in Quarantäne

Im Zuge der Corona-Pandemie befinden sich nach jüngsten Zahlen des nordrhein-westfälischen Schulministeriums knapp 7000 Schüler und rund 580 Lehrer in Quarantäne. Bei 238 Schülern und 46 Lehrkräften sei eine Infektion mit dem Virus bestätigt worden, berichtete die in Düsseldorf erscheinende «Rheinische Post» (Montag) unter Berufung auf das Ministerium. Vier Schulen seien wegen der Pandemie komplett geschlossen, dazu kämen 106 Teilschließungen.

Das Bildungsministerium hat die Zahlen laut Zeitung in einer Umfrage ermittelt, an der 4510 von 4862 Schulen teilgenommen hätten. Danach waren zuletzt exakt 6987 Schüler und 576 Lehrer in Quarantäne.

Nach Auffassung des Verbandes Lehrer NRW fehlt dem Blatt zufolge ein klares Konzept für den Schulbetrieb in Corona-Zeiten. Vor allem die Abschaffung der Maskenpflicht nach zwei Wochen habe zu massiver Verunsicherung bei Schülern und Lehrern geführt.

Der stellvertretende Verbandsvorsitzende Sven Christoffers kritisierte, dass die Schulen hier alleingelassen würden, weil sie selbst keine verbindlichen Regelungen für eine Maskenpflicht im Unterricht beschließen dürften. «So bleibt es bei freiwilligen Vereinbarungen, die an den allermeisten Schulen eingeführt wurden», zitierte ihn die Zeitung. Von schulischer Normalität sei man noch weit entfernt.

20.09.2020 22.00 Uhr

Lernen unter anderen Umständen - Schulen meist gut gestartet

Ohne Maske im Unterricht, mit Maske außerhalb. Und immer schön in Grüppchen. Schule unter Corona-Bedingungen geht. Doch das fordert von allen Seiten Disziplin. Und Ideen. Eltern beklagen Regel-Chaos.

Maske, Gruppenbildung und mehr Disziplin: Corona macht den Schulalltag komplizierter. Doch der Unterrichtsbeginn nach den großen Ferien ist im Land in der Regel relativ geordnet angelaufen. «Es ist sehr erfreulich, dass nach aktuellem Stand die Schulen alle gut in das neue Schuljahr gestartet sind», sagt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Die Rückmeldungen der Schulen zeigten aber auch, dass sie einiges an Mehrarbeit und Planung leisten mussten, um den Schulalltag unter Pandemiebedingungen zu organisieren.

Dass das im Großen und Ganzen an den 4500 Schulen Baden-Württembergs klappte, finden auch die Schüler: «Der Unterricht fühlt sich weitgehend normal an», berichtet Elisabeth Schilli, Sprecherin des Landesschülerbeirats. Ans Masken-Tragen habe man sich mittlerweile gewöhnt. Auch die neue Gruppenbildung (Kohortenprinzip), die mehr Nähe innerhalb einer Gruppe erlaubt, sei in der Schule für die meisten kein Problem. Die erste Schulwoche sei überwiegend als positiv empfunden worden.

«Alle freuen sich, dass sie sich wieder sehen und soziale Kontakte pflegen können», beobachtet Uwe Müller, Direktor des Karlsruher Max-Planck-Gymnasiums. Er ist positiv überrascht, wie strikt bislang das Masken-Tragen auch auf dem Pausenhof befolgt wurde. Schwierig findet er bei fast 1000 Schülern in seinem Gymnasium die Einhaltung des Kohorten-Prinzips auf den Gängen. Doch er betont: «Es geht darum, den Präsenzunterricht durchzuführen und aufrechtzuerhalten.»

Bislang ist nach seiner Ansicht alles «sehr ordentlich» angelaufen. Das Vorstandsmitglied der Direktorenvereinigung Nordbaden räumt aber ein: «Es gibt natürlich eine gewisse Unsicherheit und Unruhe, weil wir nicht genau wissen, was auf uns zukommt.»

Kein gutes Gefühl haben schon jetzt manche Eltern, wenn sie die Berichte ihrer Kinder hören. So erzählt eine Mutter aus Bretten (Kreis Karlsruhe) von drängelnden Schülern, von Masken-Verweigerern, die nicht ermahnt werden und von ihren Bauchschmerzen, wenn sie hört, dass ausgerechnet der Mannschaftssport Basketball im Sportunterricht auf dem Plan steht.

Vereinzelt wurden schon in der ersten Woche nach den Ferien Schulklassen und Lehrer vorsorglich wegen Corona-Fällen nach Hause geschickt, etwa in Karlsruhe, Pforzheim, Waiblingen oder in Rottenburg am Neckar. Dem Kultusministerium zufolge gab es aber nur «ganz wenige klassenbezogenen Teilschließungen von Schulen». Bis Donnerstag wurden 17 Fälle gemeldet - von insgesamt rund 67 500 Klassen in Baden-Württemberg. Dass Klassen wegen Corona-Verdachts vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb herausgenommen werden müssen, werde die Schulen weiter begleiten, so Eisenmann. Insgesamt begann der Unterricht für 1,5 Millionen Schüler und 35 000 Lehrkräfte im Land.

Die Zeiten sind schwierig, das weiß auch der Landeselternbeirat (LEB). Teils «sehr chaotische Vorgaben» des Landes kritisiert LEB-Chef Michael Mittelstaedt aber doch. «Es wurde relativ wenig geplant und wenig kommuniziert.» Zudem seien Eltern nicht rechtzeitig einbezogen worden.

«Ich hätte mir gewünscht, dass manche Entscheidungen klarer kommuniziert worden wären», sagt auch der Karlsruher Direktor Müller. Für Verwirrung und Ärger sorgte die Gesundheitserklärung für Schüler. Lag sie nicht vor, wurden Schüler mancherorts wieder nach Hause geschickt. Im Max-Planck-Gymnasium durften sie bleiben - mussten die Erklärung aber am nächsten Tag nachliefern. «Ich habe die Anweisung des Ministeriums pädagogisch interpretiert», sagt Müller.

Doch selbst wenn die Schule unter Corona-Bedingungen funktioniert - auf dem Weg dorthin kann es heikel sein. «Chaotisch gelaufen ist die Beförderung der Kinder», sagt der LEB-Vorsitzende Mittelstaedt. In den Schulbussen sei es weiter eng: «Die Kinder werden immer noch wie Ölsardinen transportiert. Da fühlt sich keiner richtig wohl.»

Ein großes Problem haben ihm zufolge Schüler, die zu Hause bleiben müssen: «Die sind aus dem Raster gefallen.» Dass es beim Fernlernunterricht Schwierigkeiten gab, räumt das Kultusministerium ein. Manche Schüler hätten dabei nicht die Lernfortschritte erzielt, die sie im regulären Unterricht erreicht hätten. Im neuen Schuljahr sollen nun Inhalte wiederholt und vertieft werden. Zugleich sollen Lücken und Förderbedarf identifiziert werden.

Direktor Müller schmerzt es, dass jahrgangsstufenübergreifende Aktivitäten wie Theater AG, Unterstufenchor oder Orchester derzeit noch nicht möglich sind. Doch seine Schüler und Kollegen sind kreativ: Statt zusammen auf der Bühne zu stehen, hat der Chor des Karlsruher Max-Planck-Gymnasiums zum Beispiel die einzelnen Sänger zu einer Video-Aufführung zusammengeschnitten.

Rege Nachfrage nach Mitteln für Computer an Schulen

Aus dem Sofortprogramm des Bundes zur Versorgung bedürftiger Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten sind in Rheinland-Pfalz bis Ende vergangener Woche 17,7 Millionen Euro bewilligt worden. 45 500 Laptops und Tablet-Computer können damit angeschafft werden, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums mitteilte. Das Ausmaß der bewilligten Mittel entspricht einem Anteil von 73,4 Prozent der auf Rheinland-Pfalz entfallenden Mittel von 24,1 Millionen Euro.

Grundlage des Programms ist eine am 3. Juli unterzeichnete Zusatzvereinbarung zum Digitalpakt des Bundes mit den Ländern. Vor allem Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Familie keinen Zugang zu einem Computer haben, sollen einen Laptop oder Tablet-Computer als Dauerleihgabe erhalten. Die Mittel werden in Rheinland-Pfalz nach einem Sozialindex auf alle Schulträger verteilt.

Zum Start des Programms erklärte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), die Mittel sollten «genau dort ankommen, wo sie auch gebraucht werden, nämlich bei den Schülerinnen und Schülern, die von zu Hause aus nicht mit einem Endgerät ausgestattet werden können». In der Corona-Pandemie sei die Frage der Ausstattung mit digitaler Technik zu einer Frage der Bildungsgerechtigkeit geworden.

Grundlage der Mittelverwendung ist eine Förderrichtlinie. Die kommunalen, kirchlichen und sonstigen Schulträger können Anträge bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) stellen.

 

18.09.2020 17.09 Uhr

Generelle Maskenpflicht im Unterricht läuft aus - lokale Unterschiede

Auch wenn sich die bayerischen Schüler vorbildlich daran gehalten haben: Sie werden die Maskenpflicht im Unterricht wohl kaum vermissen. Die allgemeine Vorschrift läuft nun nach den ersten beiden Schulwochen aus. Dennoch darf die Bedeckung nicht überall herunter.

Bayerns Schüler können aufatmen: Die im Unterricht der weiterführenden Schulen zuletzt verpflichtende Maske darf ab nächster Woche wieder runter - sofern es das Infektionsgeschehen vor Ort zulässt. Die entsprechende Anordnung für die ersten beiden Wochen dieses Schuljahres laufe wie geplant aus, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag in München.

Er sei überzeugt, dass die - von den Schülern gut befolgte - Maskenpflicht sinn- und wirkungsvoll gewesen sei. Doch nach nunmehr knapp zwei Wochen Unterricht sei die Gefahr durch Reiserückkehrer deutlich niedriger als zu Schuljahresbeginn, eine generelle Pflicht sei daher nicht mehr nötig. Diese von Politik wie der Schulfamilie begrüßte Entscheidung befeuerte jedoch die Forderungen nach der Anschaffung von Luftreinigungsgeräten.

Trotz der wegfallenden Maskenpflicht im Klassenzimmer müssen vom Erstklässler bis zum Abiturienten auf dem übrigen Schulgelände alle weiterhin eine Mund-Nasen-Bedeckung anlegen. Und auch die Pflicht im Unterricht kann jederzeit wieder angeordnet werden, wenn die Infektionszahlen in der jeweiligen Region zu hoch sind. So verlängerte zum Beispiel die Stadt München am Freitag die Maskenpflicht für weiterführende Schulen, nachdem sie mit 50,7 den entscheidenden Grenzwert überschritten hatte.

Die Behörden orientieren sich dabei an einem Drei-Stufen-Plan: Werden in einer Stadt oder einem Landkreis mehr als 35 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner binnen einer Woche registriert, müssen im Normalfall alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse auch im Unterricht wieder eine Maske tragen, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Steigt der Wert auf über 50, gilt auch für Grundschüler Maskenpflicht, und der Mindestabstand ist obligatorisch. Dies wird aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten in der Regel dazu führen, dass Klassen aufgeteilt und im Wechsel in der Schule und zu Hause unterrichtet werden. Dieses grundsätzlich vorgesehene Vorgehen ist allerdings nicht obligatorisch; die Gesundheitsbehörden vor Ort können davon auch abweichen, beispielsweise wenn in dem Landkreis nur eine Gemeinde, ein Großbetrieb oder das Nachtleben besonderes betroffen ist.

Am Freitag wurden zudem wieder Stimmen laut, die Luftreinigungsgeräte für die Klassenzimmer forderten. «Eine Kurzumfrage unter den Gymnasien und Beruflichen Oberschulen zeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht: Mehr als die Hälfte der rückmeldenden Schulen berichtet von vielen schlecht zu lüftenden Klassenzimmern», teilte etwa der Bayerische Philologenverband mit. Eine Investition in entsprechende Geräte würde das Infektionsrisiko gerade auch mit Blick auf die kalte Jahreszeit deutlich reduzieren. Auch die FDP-Landtagsfraktion argumentierte: «Da Tröpfcheninfektionen und winzige Aerosol-Partikel über die Luft eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Sars-CoV-2 spielen, reicht regelmäßiges Lüften im Unterricht bei Weitem nicht aus.»

Derzeit befinden sich nach den jüngsten Daten des Kultusministeriums vom Freitagnachmittag knapp 8500 der 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie rund 770 Lehrkräfte in coronabedingter Quarantäne; vier Schulen sind aktuell komplett geschlossen. Bei 335 Kindern und Jugendlichen sowie 49 Lehrern wurde eine Infektion festgestellt. Insgesamt sind gut fünf Prozent der 150 000 Lehrkräfte derzeit aus verschiedenen Gründen krankgeschrieben oder wegen Corona vom Präsenzunterricht befreit, weil sie einer Risikogruppe angehören oder schwanger sind.

Diese Lehrer stellen weiterhin Unterrichtsinhalte etwa für den Distanzunterricht bereit oder lehren im Duett mit sogenannten Teamlehrkräften. 800 solcher Stellen wurden eigens geschaffen, mit 600 der rund 6000 Bewerbern gebe es inzwischen Vereinbarungen, berichtete Pizaolo.

Für den Wechsel in das Lernen zu Hause sieht der Minister die Schulen gut aufgestellt: Es gebe inzwischen klare Regeln und Strukturen sowie Vorgaben zu Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und regelmäßigem direkten Kontakt zwischen Schülern und Lehrern. Selbst mündliche Leistungsnachweise dürften inzwischen auf Distanz erbracht werden.

Dennoch bedauerte Piazolo mit Blick auf die strikten Hygienevorgaben auch für den Unterricht in den Schulen: «Es geht manches nicht, was pädagogisch sinnvoll ist.» Doch ein distanzierter Umgang, Frontalunterricht statt Arbeitsgruppen oder ausgefallene Klassenfahrten ließen sich nun einmal nicht vermeiden. «Es macht keinen Sinn zu jammern. Wir haben Corona, Corona nimmt keine Rücksicht auf Schule, deshalb müssen wir Rücksicht auf Corona nehmen und uns gut organisieren.»

18.09.2020 15.54 Uhr

Quarantäne für Schüler rechtens - Eilantrag gescheitert

Ein Schüler, der gemeinsam mit einem positiv auf das Coronavirus getesteten Mitschüler betreut wurde, durfte für 14 Tage in häuslicher Quarantäne geschickt werden. Das entschied das Verwaltungsgericht des Saarlandes in Saarlouis in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss (Az.: 6 L 977/20). Es wies damit einen Eilantrag der Eltern des betroffenen Schülers, der in eine Grundschule in Homburg geht, zurück.

Die Eltern hatten angegeben, ihr Kind habe keinen näheren Kontakt mit dem Infizierten gehabt und sei zudem zwei Mal negativ auf das Coronavirus getestet worden. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Der Schüler habe sich während der Nachmittagsbetreuung mehr als 90 Minuten in einem Raum mit dem positiv getesteten Schüler aufgehalten. Auch die negativen Testergebnisse des Schülers seien nur «Momentaufnahmen» und rechtfertigten nicht die Annahme, dass der betroffene Schüler nicht mehr ansteckungsverdächtig sei. Die Anordnung der Quarantäne durch das Gesundheitsamt des Saarpfalz-Kreises sei deshalb rechtens gewesen.

18.09.2020 13.58 Uhr

Generelle Maskenpflicht im Unterricht läuft aus - lokale Unterschiede

Auch wenn sich die bayerischen Schüler vorbildlich daran gehalten haben: Sie werden die Maskenpflicht im Unterricht wohl kaum vermissen. Die allgemeine Vorschrift läuft nun nach den ersten beiden Schulwochen aus. Dennoch darf die Bedeckung nicht überall herunter.

Bayerns Schüler können aufatmen: Die im Unterricht der weiterführenden Schulen zuletzt verpflichtende Maske darf ab nächster Woche wieder runter - sofern es das Infektionsgeschehen vor Ort zulässt. Die entsprechende Anordnung für die ersten beiden Wochen dieses Schuljahres laufe wie geplant aus, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag in München. Er sei überzeugt, dass die - von den Schülern gut befolgte - Maskenpflicht sinn- und wirkungsvoll gewesen sei. Doch nach nunmehr knapp zwei Wochen Unterricht sei die Gefahr durch Reiserückkehrer deutlich niedriger als zu Schuljahresbeginn, eine generelle Pflicht sei daher nicht mehr nötig.

Vom Erstklässler bis zum Abiturienten müssen jedoch alle jenseits ihres Sitzplatzes im Klassenzimmer weiterhin eine Mund-Nasen-Bedeckung auf dem übrigen Schulgelände anlegen. Und auch die Pflicht im Unterricht kann jederzeit wieder angeordnet werden, wenn die Infektionszahlen in der jeweiligen Region zu hoch sind.

Die Behörden orientieren sich dabei an einem Drei-Stufen-Plan: Werden in einem Landkreis mehr als 35 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner binnen einer Woche registriert, müssen im Normalfall alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse auch im Unterricht wieder eine Maske tragen, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Steigt der Wert auf über 50, gilt auch für Grundschüler Maskenpflicht, und der Mindestabstand ist obligatorisch. Dies wird aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten in der Regel dazu führen, dass Klassen aufgeteilt und im Wechsel in der Schule und zu Hause unterrichtet werden. Dieses grundsätzlich vorgesehene Vorgehen ist allerdings nicht obligatorisch; die Gesundheitsbehörden vor Ort können davon auch abweichen, beispielsweise wenn in dem Landkreis nur eine Gemeinde, ein Großbetrieb oder das Nachtleben besonderes betroffen ist.

Derzeit befinden sich nach den jüngsten Daten des Kultusministeriums vom Freitag knapp 7660 der 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie rund 770 Lehrkräfte in coronabedingter Quarantäne; vier Schulen sind aktuell komplett geschlossen. Bei 298 Kindern und Jugendlichen sowie 46 Lehrern wurde eine Infektion festgestellt. Insgesamt sind gut fünf Prozent der 150 000 Lehrkräfte derzeit aus verschiedenen Gründen krankgeschrieben oder wegen Corona vom Präsenzunterricht befreit, weil sie einer Risikogruppe angehören oder schwanger sind.

Diese Lehrer stellen weiterhin Unterrichtsinhalte etwa für den Distanzunterricht bereit oder lehren im Duett mit sogenannten Teamlehrkräften. 800 solcher Stellen wurden eigens geschaffen, mit 600 der rund 6000 Bewerbern gebe es inzwischen Vereinbarungen, berichtete Pizaolo.

Für den Wechsel in das Lernen zu Hause sieht der Minister die Schulen gut aufgestellt: Es gebe inzwischen klare Regeln und Strukturen sowie Vorgaben zu Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und regelmäßigem direkten Kontakt zwischen Schülern und Lehrern. Selbst mündliche Leistungsnachweise dürften inzwischen auf Distanz erbracht werden.

Dennoch bedauerte Piazolo mit Blick auf die strikten Hygienevorgaben auch für den Unterricht in den Schulen: «Es geht manches nicht, was pädagogisch sinnvoll ist.» Doch ein distanzierter Umgang, Frontalunterricht statt Arbeitsgruppen oder ausgefallene Klassenfahrten ließen sich nun einmal nicht vermeiden. «Es macht keinen Sinn zu jammern. Wir haben Corona, Corona nimmt keine Rücksicht auf Schule, deshalb müssen wir Rücksicht auf Corona nehmen und uns gut organisieren.»

