Freitag, 05. März 2021

+++ Liveticker – Auswirkungen des Coronavirus auf deutsche Schulen +++ 05.03.2021

Im SCHULEN.DE-Liveticker zum Coronavirus finden Sie tagesaktuell alle Informationen zur Auswirkung des Coronavirus auf die deutschen Schulen.

05.03.2021

Schnelltests werden an Schulen bisher nur wenig genutzt

Nur eine Minderheit der etwa 100 000 Beschäftigten an niedersächsischen Schulen lässt sich kostenlos auf das Coronavirus testen. Zahlen des Kultusministeriums zufolge liege der Anteil bei rund zwölf Prozent, berichtete die Oldenburger «Nordwest-Zeitung» (Freitag). Demnach können sich Lehrer, aber auch Beschäftigte wie Sozialassistenten oder Schulhausmeister bis zu den Osterferien einmal pro Woche kostenfrei testen lassen.

In der Woche vom 15. bis zum 19. Februar gab es etwa 12 300 Tests, wie ein Sprecher des Kultusministeriums der Zeitung sagte. Davon seien 0,08 Prozent positiv ausgefallen. Die Betroffenen mussten im Anschluss noch einen sogenannten PCR-Test machen. Für die Schnelltests für Lehrkräfte und Kita-Beschäftigte hatte das Land bis zu 40 Millionen Euro reserviert. Die Tests werden in Arztpraxen vorgenommen. Ein ähnliches Testangebot war auch im vergangenen Jahr von den Lehrkräften nur schwach genutzt werden.

Als «viel zu kompliziert» kritisiertet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) das Verfahren. Es sei sinnvoller, dort zu testen, wo die Menschen arbeiten, also in der Schule, sagte GEW-Sprecher Christian Hoffmann. Die Gewerkschaft fordert vom Land eine verlässliche Impf- und Teststrategie.

Schüler erhalten Zwischenzeugnisse - oder andere Beurteilungen

Der wochenlange Distanzunterricht in Bayern hat wenig mit normalem Schulalltag zu tun. Zwischenzeugnisse gibt es trotzdem - allerdings später als geplant und teils mit einem ganz speziellen Satz statt einer Note. Vielerorts werden die Zeugnisse auch gleich ganz ersetzt.

Mit dreiwöchiger Verzögerung bekommen viele Schülerinnen und Schüler in Bayern nun ihre Zwischenzeugnisse. Doch trotz dieses offiziellen Termins werden längst nicht alle ihren Notenzettel an diesem Freitag in der Hand halten. Wer gerade keinen Präsenzunterricht hat, bekommt das Zeugnis erst nächste Woche ausgehändigt - oder per Post zugeschickt. Und: Gerade in diesem Jahr werden auch andere Formen der Leistungsbeurteilung intensiv genutzt. Denn für viele Schulformen und Jahrgangsstufen gibt es Alternativen.

So gibt es an den Grundschulen und an den Jahrgangsstufen fünf bis sieben der Mittelschulen die Möglichkeit, die Zwischenzeugnisse durch «Lernentwicklungsgespräche» zu ersetzen. Mehr als 90 Prozent der Grundschulen machen laut Kultusministerium davon Gebrauch. Die vierten Klassen erhalten ohnehin nur eine Zwischeninformation über den Leistungsstand, bevor am 7. Mai die Übertrittszeugnisse anstehen.

In den Jahrgangsstufen fünf bis acht der Realschulen sowie an den Gymnasien können die Zwischenzeugnisse durch zwei schriftliche Informationen über das Notenbild ersetzt werden - an den Wirtschaftsschulen ist dies heuer gar obligatorisch. Die elften Klassen der Fachoberschulen und Berufsoberschulen (FOS/BOS) erhalten ebenfalls kein Zwischenzeugnis, die Jahrgangsstufen 12 und 13 bekommen es erst am 12. März.

Die neunten Klassen der Mittelschulen können das Zeugnis bis Ende April sogar ein zweites Mal ausgestellt bekommen, sofern bis dahin nachträglich ausreichende Leistungsnachweise in den Prüfungsfächern vorliegen. Ansonsten bleibt es bei dem Satz, den auch die Schüler anderer Schularten trotz reduzierter Probenanzahl in diesem Jahr häufiger lesen dürften: «Im Fach XY konnten pandemiebedingt noch nicht genügend Leistungsnachweise für eine aussagekräftige Zeugnisnote erhoben werden.» Die meisten der 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler befinden sich noch immer im Wechselunterricht.

Angesichts all dieser Einschränkungen und der unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder und Jugendlichen kommentierte der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband: «Festhalten an Noten macht doch jetzt keinen Sinn.» Nach diesem Halbjahr könne es keine gerechten, fairen und vergleichbaren Bewertungen geben.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hingegen betonte: «Das Zwischenzeugnis gibt eine wichtige Rückmeldung zu Stärken, aber auch zu eventuellen Defiziten, an denen die Schülerinnen und Schüler weiterarbeiten sollen.» Der Minister erinnerte aber auch daran, dass Zeugnisse und Noten «beileibe nicht das Wichtigste» seien.

Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) riet deshalb, bei schlechten Bewertungen nicht die enttäuschten Erwartungen, sondern das Kind in den Mittelpunkt zu stellen. Hilfe gebe es unter anderem bei den Erziehungsberatungsstellen der Kommunen, bei kostenlosen Sorgenhotlines wie der «Nummer gegen Kummer» für Jugendliche unter 0800-1110333 oder für Eltern unter der 0800-1110550. Darüber hinaus berate die staatliche Schulberatung Schüler und Eltern.

KMK-Chefin Ernst: Alle Schüler sollen noch im März zur Schule

Alle Schüler sollen nach den Worten der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, noch im März wieder in die Schule gehen können. «In der Kultusministerkonferenz sind wir uns einig: Wir wollen, dass noch im März alle Schülerinnen und Schüler wieder zur Schule gehen - auch wenn es im Regelfall erst mal Wechselunterricht sein wird», sagte Brandenburgs Bildungsministerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). «Einige Bundesländer, in denen die Inzidenzwerte sehr niedrig sind, werden sich auch für Präsenzunterricht entscheiden», fügte die SPD-Politikerin hinzu. Gerade der Wechselunterricht ermögliche das Einhalten von Abständen sehr gut.

«Auch wenn wir durch die Virusmutation eine veränderte Situation haben, können wir nicht noch mal mehrere Wochen warten. Dafür haben die Schulschließungen einen zu hohen sozialen Preis», betonte Ernst. Kinder und Jugendliche litten stark unter der Beschränkung ihrer Kontakte - nicht nur durch schlechtere Bildungschancen, sondern auch psychisch. «Das darf uns nicht kalt lassen», sagte Ernst. «Deshalb ist für mich klar, dass wir nicht nur die Grundschulen öffnen müssen, sondern auch an den weiterführenden Schulen zumindest in den Wechselunterricht gehen müssen.»

Ernst fordert ferner einen Digitalpakt II, mit dem der Bund die Länder dauerhaft in Sachen Digitalisierung und Schule unterstützt. «Die fortwährenden Investitionen, um unsere Schulen bei der Digitalisierung dauerhaft auf dem Stand der Zeit zu halten, können Länder und Kommunen nicht allein leisten», begründete Ernst die Forderung. «Der Bund muss sich hier weiter engagieren – und zwar erheblich.» Der Digitalpakt Schule ist im Mai 2019 in Kraft getreten. Bis 2024 stellt der Bund darüber fünf Milliarden Euro für die Ausrüstung der Schulen mit neuer Technik bereit.

04.03.2021

Neuerungen für Schulen angekündigt - Kritik an Bildungsministerium

Das Schweriner Bildungsministerium erntet von verschiedenen Seiten Kritik für seine aktuelle Schulpolitik in der Corona-Krise. Derweil ist es nicht untätig.

Das Schweriner Bildungsministerium arbeitet an weiteren Öffnungsschritten für die Schulen, während die Kritik an seinem bisherigen Vorgehen wächst. «Die Ministerpräsidentin hat die Bildungsministerin gebeten, den Stufenplan zu überarbeiten und zu prüfen, welche weiteren Öffnungsschritte vor allem unter Einsatz einer weiteren Teststrategie möglich sind», teilte Ministeriumssprecher Henning Lipski am Donnerstag mit.

Bis zum MV-Gipfel an diesem Freitag werde der Stufenplan weiterentwickelt. «Details sind gerade in Arbeit.» Informationen des NDR, wonach die Klassen sieben bis elf in gut einer Woche zunächst im Wechselunterricht wieder zurück in die Schulen kommen, wollte Lipski nicht bestätigen.

Die Kritik an der bisherigen Schulöffnungspolitik des Bildungsministeriums in Mecklenburg-Vorpommern wird unterdessen immer lauter. Die Lehrergewerkschaft GEW forderte am Donnerstag bei einer Corona-Inzidenz von 35 und mehr Wechselunterricht an den Schulen für alle Klassenstufen, um mit kleinen Gruppen die Infektionsgefahr zu verringern und zugleich allen Schülern wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Auch Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) verlangte Wechselunterricht statt des derzeit praktizierten freiwilligen Präsenzunterrichts von Klasse eins bis sechs, der mancherorts zu randvollen Klassen führt. «Wir dürfen das Erreichte nicht gefährden», warnte Badenschier. Am Vortag hatte es einen Infektionsfall in einer fünften Klasse in Schwerin gegeben. Bei Inzidenzen über 50 sei Vorsicht geboten. Gleichzeitig müsse eine Perspektive angesichts nur langsam sinkender Zahlen her. Die bisherige Linie des Bildungsministeriums bringe die Eltern in Entscheidungsnot, zwischen Schule und Gesundheit zu wählen, sagte das Stadtoberhaupt.

Der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm forderte, endlich auch die Mädchen und Jungen ab Jahrgangsstufe sieben wieder zur Schule gehen zu lassen. Sie waren zuletzt vor Weihnachten dort.

Bisher wird in Mecklenburg-Vorpommern ab einer regionalen Inzidenz von 50 ein freiwilliger Präsenzunterricht für die Klassen eins bis sechs und für die Abschlussklassen angeboten. Ist die Infektionslage besser, gilt Präsenzpflicht. Eine dauerhafte Inzidenz unter 50 haben bislang nur die Stadt Rostock und der Landkreis Vorpommern-Rügen. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage an.

Die oppositionelle Linke im Schweriner Landtag forderte verpflichtenden Präsenzunterricht für die Grundschüler und die Abschlussklassen bis zu einer Inzidenz von 100. Die Klassen fünf bis neun beziehungsweise sieben bis elf sollten nach dem Vorschlag der Fraktionsvorsitzenden Simone Oldenburg vom 15. März an in den wöchentlichen Wechselunterricht gehen.

Um das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten, müssten alle Schüler und Lehrer laut Oldenburg wöchentlich getestet werden. Laut aktuellem Plan des Bildungsministeriums sollen die Siebt- bis Elftklässler ab dem kommenden Montag Wechselunterricht in der Schule bekommen - aber nur, wenn die Inzidenz unter 50 liegt.

Der Landeselternrat hatte zu Wochenbeginn eine Ungleichbehandlung der Kinder in Klasse eins bis sechs in Regionen mit einer Inzidenz von über 50 beklagt. Wer nicht zum freiwilligen Präsenzunterricht gehe, habe nicht mehr wie vor den Winterferien Anspruch auf Distanzunterricht, sondern bekomme nur noch Aufgaben zum Bearbeiten zugeschickt. Als Hintergrund gilt, dass die Lehrer nicht beides - Präsenz- und Distanzunterricht - gleichzeitig schaffen. Der Landeselternrat schlug stattdessen verpflichtenden Wechselunterricht vor. Das sei gerechter für alle und diene auch dem Infektionsschutz, denn die Gruppen könnten klein gehalten werden.

Land geht bei Schulen am 15. März nächsten Öffnungsschritt

Baden-Württemberg geht am 15. März den nächsten Öffnungsschritt bei den Schulen im Land. In den weiterführenden Schulen sollen bis zu den Osterferien zunächst die Klassen 5 und 6 wieder Präsenzunterricht bekommen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Regierungskreisen in Stuttgart. Nachdem schon die Grundschulen vor knapp zwei Wochen mit Wechselunterricht gestartet waren, sollen diese nun in den Regelbetrieb übergehen.

Kinderschutzbeauftragte: Für manche Kinder ist die Schule ein Anker

Die Corona-Pandemie hat den Alltag in Schulen, Kindergärten und von Familien teils komplett durcheinander gewirbelt. Mit den Lockdowns brachen für manche Kinder die Schule und der Kindergarten als Zufluchtsort weg. Die Folgen für den Kinderschutz sind noch immer kaum absehbar.

Nach Auffassung der Kinderschutzbeauftragten Julia Heesen sollten Kindergärten und Schulen mit Blick auf den Kinderschutz nicht länger als unbedingt nötig geschlossen bleiben. Es gebe Familien, die sehr gut mit den coronabedingten Schließungen klarkommen und es gebe auch Kinder, denen die zusätzliche Zeit in den Familien guttue. «Aber es gibt eben auch Familien, die sehr leiden durch eine Überforderungssituation», sagte Heesen der Deutschen Presse-Agentur.

Kindergärten und Schulen seien in normalen Zeiten Orte, wo Kinder aus familiären Spannungssituationen herauskommen. «Sie können sich mit Gleichaltrigen austauschen, sie erfahren Anregungen und sie erfahren Struktur», sagte Heesen, die auch Staatssekretärin im Thüringer Bildungsministerium ist.

Für einige Kinder aus sehr schwierigen Familien sei auch das Kita- oder Schulessen wichtig, weil sie in den Einrichtungen eine regelmäßige gute Mahlzeit bekommen. «Es gibt schon Kinder, für die ist Schule oder Kindergarten der Anker.» Auch deshalb habe Thüringen während der Kita- und Schulschließungen die Notbetreuung stärker ausgeweitet.

Bislang fehle es noch an Daten, um genau einschätzen zu können, welche Folgen die Corona-Pandemie auf den Kinderschutz in Thüringen hat. «Wir haben bisher Rückmeldungen der Jugendämter, des Sorgentelefons, der Kinderschutzstellen und der Lehrerinnen und Lehrer natürlich auch, die uns sagen, dass es viele Kinder gibt, denen es schlechter geht.»

Das Bildungsministerium hat dazu vorläufige Zahlen für das Jahr 2020 erhoben - aus einer Abfrage bei den Jugendämtern, zwei Rückmeldungen fehlen aber noch. Demnach meldeten 21 von 23 Thüringer Jugendämtern insgesamt 1204 vorläufige Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche für das Jahr 2020. Im Jahr 2019 lag die gemeldete Zahl aller Jugendämter bei 1351.

Zwar sind die Zahlen für die beiden Jahre noch nicht vollends vergleichbar, jedoch deutet sich kein Ausschlag von vorläufigen Kinderschutzmaßnahmen oder ein Einbruch an.

Heesen gibt zu bedenken, dass es dafür unterschiedliche Gründe geben kann. Probleme und Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen würden oft überhaupt erst in den Einrichtungen entdeckt. «Die brechen natürlich auch weg als Meldestelle, wo eine Gefährdung auffällig wird», sagt sie. Es sei denkbar, dass in manchen Familien Spannungen gestiegen seien, aber die Kinder keine Wege hatten, sich dazu zu äußern.

Ein Kind wird nach dem Gesetz unter anderem dann in Obhut genommen, wenn eine dringende Gefahr für das Kind besteht und die Eltern der Inobhutnahme nicht widersprechen oder eine gerichtliche Entscheidung nicht rechtzeitig eingeholt werden kann. In den Zahlen sind auch Inobhutnahmen von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen enthalten.

Kretschmann: Über kürzere Ferien wegen Corona nachdenken

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat kürzere Ferien ins Gespräch gebracht, damit Wissenslücken nach der langen Schließung der Schulen geschlossen werden können. «Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen», sagte der Grünen-Regierungschef dem «Mannheimer Morgen» (Donnerstag). «Solche Überlegungen wird man ernsthaft anstellen müssen.» Auf die Frage, ob er dabei an die Sommerferien denke, sagte er: «Darüber könnte man mal nachdenken.»

Er habe zu Beginn viele Klagen für etwas übertrieben gehalten, räumte er ein. «Ich hatte als Schüler Kurzschuljahre und habe es trotzdem zum Ministerpräsidenten gebracht. Aber jetzt, wo es so lange dauert, fängt mein Herz doch an zu bluten.»

Lehrer müssten sich zunächst einen Überblick über die im Fernunterricht entstandenen Lücken verschaffen, sagte der Regierungschef der Zeitung weiter. «Zur Behebung der Defizite braucht es zusätzliche Betreuungsangebote und Sonderprogramme», fügte er an. Notwendig seien besondere Formen der Nachhilfe, außerdem müssten auch Nicht-Lehrkräfte eingesetzt werden. «Es muss dabei um eine zielgerichtete Förderung gehen und wir müssen die erreichen, die es auch wirklich brauchen.»

Es könnten tiefe Schäden in der Bildung und der Psyche der Kinder entstanden sein, gab Kretschmann zu bedenken. «Wir müssen uns verstärkt um diese Kinder kümmern, wenn der Unterricht wieder normal läuft. Das wird eine große Aufgabe.»

Landesregierung steckt vorsichtige Corona-Lockerungen ab

Bundesweit gibt es eine Einigung auf Lockerungsmöglichkeiten im Corona-Lockdown. Nun steckt die Landesregierung den niedersächsischen Weg ab, schon Samstag gibt es eine neue Verordnung. Und was wird mit der Öffnung der Schulen?

Nach der Bund-Länder-Verständigung auf eine stufenweise Lockerung der Corona-Beschränkungen will die Landesregierung am Donnerstag den weiteren Kurs in Niedersachsen abstecken. Nach Ende der Beratungen hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sich zufrieden gezeigt. «Die niedersächsische Position findet sich in einem großen Teil der gefassten Beschlüsse wieder», sagte er am späten Mittwochabend. «Alle Bereiche dieser Gesellschaft haben damit wieder eine realistische Öffnungsperspektive.» Gleichzeitig werde weiter auf den Infektionsschutz geachtet.

Die konkrete Umsetzung der Bund-Länder-Beschlüsse will Weil am Donnerstagmittag nach regierungsinternen Beratungen in Hannover präsentieren. Bereits am Samstag soll eine neue Corona-Verordnung veröffentlicht werden, die dann von Sonntag an gilt. Diese Verordnung muss zuvor noch mit den Verbänden und dem Landtag abgestimmt werden. In einer Sondersitzung des Landtags zur Corona-Politik am Freitag plant der Ministerpräsident eine Regierungserklärung.

Zuvor wird es am Donnerstag neben Fragen der vorsichtigen Öffnungsschritte auch um die Rückkehr weiterer Jahrgänge zurück in die Schulen gehen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) möchte eigentlich vor Ostern bereits wieder deutlich mehr Schüler im Wechselunterricht in die Klassen zurückkehren lassen. Systematische Schnelltests sollen dies erleichtern. Wann diese den Schulen zur Verfügung stehen, hatte die Landesregierung am Mittwoch aber noch nicht sagen können.

«Ich halte die Ergebnisse dieser Beratungen für einen deutlichen Fortschritt», hatte Weil am Abend betont. Insbesondere sei der maßgebliche Schwellenwert für Maßnahmen wieder eine Sieben-Tages-Inzidenz von 50. «Ich bin zuversichtlich, dass wir jetzt schrittweise und vorsichtig zu Erleichterungen für die Bürgerinnen und Bürger kommen.» Die Menschen in Niedersachsen hätten lange und geduldig viele wirklich schwerwiegende Einschränkungen der persönlichen Freiheit akzeptiert.

«Eines muss uns allen gemeinsam klar sein: Mehr Lockerungen bedeuten auch mehr persönliche Verantwortung», sagte Weil. Nur wenn alle sich weiterhin umsichtig und verantwortungsbewusst verhielten, könne mehr Normalität zurückgewonnen werden.

Zwar wird der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nach den Bund-Länder Beratungen angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Schon vom kommenden Montag an sollen demnach die stark beschränkten privaten Kontaktmöglichkeiten gelockert werden.

Aktuell stagniert die Sieben-Tages-Inzidenz in Niedersachsen bei etwa 65. Damit greifen zunächst sehr vorsichtige Lockerungsschritte, die für eine Inzidenz zwischen 50 und 100 Neuinfektionen vereinbart wurden. Kinder bis 14 Jahren können gemeinsam im Außenbereich Sport treiben, der Einzelhandel kann zunächst nur für sogenannte Terminshopping-Angebote geöffnet werden,

Bayerns Schülerinnen und Schüler erhalten Zwischenzeugnisse

Es ist ein Schuljahr, wie es noch keines zuvor gegeben hat. Viele Schülerinnen und Schüler haben seit Weihnachten kein Klassenzimmer mehr von innen gesehen, auch davor schon herrschte alles andere als Normalität. Nun gibt es Zwischenzeugnisse - aber nicht für alle.

Eigentlich hätten die Schülerinnen und Schüler in Bayern ihre Zwischenzeugnisse schon vor drei Wochen bekommen sollen. Doch wegen der Corona-Pandemie werden die Halbjahreszeugnisse erst an diesem Freitag verteilt. Und auch nicht an alle Kinder und Jugendlichen, sondern nur an diejenigen, die an diesem Tag Unterricht im Schulgebäude haben. Der Rest bekommt das Zeugnis früher, später - oder per Post. Auch darüber hinaus gibt es mehrere Ausnahmen.

Noch immer befinden sich die meisten der 1,65 Millionen bayerischen Schülerinnen und Schüler im Wechsel- oder gar im reinen Distanzunterricht. Die Folge: Nur ein Teil wird am Freitag in den Schulen sitzen. Diese Schüler bekommen ihr Zeugnis wie gewohnt persönlich ausgehändigt.

Wer im Wechselunterricht ist, erhält das Papier in der Regel am nächsten Tag mit Präsenzunterricht, bei den meisten ist das der Montag. Je nach Schulart kann die Vergabe aber auch auf den vorausgehenden Präsenztag vorgezogen werden.

«Und alle, die im Distanzunterricht sind, bekommen die Zeugnisse per Post», ergänzte ein Sprecher des Kultusministeriums. Das war im Sommer anders - damals mussten alle ihr Zeugnis am letzten Schultag persönlich in ihrer Schule abholen. «Zwischenzeugnisse sind im rechtlichen Sinn kein Dokument wie ein Abschlusszeugnis», erläuterte der Ministeriumssprecher den Grund für das abweichende Vorgehen.

Deshalb ist es an den Grundschulen und an den Jahrgangsstufen fünf bis sieben der Mittelschulen auch möglich, die Zwischenzeugnisse durch sogenannte Lernentwicklungsgespräche zu ersetzen. Dies entscheiden die Schulen jeweils selbst, teils ist der Modus Operandi von Klasse zu Klasse unterschiedlich. Die vierten Klassen erhalten ohnehin nur eine Zwischeninformation über den Leistungsstand, bevor am 7. Mai die Übertrittszeugnisse anstehen.

In den Jahrgangsstufen fünf bis acht der Realschulen sowie an den Gymnasien können die Zwischenzeugnisse durch zwei schriftliche Informationen über das Notenbild ersetzt werden - an den Wirtschaftsschulen ist dies heuer obligatorisch.

Die elften Klassen an den Fachoberschulen und Berufsoberschulen (FOS/BOS) erhalten ebenfalls kein Zwischenzeugnis, weil ihre Leistungen des gesamten Schuljahres die Noten der beiden dadurch identischen Halbjahreszeugnisse bilden. Die Jahrgangsstufen 12 und 13 von FOS/BOS bekommen ihre Zwischenzeugnisse zudem erst am 12. März.

Damit nicht genug der Ausnahmen: Die neunten Klassen der Mittelschulen können das Zeugnis bis Ende April ein zweites Mal ausgestellt bekommen, sofern bis dahin nachträglich ausreichende Leistungsnachweise in den Prüfungsfächern vorliegen. Ansonsten bleibt es bei dem Satz, den auch die Schüler anderer Schularten trotz stark reduzierter Probenanzahlen heuer häufiger lesen dürften: «Im Fach XY konnten pandemiebedingt noch nicht genügend Leistungsnachweise für eine aussagekräftige Zeugnisnote erhoben werden.»

Land zahlt mehr als 8,5 Millionen Euro für stornierte Klassenfahrten

Die hessische Landesregierung hat für die Kostenerstattung von stornierten Schulfahrten in der Corona-Pandemie bislang mehr als 8,5 Millionen Euro ausgezahlt. Knapp 2900 Anträge von Eltern und mehr als 4000 Anträge von Unternehmen seien bis zum Jahresende bearbeitet worden, teilte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion in Wiesbaden mit. 832 Fälle seien bis zu diesem Stichtag noch nicht final behandelt worden.

Für Klassenfahrten bis einschließlich Januar diesen Jahres, die auf Anordnung des Kultusministeriums gestrichen wurden, werden vom Land die berechtigten Stornokosten übernommen. Eine Summe von zehn Millionen Euro wurde vom Land dafür veranschlagt. Bei den Staatlichen Schulämtern waren nach Angaben des Kultusministeriums Anträge zu insgesamt 6171 Schulfahrten eingegangen.

Söder zu Öffnungsschritten: Gute oder schlechte Entwicklung möglich

Deutschland verlängert zwar den Lockdown, schwächt ihn aber deutlich ab. Viele Geschäfte sollen öffnen dürfen, mehr Freizeitaktivitäten werden möglich, Kontaktbeschränkungen fallen. Ein Weg, der auch Risiken birgt.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat angesichts der mutigen Öffnungsschritte von Bund und Ländern im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu Vorsicht gemahnt. «Wahr ist, was hier beschlossen wurde, sind schon sehr große Schritte», sagte er in der Nacht zum Donnerstag nach der Bund-Länder-Runde in Berlin. Der März werde ein Übergangsmonat. «Es kann sich zum Guten, aber auch zum Schlechten entwickeln», sagte Söder.

Bereits am Donnerstag könnte das bayerische Kabinett die in Berlin beschlossenen Maßnahmen - darunter ein Stufenplan zur Öffnung des gesellschaftlichen Lebens - umsetzen.

Unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz sollen ab kommenden Montag nach den bereits geöffneten Garten- und Baumärkten, Friseuren und Kosmetikstudios auch Buchhandlungen wieder aufsperren können.

Unter anderem soll auch kontaktfreier Sport im Freien alleine oder zu zweit in Gegenden möglich werden, wo die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche - dn Wert 100 nicht übersteigt. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) wird Einzelheiten zur Umsetzung der Teststrategie in Schulen nennen.

Weitere Öffnungsschritte in solchen Gegenden umfassen neben Terminshopping-Angeboten im Einzelhandel auch Museen, Galerien, Zoos, botanische Gärten und Gedenkstätten für Besucher mit Terminbuchung. Eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 aber über 50 hatten am Mittwoch laut Robert Koch-Institut 37 der 105 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte.

In Gegenden mit einer Inzidenz von weniger als 50 sollen alle Einzelhändler unter strengen Einlassbeschränkungen für Kunden wieder öffnen können. Auch das gemeinsame Sporttreiben ist dort ab Montag wieder für zehn Personen gleichzeitig erlaubt. Museen und Zoos können dort sogar ohne Terminbuchung der Besucher öffnen. Das hätte am Mittwoch für 39 Landkreise und kreisfreie Städte zugetroffen.

Ebenfalls schon vom kommenden Montag an sollen demnach die stark beschränkten privaten Kontaktmöglichkeiten gelockert werden. Dann werden wieder private Zusammenkünfte des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt möglich sein, jedoch beschränkt auf maximal fünf Personen. In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 sind auch Treffen des eigenen Haushalts mit zwei weiteren Haushalten - mit zusammen maximal zehn Personen - möglich. Kinder bis 14 Jahre sind hiervon jeweils ausgenommen. Bisher darf sich ein Hausstand mit maximal einer Person eines anderen Hausstandes treffen.

«Wir geben den Menschen ein großes Stück Vertrauen und Freiheit zurück», sagte Söder. Er warnte aber auch vor zu hastigen Öffnungsschritten. «Das Herz sagt uns: So viel öffnen wie möglich! Der Verstand mahnt aber eindeutig zur Vorsicht», sagte der CSU-Chef. «Wir haben kein schlechtes Gewissen dabei, aber wir haben schon Sorgen und Bedenken.» Es gelte aufzupassen, nicht in den nächsten Lockdown zu schlittern, möglicherweise schon zu Ostern.

Baden-Württemberg geht bei Öffnungsschritten mit - Schulen unklar

Der Lockdown wird gelockert - mit einem Stufenkonzept. Kreise mit niedrigen Infektionszahlen dürfen mehr. Es soll sich lohnen sich anzustrengen vor Ort, sagt die Kanzlerin. Baden-Württemberg muss das jetzt umsetzen - spannend bleibt die Schulfrage.

Baden-Württemberg trägt die Entscheidung der Bund-Länder-Runde für regionale Lockerungen des Corona-Lockdowns ab einer Inzidenz von 50 mit. So soll es auch im Südwesten regional eine schrittweise Öffnung des Einzelhandels geben, wenn die Zahl der Infektionen unter 50 je 100 000 Einwohner in sieben Tagen liegt, hieß es in der Nacht zu Donnerstag. Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird aber angesichts weiter hoher Infektionszahlen und der Gefahr durch Virusvarianten grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Die grün-schwarze Koalition im Südwesten muss die Beschlüsse aber noch für das Land umsetzen.

Kretschmann und Eisenmann sprechen über Schulen

Unklar ist bisher, ob schon vom kommenden Montag an auch die weiterführenden Schulen schrittweise wieder öffnen können, wie Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) dies gefordert hatte. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wollte sich erst am Donnerstag zu den Beschlüssen äußern und mit Eisenmann die nächsten Schritte besprechen. Der Grüne hatte sich zuletzt skeptisch gezeigt, ob es so schnell gelingen kann, die Wiedereröffnung der Schulen mit genügend Schnelltests bei Schülerinnen und Schülern abzusichern.

Unter 50: Geschäfte, Museen und Zoos dürfen öffnen.

Der Beschluss von Bund und Ländern sieht vor, dass vom kommenden Montag an bei einer 7-Tage-Inzidenz von unter 50 der Einzelhandel wieder öffnen kann - allerdings mit einer Begrenzung von einer Kundin oder einem Kunden pro 10 Quadratmeter beziehungsweise 20 Quadratmeter je nach Verkaufsfläche. Möglich sind dann auch die Öffnung von Museen, Galerien, Gedenkstätten, zoologischen und botanischen Gärten sowie auch kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen mit bis zu maximal zehn Personen im Außenbereich, auch auf Außensportanlagen. Bei einer 7-Tage-Inzidenz von bis zu 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner gelten eingeschränkte Lockerungen für diese Bereiche. Shopping geht dann nur mit Termin (Click&Meet) und auch in anderen Einrichtungen muss man einen Termin buchen.

20 von 44 Kreisen im Südwesten unter Inzidenz von 50

Allerdings steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Virus pro 100 000 Einwohner in Baden-Württemberg weiter. Der Wert lag nach Angaben des Landesgesundheitsamts in Stuttgart vom Mittwoch (Stand 16.00 Uhr) bei landesweit 54,4 nach 52 am Vortag. Unter der Inzidenz von 50 lagen demnach 20 von 44 Stadt- und Landkreisen. Zwischen 50 und 100 liegen weitere 22 Kreise, 2 überschreiten derzeit die 100er-Marke: Rottweil und Schwäbisch Hall.

Kontaktregeln werden erleichtert

Bund und Länder verständigten sich auch darauf, die strikten Kontaktregeln von Montag an zu lockern. Dann sollen wieder Treffen des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt erlaubt sein - beschränkt auf fünf Teilnehmer, Kinder bis 14 Jahre nicht mitgezählt. Und: Paare, die nicht zusammenwohnen, sollen künftig als ein Hausstand gelten. Derzeit sind private Zusammenkünfte nur im Kreis des eigenen Hausstands mit einer weiteren Person von außerhalb gestattet.

Auch hier soll es in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 weitere Lockerungen geben. Dann können drei Haushalte mit zusammen maximal zehn Personen zusammenkommen. Auch hier sind Kinder bis 14 Jahre ausgenommen. Derzeit liegen im Südwesten 6 von 44 Kreisen unter der Inzidenz von 35: Böblingen, Enzkreis, Ostalbkreis, Freudenstadt, Schwarzwald-Baar-Kreis und Heilbronn.

Weitere Öffnungsschritte frühestens am 22. März

Die nächsten Öffnungsschritte werden davon abhängig gemacht, dass die vorherige Stufe 14 Tage lang nicht zu einer Verschlechterung der Sieben-Tage-Inzidenz geführt hat. Dann geht es zunächst um die Öffnung der Außengastronomie, von Kinos, Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie um kontaktfreien Sport im Innenbereich und um Kontaktsport im Außenbereich. Im nächsten Schritt sind weitere Sportmöglichkeiten und Freizeitveranstaltungen dran. Auch hier gilt: Bis zu einer 100er Inzidenz soll es höhere Auflagen wie tagesaktuelle Tests oder einen Buchungszwang geben.

Wichtige Elemente für weitere Öffnungen sollen Impfen und Testen sein. Vereinbart wurde, dass Ende März/Anfang April die haus- und fachärztlichen Praxen umfassend in die Impfkampagne eingebunden werden, um diese zu beschleunigen. Kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger sollen voraussichtlich von nächster Woche an möglich werden. Pro Woche soll mindestens ein Schnelltest möglich sein, den geschultes Personal etwa in Testzentren oder Praxen abnimmt.

Eisenmann fordert Tempo beim Testen und Schulöffnung

Kultusministerin Eisenmann verlangte bei «Bild live» am Mittwochabend eine schnelle Öffnungsperspektive für die Schulen. «Wir können nicht sagen, die Schulen müssen alle zubleiben, wenn wir nicht genug Tests haben.» Kürzlich hatte sie erklärt, man könne sich nach der Öffnung der Grundschulen im Wechselunterricht vor zehn Tagen durchaus zutrauen, auch die weiterführenden Schulen behutsam ab kommenden Montag wieder zu öffnen. «Wir können nicht sagen, die Schulen bleiben zu auf ewig, bis wir andere Strukturen geschaffen haben.»

Die CDU-Spitzenkandidatin bemängelte nun erneut das Krisenmanagement von Gesundheits- und Sozialminister Manne Lucha (Grüne). «Auch in Baden-Württemberg hängt bei uns manches. Da ist der Sozialminister auch schwer dabei, der Entwicklung ein stückweit hinterherzulaufen.» Er hätte früher auf Schnell- und Selbsttests setzen müssen, monierte Eisenmann. Von grüner Regierungsseite hieß es dagegen, man wäre mit den Selbsttests schon viel weiter, wenn Eisenmann am 13. Februar die Bestellung solcher Tests nicht blockiert hätte. Das damalige Argument dagegen sei gewesen, diese Tests seien noch nicht ausgereift.

Länder wollen Schulen je nach Infektionslage weiter öffnen

Die Bundesländer werden bei den geplanten weiteren Schulöffnungen voraussichtlich nicht einheitlich vorgehen. 
Man habe festgestellt, dass die Länder in eigener Verantwortung schrittweise eine weitere Rückkehr in den Präsenzunterricht planen könnten, sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), am frühen Donnerstagmorgen nach der Bund-Länder-Runde zu Corona in Berlin. «Wir werden dann sehen, wann die nächsten Jahrgangsstufen auch möglich sind.» Dies würden die Länder aufgrund ihrer jeweiligen Inzidenzlage beschließen. 

Bereits zuvor hatten die Kultusministerinnen und -minister beschlossen, dass der an Grundschulen begonnene Wechsel- oder Präsenzunterricht auf weitere Jahrgänge ausgeweitet und intensiviert werden soll.


03.03.2021

Eisenmann fordert Corona-Impfung für ältere Lehrerinnen und Lehrer

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) fordert, auch ältere Lehrerinnen und Lehrer ab 65 Jahren möglichst schnell gegen Corona zu impfen. «Eine Ungleichbehandlung von Lehrkräften unterschiedlichen Alters ist nicht vertretbar», sagte Eisenmann der «Rhein-Neckar-Zeitung» (Mittwoch). Zumal die Älteren besonders schutzbedürftig seien. Sie forderte Sozialminister Manne Lucha (Grüne) auf, für diese Gruppe schnell eine Lösung zu finden.

Lehrerinnen und Lehrer im Südwesten können sich seit rund einer Woche gegen Corona impfen lassen. Allerdings ist dafür derzeit nur der Astrazeneca-Impfstoff vorgesehen, der bislang in Deutschland nur für Menschen von 18 bis 64 Jahren freigegeben ist. In Baden-Württemberg sind dem Bericht zufolge nach Auskunft des Kultusministeriums im aktuellen Schuljahr 1160 Lehrkräfte an öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen älter als 64 Jahre.

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) verwies auf die Impfstoffknappheit. «Wenn Frau Eisenmann nun fordert, ältere Lehrer zu impfen, so könnte dies nur mit einem Biontech- oder Moderna-Impfstoff geschehen, der explizit den Über 80-Jährigen vorbehalten ist.» Ihr sei offensichtlich nicht klar, dass sie dann benennen müsste, wem sie den knappen Impfstoff wegnehmen wolle. «Klar ist: Baden-Württemberg hat sich sehr dafür eingesetzt, dass die Ständige Impfkommission die Impfung der Über-65-Jährigen mit Astrazeneca zulässt.» Die entsprechende Entscheidung werde in Kürze erwartet. «Dann werden selbstverständlich auch die Lehrkräfte über 65 Jahre geimpft! Dafür werden wir sorgen.»

Nutzung von Microsoft Teams an Schulen für weiteres Jahr zugelassen

Rheinland-pfälzische Schulen können die Videokonferenzsoftware Teams bis Ende des kommenden Schuljahrs für den Fernunterricht nutzen. Die bisherige Regelung, wonach das Programm des Herstellers Microsoft wegen datenschutzrechtlicher Bestimmungen nur bis zu den Sommerferien in diesem Jahr genutzt werden sollte, wurde entsprechend geändert, wie eine Sprecherin des Bildungsministeriums am Mittwoch mitteilte. Zuvor hatten die «Allgemeine Zeitung» und der SWR darüber berichtet.

Die Entscheidung sei Ergebnis von Gesprächen des Ministeriums mit dem Landesdatenschutzbeauftragten Dieter Kugelmann vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie-Situation, sagte die Sprecherin. Wegen der Speicherung von Daten in den USA sehen die Datenschutzbeauftragten US-Videokonferenzsysteme wie Microsoft Teams, Cisco Webex oder Zoom kritisch. Der Landesdatenschutzbeauftragte habe aber einer weiteren Tolerierung der Nutzung unter den bisherigen Auflagen zugestimmt - auch mit Blick auf mögliche Anpassungen in der Rechtsprechung oder Gesetzgebung auf europäischer Ebene zu Datenübermittlungen in die USA.

Die CDU-Fraktion begrüßte am Mittwoch die Entscheidung. Es gebe zahlreiche Schulen, die nach wie vor Probleme hätten mit der Nutzung der vom Pädagogischen Landesinstitut angepassten Open-Source-Systeme Moodle und Big Blue Button, sagte die bildungspolitische Sprecherin Anke Beilstein. Diesen Schulen sollte die Nutzung von MS Teams ebenfalls ermöglicht werden. Auch die Vertretung der Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz (LSV) hatte sich für eine weitere Nutzung der Microsoft-Software ausgesprochen.

Bayern-SPD fordert komplette Schulöffnung bis Mitte März

Am Nachmittag gilt es wieder. Dann beraten Bund und Länder einmal mehr den weiteren Weg durch die schwierige Pandemie. Begleitet werden sie von immer lauteren Forderungen. Auch aus Bayern.

Vor der Konferenz von Bund und Ländern zur Corona-Krise fordert die bayerische SPD die Rückkehr aller Schüler in den Präsenzunterricht bis Mitte März. «Mit Impfungen von Lehrern, einem klugen Testkonzept und dem Maßnahmenpaket, das die interdisziplinäre Expertenkommission im Auftrag der Kultusministerkonferenz erarbeitet hat, ist die Sicherheit für diesen Schritt gegeben», sagte der Generalsekretär der Bayern-SPD, der Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch, der Deutschen Presse-Agentur in München. Kinder- und Jugendärzte hätten in aller Deutlichkeit erklärt, dass massive Schäden bei vielen Kindern zu befürchten seien.

«Dass Schulen über die lange Zeit des Lockdowns den Kontakt zu manchen Kindern komplett verloren haben, darf uns nicht kaltlassen», betonte Grötsch. Er erinnerte daran, dass noch bis zum Dezember versprochen worden sei, dass Schulen nicht geschlossen würden und der Bereich der Bildung bei Lockerungen an erster Stelle komme. Nun müsse auch entsprechend gehandelt werden.

«Die Bund-Länder-Konferenz muss Präsenzunterricht für alle Kinder zur absoluten Priorität machen», sagte Grötsch. Auch Bayern müsse seine Hausaufgaben machen. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) müsse nun die notwendigen Öffnungskonzepte vorlegen. «Es kann doch nicht so schwer sein, speziell die Phase der Wiederöffnung mit von den Behörden koordinierten und organisierten Tests zu begleiten und abzusichern.» In allen Klassenzimmern brauche es Luftfilter, Konzepte für entzerrten Unterrichtsbeginn, Ideen für Ausweichräume und entsprechende Testkonzepte, bei denen die Organisation nicht an den überlasteten Schulen hängenbleibe.

Am Nachmittag wollen die Ministerpräsidenten der Länder wieder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten. Dabei geht es nicht nur um eine generelle Verlängerung des Lockdowns bis Ende März, sondern auch um Möglichkeiten, gewisse Bereiche wieder zu lockern.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte in den vergangenen Tagen immer wieder vor übereilten Lockerungen gewarnt und zugleich für einen bundeseinheitlichen Weg geworben. Für Regionen mit stabil niedrigen Infektionszahlen stellte er dabei auch Öffnungen - etwa an Schulen - in Aussicht. Im Gegenzug sieht Söder aber auch den Bedarf für Verschärfungen, sollten die Infektionszahlen wieder steigen.

Söders Stellvertreter, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) forderte dagegen seit längerem umfassendere Öffnungen. «Einzelhandel, Außengastronomie, Dienstleistungssektor, Hotellerie sowie Kultur- und Veranstaltungsbranche wollen vor oder zu Ostern wieder öffnen können», sagte er. Nur wer Perspektiven sehe, halte seine Beschäftigten und investiere in sein Unternehmen. «Die Unternehmen brauchen einen Zeitplan für den Neustart im Frühling.»

02.03.2021

Landeselternrat sieht Zwei-Klassen-Gesellschaft bis Klasse sechs

Angesichts der englischen Mutante des Coronavirus mahnen Pandemiebekämpfer zu größter Vorsicht. Dennoch nehmen viele Kinder in Regionen mit Inzidenzen von über 50 am freiwilligen Präsenzunterricht teil. Denn Distanzunterricht gibt es für sie nicht mehr.

In den Schulen des Landes droht nach Einschätzung des Landeselternrats derzeit eine Ungleichbehandlung von Schülern in Klasse eins bis sechs. In Regionen mit einer Corona-Inzidenz von über 50 erhalten die Kinder neuerdings «freiwilligen Präsenzunterricht», wie ein Sprecher des Bildungsministeriums in Schwerin am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Wer zu Hause bleibt - die Präsenzpflicht ist mit Blick auf die Pandemiebekämpfung aufgehoben -, bekommt keinen Distanzunterricht mehr wie vor den Winterferien, sondern lediglich «Aufgabenpakete». Ein Recht auf Distanzunterricht haben demnach nur noch chronisch kranke Kinder.

Für den Vorsitzenden des Landeselternrates, Kay Czerwinski, ist dieses Vorgehen hochproblematisch. «Das geht nicht, das Recht auf Bildung ist ein Grundrecht, das muss umgesetzt werden, bei allem Verständnis für Kapazitätsprobleme», sagte er. «Ich verstehe ja, dass Lehrer nicht beides leisten können: Eine halbe Klasse unterrichten und für die andere Hälfte Distanzunterricht organisieren.» Andere Wege müssten gefunden werden. Den Kindern, die zu Hause bleiben, drohe sonst eine «ganz klare Benachteiligung».

Czerwinski schlug vor, die Präsenzpflicht nicht zwingend bei einer Inzidenz von 50 aufzuheben. Auch andere Faktoren sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden, wie Krankenhauskapazitäten und die Art des Infektionsgeschehens. Werde sie doch aufgehoben, dann wäre aus seiner Sicht ein verbindlicher Wechselunterricht für alle Beteiligten besser als ein freiwilliger Präsenzunterricht, bei dem ein Teil der Kinder lediglich Aufgaben, aber keinen Distanzunterricht bekommt. Für die Kinder, die gerade keinen Unterricht haben, solle es eine Betreuung geben. So könnten die Gruppen verkleinert und das Ansteckungsrisiko könne ohne Benachteiligung einer ganzen Gruppe verringert werden.

Der Sprecher des Bildungsministeriums betonte, der Schwerpunkt im freiwilligen Präsenzunterricht solle auf dem Festigen und Üben von bereits Erlerntem liegen. Die Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, verlangte, dass sichergestellt wird, dass Kinder, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, an denselben Aufgaben arbeiten können wie die Kinder im Klassenzimmer. «Es ist auch deshalb allerhöchste Zeit, dass die Videoschalte auf der Lernplattform itslearning funktioniert, damit die Kinder via Bildschirm dem Unterricht folgen können», sagte sie. «Nur so ist Chancengleichheit gewährleistet.»

Am Montag waren nach Angaben des Bildungsministeriums landesweit 62,3 Prozent der Grundschüler in der Schule. In den Klassen fünf und sechs waren es 58,6 Prozent. Präsenzpflicht besteht nur in der Stadt Rostock und im Landkreis Vorpommern-Rügen, wo die Inzidenz unter 50 liegt.

Weitere Schulöffnungen geplant - Tests für Schülerinnen und Schüler

Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen sollen voraussichtlich bald wieder zum Unterricht gehen. Wann genau, ist offen. Möglicherweise können sie sich regelmäßig testen lassen.

Die Länder haben weitere Schulöffnungen angekündigt. Der an Grundschulen begonnene Wechsel- oder Präsenzunterricht soll auf weitere Jahrgänge ausgeweitet und intensiviert werden. Das beschlossen die Bildungsministerinnen und -minister in der Kultusministerkonferenz nach einer Mitteilung von Dienstag. Geöffnet werden soll, «sofern es die Infektionslage weiterhin zulässt». Daten werden in dem Beschluss nicht genannt. Bereits bisher gingen die Länder unterschiedlich bei Teilöffnungen der Schulen vor. Nun hieß es ausdrücklich, regional solle es Abweichungen geben können.

Ein vorläufiger Beschlussentwurf für die Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Mittwoch sieht zudem vor, «dass das Personal in Schulen und Kinderbetreuung sowie alle Schülerinnen und Schüler pro Präsenzwoche das Angebot von (...) kostenlosen Schnelltests einschließlich einer Bescheinigung über das Testergebnis erhalten». Angeboten werden sollen mindestens ein oder zwei solcher Tests pro Woche. Bei diesen Tests werden durch geschultes Personal Abstriche tief in der Nase sowie im Rachen gemacht. Die Aussagekraft bei einem negativen Ergebnis ist nur für einige Stunden hoch.

Am 22. Februar hatten in zehn Ländern wieder Grundschulen aufgemacht - für Wechselbetrieb mit halben Klassen, die abwechselnd zur Schule kommen, oder auch Vollbetrieb mit festen Gruppen, teilweise mit Maskenpflicht auch im Unterricht. In manchen Ländern blieb es Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder schicken. «Die Öffnung der Grundschulen ist insgesamt gut gelungen», sagte die KMK-Präsidentin und brandenburgische Ministerin Britta Ernst (SPD). 

Für ältere Schüler und Jugendliche gilt bisher weiter Fernunterricht, außer bei Abschlussklassen. 

Die Bildungsministerinnen und -minister zitieren nun das Robert Koch-Institut (RKI) mit der Aussage, dass Schülerinnen und Schüler in der Pandemie eher nicht als «Motor» eine größere Rolle spielten. Tatsächlich hatte das RKI in einer Studie festgestellt, «dass Schülerinnen und Schüler eher nicht als "Motor" eine größere Rolle spielen, aber dass die Häufigkeit in einer engen Beziehung zur Inzidenz in der Gesamtbevölkerung steht».

Das RKI hatte einen bestimmten Zeitraum untersucht. In diesem gab es Ausbrüche an Schulen. Die Hälfte der Ausbrüche an Schulen habe sich auf den jeweiligen Jahrgang oder die Klasse beschränkt. Das Risiko, in einen Ausbruch involviert zu sein, sei unter allen 6- bis 20-Jährigen bei den Kindern bis 10 am Kleinsten gewesen. Das Krankheitsrisiko bei weiterführenden Schulen ist laut einer vom RKI zitierten Studie höher als bei Schulen mit Jüngeren. Risiken für Ausbrüche gehen der RKI-Erhebungen zufolge überwiegend von Lehrkräften aus. Diese seien bei etwa der Hälfte der Ausbrüche bei den 6- bis 10-Jährigen der vermutete Primärfall.

Die KMK fordert durch den Bund zu finanzierende flächendeckende Testmöglichkeiten für das an Schulen tätige Personal - für Schülerinnen und Schüler aber nur «perspektivisch». Der vorläufige Entwurf für die Bund-Länder-Runde an diesem Mittwoch hingegen sieht vor, dass die Test durch die Länder sichergestellt werden.

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte hatte flächendeckende Tests an Schulen und Kitas abgelehnt. Er begründete das mit der Behauptung, dass zu viele falsch negative und falsch positive Ergebnisse zu erwarten seien. Alle erwachsenen Personen mit Kontakt zu den Kindern sollten ihrer Ansicht nach aber getestet werden. Bei den ersten zugelassenen Selbsttests müssen Wattestäbchen in die Nase eingeführt werden - aber nicht so tief wie bei den durch geschultes Personal durchzuführenden Schnelltests. Selbsttests sollen voraussichtlich ab kommender Woche verkäuflich sein.

Die Kultusminister machen außerdem Druck beim Impfen für Lehrkräfte. Nach den Grundschullehrkräften und Erzieherinnen soll ihrer Forderung nach das gesamte Schulpersonal vorrangig geimpft werden. Die Ständige Impfkommission hatte vorrangige Impfungen für Lehrkräfte generell abgelehnt. Sonst könnten eventuell zum Beispiel Menschen mit Krebs und anderen Erkrankungen später zum Zug kommen - Lehrkräfte mit Krankheiten könnten bereits vorrangig drankommen. 

Die Länder sprachen sich für ein Förderprogramm zur Kompensation pandemiebedingter Lernrückstände aus.

Giffey plädiert für mehr Perspektiven für Kinder

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) plädiert im Rahmen weiterer Öffnungen für mehr Perspektiven von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Krise. «Ich finde es sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche jetzt ganz vorne in der Debatte um weitere Öffnungsschritte stehen müssen», sagte Giffey am Dienstag im ARD-«Morgenmagazin». Wenn man über Baumärkte, Flugschulen und Hundeschulen spreche, sollte man auch die Perspektive von Kindern in den Blick nehmen. «Es kann nicht sein, dass Hunde früher in die Schule gehen als Kinder und Jugendliche.»

Kinder und Jugendliche dürften nicht allein als Schüler, sondern müssten in ihrer ganzen Persönlichkeit betrachtet werden, sagte Giffey. Auch die Freizeit und das außerschulische Lernen sollten eine wichtige Rolle spielen, für Kinder- und Jugendeinrichtungen müsse es Öffnungsperspektiven geben. Schnell- und Selbsttests bieten nach Ansicht der Ministerin dabei eine große Chance. Neben Grundschullehrern und Erziehern in der Kita sollten auch die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe besser geschützt und so schnell wie möglich geimpft werden.

Wachsende Nachfrage nach Psychotherapien für Kinder- und Jugendliche

Die Corona-Pandemie hat die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen drastisch verändert. Spielen, Feiern oder gemeinsam toben - alles, was Spaß macht, ist nicht erlaubt. Das bleibt laut Experten nicht ohne Folgen.

In der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Psychotherapien für Kinder und Jugendliche gewachsen. Die Zahl der Patientenanfragen sei in den entsprechenden Praxen in Rheinland-Pfalz im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 53 Prozent gestiegen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung. Die teilnehmenden 45 Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen und Therapeuten verglichen dabei die Zahlen einer Januarwoche in diesem Jahr mit dem Vorjahreszeitraum.

«Seit Monaten fallen für Kinder und Jugendliche alle positiven Aktivitäten weg», sagt Sabine Maur, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz. Ob Spielen, Feiern oder gemeinsame Hobbys - alles, was Spaß mache, könne nicht mehr stattfinden. Dazu komme die unklare schulische Situation mit einer sehr heterogenen Qualität des digitalen Unterrichts. Manche Familien könnten das gut unterstützen, andere hätten nicht diese Ressourcen.

Eines der größten Probleme seien die fehlenden sozialen Kontakte durch die Kita- und Schulschließungen, meint der Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Christian Zainhofer. «Vor allem, weil ab einem gewissen Alter die maßgeblichen Entwicklungsimpulse nicht mehr von den Eltern kommen, sondern von Gleichaltrigen.» Und genau das fehle seit fast einem Jahr.

Das Konfliktpotenzial sei in allen Familien größer, erklärt Zainhofer. In Familien, in denen ohnehin Gewaltbereitschaft herrsche, verschlimmere sich jedoch die Situation, weil alle den ganzen Tag aufeinander hockten. Wo man sich früher aus dem Weg gehen konnte, kracht es jetzt.

«Besonders Sorgen machen uns die Familien, die nicht so gute soziale und finanzielle Ressourcen haben», erläutert Maur. Früher seien sie noch durch niedrigschwellige Angebote angesprochen worden, die aber seien jetzt geschlossen. Einige Jugendliche seien auch für Sozialarbeiter oder Lehrer nicht mehr erreichbar und an Homeschooling nähmen sie nicht teil, berichtet der Vorsitzende des Landesjugendrings Rheinland-Pfalz, Volker Steinberg. «Man weiß daher nicht genau, was in den Familien vorgeht.»

Dazu kommt: Die Kinder leiden darunter, für ihre Familie ein Risikofaktor zu sein, wenn sie in überfüllten Bussen sitzen und in enge Klassenzimmer müssen, wie Steinberg erläutert. «Das stresst Kinder und Jugendliche maximal», konstatiert der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik in Mainz, Michael Huss.

Erste Folgen sind spürbar. In den psychotherapeutischen Praxen für Kinder und Jugendliche im Land seien ebenso ein Anstieg der Anfragen zu verzeichnen wie auch viele Rückfälle oder Verschlechterungen bereits bestehender Krankheitsbilder und Probleme, berichtet Kammer-Präsidentin Maur. Teilweise stagnierten Behandlungen, weil Hilfsangebote etwa zum Berufseinstieg fehlten. Auch die Anfragen bei Hilfsangeboten wie der Nummer gegen Kummer oder dem Elterntelefon haben laut Zainhofer zugenommen.

Die Mainzer Rheinhessen-Fachklinik verzeichnete vor allem in der zweiten Welle der Corona-Pandemie einen ähnlichen Trend. Die Belegung in der Abteilung sei nicht eingebrochen, der Schweregrad der Erkrankung habe deutlich zugenommen, berichtet Chefarzt Huss. «Der Druck auf die Kinder und Jugendlichen ist gestiegen.» Dass sie sich trotz der coronabedingt höheren Hemmschwelle hätten einweisen lassen, zeige, dass sie es nicht mehr anders ausgehalten hätten. Symptome seien neben Depressionen auch Zukunftsängste oder selbstverletzendes Verhalten und psychosomatische Beschwerden.

Im Schnitt sei in den Praxen mit einer Wartezeit von 20 Wochen zu rechnen, sagt Maur. Die schnellste Lösung, um diese zu verringern, sei das Prinzip der Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Sie müssten unter bestimmten Voraussetzungen eine Behandlung in Privatpraxen bezahlen. «Das ist zwar gesetzlich verankert, seit vielen Jahren machen das die Kassen aber nur noch sehr selten.» Zudem müssten bestehende niedrigschwellige Angebote gestärkt werden - denn «nicht jedes Kind braucht Psychotherapie». Dazu zählten Schulsozialarbeit, Schulpsychologen und Psychologinnen, Jugendhilfe, Beratungsstellen sowie Freizeitangebote vor Ort.

Die Jugendverbände hätten digital aufgerüstet und könnten einigermaßen gut Kontakt halten, berichtet Steinberg. Dabei gehe es um digitale, aber zweckfreie Angebote zum Treffen. Wenn das Infektionsgeschehen es zulasse, seien reale Treffen dringend notwendig. «Wir tun unser Bestes, um immer weitere Formate zu finden.»

Doch die Corona-Pandemie hat nicht nur Nachteile für Kinder und Jugendliche. Zum einen lernten sie aus der jetzigen Situation, meinen die Expertinnen und Experten. Zum anderen seien viele Kinder und Jugendliche auch wegen schulischer Schwierigkeiten wie Leistungsängsten oder Mobbing in Behandlung, erklärt Maur. Schule könne eben auch ein großer Belastungsfaktor sein. «Im Frühjahr 2020 blühte die Hälfte der Patienten auf und war entspannt», sagt die Psychologische Psychotherapeutin.

Für Kinder und Jugendliche mit sozialen Phobien sei das Homeschooling zunächst eine maximale Entlastung, erläutert Huss. Auch Kinder mit autistischen Zügen seien zu Beginn richtig erleichtert gewesen. «Die Welt war auf ihre Bedürfnisse besser zugeschnitten.» Wer zum Beispiel immer rot werde, wenn er oder sie vor anderen rede, könne jetzt die Kamera ausschalten und werde nicht gesehen. «Später ist allerdings die Hemmschwelle, auf andere wieder zuzugehen, doppelt so hoch», weiß der Mediziner. Das soziale Training werde unterbrochen.

Maur und Steinberg fürchten, dass die Unterschiede in der Bildung noch sichtbarer werden könnten zwischen den Kindern mit guter Unterstützung und ohne. «Die Schere wird weiter aufgehen», meint der Vorsitzende des Landesjugendrings. Allerdings brauchen Kinder viel mehr als Bildung, darin sind sich die Expertinnen und Experten einig.

Es gelte zu analysieren, welche Aufgabe Schule wirklich habe, findet Huss. «Wie hoch ist der rein akademische Lernanteil, wie hoch ist der soziale interaktive Anteil?» Eine Erkenntnis der Pandemie: «Das Wichtigste für die Schule ist der direkte Kontakt und Austausch und den gilt es jetzt intensiv in den Mittelpunkt zu stellen.»

Ärzteverbände gegen flächendeckende Schnelltests für Schüler

Überlegungen in der Politik zu regelmäßigen Corona-Tests bei Schülern stoßen bei Medizinerverbänden auf Kritik. «Die zu erwartende hohe Zahl an falschen negativen und falschen positiven Ergebnissen würde aus unserer Sicht weit mehr Schaden anrichten als nutzen», sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Es bestehe «eine erhebliche Gefahr», dass die Hygienemaßnahmen nach negativen Testergebnissen nicht mehr eingehalten würden, weil sich die Schüler in falscher Sicherheit wögen. «Angesichts vieler falsch negativer Ergebnisse könnte das zu mehr Ansteckungen führen, als wenn nicht getestet würde; das wäre verheerend.» Auf der anderen Seite müssten Kinder bei falsch positiven Ergebnissen unnötig in Quarantäne.

Sein Verband hat mit den Gesellschaften für Pädiatrische Infektiologie, für Kinder- und Jugendmedizin und für Krankenhaushygiene eine entsprechende Stellungnahme verfasst, der der Zeitung vorliegt. Das Bundesgesundheitsministerium hält in einem Diskussionspapier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ein oder zwei Tests pro Woche für Schülerinnen und Schüler für sinnvoll.

Vor allem die unangenehmen Schnelltests mit Abstrich tief in der Nase oder im Rachen könnten bei häufiger Anwendung für junge Schulkinder sehr belastend sein, fürchten die Verbände dem Bericht zufolge. Statt «vorschnell und kontraproduktiv» alle Schulkinder zu testen, brauche es eine umfassende Strategie zum Einsatz von Testungen in Schulen. Dazu müsse gehören, das gesamte Personal, jeden zweiten Tag zu testen, also auch Mitarbeiter von Kantinen oder Fahrdiensten. Überdies sollten die Schnelltests auch künftig nur durch geschultes Personal erfolgen, bei Selbsttestungen drohten zu viele falsche Ergebnisse.

29.02.2021

Kinderärzte: Schulen und Kitas umgehend öffnen

Vor den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie fordern die Kinderärzte eine rasche Öffnung von Schulen und Kitas. «Auch nach dem Auftreten von Virusmutationen bleibt es dabei, dass Kinder und Jugendliche keine Treiber der Pandemie sind», sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Sonntag. «Deshalb können und müssen alle Schulen und die Kitas umgehend wieder geöffnet werden. Sie spielen im Infektionsgeschehen keine nennenswerte Rolle.»

Eine weitere Schließung der Schulen würde die Kollateralschäden für Kinder und Jugendliche massiv erhöhen, warnte Fischbach. Die psychischen, sozialen und emotionalen Beeinträchtigungen seien nach einem Jahr im Corona-Ausnahmezustand jetzt im zweiten Lockdown noch stärker als im ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr. Neben Vereinsamung, Depression, aggressivem Verhalten und innerfamiliären Konflikten sei auch eine Zunahme der Fettleibigkeit aufgrund von Bewegungsmangel zu beobachten. «Je länger der Lockdown dauert, desto massiver werden aller Voraussicht nach die Langzeitfolgen sein», sagte Fischbach.

Der Kinderschutzbund plädierte für Unterricht in den Ferien und an Samstagen, um schulische Defizite aufzuholen. «Es geht um eine große gesellschaftliche Aufgabe, da erwarte ich, dass die Lehrkräfte offen dafür sind. Deren Verbände können sich nicht jedes Mal verweigern», sagte der Chef des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers dem «Spiegel». Lehrerinnen und Lehrer hätten zwar einen Urlaubsanspruch. «Aber Schulferien sind nicht gleichbedeutend mit Urlaub, das ist unterrichtsfreie Zeit. Ein kleiner Teil davon muss dann eben für den Unterricht genutzt werden», sagte Hilgers.

27.02.2021

Eisenmann fordert weitere Schulöffnungen ab 8. März

CDU-Spitzenkandidatin und Kultusministerin Susanne Eisenmann will trotz der wieder steigenden Corona-Zahlen auch die weiterführenden Schulen im Südwesten bald wieder öffnen. «Für die Schulen sollten wir uns zutrauen, ab 8. März die nächsten Schritte zu gehen. Und zwar in den Grundschulen, aber auch in den weiterführenden Schulen», sagte Eisenmann dem «Mannheimer Morgen» (Samstag). Eine umfassende Teststrategie mache auch hier schrittweise Öffnungen mit reduzierten Schülerzahlen im Schulgebäude möglich.

In den Grundschulen müsse es ebenfalls mit Hilfe von Schnelltests «baldmöglichst» wieder nur Präsenzunterricht geben, erklärte die Ministerin. Seit vergangenem Montag ist in den Grundschulen wieder abwechselnd Präsenz- und Fernunterricht möglich. Eisenmann sagte zudem: «Wir wollen auch an den weiterführenden Schulen mit Wechselunterricht einsteigen.» Auch da wollten die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern eine Perspektive. «Nichts ist so gut wie Präsenzunterricht.»

Eisenmann verwies auf die nächste Bund-Länder-Runde zur Corona-Politik am kommenden Mittwoch. «Wenn da Kontaktbeschränkungen gelockert werden, ergeben sich daraus neue Handlungsoptionen.» Der Lockdown sei notwendig gewesen. «Dazu stehe ich. Aber klar ist, dass wir jetzt bei den stabilen Werten und den neuen Testmöglichkeiten schrittweise öffnen können. Natürlich mit Auflagen.» Die CDU-Politikerin ergänzte: «Man muss aber abgewogen und vorsichtig vorgehen. Es wäre eine blanke Katastrophe, wenn wir jetzt öffnen und in ein paar Wochen wieder schließen müssten. Auch wer
auf Sicht fährt, fährt ja.»

26.02.2021

Ministerium stellt Masken für Brandenburgs Grundschullehrer bereit

Für mehr Sicherheit im Unterricht stellt das Bildungsministerium den Lehrern in den Brandenburger Grundschulen mehr Masken zur Verfügung. Das Ministerium werde neben den bereits beschafften FFP2-Masken umgehend auch die Beschaffung medizinischer Masken für die Lehrkräfte ermöglichen, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben von Staatssekretärin Ines Jesse und dem Hauptpersonalrat vom Freitag an alle Lehrer. Dabei gehe es um zwei kostenlose Masken pro Tag pro Lehrkraft für die nächsten zwölf Schulwochen. Wenn in Einzelfällen trotz verkleinerter Gruppen nicht genug Abstand gehalten werden könne, seien auch Abtrennungen aus Plexiglas möglich.

Seit vergangenem Montag sind die Grundschulen in Brandenburg wieder für den Wechselunterricht zwischen der Schule und zu Hause geöffnet. Der Hauptpersonalrat der Lehrkräfte hatte vor Risiken gewarnt, kostenlose Masken für alle Lehrer und Schüler und mehr Schnelltests gefordert. Er warnte auch vor personellen Engpässen. Das Ministerium und die Personalvertretung vereinbarten, dass ein Teil der Arbeitszeit von Lehrkräften für Fernunterricht genutzt werden soll, die wegen Vorerkrankungen nicht in der Schule voll eingesetzt werden können.

Hildburghausen schließt Schulen und Kindergärten ab Montag wieder

Wegen hoher Corona-Infektionszahlen bleiben im Landkreis Hildburghausen Kindergärten und Schulen ab Montag (1. März) geschlossen. Das Landratsamt erließ am Freitag eine entsprechende Allgemeinverfügung. Der Inzidenzwert - also die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen - lag am Freitag bei knapp 195, wie ein Sprecher der Kreisverwaltung sagte. Der Wert werde am Samstag die Marke von 200 überschreiten. Somit müssten Schulen und Kindergärten nach den in Thüringen geltenden Regeln geschlossen bleiben. Eltern könnten eine Notbetreuung für ihre Kinder in Anspruch nehmen.

In Thüringen waren Grundschulen und Kindergärten erst am vergangenen Montag wieder in den eingeschränkten Betrieb gegangen. Schon da öffneten sie aber nicht in allen Kreisen. Die Regeln besagen, dass Kitas und Schulen bei einer Inzidenz von mehr als 200 schließen müssen. Liegt der Wert zwischen 150 und 200 wird eine Schließung empfohlen, die Landkreise müssen aber selbst entscheiden, wie sie verfahren.

Im Saale-Orla-Kreis, wo die Inzidenz am Freitag mit einem Wert von 193 ebenfalls nahe an der kritischen Marke lag, sollen Schulen und Kitas dennoch «bis auf Weiteres» im eingeschränkten Regelbetrieb geöffnet bleiben. Landrat Thomas Fügmann (CDU) begründete dies mit den Schwierigkeiten für Eltern, am Wochenende noch kurzfristige Absprachen mit ihren Arbeitgebern zu treffen beziehungsweise Betreuungsmöglichkeiten zu organisieren. Auch die Umplanung in den Kitas und Schulen benötige Zeit, ebenso die des Schulbusverkehrs.

Unklar ist derzeit auch noch, in welchen Kreisen und kreisfreien Städten am Montag Schüler ab der siebten Klasse wieder in die Schulen zurückkehren können. Im Saale-Holzland-Kreis dürfen sie es wegen der hohen Inzidenz noch nicht, wie das Landratamt am Freitag mitteilte. Nach der aktuellen Verordnung dürfen Schüler ab der siebten Klasse erst dann wieder in die Schulen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz stabil eine Woche lang unter 100 liegt.

Schul-Präsenzpflicht im Landkreis Rostock schon wieder aufgehoben

Drei Tage nach der Rückkehr zum Normalunterricht für die Klassen eins bis sechs und die Abschlussklassen ist im Landkreis Rostock schon wieder Schluss damit. Weil die Corona-Inzidenz seit Mittwoch über dem Warnwert von 50 liegt, wird die Präsenzpflicht ab Montag wieder aufgehoben, wie eine Kreissprecherin am Freitag mitteilte. Die Schulen seien aber geöffnet, die Kinder bis Klasse sechs könnten betreut werden. Die Schulbusse fahren demnach auch. Die Situation sei wieder vergleichbar mit der vor den Winterferien.

Damit gibt es normalen Unterricht in der Schule für alle bis Klasse sechs vorerst nur noch im Landkreis Vorpommern-Rügen und in der Hansestadt Rostock, wo die Zahl der Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen unter 50 liegt. Auch für die Abschlussklassen gilt dort Präsenzpflicht.

Im Rest des Landes wird Distanzunterricht erteilt, die Kinder von Klasse eins bis sechs können aber in der Schule betreut werden. Den Abschlussklassen wird zur Prüfungsvorbereitung Präsenzunterricht angeboten, es gibt aber keine Pflicht zur Teilnahme. Ab Klasse sieben gilt landesweit Distanzunterricht.

Am Mittwoch waren knapp zwei Drittel aller Grundschüler des Landes in den Schulen (64,5 Prozent). In den Klassen fünf und sechs waren es 58,7 Prozent und in den Abschlussklassen 71,4 Prozent. Die Schulen sind derzeit unterschiedlich gefüllt: Während die Klassenstufen in den Regionen mit Präsenzpflicht bis zu 96,2 Prozent Schulbesuch verzeichneten, waren im Landkreis Vorpommern-Greifswald mit dem stärksten Infektionsgeschehen nur 26,4 Prozent der Grundschüler und 14,9 Prozent der Fünft- und Sechstklässler in der Schule. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim (keine Präsenzpflicht) gingen 64,3 Prozent der Grundschüler und 56,3 Prozent der Fünft- und Sechstklässler in die Schule.

Rheinland-Pfalz plant Wechselunterricht auch für ältere Schüler

Mainz (dpa/lrs) Das rheinland-pfälzische Kabinett will über weitere Öffnungen der Schulen entscheiden. Der Vorschlag sehe vor, dass die fünften und sechsten Klassen am 8. März und alle anderen Klassen ab 15. März in den Wechselunterricht gehen sollen, kündigte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Freitagmorgen im Ältestenrat des Landtags an. Die Bildung habe oberste Priorität. Die Grundschulen sind seit Beginn dieser Woche bereits im Wechselunterricht, die anderen Klassen haben noch Fernunterricht. Mit einem Beschluss ist im Laufe des Tages zu rechnen.

25.02.2021

Neue Sitzenbleiben-Regel für Berliner Schüler - wegen Corona

Berlin (dpa) Viele Berliner Schüler dürfen das von Corona und Schulschließung geprägte Schuljahr 2020/21 wiederholen, wenn sie das wollen. Das Abgeordnetenhaus beschloss am Donnerstag eine entsprechende Gesetzesänderung. Sie betrifft Schüler in der Primarstufe sowie der Sekundarstufe I - also der Klassen 1 bis 10. Wenn sie das Schuljahr wiederholen wollen, müssen ihre Eltern einen schriftlichen Antrag bei den Schulleitern stellen. Verpflichtend vorgesehen ist ein Beratungsgespräch mit Schulvertretern. Bisher konnten Schüler nicht freiwillig sitzenbleiben. Nachteile sollen ihnen durch eine Wiederholung der Jahrgangsstufe nicht entstehen.

Kultusministerium erleichtert mittlere Abschlüsse in Corona-Krise

Das Kultusministerium hat angesichts der Corona-Krise entschieden, dass es für die mittleren Schulabschlüsse in den Kernfächern dezentrale Abschlussprüfungen geben wird. Für die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik werden außerdem die Termine für die schriftliche Prüfung verschoben, teilte das Kultusministerium am Donnerstag in Hannover mit. Die Prüfungen in der Sekundarstufe I finden nun am ursprünglich ersten Nachschreibetermin statt, somit erhalten die Schülerinnen und Schüler mehr Vorbereitungszeit.

Zudem wies das Ministerium darauf hin, dass die mündlichen Prüfungen freiwillig und nicht verpflichtend abzulegen seien. Damit könnten Schüler ihre Note im Rahmen einer Prüfung verbessern. Die Bewertung der Leistung in der freiwilligen mündlichen Prüfung bleibe aber unberücksichtigt, wenn aufgrund dieser Bewertung die Jahresnote schlechter als ausreichend lautet. Diese Regelung habe bereits im vergangenen Jahr gegolten und sich außerordentlich bewährt.

«Mit sicheren und fairen Prüfungen wahren wir Zukunftschancen für junge Menschen», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Es würden Abschlüsse vergeben, die keinen Corona-Makel hätten. «So verhindern wir, dass sich die Jugendlichen aus dem Abschlussjahrgang 2020/2021 rechtfertigen müssen und gegebenenfalls schlechtere Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt haben.» Für den Ablauf der Prüfungen schreibt das Ministerium strenge Hygienemaßnahmen vor.

Land Hessen will Sammel-Impftermine für Lehrer und Erzieher anbieten

Das Land Hessen will für Grundschullehrer und Mitarbeiter in der Kindertagesbetreuung Sammeltermine für die Corona-Schutzimpfung anbieten. Kommunen und Schulleiter sollen den Bedarf erfassen und an das Schulamt weiterleiten, wie das hessische Innenministerium am Donnerstag mitteilte. Die Namen der Interessierten würden dann vom jeweiligen Staatlichen Schulamt an das örtlich zuständige Impfzentrum weitergeleitet. «Dieses organisiert die Sammel-Impftermine», teilte das Innenministerium weiter mit.

Das Personal in den Grund- und Förderschulen und in der Kindertagesbetreuung arbeite täglich eng mit Kindern zusammen, «die naturgemäß die Abstandsregeln nicht immer strikt befolgen oder teils auch von der Maskenpflicht befreit sind», teilten Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU), Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) gemeinsam mit. «Eine schnelle Impfung schützt nicht nur sie selbst, sondern zugleich auch die betreuten Kinder.» Sie appellierten an die Beschäftigten, das Angebot anzunehmen und sich impfen zu lassen.

Impfberechtigte Lehrer und Erzieher könnten sich auch individuell telefonisch oder online für Impftermine anmelden. Parallele Anmeldungen über das Schulamt und über das Portal sollten laut Innenministerium jedoch vermieden werden.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen kritisiert, dass zunächst nur Grundschul- und Förderlehrer geimpft werden dürfen, nicht aber Lehrer an weiterführenden Schulen. «Denn während an Grund- und Förderschulen der enge Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern das größte Infektionsrisiko darstellt, sind es an weiterführenden Schulen die vielfältigen Kontakte, denen die Lehrkräfte in ständig wechselnden Lerngruppen ausgesetzt sind», teilte der Verband am Donnerstag mit. Vor allem für Verbundsschulen sei das Vorgehen nicht nachvollziehbar.

In Baden-Württemberg hingegen würden Lehrkräfte aller Klassen ein Impfangebot bekommen. Das führe dazu, dass ein Lehrer, der in Hessen eine fünfte Klasse unterrichte, aber in Baden-Württemberg wohne, geimpft werden könne. Sein Kollege, der in Hessen wohne, allerdings nicht. Das Nachbarland orientiere sich bei den Impfungen nämlich am Wohnort der Lehrkräfte, Hessen hingegen am Ort der Schule. «Das alles ist unlogisch, inkonsequent - schlicht ein Irrsin», teilte der Vorsitzende des VBE Hessen, Stefan Wesselmann, mit.

Dem hessischen Innenministerium zufolge zählen rund 70 000 Grundschullehrer und Erzieher zu den Impfberechtigten der zweiten Prioritätsgruppe. Insgesamt umfasst diese Gruppe demnach 1,5 Millionen Hessen.

 

Hamburger Schulen und Kitas sollen trotz hoher Corona-Zahlen öffnen

Vor zehn Tagen war schönstes Winterwetter - jeder Hügel in Hamburg wurde zum Rodeln genutzt, auf Abstand achtete nicht jeder im Winterwunderland. Nun gehen die Corona-Zahlen in die Höhe.

Trotz deutlich steigender Corona-Zahlen sollen Schulen und Kitas auch in Hamburg bald wieder öffnen. Am Freitag werde Schulsenator Ties Rabe (SPD) eine Teststrategie vorstellen, die eine Rückkehr zur Präsenzpflicht nach den Frühjahrsferien am 15. März ermöglichen solle, teilte seine Behörde am Donnerstag mit. Schon eine Woche früher könnten die Kitas aus dem Notbetrieb gehen - hier ist eine Entscheidung aber noch nicht gefallen. Unterdessen stieg die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in Hamburg auf knapp 80. Weitere Lockerungen soll es erst ab einem stabilen Wert unter 35 geben.

Ein Wiederanfahren des Schulbetriebs nach den am Montag beginnenden zweiwöchigen Ferien war erwartet, das Datum aber bisher nicht konkret bestätigt worden. In Hamburg ist die Präsenzpflicht für Schülerinnen und Schüler seit dem 16. Dezember aufgehoben. Der Senat hatte immer betont, dass Kitas und Schulen bei Corona-Lockerungen Priorität hätten.

Die Kitas wurden von der Sozialbehörde aufgefordert, sich auf eine Rückkehr aus der Notbetreuung noch während der Ferien vorzubereiten. Öffnungsschritte würden von der Entwicklung der Infektionen abhängig gemacht, heißt es in einem Schreiben an die Einrichtungen vom Mittwoch, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Die erweiterte Notbetreuung wird deshalb mindestens bis zum 07.03.2021 fortgesetzt.» Jeder weitere Öffnungsschritt werde auch hier durch eine Teststrategie begleitet. Ob es am 8. oder am 15. März losgeht, soll dem Vernehmen nach am kommenden Montag feststehen.

Angesichts der Zahlen dürften weitere Lockerungen wie Ladenöffnungen für Hamburg aber in weite Ferne rücken: Am Mittwoch kamen 343 neu nachgewiesene Corona-Infektionen hinzu - 97 Fälle mehr als am Vortag und 148 mehr als am Donnerstag vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl neuer Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche - stieg den vierten Tag in Folge auf nunmehr 79,7. Vor einer Woche hatte dieser Wert noch bei 68,1 gelegen.

In der Gesundheitsbehörde sieht man einen Zusammenhang zwischen den steigenden Corona-Zahlen und dem Rodel-Vergnügen vor knapp zwei Wochen, dem sich viele Hamburgerinnen und Hamburger bei kalt-trockenem Wetter hingegeben hätten, wie Sprecher Martin Helfrich der dpa sagte. «Es gibt durchaus Anhaltspunkte, dass wir das jetzt auch in den Neuinfektionszahlen sehen.»

Und auch die inzwischen frühlingshaften Temperaturen locken die Menschen weiter auch in großen Gruppen ins Freie. 268 Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstoßes gegen Corona-Regeln leitete die Hamburger Polizei binnen 24 Stunden bis Donnerstagmorgen ein - zumeist gegen Jugendliche und junge Erwachsene, die Abstandsregeln nicht eingehalten hätten, wie eine Sprecherin sagte. Gruppen mit jeweils mehr als 150 Personen seien der Polizei von Anwohnern oder Passanten im Jenischpark, am Jungfernstieg und im Park Fiction am St. Pauli Fischmarkt gemeldet worden.

Ab Samstag soll in Hamburg eine verschärfte Maskenpflicht gelten, die eine medizinische Mund-Nase-Bedeckung überall dort vorschreibt, wo Abstände aufgrund vieler Besucher nicht eingehalten werden können, etwa an Alster und Elbe und in den Parks. Die Polizei kündigte Kontrollen an. «Vor allem diese definierten Bereiche werden wir am Wochenende im Fokus behalten, sind aber auch im gesamten Stadtgebiet unterwegs», sagte die Sprecherin.

Nicht regelkonform versucht auch so mancher, an eine Impfung im Zentralen Impfzentrum in den Messehallen zu gelangen. In rund 200 Fällen hätten dort allein in der vergangenen Woche Impfwillige abgewiesen werden müssen, obwohl sie einen Termin hatten, sagte Helfrich. Grund seien falsche Angaben bei der Terminvereinbarung gewesen. So seien in 35 Prozent der Fälle die Betroffenen noch keine 80 Jahre alt gewesen.

Zwar müsse man bei der Online-Anmeldung versichern, dass man laut Impfverordnung berechtigt ist. Die Überprüfung finde jedoch erst im Impfzentrum statt. «Das Personal ist angewiesen, Personen, die derzeit nicht impfberechtigt sind, abzuweisen», sagte er. 22 Prozent und damit ein gutes Viertel der Impf-Schummler hätte den Hauptwohnsitz außerhalb Hamburgs gehabt. «In 19 Prozent der Fälle war ein fehlender, unzureichender oder nicht glaubhafter Tätigkeitsnachweis der Grund für die Ablehnung. In 9 Prozent der Fälle hatten die Personen angegeben, zum impfberechtigten medizinischen Personal zu gehören, ohne das nachweisen zu können.»

Keine Algorithmen: Britische Regierung zieht Lehren aus Noten-Fiasko

Nach einem gescheiterten Versuch mit Algorithmen will die britische Regierung Lehrkräften wieder die volle Verantwortung über Schulnoten in der Pandemie übertragen. «Wir vertrauen den Urteilen der Lehrer. Sie sind die Menschen, die ihre Schüler am besten kennen», sagte Schulstaatssekretär Nick Gibb am Donnerstag der BBC. Bildungsminister Gavin Williamson hatte zuvor klargestellt, dass keine Algorithmen mehr bei der Benotung zum Einsatz kommen sollten. «Es ist wichtig, dass die Schüler Vertrauen haben, dass sie die Note bekommen, die ihre Arbeit wahr und gerecht abbildet», so Williamson im Londoner Unterhaus.

Im vergangenen Jahr hatte es große Aufregung in Großbritannien geben, als Tausende Schülerinnen und Schüler schlechtere Abschlussnoten im Abitur und bei Zwischenprüfungen (GCSE) bekommen sollten, die von einem Algorithmus auf Basis von Lehrer-Einschätzungen errechnet worden waren. Schließlich war die Regierung zurückgerudert.

Stattdessen sollen in diesem Jahr Lehrer auf der Basis von freiwilligen Tests und Erfahrungen im Unterricht Abschlussnoten geben, auch wenn wegen der Pandemie wie im Vorjahr keine echten Abschlussprüfungen stattfinden werden. Die Lehrenden bekämen eine Leitlinie von Prüfungsausschüssen und Ratschläge, wie sie die Noten am fairsten und nachvollziehbarsten vergeben könnten, kündigte Williamson an.

Die von den Lehrkräften vergebenen Noten sollen früher veröffentlicht werden als üblich, damit die Schülerinnen und Schüler ausreichend Zeit haben, um mögliche Beschwerden einzureichen. Kritiker bemängeln, dass der nun gewählte Ansatz entweder zu einer im Schnitt zu großzügigen Benotung oder zu einer großflächigen Anfechtung der Noten führen könne.

Bayern senkt Klausuranforderungen für Schüler der elften Klassen

Wegen der Corona-Krise müssen die Schüler der elften Klassen in Bayern in diesem Schuljahr pro Fach nur eine Klausur schreiben. «Wir sichern trotz Corona die hohe Qualität des bayerischen Abiturs und Fachabiturs. Wichtig ist mir aber auch, dass wir eine Ballung von Schulaufgaben und Klausuren in den Präsenzphasen vermeiden», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag in München. Dies sei auch deswegen notwendig, weil sich die 11. Klassen an Gymnasien und Fachoberschulen derzeit noch vollständig im Distanzunterricht befänden.

Bei den Schulaufgaben sieht die Neuregelung vor, dass im gesamten Schuljahr eine Klausur pro Fach geschrieben werden muss. Wenn im ersten Halbjahr bereits eine Schulaufgabe geschrieben wurde, muss im zweiten Halbjahr keine weitere mehr erbracht werden. Die im gesamten Schuljahr 2020/21 erbrachten Leistungen können als Ergebnis für das erste wie für das zweite Schulhalbjahr gewertet werden.

Für den Abiturjahrgang 2021, der bereits seit 1. Februar meist im Wechselunterricht zurück an den Schulen ist, hatte Piazolo bereits die Abiturtermine verschoben und die Zahl der Schulaufgaben im zweiten Halbjahr reduziert – Klausuren finden hier nur noch in den schriftlichen Abiturfächern statt.

Auch für die 12. und 13. Klasse der Beruflichen Oberschulen seien nun auch die Vorgaben für die sogenannten sonstigen Leistungsnachweise angepasst worden. Hier seien coronabedingt in Ausnahmefällen auch etwa nur zwei rein mündliche Leistungsnachweise pro Halbjahr ausreichend. «Trotz Corona wird es ein faires und qualitativ hochwertiges Abitur bzw. Fachabitur geben», sagte Piazolo.

Erzieher und etliche Lehrer können sich Impftermine besorgen

Erfurt (dpa/th)Beschäftigte in Thüringer Kindergärten sowie an Grund- und Förderschulen können sich ab Donnerstag einen Impftermin im Internet besorgen. Hintergrund ist die Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums, dass diese Gruppen nun doch früher geimpft werden können als ursprünglich vorgesehen. In Thüringen soll es nach den Plänen des Gesundheitsministeriums und des Bildungsministeriums zwei spezielle Impftermine für das betroffene Personal geben: Am kommenden Sonntag und den Sonntag eine Woche später. Insgesamt seien rund 10 000 Impfdosen bereitgestellt, hieß es. Betroffene sollen eine Bestätigung vom Arbeitgeber bekommen, dass sie in den Einrichtungen arbeiten und damit impfberechtigt sind.

24.02.2021

Keine blauen Briefe im Corona-Jahr - Freiwilliges Sitzenbleiben

Im zweiten Corona-Schuljahr gibt es gute und schlechte Nachrichten für die Schüler: Im Briefkasten werden keine blauen Briefe liegen. Aber aus dem Schneider sind die Schwächeren damit nicht.

Schüler in Nordrhein-Westfalen müssen am Ende dieses zweiten Corona-Schuljahres keine «blauen Briefe» fürchten. Es würden keine Schreiben zu gefährdeten Versetzungen verschickt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch. Anders als im vergangenen Schuljahr können leistungsschwache Schüler aber trotzdem sitzenbleiben. Es werde am Ende des Schuljahres «Versetzungsentscheidungen» geben, sagte die Ministerin. Zugleich würden aber erweiterte Nachprüfungsmöglichkeiten geschaffen. Schüler könnten eine Klasse auch freiwillig wiederholen, ohne dass das auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet werde.

Die Maßnahmen sind im Bildungssicherungsgesetz 2021 enthalten, das vom Kabinett beschlossen wurde und nun in die Verbändeanhörung geht. Mit dem Gesetz sollen laut Gebauer «faire und gerechte Bedingungen in Pandemie-Zeiten» ermöglicht werden. Den Schülerinnen und Schülern sollten auch in diesem Jahr durch die Pandemie keine Nachteile für ihre Bildungs- und Berufswege entstehen.

Am Ende der Erprobungsstufe nach Klasse 6 sollen dieses Jahr nach Beratung durch die Schule ausnahmsweise die Eltern entscheiden können, ob ihr Kind eine Ehrenrunde dreht oder die Schulform wechselt. Die Klassenkonferenz soll trotzdem eine Aussage dazu treffen, ob ein Schüler an der gewählten Schulform bleiben kann.

Für die zentralen Prüfungen in Klasse 10 (ZP 10) in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen werden in diesem Schuljahr wieder landeseinheitliche Aufgaben gestellt. Die Rückkehr in den Präsenzunterricht für die Abschlussklassen seit einigen Tagen ermögliche «eine angemessene Prüfungsvorbereitung», sagte Gebauer. Die Prüfungen beginnen ab dem 19. Mai.

Vergangenes Jahr war auf zentrale ZP 10-Prüfungen verzichtet worden. Stattdessen hatten Lehrkräfte Klassenarbeiten schreiben lassen. An den Gymnasien jedoch wird es wie schon vergangenes Jahr am Ende der zehnten Klasse erneut keine zentralen schriftlichen Prüfungen geben.

Bereits beschlossen hatte die Landesregierung, dass die Abiturprüfungen in NRW um neun Tage vom 14. April auf den 23. April verschoben werden und die Aufgabenauswahl erweitert wird. In diesem Zeitraum findet für die Prüflinge kein regulärer Unterricht statt. Außerdem gibt es Nachschreibetermine für Schüler, die an drei unmittelbar aufeinander folgenden Tagen einer Kalenderwoche Klausuren schreiben müssen. Die externe Zweitkorrektur entfällt wie auch vergangenes Jahr. Es gibt aber eine interne Zweitkorrektur.

Die NRW-Maßnahmen entsprechen laut Gebauer den Beschlüssen der Kulturministerkonferenz (KMK). Alle Bundesländer hatten sich darauf verständigt, Abschlüsse auch in diesem Corona-Jahr auf Basis von Prüfungen zu vergeben. Es sei wichtig zu erkennen, ob Leistungen erbracht worden seien oder nicht, sagte Gebauer. Ihr Staatssekretär Mathias Richter sagte, es habe genug Präsenzunterricht gegeben, so dass Leistungen entsprechend bewertet werden könnten.

Nach wochenlangen Schulschließungen in NRW im Corona-Lockdown dürfen seit Montag Grund- und Förderschüler sowie Schüler aus Abschlussklassen und Berufskollegs in NRW unter verschärften Schutzvorkehrungen wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Für die Primarstufe gibt es Wechselmodelle aus Distanz- und Präsenzunterricht in halbierter Klassenstärke. Die Abschlussjahrgänge dürfen hingegen in voller Klassen- oder Kursstärke unterrichtet werden. Die Klassen 5 bis 9 oder 10 sind weiter im Distanzunterricht.

Die Landeselternschaft der Gymnasien forderte täglichen Präsenzunterricht für alle Klassen in NRW. Mit einer Reduzierung der Unterrichtsstunden sowie Verteilung auf Vor- und Nachmittage wäre das möglich, sagte die Verbandsvorsitzende Jutta Löchner. Trotz der coronabedingten Probleme spricht sich auch die Elternschaft dagegen aus, die Schüler - wie im Vorjahr - wieder automatisch zu versetzen.

Eine aktuelle Umfrage habe dennoch alarmierenden Handlungsbedarf zutage gefördert: Demnach erwarten mehr als 40 Prozent der über 41 000 Eltern, die geantwortet haben, mittelgroße bis schwerwiegende Wissenslücken durch den eingeschränkten Unterricht in der Corona-Pandemie.

Unter den 224 Gymnasialdirektoren, die im Januar ebenfalls an einer Befragung der Elternschaft teilgenommen hatten, sieht nur eine Minderheit keine coronabedingten Lernlücken. 22 Prozent der Direktoren sehen sich nicht in der Lage, Schüler und Eltern am Ende der 6. Klasse zuverlässig über einen angemessenen Schulwechsel zu beraten. Die Landeselternschaft fordert daher, die Erprobungsstufe bis auf weiteres auf Klasse 7 auszudehnen. Jeder zehnte Schulleiter sieht die Aussagekraft der Abiturzeugnisse 2021 kritisch.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, kritisierte, mit dem jetzt vorgelegten Gesetzentwurf sei die Ministerin «mal wieder viel zu spät». Die Regelungen seien zudem unzureichend. «Wir plädieren dafür, dass die Abiturientinnen und Abiturienten in diesem Jahr die Möglichkeit für einen Freischuss haben sollen, um ihnen die Sorgen und den Stress vor den anstehenden Prüfungen zu nehmen.» Die aktuelle Situation sei schon belastend genug.

Landesschülerrat fordert vor Schulstart Schnelltests für Schüler

Wenige Tage vor der Rückkehr zum Präsenzunterricht für alle Jahrgänge dringt der Landesschülerrat auf Corona-Schnelltests für Schülerinnen und Schüler. Es müsse eine intensive Teststrategie aufgebaut werden, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Felix Schopf, am Mittwochnachmittag bei einer Online-Diskussion der SPD-Fraktion. Dabei seien sowohl Selbsttests für zu Hause denkbar wie Schnelltests durch medizinisches Fachpersonal. Zudem sollten die Kinder und Jugendlichen Schutzmasken gestellt bekommen statt sie privat zu besorgen. «Viele gehen schon mit einem mulmigen Gefühl in die Schule», sagte Schopf weiter.

Am Montag endet überall außer im Burgenlandkreis der monatelange Notbetrieb und es gibt wieder Präsenzunterricht für alle Klassenstufen. An Grundschulen lernen die Klassen in festen Räumen mit fest zugeteilten Lehrkräften. Zudem wird die Präsenzpflicht aufgehoben. Ältere Jahrgänge werden in Gruppen geteilt und lernen abwechselnd in der Schule und mit Aufgaben zuhause. Zudem gelten Abstands- und Hygieneregeln.

Für die Lehrkräfte hat das Land als Arbeitgeber zudem mehr als 480 000 Schutzmasken sowie 110 000 Schnelltests zur Verfügung gestellt. Für die Schülerinnen und Schüler gibt es noch keine Schnelltests.

Am Mittwoch genehmigte der Bund die ersten drei Corona-Tests, die jeder selbst anwenden kann. Sie sollen bald in Apotheken und im Handel verfügbar sein. Bisher war dafür geschultes Personal nötig. Jetzt müsse geprüft werden, ob diese Selbsttests für den flächendeckenden Einsatz bei Schülerinnen und Schülern zum Einsatz kommen können, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. «Wir warten hoffnungsvoll auf die Entscheidung der Behörden.»

Auch SPD-Fraktionschefin Katja Pähle verwies bei der Online-Diskussion mit dem Landesschülerrat auf bestehende Hürden bei Schnelltests für Schülerinnen und Schüler. Bei Minderjährigen müssten solche Tests von den Eltern genehmigt oder von diesen bei ihren Kindern selbst vorgenommen werden, sagte Pähle. Das sei bei den herkömmlichen Tests mit einer unangenehmen Probenname im Rachenbereich unpraktikabel. Besser seien Spuck- und Gurgeltests, die Schülerinnen und Schüler selbst anwenden könnten, so Pähle.

Hamburgs Schüler können Klassen wegen Corona freiwillig wiederholen

Wegen der langen durch die Corona-Pandemie verursachten Fehlzeiten an den Schulen können Hamburgs Schüler die Jahrgangsstufe nun freiwillig wiederholen. Die Schulbehörde habe das in der Hansestadt seit Jahren geltende sogenannte Verbot des Sitzenbleibens für dieses Schuljahr aufgehoben. «Nach den langen Schulschließungen wird es nicht immer gelingen, dass Schülerinnen und Schüler wieder Anschluss an ihre Lerngruppe finden», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Mittwoch. Daher sollen freiwillige Klassenwiederholungen im kommenden Schuljahr großzügig zugelassen werden, wenn sie pädagogisch sinnvoll und erforderlich seien.

Bisher ist das Wiederholen einer Klasse nur im Ausnahmefall etwa bei einer besonders großen Belastung wie einer langen Krankheit oder der Scheidung der Eltern möglich. Diese Einschränkung entfalle nun. Es werde grundsätzlich angenommen, dass die Corona-Pandemie eine große Belastung sei. Ob nun ein Wiederholen des Schuljahres oder der Verbleib in der Klasse für das Kind oder den Jugendlichen besser ist, entscheidet den Angaben zufolge die jeweilige Schule allein. Das gelte auch für die Jahrgangsstufe 10. Die Wiederholung einer Jahrgangsstufe in der gymnasialen Oberstufe werde wegen der besonderen Umstände in diesem Schuljahr nicht auf die Verweildauer angerechnet.

Ernst hofft auf offene Schulen bis Ostern - Expertentisch abgelehnt

Kinder und Jugendliche leiden unter den Schulschließungen, Corona-Kontaktbeschränkungen und fehlenden Freizeitangeboten am meisten - so weit sind sich alle Fraktionen im Landtag einig. Doch bei der Suche nach Gegenmaßnahmen herrscht weiter großer Streit.

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) setzt darauf, trotz der Corona-Pandemie alle Schulen im Land bis Ostern wieder öffnen zu können. «Es ist gut, dass die Grundschulen wieder geöffnet sind - das ist ein erster entscheidender Schritt, die Rahmenbedingungen für unsere Kinder und Jugendlichen zu verbessern», sagte Ernst am Mittwoch in der Aktuellen Stunde des Landtags. Diesem Schritt müssten aber schnell weitere folgen, betonte Ernst. «Ich hoffe, dass im Laufe des März auch die weiterführenden Schulen im Wechselunterricht wieder öffnen können und dass Jugendangebote und Sport im Freien wieder möglich wird.»

Die Linke-Fraktion hatte die Aktuelle Stunde zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen beantragt. Denn nach verschiedenen Studien hätten bei dieser Gruppe Depressionen, psychosoziale Störungen und Folgen von Bewegungsmangel deutlich zugenommen, betonten Redner aller Fraktionen.

Die Abgeordnete Kathrin Dannenberg forderte für die Linke-Fraktion einen Expertentisch zur Bildung, in dem Vertreter von Verbänden und Wissenschaftler die besten Konzepte für die Bewältigung der Lernrückstände und anderer Probleme erarbeiten sollten. Dies lehnten die rot-schwarz-grünen Koalitionsfraktionen jedoch ab. Ernst und der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann wiesen darauf hin, dass es regelmäßige Beratungen mit Experten sowie mit dem Landeseltern- und Landesschülerrat zu Maßnahmen wie Wechselunterricht in der Schule und zu Hause oder Abschlussprüfungen gebe.

Der AfD-Abgeordnete Dennis Hohloch verwies darauf, dass sich laut Studien die effektive Lernzeit der Kinder im Distanzunterricht halbiert habe. «Schon vor der Pandemie war es um die Bildung in Brandenburg nicht gut bestellt - können Sie sich vorstellen, wie es nun aussieht?», fragte er. Hohloch forderte von Ernst neue Ansätze für das laufende Schuljahr und darüber hinaus. Dabei müsse sich der Unterricht auf die Kernfächer konzentrieren und auch Samstagsunterricht zur Aufarbeitung der Lernrückstände eingeführt werden. Der entsprechende Antrag der AfD wurde vom Landtag abgelehnt.

Angenommen wurde der Antrag der Koalitionsfraktionen, in dem die Landesregierung aufgefordert wird, freiwillige pädagogische Angebote zum Abbau der Lernrückstände und entsprechende Angebote in den Ferien zu finanzieren. Außerdem sollen studentische Assistenten in den Schulen bis Ende des Jahres weiter beschäftigt werden.

Nach Angaben des Bildungsministeriums sind alle 485 Primarschulen in öffentlicher Trägerschaft am Montag erfolgreich in den Wechselunterricht gestartet. Gut die Hälfte der Schulen habe sich entschieden, die auf maximal 15 Schüler reduzierten Lerngruppen an bestimmten Wochentagen wechselweise in der Schule und zu Hause zu unterrichten. Knapp 47 Prozent der Schulen entschieden sich für einen wochenweisen Wechsel, und fast 3 Prozent organisierten ein Schichtmodell mit Unterricht am Vormittag oder am Nachmittag.

Gymnasialeltern fordern Präsenzunterricht für alle: Eltern «am Limit»

Frustrierte Schüler, Mütter und Väter «am Limit» - die Landeselternschaft der Gymnasien fordert intelligente Wege, um alle Schüler schnellstens aus der Isolation zurück in die Klassen zu holen. Eine Befragung zeigt dringenden Handlungsbedarf.

Die Landeselternschaft der Gymnasien fordert täglichen Präsenzunterricht für alle Klassen in Nordrhein-Westfalen. Mit einer Reduzierung der Unterrichtsstunden sowie Verteilung auf Vor- und Nachmittage wäre das möglich, sagte die Verbandsvorsitzende Jutta Löchner am Mittwoch in Düsseldorf.

Eine aktuelle Umfrage der Landeselternschaft habe alarmierenden Handlungsbedarf zutage gefördert: Demnach erwarten mehr als 40 Prozent der über 41 000 Eltern, die geantwortet haben, mittelgroße bis schwerwiegende Wissenslücken durch den eingeschränkten Unterricht in der Corona-Pandemie.

Fast 30 Prozent der Eltern mit Kindern im 5. Jahrgang gaben an, sich «nahe am Limit» zu fühlen. Rund 40 Prozent beantworteten die Frage «Wie geht es ihrem Kind?» mit: «Frustriert, die fehlenden Sozialkontakte setzen meinem Kind zu» oder mit «nicht gut». 1,6 Prozent der Eltern wollen sich sogar ärztliche oder psychologische Hilfe für ihre Kinder suchen.

Hochgerechnet auf eine halbe Million Gymnasiasten in NRW seien Tausende Kinder betroffen, bilanzierte die Landeselternschaft. «Wir können es uns nicht länger leisten, dass die Kinder über Monate zuhause bleiben», warnte Löchner.

Seit Montag dürfen Grund- und Förderschüler sowie Schüler aus Abschlussklassen und Berufskollegs in NRW unter verschärften Schutzvorkehrungen wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Für die Primarstufe gibt es Wechselmodelle aus Distanz- und Präsenzunterricht in halbierter Klassenstärke. Die Abschlussjahrgänge dürfen hingegen in voller Klassen- oder Kursstärke unterrichtet werden.

Trotz der coronabedingten Probleme spricht sich die Elternschaft übereinstimmend mit der Mehrheit der Direktoren dagegen aus, die Schüler - wie im Vorjahr - wieder automatisch zu versetzen. In der Befragung warnten 60 Prozent der Direktoren davor, die Schüler in falscher Sicherheit zu wiegen.

Die Bildungsqualität müsse gesichert werden, mahnte Löchner. Jetzt seien zunächst Lernstandserhebungen für alle Jahrgänge nötig, um Lücken offenzulegen. Zudem sollten Oster- und Sommerferienkurse angeboten werden, um Defizite aufzuholen. Falls dazu Lehramtsstudierende oder Pensionäre angeworben werden könnten, müsse das umgehend geschehen, forderte die Elternvertreterin. 20 Prozent der befragten Eltern hätten bereits Interesse an solchen Kursen angemeldet. 11 Prozent der Gymnasiasten-Eltern überlegen demnach sogar schon, ihr Kind ein Jahr wiederholen zu lassen.

Unter den 224 Gymnasialdirektoren, die im Januar ebenfalls an einer Befragung der Elternschaft teilgenommen hatten, sieht nur eine Minderheit keine coronabedingten Lernlücken - tendenziell größere Defizite in den unteren Stufen, geringere in der Oberstufe. 22 Prozent der Direktoren sehen sich nicht in der Lage, Schüler und Eltern am Eltern am Ende der 6. Klasse zuverlässig über einen angemessenen Schulwechsel zu beraten. Die Landeselternschaft fordert daher, die Erprobungsstufe bis auf weiteres auf Klasse 7 auszudehnen. Jeder zehnte Schulleiter sieht die Aussagekraft der Abiturzeugnisse 2021 kritisch.

Die Befragung bildet aber auch positive Entwicklungen ab: Rund 96 Prozent der Direktoren sehen ihr Gymnasium gut auf den Distanzunterricht vorbereitet und verfügen über eine funktionierende Lernplattform. Allerdings hat jeder zweite Lehrer noch kein eigenes Dienstgerät. Unter den Eltern gab allerdings jeder zehnte Befragte an, dass eigene Kind kommen «nicht so gut» mit den Videokonferenzen zurecht.

Die SPD-Opposition im Landtag unterstützte die Forderungen nach Lernferien, Lernstandserhebungen und verlängerter Erprobungszeit. Jedes Kind benötige einen persönlichen Förderplan, unterstrich Vizefraktionschef Jochen Ott in einer Mitteilung. Da die Wissenslücken nicht kurzfristig aufzuholen seien, sollte jedes Kind die Möglichkeit haben, freiwillig das Schuljahr wiederholen zu können.

23.02.2021

Schülervertreter befürchten düstere Zukunftsaussichten

Die Bundesschülerkonferenz warnt angesichts der Corona-Pandemie vor düsteren Zukunftsaussichten für die derzeitige Schülergeneration. Zwar dürfe man aktuell ein gewisses Maß an positiver Energie nicht verlieren, sagte der Generalsekretär Dario Schramm der Deutschen Presse-Agentur. «Dennoch habe ich große Sorge, wenn es um die Frage geht, was diese Pandemie für Auswirkungen hat.» Besonders machten ihm die Aussichten für ohnehin schon abgehängte Schüler aus wirtschaftlich schwächeren Familien Sorgen. Mit Blick auf die Themen Bewerbung, Ausbildungsplätze, Praktika sagte Schramm, der ganze Bereich Berufsvorbereitung leide massiv unter der Situation.

Ähnliche Einschätzungen kommen von der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA). Man sehe «mit Sorge», dass viele Schülerinnen und Schüler während der Schulschließungen nicht erreicht würden und zuhause zu wenig Kompensation fänden. Wie die BDA auf Anfrage weiter mitteilte, leidet aktuell besonders die berufliche Orientierung. Viele Schülerinnen und Schüler hätten nicht die Möglichkeit ein Betriebspraktikum zu machen.

Nach mehr als zwei Monaten ohne Unterricht in der Schule hatten Grundschulen in den meisten Bundesländern zuletzt wieder eingeschränkt aufgemacht. Wie lange die Einrichtungen geöffnet bleiben, ist jedoch wegen der unsicheren Corona-Lage unklar. Für die meisten älteren Schüler besteht noch keine Aussicht auf Rückkehr in ihre Schulen, nur für Abschlussklassen gibt es Ausnahmen.

Schulöffnungen frühestens am 8. März

Der Zickzackkurs in Sachen Schule geht weiter: Die Entscheidung, wann der Präsenzunterricht wieder anläuft, verzögert sich. Zum Monatsanfang ist es jedenfalls noch nicht so weit.

Lehrer, Schüler und Eltern müssen sich weiter in Geduld üben, bis sie wissen, wann es an Niedersachsens Schulen wieder mehr Präsenzunterricht geben wird. Ursprünglich hatte Kultusminister Grant Hendrik Tonne die Entscheidung für diese Woche angekündigt - doch daraus wird nun nichts. Frühestens nach dem derzeitigen Lockdown, der mindestens bis zum 7. März andauert, seien Lockerungen möglich, erklärte der SPD-Politiker am Dienstag.

Die bisherigen Planungen für die Schulöffnungen hätten «sowohl den 1. März umfasst als auch spätere Zeitpunkte», sagte Tonne. Weil die Corona-Infektionszahlen seit zwei Wochen aber nicht mehr nennenswert zurückgingen, sei in der kommenden Woche noch nicht mehr möglich als das bisherige Modell. Dieses sieht Wechselunterricht in geteilten Klassen - teils zu Hause, teils in der Schule - nur für Grundschüler und Abschlussklassen vor. Gleichzeitig ist die Präsenzpflicht im Moment aufgehoben, das heißt, die Eltern können entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder nicht.

Das Kultusministerium plant jedoch weiterhin damit, «für eine Übergangsphase nach Ende des Lockdowns» möglichst alle Schulen in den Wechselunterricht zu versetzen. Voraussetzung dafür sei ein Rückgang der Infektionen. An den Kindertagesstätten sollen dann wieder normale Gruppengrößen möglich sein, wobei die Gruppen strikt getrennt werden müssen. «Damit hätten wir ein regelmäßiges Präsenzangebot für alle Kinder und Jugendliche», sagte Tonne. «Wir stehen in den Startblöcken, aber die Pandemie lehrt, dass Unwägbarkeiten bleiben.» Am 3. März wollen Bund und Länder das weitere Vorgehen beraten.

Der FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling kritisierte angesichts der unklaren Perspektive, dass es «mit diesem Kultusminister keine Sicherheit, vor allem keine Planungssicherheit» für die Familien, Lehrer und Erzieher in Niedersachsen gebe.

Entscheidung über Schulöffnung frühestens in einer Woche

Die Entscheidung, wann der Präsenzunterricht an Niedersachsens Schulen wieder hochgefahren wird, verzögert sich. «Der Lockdown ist erst einmal allgemein vereinbart bis zum 7. März, das heißt, bis dahin wird es auch keine weiteren Schulöffnungen in Niedersachsen geben», sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Dienstag. Für das weitere Vorgehen verwies sie auf die nächsten Bund-Länder-Beratungen am 3. März.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hatte dagegen zuletzt angekündigt, die Entscheidung solle schon in dieser Woche fallen. «Unser Ziel ist, dass wir so schnell wie möglich in den Wechselbetrieb zurückkehren», sagte der SPD-Politiker am Freitag. «Kinder müssen in die Schulen, aber das muss verantwortungsbewusst geschehen. Ab Anfang März ist das Ziel, aber wir entscheiden das in der nächsten Woche.»

FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling kritisierte angesichts dessen, dass es «mit diesem Kultusminister keine Sicherheit, vor allem keine Planungssicherheit» für die Familien, Lehrer und Erzieher in Niedersachsen gebe.

Kenia-Koalition will Ferienangebote für Schüler bei Corona-Lernlücken

Die drei Koalitionsfraktionen von SPD, CDU und Grünen im Landtag wollen Angebote für Schülerinnen und Schülern in den Ferien schaffen, um Schulstoff aus der Corona-Krise nachzuholen. Sie fordern die Landesregierung in einem gemeinsamen Antrag auf, mit Geld aus dem Corona-Rettungsschirm freiwillige Angebote von Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zu ermöglichen, um Lernrückstände zu verringern und soziale Kontakte zu fördern. Die Hilfe von Studenten als Lernassistenzen in Schulen soll außerdem bis Ende des Jahres ermöglicht werden.

«Wir stützen sowohl Angebote der Jugendhilfe und fördern dann aber auch damit individuell Kinder, die Nachholbedarf haben», sagte SPD-Fraktionschef Erik Stohn. Ähnliche Angebote gab es bereits im vergangenen Sommer. Das wurde nach Angaben von Stohn mit 2,7 Millionen Euro vom Land unterstützt. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Budke sagte, etwa jedes fünfte Kind sei vom digitalen Lernen nicht erreicht worden. Sie halte es nicht für notwendig, das Schuljahr zu verlängern. Die Grundschulen in Brandenburg sind seit Montag wieder offen für den Unterricht im Wechsel mit dem Lernen zuhause.

GEW sieht frühere Impfungen für Grundschullehrer und Erzieher positiv

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Schleswig-Holstein hat die geplante frühere Impfung von Grundschullehrern und Erziehern begrüßt. «Das ist eine wirklich gute Nachricht. Unser Drängen hat sich gelohnt», teilte die Gewerkschaft am Dienstag mit. Die Impfungen müssten aber auch zügig passieren.

Die GEW bleibt angesichts der britischen Virusvariante aber bei ihrer Forderung, dass Kitas nur mit halber Gruppenstärke arbeiten und Grundschulen nur Wechselunterricht anbieten sollen. «Zudem würden wir uns wünschen, dass auch die Lehrkräfte an anderen Schularten früher geimpft werden. Schließlich haben auch sie ständig vielfältige Kontakte in der Schule, wenn sie im Präsenzunterricht eingesetzt sind.»

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Montag darauf verständigt, dass sich Lehrer an Grund- und Förderschulen sowie Erzieher in Kitas zum Schutz vor Corona-Infektionen früher impfen lassen können als bisher geplant. Diese Beschäftigten sollen von der dritten in die zweite Gruppe der Impf-Reihenfolge vorgezogen werden, soweit nötiger Impfstoff in den Ländern da ist.

Schulleiter warnen vor «Sitzenbleiben für alle»

Berlins Schulleiter protestieren gegen Pläne, allen Berliner Schülern das freiwillige Wiederholen des Schuljahrs zu ermöglichen. Über eine entsprechende Änderung des Berliner Schulgesetzes soll am Donnerstag im Abgeordnetenhaus vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf den Unterricht entschieden werden. Alle Schulen müssten dann jede von den Eltern gewünschte Wiederholung einer Klasse möglich machen, das könne zu einer «schulorganisatorischen Katastrophe» führen, warnten fünf Schulleiterverbände am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung.

Weil nicht in jedem Jahrgang so viele Schüler die Klasse verlassen, wie möglicherweise freiwillige Wiederholer dazukommen, befürchten die Verbände übervolle Klassen zum Beginn des neuen Schuljahrs, fehlendes Personal für neu einzurichtende Klassen und eine prekäre Raumsituation. Es drohe ein schlichtweg nicht planbares Schuljahr, warnten die Schulleiter. «Vor allem aber: Ein noch größerer Verlust von Sozialbeziehungen der schon jetzt nach gelebter Gemeinschaft dürstenden Kinder und Jugendlichen.»

Stattdessen forderten die Schulleiterverbände eine tragfähige langfristige Strategie, um mit den Folgen der Pandemie an den Schulen umgehen zu können. Nötig seien unter anderem schnelle Impfungen für Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher und Breitbandanschlüsse für die Schulen.

Dem Protest angeschlossen haben sich die Vereinigung der Oberstudiendirektoren des Landes Berlin (VOB), die Vereinigung Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter in der GEW, die Vereinigung der Leitungen berufsbildender Schulen, der Interessenverband Berliner Schulleitungen und die Vereinigung der Berliner ISS Schulleiterinnen und Schulleiter.

Laumann: Corona-Impfungen für Lehrkräfte und Kita-Personal im März

Die vorgezogenen Corona-Impfungen für Lehrkräfte und Kita-Personal sollen in Nordrhein-Westfalen im März beginnen. Das kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstagmorgen in einem WDR-Interview an. «Ich denke, dass wir damit in der ersten Märzhälfte beginnen», sagte Laumann in dem Interview. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten vereinbart, Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen und Kita-Erzieher in der Impfreihenfolge von der Gruppe drei (erhöhte Priorität) in die Gruppe zwei (hohe Priorität) hochzustufen. Zur Gruppe zwei zählen außerdem viele chronisch Kranke und Menschen über 70.

Laumann räumte ein, dass die Hochstufung der Lehr- und Kitakräfte wegen der begrenzten Impfstoffmengen Auswirkungen auf das Impftempo für andere Gruppen haben werde.

Dreyer nach Ministerrat zu Öffnungsstrategie und Impfungen

Öffnungsstrategie mit Stufenplan und Corona-Schutzimpfungen: Das rheinland-pfälzische Kabinett berät an diesem Dienstag über eine Reihe von Themen zur Corona-Pandemie. Dabei geht es auch um die Verhandlungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 3. März. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gibt im Anschluss an den Ministerrat ein Statement ab (13.30 Uhr). Hierbei will sie auch Einzelheiten zu vorgezogenen Impfungen von Lehrkräften an Grund- und Förderschulen sowie Erzieherinnen und Erziehern in Kitas nennen.

Dreyer hatte sich bereits in der letzten Bund-Länder-Schalte für frühere Impfungen für Grundschullehrer und -lehrerinnen sowie für Erzieherinnen und Erzieher eingesetzt. Das Land werde nun den Beschäftigten zeitnah ein Impfangebot machen.

Der Vorsitzende der Länder-Gesundheitsminister, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU), hatte am Montagabend nach einer Beratungen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mitgeteilt, dass diese Gruppe sich früher impfen lassen können soll als bisher geplant. Diese Beschäftigten sollen von der dritten in die zweite Gruppe der Impf-Reihenfolge vorgezogen werden, soweit nötiger Impfstoff in den Ländern da ist. Die Bundesländer hätten sich ohne Gegenstimmen für diese neue Regelung ausgesprochen, erläuterte Holetschek.

Merkel hatte angesichts der Sorgen vor einer dritten Corona-Welle erneut für eine vorsichtige Strategie bei möglichen Öffnungen plädiert. Öffnungsschritte müssten gekoppelt mit vermehrten Tests klug eingeführt werden, sagte Merkel am Montag nach Angaben von Teilnehmern in Online-Beratungen des CDU-Präsidiums. Die Sehnsucht der Bürger nach einer Öffnungsstrategie sei groß, das verstehe sie.

Kabinett berät über Corona-Management - Konzept für Schulöffnungen

In Magdeburg berät das schwarz-rot-grüne Kabinett am Dienstag über den weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Regierung will einen entsprechenden Entwurf für einen neuen Sachsen-Anhalt-Plan diskutieren, wie Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vorab sagte. Es gehe darum, wie Handel, Gastronomie, Hotellerie und Kultur eine verlässliche Öffnungsperspektive geboten werden könne. «Das ist schwierig, weil das Infektionsgeschehen weiter hoch ist.» Details will Haseloff nach der Kabinettssitzung (14.00 Uhr) öffentlich vorstellen.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) wollen zudem ihre Konzepte für die Öffnung von Schulen und Kitas nach monatelangem Notbetrieb vorstellen. Derzeit ist geplant, dass es ab 1. März wieder Präsenzunterricht für alle Klassenstufen und Betreuung für alle Kita-Kinder gibt. Die meisten anderen Bundesländer haben ihre Einrichtungen bereits wieder geöffnet.

22.02.2021

Grundschulen und Kitas öffnen in mehr Ländern - Kritik an Richtwerten

Nach zwei langen Monaten kehren viele Kinder in mehreren Bundesländern wieder in ihre Kitas und Grundschulen zurück. Die Bundesbildungsministerin stellt sich hinter diesen Schritt. Auch über weitere Maßnahmen wird an diesem Montag beraten.

Nach rund zweimonatiger Schließung und Notbetreuung öffnen an diesem Montag in weiteren zehn Bundesländern wieder Kindertagesstätten und Grundschulen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek unterstützt das: «Es ist gut, dass viele Schulen in Deutschland jetzt schrittweise wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Präsenzunterricht sei durch nichts zu ersetzen. «Kinder, besonders jüngere, brauchen einander.»

Angesichts der Infektionslage rief die CDU-Politikerin aber dazu auf, «alle zur Verfügung stehenden Mittel zur Prävention einer Virenübertragung zu ergreifen», um den Schulbetrieb auch in den nächsten Wochen aufrecht erhalten zu können. Die jüngste Entwicklung der Infektionszahlen verdiene höchste Aufmerksamkeit, sagte Karliczek und verwies auch auf die Ausbreitung neuer Virusvarianten. «Das muss auch beim Schulbetrieb bedacht werden. Ich bin mir aber sicher, dass die Länder dies bei ihren Öffnungsentscheidungen berücksichtigen.»

Karliczek hat sich auch für eine höhere Priorisierung bei der Impfung von Grundschullehrkräften und Kita-Erzieherinnen ausgesprochen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will darüber am Nachmittag mit seinen Länderkollegen beraten. Und noch etwas steht in Sachen Corona-Bekämpfung auf der Agenda dieses Tages: Das sogenannte Corona-Kabinett der Bundesregierung berät über Schnelltests durch geschultes Personal für alle. Überlagert werden die anstehenden Entscheidungen dabei vom Anstieg wichtiger Corona-Kennziffern - und von wachsender Kritik am Neuinfektionswert als Richtschnur politischen Handelns.

Worum also geht es an diesem Montag?

ÖFFNUNGEN VON SCHULEN UND KITAS: Nach Öffnungen in Niedersachsen und Sachsen nehmen in weiteren zehn Bundesländern Kitas und Grundschulen wieder ihren Betrieb auf oder weiten ihn aus. Unterricht soll entweder im Wechselbetrieb stattfinden mit halben Klassen, die abwechselnd zur Schule kommen, oder im Vollbetrieb mit festen Gruppen, die sich möglichst nicht begegnen sollen. In den Kitas werden wieder mehr oder alle Kinder betreut. Die Einzelheiten regelt jedes Bundesland für sich.

SCHNELLERE IMPFUNGEN FÜR ERZIEHER UND LEHRER: Mit Blick auf die Öffnungen von Grundschulen und Kitas hatten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsidenten Spahn beauftragt zu prüfen, ob Grundschullehrer und Kitaerzieher bei den Impfungen höher priorisiert werden können. Die Corona-Impfverordnung müsste geändert werden, damit die laut Statistischem Bundesamt rund eine Million Betroffenen aus der Gruppe drei (erhöhte Priorität) in die Gruppe zwei (hohe Priorität) aufrücken. Mehrere Länder und Spahn sind dafür. Das dauere eine gute Woche, bis Anfang März, sagte der Minister in der ARD. Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) kündigte dort für sein Land an, dass ab diesem Montag Erzieherinnen und Erzieher, Lehrer und Lehrerinnen sowie Ärzte und Ärztinnen «und alle aus dem medizinischen Bereich» geimpft werden sollten.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz befürchtet, dass Schwerkranke aus der Gruppe drei dadurch ins Hintertreffen geraten. «Wenn jetzt Berufsgruppen noch weiter nach vorn gesetzt werden sollen, wird das Leben kosten», sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der dpa. Auch die Gesundheitsexpertin der Unionsfraktion, Karin Maag, warnte in der «Süddeutschen Zeitung» (Montag): «Wir haben gut daran getan, dass wir die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission weitgehend übernommen haben.» Sonst komme man «in ganz schwierige Abwägungen».

SCHNELLTESTS FÜR ALLE: Unter anderem damit befasst sich in seiner Montagsberatung das sogenannte Corona-Kabinett, ein Sondergremium von Merkel und wenigen Ministern. Spahn hatte angekündigt, dass ab 1. März alle Bürger kostenlos von geschultem Personal auf das Coronavirus getestet werden können. Das soll in Testzentren, Praxen oder Apotheken möglich sein. Details zur Umsetzung sind aber bisher nicht bekannt. Eine entsprechende Anpassung der Corona-Testverordnung muss noch beschlossen werden.

INFEKTIONSZAHLEN: Die Sorge vor einer dritten Corona-Welle wächst. Die Kurve der Neuinfektionen zeigte am Sonntag den vierten Tag in Folge nach oben - trotz des seit Mitte Dezember geltenden Lockdowns. Am Montag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) hier wiederum kaum Veränderung: Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 4369 Neuinfektionen, vor einer Woche waren es 4426 gewesen.

Zugleich stieg aber die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) weiter an: und zwar auf bundesweit 61,0. Am Vortag hatte sie noch bei 60,2 gelegen. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag nach dem RKI-Lagebericht vom Sonntagnachmittag bei 1,10 (Vortag 1,07). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 110 weitere Menschen anstecken. Das könnte darauf hindeuten, dass sich die ansteckenderen Virusvarianten rascher ausbreiten.

ÖFFNUNGSSTRATEGIE: Die Länderchefs und Merkel hatten bei ihrer letzten Beratung am 10. Februar vereinbart, dass eine Strategie für weitere Lockerungen erarbeitet werden soll und dass sie am 3. März weiter beraten. Der Stufenplan soll sich aber nicht nur an den Neuinfektionen orientieren, wie der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller (SPD), der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten» (Montag) sagte. «Auch ein R-Wert deutlich unter 1 und eine sinkende Auslastung der Intensivmedizin werden wichtige Kriterien für nächste Lockerungsschritte sein.»

Der Berliner Bürgermeister kündigte für die neue Woche einen Vorschlag an: Wenn Bundesländer «stabil über mehrere Wochen» unter den Inzidenzen 35 oder 50 blieben, «können weitere Schritte in der Kultur und der Gastronomie folgen».

Spahn sagte in der ARD: «Es macht Sinn, (...) Stufen zu definieren, ab wann der nächste Schritt gegangen werden kann. Aber die Wahrheit ist: Eine Inzidenz von unter 10, die ist jedenfalls in den allermeisten Regionen in Deutschland gerade ziemlich weit weg.» Er erwähnte damit eine Ansteckungsrate, wie sie manche Virologen als Zielwert fordern, die einige Ministerpräsidenten aber für zu ambitioniert erachten.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte dringend vor weiteren Lockerungen. «Wer in Zeiten steigender R-Werte über Lockerungen spricht, handelt absolut unverantwortlich», sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Der Inzidenzwert zeigt, wo wir aktuell stehen. Der R-Wert zeigt, wohin wir gerade gehen. Bei einem Wert klar über 1,0 droht wieder exponentielles Wachstum - und genau das ist jetzt der Fall.»

Der Chef des Sachverständigenrats im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach, kritisierte die Orientierung an den Inzidenzen, weil sie auch von der Testfrequenz abhingen. Es sei besser, «repräsentative Kohorten» zu beobachten und zu testen, sagte er dem Nachrichtenportal «ThePioneer» (Montag). «Wenn wir wissen, wie groß das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz, in der Schule, beim Einkaufen, im Kino, im Museum oder im öffentlichen Verkehr ist, können wir gezielter reagieren und müssen nicht eine ganze Volkswirtschaft herunterfahren», erklärte der Spahn-Berater.

Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte erhalten ab Montag Impftermine

Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte sollen in Baden-Württemberg bereits ab Montag Termine für eine Corona-Impfung vereinbaren können. Dies sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) dem SWR. Bereits am Samstag hatte Lucha angekündigt, dass Lehrkräfte künftig in die zweite Priorisierungsstufe eingruppiert würden. Menschen aus dieser Gruppe im Alter von 18 bis 64 Jahren sollen voraussichtlich ab Anfang oder Mitte März geimpft werden.

Möglich wird die frühere Impfung von Erziehern und Lehrerinnen demnach vor allem durch die breite Verfügbarkeit des Impfstoffs von Astrazeneca. Dieser werde nun auch in den Impfzentren des Landes verwendet, sagte Lucha. Baden-Württemberg soll bis Mitte März rund 450 000 Dosen geliefert bekommen. Dadurch soll im Südwesten zudem ab sofort auch jeder Impfberechtigte aus der ersten Prioritätsstufe einen Impftermin angeboten bekommen.

Mit Blick auf die Öffnungen von Grundschulen und Kitas hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beauftragt, zu prüfen, ob Grundschullehrer und Kitaerzieher bei den Impfungen höher priorisiert werden können. Dafür müsste demnach die Corona-Impfverordnung geändert werden, damit die laut Statistischem Bundesamt bundesweit rund eine Million Betroffenen aus der Gruppe drei (erhöhte Priorität) in die Gruppe zwei (hohe Priorität) aufrücken.

21.02.2021

Rückkehr in die Schulen: Auch Förderschüler zuerst

Wenn am Montag in Nordrhein-Westfalen schrittweise der Präsenzunterricht beginnt, gehören auch Förderschüler zu den ersten Rückkehrern. Den Schülern mit Behinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf müsse ein besonderes Augenmerk gelten, forderten mehrere Verbände. Viele seien in der Pandemie durchs Netz gefallen, manche hätten wochenlang keinen Unterricht erhalten, betonte die Landeselternkonferenz.

Jungen und Mädchen mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf seien seit Pandemiebeginn «vom Zugang zu Bildung abgedrängt» worden, sagte der Vorstand von Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen, Bernd Kochanek. Der Elternverband mittendrin berichtete, je nach Lehrkraft und Schule seien sie in den Regelschulen unterschiedlich gut einbezogen worden. Bei den Förderschulen habe es aber «nicht wenige» Schüler gegeben, die monatelang gar nicht im Klassenraum waren und kaum Unterricht hatten.

Am Montag sollen zunächst Grund- und Förderschüler der Primarstufe im Wechselmodell und mit halbierter Klassenstärke zurück in die Klassenräume kommen. Das gilt auch für Jahrgänge, die vor ihrem Schulabschluss stehen.

20.02.2021

Corona-Zahlen steigen - Frühere Impfung für Lehrer und Erzieher

Der wochenlange Abwärtstrend bei den Corona-Zahlen scheint gebrochen. Am Samstag gab es wieder einen Anstieg. Doch die Pläne zur Öffnung vieler Schulen und Kitas in Deutschland zum Wochenbeginn stehen. Für die Beschäftigten dort rückt nun eine frühere Impfmöglichkeit näher.

In Deutschland deutet sich eine erneute Verschärfung der Corona-Pandemie an. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Samstag 9164 Neuinfektionen binnen eines Tages. Das waren 810 mehr als am Samstag der Vorwoche. Zudem stieg der sogenannte R-Wert - eine weitere wichtige Kennzahl. Vor dem Hintergrund anstehender Schul- und Kita-Öffnungen in mehreren Bundesländern am Montag verdichten sich unterdessen die Anzeichen, dass das Personal bei der Corona-Impfung früher an die Reihe kommen könnte und die Impfverordnung entsprechend geändert wird.

Das RKI gab den bundesweiten Sieben-Tage-R-Wert am Samstagnachmittag mit 1,07 an. Das ist der höchste Wert seit mehreren Wochen. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 107 weitere Menschen anstecken. Das könnte darauf hindeuten, dass sich die ansteckenderen Virusvarianten trotz des Lockdowns rascher ausbreiten.

RKI-Präsident Lothar Wieler rief die Menschen zum Durchhalten auf: «Falsche Versprechungen helfen niemandem, und es ist ganz einfach so, dass wir diese Maßnahmen, die wir kennen, dass wir die eine gewisse Zeit noch durchhalten müssen», sagte er bei einer im Internet übertragenen Diskussion des Bundesgesundheitsministeriums zum Thema Impfen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einer «echt schwierigen Phase» der Corona-Pandemie. Alle seien nach zwölf Monaten müde. «Ein Kind, das zehn Jahre alt ist, hat jetzt ein Zehntel seines Lebens in der Pandemie verbracht.» Es sei die Erwartung da, dass es mit gesunkenen Neuinfektionszahlen auch wieder ein Stück rausgehe aus den Beschränkungen. Spahn erwähnte zugleich die Mutationen. Zuversicht gebe aber das Impfen, fügte er hinzu.

Hier wird immer wahrscheinlicher, dass Kita- und Grundschulbeschäftigte in der Reihenfolge nach vorne rücken. Es sei gesellschaftlich sehr wichtig, dass Kitas und Grundschulen wieder öffnen könnten, sagte Spahn. Am Montag beginnt in zehn Bundesländern in vielen Einrichtungen wieder Präsenzunterricht und die Kitas nehmen mehr Kinder auf. Weil dort aber Abstand nicht möglich sei, wolle man die Beschäftigten zügig in die nächsthöhere Gruppe zwei nehmen und früher ein Impfangebot möglich machen, sagte Spahn.

Bei der Impfreihenfolge in Deutschland wurden drei große Gruppen festgelegt: Gruppe eins mit «Höchster Priorität», Gruppe zwei: «Hohe Priorität», und Gruppe drei: «Erhöhte Priorität». Kita- und Grundschulbeschäftigte stehen nach der aktuellen Impfverordnung in Gruppe drei und wären damit voraussichtlich erst im Sommer dran. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder hatten das Gesundheitsministerium bei ihrer jüngsten Beratung gebeten, zu prüfen, ob Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher früher dran kommen könnten. Dafür müsste die geltende Impfverordnung geändert werden.

Vertreter mehrerer Bundesländer haben sich inzwischen dafür ausgesprochen. Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) teilte am Samstag mit, eine entsprechende Änderung der Bundesimpfverordnung sei in Arbeit. Eine Grundsatzentscheidung solle am Montag aller Voraussicht nach auch in der Gesundheitsministerkonferenz fallen. Spahn hatte bereits am Freitag gesagt, es zeichne sich ein «relativ großer Konsens» in dieser Frage ab. Eine große Mehrheit der Deutschen hat sich in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov Deutschland ebenfalls dafür ausgesprochen.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) verteidigte die geplanten Schul- und Kita-Öffnungen. «Man kann die Kinder nicht noch viel länger zuhause lassen, weil sonst der Kinderschutz und das Kindeswohl in Gefahr sind», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin und verwies auf Probleme wie Vereinsamung, Bewegungsmangel und entstehende «Bildungs- und Bindungslücken». Zudem seien viele Eltern am Ende. «Die Belastungsgrenze ist erreicht.»

Giffey betonte, dass Öffnungen «verantwortungsvoll» erfolgen müssten, mit Einhaltung von Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen für das Personal. «Dass wir dabei das Infektionsgeschehen weiter im Blick haben müssen, ist selbstverständlich. Es geht jetzt um Öffnungsschritte mit Sicherheit.»

Bildungsgewerkschaften und Lehrervertreter forderten mit Blick auf die Öffnungen besondere Rücksicht auf den Gesundheitsschutz. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, nannte es zwar richtig, schrittweise wieder mit dem Unterricht in den Schulen zu beginnen, aber nur in Regionen mit niedrigem Infektionsgeschehen. Wenn Bundesländer flächendeckend öffneten, auch in Landkreisen mit hohen Ansteckungszahlen, sei das mit Blick auf den Gesundheitsschutz nicht verantwortbar, sagte er der dpa.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigte sich skeptisch: «Die Länder, die jetzt ihre Schulen öffnen, gehen ein hohes Risiko - für die Gesundheit der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern», sagte die Vorsitzende Marlis Tepe den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag).

Ramelow über Einschränkung bei Schulöffnung: Notbremse war nötig

Ministerpräsident Bodo Ramelow hat die kurzfristige Regeländerung zur Öffnung von Grundschulen und Kitas in der Pandemie verteidigt. «Wir sind Anfang dieser Woche von sinkenden Werte ausgegangen, an 3 Tagen war die Inzidenz unter 100, und jetzt steigt sie wieder - da hat die Gesundheitsministerin die Notbremse ziehen müssen», sagte der Linken-Politiker am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Das Bildungsministerium hatte zu Beginn der Woche eine Regelung in Aussicht gestellt, wonach alle Grundschulen und Kindergärten ab Montag wieder mit Einschränkungen öffnen dürfen. So steht es auch in einer seit Freitag gültigen Verordnung. Am Freitag erließ jedoch das Gesundheitsministerium kurzfristig zusätzlich eine Weisung, der zufolge Landkreise mit mehr als 200 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in 7 Tagen ihre Einrichtungen geschlossen halten sollen. Bei einer Inzidenz zwischen 150 und 200 soll eine Schließung erfolgen, was aber nicht angeordnet wird.

Die Änderung sei für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher nicht schön, räumte Ramelow am Samstag ein. Auch sei die Kommunikation ärgerlich verlaufen. Grundsätzlich habe er die Entscheidung von Gesundheitsministerin Werner für die Einschränkung aber mit Blick auf die Infektionslage nicht kritisieren können. «Ich hätte es kritisieren müssen, hätte sie die Notbremse nicht gezogen.»

Auch am Samstag war Thüringen mit Abstand das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Bundesland. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Samstag wurden in den vergangenen 7 Tagen 120 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner nachgewiesen - das ist derzeit der höchste Wert im Ländervergleich. Am zweithöchsten war der Wert in Sachsen-Anhalt mit 87, bundesweit lag er bei 58.

Ramelow hofft, dass Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher früher geimpft werden können und dass zügig Schnelltests auch für Kinder zugelassen werden. «Dann können wir auch bei höheren Inzidenzen Schulen und Kindergärten öffnen, wenn man dort zwei Mal wöchentlich die Situation überprüfen kann.»

Schulleitungsverband kritisiert Corona-Politik als Flickwerk

Die Ausbreitung von Corona-Mutanten in Niedersachsen sorgt für weitere Verunsicherung an den Schulen. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben Angst um ihre Gesundheit. Der Politik werfen sie vor, die Gefahr nicht ernst genug zu nehmen.

Die Schulen werden aus Sicht des Schulleitungsverbandes in Niedersachsen weiterhin nicht ausreichend vor dem Coronavirus geschützt. «Es fehlt der große Wurf», sagte der Geschäftsführer des Verbandes Rene Mounajed über die Politik des Kultusministeriums. «Wir haben immer nur Tippelschritte.» So brauche es dringend eine schnellere Impfmöglichkeit für Lehrkräfte, denn das Infektionsrisiko sei da. «Das kann man nicht kleinreden.» Zunächst sollte das Personal an Grund- und Förderschulen geimpft werden, dann alle anderen, so Mounajed, der Schulleiter einer Gesamtschule ist.

Die Abiturprüfungen und Abschlussprüfungen in der Sekundarstufe I, die trotz der Ausbreitung des Virus geplant werden sollen, sieht der Verband als Gefahr und fordert eine Absage. «Die Hygienekonzepte sind nicht ausreichend, um eine sichere Prüfung zu gewährleisten. Es sind Massen, die ins Haus kommen müssen. Wir täten gut daran, diese Dinge zu überprüfen.» Wer die Pandemie ernst nehme, müsse auf alle nicht notwendigen Veranstaltungen verzichten. «Die Mutanten verschärfen das Problem.» Aus Sicht des Verbandes wäre es kein Problem, Durchschnittsnoten zu bilden und freiwillige Prüfungsersatzleistungen anzubieten. «Das System Schule braucht eine Konzentration auf das Wesentliche», so Mounajed.

Die Lehrerinnen und Lehrer sind demnach durch Präsenz- und Online-Unterricht, Notbetreuung und zahlreiche organisatorische Aufgaben sehr belastet. «Psychologische Probleme bei Lehrkräften und Schülern haben definitiv zugenommen.» Die Ausbreitung der Mutanten sorge für weitere Verunsicherung. «Wir sind unzufrieden mit der Politik», sagte Mounajed. Viele Maßnahmen, die nun angekündigt werden, seien richtig. Aber: «Das muss alles viel schneller gehen, das ist alles Frickelwerk.»

Ähnlich äußerte sich die Bildungsgewerkschaft GEW in Niedersachsen. «Die fatalen Folgen von Personalmangel, Raumnot und mangelhafter Ausstattung sind nach einem Jahr Pandemie vielerorts noch immer ungelöst», so GEW-Sprecher Christian Hoffmann. «Wenn politisch Verantwortliche jetzt nicht endlich massiv in die Bildung investieren, nehmen sie Gesundheitsgefährdungen billigend in Kauf.»

19.02.2021

Keine Präsenzpflicht an Grundschulen in Südpfalz und an der Mosel

Zum Start des Wechselunterrichts an den Grundschulen in der kommenden Woche haben die Landkreise Germersheim und Cochem-Zell die Präsenzpflicht wegen einer erhöhten Zahl von Corona-Infektionen aufgehoben. Die Beschlüsse seien gemeinsam mit der Schulaufsicht in der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) gefasst worden, teilten die Kreise am Freitag mit.

«Das Infektionsgeschehen in unserem Landkreis entwickelt sich seit einigen Tagen entgegen dem Landestrend dynamisch nach oben», erklärte der Landrat von Germersheim, Fritz Brechtel (CDU). «Die Neuinfektionen sind sprunghaft gestiegen.» Dabei entfalle etwa jeder vierte Fall auf eine der Varianten des Coronavirus, vor allem auf die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante. «Ist jemand infiziert, dann steckt er Menschen in seiner Umgebung häufiger an als mit dem ursprünglichen Virus.» Auch einige Grundschulen und Kitas im Kreis seien bereits betroffen und teilweise in Quarantäne. Daher sollte die Entscheidung zum Schulbesuch den Eltern überlassen werden.

Der Landrat des Kreises Cochem-Zell, Manfred Schnur (CDU), erklärte, er bedaure die Entscheidung und bitte alle, sich an die Hygienemaßnahmen zu halten, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. Der Präsident der ADD, Thomas Linnertz, sagte, es sei von Seiten des Landes immer betont worden, dass der Start des Wechselunterrichts am kommenden Montag in Einklang mit dem Infektionsgeschehen stehen müsse. «Der Gesundheitsschutz unserer Lehrkräfte, unserer Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Familien hat für uns oberste Priorität.» Die Aufhebung der Präsenzpflicht ermögliche es, «dass Eltern, die beispielsweise Risiko-Patienten in der Familie haben, ihre Kinder weiterhin im Fernunterricht behalten können».

Cochem-Zell (109,2) und Germersheim (108,5) hatten am Freitag die höchsten Corona-Inzidenzen in Rheinland-Pfalz. Landesweit kamen 48,4 Infektionen in den vergangenen sieben Tagen auf 100 000 Einwohner.

Tausende Schüler kehren in Klassen zurück - Maskenpflicht verschärft

Die Corona-Kennziffern in NRW steigen trotz Lockdowns wieder an. Die Angst vor einer dritten Welle durch Mutationen ist groß. Ab Montag aber füllen sich die Schulen wieder.

Während die Sorge vor Virusmutationen steigt, kehren mehr als 800 000 Schüler in Nordrhein-Westfalen am Montag unter verschärften Schutzvorkehrungen in die Klassen zurück. Wie geplant, würden zunächst Grund- und Förderschüler sowie Schüler aus Abschlussklassen und Berufskollegs in den Präsenzunterricht zurückgeholt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf. Die Maskenpflicht an den Schulen wird aber verschärft.

Für die Grundschulen ist ein Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzunterricht in halbierten Klassenstärken geplant. Damit kehrt laut Gebauer zunächst die Hälfte der rund 680 000 Grundschüler in die Klassen zurück. Die Abschlussjahrgänge mit rund 280 000 Schülern an Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien können laut Gebauer auch in voller Klassen- oder Kursstärke unterrichtet werden. Hinzu kommen etwa 220 000 Schüler an Berufskollegs, die meist nur ein oder zwei Tage pro Woche Unterricht haben.

Bei diesen Regelungen seien mit Stand Freitag bis zum 7. März «keinerlei Änderungen» vorgesehen, sagte Gebauer. Sollte die landesweite Inzidenz der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen «stabil» unter 50 sinken, dann werde die Landesregierung über eine Erweiterung des Präsenzunterrichts entscheiden. Wenn es das Infektionsgeschehen zulasse, sollten dann weitere Jahrgänge in den Präsenzunterricht zurückgeholt werden. «Wir müssen aber stabil unter die 50 kommen.»

Angesichts der derzeit stagnierenden und möglicherweise wieder steigenden Infektionszahlen sagte Gebauer, das System sei «nach wie vor noch sehr fragil». Einzelne Corona-Ausbrüche könnten die Werte auch schwanken lassen. Sie wollte auch keinen Zeitraum nennen, wie lange die Inzidenz für weitere Schritte im Schulbetrieb unter 50 liegen müsse. Staatssekretär Mathias Richter betonte, dass die «gesamte Palette» vom Distanz- bis zum Präsenzunterricht je nach Infektionslage «sowohl in die eine als auch in die andere Richtung in Anspruch genommen werden kann».

Die wichtige Sieben-Tage-Kennziffer für Corona-Neuinfektionen war nach einem längeren Abwärtstrend im bevölkerungsreichsten Bundesland erneut leicht gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte am Freitagmorgen einen Wert von 58. Am Donnerstag hatte der Wert bei 57,1 und am Mittwoch bei 56 gelegen.

Auch Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) schließt weitere Öffnungsschritte über die bereits angekündigten und unmittelbar bevorstehenden Schritte bei den Kitas und Schulen in der gegenwärtigen Lage vorerst aus. «Wir haben jetzt im Moment stagnierende Zahlen, und deswegen werden wir bei den Öffnungsschritten sehr, sehr vorsichtig sein. Deswegen wird die Landesregierung im Moment jetzt noch keine weiteren Öffnungsschritte vornehmen», sagte er am Freitag in einem Interview von WDR2.

In den Schulen werden wegen der aktuellen Infektionslage und der Angst vor Mutationen des Coronavirus die Schutzvorkehrungen verschärft - auch für Grundschüler. Laut Gebauer gilt auf dem Gelände grundsätzlich die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske. Schüler bis zur Klasse 8 könnten eine Alltagsmaske tragen, wenn eine medizinische nicht passt. Die Maske muss laut Staatssekretär Richter ab Montag auch von Grundschülern am Platz getragen werden.

Als medizinische Masken gelten sogenannte OP-Masken, FFP2-Masken oder KN95-Masken. Sie sind bereits in Supermärkten oder im Öffentlichen Nahverkehr Pflicht.

Regelmäßige Schnelltests von Schülerinnen und Schülern sind laut Gebauer derzeit nicht geplant. Lehrkräfte können sich zweimal pro Woche kostenlos auf das Virus testen lassen.

Für die Jahrgänge von der ersten bis zur sechsten Klasse gilt laut Gebauer an den Schulen weiter ein Notbetreuungsangebot. Bis zur 13. Klasse können bestimmte Schüler am Distanzunterricht in den Schulen teilnehmen, wenn sie zu Hause nicht die Möglichkeiten haben.

In der neuen Corona-Betreuungsverordnung werde zudem geregelt, dass auch außerschulische Bildungsangebote wieder wahrgenommen werden könnten, sagte Gebauer. Für Ferien- und Förderprogramme bis einschließlich der Sommerferien 2022 würden 36 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Gewerkschaft GEW NRW erklärte, für einen gelingenden Schulstart seien umfassende Tests und der Einsatz von Luftfilteranlagen notwendig. Auch der Schulweg müsse gesichert sein, im Schülertransport müssten Abstände eingehalten werden können. Es sei richtig, dass Grundschüler auch am Platz Masken tragen sollten.

Der Lehrerverband VBE erklärte: «Auch wenn es Freude über ein gemeinsames Wiedersehen geben wird, wird es kein unbeschwerter Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht sein.» Mit Blick auf die Mutationen des Virus seien Lehrkräfte besorgt. Umso wichtiger sei es, die Lerngruppen klein zu halten – auch in den Abschlussklassen. «Vorsicht muss vor Schnelligkeit gehen, wenn wir das Erreichte nicht gefährden wollen.»

Die Grünen-Schulexpertin Sigrid Beer kritisierte, dass Abschlussklassen in voller Stärke unterrichtet werden könnten. Dass Gebauer nicht verfüge, ab welcher Klassengröße die Lerngruppe geteilt werden müsse, «ist angesichts der fragilen Situation mit der Entwicklung bei den Virus-Mutationen fahrlässig», so Beer.

Ministerium stoppt Schulöffnung in Landkreis mit hoher Inzidenz

Landkreise mit einem besonders hohen Sieben-Tage-Inzidenzwert dürfen ihre Grundschulen und Kindergärten nicht wie alle anderen am Montag öffnen. Eine entsprechende Weisung hat das Thüringer Gesundheitsministerium nach dpa-Informationen am Freitag erlassen. Demnach sollen Landkreise, die mehr als 200 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen haben, ihre Einrichtungen geschlossen halten. Bei einer Inzidenz zwischen 150 und 200 soll eine Schließung erfolgen, wird aber nicht angeordnet.

Am Freitag lag nur der Landkreis Schmalkalden-Meiningen mit einem Wert von 212,9 über der 200er-Markierung. Der Unstrut-Hainich-Kreis lag mit einem Wert von 197,6 nahe dran.

Seit Freitag ist in Thüringen eine neue Corona-Verordnung in Kraft, nach der ab Montag Grundschulen und Kindergärten wieder im eingeschränkten Regelbetrieb öffnen können. Mit der nun erlassenen Weisung wird dies abhängig von der Inzidenz im jeweiligen Landkreis eingeschränkt.

Berlin startet Schnelltests an Schulen - Selbsttests kommen später

Um Corona-Fälle leichter zu entdecken, sollen in Berliner Schulen Schnelltests in großem Umfang zum Einsatz kommen. Start ist am Montag. Allerdings brauchen viele Lehrkräfte noch einen Crashkurs.

Ab Montag sollen an Berliner Schulen und Kitas Corona-Schnelltests regelmäßig zum Einsatz kommen. Dafür will der Senat zunächst zehn Millionen Schnelltests anschaffen, drei Millionen sind schon da und verteilt worden. In der Aula der Grundschule am Koppenplatz stapelten sich am Freitag etliche Kartons mit solchen Tests auf den Tischen, an denen Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (beide SPD) Platz genommen hatten. «Wir sind in den Startlöchern», sagte Kalayci. Die Schnelltests sind nach ihren Worten ein «Gamechanger», ein entscheidender Schritt, um die Corona-Pandemie besser in den Griff zu bekommen.

Schnelltests sind nichts Neues. «Wir haben inzwischen 7,8 Millionen Schnelltests in Berlin verteilt», sagte Kalayci - vor allem an Altenpflege-Einrichtungen und Krankenhäuser. Aber der Einsatz in Schulen und Kitas sei noch einmal ein Schritt nach vorn: «Es ist eine ganz andere Qualität, dass man auch in der Fläche testen kann.» In Berlin stehen dafür zunächst 32 Millionen Euro zur Verfügung.

Getestet werden in der ersten Phase Lehrkräfte und anderes Schulpersonal sowie Erzieherinnen und Erzieher zweimal in der Woche. Die Teilnahme sei freiwillig, sagte Scheeres. Die Tests sollen jeweils Mitarbeiter der Schulen und Kitas durchführen, etwa Lehrer oder Erzieher, die dafür geschult wurden.

Die ersten Tests sind bereits für Montag geplant, wenn in Berlin zunächst die Schüler der ersten bis dritten Klassen zurück in die Schulen kommen. «Wir gehen in zwei Phasen vor», sagte Scheeres. In Phase zwei seien dann Selbsttests vorgesehen, die von den Lehrkräften, aber auch von Schülerinnen und Schülern zweimal pro Woche zu Hause angewendet werden können. 

Lehrer und Schüler könnten die Schnelltests aus der Schule mitnehmen. «Die Schulen dienen auch als Verteilstelle für die Kitas», sagte Scheeres. «Die Problematik ist, dass die Selbsttests noch nicht genehmigt sind.» Gesundheitssenatorin Kalayci rechnet frühestens für die erste Märzhälfte mit der Zulassung, mit der die Schnelltests, die Berlin angeschafft hat, dann auch als Selbsttests verwendet werden könnten.

«Aber wir wollen nicht warten, sondern wollen starten», sagte Scheeres. In einem «Mega-Ritt» habe die Bildungsverwaltung deshalb zusammen mit Gesundheitsverwaltung und Deutschem Roten Kreuz (DRK) ein Konzept entwickelt. Die ersten Schulungen durch mehrere Hilfsorganisationen, die das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Berlin koordiniert, habe es bereits gegeben, sagte Scheeres. Geplant sei, dass 75 Schulungsteams in zehn Tagen mehr als 2000 Schulungen anbieten. 

Mario Czaja, Präsident des Berliner DRK, erklärte, für die Schulungen seien zum Beispiel Ausbilder in der Ersten Hilfe oder Rettungssanitäter zuständig. An den Schulen sollen ihm zufolge jeweils vier Lehrer geschult werden, vorrangig solche, die selbst schon eine Ersthelferausbildung haben.

«Jedes Schulungsteam besucht zwei Schulen am Tag, die Schulung selbst dauert 90 Minuten», sagte Czaja. «Unser Ziel ist, mit 75 Teams 150 Schulen am Tag zu schaffen.» Start sei Montag, 8.00 Uhr. Am ersten Tag sollen allerdings nur 30 Teams im Einsatz sein.

Gesundheitssenatorin Kalayci betonte, man habe bei dem Test-Konzept auch an die PCR-Tests gedacht: «Jeder, der positiv ist, muss sich mit einem PCR-Test nachtesten lassen.» Der Senat habe dafür weitere 28 000 PCR-Tests beschafft. Positiv getestete Lehrkräfte oder Erzieherinnen und Erzieher könnten an vier Standorten wie der Carl-von-Ossietzky-Schule in Kreuzberg oder der Max-Taut-Schule in Lichtenberg einen PCR-Test machen lassen, der als zuverlässiger gilt als der Schnelltest.

18.02.2021

Lockdown bleibt bis Mitte März - Öffnungen im Bildungssektor

Thüringen liegt bundesweit weiterhin an der Spitze bei der Sieben-Tage-Inzidenz. Dennoch sieht eine neue Verordnung Lockerungen vor. In ihren Grundzügen bleibt es aber beim Lockdown - bis voraussichtlich Mitte März.

Die Thüringer müssen sich voraussichtlich noch auf wochenlang anhaltende Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie einstellen. Eine neue Verordnung, die am Freitag in Kraft tritt, sieht eine Verlängerung des Lockdowns mit Kontaktbeschränkungen und Ladenschließungen bis Mitte März vor. Allerdings enthält sie auch Lockerungen. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz, also dem Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern und sieben Tagen, liegt Thüringen bundesweit weiter an der Spitze.

Fahrschulen sollen der Verordnung nach wieder öffnen dürfen und auch Prüfungen durchführen können. Friseure können ab 1. März ihre Dienste wieder anbieten und Baumschulen, Gartenmärkte, Gärtnereien- und Floristikbetriebe können öffnen.

Bei den Kontaktbeschränkungen gibt es Lockerungen für Familien. Mitglieder des eigenen Haushaltes und Menschen, für die ein Sorge- oder Umgangsrecht besteht, dürfen sich treffen. Außerdem kann eine weitere Person aus einem fremden Haushalt dabei sein - Kinder bis einschließlich drei Jahren werden nicht mitgezählt. Weiterhin sind auch fest organisierte familiäre Betreuungsgruppen möglich - für Kinder unter zwölf Jahren (bislang nur bis sechs Jahren) und aus maximal zwei Haushalten.

Die Verordnung tritt am Freitag in Kraft und soll bis 15. März gelten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sei es aber jederzeit möglich, die Geltungsdauer bei Bedarf auch zu verkürzen.

In Thüringen ist das Infektionsgeschehen weiterhin stärker als in allen anderen Bundesländern. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Donnerstag im Freistaat nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Staatskanzlei bei 119,5 (Vortag: 111,6). Der Bundeswert lag dagegen bei 57,1. Thüringen ist derzeit das einzige Bundesland mit einem Inzidenzwert über 100.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) erklärte, man habe bereits viel erreicht, die Infektionszahlen seien deutlich gesunken. «Das große Ziel war und ist jedoch, dass die Gesundheitsämter den erheblichen Mehraufwand wieder gut stemmen können; Infektionsketten müssen wieder nachvollziehbar sein», erklärte Werner. Dieses Ziel sei noch nicht erreicht. Auch die vielen tödlichen Krankheitsverläufe seien besorgniserregend. «Wir müssen daher - gerade mit Blick auf die sich ausbreitenden Virusmutationen - weiter wachsam bleiben. Alle geplanten Öffnungen müssen behutsam erfolgen», so Werner.

Wie bereits zuvor bekannt wurde, sind auch Lockerungen im Bildungssektor geplant. Ab Montag sollen Grundschulen und Kindergärten im eingeschränkten Regelbetrieb wieder öffnen. Die Klassen fünf und sechs sollen ab 1. März folgen, die restlichen ebenfalls - sofern der jeweilige Landkreis stabil weniger als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen hat.

Luftfilter für Schulen: Kommunen rufen nur 14,5 Millionen Euro ab

Weniger als ein Drittel der von der Landesregierung bereitgestellten Mittel für Luftfilter in Schulen wurden bis Ablauf des Programms Mitte Januar abgerufen. Das geht aus einem Bericht der «Rheinischen Post» hervor. Bislang wurden demnach 222 Anträge mit einem Fördervolumen von 14,5 Millionen bewilligt. Das Kommunalministerium von Ina Scharrenbach (CDU) hatte für das Programm im November 2020 rund 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Nach Angaben eines Ministeriums-Sprechers werden derzeit noch einige Anträge geprüft. Mit den Mitteln der Landesregierung sollten die Schulträger in der Corona-Pandemie wieder Räume und Sporthallen nutzen können, die nicht belüftet werden können. Dabei gehe es zum Beispiel um Kunsträume im Keller ohne Fenster, erläutert das Ministerium. «Luftreinigungsgeräte sind eine Ergänzung, kein Ersatz fürs Lüften in Klassenräumen», heißt es dazu weiter aus Düsseldorf.

Basis für die Summe von 50 Millionen sei eine Abfrage bei den Kommunen im September 2020 gewesen. 73 Städte hatten damals Unterrichtsräume gemeldet, die für das Programm infrage kamen.

Kinder dürfen wieder in die Schule zurück

Am kommenden Montag wird es lebendig an den Grundschulen in Rheinland-Pfalz. Für 148 000 Kinder beginnt zumindest der Wechselunterricht. Bildungsministerin Hubig hofft auch auf eine Öffnung der weiterführenden Schulen.

An den Grundschulen in Rheinland-Pfalz wird am kommenden Montag zum ersten Mal in diesem Jahr wieder Kinderlachen zu hören sein. An vielen Schulen werden die Klassen geteilt - die eine Hälfte der Kinder wird vor Ort unterrichtet, die andere Hälfte bleibt zuhause im Fernunterricht. Wo die Räumlichkeiten viel Platz lassen und den Mindestabstand von 1,50 Metern ermöglichen, können alle Kinder der ersten vier Klassen wieder in die Schule.

Das ist etwa an der Grundschule Essingen im Kreis Südliche Weinstraße möglich. «Wir haben kleine Klassen mit 15 Kindern und ein neues Schulgebäude mit größeren Klassenzimmern», sagt Schulleiterin Jutta Bretz. «Das ist natürlich traumhaft.» Insgesamt werden an der Grundschule 83 Kinder unterrichtet. «Von anderen Schulen weiß ich, dass es schwierig ist, auf der einen Seite die Kinder im Home Schooling zu betreuen und auf der andern Seite den Präsenzunterricht zu ermöglichen.» Wünschenswert wäre mehr Planungssicherheit, sagt Schulleiterin Bretz, die dem «Praktikerteam» der CDU für die Landtagswahl angehört.

Anders sind die Verhältnisse an der Goethe-Grundschule in der Mainzer Neustadt, wo 285 Kinder unterrichtet werden. Zum Start am Montag werden die Klassen mit jeweils 20 bis 24 Kindern geteilt. «Wir haben uns darauf vorbereitet, sind erprobt und haben alle Pläne fertig», sagt Konrektorin Stephanie Pfeiffer. In allen Klassen seien Lüftungsanlagen installiert und die Kinder seien geübt in allen Hygienemaßnahmen wie der Wegeführung in der Schule. «Weil wir viele kinderreiche Familien mit beengten Wohnverhältnissen haben, sehen wir die absolute Notwendigkeit, die Kinder wieder in die Schule zu bringen.»

Für die Kinder sei jeder Tag in der Schule ein Gewinn, sagt Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). «Studien zeigen, dass viele Kinder und Jugendliche unter den Schulschließungen leiden, deswegen müssen wir ihnen – und auch den Eltern – eine Perspektive eröffnen, eine Perspektive auf Lernen in Präsenz, auf mehr Miteinander.» Insgesamt gibt es 148 000 Kinder in der Primarstufe, unter ihnen 5300 Schülerinnen und Schüler an Förderschulen.

Die Ministerin weist beim Start am Montag auf die hohen Hygienestandards hin: «Abstand, Maskenpflicht, feste Lerngruppen, ein Lüftungskonzept und die sonstigen Hygieneregeln». In der Grundschule sei auf regelmäßige Maskenpausen zu achten, empfiehlt das Bildungsministerium. Lehrerinnen und Lehrer sollen Masken mit höherem Schutzstandard tragen. Für Schülerinnen und Schüler der ersten vier Klassen werden diese Masken empfohlen, es sind aber auch Alltagsmasken weiter zugelassen. «Grund dafür ist, dass die jüngeren Kinder nach den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen weniger infektiös sind und medizinische Masken in Kindergrößen nicht überall verfügbar sind», erklärt das Ministerium.

Die Präsenzpflicht an den Schulen wurde wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen am 16. Dezember aufgehoben. Am 4. Januar begannen dann alle Schulen in Rheinland-Pfalz mit dem Fernunterricht. Eigentlich war der Start des Wechselunterrichts an den Grundschulen schon zum 1. Februar geplant, wurde dann aber mit Blick auf die neu auftretenden Infektionen mit mutierten Coronaviren kurzfristig gestoppt.

«Je jünger die Schülerinnen und Schüler sind, desto wichtiger ist es, dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, wieder in Präsenz in die Schulen zu kommen», schrieb Hubig nach den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen zur Corona-Pandemie in einem Brief an die Eltern schulpflichtiger Kinder in Rheinland-Pfalz. Aber auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Abschlussklassen, die unmittelbar vor Prüfungen stehen, können tageweise mit Abstand in die Schule kommen. Darüber entscheidet die Schulleitung vor Ort.

Wie es künftig weiter geht, ist noch nicht genau festgelegt. «Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass – immer vorausgesetzt, die Infektionslage lässt es zu – auch die Schülerinnen und Schüler in den anderen Schularten so schnell wie möglich wieder zurück in die Schule kommen können», sagte Hubig der Deutschen Presse-Agentur. Die Landesregierung hat sich dafür ausgesprochen, auch in der Orientierungsstufe der weiterführenden Schulen, also in den 5. und 6. Klassen, im März in den Wechselunterricht überzugehen.

Mit dem Start des Wechselunterrichts an den Grundschulen beginnt ein neuer Abschnitt. «Die Kinder freuen sich auf den Unterricht in der Schule», sagt die Mainzer Konrektorin Pfeiffer, «und wir sind froh, dass sie kommen.»

17.02.2021

Zurück ins Klassenzimmer - Weitere Schüler gehen wieder in die Schule

Freunde sehen, mit ihnen reden und Spaß haben - momentan ist die Schule der einzige Ort, wo das möglich ist. Die meisten Kinder lernen noch von zu Hause aus. Ein paar dürfen allerdings ab Montag wieder ins Klassenzimmer. Ein Start, der mit vielen Fragen verbunden ist.

Nach Wochen des Distanzlernens beginnt für einige Schüler am Montag wieder der Präsenzunterricht. Wer darf wann in die Schule und welche Regeln gelten? Hier Antworten auf wichtige Fragen.

Welche Kinder und Jugendlichen dürfen jetzt wieder in die Schule?

Seit dem 1. Februar sind Abiturklassen von Gymnasien, Fachoberschulen (FOS) und Berufsoberschulen (BOS) sowie Abschlussklassen beruflicher Schulen, die zeitnah ihre Abschlussprüfungen schreiben, zurück an den Schulen. Am Montag folgen Grundschüler sowie die Abschlussjahrgänge aller anderen allgemeinbildenden Schulen wie Real-, Mittel- und Wirtschaftsschulen. Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche, die entsprechende Stufen an Förderschulen besuchen.

Gilt diese Regelung bayernweit oder gibt es auch Ausnahmen?

In Corona-Hotspots müssen die Schüler weiter von zu Hause aus lernen. Das gilt in Landkreisen, in denen es mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen gibt. Am Mittwoch waren das laut Robert Koch-Institut (RKI) unter anderem die Landkreise Tirschenreuth, Wunsiedel und Passau oder die Städte Hof und Weiden in der Oberpfalz. Stichtag für diesen Wert ist eigentlich der Montag. Die Entscheidung, ob der Präsenzunterricht starten kann, treffen aber die Landratsämter.

In welcher Form findet der Unterricht in der Schule statt?

Voraussetzung ist, dass die Kinder mindestens 1,5 Meter voneinander entfernt sitzen. Wo das nicht möglich ist, werden die Klassen aufgeteilt. Die Gruppen kommen dann abwechselnd zum Unterricht - je nach Schule wechseln sich die Kinder tage- oder wochenweise ab. Die einen lernen in der Schule, die anderen zu Hause.

Wie lernen die Kinder, die gerade nicht im Präsenzunterricht sind?

Viele Kinder wurden in den vergangenen Wochen per Videokonferenz unterrichtet. Im Wechselunterricht wird das oft nicht mehr klappen, weil die Lehrer dann mit den Kindern im Klassenzimmer beschäftigt sind. Das Kultusministerium wirbt deshalb bei den Eltern um Verständnis, betont aber auch: «Wir begrüßen einen Live-Stream vom Klassenzimmer in das Elternhaus». Eine Idee, die vielerorts daran scheitern dürfte, dass die Internetverbindungen der Schulen dafür nicht stabil genug sind.

Welche Hygienevorschriften gelten?

Das Altbekannte: Abstand halten, Hände waschen und desinfizieren, Lüften und Maske tragen. Bei den Lehrern müssen es sogenannte OP-Masken sein. Bei den Kindern reichen wie bisher Alltagsmasken aus Stoff. Das Gesundheitsministerium rät allerdings auch Schülern, den OP-Mundschutz zu tragen, der einen besseren Schutz vor Coronaviren verspricht. FFP2-Masken, wie sie etwa in Geschäften Pflicht sind, sind dagegen nicht erforderlich. Wer will, kann sich trotzdem dafür entscheiden, sollte dann aber die Tragehinweise beachten.

Unter welchen Umständen können sich Schüler vom Präsenzunterricht befreien lassen und stattdessen weiter von zu Hause aus lernen?

Kinder, für die ein Schulbesuch ein zu großes Gesundheitsrisiko darstellen würde, dürfen mit ärztlichem Nachweis zu Hause bleiben. Auch wer Angst hat, sich in der Schule das Coronavirus einzufangen, kann sich von der Anwesenheit befreien lassen. Ein Anspruch auf Distanzunterricht besteht aber laut Kultusministerium nicht.

Können die Kinder nach dem Unterricht in die Mittagsbetreuung?

Auf jeden Fall. Die Teilnahme auch an den Ganztagesangeboten ist allerdings freiwillig.

Läuft die Notbetreuung weiter?

Ja - allerdings nur, soweit es personell und räumlich möglich ist. Viele Lehrer müssen nun wieder ihre Klassen unterrichten und auch die Räume werden womöglich wieder für den Unterricht benötigt. Zudem seien nun wieder mehr Personen im Schulhaus unterwegs. Aus Gründen des Infektionsschutzes könne die Notbetreuung deshalb unter Umständen nicht mehr wie bisher stattfinden, so das Kultusministerium.

Können nun wieder schriftliche Leistungsnachweise geschrieben werden?

Ja. Schulaufgaben und andere angekündigte Tests sind wieder möglich. Teilnehmen können aber nur Schüler, die gerade in der Schule sind. Ausnahmsweise darf dafür aber auch die ganze Klasse oder der gesamte Kurs erscheinen, wenn alle im Prüfungsraum 1,5 Meter Abstand einhalten können. Außerdem müsse eine gleichmäßige und angemessene Prüfungsvorbereitung aller Teilnehmer gewährleistet sein. Und zur Beruhigung: Das Ministerium verspricht erst mal eine «Phase des Ankommens», ohne Schulaufgaben oder Proben.

Werden Schüler und Lehrer auf Corona getestet?

Der Freistaat will Schülern, Lehrkräften und dem Schulpersonal wieder kostenlose Reihentests anbieten. Geplant ist auch, dass sich an den Schulen Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren selbst testen können, regelmäßig und freiwillig. Sobald die Tests zugelassen und verfügbar seien, wolle man eine Strategie dafür entwickeln. Im Rahmen von Pilotprojekten sollen zudem ausgewählte Schulen und Kitas innovative Testmethoden ausprobieren, etwa Gurgel- oder Speichelprobentests.

Wann werden die restlichen Klassen in die Schule geholt?

Das hängt vom weiteren Infektionsgeschehen ab, heißt es aus dem Kultusministerium.

GEW-Kritik: Stufenplan für regionale Kita-Öffnung unübersichtlich

Der Stufenplan für die Öffnung der Kitas in Mecklenburg-Vorpommern, der vom kommenden Montag an gelten soll, ist der Erziehergewerkschaft GEW zu unübersichtlich. «Die Einteilung in insgesamt fünf Stufen mit jeweils zugeordneten Zeiträumen bis zu ihrem Eintritt ist schwer nachvollziehbar und kann zu Verunsicherungen seitens der Erzieher:innen und Eltern führen», erklärte die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner am Mittwoch.

Der Stufenplan sieht nach Informationen der Gewerkschaft zunehmende Einschränkungen im Kita-Betrieb bei Überschreitung bestimmter Inzidenzwerte in den einzelnen Landkreisen und kreisfreien Städten vor. Unter 35 Infektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen läuft der Regelbetrieb demnach normal, bei einem Wert zwischen 35 bis 49,9 sind unter anderem Einschränkungen beim Singen und beim Sport vorgesehen. Beginnen sollen die Einschränkungen, wenn der Grenzwert fünf Tage in Folge erreicht oder überschritten wird.

Bei Inzidenzen zwischen 50 und 99,9 dürfen Eltern die Einrichtungen nur noch in Ausnahmefällen betreten und im Hort muss Maske getragen werden, auch von den Kindern. Bei einer Inzidenz von 100 bis 149,9 sollen die Eltern gebeten werden, ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Ab einer Inzidenz von 150 oder einem diffusen Geschehen mit Mutation soll auf Notbetreuung umgestellt werden.

Lindner regte an, dass das Land ab Montag auf seinen Webseiten täglich veröffentlicht, in welcher Stufe sich der jeweilige Landkreis und die kreisfreien Städte befinden. Außerdem sollte nach Lindners Worten die Entwicklung der Inzidenzen dargestellt werden, um eine größtmögliche Transparenz zu schaffen.

Grundschulverband fordert Fokussierung auf Bildung für die Jüngsten

Wenige Tage vor der Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an vielen Grundschulen in Deutschland fordert der Grundschulverband, die Bildung der Jüngsten besonders in den Blick zu nehmen. In einer Mitteilung appellierte der Verband am Mittwoch an die Kultusministerien der Länder, sie sollten dafür sorgen, dass die Bildungsqualität im Elementar- und Primarbereich vorrangig gesichert werde. «Denn hier wird das Fundament für den Bildungsweg aller Kinder gelegt. Das besondere Entwicklungsfenster des Kindergarten- und Grundschulalters darf nicht ungenutzt verstreichen.»

Am kommenden Montag nehmen nach derzeitigen Planungen die meisten Bundesländer nach rund zweimonatiger Unterbrechung wegen Corona-Maßnahmen den Unterricht in den Gebäuden der Grundschulen wieder auf. In Sachsen und Niedersachsen gibt es bereits wieder Präsenzunterricht.

«Bildungsqualität braucht Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer, damit sie sich auf ihre eigentlichen pädagogischen Aufgaben einlassen können», hieß in der Mitteilung weiter. Jetzt sei die Zeit, an der Verbesserung der Bedingungen zu arbeiten. Der Verband fordert so viel Präsenzzeit wie möglich für «bildungsbenachteiligte Kinder», personelle Unterstützung an den Grundschulen zum Beispiel durch Werkstudenten, um Lehrkräften «Zeitfenster für Lernbegleitung und Förderung von Kindern zu ermöglichen» und Coaching-Angebote für das pädagogische Personal und die Schulleitung. Der Grundschulverband setzt sich nach eigenen Angaben für die Weiterentwicklung der Grundschule ein und will bundesweit bildungspolitisch ihre Stellung als grundlegende Bildungseinrichtung verbessern.

16.02.2021

Schleswig-Flensburg will Kitas und Grundschulen noch nicht öffnen

Der Kreis Schleswig-Flensburg möchte seine Kitas und Grundschulen angesichts der Corona-Infektionslage noch nicht am nächsten Montag öffnen. Landrat Wolfgang Buschmann rief am Dienstag das Land auf, die Schließung bis zum 1. März zu verlängern. Im Kreis stiegen derzeit die Infektionszahlen und das Ausbruchsgeschehen sei diffus, hieß es dazu in einer Mitteilung. Zudem grenze der Kreis direkt an die Stadt Flensburg, die landesweit die höchsten Zahlen hat. Dort gab es zuletzt mit Stand Montagabend 166,4 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, im Kreis Schleswig-Flensburg 80,5.

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, dass die Grundschulen und Kitas im Land ab 22. Februar wieder in den regulären Präsenzbetrieb gehen sollen. Am Montag teilte die Regierung mit, in Flensburg und Lübeck sowie in den Kreisen Pinneberg und Herzogtum Lauenburg bleibe es wegen der dort zu hohen Infektionszahlen vorerst bei der Notbetreuung.

«Eine Öffnung der Kitas und Schulen zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nicht befürworten», erläuterte Schleswig-Flensburgs Landrat Buschmann. «Viele Flensburger*innen besuchen im Kreisgebiet Schulen und Kindergärten.» Epidemiologisch spielten die Kreis- und Stadtgrenzen keine Rolle. «Wir als Kreis müssen und wollen daher gleiche Regelungen wie in Flensburg schaffen.» Zudem stiegen auch im Kreisgebiet die Erkrankungen an der ansteckenderen Virus-Variante B1.1.1.7.

Bremer Grundschulen: Präsenzbetrieb in voller Klassenstärke

Die Grundschulen in der Stadt Bremen kehren angesichts der grundsätzlich sinkenden Zahl von Corona- Neuinfektionen zum Präsenzbetrieb in voller Klassenstärke zurück. In der Stadtgemeinde Bremen ist das vom 1. März an der Fall. In Bremerhaven werde bis zu den Osterferien in Halbgruppen unterrichtet. Entsprechende Beschlüsse zum Schul- und Kitabereich fasste der Senat am Dienstag. Für alle Schüler ab Jahrgangsstufe 5 werde der Unterricht im Wechselmodell fortgesetzt. Für die Kindertagesbetreuung gelte spätestens vom 1. März an der eingeschränkte Regelbetrieb.

«Die höhere Präsenz in Kitas und Schulen ab dem 1. März wird von Schutzmaßnahmen, umfassende Testungen und mehr Verpflichtungen zum Masketragen flankiert», betonte die Senatorin für Kinder und Bildung, Claudia Bogedan (SPD). Es sei richtig, Kindern möglichst viel Präsenzunterricht zu bieten. «Dies gilt insbesondere für Grundschülerinnen und Grundschüler.» Ziel sei es, für alle möglichst viel Verlässlichkeit und Planbarkeit bis zu den Osterferien zu schaffen.

Die Maßnahmen regeln für die Stadtgemeinde Bremen, dass die Beschäftigten in Schulen und Kitas zwei Mal in der Woche die Chance haben, selbst einen Corona-Schnelltest zu machen. Die Tests sollen zentral beschafft werden. Wer positiv getestet wurde, muss in Quarantäne und dann auch einen PCR-Test machen.

Familienminister: Ab 22. Februar wieder Kindertagesbetreuung für alle

Die Corona-Neuinfektionszahlen sinken. Jetzt peilt NRW auch in den Kitas Öffnungsschritte an - mit Vorbehalten.

Ab dem 22. Februar können alle Kinder in Nordrhein-Westfalen wieder in die Kitas und die Tagespflege kommen. Das kündigte NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) am Dienstag in Düsseldorf an. Allerdings bleibt es zunächst bei einem landesweit pauschal um zehn Wochenstunden gekürzten Betreuungsangebot und bei festen Gruppen.

Angesichts sinkender Corona-Neuinfektionszahlen verlässt NRW damit in Kürze den Weg der bisherigen Appelle an die Eltern, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen, obwohl die Kitas landesweit geöffnet waren für alle, die das aus beruflichen oder privaten Gründen nicht leisten konnten. Diese Woche gelte dieser Appell weiter, betonte Stamp. Es werde auch keinen Automatismus für einen Regelbetrieb geben, falls die landesweite Quote der Neuinfektionen noch in dieser Woche unter 50 gerechnet auf 100 00 Einwohner binnen sieben Tagen sinken sollte. Seine Pläne erläuterte Stamp auch in Schreiben an Eltern und Beschäftigte in der Kindertagespflege.

LOKALE ENTSCHEIDUNGEN: Wenn die Neuinfektionszahlen weiter sinken, dürfen Kita-Leitungen und Träger voraussichtlich ab dem 8. März selbst entscheiden, ob sie die Kinder wieder im vollen Umfang betreuen. Wo das für den Infektionsschutz vor Ort weiter nötig sei, dürften Einrichtungen den Betreuungsumfang dann weiterhin um maximal zehn Wochenstunden kürzen, erläuterte Stamp.

Pauschal gelte diese Kürzung dann aber nicht mehr in NRW. Die Regelung soll zunächst bis Ostern gelten. Bevor diese Stufe in Kraft trete, werde zunächst gemeinsam mit Kita-Trägern, Elternverbänden und Gewerkschaften die Infektionsentwicklung in NRW betrachtet, erklärte Stamp.

REGELBETRIEB: Normalen Regelbetrieb könne es erst wieder geben, wenn ausreichend Corona-Selbsttests für jedermann zur Verfügung stünden, die Beschäftigten geimpft oder die Neuinfektionszahlen ganz niedrig seien, erklärte Stamp.

CORONA-NOTBREMSE: «Sollte es wider Erwarten zu einem sprunghaften Anstieg kommen, werden wir Kitas auch regional oder landesweit komplett schließen», erklärte Stamp. «In einem solchen Notfall würde es dann tatsächlich auch nur eine ganz eng begrenzte Notbetreuung geben.» Wenn es sich dabei nur um eine regionale Entwicklung handle, könne darauf auch regional reagiert werden.

KRANKE KINDER: Eindringlich appellierte der Minister an die Eltern, kranke Kinder nicht in die Kitas zu schicken. «Wenn die Kita-Leitungen sagen, das Kind kann in dem Zustand nicht in die Kita, dann muss es dabei bleiben», unterstrich er. «Wer einen Erkältungsschnupfen hat, gehört in diesen Tagen nicht in die Kita.»

KINDERBETREUUNGSTAGE: NRW hat ein Landesprogramm aufgelegt, damit auch selbstständig oder freiberuflich tätige Eltern einen Anspruch auf die neuen zusätzlichen Kinderbetreuungstage erhalten. Das Anmeldeportal werde gerade entwickelt, sagte Stamp. Sobald es stehe, werde darüber informiert. Es gehe aber kein Tag verloren, da der Anspruch rückwirkend ab dem 5. Januar geltend gemacht werden könne, versicherte Stamp.

CORONA IN KITAS: Bei Beschäftigten in NRW-Kindertageseinrichtungen wurden seit Anfang des Jahres laut Stamp knapp 590 Corona-Infektionen festgestellt. Im Januar seien es 402 Infektionen gewesen und im Februar bislang 187. Insgesamt gibt es in den Kitas und in der Tagespflege laut Familienministerium rund 168 000 Beschäftigte.

Durch eine falsche Interpretation von Krankenkassenzahlen sei der Eindruck entstanden, das Infektionsrisiko sei in Kitas besonders hoch, schrieb Stamp in einem Elternbrief. Das stimme aber so nicht. In die Zahlen der Krankenkassen seien alle Krankmeldungen etwa wegen Husten, Schnupfen oder Fieber eingeflossen, bei denen sich das Kita-Personal «in vorbildlicher Weise aus Vorsicht» beim Arzt gemeldet habe.

SELBSTTESTS: Die Landesregierung hat laut Stamp eine europaweite Ausschreibung für Millionen von Corona-Selbsttests für die Kita-Beschäftigten auf den Weg gebracht. Wenn die Zulassung dann da sei, solle die Bestellung sofort aufgegeben werden. Bis die zertifizierten Selbsttests in ausreichender Menge zu Verfügung stehen, können Kita-Beschäftigte zweimal pro Woche einen kostenlosen Schnelltest machen.

IMPFUNGEN: Nach Worten Stamps wäre es «ein Befreiungsschlag für die gesamte Gesellschaft», wenn Lehrkräfte und Erzieher früher geimpft werden könnten. Dies sei wichtig für die Stabilität der Entwicklung der Kinder. Kinderärzte warnten vor Schäden bei einem fortdauernden Lockdown. Die Ständige Impfkommission (Stiko) sieht bislang keinen Grund, die Impfreihenfolge zu ändern. Die Politik könnte aber von den Stiko-Empfehlungen abweichen. Nach der aktuellen Impfverordnung sind Erzieher und Lehrkräfte bislang in der dritten Impf-Gruppe. Bund und Länder hatten sich darauf verständigt, eine Höherstufung zu prüfen.

KITA-BEITRÄGE: Vorerst bleibt es bei der Erhebung von Elternbeiträgen für die Kita. Die Landesregierung prüfe aber eine rückwirkende Erstattung, sagte Stamp. Im Vordergrund stehe derzeit aber die Stabilisierung des Betreuungssystems mit Bezahlung der Corona-Tests, Hygienemittel und der Alltagshelfer in den Einrichtungen.

REAKTIONEN: Der Fachgewerkschaft für Beschäftigte der Kommunen, der Länder sowie der privatisierten Dienstleistungsunternehmen, Komba, kommt der NRW-Öffnungsplan für die Kitas zu schnell. Auch der Verband Bildung und Erziehung betonte, Infektionsschutz müsse im Mittelpunkt stehen. Es dürfe «keine Hürden geben, die Stundenanzahl, wenn nötig, zu reduzieren».

Die SPD-Opposition im Düsseldorfer Landtag sieht in Stamps Modell keine Vorteile für die Eltern. «Die Rücknahme des Minister-Appells, Kinder nicht in die Kita zu bringen, bedeutet für Eltern in erster Linie: Sie können ab dem Zeitpunkt nicht mehr auf die zusätzlichen Kinderkrankentage zurückgreifen, wenn sie aufgrund der Pandemie ihre Kinder noch nicht wieder in die Kita geben wollen», stellte der familienpolitische Sprecher Fraktion, Dennis Maelzer, fest. Diese Eltern müssten jetzt wieder auf ihren eigenen Erholungsurlaub zurückgreifen und gleichzeitig Kita-Beiträge zahlen.

Eltern nehmen Grundschul-Öffnung an: Nur wenige Kinder abgemeldet

Die Wiedereröffnung der Grundschulen in Sachsen haben die Eltern mit großem Interesse angenommen. Lediglich 3,72 Prozent der Eltern haben ihre Kinder coronabedingt oder aus anderen Gründen abgemeldet und sie von der Schulpflicht befreit, wie der Sprecher des Landesamts für Schule und Bildung, Roman Schulz, am Dienstag auf Anfrage mitteilte. «Die hohe Zahl der Eltern, die ihre Kinder in die Grundschule schicken, sehen wir mit Respekt und Demut.» Dies sei ein riesiger Vertrauenzuschuss für die Schulen.

Mit Einschränkungen und erhöhten Hygienemaßnahmen hatte am Montag in Sachsen nach rund zwei Monaten Lockdown der Unterricht für 151 000 Grundschüler begonnen. Schulz verwies darauf, dass die Grundschulen bereits Erfahrung mit der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown im Mai 2020 hätten. Unter anderem sehen die Konzepte einen gestaffelten Einlass, versetzte Pausen und einen durch Absperrband unterteilten Schulhof vor.

Die Wiederöffnung erfolgt im eingeschränkten Regelbetrieb: Die Kinder werden dafür in festen und strikt voneinander getrennten Gruppen betreut und sollen sich möglichst nicht begegnen. Eine Maskenpflicht im Unterricht gibt es nicht, allerdings müssen Schüler und Lehrer im Eingangsbereich sowie im Schulgebäude eine medizinische Maske tragen. Auch regelmäßiges Lüften gehört zum Hygienekonzept.

Die Gewerkschaft GEW hatte die Eröffnung mit Blick auf die Ausbreitung der Mutationen hingegen als zu früh kritisiert, auch die Lehrer sahen der Wiedereröffnung mit gemischten Gefühlen entgegen. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte angekündigt, die Zahl der Infektionen genau im Blick zu behalten: Wenn der Inzidenzwert im Landkreis, also die Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, an fünf aufeinanderfolgenden Tagen über 100 liegt, müssen Schulen und Kitas wieder schließen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Dienstag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 68,4. Die Entwicklung stagniere ein Stück weit, sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag nach der Kabinettssitzung. Vor einer Woche lag der Wert noch bei 91,3.

Nach der Stadt Leipzig (43,7) hat auch die Landeshauptstadt Dresden (47,1) den wichtigen Schwellenwert von 50 unterschritten. Chemnitz (50,7) liegt noch knapp darüber. Drei der zehn Landkreise im Freistaat sind bei der Inzidenz dreistellig: der Landkreis Leipzig mit 119,7, der Vogtlandkreis mit 115,5 und der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 106,7.

15.02.2021

Lehrerverband gegen rasche Schulöffnung

Nach der Gewerkschaft GEW hat sich auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) gegen eine rasche Schulöffnung in Berlin gewandt. Im Vergleich zum Zeitpunkt der Schulschließung vor zwei Monaten habe sich die Situation kaum geändert, sagte die VBE- Landesvorsitzende Heidrun Quandt am Montag. «Weder gibt es regelmäßige Tests für die Schülerschaft und das pädagogische Personal noch Impfungen oder ausreichende Luftfilter an allen Schulen und in allen Klassenräumen.»

Lediglich das Tragen von Masken für alle Altersgruppen der Schülerschaft sei vorgesehen. Diese Vorgabe werde jedoch auf Druck von Elternvertretungen an etlichen Schulen unterlaufen, befürchtet Quandt. «Gerade an Grundschulen sind Hofpausen ohne Maske für die Ansteckung ein besonderes Problem, weil ein Abstand von 1,50 Meter nicht gewährleistet werden kann.»

Trotz Verlängerung des Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie um drei Wochen bis 7. März will der Senat die Schulen ab 22. Februar schrittweise öffnen. Zunächst ist für Schüler der Klassenstufen 1 bis 3 Wechselunterricht in halber Klassengröße geplant. Sie werden also in geteilten Lerngruppen abwechselnd in der Schule und mit Hilfe digitaler Lösungen zu Hause unterrichtet.

Arbeitsagentur:Auch Schulabgänger mit Corona-Defiziten ausbilden

Die Unternehmen in Berlin und Brandenburg müssen sich nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit auf zusätzliche Defizite bei Schulabgängern wegen der Corona-Krise einstellen. «Die Gefahr ist da», sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion, Ramona Schröder, der «Berliner Morgenpost» (Montag). «Ich denke, da hilft nur, dass wir uns dessen bewusst sind und diesen Jugendlichen trotzdem die Chance einräumen.»

Dass der aktuelle Jahrgang wegen Schulschließungen und Digital-Unterrichts noch «ein stückweit mehr Defizite» mitbringe als vorherige, sei nicht die Schuld der Schülerinnen und Schüler. «Insofern ist unsere gesellschaftliche Verantwortung in der Hinsicht nochmal größer, diese Jugendlichen auszubilden», so Schröder. «Die Unternehmerinnen und Unternehmer sollten auch schwächeren Schülern eine Chance bieten.»