18.09.2020 07.33 Uhr

GEW: Arbeitsbelastung von Lehrern in Corona-Krise erneut gestiegen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Belastung von Lehrerinnen und Lehrern in der Corona-Pandemie scharf kritisiert. Die Arbeitsbelastung sei schon vor der Krise hoch gewesen, aber während der Pandemie habe die Belastung noch einmal zugenommen, warnte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth im Gespräch mit der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Freitag). «Viele Lehrkräfte sind am Rande ihrer Kräfte und völlig erschöpft.» Vor allem die Berufsschulen stünden «kurz vor dem Kollaps», weil dort der Lehrermangel seit jeher besonders groß und die Klassen voll seien.

Pooth beklagte, viele Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz bekommen hätten, flüchteten in vollzeitschulische Bildungsgänge: «Sie sind frustriert und haben keinerlei Perspektive.» Laut Industrie- und Handelskammer seien in Niedersachsen im laufenden Jahr 3500 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen worden als im Vorjahr - ein Rückgang um ein Viertel. «Mir haben Pädagogen berichtet, dass sie zwei Klassen gleichzeitig unterrichten müssen. Waren früher in einer Klasse mit 25 Schülern zwei schwierig, sind unter 25 Schwierigen jetzt zwei Lernwillige», sagte sie.

Belastend wirke sich aber auch aus, dass die Lehrkräfte die Einhaltung der Hygienevorschriften «ständig kontrollieren müssen». Sie müssten Kinder vom Schulhof abholen und in den Klassenraum bringen, sie müssten zudem überprüfen, dass die Schüler den Sicherheitsabstand einhielten. Und die Mühe scheine umsonst, wenn «die Schüler die Schule verlassen haben und in den überfüllten Schulbussen sitzen».

Auch kritisierte sie, das Land habe keine Lehren aus den vergangenen Monaten gezogen - man lerne besser in kleinen Lerngruppen und Schüler freuten sich über Rückmeldungen der Lehrer zu ihren Online-Aufgaben. Es sei ein Vorurteil, dass Lehrer im Homeoffice «abgetaucht» seien. «Wie engagiert sie sind, zeigt doch auch, dass eigentlich 17 Prozent der Lehrkräfte zur Corona-Risikogruppe gehören und zu Hause bleiben könnten, tatsächlich aber nur 6 Prozent auch davon Gebrauch machen.»

18.09.2020 05.30 Uhr

Nach zwei Wochen Unterricht: Kultusminister Piazolo zieht Bilanz

Es ist ein ganz besonderes Schuljahr, das betonen alle Verantwortlichen immer wieder unisono. Am augenfälligsten: Erstmals müssen alle Schüler ab der fünften Jahrgangsstufe auch im Unterricht Masken tragen. Nun gibt der Minister bekannt, wie lange noch.

Kann die Maske im Unterricht nächste Woche runter oder nicht? Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zieht am Freitag (10.00 Uhr) in München Bilanz über die ersten beiden Wochen des neuen Schuljahres. Dabei dürfte es vor allem um die Frage gehen, ob die derzeit an allen weiterführenden Schulen geltende Maskenpflicht im Unterricht verlängert wird oder nicht. Piazolo hatte bereits angedeutet, dass diese «Zumutung» wie geplant Ende dieser Woche auslaufen dürfte.

Es ist ein Novum, dass sich Schüler und Lehrer im Unterricht nicht ins Gesicht schauen können. Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hat das Kultusministerium angeordnet, dass alle Personen auf dem kompletten Schulgelände einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen.

Eine Ausnahme gilt grundsätzlich nur im Unterricht - doch für die ersten beiden Schulwochen gab es eine Ausnahme von der Ausnahme: Um die Auswirkungen möglicherweise infizierter Reiserückkehrer nach den Sommerferien abzufedern, mussten alle Schüler der weiterführenden Schulen für neun Tage auch im Unterricht eine Alltagsmaske tragen.

Es ist nicht die einzige Maßnahme, die Schüler wie Lehrer vor einer Ansteckung schützen soll. So bleiben die Klassenverbünde so weit wie möglich unter sich. Neben Abstandsregeln gibt es genaue Hygienevorgaben, etwa zum Lüften oder für den Musik- oder Sportunterricht. Und: Erkältete Schülerinnen und Schüler müssen mindestens 24 Stunden zu Hause bleiben. Eine Ausnahme gibt es auch von dieser Regel, und zwar für Grundschüler: Sie dürfen analog zu Krippen- und Kindergartenkindern bei guter Infektionslage auch mit Schnupfen und leichtem Husten die Schule besuchen.

Zudem arbeiten die Behörden mit einem sogenannten Stufenplan: Werden in einem Landkreis mehr als 35 Neuinfizierte je 100 000 Einwohner binnen einer Woche registriert, müssen im Normalfall alle Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse auch im Unterricht wieder eine Maske tragen, sofern der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Steigt der Wert auf über 50, gilt auch für Grundschüler Maskenpflicht und der Mindestabstand ist zwingend. Dies wird aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten in der Regel dazu führen, dass Klassen wieder aufgeteilt und im Wechsel in der Schule und zu Hause unterrichtet werden.

18.09.2020 04.40 Uhr

Lehrerverband: «Eigentliche Bewährungsprobe steht uns noch bevor»

Nach dem Start des Schuljahres in allen Bundesländern ziehen Lehrervertreter und Bildungsgewerkschaften eine durchwachsene Zwischenbilanz. Dass es unter Corona-Bedingungen bis jetzt so gut funktioniert habe, liege weniger an «vollmundigen Hygieneplänen» der Kultusministerkonferenz und der einzelnen Landesministerien, sondern daran, dass das Infektionsgeschehen in Deutschland derzeit noch überschaubar sei, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, der Deutschen Presse-Agentur. «Die eigentliche Bewährungsprobe steht uns noch bevor», sagte er mit Blick auf den Herbst und Winter.

«Alle geben sich wirklich Mühe, aber es läuft ein bisschen auf gut Glück», sagte Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Es gebe viel Verunsicherung. Schulleitungen beschwerten sich, dass vieles an ihnen hängenbleibe und der Rückhalt von der Politik fehle. «Es gibt Vorgaben, die zum Teil – etwa wegen baulicher Gegebenheiten – nicht erfüllt werden können. Und wenn dann etwas schiefgeht, heißt es da hat wohl jemand 'ne Party gefeiert.» Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, äußerte sich ähnlich. «Das neue Schuljahr ist mit großen Unsicherheiten gestartet, die bis heute nicht ausgeräumt wurden.»

17.09.2020 17.35 Uhr

Neun Schüler und drei Lehrer an Rostocker Schule infiziert

Wochenlang war es rund um das Coronavirus ruhig in Rostock. Nun ist es mit Macht wieder in der Hansestadt aufgetaucht.

An der Hundertwasser-Gesamtschule in Rostock-Lichtenhagen sind neun Schüler und drei Lehrer positiv auf das Coronavirus getestet worden. Für knapp 800 Schüler und mehr als 80 Beschäftigte der Schule sei deshalb eine umfassende Quarantäne ausgesprochen worden, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit. Sie dürften sich nur noch im häuslichen Umfeld aufhalten. Aufgehoben werde die Isolierung erst nach einem zweimaligen Test mit negativem Ergebnis.

«Jetzt kommt es darauf an, schnell und wirkungsvoll zu sein. Das Virus ist unter uns und wir müssen sofort und umfassend dafür sorgen, dass es sich nicht weiter verbreiten kann», sagte Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos). Die Mithilfe aller Betroffenen und deren Umfeld sei nötig. «Bitte bleiben Sie streng in der angeordneten Umgebung. Es geht um den Schutz aller», mahnte Madsen.

Zunächst war am Dienstag bei einer Lehrerin ein positiver Befund erstellt werden. Anschließend war die Schule am Mittwoch nach positiven Tests bei zwei weiteren Lehrern vorübergehend geschlossen worden. Die erste Vermutung, dass die Lehrerin das Virus in die Schule hineingetragen hat, scheinen sich nicht zu bestätigen, sagte Stadtsprecher Ulrich Kunze. Es werde davon ausgegangen, dass es aus der Schülerschaft stamme. Belastbare Details lägen aber nicht vor.

Die neun infizierten Schüler seien aus mehreren Klassenstufen, sagte Kunze. Die sei der Grund, dass die ganze Schule in Quarantäne geschickt worden sei. Details zur Übertragung müssten nun geklärt werden. Das Modell der Landesregierung zur Verhinderung von Übertragungen sieht vor, dass bei den älteren Schülern jeweils zwei aufeinanderfolgende Klassenstufen feste Gruppen bilden. Kontakte zu Mitschülern sind nur innerhalb einer Gruppe erlaubt.

Ein Krisenstab im Rathaus hat die Arbeit aufgenommen und koordiniere das weitere Vorgehen, wie Kunze weitere berichtete. Am Freitag soll das Bürgertelefon seine Arbeit wieder aufnehmen und Fragen Ratsuchender beantworten. Ratsuchende Eltern und Familienangehörige könnten ein digitales Merkblatt nutzen, das über Quarantäne-Regeln, Symptome und Ansprechpartner informiert.

17.09.2020 15.04 Uhr

Schulsenatorin Scheeres ist in Quarantäne

Die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ist daheim in Quarantäne, weil sie nach Angaben ihrer Behörde auf das Ergebnis eines Corona-Tests wartet. Sie habe den Test vorsorglich machen lassen, erläuterte ein Sprecher der Bildungsverwaltung am Donnerstag. Er bestätigte damit einen Bericht der «Berliner Morgenpost» und andere Medienberichte. Grund sei, dass Scheeres bei einer größeren Gesprächsrunde einer Person begegnet sei, die anschließend positiv getestet worden sei.

Die Veranstaltung sei nicht in der Bildungsverwaltung gewesen. «Wir gehen davon aus, dass es keinen direkten Kontakt gegeben hat», sagte der Sprecher. Scheeres sei vorübergehend zu Hause geblieben, bis das Testergebnis feststehe. Das gelte auch für ihre Staatssekretärin in der Bildungsverwaltung. Mit einem Ergebnis des Tests werde voraussichtlich Freitag gerechnet.

17.09.2020 11.08 Uhr

Gericht: Attest gegen Maskenpflicht an Schulen nur mit Diagnose

Ein simpler Satz ohne jegliche Diagnose auf einem ärztlichen Attest reicht nicht aus, um Kinder und Jugendliche von der Maskenpflicht in den Schulen zu befreien. Das hat nun ein Gericht entschieden. Einer der Gründe: Sonst bestehe die Gefahr von Gefälligkeitsattesten.

Ein pauschales Attest ist nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Würzburg für die Befreiung von der Maskenpflicht in Schulen zu wenig. Atteste, die Schülern ohne jede Begründung bescheinigten, aus gesundheitlichen Gründen keine Mund-Nasen-Masken tragen zu können, reichten nicht aus um glaubhaft zu machen, dass das Tragen einer Alltagsmaske tatsächlich unzumutbar sei, argumentierte das Gericht in einer am Donnerstag veröffentlichten Eilentscheidung. «Es fehlt an der konkreten Diagnose eines Krankheitsbildes.»

Im vorliegenden Fall hatte eine Mutter stellvertretend für ihre sieben und neun Jahre alten Grundschülerinnen geklagt, weil ihre Kinder trotz eines pauschalen Attestes zunächst vom Unterricht ausgeschlossen und später alternativ zum Tragen eines Visieres aufgefordert worden waren.

Das Gericht fand die Anordnung einer Maskenpflicht zur Bekämpfung der Corona-Pandemie grundsätzlich verhältnismäßig. Zudem hätten die Schülerinnen nicht glaubhaft gemacht, dass ihnen das Tragen einer Maske aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder unzumutbar sei; das aus einem Satz bestehende pauschale Attest reiche dafür nicht aus. «Für eine Glaubhaftmachung bedarf es somit - wie auch in anderen Rechtsgebieten - ärztlicher Bescheinigungen, die konkrete und nachvollziehbare Angaben enthalten», hieß es in der Entscheidung. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Gefälligkeitsatteste die Maskenpflicht und deren Wirksamkeit unterliefen.

In Bayerns Schulen müssen Schüler wie Lehrer auf dem gesamten Gelände eine Maske tragen, also etwa auch in der Pause oder auf dem Weg zur Toilette. In den ersten neun Tagen des Schuljahres galt die Pflicht wegen der Reiserückkehrer zudem auch im Unterricht - ausgenommen davon waren allerdings die Grundschüler.

Würzburg ist aktuell einer der Schwerpunkte der Pandemie in Bayern. Seit Tagen wird dort der Grenzwert von mehr als 50 Infizierten pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gerissen. Nach den jüngsten Daten vom Mittwoch lag der Inzidenzwert bei 75.

17.09.2020 10.01 Uhr

Lehrerfortbildung in Corona-Zeiten ausgeweitet

Die Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz haben in diesem Jahr verstärkt an Fortbildungsangeboten teilgenommen. Seit Beginn der Corona-Pandemie Ende Februar hätten mehr als 12 000 Lehrerinnen und Lehrer insgesamt 465 Fortbildungsangebote des Pädagogischen Landesinstituts genutzt, teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Donnerstag in einer Fragestunde des Landtags in Mainz mit. Hinzu komme die Arbeit von zwei weiteren Instituten mit kostenlosen pädagogischen Fortbildungsangeboten.

Allein in den Sommerferien nutzten 10,2 Prozent der Lehrkräfte nach Angaben Hubigs die unterrichtsfreie Zeit für ihre Fort- und Weiterbildung - gut 26 Mal so viel wie im vergangenen Jahr. «Trotz der zusätzlichen Belastungen der Corona-Pandemie haben Lehrkräfte Fortbildungen besucht, um sich für die Digitalisierung fit zu machen», sagte die Ministerin. Das Pädagogische Landesinstitut habe neue Fortbildungsformate entwickelt, um den Corona-Bedingungen gerecht zu werden.

16.09.2020 16.25 Uhr

Schärfere Corona-Regeln für Schulen in Mecklenburg-Vorpommern

Aus Sorge vor vermehrten Corona-Infektionen im Herbst hat das Schweriner Bildungsministerium die Hygiene-Auflagen für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern verschärft. Danach müssen die Eltern künftig eine Erklärung abgeben, ob ihr Kind in einem Risikogebiet gewesen ist, ob es Kontakt zu infizierten Personen hatte und ob es gesund ist. Geben sie diese Erklärung nicht ab, darf das Kind nach den Herbstferien bis zu zwei Wochen lang die Schule nicht besuchen. Das geht aus einer neuen Verordnung hervor, die am Mittwoch in Kraft getreten ist. Zuvor hatte der NDR berichtet.

Schüler, die für den Schulweg Bus oder Bahn nutzen, sollen künftig auch auf dem Schulweg einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie in großen Gruppen zusammen sind und der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann. Das ist oft an Haltestellen der Fall.

Als Grund für die neuen Regeln gibt das Ministerium die wieder gestiegenen Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Deutschland und auch in Mecklenburg-Vorpommern an. Zuletzt waren im Nordosten binnen sieben Tagen 27 Ansteckungen registriert worden (Stand: 10. September).

15.09.2020 12.23 Uhr

Überlegungen für längeres Corona-Testangebot an Schulen und Kitas

Die Linke im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat eine Verlängerung des Corona-Testangebots für Schulmitarbeiter über die Herbstferien hinaus gefordert. «Gerade nach der Reisewelle in den Ferien müssen Testungen vorgenommen werden, um Lehrkräfte als Überträger auszuschließen», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg am Dienstag. Es müsse verhindert werden, dass Schulen und Ausbildungseinrichtungen sich zu Hotspots des Infektionsgeschehens entwickelten. Die einwöchigen Herbstferien beginnen am 5. Oktober.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte allen Schul- und Kita-Mitarbeitern jeweils fünf kostenlose Corona-Tests zwischen den Sommer- und den Herbstferien angeboten. In den ersten zwei Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres Anfang August hatten davon allerdings nur rund zwei Prozent der Beschäftigten an den Schulen Gebrauch gemacht, wie es aus dem Bildungsministerium hieß. Aktuellere Zahlen lagen zunächst nicht vor.

Auch in den Kitas sei die Nutzung der Testmöglichkeit gering, hieß es aus dem Sozialministerium. Nach Worten von Ministeriumssprecher Alexander Kujat gibt es dennoch Überlegungen in der Landesregierung, das Testangebot über die Herbstferien hinaus zu verlängern. Es war vor allem eingeführt worden, um dem Personal in Kitas und Schulen mehr Sicherheit zu geben.

Mecklenburg-Vorpommern ist bundesweit am geringsten von Corona betroffen, es gibt aber immer wieder vereinzelte Infektionen an Bildungseinrichtungen. Aktuell sind die Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow mit sieben Fällen und eine Berufsschule in Greifswald mit einem Fall betroffen.

15.09.2020 12.23 Uhr

Berlins Schulen sollen CO2-Messgeräte bekommen

CO2-Messgeräte sollen den Lehrern in Berliner Schulen künftig erkennen helfen, wann es Zeit zum Lüften ist. Das ist während der Corona-Pandemie umso wichtiger, weil häufiges Lüften als Maßnahme empfohlen wird, das Risiko zu senken, sich mit dem Covid-19-Virus zu infizieren.

«Wenn der CO2-Gehalt in der Raumluft steigt, verfärbt sich die Anzeige von Grün über Gelb auf Rot», sagte Martin Klesmann, Sprecher der Senatsbildungsverwaltung, der «Berliner Morgenpost» (Dienstag) über die Funktionsweise der Messgeräte. Spätestens bei Gelb-Rot sollten die Fenster geöffnet werden, möglichst auch die Tür, damit Durchzug entsteht.

Mit dem Ende des Sommers nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, dass die Fenster in Schulen regelmäßig geöffnet werden. Die Kohlendioxid-Messgeräte sind den Angaben zufolge kaum größer als ein Wecker. Die Anschaffung laufe über die Senatsbildungsverwaltung. Kosten und Anzahl der C02-Messgeräte, die jede Schule bekommen soll, sind noch offen. Laut Bildungsverwaltung bekommt aber nicht jeder Klassenraum ein eigenes CO2-Messgerät; infrage kommen etwa besonders große Lerngruppen oder Räume, die sich schlecht lüften lassen.

Tom Erdmann, Vorsitzender der Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), begrüßte den Einsatz der Geräte. «Ich halte das für eine gangbare Möglichkeit», sagte er der Zeitung. Aber besser wäre natürlich, sie in größerer Anzahl zu haben, «am besten in jedem Klassenzimmer». Landeselternsprecher Norman Heise schätzt das ähnlich ein: «Warum kann man das nicht flächendeckend machen?»

Dagegen ist der Einsatz von Luftreinigern mit Luftfiltern noch nicht sicher. An einigen wenigen Berliner Schulen startet nach Angaben der Bildungsverwaltung ein Pilotprojekt mit Hepa-Filtern, die auch Viren aus der Luft entfernen sollen. Wie effektiv das sei, müsse zunächst getetet werden, sagte der Sprecher der Senatsverwaltung. Die Zahl der belastbaren Studien zu dem Thema sei überschaubar.

14.09.2020 18.28 Uhr

Zahl der coronainfizierten Schüler in Bayern verdoppelt

Die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Schüler hat sich in Bayern übers Wochenende mehr als verdoppelt. Das Kultusministerium in München sprach am Montag von 135 infizierten Kindern und Jugendlichen. Vor dem Wochenende waren es 66. Bei den Lehrern gebe es aktuell derzeit 43 Infektionen - ein Fall weniger. Vier Schulen sind wegen Corona-Infektionen vorübergehend geschlossen: eine Mittelschule in Furth im Wald (Oberpfalz), eine Realschule in Deggendorf (Niederbayern), ein Gymnasium in Würzburg und eine nicht näher benannte Berufsschule.

«Es wird in diesem Schuljahr leider ein Stück weit Normalität sein, dass Klassen oder Lehrkräfte von den Gesundheitsämtern in Quarantäne geschickt werden», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Laut Ministerium sind momentan rund 2490 Schüler sowie knapp 400 Lehrer in Quarantäne. Oft wurden ganze Klassen heimgeschickt. Mehr Corona-Fälle gibt es an Kindertagesstätten: Rund 50 Einrichtungen sind derzeit ganz oder teilweise geschlossen.

In Bayern gibt es 1,65 Millionen Schüler sowie 150 000 Lehrerinnen und Lehrer. Die Schule läuft nach dem Ende der großen Ferien seit dem 8. September wieder. Noch bis Ende der Woche gilt mit Ausnahme der Grundschulen auch in Klassenzimmern eine Maskenpflicht.

Ebenfalls bis Ende der Woche laufen freiwillige Reihentests für Lehrer. Rund 60 Prozent wollen laut Kultusministerium teilnehmen. Nach den Herbstferien sollen die Tests wiederholt werden. In Rosenheim müssen nun auch Grundschüler im Unterricht Masken tragen, weil der kritische Warnwert von 50 Neuansteckungen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten wurde.

14.09.2020 17.55 Uhr

Ministerium legt Bedingungen für zusätzliche Schulbusse fest

Zum Beginn des neuen Schuljahrs hat das Verkehrsministerium Bedingungen für den Einsatz von zusätzlichen Schulbussen wegen Corona festgelegt: Sind alle Sitzplätze belegt und wird die Anzahl der erlaubten Stehplätze um 40 Prozent überschritten, kann ein Landkreis sogenannte Verstärkerbusse bestellen. Ein Ministeriumssprecher erläuterte am Montag in Stuttgart, dass die konkrete Zahl vom jeweiligen Bustyp abhänge. In die verschiedenen Busse passen unterschiedlich viele Passagiere.

Jetzt müssten Landkreise und Busunternehmen den Bedarf ermitteln, sagte der Sprecher. Sie wüssten am besten, wie viele Schüler auf welchen Linien mitfahren und in die Busse passen. Das Ministerium trägt bis zu den Herbstferien 80 Prozent der zusätzlichen Kosten, die bei den Landkreisen anfallen. Dafür sollen bis zu zehn Millionen Euro zur Verfügung stehen.

Die zusätzlichen Busse sollen helfen, Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern. Im gesamten Nahverkehr gilt bereits Maskenpflicht für Kinder ab sieben Jahren. «Zusätzlich erhöhen wir mit dieser freiwilligen Maßnahme den Infektionsschutz im ÖPNV, entlasten die kommunalen Aufgabenträger und schaffen eine Einnahmequelle für Reisebusunternehmen, welche ihre freien Buskapazitäten zur Verfügung stellen können», sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

14.09.2020 16.46 Uhr

Hessen startet Untersuchung mit Corona-Schnelltests bei Lehrern

An hessischen Schulen startet eine Studie mit 1000 Lehrerinnen und Lehrern zum Einsatz von Schnelltests gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. «Regelmäßige Antigen-Schnelltests ermöglichen die frühzeitige Erkennung von Infektionen», teilte Sozialminister Kai Klose (Grüne) nach einem Besuch beim Darmstädter Unternehmen R-Biopharm AG am Montag mit. Der Faktor Zeit spiele beim Infektionsgeschehen eine wichtige Rolle. Die Tests seien schnell und unkompliziert und im Prinzip von jedermann selbst zu machen.

Bei der «Safe School Studie» handelt sich um eine wissenschaftliche Untersuchung. Sie prüfe unter anderem neue Einsatzmöglichkeiten von Antigen-Schnelltests, damit Infektionen mit SARS-CoV-2 frühzeitig erkannt werden, so die Landesregierung. Die Studie wird vom Kultusministerium finanziert und fachlich vom Sozialministerium begleitet.

Nach Angaben des Kultusministeriums startet die Studie am Mittwoch und läuft bis zum 13. November. Die Pädagogen sollen sich alle zwei Tage zu Hause testen, mit Ausnahme der Herbstferien. Die wissenschaftliche Leitung hat das Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. «Es ist ein Meilenstein, wenn man den Test selber machen kann», sagte Professorin Sandra Ciesek der Deutschen Presse-Agentur.

Erforscht werden soll, inwiefern Antigen-Schnelltests die bislang überwiegend verwendeten PCR-Tests sinnvoll ergänzen können. «Wir erwarten wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung zuverlässiger Testverfahren und Teststrategien», sagte Klose. Die Lehrer wurden vergangene Woche angeschrieben, ob sie sich beteiligen wollen. «Mit den Selbsttests verbinden wir die große Hoffnung, Infektionen frühzeitig erkennen und die weitere Ausbreitung verhindern zu können», sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU).

14.09.2020 16.12 Uhr

Bildung in Corona-Zeiten - 1,5 Millionen Schüler zurück auf Schulbank

Die Ferien sind vorbei. Am Montag haben Schulen im Südwesten ihren Betrieb wieder aufgenommen. Mehr als 100 000 Kinder hatten ihren ersten Schultag. Neben Deutsch und Mathe hören Schüler nun auch etwas von Begegnungsflächen oder Kohortenprinzip.

Als letztes Bundesland hat am Montag Baden-Württemberg den Schulbetrieb wieder aufgenommen. Nach den Sommerferien begann für die 1,5 Millionen Schüler und 35 000 Lehrkräfte an den 4500 Schulen ein ungewisses Jahr. Der Start stand im Zeichen besonderer Hygienevorschriften wegen der Corona-Pandemie.

Trotz Kritik von Verbänden und Gewerkschaften sieht Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) das Land gut gerüstet. Ab Klasse fünf und an den weiterführenden Schulen gilt Maskenpflicht auf sogenannten Begegnungsflächen wie Schulfluren, Aula und Toiletten. Im Unterricht soll auf Masken verzichtet werden. An Grundschulen sind Masken ebenfalls nicht vorgeschrieben.

Die Lehrer müssen auch im Lehrerzimmer eine Maske tragen. Die Corona-Verordnung der Landesregierung schreibt vor, dass an weiterführenden und beruflichen Schulen alle Personen - und damit auch Lehrkräfte - auf Begegnungsflächen eine Mund-Nasen-Bedeckung nutzen müssten.

Das Abstandsgebot an den Schulen gilt indes nicht mehr. Das Kultusministerium setzt stattdessen auf das sogenannte Kohortenprinzip - also Gruppenbildung -, um das Infektionsgeschehen nachvollziehen zu können und möglichst keine ganzen Schulen schließen zu müssen. Schüler mit Vorerkrankung dürfen zu Hause bleiben, müssen aber am Fernunterricht teilnehmen. Nach Angaben des Ministeriums fehlten aber nur rund ein Prozent der Schüler im Präsenzunterricht.

Etwa 102 500 Kinder im Südwesten haben im Lauf dieser Woche ihren ersten Schultag. Die große Mehrheit - 96 300 - startet an einer Grundschule. Damit werden voraussichtlich etwas mehr Mädchen und Jungen an Grundschulen eingeschult als im Vorjahr (94 020), wie das Statistische Landesamt mitteilte. Weitere 4400 Kinder mit besonderem Förderbedarf besuchen sonderpädagogische Zentren. 1800 drücken an einer privaten Freien Waldorfschule die Schulbank.

Im vergangenen Schuljahr wurden von insgesamt 92 910 erstmals schulpflichtigen Kindern 10,5 Prozent zurückgestellt. Dabei wurde der Schulstart für Jungen den Statistikern zufolge deutlich häufiger verschoben als für Mädchen: 12,8 Prozent verglichen mit 8,2 Prozent. Zu den erstmals schulpflichtigen Kindern gehören alle, die bis zum 30. September 2019 das sechste Lebensjahr vollendet hatten.

Bereits zwei Wochen vor dem Schulstart hatten Tausende Schüler im Südwesten an den allgemeinbildenden Schulen wie Grundschulen und Gymnasien sowie an Berufsschulen mit dem Büffeln begonnen. Schwächere Kinder und Jugendliche sollten bei den sogenannten Lernbrücken Wissenslücken aus der Corona-Zeit schließen.

14.09.2020 15.35 Uhr

Umfrage: Schulen schlecht vorbereitet auf neue Corona-Schließungen

In ganz Deutschland sind die Sommerferien jetzt vorbei. Wären die Schulen eigentlich diesmal besser vorbereitet auf coronabedingte Schließungen? Der Glaube daran ist einer Umfrage zufolge nicht besonders groß.

Bevölkerung und Eltern sind einer Umfrage zufolge mehr als skeptisch, ob die Schulen in Deutschland auf mögliche erneute coronabedingte Schließungen vorbereitet sind. Baden-Württemberg startete am Montag als letztes Bundesland ins neue Schuljahr. Der Digitalbranchenverband Bitkom veröffentlichte am selben Tag eine repräsentative Umfrage. Die Bürger vergaben darin im Schnitt nur die Schulnote 4,3 bei der Frage, wie sie die Schulen auf die Aufrechterhaltung des Unterrichts im Falle eines «erneuten Lockdowns» vorbereitet sehen. Eltern schulpflichtiger Kinder vergaben sogar lediglich ein «mangelhaft» (4,6).

Nach Ansicht der Bundesbeauftragten für Digitalisierung, Staatsministerin Dorothee Bär (CSU), wurde in den vergangenen Monaten noch nicht genug getan. «Die Corona-Krise hat wachgerüttelt, dennoch ist in den vergangenen Monaten zu wenig passiert», sagte Bär am Montag der Deutschen Presse-Agentur. «Auf einen zweiten Lockdown wären wir nicht wirklich besser vorbereitet.» Es gebe zwar positive Einzelbeispiele und einzelne Initiativen, aber in der Breite stünden Familien im Falle von Schließungen wieder vor ähnlichen Härten wie im Frühjahr.

Bewegung gab es am Montag allerdings beim Thema digitales Schul- und Lernmaterial: Eine von Bund und Ländern finanzierte neue Mediathek mit Filmen, Audios, Bildern, Arbeitsblättern und digitalen Lerneinheiten ging online. Auf der Plattform MUNDO standen zum Start rund 30 000 Medien bereit, wie das zuständige FWU Institut für Film und Bild in Grünwald bei München mitteilte. Die Corona-Pandemie habe die Bedeutung dieser Bildungsmaterialien für gelingende digitale Bildung in Deutschland einmal mehr unterstrichen, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Mit dem länderübergreifenden Projekt würden sie nun für alle Bundesländer verfügbar gemacht. Vom Deutschen Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, wurde das begrüßt: «In dieser Hinsicht geht es eindeutig voran», sagte die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing am Montag.

Der Bitkom-Umfrage zufolge, die im August durchgeführt wurde, wird der Stand der Digitalisierung (Geräte, Internetanbindung oder digitale Unterrichtsinhalte) an den Schulen lediglich mit «ausreichend» bewertet (4,2 Eltern, 4,2 alle Befragten). Digitalisierungsgegner gibt es demnach so gut wie gar nicht: Nur drei Prozent sind der Auffassung, digitale Technologien wie Computer oder Tablets sollten in Schulen nichts zu suchen haben. Eine große Mehrheit ist dagegen dafür, dass Computer, Smartboards oder Tablets in allen Schulen Standard sein sollten (88 Prozent, Eltern 93 Prozent). Zudem finden es die allermeisten Befragten wichtig, dass alle Schüler mit Laptops oder Tablets ausgestattet werden und Lehrer regelmäßig in digitalen Kompetenzen weitergebildet werden.

«Es reicht nicht, auf Hygiene und Abstand beim Präsenzunterricht zu achten. Sondern Schulen müssen digital fit werden», sagte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Thomas Sattelberger. Es brauche seriöse Lernplattformen, digital ausgebildete Lehrer und staatlich finanzierte Hardware für alle Schüler.

Bär kritisierte den Föderalismus, «wie er momentan bei dem Thema Bildung funktioniert», als «echten Hemmschuh». Für Bildung ist in Deutschland jedes Bundesland selbst zuständig. Die Digitalstaatsministerin forderte mehr Effizienz. «Es macht keinen Sinn, dass jedes Bundesland das Rad neu erfindet.» «Es ist unserem Land nicht würdig, dass wir bei der digitalen Bildung derart hinterherhinken.»

Am Geld mangelt es momentan nicht, aber es dauert, bis die Mittel an den Schulen ankommen. Über den Digitalpakt Schule stehen 5,5 Milliarden Euro zur technischen Modernisierung bereit, unter anderem für den Aufbau von schuleigenem WLAN oder die Anschaffung interaktiver Tafeln. Zusätzlich werden in der Corona-Krise 500 Millionen Euro für Leihlaptops für bedürftige Schüler bereitgestellt, zudem soll es 500 Millionen Euro für Dienstgeräte für Lehrer geben.

14.09.2020 03.30 Uhr

Pauken in Pandemiezeiten - Schüler starten ins neue Schuljahr

Nun wird es ernst: Am Montagmorgen klingeln die Schulglocken an rund 4500 Schulen im Land. Wird der Regelbetrieb trotz Corona funktionieren?

Unter Ausnahmebedingungen und ungewissen Vorzeichen starten 1,5 Millionen Schüler und mehr als 135 000 Lehrer am Montag in ein neues Schuljahr. In Baden-Württemberg enden am Montag im letzten Bundesland die Sommerferien. Trotz Kritik von Verbänden und Gewerkschaften sieht Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) das Land gut gerüstet für das neue Schuljahr. Ab sofort gilt ab Klasse fünf und an den weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht auf den sogenannten Begegnungsflächen wie den Schulfluren, der Aula und den Toiletten.

Im Unterricht soll auf Masken verzichtet werden. An Grundschulen sind Masken ebenfalls nicht vorgeschrieben. Das Kultusministerium setzt auf Gruppenbildung im Schulbetrieb, um das Infektionsgeschehen genau nachvollziehen zu können und möglichst keine ganzen Schulstandorte schließen zu müssen. Schüler mit Vorerkrankung dürfen zuhause bleiben, müssen aber trotzdem am Fernunterricht teilnehmen.

Unterdessen leiden die Schulen im Land weiterhin unter einer knappen Personaldecke. Von mehr als 5900 zu besetzenden Lehrerstellen an den öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen konnten 645 nicht besetzt werden, davon fast die Hälfte an Grundschulen.

13.09.2020 05.00 Uhr

Gemischte Bilanz zur Schulbus-Börse nach den ersten Tagen

Mehr Busse, damit sich die Schüler in Corona-Zeiten nicht zu sehr drängen müssen: Mobilitätsverband und Verkehrsministerium sehen das dafür geschaffene neue Projekt Bus-Börse auf einem guten Weg. Der Landeselternverband ist dagegen nicht zufrieden.

Über die vor wenigen Tagen geschaffene Schulbus-Börse gehen die Meinungen auseinander. Kern des Projekts ist es, das Gedränge der Schüler in den oft überfüllten Fahrzeugen mit Blick auf die Corona-Infektionsgefahr zu lindern, indem zusätzlich zu den regulären Fahrzeugen Reisebusse eingesetzt werden, die wegen der Corona-Krise unbenutzt auf den Höfen stehen. Nach Einschätzung des Verbandes der privaten Verkehrsbetriebe Mobilität & Logistik Rheinland-Pfalz (Molo), der die Börse organisiert, und des Verkehrsministeriums, das die Gelder dafür bereitstellt, ist die Aktion erfolgreich aus den Startlöchern gekommen. Vielen Eltern reicht das aber nicht.

«Von unserer Seite aus läuft das. Die Kommunen fragen die Busse an, die Unternehmen freuen sich, dass sie ihre Reisebusse einsetzen können», sagte Molo-Geschäftsführer Guido Borning der Deutschen Presse-Agentur. Die Kommunen als Schulträger hätten die Möglichkeit, sich direkt an die Busunternehmen vor Ort zu wenden. «Deswegen haben wir als Verband nicht den kompletten Überblick, aber nichtsdestotrotz ist es so, dass viele Verantwortliche aus den Kommunen sich bei uns gemeldet und wir Kontakte zu Unternehmen vermittelt haben.»

Das Land fördert über die Schulbus-Börse bis zu 250 Fahrzeuge und übernimmt 90 Prozent der Finanzierung, den Rest müssen die Kommunen als Schulträger drauflegen. «Aktuell werden 220 Busse mit Fahrer im Pool angeboten. Nach meinen Informationen wurden noch nicht alle abgerufen», berichtete Borning. «Es ist noch keine Kommune bei uns aufgeschlagen, die Bedarf angemeldet und gesagt hätte: Alles ist schon weg.»

Das Verkehrsministerium erklärte, es sei vorgesehen, dass die Kreise und kreisfreien Städte zuerst die örtlichen Verkehrsunternehmen wegen zusätzlicher Busse ansprechen und dann erst auf die Busbörse als ergänzendes Angebot zugreifen. Der Einsatz der zusätzlichen Busse durch die Kommunen sei unabhängig von einem Bescheid durch das Ministerium möglich, wird dort betont. Bereits seit dem 20. August könne jede Kommune Verträge mit Verkehrsunternehmen abschließen und die Busse auch schon einsetzen. Der Antrag könne dann parallel beim Verkehrsministerium eingereicht werden.

Das Ministerium versprach einen schnellen Bescheid - auch rückwirkend bis zum 20. August. Nach Einschätzung des Ministeriums werden in vielen Gebieten von Rheinland-Pfalz bereits zusätzliche Busse eingesetzt. Diese hätten «die Lage dort deutlich verbessert».

Auch nach der Einführung der Schulbus-Börse ist Landeselternsprecher Reiner Schladweiler mit der Situation unzufrieden. «Wir haben höchstens eine minimale Verbesserung», sagte Schladweiler der Deutschen Presse-Agentur. «Das dauert alles viel zu lange.» Obwohl immer mehr Eltern-Taxis unterwegs seien, blieben die Busse zu voll. Die in der Börse anvisierten 220 bis 250 Busse reichten bei Weitem nicht aus. «Wir fordern 1000 Busse in die Busbörse», sagte er.

Der Landeselternbeirat habe deshalb eine entsprechende Petition an den Landtag gestartet, die unter anderem auch eine Reduzierung der Stehplätze in den Bussen fordert, berichtete Schladweiler. Die Aktion läuft noch bis Ende Oktober und sammelte bislang mehr als 5400 Unterschriften ein (Stand Freitagmittag). Die Homepage, die dafür eingerichtet wurde, nutzen viele Unterzeichner auch, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Der Landeselternsprecher räumte ein, dass sich die Petition eigentlich an die Kommunen als Schulträger richten müsste. «Doch da bekommen wir immer wieder die gleiche Antwort: Wir haben kein Geld», berichtete er. Deswegen habe man sich entschlossen, die Initiative an den Landtag zu richten - auch mit Blick auf die Landtagswahl im März. Die Probleme seien teils schon jahrzehntealt und bekannt, doch habe sich die Situation nun nochmals zugespitzt: «Die Corona-Lage zwingt uns zum Handeln. Den Herbst haben wir noch vor uns», warnte er. Denn dann komme auch noch das Grippe-Virus hinzu.

«Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht viel verbessert», kritisierte Schladweiler. «Doch Corona zwingt uns, jetzt neue Wege zu gehen», sagte er mit Blick auf die geforderten 1000 Busse zusätzlich. «Wir würden etwas für die Umwelt tun, weil weniger Eltern-Taxis unterwegs sind, und die Schülerbeförderung sicherer machen mit weniger Stehplätzen.» Bei der Finanzierung sei natürlich auch der Bund gefordert: «Die Länder alleine können das auf Dauer nicht stemmen.»

Wie Schladweiler wies auch Verbandsgeschäftsführer Borning darauf hin, dass das Problem nicht neu sei: «Das Thema überfüllte Schulbusse haben wir schon seit Jahren. Das war immer auch eine Frage der Finanzierung.» Schulverkehr sei eine kommunale Pflichtausgabe. Eine Kommune könne selbst entscheiden, ob sie die Situation entzerren wolle.