Es gebe ausbildungsbegleitende Hilfen, erläuterte Schröder. «Aber auch die Unternehmen werden sich gerade am Anfang mehr um ihre Auszubildenden kümmern müssen. Viele Dinge werden sich im Laufe der Ausbildung aber auch wieder relativieren, wenn Wissensdefizite aufgeholt werden.»

14.02.2021

Weniger Noten auf den Zeugnissen wegen Corona?

Den Endspurt bis zum Halbjahreszeugnis absolvieren die meisten Schüler in Thüringen zu Hause. Doch Lehrer dürfen im Distanzunterricht keine schriftlichen Leistungskontrollen benoten. Am Ende könnten damit Zensuren für die Zeugnisse fehlen.

Wegen der Einschränkungen im Schulbetrieb durch die Corona-Pandemie rechnet der Chef des Thüringer Lehrerverbandes, Rolf Busch, mit fehlenden Noten auf dem Halbjahreszeugnis. «Es wird mit Sicherheit Leerstellen geben. Aber ich appelliere, damit gelassen umzugehen. Es gibt derzeit wichtigere Dinge als Schulnoten», sagte Busch der Deutschen Presse-Agentur. In Thüringen sind Schulen seit Wochen geschlossen. Außerhalb der Ferien lernen die meisten Schüler im Distanzunterricht.

Dabei ist es nach Angaben des Bildungsministeriums zwar grundsätzlich auch möglich, Noten zu geben. Benotete schriftliche Leistungskontrollen und größere Klassenarbeiten sind allerdings nicht erlaubt, «da eine Prüfung der Eigenständigkeit der Leistungen ansonsten kaum möglich ist», heißt es vom Ministerium. Solche Kontrollen dürfen also nur im Präsenzunterricht durchgeführt und anschließend benotet werden. Inhalte, die im Distanzunterricht vermittelt wurden, dürfen in diesen Prüfungen aber durchaus abgefragt werden.

Busch sagte, im Zweifel sei es besser, ein Schüler bekomme auf dem Zeugnis mal keine Note als eine unfaire. «Es gibt solche Fälle, da hatte ein Schüler im September einen schlechten Moment und hat durch die Schulschließungen dann einfach keine Chance mehr bekommen, das wieder auszubügeln», sagte Busch, der selbst Lehrer und Schulleiter einer Regelschule ist. Jeder Lehrer müsse daher beim Schüler individuell entscheiden, ob er angesichts der Bedingungen verantworten könne, eine Zeugnisnote zu bilden oder nicht.

Ausnahmen seien etwa Abschlussklassen. Diese sind aber bereits seit mehreren Wochen wieder in den Schulen, um sich dort auf ihre anstehenden Prüfungen vorzubereiten - und können dementsprechend auch schriftliche Leistungskontrollen und Klassenarbeiten schreiben.

In Thüringen soll es am 19. Februar Halbjahreszeugnisse geben. Wann die Schulen wieder öffnen können, ist noch unklar. Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte zuletzt in Aussicht gestellt, dass es einen stufenweisen Wiedereinstieg in den Schulbetrieb geben könnte. Demnach schlägt er vor, mit der Rückkehr der Grundschulkinder zu beginnen, dann die fünften und sechsten Klassen wieder in die Schulen zu lassen und später dann höheren Klassenstufen. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte angedeutet, dass es noch im Februar mehr Präsenzunterricht an den Schulen geben könnte.

Dennoch würden damit für einige Klassenstufen wohl erneut mehrere Wochen des neuen Schulhalbjahres verstreichen, ohne dass Noten für Klassenarbeiten und schriftliche Leistungskontrollen vergeben werden könnten. «Was nicht passieren darf, ist, dass die Schüler nach Öffnung der Schulen 14 Tage lang ohne Ende Noten bekommen», sagte Busch.

13.02.2021

GEW für Schul- und Kita-Öffnungen erst ab 35er-Inzidenz

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat sich kritisch zu den geplanten Lockerungen der Corona-Maßnahmen für Kitas und Schulen in Mecklenburg-Vorpommern geäußert. Zwar seien dem Infektionsgeschehen angepasste Öffnungen generell zu begrüßen, teilten die Landesvorsitzenden Annett Lindner und Maik Walm am Samstag mit. Aber: «Den Präsenzbetrieb für die Klassen 1 bis 6 sowie die Abschlussklassen der allgemein- und berufsbildenden Schulen bei einem Inzidenzwert unter 50 halten wir - ebenso wenig wie einen Regelbetrieb im Hort - mit Blick auf die offene Frage der Gefährdung durch Mutationen für nicht angemessen.» Die GEW setze auf die vom Robert Koch-Institut empfohlene Marke einer 35er-Inzidenz.

Nach Beratungen mit Vertretern von Gewerkschaften, Kommunen und der Wirtschaft hatte die Landesregierung am Freitagabend mitgeteilt, dass Schüler der Klassenstufen 1 bis 6 vom 24. Februar an wieder regulär in Landkreisen und kreisfreien Städten zur Schule gehen können, in denen die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, stabil unter 50 liegt. Vom 8. März an sollen dann auch Schüler der höheren Klassen schrittweise wieder an die Schulen zurückkehren, zunächst im Wechsel von Präsenzunterricht und Lernen zu Hause.

Die GEW sprach sich für einen schrittweisen Übergang zum Regelbetrieb mit Wechselunterricht zunächst in halbierten Lerngruppen aus, da so der Gesundheitsschutz erhöht, die individuelle Förderung verbessert, der Schulverkehr entzerrt und die Arbeitsbelastung gesenkt werden könne. «Bis jetzt besteht die unzureichende Strategie aus Masketragen ohne Arbeitsschutzstandards, Lüften im Winter und fehlenden Maßnahmen, um Kinder mit Lernproblemen zu unterstützen», bemängelten Lindner und Walm. Sie forderten neben Abstandsmöglichkeiten, Lüftungsgeräten und anlasslose Testungen auch eine priorisierte Impfungen des pädagogischen Personals.

Land legt Details für Teststrategie für Lehrer und Erzieher fest

Damit Schulen und Kitas nicht nur geöffnet werden, sondern auch geöffnet bleiben können, will das Land deutlich mehr Corona-Tests anbieten. Dafür liegen nun Einzelheiten auf dem Tisch.

Mehr als 260 000 Beschäftigte in Schulen, Kitas und anderen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sollen sich künftig zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen lassen können. Das Land plant dafür bis zu den Osterferien Ende März Kosten von gut 50 Millionen Euro ein, wie aus einer Vorlage für die nächste Sitzung des Kabinetts hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Antigen-Schnelltest ist freiwillig und soll in Arztpraxen oder Apotheken erfolgen. Zudem sollen Kommunen die Möglichkeit bekommen, mit Testkits aus der Notreserve des Landes eigene Testangebote für Schulen und Kitas einzurichten.

Eine Sprecherin des Sozialministeriums bestätigte die entsprechende Beschlussvorlage. Sozialminister Manne Lucha (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatten sich kürzlich darauf geeinigt, die Testangebote für Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie weitere Beschäftigte im Bildungs- und Betreuungsbereich auf zwei pro Woche auszuweiten. Nach bisherigen Plänen hätte jeder Beschäftigte bis zum Ende der Osterferien nur drei Tests bekommen.

Die erweiterte Teststrategie soll die angestrebte Öffnung von Schulen und Kitas flankieren, wie es in der Vorlage heißt. Das Land will vom 22. Februar an zunächst Kitas und Grundschulen schrittweise öffnen.

Die Kostenschätzung für die Tests beruht laut Vorlage auf der Annahme, dass die Hälfte der landesweit rund 262 000 Berechtigten das Angebot wahrnimmt. Wer im Schnellverfahren positiv getestet wird, darf seine Schule oder Kita nicht mehr betreten und muss sich an die Vorgaben aus den entsprechenden Corona-Verordnungen halten. Zudem muss das Ergebnis per genauerem PCR-Test bestätigt werden.

Das bisherige Angebot mit drei Tests bis nach den Osterferien entfällt mit der neuen Strategie. Es werde zudem zu prüfen sein, in welchen Bereichen sich Selbst-Schnelltests sinnvoll einsetzen ließen, heißt es weiter in der Vorlage - allerdings erst, wenn diese Tests in ausreichender Qualität verfügbar seien.

«Corona-Homeschooling-Hotline»: Online-Nachhilfe stark nachgefragt

Nicht nur Unterricht, auch Nachhilfe ist per Video möglich. Eine gemeinnützige Organisation in Essen bietet seit vier Wochen Nachhilfestunden für Schüler im Homeschooling an. Lehramtsstudenten helfen den Schülern online bei Mathe, Deutsch und Co.

Die gemeinnützige Nachhilfe-Organisation «Zukunft Bildungswerk» in Essen ist mit einer «Corona-Homeschooling-Hotline» auf überregionales Interesse gestoßen. Seit dem Start vor vier Wochen hätten mittlerweile Schülerinnen und Schüler aus 47 Städten in ganz Deutschland kostenlose Nachhilfe per Videokonferenz erhalten, berichtete Hotline-Koordinatorin Samar Farhat auf dpa-Anfrage. So habe es Anrufe etwa aus Thüringen und Brandenburg gegeben. Bildungswerk-Gründer Turgay Tahtabas schätzte die Zahl der bislang vermittelten Nachhilfe-Videokonferenzen auf rund 700. «Wir haben einen Nerv getroffen», sagte er.

Das kostenlose Online-Nachhilfe-Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassen eins bis dreizehn und deckt nahezu alle Fächer ab. Für eine Nachhilfe in Latein habe es erst eine Anfrage gegeben, sagte Farhat. «Doch auch dafür haben wir jemanden gefunden.»

Die Nachhilfe werde montags bis freitags nachmittags über eine Videokonferenz gegeben. Lehrer seien meistens Lehramtsstudenten, «Lernförderer» genannt. Das Team umfasse derzeit 15 Personen. Eine Nachhilfestunde dauere etwa 20 bis 30 Minuten. Die meisten Anfragen kämen von Schülern weiterführender Schulen. Die Nachfrage ist mittlerweile groß. «Wir haben täglich 40 bis 50 Anmeldungen», sagte Farhat. Neben Deutsch und Englisch sprächen die Förderer auch Türkisch, Arabisch oder Kurdisch.

Mit seinen Nachhilfe-Angeboten während des normalen Schulbetriebs erreicht das Bildungswerk nach eigenen Angaben in Essen und Gladbeck rund 1000 Schülerinnen und Schüler. Unterrichtet wird dabei in Schulen, bei den Schülern zu Hause oder in eigenen Standorten.

Überforderung und Angst - Psychologen an Schulen gefragt

Dresden (dpa/sn)Während der Corona-Pandemie und des Lockdowns sind die Psychologen an Schulen und Universitäten verstärkt gefordert. Verglichen mit der Zeit vor Corona seien die Anfragen an die Schulpsychologen zwar nicht häufiger, aber dringender geworden, sagte die Vorsitzende des Berufsverbandes der Schulpsychologen Sachsens, Sabine Randow, bei einer dpa-Umfrage. Dabei geht es vor allem um die Organisation des Home-Schoolings, die Lernmotivation, Prüfungs- und Zukunftsängste. Viele Eltern fühlten sich überfordert, wenn sie ihre Kinder und ihren Beruf miteinander vereinbaren müssten. 50 Schulpsychologen kümmern sich in Sachsen um  Schüler, Eltern und Lehrer.

12.02.2021

Maskenpflicht an Hessens Schulen künftig ab der ersten Klasse

Auch wenn der Corona-Lockdown zunächst weitergeht, soll es für Schüler und Kita-Kinder erste Lockerungen geben. Damit will das Land vermeiden, dass die Kleinen bei der Bildung abgehängt werden.

An Hessens Schulen gilt künftig schon ab der ersten Klasse eine grundsätzliche Maskenpflicht. Das kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag nach der Sitzung des hessischen Corona-Kabinetts in Wiesbaden an. Es müsse aber nicht zwingend eine medizinische Maske sein. Das Land empfehle diese Masken zwar, ordne sie aber nicht konkret an, sagte Lorz. Für Kita-Kinder soll es dagegen im geplanten eingeschränkten Regelbetrieb ab 22. Februar keine Maskenpflicht geben, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne).

Beim geplanten Wechselunterricht an den Schulen - ebenfalls ab 22. Februar - für die Klassen ein bis sechs soll nach Vorgaben des Kultusministeriums so viel Präsenzunterricht wie möglich für so viele Schüler wie möglich angeboten werden. Dabei sei sicherzustellen, dass der Schwerpunkt auf den Fächern Deutsch, Mathematik, erste Fremdsprache und - in der Grundschule - Sachunterricht liege, heißt es in einem Schreiben an die Schulleitungen.

Bei Wechselunterricht werden die Schulklassen aufgeteilt. Eine Hälfte wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte lernt zu Hause. Die Gruppen tauschen tage- oder wochenweise. So werden Kontakte reduziert und Abstände können besser eingehalten werden. Die Schulen können laut Ministerium ihre spezifischen Modelle flexibel den vor Ort gegebenen räumlichen, personellen und organisatorischen Gegebenheiten anpassen.

Das Land beginne wie angekündigt bei einem ersten Öffnungsschritt mit den Schulen und Kitas, «weil wir Kinder in der Bildung nicht abhängen dürfen», betonte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Wechselunterricht sei auch eine spürbare Entlastung für die Familien und die Betreuungssituation zuhause, erklärte Lorz. Zudem gebe es weiter eine Notbetreuung für Kinder von Alleinerziehenden oder aus Familien, in denen beide Elternteile arbeiten. Ab der siebten Klasse bleibt es in Hessen - mit Ausnahme der Abschlussklassen - vorerst bei Distanzunterricht. «Falls der Trend zur Reduzierung der wöchentlichen Inzidenzwerte anhält, planen wir, auch sie so bald wie möglich wieder in die Schulen zurückzuholen», erklärte Lorz.

Die Vorgaben zum regelmäßigen Lüften gelten weiterhin. «Weil es aber wegen der aktuellen Temperaturen, insbesondere in Ost-, Mittel- und Nordhessen nicht überall konsequent möglich ist, haben dort die Schulen für einige Tage teilweise auf Distanzunterricht umgestellt», teilte ein Ministeriumssprecher mit.

Bouffier warb für Verständnis, dass der Lockdown im Kampf gegen Corona fortgesetzt wird. Die Zahlen der Neuinfektionen müssten «weiter runter», vor allem mit Blick auf Virusvarianten, die als ansteckender gelten, sagte er und kündigte an, dass bis 3. März ein Perspektivplan erarbeitet werden soll. An dem Tag wollen die Regierungschefs von Bund und Ländern wieder beraten, wie es mit den Corona-Maßnahmen weitergeht.

Am Mittwoch war beschlossen worden, den derzeitigen Lockdown zunächst bis 7. März fortzusetzen. Eine Ausnahme soll es für Friseursalons geben, die am 1. März unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen dürfen.

Die Verlängerung des Lockdowns sei notwendig und zugleich ein «herber Schlag für unsere Wirtschaft», erklärte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). «Die Situation in der Gastronomie, im Handel, in der Veranstaltungs- und Messebranche und Freizeitwirtschaft sowie in Kunst und Kultur ist sehr ernst.» Al-Wazir verwies darauf, dass die Auszahlung der staatlichen Corona-Hilfen weiter voran gehe und nun Anträge auf Überbrückungshilfe III gestellt werden könnten.

Inzwischen seien in Hessen mehr als dreiviertel der Anträge auf Novemberhilfe und knapp ein Drittel der Anträge auf Dezemberhilfe abschließend bearbeitet und das Geld komplett überwiesen, sagte der Wirtschaftsminister. Insgesamt sind demnach bereits 390 Millionen Euro an November- und Dezemberhilfe an hessische Betriebe geflossen, 235 Millionen Euro allein an die Gastronomie.

Der Handelsverband Hessen erklärte, die Ergebnisse der Bund-Länder-Beratungen und des hessischen Corona-Kabinetts seien eine «schwere Enttäuschung». Der Einzelhandel habe mit funktionierenden Hygienekonzepten dafür gesorgt, dass Einkaufen auch in Pandemiezeiten sicher sei. Das zeige der Lebensmitteleinzelhandel Tag für Tag. Der neuen Festlegung des Inzidenzwertes auf 35 für die Wiedereröffnung der Geschäfte fehle jede nachvollziehbare Basis. Die Lage vieler Händlerinnen und Händler sei «aussichtslos», sagte Hauptgeschäftsführer Sven Rohde. «Es fehlt neben schneller finanzieller Entschädigung auch eine Planungssicherheit und klare Perspektive.»

Ministerium: Klassenfahrten in NRW bis 5. Juli verboten

In NRW sind Klassenfahren wegen der pandemiebedingten Unsicherheiten bis zum 5. Juli untersagt. Das hat das Schulministeriums am Donnerstag in einer Mail an die Schulen mitgeteilt und dazu in Kürze einen Runderlass angekündigt. Für die Schüler, die ab dem 22. Februar bei der schrittweisen Rückkehr in den Präsenzunterricht den Anfang machen sollen, gelte: Es könne auch Sportunterricht erteilt werden. Wenn es die Witterung zulasse, soll das im Freien sein. In der Halle müsse eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden - außer bei intensiver Ausdaueranstrengung.

Am 22. Februar sollen zunächst nur die Grundschüler, jüngere Förderschüler und Abschlussjahrgänge tageweise in einem Wechselmodell in den Präsenzunterricht zurückkehren. Das erläuterte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) parallel zu der Schulmail am Donnerstag auch im Düsseldorfer Landtag. Dabei heißt es in der schriftlichen Information an die Schulen allerdings, nur im Falle der Abschlussklassen sei auch «volle Klassenstärke» möglich.

Schüler der weiterführenden Schulen, die sich nicht in einer Abschlussklasse befinden, werden auch nach dem 22. Februar 2021 zunächst weiter auf Distanz unterrichtet. Mit Ausnahme der gymnasialen Oberstufe Q1, weil deren Leistungen in die Abiturnote einfließen.

Viele Schulen und Kitas in Deutschland öffnen wieder

Viele Grundschulen und Kitas in Deutschland sollen vom 22. Februar an wieder schrittweise ihren Betrieb aufnehmen. Nach den Bund-Länder-Beratungen über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise plant eine Mehrzahl der Bundesländer mit der Rückkehr von Kindern und Grundschülern ab diesem Datum. Dazu zählen etwa Nordrhein-Westfalen, Bayern, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Brandenburg, Berlin und Hessen. Mecklenburg-Vorpommern will am 24. Februar starten. Geknüpft wird die Rückkehr teilweise auch an bestimmte Inzidenzzahlen.

Sachsen hat angekündigt, seine Einrichtungen schon am Montag wieder zu öffnen. Sachsen-Anhalt will bisher an seinem Plan festhalten, die Schulen vom 1. März an schrittweise wieder zu öffnen. In Niedersachsen sind Grundschüler bereits seit Januar wieder im sogenannten Wechselbetrieb. Darum geht es nun überwiegend auch in den anderen Ländern. Das heißt, Klassen werden geteilt und besuchen abwechselnd die Schule.

Die meisten älteren Schüler werden voraussichtlich erst im März ihre Einrichtung wieder von innen sehen, mit Ausnahme von Abschlussklassen, für die auch bisher schon Präsenzunterricht möglich war.

Bund und Länder hatten bei ihren Beratungen am Mittwoch festgehalten, dass die Länder eigenständig über das weitere Vorgehen an Schulen und Kitas entscheiden sollen. Eine ähnliche Vereinbarung hatten sie auch schon im Frühjahr nach der ersten Corona-Welle getroffen.

11.02.2021

Dreyer zeigt Perspektiven für schrittweise Öffnungen auf

Die Kleinen machen den Anfang: Nach der Fastnachtswoche können die Grundschulen in den Wechselunterricht starten. Ministerpräsidentin Dreyer informiert den Landtag über die Bund-Länder-Beschlüsse.

Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz strebt weiter eine schrittweise Aufhebung von Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgrund der Corona-Pandemie an. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erläuterte am Donnerstag dem Ältestenrat des Landtags die Beschlüsse von Bund und Ländern. Dabei teilte sie mit, dass die Grundschulen bereits zum 22. Februar den Wechselunterricht aufnehmen würden.

«Es ist klar, dass mit Schulen und Kitas die ersten Schritte gemacht werden müssen», sagte Dreyer. Die Landesregierung habe nach den Bund-Länder-Beratungen beschlossen, «nach der Fastnachtswoche durchzustarten mit Wechselunterricht in der Grundschule». Dann sollen die Klassen in Gruppen geteilt werden, die abwechselnd zuhause und in der Schule lernen. Ähnliche Beschlüsse gebe es auch in den meisten anderen Bundesländern.

Die Präsenzpflicht an den Schulen wurde wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen am 16. Dezember aufgehoben. Am 4. Januar begannen dann alle Schulen in Rheinland-Pfalz mit dem Fernunterricht.

Dreyer bedauerte, dass es in der Bund-Länder-Runde am Mittwoch keine Einigung auf einen Stufenplan für die Aufhebung von Einschränkungen des öffentlichen Lebens gegeben habe. Eine Arbeitsgruppe mit dem Chefs des Bundeskanzleramts und den Chefs der Staatskanzleien in den Bundesländern solle aber weiter über Perspektiven für weitere Öffnungen beraten.

Bund und Länder haben beschlossen, den Lockdown mit den Kontaktbeschränkungen bis zum 7. März zu verlängern. Friseurbetriebe sollen aber bereits zum 1. März öffnen können. «Es ist gut, dass die Friseure ein Signal haben», sagte Dreyer. Die Entscheidung zu ihrer vorgezogenen Öffnung berücksichtige die große hygienische Bedeutung eines Friseurbesuchs besonders für die ältere Bevölkerung.

Für den Einzelhandel gebe es nun die Perspektive einer Öffnung bei einer Inzidenz von 35. «Wir sollten den Ehrgeiz haben, dass wir die Zahlen senken», sagte Dreyer mit Blick auf die zunehmende Verbreitung mutierter Viren. «Je niedriger die Zahlen sind, desto besser für uns alle.»

Zu Hotels und Restaurants sagte Dreyer: «Ich weiß, wie sehr die Gastronomie sich wünscht, dass sie auf jeden Fall das Ostergeschäft mitnehmen kann.» An dieser Perspektive müssten alle gemeinsam arbeiten. Dabei sei es wichtig, «im Gleichklang der Bundesebene (zu) bleiben».

Natürlich sei es sinnvoll, in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens noch niedrigere Inzidenzen abzuwarten, sagte Dreyer. Als Beispiel nannte sie die Zulassung von Großveranstaltungen.

Dreyer berichtete dem Landtag, dass die Bund-Länder-Runde auch über Corona-Eigentests beraten habe. «Das wird ganz sicher einiges erleichtern, wenn man zuhause einfach einen Test machen kann», sagte die Regierungschefin. Aber zurzeit gebe es noch keine zertifizierten Eigentests auf dem Markt. Es sei zu erwarten, dass dies noch einige Wochen dauern werde.

10.02.2021

Woidke: Grundschulen sollen bald für Wechselunterricht öffnen

Die jüngeren Schülerinnen und Schüler können voraussichtlich bald zumindest teilweise zurück in die Schulen - im Wechsel mit dem Pauken zuhause. Regierungschef Woidke gibt nach der Bund-Länder-Konferenz eine Perspektive.

Die Grundschulen in Brandenburg können nach Angaben von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) voraussichtlich am 22. Februar wieder mit Wechselunterricht in der Corona-Krise öffnen. Das kündigte der Regierungschef am Mittwoch nach Gesprächen von Bund und Ländern an. Der Kabinettsbeschluss dazu sei für diesen Freitag vorgesehen. Der Lockdown solle im Grundsatz bis 7. März verlängert werden, Friseurläden sollten aber bereits ab 1. März wieder öffnen können. Insbesondere ältere Menschen seien darauf angewiesen, diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen.

«Zum Beispiel werden die Grundschulen schon in den Ländern an unterschiedlichen Daten, aber bei den meisten - wahrscheinlich auch bei uns in Brandenburg - am 22. Februar ihre Pforten wieder öffnen im Wechselunterricht für die Schülerinnen und Schüler», sagte Woidke im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB).

Vorgesehen sei, für Lockerungen den Wert von unter 35 neuen Infektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche anzupeilen. «Das können wir vielleicht in drei, vier Wochen erreichen in Brandenburg, um dann auch über weitere Öffnungsschritte zu reden, beispielsweise hier den Einzelhandel.» Die Zahl der Ansteckungen pro 100 000 Einwohner in einer Woche lag am Mittwoch im Land bei rund 80. Der Regierungschef gab keine Entwarnung: «Wir sind noch nicht durch.» Woidke sprach von einem großen dunklen Schatten wegen der Coronavirus-Varianten.

Seit dem 16. Dezember gilt in Brandenburg ein harter Lockdown. Damals wurden Ausgangsbeschränkungen verhängt. Die Läden sind geschlossen, außer den Geschäften für Dinge des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Bäckereien, Apotheken und Drogerien, aber auch Buchhandlungen. Auch Friseurläden haben zu. Alkoholtrinken ist in der Öffentlichkeit verboten.

Ab 9. Januar schränkte Brandenburg den Bewegungsradius in extremen Corona-Hotspots mit mehr als 200 neuen Infektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche ein - dort sind touristische Reisen und Sport außerhalb eines Radius von 15 Kilometern um die Kommune verboten. Die nächtliche Ausgangsbeschränkung wurde dagegen aufgehoben.

Die Kultusminister der Länder hatten sich am Montag bei weiter sinkenden Corona-Zahlen dafür ausgesprochen, dass die Schulen in Deutschland ab der kommenden Woche schrittweise wieder aufmachen sollen. Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist derzeit Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD).

Söder lässt Öffnungstermine für Schulen und Kitas zunächst offen

Mögliche Öffnungstermine für die Schulen und Kitas in Bayern sind weiter offen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nannte dafür nach Bund-Länder-Beratungen am Mittwochabend in Berlin noch keinerlei Zeitpunkte. Er sagte allerdings, Bayern werde «eher etwas vorsichtig und zurückhaltend» vorgehen.

An diesem Donnerstag will das Kabinett über die konkrete Umsetzung der neuen Bund-Länder-Beschlüsse entscheiden - zuvor soll es dem Vernehmen nach noch Beratungen des Koalitionsausschusses von CSU und Freien Wählern geben. Am Freitag berät darüber dann der Landtag.

Gebauer: Grundschulen gehen ab 22. Februar in Wechselunterricht

Die Grundschulen in Nordrhein-Westfalen starten am 22. Februar mit einem Unterricht in Wechselmodellen. Das sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch nach den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise. Auch Förderschulen der Primarstufe sollten dann wieder beginnen. Die Jüngsten litten am meisten unter den Corona-Beschränkungen, hieß es.

In NRW sind die Schüler aller Schulformen seit Mitte Dezember im Distanzunterricht. Das Ministerium habe ein umfassendes Schutzkonzept beschlossen. Künftig solle es zwei Corona-Tests für Lehrer pro Woche geben.

Baden-Württemberg will Kitas und Grundschulen am 22. Februar öffnen

Baden-Württemberg will Kitas und Grundschulen nach den Faschingsferien am 22. Februar schrittweise wieder öffnen. Wenn die Infektionszahlen es zulassen, solle der grundsätzlich verlängerte Corona-Lockdown an dieser Stelle wie geplant gelockert werden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwochabend in Stuttgart.

Zuvor hatten sich Bund und Länder bei ihren Beratungen darauf verständigt, dass die Länder selbstständig und ohne bundesweite gemeinsame Vorgaben über die Öffnung von Schulen und Kitas entscheiden können. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte darauf gedrungen, erst zum 1. März Kitas und Grundschulen wieder zu öffnen. Das wollten sich die Länder jedoch nicht vorschreiben lassen.

Der wichtige Corona-Richtwert, die Sieben-Tage-Inzidenz, nähert sich im Südwesten derweil der Schwelle 50. Wie das Landesgesundheitsamt am Mittwoch mitteilte, wurden in den vergangen sieben Tagen 55,9 neue Infektionsfälle je 100 000 Einwohner registriert.

Trotz der Gefahr von Virusmutationen gibt man sich in der Stuttgarter Koalition optimistisch, dass sich der Trend fortsetzt und erste Öffnungsschritte möglich sind. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern hat der Südwesten wegen der freien Faschingswoche aber noch einen gewissen Zeitpuffer. So will zum Beispiel Sachsen schon am kommenden Montag Kitas und Grundschulen öffnen.

Corona-Schnelltests für alle Lehrkräfte an Schulen in Rheinland-Pfalz

Lehrerinnen und Lehrer an Schulen in Rheinland-Pfalz können jetzt jederzeit einen Corona-Schnelltest erhalten. Ende Januar war die Möglichkeit eines Antigen-Schnelltests (PoC) auch ohne bestimmten Anlass bereits für das Personal an Kindertagesstätten eingeführt worden - dies wurde nun auf alle Beschäftigten an den Schulen des Landes ausgeweitet, wie das Bildungsministerium am Mittwoch in Mainz mitteilte. Bisher konnten sich Lehrkräfte freiwillig auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen lassen, wenn sie in Kontakt mit einem Infizierten waren.

«Mit diesen Maßnahmen möchten wir alle in Kita und Schule weiter bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützen und ihnen zusätzliche Sicherheit geben», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Vorrang habe aber weiter die Einhaltung aller Hygienemaßnahmen.

Städte- und Gemeindebund: Schulöffnungen sind «überfällig»

Vor den Corona-Beratungen von Bund und Ländern hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund seine Forderung nach einer nachvollziehbaren Lockerungsstrategie und raschen Schulöffnungen bekräftigt. «Die Nerven der Eltern liegen blank. Da muss etwas geschehen», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg am Mittwoch im Radioprogramm SWR Aktuell. Die Kultusminister der Länder hatten sich einstimmig für schrittweise Schulöffnungen ab kommender Woche ausgesprochen, sofern die Corona-Zahlen weiter sinken. Diese Entscheidung sei «überfällig», sagte Landsberg.

Aus seiner Sicht brauche es einen konkreten, möglichst bundeseinheitlichen Plan zu denkbaren Lockerungen. «Und natürlich stehen da Kitas und Schulen - insbesondere Grundschulen - ganz vorne», betonte Landsberg. Er halte eine Aufteilung zwischen Präsenz- und Online-Unterricht und die Reduzierung von Klassengrößen für sinnvoll. Außerdem forderte er eine Schnellteststrategie im Bildungsbereich.

Mit Blick auf den Dienstleistungssektor sprach sich Landsberg für die Öffnung der Friseursalons aus. Dies wäre ein «Hoffnungssignal», sagte er und verwies auf die Regelung in Österreich, wo für einen Friseurbesuch in der Regel ein negativer Corona-Test vorgelegt werden muss.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder beraten ab Nachmittag (14.00 Uhr) über das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Die bisherigen Regeln laufen am 14. Februar aus.

Kultusminister Tonne fordert Bundeshilfe für Schüler in Corona-Krise

Vor den Bund-Länder-Beratungen zum weiteren Kurs in der Corona-Krise hat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) einen gemeinsamen Kraftakt für Schüler und Kinder gefordert. «Seit Wochen leisten die Kinder und Jugendlichen einen Riesenbeitrag im Lockdown, die Kontaktbeschränkungen und dass alles an Sport und Hobbys wegfällt, trifft junge Menschen besonders in ihrer Entwicklung», sagte Tonne der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. «Das muss in einer gemeinsamen Kraftanstrengung verhindert, die Konsequenzen müssen abgefedert werden.»

Er erwarte daher, dass Bund und Länder sich schnell zusammensetzen und beraten, wie Lernrückstände kompensiert und psycho-soziale Belastungen abgefedert werden können, sagte Tonne. Ein solcher Schul- und Kitagipfel müsse dann auch ein relevantes Kinder- und Jugend-Programm des Bundes mit sich bringen. «Wir brauchen ein Corona-Kompensations-Programm des Bundes, damit wir in hohem Maße Ferienbetreuung, zusätzliche Lernangebote und Hausaufgabenhilfe einrichten können.»

Außerdem müsse dringend zur Sprache kommen, dass sich die Bundesregierung an den Teststrategien für Lehrkräfte und Kita-Personal engagiert. Kitas und Schulen seien zentral und müssten von allen Ebenen gefördert werden. «Wir greifen der Wirtschaft und den Unternehmen zurecht unter die Arme, da sollte es uns als Gesamtgesellschaft nicht zu teuer sein, die Kinder und Jugendlichen zu stärken und Schaden von ihnen abzuwenden», sagte Tonne.

Es reiche nicht aus, wenn die Kultusministerkonferenz nun den von Niedersachsen bereits Mitte Januar eingeschlagenen Weg verantwortungsvoller, abgewogener Schulöffnungen mitträgt und nachvollzieht. «Seit Monaten arbeiten wir mit Kohorten, Maskenpflichten, Abständen und Lüftungsregeln», meinte der Minister. «Da ist es zu wenig, wenn sich der Beitrag des Bundes in der Schuldebatte auf ein sehr spät veröffentlichtes Kompendium über längst bekannte Corona-Schutzmaßnahmen beschränkt. Ich erwarte jetzt aber, dass da mehr kommt, denn die Konsequenzen wochenlanger Schul- und Kitaschließungen dürften für die Kinder immens sein.»

Lehrerverband: Bei Schulöffnungen vorsichtig vorgehen

Der Deutsche Lehrerverband hat vor den Bund-Länder-Beratungen an diesem Mittwoch zur Vorsicht beim Thema Schulöffnungen gemahnt. «Gerade angesichts der schwer kalkulierbaren Gefahren durch die Virusmutation müssen wir bei der Öffnung der Schulen vorsichtig vorgehen», sagte Präsident Heinz-Peter Meidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch). Er empfehle, lieber noch ein, zwei Wochen zu warten als zu früh zu viel zu riskieren.

Für Schulöffnungen brauche es einen Plan mit festen Kriterien, was bei welcher Inzidenz passieren solle. «Ich appelliere an die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin, diesen Plan endlich zu liefern», sagte Meidinger. Vor allem besonders junge Schüler und Schülerinnen müssten neben den Abschlussklassen als erste zurück in den Unterricht, so der Präsident des Lehrerverbandes.

09.02.2021

Lockdown-Verlängerung in Sicht - Ringen um erste Öffnungen

Erlauben es Anzeichen für eine Entspannung der Corona-Lage, schon vorsichtig Einschränkungen aufzuheben - und zwar zuerst für Kinder? Vor der nächsten Krisenkonferenz gibt es auch Sorge vor Rückschlägen.

Unter hohem Erwartungsdruck wegen vielerorts sinkender Infektionszahlen ringen Bund und Länder um mögliche erste Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Vor Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten an diesem Mittwoch zeichnete sich eine weitere Verlängerung des vorerst bis 14. Februar vereinbarten Lockdowns ab. Doch unter den Ländern gibt es jetzt konkrete Pläne, Kitas und Schulen bereits ab kommender Woche schrittweise wieder zu öffnen. Auch aus der Bundestags-Opposition und der Wirtschaft kommen Forderungen nach Stufenplänen für baldige Lockerungen. Dagegen warnen Gesundheitsexperten vor schlummernden Risiken neuer Virus-Mutationen.

Merkel mahnte erneut zur Vorsicht und wandte sich gegen Lockerungen vor dem 1. März. Die Zeit, in der die britische Virus-Variante noch nicht die Oberhand gewonnen habe, sei entscheidend, um mit aller Kraft die Infektionszahlen herunter zu bekommen, sagte sie nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag in einer Online-Sitzung der Unionsfraktion. Ihre Auffassung sei daher, mit jeglichem Öffnungsschritt bis 1. März zu warten. Dies sei für Eltern und andere Betroffene schwer. Man könne dann aber Öffnungsschritte «mit besserem Gewissen machen». Die neue Virus-Variante, die sich auch in Deutschland ausbreitet, gilt als deutlich ansteckender.

In einem am Dienstag vom Kanzleramt an die Länder verschickten Entwurf eines Arbeitspapiers zur Vorbereitung der Konferenz heißt es: «Daher müssen die Kontaktbeschränkungen in den nächsten Wochen grundsätzlich beibehalten werden». Das Papier, welches auch der Deutschen Presse-Agentur aus mehreren Quellen vorlag, galt als Zwischenentwurf, der in vielen Punkten noch geändert werden kann. Es handelt sich dem Vernehmen nach nicht um ein bereits zwischen Bund und Ländern geeintes Papier. Einige Punkte im Entwurf sind noch nicht ausformuliert. Wie lange der Lockdown verlängert werden soll, lässt das Arbeitspapier ebenfalls noch offen: «Die Länder werden ihre Landesverordnungen entsprechend anpassen und bis zum XXX März verlängern.»

Vor der Videokonferenz mit Merkel sprachen sich auch mehrere Länder für weitere Beschränkungen aus. «Wir kommen nicht umhin, den Lockdown noch einmal zu verlängern», sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) der «Wirtschaftswoche». Saar-Regierungschef Tobias Hans (CDU) sagte der «Rheinischen Post»: «Momentan sind die Zahlen für große Lockerungen nach wie vor zu hoch.» Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) warb im Redaktionsnetzwerk Deutschland dafür, den Lockdown «unbedingt» zu verlängern.

DIE INFEKTIONSZAHLEN: Bundesweit sank die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen erstmals seit drei Monaten unter die Marke von 75 - nämlich auf 73, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag bekannt gab. Kurz vor Weihnachten hatte der Höchststand bei 197,6 gelegen. Zwischen den Ländern gibt es aber immer noch große Unterschiede - von Thüringen mit 135 bis Baden-Württemberg mit 60. Erklärtes Ziel ist ein Niveau von bundesweit weniger als 50, damit Gesundheitsämter vor Ort Infektionsketten wieder verfolgen können. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erinnerte daran, dass die 50-er Schwelle eigentlich eine «kritische Marke» für nötige schärfere Gegenmaßnahmen sei - ein Niveau von 49,8 sei nicht unproblematisch.

DIE PERSPEKTIVEN: Mehrere Länder dringen darauf, konkrete Aussichten auf Erleichterungen zu eröffnen. Man müsse sagen, bei welchen Zahlen was möglich sei, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) - etwa bei Sieben-Tages-Werten von 100, 50 oder 35 neuen Fällen pro 100 000 Einwohner. «Damit die Leute auch ein Ziel haben. Wir können nicht einfach immer nur verlängern.» Einige Länder legten eigene Stufenpläne vor. So beschloss Thüringen ein Konzept, wonach Friseure und Kosmetiker mit strengen Schutzauflagen bei Sieben-Tages-Werten zwischen 100 und 200 öffnen könnten. Auch die FDP im Bundestag legte einen Sieben-Stufen-Plan für Öffnungsschritte vor. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte einen «Fahrplan mit einheitlich anwendbaren Kriterien» für Lockerungen.

DIE KITAS UND SCHULEN: Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) beschloss einstimmig, dass ab 15. Februar nach den Abschlussklassen auch untere Jahrgänge wieder zur Schule gehen sollen - «wenn die gute Entwicklung der Inzidenzwerte anhält», wie die KMK-Vorsitzende Britta Ernst (SPD) aus Brandenburg sagte. Erste Entscheidungen fielen schon: Sachsen, das im Dezember als erstes Land flächendeckende Schul- und Kitaschließungen angeordnet hatte, kündigte am Dienstag als erstes an, Grundschulen und Kitas ab kommenden Montag in eingeschränktem Betrieb zu öffnen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte: «Priorität haben Kindertagesstätten und Grundschulen.» Darin bestehe Konsens zwischen Kanzlerin und Ländern.

DIE RISIKEN: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor baldigen Lockerungen. In eigenen Berechnungen komme er zum Ergebnis, dass bei der derzeitigen Ausbreitung der neuen Virus-Mutationen die Fallzahlen nur noch bis Ende Februar sinken dürften. Epidemiologisch gesehen «müssten wir sogar verschärfen», weil eine dritte Welle mit «Turbo-Virus» drohe. Der Grünen-Experte Janosch Dahmen sagte der dpa: «Wir sollten nicht den Fehler anderer Länder wiederholen, die nach zu schnellen Lockerungen einen Rückfall erlebt haben.» Symbolpolitische Öffnungen wie bei Friseursalons wären «ein Geschenk für das Virus». Möglich sei, einen Fahrplan für Lockerungen mit einem einheitlichen Risikostufenschema festzulegen. «Aber noch nicht die Abfahrtszeiten.»

Giffey sieht bei Schülern «depressive Verstimmungen und Vereinsamung»

Die baldige Öffnung von Schulen und Kitas ist aus
Sicht von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey dringend notwendig, weil die jetzige Belastung im Corona-Lockdown in manchen Familien in Richtung Kindeswohlgefährdung gehe. «Wir haben noch etwa zehn Wochen, die wir überbrücken müssen. Da kann man nicht die Antwort geben: Es bleibt alles zu», sagte die Berliner SPD-Landesvorsitzende am Dienstag im NDR. Bis Lehrerinnen und Lehrer geimpft sind, sollte intensiv getestet werden. Giffey schlug eine Taktung von zwei Tests pro Woche vor.

Mit Blick auf die Bund-Länder-Beratungen an diesem Mittwoch sagte sie, es könne noch nicht gesagt werden, ob schon kommende Woche Lockerungen kommen. Es müsse aber über zeitnahe Perspektiven gesprochen werden. «Ich werde mich dafür einsetzen», fügte sie an. Der Druck sei enorm. «Wir sehen gerade in sozialen Brennpunkten Verluste an Bildung, depressive Verstimmungen und Vereinsamung. Dem müssen wir entgegentreten.»

Experten: Lockdown verdunkelt Zukunftsaussichten für viele Schüler

Die wochenlangen Schulschließungen sind nicht nur eine nervliche Belastung für Eltern und Kinder. Sie werden auch soziale Ungleichheiten verschärfen und Zukunftschancen für viele Schüler schmälern, befürchten Experten. Der Handlungsdruck vor den nächsten Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch wächst.

Die seit nun fast acht Wochen dauernden Schulschließungen des zweiten Corona-Lockdowns - einschließlich der Weihnachtsferien - könnten für viele Schüler nach Ansicht von Experten weitreichende negative Folgen haben. Die Schließungen führten nicht nur zu Leistungsverlusten, sondern gerade für Kinder «aus bildungsfernen Schichten» sei Schule oft einer der wichtigsten sozialen und emotionalen Bezugspunkte, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher der Deutschen Presse-Agentur. «Genau da liegen die entscheidenden Risiken des zweiten Lockdowns.» Für diese Schüler und kleine Kinder, für die digitales Lernen keine Alternative sei, wüchsen die Risiken «überproportional zur Länge des Lockdowns».

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sprach von einer Schülergruppe, die sowohl im letzten Schuljahr schlecht per Distanzlernen erreicht worden sei und jetzt wieder neue Defizite anhäufe. «Die können praktisch den Anschluss im nächsten Schuljahr nicht mehr schaffen.» Bei den betroffenen Schülern wachse die Gefahr, keinen Schulabschluss oder zumindest den angestrebten Abschluss nicht mehr zu erreichen. «Das bedeutet massiv verschlechterte Zukunftschancen.»

Am Mittwoch wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen nach dem zunächst bis Ende dieser Woche befristeten Lockdown beraten. Führende Politiker auf Bundes- und Landesebene hatten unter Verweis auf Bildungsverluste, Belastungen für Eltern und andere Folgen wiederholt gesagt, dass Kitas und Schulen bei Lockerungen Priorität hätten. Seit Mitte Dezember haben die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland ihre Schule oder Kita nicht mehr von innen gesehen.

Schleicher verwies auf andere Länder: Viele Staaten hätten auch bei schwieriger Infektionslage der Öffnung von Kindergarten und Grundschulen absolute Priorität eingeräumt. «Das heißt, diese Bildungseinrichtungen blieben offen, auch wenn es sonst vielfache Einschränkungen des öffentlichen Lebens gab.» Mit Blick auf das weitere Vorgehen an den Schulen in Deutschland forderte der OECD-Experte, dass kleine Kinder und Kinder mit Benachteiligung beim Präsenzunterricht systematisch Vorrang haben müssten.

Meidinger sprach sich dafür aus, nach der ersten Phase von Schulöffnungen Leistungsstanderhebungen zumindest in den Kernfächern in allen Jahrgangsstufen durchzuführen, und dann Konzepte für den Umgang mit Lernrückständen zu erarbeiten. «Für einen Teil der Kinder und Jugendlichen wäre ein Zusatzjahr mit Sicherheit die beste Option.» Der Lehrerverband hatte schon mehrfach ein solches freiwilliges Zusatzjahr vorgeschlagen, das nicht als Sitzenbleiben gewertet wird.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) befürchtet durch die Situation eine zunehmende soziale Spaltung. Unzureichende digitale Infrastruktur und Lehrkräftemangel träfen gerade Kinder aus ohnehin benachteiligten Elternhäusern besonders, sagte Gewerkschaftschefin Marlis Tepe der dpa. Sie fügte aber auch hinzu, dass viele Schulen den Lockdown gut gemeistert hätten. «Schon heute von einer "verlorenen Generation" zu sprechen, wird der Realität nicht gerecht: Das wirkliche Leben ist komplexer.»

Mit Blick auf das weitere Vorgehen an den Schulen sagte Tepe, mehrheitlich hielten die Lehrkräfte den Wechselunterricht für ein gutes Modell. Dieser ermögliche es, Gesundheitsschutz für alle und das Recht der Kinder auf Bildung zusammenzubringen. Halbierte Schülerzahlen in den Klassen und feste Gruppen senkten das Infektionsrisiko. «Gleichzeitig können die Lehrerinnen und Lehrer regelmäßig Kontakt zu allen Schülerinnen und Schülern halten.» So könnten weitere Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen, die im Elternhaus nicht die nötige Unterstützung bekämen, verhindert werden.

Meidinger forderte ein regionales Vorgehen, allerdings nach einem bundesweit gültigen Stufenplan. Dieser müsse an die Inzidenzen vor Ort gekoppelt sein und regeln, ab welchen Werten welcher Unterrichtsbetrieb möglich sei. Ein einheitliches Vorgehen im ganzen Land lehnt er ab: «Warum soll man in Regensburg bei Inzidenz 25 die Schulen nicht stufenweise öffnen dürfen, weil er landesweit noch über 50 und in Hof über 300 ist?»

Corona: Kabinett berät über Fahrplan für Kitas und Grundschulen

Sachsens Kabinett kommt an diesem Dienstag in Dresden zusammen, um unter anderem über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise zu beraten. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) will anschließend die aktuellen Pläne für Kitas und Grundschulen vorstellen. Bisher hatte die Regierung den 15. Februar für erste vorsichtige Lockerungen in Aussicht gestellt, wenn es die Infektionszahlen zulassen. Aktuell liegt der Freistaat mit rund 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen über dem Bundesdurchschnitt.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) berichtet voraussichtlich zudem über den aktuellen Stand der Wirtschaftshilfen für von der Corona-Krise betroffene Unternehmen. Die Eckpunkte für die neue Corona-Schutzverordnung will die Regierung dann am Donnerstag vorstellen und dafür die Bund-Länder-Beratungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch abwarten. Die aktuelle Schutzverordnung in Sachsen ist noch bis zum 14. Februar gültig.

Schülerkonferenz warnt vor Desaster bei Fernunterricht

Die Bundesschülerkonferenz warnt vor zu langen Schulschließungen im Kampf gegen das Coronavirus. Ständig allein zu Hause zu sitzen, sei psychisch zermürbend, sagte Generalsekretär Dario Schramm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). «Viele wollen dringend mal wieder andere in der Schule sehen - gern mit großem Abstand und peniblen Hygienevorkehrungen, aber persönlich. Schule ist ein Ort der Gemeinschaft, nicht nur des Lernens.»

Schramm forderte für Abschlussklassen und jüngere Schüler in allen Bundesländern ein Angebot des Wechselunterrichts. «Das ist wichtig, damit sich alle gut auf ihre Prüfungen vorbereiten können. Und damit sich die Bildungsungerechtigkeit nicht weiter verschärft.» Solange nur zu Hause gelernt werde, sei jeder auf seine technischen Mittel dort und die Unterstützung der Eltern zurückgeworfen. «Einige haben nicht mal ein ruhiges Zimmer zum Lernen. Das sorgt für riesige Chancenungleichheit.»

Infektionsschutz sei wichtig, gerade angesichts der kursierenden Mutationen des Coronavirus, sagte Schramm. «Aber wir brauchen auch erste Öffnungsschritte.»

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs sprechen am Mittwoch über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Wie mit den Schulen weiter verfahren wird, dürfte dabei aller Voraussicht nach ein zentrales Thema werden.

08.02.2021

Hessen für Rückkehr der Klassen eins bis sechs in Wechselunterricht

Hessen will für die Schüler der Klassen eins bis sechs vom 22. Februar an das Modell des Wechselunterrichts ermöglichen. Voraussetzung sei, dass die Entwicklung der Corona-Infektionszahlen dies zulasse und sich Bund und Länder bei ihrer Schaltkonferenz am Mittwoch darüber einigten, teilte das Kultusministerium am Montag in Wiesbaden mit.

Für Hessens Schulen gelten angesichts des Corona-Lockdowns derzeit folgende Regelungen: Schüler sollen bis Klasse sechs - wo immer möglich - dem Präsenzunterricht fernbleiben. Von Klasse sieben an gibt es mit Ausnahme von Abschlussklassen Distanzunterricht.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte vor wenigen Tagen im hessischen Landtag in Aussicht gestellt, dass in den Grundschulen bereits vom 15. Februar an Wechselunterricht möglich werde. Von Klasse sieben an soll der Distanzunterricht bis zu den Osterferien fortgesetzt und die Abschlussklassen weiterhin in Präsenz unterrichtet werden.

Das Kultusministerium folge mit dem neuen Datum den Empfehlungen aus den Reihen der Schulleitungen, teilte ein Sprecher mit. Grund sei, dass sich Schulen, Lehrkräfte und Eltern mit der Verschiebung um eine Woche besser vorbereiten könnten. Die aktuelle Regelung gelte bis dahin weiter.

Bei Wechselunterricht werden die Schulklassen aufgeteilt. Eine Hälfte wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte lernt zuhause. Die Gruppen tauschen tage- oder wochenweise. So werden Kontakte reduziert und Abstände können besser eingehalten werden.

Spahn gegen frühere Corona-Impfungen für Lehrer

Deutschlands Lehrerinnen und Lehrer sollen nicht früher gegen Corona geimpft werden als bisher vorgesehen. Der Städtetag und Gewerkschaften hatten dies gefordert. Doch auch nach der am Montag in Kraft getretenen veränderten Corona-Impfverordnung zählen Lehrkräfte und Kita-Beschäftigte erst zu Gruppe drei - zusammen mit den Über-60-Jährigen, wie aus der Verordnung hervorgeht.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warb für Verständnis. Für jeden Vorgezogenen gebe es jemanden vorerst ohne Impfung. «Diese Entscheidung, so schwierig sie auch ist, werden wir die nächsten Wochen immer wieder treffen müssen.» Bei den Schulen gehe es um die Frage: «Sind Schulen Drehscheiben für das Virus?» Wenn dies wegen des Aufeinandertreffens von Menschen aus vielen Haushalten der Fall sei, müssten eigentlich auch Eltern geimpft werden. «Das erfordert Impfdosen in einer Zahl, wie wir sie jetzt im Februar noch nicht haben.»

Vor allem regelt die Verordnung die Impfungen für das ab dieser Woche eingesetzte Präparat von Astrazeneca. Diesen dritten zugelassenen Impfstoff bekommen vorerst nur Menschen zwischen 18 und 64 Jahren, weil Daten zur Wirkung bei Älteren fehlen. Deshalb erhalten Beschäftigten in Pflegeheimen oder Intensivstationen in dieser Altersgruppe nun vorrangig den Astrazeneca-Impfstoff.

Bis Ende März sollen laut Spahns Aussage von Freitag nun die Impfungen der Hochbetagten und Menschen in Pflegeheimen von Gruppe eins abgeschlossen sein. Ab April kommt Gruppe zwei: Unter anderem Menschen zwischen 70 und 80 sowie mit schweren Vorerkrankungen. Sie haben das höchste Covid-19-Todesrisiko. Lehrkräfte kommen danach.

Menschen mit nicht genannten Vorerkrankungen, aber hohem Covid-Risiko können laut Verordnung «nach individueller ärztlicher Beurteilung» im Einzelfall in Gruppe zwei geimpft werden. Spahn teilte mit, dass sich die Menschen dafür an von den Ländern einzurichtende Stellen wenden sollen. Er rief zu zurückhaltendem Gebrauch der Möglichkeit auf - denn wenn Millionen um Einzelfallentscheidungen nachsuchten, «dann werden diese Stellen das nicht leisten können».

Die Verordnung regelt zudem, dass von der Impfreihenfolge abgewichen werden kann, bevor Impfdosen verfallen. Nach Berichten über vorzeitige Impfungen für Lokalpolitiker rief Spahn aber alle Verantwortungsträger dazu auf, «mit gutem Beispiel voranzugehen und im Zweifel hinten anzustehen».

Karliczek stellt Leitfaden für Corona-Maßnahmen an Schulen vor

Masken, regelmäßiges Lüften, die Bildung fester Gruppen, ein entzerrter Schülerverkehr und andere Infektionsschutzmaßnahmen können einen Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen möglich machen. Das wird nun in einem gemeinsamen Leitfaden verschiedener wissenschaftlicher Fachgesellschaften, Experten und Vertreter aus dem Schulbereich bestätigt. Das Papier zur Prävention und Kontrolle von Corona-Übertragungen in Schulen wurde am Montag von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Berlin vorgestellt. Um den Zeitpunkt möglicher Schulöffnungen nach dem Lockdown geht es darin nicht.

Es werden auch keine neuen Maßnahmen präsentiert, sondern Dinge genauer betrachtet, die während der Pandemie bereits an den Schulen umgesetzt werden und wurden. Ausgewertet wurden 40 vorliegende Studien aus verschiedenen Ländern zum Nutzen solcher Maßnahmen. Nun liegt eine gemeinsame Einschätzung auf breiter Basis vor, ob sie etwas bringen. Das Papier richtet sich an Ministerien, Behörden, Schulen, Lehrer, Schüler und Eltern.

Als wirkungsvoll erachtet und empfohlen wird demnach je nach Infektionsgeschehen die Bildung sogenannter Kohorten an Schulen, also die Einteilung von Schülern in feste große Gruppen und eine Trennung, etwa jahrgangs- oder klassenweise. Bei höheren Ansteckungszahlen wird Klassenteilung und Wechselunterricht empfohlen. Bei der Rückkehr in den Präsenzunterricht sollen zuerst Grundschüler dran sein.

Die Leitlinie empfiehlt ab «hohem Infektionsgeschehen» auch das Tragen von medizinischen Masken in Schulen. «Mit Maskentragen gehen geringe gesundheitliche Nebenwirkungen einher. Es gibt keine Evidenz für mögliche Schäden durch Tragen einer Maske», heißt es in dem Papier. Bei hohen Corona-Zahlen wird zudem eine Entzerrung des Schülerverkehrs und das Tragen von OP-Masken im Schulbus empfohlen. Konkrete Inzidenzzahlen werden in der Leitlinie nicht genannt.

Ebenfalls befürwortet wird in dem Papier die inzwischen bekannte Lüftungsempfehlung des Umweltbundesamtes: Alle 20 Minuten drei bis fünf Minuten Stoßlüften. Als gleichwertig wird eine «geeignete Lüftungs- oder raumlufttechnische Anlage» bezeichnet. Damit sind aber keine mobilen Luftreiniger gemeint. Diese Geräte sollen, so die Empfehlung, nur «als ergänzende Maßnahme» zum Einsatz kommen, wenn grundsätzlich ausreichend gelüftet werden kann. Zudem gibt es Empfehlungen für Musik- und Sportunterricht und zum Umgang mit erkälteten Schülern und Verdachtsfällen.

Scholz: Über Öffnungskonzepte sprechen, aber vorsichtig bleiben

SPD-Kanzlerkandidat und Vizekanzler Olaf Scholz dringt vor dem Bund-Länder-Treffen auf einen Dialog über mögliche Öffnungsperspektiven in der Corona-Pandemie. «Wichtig ist, dass wir über ein Öffnungskonzept und eine Öffnungsstrategie miteinander sprechen», sagte Scholz am Montag im ZDF-«Morgenmagazin». «Wir müssen vorsichtig bleiben, das ist ganz sicher klar, wir müssen auf die Mutationen achten. Aber wir sehen, dass unsere politischen Handlungen auch Erfolge haben, denn die Infektionsraten gehen ja zurück.» Die Priorität müsse aus seiner Sicht bei den Öffnungen von Schulen und Kitas liegen, betonte er. Am Mittwoch treffen sich Bund und Länder erneut, um über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise zu beraten.

Vor dem Hintergrund der noch schleppend voranschreitenden Corona-Impfungen kritisierte Scholz, die EU hätte mehr Impfstoff bestellen können und sollen. Nun gehe es darum, die Impfstoffproduktion rasch anzukurbeln und das Impfen so gut wie möglich zu modellieren. «Wenn nach der jetzigen Situation, wo wir zu wenig Impfstoff haben, eine kommt, wo wir viel Impfstoff haben, aber der nicht verimpft wird, dann ist die nächste große, schwierige Lage da. Und das müssen wir dringend vermeiden», mahnte Scholz.

Spahn und Söder dämpfen Hoffnung auf beständigen Corona-Ausstiegsplan

In zwei Tagen treffen sich Bund und Länder, um über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise zu beraten. Es wird wohl um Forderungen nach einem Ausstiegsplan und die Schulen gehen. An ein Versprechen der Kanzlerin wollen viele Deutsche noch nicht so recht glauben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat Hoffnungen auf einen langfristigen Stufenplan zur Lockerung der Corona-Eindämmungsmaßnahmen gedämpft. «Alle wünschen sich einen Sechs-Monats-Plan, aber den kann es halt in dieser Dynamik, in dieser Pandemie nicht geben», sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Anne Will». Es gehe nur «Zug um Zug» - und dabei stünden noch einige harte und schwere Wochen bevor.

Mehrere Ministerpräsidenten hatten sich am Wochenende mit Lockerungsszenarien zu Wort gemeldet. In den Fokus gerückt waren Forderungen, nach denen bestimmte Lockerungsschritte für bestimmte Infektionszahlen festgeschrieben werden sollen. Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat jedoch eine schnelle Senkung der Corona-Infektionszahlen «absoluten Vorrang» vor einer Lockerung des Lockdowns. Selbstverständlich werde auch an
«Öffnungsstrategien» gearbeitet, sagte er am Sonntagabend auf «Bild live» mit Blick auf die Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch. Derzeit seien die «Zahlen aber noch zu hoch, um konkrete Schritte jetzt schon
zu verantworten».

Spahn sagte bei «Anne Will»: Es werde weiterhin notwendig sein, die konkreten Maßnahmen, die konkrete Strategie immer wieder anzupassen. «Ich weiß, alle haben eine Sehnsucht nach irgendetwas, das dann hält für sechs oder zwölf Monate. Aber das geht nicht. Das Virus ist zu dynamisch. Die Lage verändert sich zu sehr», sagte Spahn.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich im ARD-«Bericht aus Berlin» ähnlich. «Das Auf-Sicht-Fahren nervt. Aber das Auf-Sicht-Fahren ist das einzige, was wirklich hilft. Denn der Herausforderer, vor dem wir stehen, - Corona - hält sich null an Termine, die wir setzen.»

Über eine Perspektive werde aber bei den Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch gesprochen, sagte Söder. Die werde es sicher geben - «ganz klar». «Wie und wie lange und in welchem Umfang, das muss man noch diskutieren.» Es sei wichtig, kleinere Signale zu setzen - beispielsweise bei personennahen Dienstleistungen wie Friseuren. «Aber alles vernünftig Schritt für Schritt», so der CSU-Chef.

Spahn sagte, bevor es konkret werde mit Lockerungsschritten, solle abgewartet werden, «bis wir deutlich unter 50 bei 100 000 sind». Am Sonntagmorgen lag die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner bei 75,6. Der bisherige Höchststand dieser Inzidenz war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden.

Ein weiteres großes Thema am Mittwoch werden wohl die Schulen und die Rückkehr in den Präsenzunterricht sein. Eine Öffnung sei nur «sehr behutsam und vorsichtig, auf keinen Fall flächendeckend in allen Regionen möglich», sagte der Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, der «Welt» (Print: Montag/Online: Sonntag).

Am Montag stellt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) einen Leitfaden zu sicherem Schulbetrieb vor. Schulen könnten - sollten alle im Leitfaden enthaltenen Regeln streng eingehalten werden - auch in Pandemiezeiten sicher öffnen, heißt es darin. Das berichtet die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (Montag), der die Handlungsempfehlungen vorab vorlagen. Konkret geht es um Maßnahmen wie die Gruppenaufteilung von Schülern, die Entlastung des Schülernahverkehrs durch versetzten Unterrichtsbeginn, das Tragen medizinischer Masken durch Schüler und Lehrer und das Lüften von Räumen.

In der Funke Mediengruppe forderte die Bildungsministerin eine gemeinsame Kraftanstrengung mit den Ländern, um benachteiligte Schüler in der Pandemie zu unterstützen. «Wir brauchen ein großes Programm, damit wir den Kindern und Jugendlichen helfen», sagte Karliczek. «Es geht ja nicht nur um Wissensvermittlung, sondern ganz stark auch um Persönlichkeitsentwicklung und soziales Miteinander.» Hierzu müssten Bund und Länder einen gemeinsamen Rahmen schaffen. «Das darf gern eine große Aktion werden - nach dem Motto: Für eine starke Jugend nach Corona.» Sie sei mit den Ländern im Gespräch, um ein entsprechendes Programm aufzulegen.

Indes bescheinigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur Merkels Impfversprechen ein geringes Vertrauen in der Bevölkerung. Eine große Mehrheit der Deutschen glaubt demnach nicht daran, dass die Bundesregierung wie versprochen jedem Impfwilligen bis zum 21. September eine Corona-Impfung anbieten kann. So erwartet nur etwa jeder Vierte (26 Prozent), dass das Ziel eingehalten wird. 57 Prozent rechnen dagegen nicht damit. 17 Prozent machten keine Angaben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mehrfach angekündigt, bis zum 21. September allen Erwachsenen in Deutschland, die geimpft werden wollen, ein Angebot machen zu wollen.

07.02.2021

Wenig Hoffnung auf schnelle Corona-Lockerungen - aber zu Ostern?

Zu Ostern draußen in der Sonne sitze und speisen? Wirtschaftsminister Altmaier hält das gar nicht für so unwahrscheinlich - trotz Corona. Doch zunächst wird der Lockdown wohl erst einmal weitergehen.

Vor den Beratungen von Bund und Ländern am Mittwoch sind keine großen Lockerungen der Corona-Regeln in Sicht. Mehrere Politiker mahnten am Wochenende angesichts der Ausbreitung von Mutationen des Coronavirus noch einmal zu größter Vorsicht. Nach einer neuen Umfrage ist auch jeder zweite Deutsche gegen eine Lockerung des Lockdowns. Unterdessen haben erste Bundesländer Lieferungen des Corona-Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca erhalten. Damit ist bald ein dritter Impfstoff im Einsatz - neben denen von Biontech/Pfizer und Moderna.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte der «Bild am Sonntag»: «Wir dürfen uns nicht öffentlich mit Lockerungs-Fahrplänen überbieten.» Die Zahl der Neuinfektionen sei derzeit kaum
niedriger als Ende Oktober, als der Lockdown begann. Aber Altmaier versuchte, Hoffnungen zu machen: «Ich hoffe sehr, dass wir spätestens zum Frühlingsanfang, spätestens an Ostern, wenn die Sonne scheint und man draußen sitzen und speisen kann, die Pandemie-Welle endgültig gebrochen haben und Öffnungen möglich sind.» Er plädierte für ein regionales Vorgehen, je nach Höhe der regionalen Infektionszahlen.

Der Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist bislang bis zum 14. Februar befristet. Am Mittwoch wollen der Bund und die Bundesländer bei einer Schalte mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beraten, wie es dann weitergeht.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sind 37 Prozent der Bürger für eine Verlängerung der bisherigen Einschränkungen über den 14. Februar hinaus, weitere 13 Prozent sind sogar für eine Verschärfung. Dagegen sind 30 Prozent für eine Lockerung und 13 Prozent für eine komplette Rückkehr zur Normalität. 7 Prozent machten keine Angaben. Die Akzeptanz der ergriffenen Maßnahmen schwindet aber: Anfang Januar - vor der letzten Verlängerung des Lockdowns - waren noch fast zwei Drittel (65 Prozent) für eine Beibehaltung oder Verschärfung der Maßnahmen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) räumte Fehler im Corona-Krisenmanagement ein. «Der Lockdown light im November war falsch, die Einschränkungen gingen nicht weit genug», sagte er dem «Tagesspiegel am Sonntag». «Von Teilen der Wissenschaft hatten wir die Ansage, dass das genügen könnte. Das war aber ein Irrtum.» Man habe in der Situation unter Druck handeln müssen. «Dabei passieren Fehler, das ist leider so.» Kretschmann schlug eine umfassende Fehleranalyse nach der Pandemie vor. «Wenn sie im Großen und Ganzen vorbei ist, würde ich dem Bundestag empfehlen, umgehend eine Enquete-Kommission einzusetzen, gerne auch schon im Frühsommer.»

Mehrere Verbände und Gewerkschaften fordern Bund und Länder auf, bei ihren Beratungen einen einheitlichen Stufenplan mit verbindlichen Kriterien für Schulöffnungen zu verabschieden. Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Sonntag), es brauche bundesweit einheitliche Kriterien für stufenweise Schulöffnungen. Auch die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, forderte einen bundesweit einheitlichen, verlässlichen Stufenplan. «Mit diesem hätten Länder, Kreise und Städte dann mit Blick auf das Infektionsgeschehen vor Ort die Möglichkeit, flexibel zu agieren. Das föderale Durcheinander muss endlich beendet werden.»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hält eine Öffnung von Schulen vorerst nur in Ausnahmefällen für möglich. Eine flächendeckende Rückkehr zum Präsenzunterricht «dürfte momentan wegen der allgemeinen Infektionslage vermutlich noch verfrüht sein», sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Vielleicht kann mit großer Vorsicht ein erster Schritt gegangen werden.»

Für Kitas und Schulen sind die Bundesländer selbst zuständig. Ein deutschlandweit einheitliches Vorgehen wird zwar immer wieder diskutiert, ist aber wegen der unterschiedlichen Interessen in den Ländern kaum durchsetzbar.

06.02.2021 20.39 Uhr

KMK-Präsidentin Ernst für Lockerungen im Schulbetrieb

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), plädiert in der Corona-Pandemie für Lockerungen für die Schulen. «Wir wünschen uns Lockerungen für den Schulbetrieb. Ob das der 14. Februar, eine oder zwei Wochen später sein wird, ist im Moment ja noch nicht zu sagen», sagte sie im Deutschlandfunk. Der Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie ist bislang bis zum 14. Februar befristet. Am Mittwoch wollen Bund und Länder bei einer Schalte mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beraten, wie es dann weitergeht.

Ernst sagte, ein harter Lockdown sei mit manchen Lernangeboten nicht vereinbar. Eine systematische Unterstützung der Schüler sei aber dringend notwendig. Insbesondere für Grundschüler sehe sie die lange Dauer der Schließung als sehr problematisch an. Um Lernlücken und Rückstände aufzufangen, die durch den Corona-Betrieb entstehen würden, seien die Bundesländer dabei, entsprechende Konzepte zu erarbeiten. «So ein bisschen Osterferienangebot» reiche aber absolut nicht aus, betonte die KMK-Präsidentin.

Für zusätzliche Lernangebote stehe man mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Kontakt, die ihre Unterstützung signalisiert habe. Die KMK erwarte aber mehr vom Bund, «mehr Angebote, mehr Geld, mehr Unterstützung, vor allen Dingen im außerschulischen Bereich, wo der Bund ja tätig sein könne», sagte Ernst.

Virtueller Fachtag zum Distanz-Lernen in Schleswig-Holstein

Auf einer virtuellen Fachtagung haben am Samstag Vertreter von Schulen, Politik, Wissen-, Eltern- und Schülerschaft über Qualitätsstandards für das Distanzlernen diskutiert. «Es geht heute nicht nur darum, die Arbeit der vergangenen Monate zu analysieren. Vor allem wollen wir gemeinsam das Lernen in der Distanz weiterentwickeln», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU), die auch an der Veranstaltung teilnahm, in einer Mitteilung.

Diskutiert wurden zudem die Ergebnisse einer Blitzumfrage, die das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) nach den Distanzlern-Übungstagen am 7. und 8. Januar durchgeführt hatte. Rund 30 000 Befragte, unter denen sich größtenteils Eltern und Schüler befanden, hatten im Zuge der Umfrage von ihren Erfahrungen während der beiden Tage berichtet. Erhoben wurde unter anderem, welche Plattformen genutzt wurden, auf welchem Weg der Lernstoff bereitgestellt wurde und wie Lehrer und Schüler in Kontakt getreten waren.

Eine wissenschaftliche Evaluation des Distanzlernens anhand einer repräsentativen Stichprobe von Schulen soll nun in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik erfolgen.  

Bildungsministerin will besseren Distanzunterricht im Norden

Wegen der Corona-Pandemie bekommen viele Schüler im Norden nur digitalen Unterricht. Mit 250 neuen Stellen will die Regierung für besseres Distanzlernen sorgen. Profitieren sollen alle Schulen, sagt Bildungsministerin Prien. Ein Problem will sie abstellen.

Mit neuen digitalen Konzepten, besserer Technik und 250 zusätzlichen Stellen will Bildungsministerin Karin Prien (CDU) den Distanzunterricht an Schleswig-Holsteins Schulen verbessern. «Eine Lerneinheit über Videokonferenz zum Beispiel ist ja anders aufgebaut als eine Unterrichtsstunde im Klassenraum», sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. Zudem erfordere das Zusammenspiel verschiedener Medien von Lehrern eine andere Unterrichtsplanung.

Zusätzlich will die Jamaika-Koalition 250 Stellen für die Pädagogik beim digitalen Lernen schaffen. Dafür ist aber noch die Zustimmung des Landtags bei der geplanten Verabschiedung des Haushalts Ende Februar nötig. Die genaue Verteilung der neuen Stellen ist noch unklar.

«Ich kann aber versprechen, dass alle Schulen und Schularten von diesen Stellen profitieren werden», sagte Prien. 120 Stellen sollen direkt an die Schulen gehen, um Lehrern Ausgleichsstunden zu ermöglichen. Für Weiterbildung der Lehrer im Bereich Informatik gibt es 40 Stellen und 90 für die Hochschulen sowie das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holsteins (IQSH).

Wegen des bis 14. Februar verlängerten Lockdowns gibt es auch im Norden weiterhin keinen Präsenzunterricht an den Schulen. Eine Ausnahme sind die Abschlussjahrgänge. Wie lange - zumindest teilweise – noch Lernen auf Distanz nötig sei, könne derzeit niemand vorhersagen, sagte die Bildungsministerin. «Vermutlich werden aber besonders gefährdete Schülerinnen und Schüler oder solche, die mit besonders gefährdeten Familienmitgliedern zusammenleben, längerfristig Distanzunterricht benötigen.»

Prien sprach von einem «gewaltigen Transformationsprozess» der Schulen. «Naturwissenschaften, Kunst oder Musik leiden natürlich besonders unter dieser Situation.» Viele Lehrer seien jedoch sehr kreativ und bereiteten beispielsweise kleine Experimentieranleitungen für die Schüler vor oder nutzten dabei Videoschalten. «Internet-Memes wie zum Beispiel das gemeinsame Shantysingen zeigen, wie junge Leute auch über das Netz kollaborativ Musik machen.»

Prien plant bei der Rückkehr der Schüler in die Schulen vorerst mit Wechselunterricht, wobei Klassen geteilt und jeweils im Wechsel per Distanzunterricht oder im Klassenraum betreut werden. Wegen der Corona-Pandemie müssten Distanz–, Wechsel– und Präsenzunterricht mitunter zeitgleich und parallel stattfinden, sagte Prien. «Das bedeutet aber natürlich nicht, dass eine einzelne Lehrkraft dies alles parallel leisten muss.» Je nach Infektionsgeschehen müssten Schulleitungen darauf organisatorisch reagieren.

«Unser Ziel des Unterrichts nach Stundentafel ist nicht gleichbedeutend mit einem parallelen Unterrichtserteilen nach Stundenplan für alle Lerngruppen», sagte Prien. Wechselunterricht erfordere in der Distanzphase mehr eigenverantwortliches Lernen als reiner Distanzunterricht. «Dafür gibt es aber eben auch 50 Prozent Präsenzunterricht im Gegenzug.»

Schüler und Lehrer im Land klagen über technische Probleme bei Videokonferenzen. Ihnen machte Prien Hoffnung. «Die rein technischen Probleme werden nach und nach behoben», sagte sie. «Da gibt es viele Ursachen, sowohl systemseitig als auch bei den Schülerinnen und Schülern vor Ort.» Das landesweite Jitsi-System laufe «sehr stabil». Das Land habe auch den technischen Support ausgebaut.

Um Lernen auf Distanz unter erschwerten Bedingungen sollte es auch am Samstag in einer Online-Fachtagung gehen, zu der rund 150 Schulleiter, Lehrer sowie Eltern- und Schülervertreter und Pädagogik-Experten erwartet wurden. Laut Prien ergab eine Kurzumfrage des IQSH mit mehr als 30 000 Teilnehmern, dass guter Unterricht weniger daran zu messen sei, «wie oft eine Videokonferenz stattgefunden hat». Vielmehr sei wichtig, dass Ziele geklärt und wie Schüler unterstützt werden.

Baldauf hält Wegfall der Pfingstferien für überlegenswert

Der CDU-Spitzenkandidat für die rheinland-pfälzische Landtagswahl, Christian Baldauf, hält es für überlegenswert, die einwöchigen Pfingstferien ausfallen zu lassen, wenn die Schulen am 15. Februar noch nicht wieder aufgemacht werden. «Denn dann ist die Frage, ob es überhaupt möglich ist, anhand der noch zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit den Lernstoff, der vorgesehen ist, zu vermitteln», sagte Baldauf dem «Bonner General-Anzeiger» (Samstag). Auf die Frage, ob über ein «Zwischenschuljahr» nachgedacht werden müsse, das anders gewertet werde, sagte Baldauf, darüber müsse ernsthaft diskutiert werden, sollten die Schulen auch über Mitte Februar hinaus geschlossen bleiben. Die Pfingstferien dauern vom 25. Mai bis zum 2. Juni.

Der CDU-Politiker sagte, er vermisse einen Plan hinter der Schulpolitik der Landesregierung in der Pandemie. Auch das Thema Digitalisierung sei nicht so weit, wie es sein müsse. «Wir brauchen für die Wirtschaft, die Gesundheit, die Bildung und viele andere Politikbereiche eine einheitliche Plattform für das ganze Land, auf der die Software der einzelnen Behörden laufen kann. Das würde auch den Schulen helfen», wird Baldauf zitiert.

Studi-Initiative gibt Nachhilfe für Schüler im Distanzunterricht

Bildungsexperten schlagen seit Wochen Alarm: Im Distanzunterricht verlieren viele Schüler den Anschluss - und zwar gerade dann, wenn die Eltern wenig Unterstützung bieten. Ein deutschlandweites Nachhilfe-Projekt von Studierenden springt deshalb in die Bresche.

Die Anweisungen des Lehrers sind unverständlich, die Eltern am Arbeiten, die Kids ratlos: Eine studentische Initiative greift Kindern und Jugendlichen im Distanzunterricht bundesweit mit kostenloser Online-Nachhilfe unter die Arme. Derzeit stünden rund 1000 halbstündige Slots zur Verfügung, sagte Sebastian Scott der Deutschen Presse-Agentur in München. Er hat seit dem ersten Lockdown gemeinsam mit Freunden an der Online-Plattform www.naklar.io getüftelt, die Schülerinnen und Schüler mit ehrenamtlichen Tutoren zusammenbringt.

«Wir hatten gesehen, dass sehr, sehr viele Schülerinnen und Schüler Unterstützung brauchen und die Eltern nicht immer zur Seite stehen, nicht die Zeit haben oder das auch fachlich nicht können», erläuterte der 23-Jährige. Diese Lücke sollte deshalb von Ehrenamtlichen aufgefangen werden. Inzwischen engagieren sich mehr als 800 Tutoren und betreuten bislang 5500 Fragende individuell in Audio- oder Video-Sitzungen.

Das Konzept hat auch das sächsische Kultusministerium überzeugt, das in einem Pilotprojekt 5000 Session-Gutscheine an hilfebedürftige Schüler verteilen lässt. Sie werden ausschließlich von Lehramtsstudenten betreut, um Wissenslücken möglichst effizient zu schließen.

«Die Schüler gehen einfach auf die Seite, wählen das Fach aus und werden live mit einem Tutor verknüpft, der online ist», erläuterte Scott das Prinzip. «Zu normalen Uhrzeiten ist eigentlich auch immer jemand da, und wenn gerade niemand online ist, kann man sofort einen Termin auswählen. Da herrscht wirklich gerade Wunschkonzert, da kann man sich gleich für den Abend oder den Tag danach einen Termin buchen.»

Die Tutoren, deren Identität zuvor überprüft wird, sind bunt gemischt, von Studierenden über Berufstätige bis zu Rentnern. «Unser Ziel ist es nicht, den Lehrer an der Schule zu ersetzen, sondern die Eltern zu ersetzen, die gerade nicht unterstützen können. Das Fachliche hat deshalb nicht die erste Priorität», erläuterte Scott.

05.02.2021 19.42 Uhr

NRW-Familienminister für rasche Impfung von Lehrern und Erziehern

Kurz vor der ersten Lieferung des neuen Impfstoffs von Astrazeneca hat sich NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) dafür ausgesprochen, Beschäftigen in der Kindertagesbetreuung und in Schulen Vorrang bei der Impfung damit einzuräumen. «Wenn der Impfstoff gerade für unter 65-Jährige geeignet ist, sollte eine schnelle Impfung derjenigen erfolgen, die unsere Kinder bilden und betreuen. So könnte in Schulen, Kitas und Kindertagespflege der Weg zur Normalität erleichtert werden», sagte Stamp dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Freitagausgabe). Eine solche Entscheidung könne schon bei der Videokonferenz am Mittwoch getroffen werden.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) äußerte sich zustimmend: «Kommt es zu einer Änderung der Impfstrategie durch die Bundesregierung, ist eine Priorisierung der Lehrkräfte erstrebenswert und sinnvoll», sagte sie der Zeitung.

Der Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers kann in NRW voraussichtlich ab kommender Woche eingesetzt werden. Die Ständige Impfkommission empfiehlt, diesen Wirkstoff nur Menschen zwischen 18 und 64 Jahren zu verabreichen, weil die Effizienz bei älteren Menschen noch nicht ausreichend belegt sei.

04.02.2021 19.42 Uhr

Gericht sieht keinen Rechtsanspruch auf Präsenzunterricht für Schüler

Schülerinnen und Schüler, die kurz vor einem Abschluss stehen, haben einem Gerichtsbeschluss zufolge aktuell keinen Anspruch auf Präsenzunterricht. Das Thüringer Oberverwaltungsgericht (OVG) wies eine entsprechende Beschwerde eines Schülers zurück, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte.

Angesichts des gewichtigen öffentlichen Interesses an der Bekämpfung der Corona-Pandemie sei es den Schülern von Abschlussklassen zuzumuten, auch bei unbestrittenen technischen Schwierigkeiten via Schulcloud zu lernen. Zumal es gerade für Abschlussklassen ein besonderes Konzept gebe, bei dem das Lernen zuhause mit Präsenzunterricht kombiniert werde.

Hintergrund ist der Fall eines Schülers der zehnten Klasse einer Integrierten Gesamtschule in Jena, der in diesem Schuljahr den Realschulabschluss machen möchte. Er befürchtet laut Gerichtsmitteilung, sich ohne Präsenzunterricht nicht optimal auf die Prüfungen vorbereiten zu können. Daher habe er beantragt, entweder im Präsenzunterricht oder über das Internet in allen Unterrichtsfächern die entsprechenden Lehrplaninhalte beigebracht zu bekommen.

In einer ersten Instanz war er damit bereits gescheitert, auch beim OVG hatte er nun keinen Erfolg. Der zuständige Vierte Senat stellte in seiner Entscheidung fest, dass das in der Thüringer Verfassung festgeschriebene Recht auf Bildung keinen Anspruch auf Präsenzunterricht oder einen Unterricht in einer bestimmten Weise gewähre.

 

Seit Wochen gibt es an Thüringens Schulen wegen der Corona-Pandemie keinen herkömmlichen Unterricht in Klassenräumen. Nur teilweise dürfen bestimmte Schülergruppen zu ihren Lehrern kommen. Ansonsten läuft ein Großteil des Unterrichts über das Internet. Als eines der wichtigsten Instrumente des Landes für den digitalen Unterricht gilt die «Schulcloud». Lehrer können über sie unter anderem Aufgaben hochladen und die Lösungen der Schüler einsehen und kontrollieren. Die Plattform wurde bereits Ziel von Hacker-Angriffen.

Studie: Homeschooling verschärft Bildungsungleichheit

Jeder Tag Distanzunterricht verstärkt die Bildungsungleichheit - bilanziert eine Umfrage der Landeselternkonferenz unter gut 22 000 Müttern und Vätern in NRW. Neben viel Schatten gebe es aber auch Licht.

Mit dem coronabedingten Distanzunterricht verschärft sich einer Erhebung zufolge die Bildungsungleichheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag veröffentlichte Online-Befragung der Landeselternkonferenz NRW von rund 22 000 Müttern und Vätern aus Nordrhein-Westfalen zum Homeschooling. Die Umfrage sei nicht repräsentativ, weil gerade Aussagen von Eltern ohne digitale Ausstattung nicht enthalten seien.

Bei der digitalen Ausstattung sieht die Studie erhebliche Unterschiede unter den Schulformen: Während fast 60 Prozent der Gymnasien ihren Schülern digitale Endgeräte wie Tablets zur Verfügung stellten, seien es bei Grundschulen, Haupt- oder Realschulen nur 30 Prozent, in den Gesamtschulen 44 Prozent.

Positiv sei: Über alle Schulformen hinweg könnten gut zwei Drittel aller Schüler mehrmals pro Woche mit ihren Lehrern sprechen. Aber gut jeder vierte Schüler (27 Prozent) habe seltener als einmal die Woche oder sogar nie Kontakt zum Lehrer. Schüler von Grund-, Förder-, Haupt- und Realschulen benötigen bei den Aufgaben oft besondere Unterstützung, betonte die LEK NRW. Aber etwa ein Drittel der Grundschüler erhalte gar keine pädagogische Unterstützung. Das sei alarmierend. Und ohnehin benachteiligte Schüler mit besonderem Förderbedarf und aus sozial schwachen Familien blieben oft außer Betracht.

In rund drei Viertel der Schulen würden Lernplattformen und Apps eingesetzt. Zusätzliche Online-Angebote gebe es vor allem für die älteren Schüler in der Sekundarstufe II. «Je jünger und unterstützungsbedürftiger die Lernenden sind, desto weniger profitieren sie davon», hieß es zu den Online-Angeboten. Es zeige sich, dass normaler Unterricht verlagert werde auf schriftliche «Hausaufgaben». Das benachteilige grundsätzlich Schüler mit Stärken in mündlicher Leistung. Eltern könnten ihren Kindern daheim zudem unterschiedlich stark unter die Arme greifen. Die große Mehrheit der Mütter und Väter wünsche sich mehr Unterstützung durch die Lehrkräfte.

Dass es mehrheitlich inzwischen ein strukturiertes Angebot für das Distanzlernen gebe, das sich am Stundenplan orientiere, sei erfreulich, meinte der Verband. Gut drei Viertel der Schüler wüssten, was während der Woche auf sie zukommen, etwa 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen hätten einen Stundenplan. Allerdings werden der Umfrage zufolge nur in 34 Prozent der Fälle alle Fächer nach Plan unterrichtet. Distanzunterricht könne Präsenzunterricht nicht ersetzen, bilanaziert die Studie.

Zuvor hatte das ARD-Magazin «Kontraste» vorab aus der Untersuchung zitiert - und wollte darüber am Abend (21.45 Uhr) ausführlich im Ersten berichten. Das TV-Magazin wies auch auf große regionale Unterschiede hin, wie eine deutschlandweite «Kontraste»-Anfrage zur Praxis der Grundschulen ergeben habe. In den acht Ländern NRW, Hamburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Saarland, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz würden Eltern zwar gebeten, ihr Kind nur im Notfall zur Schule zu schicken, sie könnten aber selbst entscheiden. Derzeit besuchten in Hessen rund 20 Prozent der Schüler, in Bremen 65 Prozent die Schulen. Sechs Länder setzen hohe Hürden für die Präsenz von Grundschülern in der Schule.

Niedersachsen kündigt Corona-Schnelltests für Lehrer und Erzieher an

Das Land Niedersachsen will in Kitas und Schulen Corona-Schnelltests für Beschäftigte anbieten. «Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass wir zu einem Testangebot für unsere Lehrkräfte und das Kita-Personal kommen», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Donnerstag). Ab wann es die Tests geben soll, konnte der Minister noch nicht genau sagen. Sein Ministerium werde dazu bald Details bekannt geben. «Wir wollen die Sicherheitsmaßnahmen erhöhen und das individuelle Sicherheitsempfinden unterstützen. Mit Tests können wir hierzu einen wichtigen Beitrag leisten», sagte Tonne.

Lehrerverbände, aber auch Erzieherinnen hatten Tonne zuletzt mehrfach vorgeworfen, zu wenig für den Gesundheitsschutz in Schulen und Kitas zu unternehmen. Die Kitas sind in einem Notbetrieb geöffnet, auch die Abschlussklassen in Niedersachsen haben Unterricht in den Schulen. In den Grundschulen ist es den Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder in den Unterricht schicken oder nicht.

In den Schulen etwa stehe statt der für Büros vorgeschriebenen 10 Quadratmeter pro Person in Klassen nur 3,5 Quadratmeter pro Person bereit, kritisierte der Verband Bildung und Erziehung. Die Gewerkschaft hatte außer kostenlosen Corona-Testmöglichkeiten auch kostenlose FFP2-Masken für alle Schulbeschäftigten gefordert. Außerdem solle das pädagogische Personal in Schulen und Kitas bei den Impfungen stärker bevorzugt werden.

Gewerkschaft fordert bundesweiten Stufenplan für Schulöffnungen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat ihre Forderung nach einem bundesweit einheitlichen Stufenplan für Schulöffnungen in der Corona-Pandemie bekräftigt. Die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe sagte der «Rheinischen Post» (Donnerstag), der Stufenplan müsse vorgeben, bei welchen Inzidenzwerten welche Maßnahmen ergriffen werden sollen.

«Ab einem Inzidenzwert von über 50 Neuinfektionen (pro 100 000 Bürger) in einer Woche in einem Landkreis muss auf Wechselunterricht, ab über 100 auf Fernunterricht umgestellt werden», sagte Tepe. «Richtig ist, Schulen ab einem Inzidenzwert von weniger als 50 Neuinfektionen in einer Woche in einem Landkreis wieder auf die Öffnung vorzubereiten.»

Sie warnte, dass die Akzeptanz der Beschlüsse von Bund und Ländern bei allen Beteiligten an den Schulen sinke, wenn die Länder bei vergleichbaren Inzidenzzahlen unterschiedliche Maßnahmen ergriffen.

03.02.2021 19.42 Uhr

Umfrage zu Distanzlernen offenbart große Probleme

Eine Online-Umfrage unter mehreren Tausend Lehrern, Eltern und Schülern in Mecklenburg-Vorpommern hat den Organisatoren zufolge große Probleme beim Distanzlernen offenbart. Viele Eltern äußerten in der Umfrage Angst um die Zukunft ihrer Kinder, sagte der Vorsitzende des Landeselternrates, Kay Czerwinski, bei der Vorstellung der Ergebnisse am Mittwoch. Es gebe wenig Video-Unterricht und gerade Eltern von Grund- und Förderschülern seien oft überfordert. Eine Mutter habe berichtet, dass ihr Kind nach dem Lockdown in der ersten Klasse jetzt in der zweiten Klasse sei, die Schule erneut zu Hause stattfinde und ihr Kind immer noch nicht schreiben könne.

Die Umfrage von Landeseltern- und Landesschülerrat sowie der Lehrergewerkschaft GEW ist nicht repräsentativ. Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl von fast 13 000 Eltern, gut 9000 Schülern und 1262 Lehrern könne aber davon ausgegangen werden, dass ein glaubhaftes Meinungsbild zur Schule in Zeiten der Pandemie im Land entstanden sei, erklärten die drei Verbände.

Minister will Selbsttests für Lehrer, Kinder und Erzieher im Südwesten

Baden-Württembergs Gesundheitsministerium will Lehrern, Erziehern und Kindern an Schulen und Kitas kostenlos Selbsttests zur Verfügung stellen. Das teilte Minister Manne Lucha am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart mit. «Damit können die Betroffenen bei Symptomen eine Selbsttestung zu Hause vornehmen und bleiben bei positivem Testergebnis der jeweiligen Einrichtung fern», sagte der Grünen-Politiker. Ermöglicht werde der Eigengebrauch von Schnelltests durch eine Anpassung einer Verordnung durch den Bund. Damit sei nun die Umsetzung eines umfassenden Testkonzepts für Schulen und Kindertagesstätten möglich, betonte Lucha. «Nun können wir die geplante Öffnung von Grundschulen und Kindertagesstätten nach dem Faschingsferien mit einer erweiterten Teststrategie begleiten.»

Lucha kündigte an, mit der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Donnerstag darüber diskutieren zu wollen. Die beiden hatten sich zuletzt einen öffentlichen Schlagabtausch über den Umgang mit Kitas und Grundschulen und die Teststrategie geliefert.

Lehrerverbands-Präsident für Wechselunterricht ab Inzidenz von 50

Nach der weiter ausstehenden Entscheidung zur Öffnung der Schulen hat sich Lehrerverbands-Chef Heinz-Peter Meidinger für eine Rückkehr abhängig von der Inzidenzzahl stark gemacht. «Der Kultusminister müsste klar sagen: Bei einer Inzidenzzahl von 50 gehen wir in den Wechselunterricht, darüber bleiben die Schulen im Distanzunterricht», sagte Meidinger der «Augsburger Allgemeinen» (Mittwoch). Dann gebe es zwar bayernweit einen Flickenteppich. Der sei aber gerechtfertigt und für die Schulen nachvollziehbar.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte am Dienstag angekündigt, dass Entscheidungen zur möglichen Öffnung der Schulen ab dem 15. Februar erst kommende Woche relativ kurzfristig gefällt würden. Man müsse dazu die weitere Entwicklung der Corona-Zahlen abwarten, hieß es.

02.02.2021 20.46 Uhr

Eisenmann begrüßt Giffeys Vorstoß - Aber Zweifel an Umsetzbarkeit

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat den Vorstoß von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) für eine «Kita-Ampel» grundsätzlich begrüßt. Allerdings müsse die Regelung für eine Öffnung der Kitas unter Corona-Bedingungen auch in der Praxis umsetzbar sein, sagte eine Sprecherin Eisenmanns in Stuttgart. «Die Wiedereröffnung von Kindertageseinrichtungen, Einrichtungen der Kindertagespflege sowie Grundschulen hat höchste Priorität für uns», sagte sie. Von daher sei es gut, dass Giffey einen «Diskussionsbeitrag» in diese Richtung eingebracht habe.

Eisenmann wirbt seit Wochen dafür, Kitas und Grundschulen müssten bei Lockerungen des Lockdowns einen Sonderstatus erhalten. Zuletzt war im Südwesten eine vorzeitig geplante Öffnung wegen des Auftretens einer Corona-Mutation in einer Freiburger Kita gestoppt worden.

Die Länder müssten Giffeys Vorschlag für den Kita-Betrieb in Corona-Zeiten nun vor der Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche diskutieren, erklärte Eisenmanns Sprecherin, wandte aber ein: «Wichtig ist dabei, dass sich entsprechende Lösungen von den Einrichtungen und Trägern in der Praxis gut umsetzen lassen und genügend Spielräume für die Träger, Kommunen und Einrichtungen eingeräumt werden.»

Die Jugend- und Familienminister von Bund und Ländern hatten am Montag über Giffeys Vorschläge beraten, ohne aber einen Beschluss zu fassen. Die SPD-Politikerin hatte ein Drei-Stufen-System angeregt, das sich an der Anzahl der infizierten Personen in der Einrichtung und der Anzahl der Kinder und Beschäftigten in Quarantäne ausrichtet. Es gab aber auch Kritik aus den Ländern, zum Beispiel sei nicht klar, wer die Einstufungen vornehmen solle. Andere monierten, Giffeys Vorschlag sei praxisfern.

01.02.2021 20.03 Uhr

Attacke auf Thüringer Schulportal - Schulcloud nicht erreichbar

Thüringens Schüler können nach den Winterferien nicht auf ihr Schulportal im Internet zugreifen. Das ist unter der Last automatisierter Anfragen zusammengebrochen. Die Opposition nutzt die Gelegenheit für scharfe Kritik am Bildungsminister.

Das Thüringer Internet-Schulportal ist am Montag erneut massiv attackiert worden. Es sei einer sogenannten DDoS-Attacke ausgesetzt gewesen, teilten das Bildungsministerium und das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien als Betreiber mit. Dabei wird versucht, Computersysteme durch eine extrem hohe Anfrageanzahl zu verlangsamen oder sogar zum Absturz zu bringen. Die Schüler konnten sich am ersten Schultag nach den Winterferien deshalb nicht in die Thüringer Schulcloud einwählen. Bereits vor drei Wochen war diese schon einmal angegriffen worden.

Der erneute Angriff erfolgte von mehreren automatischen Netzen, die den Angaben zufolge auf Serverstandorte in Singapur zurückzuführen waren. Die von dort in sehr kurzer Zeit erzeugten Anfragen hätten auf das System gewirkt, als würde ein Vielfaches der normalen Nutzerzahl gleichzeitig zugreifen. Die Analyse ergab, dass im Zeitraum zwischen 7.30 Uhr und 11.00 Uhr etwa 200 000 «normale» Nutzeranfragen an die Server erfolgten, gleichzeitig aber zusätzlich millionenfach weitere Anfragen über die automatisierten Netze kamen.

Der Angriff richtete sich nach ersten Erkenntnissen des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien nur gegen Thüringen. Ein bewusster Zusammenhang der Attacke zum Wiederbeginn des Distanzunterrichts nach den Ferien könne daher nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) nannte den Angriff einen kriminellen Akt gegen Kinder und Jugendliche.

«Wenn Du aus den Ferien wiederkommst und Du kannst die Schulcloud immer noch nicht nutzen, ist das zutiefst frustrierend für Schüler, Eltern und Lehrer», sagte der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Mario Voigt. Er nannte die neuerlichen Probleme der Thüringer Schulcloud einen «Offenbarungseid» von Bildungsminister Holter. Es fehle der Cloud weiterhin an Belastbarkeit, Verlässlichkeit und Nutzerfreundlichkeit, stellte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, fest. «Sie wird den Anforderungen an modernen und digitalen Unterricht nicht gerecht.»

«Die noch immer anhaltenden Probleme mit der Cloud dürfen wir nicht länger hinnehmen», erklärte auch Franziska Baum, bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Landtag. Es sei mehr als überfällig, «dass der Bildungsminister alle Register zieht, um Schülern und Lehrkräften endlich einen zuverlässigen Distanzunterricht zu ermöglichen». Es müssten auch Alternativen zur derzeitigen Schulcloud geprüft werden.

Computer für Lehrer: Südwesten erhält Förderung von 65 Millionen Euro

Für die Anschaffung von Lehrerlaptops erhält das Land Baden-Württemberg vom Bund eine Finanzspritze von 65 Millionen Euro. «Wir geben die Mittel unkompliziert und ohne Antragsverfahren an die Schulträger weiter, damit die Lehrerinnen und Lehrer möglichst schnell ausgestattet werden können», kündigte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Montag an. Insgesamt stellt Berlin 500 Millionen Euro für die Ausstattung der Schulen in Deutschland mit Lehrerlaptops zur Verfügung.

Eine rasche Umsetzung im Südwesten sei möglich, da nötige Schritte mit den Spitzenverbänden der Schulträger und dem Finanzministerium abgestimmt worden seien. Ähnlich habe das Land bereits bei der Ausstattung der Schüler mit Computern auf ein unkompliziertes Verfahren gesetzt. So sei im vergangenen Jahr das Geld schnell bei den Schulträgern angekommen.

«Damit bringen wir die digitale Bildung an unseren Schulen im Land entscheidend voran», lobte der Präsident des Landkreistags, Joachim Walter (CDU) am Montag. Die kommunale Seite sei bei der Abstimmung zur landesrechtlichen Umsetzung eng eingebunden gewesen, heißt es weiterhin vom Landrat des Kreises Tübingen in einer Mitteilung.

Zwei Drittel der Schüler in Abschlussklassen im Präsenzunterricht

Fast ein Drittel aller Grundschüler in Mecklenburg-Vorpommern geht derzeit zur Schule, obwohl die Eltern gebeten sind, ihre Kinder zu Hause zu betreuen und in drei Landkreisen sogar nur eine Notbetreuung angeboten wird. Am höchsten war der Anteil am Montag in der Stadt Rostock. Dort wurden 43,7 Prozent aller Erst- bis Viertklässler von ihren Eltern zur Schule geschickt, wie aus Daten des Bildungsministeriums hervorgeht. Im Landkreis Rostock waren es 38,9 Prozent. In der Region sind die Corona-Infektionszahlen landesweit am niedrigsten. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt in Stadt und Landkreis Rostock derzeit unter dem Warnwert von 50. Trotzdem ist dort wie im ganzen Land die Präsenzpflicht für die Schulen aufgehoben.

In den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald und Ludwigslust-Parchim dürfen Kinder bis Klasse sechs wegen hoher Infektionszahlen nur dann zur Schule gehen, wenn ihre Eltern in einem systemrelevanten Beruf arbeiten. Dort ist der Anteil der Grundschüler im Präsenzunterricht auch am geringsten: An der Seenplatte waren es am Montag den Angaben zufolge 22 Prozent, in Vorpommern-Greifswald 23,4 Prozent und in Ludwigslust-Parchim 25,5 Prozent.

Landesweit waren am Montag 31 Prozent der Grundschüler und 13,9 Prozent der Fünft- und Sechstklässler in den Schulen. Ab Klasse sieben müssen alle zu Hause lernen. Nur für die Abschlussklassen wird Präsenzunterricht angeboten. Dies nahmen laut Ministerium am Montag 67,7 Prozent wahr. Damit bewegen sich die Zahlen auf dem Niveau der Vorwochen.

Unterrichtsversorgung an Schulen hat sich leicht verschlechtert

Trotz der Einstellung hunderter zusätzlicher Lehrer hat sich die Unterrichtsversorgung leicht verschlechtert. Das Ministerium verweist auf gleichzeitig steigende Schülerzahlen. Die GEW und die Opposition kritisieren, dass bestimmte Schulformen besonders betroffen sind.

Die Unterrichtsversorgung an Niedersachsens Schulen hat sich in diesem Schuljahr im Vergleich zum vergangenen Jahr statistisch gesehen leicht verschlechtert. Der Wert sank für alle Schulformen zusammengerechnet auf 99 Prozent nach 99,6 Prozent im vorangegangenen Schuljahr, wie das Kultusministerium in Hannover am Montag mitteilte. Am besten bleibt die Unterrichtsversorgung an den Grundschulen (101,5 Prozent), gefolgt von Gymnasien (100,2 Prozent), Gesamtschulen (98,9 Prozent) und Realschulen (98 Prozent). Schlusslichter sind Oberschulen (96,1 Prozent), Hauptschulen (93,7 Prozent) und Förderschulen (93,2 Prozent.)

Die Statistik gibt wieder, ob an den jeweiligen Schulen für die errechnete Zahl an Unterrichtsstunden auch genügend Lehrerinnen und Lehrer vorhanden sind. Werte von über 100 Prozent ergeben sich, wenn über das Pflichtangebot hinaus Lehrer für weitere Angebote oder etwa Vertretungsstunden zur Verfügung stehen. Die Statistik erfasst nicht, ob wegen Krankheitsfällen Unterricht ausfällt oder wegen der aktuellen Corona-Krise Unterricht in digitalem Format oder teils gar nicht stattfindet.

Das Ministerium begründete den leichten Rückgang bei der Unterrichtsversorgung mit einer Zunahme der Schülerzahlen sowie der Zusatzstunden, mit denen Lehrer besondere schulische Aufgaben wahrnehmen, etwa die Sprachförderung. Vor diesem Hintergrund sei die Unterrichtsversorgung zufriedenstellend. Zum wiederholten Mal hätten mehr Lehrer neu eingestellt werden können, als dass Lehrer zumeist durch Pensionierung ausschieden. 2352 ausscheidenden Lehrern hätten 3242 Neueinstellungen gegenübergestanden. Im Einstellungsverfahren für das in dieser Woche beginnende zweite Schulhalbjahr hätten bereits über 83 Prozent der ausgeschriebenen Stellen besetzt werden können.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete die Versorgung als unzureichend. Erst ab rund 105 Prozent werde die Stundentafel zumindest theoretisch abgedeckt, weil dann ein Puffer für Krankheits- oder Elternzeit möglich wäre, sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. «In den meisten Schulen bleibt die mangelhafte Unterrichtsversorgung traurige Realität.» Besonders dramatisch sei die Lage an Förder- und Hauptschulen.

Auch der Bildungsexperte der FDP im Landtag, Björn Försterling, stellte dem Kultusministerium ein schlechtes Zeugnis aus. «Der Kultusminister bekommt die Unterrichtsversorgung nach wie vor nicht in den Griff.» Dabei erschwere die mangelnde Lehrkräftereserve auch das Unterrichten während der Corona-Epidemie enorm. «Besonders schmerzhaft ist, dass dort, wo Lehrer für den Bildungserfolg ihrer Schüler besonders benötigt werden - zum Beispiel an den Haupt- und Förderschulen - die Unterrichtsversorgung noch deutlicher hinter den Anforderungen zurückbleibt als ohnehin schon.»

Heftige Kritik an Wechselunterricht für Abschlussklassen

Die einen lernen in der Schule, die anderen von zu Hause aus - von der bayerischen Regelung für Abschlussklassen halten Lehrerverbände gar nichts. Für sie ist es ein Weg, der geradewegs ins Chaos führt und alle Beteiligten verunsichert.

Die Rückkehr von Abschlussklassen an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen in den Wechselunterricht wird von Lehrern und Schülern in Bayern zum Teil heftig kritisiert. Inmitten eines strengen Lockdowns mit Ausgangssperre müssten Schüler und Lehrer in die Schule und seien deshalb oft verunsichert und verärgert. «Diese Sorgen und Ängste beeinträchtigen natürlich auch den Unterricht. Viele Lehrer und Schüler fühlen sich momentan als Versuchskaninchen für die im Raum stehende bayernweite Schulöffnung ab Mitte Februar», sagte am Montag Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (bpv) in München.

Verbände sowie viele Eltern und Schüler halten den Wechselunterricht momentan für die schlechteste Variante. Trotz Stress und hohen Aufwands laufe es mit dem Distanzunterricht etwa per Videokonferenz seit einigen Wochen besser als gedacht. «Doch nun werden halbe Kurse in die Schulen geholt, was die Lehrkräfte dann dort bindet. Dies geht auch zulasten anderer Klassen», befürchtet etwa der bpv. Ähnlich äußerte sich die Landeselternvereinigung. Wechselunterricht sei nicht nur die organisatorisch schwierigste und anstrengendste Variante, sondern auch weniger effektiv als gut strukturierter Unterricht aus der Distanz.

Experten befürchten, dass nun der Videounterricht für Kinder und Jugendliche, die von zu Hause aus lernen, öfter ausfallen könnte. «Vielerorts müssen Lehrkräfte erst nach Hause fahren, um eine gute, stabile Internetverbindung zu haben», schreibt etwa die Bayerische Direktorenvereinigung BayDV. «Eine Mischung aus Wechselunterricht für die einen und gleichzeitig Distanzunterricht für die anderen ist praktisch nicht möglich und erzeugt Verunsicherung und im schlimmsten Fall Chaos», kritisierte der Landesvorsitzende Walter Baier.

Der bpv fordert einheitliche Lösungen für Zwölftklässler und andere Abschlussklassen: «Entweder bleiben wir im Distanzunterricht oder wir können es pandemisch zulassen, die ganze Q12 reinzuholen», sagte Schwägerl. Klausuren könnten die Jugendlichen seiner Ansicht nach trotzdem schreiben - in ausreichend großen Räumen in der Schule und unter guten Infektionsschutzbedingungen. Dafür müsse man Regelungen treffen.

Mit Blick auf eine Ausweitung des Präsenzunterrichts fordern die Verbände etwa eine flächendeckende Teststrategie an Schulen oder bessere Schutzmasken. «Nur mit deutlich erhöhtem Gesundheitsschutz ist aus unserer Sicht momentan an Präsenzunterricht in den Schulen zu denken», sagte Schwägerl.

Seit Montag dürfen in Bayern Abschlussklassen an Gymnasien, Fachoberschulen (FOS) und Berufsoberschulen (BOS) in den Wechselunterricht. Schriftliche Leistungsnachweise sind in voller Klassen- und Kursstärke möglich, wenn im Prüfungsraum ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

Distanzunterricht in Schulräumen wieder möglich

An den Schulen gibt es zum 1. Februar eine Neuerung in NRW. Schüler können zum Distanzunterricht in die Klassenzimmer - wenn sie zuhause nicht lernen können und ihre Schulen das anbieten.

Von diesem Montag können Schüler aller Klassen von Stufe 1 bis 13 grundsätzlich auch in den Schulen am Distanzunterricht teilnehmen, wenn sie zu Hause nicht das Umfeld dafür haben. Die Unterstützung können die jeweiligen Schulen anbieten. Ein zusätzlicher Präsenzunterricht ist in der Schule nicht geplant.

Bei der Maßnahme handele sich um eine sinnvolle Erweiterung der Betreuungsregelung, sagte der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Stefan Behlau der Deutschen Presse-Agentur. «Es werden Angebote für Schüler gemacht, die zuhause das Distanzlernen nicht bewältigen können.» So könne Schülern und Schülerinnen in «schwierigen Lagen» geholfen werden.

Grundsätzlich begrüßte auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die neue Möglichkeit. «Gleichwohl ist oftmals schon die Grenze dessen erreicht, was Schulen derzeit leisten können, weil das Personal fehlt und die Arbeitsbelastung sehr hoch ist», sagte die Landesvorsitzende Maike Finnern. Schulen müssten die Möglichkeit erhalten, mit zusätzlichem Personal zu arbeiten. Zudem könnte es je nach Ausstattung der jeweiligen Schule laut GEW bei den technischen Voraussetzungen Engpässe geben, zum Beispiel wenn die Schüler keine Laptops hätten.

Den Schritt hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag im Landtag angekündigt. Zudem ging eine entsprechende Mail an die Schulen in Nordrhein-Westfalen. Bisher standen im Corona-Lockdown die Schulen nur für Notbetreuungen von Schülern der Klasse 1 bis 6 offen. Jetzt können zusätzlich die Schulen die Betreuung auch ab Klasse 7 anbieten. Die Teilnahme an dem erweiterten Angebot wird den Eltern oder volljährigen Schülern durch die Schulleitung unterbreitet. Die Teilnahme ist freiwillig. Das Angebot könne nicht von den Eltern selbst initiiert werden, heißt es in der Schulmail.

Allgemein wird der Distanzunterricht in NRW mindestens bis 12. Februar fortgesetzt. In dieser Zeit sollten grundsätzlich keine Klassenarbeiten und Klausuren geschrieben werden.

Zurück auf die Schulbank - Erste Schüler kehren in die Klassen zurück

Fast sieben Wochen nach der coronabedingten Schließung aller Schulen kehren an diesem Montag die ersten Schüler zum Lernen an Bayerns Schulen zurück. Am 1. Februar starten die Abschlussklassen an Gymnasien sowie Fachoberschulen (FOS) und Berufsoberschulen (BOS) mit dem Wechselunterricht. Nach Angaben des Kultusministeriums gehören dazu auch Mädchen und Jungen anderer Schulformen, die vor der Abitur- beziehungsweise Fachabiturprüfung stehen - etwa an den Abendgymnasien.

Dazu zählen auch diejenigen in den beruflichen Schulen, bei denen noch vor Ostern die Abschluss- oder Kammerprüfungen anstehen. Allerdings ist für die Betroffenen Wechselunterricht angeordnet - sprich: Mal lernen am heimischen Schreibtisch, mal im Klassenzimmer.

Weil die Prüfungen der Abschlussklassen bei den Mittelschulen, Realschulen und Wirtschaftsschulen später beginnen als beispielsweise die der Gymnasien, dürfen deren Schüler noch nicht zurück in die Schule.

Eigentlich sollten Bayerns Schulen mindestens bis zum 14. Februar geschlossen bleiben. Weil die Coronavirus-Neuinfektionen aber stetig zurückgehen, beginnt nun für die ersten Jugendlichen wieder der Präsenzunterricht. Dies sind rund 2,3 Prozent der Schüler im Land. Für die Rückkehrer gelten die Abstandsregeln und eine Maskenpflicht auch im Klassenzimmer.

Möglichst viele der übrigen Klassenstufen sollen nach aktuellem Stand von Mitte Februar an wieder Unterricht im Schulhaus haben.

31.01.2021 16.36 Uhr

Giffey schlägt Corona-Ampel für Kita-Öffnungen vor

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat ein Ampel-Modell für eine zügige Öffnung der Kitas vorgeschlagen. Nach dem 14. Februar müsse es «echte Öffnungsperspektiven bei Kitas und Schulen» geben, sagte die SPD-Politikerin der «Bild am Sonntag». «Unser Vorschlag ist eine Kita-Ampel, bei der erst mal die Situation in den einzelnen Kitas den Ausschlag gibt.» Somit «könnten wir einen Großteil der Kitas wieder öffnen und gleichzeitig sehr verantwortungsvoll und gezielt anhand des Infektionsgeschehens in den einzelnen Kitas reagieren», betonte die Ministerin.

Ausschlaggebend sollen drei Kriterien sein: die Anzahl der infizierten Personen, die Anzahl der Kinder in Quarantäne und die Anzahl der Erzieher in Quarantäne. «Ist niemand infiziert und weniger als zehn Prozent der Kinder und des Personals in Quarantäne, steht die Ampel auf Grün», sagte Giffey. Dann könne eine Kita den Regelbetrieb wieder aufnehmen.

«Auf Gelb schaltet die Ampel, wenn eine Person infiziert und eine Kindergartengruppe oder maximal ein Viertel des Personals in Quarantäne sind», sagte Giffey weiter. In diesem Fall gebe es eingeschränkten Regelbetrieb, etwa für weniger Stunden. Die rote Stufe werde erreicht, wenn zwei Personen an Corona erkrankt und mehr als 25 Prozent des Personals oder mehr als einer Kindergruppe in Quarantäne sind. Dann werde die Einrichtung geschlossen und nur Notbetreuung gewährt.

Nicht gelten solle die Ampel in Gebieten mit einer mehr als 200 Neuinfektionen binnen einer Woche auf 100 000 Einwohner, oder wenn sich eine Corona-Mutation aggressiv ausbreitet. Dann könne es in allen Kitas nur die Notbetreuung geben. Ihren Plan will sie in der kommenden Woche mit den Länderkollegen beraten.

Die bayerische Familienministerin, Carolina Trautner, kritisierte den Vorstoß. «Im Rahmen der letzten gemeinsamen Beratungen der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) unter bayerischem Vorsitz, an denen Bundesministerin Franziska Giffey als Gast teilnahm, bestand Einigkeit unter den Ländern, dass ein bundesweiter Stufenplan weder notwendig noch sinnvoll ist», sagte die CSU-Politikerin am Sonntag. Eine solche Vorgabe werde dem unterschiedlichen Infektionsgeschehen und der vielfältigen Kita-Landschaft in Deutschland nicht gerecht. «Die Länder haben bei der Kinderbetreuung unterschiedliche Ansätze, über die wir uns morgen in der JFMK erneut intensiv austauschen werden», sagte Trautner.

Berlins Schulen öffnen nach den Ferien noch nicht gleich wieder

Berlins Schulen bleiben auch nach den Winterferien wie geplant geschlossen. Voraussichtlich in der zweiten Februarwoche werde der Senat darüber beraten, ob und wann es möglich ist, wieder Unterricht in größerem Umfang in den Schulen zu ermöglichen, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung.

In Berlin beginnen am Montag für gut 360 000 Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen die Winterferien. Erster Schultag danach ist der 8. Februar. In der ersten Woche nach Ferienende bleibt die Präsenzpflicht laut der Bildungsverwaltung aufgehoben, es gibt schulisch angeleitetes Lernen zu Hause wie bisher während des Lockdowns. Für die Abschlussklassen ist Wechselunterricht möglich, also ein Mix aus digitalem Lernen und Unterricht in Kleingruppen in der Schule.

Der Lockdown in Berlin ist nach einer Entscheidung des Senats bis zum 14. Februar befristet. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller hatte nach dem Senatsbeschluss gesagt, er gehe davon aus, dass man frühestens ab dem 8. Februar darüber diskutieren könne, ob und wie ein schrittweiser Einstieg in den Präsenzbetrieb an den Schulen möglich sei.

Halbjahreszeugnisse gab es vor Ferienbeginn anders als sonst wegen der Corona-Pandemie nur in Ausnahmefällen. Informationen dazu, wie und wann die Schülerinnen und Schüler die Zeugnisse bekommen, gebe es von den Schulen, so der Sprecher der Bildungsverwaltung. Berlinweite Vorschriften dazu mache der Senat nicht. So könnten die Zeugnisse zum Beispiel zu einem festen Zeitpunkt auf dem Schulhof ausgegeben werden.

Außerdem gibt es dem Sprecher zufolge für Schülerinnen und Schüler in den Ferien das Angebot, an einer sogenannten Winterschule teilzunehmen. Dort können sie Rückstände aufholen, die möglicherweise entstanden sind, weil es in den zurückliegenden Wochen keinen Unterricht in den Schulen gegeben hat. Die Teilnahme ist kostenlos, es geht vor allem um die Fächer Deutsch und Mathematik. Das Angebot kommt der Bildungsverwaltung zufolge vor allem für Kinder und Jugendliche der Jahrgangsstufen 2, 9 und 10 infrage.

Vorgezogene Winterferien für 491 000 Schüler in Sachsen

Für rund 491 000 Schülerinnen und Schüler beginnen am Montag die vorgezogenen Winterferien. Wegen der Corona-Pandemie hatte das Land Sachsen entschieden, die Ferien um eine Woche nach vorn zu schieben. Statt wie sonst zwei gibt es dieses Jahr nur eine Woche Ferien im Februar, die andere Woche soll Ostern nachgeholt werden.

Auch bei den Zeugnissen ist diesmal alles anders. Die Halbjahresinformationen sollen laut Kultusministerium am 10. Februar erstellt und dann «zeitnah» ausgegeben werden. Wann die Schülerinnen und Schüler sie tatsächlich in den Händen halten werden, hängt aber vom Corona-Lockdown ab.

Spätestens übernächste Woche soll die Entscheidung getroffen werden, wie es mit Schulen und Kitas in Sachsen weitergeht. Bis zum 15. Februar sind sie weitgehend geschlossen. Die weitere Entwicklung sei abhängig von den Infektionszahlen, hatte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) erklärt.

Auch die Bildungsempfehlungen für die weiterführenden Schulen sollen am 10. Februar erteilt werden. Laut Ministerium werden die Schulen die Eltern informieren, auf welchem Weg die Empfehlungen zeitnah ausgegeben werden. Etwas Eile ist geboten, denn die Anmeldungen für den weiteren Schulbesuch müssen bis zum 26. Februar erledigt werden.

Bei der Verschiebung der Winterferien hatte es Diskussionen gegeben, was mit Familien sei, die für den eigentlichen Termin Urlaubspläne geschmiedet hatten. Ob Eltern tatsächlich Freistellungen beantragt haben, konnte das Ministerium nicht sagen. Dafür gebe es keine Erfassung. Man gehe aber davon aus, dass das derzeit kaum eine Rolle spiele, da die Schulen - von den Abschlussjahrgängen abgesehen - ja ohnehin noch geschlossen sind.

Schulen kämpfen mit Schülerstreichen im Digitalunterricht

Mit lauter Musik Videokonferenzen sprengen oder den Lehrer einfach stummschalten: Auch der digitale Unterricht im Corona-Lockdown bietet Schülern Möglichkeiten für Störmanöver und Streiche. Lehrerverbände, Schülervertreter und Schulleitungen berichten auch von grenzüberschreitenden Aktionen, die deshalb ihnen Sorge machen, weil sie Persönlichkeitsrechte verletzen.

Ein Experten zufolge bundesweit auftretendes Phänomen sind dabei gezielte Attacken von Unbekannten auf nicht ausreichend geschützte Online-Konferenzen im Distanzunterricht. Im Videoportal Tiktok gebe es eine Vielzahl von Accounts, in denen Nutzer anbieten, nach Herausgabe von Zugangslinks und etwaigen Passwörtern, Digitalunterrricht zu torpedieren, wie Günter Steppich, hessischer Fachberater für Jugendmedienschutz der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Auch Schulen in Nordrhein-Westfalen berichteten zuletzt häufiger über solche Aktionen. So stoppte ein Gymnasium in Wegberg zeitweise seine Videokonferenzen, nachdem Handyfilme der verdatterten Reaktion der Lehrer auf einen solchen akustischen Angriff in den Sozialen Medien gelandet waren und dort für Häme sorgten. Für ihre Kollegen sei das eine «in höchstem Maße verstörende Erfahrung» gewesen, berichtete die Schulleiterin Maj Kuchenbecker vom Maximilian-Kolbe-Gymnasium.

«Schulstreiche gibt es, solange es Schulen gibt. Aber es gibt natürlich Grenzen», teilte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf Anfrage mit. Ihr Appell für den «Distanzunterricht in dieser schwierigen Pandemiezeit»: «Mit schützenswerten persönlichen Daten darf kein Unfug getrieben werden. Persönlichkeitsrechte sind gerade bei Videokonferenzen zu beachten.» Auch der virtuelle Klassenraum sei ein geschützter Raum, mahnte Gebauer.

30.01.2021 23.27 Uhr

Präsenzunterricht für Abschlussklässler im bayerischen Handwerk

Zur Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfungen kehren bayerische Auszubildende in Handwerksberufen ab Montag in den Präsenzunterricht zurück. «Handwerker werden an der Werkbank ausgebildet», sagte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) in München. Distanzunterricht funktioniere hier nicht. «Es wäre schmerzhaft gewesen, wenn durch mangelnde Prüfungsvorbereitungen Auszubildende ihren Abschluss nicht geschafft hätten», sagte Aiwanger.

Neben 19 000 Auszubildenden im bayerischen Handwerk betrifft die Regelung auch Abschlussklässler in Berufen der Industrie- und Handelskammer. Abschlussklassen an Gymnasien sowie Fach- und Berufsoberschulen im Freistaat starten ab Montag in den Wechselunterricht.

CDU-Bildungspolitiker: Oberschulen wohl bis Ende Februar geschlossen

Die CDU im Abgeordnetenhaus rechnet damit, dass die Oberschulen in Berlin in der Corona-Pandemie bis Ende Februar geschlossen bleiben. «Es gibt keinen Grund zur Entspannung. Und es gibt auch keinen Grund zu glauben, dass unsere Kinder weniger Träger der Infektion seien als Erwachsene», sagte der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Dirk Stettner, am Samstag im RBB-Inforadio. Er verwies auf eine entsprechende Studie aus Bremen. In Berlin und Brandenburg sind bis zum 6. Februar Winterferien.

Bei den Grundschulen könne geprüft werden, ob diese ab Mitte Februar wieder geöffnet werden können, sagte Stettner. Gleichzeitig müsse aber für passende Bedingungen gesorgt werden: etwa durch Luftfilteranlagen und die Organisation von zusätzlichem Platz. Wichtig sei, dass der Senat frühzeitig kommuniziere, damit Schulen und Eltern planen könnten. Die momentane Entwicklung der Corona-Infektionszahlen sei zwar sehr erfreulich. Es müsse aber sichergestellt werden, dass nicht zu schnell gelockert werde.

Diese Woche war bekannt geworden, dass sich für die Berliner Abiturienten vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Prüfungstermine nach hinten verschieben. Die erste schriftliche Prüfung beginnt statt am 12. erst am 21. April, wie die Senatsverwaltung für Bildung am Mittwoch mitteilte.Die CDU im Abgeordnetenhaus rechnet damit, dass die Oberschulen in Berlin in der Corona-Pandemie bis Ende Februar geschlossen bleiben. «Es gibt keinen Grund zur Entspannung. Und es gibt auch keinen Grund zu glauben, dass unsere Kinder weniger Träger der Infektion seien als Erwachsene», sagte der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Dirk Stettner, am Samstag im RBB-Inforadio. Er verwies auf eine entsprechende Studie aus Bremen. In Berlin und Brandenburg sind bis zum 6. Februar Winterferien.

Bei den Grundschulen könne geprüft werden, ob diese ab Mitte Februar wieder geöffnet werden können, sagte Stettner. Gleichzeitig müsse aber für passende Bedingungen gesorgt werden: etwa durch Luftfilteranlagen und die Organisation von zusätzlichem Platz. Wichtig sei, dass der Senat frühzeitig kommuniziere, damit Schulen und Eltern planen könnten. Die momentane Entwicklung der Corona-Infektionszahlen sei zwar sehr erfreulich. Es müsse aber sichergestellt werden, dass nicht zu schnell gelockert werde.

Diese Woche war bekannt geworden, dass sich für die Berliner Abiturienten vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Prüfungstermine nach hinten verschieben. Die erste schriftliche Prüfung beginnt statt am 12. erst am 21. April, wie die Senatsverwaltung für Bildung am Mittwoch mitteilte.

Zeugnisferien und Schnee im Harz - Appell: Bleiben Sie zu Hause

Wegen der malerischen Winterlandschaft machen sich in den Zeugnisferien normalerweise Tausende Besucher auf den Weg in den Oberharz. «Diesmal keine gute Idee», warnen Verwaltungen und Tourismusverband mit Blick auf die Corona-Pandemie.

Angesichts des Winterwetters stellt sich die Harzregion in Niedersachsen an diesem Wochenende erneut auf viele Schnee-Ausflügler ein. Polizei und Ordnungskräfte kündigten an, an besonders beliebten Orten im Oberharz verstärkt die Einhaltung der Corona-Regeln zu kontrollieren. Der Landkreis Goslar verwies mit Blick auf die Winter- beziehungsweise Zeugnisferien darauf, dass die Vermietung von Ferienwohnungen verboten sei.

Landrat Thomas Brych (SPD) mahnte die Menschen, auf Besuche zu verzichten. «Der Lockdown hat weiterhin Bestand, es gibt keinerlei Lockerungen und die Situation ist dieselbe wie vor drei Wochen. Deshalb ergeht weiterhin unsere gemeinsame Bitte, bleiben Sie zu Hause.»

Der Harzer Tourismusverband erneuerte seinen Appell, «einen Ausflug in den Harz genau abzuwägen und verantwortlich zu handeln». Die Frage sei, ob es ein paar wenige Stunden im Schnee wert seien, eine mitunter stundenlange Anreise, kilometerlange Staus vor Ort und eine nahezu aussichtslose Parkplatzsuche auf sich zu nehmen.

«Für Hotel- und Gastronomiebetriebe ist die Lage natürlich ausgesprochen bitter», sagte Verbandssprecherin Christin Wohlgemuth. Der letzte Winter seien sehr mild gewesen. «Diesmal haben wir die beste natürliche Schneedecke, aber die Betriebe sind geschlossen.» Das Zeugnisferien-Wochenende gilt traditionell als eines der Wochenenden mit dem größten Besucherandrang im Mittelgebirge.

29.01.2021 20.10 Uhr

Verfassungsgerichtshof lehnt Rückkehr zum Präsenzunterricht ab

Der nordrhein-westfälische Verfassungsgerichtshof hat am Freitag Anträge auf eine Rückkehr zum Präsenzunterricht an Grundschulen abgelehnt. Die Antragsteller - vier Schülerinnen und Schüler aus Düsseldorf, Köln, Lage und Leopoldshöhe - hatten geltend gemacht, die Untersagung des Präsenzunterrichts verletze sie in ihren Grundrechten. Ihre Eltern sahen das Recht auf Bildung und schulische Förderung verletzt. Distanzunterricht stelle für Grundschüler keine geeignete Unterrichtsform dar. Die Einschränkungen könnten mit der Corona-Pandemie nicht gerechtfertigt werden.

Die Eilanträge blieben jedoch erfolglos. Der Verfassungsgerichtshof argumentierte, die Dauer des Verbots bis zum 14. Februar sei hinnehmbar. Allerdings gab das Gericht der Landesregierung einige Hinweise mit auf den Weg.

Die Maßnahmen müssten immer den «konkreten tatsächlichen Verhältnissen im Land Nordrhein-Westfalen hinreichend Rechnung» tragen, mahnten die Richter. Ziel müsse stets die größtmögliche Schonung der Grundrechte sein. Die Zumutung konkreter Einschränkungen bedürfe umso mehr der Rechtfertigung, je unklarer sei, inwiefern die untersagte Tätigkeit - in diesem Fall der Präsenzunterricht - wirklich zur Verbreitung des Virus beitrage. Ein anderes wesentliches Kriterium sei die Dauer der Einschränkung.

Die Antragsteller waren zuvor schon mit Eilverfahren am nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht in Münster gescheitert.

Weiter Online-Unterricht für Abschlussklassen in Teilen Oberfrankens

Wegen mehrerer Verdachtsfälle einer Corona-Mutation müssen die Abschlussklassen in Stadt und Landkreis Hof anders als im Rest Bayerns weiter im Distanzunterricht lernen. Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD) betonte am Freitag, dies sei der ausdrückliche Wunsch der Schulen.

Auch im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge sowie in Stadt und Landkreis Bayreuth sollen die Absolventen aufgrund der hohen Infektionszahlen zunächst eine Woche länger daheim bleiben.

Der Distanzunterricht in der Region Hof soll zunächst für zwei Wochen gelten, teilten Stadt und Landkreis mit. Bevor die Schüler zurückkehrten, sollen alle getestet werden. Dafür müsse nun ein Konzept erarbeitet werden.

Auch Firmen in Stadt und Landkreis Hof bekämen Schnelltests zur Verfügung gestellt, kündigte Landrat Oliver Bär (CSU) an. Außerdem sollen vier zusätzliche Teststationen eingerichtet werden. In der Region sollen zunächst alle positiven Corona-Testergebnisse auf eine Mutation untersucht werden.

In Stadt und Landkreis Hof bestand am Freitag in 14 Fällen der Verdacht auf eine hochansteckende Mutation. Die Behörden schließen einen Zusammenhang mit der Grenznähe zu Tschechien nicht aus.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Wochen für die Stadt Hof bei 220,4, für den Landkreis bei 227,8. Für den Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge meldete das RKI am Freitag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 249,1, für die Stadt Bayreuth von 137,7 und für den Landkreis Bayreuth 138,9.

Einschulungen 2021 auch ohne schulärztliche Untersuchung

ABC-Schützen in Mecklenburg-Vorpommern können auch dieses Jahr eingeschult werden, ohne dass sie beim Gesundheitsamt auf ihre Schultauglichkeit untersucht worden sind. Grund ist die Corona-Pandemie, die viele Gesundheitsämter bis zum Anschlag und darüber hinaus beschäftigt. Eine Umfrage der Schulaufsicht bei den Gesundheitsämtern im Land habe ergeben, dass es bei einigen schwierig werden könnte, die Schuleingangsuntersuchungen sicherzustellen, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums am Freitag in Schwerin der Deutschen Presse-Agentur.

Es handle sich um eine vorsorgliche Regelung, da unklar sei, wie sich die Pandemie entwickelt. Die Regelung hatte es bereits im vergangenen Jahr gegeben. Die Untersuchungen sollen nachgeholt werden, sobald dies möglich ist. Bei der Schuleingangsuntersuchung wird unter anderem geprüft, ob die Kinder richtig sehen und hören können und ob sie von ihrem Entwicklungsstand her reif für den Schulalltag sind.

Das Bildungsministerium legte außerdem Regelungen für das zweite Halbjahr in den Schulen fest. So wird die Zahl der zu schreibenden Klassenarbeiten und Klausuren weiter reduziert. Betroffen sind auch die Vorbereitung und Abhaltung der Prüfungen zum Abitur und zur Mittleren Reife.

GEW stellt Landesregierung schlechtes Corona-Zeugnis aus

Zum klassischen Zeugnistag am Ende des ersten Schulhalbjahres in Niedersachsen hat die Bildungsgewerkschaft GEW der Landesregierung ein schlechtes Corona-Zeugnis ausgestellt. Die Corona-Krise habe die «Bildungsmisere sichtbarer denn je» gemacht, beklagte GEW-Landeschefin Laura Pooth.

«Die politisch Verantwortlichen in Niedersachsen waren in der Krise teilweise bemüht. Das reicht nicht», kritisierte sie. «Land, Bund und Kommunen spielen lieber "Schwarzer Peter", anstatt gemeinsam einen milliardenschweren Rettungsschirm für die Bildung zu schaffen.» In einem Halbjahreszeugnis zur Bewältigung der Corona-Krise im Bildungssektor stünde «Versetzung gefährdet», mahnte sie.

Pooth forderte die Landesregierung auf, endlich Gelder aus dem Sondervermögen «Corona» des Landes für die Bildungseinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Die Personalnot sorge für anhaltende Überlastung der Beschäftigten in den Schulen, deren Gesundheitsschutz vielerorts immer noch nicht gewährleistet sei. Das Wissenschaftsministerium nutze die Zeit für weitere Kürzungspläne, statt prekäre Beschäftigung in den Hochschulen zu bekämpfen oder neue Studienplätze zu schaffen.

Die Leistungen der zuständigen Ministerien für Kultus, für Wissenschaft, für Finanzen sowie der Staatskanzlei seien nicht ausreichend, bemängelte die Bildungsgewerkschaft. «Es fehlt schlicht der politische Wille, die Mängel dauerhaft zu bekämpfen», sagte Pooth. Die Landesregierung müsse das zweite Schulhalbjahr nutzen, um ihre Defizite auszugleichen.

Mehr Studienplätze für Hebammen an Hochschulen

Früher lernten Hebammen ihr Fach in einer dreijährigen Ausbildung. Künftig soll das nur noch über einen dualen Hebammenstudiengang möglich sein. Damit wird eine EU-Vorgabe umgesetzt, die eine Akademisierung der Hebammenausbildung vorschreibt.

In Baden-Württemberg werden die Studienplätze der Hebammenwissenschaft zum Wintersemester ausgebaut und an zwei neuen Standorten angeboten. Nach Auskunft des Wissenschaftsministeriums in Stuttgart wird es neben den vorhandenen 165 Studienanfängerplätzen dann 95 zusätzliche geben: 35 an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg und 40 Studienanfängerplätze an der Hochschule Furtwangen. Darüber hinaus werden 20 Studienanfängerplätze an den bestehenden Standorten der Dualen Hochschule ausgebaut. «Mit dem Ausbau wollen wir auch eine sinnvolle regionale Verteilung sicherstellen und den Bedarf an Studienplätzen vor allem im ländlichen Raum im Südwesten Baden-Württembergs abdecken», sagte Ministerin Theresia Bauer (Grüne) in Stuttgart.

Das Hebammenreformgesetz besagt, dass die Hebammen-Ausbildung ab dem 1. Januar 2023 nur noch an Hochschulen erfolgen kann. Um den Umfang der Ausbildungsplätze zu erhalten und um sicherzustellen, dass genügend Berufsnachwuchs gewonnen werde, seien jährlich 260 Studienanfängerplätze in der Hebammenwissenschaft notwendig, sagte Bauer. So gebe es jetzt alles in allem 165 Studienanfängerplätze in der Hebammenwissenschaft: 60 Plätze an der Universität Tübingen und 105 Plätze an der Dualen Hochschule an den Standorten Stuttgart, Karlsruhe und Heidenheim (Vorlesungsstandort Ulm). Das Studium besteht aus einem berufspraktischen und einem hochschulischen Studienteil. Die Hochschule trägt die Gesamtverantwortung für die Koordination der Lehrveranstaltungen mit den berufspraktischen Praxiseinsätzen.

Für die Weiterentwicklung der Disziplin und als Voraussetzung der Besetzung von Führungspositionen braucht es laut Bauer auch Masterstudiengänge. Diese sollen an der Universität Tübingen aufgebaut werden. «Hebammen werden zukünftig auch promovieren und habilitieren können, um Professuren zu besetzen und Forschungsvorhaben zu leiten», sagte Bauer. Auch das Arbeiten im Ausland wird mit dem Abschluss leichter, denn in anderen Ländern ist die Ausbildung zur Hebamme bereits akademisiert.

28.01.2021 20.56 Uhr

FDP-Chef Lindner: Lehrer und Erzieher eher impfen

FDP-Chef Christian Lindner fordert, Beschäftigte im Bildungswesen früher gegen das Coronavirus zu impfen. «Bei der Impf-Priorisierung sollten Lehrer und Erzieher vorgezogen werden. Das sind ultra-systemrelevante Berufe. Die sollten früher ein Impfangebot bekommen als geplant» sagte Lindner am Donnerstag dem Fernsehsender phoenix. Dies sei notwendig, um möglichst zeitnah Schulen und Kitas wieder zu öffnen. «Daran hängen die Bildungschancen der Kinder und die Betreuungssituation in den Familien.»

Lindner verlangte auch ein Öffnungskonzept für die Zeit nach dem Lockdown. «Zum jetzigen Zeitpunkt zu öffnen, ist zu früh. Aber wir brauchen die Perspektive.» Schleswig-Holstein habe mit einem Plan diese Woche vorgemacht, wie eine Öffnung aussehen könnte - zunächst Kitas und Schulen, dann Handel und Gastronomie, später das ganze Land. «Daran sollte sich das Kanzleramt orientieren. Einen solchen Fahrplan braucht Deutschland - besser gestern als heute.»

Kitas und Schulen bis Fasnet dicht - Kretschmann wirbt um Verständnis

Es war befürchtet worden: In einer Freiburger Kita hat sich eine Corona-Mutante stark verbreitet. Die Landesregierung musste sich die Frage stellen, ob sie die baldige Öffnung von Schulen und Kitas überhaupt noch verantworten kann. Die Antwort ist eindeutig.

Nach dem Ausbruch einer mutierten Coronavirus-Variante in einer Freiburger Kita verzichtet Baden-Württemberg auf eine frühere Öffnung von Kitas und Grundschulen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) entschied am Donnerstag, den Corona-Lockdown auch in Kitas und Schulen bis Mitte Februar fortzusetzen. «Die Diskussionen um weitere Lockerungen sind erstmal gegenstandslos geworden», sagte der Grünen-Politiker. Kitas und Grundschulen blieben zunächst bis nach den Fastnachtsferien, also bis zum 21. Februar, geschlossen. Bei 18 Kindern und Erziehern aus der Freiburger Kita Immergrün wurde die Corona-Mutante inzwischen nachgewiesen.

Kretschmann warb um Verständnis für die kurzfristige Absage. «Es tut mir wirklich außerordentlich leid, dass wir unseren Plan, die Kitas und Grundschulen zu öffnen, jetzt nicht umsetzen können.» Nach dem Ausbruch der Corona-Mutation in der Kita sei das Risiko einfach zu groß. «Ich sehe, was das an Belastung für die Familien und die Kleinen bringt.» Er wisse, dass sich die Menschen über sprunghafte Entscheidungen der Politik ärgerten. Aber: «Pandemien sind einfach nicht die Zeit der Verlässlichkeit», sagte Kretschmann. «Ich bitte weiter einfach um ihr Vertrauen.»

Mittlerweile sei klar, dass sich 18 von infizierten 25 Personen in der Freiburger Kita mit einer Corona-Mutation angesteckt hätten. Diese Mutation stamme aus Südafrika, erklärte der Regierungschef. Die zunächst in Südafrika (B.1.351) nachgewiesene Variante gilt als hochansteckend. Nach Angaben des Landesgesundheitsamts ist diese Virusvariante seit Ende Dezember im Südwesten vereinzelt nachgewiesen worden. Der Fall in Freiburg ist aber der erste Ausbruch in einer Kita. «Die Mutanten sind nicht vor der Tür, sie sind leider schon da», sagte Kretschmann.

Der Gesundheitsamtsleiter in Freiburg, Oliver Kappert, sagte, zu den 25 Infizierten kämen neun enge Kontaktpersonen. Hintergrund der Funde ist demnach, dass Labore seit einigen Tagen im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums positive Corona-Proben grob auf eine bestimmte Virusmutation untersuchen. Diese komme bei den Corona-Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien vor. Wegen der gezielten Suche nach mutierten Viren seit einigen Tagen sei zu erwarten gewesen, dass nun auch mehr Fälle auftauchten, erklärte Kappert. Das mutierte Virus sei also nicht neu hier. «Sondern es ist schon da und wir machen es gerade sichtbar.»

Auch mehrere andere Landratsämter vermeldeten am Donnerstag Nachweise mutierter Viren. In ganz Baden-Württemberg sind nach Angaben des Landesgesundheitsamtes inzwischen 115 Fälle bekannt.

In der Kita Immergrün waren die Corona-Fälle seit dem 17. Januar bekannt und die Betroffenen in Quarantäne. Daher habe keine Brisanz bestanden, als die Behörde am Mittwoch vom Nachweis der Mutation erfuhr, sagte Kappert. Inzwischen seien 11 Kinder und 14 Erzieher infiziert. Das ist ein Kind mehr als nach Angaben vom Mittwoch. Die Krankheitsverläufe der Infizierten waren nach Angaben der Diakonie Baden moderat. Der Ausbruch gehe nach Erkenntnissen des Trägers auf einen Erzieher zurück, der zunächst keine Symptome hatte.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte kurz vor Kretschmanns Entscheidung noch gewarnt, «vorschnelle Konsequenzen» aus dem Freiburger Fall zu ziehen. Die CDU-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl am 14. März hatte massiv auf eine Öffnung zum 1. Februar gedrungen. Für Eisenmann ist die erneute Verschiebung ein Rückschlag. Sie wollte Kitas und Grundschulen im Sinne der Kinder eigentlich schon nach den Weihnachtsferien öffnen - «unabhängig von den Inzidenzen». Eine Öffnung war dann noch einmal für den 18. Januar angedacht, doch diese hatte Kretschmann wegen zu hoher Infektionszahlen verhindert.

Vor Baden-Württemberg hatte schon Rheinland-Pfalz wegen der Mutation in der Freiburger Kita entschieden, den ebenfalls für Montag geplanten Start in den Wechselunterricht an Grundschulen zu verschieben. Nun bleiben auch im Südwesten die meisten Schulen noch mindestens bis nach den Fastnachtsferien zu. Es gibt aber weiter Notbetreuung und Ausnahmen für Abschlussklassen. In Baden-Württemberg gehen etwa 450 000 Kinder in Kitas und rund 382 000 zur Grundschule.

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) forderte Eisenmann in einem Brief auf, auch die Notbetreuung einzuschränken. «Nicht zuletzt angesichts der aufgetretenen Mutation in einer Kindertagesstätte in Freiburg sind Sie jetzt dazu aufgerufen, die Gruppen in der Notbetreuung in Schulen und Kindertagesstätten wirklich klein zu halten.» Bei SWR Aktuell forderte Lucha, «dass die Betreuung der Kinder über Homeschooling im Primarbereich nochmal besser wird».

Eisenmann hielt dagegen und forderte das Gesundheitsministerium und das Landesgesundheitsamt auf, den genauen Sachverhalt bei der Kita in Freiburg zunächst «lückenlos» aufzuklären. Luchas Forderung nach einer Einschränkung der Notbetreuung wies Eisenmann entschieden zurück: «Familien sind in besonderer Weise von den Einschränkungen der Corona-Maßnahmen betroffen.» Sie fügte hinzu: «Es irritiert deshalb, dass Familienminister Lucha die Lebenswirklichkeit der Familien verkennt.»

Auch über die Teststrategie an Kitas und Schulen sind sich die Minister nicht einig. Lucha bot an, kurzfristig Schnelltests für das verbleibende Personal in der Notbetreuung aus der Notreserve des Landes zur Verfügung zu stellen. So könne mehrmals pro Woche ein Test durchgeführt werden. «Sie sind jedoch dafür verantwortlich, die Strukturen in den Kindertagesstätten und Schulen nun wirklich auch kurzfristig zu organisieren, um das Angebot der Testungen umsetzen zu können», mahnte er. Eisenmann teilte mit, sie begrüße es, wenn sich Lucha «nun bewegt und mehr Schnelltests zur Verfügung stellen möchte». Sie erwarte aber von Lucha eine Gesamtstrategie, wie im Land bei Schulen, Kitas, Polizei, Einzelhandel und bei alten und kranken Menschen zu Hause massenhaft getestet werden könne.

Grundschüler in Rheinland-Pfalz müssen weiter zuhause lernen

Vier Tage vor der geplanten Wiederaufnahme des Unterrichts im Klassenraum beschließt das Bildungsministerium die Weiterführung von Fernunterricht. Für die Notbetreuung an weiterführenden Schulen wird die Maskenpflicht enger gefasst.

Nach dem Auftreten von Coronavirus-Mutationen im benachbarten Baden-Württemberg hat das rheinland-pfälzische Bildungsministerium den für Montag geplanten Start des Wechselunterrichts an Grundschulen gestoppt. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit Experten der Universitätsmedizin Mainz getroffen worden, teilte das Ministerium am Donnerstag mit.

Die Landesregierung hatte abweichend zu der jüngsten Bund-Länder-Vereinbarung zur Eindämmung der Corona-Pandemie zunächst geplant, ab kommender Woche für die ersten vier Klassen einen Wechselunterricht mit Lernen daheim und in der Schule zu praktizieren. Die Präsenzpflicht sollte weiter ausgesetzt bleiben.

«In einer Situation, die derzeit nicht belastbar bewertet werden kann, wäre es nicht gut, einen weiteren Schritt zur Lockerung zu gehen», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem Auftreten von Mutationen des Coronavirus in Baden-Württemberg und anderen Nachbarländern von Rheinland-Pfalz sei es die Empfehlung von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mainz gewesen, den ursprünglich Start in den Wechselunterricht an Grundschulen zu verschieben. «Die Uni-Experten haben gesagt, dass nach den gestrigen Entwicklungen eine weitere Öffnung nur angebracht ist, wenn man das auf sicherer Grundlage macht.» Sie stehe weiter in engem Kontakt mit dem Virologen Bodo Plachter, dem Hygiene-Experte Wolfgang Kohnen und dem Kinder- und Jugendmediziner Fred Zepp.

Auch habe sie mit der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) telefoniert, sagte Hubig. Die Landesregierung in Stuttgart hat am Mittwoch auf eine landesweite Öffnung von Kindertagesstätten und Grundschulen verzichtet, nachdem in einer Freiburger Kita mutierte Viren festgestellt worden waren.

Die Entscheidung zur Einführung des Wechselunterrichts wurde zunächst verschoben. Es gebe kein Datum, wie lange es nun auch an den Grundschulen weiterhin Fernunterricht geben solle, sagte die Ministerin.

«Viele Kinder, ihre Lehrkräfte und ihre Eltern hätten sich sehr darauf gefreut, dass der Unterricht an den Schulen wieder beginne, erklärte Hubig. «Sie alle können sicher sein, dass wir uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht haben.» Sie habe aber auch stets betont, dass der Übergang zum Wechselunterricht unter dem Vorbehalt stehe, dass die Infektionslage dies zulasse. Daher werde jetzt wie an den weiterführenden Schulen der Fernunterricht zunächst fortgesetzt. Angeboten wird zudem eine Notbetreuung für Kinder, die nicht zu Hause betreut werden können.

Das Ministerium beschloss auch, für Schülerinnen und Schüler an den weiterführenden Schulen die Maskenpflicht enger zu fassen. Wie im öffentlichen Nahverkehr und in der Schülerbeförderung werden in der Notbetreuung an weiterführenden Schulen sowie beim Unterricht von Abschlussklassen medizinische Masken oder solche mit dem FFP2-Standard vorgeschrieben.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf bezeichnete die Entscheidung als richtig. Sie sei aber auch «das Eingeständnis des Scheiterns einer Schulpolitik ohne Weitblick». Hätte die Landesregierung die von der Bund-Länder-Konferenz beschlossene Schulschließung konsequent umgesetzt, wäre Kindern, Eltern und Schulen viel Verunsicherung erspart geblieben. Wo der Zielwert einer Inzidenz von 50 erreicht werde, sei die Rückkehr zum Regelbetrieb möglich, sagte Baldauf. Am Donnerstag lag diese Zahl der Neuinfektionen bezogen auf 100 000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen landesweit bei 86,1.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), in dem vor allem Lehrkräfte an Grundschulen vertreten sind, begrüßte die Entscheidung. «Vehemente Verbandsarbeit zahlt sich aus», erklärte der Landesvorsitzende Gerhard Bold. Die Gefährlichkeit der Virus-Mutationen dürfe nicht unterschätzt werden. Deren Verbreitung an Schulen und Kitas müsse wenn immer möglich verhindert werden. «Hier muss präventiv gehandelt werden und weiterhin auf den Fernunterricht gesetzt werden.»

Eine Grundschulleiterin in Mainz sagte am Donnerstagmorgen - kurz vor Bekanntgabe der Entscheidung - der Deutschen Presse-Agentur, Wechselunterricht löse in der Schulgemeinschaft gemischte Gefühle und Sorgen aus. Auch bei halbierten Grundschulklassen würden dann doch Menschen aus 13 verschiedenen Haushalten in einem Raum zusammentreffen.

Piazolo hofft ab Mitte Februar auf möglichst viel Wechselunterricht

Seit dem Ende der Weihnachtsferien sind Bayerns Schüler im Distanzunterricht. Kommende Woche sollen die ersten zurück in die Klassen kommen. Auch für die Zeit danach gibt es Pläne - und Kritik.

Ab Mitte Februar hofft Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) auf die Rückkehr von «möglichst vielen Schülern» in den Wechselunterricht. «Es ist das Ziel, ab 15. Februar wieder deutlich mehr Schüler in die Klassenzimmer zu bringen», sagte er am Donnerstag in München. Im Fokus stünden dabei die jüngeren Schüler, bei denen die Betreuung zu Hause besonders intensiv sei. Er wisse aus vielen Gesprächen, dass sich die Schulfamilie nach einer belastbaren Perspektive, nach Planungssicherheit, nach der Rückkehr zur Normalität sehne. Leider lasse das Infektionsgeschehen derzeit keinen Präsenzunterricht für alle zu.

«Aber wir wollen rasch, möglichst schon ab Mitte Februar, möglichst viele der übrigen Schülerinnen und Schüler zumindest für einen Wechselunterricht wieder in die Schulen holen», sagte Piazolo. Er verwies darauf, dass es zuvor noch einen Bildungsgipfel mit allen Beteiligten geben werde. Zugleich müsse immer bedacht werden, dass sich in einer Pandemie in kurzer Zeit wieder alles ändern könne. So gut der Distanzunterricht auch sein mag, er könne Präsenzunterricht nie gleichwertig ersetzen, da es auch um soziale Kontakte der Kinder gehe. Diese seien «wahnsinnig wichtig».

Aus Sicht der Grünen im Landtag reicht Piazolos Aussage zu möglichst vielen Schülern nicht aus. «Das ist abermals ein Vorstoß ohne Plan und Strategie», sagte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Gabriele Triebel. Statt einen konkreten Inzidenzwert für Öffnungen festzulegen, eine Teststrategie für die Schulen zu präsentieren und der Schulfamilie damit Sicherheit und Klarheit zu geben, werde hier willkürlich ein Datum festgesetzt, ohne erkennbare und transparente Kriterien zu benennen. Die Regierung müsse endlich einen Inzidenzwert benennen, ab dem wieder in Schulen unterrichtet werde und eine Teststrategie präsentieren, die für alle und Schüler greife.

Ab kommender Woche (1. Februar) sollen bereits die Abschlussklassen an Gymnasien sowie den Fachoberschulen (FOS) und Berufsoberschulen (BOS) mit dem Wechselunterricht starten. Auch Schüler anderer Schulformen, die vor der Abitur- beziehungsweise Fachabiturprüfung stehen - etwa an den Abendgymnasien - sollen dann in den Wechselunterricht gehen. Für alle Rückkehrer gelten die Abstandsregeln und eine Maskenpflicht auch im Klassenzimmer. Laut Piazolo seien dies rund 2,3 Prozent der Schüler im Land.

«Wir sind im Notstand», sagte Piazolo. Er wisse von den besonderen Belastungen für Schüler, Lehrer und auch Eltern, die den Unterricht zu Hause organisieren müssten. Nach drei Wochen Lockdown gebe es Hoffnungsschimmer, die Infektionszahlen sänken, wenn auch langsam. «Wir müssen aber immer vorsichtig sein, da es mehrere Mutationen gibt, die ein besonderes Infektionsrisiko bergen.»

Damit im Distanzunterricht kein Kind «verloren geht», sei der persönliche Kontakt von Lehrern und Schülern unverzichtbar. Auch regelmäßiges Feedback der Lehrer für erledigte Aufgaben sowie ihre regelmäßige Erreichbarkeit seien wichtig. «Nicht alle Kinder haben die gleichen Voraussetzungen, und wir müssen dafür sorgen, dass deshalb die Schulen die gleichen Standards gewährleisten.»

NRW ermöglicht Distanzunterricht auch in Schulräumen

Distanzunterricht in der Schule - das klingt wie ein Widerspruch in sich. Aber in NRW ist genau das ab Montag möglich. Wie es im zweiten Halbjahr in den Schulen weitergehen soll, ist dagegen weiter unklar.

Schüler aller Klassen von Stufe 1 bis 13 können ab Montag (1. Februar) auch in den Schulen am Distanzunterricht teilnehmen, wenn sie zu Hause nicht das Umfeld dafür haben. Das kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag im Landtag ein. Eine entsprechende Schulmail ging an die Schulen in Nordrhein-Westfalen. Bisher standen im Corona-Lockdown die Schulen nur für Notbetreuungen von Schülern der Klasse 1 bis 6 offen.

Die Teilnahme an dem erweiterten Angebot wird den Eltern oder volljährigen Schülern durch die Schulleitung unterbreitet. Die Teilnahme ist freiwillig. Das Unterstützungsangebot könne aber nicht von den Eltern selbst initiiert werden, heißt es in der Mail. Den Schülern werde die Möglichkeit gegeben, am Distanzunterricht in Räumen der Schule «unter Aufsicht des nicht am Distanzunterricht beteiligten schulischen Personals teilzunehmen». Ein zusätzlicher Präsenzunterricht finde für sie in der Schule nicht statt. «Die Schülerinnen und Schüler nehmen also – auch wenn sie sich in der Schule befinden – an ihrem Distanzunterricht teil.»

Der Distanzunterricht in NRW wird zunächst bis 12. Februar fortgesetzt. Das hatte Gebauer bereits angekündigt. In dieser Zeit sollten grundsätzlich keine Klassenarbeiten und Klausuren geschrieben werden, heißt es weiter in der Schulmail.

Gebauer zeigte sich erneut offen für umfassende Wechselmodelle von Präsenz- und Distanzunterricht. Wenn Schulen und Verbände damit durch die nächsten Wochen kommen wollten, «dann kann es selbstverständlich auch Wechselmodelle geben.» Das gehe aber nicht isoliert nur in einer Stadt, sondern müsse nach fairen Regeln für alle Schulen in NRW erfolgen. Nach wie vor sei aber Präsenzunterricht für sie die «erste Wahl», sagte die FDP-Politikerin. Denn «ehrlicherweise» bedeute auch ein Wechselmodell für die Hälfte der Schüler Distanzunterricht. «Ich werde es nicht zulassen, dass das Virus grundlegende Rahmenbedingungen für Schule und damit für das soziale Miteinander von Millionen von Schülern, Lehrkräften und Eltern verändert», betonte Gebauer.

SPD und Grüne warfen Gebauer indessen vor, keine Konzepte für den weiteren Schulbetrieb in der Corona-Pandemie zu haben. Eine systematische Vorbereitung oder Planungssicherheit für den Betrieb nach dem 14. Februar gebe es nicht, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef, Jochen Ott. Die Schüler seien bis Mitte Februar dann insgesamt schon acht Wochen zuhause. «Sie müssen jetzt regieren und mit Wechselmodellen die Sicherheit geben, wie es nach dem 14. Februar weitergehen kann», forderte Ott. Bund und Länder hatten den Corona-Lockdown mit Schließungen auch der Schulen bis zunächst 14. Februar beschlossen.

Die Grünen-Schulexpertin Sigrid Beer sagte: «Wir brauchen Verlässlichkeit für dieses Schuljahr.» Niemand gehe davon aus, dass die Schulen nach Mitte Februar wieder in den Präsenzunterricht gehen könnten. Welche Vorkehrungen Ministerin Gebauer dafür treffe, wisse man aber nicht. Schon das jetzt endende erste Schulhalbjahr sei für viele Schüler wegen der Corona-Pandemie von Quarantäne-Zeiten und Unterrichtsausfällen geprägt gewesen. Dass der derzeitige Distanzunterricht zudem eine «unterschiedliche Qualität» habe, «gehört auch zur Wahrheit», sagte Beer.

In der hitzigen Debatte gerieten Gebauer und Beer aneinander. Die Grünen-Abgeordnete warf Gebauer vor, in der Regierung eine «lame duck« (lahme Ente) zu sein. Die Ministerin verwies auf ihre Leistungsbilanz von der «geräuschlosen Umstellung» vom G8 auf G9 an den Gymnasien bis zum Ende der «Grabenkämpfe» um die Inklusion. Die rot-grüne Schulpolitik sei dagegen seinerzeit von «Totalversagen» und «schulpolitischer Depression» geprägt gewesen. Beer ereiferte sich anschließend so lange, bis ihr wegen Überschreitung der Redezeit das Mikrofon abgedreht wurde.

Angesichts der Ausfälle infolge der Pandemie sollten Halbjahreszeugnisse aus Sicht der SPD in der Sekundarstufe I dieses Jahr grundsätzlich nicht vergeben werden - außer in den Abschlussjahrgängen und bei Schulwechsel. Alle Schüler sollten außerdem automatisch versetzt werden. SPD und Grüne wollen für Schüler im achtjährigen gymnasialen Bildungsgang die Möglichkeit, jetzt noch auf den neunjährigen wechseln zu können. Die SPD ist außerdem für einen «Freischuss» bei den Abiturprüfungen. Das hatte Gebauer bereits zurückgewiesen. Auch die FDP-Politikerin Franziska Müller-Rech sagte: «Mit uns wird es 2021 kein rot-grünes Gummi-Abitur geben.»

Der AfD-Schulpolitiker Helmut Seifen nannte Schulschließungen unverantwortlich und rücksichtslos. «Entlassen Sie die Kinder endlich aus ihren Gefängnissen und geben Sie ihnen die Freiheit zurück», sagte er.

Ministerin Ernst: Grundschulen können nicht nach den Ferien öffnen

Die Grundschulen in Brandenburg können wegen der Corona-Pandemie nicht nach den Winterferien im Wechselmodell wieder öffnen. «Angesichts des Infektionsgeschehens ist das nicht möglich und wir werden die Schulen heute Nachmittag darüber informieren», kündigte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Donnerstag in der Plenardebatte des Landtags an.

Hintergrund sei auch die Sorge um die Verbreitung von Mutationen des Coronavirus. «Solange wir die Auswirkungen der Mutationen nicht kennen und wie wir sie in den Griff kriegen, können wir keine Entscheidung zur Schulöffnung treffen», erklärte Ernst. Sie hoffe aber, dass irgendwann der Stufenplan der Kultusministerkonferenz greift und zunächst die Grundschulen im Wechselmodell wieder geöffnet werden können.

Die AfD hatte gefordert, zunächst die Grundschulen nach den Winterferien am 8. Februar wieder zu öffnen. Nach wissenschaftlichen Studien trügen bis zu zwölf Jahre alte Kinder nicht wesentlich zur Verbreitung des Coronavirus bei, hatte der AfD-Bildungsexperte Dennis Hohloch zur Begründung erklärt. Dieser Antrag wurde von der Mehrheit der rot-schwarz-grünen Koalitionsfraktionen ebenso abgelehnt wie ein Antrag der Linken, in dem unter anderem eine stufenweise Öffnung der Schulen nach dem 14. Februar gefordert wurde, beginnend mit den Jahrgangsstufen 1 bis 4.

Bildungsministerium stoppt Wechselunterricht an Grundschulen

Nach dem Auftreten von Coronavirus-Mutationen im benachbarten Baden-Württemberg hat das rheinland-pfälzische Bildungsministerium den für Montag geplanten Start des Wechselunterrichts an Grundschulen gestoppt. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit Experten der Universitätsmedizin Mainz getroffen worden, teilte das Ministerium am Donnerstag mit.

Die Landesregierung hatte in Änderung der jüngsten Bund-Länder-Vereinbarung zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen, ab kommender Woche für die ersten vier Klassen einen Wechselunterricht mit Lernen daheim und in der Schule zu praktizieren. Die Präsenzpflicht sollte weiter ausgesetzt bleiben.

Das Bildungsministerium habe am Donnerstag alle Schulen sowie Eltern und schriftlich darüber informiert, dass der Beginn des Wechselunterrichts zurückgestellt werde, teilte das Ministerium mit. «Ich bedaure sehr, dass wir am Montag nicht, wie geplant, mit dem Wechselunterricht an den Grundschulen starten können», erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).

Große Landtagsdebatte zur Schulpolitik in der Pandemie

Kaum ein Bereich ist in der Pandemie so umstritten wie die Schulpolitik. Sollen die Schulen geschlossen bleiben oder öffnen? Sollten alle Kinder versetzt und auf Halbjahreszeugnisse verzichtet werden? Die Parteien im NRW-Landtag streiten über den richtigen Weg.

Der nordrhein-westfälische Landtag beschäftigt sich am Donnerstag (10 Uhr) intensiv mit der Schulpolitik in der Corona-Krise. Alle drei Oppositionsfraktionen haben dazu Anträge eingereicht. SPD und Grüne fordern, auf die Zumutungen für die Schüler im Corona-Jahr mit mehr Flexibilität zu reagieren - etwa bei Prüfungen und Versetzungen.

Da bis zum 14. Februar kein normaler Unterricht in den Klassen laufen kann, will die SPD ein Sofortprogramm umgesetzt sehen. Unter anderem fordert sie in einem Eilantrag kostenlose SIM-Karten für Schüler, damit auch jene problemlos etwa mit Tabletcomputern am digitalen Unterricht teilnehmen können, die keine gute Internetverbindung zu Hause haben.

Grundsätzlich sprechen sich SPD und Grüne für ein Wechselmodell aus Fern- und Präsenzunterricht aus. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) schließt das zumindest nicht mehr aus. Bis zum 12. Februar gilt aber an allen Schulen in NRW Fernunterricht.

Halbjahreszeugnisse sollten aus Sicht der SPD in der Sekundarstufe I dieses Jahr grundsätzlich nicht vergeben werden - außer in den Abschlussjahrgängen und bei Schulwechsel. «Zudem sind alle Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr automatisch zu versetzen», fordern sie. Diese Frage ist in NRW noch nicht entschieden. Darüber hinaus sollten Schüler aus Sicht der SPD die Klasse 4 auf Wunsch wiederholen können. Auch die Grünen wollen mehr individuelle Lernzeit in der Grundschule.

SPD und Grüne wollen für Schüler im achtjährigen gymnasialen Bildungsgang die Möglichkeit, jetzt noch auf den neunjährigen wechseln zu können. Die SPD ist außerdem für einen «Freischuss» bei den Abiturprüfungen. Schulministerin Gebauer hat sich bereits dagegen ausgesprochen: NRW halte gemäß einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz auch in diesem Schuljahr an regulären Abschlussprüfungen fest - auch bei mittleren Abschlussprüfungen.

Die AfD hingegen warnt vor einem «Bildungsnotstand» und fordert, am 1. Februar alle Schulen und Universitäten wieder für den Unterricht und den Wissenschaftsbetrieb zu öffnen.

Grüne fordern Nachhilfe für Schüler in allen Ferien

Die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag fordern in der Corona-Krise Nachhilfe für Schüler in allen Ferien. «Der lange Lockdown kann bei den Schülern große Lücken verursachen. Reichere Familien finanzieren Nachhilfestunden, sozial benachteiligte Kinder aber brauchen dringend eine staatlich organisierte Nachhilfe», sagte Sigrid Beer von der Grünen-Fraktion der «Rheinischen Post» (Donnerstag).

Beer schlägt vor, dass insbesondere benachteiligte Kinder ein Angebot der Schulen bekommen und vor Ort in kleinen Gruppen unterrichtet werden. Die Auswahl müssten Lehrer und Schulsozialarbeiter zusammen mit den Eltern treffen. Finanzieren will Beer das Programm aus dem Haushalt. «70 Millionen Euro für Ferienprogramme sind noch nicht abgerufen. Hinzu kommen 200 Millionen Euro, die übrig sind, weil Lehrerstellen nicht besetzt werden können», sagt die Landtagsabgeordnete.

27.01.2021 20.11 Uhr

Alte Klagelieder, neue Chancen - Schulen und der Fernunterricht

Anfangs war Stress: Als nach Weihnachten der Fernunterricht wieder losgehen sollte, brach erst mal die Lernplattform Moodle zusammen. Jetzt ist Stabilität eingekehrt. Und eine gewisse Aufbruchstimmung.

Für den 13 Jahre alten Gymnasiasten aus Karlsruhe fängt der Tag im Schul-Lockdown so an: Morgens Laptop anschalten und auf der Webseite seiner Schule auf den Link gehen, der zur Lernplattform Moodle führt. Diese wird vom Land Baden-Württemberg bereitgestellt. Ein Klick auf die Klasse des 13-Jährigen und es öffnen sich die verschiedenen Kurse oder Fächer, die für die Woche anliegen. Darin haben die Lehrer hinterlegt, welche Aufgaben sie an diesem Tag erledigt haben möchten.

«Auf einem Kalender ist notiert, wann wir welche Konferenz haben und wann wir was abgeben müssen», sagt er. Moodle funktioniere inzwischen gut, eine gewisse Routine habe sich eingestellt. «Im Vergleich zur ersten Welle komme ich besser zurecht.» Chats mit den Lehrern sind möglich. Täglich gibt es zudem über das Konferenz-Tool BigBlueButton die Möglichkeit, dass Lehrer und Schüler sich sehen und hören. Ab und zu hakt es und die Verbindung wird schlechter - je nach dem, wie viele Schüler gleichzeitig teilnehmen. «Im Vergleich zur Situation im März läuft der Fernunterricht an den Schulen im Januar sehr gut», resümiert Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Einen Moodle-Zugang über Landesserver haben nach Angaben des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) alle rund 4500 Schulen in Baden-Württemberg. Aktiv genutzt wird die Plattform nach Angaben aus dem Kultusministerium von etwa 2500 Schulen. «Mittlerweile verwenden etwa 440 000 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte Moodle täglich», sagt ein Sprecher. Rund 600 Pilotschulen waren Mitte vergangenen Jahres nach Angaben des Landesmedienzentrums (LMZ) zudem mit BigBlueButton ausgerüstet. Zu Beginn der zweiten Schulwoche nach Weihnachten waren bereits bis zu 152 000 Nutzer auf diesem Video-Tool aktiv gewesen - laufend kämen weitere Schulen hinzu, berichtet der Ministeriumssprecher.

Bundesweit betrachtet fördert praktisch jedes Bundesland andere Lernplattformen. Sie heißen Mebis, MS Teams, Logineo, LearnSax oder Iserv. In Baden-Württemberg kommt bald Itslearning als Alternative zu Moodle hinzu. Die meisten Länder schreiben keine bestimmte Lernplattform vor. Die Schulen im Südwesten, die Moodle nicht über das Land nutzen, sind also nicht unbedingt ohne digitale Lösung - sie sind stattdessen auf anderen Lernplattformen unterwegs.

Welche Schulen dabei welche Systeme nutzen, ist laut Ministerium nicht erfasst, da es keine Rückmeldepflicht gebe. «Schulen können Moodle auch in einer eigenen Installation auf eigenen Servern nutzen oder andere Lernmanagementsysteme wie zum Beispiel Ilias. Darüber hinaus nutzen einige Schulen auch kommerzielle Lösungen wie zum Beispiel IServ», so der Sprecher. Nach Einschätzung des Digital-Experten Oliver Hintzen vom Landesverband Bildung und Erziehung dürfte es nicht mehr allzu viele Schulen geben, die gar keine digitale Lernplattform verwenden.

Ob die Vielfalt Chaos oder Chancen bedeutet, wird durchaus unterschiedlich gesehen. Bund und Länder etwa hatten beim Bildungsgipfel den Aufbau einer nationalen Plattform beschlossen, um den Flickenteppich digitaler Lösungen ein Ende zu setzen. «Wir als Verband haben uns für Nicht-Vereinheitlichung ausgesprochen», sagt VBE-Experte Hintzen. «Es ist besser, wenn Schulen die Wahl haben.»

Hindernis für die Vielfalt ist aus Sicht von Jörg Schumacher, Leiter des Stadtmedienzentrums Karlsruhe (SMZ), nicht selten der Datenschutz. «Der deutsche Datenschutz hat bei jedem Ding Bauchschmerzen», sagt er. «Das ist geradezu affig.» Er argumentiert zudem mit Leidenschaft dafür, dass Schulen sich nun völlig neu denken und die durch Corona so stark wie nie ins Blickfeld gerückte Digitalisierung auch zu einer anderen Art des Unterrichts nutzen. «Katastrophen wie diese Pandemie bewirken immer Veränderung.»

Noch aber hapert es an Grundsätzlichem, das ist ja Gegenstand uralter Klagelieder. Es fängt bei mangelnden Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer und schlechten Personalschlüsseln an und endet spätestens bei bis heute vielerorts leistungsschwachen Datenleitungen. «Seit 15 Jahren wird Digitalisierung verschlafen durch die Städte und Gemeinden», sagt Hintzen. Dafür aber könne das Kultusministerium nichts. Es fehlten allerdings Konzepte, wie es jetzt insgesamt weitergehe und bereits erreichte Standards gehalten werden könnten.

Jenseits der Technik übrigens, so sagt es zumindest die Mutter des Karlsruher Schülers, ist genau wie beim Präsenzunterricht auch beim Fernunterricht das Gelingen vom Engagement der Lehrer abhängig. «Es gibt tolle Lehrer, die auf Moodle sehr viel anbieten und sich sehr kümmern», sagt sie. Und dann gebe es eben auch solche, die sich nicht besonders viel Mühe geben - weder beim Unterricht von Nahem vor den Schulschließungen noch nun beim Unterricht aus der Ferne. 

Hamburgs Schüler erhalten Zwischenzeugnisse unter Corona-Bedingungen

Hamburgs Schüler bekommen Zwischenzeugnisse - im Lockdown keine ganz einfache Operation. Aber auch sonst haben es Schüler und Lehrer nicht leicht. Wie mit den Lernrückständen umgehen? Welche Unterrichtsform wird kommen? Was ist mit dem Abitur? Die Liste mit Fragen ist lang.

An Hamburgs staatlichen und privaten Schulen gibt es am Donnerstag Zwischenzeugnisse - aber nicht für alle. Etliche der rund 255 600 Schülerinnen und Schüler der Hansestadt werden leer ausgehen. Doch das hat nicht unbedingt etwas mit der Corona-Lage zu tun. Gleichwohl wirbelt die Pandemie den Ablauf gehörig durcheinander. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wer bekommt überhaupt ein Zwischenzeugnis?

In den Klassen eins bis drei sind grundsätzlich keine Zwischenzeugnisse vorgesehen. Allerdings geben Grundschulen Eltern oft einen Bericht über die Fertigkeiten ihres Kindes mit. In diesem Pandemiejahr ersetzen manche Grundschulen das Schreiben durch ein erweitertes Lernentwicklungsgespräch.

Bei den Jahrgangsstufen 5, 7, 8 und 9 des Gymnasiums sowie den Jahrgangsstufen 5 bis 8 der Stadtteilschulen entscheidet die Lehrerkonferenz, ob es Zwischenzeugnisse gibt. Verpflichtend sind Zwischenzeugnisse nur in den vierten Klassen der Grundschulen sowie in den Jahrgangsstufen 6 sowie 10 bis 12 an den Gymnasien sowie 9 bis 13 an den Stadtteilschulen.

Wie kommen die Schülerinnen und Schüler an ihr Zeugnis?

Das regeln die Schulen selbst. Manche lassen die Jungen und Mädchen persönlich zur Übergabe antreten - da wird dann oft ein ganzer Tag für die Übergabe eingeplant, damit nicht zu viele Schüler auf einmal in die Schule kommen und sich so möglicherweise anstecken. Die Schulbehörde sieht dies allerdings nicht so gerne und empfiehlt, die Zeugnisse stattdessen per Post oder digital zu versenden. Die erforderlichen Unterschriften der Erziehungsberechtigten auf den Zeugnissen könnten auch nachträglich geleistet werden.

Wird im Zwischenzeugnis auf die Corona-Bedingungen hingewiesen?

Nein. Da der Unterricht im ersten Halbjahr bis kurz vor Weihnachten relativ normal ablief und der Lockdown nach den Ferien für die Leistungen im ersten Halbjahr nicht sonderlich ins Gewicht fällt, wird auf einen Corona-Hinweis verzichtet. Für das Jahreszeugnis im Sommer könnte das jedoch anders aussehen - sofern die Schulen über den 14. Februar hinaus geschlossen bleiben.

Welche Unterrichtsmodelle sind im zweiten Halbjahr möglich?

Das hängt von den Corona-Fallzahlen ab. Während des noch mindestens bis Mitte Februar dauernden Lockdowns gibt es in Hamburg nur Distanzunterricht, alle Schüler werden also online zu Hause unterrichtet. In den Schulgebäuden selbst gibt es nur eine Notbetreuung. Schulsenator Ties Rabe (SPD) strebt jedoch an, möglichst rasch wieder Präsenzunterricht anbieten zu können. Die dritte Variante ist der Hybrid- beziehungsweise Wechselunterricht, bei dem die Kinder und Jugendlichen teils zu Hause, teils in der Schule lernen. Für die Lehrergewerkschaft GEW ist das die beste Variante - allerdings erst, wenn die Zahl der Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche auf unter 50 gesunken ist.

Wie steht es um die Wissensvermittlung?

Sollten die Schulen Mitte Februar wieder öffnen, würden den Schülerinnen und Schülern im zweiten Halbjahr nur etwa zwei Wochen fehlen. Das wäre aus Sicht der Schulbehörde beherrschbar. Problematisch wird es, wenn der Lockdown deutlich länger andauert. Für diesen Fall gebe es noch keinen konkreten Plan, denkbar wären aus Sicht der Behörde jedoch unter anderem der Verzicht auf die eine oder andere Klausur, die Ausweitung des Nachmittagsunterrichts vor allem an Grundschulen sowie eine noch stärkere Nutzung der für den März bereits festgelegten Lernferien.

Sollte das Schuljahr zur Reduzierung der Defizite verlängert werden?

Hamburgs Elternkammer hat bereits klare Lerndefizite festgestellt und vorgeschlagen, deshalb das Schuljahr zu strecken. Das würde zwar auch den Studien- und Ausbildungsbeginn nach hinten verschieben. «Aber ganz ehrlich: Wir sind in einer so dramatischen Lage gesellschaftlich, dass wir sagen müssen, jetzt müssen alle ran und zusammenarbeiten, damit wir eine junge Generation auf die Straße schicken, die genauso gut ausgebildet ist wie der Jahrgang davor.» Die Lehrergewerkschaft GEW sieht diesen Vorschlag skeptisch. «Ich stelle mir das schwierig vor. Wann soll das mit welchen Lehrkräften passieren», sagt Hamburgs GEW-Chefin Anja Bensinger-Stolze. Hinzu komme: Die Defizite «abgehängter Schüler» würden nicht durch eine Verlängerung des Schuljahres behoben. «Da braucht man eine spezielle Förderung» - und die gebe es ja bereits.

Wie steht es um das Abitur?

Die Länder verhandeln derzeit in der Kultusministerkonferenz über ein mögliches Vorgehen. Die Schulbehörde prüft derzeit nach eigenen Angaben alle Optionen, auch eine Verschiebung des bislang für den 16. April vorgesehenen Starts der schriftlichen Prüfungen. Der Spielraum sei dabei jedoch sehr eng, sagt ein Behördensprecher. Anders als in vielen anderen Bundesländern sei eine Verschiebung kaum möglich, «weil wir zusätzlich zu den sehr frühen Frühjahrsferien auch noch Maiferien mitten in der Prüfungszeit haben und die Möglichkeiten dadurch sehr eingeschränkt sind». Das Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern hat den Start seiner schriftlichen Abiturprüfungen bereits vom 13. auf den 23. April verlegt.

26.01.2021 20.49 Uhr

In Berlin gibt es die Zeugnisse erst nach den Ferien

In Berlin müssen die Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr etwas länger auf die Halbjahreszeugnisse warten. Es gibt sie nicht wie sonst am letzten Schultag vor den Winterferien, sondern wegen der Corona-Pandemie für die meisten erst nach Ferienende. Das teilte die Senatsverwaltung für Bildung am Dienstag mit. Ausnahmen seien jeweils nach Terminvereinbarung möglich, zum Beispiel bei Abgangszeugnissen.

Das gilt auch für Zeugnisse, die für die Aufnahmeverfahren an Schulen relevant sind. Auch die im Zusammenhang damit zusätzlich zu den Zeugnissen nötigen Unterlagen wie Anmeldebögen und Förderprognosen müssen der Bildungsverwaltung zufolge im Original ausgehändigt werden. Das Halbjahr endet am Freitag. Die Winterferien dauern bis zum 8. Februar.

Wenn die Versetzung oder der Schulabschluss gefährdet erscheinen, sollen Schülerinnen und Schüler sowie gegebenenfalls die Erziehungsberechtigten über die Zeugnisnoten informiert werden - zum Beispiel durch die Übermittlung von Zeugniskopien. In allen anderen Fällen kann Schülern oder Erziehungsberechtigten eine Kopie des Zeugnisses auf Wunsch per E-Mail übermittelt werden. Dafür ist der Bildungsverwaltung zufolge allerdings eine schriftliche Einwilligung nötig.

Während der Ferien gibt es für benachteiligte Schülerinnen und Schüler das Angebot, an der sogenannten Winterschule teilzunehmen. Es gilt in erster Linie für Kinder und Jugendliche der Jahrgangsstufen 2, 9 und 10. In der Winterschule können sie Unterrichtsstoff insbesondere in Deutsch und Mathematik nachholen und so Rückstände aufholen, die möglicherweise in der Zeit entstanden sind, in der es während des Lockdowns keinen Unterricht in den Schulen gegeben hat. Die Teilnahme ist laut der Bildungsverwaltung freiwillig und kostenlos.

Vorpommern-Greifswald: Verschärfungen bei Kitas und Schulen

Schottland hat die ersten Gespräche mit der EU über eine Rückkehr ins EU-Austauschprogramm Erasmus+ geführt. Mit dem Brexit war Großbritannien aus dem Austauschprogramm ausgetreten. Richard Lochhead, der in der schottischen Regierung für universitäre Bildung zuständig ist, sprach der BBC zufolge von «produktiven Gesprächen», die er mit Mariya Gabriel, der EU-Kommissarin für Bildung und Jugend, geführt habe. «Wir waren uns einig, dass der Austritt aus Erasmus sehr bedauernswert ist und wir mit der EU herausfinden wollen, wie Schottland weiterhin maximal an dem Programm teilhaben kann», sagte Lochhead.

 

Der schottischen Regierung zufolge beteiligten sich bislang jährlich mehr als 2000 Studierende und Beschäftigte aus Schottland an dem Programm. Auch im EU-Parlament gibt es dem Bericht zufolge breite Unterstützung für eine weitere Teilhabe Schottlands. Großbritannien will als Ersatz für Erasmus das sogenannte Turing-Programm einführen, mit dem Briten in aller Welt studieren können sollen.

Wechselunterricht an Grundschulen sorgt für Diskussionen

Die Lehrergewerkschaft trägt die Entscheidung mit, der Elternbeirat würde sich Entscheidungen vor Ort wünschen, die CDU ist dagegen. Die Bildungspolitik bleibt umstritten.

Sechs Tage vor dem Start von Wechselunterricht an den Grundschulen in Rheinland-Pfalz hat der Landeselternbeirat weitere Vorkehrungen gegen das Risiko von Corona-Infektionen gefordert. Nötig seien mobile Raumluftgeräte und Plexiglas-Trennscheiben zwischen Schülerplätzen, sagte Landeselternsprecher Reiner Schladweiler am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Landesregierung hat in Änderung der jüngsten Bund-Länder-Vereinbarung zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen, ab kommender Woche für die ersten vier Klassen einen Wechselunterricht mit Lernen daheim und in der Schule zu praktizieren. Dabei bleibt die Präsenzpflicht weiter ausgesetzt.

«Alle Eltern, die dies möchten, können ihre Kinder auch weiterhin zu Hause behalten», sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums. «Hierzu reicht eine formlose Rückmeldung.» Diese Kinder erhielten dann von ihren Lehrern auf den Wechselunterricht ihrer Mitschüler abgestimmte Angebote zum häuslichen Lernen.

Bei vielen Eltern gebe es neben der Sorge vor einer Infektion auch die Befürchtung, ihr Kind könnte bei weiterem Fernunterricht den Anschluss verpassen, sagte Landeselternsprecher Schladweiler. «Man sollte es den Schulen vor Ort überlassen, auf der Grundlage der örtlichen Inzidenz in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt den Übergang zum Wechselunterricht zu beschließen.» Schladweiler fügte hinzu: «Das wäre für uns der sinnvollste Weg.»

Entschieden gegen eine Öffnung der Grundschulen in der kommenden Woche sprach sich am Dienstag die CDU aus. «Wir können uns jedwede Öffnung einer Schule vor dem 14.2. nicht vorstellen», sagte der Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf nach einer Videokonferenz mit Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern. «Keiner weiß, wie das überhaupt funktionieren soll.» Auch wenn die Inzidenz der Corona-Infektionen am 15. Februar weiter über der Schwelle von 50 liege, müssten die Schulen geschlossen bleiben.

Baldauf sprach sich dafür aus, wegen der zusätzlichen Aufgaben in der Kinderbetreuung die Zahl der Urlaubstage für Eltern zu erhöhen. Dies sollte auf Bundesebene sowie für Landesbedienstete geregelt werden, sagte der Fraktionchef, der auch Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl im März ist. Auch von den Tarifparteien wünsche er sich entsprechende Vereinbarungen für Eltern von Kindern in der Kita oder im schulpflichtigen Alter.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte am Dienstag weitere Maßnahmen für den Schutz von Lehrerinnen und Lehrern. «Lehrkräfte sind bis jetzt sehr auf sich selbst gestellt, wenn es um den Schutz ihrer Gesundheit am Arbeitsplatz Schule geht», bemängelte der GEW-Landesverband.

An erster Stelle müsse es jetzt die Ausstattung mit ausreichend vielen FFP2-Masken geben, forderten die Gewerkschafter. Außerdem müssten Lüftungs- oder Luftfilteranlagen nachgerüstet werden, wo dies noch notwendig sei. Und schließlich müssten die seit dieser Woche möglichen Corona-Tests von Lehrkräften fortwährend möglich bleiben. Auch sprach sich die GEW für freiwillige vorgezogene Impfungen von Lehrkräften aus. Für den Arbeitsplatz Schule müsse es ein Impfkonzept geben.

Die Schulen bekommen ab Februar eine Million medizinischer Masken für Lehrkräfte plus erneut 250 000 FFP2-Masken, wie die Landesregierung ankündigte. Wenn diese nicht ausreichten, soll es bei Bedarf auch mehr geben. Jeder Lehrer solle jeden Tag eine neue medizinische Maske haben können. Der Vorrat solle auch für Schüler reichen, die ihren eigenen Schutz vergessen hätten.

Aus pädagogischen Gründen trage die GEW den Einstieg in den Wechselunterricht mit häuslichem und schulischem Lernen grundsätzlich mit, erklärte der Landesverband. «Seit Monaten bereiten sich die Lehrkräfte auf den Wechselunterricht vor und haben auf Grundlage ihrer individuellen räumlichen und personellen Ausstattung tragfähige Konzepte entwickelt.» Bei Lehrerinnen und Lehrern an den Grundschulen überwiege die Überzeugung, dass Präsenzunterricht in Form von Wechselunterricht dem Fernunterricht vorzuziehen sei.

Söder stellt Lockerungen an Schulen und Kitas in Aussicht

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat Öffnungen für Schulen und Kitas ab Mitte Februar in Aussicht gestellt. «Fakt ist, wenn keine höheren Einträge kommen, die Zahlen sinken, wenn es kein Durchlaufen von Mutationen gibt, dann gibt es auch eine Aufhellung im Februar», sagte der CSU-Chef am Dienstag nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts in München.

Für die Regierung in Bayern hätten in dem Fall Schulen und Kitas Priorität, «weil es für die Schüler ganz wichtig ist, doch wieder einen geregelten und vernünftigen Unterrichtsmodus auf den Weg zu bringen», sagte Söder. Er kündigte daher für Anfang Februar einen bayerischen Schulgipfel mit Eltern, Lehrern, Schülern und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) an. Dabei soll auch über ein Corona-Testkonzept für Lehrer und Schüler gesprochen werden.

Söder warnte aber davor, aufgrund aktuell guter Tendenzen bei den Corona-Zahlen zu früh nachzulassen. «Es ist nicht die Zeit für Lockerungen», so der 54-Jährige. Auch in anderen Ländern zeige sich, dass gerade die «letzten Meter» im Kampf gegen hohe Infektionszahlen schwierig und anstrengend seien. Es gelte daher der Rat, «das Wasser zu halten, anstatt den Mund wässrig zu machen».

CDU gegen Öffnung der Grundschulen in der kommenden Woche

Die CDU in Rheinland-Pfalz ist gegen eine Öffnung der Grundschulen in der kommenden Woche. Alle Schulen müssten bis zum 14. Februar geschlossen bleiben, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf am Dienstag in Mainz.

Die Landesregierung hat in Änderung der jüngsten Bund-Länder-Vereinbarung zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen, ab kommender Woche für die ersten vier Klassen einen Wechselunterricht mit Lernen daheim und in der Schule zu praktizieren. Dabei bleibt die Präsenzpflicht weiter ausgesetzt.

«Wir können uns jedwede Öffnung einer Schule vor dem 14.2. nicht vorstellen», sagte Baldauf nach einer Videokonferenz mit Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern. «Keiner weiß, wie das überhaupt funktionieren soll.» Auch wenn die Inzidenz der Corona-Infektionen am 15. Februar weiter über der Schwelle von 50 liege, müssten die Schulen geschlossen bleiben.

Baldauf sprach sich dafür aus, wegen der zusätzlichen Aufgaben in der Kinderbetreuung die Zahl der Urlaubstage für Eltern zu erhöhen. Dies sollte auf Bundesebene sowie für Landesbedienstete geregelt werden, sagte der Fraktionschef, der auch Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl im März ist. Auch von den Tarifparteien wünsche er sich entprechende Vereinbarungen für Eltern von Kindern in der Kita oder im schulpflichtigen Alter.

Ministerium: Hackerangriff auf Bildungscloud abgewehrt

Im Saarland hat es einen Hackerangriff auf die landeseigene Bildungscloud Online-Schule Saarland (OSS) gegeben. Die Attacke am Dienstagmorgen habe aber von Sicherheitssystemen erfolgreich abgewehrt werden können, teilte das saarländische Bildungsministerium am Dienstag mit. Die Angreifer hätten versucht, die Bildungscloud durch massenweise Login-Anfragen lahmzulegen.

Die OSS sei daher am Morgen gut 20 Minuten von außen nicht zu erreichen gewesen, hieß es weiter. Die bereits zuvor angemeldeten Nutzer konnten während der Zeit mit der OSS weiterarbeiten. Nur Neuanmeldungen seien nicht möglich gewesen. Das Ministerium habe das Landeskriminalamt eingeschaltet. Bereits im April 2020 war eine Attacke auf die OSS erfolgreich abgewehrt worden.

Die OSS ist im Saarland als Lernplattform das wichtigste Instrument für digitalen Unterricht und Lernen zu Hause. Tausende Schüler und Lehrer sind registriert.

Kitas und Grundschulen werden wohl geöffnet - Sperrstunde bleibt

Eigentlich gibt Kretschmann den strengen Corona-Krisenmanager. Doch bei den Kleinsten hat sich der grüne Regierungschef erweichen lassen. Sie sollen ein stückweit in den Alltag zurückkehren können - wenn die neuen Virusvarianten nicht noch alles auf den Kopf stellen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann geht davon aus, dass Kitas und Grundschule im Land vom kommenden Montag an schrittweise wieder öffnen können. Die endgültige Entscheidung werde er an diesem Mittwoch treffen, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart.