«Wir freuen uns als Fachverband, dass das Land von sich aus gesagt hat, wir gehen in die ÖPNV-Finanzierung rein», sagte Borning. Die derzeit zugesagten bis zu 250 Busse entsprächen der Kapazität, die der Verband aktuell für machbar halte. «Wenn die Finanzierungsfragen anders geklärt werden und der Wunsch der Verantwortlichen da ist und das bezahlt wird, können wir bei unseren Mitgliedsunternehmen auch noch mehr Kapazitäten abrufen», sagte er mit Blick auf die Wünsche vieler Eltern und Schüler nach dauerhaft mehr Schulbussen.

12.09.2020 17.55 Uhr

SPD kritisiert Prozedere bei Gesundheitserklärungen für Schüler

Jeder Schüler muss zum Schulbeginn dokumentieren, dass er weder mit dem Coronavirus infiziert ist noch Kontakt mit Infizierten hatte. Allerdings hat er dafür eine ganze Woche Zeit. Das ist nicht gut, findet die SPD.

Kurz vor Schulbeginn hat die SPD im Landtag ein «Chaos um die Gesundheitserklärungen» kritisiert. Diese sollen Schüler in der ersten Schulwoche als Bestätigung dafür mitbringen, dass sie beispielsweise weder mit dem Coronavirus infiziert sind noch Kontakt zu Infizierten hatten. «Zuerst hatte das Kultusministerium erklärt, dass am kommenden Montag kein einziges Kind ohne Gesundheitserklärung in die Schule kommen dürfe», sagte Fraktionschef Andreas Stoch am Samstag. «Doch weil die entsprechenden Formulare zu spät an die Schulen kamen, ist das plötzlich passé. Nun kann es sein, dass Schüler, deren Gesundheitsstatus völlig unklar ist, eine Woche lang im Klassenzimmer sitzen.»

Das Kultusministerium sagte hingegen, man habe Eltern und Schülern ausreichend Gelegenheit geben wollen, die Gesundheitserklärungen durchzulesen und auszufüllen. Es handele sich hierbei um ein pragmatisches Vorgehen. «Keine Schülerin und kein Schüler soll in der ersten Schulwoche vom Schulbesuch ausgeschlossen werden, wenn die Gesundheitserklärung noch nicht am ersten Tag vorliegt», erklärte dazu eine Sprecherin des Ministeriums.

Außerdem werde bereits durch das Betreten des Schulgeländes erklärt, dass keine Corona-Symptome vorlägen oder Kontakt zu Corona-Infizierten bestand. «Die Gesundheitserklärung zielt darauf ab, die Vorgaben und Ausschlussgründe nochmals bewusst zu machen und dies zu dokumentieren», sagte die Sprecherin.

11.09.2020 16.55 Uhr

Lehrer müssen im Lehrerzimmer Maske tragen

Unmittelbar vor dem Schulstart hat das baden-württembergische Kultusministerium am Freitag auf Anfrage darauf hingewiesen, dass die Pädagogen auch im Lehrerzimmer eine Maske tragen müssen. Die Corona-Verordnung der Landesregierung schreibe vor, dass an den weiterführenden und beruflichen Schulen alle Personen – und damit auch Lehrkräfte - auf den sogenannten Begegnungsflächen eine Mund-Nasen-Bedeckung nutzen müssten, teilte ein Sprecher in Stuttgart mit.

Das Lehrerzimmer sei eine Begegnungsfläche, wie auch Flure, Treppenhäuser, Toiletten oder Pausenhöfe. Dabei wird unterstellt, dass dort ein Mindestabstand zwischen den Lehrkräften nicht dauerhaft verlässlich eingehalten werden kann. «Ausgenommen von der Maskenpflicht sind lediglich die Unterrichtsräume.» Zuvor hatte das «Badische Tagblatt» darüber berichtet.

11.09.2020 15.05 Uhr

Schüler scheitern mit Eilantrag gegen Maskenpflicht in der Schule

Zwei Eisenacher Schüler sind mit einem Eilantrag gegen eine Maskenpflicht in den Gängen und Fluren ihrer Schule vor dem Verwaltungsgericht in Meinigen gescheitert. Die beiden Gymnasiasten wollten erreichen, dass sie sich nicht an die im Hygieneplan ihrer Schule vorgeschriebene Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung halten müssen. Die Richter wiesen den Widerspruch am Donnerstag zurück, wie das Verwaltungsgericht Meinigen am Freitag mitteilte. Demnach fehle das notwendige Rechtsschutzbedürfnis.

Denn wenn die Schüler mit ihrem Eilantrag Erfolg gehabt hätten, hätten sie aufgrund anderer Anti-Corona-Maßnahmen weiterhin Masken tragen müssen. Diese Verpflichtung ergebe sich auf der entsprechenden Verordnung zur Eindämmung der Corona-Pandemie des Bildungsministeriums, hieß es in einer Mitteilung des Gerichts. Dort ist unter anderem geregelt, dass in Schulgebäuden immer dann Masken getragen werden sollen, wenn der Mindestabstand nicht einhalten werden kann - insbesondere beim Raumwechsel in den Pausen. Eine Maskenpflicht im Unterricht gibt es dagegen nicht. Der Gerichtsbeschluss ist noch nicht rechtskräftig.

11.09.2020 07.33 Uhr

GEW: Corona-Tests für Lehrer bieten nur «gefühlte Sicherheit»

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in den kostenlosen Corona-Tests für Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogische Mitarbeiter nur eine Momentaufnahme. Die Tests böten nur eine «gefühlte Sicherheit», sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth der Oldenburger «Nordwest-Zeitung» (Freitag). «Wer ein negatives Ergebnis hat, kann sich am nächsten Tag schon das Virus einfangen.» Anderseits hätten sich viele Kolleginnen und Kollegen diese Tests gewünscht, daher sei es gut, dass Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) dem nachkomme.

Zuvor hatte das Ministerium angekündigt, dass Lehrer sich bis zu den Herbstferien kostenlos auf das neuartige Virus testen lassen können. Das freiwillige Angebot von zwei Tests sei ein weiterer Baustein zur Sicherheit und zum Sicherheitsempfinden der Schulbeschäftigten, sagte Tonne. Für die Tests und Laborauswertungen stellt das Land demnach rund elf Millionen Euro aus dem Sondervermögen zur Bewältigung der Corona-Pandemie bereit. Zuletzt gab es laut Ministerium an knapp 50 Schulen im Land coronabedingte Einschränkungen.

Pooth kritisierte ein zehnseitiges Papier des Ministeriums, das für «Unmut» an den Schulen sorge. «Da stecken zwar gute Ideen drin, aber der Zeitpunkt ist absolut unpassend. Nämlich drei Wochen zu spät», sagte sie dem Blatt. «Keine Schulleiterin, kein Lehrer hat sechs Wochen Sommerferien gemacht, sondern genau an den Dingen gearbeitet, die ihnen der Minister jetzt vorschlägt.» Da schwinge «ein Stück Misstrauen» mit, das völlig unangemessen sei.

Pooth betonte, die Ausstattung der Schulen lasse immer noch zu wünschen übrig: «Bei einer Befragung unserer Kolleginnen und Kollegen sagen knapp 30 Prozent, dass die Hygieneregeln aufgrund der schlechten Ausstattung nicht einzuhalten sind.» Teils fehlten noch immer Waschbecken, Seife und Handtücher, an vielen Schulen ließen sich nicht einmal die Fenster öffnen. «Das ist inakzeptabel.»

10.09.2020 18.25 Uhr

Kritik an neuem Konzept für Schulen zu Folgen der Corona-Pandemie

Ein neues Konzept des niedersächsischen Kultusministeriums für den Umgang mit Folgen der Corona-Pandemie für allgemeinbildende Schulen stößt auf Kritik. Darin werden die Schulleitungen unter anderem verpflichtet, Projekttage und Gespräche zur individuellen Aufarbeitung durchzuführen. «Keine Schulleiterin, kein Lehrer hat sechs Wochen Sommerferien gemacht, sondern genau an den Dingen gearbeitet, die ihnen der Minister jetzt vorschlägt», sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Laura Pooth, der «Nordwest-Zeitung» (Freitag). Den Schulleitungen würde misstraut, es entstünde der Eindruck, dass der Minister glaubt, er habe es mit 80 000 Berufsanfängern zu tun.

Der Vorsitzende des Verbands Niedersächsischer Lehrkräfte, Torsten Neumann, kritisierte, dass das Papier erst diese Woche verschickt worden sei. Es hätte schon im Juni oder Juli den Schulen zur Verfügung stehen müssen, «bevor alle Planungen abgeschlossen sind und nicht erst, wenn das Schuljahr bereits in der dritten Woche läuft», hieß es in einer Mitteilung des Verbandes.

In dem Papier steht auch, dass alle Schulen im Falle eines Shutdown verpflichtet sind, einzelnen Schülern aller Schuljahrgänge über die Angebote der Notbetreuung hinaus beaufsichtigte Arbeitsplätze für das Distanzlernen zur Verfügung zu stellen - entsprechend ihrer
sächlichen und personellen Ressourcen. Pooth forderte in der «Nordwest-Zeitung», das Arbeitspapier nicht zur Pflicht zu machen. «Keinesfalls dürfen jetzt noch Sanktionen durchgesetzt werden.»

10.09.2020 17.41 Uhr

Schule im Hunsrück wegen Corona-Fällen vorerst geschlossen

Stromberg/Bad Kreuznach (dpa/lrs)Nach mehreren Corona-Infektionen bei Schülern ist eine Schule in Stromberg im Hunsrück vorsorglich geschlossen worden. Wie die Kreisverwaltung Bad Kreuznach am Donnerstag mitteilte, fällt der Unterricht noch bis Freitag komplett aus. Mittlerweile seien sieben Schüler der Integrierten Gesamtschule positiv auf das Coronavirus getestet worden. Schulleitung und Kreisverwaltung versuchten nun, Infektionsketten nachzuvollziehen.

10.09.2020 15.26 Uhr

Corona-Lücken ausgleichen - Land verlängert Angebote für Schüler

Die NRW-Landesregierung verlängert die Ferien- und außerschulischen Bildungsangebote, um Lerndefizite bei Schülern infolge der Corona-Krise auszugleichen. Bis Ende des Jahres können die Kommunen in Nordrhein-Westfalen weitere Programme für eine gezielte Förderung und Betreuung von Schülern einplanen. Der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtages habe dafür am Donnerstag grünes Licht gegeben, teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mit. Zuerst hatte der WDR über die Entwicklung berichtet.

«Das Sommerferienprogramm wird auch in den Herbstferien fortgesetzt», sagte Gebauer. Zugleich werde es ausgeweitet. Programme etwa zum sozialen, sprachlichen oder motorischen Lernen könne es nun auch außerhalb der Ferien an Wochenenden geben. Teilnehmen dürften Schüler aller Schulformen und Altersklassen.

Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte 75 Millionen Euro bereitgestellt, um Schüler, die von den coronabedingten Schulschließungen besonders stark betroffen waren, auch in den Sommerferien zu unterstützen. Allerdings riefen die Kommunen nach Informationen des WDR davon gerade mal zwei Millionen Euro ab. Denn das Sommerangebot sei für viele Städte und Gemeinden zu kurzfristig gekommen.

Mit dem jetzigen Landtagsbeschluss vier Wochen vor Beginn der Herbstferien sollen die Kommunen mehr Zeit für die Planung bekommen. Die verbliebenen Fördermittel stehen laut Ministerium bis zum Ende des Jahres 2020 und darüber hinaus bereit.

10.09.2020 11.26 Uhr

Düstere Prognose fürs Schuljahr: Philologen rechnen mit Schließungen

Stuttgart (dpa/lsw)Der Philologenverband sieht die Schulen im Land nicht für einen Regelbetrieb in Pandemie-Zeiten gerüstet. Nur mit großem Glück werde man im kommenden Schuljahr ohne die Schließung ganzer Schulen auskommen, sagte der Landesvorsitzende Ralf Scholl am Donnerstag in Stuttgart. Dass an Schulen Teile geschlossen werden müssen, davon könne man fest ausgehen. Das sogenannte Kohortenprinzip funktioniere an Gymnasien nicht - in der Oberstufe seien Schüler in jedem Kurs mit anderen Schülern zusammen. Gebe es dort eine Infektion, werde die ganze Kursstufe dichtgemacht, sagte Scholl. Das Kultusministerium arbeite nach wie vor nach dem Prinzip Hoffnung und schöpfe nicht alle Möglichkeiten aus, um den Regelbetrieb zu schützen. So hätte man nach den Ferien für die ersten beiden Wochen eine Maskenpflicht auch im Unterricht verordnen können.

10.09.2020 03.30 Uhr

SPD sieht Schulen für das neue Schuljahr schlecht gerüstet

Die Schüler im Land haben ein Jahr im Ausnahmezustand hinter sich. Aber von Normalität dürfte auch das neue Schuljahr noch weit entfernt sein.

Die Schulen im Land sind aus Sicht der SPD im Landtag schlecht vorbereitet für das am Montag startende neue Schuljahr. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Fulst-Blei, kritisierte Mängel bei der Digitalisierung. Mittel für neue Geräte würden nicht abfließen, zudem gebe es zu wenig Fortbildungen in dem Bereich für die Lehrer.

Das zweiwöchige Nachhilfeprogramm in den Ferien reiche bei weitem nicht aus, um die Wissenslücken aus der Corona-Pandemie zu schließen. Viele Schüler bräuchten auch im neuen Schuljahr laufend während des Unterrichts Unterstützung. Fulst-Blei plädierte dafür, den Schulen ein dezentrales Budget zur Verfügung zu stellen, um Nachhilfeleistungen selbst einkaufen zu können.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will am Donnerstag (11.00 Uhr) den aktuellen Stand der Planungen für das neue Schuljahr der Öffentlichkeit in Stuttgart vorstellen. Kurz zuvor (9.30 Uhr) veranstaltet auch der Philologenverband eine Pressekonferenz zur Lage der Schulen zu Corona-Zeiten. Die Bildungsgewerkschaft GEW hatte am Montag verkündet, dass sie die Schulen im Südwesten noch schlecht gewappnet sieht für den Unterricht unter Corona-Bedingungen. Wegen des Lehrermangels und der Corona-Risikogruppen fehlten derzeit so viele Lehrkräfte wie noch nie in den Klassenzimmern, hatte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz betont.

09.09.2020 16.32 Uhr

Gericht: keine Freistellung vom Unterricht wegen Corona ohne Attest

Das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) hat einen Antrag von zwei Schulkindern abgelehnt, die aus Angst wegen einer Ansteckung mit dem Corona-Virus vom Unterricht an ihrer Schule befreit werden wollten. Die beiden sieben und neun Jahre alten Schüler hatten, vertreten durch ihre Eltern, vor dem Gericht einen Antrag auf Eilrechtsschutz eingelegt. Das Gericht lehnte den Antrag ab. Es bestehe kein allgemeiner Anspruch auf Befreiung von der Pflicht zur Teilnahme am Präsenzunterricht, teilte das Verwaltungsgericht am Mittwoch mit (VG 1 L 435/20).

Die Eltern der beiden Schüler hatten bei der Grundschule und dem Schulamt zuvor beantragt, die Kinder vom Unterricht in der Schule zu befreien. Als Grund gaben sie die auf Grund der Corona-Pandemie bestehende Gefahrenlage an und dass sie Angst vor einer Ansteckung hätten. Grundschule und Schulamt forderten die Eltern daraufhin auf, durch ein ärztliches Attest nachzuweisen, dass sie oder die beiden Kinder zur Risikogruppe gehörten. Da die Eltern kein Attest vorlegten, lehnten die Behörden die Befreiung ab. Da die Kinder auch weiterhin nicht zum Unterricht erschienen, wurde eine Schulversäumnisanzeige erstattet.

Das Gericht begründete die Entscheidung damit, dass das Land Regelungen zur Eindämmung der Pandemie getroffen habe, die dazu beitragen, eine Ausbreitung des Virus auch im schulischen Bereich einzudämmen und das Risiko einer Ansteckung möglichst gering zu halten. Dazu gehöre beispielsweise der Mindestabstand zwischen Lehrern und auch, dass innerhalb der Schule eine Maske getragen werden müsse. Weitergehende Schutzmaßnahmen seien verfassungsrechtlich nicht geboten. Ebenso wenig wie in anderen Lebensbereichen bestehe ein Anspruch, vor jeglichem (Rest-)Risiko verschont zu bleiben, so das Gericht. Gegen den Beschluss ist die Beschwerde zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zugelassen.

09.09.2020 14.06 Uhr

Schulsenator zieht trotz Corona-Ausbruchs positive Zwischenbilanz

Einen Monat nach Ende der Sommerferien hat Schulsenator Ties Rabe eine positive Zwischenbilanz zur Rückkehr zum Präsenzunterricht für alle Hamburger Schüler gezogen. Trotz wieder gestiegener Corona-Zahlen und eines Ausbruchs an einer Schule in Winterhude sei es die richtige Lösung, da Kinder und Jugendliche in der Schule besser als zu Hause lernen würden, erklärte der SPD-Politiker am Mittwoch. «Sie brauchen die Anleitung und Motivation durch Lehrkräfte, sie brauchen ihre Klassenkameraden und ihre Freunde, und sie brauchen die gut ausgestatteten Arbeitsplätze, Lernmöglichkeiten und Betreuungsangebote in den Schulen.»

Bis auf eine Ausnahme hätten sich bisher in allen bekannten Corona-Fällen die Schüler oder Schulbeschäftigten nicht an den Schulen infiziert, sagte der Senator. «Abweichend davon gibt es jetzt allerdings in der Heinrich-Hertz-Schule in Winterhude eine ungewöhnliche Häufung von Infektionen.» Bei den dort bislang positiv getesteten 26 Schülern und 3 Schulbeschäftigten müsse davon ausgegangen werden, dass sich zumindest zwei von ihnen innerhalb der Schule angesteckt haben könnten. Einige Kinder hätten das Virus aber auch von außen eingetragen.

Aufgrund der vielen Infektionen gelte dort zunächst für eine Woche auch im Unterricht die Maskenpflicht. «Ich bin froh, dass die Gesundheitsämter hier wie in allen anderen Verdachtsfällen besonders konsequent und umsichtig vorgehen und aus Sicherheitsgründen in den betroffenen Klassen sehr häufig testen», sagte Rabe.

Die Heinrich-Hertz-Schule bilde angesichts der Gesamt-Corona-Zahlen aber eine Ausnahme: An allen anderen Schulen haben sich laut Behörde nur 27 der 256 000 Schülerinnen und Schüler (0,01 Prozent) und einer der rund 24 000 Schulbeschäftigten (0,004 Prozent) mit Corona infiziert.

09.09.2020 13.14 Uhr

Gebauer rechnet vor: Kein Missstand bei Luft in Klassenräumen

Etwa 2,3 Prozent der Unterrichtsräume an den öffentlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen können in der Corona-Pandemie nicht ausreichend gelüftet werden. Das teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags mit. Sie präzisierte damit Zahlen einer Umfrage zur Belüftungssituation, die das Ministerium am Vortag herausgegeben hatte.

Mit rund 90 Prozent habe die überwiegende Mehrheit der teilnehmenden Schulen angegeben, keine Probleme mit der Belüftung zu haben, rechnete Gebauer vor. An den übrigen zehn Prozent seien insgesamt 22,6 Prozent der Klassenräume nicht hinreichend zu belüften. Hochgerechnet bedeute das, dass etwa 2,3 Prozent aller Unterrichtsräume an den öffentlichen Schulen betroffen seien. Bei knapp 40 Prozent dieser Räume seien bauliche Mängel an den Fenstern die Ursache. Hochgerechnet könnten damit etwa ein Prozent aller Unterrichtsräume wegen Mängeln an den Fenstern nicht ausreichend gelüftet werden. «Von einem flächendeckenden Missstand kann bei einem Anteil von einem Prozent der Unterrichtsräume nicht die Rede sein», so Gebauer. An der Umfrage hatten gut 91 Prozent der knapp 5500 Schulen in NRW teilgenommen.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte vergangene Woche angekündigt, dass systematisch abgefragt werde, wo es Probleme mit Lüftungssystemen gebe. Die SPD-Opposition hatte die Frage auf die Tagesordnung des Schulausschusses gesetzt.