Die Corona-Infektionszahlen sinken seit fast drei Wochen und diese Tendenz sei belastbar. «Deswegen ist es verantwortbar, das zu machen», sagte der Grünen-Politiker. Wenn nicht noch etwas Überraschendes passiere, werde man Kitas und Grundschulen im Wechselbetrieb «behutsam» wieder öffnen können. Sie sind wie die meisten weiterführenden Schulen seit dem 16. Dezember geschlossen.

Nur Virusmutation könnte Rolle rückwärts auslösen

Die «Grundstruktur» des Konzepts des Kultusministeriums für die Öffnung der Grundschulen liege vor, sagte der Regierungschef. Die Klassen würden halbiert. Es gebe keine Präsenzpflicht und die Notbetreuung sei gewährleistet. Zudem lägen hochwertige Masken für Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen vor. Kretschmann betonte jedoch, wenn sich die neuen, wohl aggressiveren Virusvarianten aus Großbritannien oder Südafrika im Südwesten verbreiteten, gebe es eine neue Lage. «Das kann zu drastischen Maßnahmen führen.» Dann müssten auch Lockerungen wieder zurückgenommen werden, kündigte er an. «Wir sind noch nicht über den Berg. Wir sind in der schwierigsten Phase der Pandemie.»

Bäumchen wechsel' dich - nur die Hälfte darf zurück

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) dringt massiv auf die Öffnung. Sie wollte Kitas und Grundschulen eigentlich schon nach den Weihnachtsferien öffnen - «unabhängig von den Inzidenzen». In Baden-Württemberg gehen etwa 450 000 Kinder in Kitas und rund 382 000 besuchen eine Grundschule. Es gebe kaum Kinder, die mit Bussen und Bahnen in die Betreuung oder in die Grundschule kämen, betonte Kretschmann. Sie kämen zu Fuß oder würden von den Eltern gebracht. Das sei schon mal positiv. Experten sagten, Kinder unter zehn Jahren seien keine «Treiber» des Pandemiegeschehens.

Eisenmann greift dem Vernehmen nach bei ihrem Konzept für die Öffnung auf Erfahrungen aus dem Frühjahr 2020 zurück, als man nach dem ersten Lockdown auch schrittweise den Betrieb wieder hochfuhr. Demnach soll nur die Hälfte der Klassen oder Gruppen kommen. Ob das im Wochen- oder Tageswechsel ablaufen soll, kann voraussichtlich vor Ort unterschiedlich sein. Zu Beginn sollen in der Grundschule auch nur die ersten und zweiten Klassen kommen. In den Fasnachtsferien soll überprüft werden, ob die Öffnung Einfluss auf die Infektionszahlen haben.

Noch kein Termin für Öffnung von Gymnasien und Co.

Auf ein Datum für die Öffnung von weiterführenden Schulen wollte sich Kretschmann nicht festlegen - auch wenn die Kultusministerin hier ebenfalls Druck macht. «Es ist richtig, die Öffnungsstrategien werden grundsätzlich gemacht für Inzidenzen unter 50», sagte der Grünen-Politiker. Es gebe jetzt nur Ausnahmen für Unter-10-Jährige. «Darüber hinaus machen das Konzept die Chefs der Staatskanzleien und das Bundeskanzleramt.» Er setze hier auf eine gemeinsame Linie. «Wir wollen schauen, dass wir beisammen bleiben.» Bislang gibt es bei weiterführenden Schulen nur Ausnahmen für Abschlussklassen.

Der Umgang mit den Schulen hatte bei den Beratungen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einer Woche für einen langen Streit gesorgt. Mit der Lockerung zwei Wochen vor Ablauf des zunächst bis zum 14. Februar befristeten Lockdowns würde Baden-Württemberg, das in vielen Bereichen einen strengen Corona-Kurs fährt, einen Sonderweg beschreiten. Bund und Länder hatten den Lockdown auch an Schulen und Kitas bis Mitte Februar verlängert. Allerdings sind die Länder für die Bildungspolitik zuständig, und der Beschluss lässt ihnen Spielraum. Demnach ist Präsenzunterricht möglich, wenn die Präsenzpflicht ausgesetzt ist. Das ist in Baden-Württemberg schon seit Sommer der Fall.

Auch in anderen Bundesländern sind teilweise Schulen und Kitas grundsätzlich offen, aber eher als erweiterte Notbetreuung. Die Präsenzpflicht ist ausgesetzt oder Eltern werden gebeten, ihre Kinder nicht zu bringen - so etwa in Hessen. So umging man es, Ausnahmeregeln für bestimmte Berufsgruppen zu schaffen für eine Notbetreuung.

Lockerung der Ausgangssperre bleibt tabu

Kretschmann erteilte der Forderung von FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke nach einer Lockerung der Ausgangsbeschränkungen am Abend und in der Nacht eine Absage. «Erfahrungen aus Österreich zeigen, dass man nicht zu früh öffnen darf», sagte Kretschmann Deswegen werde man an der Ausgangssperre festhalten. Rülke hatte gesagt: «Es gibt keine Rechtfertigung mehr für die Ausgangssperre, wenn kein Kreis mehr über dem Inzidenzwert von 200 ist.» Die besonders strengen Beschränkungen im Südwesten, die von 20.00 Uhr bis 05.00 Uhr gehen, seien damit begründet worden, dass es Land- und Stadtkreise gebe, die eine Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 haben.

Rülke verlangte «eine nachvollziehbare Öffnungsstrategie». Die Hinweise von Bund und Ländern, der Lockdown müsse fortgesetzt werden, weil neue, aggressivere Virusvarianten die Lage zu verschärfen drohten, hält der FDP-Mann für nicht mehr nachvollziehbar. «Wenn man immer nur fürchtet, es könnten Mutanten kommen, dann kann man nie wieder öffnen.»

NRW-Schulministerin: Distanzunterricht bis zum 12. Februar

Düsseldorf (dpa)In Nordrhein-Westfalen wird bis zum 12. Februar in allen Schulen und Schulformen coronabedingt weiter Distanzunterricht erteilt. Das bekräftigte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Dienstag in Düsseldorf. NRW setze damit den jüngsten Bund-Länder-Beschluss konsequent um. Die Entscheidung sei nach Gesprächen mit allen Bildungsverbänden getroffen worden, sagte Gebauer. Zwar entwickelten sich die Infektionszahlen in NRW positiv, allerdings sei nicht abzuschätzen, wie schnell sich die Coronavirus-Mutationen ausbreiteten und wie gefährlich sie seien.

Per Post oder vor Ort: Millionen Schüler bekommen Zeugnisse

Wie bekommen die Schüler ihre Halbjahreszeugnisse? Das müssen die Schulen mitten in der Corona-Pandemie entscheiden. Ausgabe im Fünf-Minuten-Takt auf dem Schulhof, Zustellung per Post oder auch Übergabe an der Haustür - das sind einige der möglichen Lösungen.

Mit Schutzmaske und großem Abstandhalten im Einbahnstraßen-System an der Schule, per Post oder an der Haustür: Rund 2,5 Millionen Schüler in Nordrhein-Westfalen erhalten unter Corona-Schutzbedingungen bis zum Wochenende ihre Halbjahreszeugnisse. Wie genau die Ausgabe mitten im Distanzunterricht erfolgt, darüber können und müssen die einzelnen Schulen entscheiden. Dabei wird es in dieser Woche verschiedene Wege geben, wie Lehrer-Gewerkschaften im Vorfeld berichten. Stichtag der Übergabe ist Freitag, 29. Januar.

«Der häufigste Weg der Zeugnisübergabe wird sicherlich der postalische sein, ich weiß aber auch von einzelnen Schulen, die einen "Lieferdienst" unter Corona-Bedingungen anbieten», sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern der Deutschen Presse-Agentur. Dabei würden Lehrkräfte zu den Schülerinnen und Schülern fahren und an der Haustür mit dem gebotenen Abstand und Maske das Zeugnis überreichen. Das gehe aber nur, wenn der Weg nicht zu weit sei und sowohl Lehrkräfte als auch Schüler und Eltern dem zustimmten.

Ähnliche Erkenntnisse hat Stefan Behlau, Landeschef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE): «Die Rückmeldungen, die uns erreichen zeigen die unterschiedlichsten Wege.» Während die eine Schule auf den Postversand setze, gebe es an der anderen Schule für die Klassen «Abholzeiten» und an kleinen Schulen sei teilweise sogar das Personal als Bote unterwegs. Schulen könnten auch Zeugniskopien elektronisch versenden mit Zustimmung der Eltern. Die Originale würden dann in der hoffentlich wieder kommenden Präsenzzeit der Schulen ausgehändigt.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sieht in der Zeugnisvergabe einen wichtigen Schritt. «Das vergangene Schulhalbjahr hat fast vollständig im Präsenzunterricht stattgefunden. Daher gibt es Zeugnisse», hatte sie bereits in der vergangenen Woche erklärt.
Damit könnten Schülern auch in Zeiten der Pandemie ein Stück
Normalität gegeben und Lernerfolg dokumentiert werden. Die Schulen entschieden in eigener Verantwortung vor Ort über die konkrete Ausgestaltung der Zeugnisübergabe. Dem Schulministerium liegen dazu nach Angaben eines Sprechers keine näheren Erkenntnisse vor.

Auch die GEW-Landesvorsitzende Finnern sieht den Präsenzunterricht als den größeren Faktor für die Noten als den derzeit laufenden Distanzunterricht, der entsprechend einer Verordnung des Landes bewertet werde. «Allerdings muss man ganz klar sagen, dass die Noten für das Halbjahr ja jetzt bereits feststehen, von der gesamten Unterrichtszeit waren circa zwei Wochen Unterricht auf Distanz, daher wird die Rolle für die Note gering sein», verdeutlichte sie.

«Natürlich sind die Bewertungsparameter im Distanzunterricht andere als im Präsenzunterricht», sagt der VBE-Landeschef. Nichtsdestotrotz könnten auch beim Distanzunterricht Lern- und Leistungsfortschritte durch die Lehrkräfte beobachtet und bewertet werden. «Teilweise sind individuelle Rückmeldungen für Lernerzeugnisse sogar eher möglich als im gemeinschaftlichen Unterricht im Klassenraum.» Gesprächs- oder Beratungsbedarf würden in der Regel per Telefon oder Videotelefonie geregelt. Auch die GEW NRW betont: Bei Gesprächsbedarf könnten die Lehrkräfte kontaktiert werden, da biete jede Schule Lösungen an.

Nach Ministeriumsangaben ist der 29. Januar als Zeitpunkt der Aushändigung der Halbjahreszeugnisse vorgesehen. An den Grundschulen ist demnach die Aushändigung der Zeugnisse schon seit Montag möglich.

Philologenverband gegen «Freischuss» bei Abiprüfungen

Der Philologenverband hält den SPD-Vorschlag für einen «Freischusses» bei den Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen für keine gute Idee. «Es könnte dann passieren, dass das NRW-Abitur bundesweit nicht mehr anerkannt wird», sagte die Vorsitzende Sabine Mistler der «Rheinischen Post» (Dienstag). Einige Bundesländer hätten bereits mit den Abiturprüfungen begonnen. Eine solche Regelung für eine freiwillige Wiederholungsmöglichkeit im Herbst berge überdies terminliche Probleme: «Im Herbst müssen sich die Schüler ja bereits an den Universitäten einschreiben.» Um die Abiturienten zu entlasten, müssten hingegen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, ihnen eine größere Auswahl bei den Abituraufgaben zu ermöglichen, erklärte sie.

Die oppositionelle SPD im Landtag hatte sich am Montag angesichts der Corona-Einschränkungen wie den Distanzunterricht für einen «Freischuss» bei den Abiturprüfungen ausgesprochen. Das würde kurzfristig Druck von den Schülern nehmen, «gerade in der jetzigen Situation, wo viele Jugendliche sehr nervös sind», sagte der SPD-Schulexperte und stellvertretende Fraktionschef Jochen Ott. Für den Herbst solle daher ein «zweiter Prüfungskreislauf» angeboten werden. Damit könnte man das Abitur im Herbst freiwillig wiederholen.

25.01.2021 10.31 Uhr

Ernst: Voraussichtlich keine Schulöffnung nach den Winterferien

Als Präsidentin der Kultusministerkonferenz wünscht sich Brandenburgs Bildungsministerin eine baldige Öffnung der Grundschulen - doch in ihrem Bundesland stehen die Chancen dafür schlecht, sagt Ministerin Ernst. Denn noch seien die Infektionszahlen im Land zu hoch.

In Brandenburg wird es nach Einschätzung von Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) nach den Winterferien voraussichtlich keine Öffnung von Schulen geben. «Wir hätten gern mit den Grundschulen im Wechselmodell gestartet, aber wir müssen feststellen, dass die Infektions-Inzidenzen diese Entscheidung bisher nicht erlauben», sagte Ernst am Montag im Gesundheitsausschuss des Landtags. Außerdem sei die Mutation des Coronavirus noch nicht einzuschätzen. «Daher werden wir wohl im Laufe der Woche zu einer Verständigung kommen, dass wir die Grundschulen nicht, wie erhofft, nach den Winterferien im Präsenzunterricht öffnen können.»

Die Winterferien dauern vom 1. bis zum 6. Februar. Seit Anfang Januar lernen die Schüler in Brandenburg im Fernunterricht von zu Hause, ausgenommen sind die Abschlussklassen und die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Nach Angaben von Ernst nutzen etwa 13 Prozent der Schüler und der Kinder in den Horten die Notbetreuung.

Wegen des Fernunterrichts erhalten die meisten Schüler ihre Halbjahreszeugnisse in diesem Jahr per Post und nicht am Freitag als letztem Schultag vor den Winterferien. Der Versand erfolge nach den Ferien am 8. Februar, teilte das Ministerium mit. Die Zeugnisse und weiteren Unterlagen für die Sechstklässler an den Grundschulen, die diese für den Übergang auf eine weiterführende Schule benötigten, würden bereits am Freitag versandt. Die Schüler der Abschlussklassen und der Förderschulen, die im Präsenzunterricht sind, erhalten ihre Zeugnisse am Freitag in den Schulen. Per Email dürfen aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Zeugnisse zugestellt werden.

Als Präsidentin der Kultusministerkonferenz hält Ernst erste Schulöffnungen in Deutschland Anfang Februar aber für denkbar. «Sicher nicht vollständig», sagte sie der «Rheinischen Post» (Montag). «Aber ich halte das bei entsprechender Infektionslage beispielsweise mit Wechselunterricht für möglich. Allerdings kann das anfangs auch nur für Abschlussklassen und die ersten Klassenstufen gelten.» Die SPD-Politikerin verwies auf ein sehr unterschiedliches Infektionsgeschehen in den Bundesländern. «Ich finde es richtig, wenn die Länder die Spielräume, die ihnen die Beschlüsse bieten, unterschiedlich nutzen», betonte Ernst.

Der Linke-Abgeordnete Ronny Kretschmer kritisierte im Ausschuss, dass Brandenburg im Widerspruch zum Bund-Länder-Beschluss die Kitas grundsätzlich offen halte. Daher stimmten die Linke-Vertreter im Ausschuss erstmals gegen die neue Corona-Verordnung, die das Kabinett am Donnerstag beschlossen hatte. Auch die AfD, die die Beschränkungen grundsätzlich ablehnt, stimmte dagegen. Mit der Mehrheit der rot-schwarz-grünen Koalition stimmte das Gremium aber insgesamt für die neue Verordnung.

«Es ist nicht zielführend, wenn jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht und brandgefährlich, wenn man sich die Ausbreitung der Mutation ansieht», erklärte Kretschmer nach der Ausschusssitzung. Viele Erzieherinnen in den Kitas fühlten sich unzureichend geschützt, mahnte er. «Wenn man Kitas und Schulen unter Pandemie-Bedingungen öffnen will, dann müssen mindestens kostenlose FFP2-Masken für die Beschäftigten zur Verfügung gestellt und die Teststrategie dringend überarbeitet und ausgeweitet werden.»

Ernst erklärte dazu, dass die Zahl der Corona-Tests für die Beschäftigten in den Kitas ausgeweitet werden soll. Weiterhin gilt in Brandenburg auch der Appell an die Eltern, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Nach Angaben von Ernst besuchen derzeit zwischen 40 und 60 Prozent der Kinder die Kitas.

SPD-Fraktion in NRW für «Freischuss» bei Abiturprüfungen

Die oppositionelle SPD-Landtagsfraktion im nordrhein-westfälischen Landtag hat sich angesichts der Corona-Einschränkungen für einen «Freischuss» bei den Abiturprüfungen in diesem Jahr ausgesprochen. Das würde kurzfristig Druck von den Schülern nehmen, «gerade in der jetzigen Situation, wo viele Jugendliche sehr nervös sind», sagte der SPD-Schulexperte und stellvertretende Fraktionschef Jochen Ott am Montag in Düsseldorf. Für den Herbst solle daher ein «zweiter Prüfungskreislauf» angeboten werden.

Skeptisch äußerte sich Ott zu Vorschlägen, die Abiturprüfungen dieses Jahr ganz zu streichen und Abschlüsse auf Basis von Durchschnittsnoten zu vergeben. Bei den Abiturienten dieses Jahrgangs stelle sich die Frage, ob sie angesichts der coronabedingten Ausfälle bei den Halbjahresnoten «zeigen konnten, was sie drauf haben», sagte Ott. Für viele Schüler wäre es daher wahrscheinlich ein Vorteil, wenn sie die Abiprüfungen machen könnten.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte bereits erklärt, dass das Land trotz der Corona-Krise gemäß einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) auch in diesem Schuljahr an Abschlussprüfungen festhalte. Das gelte für das Abitur und auch für die mittleren Schulabschlüsse.

KMK-Präsidentin: Erste Schulöffnungen Anfang Februar möglich

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, hält erste Schulöffnungen Anfang Februar für möglich. «Sicher nicht vollständig», schränkte die brandenburgische Bildungsministerin in der «Rheinischen Post» ein. «Aber ich halte das bei entsprechender Infektionslage beispielsweise mit Wechselunterricht für möglich. Allerdings kann das anfangs auch nur für Abschlussklassen und die ersten Klassenstufen gelten. Distanzunterricht über einen langen Zeitraum tut insbesondere den Grundschulkindern nicht gut.»

«Kein Land sollte auf ein anderes warten müssen, um seine Schulen zu öffnen», sagte die SPD-Politikerin und verwies auf ein sehr unterschiedliches Infektionsgeschehen in den Bundesländern. «Ich finde es richtig, wenn die Länder die Spielräume, die ihnen die Beschlüsse bieten, unterschiedlich nutzen.»

Zur Frage, ob an Corona-Abschlüssen ein Makel haften bleiben könnte, sagte Ernst: «Diese Absolventen werden es sein, die unter sehr schwierigen Rahmenbedingungen einen Abschluss gemacht haben. Sie haben gelernt, noch eigenverantwortlicher zu arbeiten. Das wird ihnen im späteren Leben sogar helfen. Und ich hoffe, dass auch die Personalabteilungen in diesem Meistern der Krise einen besonderen Wert potenzieller Bewerberinnen und Bewerber erkennen werden. Ein Abschlusszeugnis der Jahre 2020 und 2021 kann künftig als besondere Auszeichnung gelten, nicht als Makel.»

Die SPD-Politikerin sprach sich im Interview mit der Zeitung zudem für Lernangebote in den Sommerferien aus. «Das finde ich sehr wichtig. In den Sommerferien sollten Schulen Angebote machen, auch um Lernstoff nachzuholen, der im Distanzunterricht auf der Strecke blieb. Das hat es ja auch im letzten Jahr schon in vielen Bundesländern gegeben», sagte Ernst.

Corona zwingt ins digitale Klassenzimmer - Schulplattform profitiert

Das Gute an der Corona-Krise ist für viele, dass sie Nachholbedarf schonungslos aufgedeckt. Die Digitalisierung der Schulen gehört offensichtlich dazu. Von der Suche nach schnellen Lösungen und langfristiger Umstellung profitiert ein Anbieter aus Braunschweig.

Geteilte Klassen, aufgehobene Präsenzpflicht und Unterricht auf Distanz - die coronabedingten Einschränkungen stellen alles auf den Kopf, was mal als Schulalltag galt. Vom Homeschooling im Lockdown, also auch dem digitalen Lernen per Videounterricht, profitiert das kleine Braunschweiger Unternehmen Iserv. Für die Schulplattform gab es zwar schon vor Corona regen Zulauf - die Möglichkeit zum Unterricht im digitalen Klassenraum lässt die Zugriffszahlen aber in ungeahnte Höhen schnellen.

Beim Besuch in der Braunschweiger Firmenzentrale wird die Aufbruchsstimmung spürbar, obwohl auch dort die Pandemie viele Mitarbeiter ins Homeoffice zwingt. «Es werden derzeit jeden Tag fünf Prozent mehr», sagt Geschäftsführer Jörg Ludwig beim Blick auf die Zugriffszahlen. Seine Botschaft an die Schulen, die sich in der Corona-Krise erneut umstellen müssen: «Wir haben die Lösung».

Tatsächlich rennen ihm die Kunden seit Anfang des Jahres die digitale Bude ein. Erstmals über eine Million Nutzungsstunden registrierte Iserv nach eigenen Angaben am vergangenen Donnerstag. Über den Tag verteilt seien dies 2,55 Millionen Beitritte zu Videokonferenzen, die im Schnitt 20 bis 30 Minuten dauerten. Die Grafik, die Geschäftsführer Jörg Ludwig dazu vorlegt, zeigt vor allem, dass diese Daten die Werte aus dem ersten Lockdown im Frühjahr um ein Vielfaches übersteigen.

Nach den Weihnachtsferien starteten laut Kultusministerium rund 94 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen in den Unterrichtsalltag mit Distanzunterricht. Wie lange der nun verschärfte Lockdown den Schulbetrieb einschränkt, ist derzeit völlig unklar. Für Iserv heißt das: «Kundenstamm verdoppelt». Auf der Homepage weist das Unternehmen mehr als 4500 «zufriedene Schulen» aus, Anfang letzten Jahres seien es noch 2300 Schulen gewesen. Neben Niedersachsen ist Iserv auch etwa in Schleswig-Holstein, Hamburg und Hessen aktiv, zuletzt sei die Hälfte der Käufer aus Nordrhein-Westfalen dazugekommen.

Viele Kunden sind dem Schulleitungsverband in Niedersachsen zufolge sehr zufrieden mit der Lösung. «Ich habe bisher nur positive Rückmeldungen», sagt die Verbandsvorsitzende Andrea Kunkel. Dass ihre Grundschule in Langenhagen die Plattform rechtzeitig vor Corona im Februar 2020 angeschafft habe, wertet sie heute als «Glücksgriff». Möglich sind die derzeit gefragten Videokonferenzen auch über die Niedersächsische Bildungscloud (NBC) und andere Anbieter. Die Stadt Hannover warb zuletzt beispielsweise für das eigene Angebot über die Plattform schulen-hannover.de.

Die Verantwortlichen bei Iserv sehen sich aber weiter auf Expansionskurs. Im vergangenen Jahr stieg die Mitarbeiterzahl von 60 auf 110. «Jetzt planen wir weitere 50 Einstellungen und gehen sicher bald auf die 200 zu», sagt Firmen-Chef Jörg Ludwig, der Iserv vor 20 Jahren als Angebot für Kommunikation, Organisation und Netzwerktechnik gründete. «Videokonferenzen haben wir früher gar nicht gemacht, jetzt war aber schnell klar, dass die Schulen das brauchen würden», sagt er. Derzeit entstehe eine neue Zentrale in Braunschweig.

Als «tierisch ärgerlich» bezeichnet der 38-jährige Informatiker den «etwas vermasselten Schulstart». Weil die Technik nicht ganz rund lief, war die Videokonferenz zunächst nicht voll einsetzbar. Die Panne bremste den digitalen Unterricht aber nur an dem Montag aus. Die Pandemie habe die Digitalisierung der Schulen sehr beschleunigt. «Wir haben in der Entwicklung fünf Jahre übersprungen», sagt Iserv-Gründer Ludwig. Sein Unternehmen dürfte davon noch einige Zeit profitieren.

24.01.2021 20.43 Uhr

Thüringens Schulen sollen erst bei niedriger Inzidenz wieder öffnen

Thüringen belegt bundesweit den Negativ-Spitzenplatz bei der Sieben-Tage-Inzidenz. Nun sollen die Schulen erst wieder komplett öffnen, wenn der Wert deutlich sinkt. Zwischenschritte schließt Bildungsminister Holter aber nicht gänzlich aus.

Wegen zu hoher Inzidenzwerte rechnet Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) damit, dass Schulen noch längere Zeit geschlossen bleiben. «Das bedeutet: Bei einer Inzidenz unter 50 können wir den normalen Betrieb wieder aufnehmen», sagte Holter der Deutschen Presse-Agentur. Man müsse damit rechnen, dass die Schulen wegen des Infektionsgeschehens noch bis Ostern geschlossen bleiben könnten. «Wenn die Inzidenzen zurückgehen, werden auch die Schulen im eingeschränkten Betrieb oder auch im vollen Betrieb wieder arbeiten», sagte Holter.

Zwischenschritte auf dem Weg zu einem Wert von unter 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen seien denkbar. «Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 200 können wir auch zusammen mit dem Gesundheitsministerium entscheiden, ob wir in den eingeschränkten Regelbetrieb wechseln», sagte der Minister. Dies müsse dann auch dauerhaft anhalten.

In Thüringen war die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in den vergangenen Tagen leicht gesunken. Trotzdem lag das Land im bundesweiten Vergleich nach Zahlen vom Sonntag mit einem Wert von 207,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche weiterhin bundesweit auf dem Nagativ-Spitzenplatz.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) wies darauf hin, dass die Belegung der Intensivbetten in Thüringen weiterhin zu hoch sei. «Wir brauchen noch einige Wochen, um die Stabilität wieder zu erreichen», erklärte er. Mit Stand vom Sonntag waren in Thüringen 625 intensivmedizinische Betten in den Krankenhäusern belegt - und nur 127 frei. Holters Pläne bezeichnete Ramelow als «verantwortungsvolle Politik». «Und ja, sobald es nach unten geht, kann endlich anders gehandelt werden», betonte der Regierungschef.

Die Thüringer CDU-Fraktion kritisierte Holter für seine Aussagen, dass die Schulen möglicherweise bis Ostern geschlossen bleiben müssen, scharf. «Erst zieht er die Winterferien nach vorne, um die Schulen zum 1. Februar wieder öffnen zu können. Jetzt überrascht er die Schüler am ersten Ferientag mit der Ankündigung, dass sie bis nach Ostern zu Hause bleiben sollen», erklärte CDU-Fraktionschef Mario Voigt.

Auch die AfD-Fraktion lehnt Holters Pläne ab. «Wir fordern ausdrücklich nach den Winterferien zum Präsenzunterricht für alle Schularten und Klassenstufen zurückzukehren», erklärte der bildungspolitische Sprecher der Thüringer AfD-Fraktion, Denny Jankowski.

Am Montag soll eine neue Verordnung mit schärferen Anti-Corona-Maßnahmen veröffentlicht werden, am Dienstag soll sie in Kraft treten. Ein Entwurf sieht bislang unter anderem vor, dass die Menschen künftig in öffentlichen Verkehrsmitteln eine medizinische Maske tragen müssen.

Die Thüringer Landesregierung diskutiert in diesem Zusammenhang, medizinische Masken für Bedürftige kostenlos zur Verfügung zu stellen. Es gebe dazu Gespräche, eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, erklärte ein Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums auf Anfrage. Bisher fehlt noch die Zustimmung des Finanzministeriums.

Linke-Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow schrieb am Samstag bei Twitter: «Menschen in #Grundsicherung können sich medizinische Masken kaum leisten. Deshalb wird #Thüringen für sie die Masken zügig & kostenlos zur Verfügung stellen. Das Verteilen übernehmen die Kommunen. #solidarischerLockdown»

Auch SPD-Landespolitiker hatten dafür geworben, medizinische Masken für bedürftige Menschen auf Kosten des Landes zu ermöglichen.

Niedersachsen will Ferien nicht verschieben - Elternrat: Kein Konzept

Kultusminister Tonne will trotz Wechselunterricht und Distanzlernen an den Ferienterminen in Niedersachsen festhalten. Eine Verschiebung der Prüfungen für Abschlussjahrgänge lehnt er ab. Bei vielen Eltern wird der Unmut über das Hin und Her der Unterrichtsmodelle größer.

Die Schulferien in Niedersachsen sollen trotz der Corona-Einschränkungen nicht verschoben werden. «In so einer verrückten Zeit ist man gut beraten, nichts grundsätzlich auszuschließen. Unser Ziel ist aber so viel Verlässlichkeit wie möglich. Dazu gehören die Ferienzeiten», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.

Die Ferien seien «für die Lehrer bitter nötig, aber auch für die Schüler», betonte Tonne. Auch wenn der Großteil der Schüler derzeit zu Hause unterrichtet wird, sei der Distanzunterricht nicht mit Ferien gleichzusetzen. «Das ist jetzt teilweise stressiger, als wenn sie zur Schule gehen würden», sagte der Minister. «Mein Appell ist deshalb, nicht leichtfertig zu sagen, die waren doch zu Hause, die brauchen jetzt keine Ferien. Doch, die brauchen sie dringend.»

Währenddessen wächst auf Seiten der Eltern der Unmut über die erneuten Veränderungen in der Unterrichtsversorgung - darunter vor allem die Aussetzung der Präsenzpflicht. Aus dem Landeselternrat hieß es am Wochenende, das Land werde hier seiner Verantwortung nicht gerecht.

Bayern hatte seine Faschingsferien vom 15. bis 19. Februar abgesagt, um in der Zeit Unterricht nachzuholen, der wegen der Pandemie ausgefallen ist. Niedersachsen hat zwei Tage Halbjahresferien am 1. und 2. Februar, Osterferien vom 29. März bis 9. April sowie Ferientage am 14. und 25. Mai. Die Sommerferien beginnen am 22. Juli.

Auch an den Terminen für die Abschlussprüfungen hält die Landesregierung bisher fest. «Eine Absage der Prüfungen halte ich zum jetzigen Zeitpunkt für falsch. Das ist eine Debatte zur Unzeit», sagte Tonne. «Die Schüler haben Anspruch auf eine faire Prüfung.» Der Schulleitungsverband Niedersachsen hatte Mitte Januar gefordert, die Prüfungen abzusagen und auch auf das Sitzenbleiben zu verzichten. Insbesondere bei den Lehrern stieß der Vorschlag allerdings auf Widerstand. Die Lehrer warnten vor «Notabschlüssen», denen es bundesweit an Anerkennung mangeln könne.

Eine Verschiebung der Abiturprüfungen sei «unwahrscheinlich, weil das nur wenige zusätzliche Tage bringen würde», sagte der Kultusminister nun. «Ob es zu Verschiebungen bei den mittleren Abschlüssen kommt, werden wir in den nächsten Wochen entscheiden.»

Tonne betonte, dass das Land es bereits ermöglicht habe, Inhalte, die nicht im Unterricht behandelt worden seien, von den Prüfungen auszunehmen. «Die Schulen erhalten auch bei den zentralen Prüfungen eine größere Auswahl bei den Aufgaben», versicherte der SPD-Politiker.

Für ein «Abschlussprüfungspuzzle» mit mehr Auswahlmöglichkeiten für die Lehrer hatte auch der Landesschülerrat geworben. «Die Lehrer wissen am besten, was ihre Schüler verpasst haben oder nicht», sagte der Vorsitzende Florian Reetz vor einigen Tagen.

Das Kultusministerium rechnet damit, dass von Montag an mehr als 75 Prozent der Schüler zu Hause unterrichtet werden. Für Grundschüler und Abschlussjahrgänge im Wechselunterricht hatte Niedersachsen die Präsenzpflicht vor einigen Tagen aufgehoben - nach langem Ringen mit dem Bund. Minister Tonne hält aber an seiner Einschätzung fest, dass Schulen keine Pandemiebeschleuniger seien. «Meine Aussage hat Bestand: Schulen sind keine Treiber der Pandemie», sagte er.

Die Kultusministerkonferenz hatte am Donnerstag beschlossen, dass die Abschlussprüfungen an Schulen und Berufsschulen nach derzeitigen Plänen wie geplant stattfinden sollen. Die Abschlüsse sollen in den Ländern gegenseitig anerkannt und als gleichwertig mit denen anderer Jahrgänge eingestuft werden. Der Beschluss ist allerdings nicht rechtlich bindend. Mecklenburg-Vorpommern hat seine schriftlichen Abiturprüfungen bereits vom 13. auf den 23. April verschoben.

Ab der neuen Woche sollen nach Vorstellung des Landes möglichst viele Kinder auch an Grundschulen wieder ins Distanzlernen zurückkehren - wobei es den Eltern freisteht zu entscheiden, ob der Nachwuchs nicht doch im Wechselunterricht bleibt. Der Landeselternrat kritisierte, so werde Verantwortung abermals auf die Familien abgewälzt. Nach wie vor seien zudem die Schutzkonzepte unzureichend. «Die erneute Aufhebung der Präsenzpflicht belegt, dass die Landesregierung nicht in der Lage ist, ihrer Fürsorgepflicht für die Sicherheit der Schüler*innen und Lehrkräfte gerecht zu werden», hieß es. Ein durchgehend «wirksamer Gesundheits- und Infektionsschutz» in den Schulen sei weiter nicht gesichert, obwohl es dazu bereits seit längerem Vorschläge gebe.

Die Vorsitzende der Elternvertretungen, Cindy-Patricia Heine, sieht «Organisationsverschulden»: «Nunmehr treffen uns die Notwendigkeiten des Distanzlernens und der Betreuung erneut nahezu unvorbereitet.» Technische Probleme beim Online-Unterricht und mangelnde Ausstattung verschärften die Lage. Am dringendsten bräuchten die Schulen jedoch tragfähige Vorgaben zum Infektionsschutz, betonte Heine mit Blick auf den Fristablauf verschärfter Corona-Maßnahmen Mitte Februar. «Oder will man dann wieder tagesaktuell inzidenzabhängige Entscheidungen treffen? Der Minister spricht aktuell von hohen Sicherheitsmaßnahmen in Schulen. Sollen das weiterhin Lüften, Abstand und Masken sein? Es hat sich doch erwiesen, dass diese Maßnahmen unzureichend sind.»

23.01.2021 16.54 Uhr

Holter knüpft Öffnung der Schulen an niedrigen Inzidenzwert

Nach den Winterferien sollen die Schulen in Thüringen weitgehend geschlossen bleiben. Der Bildungsminister stellt Eltern darauf ein, dass dies auch noch lange so bleiben könnte. Die Opposition übt heftige Kritik. Der Regierungschef springt seinem Minister bei.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) will die Schulen im Freistaat erst bei einem niedrigen Inzidenzwert wieder komplett öffnen. «Das bedeutet: Bei einer Inzidenz unter 50 können wir den normalen Betrieb wieder aufnehmen», sagte Holter am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich betonte er erneut, man müsse damit rechnen, dass die Schulen noch bis Ostern wegen des Infektionsgeschehens geschlossen bleiben könnten. Zuvor hatte Holter über diese Perspektive am Freitag im MDR Thüringen Journal gesprochen.

«Wir stellen uns darauf ein, dass das bis Ostern gehen kann. Wenn die Inzidenzen zurückgehen, werden auch die Schulen im eingeschränkten Betrieb oder auch im vollen Betrieb wieder arbeiten», sagte Holter der dpa. Zwischenschritte auf dem Weg zu einem Wert von unter 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen seien denkbar. «Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 200 können wir auch zusammen mit dem Gesundheitsministerium entscheiden, ob wir in den eingeschränkten Regelbetrieb wechseln», sagte der Minister. Dies müsse dann auch dauerhaft anhalten.

Im Bildungsministerium überarbeite man derzeit das Stufenkonzept für den Schulbetrieb in Corona-Zeiten. Bislang regelte das Konzept, wann eine Schule im normalen Betrieb (Stufe grün) arbeiten konnte, in den eingeschränkten Betrieb gehen musste (Stufe gelb) oder zum Beispiel wegen Corona-Infektionen an der Schule selbst ganz schließen musste (Stufe rot).

Thüringen galt auch am Samstag als das Land mit dem bundesweit höchsten Inzidenzwert. Im Freistaat lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen bei 209,5, wie aus Zahlen der Thüringer Staatskanzlei hervorgeht.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) wies darauf hin, dass die Belegung der Intensivbetten in Thüringen weiterhin zu hoch sei. «Wir brauchen noch einige Wochen, um die Stabilität wieder zu erreichen», erklärte er. Mit Stand vom Samstag waren in Thüringen 636 intensivmedizinische Betten in den Krankenhäusern belegt - und nur 112 frei. Holters Pläne bezeichnete Ramelow als «verantwortungsvolle Politik». «Und ja, sobald es nach unten geht, kann endlich anders gehandelt werden», betonte der Regierungschef.

Die Thüringer CDU-Fraktion kritisierte Holter für seine Aussagen, dass die Schulen möglicherweise bis Ostern geschlossen bleiben müssen, scharf. «Erst zieht er die Winterferien nach vorne, um die Schulen zum 1. Februar wieder öffnen zu können. Jetzt überrascht er die Schüler am ersten Ferientag mit der Ankündigung, dass sie bis nach Ostern zu Hause bleiben sollen», erklärte CDU-Fraktionschef Mario Voigt.

Er monierte, dass die Schulcloud nur unzureichend laufe und «praktikable Alternativen» nicht zugelassen würden. «Die daraus resultierenden Bildungsdefizite sollen durch das Aushebeln der Versetzungsentscheidung kaschiert werden», kritisierte Voigt. Die Aussicht, ihre Kinder noch weitere zweieinhalb Monate parallel zum eigenen Job zu Hause zu beschulen, lasse viele Eltern verzweifeln, so der Fraktionschef.

Auch die AfD-Fraktion lehnt Holters Pläne ab. «Wir fordern ausdrücklich nach den Winterferien zum Präsenzunterricht für alle Schularten und Klassenstufen zurückzukehren», erklärte der bildungspolitische Sprecher der Thüringer AfD-Fraktion, Denny Jankowski. Die AfD hatte bereits am Freitag gefordert, die weiteren geplanten Anti-Corona-Maßnahmen nicht umzusetzen und die aktuell geltenden Regeln außer Kraft zu setzen.

Die neue geplante Verordnung soll nach bisherigen Plänen am Montag veröffentlicht werden und am Dienstag in Kraft treten. Sie sieht unter anderem vor, dass neben den Schülern der Abschlussklassen auch Kinder und Jugendliche mit besonderem Förder- oder Unterstützungsbedarf wieder in der Schule unterrichtet werden können.

Dem Deutschlandfunk sagte Holter dazu: «Wir haben gar keine andere Chance, als diese Schülerinnen und Schüler, die nicht richtig mitkommen beziehungsweise abgehängt sind, in die Schulen zu holen.» Er wisse, dass die Schulen diese Schüler unterstützen würden. «Wir können nicht diese jungen Menschen abschreiben und sagen: Es ist uns egal.»

Holter will Schüler mit Unterstützungsbedarf in die Schulen holen

Kinder und Jugendliche mit besonderem Förder- oder Unterstützungsbedarf sollen bereits früher als andere wieder an den Schulen unterrichtet werden. «Wir haben gar keine andere Chance, als diese Schülerinnen und Schüler, die nicht richtig mitkommen beziehungsweise abgehängt sind, in die Schulen zu holen», sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Samstag in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Lehrer berichteten ihm, dass sie belastet und teils auch überlastet seien. Aber er wisse von den Schulen, dass sie dies gut organisierten. «Die Schulen machen das teils bereits eigenständig», sagte Holter.

Ein aktueller Entwurf für eine neue Corona-Verordnung sieht unter anderem vor, dass neben den Abschlusskandidaten auch Schüler mit «sonderpädagogischem Förderbedarf oder besonderem Unterstützungsbedarf» wieder am Präsenzunterricht teilnehmen können. Dabei soll vor allem der Lese- und Schriftspracherwerb in der Schuleingangsphase berücksichtigt werden, heißt es in dem Entwurf. Eine endgültige Fassung der neuen Verordnung soll voraussichtlich am Montag veröffentlicht werden und am Dienstag in Kraft treten.

Holter bekräftigte in dem Deutschlandfunk-Interview, dass er mit lang andauernden Schulschließungen rechne - möglicherweise bis Ostern. «Wenn wir diese Gruppe der Schülerinnen und Schüler nicht verlieren wollen, müssen wir sie in die Schulen zurückholen», sagte der Linke-Politiker. Er wisse, dass die Schulen diese Schüler unterstützen würden. «Wir können nicht diese jungen Menschen nicht abschreiben und sagen: Es ist uns egal.»

Minister: Abschlussprüfungen in Niedersachsen werden nicht verschoben

Obwohl der Großteil der Schüler derzeit zu Hause unterrichtet wird, will Niedersachsens Landesregierung an den Terminen für die Abschlussprüfungen in den Schulen festhalten. «Eine Absage der Prüfungen halte ich zum jetzigen Zeitpunkt für falsch. Das ist eine Debatte zur Unzeit», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. «Die Schüler haben Anspruch auf eine faire Prüfung.» 

Der Schulleitungsverband Niedersachsen hatte Mitte Januar gefordert, die Prüfungen abzusagen. Insbesondere bei den Lehrern stieß der Vorschlag allerdings auf Widerstand. Die Lehrer warnten vor «Notabschlüssen», denen es bundesweit an Anerkennung mangeln könne.

Kultusminister Tonne sagte nun, eine Verschiebung der Abiturprüfungen sei «unwahrscheinlich, weil das nur wenige zusätzliche Tage bringen würde». Er ergänzte aber: «Ob es zu Verschiebungen bei den mittleren Abschlüssen kommt, werden wir in den nächsten Wochen entscheiden.»

Tonne betonte, dass das Land es schon jetzt ermöglicht habe, Inhalte, die nicht im Unterricht behandelt wurden, von den Prüfungen auszunehmen. «Die Schulen erhalten auch bei den zentralen Prüfungen eine größere Auswahl bei den Aufgaben», versicherte er.

Nachfrage nach Notbetreuung wächst - Kritik von Lehrern und Erziehern

Angesichts weiter steigender Zahlen von Kindern in der Notbetreuung schlagen Baden-Württembergs Lehrer- und Erzieherverbände Alarm. In sehr vielen Kitas und Grundschulen gebe es eine Auslastung von 60 bis 70 Prozent, erklärte ein Sprecher des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). «Dies ist dann in der Tat eine Öffnung durch die Hintertür. Der Infektionsschutz wird hierdurch konterkariert.» Die Gewerkschaft Verdi bemängelte, dass Kitas durch die unverbindlichen Regelungen faktisch die ganze Zeit offen seien - mit Teams in voller Besetzung.

Das Kultusministerium nennt weit niedrigere Zahlen: Der Anteil der Schüler in der Notbetreuung sei zuletzt um etwa ein Drittel gestiegen und liege landesweit bei etwa 15 Prozent. Bei Kitakindern seien es zwischen 25 und 50 Prozent. Über diese Zahlen hatten zuvor auch «Stuttgarter Zeitung» und die «Stuttgarter Nachrichten» berichtet.

Bund und Länder hatten sich am Dienstag darauf verständigt, den Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie bis zum 14. Februar zu verlängern. Baden-Württembergs Landesregierung plant jedoch eine schrittweise Öffnung von Kitas und Grundschulen ab dem 1. Februar, sofern die Infektionszahlen das zulassen. Für Kita-Kinder und Schüler der Klassen 1 bis 7 gibt es aber schon vorher wie bislang die Möglichkeit einer Notbetreuung. Die Voraussetzungen dafür sind recht vage formuliert, was bei Verbänden auf Kritik stößt.

Das Kultusministerium sperrt sich jedoch gegen strengere Regelungen. Nicht nur Eltern in systemrelevanten Berufen könnten auf eine Betreuung ihrer Kinder zwingend angewiesen sein, betonte eine Sprecherin.

Gehackter Distanzunterricht: Pornografie statt Mathe und Deutsch

Wenn Kinder unvermittelt mit Pornografie konfrontiert sind, ist das ein Schock. Umso größer ist die Verunsicherung, wenn dies im Klassenzimmer passiert. Eine neue Gefahr für den Distanzunterricht?

Es war eine Situation, wie sie derzeit täglich tausendfach in Deutschland vorkommt: Eine Grundschulklasse ist per Videokonferenz zum Distanzunterricht zusammengeschaltet. Doch plötzlich bekommen die Kinder Nacktbilder oder Pornografie angezeigt. Solche Fälle, wie sie sich in der zurückliegenden Woche in Bayern, Hessen und Berlin ereignet haben, scheinen bislang noch selten zu sein. Und doch sind Fachleute besorgt.

Denn die Folgen für die Kinder sind gravierend. «Egal, wie aufgeschlossen ein Kind erzogen ist, es ist für jedes Kind eine Schocksituation, wenn es im Schonraum Schule, im Schonraum Distanzunterricht, im Schonraum der Gruppe, die es kennt, plötzlich eine solche Begegnung hat», sagt die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann. «Das ist eine neue Gefahr für den Unterricht.»

Thomas G. Rüdiger, Kriminologe von der Polizeihochschule Brandenburg, geht noch einen Schritt weiter: «So viele Kinder kommen gerade jetzt in der Corona-Situation erstmals ins Netz. Die sollen jetzt alle irgendwelche E-Learning-Video-Geschichten machen, oder die Eltern setzen sie vor Endgeräte, um im Homeoffice in Ruhe arbeiten zu können. Aber wenn man die Kinder ins Netz lässt - das ist ein globaler Interaktionsraum ohne Grenzen - kann ihnen das überall passieren, dass sie mit übergriffigen Inhalten konfrontiert werden.»

«Das ist kein Thema nur im Zusammenhang mit Schule», bilanziert Rüdiger deshalb - und sieht dennoch die Lösung des Problems auch im Bildungssystem. «Wir haben in ganz Deutschland noch immer nicht verpflichtend Medienkompetenz ab der ersten Klasse, und das fällt uns jetzt auf die Füße.» Zudem müssten die Eltern unbedingt mit ihren Kindern über die Gefahren reden.

Der Polizei sind Fälle von gesprengten Videokonferenzen durchaus bekannt, ähnliches habe es schon beim ersten Lockdown gegeben, sagt etwa Ludwig Waldinger vom Bayerischen Landeskriminalamt. «Es kommt vereinzelt vor.» Oft liege das Problem daran, dass die Einstellungen nicht richtig vorgenommen wurden und der Chat darum öffentlich war. «Die wollen ja nicht immer etwas Böses. Manchmal schaut da einer rein und geht dann wieder raus.»

Im niederbayerischen Mainburg bekam jüngst jedoch eine Achtjährige während des Online-Unterrichts plötzlich Bilder eines nackten Mannes angezeigt. Im hessischen Florstadt zeigte ein Unbekannter einer zweiten Klasse Pornografie. Und in Berlin sahen Drittklässler minutenlang einen Porno.

«Das ist schon ein neues Phänomen», urteilt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern. Bei gesprengten Videokonferenzen generell seien es häufig Täter aus dem Umfeld der Betroffenen, im Schulumfeld oft auch andere Kids, die sich schlicht einen schlechten Scherz erlaubten. «Aber wenn Kinder mit sexuellen Inhalten konfrontiert sind, ist man gleich bei einem deutlich schwereren Tatvorwurf, das ist sexueller Missbrauch.» Ob man den Täter erwische, «hängt davon ab, was an Logs, an Zugriffsdateien vorhanden ist», erläutert Schorr. «Ob die einzelne Plattform mitschneidet, von wo dieser Zugriff kam.»

Das Problem: Gerade bei den Videokonferenz-Tools herrscht in Deutschlands Schulen ein absoluter Flickenteppich. Vielerorts haben die Schulen oder einzelne Lehrer zu Beginn der Pandemie für den plötzlich über sie hereinbrechenden Distanzunterricht auf individuell gewählte Lösungen zurückgegriffen - und nicht bei allen ist die Datensicherheit gewährleistet.

«Bei vielen Tools, die die Schulen nutzen, reicht es, wenn man den Link kennt», berichtet Schorr. «Wenn man dann mit einem einfachen Klick in den Chat gelangt, ist natürlich die Versuchung, harmlosen oder nicht harmlosen Unfug zu treiben, gravierend.»

Lehrerverbände fordern deshalb schon seit längerem vehement, datenschutzkonforme, rechtssichere und gut geschützte Plattformen von den Kultusministerien zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Martin Löwe vom Bayerischen Elternverband will wegen des persönlichen Kontakts zwischen Kindern und Lehrkräften dennoch nicht auf Videokonferenzen im Distanzunterricht verzichten. «Die Gefahren des Distanzunterrichts sehen wir eher woanders», betont er. «Nämlich darin, dass Schüler nicht adäquat beschult werden, weil sie nicht teilnehmen können aufgrund technischer Rahmenbedingungen.»

22.01.2021 21.01 Uhr

Thüringens Bildungsminister: Schulen bis Ostern geschlossen

Erfurt (dpa)In Thüringen gibt es vermutlich länger als bisher geplant keinen Präsenzunterricht in den Schulen. «Ich gehe davon aus, dass wir zumindest noch bis Ostern in dieser Situation verharren, dass wir mindestens bis Ostern mit diesem System der geschlossenen Schulen arbeiten müssen», sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) nach Angaben des MDR vom Freitag im Thüringen Journal. Häusliches Lernen und Distanzlernen werde anhalten. Gleichzeitig sagte Holter: «Es werden bestimmte Schülerinnen und Schüler in der Schule sein. Das sind insbesondere die Abschlussklassen und die, die besonderen Förderbedarf haben.» Eltern, Kinder und Lehrer müssten sich darauf einstellen, länger durchhalten zu müssen, auch wenn das eine riesige Herausforderung und Belastung für alle sei.

Ministerium bekräftigt: Keine Präsenzpflicht für Abschlussklassen

Das Schweriner Bildungsministerium hat seine Entscheidung bekräftigt, Schülern der Abschlussklassen Unterricht in der Schule anzubieten, auf eine Pflicht zur Teilnahme aber zu verzichten. Die Präsenzpflicht an den Schulen bleibe angesichts der Corona-Pandemie aufgehoben, betonte Ministeriumssprecher Henning Lipski am Freitag. Er reagierte damit auf Forderungen der Landtagsopposition, den Besuch des angebotenen Präsenzunterrichts für die Abschlussklassen zur Mittleren Reife und zum Abitur verpflichtend zu machen.

Mit der Aussetzung der Präsenzpflicht in den Schulen halte sich Mecklenburg-Vorpommern an einen Beschluss von Bund und Ländern zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, erklärte Lipski. Das sei ganz wichtig. «Wir bieten aber den Abschlussklassen die Möglichkeit, in die Schule zu gehen.» Am Donnerstag hätten an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen 71,3 Prozent der Schüler von dem Angebot Gebrauch gemacht. Wer nicht teilnehme, erhalte Fernunterricht. Am selben Tag hatte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) eine Verschiebung des Beginns der schriftlichen Abiturprüfungen um zehn Tage auf den 23. April angekündigt.

Die AfD verlangte, den Besuch der Abschlussklassen trotz Corona verpflichtend zu machen. «Die Schüler können nur dadurch eine bessere Prüfungsvorbereitung erhalten», sagte der schulpolitische Sprecher der größten Oppositionsfraktion im Landtag, Jens-Holger Schneider. Es dürfe keine halben Sachen geben. Auch die Fraktionsvorsitzende der Linken, Simone Oldenburg, hatte eine Präsenzpflicht für die Abschlussklassen gefordert. Ohne diese bleibe es weiter im Ermessen der Eltern und Schüler, den Unterricht zu besuchen. So sei eine gute Prüfungsvorbereitung für alle Seiten nicht möglich.

Die Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) unterstützt den Weg der Landesregierung, wie der Landesvorsitzende Michael Blanck sagte. Es sei richtig, den Schülerinnen und Schülern mehr Zeit zur Prüfungsvorbereitung zu geben, aber dann auch vergleichbare Abschlussarbeiten abzuverlangen. Blanck forderte, bereits jetzt mit der Organisation zu beginnen. «Dazu gehört auch, dass sich Schulträger jetzt um große Räume kümmern, in denen die schriftlichen Prüfungen auch unter dem Aspekt eines guten Gesundheitsschutzes durchgeführt werden können.» Dabei müsse auch der Einsatz von Luftfilteranlagen geprüft werden.

Gericht: Es bleibt beim Distanzunterricht in NRW

Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen bleibt es vorerst in der Corona-Pandemie beim Distanzunterricht an den Schulen. Das OVG wies am Freitag den Antrag einer Grundschülerin aus Köln ab, wie das Gericht mitteilte. Die Zweitklässlerin hatte sich per Eilverfahren gegen die Coronabetreuungsverordnung des Landes gewandt. Sie sah ihr Recht auf Bildung und schulische Förderung verletzt. Der Distanzunterricht stelle für Grundschüler keine geeignete Unterrichtsform dar. Der Beschluss ist nicht anfechtbar (Az.: 13 B 47/21.NE).

Dem schloss sich das OVG nicht an. Schulschließungen seien in der derzeitigen Lage in der Corona-Krise wohl verhältnismäßig. Der Gesetzgeber dürfte angesichts der hohen Zahlen bei den Neuinfektionen dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung Vorrang einräumen. Die Folgen für Schüler und Eltern seien zwar gravierend, argumentierte der 13. Senat des OVG, würden aber zumindest zum Teil durch digitale oder analoge Lernangebote abgefedert.

In der Begründung betonen die OVG-Richter, dass das Land im November zuerst anderen Maßnahmen den Vorzug gegeben habe, um zu versuchen, den normalen Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Erst als die Verbreitung des Virus dadurch nicht eingedämmt werden konnte, sei es zur zeitweisen Umstellung auf den Distanzunterricht gekommen.

Das OVG wollte noch am Freitag über drei weitere anhängige Anträge zum Thema Präsenzunterricht entscheiden.

Südwest-Städte und -Gemeinden wollen Schulöffnung ohne Wechselbetrieb

Baden-Württembergs Städte und Gemeinden haben bei der Landesregierung für eine baldige Öffnung der Grundschulen geworben - ohne Wechselbetrieb. Wechselbetrieb mit paralleler Notbetreuung würde «für große Verwirrung sorgen (und) einen maximalen Organisationsaufwand verursachen», heißt es in einem Schreiben, das Gemeinde-, Städte- und Landkreistag am Freitag an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) versandt haben und das der dpa vorliegt.

Beim Wechselbetrieb dürfen immer nur halbe Klassen an die Schulen kommen. Das würde laut dem Schreiben bedeuten, dass Kinder aus der jeweils anderen Klassenhälfte in die Notbetreuung kommen würden. Dadurch könnten letztlich zwischen 70 und 90 Prozent der Kinder an den Schulen sein, hieß es. Die Kommunen und Kreise befürworten stattdessen einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen, wie es ihn im Sommer 2020 bereits gab. Dabei mussten etwa Betreuungsgruppen voneinander getrennt bleiben.

Baden-Württembergs Landesregierung plant eine schrittweise Öffnung von Kitas und Grundschulen ab dem 1. Februar, sofern die Infektionszahlen das zulassen. Bislang ist für die Grundschulen zunächst der Wechselbetrieb angedacht.

Mehr Wahlmöglichkeiten bei Schulabschlussprüfungen geplant

Die Organisation des Unterrichts in Corona-Zeiten ist schwierig. Bildungspolitiker befürchten Lernrückstände bei vielen Schülern. Gleichzeitig rücken die Abschlussprüfungen immer näher. Eine neue Verordnung soll nun die Prüfungen einfacher gestalten.

Mehr Wahlmöglichkeiten, teils abgespeckte Prüfungsteile und eine Versetzungsgarantie: Wegen der Corona-Pandemie will das Thüringer Bildungsministerium die Schulabschlussprüfungen einfacher gestalten. Eine entsprechende Verordnung wurde am Freitag vom Bildungsausschuss im Thüringer Landtag beraten. «Die Wahlmöglichkeiten werden deutlich erweitert», sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) vor dem Ausschuss. Das gelte vor allem bei Aufgaben innerhalb eines Prüfungsfaches. Generell solle Stoff geprüft werden, der auch vermittelt werden konnte.

Thüringens Schulen sind seit Wochen geschlossen, weil die Infektionszahlen im Land zu hoch sind. Auch im Frühjahr 2020 war es bereits zu wochenlangen Schulschließungen gekommen. Zwischendurch gab es Wechselunterricht. Bildungspolitiker mehrerer Fraktionen gehen davon aus, dass es Lernrückstände bei den Schülern gibt. Holter berief sich auf eine Schalte mit Schulleitern, wonach diese den Anteil der Schüler, «die nicht am Lernfortschritt teilnehmen», auf etwa zehn bis 15 Prozent schätzten. «Das sind Schülerinnen und Schüler, die wir regelrecht verlieren und bereits verloren haben.»

Holter sagte, es gebe Schulverweigerer, manchmal liege es aber auch an der finanziellen Situation der Eltern, dass Kinder keinen Zugang zu Geräten für das digitale Lernen hätten. Teils liege es auch daran, dass noch nicht alle Thüringer Orte einen Anschluss ans Internet haben.

Die neue Verordnung, die rückwirkend zum Donnerstag in Kraft treten soll, sieht unter anderem eine Versetzungsgarantie für Schüler der Klassenstufen vier, sechs und acht vor. Für die Klassenstufen fünf und sieben ist ein Sitzenbleiben ohnehin bereits ausgeschlossen.

Bildungspolitiker von AfD-Fraktion und CDU-Fraktion kritisierten die geplante Regelung scharf und ließen zu Protokoll geben, dass sie mit der Verordnung nicht einverstanden seien. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner, sagte, die Qualität der Bildung sei in Gefahr.

Auch verschiedene Verbände sehen die Versetzungsgarantie kritisch. Die Landesschülervertretung warnte vor langfristigen Folgen. «Eine grundsätzliche Versetzungsgarantie würde langfristig schwerwiegende Folgen mit sich ziehen und das Problem nur nach hinten verschieben», erklärte Landesschülervertreterin Selma Konrad. Auch der Thüringer Lehrerverband kritisierte die Pläne.

Die Grünen-Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich begrüßte hingegen die Versetzungsgarantie. Bildung funktioniere nicht über Druck, sagte sie. Dennoch sprach sie sich dafür aus, «diese Verordnung weiterzuentwickeln».

Holter machte klar, dass das Papier den Stand von Januar abbilde und sich die Maßnahmen noch ändern könnten, sollten die Corona-Infektionszahlen nicht deutlich heruntergehen. Bislang ist vorgesehen, dass mit Inkrafttreten einer neuen Corona-Verordnung Schulen und Kitas mindestens noch bis 14. Februar geschlossen bleiben.

«Niemand kann sagen, wann Kindergärten und Schulen wieder öffnen», sagte Holter. Man sei im Dezember noch davon ausgegangen, dass die damaligen Corona-Maßnahmen zu einer «Erleichterung» führen würden. Dies sei aber nicht eingetreten. «Deswegen gehe ich davon aus, dass wir allen Beteiligten sagen, dass der Lockdown noch längere Zeit anhalten wird und dass Schulen und Kindergärten auch in der nächsten Zeit geschlossen bleiben.»

Trotz der ernsten Lage in Thüringen, das bundesweit die höchsten Werte bei Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner hat, erteilte Holter einer Debatte um eine Verschiebung der Sommerferien eine Absage.

Man habe genügend zeitlichen Puffer, weil die Ferien im Freistaat in diesem Jahr ohnehin sehr spät beginnen. «Für Thüringen gibt es im Moment keinen Grund, um über eine Ferienverschiebung, Ferienverkürzung zu reden», betonte der Minister. In anderen Bundesländern mit früheren Ferienterminen sei das möglicherweise anders.

Die Thüringer Sommerferien beginnen in diesem Jahr am 26. Juli und dauern bis zum 4. September. Wegen der Corona-Pandemie hatte das Bildungsministerium bereits im vergangenen Sommer die diesjährigen Abiturprüfungen verschoben. So soll etwa das Mathe-Abitur nicht wie geplant am 4. Mai geschrieben werden, sondern erst am 28. Mai.

Ärztekammerpräsidentin: Geöffnete Grundschulen sind ein Fehler

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat Niedersachsens Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker die Entscheidung der Landesregierung kritisiert, Grundschulen nicht komplett zu schließen. «Bei allem Verständnis für die Chancen- und Bildungsgerechtigkeit von Kindern - aus ärztlicher Sicht ist die Noch-Öffnung von Grundschulen in Niedersachsen nicht richtig», sagte Wenker der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Freitag). «Dieses Virus duldet auch nicht das geringste Nachlassen.»

Die Landesregierung hatte die Präsenzpflicht an Grundschulen sowie in den Prüfungsklassen der weiterführenden Schulen aufgehoben. Das Unterrichtsangebot mit halben Klassen bleibt in den Grundschulen aber bestehen, Eltern können individuell entscheiden, was sie für ihr Kind am besten halten.

Wenker ist auch Mitgründerin einer Ethikinitiative mit den Kirchen, die nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 kritisiert hatte, dass zuerst die Bildungseinrichtungen geschlossen worden waren. «Ich weiß, wie schwierig so eine Güterabwägung ist, ob man auch die Grundschulen schließen sollte», sagte die Kammerpräsidentin. «Aber im Kampf gegen eine solche gefährliche Krankheit zahlen sich Halbheiten nicht aus.» Die Entscheidung, ob ein Kind die Grundschule besuchen solle oder nicht, müsse die Politik treffen.

Wenker sagte: «Zwei Dinge machen uns zunehmende Sorgen: Zum einen die Virus-Mutationen und zum anderen die wachsende Zahl von Patienten, die auch nach einer leichteren Infektion unter langwierigen Folgen zu leiden haben.» Die Lungenfachärztin sagte, es gebe trotz leicht abnehmender Infektionszahlen «noch überhaupt keinen Grund zur Entwarnung».

21.01.2021 21.01 Uhr

Bremen setzt auf Wechselmodell an Schulen - Abi-Termine stehen

Bremen hält wie andere Bundesländer bis Mitte Februar am bisherigen Modell fest, die Schulen zwar geöffnet, die Präsenzpflicht aber ausgesetzt zu lassen. Neu ist, dass an Grund- und weiterführenden Schulen ein eingeschränktes Präsenzunterrichtsangebot im täglichen Wechselmodell und in Halbgruppen erfolgen soll, wie die Senatorin für Kinder und Bildung am Donnerstag nach einer Senatssondersitzung mitteilte. Die Regelungen gelten vom 1. bis 14. Februar.

Für die schriftlichen Abiturprüfungen wurde der Zeitraum vom 1. bis 12. Juni festgelegt, für die mündlichen Prüfungen die Zeit vom 14. bis 18. Juni. Der Termin der Zeugnisausgabe wurde auf den 21. Juli verlegt. Die Senatorin für Kinder und Bildung beabsichtige zum 14. Februar - dem bisher geplanten Ende des verlängerten Lockdowns - zum verbindlichen Präsenzunterricht zurückzukehren, hieß es. Dies hänge allerdings von der weiteren Entwicklung der Inzidenzwerte ab.

Für Kitas gelten vom 1. bis 14. Februar die verschärften Regeln der Stufe 2 des Reaktionsstufenplanes. Dabei soll es eine strikte Trennung der Kinder in Stammgruppen geben, ein gruppenübergreifender Personaleinsatz möglichst vermieden und ein Mindestbetreuungsanspruch von 20 Stunden pro Woche erfüllt werden. Zugleich erging an die Eltern der Appell, die Kinder soweit wie möglich zuhause zu betreuen. Am Freitag debattiert die Bürgerschaft in einer Sondersitzung über die jüngst von Bund und Ländern beschlossenen Corona-Maßnahmen.

MV verschiebt Abiturprüfungen - Mittlere Reife nicht betroffen

Die Pandemie lastet auf den Schulen. Das hat in Mecklenburg-Vorpommern jetzt auch Auswirkungen auf die Abiturprüfungen.

Mecklenburg-Vorpommern verschiebt wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr die schriftlichen Abiturprüfungen. So soll zusätzliche Zeit zur Vorbereitung gewonnen werden, wie das Bildungsministerium in Schwerin am Donnerstag mitteilte. Die Prüfungen starten demnach statt am 13. April erst am 23. April mit dem schriftlichen Englisch-Abitur.

Die Prüfungen zur Mittleren Reife müssten nicht verschoben werden, da sie ohnehin erst Ende April begännen, sagte ein Ministeriumssprecher. Mecklenburg-Vorpommern war als erstes Bundesland in das Schuljahr gestartet und hat nun entsprechend frühe Prüfungstermine.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) erklärte, zwar seien die Schulen in MV bis kurz vor Weihnachten geöffnet gewesen und für die Abschlussklasen könne auch jetzt Präsenzunterricht erteilt werden. Daran nehmen nach Ministeriumsangaben rund 70 Prozent der Schüler teil. Dennoch sei klar, dass die vergangenen zehn Monate keine normale Schulzeit gewesen seien.

«Wir werden deshalb alles dafür tun, dass die Schülerinnen und Schüler faire Rahmenbedingungen für ihre Prüfungen erhalten», versprach Martin. Schließlich gehe es um die Lebenskarrieren der Jugendlichen. «Dafür werden wir auch weitere Anpassungen bei der Durchführung und Vorbereitung der Prüfungen vornehmen, ohne dabei die Qualität des Abschlusses zu reduzieren.»

Mit Blick auf die pandemiebedingten Einschränkungen seit dem Frühjahr hatte das Ministerium den Schulen bereits Vorabhinweise für die Prüfungen gegeben und damit die Inhalte für den Unterricht reduziert. Damit sollte es den Lehrern ermöglicht werden, die Schüler gezielter auf die Prüfungen vorzubereiten.

Andreas Scheuer kümmert sich um besseres Internet für Schülerin

Weil die Internetverbindung so schlecht ist, hat eine Abiturientin ihr Referat im verschneiten Garten halten müssen - mit unverhofft positiven Folgen für sich und ihre Heimatgemeinde. Als der Bundesminister für digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer (CSU), davon erfuhr, kümmerte er sich am Donnerstag persönlich um das Problem, wie die Schülerin Selina Seebauer aus Vierkirchen (Landkreis Dachau) erzählte. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

«Herr Scheuer hat einfach angerufen, das ist echt kurios», sagte die 17-Jährige. «Er war extrem informiert, wo die Kabel bei uns im Ort verlegt sind, wo Netz ist und wo nicht.» Schon wenige Minuten nach dem Telefonat habe sich der Internetanbieter gemeldet und versprochen, bis spätestens Montag die Anschlüsse zu verlegen.

Dabei hätten sie seit Jahren Probleme, immer wieder seien Techniker vorbeigekommen, berichtete Vater Christian Seebauer. «Wir haben kaum Internet, nicht mal mit dem Handy.» Seit in der Corona-Krise alle daheim arbeiteten und lernen müssten, sei es besonders schlimm.

Dem Online-Unterricht der Städtischen Fachoberschule für Gestaltung in München könne sie nur passiv folgen, erzählte Selina Seebauer. «Schon mein Mikrofon funktioniert wegen der schlechten Verbindung nicht. Ich schreibe den Lehrern meine Fragen dann per Mail.»

Doch für ihr Englisch-Referat am Montag sei das natürlich keine Option gewesen, erzählte die 17-Jährige. «Ich habe dann zu meiner Lehrerin eher im Scherz gesagt: Ich kann ja rausgehen in den Garten, dort funktioniert das Internet.» Die Lehrerin habe gleich zugestimmt.

Dick eingepackt mit Mütze, Schal und Handschuhe habe sie ihr Referat dann im Schnee gehalten, berichtete die Schülerin. «Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.» Für das Referat habe sie die Note zwei bekommen - und ihre Gemeinde hat hoffentlich bald besseres Internet.

Schüler erhalten in Schleswig-Holstein Ende Januar Zeugnisse

Die gut 350 000 Schüler in Schleswig-Holstein erhalten trotz der Corona-Pandemie Halbjahreszeugnisse. Wie das Bildungsministerium am Donnerstag ankündigte, gibt es dafür vier Möglichkeiten. Schüler können ihr Zeugnis mit Termin in der Schule abholen. Die Noten können aber auch über Telefon/Videokonferenz übermittelt werden - und das schriftliche Zeugnis wird dann bei Beginn des Präsenzunterrichts übergeben. Auf Wunsch der Eltern können die Schulen aber auch eine Kopie des Zeugnisses per E-Mail verschicken. Nur in Ausnahmefällen soll das Original per Post versandt werden.

«Normalerweise werden Zeugnisse in der Schule allen Schülern gemeinsam am letzten Schultag persönlich aushändigt», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Dies sei wegen der Pandemie aktuell nicht geboten. Den Schulen empfehle sie, Eltern und Schüler zunächst nur mündlich zu informieren, und das eigentliche Zeugnis zu einem späteren Zeitpunkt auszuhändigen. Für Abholungen gebe es einen Hygieneplan. Bei Bedarf sollten Eltern und Schüler auch die Möglichkeit für ein persönliches Gespräch mit den Lehren haben.

Die Schulabschlüsse waren am Donnerstag Thema der Kultusministerkonferenz. «Wir wollen, dass die Schülerinnen und Schülern in diesem von der Pandemie geprägten Schuljahr keine vermeidbaren Nachteile für ihre weitere Bildungsbiografie haben und vollwertige Schulabschlüsse erwerben», sagte Prien. «Die in diesem Jahr erworbenen Abschlüsse werden denen früherer und späterer Jahrgänge gleichwertig sein und gegenseitig anerkannt werden.»

Thüringen will Maskenpflicht auf Unterricht ausweiten

Nach dem Bund-Länder-Gespräch vom Dienstag will Thüringen die Anti-Corona-Maßnahmen noch einmal verschärfen. So sieht es ein erster Entwurf für eine neue Verordnung vor. Damit steht der Schulunterricht wohl mal wieder vor Veränderungen.

Ältere Schüler, die noch zum Präsenzunterricht an die Schulen dürfen, sollen nach Plänen der Landesregierung künftig auch im Unterricht eine Maske tragen. Das sieht ein Entwurf für die neue Corona-Verordnung von Gesundheitsministerium und Bildungsministerium vor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Entwurf befand sich am Donnerstag noch in der Abstimmung zwischen den Ressorts und soll am Freitag in den Ausschüssen des Landtages beraten werden. Ob es zu Änderungen kommt, ist noch unklar.

Nach den bisherigen Plänen, soll das gesamte Personal an Schulen sowie Schüler ab der siebten Klasse bei jedem Kontakt mit anderen Personen in der Schule einen Mund-Nasen-Schutz tragen. «(...) Dies gilt auch im Unterricht und in der Notbetreuung», heißt es in dem Verordnungsentwurf. Bisher waren Masken für Schüler zwar im Schulgebäude Pflicht - etwa beim Wechsel des Raumes oder beim Anstehen in der Schulkantine -, eine Maskenpflicht im Unterricht gab es bisher jedoch nicht. Die Verordnung soll nach derzeitigem Zeitplan am Montag unterzeichnet werden und am Dienstag in Kraft treten. Gelten soll sie demnach zunächst bis 14. Februar.

Bleibt sie so wie im Entwurf vorgesehen, setzt Thüringen die von Bund und Ländern verabredeten verschärften Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie um. So sollen die Menschen künftig in Bussen und Bahnen medizinische Masken tragen müssen. Das können laut dem Entwurf OP-Masken sein, aber auch FFP2-Masken ohne Ausatemventil oder FFP3-Masken sowie Masken der Standards N95 und K95. Solche Masken müssten dann auch in den noch geöffneten Geschäften getragen werden.

Änderungen sieht der Verordnungsentwurf auch bei der möglichen Teilnehmerzahl von Demonstrationen und Versammlungen vor. An diesen sollen künftig unter freiem Himmel nicht mehr als 500 Menschen teilnehmen dürfen (bisher 1000). In geschlossenen Räumen soll die Teilnehmerzahl auf 50 begrenzt werden (bisher 100). Noch strenger fallen die Regeln bei einem höheren Inzidenzwert aus.

Die Grenzwerte für eine jeweils weitere Absenkung der zulässigen Teilnehmerzahlen liegen bei 200 und 300 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt. Landesweit lag diese sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag bei 225 - mit einem leichten Rückgang gegenüber dem Vortag. Bundesweit liegt das Land damit dennoch weiter an der Negativ-Spitze.

Senatorin: Schüler sollen keine Nachteile haben - Streit ums Abi

Seit Wochen gibt es keinen regulären Unterricht mehr in den Schulen. Der Senat hat beschlossen, dass sie weiter zu bleiben. Was heißt das für die Abiturprüfungen? Da gehen die Ansichten auseinander.

Abiturienten sollen durch die Corona-Pandemie keine Nachteile haben, versicherte Bildungssenatorin Sandra Scheeres am Donnerstag. Aber wie lässt sich das am besten erreichen, wenn seit Wochen schon kein regulärer Unterricht mehr in den Schulen stattfindet? Die Bildungsgewerkschaft GEW in Berlin hat sich dafür ausgesprochen, dass das Abitur in diesem Schuljahr notfalls auch ohne Prüfungen abgelegt werden kann. «In Zeiten der Corona-Pandemie müssen auch für das Abitur besondere Regelungen gelten», forderte der Vorsitzende der GEW Berlin, Tom Erdmann, am Donnerstag.

«Vorleistungen, die bereits erbracht worden sind und die ohnehin den größten Teil der Note ausmachen, reichen als Bewertungsgrundlage für die Abiturnote aus.» Voraussetzung sei die bundesweite Anerkennung der Abschlüsse, so die GEW.

Die Kultusminister der Länder vereinbarten bei einer Schaltkonferenz am Donnerstag, dass auch die in diesem Corona-Schuljahr erworbenen Abschlüsse «denen früherer und späterer Jahrgänge gleichwertig sind und gegenseitig anerkannt werden». In dem gemeinsamen Beschluss wird bekräftigt, dass die Abiturprüfungen stattfinden sollen.

«Mir ist Wichtig ist, dass unsere Abiturientinnen und Abiturienten auch in diesem Jahr ein anerkanntes Abitur machen, also dass sie die Möglichkeit haben, überall in Deutschland und im Ausland zu studieren», sagte Scheeres am Donnerstag im Schulausschuss kurz nach der Schalte der Kultusminister der Länder.

Der KMK sei wichtig, beim Abitur Erleichterungen vorzunehmen und mehr Flexibilität zu ermöglichen. Scheeres nannte das Verschieben von Prüfungsterminen, um mehr Lernzeit zu gewinnen und das Verringern der Klausurenzahl. Außerdem soll eine höhere Anzahl von Prüfungsaufgaben zur Auswahl gestellt werden. «Wir werden alles ausschöpfen, was wir ausschöpfen können, um mehr Lernzeit zu ermöglichen», versicherte Scheeres.

«Wir sind natürlich auch in ganz engen Abstimmungen mit Brandenburg», sagte Scheeres. Denn einerseits gebe es beim Abitur die Pool-Aufgaben des Bundes. «Aber wir sind auch seit vielen Jahren in einem Zentralabitur mit Brandenburg und entwickeln auch gemeinsame Aufgaben», so die Senatorin.

Schon im vergangenen Jahr hatte es über die Frage, ob die Abitur- und andere Prüfungen in den Schulen angesichts der Corona-Krise wie geplant stattfinden sollten, in Berlin eine lange Diskussion gegeben.

Überlegungen zu einer Verlegung der Prüfungen in die Ferien kann die GEW nichts abgewinnen. «Eine Verlängerung des Schuljahres in die Sommerferien hinein lehnen wir ab», sagte Erdmann. Das ginge zu Lasten der Schülerinnen und Schüler und der Beschäftigten. «Die Arbeitsbelastung ist in den vergangenen Corona-Monaten schon über der Schmerzgrenze», kritisierte der Berliner GEW-Vorsitzende. «In den letzten neun Monaten haben die Lehrkräfte praktisch durchgearbeitet.»

Die GEW verlangte, die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) solle sich gemeinsam mit den Beschäftigtenvertretungen an einen Tisch zu setzen, um über einen Umgang mit der Corona-Krise ins Gespräch zu kommen.

NRW hält trotz Corona an Schulabschlussprüfungen 2021 fest

Nordrhein-Westfalen hält trotz der Corona-Krise auch in diesem Schuljahr an Abschlussprüfungen fest. Das stellte Schulministerin Yvonne Gabauer (FDP) am Donnerstag nach einer entsprechenden Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK) fest.

Es bleibe das Ziel der Landesregierung und aller Bundesländer, den Schülern am Ende ihrer Schulzeit «vollwertige Abschlüsse auf der Basis von Prüfungen zu ermöglichen, die ohne Abstriche in ganz Deutschland anerkannt werden», unterstrich die FDP-Politikerin. «Das gilt sowohl für das Abitur als auch die mittleren Schulabschlüsse.»

20.01.2021 20.56 Uhr

Grüne fordern Verzicht aufs Sitzenbleiben

Die Grünen haben die häufigen Kurswechsel in Niedersachsens Corona-Schulpolitik kritisiert. Die Landesregierung müsse das Hin und Her schnell beenden und sich am bundesweiten Vorgehen orientieren, sagte Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg am Mittwoch. «Dazu gehört, bundeseinheitlich zu klären, wie die Anforderungen an Lerninhalte und Abschlüsse in diesem Schuljahr an die Corona-Einschränkungen angepasst werden, und das "Sitzenbleiben" auszusetzen.» Bis die Schüler zurück in die Klassenräume können, müssten zudem bessere Lüftungskonzepte geschaffen werden. «Schulen müssen pandemiefest gestaltet werden, wenn wir Schulschließungen bestmöglich vermeiden wollen», sagte sie.

Die Landesregierung hatte nach den Bund-Länder-Beratungen vom Dienstag angekündigt, im Streit um die Teilöffnung der Grundschulen einzulenken. Die Grundschüler werden von der Präsenzpflicht befreit, wie Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Mittwoch ankündigte.

FDP: Schnell Klarheit über Corona-Regeln für Schulen schaffen

Die konkreten Folgen der neuen Corona-Regeln für die Schulen müssen aus Sicht der Landtagsopposition so rasch wie möglich geklärt werden. «Die Landesregierung muss jetzt schnell klar und deutlich sagen, was der Beschluss für Niedersachsen bedeutet und ob die Grundschüler nach nur einer Woche Präsenzunterricht wieder nach Hause geschickt werden», forderte FDP-Fraktionschef Stefan Birkner am Mittwoch. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kündigte eine baldige Information darüber an, wie man weiter verfahren wolle.

Die Vereinbarungen der Länder-Regierungschefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vom Dienstagabend seien mit Blick auf die Lage in den Schulen und Kitas noch «irritierend»: «Es ist unklar, was es für Niedersachsen bedeutet, wenn Schulen und Kindertagesstätten grundsätzlich geschlossen bleiben sollen und dies restriktiv umgesetzt werden soll», so Birkner. Es zeichnet sich ab, dass an den Grundschulen der gerade erst zu Beginn der Woche in geteilten Gruppen angelaufene Unterricht zumindest in Teilen vorerst wieder auf das Lernen zu Hause umgestellt werden könnte.

Die Grünen im Landtag forderten angesichts der Lockdown-Verlängerung bis Mitte Februar ein Abfedern sozialer Härten - auch mit Blick auf Kinder. In den Schulen müsse die Zeit bis zur Rückkehr zum Präsenzunterricht für bessere Lüftungskonzepte genutzt werden, sagte Fraktionschefin Julia Willie Hamburg.

Das Offenhalten des Unterrichts für die Jüngsten zumindest in einem Wechselmodell war für Niedersachsen bei den Bund-Länder-Beratungen ein zentrales Anliegen - nach zäher Diskussion über den Streitpunkt musste das Land jedoch einlenken. Birkner erklärte, man müsse die gesamte Infektionslage mit entschlossenen und transparenten Schritten besser in den Griff bekommen. Schließungen seien nicht mehr nötig, «wenn die Schulen pandemiefest sind - durch technische Lösungen zur Luftreinhaltung, FFP2-Masken für die Lehrkräfte und die Pflicht zum Tragen des Mund-Nase-Schutzes bei den Schülerinnen und Schülern. Dieses Hin und Her muss aufhören. Wir brauchen ein verlässliches Modell, auf das sich alle einstellen können.»

Gewerkschaft: Geplante Kita- und Schulöffnung ist «utopisch»

Die geplante Öffnung von Grundschulen und Kitas ab Februar ist nach Einschätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) angesichts fehlender Schutzmasken und mangelnden Personals nicht umsetzbar. So lange noch Sicherheitsmaßnahmen fehlten, sei ein solcher Schritt für Kitas und Schulen ab dem 1. Februar in der aktuellen Corona-Situation utopisch, sagte die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein am Mittwoch in Freiburg.

«Die Sicherheit von Kindern, Jugendlichen und den pädagogischen Profis in Kitas und Schulen muss aber immer unser höchstes Ziel sein.» Es wünschten sich zwar alle, wieder in die Kitas und Klassenzimmer zurückkehren zu können. «Wenn das aber aufgrund der Infektionszahlen oder aufgrund der Gefahr durch neue Virusvarianten nicht möglich ist, müssen leider Kitas und Schulen geschlossen bleiben», sagte Stein.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte am Dienstagabend angekündigt, Grundschulen und Kitas im Land voraussichtlich vom 1. Februar an schrittweise wieder öffnen zu wollen. Er strebe an, Kitas und Grundschulen vorsichtig wieder aufzumachen, «wenn die Infektionslage das zulässt», hatte der Grünen-Politiker nach dem Bund-Länder-Treffen zur Corona-Krise gesagt. Die endgültige Entscheidung werde man in der kommenden Woche treffen.

Lockdown verlängert - Schulen sollen geschlossen bleiben

Was kann Kindern und Eltern in der Pandemie noch zugemutet werden? Darüber wurde am Dienstag zwischen Bund und Länder leidenschaftlich diskutiert. Auch nach der Einigung scheint es verschiedene Auffassungen zu geben.

Die Menschen in Deutschland brauchen in der Corona-Pandemie weiter Geduld: Bund und Länder haben den Lockdown aus Sorge über die Virusmutation bis Mitte Februar verlängert. Auch Schulen und Kitas sollen nach dem Beschluss vom Dienstagabend bis dahin weiter geschlossen bleiben. Doch deutete sich an, dass die Länder diese umstrittene Entscheidung unterschiedlich umsetzen werden.

So kündigte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) noch am Abend an, Grundschulen und Kitas voraussichtlich vom 1. Februar an schrittweise und vorsichtig wieder öffnen zu wollen - «wenn die Infektionslage das zulässt». Mecklenburg-Vorpommern dagegen schärfte in den Schulen und Kitas nach: In zwei Landkreisen mit höheren Infektionszahlen dürfen sie nur noch für eine Notbetreuung öffnen. Über den Umgang mit den Schulen hatten Bund und Länder in der stundenlangen Sitzung leidenschaftlich diskutiert. Die Verhandlung sei geprägt gewesen von der Frage, was man Eltern und Kindern zumuten könne, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch): «Die Schulen und Kitas weiterhin nahezu vollständig geschlossen zu halten, gehört sicherlich zu den härtesten politischen Entscheidungen zu Beginn dieses Jahres.» Aber sie sei angesichts der Entwicklung der Pandemie notwendig. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey forderte klare Perspektiven für Kinder und Eltern. «Sobald es das Infektionsgeschehen zulässt, müssen Kinderbetreuungsangebote dann mit als erstes wieder öffnen», sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch).

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte der «Augsburger Allgemeinen», er hoffe, dass Mitte Februar an den Schulen «der große Einstieg wieder gelingt». Die Entscheidung von Bund und Ländern, die Einrichtungen bis zum 14. Februar weitgehend geschlossen zu halten, trägt der Verband demnach mit. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagte, dass die Länder wieder selbst entscheiden können, «wie sie die Vereinbarung umsetzen». GEW-Chefin Marlis Tepe sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch): «Damit bleibt es beim föderalen Flickenteppich in der Bildung.» Grundsätzlich begrüße die Gewerkschaft, dass die Präsenzpflicht weiter ausgesetzt sei.

Bei den Bund-Länder-Gesprächen wurden einige Regeln verschärft. So müssen in Bus und Bahn sowie beim Einkaufen die besser schützenden FFP2-Masken oder OP-Masken getragen werden - Alltagsmasken aus Stoff reichen nicht mehr aus. Ab wann die neuen Regeln gelten, entscheiden die Bundesländer selbst. Am Mittwoch beraten mehrere Landesregierungen darüber.

Strengere Regeln sind auch am Arbeitsplatz vorgesehen. Arbeitgeber müssen Arbeit im Homeoffice zulassen, wenn das möglich ist. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) forderte die Beschäftigten und Unternehmen auf, die neuen Homeoffice-Möglichkeiten massiv zu nutzen. Zugleich warnte er in «Bild live» Arbeitgeber davor, die Möglichkeit zum Homeoffice willkürlich abzusagen und kündigte Kontrollen an. Der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte, kritisierte, eine Homeoffice-Pflicht hätte schon viel früher kommen müssen.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mahnte die Bundesländer, die Corona-Beschlüsse auch umzusetzen. «Sie wirken nur, wenn sie auch von den Ländern kontrolliert und umgesetzt werden», sagte er dem Nachrichtenportal t-online.

Merkel sagte, die Mutation mache das Virus wahrscheinlich deutlich ansteckender. «Noch ist gewissermaßen Zeit, die ganze Gefährlichkeit auch einzudämmen.» Dafür müsse aber jetzt gehandelt werden, sonst könnten die Infektionszahlen schnell stark ansteigen. Es gehe um Vorsorge für das Land und die Bürger, aber auch für Wirtschaft und Arbeitswelt.

Derzeit sind die Zahlen nach Experteneinschätzung noch viel zu hoch, um Lockerungen wagen zu können. «Aktuell sind wir bei knapp unter 5000 Intensivpatienten in Deutschland - da müssen wir noch deutlich runter», teilte die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin der «Rheinischen Post» mit. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Mittwoch bei 123,5 - als Zielwert gelten 50.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte: «Der im Dezember beschlossene harte Lockdown wirkt. Das sehen wir an der allmählich zurückgehenden Zahl der Neuinfektionen und an der sich etwas stabilisierenden Lage auf den Intensivstationen.

Die SPD-Chefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans begrüßten die Bund-Länder-Beschlüsse. Die Menschen seien zunehmend mürbe von den Beschränkungen im privaten Bereich. Deshalb sei es richtig, hier keine weiteren Einschränkungen vorzunehmen, sagte Esken. «Stattdessen sollten wir das Arbeitsleben in den Fokus nehmen und wo immer möglich Homeoffice gestatten und nutzen.»

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kritisierte ein zu unentschlossenes Agieren im Wettlauf gegen die Virus-Mutationen. «Gegen die neue Bedrohungslage reichen die alten Maßnahmen mit ein paar Zusätzen nicht», sagte der Bundestagsabgeordnete der Deutschen Presse-Agentur. Schnelltests für den Eigengebrauch wären eine wichtige Ergänzung.

FDP-Vize Wolfgang Kubicki warf Merkel vor, eine nicht nachvollziehbare Politik zu machen. Seit Ende Oktober höre man ausschließlich Durchhalteparolen, dass «in wenigen Wochen» Lockerungen kommen würden, sagte er dem Internetportal watson. Merkel wolle den einmal eingeschlagenen Weg «koste es, was es wolle», durchbringen.

Der Deutsche Städtetag hält die Verlängerung des Lockdowns und die zusätzlichen Maßnahmen für nötig. Städtetagspräsident Burkhard Jung sagte der dpa: «Wir brauchen jetzt noch einmal eine große gemeinsame Kraftanstrengung im Kampf gegen die Pandemie, um die Welle der Infektionen zu brechen.»

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) schlug ein Telefonierverbot im öffentlichen Nahverkehr wie in Spanien vor. «Das würden wir sehr stark unterstützen», sagte Verbandspräsident Ingo Wortmann am Mittwoch im Deutschlandfunk. Denn es gebe Fahrgäste, die zum Telefonieren den Mund-Nasen-Schutz herunterzögen.

Die Bundeskanzlerin schloss im äußersten Fall auch neue Grenzkontrollen nicht aus. «Das wollen wir nicht, wir wollen uns partnerschaftlich mit unseren Nachbarn einigen», betonte sie. «Aber wir können nicht zusehen, dass dann der Eintrag einfach kommt, weil andere Länder ganz andere Wege gehen», sagte sie mit Blick auf den Umgang mit der Pandemie.

Neue Corona-Regeln: Niedersachsen rudert bei Grundschulen zurück

Gerade erst kamen sie wieder in die Klassen - nun werden Grundschüler wohl vorerst doch wieder zu Hause unterrichtet. Niedersachsen muss seinen Corona-Kurs korrigieren. Viele berufstätige Eltern stehen kurzfristig vor einem Betreuungsproblem. Auch anderes ändert sich.

Hin und Her beim wichtigen Thema Schule: Der gerade erst zu Beginn dieser Woche in geteilten Gruppen angelaufene Unterricht für Grundschüler muss vorerst wohl wieder auf Lernen zu Hause umgestellt werden. Das Offenhalten des Unterrichts für die Jüngsten zumindest in einem Wechselmodell war für Niedersachsen bei den Bund-Länder-Beratungen ein zentrales Anliegen - nach zäher Diskussion über den Streitpunkt musste das Land jedoch einlenken. «Was die Situation in den Grundschulen anbelangt, sind Änderungen zu erwarten», sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Dienstagabend. Am Mittwoch sollen konkrete Entscheidungen fallen. Auch in anderen Bereichen stehen Änderungen der Corona-Regeln bevor.

Es wird erwartet, dass Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) nun abermals kurzfristig veränderte Vorgaben für den Unterricht an einem Teil der Schulen des Landes vorstellt. Dies dürfte Enttäuschung und Verwirrung auslösen. Schüler müssten sich erneut umgewöhnen, Schulen und Lehrer umplanen, berufstätige Eltern bekämen ein kurzfristiges Betreuungsproblem. Der Grund für all dies sei, dass Bund und Länder zur Situation in den Schulen und Kitas eine restriktivere Handhabung der bisherigen Beschlüsse vereinbart hätten, erläuterte Weil.

Noch zum Start der Beratungen hatte eine Regierungssprecherin das Hauptargument des Landes für die Teilöffnung der Grundschulen vorgetragen. Gerade unter jungen Schülern verbreite sich das Coronavirus offensichtlich nur wenig, auch in Großbritannien mit der dort grassierenden Mutation. Das Kanzleramt sah das äußerst kritisch.

Am Montag erst waren die Grundschüler in Niedersachsen nach einer Woche des Lernens zu Hause in geteilten Klassen in die Schulen zurückgekehrt. Für rund 145 000 Kinder startete damit wieder der Unterricht in der Schule, für die andere Hälfte ging es zunächst zu Hause weiter. Tonne hatte das Recht auf Bildung betont, der Neustart unter Hygieneauflagen sei weitgehend problemlos verlaufen. Nun muss er sich mit zeitlich kurzem Vorlauf dem neuen Kurs fügen.

Festhalten werde Niedersachsen am Unterricht in geteilten Gruppen für Abschlussklassen und die angehenden Abiturienten, betonte Weil. Alle übrigen Schüler der weiterführenden Schulen seien im Distanzunterricht, die Kindertagesstätten seien bereits geschlossen, und es werde eine Notbetreuung angeboten.

Die Grünen im Landtag forderten angesichts der Lockdown-Verlängerung bis Mitte Februar ein Abfedern sozialer Härten - auch mit Blick auf Kinder. In den Schulen müsse die Zeit bis zur Rückkehr zum Präsenzunterricht für bessere Lüftungskonzepte genutzt werden, sagte Fraktionschefin Julia Willie Hamburg. Auch müsse man Angebote eines warmen Mittagessens sowie die Jugendhilfe stärken.

In weiteren Bereichen einigten sich die Regierungschefs der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Verschärfungen der Regeln. So sollen Arbeitgeber bei der Ablehnung von Homeoffice für ihre Beschäftigten die genauen Gründe erklären müssen. Weil sagte: «Ich begrüße es, dass jetzt einheitliche Regelungen dafür sorgen sollen, dass Homeoffice überall dort, wo es irgend möglich ist, zum Regelfall bei der Berufsausübung wird.» Er bat Unternehmen und Institutionen, für diejenigen Mitarbeiter, die nicht im Homeoffice arbeiten können, die Arbeits- oder Dienstzeiten noch stärker als bislang zu flexibilisieren. «Wir werden das auch in der Landesverwaltung tun.»

Im öffentlichen Nahverkehr sowie in den geöffneten Bereichen des Einzelhandels werden medizinische Masken zur Pflicht - und laut Land ebenso «überall dort im öffentlichen Raum und in Gebäuden, in denen Menschen aus unterschiedlichen Haushalten enger und länger zusammenkommen». FFP2-Masken müssen auch durchgängig vom Personal in Alten- und Pflegeeinrichtungen beim Kontakt mit Bewohnerinnen und Bewohnern getragen werden.

In den niedersächsischen Altenheimen sind bereits zahlreiche Soldaten im Corona-Einsatz. 121 Kräfte unterstützten Anfang der Woche die Mitarbeiter in 11 Seniorenheimen, wie die Bundeswehr mitteilte. Sie helfen etwa bei der Essensverteilung, machen Betten, Fahrdienst und vermitteln den Kontakt zu Angehörigen über Telefon oder Videoanrufe.

Während es bei der Impfstoff-Versorgung weiter hakt, gibt es bei der kostenlosen Ausgabe von FFP2-Masken an Menschen mit erhöhtem Risiko nach Angaben der Apothekerkammer Niedersachsen bisher keine größeren Schwierigkeiten. Anfangs hatte es auch hier Engpässe gegeben.

Weil verteidigte die Lockdown-Verlängerung trotz der relativ stabilen Corona-Lage im Land: «Die aktuell zumindest in Niedersachsen noch vergleichsweise gute Ausgangslage muss jetzt genutzt werden, um die Fallzahlen weiter zu senken und eine mutationsbedingte starke Ausbreitung des Virus zu verhindern.» Es gebe eine realistische Chance, die Infektionen im Februar deutlich zu reduzieren.

Die niedersächsischen Gefängnisse blieben bisher von größeren Corona-Fällen verschont. «Wir hatten seit März nur um die 30 Corona-Erkrankungen unter Gefangenen bei knapp 10 000 Gefangenen in diesem Zeitraum», sagte Justizministerin Barbara Havliza (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Als positiv habe sich herausgestellt, dass alle Insassen bei der Neuaufnahme getestet werden.

Eltern fordern mehr Fächer im Fernunterricht - Sorgen um Lerndefizite

Kein Sport, kein Kunst, kein Musik. Das geht so nicht, findet die Hamburger Elternkammer. Sie fordert, dass nicht nur die wichtigen Fächer im Fernunterricht auf die Agenda kommen. Außerdem sollte der digitale Unterricht nicht nur Frontalunterricht sein.

Hamburgs Eltern fürchten, dass ihre Schulkinder wegen des geringeren Lernpensums in der Corona-Zeit am Ende des Schuljahrs nicht so viel wissen wie ihre Vorgänger. «Im Fernunterricht wird nur ein kleiner Teil von dem gelehrt, was eigentlich im Präsenzunterricht erbracht werden würde. So entstehen Lerndefizite, die uns Sorgen machen», sagte Elternkammer-Vorsitzender Marc Keynejad der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg.

So würden sich einige Schulen im Distanzunterricht auf wenige wichtige Fächer beschränken. «Viele Fächer wie Kunst, Musik oder Sport, die auch eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Kinder spielen, werden gar nicht mehr gegeben.» So würden die Schüler zwar durch ihre Prüfungen gebracht, aber die Schüler hätten im Vergleich weniger gelernt als vor der Pandemie. «Die Schüler gehen sozusagen schlechter ausgebildet an den Start. Das macht uns große Sorgen.» Die Hamburger Elternkammer besteht aus 32 Vertretern der Kreiselternräte und ist damit Sprachrohr für die Eltern von allen rund 240 000 Hamburger Schülern.

Die Kammer kann sich vorstellen, dass zum Aufholen der Lerndefizite das Schuljahr gestreckt werden könnte. Das würde zwar auch den Studien- und Ausbildungsbeginn nach hinten verschieben. «Aber ganz ehrlich: Wir sind in einer so dramatischen Lage gesellschaftlich, dass wir sagen müssen, jetzt müssen alle ran und zusammenarbeiten, damit wir eine junge Generation auf die Straße schicken, die genauso gut ausgebildet ist wie der Jahrgang davor.»

Von den Kultusministern der Länder erhofft sich die Elternkammer vor allem einen Ruck nach vorn in Sachen Digitalisierung. So sollten nicht nur die Lehrer in dieser Hinsicht schneller und besser ausgebildet werden. Auch die digitalen Arbeitsmittel für den Fernunterricht sollten technisch auf dem Stand sein, dass sie nutzbar sind. «Oder man muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Schulen auch externe Programme nutzen dürfen.»

Zudem hofft die Elternkammer, dass mittelfristig der digitale Unterricht auch didaktisch aufgewertet wird. «Im Moment haben wir wieder Frontalunterricht», kritisierte Keynejad. Durch den Lockdown würden alle didaktischen Errungenschaften der vergangenen Monate und Jahre wieder verloren gehen. «Das war einer der großen Benefits der letzten Zeit, und das geht gerade alles ein bisschen vor die Hunde.»

Eisenmann: «Für Baden-Württemberg ändert sich nichts Wesentliches»

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht die Beschlüsse von Bund und Ländern zum Thema Homeoffice skeptisch. «Bis die Infektionszahlen spürbar gesunken sind, ist es wünschenswert, dass möglichst viele Menschen aus dem Homeoffice arbeiten, um Kontakte zu reduzieren», sagte Eisenmann. Sehr viele Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer hätten diesen Appell bereits umgesetzt. «Allerdings gibt es auch viele Berufe, in denen Homeoffice und flexiblere Arbeitszeiten schwierig oder schlicht nicht möglich sind - etwa in der Pflege, im Supermarkt oder bei der Notbetreuung in Kitas und Grundschulen», sagte Eisenmann, die auch Spitzenkandidatin der CDU für die Landtagswahl ist. Die Unternehmen dürften zudem nicht mit überbordender Bürokratie belastet werden.

Bund und Länder hatten zuvor beschlossen, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten künftig das Arbeiten im Homeoffice überall dort ermöglichen sollen, wo es die Tätigkeiten zulassen. Die Regelung soll bis zum 15. März gelten. Der Lockdown wird nach dem Beschluss bis zum 14. Februar verlängert. Außerdem soll es eine verschärfte Maskenpflicht geben.

Insgesamt zeigte sich Eisenmann zufrieden mit den Beschlüssen. «Wir haben in Baden-Württemberg bereits scharfe und wirksame Maßnahmen, zum Beispiel eine Ausgangssperre von 20 bis 5 Uhr», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Insofern ist zu begrüßen, dass Bund und Länder eine Fortführung der bisherigen Maßnahmen beschlossen, aber von radikalen und nicht nachvollziehbaren Verschärfungen abgesehen haben. Für Baden-Württemberg wird sich nichts Wesentliches ändern.» Eisenmann hatte bereits vor dem Treffen vor einer Verschärfung des Lockdowns gewarnt.

19.01.2021 11.05 Uhr

Gericht: Jobcenter muss Kosten für Computer für Schülerin übernehmen

Das Jobcenter muss in Thüringen die Kosten für einen Computer und Zubehör in Höhe von 500 Euro für eine Schülerin übernehmen, die Hartz-IV-Empfängerin ist. Eine entsprechende Entscheidung traf das Landessozialgericht bereits am 8. Januar, wie das Gericht am Dienstag in Erfurt mitteilte (Az.: L 9 AS 862/20 B ER). Damit hoben die Richter ablehnenden Bescheide des Jobcenters und des Sozialgerichts Nordhausen auf. Die Entscheidung ist den Angaben zufolge nicht anfechtbar.

Die Mutter des Mädchens, das die 8. Klasse besucht, hatte die Übernahme der Kosten für einen Computer sowie Drucker nebst Zubehör für den Schulunterricht beantragt. Sie begründete dies damit, dass ihre Tochter nach der coronabedingten Schließung der Schule ohne ein internetfähiges Gerät nicht auf die Thüringer Schulcloud zugreifen könne. Sie forderte die Kostenübernahme, weil diese nicht durch den Regelbedarf abgedeckt seien.

Dieser Auffassung schlossen sich die Richter des Landessozialgerichts an. Per einstweiliger Anordnung verpflichteten sie das Jobcenter, der Klägerin einen Computer mit Zubehör zur Verfügung zu stellen oder ihr 500 Euro für den Kauf der Ausrüstung zu erstatten. Ohne Erfolg bliebe dabei die Klägerin mit der Forderung, ein bestimmtes Gerät zu einem höheren Preis erwerben zu dürfen. Sie müsse sich mit einem kostengünstigeren und gegebenenfalls gebrauchten Gerät zufriedengeben.

18.01.2021 20.35 Uhr

Virologe hält Schulschließungen allein nicht für sinnvoll

Der Virologe Alex Friedrich, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsprävention an der Uni-Klinik Groningen, hält Schulschließungen in der Corona-Pandemie nur zusammen mit anderen Regeln wie Ausgangssperren für sinnvoll. Auch an Schulen müssten Maßnahmen getroffen werden, «vor allem auch zum Schutz der Lehrer und natürlich der Eltern zu Hause», sagte der 49-Jährige der «Ostfriesen-Zeitung» (Dienstag-Ausgabe). An einer Grundschule im Raum Rotterdam etwa hätten sich 50 Kinder und Erwachsene mit der neuen britischen Corona-Variante infiziert, 20 weitere mit der bisher bekannten.

Ganz wichtig in der momentanen Phase der Pandemie ist es nach Ansicht des Mediziners, die Mobilität der Menschen deutlich einzuschränken. Er sprach sich jedoch entschieden gegen Grenzschließungen aus. Medizinische Dienstleistungen und Produkte müssten weiter die Grenzen passieren können, es brauche eine europaweite Strategie zur Pandemie-Bekämpfung, sagte Friedrich. Er forderte, dass Staaten die nationale Hoheit über das Thema Gesundheit künftig abgeben, um grenzübergreifend einen europäischen Mehrwert zu schaffen.

In Niedersachsen konnten am Montag rund 145 000 Grundschüler erstmals seit Mitte Dezember wieder zum Unterricht in die Schule gehen. Ebenso viele Schüler der Jahrgänge 1 bis 4 mussten allerdings coronabedingt noch zu Hause lernen - in der kommenden Woche tauschen die Gruppen gemäß dem sogenannten Szenario B die Rollen.

Kretschmann will Lockdown um zwei Wochen verlängern und verschärfen

Der Mutant kommt. Was nach Science-Fiction klingt, wird in der Corona-Krise Realität. Die Virusvariante könnte sich in Deutschland wie in Großbritannien rasant verbreiten. Baden-Württemberg will vorbereitet sein - selbst Grenzschließungen sind im Gespräch.

Angesichts der Gefahr durch neue Virusvarianten will Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Corona-Lockdown vorsorglich bis Mitte Februar verlängern und verschärfen.

Die Infektionszahlen müssten rascher gesenkt werden als bisher, um eine mögliche, schnelle Verbreitung der Virusmutationen in den Griff bekommen zu können, sagte Regierungssprecher Rudi Hoogvliet am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart vor der Videokonferenz von Bund und Ländern an diesem Dienstag. «Unter dem Strich muss eine Verschärfung neben der Verlängerung stehen.» Er widersprach damit auch der CDU-Spitzenkandidatin und Kultusministerin Susanne Eisenmann, die sich gegen eine Verschärfung ausgesprochen hatte.

Kretschmann werde sich in der Videokonferenz mit den anderen Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür einsetzen, dass mehr Arbeitnehmer ins Home Office wechseln. Appelle reichten nicht mehr. Regierungssprecher Hoogvliet ging davon aus, dass sich Bund und Länder auf eine verschärfte Regelung einigen werden. «Die Bereitschaft, da weit zu gehen, ist groß.» Es sei zum Beispiel denkbar, dass die Arbeitgeber begründen müssten, warum sie bestimmte Arbeitnehmer nicht ins Home Office schicken können.

Kretschmann sei auch offen dafür, wie in Bayern eine FFP2-Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen einzuführen. Zudem wolle der Regierungschef mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) noch vor der Konferenz über den Umgang mit dem Grenzverkehr sprechen. Hintergrund sei, dass sich die Virusmutationen etwa in Österreich und Frankreich bereits stärker ausbreitet.

Söder hatte in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» gesagt, er wünsche sich eine einheitliche europäische Strategie in der Corona-Bekämpfung. «Sollte dies weiter nicht gelingen, wären Grenzkontrollen sinnvoll.» Das habe schon im Frühjahr effektiv geholfen. Auch das Bundesinnenministerium schloss nationale Grenzkontrollen am Montag nicht mehr aus. Die FDP forderte Kretschmann auf, Grenzkontrollen zu verhindern. Söders Vorschlag «ist für die Menschen und Wirtschaft in Baden-Württemberg nach den chaotischen Zuständen im Frühjahr ein Alptraum», sagte FDP-Landeschef Michael Theurer.

Hoogvliet erklärte, alle Experten gingen davon aus, dass die neu aufgetretenen, aggressiveren Virus-Varianten aus Großbritannien und Südafrika sich auch in Deutschland ausbreiten werden. Es brauche deshalb nun eine «Vorsorgeaktion», damit sich die Mutation nicht rasend schnell breit mache.

Eisenmann hatte dagegen den Sinn weiterer Verschärfungen infrage gestellt. «Die Frage ist für mich tatsächlich: Wo will man weiter verschärfen?», sagte sie am Sonntagabend im «Bild»-Politiktalk «Die richtigen Fragen». Sie halte es zwar für richtig, über eine Verlängerung des Lockdowns nachzudenken. Aber zu einer möglichen Verschärfung sagte sie: «Man muss den Maßnahmen ja auch die Chance geben, zu wirken.»

Sie halte es für schwierig, jetzt schon davon zu sprechen, wie es Ostern oder gar bis Pfingsten ist. Es brauche verlässliche Zahlen. «Wir rennen immer noch Zahlen hinterher, es wird immer noch nicht so viel getestet wie vor Weihnachten», sagte Eisenmann, die auch Spitzenkandidatin der Landtagswahl am 14. März ist. Das sei den Bürgern schwierig zu vermitteln.

In Sachen mehr Home Office kündigt sich bereits Widerstand von Arbeitgebern und Gewerkschaften an. Eine Homeoffice-Pflicht wäre auch für viele Beschäftigte kontraproduktiv, sagte DGB-Landeschef Martin Kunzmann. «Man darf nicht vergessen, dass nicht alle Beschäftigten problemlos von zu Hause aus arbeiten können, entweder weil sie keinen geeigneten Arbeitsplatz oder Internetzugang haben, oder weil sie unter Einsamkeit oder psychischen Erkrankungen leiden.» Auch Südwestmetall zeigte sich skeptisch. Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Peer-Michael Dick, sagte: «Wir sind überzeugt, dass da, wo Homeoffice möglich ist, auch Homeoffice gemacht wird, sofern die Arbeitnehmer mitmachen.»

Per Post oder vor Ort: Schulen entscheiden über Zeugnisausgabe

Wie bekommen die Schüler im Distanzunterricht ihre Halbjahreszeugnisse? Nach Angaben von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) haben die Schulen Entscheidungsspielraum in dieser Frage in der kommenden Woche. Die Schulen könnten die Zeugnisse auf dem Postweg versenden oder eine Abholung an den Schulen anbieten, wie sie am Montag mitteilte. Mit Zustimmung der Eltern sei auch eine elektronische Übermittlung mit späterer Aushändigung möglich.

«Das vergangene Schulhalbjahr hat fast vollständig im Präsenzunterricht stattgefunden. Daher gibt es Zeugnisse», erklärte Gebauer. Damit könne Schülern auch in Zeiten der Pandemie ein Stück Normalität gegeben und Lernerfolg dokumentiert werden. Nach Angaben des Ministeriums ist der 29. Januar als Zeitpunkt der Aushändigung der Halbjahreszeugnisse vorgesehen. An den Grundschulen ist demnach die Aushändigung im Zeitraum vom 25. bis 29. Januar möglich.

Die Regeln zum Distanzunterricht gelten während des verlängerten Lockdowns in der Corona-Pandemie in NRW vorläufig bis Ende Januar.

Schulen öffnen teilweise - Testpflicht für Grenzpendler

Mitten im Corona-Lockdown sind Abschlussklassen an die Schulen zurückgekehrt. Nicht nur von Eltern gibt es Kritik. Unterdessen verbuchen die Testzentren für Grenzpendler regen Zulauf.

Nach vier Wochen Pause haben die Schulen in Sachsen teilweise wieder geöffnet. Rund 50 800 Mädchen und Jungen, die demnächst ihren Abschluss machen, werden nun in geteilten Klassen unterrichtet. Am Montag standen für Lehrer und Schüler zunächst freiwillige und kostenlose Corona-Schnelltests an. Wie viele daran teilnahmen, war nach Angaben des Kultusministeriums noch unklar. Das Landesamt für Schule und Bildung hätte allerdings berichtet, dass die Tests an sämtlichen Testschulen «reibungslos» und ohne Probleme liefen. Weil die Tests gestaffelt erfolgen, sollen sich Lehrer und Schüler auch am Dienstag noch testen können.

Der Landeselternrat sowie mehrere Kreisverbände äußerten am Montag hingegen Sorge mit Blick auf die Abschlussprüfungen. Sie sprachen sich gegen zentrale Prüfungen aus und schlugen vor, dass es stattdessen einen Pool gleichwertiger Aufgaben für die Abschlussprüfungen geben sollte. So könnte jede Schule individuell prüfen, was behandelt wurde und dann entsprechend die Prüfungsaufgaben auswählen.

Die Eltern verwiesen darauf, dass sich die Situation an den Schulen sehr unterschiedlich gestalte. Während manche bis Mitte Dezember Unterricht vor Ort abgehalten hätten, seien andere Schulen geschlossen worden oder hätten wegen Quarantäne nur eingeschränkt unterrichtet. Mehr Zeit für die Prüfungen reiche nicht aus, hieß es. Das Kultusministerium hatte in der vergangenen Woche den Schülern coronabedingte Entlastungen versprochen - unter anderem mehr Zeit für Prüfungen, weniger Fächer und keine Nachteile für freiwillige Sitzenbleiber.

Seit Montag greift zudem in Sachsen eine Testpflicht für Befufspendler. Die Testzentren verbuchten regen Zulauf, unter anderem das Modl Medical-Testcenter in Görlitz. Modl Medical will am Mittwoch ein weiteres Testzentrum in Zittau eröffnen. Ein weiteres Testzentrum hatte am Freitag in Kodersdorf eröffnet. Zudem können sich Berufspendler aus Polen und Tschechien auch in Apotheken in Görlitz sowie bei einzelnen Ärzten testen lassen. Einige von ihnen erlebten am Wochenende einen Ansturm. Viele Unternehmen aus der Grenzregion haben sich darüber hinaus für eigene Lösungen entschieden und Personal zum Testen geschult oder externe Testanbieter gebucht.

Pendler aus oder in Risikogebiete müssen sich von nun an einmal pro Woche testen lassen. Von Unternehmen und Verbänden gibt es Kritik. Kippen könnte die Regel, wenn Deutschland wegen der hohen Infektionszahlen Tschechien als Hochrisikogebiet einstuft. Damit wäre ein Grenzübertritt für tschechische Pendler laut einer neuen Verordnung des Bundes nur noch mit einem negativen Corona-Test möglich, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Am Dienstag beraten Bund und Länder darüber, wie es in der Corona-Krise weitergeht - und über mögliche Verschärfungen. Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hält unterdessen eine Verlängerung des Corona-Lockdowns im Freistaat bis 14. Februar für denkbar. Er sprach sich am Montag für einen Stufenplan bis Ostern aus. «Wir müssen in Sachsen - glaube ich - nicht viel nachschärfen. Wir müssen nur das, was wir uns vorgenommen haben, konsequent umsetzen.» Dann werde man auch niedrigere Infektionszahlen erreichen.

Erstmals seit langem hatte Sachsen am Montag weniger als 1000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages registriert. Nach Zahlen des Gesundheitsministeriums gab es 448 Neuinfektionen und 46 Todesfälle. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) sprach von einer «ganz leichten» Verbesserung, sah aber noch keinen Grund zur Entwarnung.

Online-Prüfung: Bei Open-Book-Klausur Lernmaterial vorbereiten

Bei Prüfungen im Digitalen kommt es häufig vor, dass man Lernmaterialien zu Hilfe nehmen darf. Darauf sollte man sich aber nicht ausruhen. Ohne Vorbereitung geht es auch hier nicht.

Auf Online-Prüfungen sollten sich Studierende nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch vorbereiten. «Weil die Prüfungsformate so vielfältig sind, kann das Klausuren-Setting immer wieder anders aussehen», erläutert Jannica Budde, Expertin für digitale Hochschulbildung.

Unter anderem sei zwischen sogenannten Open-Book- oder Closed-Book-Klausuren zu unterscheiden. Bei einer Closed-Book-Klausur dürfen Studierende nur auf ihr erworbenes Wissen zurückgreifen, bei einer Open-Book-Klausur dagegen ist es erlaubt, etwa das Vorlesungsskript oder Sekundärliteratur zu nutzen.

«Gerade bei Open-Book-Klausuren kommt es außerdem darauf an, nicht nur den Lernstoff, sondern auch das Material vorzubereiten», betont Budde. «Da muss man sehr genau wissen, was wo steht. Man hat in der Regel keine Zeit, einen kompletten Text noch einmal durchzulesen.»

Wegen der Corona-Pandemie finden Prüfungen verstärkt online statt. Seitdem habe es an Hochschulen auch einen Schwenk zu Transferaufgaben gegeben, hat Budde beobachtet. «Davon profitieren dann Lerntypen, denen diese Form der Aufgaben einfacher fällt.»

Bei Transferaufgaben geht es darum, gelerntes Wissen auf andere Situationen zu übertragen.

Schulen in Sachsen öffnen für Abschlussklassen

Nach vierwöchiger Pause öffnen zahlreiche Schulen in Sachsen am Montag für die Abschlussklassen. Rund 50 800 Mädchen und Jungen werden dann in geteilten Klassen unterrichtet, um sich besser auf anstehende Prüfungen vorbereiten zu können. Die Teilöffnung mitten im Corona-Lockdown sorgt allerdings für Diskussionen. Kritik gab es im Vorfeld von der Gewerkschaft GEW, auch der Lehrerverband hält die Rückkehr Tausender Schüler angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen für verfrüht. An zahlreichen Schulen herrscht zudem Unsicherheit, weil am Dienstag Bund und Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Weitere Verschärfungen sind nicht ausgeschlossen.

Schüler und Lehrer können sich zu Beginn der Woche kostenlos mit einem Schnelltest auf das Coronavirus untersuchen lassen. Dafür gibt es im Land rund 100 zentrale Testschulen. Bis zum Freitagmorgen hatten sich 35 Prozent der Schüler für einen freiwilligen Antigen-Test angemeldet. Genaue Zahlen werden für Montag erwartet.

Grundschüler kehren in geteilten Gruppen in Klassen zurück

Trotz einer weiter angespannten Corona-Lage kehren die Grundschüler in Niedersachsen am Montag in geteilten Gruppen in die Klassen zurück. Bis zum Halbjahresende erhalten sie Unterricht nach dem Szenario B - das bedeutet, dass jeweils eine Hälfte der Schüler zu Hause und die andere in der Klasse arbeitet. In der ersten Woche nach den Ferien waren alle Grundschüler im Homeschooling zu Hause unterrichtet worden.

An der teilweisen Öffnung der Schulen in Niedersachsen trotz des verschärften Lockdowns hatte es Kritik unter anderem aus Berlin gegeben. Die Schulöffnung sei gegen den Geist der Beschlüsse von Bund und Ländern, sagte der Staatsminister im Kanzleramt, Hendrik Hoppenstedt. Dagegen verteidigte die Landesregierung zuletzt am Freitag die Teilöffnung auch der Grundschulen: Man wolle daran festhalten, hieß es. Insbesondere kleine Kinder schienen die Krankheit weniger stark zu verbreiten als andere Menschen.

17.01.2021 20.23 Uhr

OECD-Bildungsexperte Schleicher für Öffnung der Grundschulen

Der Verantwortliche für die internationalen Pisa-Studien, OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher, hat sich für die Öffnung von Grundschulen und Kindergärten in der Pandemie ausgesprochen. «Selbst in der gegenwärtigen Infektionslage habe ich wenig Verständnis dafür, dass Grundschulen und Kindergärten flächendeckend geschlossen werden», sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Schleicher ist Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

«Schulschließungen haben langfristig schwerwiegende Folgen, vor allem in den ersten Schuljahren und vor allem für Kinder aus sozial benachteiligtem Umfeld», erklärte er. Auch Frankreich
schränke das Leben ein und habe die zweite Corona-Welle
gebrochen, ohne die Schulen zu schließen.

Er wandte sich gegen Vorschläge, an das Ende der Schulzeit ein Jahr anzuhängen. «Das hieße ja, wir setzen jetzt nicht alles daran, Lernverluste aufzuholen, sondern schreiben das Schuljahr einfach ab.» Auch den Vorschlag, das Sitzenbleiben auszusetzen, lehnte er ab. «Entscheidend ist, dass Schulen Lerndefizite früh erkennen und gezielt ausgleichen. Dann erübrigt sich das Sitzenbleiben.»

Abschlussklassen kehren zurück an Schulen - Kritik vom Lehrerverband

Ab 18. Januar beginnt für viele Prüflinge der Präsenzunterricht. Mehr als 50 000 Schüler drücken dann wieder die Schulbank in Sachsen - mitten im Lockdown. Lehrer sorgen sich.

Schüler, bei denen demnächst Prüfungen anstehen, beginnen am Montag als erste in Sachsen mit dem Unterricht. Unter anderem dürfen Zehntklässler an den Oberschulen wieder in die Schulen, die Klassenstufe 12 bei den Fachoberschulen, bei den Gymnasien sind es die 11. und 12. Klassen. Die Abschlussklassen an den Berufsschulen müssen vorerst weiter zu Hause lernen. Unterrichtet werden soll in geteilten Gruppen und mit genügend Abstand - wo dieser nicht gewahrt werden kann, gilt eine Maskenpflicht. Insgesamt kehren mit den Abschlussklassen rund 50 800 Schüler in die Schulen zurück - trotz einer weiterhin angespannten Corona-Situation im Freistaat.

Die Lehrer im Freistaat sehen die Teilöffnung mit Sorge. «Das Pandemiegeschehen und die hohen Infektionszahlen lassen einen Präsenzunterricht nicht zu», sagte der Vorsitzende des sächsischen Lehrerverbandes, Jens Weichelt, der dpa. «Die Öffnung kommt zu früh». In der Lehrerschaft gebe es ein geteiltes Echo, so Weichelt. Während manche um ihre Gesundheit fürchten, begrüßen andere die Möglichkeit, die Schüler auf anstehende Prüfungen vorzubereiten. Auch die Gewerkschaft GEW hatte die Teilöffnung der Schulen bereits im Vorfeld als «fahrlässig» und «verantwortungslos» kritisiert.

Um das Risiko zu minimieren, können sich Lehrer und Schüler zu Beginn der Woche freiwillig und kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Das wird in vom Kultusministerium ausgewiesenen rund 100 Testschulen stattfinden. So gibt es beispielsweise im Landkreis Görlitz sechs Testzentren - etwa in Weißwasser, Niesky oder Löbau.

Nach Einschätzung des Lehrerverbandes wollen sich längst nicht alle Schüler testen lassen. «Wir gehen davon aus, dass weniger als die Hälfte mitmacht», so Weichelt. Nach Angaben des Kultusministeriums hatten sich bis Freitagmorgen etwa 35 Prozent der Schüler für einen solchen Test angemeldet. Genaue Zahlen sollen dann zu Beginn der Woche vorliegen.

Für die Schüler hat das Kultusministerium eine ganze Reihe von coronabedingten Lockerungen geschaffen: So soll es mehr Zeit für Prüfungen, weniger Fächer und keine Nachteile für freiwillige Sitzenbleiber geben. In diesem Fall gilt das nicht als Sitzenbleiben und wird auch nicht auf die Schulzeit angerechnet.

GEW: Bei Corona-Zuspitzung Abitur auch ohne Prüfung

Abi ohne Prüfung? Die GEW in Schleswig-Holstein hielte dies für keinen Beinbruch, sollte sich die Corona-Pandemie noch weiter verschlimmern. Bildungsministerin Prien hält derzeit die Prüfungen für machbar, wappnet sich aber für verschiedene Szenarien.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hält bei einer weiteren Zuspitzung der Corona-Pandemie in Schleswig-Holstein die Zuerkennung des Abiturs oder des mittleren Schulabschlusses auch ohne Prüfung für möglich. «Das wäre kein Beinbruch», sagte GEW-Landesgeschäftsführer Bernd Schauer der Deutschen Presse-Agentur. «Dafür könnten die bisher erbrachten Leistungen gewertet werden. Diese Abschlüsse müssten dann in der Gesellschaft die gleiche Wertschätzung erfahren wie mit Prüfung», sagte der Gewerkschafter und fügte hinzu: «Schließlich können die Schülerinnen und Schüler nichts für die Pandemie.»

Für keine gute Idee hält die GEW die Option, wegen der Pandemie das Schuljahr auszusetzen und die Monate hinten ranzuhängen. Das ginge eindeutig zu Lasten der Schüler, sagte Schauer. «Was sollen die Schülerinnen und Schüler denn während der Schulpause machen? Netflix schauen und die Wand anstarren? Bei allen Problemen wegen der verschlafenen Digitalisierung und abstürzenden Videokonferenzen halten wir Unterricht in geteilten Gruppen in Kombination mit Distanzunterricht für viel besser.»

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) geht «zurzeit noch davon aus, dass die Prüfungen unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen wie im vergangenen Jahr stattfinden können». Im Moment würden die Abschluss-Klassen beschult, sowohl in Präsenz als auch in Distanz, sagte Prien der Deutschen Presse-Agentur. «Aber wir wissen natürlich nicht, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Deswegen müssen wir auch auf andere Szenarien vorbereitet sein.» Die Änderung des Schulgesetzes schaffe den rechtlichen Rahmen, «damit alle Optionen offenbleiben. Dazu würden im Extremfall auch Teil- oder Vollanerkennungslösungen gehören». Die Kultusministerkonferenz wolle noch im Januar über das weitere Vorgehen einen Beschluss fassen.

«Es ist gut, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein», begrüßte Schauer die Haltung Priens. Wichtig sei, dafür zu sorgen, dass die Schüler einen vollwertigen Abschluss erhalten. «Der muss auch in allen anderen Bundesländern anerkannt werden. Wir brauchen daher eine bundesweite Lösung.» Die Absage von Prüfungen könne den Druck von Schülern und Lehrkräften nehmen. «Uns erscheint eine generelle Absage zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht notwendig», sagte Schauer. Das könne sich aber, je nach Infektionsgeschehen, ganz schnell ändern. «Insofern ist die Position von Frau Prien in dieser Frage zum heutigen Zeitpunkt nachvollziehbar.»

16.01.2021 20.23 Uhr

Kita- und Schulöffnung durch Hintertür? Notbetreuung stärker gefragt

Wegen Corona befindet sich das Land im Lockdown - doch an Kitas und Schulen tummeln sich immer mehr Kinder. Eltern schicken sie seit den Weihnachtsferien verstärkt in die Notbetreuung. Daran wird auch Kritik laut.

Trotz Corona-Lockdowns rechnet die Landesregierung mit weiter steigenden Schülerzahlen an den eigentlich geschlossenen Grundschulen. Es sei davon auszugehen, dass die Nachfrage nach Notbetreuungsangeboten in den kommenden Tagen kontinuierlich zunehmen werde, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums in Stuttgart der Deutschen Presse-Agentur. In der Woche nach den Weihnachtsferien seien je nach Grundschule zwischen 10 und 25 Prozent der regulär unterrichteten Schüler notbetreut worden. Das habe eine Abfrage an den Schulämtern ergeben.

Bund und Länder hatten Anfang des Jahres den Lockdown auch an Schulen und Kitas bis Ende Januar verlängert. Einer zunächst angedachten vorzeitigen Öffnung von Kitas und Grundschulen in Baden-Württemberg schon am 18. Januar erteilte die Landesregierung am Donnerstag eine Absage - wegen der weiter hohen Corona-Infektionszahlen. Für Kita-Kinder und Schüler der Klassen 1 bis 7 soll es aber weiter die Möglichkeit einer Notbetreuung geben.

Allerdings müssen dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Die Eltern müssen «zwingend auf eine Betreuung angewiesen» sein, wie das Kultusministerium festlegt. Sie müssen erklären, «dass beide entweder in ihrer beruflichen Tätigkeit unabkömmlich sind oder ein Studium absolvieren oder eine Schule besuchen, sofern sie die Abschlussprüfung im Jahr 2021 anstreben». Ein Nachweis dafür muss jedoch nicht erbracht werden.

Schon jetzt nutzen laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg deutlich mehr Kinder die Notbetreuungsangebote der Grundschulen und Kitas als in den Tagen vor Weihnachten. Zum Teil gebe es deshalb Personalengpässe, erklärte GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider. Aus Grundschulen höre er, dass zum Teil Lehrer und Lehrerinnen gleichzeitig Notbetreuung und Online-Fernunterricht sicherstellen sollen, was unmöglich sei. Vereinzelt erreiche ihn aus den Kitas auch Kritik daran, dass Eltern für ihre Kinder die Notbetreuung nutzten, obwohl diese anscheinend keinen Anspruch darauf hätten.

An Grundschulen gibt es laut dem Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg (VBE) dasselbe Phänomen. «Wir wissen von Eltern, die zuhause sind, kein Home Office haben und trotzdem ihre Kinder in die Notbetreuung schicken», erklärte der stellvertretende VBE-Landesvorsitzende Oliver Hintzen. Gerade weil das Angebot so niederschwellig angesetzt sei, werde es häufig genutzt.

An Standorten mit viel Platz und wenigen Kindern in der Notbetreuung funktioniere das System gut. «Bei Standorten mit großen Gruppen hingegen haben wir aber genau das Gegenteil von dem erreicht, was mit einer Schulschließung bewirkt werden soll», bemängelte er. In Landkreisen, Städten und Gemeinden mit hohen Infektionszahlen müsse überlegt werden, ob Schulen überhaupt für Notbetreuung geöffnet werden müssten.

Auch beim Evangelischen Kitaverband EvLvKita verzeichnete man in der ersten Woche nach den Ferien steigende Kinderzahlen in der Notbetreuung. Und jetzt, da der 18. Januar als Datum für eine mögliche vorzeitige Kita-Öffnung vom Tisch sei, würden vermutlich noch mehr Eltern das Angebot in Anspruch nehmen, erklärte Bettina Stäb, stellvertretende Geschäftsführerin des Verbands. Für viele Eltern sei es machbar erschienen, bis Anfang kommender Woche ihre Kinder selbst zu betreuen - nicht aber darüber hinaus.

Im Schnitt gar zur Hälfte ausgelastet seien die Kitas, die zum Verband freier unabhängiger Kindertagesstätten Stuttgart gehörten, erklärte Koordinator Romano Sposito. Damit liege die Auslastung etwa doppelt so hoch wie vor den Weihnachtsferien.

Viele Berliner Schulen warten weiter auf Luftfiltergeräte

Berlins Schulen sollen schon lange mit Luftfiltergeräten ausgestattet werden. Im November hieß es von der Senatsverwaltung für Bildung, die Beschaffung sei in vollem Gange. Dabei ist nicht daran gedacht, für jedes Klassenzimmer der rund 800 Berliner Schulen ein Gerät zu besorgen, sondern allenfalls für einen Teil davon. Die Luftfilter sollen in erster Linie in Räumen zum Einsatz kommen, wo Lüften schwierig ist. Laut der Bildungsverwaltung stehen dafür insgesamt 4,5 Millionen Euro aus Landesmitteln zur Verfügung. Doch es geht langsamer voran, als die Bezirksverwaltungen im Spätherbst erwartet haben. Und beim Stand der Dinge gibt es zwischen den Bezirken erhebliche Unterschiede, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt:

So teilte das Bezirksamt Spandau mit, es habe 82 Luftreinigungsgeräte für die Spandauer Schulen bestellt. Im Einsatz sind davon allerdings noch keine. «Die Auslieferung an die Schulen erfolgt nach jüngstem Kenntnisstand zwischen dem 20. und 25. Januar.»

Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf hat nach eigenen Angaben 96 Luftreinigungsgeräte bestellt. Ein Großteil davon - rund 65 - sei bereits ausgeliefert worden. «In der kommenden Woche wird dann auch die Auslieferung der restlichen Geräte erfolgen. Sobald die Luftreiniger vor Ort sind, können Sie auch eingesetzt werden.»

Einen eigenen Weg geht Reinickendorf: Durch Eigeninitiative des Bezirks sei bereits eine Muster-Lüftungsanlage in der Carl-Bosch-Oberschule im Test-Einsatz, teilte das Bezirksamt mit. «Es könnten künftig weitere Räume damit ausgestattet werden, wenn der Betrieb positive Ergebnisse erzielt.» Außerdem seien mit den vom Senat zur Verfügung gestellten Mitteln 75 Luftfiltergeräte bestellt worden. «Geliefert werden diese Geräte voraussichtlich Ende Januar.»

Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg gab es noch gar keine Bestellungen. Das Schul- und Sportamt habe über den Jahreswechsel alle Unterlagen für eine Ausschreibung vorbereitet und inzwischen Unternehmen zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. «Nach Prüfung der Angebote werden entsprechende Geräte bestellt.» Die Anzahl der Geräte sei abhängig von den Preisen der Bieter. «Das Schul- und Sportamt hat keine Kenntnis davon, ob und wenn ja in welchen Schulen anderweitig - zum Beispiel auf Elterninitiative - beschaffte Geräte bereits im Einsatz sind.»

Auch der Bezirk Mitte ist noch nicht weit gekommen: Bislang seien lediglich vereinzelt durch Fördervereine oder Elterninitiativen beschaffte Geräte im Einsatz, teilte das Bezirksamt mit. Ansonsten ist noch kein Gerät bestellt. «Derzeit werden die eingereichten Angebote ausgewertet, um die Wertungsstufe abzuschließen.» Danach folge eine Zuschlagsempfehlung. «Die Rügefrist beträgt 2 Wochen, danach erfolgt die Auftragserteilung/Beauftragung zur Lieferung.» Der Liefertermin hänge von der Lieferfrist des Auftragnehmers ab, als spätester Termin sei in der Ausschreibung Anfang März genannt worden.

Friedrichshain-Kreuzberg hat nach Angaben des Bezirksamts eines der teuersten, aber nach Meinung der eigenen Fachleute das beste Gerät bestellt. Es sei außerdem sehr sicher, langlebig und vor allem leise. «Da das vom Senat zur Verfügung gestellte Mittelvolumen begrenzt ist, konnten wir zunächst nur 42 Geräte bestellen.» Außerdem hätten alle Schulen eine Liste bekommen mit einer Übersicht über geeignete Geräte, weil mehrere Fördervereine der Schulen zusätzliche Bestellungen planten. Die ersten vier Geräte seien am Mittwoch geliefert worden, die weiteren Geräte würden in Kürze folgen.

Das Bezirksamt Treptow-Köpenick teilte mit, es seien noch keine Geräte bestellt worden. «Das Vergabeverfahren dauert an. Die Zuschlags- und Bindefrist musste wegen unzulänglicher Angebote verlängert werden. Der Bezirk Lichtenberg hat nach Angaben des Bezirksamts 77 Geräte bestellt, die in mehreren Lieferungen bis Mitte Februar eintreffen sollen.

Im Bezirk Pankow sind bereits an 18 von 68 Pankower Schulen die vom Bezirksamt beschafften Luftfiltergeräte angeliefert worden. Insgesamt hat der Bezirk 115 Geräte bestellt. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat 70 Geräte bestellt, die für Anfang Februar erwartet werden.

Ob die Anschaffung von Luftfiltergeräten überhaupt ratsam ist, gilt als umstritten. Eine Untersuchung ergab, dass Stoßlüften deutlich wirksamer sei. Die Forscher der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) hatten dafür in einem nicht genutzten Klassenzimmer die Wirkung auf Aerosole ermittelt. Dabei zeigte sich nach Angaben der Hochschule, dass die Stoßöffnung aller Fenster über drei Minuten bei Außentemperaturen von 7 bis 11 Grad Celsius die eingebrachte Konzentration an Aerosolen bis zu 99,8 Prozent gesenkt habe. Dagegen sei in dem Raum beim Einsatz von vier mobilen Luftfiltergeräten nach etwa 30 Minuten eine um 90 Prozent verringerte Konzentration gemessen worden.

15.01.2021 20.22 Uhr

Corona-Tests für Schüler ab Montag

An Thüringens Schulen sollen sich Abschlusskandidaten, die weiter Präsenzunterricht bekommen, auf eine Coronavirus-Infektion testen lassen können. «Es ist uns gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Thüringen gelungen, innerhalb nur weniger Tage Wege zu finden, in das Testsystem erstmals auch Schülerinnen und Schüler und damit eine wesentlich größere Zahl an Personen einzubeziehen», teilte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Freitag in Erfurt mit. Schulleitungen sollen ab Montag Testtermine vereinbaren können. Zuvor hatte der MDR über die Ausweitung der Tests berichtet.

Zuvor hatte es Kritik gegeben, dass ungetestete Schüler trotz des härteren Lockdowns überhaupt noch an die Schulen gehen können. Zwar hatte das Bildungsministerium früh angekündigt, das Angebot kostenloser Schnelltests für Lehrer auch für einen bestimmten Kreis von Schülern auszuweiten. Doch zunächst war der Unterricht ohne Testmöglichkeiten für Schüler gestartet.

Nach Angaben des Bildungsressorts ist für minderjährige Schüler eine Einverständniserklärung der Eltern nötig, damit die Schüler getestet werden können. Volljährige können selbst entscheiden. Holter appellierte an Eltern und Schüler, die Testmöglichkeiten zu nutzen.

Nach Angaben seines Ministeriums können die Schulen ab Montag mit teilnehmenden Kassenärzten Testtermine in Schulen vereinbaren. Demnach werden die Tests wie bisher vom Arzt gegenüber der KV abgerechnet. Die Kosten übernimmt der Freistaat. Für Schulen, die innerhalb kurzer Zeit keinen Partnerarzt finden, will das Bildungsministerium ab 1. Februar 2021 die Hilfe von Testteams des Deutschen Roten Kreuzes vermitteln.

Den Angaben zufolge soll auch die Zahl der Ärzte erhöht werden, die Schnelltests vornehmen und abrechnen können. «Die Tests können nun von allen Thüringer Kassenärztinnen beziehungsweise -ärzten jeder Fachrichtung beziehungsweise von durch sie beauftragtem medizinischem Personal durchgeführt werden», heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Holter: «Ich rufe Ärztinnen und Ärzte sowie Schulleitungen in ganz Thüringen dringend auf, diese Möglichkeit zu nutzen.»

Lehrerverbands-Präsident: Keine Not-Abschlüsse wegen Corona-Krise

Der Präsident des Lehrerverbands will in der Corona-Krise an den Abschlussprüfungen festhalten. «Wir sollten alles tun, um den Schülerinnen und Schülern den Makel eines Not-Abiturs oder eines Not-Realschulabschlusses zu ersparen», sagte Heinz-Peter Meidinger der «Passauer Neuen Presse» (Freitagsausgabe).

Sollten die Abschlussprüfungen ausfallen, seien die Zeugnisse der Absolventen nicht vergleichbar und weniger wert. «Da droht dann der unsichtbare, aber verhängnisvolle Corona-Stempel auf den Abschlusszertifikaten», warnte Meidinger. Im Zweifel sollten die Prüfungen lieber noch einmal verschoben werden.

Noch könnten die Unterrichtsziele weitgehend erreicht werden, sagte der Präsident des Lehrerverbands. «Je länger der Unterrichtsbetrieb weiter stark eingeschränkt sein wird, desto dringlicher wird die Frage, wie wir mit den wachsenden Lerndefiziten von Schülern umgehen, die wir im Distanzlernen kaum oder nur teilweise erreichen.» Er halte es für fraglich, ob Schüler trotz schlechter Leistungen in die nächste Jahrgangsstufe vorrücken sollten.

Meidinger: Impfungen für Lehrer im zweiten Quartal zu spät

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands hält es für sinnvoll, Lehrer schon früher als bisher geplant gegen das Coronavirus zu impfen. «Nach den derzeitigen Plänen sollen Lehrerinnen und Lehrer erst im zweiten Quartal dieses Jahres geimpft werden. Das halten wir für zu spät», sagte Heinz-Peter Meidinger dem «Focus». Zumindest für ältere Lehrkräfte über 60 sollte es frühere Impftermine geben. Zugleich betonte Meidinger, dass die Impfbereitschaft unter den Pädagogen groß sei. Eine hohe Impfquote könne daher leicht erreicht werden.

Weil es zunächst nicht genügend Impfstoff für jeden gibt, wird derzeit gemäß einer vom Bundesgesundheitsministerium festgelegten Priorisierung geimpft. «Die Schwächsten zu schützen, das ist das erste Ziel unserer Impfkampagne», sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu im Dezember. Ältere über 80 Jahre, Bewohner und Personal in Pflegeheimen werden zuerst geimpft.

Meidinger hält es noch für möglich, das Schuljahr «ordentlich zu Ende zu bringen». Bis zu den Weihnachtsferien habe es fast durchgängig Präsenzunterricht gegeben, so dass er durchaus Chancen für eine ausreichende Prüfungsvorbereitung sehe, wenn «hoffentlich» ab Februar vorrangig die Abschlussjahrgänge wieder an die Schulen geholt werden könnten, sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Freitag).

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) äußerte sich derweil kritisch zu Forderungen nach einem Verzicht auf das Sitzenbleiben im Corona-Schuljahr. «Ein Schuljahr zu wiederholen, ist für die Betroffenen nicht schön. Dies passiert allerdings unabhängig von der Pandemie», sagte Karliczek der «Rheinischen Post» (Freitag). Damit solle die Chance verbunden werden, wieder einen besseren Anschluss an den Lernstoff zu bekommen, also neue Chancen eröffnen. Sie halte nichts davon, diese Möglichkeit generell auszuschließen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte sich dafür ausgesprochen, aufgrund der Corona-Umstände in diesem Schuljahr auf das Sitzenbleiben zu verzichten.

Schülerkonferenz warnt vor Desaster bei Fernunterricht

Die Bundesschülerkonferenz warnt vor gravierenden Folgen bei Problemen mit dem Fernunterricht. «Bund und Länder müssen jetzt Geld in die Hand nehmen und Serverkapazitäten massiv ausbauen. Sonst enden diese Wochen in einem Desaster», sagte Generalsekretär Dario Schramm der Deutschen Presse-Agentur.

Die Art und Weise, wie der Unterricht momentan gestaltet werde, hänge sehr stark vom Lehrer ab, sagte Schram zur Frage, inwieweit zum Beispiel Videokonferenzen stattfinden und was Aufgabenumfang und Unterstützungsangebote betrifft. Lehrkräfte gäben in einer überwältigenden Mehrheit aber ihr Bestes. «Wie sollen sie auch den "perfekten" digitalen Unterricht auf die Beine stellen, so ganz ohne vernünftige Fortbildungen und eine funktionierende Technik?»

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, warnte vor Pauschalurteilen. Angesichts von mehr als 10 Millionen Schülern und 40 000 Schulen dürfe bei durchaus im Einzelfall berechtigten Klagen nicht ein Eindruck entstehen, der nicht repräsentativ sei, sagte er der dpa. «Mein Eindruck ist, dass es insgesamt besser läuft als im Frühjahr - auch weil inzwischen viele, aber leider bei weitem noch nicht alle Leihgeräte an Kinder ausgegeben worden sind, die bislang zu Hause keinen tastaturfähigen Computer nutzen konnten.»

Mitte Dezember war der Präsenzbetrieb an den Schulen in Deutschland wegen der hohen Corona-Zahlen heruntergefahren worden. Immer wieder gibt es seitdem Meldungen oder Beschwerden von Schülern oder Eltern über Aussetzer bei Lernplattformen und andere Probleme beim sogenannten Distanzunterricht - etwa, dass Schüler Aufgaben bekämen und diese dann ohne großen Kontakt zur Lehrkraft alleine abarbeiten müssten.

Schriftliches Abitur dieses Jahr ab 21. April

Die schriftlichen Abiturprüfungen sollen in diesem Jahr in Hessen vom 21. April bis 5. Mai stattfinden. Das teilte das Kultusministerium in Wiesbaden am Donnerstag mit. Schon im vergangenen Jahr sei festgelegt worden, dass die Abi-Klausuren angesichts der Corona-Pandemie erst nach den Osterferien geschrieben werden. «Damit wurde ein zusätzlicher Zeitraum von zwei Monaten geschaffen, den Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern zum Nacharbeiten und Vertiefen prüfungsrelevanter Unterrichtseinheiten nutzen können», erläuterte Kultusminister Alexander Lorz (CDU).

Sowohl für den Haupt- als auch für den Nachtermin der schriftlichen Abiturprüfungen vom 18. Mai bis 2. Juni werde den Schulen in jedem Prüfungsfach ein zusätzlicher Aufgabenvorschlag zur Verfügung gestellt. «Damit geben wir jeder Lehrkraft die Möglichkeit, vor dem Hintergrund des Kenntnisstands ihrer Schülerinnen und Schüler eine entsprechende Vorauswahl zu treffen, die sie ihnen am Prüfungstag vorlegt», erklärte der Minister.

Die Prüflinge erhielten wie in den vergangenen Jahren mehrere Aufgabenvorschläge, aus denen sie auswählen könnten. «Mit uns wird es keinen "Abschluss light" geben», teilte Lorz mit. Alle Anpassungen verfolgten das Ziel, sicherzustellen, dass sich alle Schüler trotz der herausfordernden Bedingungen bis zum Beginn der schriftlichen Abiturprüfungen fundiert vorbereiten können.

14.01.2021 20.12 Uhr

Sachsen-Inzidenzwert unter 300 - Kritik an Schul-Teilöffnung

Der Inzidenzwert für Sachsen sinkt und der Freistaat kämpft sich beim Impfen im bundesweiten Vergleich nach oben. Die Teilöffnung der Schulen indes sorgt für Kritik.

Trotz einer weiterhin angespannten Situation bei den Corona-Neuinfektionen hält Sachsen an der Rückkehr zum Präsenzunterricht fest - zumindest für die Abschlussklassen. «Es geht am kommenden Montag los», sagte ein Sprecher des Kultusministeriums in Dresden am Donnerstag. Dann öffnen die Schulen für die rund 48 000 Jugendlichen, die im Sommer und 2022 ihre Abschluss machen. Am Freitag will das Ministerium ein Maßnahmenbündel zu Erleichterungen bei den Prüfungen unter den erschwerten Bedingungen in der Pandemie vorstellen. Die GEW kritisierte die Teilöffnung der Schulen als «fahrlässig» und «verantwortungslos».

Nach der aktuellen Corona-Schutzverordnung sollen Schüler der Abschlussklassen ab 18. Januar wieder zur Schule gehen können - in geteilten Klassen. Die Winterferien werden auf die erste Februarwoche vorgezogen und verkürzt, die zweite Hälfte soll vor Ostern nachgeholt werden. Selbst Bundesländer mit deutlich niedrigeren Infektionszahlen wie Bayern hielten die Schulen bis zum Monatsende geschlossen, sagte GEW-Landesvorsitzende Uschi Kruse. Die Rückkehr Tausender Schüler und vieler Lehrer werde erneut zu Infektionen und Quarantänemaßnahmen an Schulen führen.

Bei der ab Montag geltenden Testpflicht für Berufspendler aus Polen und Tschechien verständigte sich das Kabinett darauf, dass sich der Freistaat mit 10 Euro pro Antigen-Schnelltest an den Kosten beteiligt. Grenzpendler aus und in Risikogebiete müssen sich einmal pro Woche regelmäßig auf Corona testen lassen - zum besseren Schutz von Beschäftigten und Firmen, die nicht auf Homeoffice ausweichen könnten. Das Gesundheitsministerium schätzt, dass etwa 25 000 Personen Anträge auf Kostenbeteiligung bei der Landesdirektion Sachsen stellen können.

Der Dresdner IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann befürchtet jedoch, dass dieser «praktikable Kompromiss» schon obsolet ist. Er verlangte eine Aussetzung der Testpflicht bis zur Prüfung, ob der «überraschende Vorstoß» des Bundes zur Testung von Grenzpendlern aus Risikogebieten diesen aushebelt. «Wir fordern schnellstmöglich Klarheit, um praktikable Verfahrensweisen zu vereinbaren und die Wirtschaft nicht noch weiter zu schwächen.»

Sachsen hat bei den Corona-Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner indes die 300er Marke unterschritten. Das Robert Koch-Institut (RKI) und die aktuelle Übersicht des Gesundheitsministeriums wiesen die sogenannte Inzidenz jeweils mit 292,4 aus. Das ist weiterhin der zweithöchste Wert im Vergleich der Bundesländer - nach dem bundesweiten Spitzenreiter Thüringen (310,4). Mit 493,5 lag der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im bundesweiten Vergleich weiter auf dem zweiten Platz.

Das Gesundheitsministerium meldete 1911 Neuinfektionen im Vergleich zum Mittwoch sowie 212 weitere Todesfälle. Damit sind mehr als 163 000 Fälle seit Ausbruch der Pandemie im Freistaat nachgewiesen; 4786 Menschen starben insgesamt mit oder an dem Virus. Auf fast 132 000 wird die Zahl der Genesenen geschätzt.

Knapp 34 600 Personen landesweit wurden nach der Übersicht des RKI bisher geimpft - vor allem medizinisches Personal, aber auch fast 6670 Bewohner von Pflegeheimen. Impfdosen, die nicht gebraucht werden, werden anderweitig geimpft, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilte. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Hilfsorganisationen werden dann angefragt, «ob diese sehr kurzfristig ins Impfzentrum kommen könnten».

Inzwischen hat Sachsen beim Impfen im bundesweiten Vergleich weiter aufgeholt und liegt im hinteren Mittelfeld. Alle 9000 zur Verfügung stehenden Termine über das Onlineportal sind laut DRK Sachsen vergeben, in dessen Händen die Koordination liegt. Bisher haben sich 50 000 Bürger registriert, insgesamt gab es 1,6 Millionen Zugriffe auf die Seite, wie ein Sprecher sagte.

Das Gesundheitsministerium hat nun für mindestens ein halbes Jahr Verstärkung aus dem Innenministerium bekommen und die Corona-Stabsstelle einen Leiter, der die Zusammenarbeit der einzelnen Ressorts und Institutionen in der Pandemie koordiniert. Sachsens Linke kritisierten die Kommunikation der Landesregierung zu Corona-Maßnahmen. Sie wäre gut beraten, «nicht jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu treiben», sagte Parteichefin Susanne Schaper. «Statt laut zu denken und jeden Tag neue Vorschläge zu präsentieren, ist stilles und effektives Arbeiten geboten.»

Sitzenbleiben umstritten - Schüler fordern coronagerechte Klausuren

Der Lockdown geht weiter, Schülerinnen und Schüler müssen seit Monaten unter besonderen Bedingungen lernen. Wie sollen ihre Leistungen in der Pandemie bewertet werden? Und soll es in diesem Jahr kein Sitzenbleiben geben, wie es die Gewerkschaft GEW fordert?

Geschlossene Schulen und fehlende Perspektiven: Die Corona-Pandemie macht das Lernen für Schüler zum Kraftakt. Wäre der Verzicht auf das Sitzenbleiben in diesem Jahr angesichts der Versäumnisse und schlechten Bedingungen eine Option? Das fordert die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). «Man kann nicht mit der normalen Leistungsmessung herangehen und einfach sagen, wir lassen sitzen», sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte sie ihren Vorschlag gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) geäußert.

Aus Tepes Sicht sollten auch Abiturprüfungen in diesem Jahr ausgesetzt werden. Stattdessen könnten Lehrer ihre Schüler aufgrund der erbrachten Leistung bewerten und eine Note ohne Klausur vergeben. Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, hält das für keine gute Idee. Bevor Prüfungen komplett ausfielen, wäre es besser, sie zu verschieben, sagte Beckmann der dpa. Beckmann spricht sich dagegen aus, pauschal alle Schüler zu versetzen und plädiert stattdessen für individuelle Lösungen.

Es gehe in erster Linie darum, den «Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden». Einige Schüler hätten in der Pandemie besondere Kompetenzen erworben, zum Beispiel das eigenständige Lernen. Diesen Punkt müsse man berücksichtigen. Dass Kinder nun ein «Notabitur» machen müssten und Prüfungen nicht vergleichbar seien, stimme so nicht, sagte Beckmann. Schülerinnen und Schüler hätten auch jetzt Leistungen erbracht, die zu bewerten seien. Für den Fall, dass Schüler das Gefühl hätten, aufgrund der Pandemie-Situation benachteiligt worden zu sein, müssten sie das Jahr wiederholen können, ohne dass es als «Sitzenbleiben» angerechnet würde, sagte er.

Außerdem brauche es «zur Unterstützung klare Konzepte und auch die Vernetzung unterschiedlicher Zuständigkeitsbereiche bis hin zu den Ministerien». Seit Monaten fordere er von der Kultusministerkonferenz (KMK), einen Rahmen zu schaffen, damit Lehrer wissen, wie sie die Leistungen während der Pandemie bewerten können.

Die neue KMK-Präsidentin Britta Ernst, die am Donnerstag offiziell ihr Amt übernahm, sagte der Zeitung «Welt», Schülern in Deutschland trotz der Pandemie einen vollwertigen Abschluss ermöglichen zu wollen. «Wir werden uns innerhalb der KMK mit allen Bundesländern austauschen, wie wir unter Beibehaltung unserer gemeinsamen Standards das Abitur auch unter diesen Rahmenbedingungen gerecht durchführen können», sagte Ernst. «Ein Notabitur hätte fatale Folgen.» Der Forderung, den versäumten Lernstoff zu kompensieren, indem pauschal ein weiteres Schuljahr angehängt werde, erteilte die KMK-Chefin eine Absage. Ein Wiederholungsjahr sei «nicht notwendig. Wir müssen ja auch sorgfältig mit der Lebenszeit der jungen Menschen umgehen».

Die Bundesschülervertretung würde eine generelle Möglichkeit, das Sitzenbleiben in diesem Jahr auszusetzen, begrüßen. Die Fachlehrer müssten aber dann eine Beratung anbieten, sagte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, der dpa. «Viele Schülerinnen und Schüler haben bereits so große Lücken, dass eine Wiederholung vermutlich mehr Sinn macht als der Versuch, diese Lücken in kurzer Zeit auszubessern.»

Das Wissen, nicht sitzen bleiben zu können, könne «etwas Druck vom Kessel nehmen», sagte Schramm. Für die Abschlussklassen gelte das aber nicht. «Hier müssen wir Prüfungen so anpassen, dass sie der Situation entsprechend geändert werden.» Einen «wirklich fairen und vergleichbaren Abschluss» könne es in diesem Jahr nicht geben.

Unter den Eltern trifft die Debatte über das Sitzenbleiben indes auf ein geteiltes Echo. Der Bundeselternrat fordert in erster Linie mehr Präsenzunterricht und eine bessere Qualität des Distanzlernens. Eine «verstärkte Förderung in Problemfächern» könne im Einzelfall sinnvoller sein, als das Jahr zu wiederholen, teilte die stellvertretende Vorsitzende, Sabrina Wetzel, auf dpa-Anfrage mit.

Indes entschied sich Baden-Württemberg am Donnerstag dafür, Grundschulen und Kitas weiterhin zumindest bis Ende Januar geschlossen zu lassen. Wie die dpa am Donnerstag in Stuttgart erfuhr, verständigten sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) darauf, angesichts der weiter hohen Corona-Infektionszahlen doch nicht zu lockern. Es solle aber eine Öffnungsperspektive für Grundschulen und Kitas erarbeitet werden, sollte der Lockdown über Januar hinaus gelten, hieß es.

Seit Mitte Dezember sind die meisten Schulen und Kitas in Deutschland entweder komplett geschlossen oder nur für Notbetreuung geöffnet. Dort, wo nicht geschlossen wurde, wurde die Anwesenheitspflicht ausgesetzt. Eltern wurden gebeten, ihren Nachwuchs zu Hause zu lassen. Für Abschlussklassen, die vor den Prüfungen stehen, gibt es Ausnahmen. Wann die Einrichtungen wieder öffnen können, ist unklar.

Minister warnt vor Schulabschlüssen mit «Corona-Makel»

Fällt das Abitur aus? Wird das Sitzenbleiben freiwillig? Die Forderungen der Schulleiter in der Corona-Krise haben es in sich. Das Kultusministerium hält an seiner Planung fest - zumindest bisher.

Niedersachsens Schüler müssen sich trotz der Corona-Einschränkungen weiter auf ihre Abitur- und Abschlussprüfungen vorbereiten. Der Schulleitungsverband (SLVN) hatte gefordert, die Prüfungen in diesem Jahr auszusetzen und auch auf das Sitzenbleiben zu verzichten. Kultusminister Grant Hendrik Tonne wies das am Donnerstag zurück, ließ sich aber eine Hintertür offen: Das Ministerium halte nicht dogmatisch an den Prüfungen fest, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Auch bei Lehrern und Eltern stieß der Vorschlag, die Prüfungen abzusagen, auf Ablehnung. Der Schülerrat warb indes für inhaltliche Anpassungen.

DAS FORDERN DIE SCHULLEITER

Der Schulleitungsverband ist am Mittwochabend mit einem Katalog von acht Forderungen vorgeprescht. Darin dringen die Schulleiter mit Blick auf den Corona-Unterricht auf «einen großen Wurf»: Bis zu den Osterferien solle es an allen Schulformen keinen normalen Präsenzunterricht mehr geben, sondern standardmäßig das Szenario B mit Wechselunterricht in geteilten Klassen gelten. Die Abschlussprüfungen sollen entfallen, wobei freiwillige Ersatzleistungen möglich sein sollen. Eine Wiederholung des Schuljahrs solle es nur auf Wunsch des Schülers geben. Das Land müsse zudem dafür sorgen, dass alle Schulbediensteten FFP2-Masken erhalten. Nach bisheriger Planung beginnen die Abiturprüfungen am 19. April.

SO REAGIERT DIE POLITIK

«Mir liegt sehr daran, den Prüflingen auch in der gegenwärtig schwierigen Gesamtlage hochwertige Abschlüsse zuzusichern. Prüfungen zum jetzigen Zeitpunkt abzusagen, ist das falsche Signal», sagte Kultusminister Tonne (SPD). Er warnte davor, dass die Abschlüsse ohne Prüfung einen «Corona-Makel» bekommen könnten. Das sei nicht im Sinne der Schüler. «Es gilt, passgenaue Prüfungsformate anzubieten, um den Jugendlichen das Recht auf Prüfung einzuräumen.» Eine finale Planungssicherheit gebe es in der Pandemie allerdings nicht. «Wir hoffen sehr, dass sich durch den allgemeinen Shutdown die Gesamtlage derart stabilisiert, dass diese Planungen halten.»

Die Vorgaben für das Abitur stehen bereits auf dem Prüfstand. Alle Prüfungsaufgaben würden im Ministerium noch einmal auf ihre Angemessenheit geprüft und möglicherweise überarbeitet, heißt es in einem Schreiben an die Schulleitungen vom Dienstag. Zudem sollen Inhalte, die dem vierten Semester zugeordnet sind, teilweise nicht prüfungsrelevant sein, um Unwägbarkeiten für den noch bevorstehenden Unterricht im kommenden Halbjahr vorzubeugen. Mit den Maßnahmen soll die Durchführung des Zentralabiturs sichergestellt werden.

Mit Blick auf das Sitzenbleiben betonte Tonne, dass es bereits Erleichterungen für die Schüler gebe. Mit Zusatzleistungen könnten sie sich noch verbessern, wenn die Versetzung gefährdet ist. «Darauf haben sie ein Recht, das war vorher nicht so», erklärte der Minister. «Es gilt zudem das Motto: Im Zweifel für die Schüler!» Bei engen Entscheidungen müssten die Lehrer die besondere Lage berücksichtigen. «Das halte ich für situationsangemessen, ein generelles Aufrücken aller Schülerinnen und Schüler hingegen nicht», sagte Tonne.

DAS SAGEN SCHÜLER, ELTERN UND LEHRER

Die Lehrer dringen auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen. Der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen (PHVN), Horst Audritz, sagte, für die Abiturienten wäre es «verheerend», wenn es keine Vergleichbarkeit der Abschlüsse auf Bundesebene gebe. «Auf Prüfungen vorschnell zu verzichten, ist das falsche Signal. Das relativiert die Bedeutung des Abiturs», kritisierte Audritz. Auch der Vorsitzende des Verbands Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR), Torsten Neumann, betonte, es müssten bundesweit gemeinsame Regelungen getroffen werden. Es dürfe keine «Notabschlüsse» geben, die mit den bisherigen Abschlüssen nicht vergleichbar seien.

Beim Landeselternrat stieß der Ruf, auf Prüfungen zu verzichten, ebenfalls auf Unverständnis. Die Forderung sei «zu kurz gedacht», sagte die Vorsitzende Cindy-Patricia Heine. «Damit hätten wir immer noch keine Lösung für die kommenden Wochen.» Wichtiger seien Investitionen in den Infektionsschutz an den Schulen für alle Beteiligten, um möglichst schnell zum Präsenzunterricht zurückkehren zu können. Das hätten die Entscheidungsträger bisher versäumt.

Der Schülerrat begrüßt die Debatte dagegen. Das Kultusministerium solle nicht zu lange mit Anpassungen der Prüfungen warten, sagte der Vorsitzende Florian Reetz am Donnerstag. Den Lernstoff zu ändern oder zu dezentralen Prüfungen zu wechseln, sei schon jetzt kaum mehr möglich. Das Land könne den Schulen aber mit einem «Abschlussprüfungspuzzle» mehr Auswahlmöglichkeiten bei der Gestaltung der Prüfungen geben, schlug Reetz vor. «Die Lehrer wissen am besten, was ihre Schüler verpasst haben oder nicht», sagte er.

DAS MACHEN ANDERE BUNDESLÄNDER

Von einer einheitlichen Linie sind die Länder in Sachen Schule derzeit weit entfernt. So hat Bayern die Faschingsferien im Februar abgesagt, um ausgefallenen Unterricht nachzuholen. In Niedersachsen ist eine solche Änderung der Ferientermine bisher kein Thema. Nordrhein-Westfalen hat seine Abiturtermine bereits im Sommer um neun Unterrichtstage nach hinten verschoben. In Rheinland-Pfalz haben die Abiturprüfungen dagegen schon im Januar begonnen.

Schüler für «Prüfungspuzzle» mit größerer Auswahl

Niedersachsens Schülerrat hat die Diskussion über die Form der Abschlussprüfungen in diesem Jahr begrüßt. Das Kultusministerium solle nicht zu lange mit Anpassungen der Prüfungen warten, sagte der Vorsitzende Florian Reetz am Donnerstag. Den Lernstoff zu ändern oder zu dezentralen Prüfungen zu wechseln, sei schon jetzt kaum mehr möglich. Das Land könne den Schulen aber mit einem «Abschlussprüfungspuzzle» mehr Auswahlmöglichkeiten bei der Gestaltung der Prüfungen geben. «Die Lehrer wissen am besten, was ihre Schüler verpasst haben oder nicht», sagte Reetz.

Alternativ könne die Durchschnittsnote für den Abschluss herangezogen werden. Im vergangenen Frühjahr hatte der Schülerrat dieses Verfahren noch ausdrücklich gefordert. Das sei in diesem Jahr anders, weil es bereits inhaltliche Anpassungen des Lernstoffs gegeben habe. Wichtig sei, dass der Stellenwert der Prüfungen erhalten bleibe. «Wir wollen nicht, dass das Niedersachsen-Abi vorbelastet ist», sagte Reetz.

Für eine abschließende Positionierung will sich der Schülerrat noch mit weiteren Schülern und Lehrern austauschen, um die Forderung des Schulleitungsverbands, die Prüfungen abzusagen, besser verstehen zu können. Oft gebe es für die Probleme einer einzelnen Schule oder Klasse keine Lösung nach Schema F, betonte Reetz.

KMK-Präsidentin Ernst will «Notabitur» vermeiden

Berlin (dpa) Die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Britta Ernst (SPD), will Abiturienten trotz der Pandemie einen vollwertigen Schulabschluss ermöglichen. «Wir werden uns innerhalb der KMK mit allen Bundesländern austauschen, wie wir unter Beibehaltung unserer gemeinsamen Standards das Abitur auch unter diesen Rahmenbedingungen gerecht durchführen können», sagte Ernst der Zeitung «Welt».

Die Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr ihren Abschluss machen, müssten die Sicherheit haben, dass sie nicht benachteiligt werden. «Ein Notabitur hätte fatale Folgen. Wir brauchen eine gleichwertige Hochschulzugangsberechtigung.» Ob die bisherigen Maßnahmen an den Schulen nachjustiert werden müssten, hänge von der weiteren Entwicklung der Infektionszahlen ab, sagte Ernst, die auch Bildungsministerin in Brandenburg ist.

«Sollten die harten Einschränkungen im Schulbetrieb jetzt noch viel länger dauern, müssen wir uns das Thema Abschlüsse noch einmal vornehmen.» In Berlin und Brandenburg sei schon entschieden worden, dass die dortigen Schulen beim Abitur eine Aufgabe mehr zur Auswahl bekommen.

Auf die Forderung von Schülerverbänden, Schulabgängern angesichts der Unterrichtsausfälle einen Nachteilsausgleich zu gewähren, um so die Chancengleichheit im Studium zu gewährleisten, wollte die KMK-Präsidentin dem Bericht zufolge erst einmal nicht eingehen. Die Diskussion darüber sei verfrüht. Versäumten Unterrichtsstoff durch Anhängen eines weiteren Schuljahrs zu kompensieren, sei nicht notwendig, sagte Ernst. «Wir müssen ja auch sorgfältig mit der Lebenszeit der jungen Menschen umgehen. Abgesehen davon hätten wir auch gar nicht das Personal dafür.»

Baden-Württemberg lässt Grundschulen und Kitas zunächst weiter zu

Vielerorts ist die Sorge groß, dass die neuen Varianten des Coronavirus sich noch schneller verbreiten könnten. Im Südwesten war noch eine Lockerung bei Kitas und Grundschulen angedacht. Doch diese Hoffnung musste jetzt auch begraben werden.

Baden-Württemberg will Grundschulen und Kitas nun doch zumindest bis Ende Januar geschlossen halten und verzichtet angesichts der weiter hohen Corona-Infektionszahlen auf einen angedachten Sonderweg. Wie die Deutsche Presse-Agentur dpa am Donnerstag in Stuttgart erfuhr, verständigten sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) darauf, zunächst auf die angedachte Lockerung zu verzichten. Es solle aber eine Öffnungsperspektive für Grundschulen und Kitas erarbeitet werden, sollte der Lockdown über Januar hinaus gelten, hieß es.

Baden-Württemberg wolle darauf dringen, dass das Thema Öffnung von Grundschulen und Kitas auch in der nächsten Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) besprochen wird, erfuhr die dpa. Insbesondere der Bund hat sich wiederholt dagegen ausgesprochen, Schulen bald wieder zu öffnen. Die Konferenz soll auch wegen der Gefahr neuer Virus-Varianten möglicherweise vom ursprünglich geplanten 25. Januar auf nächste Woche vorgezogen werden.

Kretschmann hatte zuletzt massiv vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus gewarnt und schärfere Ausgangsbeschränkungen ins Gespräch gebracht. «Wenn das richtig aus dem Ruder läuft, wie wir das in London oder so sehen, und wenn das Gesundheitswesen kollabiert, dann muss man drastische Ausgangssperren machen. Das ist dann das einzige Mittel, das noch wirksam ist», sagte er bei einem Online-Bürgerdialog am Dienstagabend. Zuvor hatte er erklärt, er sei skeptisch, was die Öffnung von Schulen und Kitas angeht.

Eisenmann, die auch CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im März ist, hatte vehement auf eine Öffnung im Sinne der Kinder gedrungen. Sie wollte Grundschulen und Kitas eigentlich schon am vergangenen Montag öffnen - «unabhängig von den Inzidenzzahlen».

Kretschmann und Eisenmann hatten sich am Mittwochabend per Videoschalte mit Virologen, Epidemiologen und Kinder- und Jugendmediziner beraten. Zuletzt hatte es immer wieder geheißen, Schulen seien zwar keine Treiber der Pandemie, sie seien aber Teil des Infektionsgeschehens. Kanzlerin Merkel hatte am Dienstag gesagt, vor Anfang nächster Woche werde es keinen klaren Überblick über die Infektionszahlen nach dem Jahreswechsel geben.

Mit einer Lockerung hätte Baden-Württemberg, das in vielen Bereichen einen strengen Corona-Kurs fährt, einen Sonderweg beschritten. Bund und Länder hatten Anfang des Jahres den Lockdown auch an Schulen und Kitas bis Ende Januar verlängert. Allerdings sind die Länder für die Bildungspolitik zuständig, und der Beschluss der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin lässt ihnen Spielraum. Demnach ist Präsenzunterricht möglich, wenn die Präsenzpflicht ausgesetzt ist. Das ist in Baden-Württemberg schon seit Sommer der Fall.

Auch in anderen Bundesländern sind teilweise Schulen und Kitas grundsätzlich offen, aber eher als erweiterte Notbetreuung. Die Präsenzpflicht ist ausgesetzt oder Eltern werden gebeten, ihre Kinder nicht zu bringen - so etwa in Hessen. So umging man es, Ausnahmeregeln für bestimmte Berufsgruppen zu schaffen für eine Notbetreuung.

Streit um Abitur-Bedingungen in Niedersachsen

Das niedersächsische Kultusministerium hat die Abitur-Regelungen angesichts der Corona-Pandemie erneut angepasst. Alle Prüfungsaufgaben würden im Ministerium noch einmal auf ihre Angemessenheit geprüft und möglicherweise überarbeitet, hieß in einem Schreiben an die Schulleitungen. Zudem sollen Inhalte, die dem vierten Semester zugeordnet sind, teilweise nicht prüfungsrelevant sein, um Unwägbarkeiten für den noch bevorstehenden Unterricht im kommenden Semester vorzubeugen.

Die Maßnahmen seien beschlossen worden, um die Durchführung des Zentralabiturs zu sichern, steht in dem Schreiben des Ministeriums vom Dienstag. Der Schulleitungsverband Niedersachsen hatte am Mittwoch angesichts der Corona-Pandemie einen grundlegenden Kurswechsel für das gesamte Schuljahr gefordert. Auf Abiturprüfungen solle verzichtet und dafür eine Durchschnittsnote gebildet werden. Auch auf Abschlussarbeiten in den Jahrgängen 9 und 10 solle verzichtet werden, hieß es in einer Stellungnahme des Schulleitungsverbandes Niedersachsen (SVLN). Sowohl bei Abiturienten als auch für die Jahrgänge 9 und 10 könnten aber freiwillige Prüfungsersatzleistungen durchgeführt werden.

Der SLVN forderte konsequente Lösungen, ein «Ende der Flickschusterei» und einen «großen Wurf». Es sei Zeit, der Pandemie Covid-19 mit konsequenten Maßnahmen zu begegnen, um die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitungen zu schützen. Der Verein plädierte zudem dafür, Schulleitungen und ihre Stellvertretungen von der Unterrichtsverpflichtung im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2020/21 vollständig zu befreien.

Hochschulen bekommen weitere 71,5 Millionen Euro Corona-Hilfen

Die Hochschulen im Südwesten bekommen weitere 71,5 Millionen Euro Corona-Hilfen. Diese Summe will die grün-schwarze Landesregierung ihnen nach Informationen der «Heilbronner Stimme» und des «Mannheimer Morgen» (Donnerstag) zur Verfügung stellen. Die Zeitungen berufen sich auf eine Kabinettsvorlage von Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne), die der Ministerrat in seiner Sitzung am kommenden Dienstag verabschieden will. Bauer schreibe darin, es müsse sichergestellt werden, dass es wegen der Krise «nicht zu verlorenen Kohorten an hochqualifizierten Fachkräften kommt». Hochschulen müssten in die Lage versetzt werden, Studenten innerhalb der Regelstudienzeiten erfolgreiche Abschlüsse auf hohem Qualifikationsniveau zu ermöglichen.

Die größte Unterstützung erhalten demnach die Universitäten im Südwesten mit 37 Millionen Euro. Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bekommen 14,8 Millionen Euro, die Medizinischen Fakultäten 13,7 Millionen Euro. Weitere Mittel fließen an die Pädagogischen Hochschulen (2,7 Millionen), die Dualen Hochschulen (1,8 Millionen) und an die Kunst- und Musikhochschulen sowie Akademien des Landes (1,5 Millionen).

Studie aus Mecklenburg-Vorpommern: Schulen sind keine Pandemietreiber

Wie mit den Schulen in der Corona-Pandemie umzugehen ist, war einer der strittigsten Punkte bei den Verhandlungen von Bund und Ländern Anfang Januar. Eine Studie aus Mecklenburg-Vorpommern kommt nun zum Schluss, dass eine Schließung der Schulen nicht notwendig ist.

Schulen sind nach Erkenntnissen von Medizinern aus Mecklenburg-Vorpommern keine Pandemietreiber. Verantwortlich für Infektionen bei Schülern seien insbesondere Kontakte mit positiv Getesteten und ungeordnete Zusammenkünfte außerhalb des Haushaltes und der Schule, heißt es in einer Studie von Medizinern der Universitäten Rostock und Greifswald sowie dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus). «Es gibt derzeit aus infektionsepidemiologischer Sicht keinen Grund für präventive oder reaktive Schulschließungen in Mecklenburg-Vorpommern», hieß es. Die Studie soll Anfang Februar im Ärzteblatt MV veröffentlicht werden. Zunächst hatte die «Schweriner Volkszeitung» (Mittwoch) berichtet. MV hat seit Pandemiebeginn vergleichsweise geringe Infektionszahlen.

Bund und Länder hatten vereinbart, den Lockdown an Schulen und Kitas zunächst bis Ende Januar zu verlängern. Für Abschlussklassen sind Ausnahmen möglich, das wird im Nordosten so gehandhabt. Hintergrund der Entscheidung von Bund und Ländern ist, dass alles daran gesetzt werden müsse, Kontaktmöglichkeiten zu reduzieren. Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte die Maßnahmen als notwendig bezeichnet. Schulen seien vielleicht keine Treiber der Pandemie, sie seien aber Teil des Infektionsgeschehens, sagte sie. Zum Thema gibt es zahlreiche Studien mit verschiedenen Ergebnissen.

Die These der Nordost-Mediziner werde dadurch belegt, dass es im zweiten Halbjahr mit 47 Lehrkräften und 162 Schülern eine hohe Zahl positiv getesteter Fälle an einzelnen Schulen gegeben habe, gleichzeitig aber nur sechs Ausbrüche mit mehr als 10 Infizierten. In der zweiten Dezemberwoche alleine seien 14 Schüler und eine Lehrkraft mit Sars-CoV-2 infiziert gewesen. Gleichzeitig befanden sich 2828 Schüler und 323 Lehrkräfte in Quarantäne. Die Mediziner kommen zu dem Schluss, dass bei effektiven Hygienekonzepten die Vorteile offener Schulen gegenüber den enormen Belastungen bei Kindern und Eltern überwiegen.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD), die die Studie in Auftrag gegeben hat, sagte, dass das Infektionsgeschehen an den Schulen nicht Halt macht. Allerdings habe sich in den meisten Fällen die Ausbreitung des Virus innerhalb der Schule in Grenzen gehalten. Das Hygienekonzept an den Schulen habe bisher gut gegriffen.

Sie betonte aber die aktuell sehr schwierige Entwicklung bei den Infektionszahlen. «Deswegen war es der richtige und notwendige Schritt, dass wir auch in den Schulen im Januar den Präsenzunterricht stark einschränken.» Dazu stelle die in England aufgetretene Mutation des Virus auch in Deutschland eine Gefahr dar. An den gut 510 allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in MV unterrichten 13 100 hauptberufliche Lehrkräfte, die Gesamtschülerzahl liegt bei mehr als 153 000.

13.01.2021 19.00 Uhr

Streit um Nutzung von Video-Konferenzsystem Zoom in Schulen

Schulunterricht per Zoom-Konferenz in Schleswig-Holstein? Das Bildungsministerium prüft eine Nutzung des US-Produkts. Die Datenschutzbeauftragte des Landes ist jedoch skeptisch.

Um eine Nutzung des Video-Konferenzsystems Zoom im Distanzunterricht der schleswig-holsteinischen Schulen in der Corona-Pandemie ist politischer Streit entbrannt. «Wir müssen in dieser Situation alle Optionen ernsthaft in Erwägung ziehen, die gutes Lernen auf Distanz ermöglichen», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch. Deshalb prüfe das Ministerium auf Fachebene im Austausch mit dem Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz (ULD), «ob Zoom nicht zumindest dann eingesetzt werden kann, wenn bevorzugte Lösungen nicht verfügbar sind».

Prien hofft, den Schulen bald ein positives Signal geben zu können. Das Land stelle mit Jitsi aber bereits eine datenschutzkonforme Lösung bereit, die sich in den vergangenen Tagen durchaus bewährt habe. Auch andere Tools für Videokonferenzen seien bereits positiv als datenschutzkonform bewertet worden. «Im November hat Zoom seine Datenschutzparameter erneut geändert, in der vergangenen Woche hat das Unternehmen unser Ministerium entsprechend angeschrieben», sagte die Ministerin.

Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragte Marit Hansen verwies auf die besondere Fürsorgepflicht bei Minderjährigen. «Kinderdaten sind besonders sensibel und haben auf Servern in Staaten mit ungenügendem Datenschutzniveau nichts zu suchen.» Auch sonst müssten Datenschutz und Sicherheit gewährleistet sein.

Hansen wies Äußerungen des CDU-Bildungspolitikers Tobias von der Heide zurück. Das ULD beschäftige sich zwar ständig mit dem rechtskonformen Einsatz von Software in allen möglichen Einsatzbereichen, sei aber nicht «Zulassungsstelle für Software in Schulen». Der Verfasser einer CDU-Pressemitteilung sei «offensichtlich einer Fehlinformation aufgesessen».

Von der Heide hatte darin zuvor gefordert, für einen möglichst komfortablen Distanzunterricht alle hilfreichen Tools zu nutzen. Mit Blick auf das US-Produkt Zoom sagte er, «es ist nicht verständlich, warum das System in vielen professionellen Bereichen eingesetzt werden kann, in Schulen aber nicht». Das kritisierten auch viele Eltern. Nach seiner Darstellung kann das System aktuell nicht genutzt werden, weil eine Überprüfung durch das ULD nicht abgeschlossen ist.

Hansen verwies darauf, dass Videokonferenzsysteme datenschutzkonform sein müssten. Wünsche das Bildungsministerium die Unterstützung durch die Datenschützer, könne es beim ULD anfragen. «Eine solche Anfrage zu Zoom aus dem Bildungsministerium liegt dem ULD bisher nicht vor.»

Es sei aber denkbar, die Risiken ausreichend einzugrenzen, sagte Hansen der Deutschen Presse-Agentur. «Die Kostenlos-Version, die viele kennen, ist aber zurzeit nicht so umgesetzt - hier müssten erst die datenschutzrechtlichen Bedenken ausgeräumt werden.»

Laut ULD bieten einige Dienste die Möglichkeit der Installation und des Betriebs auf eigenen Servern an. Dadurch werde sichergestellt, dass keine personenbezogenen Daten von Schülern und Lehrern an ein Drittland mit geringerem Datenschutz übertragen werden. «Mit solchen Realisierungen ist ein datenschutzkonformer Einsatz weiterer Videokonferenzdienste denkbar, auch für den Schulbereich."

Durch Videokonferenzen erhalten andere Teilnehmer laut ULD nicht nur Einblicke in die häusliche Umgebung der Schüler. Es würden dabei auch personenbezogene Daten verarbeitet. Dazu zählten neben Video- und Audiodaten oder gezeigten Bildschirminhalten Informationen darüber, wer wann und mit wem von welchem Gerät eine Konferenz veranstaltet oder an ihr teilgenommen hat.

Allerdings fehlen laut den Datenschützern bisher im Schulgesetz Regelungen für den Einsatz solcher digitalen Lehr- und Lernmittel. Es sei - unabhängig vom eingesetzten Dienst - zu klären, ob Schüler beziehungsweise Eltern «ohne eine entsprechende gesetzliche Grundlage verpflichtet werden können, einen Videokonferenzdienst zu nutzen».

Berlin plant umfangreiche Schnelltests für die Schulen

In Berlin soll es nach dem Wunsch der Senatsverwaltung für Bildung bald regelmäßige Schnelltests für die Schulen geben. Das sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch dem «Tagesspiegel» (online). «Nachdem wir bereits vor vielen Wochen Testzentren für das Dienstpersonal eingerichtet haben und nun auch mobile Testteams an Kitas und Schulen im Einsatz sind, wollen wir nun möglichst bald auch flächendeckende Schnelltests für das Schulpersonal und die Schülerinnen und Schüler einführen.» Die Bildungsverwaltung sei dazu im Gespräch mit der Gesundheitsverwaltung, so die Senatorin. «Mehrere Anbieter wurden bereits in den Blick genommen, ein Konzept soll nun erstellt werden.»

Derzeit findet wegen der Corona-Pandemie kein Regelunterricht an den Schulen statt, die meisten Schülerinnen und Schüler lernen zu Hause. Ein Sprecher der Bildungsverwaltung sagte, ein Zeitpunkt, wann die flächendeckenden Schnelltests starten sollen, lasse sich noch nicht nennen. Auch wie häufig die Tests dann angeboten werden sollen, stehe noch nicht fest.

Scheeres war in der vergangenen Woche in die Kritik geraten, nachdem die Bildungsverwaltung angekündigt hatte, die Berliner Schulen schrittweise schon während des bis Ende Januar befristeten Lockdowns zu öffnen; zunächst nur die abschlussrelevanten Jahrgänge, dann auch die Grundschulen.

Sowohl die Bildungsgewerkschaft GEW als auch Elternvertreter und Schulen hatten dagegen protestiert. Der Senat nahm die Pläne daraufhin zurück. Angesichts des jüngsten Hin und Hers um Schulöffnungen und anderer Probleme hat die Berliner CDU am Mittwoch die Entlassung von Scheeres gefordert.

Dem «Tagesspiegel» zufolge haben einzelne Schulen bereits Erfahrungen mit dem umfangreichen Einsatz von Schnelltests gesammelt, etwa das Humboldt-Gymnasium in Tegel. Die Reaktionen von der Schulleitung bis zu den Schülerinnen und Schülern seien positiv gewesen.

Lehrer-Umfrage: Deutliche Lernrückstände bei Kindern wegen Corona

Die Corona-Pandemie hat aus Sicht der Lehrer im Land bereits jetzt zu erheblichen Lernrückständen bei vielen Schülern geführt. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung mit Sitz in Stuttgart, über die die Wochenzeitung «Die Zeit» berichtet. Demnach bemängelt fast jeder dritte Lehrer (27 Prozent) bei mehr als der Hälfte der Schüler messbare Defizite. 11 Prozent gaben an, dass die Pandemie zu Lernrückständen bei fast allen Schülern geführt habe. 29 Prozent gehen davon aus, dass weniger als die Hälfte der Schüler Lernrückstände aufweisen. Besonders Förderschüler leiden der Umfrage zufolge unter den Corona-Bedingungen. Hier bestätigt jede zweite Lehrkraft (54 Prozent) bei mehr als der Hälfte der Schülerschaft messbare Defizite.

Bei der digitalen Ausstattung sind die Schulen in Deutschland nach Auffassung der Lehrer trotz Corona-Krise kaum vorangekommen. 61 Prozent der befragten Lehrkräfte gaben an, dass sie weniger gut oder schlecht auf den Fernunterricht vorbereitet seien. Dieser Wert ist im Vergleich zum April (66 Prozent) nur wenig gesunken. Trotzdem haben die Lehrer nach eigenen Angaben beim Einsatz von Geräten und Software dazugelernt. So berichteten 62 Prozent der Befragten, digitale Technik zur Vermittlung und Aneignung neuer Lerninhalte zu nutzen - zum Beispiel für die Erstellung eigener Erklärvideos. Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr machten dies nur 36 Prozent.

«Deutschland hängt bei der Digitalisierung der Schulen fünf bis acht Jahre zurück. Das kann man leider nicht in neun Monaten aufholen», kommentierte die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die brandenburgische Schulministerin Britta Ernst (SPD), die Umfrage in einem Interview mit «Die Zeit».

Kostenlose Schnelltests für Lehrer und Schüler in Sachsen

Bevor Schüler in Sachsen an die Schulen zurückkehren, können sie sich einmalig und kostenlos mit einem Schnelltest auf das Coronavirus untersuchen lassen. Das teilte das Kultusministerium am Mittwoch mit. Das Angebot gilt auch für Lehrer an öffentlichen und privaten Schulen. Am nächsten Montag (18. Januar) beginnen die Abschlussklassen wieder mit dem Präsenzunterricht. Für sie werde es das Testangebot erstmals geben, hieß es. Rund 48 000 Schüler im Freistaat drücken dann wieder die Schulbank.

Nach den Winterferien sollen sich auch Schüler ab der siebten Klasse testen lassen können. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) verwies darauf, dass es keine Testpflicht gibt. Dennoch wünsche er sich, dass sich zum Schutz aller möglichst viele testen lassen. «Die Tests sollen sicherstellen, dass nach der langen Zeit des Lockdowns nur gesunde Personen die Schulen besuchen.»

Laut Ministerium soll es nach derzeitigem Stand rund 100 ausgewählte Schulen geben, in denen sich Lehrer und Schüler zeitlich gestaffelt testen lassen können. Zudem sollen mobile Teams zum Einsatz kommen, die etwa Schulen in ländlichen Regionen anfahren. Die Anreise soll mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder selbstorganisiert erfolgen, hieß es im Kultusministerium. Die Tests werden in der Regie von Hilfsorganisationen liegen - unter anderem vom DRK, dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und den Maltesern.

Karliczek: Müssen Gleichwertigkeit aktueller Abschlüsse sicherstellen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek fordert eine gleichwertige Anerkennung von Schulabschlüssen, die unter dem Eindruck der Corona-Pandemie standen. «Wir müssen dafür sorgen, dass auch im Schuljahr 2020/2021 die Bildungsziele so weit wie möglich erreicht werden», sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Und wir müssen - ebenfalls im Interesse der jungen Leute - sicherstellen, dass die Prüfungen in diesem Jahr in der Bewertung durch Betriebe und Hochschulen gleichwertig zu allen anderen Jahren anerkannt werden.»

Verantwortliche müssten derzeit ein besonderes Augenmerk auf Schülerinnen und Schüler in Abschlussklassen legen, sagte Karliczek. «Viele Jugendliche, die etwa vor dem mittleren Schulabschluss oder dem Abitur stehen, sind derzeit stark verunsichert. Sie wissen nicht, ob sie sich ausreichend auf die Prüfungen vorbereiten können und auch nicht, ob ihre Abschlüsse als vergleichbar mit denen ihrer Vorgänger angesehen werden.»

Die allgemeine Infektionslage sei derzeit sehr kritisch, sagte die Ministerin. Es gebe «wegen des allgemeinen Infektionsgeschehens momentan keine andere Möglichkeit, als Schulen geschlossen zu halten».

Corona-Schnelltests in Sachsen-Anhalts Schulen: Fast keine Treffer

An Sachsen-Anhalts Schulen und Kitas haben sich Tausende Beschäftigte freiwillig auf das Coronavirus getestet, es wurden aber fast keine Infektionen nachgewiesen. Fast alle Kita-Träger hätten gemeldet, dass sich viele ihre Erzieherinnen beteiligt haben und alle negativ getestet worden seien, sagte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Dienstag.

An den Schulen nutzten laut Bildungsminister Marco Tullner (CDU) rund 70 Prozent aller Beschäftigten die Testmöglichkeit. Seinem Ministerium zufolge gingen bis Dienstagnachmittag nur Meldungen über zwölf positive Schnelltests ein, von denen bisher nur einer von einem ergänzenden Labor-Test bestätigt werden konnte. Weitere Labor-Ergebnisse stünden noch aus, hieß es.

Das Land hatte jeweils rund 40 000 Tests an den Schulen sowie den Kitas verteilt, damit sich dort kurz vor Ende der Weihnachtsferien sämtliches Personal von den Pädagoginnen über die Hausmeister bis hin zu den Sekretärinnen selbst und freiwillig auf das Coronavirus testen konnten. Die Tests waren für vorigen Donnerstag und Freitag angesetzt. Die Rückmeldungen zogen sich über das Wochenende hin.