08.09.2020 07.00 Uhr

Rund 3000 Corona-Tests bei Kindern seit Schuljahresbeginn in MV

Seit dem Schulstart Anfang August sind nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Mecklenburg-Vorpommern etwa 13 000 Kinder und Jugendliche mit akuten Erkältungssymptomen ärztlich behandelt worden. Bei knapp einem Viertel davon sahen sich die Mediziner veranlasst, Corona-Tests vorzunehmen. Keiner davon fiel positiv aus. Das geht aus der aktuellen Statistik des Landesamtes in Rostock hervor. Lediglich zum Ende der Sommerferien waren bei zwei erkälteten Kindern Infektionen festgestellt worden.

Den Angaben zufolge war die Zahl der registrierten Erkältungsfälle in der zweiten Schulwoche auf 3800 nach oben geschnellt, fiel dann aber wieder. In der ersten Septemberwoche registrierten die an der Erhebung beteiligten 72 Kinderarztpraxen im Land noch 1730 Fälle. Die Corona-Tests sanken im gleichen Zeitraum von 1242 je Woche auf 260.

In Mecklenburg-Vorpommern dürfen Kinder mit Schnupfen, leichtem Husten und geringfügig erhöhter Temperatur die Schule und auch die Kita weiter besuchen. Bei Fieber und schwerer ausgeprägten Erkältungssymptomen sollen sie nach den von der Landesregierung herausgegebenen Handlungsempfehlungen aber zu Hause bleiben und einem Arzt vorgestellt werden.

Am Montag war an der Landesförderschule für hörgeschädigte Kinder in Güstrow ein Schüler positiv auf Covid-19 getestet worden. Allerdings hatte das Kind zuvor keine Krankheitssymptome gezeigt. Der Test war nach der Infektion zweier Familienmitglieder veranlasst worden. Mit insgesamt 63 Infizierten je 100 000 Einwohner verzeichnet Mecklenburg-Vorpommern weiterhin die geringste Ansteckungsquote bundesweit. In Bayern ist sie sieben Mal so hoch.

08.09.2020 04.00 Uhr

10 000 Lehrer haben sich seit Corona zu Digitaler Schule fortgebildet

Seit Beginn der Corona-Pandemie haben sich mindestens 10 000 der etwa 41 000 Lehrer in Rheinland-Pfalz zum Thema Digitale Schule fortgebildet. Dafür gab es 486 Online-Veranstaltungen, wie Ministeriumssprecherin Sabine Schmidt sagte. In diesen Zahlen nicht enthalten seien Fortbildungen, die Schulen intern organisierten sowie analoge Angebote.

Das Land ermögliche seinen Lehrkräften eine Vielzahl an Fort- und Weiterbildungen. Dabei können sich Lehrkräfte auch an mehr als fünf Tagen pro Schuljahr fort- und weiterbilden, wenn dies dienstlich begründet und von der Schulleitung genehmigt ist. In den Sommerferien habe etwa jeder zehnte Lehrer an einer Fortbildung zum Thema Digitalität teilgenommen, fast zehnmal so viele wie sonst.

07.09.2020 15.13 Uhr

Gericht lehnt Eilantrag gegen Maskenpflicht an Schulen ab

(dpa/lby) - Die Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen in Bayern bleibt bestehen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München lehnte am Montag einen Eilantrag ab, mit dem ein Gymnasiast die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung während des Unterrichts kippen wollte. Diese Maßnahme diene dem legitimen Zweck, die Weiterverbreitung des Coronavirus unter den Schülern und Lehrern zumindest zu reduzieren und hierdurch die Virusausbreitung in der Bevölkerung insgesamt einzudämmen, heißt es in der Entscheidung. Rechtsmittel können gegen den Beschluss nicht eingelegt werden. Eine Mutter hatte den Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz im Namen ihres zehn Jahre alten Sohnes gestellt.

07.09.2020 13.10 Uhr

Corona: Lüftungscheck in NRW-Schulen beschäftigt den Landtag

Der Schulausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags wird sich am Mittwoch mit dem geplanten gebäudetechnischen Corona-Check für alle rund 5500 Schulen des Landes beschäftigen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass systematisch abgefragt werde, wo es Probleme mit Lüftungssystemen gebe. Nach ersten Daten sei davon auszugehen, dass etwa ein Prozent aller Schulen bauliche Mängel hätten und zum Teil etwa Fenster nicht geöffnet werden könnten.

Die SPD-Opposition hält die Dimension des Problems für weit größer und hat das Thema daher auf die Tagesordnung des Schulausschusses gebracht. Anfang März hätten in einer WDR-Umfrage immerhin 80 Prozent aller Schulleiter von rund 1200 befragten Schulen den baulichen Zustand an ihren Einrichtungen als schlecht bezeichnet, sagte der schulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Düsseldorf. «Ein halbes Jahr später spricht Armin Laschet davon, dass angeblich nur ein Prozent der Schulen Mängel aufweise. Die Behauptungen der Landesregierung decken sich in vielen Fällen nicht mit der Realität an den Schulen.»

07.09.2020 09.46 Uhr

Trotz Corona-Auflagen: Putzpersonal an Schulen kaum aufgestockt

Trotz der deutlich verschärften Hygieneregeln sind an wenigen Schulen die Putzkolonnen aufgestockt worden. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW unter Schulleitungen aller Schularten in Baden-Württemberg. Demnach gaben 80 Prozent der Leiter an, dass kein zusätzliches Reinigungspersonal von den Kommunen als Schulträger bereitgestellt worden sei. An knapp 20 Prozent der befragten Schulen gibt es laut Umfrage zusätzliches Personal, um die Hygiene-Auflagen durch die Corona-Verordnungen umzusetzen. In den ersten Septembertagen hatten sich bis zum Donnerstag 224 Schulen an der GEW-Umfrage beteiligt.

«Wir gehen leider davon aus, dass zum Schulstart am 14. September in den 4500 Schulen im Land an vielen Stellen vorgeschriebene Hygienestandards nicht eingehalten werden können», sagte die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz. Sie habe sich zwar schon lange vor den Sommerferien für mehr Reinigungspersonal und verbindliche Absprachen des Kultusministeriums mit den Schulträgern eingesetzt. «Aber Kultusministerin Susanne Eisenmann und die Schulträger haben offensichtlich ihre Hausaufgaben nicht gemacht», kritisierte Moritz.

Nach den Hygienehinweisen des Landes für Schulen müssen unter anderem Handkontaktflächen wie Türklinken und Griffe, Treppengeländer, Lichtschalter, Tische, Kopierer und zum Beispiel Tastaturen besonders gründlich und mindestens täglich gereinigt werden. In allen Toilettenräumen muss es ausreichend Spender für Flüssigseifen und Einmalpapier-Handtücher geben. Diese gilt es für die Schulen regelmäßig aufzufüllen.

Die Gewerkschaft will weitere Ergebnisse der Umfrage am Montag (11.30) in Stuttgart vorstellen.

06.09.2020 16.41 Uhr

Holpriger Schulstart: Weitere Quarantäne-Fälle unter Schülern

Das Kultusministerium sieht den Schulstart nach den Sommerferien als gelungen an. Ganz ohne Corona-Folgen für die Schulen - und Schüler - geht es allerdings nicht. An weiteren Schulen wurden Quarantänen angeordnet. Und wie entwickeln sich die Infektionszahlen im Land?

Inmitten der Coronavirus-Pandemie verläuft Niedersachsens Start ins neue Schuljahr holprig: Schüler mehrerer Schulen im Land haben sich mit dem Virus infiziert. Beschränkungen wurden verhängt.

Am Artland-Gymnasium in Quakenbrück hätten sich vier Schülerinnen und Schüler mit dem Virus infiziert, teilte der Landkreis Osnabrück am Sonntag mit. Der Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück, die niedersächsische Landesschulbehörde und die Schulleitung hätten entschieden, den Schulbetrieb zunächst für zwei Tage - Montag und Dienstag - einzustellen. Ziel sei zu verhindern, dass sich das Virus unkontrolliert verbreite. Kontakte zwischen Schülern und Lehrern sollten ermittelt werden. Betroffen seien Schüler verschiedener Klassen und Jahrgängen, bisher seien sechs Klassen sowie 16 Lehrer als Kontaktpersonen identifiziert. Weitere Tests seien für den Wochenbeginn geplant.

Zuvor hatte das Gesundheitsamt des Landkreises Celle an drei Schulen Beschränkungen verhängt, ein Verdachtsfall an einer Schule in Empelde in der Region Hannover bestätigte sich zudem. Schulschließungen gebe es im Raum Celle aber nicht, teilte der Landkreis mit. In einer Schule sei in Ganztagsgruppen in 39 Fällen Quarantäne verhängt worden - sowohl für Zweitklässler als auch für Viertklässler. Die anderen Kinder könnten am Montag ganz normal zum Unterricht kommen. Auch sieben Kinder einer Oberschule in Westercelle müssten in Quarantäne. Weitere sieben Quarantänefälle gab es demnach in zwei Klassen an einer Berufsschule in Altenhagen.

Die Gesamtzahl der Corona-Neuinfektionen in Niedersachsen stieg auch am Sonntag wieder, wie das Sozialministerium in Hannover mitteilte. Die Zahl der bestätigten Infektionen erhöhte sich um 48 auf 17 266 Fälle. 87,9 Prozent der Betroffenen sind demnach genesen. Seit Sonntag vor einer Woche betrug der Anstieg in Niedersachsen 543 Fälle. Die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen lag landesweit bei 6,4, am höchsten fiel der Wert im Landkreis Celle mit 13,4 aus.

In Empelde bestätigte Schulleiter Kay Warneke Medienberichten zufolge, dass Schüler aus fünf bis sechs Kursen, die der erkrankte Jugendliche besucht habe, voraussichtlich bis zum 17. September eine häusliche Quarantäne einhalten müssten. Die restlichen Schülerinnen und Schüler des betroffenen Oberstufenjahrgangs würden in der Zeit ebenfalls im Homeschooling unterrichtet.

Gut eine Woche nach Schuljahresbeginn waren landesweit 22 Schulen von Corona-Einschränkungen betroffen. Wegen festgestellter Infektionen seien 43 Klassen und 3 Jahrgänge in den Heimunterricht geschickt worden, teilte das Kultusministerium mit. Ganze Schulschließungen gab es nicht. Oft müssten auch nicht alle betroffenen Schüler in Quarantäne. Das Ministerium verwies darauf, dass die Einschränkungen nicht mit Unterrichtsausfall gleichzusetzen seien. Die Schulen seien verpflichtet, von der Quarantäne betroffenen Schülerinnen und Schüler im Distanzunterricht zu betreuen. Insgesamt sei der Neustart des Unterrichts aus Sicht des Ministeriums dennoch gut verlaufen.

Im Landkreis Cuxhaven trafen Corona-Beschränkungen drei Klassen der Oberschule in Dorum, wie der Kreis kürzlich mitteilte. In Dorum sei ein Lehrer positiv auf das Coronavirus getestet worden. Im Kreis Goslar sind zwei Klassen an Schulen in Seesen beziehungsweise in Goslar in Quarantäne. Vorsorglich wurde auch eine Klasse des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Wolfenbüttel in Quarantäne geschickt. Auch in Göttingen und Seelze waren Schulen betroffen.

06.03.2020 05.01 Uhr

Hubig sieht in Sommerschule Gewinn für alle - Herbstschule kommt

Beim Homeschooling in Corona-Zeiten ist mancher Schüler nicht richtig mitgekommen. In einer Sommerschule konnten Kinder und Jugendliche aber Verpasstes nachholen - mit Erfolg.

Fast 80 Prozent der Schüler der ersten Sommerschule in Rheinland-Pfalz fühlten sich danach besser auf das neue Schuljahr vorbereitet. Ungefähr genauso viele stimmten in einer Umfrage der Aussage, dass sie in dieser Ferienwoche viel gelernt hätten, eher oder ganz zu. Nahezu 60 Prozent der Jungen und Mädchen sagten, sie seien in Deutsch besser geworden, in Mathe seien es sogar mehr als zwei Drittel (68,2 Prozent). Ihre Angaben deckten sich mit den Aussagen der Kursleiter, wie der Sprecher des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums, Henning Henn, der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte.

Grundlage ist eine Befragung von rund 1300 Teilnehmern der Sommerschule. Darunter waren 850 Schüler, zum Teil mit Unterstützung ihrer Eltern, und 450 Kursleiter. «Die Sommerschule war ein Gewinn für alle Beteiligten», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). «Rund 75 Prozent der befragten Schüler gaben an, sich gerne wieder bei einem Ferien-Lernangebot anzumelden.» Daher werde es auch eine Herbstschule geben.

Nach deren Einschätzung war für das erfolgreiche Lernen vor allem ein klarer Tagesablauf hilfreich. Mehr als die Hälfte der ehrenamtlichen Lehrkräfte sagte zudem, dass sie den Unterricht in einer neu zusammengesetzten Lerngruppe als besonders fördernd für das gemeinsame Leben empfanden. Gut 90 Prozent der befragten Schüler lobten ihre Kursleiter. Der Spaß sei nicht zu kurz gekommen, wie viele Aussagen der Schüler zeigten, heißt es in der Umfrage. 59 Prozent der Kinder und Jugendlichen gaben zudem an, neue Freunde kennengelernt zu haben.

Rund die Hälfte der Jungen und Mädchen waren Grundschüler. Ein Viertel kam aus Gymnasien, 14 Prozent aus Realschulen plus sowie knapp elf Prozent aus Integrierten Gesamtschulen.

In den meisten Gruppen (fast 69 Prozent) lernten zwischen sechs und zehn Schülern zusammen. Nur in 6,5 Prozent bestand die Ferienklasse aus 11 bis 15 Schülern. In einem Viertel der Gruppen holten nur ein bis fünf Teilnehmer versäumten Unterrichtsstoff nach.

An der ersten Sommerschule in den letzten beiden Ferienwochen (5. bis 24. August) hatten insgesamt rund 20 000 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Die Jungen und Mädchen konnten eine Ferienwoche lang täglich drei Stunden lang Lerninhalte nachholen. Das Programm mit 345 Nachhilfeangeboten in Deutsch und Mathematik im Corona-Sommer war nach Darstellung des Ministeriums bundesweit einzigartig.

05.09.2020 10.49 Uhr

Fast 60 Gymnasiasten in Weimar in Quarantäne

Nach zwei neuen Corona-Infektionen in Weimar müssen 57 Schüler des Schiller-Gymnasiums vorerst in Quarantäne. Die Zwölftklässler würden schnellstmöglich getestet, teilte die Stadtverwaltung mit. In einer Familie seien zwei Infektionen nachgewiesen worden.

Zu den Kontaktpersonen gehörten neben den Gymnasiasten auch Erzieherinnen eines Kindergartens. Dort werde das Risiko einer Ansteckung aber als eher gering eingeschätzt. Die Kinder könnten daher weiter die Kita besuchen, hieß es. Die Erzieherinnen tragen Mund-Nasen-Bedeckungen und werden laut Mitteilung vorsorglich getestet.

Zuvor war in Arnstadt nach fünf Neuinfektionen die Montessori-Kita geschlossen worden. Die Einrichtung bleibt bis zum 11. September zu.

04.09.2020 19.47 Uhr

22 Schulen in Frankreich wegen Corona-Epidemie geschlossen

Wenige Tage nach dem Wiederbeginn des Unterrichts sind in Frankreich und einem Überseedépartement bereits 22 Schulen wegen der Corona-Epidemie geschlossen worden. Zwölf der betroffenen Einrichtungen seien in Frankreich selbst, die übrigen zehn auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion im Indischen Ozean, sagte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer am Freitag im Radiosender Europe 1.

Nach den Sommerferien hatten die Schulen am Dienstag den Unterricht wiederaufgenommen. Es gibt in Frankreich rund 60 000 Schulen. Die Schüler müssen ab elf Jahren eine Maske tragen und die Abstandsregeln einhalten.

Frankreich wurde von der Pandemie schwer getroffen, es gab bisher rund 30 700 Tote in Verbindung mit Covid-19. Wie die Gesundheitsbehörden am Abend mitteilten, wurden innerhalb von 24 Stunden 8975 neue Fälle gezählt - das war deutlich mehr als an Vortagen. Strenge Ausgangssperren im Frühjahr schränkten das öffentliche und wirtschaftliche Leben massiv ein.

04.09.2020 16.04 Uhr

Laschet kündigt Corona-Check in allen Schulen an - Geld für Lüftung

Geld für Schulen, grünes Licht für Martinsumzüge, Gerechtigkeit für die Bundesliga und den Amateursport - Ministerpräsident Laschet hat für seine letzte große Pressekonferenz vor der Kommunalwahl gute Nachrichten im Gepäck.

Die Lüftungssysteme in allen rund 5500 Schulen Nordrhein-Westfalens sollen einem Corona-Check unterzogen werden. Das kündigte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag in Düsseldorf an. «Die Schulministerin und die Bauministerin sind mit großem Engagement dabei, zu identifizieren: Wo ist das Problem der Lüftungen in den Schulen?».

Bei seiner voraussichtlich letzten großen Pressekonferenz vor den Kommunalwahlen am 13. September griff Laschet damit ein besonders heftig diskutiertes Ärgernis auf. Früher war es bloß unangenehm, Klassenzimmer nicht richtig durchlüften zu können, wenn die Köpfe der Schüler rauchten. In Corona-Zeiten hängt nun auch die Gefahr durch Aerosole, die das Virus übertragen können, buchstäblich im Raum. Zahlreiche Lehrergewerkschaften und auch Oppositionsparteien haben die Regierung seit Wochen aufgefordert, zu handeln.

Jetzt verspricht der Ministerpräsident «passgenaue Fördermöglichkeiten» und technische Lösungen - etwa für Schulen, wo aus Sicherheitsgründen bislang die Fenster nicht zu öffnen seien. Nächste Woche seien erste Ergebnisse der Analyse zu erwarten.

Nach den bisher vorliegenden Daten sei davon auszugehen, dass etwa ein Prozent aller Schulen bauliche Mängel hätten, sagte Laschet. Wenn das zutreffe, könnten neue Programme aufgelegt oder eventuell nicht ausgeschöpfte genutzt werden, um die Mängel schnell zu beheben. Dazu gehöre auch die Prüfung, ob Luftfilter die Probleme lösen könnten.

«Das Land wird die Schulträger beraten, wie man möglichst schnell das Geld bekommt.» Angesichts der seit etwa zwei Wochen stetig sinkenden Zahl der Neuinfektionen in NRW gebe es aber keinen Grund, eine neue Maskenpflicht im Unterricht zu erwägen.

«Das Virus ist noch da, aber es ist kein Anlass zur Panik», beschrieb er die Lage. Bei 18 Millionen Einwohnern gebe es aktuell nur rund 200 Covid-19-Patienten in NRW. Nach Zahlen der Landesregierung vom Freitagmittag waren darunter 75 auf Intensivstationen. Damit habe NRW auch die Reiserückkehrerwelle inzwischen gut überstanden.

Klar sei: «Wenn wir jemals wieder etwas schließen müssen, weil Infektionszahlen dramatisch steigen, dürfen wir nie wieder bei Schulen und Kitas beginnen.» Hier gehe es nicht nur um das Recht auf Bildung, sondern ganz wesentlich auch um Gerechtigkeit - gerade für Kinder, deren Eltern nicht helfen könnten.

Mit seinem Corona-Krisenmanagement mit neuerdings verschärften Sanktionen für Maskenverweigerer und Quarantänebrecher sowie regionalen Steuerungsinstrumenten sei NRW gut aufgestellt für die Herbst- und Wintersaison, wenn wieder steigende Infektionszahlen zu erwarten seien, sagte Laschet. Deshalb hält er auch Martinsumzüge in diesem Jahr trotz der Pandemie für möglich, wenn Schutzmaßnahmen eingehalten werden. «Wenn Kinder morgens in den Kitas eng zusammen sind, dann können sie auch mit Abständen an der frischen Luft einen Martinsumzug machen.» Manche planten in diesem Jahr mit anderen Veranstaltungsformen. Es werde aber keine landesgesetzlichen Verbote zu Martinsumzügen geben.

Anders sei das beim Karneval. «Es wird am Ende auch Verbote geben müssen, die die kleinen Vereine gerade erwarten.» Beim Gesamtkonzept sei Vieles zu bewerten: etwa kleine Karnevalsveranstaltungen, Umzüge, Fernsehsitzungen und Feiern in Kneipen. Darüber sei die Landesregierung derzeit mit den Vereinen im Gespräch. «Noch in diesem Monat werden wir sicher zu Ergebnissen kommen.» Angestrebt sei ein Konsens mit Rheinland-Pfalz: «Die Situation in Mainz ist vergleichbar mit der in Köln.» Noch keine Gespräche gebe es derzeit über Weihnachtsgottesdienste - «wird es aber geben».

Auf die schwelende Frage, wann die Fußball-Bundesliga wieder vor Zuschauern spielen dürfe, könne es nur eine gesamtdeutsche Antwort geben, unterstrich Laschet. «Man braucht in Deutschland vergleichbare Regeln.»

Die Landesregierung sei aber auch im Gespräch mit anderen großen Sportverbänden. «Mir liegt vor allem der Amateursport am Herzen», sagte Laschet. «Viele Regionalligavereine bekommen keine Fernsehgelder», stellte er fest. Die Frage, wie Zuschauereinhamen für ihren Sport zu sichern seien, sei ebenso wichtig wie die Frage, ob die Bundesliga wieder vor Zuschauern spielen könne.

Der Ministerpräsident appellierte an die Bürger, sich an der Kommunalwahl zu beteiligen und für demokratische Parteien zu stimmen: «Gerade wo Populisten in diesen Zeiten Angst verbreiten, und wo von rechts versucht wird, die Demokratie zu schwächen, muss alles getan werden, dass Populisten und Radikale nicht am Ende durch eine Zufallsmehrheit Mehrheiten oder Blockademehrheiten in Stadträten erreichen». Wer in Zeiten der Pandemie nicht ins Wahllokal gehen wolle, solle an der Briefwahl teilnehmen.

04.09.2020 12.48 Uhr

Schulen weiter in Normalbetrieb mit unterschiedlichen Regeln

Schule und Corona - mit einem Bündel von Maßnahmen sollen die Bildungseinrichtungen verhindern, dass sich das Virus in ihren Räumen verbreiten kann. Die Länder geben sich dabei weiterhin großen Spielraum.

Die Schülerinnen und Schüler in Deutschland sollen auch weiterhin trotz Pandemie möglichst wie gewohnt zur Schule gehen. Dabei können weiter von Land zu Land unterschiedliche Regeln zum Schutz vor einer Corona-Infektion gelten. Nur wenn die Maßnahmen nicht gegen eine Ausbreitung der Pandemie helfen, «kommt es zur vollständigen Umstellung auf Distanzunterricht», heißt es in einem neu aufgelegten «Rahmen für aktualisierte Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen», den die Kultusministerkonferenz (KMK) beschloss und am Freitag in Berlin veröffentlichte. Wann genau das gegebenenfalls sein soll, ist dem Papier nicht zu entnehmen.

In den Räumen soll mindestens alle 45 Minuten eine Lüftung durch vollständig geöffnete Fenster über mehrere Minuten stattfinden - «wenn möglich auch öfter während des Unterrichts».

Beim Unterricht soll auf die Einhaltung des Mindestabstands verzichtet werden können. Der Abstand von mindestens 1,5 Metern soll im Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen nur möglichst bei Besprechungen, Konferenzen und Schulveranstaltungen eingehalten werden. Im normalen Betrieb soll es aber möglichst feste Gruppen (Kohorten) geben. Sie könnten helfen, im Infektionsfall die Kontakte und Infektionswege nachzuverfolgen, stellen die in der KMK versammelten Bildungsministerien fest.

Grundsätzlich sollen auch Schüler und Lehrer mit Grunderkrankungen in die Schule kommen. Immer wieder in der Diskussion ist, ob für Menschen etwa mit Asthma besonderer Schutz vor Corona nötig ist. Auch Schüler mit Grunderkrankungen können grundsätzlich vor Ort im Präsenzunterricht beschult werden, so die KMK. Besondere Hygienemaßnahmen für sie seien «zu prüfen». Eine Befreiung könne es entsprechend jeweiliger Länderregelungen gebe, Betroffene sollen dann ein entsprechendes Angebot im Distanzunterricht erhalten.

Beim Personaleinsatz gebe es keine Einschränkungen. «Prinzipiell besteht in jeder Situation die Möglichkeit, sich durch die Einhaltung der oben genannten Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen sowie das Einhalten des Mindestabstands zu den Schülerinnen und Schülern sowie anderen Personen zu schützen», heißt es in dem KMK-Papier. Die Länder könnten das aber auch anders regeln. «Eine generelle Zuordnung zu einer Risikogruppe ist laut RKI nicht möglich. Vielmehr erfordert dies eine individuelle ärztliche Bewertung der Risikofaktoren.»

Was die Masken für Mund und Nasen betrifft, stellt die KMK fest: «Die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wird von den Ländern in Abhängigkeit vom jeweiligen Infektionsgeschehen ausgesprochen und bei Bedarf in Absprache mit den zuständigen Gesundheitsbehörden auf den Unterricht ausgeweitet.» Im Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen könnten Masken auf dem gesamten Schulgelände angeordnet werden, wenn sich Kohorten mischen können. «Dies gilt nicht im Unterricht.» In einem eingeschränkten Regelbetrieb könne Eine Mund-Nasen-Bedeckung auch im Unterricht getragen werden, insbesondere von Schülern an weiterführenden Schulen.

Ein Abstandsgebot könne auf dem gesamten Schulgelände im Regelbetrieb angeordnet werden, wenn sich Kohorten mischen können. «Im Klassenraum ist davon abzusehen.» In einem eingeschränkten Betrieb soll es den Wegfall von Arbeitsgemeinschaften und Veränderungen beim Ganztagsangebot geben.

Bereits am Ende der ersten Schulwoche nach den Ferien wurden etwa in Mecklenburg-Vorpommern ein Gymnasium und eine Grundschule geschlossen, weil Personen positiv getestet worden waren. Virologen hatten vor der Annahme gewarnt, Kinder würden keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen. Die Viruszirkulation in den Schulen solle niedrig gehalten werden. Klassengrößen sollten abhängig von der Zahl der Neuinfektionen reduziert, feste Kleingruppen definiert werden. Aus virologischer Sicht sollten möglichst durchgängig Alltagsmasken getragen werden.

04.03.2020 12.14 Uhr

Dicke Luft vor dem Schulstart: Debatte um Raumreiniger im Klassenraum

Baden-Württemberg steigt als letztes Bundesland ins neue Schuljahr ein. Die wichtigsten Corona-Regeln hat das Kultusministerium festgezurrt. Aber das reicht nicht, kritisieren die Gymnasiallehrer. Unklar ist jedoch, wer sich den Schuh anziehen muss.

Trotz neuer Hygieneregeln für Klassenzimmer und Unterricht sind Kinder und Jugendliche nach Ansicht der Gymnasiallehrer zum Schulstart nicht gut genug vor Corona-Infektionen geschützt. Fenster ließen sich oft aus Sicherheitsgründen nicht vollständig oder gar nicht öffnen, kritisierte der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV). Deshalb müssten Raumluftreiniger beschafft werden, um die Aerosolkonzentration niedrig zu halten. Die winzigen Tröpfchen gelten als Hauptgrund für die Ansteckung mit dem Coronavirus.

«Eine solche technische Lösung könnte den Infektionsschutz für alle betroffenen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte massiv verbessern und Schulschließungen verhindern», sagte der PhV-Landesvorsitzende Ralf Scholl am Freitag in Stuttgart. Auch das Umweltbundesamt bewerte die Geräte als sinnvolle zusätzliche Maßnahme. Zudem hatten Forscher der Universität der Bundeswehr München einen Raumluftreiniger untersucht und eine Halbierung der Aerosolkonzentration binnen weniger Minuten festgestellt.

Das in der Studie verwendete Gerät kostet allerdings mehr als 4000 Euro. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht daher zwar auf lange Sicht ebenfalls die Vorteile eines Raumluftreinigers, ist aber skeptisch mit Blick auf Zeitplan und Kosten. «Die Geräte sind sinnvoll», sagte der GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider der Deutschen Presse-Agentur. «Aber wenn man sich anschaut, wie die Schulen derzeit ausgestattet sind und wie teuer so ein Reiniger ist, dann ist eine schnelle Umsetzung zum Schulstart unrealistisch.» Außerdem sei es schwierig, Handwerker für den umgehenden Einbau zu buchen.

Durch die Anlagen wird die Raumluft meist über Ventilatoren ausgewechselt. Die Außenluft wird angesaugt, gefiltert, gegebenenfalls aufgeheizt und schließlich in den Raum gelassen. Gleichzeitig wird die Abluft durch Unterdruck abgesaugt und vom Zentralgerät ins Freie befördert.

Das Kultusministerium reagierte verärgert auf die Kritik des PhV. «Wir haben für den Regelbetrieb der Schulen im Rahmen des Pandemiegeschehens ein umfassendes Hygienekonzept mit zahlreichen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen erstellt», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann. «Dieses Konzept sollte sich der Philologenverband vielleicht einmal durchlesen, bevor er die Behauptung in die Welt setzt, dass wir mit der Gesundheit der Lehrkräfte sowie der Schülerinnen und Schüler spielen», kritisierte die CDU-Politikerin weiter. «Die Behauptung des Philologenverbands deckt sich also nicht mit der Realität.»

Schulträger seien die Kommunen - und diese müssten gewährleisten, dass sich die Fenster an den Schulen öffnen ließen. «Das regelmäßige Lüften aller Räume ist eine der zentralen Infektionsschutzmaßnahmen», sagte Eisenmann. Schulträger müssten auch selbst entscheiden, ob Lüftungsanlagen eingesetzt würden. «Sie sind etwa dann sinnvoll, wenn eine ausreichende Belüftung der Räume nicht sichergestellt werden kann», sagte auch Eisenmann.

Die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahlen im kommenden März verwies auf die millionenschweren Mittel, die den Kommunen für die Sanierung ihrer Schulen zuständen. Das Land habe in den vergangenen drei Jahren unter anderem einen kommunalen Fonds aufgelegt, der zu 80 Prozent für Schulsanierungen eingesetzt werde. «Die Mittel in Höhe von 476,4 Millionen Euro sind vollständig bewilligt und werden fortlaufend von den Schulträgern abgerufen», erklärte die Ministerin.

04.03.2020 11.04 Uhr

Bußgeld auch für Maskenverweigerer auf Schulhöfen

Maskenverweigerern in Baden-Württemberg droht ab sofort auch auf dem Schulhof ein Bußgeld. Das geht aus dem neuen Strafkatalog hervor, den die Landesregierung nach den jüngsten Vereinbarungen von Bund und Ländern angepasst hat. Demnach drohen zwischen 25 und 250 Euro Bußgeld, wenn keine Mund-Nasen-Bedeckung außerhalb des Unterrichts getragen wird. Der sogenannte Regelsatz liegt bei 35 Euro, wie es in dem am Freitag veröffentlichten «Bußgeldkatalog für Ordnungswidrigkeiten» weiter heißt. Kontrolliert wird die Regelung nach Angaben des Sozialministeriums durch das Ordnungsamt, das in einem solchen Fall auch das Bußgeld erheben müsste.

Der Schutz ist ab Klasse fünf und an den weiterführenden Schulen auf den sogenannten Begegnungsflächen wie den Fluren, der Aula, dem Schulhof und den Toiletten vorgeschrieben. Im Klassenraum wird es an baden-württembergischen Schulen nach den Sommerferien dagegen keine Maskenpflicht geben.

Vor rund einer Woche war in einer gemeinsamen Beratung von Bund und Ländern entschieden worden, Verstöße gegen die Corona-Beschränkungen schärfer zu ahnden. Auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen konnten sich die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aber nicht einigen.

Auch das Mindestbußgeld für Maskenverweigerer außerhalb des Nahverkehrs wird im neuen Katalog angehoben. Es werden ab sofort wie in weiten Teilen Deutschlands auch mindestens 50 statt wie bislang 25 Euro fällig, wenn eine Maske nicht wie vorgeschrieben getragen wird. Die neuen Beschlüsse haben keine Auswirkung auf das im Südwesten geltende Mindestbußgeld für Verstöße gegen die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen. Dieses liegt weiter bei 100 Euro.

03.09.2020 17.46 Uhr

Coronavirus an Schulen in Niedersachsen - wie ist die aktuelle Lage?

In der Corona-Pandemie stehen die Schulen besonders im Fokus. Wird sich das Virus unter Schülern und Lehrern ausbreiten? Eine Woche nach Ende der Sommerferien sind manche Klassenzimmer schon wieder leer. Für die Schulaufsicht ist das keine Überraschung.

Seit rund einer Woche gehen mehr als eine Million Kinder und Jugendliche in Niedersachsen wieder zu Schule. Um das Risiko für eine Ausbreitung des Coronavirus zu reduzieren, gelten viele Regeln. Außerhalb ihrer festen Gruppe - etwa ihrer Klasse oder ihrer Jahrgangsstufe - müssen die Schülerinnen und Schüler Abstand von anderen halten. So muss im Fall einer Infektion nur die Gruppe und nicht die gesamte Schule in Quarantäne. Denn das Virus macht vor den Schultoren nicht Halt.

Frage: Wie ist die Lage an den Schulen?

Antwort: In den vergangenen Tagen wurden mehrere Corona-Fälle an niedersächsischen Schulen bekannt. Betroffen waren Schulen in Braunschweig, der Region Hannover sowie in den Landkreisen Friesland, Rotenburg, Helmstedt und Emsland. Mehrere Schulklassen sowie Lehrkräfte wurden in Quarantäne geschickt. Die Schülerinnen und Schüler müssen nun zuhause lernen, die Lehrer unterrichten vom Home-Office aus. In Gifhorn wurden sechs Kinder an vier Schulen positiv getestet - rund 160 Kontaktpersonen sollten zuhause bleiben, bis ihre Testergebnisse vorliegen. In Wilhelmshaven, Hildesheim und Schwarmstedt im Heidekreis konnten einige Schülerinnen und Schüler nach den Ferien zunächst nicht in ihre Schule, weil es positive Testergebnisse unter Lehrern, Schülern oder Geschwistern von Schülern gab.

Frage: Für wen wurde Quarantäne angeordnet?

Antwort: In den meisten Fällen waren einzelne Klassen betroffen. In Seelze bei Hannover sind bis zum 10. September ein kompletter neunter Schuljahrgang und Lehrkräfte in Quarantäne. Die Jungen und Mädchen werden online unterrichtet. Eine Schule in Bremervörde im Kreis Rotenburg war wegen eines bestätigten Falls im Lehrerkollegium zwei Tage vorsorglich geschlossen. An zwei Schulen im Bundesland Bremen wurden insgesamt 230 Kinder und Jugendliche in Quarantäne geschickt, nachdem ein Mädchen und ein Junge positiv getestet worden waren.

Frage: Wie beurteilt die Schulaufsicht die Entwicklung?

Antwort: Die Landesschulbehörde verweist darauf, dass es in Niedersachsen rund 3000 Schulen gibt. «Wenn es an einzelnen Schulen Einschränkungen gibt, sind es immer noch wenige Fälle. Das sind Fälle, die wir erwartet haben», sagte Sprecherin Bianca Trogisch. Die Behörde beobachte das Infektionsgeschehen und halte die Vorgaben aus dem Kultusministerium derzeit für ausreichend.

Frage: Was passiert, wenn es einen Corona-Fall an einer Schule gibt?

Antwort: Sobald eine Lehrkraft, eine Schülerin oder ein Schüler positiv auf das Virus getestet worden ist, muss die Schule das Gesundheitsamt und die Landesschulbehörde informieren. Danach werden weitere Personen, etwa die Eltern der betroffenen Klasse informiert. Möglich ist auch, dass das Gesundheitsamt zuerst von der Infektion erfährt und die Schule informiert. In beiden Fällen entscheidet das zuständige Gesundheitsamt, wer in Quarantäne muss. Ausschlaggebend dafür ist, mit wem die infizierte Person näheren Kontakt hatte. «Grundsätzlich gilt die jeweilige Klasse als enger Personenkreis, dieser Kreis muss bei einem Corona-Fall 14 Tage in Quarantäne», sagte Sonja Wendt von der Region Hannover. «Alle werden zwei Mal getestet.»

Frage: Darf ein Kind mit Erkältungssymptomen in die Schule?

Antwort: Das hängt von den Symptomen ab. Nach den Vorgaben des Kultusministeriums darf ein Kind mit leichtem Schnupfen zum Unterricht kommen. Sobald eine Schülerin oder ein Schüler aber erhöhte Temperatur, Fieber oder starken Husten hat, muss er oder sie zuhause bleiben. Erst nach 48 Stunden ohne Beschwerden darf die Schule wieder besucht werden. Bei Fieber, trockenem Husten und Halsschmerzen sowie einem Verlust des Geruchs- oder Geschmacksinns empfiehlt das Ministerium dringend einen Besuch beim Arzt.

Frage: Wann ist ein Corona-Test nötig?

Antwort: Der Arzt oder die Ärztin entscheidet, ob ein Corona-Test sinnvoll ist. Nach einem Test muss das Ergebnis abgewartet werden. Ist es negativ, kann der Unterricht wieder besucht werden. Bei einem positiven Test, gelten die Anweisungen des Gesundheitsamtes.

03.09.2020 15.51 Uhr

Singen und Musizieren mit Blasinstrumenten wird in Schulen erlaubt

Kirchliche und weltliche Chorverbände im Land protestierten im Sommer gegen das geplante Gesangsverbot an Schulen. Das Kultusministerium sperrte sich zunächst - und gibt nun teilweise nach.

Die Forderung «Rettet die Schulmusik» prangt nach wie vor in großen Lettern auf der baden-württembergischen Internetseite des Bundesverbands Musikunterricht. Schrill tönten die Alarmglocken der Chöre und Musiker im Sommer, weil das Singen und das Spielen von Blasinstrumenten in geschlossenen Räumen aus Angst vor dem Coronavirus an den Schulen verboten werden sollten. Nun schlägt das Kultusministerium rechtzeitig vor dem Schulstart am 14. September andere Töne an. Nach der jüngsten Corona-Verordnung für Schulen werden das Singen und das Musizieren mit Blasinstrumenten trotz der strengen Corona-Auflagen erlaubt. Für Schulchöre und -orchester gilt diese Zusage allerdings nicht - noch nicht.