Kritiker hatten moniert, dass es zu unsicher sei, wenn die Beschäftigten den Abstrich für den Schnelltest selbst nehmen. Es bestehe die Gefahr, dass Tests negativ ausfielen, obwohl die Betroffenen infiziert seien, hieß es. Normalerweise wird das von entsprechend geschultem medizinischen Personal übernommen.

Zeigt die geringe Trefferquote bei tausenden durchgeführten Corona-Schnelltests und landesweit vergleichsweise hohen Fallzahlen, dass die Kritiker Recht hatten? Die zuständigen Minister wiesen das zurück. Es sei ausdrücklich erlaubt, die Schnelltests auch von den Betreffenden selbst durchführen zu lassen, sagte Bildungsminister Tullner. Das Land sei zufrieden mit der Aktion und überlege, weitere Schnelltests anzuschaffen, um diese etwa vor der Rückkehr zum Wechselunterricht erneut breit einzusetzen, sagte Grimm-Benne.

Bildungsausschuss diskutiert über Attacken auf Lernplattform

Die Computerattacken auf die wichtigste Lernplattform in Rheinland-Pfalz dauern nach Angaben von Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann (SPD) auch in dieser Woche an. Dennoch laufe das Moodle-System bereits deutlich besser als in der vergangenen Woche, sagte Beckmann am Dienstag im Bildungsausschuss des Landtags Rheinland-Pfalz. «Ich hoffe sehr, dass wir diese Probleme bald ganz in den Griff kriegen.»

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Anke Beilstein, warf dem Bildungsministerium vor, den Beginn des Fernunterrichts nicht gut genug vorbereitet zu haben. «Es war ein Chaos mit Ansage», sagte Beilstein. So gebe es viele kommerzielle Anbieter, die einen Schutz vor solchen Angriffen einrichten könnten.

«Natürlich lief nicht alles perfekt», sagte die Direktorin des Pädagogischen Landesinstituts, Birgit Pikowsky, zum Start des Fernunterrichts am 4. Januar. Wie in Rheinland-Pfalz sei es in den vergangenen Tagen auch zu Attacken auf die Lernplattformen aller Länder gekommen. Bei der DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service) auf das rheinland-pfälzische Moodle-System seien die Web-Server mit bis zu 10 000 Zugriffen je Sekunde geflutet und so lahmgelegt worden.

In der zurückliegenden Woche seien Filtersysteme eingerichtet worden, um die Angriffe abzuwehren. So seien die Bedingungen für den Fernunterricht kontinuierlich verbessert worden, sagte Pikowsky. Die Zahl der Moodle-Nutzer stieg nach ihren Angaben von rund 213 000 am 4. Januar auf 309 000 am 11. Januar, die der Nutzer von Videokonferenzen mit dem System Big Blue Button im gleichen Zeitraum von 120 000 auf 222 000.

12.01.2021 18.22 Uhr

Cyber-Angriff auf Schul-Cloud - Betreiber erhöht Abwehr-Kapazitäten

Bundesweit kam es am Montag zu Problemen bei der Schul-Cloud des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts. Das Unternehmen teilte mit, auf das System wurde ein Cyber-Angriff verübt. Unbekannte wollten den Server in die Knie zwingen.

Nach einem Cyber-Angriff auf die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam hat der Betreiber zusätzliche Abwehr-Kapazitäten aktiviert. «Zur Sicherstellung des Betriebs haben wir mit unseren Hosting-Dienstleistern kurzfristig umfangreiche Anpassungen vorgenommen und die Server-Kapazitäten nochmals deutlich erhöht», teilte der HPI-Direktor und Leiter des Schul-Cloud-Projekts, Christoph Meinel, am Dienstag mit.

Am Montag war es wegen des Cyber-Angriffs bundesweit zu kurzzeitigen Schul-Cloud-Ausfällen gekommen, wie eine Sprecherin des Instituts bestätigte. Matthias Luderich, operativer Projektleiter der Schul-Cloud, erklärte: «Wir hatten am Montag drei Mal so viele Zugriffe auf die Brandenburger Schul-Cloud». Es seien zuvor rund 400 000 Zugriffe pro Minute gewesen, dann habe sich die Zahl auf 1,5 bis 1,7 Millionen erhöht. Die massenhaften Zugriffe kamen nach HPI-Angaben aus Amerika. Die Probleme habe man am Montagabend in den Griff bekommen, hieß es.

Da die Brandenburger Schul-Cloud im selben Rechenzentrum liege wie die für Thüringen und Niedersachsen und die bundesweit genutzte HPI-Schul-Cloud-Lösung, sei das System bundesweit kurzzeitig gestört gewesen. Dass der Angriff auf die Brandenburger Lösung abzielte, sei reiner Zufall, vermutete Luderich. Das Unternehmen sei bereits mit der Abteilung für Cybercrime des Landeskriminalamtes in Kontakt und wolle Strafanzeige stellen.

Die Site wurde den Angaben zufolge bei dem sogenannten DdoS-Angriff von vielen Computern gleichzeitig mit Datenpaketen überschüttet und damit blockiert. Im Unterschied zu einem Hackerangriff geht es den Angreifern nicht darum, Daten abzugreifen oder in ein System einzubrechen, sondern den Server in die Knie zu zwingen.

Welches Ziel die Angreifer verfolgten, ist bislang offen. «Ein solcher DdoS-Angriff ist ein seltener Angriff», erklärte Jochim Selzer der Nicht-Regierungsorganisation Chaos Computer Club. Zur Motivation der Täter sagte Selzer: «Entweder jemand hat sich einen Spaß erlaubt, es war eine politische Aktion oder ein Versuch, Geld zu erpressen». Das seien aber reine Mutmaßungen. Nach Angaben von HPI hat es bislang keinerlei Kontaktaufnahme seitens der Täter mit dem Unternehmen gegeben.

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat nach dem Cyber-Angriff von einer kriminellen Handlung gesprochen. «Also ehrlicherweise: Vor Hackerangriffen aus dem Ausland ist überhaupt niemand geschützt», sagte sie am Dienstagmorgen im rbb-Inforadio. «Das kann passieren. Da wird mit Hochdruck dran gearbeitet, um das zu beseitigen.»

Zur technischen Aufrüstung an Schulen sagte Ernst, die Schüler und Lehrkräfte hätten deutlich dazu gelernt. «Aber ich sage sehr deutlich: Was man fünf oder acht Jahre im Bereich Digitalisierung an Schulen nicht gemacht hat, holt man nicht in neun Monaten auf.» Sie sprach von einer Aufholjagd: Im März hätten 50 der mehr als 900 Schulen in Brandenburg die Lernplattform genutzt - nun seien sie bei 570. - Namensgeber des Hasso-Plattner-Instituts ist der Gründer des SAP-Konzerns.

Ob Schulen die Cloud nutzen, entscheiden die Schulträger. Die Lernplattform zählt ebenso wie zum Beispiel Bücher zur Ausstattung, erklärte Ministeriumssprecherin Ulrike Grönefeld. In Brandenburg gibt es nach Angaben des Ministeriums rund 400 Schulträger, darunter Gemeinden, Kirchen und private Träger.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) verurteilte den Angriff zutiefst. «Er macht in diesen ohnehin angespannten Zeiten Schule noch schwieriger. Es ist damit nicht nur ein Angriff auf IT-Infrastruktur, sondern auch auf die Bildung unserer Kinder.»

Kretschmann hält Verschärfung des Corona-Lockdowns für möglich

Ein Licht am Ende des Corona-Tunnels ist noch nicht in Sicht: Ministerpräsident Kretschmann bereitet die Baden-Württemberger auf eine weitere Geduldsprobe vor. Doch eine Idee im Kampf gegen die Pandemie lehnt Kretschmann ab.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält wegen der anhaltend hohen Infektionszahlen eine Verschärfung des Corona-Lockdowns im Februar für möglich. Die Zahlen seien nicht so, dass man «ein großes Öffnungskonzert» veranstalten könne, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. «Wenn es nicht gut kommt, müssen wir eventuell sogar noch mal verschärfen.» Seit Montag gilt bereits ein verschärfter Lockdown bis Ende Januar. Eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im Nahverkehr und beim Einkaufen wie in Bayern steht im Südwesten aber nicht zur Debatte.

Kretschmanns rote Linie

Kretschmann will dafür an den strengen Ausgangsbeschränkungen am Abend und in der Nacht festhalten. «Die nächtlichen Ausgangssperren werden mal sicher nicht gelockert, vorher lockern wir was anderes.» Seit Wochen gelten im Südwesten Ausgangsbeschränkungen zwischen 20.00 Uhr und 05.00 Uhr. Der Regierungschef wandte sich auch gegen die Forderung des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (ebenfalls Grüne), von Februar an die Corona-Maßnahmen auf breiter Front zu lockern. Er sei ein «strikter Gegner» davon, unabhängig von den Infektionszahlen zu handeln. «Sowas wird ja kein verantwortlicher Politiker machen», sagte der Regierungschef. «Die rote Linie ist immer die Belastbarkeit des Gesundheitswesens.»

Öffnung von Grundschulen und Kitas wackelt

Ob man Grundschulen und Kitas wie angedacht am kommenden Montag öffnen könne, sei noch nicht klar. Die Zahlen gingen nicht herunter - «jedenfalls nicht belastbar», meinte Kretschmann. Es gebe aber noch keine Vorentscheidung. Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Montag bei 138,5. Alle 44 Stadt- und Landkreise lagen über dem Wert von 50 - der Wert, von dem an ein Kreis als Risikogebiet gilt. In drei Regionen - Heilbronn, Pforzheim und der Landkreis Calw - wurde sogar die Marke von 200 überschritten.

Der Ministerpräsident und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wollen sich am Donnerstag verständigen, wie man mit Grundschulen und Kitas weiter verfährt. Eisenmann dringt vehement auf eine Öffnung im Sinne der jüngeren Kinder. In den weiterführenden Schulen soll es bis Ende Januar Fernunterricht geben, für Abschlussklassen sind allerdings Ausnahmen vorgesehen.

Was tun, wenn sich Pflegepersonal nicht impfen lassen will?

Kretschmann wandte sich gegen eine Impfpflicht für Pflegepersonal. Man habe sich die ganze Zeit gegen eine Impfpflicht in dieser Pandemie ausgesprochen. «Das ändern wir jetzt nicht mittendrin.» Gleichwohl sei er dafür, dass sich der Ethikrat mit dieser Frage befasse. «Das finde ich sehr wichtig.» Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte gesagt, es sei auffällig, dass sich viele Pflegekräfte nicht impfen lassen wollten. Deshalb müsse man eine Debatte über eine Impfpflicht für diese Berufsgruppe führen.

Kretschmann sagte, man müsse «sehr stark werben, dass das Personal sich impfen lässt». Ansonsten wachse das Misstrauen in der Bevölkerung, weil diese sich frage: «Aha, die sind näher dran, warum machen die das nicht?» Er sei auch nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung gewesen sei, dass sich die Regierungschefs im Land nicht vorrangig impfen ließen. «Ich bin da eigentlich schon sehr dafür, dass wir uns öffentlichkeitswirksam impfen lassen.» Wenn sich die führenden Politiker nicht sofort impfen ließen, entstehe daraus ebenfalls Misstrauen. Er versprach aber: «Sobald ich dran bin, werde ich mich impfen lassen.»

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) erklärte, nach seinen Informationen wollten sich etwa 60 Prozent des Pflegepersonals in Pflegeheimen und Krankenhäusern im Südwesten impfen lassen. Er berichtete, auch die Gesundheitsminister von Bund und Ländern seien sich in einer Schalte am Montag einig gewesen, dass es keine Impfpflicht für das Pflegepersonal geben könne. Der Tenor sei gewesen: «Wir können jetzt nicht schon wieder für Verunsicherung sorgen.» Lucha versicherte für sich: «Ich würde mich auch als oberster Minister impfen lassen.»

Lucha wehrt Kritik der Pflegeheimbetreiber ab

Der Minister verwahrte sich gegen die Vorwürfe der Evangelischen Heimstiftung, die der Landesregierung schwere Versäumnisse beim Schutz besonders gefährdeter Menschen in Pflegeheimen vorgeworfen hatte. Dass es mit den Impfungen noch eher langsam vorangehe, liege am fehlenden Impfstoff, sagte der Grünen-Politiker. Wenn sich der Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider über die Teststrategie des Landes beschwere, müsse er ihn tadeln. Das Land habe den Trägern von Heimen extra Geld für werktägliche Schnelltests zukommen lassen. Nun müssten sie auch dafür sorgen, dass ihr Personal diese Selbsttests zu Hause vor dem Weg zur Arbeit mache.

Schneider hatte bemängelt, die neue Corona-Verordnung sei nicht tragfähig. «Alle Besucher und Mitarbeiter, also alle Personen, die ein Haus betreten, müssen unmittelbar vorher einen Schnelltest machen und während des Aufenthaltes eine FFP2-Maske tragen.» Zwar komme jetzt für alle Besucher die Testpflicht und die FFP2-Maske. «Doch der Test muss nicht am Tag des Besuchs und auch nicht vor Ort gemacht werden», bemängelte Schneider. «Sollen wir mit Coronaleugnern diskutieren, ob ein Test von gestern ausreicht?» Er warnte: «Da wird eine Sicherheitslücke aufgemacht, die sehr riskant und unnötig ist.» Die Evangelische Heimstiftung ist nach eigenen Angaben das größte Pflegeunternehmen im Südwesten, zu dem unter anderem 86 Pflegeheime gehören.

Nur 23 haben gefehlt - Abitur in Rheinland-Pfalz gut angelaufen

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig hat eine positive Auftaktbilanz zu den Abiturprüfungen gezogen. «Das schriftliche Abitur ist problemlos angelaufen», sagte die SPD-Politikerin am Dienstag im Bildungsausschuss des Landtags. Bei den Deutsch-Prüfungen in der vergangenen Woche hätten nur 23 von mehr als 6500 Abiturientinnen und Abiturienten gefehlt, davon die Mehrheit nicht coronabedingt. Die Zahl sei etwas niedriger als in den Jahren zuvor.

Am Dienstag fanden an den Gymnasien mit neun Unterrichtsjahren und an den Integrierten Gesamtschulen die Prüfungen in Englisch statt. Die jungen Menschen seien fachlich gut auf die Prüfungen vorbereitet, sagte Hubig. Es sei alles getan worden, damit es keine pandemiebedingten Nachteile gebe. Letztlich habe es im zurückliegenden Schuljahr mehr Unterricht und mehr Lerngelegenheiten gegeben als sonst üblich, da außerschulische Veranstaltungen wie Klassenfahrten nicht möglich gewesen seien.

Tullner: Ferien werden nicht verschoben - Distanzlernen im Februar

Anders als andere Bundesländer hält Sachsen-Anhalt an seinem regulären Termin für die Winterferien fest. Er gehe davon aus, dass es angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen auch im Februar weiterhin Distanzunterricht geben werde, sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) am Dienstag nach Beratungen mit dem schwarz-rot-grünen Kabinett. Daher habe er sich entschieden, den Ferientermin nicht anzutasten und Planungssicherheit für Familien und Lehrkräfte zu ermöglichen. Damit sind in Sachsen-Anhalt ab 8. Februar eine Woche lang Ferien.

Am Montag sind die Schülerinnen und Schüler im Land fast ausnahmslos mit Fernunterricht und Aufgaben für zuhause aus den dreiwöchigen Weihnachtsferien zurückgekehrt. Bis mindestens Ende Januar gibt es nur für die Abschlussjahrgänge Präsenzunterricht. Für Kinder bis zur sechsten Klasse gibt es eine Notbetreuung, wenn ihre Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten.

Vorige Woche hatte Tullner offen gelassen, die Winterferien zu verschieben oder ausfallen zu lassen, um nach dem aktuellen Notbetrieb möglichst viel Unterricht in den Klassenzimmern zu ermöglichen. Hintergrund waren Überlegungen mehrerer Bundesländer, ab Februar wieder mehr Klassenstufen in der Schule zu unterrichten. Aus Sicht von Tullner ist das angesichts der aktuellen Infektionslage im Land kein realistisches Szenario.

Bayern kündigte vorige Woche an, seine Faschingsferien Mitte Februar zugunsten von mehr Präsenzunterricht zu streichen. Thüringen und Sachsen wollen ihre Ferientermine nach vorn verlegen und anschließend mit Wechselunterricht starten, in denen die Klassen geteilt werden und abwechselnd in der Schule und mit Aufgaben zuhause lernen. In beiden Bundesländern ist die Belastung mit Corona-Fällen höher.

Berlin plant Winterschule für die Ferien im Februar

In den Ferien Anfang Februar soll es in Berlin für bis zu 4400 Schüler eine sogenannte Winterschule geben. Das Projekt beschloss der Senat in seiner Sitzung am Dienstag auf Vorlage von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), wie deren Verwaltung mitteilte. Das Angebot gilt den Angaben zufolge vor allem für Schülerinnen und Schüler, die in beengten Wohnverhältnissen leben und nicht ausreichend Hilfe durch erwachsene Bezugspersonen erhalten, während die Schulen wegen der Corona-Pandemie geschlossen sind.

Das Projekt, bei dem Unterrichtsstoff nachgeholt werden kann, soll es für allgemeinbildende (4000 Plätze) und berufliche Schulen (400 Plätze) geben. Dafür stehen laut Bildungsverwaltung zunächst 650 000 Euro zur Verfügung.

Die Winterschule richtet sich an Schüler, die von der Zahlung des Eigenanteils bei Lernmitteln befreit, Anspruchsberechtigte nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz (LmB/BuT) sind und von den Lehrkräften für das Projekt vorgeschlagen werden. Bei der Auswahl sollen nach Angaben der Bildungsverwaltung die neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen besonders berücksichtigt werden.

«Mir ist wichtig, dass kein Schüler, keine Schülerin mit pandemiebedingten Lernrückständen alleine gelassen wird. Deshalb haben wir nun auch die Winterschule 2021 etabliert», erklärte Scheeres. Ähnliche Angebote hatte es bereits in den Sommer- und Herbstferien gegeben. An der Sommerschule hatten 11 500 Schülerinnen und Schüler teilgenommen. Vom 1. bis 6. Februar hat Berlin eine Woche Winterferien.

Neun Prozent der bayerischen Grundschulkinder in Notbetreuung

In Bayern haben neun Prozent der Grundschüler seit Wiederbeginn des Distanzunterrichts nach den Weihnachtsferien von der Möglichkeit der Notbetreuung in ihren Schulen Gebrauch gemacht. Bei den Förderschulen liege die Quote bei 14 Prozent, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Dienstag nach einer Kabinettsitzung in München. Er dankte insbesondere den Grundschullehrern, die mit Notbetreuung und Distanzunterricht doppelt belastet seien.

Piazolo sagte, es sei ein deutlicher Unterschied, ob man einem Grundschüler Lesen und Rechnen beibringen müsse oder mit einem Gymnasiasten oder Berufsschüler arbeite, der sich viel selbständiger organisieren könne. Den Schulstart insgesamt halte für gelungen. Es habe keine schwerwiegenden technischen Probleme gegeben, auch nicht bei der umstrittenen Lernplattform Mebis.

Kretschmann hält Verschärfung des Corona-Lockdowns für möglich

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält angesichts der weiter hohen Corona-Infektionszahlen eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen im Februar für möglich. Die Zahlen seien nicht so, dass man «ein großes Öffnungskonzert» veranstalten könne, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart. «Wenn es nicht gut kommt, müssen wir eventuell sogar noch mal verschärfen.» Baden-Württemberg sei mit dem bisherigen strengen Kurs gut gefahren.

Kretschmann erklärte, die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen seien sehr wirksam. «Die nächtlichen Ausgangssperren werden mal sicher nicht gelockert, vorher lockern wir was anderes.» Seit Wochen gelten im Südwesten Ausgangsbeschränkungen zwischen 20.00 Uhr und 05.00 Uhr.

Kretschmann wandte sich damit auch gegen die Forderung des Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer (ebenfalls Grüne), von Februar an die Corona-Maßnahmen auf breiter Front zu lockern. Er sei ein «strikter Gegner» davon, unabhängig von den Infektionszahlen zu handeln. «Sowas wird ja kein verantwortlicher Politiker machen», sagte der Regierungschef. «Die rote Linie ist immer die Belastbarkeit des Gesundheitswesens.»

Ob man Grundschulen und Kitas wie angedacht am kommenden Montag öffnen könne, sei noch nicht klar. Die Zahlen gingen nicht herunter - «jedenfalls nicht belastbar», meinte Kretschmann. Es gebe jedoch noch keine Vorentscheidung. Der Ministerpräsident und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) wollen sich am Donnerstag verständigen, wie man mit Grundschulen und Kitas weiter verfährt. Eisenmann dringt vehement auf eine Öffnung im Sinne der jüngeren Kinder. In den weiterführenden Schulen soll es bis Ende Januar Fernunterricht geben, allerdings sind für Abschlussklassen Ausnahmen vorgesehen.

Saarland will wegen Corona Regelstudienzeit verlängern

Im Saarland wollen die Koalitionsfraktionen von CDU und SPD die Regelstudienzeit für Studenten aller Hochschulen während der Corona-Pandemie verlängern. «Uns ist es wichtig, den von der Pandemie betroffenen Studierenden zu helfen und existenzielle Sorgen zu nehmen», teilten die wissenschaftspolitischen Sprecher Jutta Schmitt-Lang (CDU) und Jürgen Renner (SPD) am Dienstag mit. Eine entsprechende Verlängerung der Regelstudienzeit werde das Saarland nun «auf den Weg bringen».

Damit verbunden sei auch eine Anpassung der Bezugsdauer des Bafög zur finanziellen Unterstützung. «Eine mögliche pandemiebedingte Überziehung der Regelstudienzeit soll nicht zur Exmatrikulation führen», hieß es in einer Mitteilung.

Es sei «unumstritten», dass die Pandemie auch die Studierenden vor große Herausforderungen stelle. «Viele haben ihre Nebeneinkünfte verloren, es fehlt das gemeinsame Lernen und der Austausch mit den Kommilitoninnen und Kommilitonen.» Die gestiegenen Belastungen drohten sich auch auf die Studienfortschritte auszuwirken.

Knapp 83 000 Nothilfe-Anträge von Studenten im November und Dezember

Im November und Dezember wurden bei den Studenten- und Studierendenwerken in Deutschland fast 83 000 Anträge auf finanzielle Nothilfe gestellt. Die Zahl gab das Deutsche Studentenwerk (DSW) am Dienstag bekannt. Seit dem 20. November kann die sogenannte Überbrückungshilfe des Bundesbildungsministeriums wieder beantragt werden, nachdem sie Ende September vor dem Hintergrund der Entspannung der Corona-Lage im Sommer zunächst ausgelaufen war.

Von den im November gestellten Anträgen wurden 65 Prozent bewilligt, von den bisher aus dem Dezember abgearbeiteten Anträgen 74 Prozent. Rund 21 Millionen Euro seien ausgezahlt worden. Der Antrag muss jeden Monat neu gestellt werden.

Die Leistung richtet sich an Studierende, die zum Beispiel durch einen wegbrechenden Nebenjob in eine finanzielle Notlage geraten sind. Abhängig vom Kontostand gibt es 100 bis maximal 500 Euro im Monat, die nicht zurückgezahlt werden müssen. DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde wies darauf hin, dass die Nothilfe zunächst bis zum Ende des Wintersemesters befristet ist: «Wir können uns nicht von Überbrückungshilfe zu Überbrückungshilfe hangeln», sagte er laut Mitteilung und bekräftigte die Forderung, das Bafög in Krisensituationen wie dieser für in Not geratene Studenten zu öffnen.

Lernplattform Moodle läuft an Tag zwei nach den Ferien besser

An Tag zwei nach den Schulferien macht die digitale Lernplattform Moodle nach Ministeriumsangaben keine Probleme mehr. Moodle sei am Morgen landesweit reibungslos gestartet, teilte das Kultusministerium mit. Es gebe weder Überlastanzeigen noch Ausfälle. Die Plattform sei am Dienstagvormittag mit etwa 275 000 aktiven Nutzern stabil gelaufen. In der Nacht zu Dienstag seien weitere Optimierungen vorgenommen worden. Die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) beim Landeskriminalamt prüfe darüber hinaus einen möglichen Angriff auf einen Moodle-Server und die Frage, ob die Probleme am Montag teils damit zusammengehangen hätten, erklärte ein Sprecher.

Am Montag war Moodle zu Unterrichtsbeginn in Ton und Bild immer wieder ausgefallen. Über Twitter beschwerten sich zahlreiche Lehrer und Eltern. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen Kitas und Grundschulen in Baden-Württemberg frühestens am kommenden Montag öffnen, alle anderen Schulen nicht vor Ende Januar. Der Fernunterricht soll unter anderem über Moodle laufen. Schüler und Lehrer können darüber online miteinander in Kontakt treten. Außerdem können Lerngruppen eingerichtet und Aufgaben verteilt und dann bearbeitet zurückgegeben werden.

Laut Oliver Hintzen, Digital-Experte beim Verband Bildung und Erziehung (VEB) Baden-Württemberg, gibt es aber weiter Probleme beim Fernunterricht. Dass Moodle am Dienstag wohl besser laufe, liege nur zum Teil an zwischenzeitlich unternommen technischen Verbesserungen. Die Zugriffszahlen auf die digitale Lernplattform Moodle seien deutlich gesunken. Denn an den Schulen griffen wegen der Probleme nun Lehrer «auf Plan B und C» zurück: andere Plattformen oder ganz und gar analoge Mittel.

Aus Rückmeldungen der Lehrer wisse er, dass manche nun Telefonkonferenzen mit ihren Schülern veranstalteten oder gar die einzelnen Schüler per Telefon abklapperten, erklärte Hintzen. Manche verschickten Arbeitsblätter per Mail, und wo nicht einmal das funktioniere, würden Eltern aufgefordert, die ausgedruckten Arbeitsblätter an den Schulen abzuholen. «Das ist ein Armutszeugnis.» Ein Hauptproblem seien die unzureichenden Datenleitungen im Land.

Schulsenator will bei Datennetz für Homeschooling weiter zulegen

Tausende Schüler müssen daheim arbeiten, doch die Technik gerät an ihre Grenzen. Programme haken, Übertragungsgeschwindigkeiten sind zu langsam. Hamburgs Schulsenator verspricht Besserung und verweist gleichzeitig auf Erfolge der Hansestadt bei den Geräten.

Damit die Schulprogramme fürs Homeschooling in Hamburg noch zuverlässiger eingesetzt werden können, soll die Übertragungsgeschwindigkeit in der Hansestadt noch weiter verbessert werden. In Hamburg sei sie bereits vervierfacht worden, sagte Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag dem Radiosender NDR 90,3. «Gemessen daran, wo wir gestartet sind, sind wir sehr weit gekommen. Aber ich gebe zu, die erheblich hohen Nutzungen stoßen jetzt an viele Grenzen.» Er habe aber große Hoffnungen, «dass wir hier noch zulegen können».

In den Schulen wird für den Unterricht der Bildungsserver IServ genutzt. Am Montag war dort wegen einer Technikpanne zunächst kein Videounterricht möglich. Aus strengen Datenschutzgründen können staatliche und städtische Einrichtungen Programme wie Zoom oder Microsoft Teams nicht nutzen. «Das ist tatsächlich schade und stellt uns schon vor große Herausforderungen, denn die Ausweichprogramme, die wir wählen müssen, haben eben nicht die Marktpräsenz und damit auch nicht immer diese Störungssicherheit.»

Rabe zufolge hat die Stadt sei März rund 45 000 weitere Laptops und Tablets für die Schulen angeschafft. «Kein anderes Bundesland hat auch nur annähernd so viele Tablets und Laptops gekauft gemessen an der Schülerzahl.» Mindestens 90 Prozent der insgesamt rund 62 000 Geräte würden seines Wissens nach derzeit auch eingesetzt.

Bildungsministerin: Vor Hackerangriffen niemand geschützt

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat nach dem Hackerangriff auf eine Schulplattform von einer kriminellen Handlung gesprochen. «Also ehrlicherweise: Vor Hackerangriffen aus dem Ausland ist überhaupt niemand geschützt», sagte sie am Dienstagmorgen im rbb-Inforadio. «Das kann passieren. Da wird mit Hochdruck dran gearbeitet, um das zu beseitigen.»

Die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts war Ziel eines Hackerangriffs geworden. Wegen eines DDoS-Angriffs kam es zu «kurzzeitigen Ausfällen», wie eine Sprecherin des Instituts bestätigte. Bei solchen Angriffen wird eine Seite von vielen Computern gleichzeitig angefragt und damit blockiert.

Sie hätten die Probleme bis Montagabend in den Griff bekommen, sagte die Sprecherin am Dienstagmorgen. «Momentan läuft alles stabil.» Solche Attacken kämen immer mal wieder vor, die Massivität von Montag sei allerdings eine Ausnahme. Die Schul-Cloud wird in Brandenburg von Hunderten Schulen für den Distanzunterricht genutzt, aber auch in Berlin und anderen Bundesländern eingesetzt.

Zur technischen Aufrüstung an Schulen sagte Ernst, die Schüler und Lehrkäfte hätten deutlich dazu gelernt. «Aber ich sage sehr deutlich: Was man fünf oder acht Jahre im Bereich Digitalisierung an Schulen nicht gemacht hat, holt man nicht in neun Monaten auf.» Sie sprach von einer Aufholjagd: Im März hätten 50 Schulen in Brandenburg die Lernplattform genutzt - nun seien sie bei 570.

GEW beklagt Probleme beim Digitalunterricht - «Es ruckelt gewaltig»

Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, prangert große technische Schwierigkeiten beim Start in den Distanzunterricht an - und sieht nun die Politik in der Verantwortung. «Es ruckelt technisch gewaltig. Viele Lernplattformen und Server halten den Zugriffen nicht stand», sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Als die Programme entwickelt worden seien, sei nie die Idee gewesen, dass so viele Schüler gleichzeitig auf sie zugriffen. «Die Situation ist jetzt so, als stünden elf Millionen Schüler gleichzeitig vor der Schultür.»

Tepe sagte, die Politik müsse jetzt so schnell wie möglich alles für die Digitalisierung in den Schulen mobilisieren, was gehe. «Der erste Schultag nach Weihnachten hat deutlich gemacht: die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und die Eltern haben Besseres verdient.» Sie bekräftigte ihren Vorwurf, dass es die Politik im Sommer verschlafen habe, Distanz- und Wechselunterricht besser vorzubereiten. «Stattdessen haben die Minister sich auf die Option konzentriert, die für sie selbst mit am wenigsten Arbeit verbunden war: auf die Hoffnung, dass es mit dem Präsenzunterricht schon irgendwie klappt. Das war fahrlässig.»

Nach dem Ende der Weihnachtsferien im ganzen Bundesgebiet sind die meisten Schulen in eine Phase des Fernunterrichts gestartet, deren Dauer noch nicht absehbar ist. Mit Ausnahme von Abschlussklassen gilt für fast alle Schüler zunächst «Homeschooling».

Zum Unterrichtsbeginn gab es am Montag teilweise wieder Probleme mit Lernplattformen. Angesichts der andauernden Schwierigkeiten wirbt die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, um Verständnis bei frustrierten Kindern und Eltern. Dass Server in Schulen manchmal nicht funktionierten, sei ärgerlich, sagte die brandenburgische Bildungsministerin (SPD) am Montagabend in den ARD-«Tagesthemen». «Aber was wir in den vergangenen fünf bis acht Jahren versäumt haben an Initiativen für die digitale Bildung, holen wir nicht in sechs bis neun Monaten auf.» Sie fügte an: «Ich gebe zu, wir wären gerne woanders.»

Auf die Frage, warum nicht leerstehende Theater oder Messehallen für die Schulen angemietet werden können, sagte Ernst, die Idee sei gut, aber begrenzt umsetzbar, weil beim Unterricht ja nicht eine Gruppe den ganzen Tag zusammenkomme. Zum Thema Schulschließungen sagte sie, die Kultusminister wollten keinen Automatismus anhand der Infektionsstatistik. «Wir möchten genau hingucken und die Gesamtsituation beurteilen.»

KMK-Chefin wirbt um Verständnis bei frustrierten Schülern und Eltern

Angesichts andauernder Schwierigkeiten mit überlasteten Lernplattformen für Schulen wirbt die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, um Verständnis bei frustrierten Kindern und Eltern. Dass Server in Schulen manchmal nicht funktionierten, sei ärgerlich, sagte die brandenburgische Bildungsministerin (SPD) am Montagabend in den ARD-«Tagesthemen». «Aber was wir in den vergangenen fünf bis acht Jahren versäumt haben an Initiativen für die digitale Bildung, holen wir nicht in sechs bis neun Monaten auf.» Sie fügte an: «Ich gebe zu, wir wären gerne woanders.»

Auf die Frage, warum nicht leerstehende Theater oder Messehallen für die Schulen angemietet werden können, sagte Ernst, die Idee sei gut, aber begrenzt umsetzbar, weil beim Unterricht ja nicht eine Gruppe den ganzen Tag zusammenkomme. Zum Thema Schulschließungen sagte sie, die Kultusminister wollten keinen Automatismus anhand der Infektionsstatistik. «Wir möchten genau hingucken und die Gesamtsituation beurteilen.»

Nach dem Ende der Weihnachtsferien im ganzen Bundesgebiet sind die meisten Schulen in Deutschland in eine Phase des Fernunterrichts gestartet, von der noch nicht klar ist, wie lange sie dauert. Mit Ausnahme von Abschlussklassen gilt für fast alle Schüler zunächst «Homeschooling». Zum Unterrichtsbeginn gab es am Montag teilweise wieder Probleme mit Lernplattformen.

Ernst übernimmt am 14. Januar offiziell die Präsidentschaft von der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Ihren Vorsitz will Ernst unter das Thema «Lehren und Lernen und guter Unterricht in den Zeiten der digitalen Transformation» stellen.

11.01.2021 08.50 Uhr

Kanzleramt kritisiert Schulöffnung in Niedersachsen

Die teilweise Öffnung der Schulen in Niedersachsen stößt im Bundeskanzleramt auf Kritik. «Die vorzeitige Schulöffnung ist sehr eindeutig gegen den Geist der Beschlüsse von Bund und Ländern», sagte der Staatsminister im Kanzleramt, Hendrik Hoppenstedt, der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Montag). «Die Schule ist ein normaler Infektionsort. Es gibt keine Erkenntnisse, dass es in den Schulen besser ist als im Rest der Gesellschaft.»

Für die niedersächsischen Schüler hat der Unterricht nach den Weihnachtsferien am Montag wieder begonnen - die meisten müssen dabei von zu Hause aus lernen. Abschlussklassen werden allerdings im sogenannten Szenario B in geteilten Klassen abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet. Von kommender Woche an gilt der Wechselunterricht bis Ende Januar auch für Grundschüler.

Eine Sprecherin der Landesregierung verteidigte dieses Konzept. «Die Kritik von Herrn Hoppenstedt ist nicht korrekt: Das Vorgehen in Niedersachsen bewegt sich selbstverständlich innerhalb des zwischen Bund und Ländern vereinbarten Rahmens», sagte sie der «HAZ».

Eine Online-Petition gegen den Präsenzunterricht in Niedersachsen fand bis Montagmorgen rund 2400 Unterzeichner. Darin werden Ministerpräsident Stephan Weil und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (beide SPD) aufgefordert, «die weitreichenden Öffnungen unverzüglich rückgängig zu machen», weil Schüler, Lehrer und Mitarbeiter an den Schulen unkalkulierbaren Risiken ausgesetzt würden.

Müller räumt Fehler bei Plänen zur Schulöffnung ein

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat Fehler bei den Vorbereitungen zur raschen Wiedereröffnung der Schulen eingeräumt, die am vergangenen Freitag nach viel Kritik schließlich abgeblasen wurde. «Erstmal muss man sagen, dass es natürlich nicht gut gelaufen ist und wir da einen Fehler gemacht haben in der Kommunikation», sagte der SPD-Politiker am Montag im rbb-Inforadio. «Weil der Eindruck erweckt wurde, als ob ab heute nun alle Schulen wieder öffnen sollen. Das ist natürlich überhaupt nicht der Fall gewesen.»

Ziel sei immer gewesen, analog zu gemeinsamen Bund-Länder-Beschlüssen und abhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen zunächst den Abschlussklassen zu ermöglichen, «im Präsenzunterricht in die Schulen zu kommen, weil es einfach für die wichtig ist, dass sie da einen entsprechenden Rahmen haben vor ihren Schulabschlüssen», so Müller. «Und wir wollten einfach darstellen, wie schrittweise ein Beschulen aussehen kann, dass erst die Abschlussklassen kommen, dann die kleineren Jahrgänge von 1 bis 3, dann von 3 bis 6.» Zumal andere Bundesländer hier «nicht so strikt wie wir» vorgegangen seien und schon im Dezember oder Anfang Januar Abschlussklassen in den Schulen gehabt hätten und Mitte Januar die Grundschulen hätten öffnen wollen.

«Aber die Verunsicherung war groß», so Müller. «Viele Eltern und Lehrer hatten Sorge, dass auf einmal zu viele sich wieder in der Schule treffen. Und da musste man es eben auch korrigieren.»

Nach einigem Hin und Her hatte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass das schulisch angeleitete Lernen zu Hause für Schüler der Klassen 1 bis 9 sowie für einige höhere Klassenstufen bis mindestens 25. Januar verlängert wird. Bis dahin gilt keine Präsenzpflicht. Für die Abschlussklassen 10, 12 und 13 an Gymnasien und Sekundarschulen sollten indes ab Montag Präsenzangebote in kleinen Gruppen möglich sein.

10.01.2021 17.31 Uhr

Schulbeginn nach dem Ferienende - Fernunterricht fast überall

Zum Schulauftakt nach den Weihnachtsferien müssen die meisten Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg von Montag an wieder auf den Fernunterricht ausweichen. Nach wie vor sind die Corona-Infektionszahlen zu hoch für Unterricht in den Klassenzimmern. Deshalb haben sich Bund und Länder in ihren jüngsten Beratungen darauf geeinigt, frühestens Ende Januar wieder in den flächendeckenden Präsenzunterricht für alle Schularten einzusteigen.

Eine Ausnahme gibt es allerdings in Baden-Württemberg: Denn Kitas und Grundschulen sollen am 18. Januar wieder öffnen, falls das die Infektionszahlen zulassen. Auch Abschlussklassen sollen dann nach Möglichkeit wieder in den Schulgebäuden unterrichtet werden. Eine Entscheidung will die Landesregierung am kommenden Donnerstag treffen. Die meisten anderen Bundesländer setzen wie vereinbart komplett auf Unterricht von zu Hause aus.

Rund 69 000 Nutzer auf Online-Lernplattform des Saarlandes

In der ersten Schulwoche nach den Weihnachtsferien ist die Nutzerzahl der Bildungscloud Online-Schule Saarland (OSS) gestiegen. Am ersten Schultag nutzten nach Angaben des saarländischen Bildungsministeriums rund 67 000 Menschen die Plattform. Am Freitag derselben Woche waren es bereits 72 000. Im Schnitt erreichte die Plattform für digitales Lernen demnach rund 69 000 Nutzer täglich.

«Digitale Bildung ist ein permanenter Lernprozess. Unsere Bildungscloud Online-Schule Saarland entwickeln wir ständig weiter und passen sie den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer an», teilte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) am Sonntag mit. «Dabei ist es ein großer Vorteil, dass die OSS eine landeseigene Bildungscloud ist.»

Rund 300 Einrichtung, größtenteils Schulen, seien auf der Plattform registriert. Mit dem Videokonferenzsystem Big Blue Button (BBB) seien nun auch virtuelle Elternabende möglich. Mit Ausnahme der Abschlussklassen ist der Regelunterricht mit Präsenz an den saarländischen Schulen bis zum 31. Januar ausgesetzt.

Verlängerter Corona-Lockdown: Was sich in MV ändert

Bund und Länder haben sich auf eine Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar verständigt. Damit müssen sich die Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns vor dem Hintergrund der hohen Corona-Infektionszahlen auf verschärfte Regelungen einstellen. Eine Übersicht:

GRUNDSÄTZLICH

Die neuen Regelungen gelten seit Sonntag und zunächst bis zum 31. Januar. Wie es im Februar weitergeht, ist derzeit noch unklar. Bund und Länder wollen am 25. Januar darüber beraten. In der Zwischenzeit sind auf Landesebene Gespräche geplant, wie Unternehmen und Beschäftigten weiter geholfen werden kann.

KONTAKTBESCHRÄNKUNGEN

Ein Haushalt darf sich nur noch mit einer weiteren Person treffen. Kinder bis 12 Jahre können davon ausgenommen sein, wenn dies für die Betreuung der Kinder notwendig ist. Ursprünglich hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, dass sich künftig ein Haushalt nur noch mit einer weiteren Person treffen darf, unabhängig vom Alter. Es ist egal, wo das Treffen stattfindet - bei der Einzelperson oder beim Haushalt mit mehreren Menschen.

SCHULEN

Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen können am Montag landesweit wieder in die Schule gehen, müssen es jedoch nicht. Die Präsenzpflicht ist weiterhin aufgehoben. Alle anderen Jahrgänge sollen zu Hause lernen. Eine Betreuung vor Ort für Schüler von der 1. bis zur 6. Klasse wird weiterhin angeboten, sofern Eltern sie nicht zu Hause betreuen können. Verpflichtende Klausuren werden bis zum Beginn der Winterferien im Februar nicht geschrieben.

KITAS

Eltern, die ihre Kinder nicht zu Hause betreuen können, können sie weiterhin in die Kita bringen. Es wird jedoch auch hier appelliert, wenn möglich, zu Hause zu bleiben. Die Betreuungszeit wird demnach nicht eingeschränkt. Eltern müssen ihre Kinder vorher in der Kita anmelden. Ein entsprechendes Formular können Eltern über die Homepage des Sozialministeriums oder der Kita erhalten.

HOTSPOTS

In Landkreisen mit mehr als 200 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche dürfen sich Einwohner nicht mehr als 15 Kilometer von ihrer Meldeadresse entfernen, sofern kein triftiger Grund vorliegt - wie Arztbesuche oder der Weg zur Arbeit. Als bislang einziger Landkreis hat die Mecklenburgische Seenplatte diese Marke überschritten. Ludwigslust-Parchim droht mit einem Wert von 188,4 (Stand Samstag-Nachmittag) ebenfalls bald zum Corona-Hochrisikogebiet zu werden.

Sofern nicht wichtige Gründe wie Arztbesuche oder die Arbeit vorliegen, dürfen Einwohner aus anderen Regionen nicht in diese Gebiete fahren. Wer dort einen Zweitwohnsitz hat, darf ebenfalls nicht dort hin.

Die Betreuung in der Kita ist in solchen Gebieten eingeschränkt. Diese soll nur noch in begründeten Ausnahmefällen möglich sein. Dazu zählen etwa Alleinerziehende.

Die Betreuung an Schulen für die Jahrgangsstufen eins bis sechs wird in solchen Gebieten ebenfalls eingeschränkt. Die Notbetreuung ist dann für Kinder vorgesehen, deren Eltern oder Erziehungsberechtigte in der sogenannten kritischen Infrastruktur arbeiten. Das sind laut Bildungsministerium etwa Berufe im Gesundheits- und Pflegebereich und Lebensmittelhandel. Postboten, Polizisten und Feuerwehrleute sind weitere Beispiele.

WEITERES

Viele Geschäfte bleiben auch weiterhin geschlossen. Dies gilt ebenfalls für viele Freizeiteinrichtungen wie Kinos, Theater, Museen und Fitnessstudios. Gastronomiebetriebe dürfen nur außer Haus verkaufen oder ihre Waren ausliefern. Weiterhin geöffnet sind etwa Supermärkte, Drogeriemärkte, Banken und die Post.

Keine Klausuren in Hamburg im Januar für Schüler bis zur 10. Klasse

Schülerinnen und Schüler bis zur 10. Klasse müssen in Hamburg vor dem Hintergrund des verlängerten Corona-Lockdowns bis Ende Januar keine Klausuren schreiben. Diese können zu einem späteren Zeitpunkt nachgeschrieben oder durch andere Leistungen wie Hausarbeiten ersetzt werden, wie die Schulbehörde am Sonntag in der Hansestadt mitteilte.

Klausuren in den Oberstufen sollen hingegen im selben Zeitraum in der Schule geschrieben werden. Diese hätten eine große Bedeutung für das spätere Abitur. Nach Angaben eines Sprechers betrifft dies die Jahrgänge 11 und 12 an Gymnasien, sowie die Klassen 12 und 13 an Stadtteilschulen. Für Stadtteilschüler in der 11. Klasse gebe es im Januar ebenfalls keine Klausuren.

In den Märzferien sollen laut Behörde freiwillige Lernangebote organisiert werden. Diese sind demnach in Kleingruppen von etwa sechs bis acht Schülern an jeweils drei bis vier Unterrichtsstunden täglich vorgesehen. Die Angebote seien kostenlos.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) kündigte erneut an, dass es Anpassungen bei der Mittleren Reife und dem Abitur geben soll. Dazu werde die Kultusministerkonferenz in den kommenden Wochen beraten.

Nach Pause wegen Corona - Einschulungsuntersuchungen laufen wieder an

Bevor Kinder in die Schule kommen, soll ihr Entwicklungsstand untersucht werden. 2020 fanden die Begutachtungen in Hamburg wegen der Corona-Pandemie viel seltener statt als sonst. Das soll sich laut zuständiger Behörde nun ändern. Die Linke fordert mehr Engagement.

Wochenlang sind in Hamburg coronabedingt so gut wie keine Termine für die sogenannte Schuleingangsuntersuchung vergeben worden - ab Montag soll sich das ändern. Die Schuleingangsuntersuchungen für Kinder, die nach den Sommerferien eingeschult werden, würden nun wieder aufgenommen, teilte die Gesundheitsbehörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Für die Einschulung in diesem Jahr nahmen den Angaben zufolge bislang erst elf Prozent der Kinder an der Untersuchung teil.

Seit 15. Dezember seien als Maßnahme zur Kontakteinschränkung in ganz Hamburg keine neuen Termine mehr vergeben worden, teilte die Behörde weiter mit. Ausnahmen galten etwa für Kinder mit Beeinträchtigungen oder besonderem Förderbedarf.

«Es ist aufgrund der andauernden Pandemiesituation davon auszugehen, dass die Vor-Corona-Untersuchungsquote noch nicht wieder erreicht wird», hieß es. Auch wenn es die Termine nun wieder geben soll: Zunächst werden laut Behörde weiterhin Kinder, bei denen ein besonderer Förderbedarf absehbar ist, priorisiert eingeladen.

Im aktuellen Schuljahr gehen nach Angaben der Hamburger Schulbehörde 17 285 Jungen und Mädchen in die erste Klasse. Es sei davon auszugehen, dass die Zahl im nächsten Schuljahr ähnlich hoch sei. Angehende Schulkinder werden untersucht, um frühzeitig eventuelle gesundheitliche Probleme zu erkennen. Genau angeschaut wird der körperliche, motorische und sprachliche Entwicklungsstand.

Für 2020 liegen laut Gesundheitsbehörde noch nicht alle Zahlen zu den Untersuchungen vor. Doch sie schätzt, dass die Quote wegen der Corona-Pandemie lediglich bei etwa 50 Prozent liegen wird. Grund sei die ab März 2020 erfolgte Schließung der Bezirksämter für den Publikumsverkehr. «Es konnten wegen erforderlicher Abstände und veränderter Hygienebedingungen weniger Kinder als bisher eingeladen werden», hieß es.

Die Bildungsexpertin der Linksfraktion, Sabine Boeddinghaus, kritisierte, die Gefahr wachsender ungleicher Bildungschancen sei groß. «Wenn die Behörde nun Besserung verspricht, ist das zu begrüßen, aber auch längst überfällig», sagte sie. In den Bezirken seien in den vergangenen Jahren zu wenig zusätzliche Stellen für den schulärztlichen Dienst geschaffen worden. «Das zeigt, dass sich eine solche Politik der knappen Tischtücher in Krisenzeiten bitter rächt und es immer die Schwächsten am härtesten trifft», betonte Boeddinghaus. «Deswegen erwarte ich vom Senat an dieser Stelle ein besonderes Engagement, damit kein Kind mehr aus dem Blick gerät.»

09.01.2021 17.23 Uhr

Debatte um Präsenzunterricht für Kinder mit Behinderung

Anders als die meisten Schulen bleiben die Einrichtungen für Kinder mit Handicap geöffnet. Lehrer und Betreuer sehen sich dadurch besonderen Infektionsgefahren ausgesetzt. Das Kultusministerium begründet seine Entscheidung.

Trotz des verlängerten Corona-Lockdowns und fast flächendeckender Schulschließungen sollen Kinder mit Behinderung weiter vor Ort unterrichtet werden. Die sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung und körperliche und motorische Entwicklung bleiben nach Angaben des Kultusministeriums geöffnet.

Lehrer und Betreuer machen in einer Petition aber auf die besonderen Umstände an den Einrichtungen aufmerksam und fordern, die Schulen an SBBZ nur dann zu öffnen, wenn der Gesundheitsschutz gewährleistet ist.

Das Ministerium betonte am Samstag die Bedeutung der Betreuung für die Kinder und verwies darauf, dass Eltern ihre Kinder nicht in die Zentren schicken müssten. Die Präsenzpflicht sei ausgesetzt.

«Die Einhaltung der Hygieneregeln gestaltet sich an unserer Schulart als fast unmöglich», heißt es in dem öffentlichen Schreiben an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Abstand zu Schülern zu halten, sei bei Pflegetätigkeiten wie Wickeln, Essen reichen und Anziehen unmöglich. «Im Gegensatz zu Pflegekräften im Krankenhaus, steht uns dafür aber keine entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung.» Auch der Unterricht erfordere an vielen Stellen direkte, körpernahe Zuwendung. Viele Kinder könnten nur mit Hilfestellung Regeln beim Husten oder Niesen einhalten oder Hände waschen, wiederum aber keine Masken tragen, machten die Autoren deutlich.

«Am schwierigsten für uns ist es aber, dass unsere Schüler*innen zur Risikogruppe gehören», hieß es weiter. Wegen Einschränkungen bei der Kommunikation könnten sie nur schwer von Krankheitssymptomen berichten und würden daher vermutlich erst deutlich später als andere Menschen zum Arzt gebracht oder getestet. «In der Impfstrategie wurde dies zum Glück bereits berücksichtigt und Menschen mit geistiger Behinderung werden bereits in Gruppe 2 geimpft.»

Die Ausnahmeregelung für die SBBZ scheine all dies aber außer Acht zu lassen. Daher würden dringend Schutzausrüstung und Schnelltests benötigt und die Möglichkeit, Wechselunterricht anzubieten, heißt es in der Petition. «Wir müssen so schnell wie möglich geimpft werden.»

Unterstützung kam aus den Landtagsfraktionen der SPD und FDP. «Diese Kinder und ihre Eltern fühlen sich komplett vergessen, die Lehrkräfte und Betreuer sowieso», erklärte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Sein liberaler Amtskollege Hans-Ulrich Rülke forderte unter anderem, Kinder und Lehrer an den SBBZ sollten bevorzugt geimpft werden.

Das Ministerium erklärte seine Entscheidung mit dem hohen Pflege- und Betreuungsbedarf der SBBZ-Schüler. «Bei einem Wegfall des Präsenzunterrichts stünden Eltern dieser Kinder vor enormen Herausforderungen, die sie in der Regel nicht alleine schultern können.» Ein weiterer Grund für die Entscheidung sei gewesen, dass Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung der geistigen oder motorisch-körperlichen Entwicklung noch einmal mehr als andere auf klare und regelmäßige Strukturen in ihrem Alltag angewiesen seien und ihnen das Wegfallen dieser Strukturen enorme Schwierigkeiten bereite.

Das Kultusministerium plant den Angaben zufolge, den SBBZ und den Schulkindergärten zu Beginn dieses Jahres noch einmal Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen, und steht dazu mit dem Sozialministerium in Kontakt. Die Einrichtungen hätten aber auch schon Hygieneartikel und Schutzausrüstung - wie FFP2-Masken, Einwegschutzkleidung und Einweghandschuhe - bekommen.

Land stellt 250 000 FFP-2-Masken aus Landesproduktion bereit

Nach dem Rückruf chinesischer Schutzmasken an Schulen stellt Rheinland-Pfalz 250 000 FFP-2-Masken aus rheinland-pfälzischer Produktion für Schulen bereit. Das kündigte das Bildungsministerium am Samstag an. «Man muss sich darauf verlassen können, dass eine Schutzausrüstung, die zertifiziert ist, dieser Zertifizierung auch gerecht wird», betonte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) in einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung. «Umso ärgerlicher ist es, dass bei den vom Bund unter anderem an Rheinland-Pfalz gelieferten Masken erneut Probleme aufgetreten sind.» Zum zweiten Mal sei ein chinesischer Maskentyp zurückgerufen worden.

Die zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd hatte berichtet, dass eine Prüfung amerikanischer Behörden ergeben hatte, dass die Masken des zurückgerufenen Typs nicht alle die erforderliche Filterleistung von mindestens 95 Prozent einhielten. Als zuständige Marktüberwachungsbehörde habe die Genehmigungsdirektion Süd vorsorglich empfohlen, die Atemschutzmasken nicht zu verwenden. «Zweifel an der Einhaltung der Prüfkriterien und an der Prüfbescheinigung bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Masken keine Schutzwirkung haben», hieß es.

Wien plant Corona-Selbsttests für Schüler - «einfach wie Nasenbohren»

Österreich will Schülern zur Wiederöffnung der Schulen wöchentlich einfach anwendbare Corona-Schnelltests anbieten. Testen sei «letztlich die einzige Antwort, um über die schwierige Phase bis zur Durchimpfung zu kommen», sagte der österreichische Bildungsminister Heinz Fassmann (ÖVP) am Samstag in Wien. Insgesamt fünf Millionen Antigen-Tests sollen dafür an die Schulen verteilt werden.

Die Tests können von den Schülern selbst unter Anleitung von Erwachsenen angewendet werden. Die Stäbchen müssen etwa ein bis zwei Zentimeter in die Nase eingeführt werden. Das sei so einfach wie Nasenbohren, hieß es in einem Video mit Anleitung, das am Samstag gezeigt wurde. Eltern von Grundschülern sollen ihren Kinder einmal pro Woche montags zu Hause beim Testen helfen. Bei älteren Schülern könnten die Tests zu Hause oder in der Schule vorgenommen werden.

Die Selbsttests sollen für die Schüler kostenlos und freiwillig sein. Das Vorgehen gebe die Möglichkeit, die Schulen zu öffnen und auch offen zu halten, sagte Faßmann. Ob die Schulen in Österreich wie ursprünglich geplant am 18. Januar wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren, soll nächste Woche geklärt werden. Der Lockdown in Österreich ist zunächst bis zum 24. Januar geplant. Am Freitag hatte Deutschlands Nachbarland fast 2300 Corona-Infektionen innerhalb eines Tages verzeichnet. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag mit 161 je 100 000 Einwohner etwas höher als in Deutschland (136,5).

Schulsenator Rabe: Corona-Lockdown wird tiefe Spuren hinterlassen

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat den Corona-Lockdown als eine große Belastung für die Schüler bezeichnet. «Es werden tiefe Spuren hinterlassen bei den Kindern und Jugendlichen, nicht nur im Bereich der kognitiven Bildung, sondern auch im Bereich der sozialen Bildung, auch der Persönlichkeitsentwicklung», sagte der Senator der Deutschen Presse-Agentur. Die meisten der betroffenen Schüler hätten bereits im vergangenen Frühjahr 13 Wochen Unterrichtsausfall hinnehmen müssen.

Beim sogenannten Distanzunterricht werde das Lernen trotz aller Bemühungen nicht die übliche Qualität haben. «Ich habe von Anfang an gesagt, dass dieses System von den Schulen und den Lehrern sehr, sehr viel verlangt», erklärte Rabe und fügte hinzu: «Das gilt insbesondere, wenn man wirklich den Anspruch hätte, dass zu Hause eins zu eins Unterricht wie in der Schule stattfinden sollte und zugleich ein großer Teil der Schüler in der Schule betreut wird. Beides gleichzeitig passt kaum zusammen.»

Seit kurz vor Weihnachten hat Hamburg die Präsenzpflicht an den Schulen aufgehoben. Nach Möglichkeit sollen die Kinder und Jugendlichen zu Hause digital unterrichtet werden. Sie können bei Bedarf aber auch weiter in die Schule kommen.

Juso-Chefin und Göring-Eckardt fordern kreative Ideen für Unterricht

Die Corona-Pandemie bringt auch den Schulalltag durcheinander. Beim Digitalunterricht hakt es noch. Politikerinnen haben noch ein paar andere Ideen.

Um Schulunterricht auch in der Corona-Pandemie zu gewährleisten, setzen Jusos und die Grünen auf kreative Lösungen. Die neue Juso-Chefin Jessica Rosenthal schlug vor, Lehramtsstudentinnen und -studenten in der Corona-Krise als zusätzliche Lehrer einzusetzen. Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, regte an, auch geschlossene Museen und Theater zu nutzen. Nicht wie erhofft voran kommt die Digitalisierung des Unterrichts.

Zuletzt war kontrovers diskutiert worden, ob es in einigen Schulen oder zumindest ausgewählten Klassen trotz der hohen Infektionszahlen wieder Präsenzunterricht vor Ort geben soll. In mehreren Bundesländern soll dies trotz wachsender Proteste noch im Januar zumindest für Abschlussklassen gelten.

Die neue Juso-Chefin Rosenthal sagte der Deutschen Presse-Agentur, mit dem Einsatz von Studentinnen und Studenten als zusätzliche Lehrer könnten kleinere Lerngruppen gebildet und die Infektionsgefahr verringert werden. «Wir können die Studierenden einstellen, die ja sowieso oft gerade ihre Nebenjobs verloren haben», sagte die 28-Jährige, die selbst Lehrerin ist und seit dem vergangenen Jahr an einer Bonner Schule unterrichtet. Sie forderte Bund und Länder ferner auf, sie sollten Hotels und Messegelände anmieten und die Klassen aufteilen.

Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt fragte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag): «Warum sollen geschlossene Museen und leere Theatersäle nicht für den Unterricht genutzt werden? Warum holt man nicht das Technische Hilfswerk und Messebauer in die Schulen, um Luftfilter einzubauen?» Sie schlug auch vor, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre interaktiven Bildungsangebote ausbauen. Ganz normaler Unterricht werde an vielen Orten noch lange nicht möglich sein. «Daher müssen wir andere, kreative Lösungen finden», betonte die Fraktionschefin.

Göring-Eckardt bezeichnete es als «eine Vollkatastrophe, dass so viele Schulen immer noch keinen vernünftigen Digitalunterricht hinbekommen». Nach einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) unter den Bundesländern, läuft der Digitalpakt weiterhin schleppend. Bis Ende 2020 seien 916 Millionen Euro als Fördermittel bewilligt worden, also weniger als ein Fünftel der Gesamtsumme, die der Bund bereitstellt. Allerdings kam demnach im zweiten Halbjahr etwas mehr Schwung in die Sache. Während laut RND bis zum Sommer 2020 erst 242 Millionen Euro bewilligt worden waren, waren es Ende 2020 dann 674 Millionen Euro mehr.

Der Digitalpakt war am 17. Mai 2019 in Kraft getreten. Über das Förderprogramm stellt der Bund den Schulen fünf Milliarden Euro für Investitionen in digitale Tafeln (Smartboards), Schul-WLAN, Online-Lernplattformen und mobile Geräte zur Verfügung. Von den Ländern kommen insgesamt weitere 500 Millionen dazu.

Die «Welt» berichtete am Samstag allerdings unter Berufung auf Experten von aktuellen Lieferproblemen bei Tablets und Laptops. «Der Markt für Laptops und Tablets ist seit dem Herbst - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit - leergefegt», sagte Martin Mayr, Senior Vice President beim Münchner IT-Dienstleister Cancom, der Zeitung.

Rosenthal forderte eine wissenschaftlich fundierte Prüfung, welche Infektionsgefahr von den neuen Virusmutationen in den Schulen ausgeht - und zwar vor dem 25. Januar, wenn Bund und Länder über weitere Maßnahmen entscheiden wollen. Sie mahnte ferner, schon jetzt müsse man aus der Corona-Krise lernen und direkt mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen. «Wir brauchen doch sowieso mehr Personal im Bildungsbereich. Das können wir jetzt schon machen», betonte sie. Derzeit wird aus Sicht der Juso-Chefin für eine sichere Öffnung der Schulen zu wenig getan: «Wo sind denn die FFP2-Masken, wo sind denn die Schnelltests, wo sind die angemieteten Räume, wo ist das zusätzliche Personal?», fragte Rosenthal.

Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus mahnte klare Perspektiven für die Schulen für das restliche Schuljahr an. «Schulen, Eltern und Kinder brauchen Planungssicherheit. Müssen wir Maßnahmen verlängern? Welche Auswirkungen hat das auf Prüfungen? Verkürzen wir die Osterferien? Die Menschen wollen planen, das Familienleben regeln», mahnte der CDU-Politiker in der in Bielefeld erscheinenden «Neuen Westfälischen» (Samstag).

08.01.2021 19.09 Uhr

Nach viel Streit nun neuer Plan für Schulöffnung in Berlin

Jeder Tag im Homeschooling könne vor allem kleine Kinder in ihrer Lernleistung weiter zurückwerfen, warnen Bildungsforscher. Deshalb sollten die wegen Corona geschlossen Schulen in Berlin schrittweise und rasch wieder öffnen. Doch es kommt anders.Nach tagelangem Streit sind die Pläne des Senats zur schrittweisen Öffnung der Berliner Schulen trotz Corona-Lockdowns teilweise vom Tisch. Das schulisch angeleitete Lernen zu Hause für Schüler der Klassen 1 bis 9 sowie für einige höhere Klassenstufen werde bis mindestens 25. Januar verlängert, teilte die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Freitag mit. Bis dahin gilt keine Präsenzpflicht.Für die Abschlussklassen 10, 12 und 13 an Gymnasien und Sekundarschulen sollen indes ab kommender Woche Präsenzangebote in kleinen Gruppen möglich sein. Ob Wechselunterricht mit Lernen zu Hause und in der Schule angeboten wird oder alles über Homeschooling läuft, sollen die jeweiligen Schulen mit den Elternvertretern selbst entscheiden.Am 19. Januar will der Senat darüber entscheiden, wie es ab dem 25. Januar mit dem Schulbetrieb an Grundschulen weitergeht. Bis dahin liegen wahrscheinlich verlässlichere Daten vor, wie sich die Feiertage auf das Corona-Infektionsgeschehen ausgewirkt haben und welche Rolle die neue Virus-Mutation spielt. Zudem sollen die Schulen sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern zusätzliche Förder- und Unterstützungsangebote unterbreiten, wie es hieß. An Grundschulen gibt es wie bisher eine Notbetreuung.Am Mittwoch hatte der Senat beschlossen, den Lockdown bis 31. Januar zu verlängern, aber ab 11. Januar an Schulen für abschlussrelevante Jahrgänge generell wieder Wechselunterricht in kleinen Gruppen anzubieten. Ab 18. Januar sollten Grundschüler der Klassen 1 bis 3 folgen und dann Schritt für Schritt weitere Klassenstufen. Eine Woche nach den Winterferien sollte, so der Plan, der Präsenzunterricht ab 15. Februar für alle wieder regulär wie vor dem Lockdown laufen.Dieses Vorgehen rief viel Kritik etwa bei der Lehrergewerkschaft GEW, einigen Schulleitern, Eltern- und Schülervertretern, aber auch innerhalb der rot-rot-grünen Koalition hervor. Angesichts dessen übten sich Koalitionäre am Freitag nach dpa-Informationen in Krisendiplomatie.Linke und Grüne machten dem Vernehmen nach Druck auf Scheeres. Auch die neue SPD-Landeschefin, Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, und ihr Co-Vorsitzender Raed Saleh schalteten sich ein. Schließlich wurde die neue Linie in einer langen Schalte unter anderem mit Scheeres und dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) abgesteckt. Grüne und Linke tragen den Kompromiss mit, wie aus ihren Reihen zu hören war.Scheeres erklärte zu dem neuen Plan: «Wir gehen damit auf die vielfach geäußerten Sorgen an Schulen ein. In den nächsten Wochen brauchen wir an den Schulen einen möglichst breiten Konsens, um den Herausforderungen durch die Pandemie zu begegnen.»Giffey begrüßte die neue Regelung. «Ich finde es richtig, dass Bildungssenatorin Sandra Scheeres jetzt nach Abstimmung in der Koalition beschlossen hat, die Präsenzpflicht an Berliner Schulen bis zum 25. 1. auszusetzen», erklärte die Bundesfamilienministerin.«Die aktuellen Infektionszahlen machen deutlich, dass wir uns noch immer in der schwersten Pandemielage befinden, die wir bisher erlebt haben.» Bei allem richtigen Bemühen um Bildungsgerechtigkeit dürfe die Rückkehr zum Präsenzunterricht daher nicht vorschnell erfolgen. «Wir müssen jetzt konsequent und verantwortungsvoll handeln und den Gesundheitsschutz an oberste Stelle setzen.»Saleh verwies darauf, dass Berlin nun ähnlich handele wie das Nachbarland Brandenburg. «Damit ist ein einheitliches Vorgehen im Metropolenraum Berlin-Brandenburg sichergestellt.»Der CDU-Vorsitzende Kai Wegner sprach von einem «Scheitern mit Ansage». «Kurz vor knapp zieht Rot-Rot-Grün die Notbremse. Aber der Schaden ist bereits angerichtet», erklärte er. «Mit ihrem eigensinnigen Vorpreschen hat die SPD-Bildungssenatorin maximale Verunsicherung ausgelöst.»Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, hatte den ursprünglichen Plan, auch Grundschüler wieder schnell an die Schulen zu bringen, positiv bewertet. «Es sind immer schwierige Abwägungen. Aber gerade in den ersten Schul- und Lebensjahren ist der Präsenzunterricht einfach nicht ersetzbar», sagte der Bildungsforscher am Freitag dem rbb-Inforadio. «Insofern ist der Ansatz in Berlin, wenn das die Gesundheitslage zulässt, sehr vernünftig, dass man gerade bei den kleinsten Kindern schnell anfängt, auch in begrenzten Klassen.»Bildung sei immer Beziehungsarbeit und nicht nur Wissensvermittlung, erläuterte Schleicher. Und in den ersten Schuljahren sei schon deshalb Präsenzunterricht nötig, weil man bei Grundschülern kein selbstständiges Lernen zu Hause erwarten könne. Hier könne digitale Wissensvermittlung also «nicht sehr viel erreichen». Bei höheren Jahrgängen hingegen könnten Wechselunterricht und Digitalisierung mehr bringen.

Ministerium: Täglich zwei FFP2-Masken für Lehrer

Das Land NRW will jeden Lehrer im Präsenzunterricht mit zwei FFP2-Masken pro Tag ausstatten. Es würden entsprechende Gelder zur Verfügung gestellt, um das bis zu den Osterferien zu gewährleisten, so das Bildungsministerium in einer Email an alle Schulen. In dem Schreiben wurde am Donnerstag auch klargestellt, dass die angekündigten Gratis-Corona-Tests für Lehrer bis Ende Januar nur in Anspruch genommen werden können, wenn die Personen «in dieser Zeit tatsächlich einen Präsenzdienst in den Schulen leisten.»

Grundsätzlich gibt es bis zum Ende des Monats Distanzunterricht. Es gibt aber Notbetreuungsangebote für Schüler der Klassen 1 bis 6, die nicht zu Hause betreut werden können oder bei denen nach Ansicht des Jugendamts eine Kindeswohlgefährdung vorliegen könnte. Lehrer, die in dieser Zeit in den Schulen sind, können sich bereits kostenfrei auf Corona testen lassen. Für alle anderen Beschäftigten soll es von Februar bis zu Beginn der Osterferien die Möglichkeit zu sechs anlasslosen Tests geben.

Die FFP2-Masken, die einen besseren Schutz bewirken als «normale» Masken, sollen laut Ministerium über die Schulträger und Bezirksregierungen verteilt werden. Die Lehrergewerkschaft GEW begrüßte die Maßnahme. «Bei Millionen Schutzmasken, die pro Woche dann gebraucht werden, muss aber die Logistik stimmen, um die Schulen und Kitas nicht zusätzlich zu belasten», sagte die Vorsitzende der GEW in NRW, Maike Finnern am Freitag.

Kretschmann: Schulöffnung am 18. Januar nicht garantiert 

Stuttgart (dpa/lsw)Die grün-schwarze Landesregierung will erst am kommenden Donnerstag darüber entscheiden, ob Grundschulen und Kitas am 18. Januar wieder geöffnet werden können. Im Interesse der Kinder würde man gern zu dem Datum wieder öffnen, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Freitag im Landtag in Stuttgart. «Doch garantieren können wir es heute noch nicht.» Dazu brauche man «belastbarere Zahlen über die Infektionslage», die noch nicht vorlägen. «Deshalb werden wir diese Entscheidung erst am kommenden Donnerstag treffen.» Der verlängerte Corona-Lockdown bedeutet für die meisten Schüler, dass es im Januar statt Präsenz- nur Fernunterricht geben wird. Nur für jüngere Kinder könnte es Ausnahmen geben.

Kinderschutzbund: Kontaktregel wie «geschlossene Unterbringung»

Der Kinderschutzbund Niedersachsen hat die geplante Verschärfung der Corona-Kontaktregeln auch für Kinder scharf kritisiert. Nach dem jüngsten Bund-Länder-Beschluss, der in Niedersachsen von Sonntag an gelten soll, dürfen sich bis Ende Januar nur noch die Mitglieder eines Haushalts mit einer weiteren Person treffen, egal welchen Alters. Zwei Geschwister etwa dürfen demnach nicht mehr gemeinsam zu den Großeltern gehen, zwei Elternteile sich nicht mehr mit ihren jeweiligen Kindern am Spielplatz treffen.

«Im Grunde genommen ist das vergleichbar mit einer geschlossenen Unterbringung», sagte der Landesvorsitzende des Kinderschutzbunds, Johannes Schmidt. «Es ist das Kappen unglaublich vieler elementarer Grundbedürfnisse von Kindern.» Darunter leide etwa die Entwicklung des Selbstbewusstseins und der Sprache. «Die Gesellschaft für Kinder zuzumachen, ist ein ganz furchtbarer Schritt», betonte Schmidt. «Es fehlen die Impulse für den Spaß am Leben.» Das könne schlimmstenfalls auch zu Gewalt in der Familie oder gegenüber anderen Kindern führen.

Aus Kontakten zu den Jugendämtern wisse er, dass es seit Beginn der Corona-Krise mehr Meldungen von Kindeswohlgefährdungen gebe. Genaue Zahlen lägen darüber aber noch nicht vor. Für die Zeit nach der Pandemie forderte Schmidt, die Unterstützung von Jugendämtern und Kinderprojekten um Millionen zu erhöhen - auch, um Schäden der Corona-Krise aufzuarbeiten.

07.01.2021 20.36 Uhr

NRW-Minister wollen Kita-Beiträge für Januar erstatten

Der verschärfte Corona-Lockdown ist eine Herausforderung für die Familien - und vor allem für Alleinerziehende. Zumindest finanziell soll es im Januar eine Entlastung geben.

Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (FDP) und Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) wollen die Kita-Beiträge für den Monat Januar erstatten. Darauf hätten sich die beiden Minister geeinigt, schrieb Stamp in einem Brief an die Kita-Eltern in NRW, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Beschluss des Landeskabinetts zur Aussetzung der Beiträge wegen des Corona-Lockdowns stehe aber noch aus, sagte ein Sprecher des Familienministeriums am Donnerstag. Die Kosten sollen sich das Land und die Kommunen teilen. Auch der «Kölner Stadt-Anzeiger» berichtete.

Die mehr als 10 000 Kindertagesstätten in NRW bieten wegen der vielen Corona-Infektionen im Land ab dem kommenden Montag nur noch eine eingeschränkte Betreuung an. Eltern können ihre Kinder dann nur noch zehn Stunden weniger pro Woche in die Kita bringen als normalerweise - wenn irgend möglich sollen Eltern ihre Kinder ganz zu Hause betreuen.

Dem Familienministerium zufolge ist die nächste Sitzung des Kabinetts für Dienstag geplant. Stamp hatte sich am Donnerstagmorgen im WDR2-Interview optimistisch gezeigt, dass es in NRW eine Aussetzung der Gebühren geben werde. «Ich gehe davon aus, dass wir da heute im Laufe des Tages was verkünden können», sagte er.

«Ich weiß, dass ich Ihnen viel abverlange», schrieb Stamp am Donnerstag in dem Elternbrief. Aber auch die Kitas müssten im verschärften Lockdown einen Beitrag leisten. Der Minister appellierte noch einmal an die Eltern: «Lassen Sie Ihre Kinder, wenn es irgendwie geht, zu Hause! Wenn Sie aber die Betreuung in Anspruch nehmen müssen, steht Ihnen Ihr Angebot zur Verfügung.» Über die Erzieher sowie Tagesmütter und -väter schrieb er, sie seien «Heldinnen und Helden dieser Pandemie, die sich mit großem Engagement liebevoll um unsere Jüngsten kümmern».

Auch die 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler sollen ab Montag komplett zu Hause unterrichtet werden - das gilt auch für Grundschüler und die Abschlussklassen. Eine Verlängerung des Distanzunterrichts über den 31. Januar hinaus lehnte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) aber ab. Damit sei nun das «Maximum herausgeholt, danach darf es mit Distanzunterricht so nicht weitergehen», sagte Gebauer am Donnerstag dem Fernsehsender Phoenix.

Gebauer, die sich bisher immer für Präsenzunterricht eingesetzt hatte, sagte in dem Interview: «Ich darf Ihnen sagen, dass ich nicht erfreut gewesen bin über den Beschluss, den die Kanzlerin zusammen mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten getroffen hat.» Es sei auch wenig Spielraum für die Auslegung des Beschlusses geblieben. Nun hoffe sie, dass man schnellstmöglich in den Präsenzunterricht zurück wechseln könne.

Vor allem viele alleinerziehende Mütter und Väter wüssten im Moment kaum, wie sie die nächsten Wochen stemmen sollten, kritisierte deren Verband. «Die erneute Umstellung auf Distanzunterricht und der eingeschränkte Pandemiebetrieb in der Kindertagesbetreuung ist für Eltern und insbesondere erwerbstätige Alleinerziehende wieder eine enorme Belastung», sagte Nicola Stroop, Vorstand beim Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) NRW, der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die beschlossenen Kontaktbeschränkungen auf nur noch eine Person außerhalb des Haushaltes führten in Trennungsfamilien zu großen Verunsicherungen, sagte Stroop. Viele Anrufer bei einer Krisenhotline des Verbands in NRW fragten beispielsweise, ob ein Geschwisterpaar künftig nicht mehr zusammen sein getrennt lebendes Elternteil besuchen dürfe. «Wir warten hier dringend auf die konkrete Klarstellung durch das Bundesjustizministerium», sagte Stroop. In NRW leben etwa 327 000 alleinerziehende Elternteile mit ihren minderjährigen Kindern zusammen.

Weiter kein Präsenzunterricht an Brandenburger Schulen

Die Zahl der Corona-Neuinfektion in Brandenburg ist auch im Lockdown weiter hoch. Die Landesregierung lässt die Schulen deshalb erst einmal zu und will die Lage nächste Woche neu bewerten.

Brandenburgs Schülerinnen und Schüler müssen vorerst weiter von zu Hause aus lernen: Der Präsenzunterricht an Schulen bleibt bis zum 22. Januar ausgesetzt. Das teilte die Landesregierung am Donnerstagabend nach Gesprächen mit den Landkreisen und kreisfreien Städten mit. Ausgenommen davon bleiben die Abschlussklassen und die Förderschulen. In der übernächsten Woche (ab 18. Januar) solle die Situation neu bewertet werden, hieß es nach den Beratungen.

Dann solle entschieden werden, ob die Grundschulen aufgrund eines deutlich gesunkenen Infektionsgeschehens für einen Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht in der Woche vor den Winterferien geöffnet werden könnten. Die Schulen sollen an diesem Freitag über den Beschluss informiert werden.

Die Landesregierung stehe weiterhin dazu, dass Schulen und Kitas so schnell wie möglich wieder in den Regelbetrieb gehen sollten, erklärte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). «Das Infektionsgeschehen erlaubt aber derzeit leider keine Öffnung der Schulen. Deshalb haben wir den Distanzunterricht für zwei Wochen verlängert.»

Die Kitas bleiben demnach wie bisher geöffnet. Es wird allerdings an die Eltern appelliert, ihre Kinder soweit wie möglich zu Hause zu betreuen und für den Zeitraum die Lohnersatzleistungen des Bundes und die Ausweitung der Anspruchsdauer des Kinderkrankengelds zu nutzen. In Abhängigkeit von der lokalen Situation können Kitas jedoch geschlossen sein, wie dies beispielsweise derzeit für den Kreis Oberspreewald-Lausitz gilt.

Die Situation werde zu Beginn kommender Woche vor dem Hintergrund aktueller Daten neu bewertet, teilte Ernst mit. Wenn sich die Infektionslage bis dahin deutlich verbessert haben sollte, tritt ihr zufolge die zweite Stufe des Stufenplans in Kraft - an den Grundschulen gebe es dann wieder Unterricht im Wechselmodell.

Die Kultusministerkonferenz der Länder hatte am Montag einen Stufenplan vorgelegt, demzufolge der Präsenzunterricht bei sinkenden Infektionszahlen in den Grundschulen wieder beginnen könnte. Danach sollen die älteren Schüler im Wechselunterricht folgen. Einen Zeitplan dafür gab es allerdings noch nicht.

Über die weitere Verlängerung und Verschärfung von Corona-Beschränkungen für die Bürger will das Kabinett an diesem Freitag entscheiden. Bei Gesprächen mit den Landkreisen und Oberbürgermeistern der kreisfreien Städte sollte es insbesondere um die Vereinbarung der Regierungschefs von Bund und Ländern gehen, in Corona-Hotspots den Bewegungsradius der Menschen auf 15 Kilometer um den Wohnort zu beschränken.

Zurück ins Klassenzimmer? - Streit um die Teilöffnung der Schulen

Schrittweise sollen immer mehr Kinder und Jugendliche in Berlin wieder Unterricht in der Schule bekommen. Das finden manche gut und andere unverantwortlich. Kritik kommt nicht nur von der Opposition.

Die Entscheidung des Senats, schon bald wieder eingeschränkten Unterricht in Schulen zu ermöglichen, ist in Berlin hochumstritten. Im Abgeordnetenhaus gingen die Meinungen dazu bei der Sondersitzung am Donnerstag deutlich auseinander - auch innerhalb der Koalition. Nach dem Willen des Senats sollen in den kommenden Wochen noch während des Lockdowns schrittweise immer mehr Jahrgänge zumindest zum Teil wieder in den Schulen unterrichtet werden. Das halten manche für genau richtig und andere für unverantwortlich.

«Es ist eine bewusste Entscheidung, eine durchdachte Entscheidung», sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Die Folgen seien unabsehbar, wenn etwa Grundschüler für sechs Wochen nicht in den Schulen seien. Deshalb hätten auch Experten empfohlen, behutsam mit Kleinsten anzufangen: «Damit sie uns nicht wegrutschen.»

Junge Menschen bräuchten gute Bildung und Schulabschlüsse für ihre Zukunft. Daher gelte es, verantwortungsvoll abzuwägen zwischen dem nötigen Gesundheitsschutz und dem Recht auf Bildung. «Hier müssen wir einfach einen guten Mittelweg gehen, dass wir hier die besten Möglichkeiten für unsere Kinder, Jugendlichen, Familien, aber eben auch für unsere Lehrkräfte haben.» Natürlich stehe jede Entscheidung unter dem Vorbehalt der Infektionslage.

Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller verteidigte die Entscheidung als Ergebnis eines Abwägungsprozesses. Eine schnelle komplette Öffnung der Schulen hält der SPD-Politiker indes nicht für möglich. Denn man könne nicht wegdiskutieren, «dass es auch Infektionsketten gibt aus dem Schulgeschehen heraus.»

Linke-Bildungspolitikerin Regina Kittler forderte, die Entscheidung zur raschen Schulöffnung zurückzunehmen. Sie plädierte dafür, die Schulen bis nach den Winterferien geschlossen zu halten. Auch CDU-Fraktionschef Burkard Dregger kritisierte die Schulöffnung. Die Entscheidung sei getroffen worden «unabhängig von der Inzidenz, im Unwissen über die Virusmutationen und in Unkenntnis des Infektionsgeschehens während der Feiertage.»

Der Senat hatte am Mittwoch die Verlängerung des Lockdowns beschlossen und gleichzeitig mitgeteilt, dass der Unterricht an den Schulen Schritt für Schritt wieder möglich sein soll. Nach Angaben der Bildungsverwaltung ist zunächst ab dem 11. Januar für die abschlussrelevanten Jahrgänge Wechselunterricht geplant, also die Kombination aus Unterricht in der Schule und zu Hause. Dabei sollen die Lerngruppen maximal halb so groß sein wie üblich.

Ab dem 18. Januar soll es dann auch in den Klassen 1 bis 3 mindestens drei Stunden täglich Unterricht in der Schule geben, ebenfalls in Gruppen, die höchstens halb so groß wie üblich sein dürfen. Ab dem 25. Januar soll das auf die Klassen 4 bis 6 ausgeweitet werden und nach den Winterfeien ab dem 8. Februar auf alle Schularten und Jahrgänge. Ab 15. Februar - so die Hoffnung - soll der Unterricht für alle wieder regulär wie vor dem Lockdown laufen.

Die Berliner Grünen finden diesen Weg richtig. «Jeder Tag Schulschließung ist ein Tag mehr, an dem wir riskieren, dass Kinder und Jugendliche zurückbleiben», sagte Fraktionschefin Silke Gebel. «Jeder Tag Lockdown bedeutet ein weiterer Tag, an dem die Schere zwischen denen, die lernen können, und denen, die nicht lernen können, größer wird.»

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja sagte, er sei Bildungssenatorin Scheeres dankbar dafür, dass es eine schrittweise Öffnung der Schulen gebe. Homeschooling und Homeoffice funktionierten in der Realität nicht. Auch die SPD-Fraktion ist für die schrittweise Öffnung, die AfD forderte die sofortige komplette Rückkehr zum normalen Unterricht.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann, bemängelte dagegen, es passe nicht zusammen, die Abschlussjahrgänge und bald danach auch die Grundschüler in die Schulen zurückzuholen, während die Bevölkerung angehalten sei, die Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren.

«Ab der nächsten Woche sind die halben Oberstufen wieder in der Stadt unterwegs», kritisierte Erdmann. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Infektionszahlen dann wieder so gut sind, dass man sich das leisten kann.» Bis zum Ende des Lockdowns dürfe es keinen Unterricht in den Schulen geben. In einer Mitteilung kritisierte die GEW, Gesundheitsexperimente auf dem Rücken von Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern sowie Schülern seien unverantwortlich.

Auch Elternvertreter äußerten sich nach den Beschlüssen des Senats vom Mittwoch skeptisch: «Die häuslichen Kontakte werden auf eine Person reduziert. In den Schulen dürfen sich aber Schülerinnen und Schüler aus bis zu 16 Haushalten mit ihren Lehrkräften in Unterrichtsräumen treffen», kritisierte der Landeselternausschuss.

Die Interessenlage der Eltern sei allerdings sehr unterschiedlich. «Die Bandbreite der Forderungen reicht von der Fortführung des schulisch angeleiteten Lernens zu Hause bis zur sofortigen Öffnung der Schulen», erklärten die Elternvertreter.

Der Elternausschuss erinnerte an seine Forderung von Ende Dezember, Regelunterricht erst wieder vollständig zu ermöglichen, sobald das mit Blick auf die Infektionszahlen vertretbar sei. Der Landesschülerausschuss schloss sich dem am Donnerstag an.

Bayerischer Rundfunk erweitert Angebot «Schule daheim»

Angesichts des ausfallenden Präsenzunterrichts wegen der Corona-Krise baut der Bayerische Rundfunk (BR) seine Lernangebote zusammen mit der ARD erneut aus. Unter «Schule daheim» finden sich in der BR Mediathek Lerninhalte für alle Schularten, wie der öffentlich-rechtliche Sender am Donnerstag in München mitteilte.

So sende der Bildungskanal ARD-alpha von Montag an werktags zwischen 09.00 und 12.00 Uhr spezielle Lernformate. Zudem starte eine runderneuerte Version des Youtube-Bildungskanals «alphaLernen».

Das Angebot in der BR Mediathek sei seit dem ersten Lockdown im März 2020 aufgebaut und beständig erweitert worden. Insgesamt seien zu den Lernprogrammen mehr als 250 Neuproduktionen hinzugekommen.

Auch eine Alternative zum entfallenden Sportunterricht gibt es: Der BR bietet morgens täglich auf ARD-alpha die Mitmach-Sendung «Fit mit Felix» an - mit Ex-Skistar Felix Neureuther.

Trotz Lockdown Präsenzunterricht für Abschlussklassen

Bei der wegen des Lockdowns ausgesetzten Präsenzpflicht für Schüler im Saarland gibt es Ausnahmen: Schüler, die dieses Schuljahr an allgemeinbildenden Schulen Abschlussprüfungen ablegen, werden ab dem 11. Januar wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren. «Für sie gilt Präsenzpflicht», teilte das saarländische Bildungsministerium am Donnerstag in Saarbrücken mit.

Konkret heißt das, dass Schüler der Klasse 12 an Gymnasien und Schüler der Klasse 13 an Gemeinschaftsschulen ab nächsten Montag zum Unterricht in Schulen kommen müssen. Für Schüler an Gemeinschaftsschulen, die in Klassen 9 und 10 den Hauptschulabschluss oder den Mittleren Bildungsabschluss anstreben, beginnt der Präsenzunterricht ab dem 18. Januar.

An den beruflichen Schulen soll es auch ab dem 11. Januar für einen Teil der Schüler wieder Unterricht vor Ort geben. Den Anfang machten Schüler, die in diesem Jahr das Abitur an Oberstufengymnasien ablegen wollten. Die Beratungen seien aber noch nicht abgeschlossen, hieß es.

Für alle anderen Schüler bleibe die Präsenzpflicht vom 11. bis 24. Januar vorerst ausgesetzt: Es finde Fernunterricht statt. Es gebe aber Angebote für Schüler der Klassen 1 bis 6, die nicht anderweitig betreut werden könnten. Überlegungen, die Winterferien (15. bis 19. Februar 2021) zu verschieben oder zu streichen, gebe es derzeit nicht. Die Familien hätten mit den Winterferien geplant.

Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) erklärte, sie setze sich zudem bei den Kontaktbeschränkungen für Ausnahmen zur Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen ein. «Die Beschränkung auf eine weitere Person aus einem anderen Haushalt verschärft die angespannte Situation für viele Familien und insbesondere Alleinerziehende deutlich», sagte sie. Das sei «nicht zumutbar». Familien müssten sich Kinderbetreuung teilen können.

Bayern lockert wegen Corona Lehrpläne und Prüfungsvorgaben

Der Freistaat Bayern will es den Schülern in der Corona-Pandemie ein wenig leichter machen: Es werde verbindliche Hinweise für Schwerpunktsetzungen im Lehrplan geben, damit Lehrkräfte und Schüler nicht unter Zeitdruck gerieten, sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag in München.

An Realschulen und Gymnasien könne die vorgegebene Zahl der Schulaufgaben in den Jahrgangsstufen fünf bis zehn reduziert werden, um eine Ballung von Leistungsnachweisen und übermäßigen Zeitdruck zu vermeiden. Die Lehrkräfte sollen dabei alle Spielräume nutzen. Es müsse aber auch die Chancengerechtigkeit, etwa mit Schülern und Schülerinnen aus anderen Bundesländern beim Rennen um Studienplätze oder Lehrstellen gewährleistet bleiben.

Dies gelte besonders für die Abschlussklassen. Schülerinnen und Schüler sollen sich darauf verlassen können, dass nicht prüfungsrelevante Themengebiete auch wirklich nicht in der Prüfung abgefragt werden. Die Lehrkräfte sollen sich ihrerseits darauf verlassen können, dass genügend Zeit für eine angemessene Prüfungsvorbereitung bestehe und nicht jedes Detail im Lehrplan durchgepaukt werden müsse.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte am Mittwoch nach einer Sondersitzung des Kabinetts erklärt, die Schulen blieben bis mindestens 31. Januar für den Präsenzunterricht geschlossen, es werde nur Notbetreuung und Distanzunterricht geben. Nach der Rückkehr in den Präsenzunterricht gelte es, besonders auf die Schüler zu achten, die im Distanzunterricht nicht so gut zurechtgekommen sind. Die «Brückenangebote» aus dem ersten Halbjahr würden fortgesetzt.

Landeselternrat fordert Luftfilteranlagen für Klassenzimmer

Der Landeselternrat Niedersachsen hat seine Forderung nach Luftfilteranlagen und Trennwänden für Klassenzimmer erneuert. Die aktuell beschlossenen Maßnahmen in Schulen versprächen nur kurzfristigen Erfolg, beklagte das Gremium.

Das Alte Gymnasium in Oldenburg schaffte mobile Luftfilteranlagen bereits im Dezember an. Corona-Fälle habe es an der Schule keine gegeben, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. «Die Geräte haben ihren Dienst getan.»

Wie viele Schulen in Niedersachsen bisher mobile Luftfilteranlagen wie das Oldenburger Gymnasium haben, dazu konnte das Kultusministerium in Hannover bisher keine Auskunft geben. Mitte November hatte die Landesregierung angekündigt, 45 Millionen Euro für weitere Maßnahmen an den Schulen wie Hilfskräfte zur Entlastung, FFP2-Masken für Lehrer oder in begründeten Ausnahmen auch Luftfilteranlagen und Plexiglasschutzwände zur Verfügung zu stellen. Wie viele Schulen bisher Gelder aus dem neuen Programm beantragten, war bisher nicht aus dem Ministerium zu erfahren.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Göttingen hatte Ende 2020 ein Belüftungskonzept mit Filtersystem getestet. Ergebnis: Die Virenlast in Räumen verringerte sich. «Als Strömungsforscher bescheinigen wir dem Konzept ein großes Potenzial und halten es für besser als das Lüften per Fenster», sagte Testleiter Andreas Westhoff vom dortigen Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik. Das aus der Raumfahrt und Medizin entliehene Konzept lasse sich einfach in Räumen nachrüsten.

Beim sogenannten vertikalen Lüftungskonzept strömt Frischluft am Boden aus, wird an der Decke abgesaugt und nach dem Filtern wieder am Boden ausgepustet. So könnten sich die in der Atemluft enthaltenen virenbelasteten Aerosole nicht unkontrolliert im Raum ausbreiten.

Grüne halten schrittweise Schulöffnung für richtig 

Die Berliner Grünen haben die Pläne für eine schrittweise Wiedereröffnung der Schulen trotz anhaltenden Corona-Lockdowns verteidigt. «Jeder Tag Schulschließung ist ein Tag mehr, an dem wir riskieren, dass Kinder und Jugendliche zurückbleiben», sagte Fraktionschefin Silke Gebel am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. «Jeder Tag Lockdown bedeutet ein weiterer Tag, an dem die Schere zwischen denen, die lernen können, und denen, die nicht lernen können, größer wird.» Und weiter: «Aber auch in der Pandemie dürfen wir den Anspruch nicht aufgeben, dass jedes Kind zum Bildungserfolg kommt.»

Geschlossene Schulen seien nicht gut für diejenigen Kinder, die schon im Normalzustand nur mit Ach und Krach einen Abschluss schafften. «Deshalb ist in der Abwägung zwischen Infektionsschutz und Recht auf Bildung der langsam beginnende Wechselunterricht an Grundschulen ab dem 18. Januar unter strengen Hygieneregeln richtig.» Begleitet werden müsse dies durch kostenlose Schnelltests für Lehrer sowie kostenlose FFP2-Masken und Luftfilteranlagen in allen Bildungseinrichtungen, sagte Gebel.

Der rot-rot-grüne Senat hatte am Mittwoch beschlossen, ab 11. Januar schrittweise zumindest wieder Wechselunterricht anzubieten, also eine Kombination aus Lernen zu Hause und in der Schulen in kleinen Gruppen. Den Anfang sollen die abschlussrelevanten Jahrgänge machen, eine Woche später sollen Grundschüler der Klassen 1 bis 3 folgen.