Nach Angaben des Ministeriums von Donnerstag müssen beim Musizieren im Unterricht und in geschlossenen Innenräumen aber mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Vor allem darf nur im Klassenverband oder einer Lerngruppe der Jahrgangsstufe musiziert werden, wie es in der neuen Corona-Verordnung «über den Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen» heißt. Auch muss ein Mindestabstand von zwei Metern in alle Richtungen eingehalten werden. Außerdem wird empfohlen, dass zwischen Lehrern und Schülern eine durchsichtige Schutzwand installiert wird. Es muss regelmäßig gelüftet werden, zudem müssen Instrumente nach dem Unterricht desinfiziert und Einmaltücher benutzt werden. Andererseits ist laut Verordnung «die Mitwirkung außerschulischer Personen am Schulbetrieb [...] zulässig», es wären also zum Beispiel Musikschullehrer erlaubt.

Völlig überraschend kommt der neue Taktschlag aus dem Kultusministerium nicht. Landesministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte bereits Ende Juli angekündigt, eine Rückkehr der Musik in die Klassenräume prüfen zu lassen. Ihre Sorge: Beim Singen können Wissenschaftlern zufolge sogenannte Aerosole, also Gemische aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen, bis zu eineinhalb Meter nach vorne ausgestoßen werden. Das kann eine Ansteckung mit dem Coronavirus begünstigen.

Nicht zuletzt deshalb erteilte Eisenmann den Schulchören und -orchestern nun auch zunächst eine Absage: Wegen der Dynamik des Infektionsgeschehens seien keine jahrgangsübergreifenden Angebote und Aktivitäten zugelassen. «Mir ist völlig bewusst, dass der Verzicht auf gerade diese Angebote für musikbegeisterte Schülerinnen und Schüler sowie die Musiklehrkräfte eine herausfordernde Situation darstellt», bedauerte die Ministerin. Sie versprach aber, dass vor den Herbstferien die Lage erneut bewertet werde.

Chor- und Musikverbände hatten im Sommer wiederholt gegen das geplante Musik-Verbot in Schulen protestiert, es gab Online-Petitionen und offene Protestbriefe. Die FDP hatte sogar das Musikland Baden-Württemberg in Gefahr gesehen.

In ersten Reaktionen zeigten sich baden-württembergische Musikverbände vorsichtig zufrieden mit den neuen Vorgaben. «Das ist ein Schritt auf uns zu», sagte der Präsident des Landesmusikrates, Hermann Wilske, der Deutschen Presse-Agentur. Wichtig sei nun vor allem, dass bis zur erneuten Prüfung der Regeln vor den Herbstferien die eigentlich für den Chor vorgesehenen Unterrichtsstunden vorgehalten und nicht an andere Fächer verteilt würden. Unverständlich findet Wilske allerdings die Öffnung der Musikschulen bei zeitgleich strengen Regeln für die Klassen. «Da wird mit zweierlei Maß gemessen», sagte der Vorsitzende des Dachverbands der Musikverbände und -Institutionen im Land.

Tilman Heiland, Präsident des Landesverbands im Bundesverband Musikunterricht, hält die Entscheidung des Ministeriums für nachvollziehbar, «weil wir sehr vorsichtig sein müssen». Er sieht allerdings in der Verordnung noch etliche Fragen unbeantwortet. «Das gibt den Schulen die Möglichkeit, kreativ zu sein, wenn sie mit den Auflagen umgehen müssen», sagte er. Musikunterricht bleibe aber ein Pflichtunterricht und müsse auch als ein solcher geschätzt werden.

Vor den Problemen für kleinere Schulen warnte der Schwäbische Chorverband. «Bei den Abstandsregeln wird die benötigte Fläche schnell sehr groß», sagte dessen Sprecher Johannes Pfeffer. Vor allem für Schulen mit kleineren Jahrgängen werde es kaum möglich sein, bei der vorgeschriebenen Aufteilung der Schulen in Kohorten Chöre oder Orchester zu bilden.

Die angekündigte neue Bewertung vor den Herbstferien sei ein Hoffnungsschimmer. Denn das gemeinsame Singen in Schulen stelle nach wie vor eine existenzielle Grundlage für die Chorarbeit in Kirchen und Vereinen dar. «Wird in Schulen nicht gesungen, bricht den Chören irgendwann der Nachwuchs weg», sagte Pfeffer. Außerdem sei der positive emotionale und soziale Effekt auf Kinder und Jugendliche aus dem Schulalltag nicht wegzudenken.

03.09.2020 15.18 Uhr

Minister verteilen Schultüten mit Corona-Masken an Erstklässler

Zum Schulstart in der Corona-Krise bekommen am Dienstag die Abc-Schützen an einer Münchner Grundschule von der Staatsregierung Schultüten mit Schutzmasken geschenkt. Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) wollen pünktlich zum Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien stellvertretend für alle Schulanfänger in Bayern den Mädchen und Jungen in einer Grundschule in der Innenstadt einen Besuch abstatten, teilte das Kultusministerium am Donnerstag mit. In den Schultüten, die sie dort verteilen, sind dem Vernehmen nach neben Stiften und einem Block unter anderem auch Corona-Masken mit einem Bild des bayerischen Löwen enthalten.

Zum Schutz vor Ansteckungen gilt an den ersten neun Schultagen für alle Lehrer und Schüler der weiterführenden Schulen eine Maskenpflicht auch im Unterricht. Grundschulen sind davon zunächst ausgenommen. Hier müssen aber, wie an allen Schulen im Land, außerhalb des Unterrichts Mund und Nase verhüllt werden. Im Unterricht müssen Grundschüler und Lehrer dem Plan der Staatsregierung zufolge erst Masken tragen, wenn die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche in einer Region über den Grenzwert 50 steigt.

03.09.2020 14.45 Uhr

Kultusministerium legt Regeln zum Schulbesuch erkälteter Schüler fest

Leichter Schnupfen ja, schwerer Husten nein: Das bayerische Kultusministerium hat Regeln zum Schulbesuch erkälteter Schüler veröffentlicht. Demnach dürfen die Kinder und Jugendlichen bei leichten Symptomen wie Schnupfen und gelegentlichem Husten erst dann in die Schule, wenn sie binnen 24 Stunden kein Fieber entwickelt haben. So lange müssen sie zu Hause bleiben beziehungsweise werden nach Hause geschickt. Eine Ausnahme gibt es für Grundschüler, wie aus dem überarbeiteten Rahmen-Hygieneplan des Ministeriums hervorgeht. Kranke Kinder mit Fieber, Husten, Hals- oder Ohrenschmerzen, starken Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall müssen auf jeden Fall zu Hause bleiben.

03.09.2020 11.21 Uhr

Holter verurteilt Drohungen von Corona-Leugnern gegen Schulleiter

An einem Gymnasium wird ein kommissarisch eingesetzter Schulleiter von mutmaßlichen Corona-Leugnern bedroht. Außerdem werden krude Briefe an Thüringer Schulen verschickt. Bildungsminister Holter warnt davor, politische Diskussionen in die Schulen zu tragen.

Nach Drohungen von mutmaßlichen Corona-Leugnern gegen einen stellvertretenden Schulleiter in Ilmenau sieht Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) eine Grenze überschritten. «Schule ist ein geschützter Raum. Deshalb müssen solche politischen Auseinandersetzungen woanders geführt werden», sagte Holter am Donnerstag bei einem Treffen an der Goethe-Schule in Ilmenau.

Der dort kommissarisch eingesetzte Schulleiter Robby Krämer hatte einen Schüler des Gymnasiums verwiesen, der sich weigerte, im Schulgebäude eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Seitdem erhielt Krämer mehrere E-Mails, Anrufe und Nachrichten von mutmaßlichen Corona-Leugnern - teils auch auf sein privates Handy. Krämers Angaben zufolge sei ihm angedroht worden, dass ihm Leid zugefügt werden solle. Außerdem habe er eine E-Mail erhalten, «in der mir mitgeteilt wurde, dass ich nach der "Systemwende" zur Rechenschaft gezogen werden würde», sagte Krämer.

In Thüringen gilt im Unterricht keine Pflicht, eine Maske zu tragen - in den Schulgängen und an Orten, wo viele Menschen auf engem Raum aufeinandertreffen, aber schon.

Holter sprach von einem Einzelfall, wies aber darauf hin, dass ein Schreiben mit «pseudowissenschaftlichen Abhandlungen» an mehrere Thüringer Schulen mit verschickt worden sei, wie er sagte. «Die Schreiben deuten darauf hin, dass es hier um eine konzertierte Aktion geht», sagte Holter. Das Thema solle auch beim nächsten Gespräch der Kultusminister am Freitag besprochen werden.

Das Schreiben, das an mehrere Thüringer Schulen ging, wurde von der «Bürgerinitiative Eltern stehen auf, Regionalgruppe Thüringen» verschickt. Holter sagte, es sei nicht ausgeschlossen, dass das Schreiben auch in anderen Bundesländern verschickt wurde.

Darin werden Eltern nach den Hygienekonzepten an den Schulen befragt Unter anderem heißt es darin: «Angst sollte nicht der Motivator dafür sein, unsere Kinder in gesundheitlichen Einschränkungen und in psychisch soziale Krisen zu drängen.» Außerdem ist die Rede davon, dass Lehrer und Schulleitungen «drangsaliert» würden, indem ihnen bei Verstößen gegen die Anti-Corona-Maßnahmen hohe Bußgelder auferlegt würden.

Holter sagte, es müsse an dieser Stelle ein klares «Stoppzeichen» geben. Die Debatte um die Anti-Corona-Maßnahmen sei notwendig, dürfe aber nicht in die Schulen getragen werden. Er wolle ein Signal der Solidarität und Unterstützung mit dem betroffenen stellvertretenden Schulleiter senden.

02.09.2020 14.35 Uhr

Nach Coronafall bei Schüler alle Lehrer in Quarantäne

Nach einem Corona-Fall an einer Schule im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind alle 40 Lehrer unter Quarantäne gestellt worden. Deswegen falle der Unterricht in der Gesamtschule in Wildeck-Obersuhl zunächst komplett aus, sagte ein Kreissprecher am Mittwoch. Auch 111 Schüler der neunten Jahrgangsstufe seien in Quarantäne. Der Sprecher betonte zudem, es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. «Es gibt keine Hinweise auf ein Fehlverhalten.» Zuvor hatten verschiedene Medien über das Thema berichtet.

Laut dem Kreis war am Mittwoch ein Neuntklässler positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nun sollen alle Lehrkräfte in den nächsten Tagen getestet werden. Sobald die ersten negativen Ergebnisse bei Lehrern vorlägen, solle der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden. Lehrkräfte die in direktem Kontakt mit dem positiv getesteten Schüler standen, sollen zunächst in Quarantäne bleiben.

01.09.2020 19.10 Uhr

Millionenmetropole New York verschiebt wegen Corona-Krise Schulstart

Die Millionenmetropole New York hat wegen der Corona-Krise den Beginn des neuen Schuljahres um mehrere Tage nach hinten verschoben, um den Lehrern mehr Zeit zur Vorbereitung zu geben. Der eigentlich für den 10. September geplante Start des Unterrichts an den öffentlichen Schulen solle nun am 21. September stattfinden, teilte Bürgermeister Bill de Blasio am Dienstag mit. Das sei mit der Gewerkschaft der Lehrer verabredet worden.

Vor dem 21. September solle es schon drei Tage Online-Unterricht für alle Schüler geben. Ab dem 21. September könnten dann alle Schüler, deren Eltern sie für eine Mischung aus Online- und Vor-Ort-Unterricht angemeldet hätten, wieder tageweise zur Schule gehen.

New York war im Frühjahr eines der Epizentren der Corona-Pandemie gewesen. Inzwischen haben sich die Fallzahlen aber auf niedrigem Niveau stabilisiert. Gouverneur Andrew Cuomo hatte im August die Rückkehr in die Schulen erlaubt - so lange Sicherheitsvorschriften eingehalten würden und der Anteil positiver Testergebnisse an allen Corona-Tests eines Tages nicht über fünf Prozent liege.

Mit mehr als einer Million Schülern ist der Schulbezirk New Yorks der größte der USA - und einer der wenigen Großräume in den USA, in denen ein zumindest teilweise regulärer Unterricht geplant ist. Viele andere Schulbehörden haben bereits angekündigt, weiter online zu lehren.

01.09.2020 17.54 Uhr

Hessischer Landtag streitet über Corona-Regeln an Schulen

Bayern verschärft die Maskenpflicht in den Schulen, Nordrhein-Westfalen lockert die Regeln wieder. Und Hessens Kultusminister bleibt bei seiner Haltung.

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ist von der Landtagsopposition ein schlechtes Zeugnis zum Schulstart ausgestellt worden. Die Bildungsexperten warfen dem Minister am Dienstag im hessischen Landtag in Wiesbaden vor, kein ausreichendes Corona-Konzept für die Rückkehr zum regulären Präsenzunterricht in den Klassen vorgelegt zu haben. Schüler und Lehrer seien verunsichert. Lorz betonte in seiner Regierungserklärung dagegen, alle Beteiligten hätten die Corona-Krise bislang mit höchster Professionalität gemeistert. Den Schulen sei es gelungen, sich in Windeseile neu zu definieren.

Der Kultusminister sprach sich erneut deutlich gegen eine Maskenpflicht für Schüler im Unterricht aus. Alle Corona-Maßnahmen müssten verhältnismäßig bleiben. Bei allen Entscheidungen habe jedoch das Wohlergehen der Schüler und Lehrer immer oberste Priorität. Die Verantwortlichen seien in der Lage, alle Maßnahmen jederzeit in die eine oder andere Richtung anzupassen. Es gelte aber auch weiterhin, besonnen zu sein.

Die Einschätzung der lokalen Gesundheitsämter sei in Absprache mit den kommunalen Entscheidungsträgern ausschlaggebend dafür, ob es eine Verschärfung der derzeitigen Corona-Regeln in den Schulen gibt, erklärte der Minister. Die Gesundheitsbehörden vor Ort könnten zwar in Abhängigkeit von der Entwicklung der Corona-Fallzahlen das Tragen einer Maske auch im Unterricht zeitweise anordnen. Auf eine grundsätzliche Maskenpflicht im Unterricht wolle er jedoch aus pädagogischen und Gründen der sozialen Interaktion verzichten.

In Hessen gilt seit Schuljahresbeginn außerhalb des Unterrichts in Schulgebäuden und auf dem Gelände eine Maskenpflicht. Bayern hat dagegen jüngst entschieden, dass mit Beginn des neuen Schuljahres zunächst zeitlich befristet alle Lehrer und Schüler an den weiterführenden Schulen eine Maske im Unterricht tragen müssen. Die Schüler in Nordrhein-Westfalen dürfen dagegen die Maske im Unterricht mittlerweile wieder ablegen.

Lorz verwies nochmals auf den Leitfaden für die Schulen, der in Absprache mit der Kultusministerkonferenz vier Stufen je nach Infektionsgeschehen vorsieht. Die erste Stufe sei der angepasste Regelbetrieb, mit dem das Schuljahr begonnen worden sei. In der zweiten Stufe, dem eingeschränkten Regelbetrieb, gelten strengere Anforderungen an die Maskenpflicht, das Abstandsgebot und die Zusammensetzung der Lerngruppen.

In der dritten Stufe greife ein Wechselmodell mit einer Kombination von Präsenz- und Distanzunterricht in geteilten Lerngruppen. Stufe vier sehe einen Verzicht auf Präsenzunterricht und schulbezogene oder regionale Schulschließungen vor. Derzeit sei im Land eine Schule von der Corona-Schließung betroffen, berichtete der Kultusminister.

Der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen widersprach dem Kultusminister in seiner positiven Darstellung über den Start der Schulen nach den Sommerferien. In den ersten 14 Tagen des neuen Schuljahrs hätten über 50 Klassen geschlossen in Quarantäne geschickt und sechs Schulen komplett zugemacht werden müssen. Von einem normalen Betrieb mit regulärem Präsenzunterricht könne noch keine Rede sein. Absolute Priorität müsse es aber haben, weitere Schulschließungen zu verhindern.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Elisabeth Kula, mahnte, an den Schulen im Land herrsche eine tiefe Verunsicherung und «Wut über das chaotische Vorgehen des Kultusministeriums». Dieses ducke sich immer wieder weg und schiebe die Verantwortung auf andere. Sinnvolle Konzepte, um Unterricht und Schutz zugleich zu gewährleisten, würden abgelehnt. Stattdessen sei im Hauruckverfahren zum Regelunterricht zurückgekehrt worden. «Es braucht dringend konkrete Maßnahmenpakete.»

Der AfD-Abgeordnete Heiko Scholz forderte, die Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Sinne der Kinder an Schulen grundsätzlich auszusetzen. Die Masken würden die Übertragung von Sars-CoV-2 nicht zuverlässig verhindern.

Moritz Promny von der FDP-Fraktion warf der Landesregierung vor, für das digitale Lernen noch immer nicht die erforderlichen technischen Voraussetzungen an den Schulen geschaffen zu haben. Die Landesregierung drücke sich bei den Schulen vor der Verantwortung in der Corona-Pandemie.

Die Bildungsexperten der Regierungsfraktionen von CDU und Grünen, Armin Schwarz und Daniel May, betonten dagegen, dass das Land alle Anstrengungen unternehme, um die negativen Auswirkungen der Pandemie auf den Schulalltag so gering wie möglich zu halten. Die Landesregierung habe seit Beginn der Corona-Krise konsequent und planvoll agiert.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte derweil vor «Schönfärberei» bei der Beurteilung der Lage in den Schulen. Nach Einschätzung der Gewerkschaft ist ein Unterrichten in kleinen Lerngruppen, in denen die Abstandsregelungen eingehalten werden können, der beste Schutz vor einer Infektion. «Selbstverständlich muss dies mit einem Mund-Nasen-Schutz kombiniert werden, wenn zum Beispiel beim Kommen und Gehen ein Abstandhalten nicht möglich sein sollte», sagte die hessische GEW-Vorsitzende Birgit Koch.

Alle Schulen bemühten sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Kräften, soviel Unterricht und Normalität wie möglich zu organisieren, betonte Maike Wiedwald, die neben Koch ebenfalls GEW-Vorsitzende in Hessen ist. Dabei benötigten sie aber auch Unterstützung durch die Schulaufsicht und das Kultusministerium.

01.09.2020 09.37 Uhr

Maske und Abstand: Schulstart in Frankreich unter Corona-Bedingungen

In Frankreich hat für Millionen von Kindern und Jugendlichen das neue Schuljahr mit Corona-Regeln begonnen. Alle Schulen hätten am Dienstag ihre Türen geöffnet, es gebe keine Ausnahmen, sagte Bildungsminister Jean-Michel Blanquer dem Fernsehsender BFMTV.

«Wir brauchen die Schule. Schule ist nicht überflüssig», sagte Blanquer. Die Herausforderungen des neuen Schuljahres seien zwar zahlreich, schrieb Staatschef Emmanuel Macron auf Twitter, aber endlich seien alle wieder zusammen. Er rief dazu auf, nun die gleiche Verantwortung wie in den vergangenen Monaten zu zeigen.

Die Bedingungen für den Beginn des neuen Schuljahres sind in Frankreich heftig diskutiert worden. Mehr als zwölf Millionen Schülerinnen und Schüler kehren aus den Sommerferien in die Klassenzimmer zurück - viele zum ersten Mal nach mehreren Monaten. Der Schulstart sei «gut vorbereitet», sagte Bildungsminister Blanquer. Der Unterricht solle so normal wie möglich ablaufen.

Die Schüler müssen ab elf Jahren eine Maske tragen und die Abstandsregeln einhalten. Unklar ist zum Beispiel noch, wie viele Schüler infiziert sein müssen, bevor ganze Klassen geschlossen werden.

Ab Dienstag gilt auch in französischen Unternehmen eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz. Frankreich ist von der Pandemie hart getroffen worden. Bislang sind mehr als 30 500 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Seit einigen Wochen steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder an. In vielen Städten, darunter auch in der Hauptstadt Paris, gilt eine Maskenpflicht auch im Freien.

01.09.2020 09.37 Uhr

NRW-Ministerium: Singen in Klassen nein, Sport ohne Maske ja

Singen in Klassenräumen soll vorerst bis zu den Herbstferien in den Schulen in Nordrhein-Westfalen verboten bleiben. Darauf hat das Schulministerium in einer E-Mail an die Einrichtungen aufmerksam gemacht. Singen im Freien oder in der Aula seien grundsätzlich erlaubt. Auch der Sportunterricht solle weiter im Freien stattfinden. «Das kontinuierliche Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung» sei für den gesamten Sportunterricht- «insbesondere in den Phasen physischer Betätigung» aber nicht vorgesehen.

Zum Thema Sport ergänzte das Ministerium: «Unterrichtseinheiten in Bewegungsfeldern und Sportbereichen, bei denen sich Körperkontakt nicht vollständig vermeiden lässt, können durchgeführt werden, wenn Unterrichtssituationen hergestellt werden, die das Infektionsgeschehen verringern.» Der Schwimmunterricht solle auch in Hallenbädern, soweit die Bäder geöffnet sind, stattfinden.

Singen wiederum sei «unter dem Gesichtspunkt des Infektionsgeschehens eine erhöhte Gefahr», erklärte Schulstaatssekretär Mathias Richter in seiner E-Mail. «Aufgrund von zahlreichen Nachfragen stelle ich klar, dass mit "geschlossenen Räumen" in erster Linie Klassenräume gemeint sind.» Verfüge eine Schule über «ausreichend große und gut zu belüftende Räume (z.B. Aula, Musiksaal)», in denen man auch Abstand halten kann, sei gemeinsames Singen okay. Bei Vorführungen solle man vorrangig auf Videos oder Tonaufnahmen setzen.

01.09.2020 03.26 Uhr

Keine Maskenpflicht an Schulen in Russland

Nach mehr als fünf Monaten Pause öffnen in Russland die Schulen wieder für den Unterricht. Für etwa 17 Millionen Schüler beginnt damit an diesem Dienstag das neue Schuljahr - wie jedes Jahr am 1. September nach gut drei Monaten Ferien. Viele haben die Klassenräume das letzte Mal Ende März betreten, als alle Schulen im Land wegen der Corona-Pandemie auf Fernunterricht umgestellt hatten. Nach Angaben des Bildungsministeriums in Moskau gelten nun neue Vorschriften, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern.

Demnach sollen die Schüler nicht mehr die Klassenräume wechseln und morgens zeitversetzt in den Schultag starten, damit es auf den Fluren nicht zum Gedränge kommt. Am Morgen werde allen die Temperatur gemessen. Sollte ein Kind oder Jugendlicher eine Körpertemperatur von mehr als 37 Grad haben, werde ein Arzt eingeschaltet, hieß es. Bei einem Corona-Fall muss den Angaben zufolge die gesamte Klasse zu Hause bleiben. Eine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer im Unterricht gibt es demnach nicht.

In Russland sind nach offiziellen Angaben bereits mehr als 995 000 Corona-Infektionen erfasst geworden. Etwa 17 100 Menschen starben mit dem Virus. Jeden Tag kommen rund 5000 neue Fälle hinzu. Eltern befürchten deswegen, dass ihre Kinder bald schon wieder zu Hause statt im Klassenraum lernen könnten. Veranstaltungen an den Schulen wurden bereits für die nächsten Monate abgesagt.

31.08.2020 16.25 Uhr

Ministerium erlaubt nun doch Schülern Nutzung von Corona-App

Das Kultusministerium hat wegen der Corona-Warn-App seine Richtlinien zur Nutzung von Smartphones in der Schule geändert. Nach den neuen Vorgaben dürfen Bayerns Schüler ihre Handys während der Unterrichtszeit eingeschaltet lassen, um die Corona-App der Bundesregierung auch in dieser Zeit nutzen zu können, erklärte ein Sprecher des Ministeriums am Montag. Die Geräte müssten «jedoch stumm geschaltet sein und während des Unterrichts in der Schultasche verbleiben», heißt es auf der Informationsseite des Ministeriums im Internet.

Damit hat das Ministerium seine bisherige Linie geändert. Vor wenigen Wochen war noch der Regensburger Jugendbeirat mit einer entsprechenden Initiative gescheitert. Der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien der Oberpfalz wies das Anliegen entsprechend der Vorgaben aus München mit der Begründung zurück, dass die Nutzung der Warn-App an Schulen nicht erforderlich sei. Denn dort könnten im Unterschied zum öffentlichen Raum Infektionsketten auch ohne die App schnell erkannt und nachverfolgt werden, hieß es damals.

Grundsätzlich war bislang die Nutzung der Handys auf dem Schulgelände den Kindern und Jugendlichen im Freistaat verboten, wenn die Geräte nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden.

31.08.2020 16.25 Uhr

Maske auf in Bayern, Maske ab in NRW: Neue Regeln im Unterricht

Die Schüler in NRW können durchatmen: Nach 14 Tagen dürfen sie die Maske im Unterricht wieder ablegen. In Bayern hingegen gilt mit dem neuen Schuljahr zunächst mal eine befristete Maskenpflicht. Und im Rest der Republik?

Durchatmen für die Einen, Einschränkungen für die Anderen: In Nordrhein Westfalen dürfen Schüler ab Dienstag wieder ohne Maske in den Klassenraum - Bayern hingegen führt mit dem Start des neuen Schuljahrs eine vorübergehende Maskenpflicht im Unterricht ein. Zunächst für neun Schultage sollen Schüler und Lehrer eine Maske tragen, teilte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag in München mit. Lediglich Grundschüler dürften weiterhin ohne Mund-Nase-Bedeckung in der Schule erscheinen.

In Bayern ist die Maskenpflicht zum Start des Schuljahrs am Dienstag kommender Woche Teil des Hygienekonzepts, mit dem die Staatsregierung den Regelunterricht auch in der Krise bestmöglich aufrecht erhalten will. «Wir wollen wieder Schule haben in Bayern», sagte Söder. Masken seien besser als Schulausfälle. Sollte es in einer Region auch nach den neun Tagen hohe Fallzahlen geben, kann der Maskenzwang im Unterricht auch regional begrenzt verlängert oder neu verhängt werden. Formell wird Bayern sein Schulkonzept in der Kabinettssitzung an diesem Dienstag beschließen.

Der Freistaat geht damit im Kampf gegen die Corona-Infektionen einen ähnlichen Weg wie Nordrhein-Westfalen. Auch hier hatte nach den Ferien für 14 Tage eine Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen gegolten. Nachdem im bevölkerungsreichsten Bundesland die Fallzahlen entgegen dem Bundestrend jüngst rückläufig waren, endete die Maskenpflicht im Unterricht an diesem Montag. Einzelne Schulen behalten sie jedoch zunächst bei - etwa, weil in den Klassenräumen kein Mindestabstand eingehalten werden kann, oder weil aus gesundheitlichen Gründen nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen, um den Unterricht ohne Maskenpflicht zu stemmen.

NRW und Bayern sind die einzigen Bundesländer, die bislang eine flächendeckende Maskenpflicht im Unterricht eingeführt haben. Andernorts sind die Regelungen zum Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen in Schulen sehr unterschiedlich. In vielen Bundesländern müssen in den Gängen, Pausenhöfen oder Toiletten Mund und Nase bedeckt sein, nicht jedoch im Unterricht. In Hessen wurde in einigen Kommunen wie etwa Frankfurt auch Maskenpflicht für einzelne Schulen angeordnet. Und in sächsischen Schulen etwa gilt gar keine umfassende Maskenpflicht. In anderen Ländern haben einzelne Schulen für sich eine Maskenpflicht im Unterricht festgelegt.

Die Kultusminister der Länder sollen mögliche Vereinheitlichungen erörtern. Dazu waren sie nach dem Treffen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am vergangenen Donnerstag beauftragt worden.

31.08.2020 14.05 Uhr

Bayern führt befristete Maskenpflicht im Schulunterricht ein

Wenn in einer Woche die Schule in Bayern wieder losgeht, wird sich schnell zeigen, ob die Corona-Zahlen wieder rasant steigen. Masken im Unterricht sollen den Infektionsschutz zum Auftakt verbessern.

Nach dem Ende der Sommerferien gilt in Bayerns Schulen zunächst für neun Schultage eine Maskenpflicht für alle Schüler und Lehrer im Unterricht. Dies teilte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag nach Beratungen mit Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern in München mit. Von der Maskenpflicht als «Sicherheitspuffer» seien einzig Grundschüler ausgenommen. Der Unterricht beginnt in Bayern am Dienstag nächster Woche wieder.

Die Maskenpflicht zum Auftakt des Schuljahres ist Teil des Hygienekonzeptes, mit dem der Regelbetrieb an den Schulen auch in der Pandemie aufrecht erhalten werden soll. Dazu gehört, dass zur Minimierung der Ansteckungsrisiken zudem in den Gebäuden und überall dort, wo kein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann, eine Pflicht zum Tragen des Mund-Nase-Schutzes gibt.

Sollte in einer Region auch nach den neun Tagen hohe Fallzahlen geben, kann die Maskenpflicht im Unterricht auch regional begrenzt verlängert oder neu verhängt werden. Ziel sei es, den Regelunterricht auch in der Krise bestmöglich aufrecht zu erhalten. «Wir wollen wieder Schule haben in Bayern», sagte Söder.

Formell wird Bayern sein Schulkonzept in der Kabinettssitzung am Dienstag beschließen. Da an dem Bildungsgipfel in der Staatskanzlei auch Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) teilgenommen hatte, ist die Zustimmung in der Koalition sicher.

Der Freistaat geht damit im Kampf gegen das Corona-Infektionen einen ähnlichen Weg wie Nordrhein-Westfalen. Auch hier hatte nach den Ferien für sogar 14 Tage eine Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen gegolten. Nachdem im bevölkerungsreichsten Bundesland die Fallzahlen entgegen dem Bundestrend jüngst rückläufig waren, endete die Maskenpflicht im Unterricht an diesem Montag.

In Bayern gilt wegen der Pandemie generell eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und an allen Orten, an denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Verstöße werden mit 250 Euro und im Wiederholungsfall mit 500 Euro geahndet. Der Freistaat setzt zur Prävention der Infektion neben Masken auch auf umfangreiche Tests.

31.08.2020 13.32 Uhr

Einzelne NRW-Schulen behalten Maskenpflicht zunächst bei

An den meisten weiterführenden Schulen in NRW dürfen die Schüler ab Dienstag die ungeliebte Maske im Unterricht absetzen. Einige Schulen behalten die Pflicht jedoch bei und begründen dies mit einem höheren Infektionsrisiko. Kommunen appellieren an freiwilliges Maske-Tragen.

Nicht an allen weiterführenden Schulen in NRW endet an diesem Montag die Maskenpflicht im Unterricht. Beibehalten wird sie etwa an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Essen, zunächst bis zu den Herbstferien, wie die Schule auf Facebook mitteilte. «In keinem unserer Klassenräume kann im normalen Präsenzunterricht der Mindestabstand eingehalten werden», erklärte die Schule. Im Unterricht werde gesprochen, sich ausgetauscht. Man sehe hier ein erhöhtes Infektionsrisiko. Zuvor hatte die «WAZ» (Montag) darüber berichtet.

Bereits zu Beginn des Schuljahres sei in der Schulkonferenz über die Maskenpflicht bis zu den Herbstferien gesprochen worden, hieß es weiter. Von den Eltern habe es dafür Zuspruch gegeben.

Für die Ankündigung gab es Lob, aber auch Kritik. «Ich finde die Entscheidung der Schule super. Meine Tochter fühlt sich besser mit der Maske», kommentierte jemand. «Ich frage mich, wofür solche Sachen beschlossen werden und dann jede Schule eigenständig entscheidet», schrieb ein anderer.

Auch am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oberhausen bleibt die Maskenpflicht bestehen, zunächst für weitere knapp zwei Wochen. Für den Fall, dass die Schulkonferenz die Maskenpflicht ab dem 14. September abschafft, hat die Schulleitung Unterrichtskürzungen angekündigt. Grund sei, dass dann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr alle Lehrer für einen Unterricht ohne Maskenpflicht zur Verfügung stünden. Pläne für eine Beibehaltung der Maskenpflicht für zunächst zwei Wochen gab es auch am Viktoriagymnasium in Aachen.

Die Maskenpflicht im Unterricht der weiterführenden und berufsbildenden Schulen in NRW bestand seit Beginn des Schuljahres am 12. August. Solch eine Maßnahme gab es flächendeckend in keinem anderen Bundesland. Für Grund- und Förderschüler der Primarstufe galt sie auch in NRW nicht. Auf Schulhöfen und im Schulgebäude bleibt die Maskenpflicht aber für alle an allen Schulformen bestehen.

Bereits vergangene Woche hatte der Krisenstab der Stadt Wuppertal an die Schulen appelliert, über den 31. August hinaus einen Mund-Nasen-Schutz während des Unterrichts tragen zu lassen. Das Tragen einer Maske sei ein sinnvolles Mittel zur Minderung eines Infektionsrisikos, wenn - wie in vollen Klassen der Fall - Mindestabstände von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könnten, hatte die Stadt mitgeteilt.

Schon vor einer Woche hatte das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg den weiterführenden Schulen das «durchgängige Tragen einer eng anliegenden Mund-NasenBedeckung» empfohlen - «selbst dann, wenn ein Mindestabstand von 1,5 m üblicherweise eingehalten werden kann». Ob durchgehend eine Mund-Nasenbedeckung getragen werde, habe gravierende Auswirkungen darauf, «wie groß der Personenkreis derer ist, die bei Auftreten eines positiven Falles in der Schule in Quarantäne müssen», heißt es in einem Infoblatt des Amtes.

31.08.2020 06.00 Uhr

Volle Busse: Einhaltung der Maskenpflicht wird stärker kontrolliert

Schon vor Corona galten Busse und Bahnen als Ansteckungsort in der Erkältungszeit. Nach dem Schulstart in Niedersachsen wird in dieser Woche nun vielerorts verstärkt kontrolliert, ob alle Fahrgäste Maske tragen. Einen besonderen Weg geht der Kreis Peine.

In vielen Bussen und Bahnen in Niedersachsen soll die Einhaltung der Maskenpflicht in dieser Woche intensiver als bisher kontrolliert werden. Weil wieder mehr als eine Million Kinder und Jugendliche gleichzeitig zur Schule müssen, ist der Nahverkehr jetzt deutlich stärker belastet als in den vergangenen Wochen. Wer gegen die Maskenpflicht verstößt, muss seit Ende vergangener Woche auch mit deutliche höheren Geldbußen rechnen als bisher.

In manchen Regionen werden zu Stoßzeiten zwar morgens und mittags zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt, allerdings längst nicht in allen niedersächsischen Städten und Landkreisen. «Eine flächendeckende Ausweitung der Kapazitäten wird landesweit nicht möglich sein, da weder ausreichend Fahrzeuge noch das erforderliche Personal dafür zur Verfügung stehen», sagte der Sprecher des Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen, Eckhard Spliethoff. Zudem habe das Land Niedersachsen dafür bisher keine zusätzlichen finanziellen Mittel bereitgestellt, kritisierte der Sprecher.

Schüler müssen wie alle Passagiere an den Haltestellen und in Bussen und Bahnen eine Maske oder einen anderen Mund-Nasen-Schutz tragen. Wenn ein Fahrgast ohne Maske einsteigen will, kann ihm das Personal den Zugang verweigern. Im Zweifel werde die Fahrt dann nicht fortgesetzt und die Leitstelle der Polizei gerufen, sagte der Sprecher des Verkehrsverbundes.

HANNOVER: Zur Maskenkontrolle setzen die Verkehrsbetriebe üstra etwa 110 Sicherheitsdienst-Mitarbeiter ein. Außerdem stehen an Haltestellen großer Schulzentren «Maskenscouts», die in den ersten Tagen nach den Sommerferien auf die Regeln hinweisen. Ferner wollen die Verkehrsbetriebe die Jugendlichen mit Unterstützung Prominenter etwa aus dem Sportbereich über soziale Medien ansprechen - «Wer Maske trägt, ist cool!» lautet die Botschaft. Zu Schulbeginn und -ende gibt es längere Busse, zusätzliche Straßenbahnwagen und einen mehr Fahrten.

WOLFSBURG: In Wolfsburg weisen Plakate auf die Maskenpflicht hin, Durchsagen in Bussen und an Verkaufsständen kommen hinzu, wie eine Sprecherin der Verkehrs-GmbH sagte. Stichprobenartige Kontrollen zusammen mit dem Ordnungsamt sollen helfen, die Maskenpflicht in den Bussen durchzusetzen. Auch Sanktionen könnten verhängt werden - und Busfahrer haben das Recht, uneinsichtige Fahrgäste abzuweisen. «Es läuft ganz gut», sagte eine Sprecherin in Wolfsburg. Nur in Einzelfällen gebe es Diskussionen mit Maskenverweigerern. «Im Grunde funktioniert es, auch bei den Schülern», sagte die Sprecherin.

BRAUNSCHWEIG: Dort sind nach Ende der Sommerferien in dieser Woche mehrere stichprobenartigen Kontrollen geplant, an denen am Dienstag auch Braunschweigs Ordnungsdezernent Thorsten Kornblum teilnimmt. Der weit überwiegende Teil der Fahrgäste halte sich aber an die Regeln, hieß es aus Braunschweig.

SÜDNIEDERSACHSEN: Im Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen kann die Zahl der Busse insgesamt wegen der Corona-Pandemie nicht erhöht werden. Hintergrund ist unter anderem der Mangel an Busfahrern. Wer angesichts der Infektionsgefahr auf dem Weg zur Schule nicht zwingend den Linienbus benötige, dem wird dort geraten, zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Zudem sollten die Kinder möglichst nicht im Bus essen, um den Mund-Nasen-Schutz nicht abzunehmen.

PEINE: Der Landkreis Peine geht einen neuen Weg und bietet Eltern, die ihre Kinder statt in den Bus zu setzen selber mit dem Auto bringen, eine Pauschale von 30 Cent pro Kilometer an. «Es geht darum, die Busunternehmen zu entlasten», sagte Landkreissprecher Fabian Laaß. Wenn Eltern ihre Kinder lieber selbst fahren, sollten sie sie aber nicht direkt vor der Schule aussteigen lassen, um ein Verkehrschaos zu verhindern. In Peine gibt es auch eine Monatsprämie von zehn Euro für radfahrende Schüler. Wie Eltern und Schüler das Geld erhalten, erfahren sie in den Schulen oder beim Landkreis.

FINANZHILFEN FÜR NAHVERKEHRSUNTERNEHMEN: Nach Angaben des niedersächsischen Verkehrsministeriums stellt die Landesregierung für die Nahverkehrsunternehmen 190 Millionen Euro bereit - zur Abmilderung von Auswirkungen der Corona-Pandemie, vor allem für erlittene Einnahmeausfälle. Zudem gibt es Überlegungen, Busse privater Reiseunternehmen etwa für die Schülerbeförderung einzusetzen, sagte ein Sprecher. Entsprechende Anfragen seien aber bislang nicht an die Landesregierung herangetragen worden.

INFEKTIONEN: Bisher sind zumindest für Bremen und den Nordwesten Niedersachsens keine Ansteckungen von Fahrern oder Fahrgästen mit Covid-19 in öffentlichen Verkehrsmitteln bekannt, wie VBN-Sprecher Spliethoff sagte. In den Fahrzeugen wurden Plexiglasscheiben eingesetzt, um die Fahrerinnen und Fahrer vor Ansteckung zu schützen. Zudem werden die Busse und Bahnen dem Sprecher zufolge regelmäßig gründlich gereinigt und desinfiziert.

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