Linke-Fraktionschef Carsten Schatz nannte die Kombination aus Schulöffnung und Verschärfung der Kontaktbeschränkungen für private Treffen widersprüchlich. Es sei «wenig überzeugend», bis 31. Januar faktisch zu untersagen, dass sich Kinder treffen dürfen, aber gleichzeitig wieder den Präsenzunterricht zu starten. Denn da kämen «sicherlich» mehr Kinder als nur aus zwei Haushalten zusammen.

Auch Gebel nannte die ab Sonntag geltende Regel für private Treffen - eigener Hausstand plus maximal eine Person - falsch. Konkret wünscht sie sich, dass Kinder dabei wie bisher generell nicht mitgezählt werden, also noch dazukommen dürfen. Hier müsse nachgesteuert werden. Im Senat hatten Linke und Grüne den Beschluss mitgetragen.

Abiturprüfungen unter Coronabedingungen gestartet

Für rund 12 000 Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz haben am Donnerstag die Abiturprüfungen begonnen. «Wir drücken die Daumen und wünschen Ihnen viel Glück und Erfolg», schrieb Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den jungen Menschen auf Twitter.

An der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim nahmen am Morgen 47 Abiturientinnen und Abiturienten aus drei Deutsch-Leistungskursen ihre Prüfungsaufgaben auf. Schulleiter Roland Wollowski begrüßte sie und gab ihnen letzte Informationen zu den besonderen Rahmenbedingungen in der Corona-Situation. «Wir schreiben das Abitur an Orten, die wir vorher nie dafür genutzt haben», erklärte der Schulleiter. Um den vom Bildungsministerium für die Abiturprüfungen im Land empfohlenen Zwei-Meter-Abstand zu ermöglichen, wurden die Prüfungen im Foyer und in der Bibliothek der Schule organisiert. Im Sinne eines möglichst angenehmen Prüfungsumfelds entschied sich die Schule gegen Prüfungen in der Turnhalle.

«Die Rahmenbedingungen sind gut», sagte Wollowski. Angesichts der Prüfungsdauer von fünf Stunden werde regelmäßig gelüftet. Es gebe keine Pflicht, die Prüfung mit Mund-Nasen-Schutz zu absolvieren. «Aber wir empfehlen, die Maske zu tragen und nur zum Durchschnaufen abzunehmen. Da fühlen wir uns alle wohler dabei.»

Die schriftlichen Arbeiten in den verschiedenen Fächern erstrecken sich bis zum 27. Januar. Zwischen den einzelnen Prüfungen gibt es an der IGS Mainz-Bretzenheim einen Abstand von zwei bis drei Tagen.

In Rheinland-Pfalz absolvieren mehr als 9000 junge Menschen der Jahrgangsstufe 13 von G9-Gymnasien die Abiturprüfungen, ebenso wie 3000 an Integrierten Gesamtschulen. Die Prüfungen für rund 1200 Schülerinnen und Schüler an G8-Gymnasien mit einer Gymnasialzeit von acht Jahren beginnen am 30. April, ebenso wie für die etwa 2500 Absolventen der Beruflichen Gymnasien.

Im Unterschied zu anderen Bundesländern wie dem Saarland wurden die Abiturprüfungen trotz der Einschränkungen der Corona-Situation nicht verschoben. «Wir wollen, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihre Abschlüsse erreichen, und dass sie dann Abschlüsse haben, auf die sie stolz sein können», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).

CDU-Fraktionschef Dregger wirft Senat Fehler bei der Schulöffnung vor

Die Berliner CDU-Fraktion hat dem Senat erhebliche Versäumnisse in der Schulpolitik während der Corona-Krise vorgeworfen. «Die Bildungssenatorin hatte versprochen, unsere Schulen seien gut vorbereitet. Nun wurde sie leider erneut von der Wirklichkeit eingeholt», sagte Fraktionschef Burkard Dregger am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Homeschooling und Distanzunterricht seien zur neuen Normalität geworden, in den meisten Bundesländern habe das mehr oder weniger gut geklappt. «Berlin nimmt hier eine unrühmliche Rolle ein», kritisierte Dregger.

Gleich am ersten Schultag im neuen Jahr sei die zentrale Lernplattform zusammengebrochen. «Und was sind jetzt die Schlussfolgerungen des Senates aus diesem Versagen? Er vertraut seiner Schulplattform selbst nicht mehr und öffnet die Schulen, unabhängig von der Inzidenz, im Unwissen über die Virusmutationen und in Unkenntnis des Infektionsgeschehens während der Feiertage.» Der Senat hatte am Mittwoch beschlossen, in den kommenden Wochen schrittweise immer mehr Jahrgängen in verkleinerten Gruppen den Unterricht in der Schule wieder zu ermöglichen.

Dregger warf dem Senat vor, mit seiner Politik verzweifelte Kinder und Jugendliche, Eltern und Lehrerinnen und Lehrer zurück zu lassen und forderte, die Schulen müssten pandemiesicher werden. «Sie gefährden die Zukunft unseres Landes, das keine wichtigere Ressource kennt als die Bildung unserer Kinder.»

GEW verlangt: Kein Unterricht in den Schulen bis Ende des Lockdowns

Aus Sicht der Bildungsgewerkschaft GEW ist die Entscheidung des Senats falsch, schon bald wieder Unterricht in Berlins Schulen zu ermöglichen. Während die Bevölkerung angehalten sei, die Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, sei geplant, die Abschlussjahrgänge und bald danach auch die Grundschüler in die Schulen zurückzuholen. «Das passt alles nicht zusammen», sagte der Berliner GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Ab der nächsten Woche sind die halben Oberstufen wieder in der Stadt unterwegs», kritisierte Erdmann. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Infektionszahlen dann wieder so gut sind, dass man sich das leisten kann.»

Es habe schon eine Vielzahl von kritischen Rückmeldungen gegeben. «Viele Kollegen, die mir geschrieben haben, unterstellen der Bildungssenatorin, dass sie billigend in Kauf nimmt, dass es zu Infektionen unter Lehrkräften kommt.» Die GEW fordere, bis zum Ende des Lockdowns, dessen Verlängerung bis zum 31. Januar der Senat am Dienstag beschlossen hat, keinen Unterricht in den Schulen anzubieten.

Auch die Ankündigung des Senats, ab Mitte Februar zum Präsenzunterricht wie vor dem Beginn des Lockdowns im Dezember zurückzukehren, hält die GEW für einen Fehler. «Das ist in sechs Wochen. Zurückblickend vor sechs Wochen hat sich keiner vorstellen können, dass wir in einer Situation wie jetzt sind», warnte Erdmann.

Nach Angaben der Bildungsverwaltung vom Dienstag ist zunächst ab dem 11. Januar für die abschlussrelevanten Jahrgänge Wechselunterricht geplant, also die Kombination aus Unterricht in der Schule und zu Hause. Dabei sollen die Lerngruppen maximal halb so groß sein wie üblich.

Ab dem 18. Januar soll es dann auch in den Klassen 1 bis 3 mindestens drei Stunden täglich Unterricht in der Schule geben, ebenfalls in Gruppen, die höchstens halb so groß wie üblich sein dürfen. Ab dem 25. Januar soll das auf die Klassen 4 bis 6 ausgeweitet und ab dem 8. Februar auf alle Schularten und Jahrgänge.

Mehr als 8 Millionen Kinder müssen zu Hause betreut werden

Der verlängerte Corona-Lockdown mit weiter geschlossenen Schulen und Kitas stellt vor allem berufstätige Eltern mit jungen Kindern vor zusätzliche Betreuungsprobleme. Das Statistische Bundesamt nannte am Donnerstag für das Jahr 2019 die Zahl von rund fünf Millionen Paarfamilien mit Kindern unter elf Jahren und mindestens einem Erwerbstätigen. Dazu kommen noch 581 000 berufstätige Alleinerziehende mit jüngeren Kindern.

Bei zwei von drei der genannten Paare arbeiteten beide Elternteile. Von den Alleinerziehenden waren 90 Prozent Frauen und 41 Prozent arbeiteten Vollzeit. Nach weiteren Zahlen gingen im vergangenen Schuljahr in Deutschland rund 4,5 Millionen Kinder in die Klassen 1 bis 6 und weitere 3,7 Millionen wurden in Kindertagesstätten betreut.

Schüler von deutschem Privatginternat Schloss Torgelow in England in Selbstquarantäne

Eine Schülergruppe des Privatinternats Schloss Torgelow bei Waren an der Müritz befindet sich derzeit in Großbritannien in Quarantäne. Dabei handelt es sich um elf Mädchen und Jungen einer neunten Klasse und zwei Betreuer, wie Schülträger Mario Lehmann am Donnerstag sagte. Die Klasse sei am Montag von Berlin aus mit allen nötigen Genehmigungen zu einem regulären Schüleraustausch in die Nähe von Oxford geflogen, dort dann aber von den plötzlich verhängten Corona-Schutzmaßnahmen in England überrascht worden. Die Schüler kommen aus acht Bundesländern, darunter Berlin, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Zuvor hatte der Neubrandenburger «Nordkurier» über den Fall berichtet. An der Internatsschule Torgelow lernen 250 Schüler aus Deutschland und dem Ausland.

Die betroffenen Neuntklässler waren die zweite neunte Klasse, die in diesem Schuljahr - ungeachtet der Corona-Einschränkungen in Deutschland - aus Torgelow die den dreimonatigen Schüleraustausch mit der Internatsschule "Kingham Hill" nahe Oxford praktizieren sollte. Sie waren mit negativem Tests aus den Weihnachtsferien nach Berlin gekommen und von dort geflogen. «Wenn die zehn Tage Quarantäne in England um sind, können sie an die englische Schule, aber dort lernen wegen des Lockdowns derzeit nur internationale Schüler», sagte Lehmann. Die englischen Schüler dürften derzeit dort nicht zur Schule. Insofern müsse entschieden werden, ob der Austausch Sinn mache oder die Gruppe lieber wieder zurückgeholt werde.

Das Internatsgymnasium habe für den Internatsbetrieb in Torgelow eine Ausnahmegenehmigung des Kreises. Bevor der Schulbetrieb nach dem Jahreswechsel startete, seien alle Schüler und Mitarbeiter getestet worden. Dabei habe es einen positiven Fall bei einem Betreuer gegeben, der aber nach den Ferien keinen Kontakt zu anderen hatte. Heimreisen am Wochenende sind den Schülern aus Sicherheitsgründen aktuell nicht erlaubt. 

Schule beginnt nach den Ferien mit Distanzlern-Übungstagen

Nach dem Ende der Weihnachtsferien beginnt am Donnerstag in Schleswig-Holstein wieder die Schule - aber ohne regulären Unterricht. Zwei Tage sind als so genannte Distanzlern-Übungstage angesetzt. Auch danach bleiben die meisten Schüler zuhause.

Nach den Weihnachtsferien startet die Schule am Donnerstag offiziell wieder in Schleswig-Holstein - aber die Schüler müssen wegen der Corona-Pandemie noch einige Zeit zu Hause bleiben. Für Donnerstag und Freitag hat das Bildungsministerium zwei sogenannte Distanzlern-Übungstage angeordnet. Diese Maßnahme hatte es bereits im November verfügt, um mit dem Wochenende vier kontaktarme Tage mehr zu gewinnen im Kampf gegen das Coronavirus.

Von Montag an werden die meisten Schüler in Schleswig-Holstein bis Ende Januar wieder unterrichtet - aber nicht in den Schulen. Stattdessen ist Lernen auf Distanz verfügt, kündigte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch an. Die Schüler sollen Unterricht per Videochats oder Lernmanagementsystem erhalten. Der Präsenzunterricht in den Schulen ist ausgesetzt. Das gilt auch für die Berufsschulen.

Eine Ausnahme sind die Abschlussjahrgänge. Wie schon im Frühjahr werde es auch eine Notbetreuung für Schüler der Jahrgangsstufen eins bis sechs geben, hieß es. Die Schüler sollen dann in festen Gruppen in ihrer Schule betreut werden.

Gelingt es, die Zahl der Corona-Neuinfektionen deutlich zu senken, soll voraussichtlich im Februar schrittweise wieder Präsenzunterricht in den Schulen eingefürht werden.

Brandenburg legt Corona-Regeln für Schulunterricht fest

Die Brandenburger Landesregierung will am Donnerstag die Regelungen für den weiteren Schulunterricht unter den Bedingungen der Corona-Pandemie festlegen. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wann die Schulen wieder für den Präsenzunterricht geöffnet werden sollen. Abgesehen von den Abschlussklassen und den Förderschulen müssen seit dem 4. Januar alle Kinder und Jugendlichen zuhause lernen. Diese Regelung solle vorerst auch bestehen bleiben, hatte Regierungssprecher Florian Engels angekündigt. Die Kitas bleiben geöffnet. Allerdings sind die Eltern gebeten, ihre Kinder möglichst zuhause zu betreuen.

Die Kultusministerkonferenz der Länder hatte am Montag einen Stufenplan vorgelegt, demzufolge der Präsenzunterricht bei sinkenden Infektionszahlen in den Grundschulen wieder beginnen könnte. Danach sollen die älteren Schüler im Wechselunterricht folgen. Einen Zeitplan dafür gab es allerdings noch nicht.

Über die weitere Verlängerung und Verschärfung von Corona-Beschränkungen für die Bürger will das Kabinett erst am Freitag entscheiden. Zuvor sind noch Abstimmungen mit den Landkreisen und kreisfreien Städten notwendig. Dabei geht es insbesondere um die Vereinbarung der Regierungschefs von Bund und Ländern, in Corona-Hotspots den Bewegungsradius der Menschen auf 15 Kilometer um den Wohnort zu beschränken.

Piazolo informiert über Schulstart nach den Weihnachtsferien

Nach der Sondersitzung des bayerischen Kabinetts informiert Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag (13 Uhr) über die Regelungen zum Schulstart. Trotz des Endes der Weihnachtsferien am kommenden Montag sollen Schulen und Kindergärten vorerst geschlossen bleiben. In allen Jahrgangsstufen soll es stattdessen Angebote für Distanzunterricht geben.

Piazolo muss sich seit einigen Wochen mit Rücktrittsforderungen und auch Kritik aus der Regierung auseinandersetzen. Grund ist die instabile Online-Lernplattform Mebis, die vor den Weihnachtsferien wie schon im Frühjahr dem Ansturm von Schülern im Distanzunterricht nicht gewachsen war. Söder hatte ihm im Dezember indirekt eine Frist gesetzt, dass das System nach den Weihnachtsferien einwandfrei laufen müsse.

Kultusminister: Präsenzpflicht an Hessens Schulen wird ausgesetzt

Schüler der Klassen 1 bis 6 in Hessen müssen bis Ende Januar nicht für den Unterricht an die Schulen kommen. Die Präsenzpflicht werde für sie ausgesetzt, für Schüler ab Klasse 7 werde mit Ausnahme von Abschlussklassen grundsätzlich Distanzunterricht angeboten, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden. In dieser Woche sind noch Weihnachtsferien in Hessen.

Damit ist für jüngere Schüler ab Montag (11.1.) noch Präsenzunterricht in den Schulen möglich, wenn Eltern arbeiten gehen müssen und sich nicht zu Hause um sie kümmern können. Sie würden dann in der Schule in festen Lerngruppen unterrichtet, sagte Lorz. «Ich appelliere aber an alle Eltern, ihre Kinder - wann immer möglich - im Sinne der Kontaktreduzierung zu Hause zu behalten.» Schüler in Abschlussklassen sollten unter Einhaltung des Mindestabstands weiter unterrichtet werden, sagte Lorz.

Damit setzt Hessen für die Schulen den Weg fort, den das Land Mitte Dezember eingeschlagen hatte. Auch damals war die Präsenzpflicht für die jüngeren Schüler bis zum Beginn der Weihnachtsferien ausgesetzt worden.

Außerdem führt Hessen verschärfte Corona-Regeln ein, die ab dem kommenden Montag (11.1.) zunächst bis zum Ende des Monats gelten. Das hat das Corona-Kabinett der hessischen Landesregierung am Mittwoch in Wiesbaden beschlossen. Danach dürfen sich künftig nur noch Angehörige eines Haushalts mit maximal einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person im öffentlichen Raum treffen. Der Lockdown mit der Schließung zahlreicher Geschäfte war zunächst bis zum 10. Januar befristet gewesen.

Landeselternrat fordert Corona-Schutzkonzept für Schulen

Der Landeselternrat Niedersachsen hat erneut einen umfassenden Gesundheits- und Infektionsschutz an den Schulen gefordert. «Die aktuell beschlossenen Maßnahmen, um die Inzidenzzahlen weiter zu senken, werden nur einen kurzfristigen
Effekt bringen», beklagte das Gremium am Mittwoch. Das Kultusministerium habe es versäumt, schon im Frühjahr Vorkehrungen für die vorausgesagte zweite Welle zu treffen. Die Vorsitzende des Landeselternrats, Cindy-Patricia Heine, plädierte für das Schutzkonzept des Münchner Strömungsforschers Christian Kähler. Der Wissenschaftler spricht sich in der Corona-Pandemie für seitliche Trennwände zwischen den Schülern sowie Raumluftreiniger in den Klassenräumen aus.

Die meisten niedersächsischen Schülerinnen und Schüler werden in den nächsten drei Wochen wegen der anhaltend hohen Infektionszahlen zu Hause unterrichtet. Ausnahmen gibt es für Grundschüler und Abschlussklassen. An Präsenzunterricht mit ganzen Klassen sei derzeit nicht zu denken, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

Der Verband der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens begrüßte die Sonderregelungen für Abschlussklassen und den Abiturjahrgang. Der 13. Jahrgang sollte bei ausreichender räumlicher Kapazität in kompletten Kursen in der Schule unterrichtet werden, erklärte der Verband. Zudem sollte die Zeit des verlängerten Lockdowns genutzt werden, um eine möglichst schnelle Rückkehr zum Präsenzunterricht für alle ab Februar zu ermöglichen. Notwendig seien eine Verbesserung der Hygienevorkehrungen, Schnelltests sowie bei Verfügbarkeit Impfungen für Lehrkräfte und Schüler.

MV:
Präsenzunterricht für Abschlussklassen von kommender Woche an möglich

Zumindest ein Teil der Schüler in Mecklenburg-Vorpommern kann in der kommenden Woche wieder zur Schule gehen. Die Corona-Infektionszahlen stiegen im Bundesland indes weiter deutlich an.

Zehntausende Schüler der Abschlussklassen Mecklenburg-Vorpommerns können von kommender Woche an wieder in die Schule kommen. Dann sei Präsenzunterricht möglich, sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Mittwoch in Schwerin. Zuvor hatte dies bereits Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) angekündigt. Das Ministerium veröffentlichte nun Details zum weiteren Vorgehen im verlängerten Corona-Lockdown, der bis Ende Januar gelten soll.

«Wir müssen die Jugendlichen auch unter Pandemiebedingungen gut auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten. Mecklenburg-Vorpommern ist das erste Land, in dem schon im April die Abiturklausuren und die Prüfungen für die Mittlere Reife geschrieben werden», sagte Martin.

Demnach können etwa die Jahrgänge 10 und 12 von kommender Woche an in die Schule gehen; Abschlussklassen an Berufsschulen zählen ebenfalls dazu. Schülerinnen und Schüler müssen dann eine Bestätigung vorlegen, dass sie keine Symptome haben, die auf eine Corona-Infektion schließen lassen. Zudem ist eine Erklärung erforderlich, dass sie sich in den vergangenen zehn Tagen nicht in einem Corona-Risikogebiet außerhalb des Bundeslandes aufgehalten haben. Das entsprechende Formular werde über die Schulen zur Verfügung gestellt, hieß es.

Ein Ministeriumssprecher sagte, dass die Präsenzpflicht landesweit weiterhin für alle Jahrgangsstufen aufgehoben sei. Wenn Schüler aus Abschlussklassen also lieber zu Hause lernen möchten, sei dies nach wie vor möglich. In der Schule selbst sei eine Fokussierung auf Präsenzunterricht in den Kern- und Prüfungsfächern möglich. An den Schulferien im Februar solle ebenfalls festgehalten werden.

Für die anderen Jahrgangsstufen ändert sich zunächst nichts. Kinder der Jahrgangsstufen 1 bis 6 können weiterhin in die Schule kommen, sofern die Eltern sie nicht zu Hause betreuen können. Sie sollen dort dann von Lehrern bei den Aufgaben betreut werden. Für diese Inanspruchnahme muss laut Ministerium von den Eltern eine Erklärung abgegeben werden. Dieses Formular könnten Eltern über die Schulen oder die Internetseite des Bildungsministeriums erhalten. Auch hier müsse eine Bestätigung vorgelegt werden, dass die Kinder keine Symptome haben und nicht in einem Corona-Risikogebiet außerhalb des Bundeslandes waren in den vergangenen zehn Tagen.

Wenn die Corona-Neuinfektionen in Landkreisen und den beiden kreisfreien Städten pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche bei verlässlich unter 50 liegen, soll vom 18. Januar an geprüft werden, ob Präsenzunterricht für Grundschüler möglich ist. Wie viele Tage dieser Wert genau unterschritten sein muss, war zunächst weiterhin unklar. Am Mittwoch lag nur die Stadt Rostock mit 44,9 unter dieser Marke.

«Dass das Land ab 18. Januar zumindest bei niedrigen Inzidenzen die Rückkehr in die Präsenzpflicht für die Grundschulen prüfen will, begrüßen wir», sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maik Walm. Eine Rückkehr der Abschlussklassen in die Schulen sei ebenfalls richtig. Er plädierte jedoch für geteilte Klassengrößen, die im Wechselunterricht zur Schule kommen sollen. Für den genauen Ablauf der Abschlussprüfungen brauche es schnellstmögliche Regeln vom Land. Für Schüler ab Klasse 7 gilt laut Ministerium weiterhin Fernunterricht, es werden also Aufgaben zu Hause erledigt. Die besagten Abschlussklassen sind hiervon ausgenommen.

Das Ministerium verwies darauf, dass für Lehrer und weiteres pädagogisches Personal an den Schulen im Dezember insgesamt 100 000 Mund-Nase-Bedeckungen zur Verfügung gestellt worden seien. Diese würden Selbst- und Fremdschutz vor einer Corona-Infektion bieten. Den Angaben zufolge gilt für Lehrer eine Maskenpflicht im Unterricht.

Zudem könnten sich alle Lehrkräfte landesweit weiterhin auf das Coronavirus testen lassen. Gleiches gilt laut Sozialministerium ebenfalls für Erzieherinnen und Erzieher.

Schulpraktika in Unternehmen sind laut Bildungsministerium weiterhin nicht möglich, wie auch Klassenfahrten. Zudem gebe es keinen Sportunterricht, Schwimmen zähle ebenfalls dazu.

Für den weiteren Januar ändert sich in Kitas laut Sozialministerium grundsätzlich nichts. Wer seine Kinder nicht zu Hause betreuen kann, kann diese weiterhin zur Kita bringen. «Wir bitten aber alle Eltern, dieses Angebot nur in Anspruch zu nehmen, wenn es beruflich gar nicht anders geht und keine Möglichkeit besteht, ihre Kinder zu Hause zu betreuen», erklärte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD).

Eltern müssen ihre Kinder für eine Betreuung in Kitas vor dem Hintergrund des verlängerten Lockdowns von kommender Woche an jedoch vorher anmelden. Diese Regelung gilt den Angaben zufolge bis zum 31. Januar. Das Formular können Eltern über die Homepage des Sozialministeriums oder der Kita erhalten. Nach Angaben eines Sprechers muss es keinen Nachweis geben, dass Eltern sogenannten systemrelevanten Berufen, wie etwa in Krankenhäusern, nachgehen.

Die Ministerin betonte, dass es für die Betreuung der Kinder zu Hause weitere Unterstützung gibt. «Der Bund hat zugesagt, das Kinderkrankengeld im Jahr 2021 für zehn zusätzliche Tage pro Elternteil und 20 zusätzliche Tage für Alleinerziehende zu gewähren.»

Die unvermindert hohe Zahl an Corona-Neuinfektionen hat im Bundesland indes den Sieben-Tage-Inzidenzwert über 100 ansteigen lassen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock meldete am Mittwoch 481 neue Fälle. Das waren fast so viele wie am Vortag. 15 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Damit erhöhte die Zahl der Gestorbenen auf 215.

Kein Präsenzunterricht bis Ende Januar in Schleswig-Holstein

Der Lockdown in Schleswig-Holsteins Schulen geht weiter: Statt Präsenzunterricht ist bis Ende Januar «Lernen auf Distanz» angesagt - ausgenommen sind Abschlussjahrgänge. Und für die Jahrgangsstufen eins bis sechs wird eine Notbetreuung angeboten.

Wegen der Corona-Bekämpfung werden die meisten Schüler in Schleswig-Holstein nach den Weihnachferien bis Ende Januar nicht in den Schulen unterrichtet. «Die Lage ist ernst», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch in Kiel mit Blick auf die Pandemie-Lage. «Das Schiff "Schule" steckt in schwerer See.» Am Donnerstag und Freitag gibt es, wie bereits im November beschlossen, nach den Ferien zwei sogenannte Distanzlern-Übungstage. Von Montag (11.1.) an sollen die Schüler Unterricht per Videochats oder Lernmanagementsystem erhalten, der Präsenzunterricht in den Schulen ist ausgesetzt. Das gilt auch für die Berufsschulen.

Eine Ausnahme sind die Abschlussjahrgänge. Sie sollen ab Montag Lern- und Vorbereitungsangebote in den Schulen erhalten. «Die Angebote finden in Kleingruppen mit Abstand und Hygienekonzept statt und es gilt natürlich weiterhin die Maskenpflicht», betonte Prien. Wie schon im Frühjahr werde es auch eine Notbetreuung für Schüler der Jahrgangsstufen eins bis sechs geben. Die Schüler sollen dann in Kohorten in ihrer Schule betreut werden.

Die Ministerin betonte, es könnte schon vor Ende Januar schrittweise zur Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts kommen. Voraussetzung sei, dass in Schleswig-Holstein die Zahl der Neuinfektionen dauerhaft deutlich unter der Grenze von 50 pro 100 000 Einwohner pro Woche liegt. Was «dauerhaft» und «deutlich» konkret bedeute, darauf wollte Prien sich nicht festlegen. Mitte Januar werde die Lage mit Experten bewertet und dann entschieden. Es müsse auch einschätzbar sein, wie gefährlich die Coronavirus-Mutationen aus England für Deutschland sind.

Für die Zeit nach dem Lockdown habe das Bildungsministerium zudem den Corona-Reaktionsplan überarbeitet, sagte die Ministerin. «Zukünftig werden wir in Landkreisen, in denen die Inzidenz über 50 pro 100 000 Einwohner steigt, automatisch für die Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe sieben in den Wechselunterricht gehen, und selbstverständlich werden wir auch weiterhin eine inzidenzabhängige Maskenpflicht in unseren Schulen haben.»

Das Aussetzen des Präsenzunterrichtes hat laut Prien ein vorrangiges Ziel: «Möglichst schnell und dauerhaft unter eine landesweite Inzidenz von 50 zu kommen (...) Wir streben diese niedrige Inzidenz insbesondere an, damit die Schulen wieder im Präsenzunterricht öffnen können.» Ende Januar solle abhängig vom Infektionsgeschehen, den Inzidenzwerten und der Entwicklung der Mutationen des Virus sowie der Beschlusslage von Bund und Ländern gesehen werden, «ob und unter welchen Bedingungen wir die Schulen im Februar wieder schrittweise für den Präsenzunterricht öffnen können».

Prien warnte vor falschen Erwartungen an die Digitalisierung. Schule sei darauf ausgerichtet, dass Kinder und Jugendliche persönlich zusammenkommen. Die Vielzahl der eingeleiteten Maßnahmen solle vor allem den Auswirkungen der Pandemie entgegensteuern: «Seit März 2020 haben wir mit unzähligen Maßnahmen versucht, die Schäden in Grenzen zu halten, die die Pandemie unserem Bildungssystem zufügt.»

Der Unterricht im Klassenverband diene nicht nur dazu, Wissen zu vermitteln, betonte die CDU-Politikerin. «Er ist ein sozialer Raum, ein Lernraum und für manche Kinder und Jugendliche auch ein Schutzraum. Selbst das beste Lernmanagementsystem, selbst die perfekte Videokonferenz, können das Erlebnis gemeinsamen Lernens im Klassenraum nicht ersetzen».

Am Ende dieser Phase wolle man daher die Erfahrungen im Lernen auf Distanz auch wissenschaftlich auswerten. Laut Prien sind inzwischen 80 Prozent der Schulen in Schleswig-Holstein ans Glasfasernetz angeschlossen und haben schnelles Internet.

Die Ministerin geht davon aus, dass alle Abschlüsse gemacht werden können. In Schleswig-Holstein sei das Schuljahr früh gestartet und es habe insbesondere im Spätsommer bei sehr niedrigen Inzidenzen kaum Unterrichtsausfälle gegeben. «Insgesamt hatten wir bisher ein nahezu reguläres Schuljahr durchführen können, anders als im Süden der Republik», sagte Prien. Seit den Wochen vor Weihnachten habe sich die Lage aber zugespitzt.

Der Philologenverband kritisierte, dass nach dem 1. Februar bei Überschreiten des Corona-Inzidenzwertes von 50 wöchentlicher Wechselunterricht stattfinden soll. «Dies bedeutet für die Kolleginnen und Kollegen kompletter Präsenzunterricht bis in den frühen Nachmittag und danach noch einmal mehrere Stunden Distanzunterricht mit der zweiten Hälfte der Klasse inklusive individueller Lehrer-Schüler-Kommunikation über Digitalgeräte», sagte der Verbandsvorsitzende Jens Finger. Das sei in dieser Form nicht zumutbar. Finger verwies auf «die verhängnisvollen Auswirkungen längerer Schulschließungen insbesondere für Kinder aus bildungsfernen Schichten und für junge Menschen mit Migrationshintergrund».

Lockdown-Regeln: Opposition wirft Ramelow Zickzackkurs vor

Der Lockdown bis Ende Januar wird hart in Thüringen - auch wenn die umstrittene 15-Kilometer-Beschränkung zunächst nur eine Empfehlung ist. Die Opposition kritisiert Regierungschef Ramelow, die AfD will eine Sondersitzung des Parlaments.

Verlängerter Lockdown, strengere Kontaktbeschränkungen, vorgezogene Winterferien, aber keine 15-Kilometer-Beschränkung: Thüringens Landesregierung hat sich auf die neuen, teilweise verschärften Corona-Einschränkungen bis Ende Januar verständigt. «Die Minimierung von Kontakten hat jetzt höchste Priorität», sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke).

Die Entscheidungen der rot-rot-grünen Regierung, die nach mehrstündiger Beratung in der Nacht zu Mittwoch fielen, stießen auf Zustimmung und Kritik. Die Opposition warf vor allem Ramelow einen Zickzackkurs vor. Er habe zur Verwirrung der Bürger beigetragen, erklärte die CDU. Auch FDP und AfD äußerten Kritik. AfD-Fraktionschef Björn Höcke kündigte einen Antrag zu einer Landtagssondersitzung an. Das Parlament solle über die weitere Verschärfung der Corona-Regeln beraten, die die AfD für unverhältnismäßig halte, sagte Höcke.

Bei der Kritik von CDU und FDP ging es vor allem um Ramelows Vorschlag, den Bewegungsradius der Bürger nach dem Vorbild Sachsen auf 15 Kilometer um ihren Wohnort bei hohen Infektionszahlen zu beschränken. Damit konnte sich der Regierungschef trotz einer entsprechenden Empfehlung der Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Thüringer Kabinett letztlich nicht durchsetzen. Eine Vorschrift, die Mobilität einzuschränken, gibt es damit nicht.

«Eine Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer ist jetzt nur als Empfehlung formuliert - denn sie sollte angesichts der derzeitigen Inzidenzen in Thüringen nicht zu einer Ungleichbehandlung von Stadt und Land führen», erklärte Umweltministerin Anja Siegesmund. In Thüringen hatten am Mittwoch 14 von 17 Kreisen einen Sieben-Tage-Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern über 200 sowie zwei der sechs kreisfreien Städte. Ramelow sprach von alarmierenden Zahlen.

Siegesmund, aber auch SPD-Minister hatten seit Tagen Bedenken gegen Ramelows Vorschlag geäußert. Eine 15-Kilometer-Regelung sei kaum zu kontrollieren, meinte etwa Innenminister Georg Maier (SPD). Nun wird den Thüringern empfohlen, Einkäufe, Besorgungen, Sport und Freizeitaktivitäten wohnortnah zu erledigen - im Umkreis von 15 Kilometern. Wintersporte, denen ein Massenansturm droht, sollen künftig abgeriegelt werden - durch Zufahrtsbeschränkungen.

Er sei froh, dass Ramelows Vorschlag in Thüringen zunächst vom Tisch sei, sagte CDU-Generalsekretär Christian Herrgott am Mittwoch in Erfurt. «SPD und Grüne haben Ramelow zu Recht wieder an die Leine gelegt.» Die CDU halte die Verlängerung des Lockdowns für notwendig - «ebenso wie die Begrenzung von Menschenansammlungen, aber mit den richtigen und umsetzbaren Mitteln», so ihr Generalsekretär.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Robert-Martin Montag, erklärte, «mit seiner Kommunikation sorgt der Ministerpräsident seit Monaten für Chaos». Die Landesregierung habe auch zehn Monate nach dem ersten Lockdown noch keine langfristige Strategie entwickelt.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) appellierte an die Thüringer, durch ihr individuelles Verhalten alles dafür zu tun, dass der Lockdown erfolgreich ist. Der Lehrerverband bewertete Regelungen im Bildungsbereich als nicht ausgewogen. Der Wille, die Pandemie einzudämmen, sei erkennbar, gleichzeitig gebe es jedoch viel Aktionismus, sagte der Verbandsvorsitzende Rolf Busch.

Es gebe zwar die Entscheidung, die Winterferien auf Ende Januar vorzuverlegen, aber noch keine Festlegung zu den Halbjahreszeugnissen. Wahrscheinlich würden sie wie geplant am 5. Februar ausgegeben, sagte Busch. Für die Schulen bleibe wegen der Vorverlegung der Ferien damit eine Woche weniger Zeit für die Vorbereitung der Zeugnisse.

Bedenken meldete Busch auch gegen das Vorhaben an, die Schulpflicht für die zweite Februarwoche auszusetzen, um Eltern mögliche Urlaubspläne mit ihren Kindern in der ursprünglichen Ferienwoche nicht zu durchkreuzen. Das bedeute mehr Stress für die Schulen als es Nutzen bringe.

ARD und ZDF vergrößern Angebot an Lerninhalten wegen Schullockdown

ARD und ZDF erweitern nach eigenen Angaben ihr Bildungsangebot vor dem Hintergrund der aktuellen Schulschließungen. Der Bildungskanal ARD-alpha reagiere auf den Lockdown und die Schließungen und sende unter dem Titel «Schule daheim» ab dem kommenden Montag werktags zwischen 9 und 12 Uhr Lernformate für alle Schularten und Fächergruppen, teilte eine ARD-Sprecherin am Mittwoch mit. Zudem werde es ab Montag auf allen Plattformen des Kinderkanals von ARD und ZDF (KiKA) für insgesamt drei Wochen «Sonderprogrammierungen» geben.

Das ZDF hat nach Angaben einer Sprecherin bereits sein Angebot unter dem Titel «Terra X plus Schule» in der ZDF-Mediathek und auf dem entsprechenden Youtube-Kanal «beträchtlich verstärkt». Wie eine Sendersprecherin der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mitteilte, kommen jede Woche neue Erklärvideos aus den Fächern Erdkunde, Biologie, Chemie und Physik hinzu. Ergänzt werde das Angebot in der Mediathek durch je nach Schulfächern sortierte Dokumentationen, Videos und Beiträge zur rechtefreien Nutzung.

Bei Twitter hatten mehrere Nutzer auf ein Angebot der öffentlich-rechtlichen BBC in Großbritannien verwiesen. Diese hatte angekündigt, wegen des Lockdowns mehrere Stunden täglich im Fernsehen ein Schulprogramm zu zeigen. «Ein solches Schulfernsehen wäre auch bei uns eine sinnvolle Unterstützung für Rundfunkbeitragszahlende Eltern und Kinder beim Homeschooling», twitterte zum Beispiel Linksfraktionschef Dietmar Bartsch.

Schule in NRW vorerst auf Distanz - Kitas arbeiten eingeschränkt

Der Corona-Lockdown bis Ende Januar ist eine Herausforderung für die Familien: Schulen schließen ab Montag weitgehend, Kitas betreuen nur noch in eingeschränktem Umfang. Eltern steht ein Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling bevor.

Der verschärfte Corona-Lockdown trifft in Nordrhein-Westfalen Schüler und Eltern noch einmal härter. Die 2,5 Millionen Schüler sollen ab Montag komplett zu Hause unterrichtet werden. Zugleich bieten die mehr als 10 000 Kitas ab Montag nur noch eine eingeschränkte Betreuung mit weniger Stunden an - wenn möglich, sollen Eltern ihre Kinder ganz zu Hause lassen. Die Maßnahmen gelten zunächst bis Ende Januar, kündigten Familienminister Joachim Stamp und Schulministerin Yvonne Gebauer (beide FDP) am Mittwoch nach einer Sitzung des Landeskabinetts an.

Für die FDP in der schwarz-gelben Landesregierung bedeutet der Verzicht auf den Präsenzunterricht eine Kehrtwende ihrer bisherigen Strategie in der Pandemie. Stamp, der auch stellvertretender Ministerpräsident ist, hatte vor Weihnachten mehrfach garantiert, dass es mit ihm keine landesweiten Schul- und Kitaschließungen geben werde. Für den Bildungsteil müsse er diese Garantie «ein Stück weit» relativieren. Aber niemand habe sich in dieser Pandemie bisher nicht korrigieren müssen - ob Politik oder Wissenschaft.

Stamp verwies auf das in England aufgetauchte mutierte Virus, von dem auch die Wissenschaft noch nicht wisse, welch ein «Brandbeschleuniger» es sein könne. «Wir haben kein Drehbuch, was die Pandemie angeht. Es gibt immer wieder Einschläge, mit denen wir nicht gerechnet haben.»

Auch Gebauer relativierte ihr bisheriges Festhalten am Präsenzunterricht. «Dieser Kampf war richtig, ich führe ihn auch weiter», sagte sie. «Kinder und Jugendliche leiden am meisten unter dieser Pandemie.» Bei Lockerungen sei klar, dass die Schulen «von Anfang an dabei sind». Derzeit aber müssten auch die Schulen ihren Beitrag zu Kontaktreduzierungen leisten.

Die Maßnahmen in NRW im Einzelnen:

SCHULEN: Alle Schüler in NRW gehen nach den Weihnachtsferien ab kommenden Montag in den Distanzunterricht. Der Präsenzunterricht in den Klassenräumen wird bis zum 31. Januar ausgesetzt - auch für Abschlussklassen. Wenn eine Schule mehr Vorbereitungszeit braucht, kann das Homeschooling dort auch erst am 13. Januar beginnen. Alle Schulen bieten eine Betreuung für Schüler der Klassen 1 bis 6 an, wenn dies etwa aus Gründen der Kindeswohlgefährdung erforderlich ist. Es finde aber kein regulärer Unterricht statt, sagte Gebauer.

Mit dem kompletten Verzicht auf Präsenzunterricht verschärfte die Landesregierung ihre Maßnahmen von Dezember, als Eltern unterer Klassen noch die Wahl hatten, ob ihre Kinder in der Schule oder von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen sollten.

Die SPD-Opposition forderte den Verzicht auf Halbjahreszeugnisse für die Sekundarstufe 1 und auf Nicht-Versetzungen wie im vergangenen Halbjahr. Gebauer sagte zu, dass das Ministerium die Lage prüfe. Keinem Schüler solle durch die Pandemie ein Nachteil entstehen. Die Grünen forderten ein längerfristiges Konzept bis zum Schuljahresende. Lehrerverbände und die Gewerkschaft GEW unterstützten die Entscheidung für Unterricht auf Distanz.

PRÜFUNGEN: Bis Ende Januar, wenn auch das Halbjahr endet, sollen an den Schulen laut Gebauer grundsätzlich keine Klassenarbeiten geschrieben werden. Ausnahmen gebe es lediglich für Abschlussjahrgänge an Gymnasien und Berufskollegs. In Einzelfällen könnten auch noch für das Halbjahr zwingend notwendige Klassenarbeiten geschrieben werden. Die Abiturprüfungen und Abschlussprüfungen der Klasse 10 seien für 2021 bereits um neun Unterrichtstage nach hinten verschoben worden. Der Aufgabenpool werde erweitert.

FERIEN: Gebauer empfahl den Schulen, auf die Karnevalsferien zu verzichten. Viele Schulen nutzten die vier beweglichen Ferientage in der Regel dafür, den Kindern in den Tagen um Rosenmontag frei zu geben. Da Karneval wegen der Pandemie dieses Jahr ausfalle, könnten die Tage dafür genutzt werden, Unterrichtsinhalte nachzuarbeiten.

KITAS: In den Kindertagesstätten wird der maximale Betreuungsumfang für jedes Kind um 10 Stunden pro Woche reduziert. Gruppen sollen strikt voneinander getrennt werden. Zugleich appellierte Stamp, die Kinder möglichst zuhause zu betreuen. Mit den von Bund und Ländern vereinbarten zusätzlichen Kinderkrankentagen soll eine Betreuung laut Stamp bis Ende Januar ermöglicht werden, ohne dass die Eltern «parallel am Laptop mit dem Kind auf dem Schoß» arbeiten müssten.

TESTS: Lehrkräfte und Kita-Beschäftigte können sich weiter anlasslos und kostenfrei auf Corona testen lassen. Bis zu den Osterferien sei dies bis zu sechs Mal möglich, sagte Stamp.

GEBÜHREN: Stamp will sich für eine Aussetzung der Kita-Gebühren während des Lockdowns stark machen. Dazu würden Gespräche mit den kommunalen Spitzenverbänden und dem Finanzminister geführt. Die SPD forderte, die Gebühren für Kitas und den Offenen Ganztag (OGS) für Dezember und Januar auszusetzen.

HOTSPOTS: Bund und Länder hatten sich am Dienstag auf eine Einschränkung des Bewegungsradius in Corona-Hotspots geeinigt. In Kreisen mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen sollen die Länder «weitere lokale Maßnahmen» ergreifen - «insbesondere zur Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 km um den Wohnort, sofern kein triftiger Grund vorliegt». Stamp bezeichnete die neue Regelung lediglich als «Möglichkeit» für Hotspots in NRW. Das müsse jeweils mit dem NRW-Gesundheitsministerium besprochen werden. In NRW überschritt am Mittwoch kein Kreis und keine kreisfreie Stadt den Wert von 200.

VIRUS-MUTATION: Eine mögliche weitere Verbreitung der aus Großbritannien bekannten Coronavirus-Mutation in NRW kann laut Gesundheitsministerium mangels ausreichender Erkenntnisse noch nicht beurteilt werden. Es würden bundesweit weitere Untersuchungen durchgeführt. Nach dem ersten Nachweis der mutierten Variante bei einer Person im Kreis Viersen habe es in NRW bisher keine weiteren Nachweise gegeben.

UNTERNEHMEN: NRW-Unternehmerpräsident Arndt G. Kirchhoff erklärte zu den wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns: «Deutschland muss jetzt dringend aufpassen, dass es seine Wirtschaft in den kommenden Wochen nicht komplett abwürgt.» Die Lage werde für die besonders betroffenen Betriebe und Arbeitsplätze von Woche zu Woche immer existenzgefährdender. Die Politik müsse ab sofort einen Plan erarbeiten, der «deutliche Lockerungen» spätestens ab Ende Januar ermögliche.

Schul-Lockdown verlängert - aber Hoffnung für Grundschulen und Kitas

Der Lockdown für Schulen und Kitas soll bis Ende Januar verlängert werden. Das haben Bund und Länder wegen der Corona-Gefahr vereinbart. Doch Baden-Württemberg will vor allem für jüngere Kinder eine Ausnahme machen.

Wer sich nach den verlängerten Weihnachtsferien auf die Wiedereröffnung der Schulen und Kitas am kommenden Montag gefreut hat, der wird enttäuscht. In Südwesten wird der Lockdown wegen weiter zu hoher Corona-Infektionszahlen verlängert. Das bedeutet für die meisten Schülerinnen und Schüler, dass es im Januar statt Präsenz- nur Fernunterricht geben wird. Für Kita-Kinder, Grundschüler und Schüler der Abschlussklassen gibt es aber Hoffnung.

Die grün-schwarze Landesregierung will Grundschulen und Kitas am 18. Januar wieder öffnen - «wenn wir nächste Woche Klarheit über die Infektionszahlen haben und es vertretbar ist», sagte Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) nach den Bund-Länder-Beschlüssen zu den Corona-Maßnahmen. Baden-Württemberg geht mit der Lockerung bei den Schulen einen Sonderweg. Nur in Niedersachsen und in Berlin soll es nach jetzigem Stand eine teilweise Öffnung der Grundschulen ab dem 18. Januar geben.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte sich massiv für eine rasche Öffnung von Grundschulen und Kitas eingesetzt. Sie wollte diese eigentlich schon am kommenden Montag öffnen - «unabhängig von den Inzidenzzahlen». Am Mittwoch sagte sie: «Es ist unerlässlich, dass wir den Schulen und Kitas weitere Perspektiven für die kommende Zeit aufzeigen».

Geschlossene Kitas und Schulen über einen längeren Zeitraum hätten negative Folgen für den Lernerfolg und die soziale Teilhabe der Kinder und Jugendlichen. «Sie sind zudem eine enorme Belastung für die Familien in unserem Land.» Bei den Funke-Zeitungen zeigte sie Verständnis für den längeren Lockdown, sagte aber auch: «Allerdings hätte ich mir bei den so wichtigen und sensiblen Themen Bildung und Betreuung eine differenzierte Entscheidung schon ab kommenden Montag gewünscht.»

Kretschmanns Sprecher Rudi Hoogvliet machte die Öffnung von Grundschulen und Kitas aber davon abhängig, dass die Corona-Zahlen klar sinken. «Die Kurve muss deutlich nach unten zeigen. So ist es vom Ministerpräsidenten mit der Kultusministerin vereinbart worden», teilte der Regierungssprecher am Mittwoch mit. Im Südwesten enden am Sonntag die Weihnachtsferien für etwa 1,5 Millionen Schüler und rund 130 000 Lehrkräfte.

Die vom Kultusministerium vorgesehenen Regeln im Einzelnen:

GRUNDSCHULEN: Grundschüler sollen - zumindest in der ersten Schulwoche - wie im ersten Lockdown im Frühjahr mit Materialien zu Hause lernen - dies soll analog oder digital organisiert werden. Zudem soll es eine Notbetreuung geben. Vom 18. Januar an soll es - wenn möglich - wieder Präsenzunterricht geben.

WEITERFÜHRENDE SCHULEN: Für Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe 5 soll Fernunterricht angeboten werden. «Für den Fernunterricht gibt es seit Juli 2020 landesweit verbindliche Qualitätskriterien und Vorgaben», schreibt das Ministerium. Falls schriftliche Arbeiten für die Notenbildung zwingend erforderlich sind, sollen die Schüler dafür in die Schulen kommen können.

ABSCHLUSSKLASSEN: Um eine angemessene Vorbereitung für Abschlussprüfungen möglich zu machen, soll schon ab 11. Januar «ergänzend zum Fernunterricht auch Präsenzunterricht angeboten werden». Bedingung: Präsenz müsse «zwingend zur Prüfungsvorbereitung erforderlich» sein.

NOTBETREUUNG: Für Kinder in Kindertagesstätten und Kindertagespflege sowie für Schüler der Klassen 1 bis 7 werde wieder eine Notbetreuung eingerichtet - allerdings nur für Kinder, «deren Eltern zwingend auf eine Betreuung angewiesen sind». Eltern müssen nachweisen, «dass beide entweder in ihrer beruflichen Tätigkeit unabkömmlich sind oder ein Studium absolvieren oder eine Schule besuchen, sofern sie die Abschlussprüfung im Jahr 2021 anstreben».

Die Grünen-Fraktion mahnte, Eisenmann müsse nun konkrete Konzepte für Hybrid -, Wechsel- und Fernunterricht vorlegen, die über den Januar hinaus tragfähig seien. «Viele Schulen sind bereit, den Unterricht teilweise oder ganz digital umzusetzen. Wichtig ist, dass die Schulen für ihre individuellen Lösungen Rechtssicherheit und Unterstützung bekommen», sagte Sandra Boser. Zudem forderte die Bildungssprecherin, den Lehrkräften an den Grundschulen kostenlose FFP2-Masken nicht mehr zu verwehren.

Auch die Lehrergewerkschaft GEW drang darauf, es müsse mehr getan werden, um Kitas und Schulen zu schützen. Lehrkräfte und Erzieher müssten mit zertifizierten FFP2-Masken ausgestattet, Luftreinigungssysteme beschafft und eine Maskenpflicht für Erwachsene in Teilen der Kitas und Grundschulen ausgesprochen werden. Die GEW sprach sich zudem dafür aus, ab dem 18. Januar Wechselunterricht an allen Schularten anzubieten. Bei einem Wechselmodell kommt die eine Hälfte der Klasse in die Schule, während die andere Hälfte zu Hause lernen soll. Das Modell kann im tageweisen Wechsel ebenso umgesetzt werden wie im Wochenrhythmus.

Zunächst noch kein Regelunterricht an Berliner Schulen

Berlins Eltern müssen noch Geduld haben. Schulunterricht wie vor der Corona-Krise ist nicht in Sicht. Aber in den nächsten Wochen sollen schrittweise immer mehr Schüler zurück in die Klassenzimmer.

Angesichts der hohen Infektionszahlen bleiben die Berliner Schulen vorerst weitgehend geschlossen. Allerdings soll sich das schrittweise ändern. «Es ist so, dass ab dem 11. Januar weiterhin kein Regelunterricht an den Berliner Schulen stattfindet», sagte Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer (Linke) nach einer Sondersitzung des Senats am Mittwoch.

Nach Angaben der Bildungsverwaltung ist aber bereits ab dem 11. Januar für die abschlussrelevanten Jahrgänge Wechselunterricht geplant, also die Kombination aus Unterricht in der Schule und zu Hause. Dabei sollen die Lerngruppen maximal halb so groß sein wie üblich. Das gilt zum Beispiel für die Jahrgangsstufen 10, 11 und 12 an Gymnasien und 9, 10, 12, 13 an Integrierten Sekundarschulen.

Prüfungen sollen stattfinden können. Auch für Klassenarbeiten und Klausuren ist vorgesehen, dass die Schülerinnen und Schüler in allen Jahrgangsstufen in die Schule kommen. Dabei muss aber der Mindestabstand von 1,5 Metern dabei eingehalten werden.

Ab dem 18. Januar soll es dann auch in den Klassen 1 bis 3 mindestens drei Stunden täglich Unterricht in der Schule geben, ebenfalls in Gruppen, die höchstens halb so groß wie üblich sein dürfen. Im nächsten Schritt wird diese Regel nach den Planungen der Bildungsverwaltung ab dem 25. Januar auf die Klassen 4 bis 6 ausgeweitet und ab dem 8. Februar auf alle Schularten und Jahrgänge.

Ab dem 15. Februar ist den Angaben zufolge geplant, zum Präsenzunterricht wie vor dem Beginn des Lockdowns im Dezember zurückzukehren. Dann würde allerdings weiter der Berliner Stufenplan gelten, der für jede Schule je nach Infektionslage unter Umständen Einschränkungen vorschreibt.

Das Probejahr an Gymnasien gilt nach Angaben der Bildungsverwaltung im laufenden Schuljahr nicht. Alle Schüler an Gymnasien werden am Ende der Jahrgangsstufe 7 in die nächste Jahrgangsstufe versetzt.

Die Kitas in Berlin bieten weiter nur eine Notversorgung für Kinder an. Sie kann der Bildungsverwaltung zufolge in Anspruch genommen werden, wenn Eltern den Betreuungsbedarf als «außerordentlich und dringlich» einschätzen. Eltern seien allerdings aufgefordert, die Betreuung ihrer Kinder soweit wie möglich zu Hause beziehungsweise anderweitig zu organisieren.

Auch über die Frage, ob die Winterferien - geplant in der ersten Februarwoche - in diesem Jahr ausfallen sollten, sei diskutiert worden, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Der Senat habe entschieden, daran festzuhalten. Pop appellierte allerdings an die Berlinerinnen und Berliner, nicht in den Winterurlaub zu fahren.

Ob es in diesem Jahr besondere Regeln für Abitur und Mittleren Schulabschluss (MSA) gebe, sei noch offen. Damit müsse sich die Kultusministerkonferenz befassen, sagte Pop. «Die Frage, wage ich zu prognostizieren, wird aber aufkommen.»

Präsenzunterricht für Abschlussklassen bereits ab 18. Januar geplant

Zusätzlich zur Öffnung der Grundschulen und Kitas soll nach Angaben des Kultusministeriums vom 18. Januar an auch flächendeckend Präsenzunterricht für Abschlussklassen in Baden-Württemberg angeboten werden. «Dazu wird es kommende Woche auf der Basis dann vorliegender Daten erneut Gespräche geben», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Mittwoch in Stuttgart. Neben dem Fernunterricht sei Präsenzunterricht in Ausnahmefällen auch bereits vom kommenden Montag (11. Januar) an möglich sein. Dieser müsse dann aber «zwingend zur Prüfungsvorbereitung erforderlich» sein.

Ziel bleibe es zudem, Kindertageseinrichtungen, Einrichtungen der Kindertagespflege sowie Grundschulen und Schulkindergärten ab dem 18. Januar wieder flächendeckend zu öffnen. Das hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bereits am Dienstagabend nach den Beratungen von Bund und Ländern erklärt. Schülerinnen und Schüler in anderen Jahrgängen der weiterführenden Schulen sollen Fernunterricht erhalten.

«Es ist unerlässlich, dass wir den Schulen und Kitas weitere Perspektiven für die kommende Zeit aufzeigen», sagte Eisenmann. Geschlossene Kitas und Schulen über einen längeren Zeitraum hätten negative Folgen für den Lernerfolg und die soziale Teilhabe der Kinder und Jugendlichen. «Sie sind zudem eine enorme Belastung für die Familien in unserem Land.» Schulen und Kitas müssten die ersten Bereiche sein, in denen es Lockerungen gebe.

Im Südwesten enden am Sonntag die Weihnachtsferien für etwa 1,5 Millionen Schüler und rund 130 000 Lehrkräfte.

Schulen bleiben im Januar weitgehend im Fernunterricht

Nach den Bund-Länder-Beschlüssen stellt Bildungsministerin Hubig das weitere Vorgehen in Rheinland-Pfalz vor. Dazu gehört auch die weitere Betreuung für Kinder und Jugendliche, die auf Kitas und Schulen angewiesen sind.

Mehr als 407 000 Kinder und Jugendliche an den allgemeinbildenden Schulen in Rheinland-Pfalz müssen in der nächsten Zeit weiter auf das Lernen in der Klassengemeinschaft verzichten. Der bislang bis 15. Januar vorgesehene Fernunterricht wird bis zum 22. Januar verlängert, wie Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch mitteilte. Bei besonderem Betreuungsbedarf bleiben Kitas und Schulen weiter geöffnet.

Sobald die Infektionszahlen nach unten gehen und belastbarer sind als jetzt, sollen die Schulen in der letzten Januarwoche für die Klassenstufen 1 bis 6 in den Wechselunterricht übergehen. Die Lerninhalte werden dann abwechselnd daheim und in der Schule vermittelt. Die Präsenzpflicht für die Schülerinnen und Schüler soll weiter aufgehoben bleiben.

Für die Abschlussklassen gibt es ab 15. Januar eine Sonderregelung mit dem Ziel, sie in geteilten Gruppen mit Abstandsregeln in der Schule zu unterrichten. Auch Auszubildende sollen vor ihren Abschlussarbeiten häufiger in die Schule kommen können. Dabei solle der jeweiligen Schulgemeinschaft vor Ort auch eine gewisse Gestaltungsfreiheit gegeben werden, sagte Hubig.

Im Februar sei dann angestrebt, sich je nach Infektionsgeschehen nach dem Stufenplan der Kultusministerkonferenz (KMK) zu richten und für die ersten sechs Klassenstufen den Präsenzunterricht zu ermöglichen, sagte Hubig. Dies soll auch in den Abschlussklassen möglich sein, während alle anderen abwechselnd daheim und in der Schule unterrichtet werden. «Die nächste Stufe, die wir hoffentlich bald erreichen werden, ist der volle Präsenzunterricht.» Angesichts der ungewissen Entwicklung der Infektionslage sei es nicht anders möglich als «ein Stück weit auf Sicht zu fahren».

«Wir haben eine Situation, die uns allen enorm viel abverlangt», sagte die Ministerin. Die Kindertagesstätten bleiben weiterhin für die Jungen und Mädchen offen, deren Eltern keine Betreung sicherstellen können. Auch Kinder mit einem besonderen Unterstützungsbedarf sollen weiter in die Kita gehen können. Hubig appellierte an die Arbeitgeber, ihren Beschäftigten bei der häuslichen Betreuung von Kindern entgegenzukommen.

Auch die Schulen sollen für die Betreuung jener Schülerinnen und Schüler der ersten sieben Klassen geöffnet bleiben, die darauf angewiesen sind. Diese Möglichkeit stehe auch Schülerinnen und Schülern offen, für die es daheim etwa wegen beengter Wohnverhältnisse kein gutes Lernumfeld gebe, sagte Hubig.

Im Fernunterricht habe es trotz aller Vorbereitungen «etwas geruckelt», sagte Hubig mit Blick auf die Computerangriffe gegen die Lernplattform Moodle, zu denen das Landeskriminalamt Ermittlungen aufgenommen hat. Die Direktorin des Pädagogischen Landesinstituts, Birgit Pikowsky, sprach von zeitweise mehr als 10 000 Anfragen je Sekunde, die das Web-System lahmgelegt hätten. Es werde alles getan, um Moodle wieder zu stabilisieren. Gleichwohl sei «Fernunterricht mehr als eine Videokonferenz und mehr als eine Lernplattform», es gehe um die sinnvolle Verbindung aller verfügbaren Werkzeuge.

Die integrierte Lernplattform Schulcampus Rheinland-Pfalz solle so schnell wie möglich an allen Schulen eingerichtet werden, sagte Pikowsky. Einzelne Teile wie die digitale Lehrplan-Umgebung Curriculum stünden schon jetzt allen Schulen zur Verfügung.

Der Kinder- und Jugendmediziner Fred Zepp von der Universitätsmedizin Mainz bekräftigte am Mittwoch, «dass Kitas und Schulen ganz sicher nicht die Treiber der Pandemie sind». Kinder und Jugendliche seien zwar auch am Infektionsgeschehen beteiligt, erkrankten aber seltener und weniger schwer als Erwachsene. Der Mainzer Virologe Bodo Plachter sagte, mit der in Südengland verstärkt aufgetretenen Virus-Mutante gebe es ein neues Infektionsgeschehen, das besonders beachtet werden müsse. Diese Mutante habe den vorherigen Stamm zwar zumindest teilweise verdrängt. Es gebe aber keine Hinweise, dass damit eine verstärkte Krankheitslast verbunden sei.

Gebauer: Grundsätzlich keineKlassenarbeiten bis Ende Januar

An den nordrhein-westfälischen Schulen sollen während des verlängerten Lockdowns bis Ende Januar grundsätzlich keine Klassenarbeiten geschrieben werden. Ausnahmen gebe es lediglich für Abschlussjahrgänge, kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch in Düsseldorf an. In Einzelfällen könnten hier noch für das Halbjahr zwingend notwendige Klassenarbeiten geschrieben werden.

Die Landesregierung hatte zuvor beschlossen, dass alle Schüler in NRW nach den Weihnachtsferien ab kommendem Montag in den Distanzunterricht gehen. Der Präsenzunterricht in den Klassenräumen werde bis zum 31. Januar ausgesetzt - das gelte auch für Abschlussklassen.

Kultusminister: Distanzunterricht «keine Ferien»

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat betont, dass der Schulunterricht trotz der verschärften Corona-Regeln nach dem Ferienende am 11. Januar weitergeht. Zwar sollen viele Schüler zu Hause bleiben, um Ansteckungen zu verhindern. Der SPD-Politiker betonte am Mittwoch aber zum Distanzunterricht: «Das sind keine Ferien, das ist keine inhaltliche Schulschließung.» Für einen gelungenen Unterricht brauche es dabei «einen Mix an Maßnahmen», das Ziel seien weder mehrstündige Videokonferenzen noch die reine Abarbeitung ausgedruckter Arbeitsblätter.

Mit Blick auf die Abschlussklassen versicherte der Minister, dass sich niemand Sorgen um seinen Abschluss machen müsse. «Kein Prüfling wird wegen Corona den Abschluss nicht bekommen», sagte Tonne. Jeder Schüler solle eine faire Prüfung auf Basis des tatsächlich behandelten Unterrichtsmaterials bekommen.

Je nach Schulform und Jahrgang findet der Unterricht in Niedersachsen bis Ende des Schulhalbjahres drei Wochen lang entweder mit geteilten Klassen im Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht oder komplett zu Hause statt. An Präsenzunterricht mit ganzen Klassen sei derzeit nicht zu denken, sagte Tonne.

Philologenverband warnt vor Belastungen für Lehrer und Schüler

In der Debatte um verkürzte Winterferien und eine Rückkehr zum Präsenzunterricht hat Sachsens Philologenverband vor weiteren Belastungen für Schüler und Lehrer gewarnt. Lernen und Lehren von zu Hause und im Wechselmodell sei harte Arbeit, betonte Verbandschef Thomas Langer am Mittwoch in einer Mitteilung. «Dafür braucht es professionelle Bedingungen und Verschnaufpausen. Beides ist mit dem derzeitigen Stand bei Lernsax und der Kürzung der Winterferien nicht ausreichend gegeben.» Der Philologenverband ist ein Berufsverband von Gymnasiallehrern.

Wechselmodelle zwischen Unterricht in der Schule und zu Hause müssten praktikabel sein, die digitale Ausstattung und Belastbarkeit von Schülern berücksichtigen und dürften nicht zu Lasten der Gesundheit der Lehrer «durchgepeitscht» werden, mahnte Langer. «Ich erwarte, dass das Sächsische Kultusministerium Unterricht an den Schulen erst dann anordnet, wenn die Infektionszahlen in Sachsen dies auch zulassen.» Zudem forderte er klare Regelungen zu Lehrplaninhalten und der Durchführung der Abiturprüfungen. «Vollwertigkeit und bundesweite Vergleichbarkeit des Abiturs auf hohem Niveau müssen auch dieses Jahr gewährleistet werden.»

 

05.01.2021 20.15 Uhr

Nur Fernunterricht im Januar auch in Baden-Württemberg

In baden-württembergischen Schulen wird es nach Ende der Weihnachtsferien zunächst keinen Präsenzunterricht geben. Die Ministerpräsidenten der Länder einigten sich am Dienstag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf eine Verlängerung des Lockdowns an Schulen und Kitas. In Baden-Württemberg enden am Sonntag die Weihnachtsferien für etwa 1,5 Millionen Schüler und rund 130 000 Lehrkräfte.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte gefordert, dass Kitas und Grundschulen am 11. Januar in jedem Fall wieder in Präsenz öffnen sollten - «unabhängig von den Inzidenzzahlen». Dies wurde von den Ministerpräsidenten aber mit Blick auf die Corona-Zahlen abgelehnt.

Eisenmann hatte jüngst erklärt, sie sei gegen eine Verlängerung der Weihnachtsferien. Dem Vernehmen nach sollen Schülerinnen und Schüler in weiterführenden Schulen Fernunterricht erhalten. Grundschüler sollen wie im ersten Lockdown im Frühjahr mit Materialien zu Hause lernen. Zudem soll es eine Notbetreuung für kleinere Kinder geben.

Die grün-schwarze Landesregierung besprach am Dienstagabend die Beschlüsse von Bund und Ländern, die unter anderem weitere Kontaktbeschränkungen vorsehen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wollte gegen 20.00 Uhr über die Gespräche und Maßnahmen informieren.

Schulen und Kitas bleiben weitgehend zu - mehr Kinderkrankentage

Arbeitsaufgaben per E-Mail, Videounterricht übers Tablet und in der Kita nur Betreuung, wenn es nicht anders geht - die seit Mitte Dezember geltenden Lockdownmaßnahmen an Schulen und Kitas werden bis Ende Januar verlängert - Ausnahmen sind aber möglich.

Die meisten Schüler in Deutschland und auch viele Kita-Kinder werden wohl auch in den nächsten drei Wochen noch zu Hause bleiben müssen. Schulen und Kindertagesstätten sollen bis mindestens Ende Januar weitestgehend geschlossen bleiben oder nur eingeschränkten Betrieb anbieten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder verständigten sich am Dienstag bei ihrer Videoschalte darauf, die seit Mitte Dezember in den Bundesländern geltenden Lockdown-Regeln für die Einrichtungen bis Monatsende zu verlängern. Wie es im Februar weitergeht, darüber soll erneut am 25. Januar beraten werden.

Bund und Länder vereinbarten vor dem Hintergrund der Einschränkungen an Schulen und Kitas außerdem, in diesem Jahr die Zahl der Kinderkrankentage für Eltern zu verdoppeln.

«Der Betrieb von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen hat höchste Bedeutung für die Bildung der Kinder und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Eltern», heißt es im gemeinsamen Beschlusspapier. Darin wird auch auf negative Folgen von Schließungen für Bildungsbiografien und soziale Teilhabe von Kindern und Jugendlichen hingewiesen. Dennoch müssten die Maßnahmen entsprechend des letzten Beschlusses von Bund und Ländern vom 13. Dezember bis Ende Januar verlängert werden, heißt es weiter.

Damals hatten Merkel und die Länderchefs ausdrücklich eine Ausnahmeregelung für Abschlussklassen bei geschlossenen Schulen vereinbart. Theoretisch könnten somit Klassen, die vor Prüfungen stehen, weiterhin in die Schule gehen. Das konkrete Vorgehen an Schulen und Kitas regeln die Länder wie immer selbst, weil es in ihre eigene Zuständigkeit fällt. So wurden etwa auch Kitas im bisherigen Lockdown nicht überall geschlossen. Stattdessen wurden Eltern gebeten, ihre Kinder nicht zu bringen.

Die Kultusminister der Länder hatten bereits am Montag für die Schulen vereinbart, dass für den Fall einer Rückkehr zum Präsenzunterricht zuerst Grundschüler zum Zuge kommen und danach schrittweise die älteren Jahrgänge.

Weil viele Eltern nun wegen der Lockdown-Verlängerung nun gleich zum Jahresbeginn wieder ein Betreuungsproblem bekommen, haben sich Bund und Länder am Dienstag auch darauf verständigt, die Zahl der Kinderkrankentage in diesem Jahr zu verdoppeln. Demnach soll sich jedes Elternteil in diesem Jahr 20, statt 10 Tage für das Kind krankschreiben lassen dürfen. Alleinerziehende bekommen 40 statt der üblichen 20 Kinderkrankentage.

Die Regelung ist ausdrücklich nicht nur für den Fall einer Erkrankung der Kinder gedacht, sondern auch für den Fall, dass sie zu Hause betreut werden müssen, weil Schule oder Kita geschlossen oder nur eingeschränkt im Betrieb sind. Schon im vergangenen Jahr war die Zahl der Kinderkrankentage erhöht worden. Kinderkrankengeld zahlt die gesetzliche Krankenkasse, wenn Eltern wegen der Pflege eines kranken Kindes nicht arbeiten gehen können. Es beträgt 90 Prozent des Nettoverdienstes.

Bildungsministerin Hubig informiert über Kitas und Schulen

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) informiert an diesem Mittwoch (14.00 Uhr) über das weitere Vorgehen an Kindertagesstätten und Schulen. Besonders im Blick steht der Schutz von Kindern, Jugendlichen und pädagogischem Fachpersonal vor einer Corona-Infektion. An der virtuellen Pressekonferenz nehmen auch Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz teil - der Virologe Bodo Plachter, der Hygiene-Experte Wolfgang Kohnen und der Kinder- und Jugendmediziner Fred Zepp.

An den Kitas in Rheinland-Pfalz wird zurzeit weiter ein Regelbetrieb für dringenden Bedarf angeboten. Die Träger der Einrichtungen, der Landeselternausschuss und das Bildungsministerium haben die Familien aber dazu aufgerufen, Kinder nach Möglichkeit nicht mehr in die Kita zu schicken und selbst zu betreuen. An den Schulen ist zumindest für die ersten beiden Wochen des Jahres der Fernunterricht als Szenario 3 für die unterschiedlichen Entwicklungen in Zeiten der Corona-Pandemie vorgesehen.

Baustelle Lernraum - Berlins Schulen bekommen ein Alternativangebot

Der Lernraum ist die wichtigste Plattform für das digitale Lernen in Berlin. Aber es gab damit mehrfach Probleme. Nun bekommen die Schulen eine Alternative. Wie es langfristig weitergeht, bleibt abzuwarten.

Nach erheblichen Schwierigkeiten am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien hat es am Dienstag neue Probleme mit der Plattform Lernraum Berlin gegeben. Während Dutzende Eltern und Lehrkräfte am Montag unter anderem auf Twitter über lange Wartezeiten geklagt hatten oder sich gar nicht erst anmelden konnten, waren tags darauf zumindest viele Inhalte für den Online-Unterricht nicht gleich auf der Startseite auffindbar. Die Bildungsverwaltung ging am Dienstag aber davon aus, dass die Plattform wieder stabil funktioniert. Bereits vor Weihnachten hatte es Probleme gegeben.

Am Montag habe die hohe Zahl der Nutzer dazu geführt, dass der Lernraum kaum erreichbar gewesen sei, räumte der Sprecher der Bildungsverwaltung, Martin Klesmann, ein. Das Zuse-Institut Berlin, bei dem die Server für den Lernraum stehen, habe drei eigentlich für andere Zwecke vorgesehene Hochleistungsrechner zur Verfügung gestellt, so dass der Lernraum wieder stabil sei und von Schulen genutzt werden könne.

Bereits am Montag kündigte die Bildungsverwaltung an, dass die Berliner Schulen auch die Lernplattform itslearning in Kürze nutzen können. Klesmann betonte am Dienstag, sie solle den Lernraum grundsätzlich nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten mit dem Lernraum am Montag begrüßte das die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Regine Kittler. «Wir haben beim Lernraum Berlin 108 000 Accounts angelegt, was eine enorme Steigerung zum Frühjahr ist», sagte Kittler am Dienstag. «Aber ob da viel mehr möglich ist, kann man bezweifeln. Insofern ist es völlig richtig, noch auf ein anderes Lernmanagementsystem auszuweichen.»

Auch Stefanie Remlinger, in der Grünen-Fraktion Expertin für das Thema Digitalisierung der Schulen, hält es für vernünftig, itslearning dazuzunehmen. «Die Not ist groß», sagte Remlinger mit Blick auf den holprigen Lernraum-Start nach den Ferien. Es sei aber wichtig, den Lernraum Berlin nicht still und heimlich zu beerdigen, sondern weiter auszubauen.

«Ich kann mir vorstellen, dass wir perspektivisch verschiedene Angebote haben, aber wir sind noch nicht weit genug, die Entscheidung zu treffen, wir verzichten auf dieses oder jenes», sagte Remlinger. Sie sei dafür, den Lernraum weiterzuentwickeln. «Wenn er erfolgreich sein soll, muss er wachsen, auch qualitativ. Und dann müssen wir immer wieder gucken, ob er mithalten kann.»

Der Lernraum ist Klesmann zufolge in den Wochen nach dem ersten Lockdown im Frühjahr schnell ausgebaut worden. Bis Dezember sei die Zahl der Nutzer erheblich gestiegen. «Am ersten Tag des zweiten Lockdowns kurz vor Weihnachten zeigten sich aber dann die Wachstumsschmerzen überdeutlich: Der Lernraum war für einen Tag schwer erreichbar», sagte Klesmann.

Die hohe Zahl zusätzlicher Nutzer hätten eine sehr viel höhere Rechnerleistung notwendig gemacht. Außerdem sei die Software nicht frei von Fehlern gewesen. Seit Mitte Dezember arbeitet die Bildungsverwaltung mit zusätzlichen externen Dienstleistern zusammen, die schon über Weihnachten und Silvester versucht hätten, die Open-Source-Software zu verbessern. Weiterhin werde nun parallel zum Routinebetrieb an einer schlankeren Neustrukturierung des Lernraum-Programms gearbeitet.

Lehrerverband lehnt Pläne für Streichung der Winterferien ab

Der Sächsische Lehrerverband hat Pläne der Landesregierung für eine Streichung der Winterferien abgelehnt. «Schüler und Lehrkräfte brauchen eine Ruhephase vor dem Start ins zweite Schulhalbjahr», sagte der Verbandsvorsitzende Jens Weichelt am Dienstag. Die Erstellung und Betreuung der häuslichen Lernaufgaben bedeuteten einen enormen Zeitaufwand für die Lehrer. Auch die angedachte Verlängerung der Osterferien um vier Tage sei kein akzeptabler Ersatz, hieß es. Viele Eltern könnten zudem ihren geplanten Urlaub nicht einfach verschieben.

Sachsen denkt über eine Streichung der Winterferien im Februar und einen Ausgleich in den Osterferien nach. Darüber will das Kabinett diskutieren. Auch wie es mit den Schulen und Kitas weitergehen soll, steht auf der Agenda. Am Abend will sich dazu Kultusminister Christian Piwarz (CDU) äußern.

Das Infektionsgeschehen müsse wieder auf ein niedriges Niveau sinken, bevor die Schulen schrittweise geöffnet werden könnten, mahnte der Lehrerverband. Medienberichten zufolge sollen Kitas und Schulen in Sachsen bis Ende Januar geschlossen bleiben, lediglich Abschlussklassen früher starten. Ab Februar ist demnach unter anderem Unterricht im Wechselmodell geplant - die Schüler haben dann abwechselnd Unterricht in der Schule und zu Hause.

Der Landeselternrat bezweifelte unterdessen, dass sich durch eine Verschiebung der Winterferien versäumter Lernstoff nachholen lässt. Viele Schulen seien zudem personell und technisch nicht auf Wechselunterricht vorbereitet, hieß es. Das Gremium warf dem Kultusministerium Versäumnisse vor: Zehn Monate nach dem ersten Lockdown sei es nicht gelungen, die Schulen flächendeckend an hybride Unterrichtsformen heranzuführen, sagte ein Sprecher.

Dafür wäre neben einer technischen Ausstattung der Klassenräume mit Kamerasystemen vor allem eine schnelle Internetverbindung notwendig. Zudem müssten die Lerninhalte inhaltlich wie auch didaktisch an die neue Lernform angepasst werden.

04.01.20201 22.30 Uhr

Schulen sollen in Stufen wieder öffnen

Bei der Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach dem Lockdown soll das Motto gelten: die Jüngeren zuerst. Doch den genauen Zeitplan lässt ein Beschluss der Kultusminister vorerst offen.

Viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland müssen sich zur Eindämmung der Corona-Pandemie voraussichtlich länger als bisher geplant auf Fernunterricht einstellen. Allerdings soll es stufenweise Öffnungen für untere Klassen und Abschlussklassen geben. Das beschlossen die Kultusminister der Länder am Montag in einer Schaltkonferenz, wie die Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin mitteilte. Der Schul-Lockdown war von Bund und Ländern Mitte Dezember als Teil des Herunterfahrens des gesamten öffentlichen Lebens ursprünglich bis Ende dieser Woche vereinbart worden.

Aufgrund der nach wie vor hohen Inzidenzwerte und der nicht sicheren Einschätzung des Infektionsgeschehens nach den Feiertagen müssen laut dem Beschluss «unter Umständen die im Dezember beschlossenen Maßnahmen in Deutschland oder in einzelnen Ländern fortgeführt werden».

Die Wiederaufnahme des Schulbetriebs sei in Stufen möglich - «sollte es die Situation in den einzelnen Ländern zulassen». Zuerst sollten dann die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 wieder Präsenzunterricht haben und die weiteren Jahrgänge im Distanzunterricht bleiben. Durch eine Halbierung der Klassen solle in einer zweiten Stufe dann ergänzend Wechselunterricht für Schülerinnen und Schüler höherer Klassen ermöglicht werden.

Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen soll es demnach erst in einer Stufe drei geben. Für Abschlussklassen soll aber weiterhin eine Ausnahme von den Beschränkungen gelten, so dass sie sich angemessen auf Prüfungen vorbereiten können.

Wie es aus Kreisen der Kultusminister hieß, soll es mit diesem Beschluss möglich werden, dass Länder ihre Schulen in der kommenden Woche für die Klassen 1 bis 6, 10 und 12 öffnen. In ihrem Beschluss betonten die Kultusminister, dass die Öffnung von Schulen höchste Bedeutung habe. «Sollte es zu Lockerungen der im Dezember 2020 beschlossenen Maßnahmen kommen, müssen die Schulen von Anfang an dabei sein.»

Allerdings sollte die Videokonferenz der Kultusminister vor allem der Vorbereitungen erneuter Beratungen der Regierungschefs der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Dienstag dienen. Einzelne Länder waren mit eigenen, teils strengeren Ansagen für die Schulen vorgeprescht.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) begrüßte in einer Mitteilung den Beschluss. «Der Präsenzunterricht ist und bleibt die beste Option für den Lernerfolg. Ich hoffe, dass die Ministerpräsidentenkonferenz und die Bundeskanzlerin bei der bevorstehenden Entscheidung dies ebenfalls berücksichtigen.» Im Vorfeld der KMK-Sitzung hatte sie gefordert, Kindergärten und Grundschulen auf jeden Fall schon ab dem 11. Januar wieder zu öffnen. «Gerade mit kleineren Kindern in der Grundschule ist digitaler Unterricht nur sehr schwer bis gar nicht möglich», sagte sie.

Berlins Regierender Bürgermeister und Chef der Ministerpräsidentenkonferenz Michael Müller (SPD) sieht im Januar nur wenig Chancen für Präsenzunterricht. «Wenn wieder erste Schritte in Richtung Normalität möglich seien, müssten die Schulen an oberster Stelle stehen, sagte Müller am Montagabend dem rbb. Er gehe aber davon aus, dass Präsenzunterricht in diesem Monat nicht mehr möglich sein werde. Allenfalls an Grundschulen sei Ende Januar wieder Unterrichtsbetrieb vorstellbar, wenn die Inzidenzahlen dies hergäben.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte bei SWR Aktuell, der Fernunterricht an den Schulen in Rheinland-Pfalz solle auf jeden Fall mindestens bis zum 15. Januar weiterlaufen. «Wir hoffen, dass wir dann aber auch Stück für Stück wieder mehr Schule in der Schule machen können.» Auch das sei allerdings abhängig von den Corona-Zahlen. Möglich sei Wechselunterricht. Wichtig sei, dass die Abschlussklassen ihre Prüfungen ablegen könnten.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte der «Bild»-Zeitung (Montag): «Angesichts des Infektionsgeschehens und der unsicheren Datenlage bin ich Schulöffnungen im Präsenzunterricht zum 11. Januar gegenüber sehr skeptisch.»

In Hamburg sollen wegen der weiteren zahlreichen Corona-Neuinfektionen viele Schüler noch bis voraussichtlich Ende Januar zu Hause lernen. Der Senat der Hansestadt hatte die Anwesenheitspflicht für eine weitere Woche ausgesetzt und nicht ausgeschlossen, dass es auch in den letzten beiden Januarwochen keinen regulären Präsenzunterricht geben wird.

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montag), eine vollständige Rückkehr zum Präsenzunterricht in allen Jahrgängen sei aufgrund der Infektionslage «nicht vorstellbar». Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, sagte: «Wechselunterricht ist, denke ich, das Gebot der Stunde.» Im Sender RTL sagte sie: «Wir haben in Sachsen festgestellt, dass die Lehrkräfte dreimal so häufig betroffen sind von Infektionen wie andere.» Die Sicherheit müsse sichergestellt werden. SPD-Chefin Saskia Esken bezeichnete eine schnelle Rückkehr der Schulen zum Regelbetrieb nach dem 10. Januar in der «Rheinischen Post» als «illusorisch».

Distanzunterricht: Verbände beklagen mangelnde Planungssicherheit

Angesichts der weiterhin zu hohen Zahl von Corona-Neuinfektionen sollen die Schulen auch in Brandenburg geschlossen bleiben - für ungewisse Zeit. Lehrern und Eltern macht dies besonders zu schaffen.

Mit dem neuerlichen Start des Distanzunterrichts in den Brandenburger Schulen wegen der Corona-Pandemie haben Eltern- und Lehrerverbände insbesondere die mangelnde Planungssicherheit für den Unterricht beklagt. «Die Eltern haben ein massives Betreuungsproblem», sagte der Vorsitzende des Landeselternrats, Renè Mertens, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Eltern bräuchten für die Umstellung auf Heimunterricht einen längeren Vorlauf, um Beruf und Kinderbetreuung organisieren zu können.

Auch der Präsident des brandenburgischen Pädagogen-Verbandes, Hartmut Stäker, beklagte die kurzfristigen Entscheidungen. «Ich muss doch als Lehrer längerfristig wissen, unter welchen Umständen ich unterrichten kann, um die Vermittlung des Lehrstoffs bis zu den Sommerferien zu organisieren», erläuterte Stäker. «Da macht es schon einem gewaltigen Unterschied, ob die Schulschließungen bis Anfang Februar oder bis März oder April andauern.» Eine Verkürzung von Ferien zum Nachholen versäumten Stoffs lehnte der Verbandschef ab: «Schüler und Lehrer brauchen die Ferien, um sich von den Anstrengungen zu erholen.»

Die Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder hatte am Montag beschlossen, dass es vorerst bei der Schließung der Schulen bleibt. Sollte es die Situation in einzelnen Ländern erlauben, sei die Wiederaufnahme des Schulbetriebs in Stufen möglich, teilte die KMK mit.

Zuerst sollten dann die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 an die Schulen zurückkehren. Durch eine Halbierung der Klassen solle für höhere Klassen Wechselunterricht ermöglicht werden. Abschlussklassen sollen wegen der notwendigen Vorbereitung auf die Prüfungen ausgenommen sein. Ursprünglich war ein Lockdown für die Schulen bis Ende dieser Woche vorgesehen.

Der Landeselternrats-Vorsitzende Mertens kritisierte zudem, dass viele Schulen immer noch nicht ausreichend auf den Fernunterricht vorbereitet seien. Von den mehr als 900 Schulen im Land seien nur rund 500 an die Brandenburger Schulcloud angeschlossen. «Die anderen versuchen, den Fernunterricht über andere Videotools zu organisieren», berichtete er. Doch wenn sich dann nur ein Elternpaar über mangelnden Datenschutz beschwere, dürfe die Schule dieses System nicht mehr nutzen. «Und dann sind wir wieder bei schriftlichen Aufgaben per Email», klagte Mertens.

Der Vorsitzende kritisierte, dass bislang weder das Bildungsministerium noch die Landesdatenschutzbeauftragte Dagmar Hartge eine Positivliste vorgelegt habe, welche Systeme neben der Schulcloud genutzt werden dürften. Sowohl bei dem Anschluss der Schulen an die Schulcloud als auch bei der Ausstattung mit Technik sei viel verschlafen worden. «Die Schulen, die im Dezember endlich Mittel beantragt haben, bekommen die Technik doch frühestens im März», lautete seine Prognose.

Das Bildungsministerium berichtete am Montag, dass die Brandenburger Schulcloud stabil laufe. In Vorbereitung des Distanzunterrichts habe das Hasso-Plattner-Institut umfangreiche Maßnahmen zur Stabilisierung des Systems ergriffen. Zusätzlich seien 100 neue Server angeschlossen worden, um trotz der bundesweit angestiegnen Zugriffszahlen einen stabilen Betrieb der Cloud-Struktur zu gewährleisten. Nach Angaben des Ministeriums nutzen mittlerweile 574 Schulen die Schulcloud. «Während des Distanzunterrichts werden vor allem Funktionen genutzt, um Aufgaben zu verteilen und deren Abgabe zu verwalten sowie das Videokonferenzsystem BigBlueButton.»

In der Landeshauptstadt Potsdam und im Landkreis Prignitz sind wegen der hohen Infektionszahlen in diesen Kommunen seit Montag auch die Kitas geschlossen. Bis zum Montagmittag hätten Eltern 1266 Anträge auf Notbetreuung gestellt, teilte die Kreisverwaltung Prignitz mit. Dies ist möglich, wenn die Sorgeberechtigten in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten. «Um den immensen Aufwand zu bewältigen, wurde der Sachbereich durch weitere eigene Mitarbeiter verstärkt, die auch am Samstag, 2. Januar 2020, Bescheide erstellten», teilte die Kreisverwaltung mit.

In Potsdam hätten Eltern für 1900 Kita-Kinder Anträge auf Notbetreuung gestellt, berichtete Stadtsprecher Jan Brunzlow. Dies seien etwa 20 Prozent der Kita-Kinder in der Landeshauptstadt. Zudem lägen 1200 Anträge auf Notbetreuung von Grundschulkindern vor, das seien etwa 16 Prozent der Grundschüler.

Kaum Hoffnung auf Schulöffnung in Bayern nach Kultusministerkonferenz

Die Kultusminister der Bundesländer einigten sich in der sensiblen Frage des Schulstarts nur auf einen groben Rahmen. Über den Inhalt muss jedes Land selbst entscheiden. Bayern will das am Mittwoch tun. Bis dahin heißt es für Schüler, Eltern und Lehrer: Weiter warten!

Das Rätselraten und die Unsicherheit bei Familien und Lehrern dauern an: Auch nach der Konferenz der Kultusminister am Montag ist nicht klar, wann an welchen Schulen und in welchen Jahrgängen nach dem Ende der Weihnachtsferien wieder Unterricht an Bayerns Schulen stattfindet. Die Kultusminister einigten sich auf einen Stufenplan. Öffnungen sollen dort möglich sein, «wo es die Situation erlaubt». Für Bayern soll am Mittwoch im Kabinett eine Entscheidung getroffen werden.

Hoffnung auf eine schnelle Öffnung zumindest der Grundschulen besteht kaum. Bayern hat vergleichsweise hohe Inzidenzwerte von derzeit rund 160 im Durchschnitt. Zielmarke ist eine Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner von höchstens 50.

Bayerns Ressortchef Michael Piazolo (Freie Wähler) verteidigte am Montag eine stark unterschiedliche Vorgehensweise innerhalb Deutschlands. Die Corona-Inzidenzwerte in einigen Gegenden seien vier Mal so hoch wie in anderen. «Daher ist es weiter sinnvoll und richtig, dass die Länder bei unterschiedlichen Ausgangslagen auch teilweise unterschiedlich agieren», sagte Piazolo am Montag der Deutschen Presse-Agentur. «Wir tun dies aber innerhalb eines gemeinsamen Rahmens, den wir in der Kultusministerkonferenz gemeinsam abstimmen.»

Die bildungspolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, Gabriele Triebel, forderte schnell verlässliche Vorgaben für den Rest des Schuljahres. «Unsere Schulfamilie braucht Planungssicherheit, um dieses Ausnahmeschuljahr noch einigermaßen geordnet über die Bühne bringen zu können», betonte sie. Die Übertritts- und Prüfungsbedingungen 2021 müssten jetzt genau definiert und kommuniziert werden. «Ein Fahrplan für das restliche Corona-Schuljahr ist längst überfällig», sagte Triebel.

Die Kultusministerkonferenz hatte am Montag beschlossen, nur dort, wo es die Situation erlaube, die Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach einem Stufenplan zu ermöglichen, der sich am jeweiligen Infektionsgeschehen orientiert. Damit können einzelne Länder ihre Schulen öffnen. So hatte etwa Baden-Württemberg sich dafür stark gemacht, zumindest den Grundschülern Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Auch Piazolo betonte, Präsenzunterricht lasse sich pädagogisch nicht adäquat ersetzen und sprach sich deshalb für Wechselunterricht aus. «Soziale Gerechtigkeit, Integration und Inklusion – diese wichtigen Ziele lassen sich im Distanzunterricht bei Weitem nicht so gut verwirklichen», sagte er. Für jüngere Schüler, für Schüler mit Sprachdefiziten oder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sei Wechselunterricht eine bessere Alternative als Distanzunterricht. «Gerade diese Schüler brauchen den unmittelbaren Kontakt zu den Lehrkräften und das tägliche soziale Miteinander in der Schule.»

Hacker-Angriff auf Plattform für Fernunterricht in Rheinland-Pfalz

Ausgerechnet am ersten Schultag des neuen Jahres in Rheinland-Pfalz ist es auf der wichtigsten Plattform für das digitale Lernen zu massiven technischen Problemen gekommen. Die dafür vorgesehenen Server - also Hochleistungsrechner für Zugriffe von außen - waren am Montag zeitweise nicht erreichbar. Ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums nannte als Ursache einen Hacker-Angriff. Experten seien mit Hochdruck dabei, die Probleme zu lösen. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen die Schulen in Rheinland-Pfalz bis Mitte Januar im Fernunterricht bleiben.

Die Lernplattform moodle@RLP ist bislang an rund 900 Schulen in Rheinland-Pfalz im Einsatz. Obwohl die entsprechenden Server-Kapazitäten vor Weihnachten nochmals um ein Vielfaches aufgestockt worden seien, sei es zu Problemen beim Zugang zur Plattform oder zu langen Ladezeiten gekommen, teilte das Ministerium mit. Bei der Fehlersuche habe sich herausgestellt, «dass die Systeme auch durch Hackerangriffe massiv belastet wurden». Auch das Videokonferenzsystem BigBlueButton (BBB) war nach Angaben des Ministeriums Ziel eines Hacker-Angriffs, läuft aber inzwischen wieder stabil, wenn es außerhalb der Lernplattform Moodle über einen Web-Browser aufgerufen wird.

 

02.01.2021 18.30 Uhr

Lauterbach kritisiert Vorschlag zu Schulöffnungen im Südwesten

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat den Vorschlag, die Schulen in Baden-Württemberg ab dem 11. Januar wieder zu öffnen, scharf kritisiert. Sollte Unterricht wieder in den Schulen stattfinden, wäre die gesamte Arbeit der vergangenen Wochen umsonst gewesen, sagte Lauterbach am Samstag dem Südwestrundfunk (SWR) in Baden-Baden. Er richtete sich damit gegen den Vorschlag von Kultusministerin Susanne Eisenmann. Die CDU-Politikerin hatte gefordert, Kindergärten und Grundschulen unabhängig von den Infektionszahlen schon ab dem 11. Januar wieder zu öffnen - und dies auch dann, wenn der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert werden sollte.

«Mit der Einstellung hätten wir uns das alles hier sparen können», sagte Lauterbach dem SWR. Für den SPD-Gesundheitsexperten wäre die Rückkehr zu Präsenzunterricht etwa mit Blick auf das medizinische Personal auf Intensivstationen unverantwortlich. Den Menschen, die dort arbeiteten, könne man eine solche Haltung nicht vermitteln. Stattdessen schlug Lauterbach vor, den Präsenzunterricht ab der Mittelstufe für längere Zeit auszusetzen. Dafür sollten zur Not die Sommerferien verkürzt werden. Über Lockerungen könne man einzig bei Kitas und Grundschulen diskutieren.

Ministerin Eisenmann hatte ihre Forderung nach baldigen Schulöffnungen zuletzt nochmals bekräftigt. Neben der SPD gab es auch Kritik von der Bildungsgewerkschaft GEW. Deren Chefin Marlies Tepe hatte gefordert, schnell Klarheit zu schaffen. Kitas, Schulen und Unis bräuchten Zeit, um sich vorzubereiten. Die GEW-Chefin sprach sich zudem für Wechselunterricht in kleinen Gruppen aus.

Schulleitungsverband: Lehrer früher impfen

Die Schulleitungsvereinigung NRW fordert, dass Lehrerinnen und Lehrer früher als derzeit vorgesehen geimpft werden. Medizinisches Personal und Pflegepersonal in Hotspots müssten sicherlich Vorrang haben, aber es könne auch nicht sein, dass Lehrerinnen und Lehrer irgendwann im Sommer dran kämen, sagte der Vorsitzende der Schulleitungsvereinigung NRW, Harald Willert, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

In einem Brief an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schrieb Willert: «Wer flächendeckenden Präsenzunterricht bei 200er Inzidenzwerten fordert, muss dafür sorgen, dass diejenigen, die diesen Unterricht erteilen, vorher geimpft wurden.» Überall dort, wo die Impfungen nicht rechtzeitig zum Schulbeginn nach den Weihnachtsferien ermöglicht werden könnten, müssten die Schulleiterinnen und Schulleiter selbstständig über die Organisation des Unterrichts ab 11. Januar entscheiden.

Es gehe nicht darum, sich in Konkurrenz zu anderen Gruppen nach vorne zu drängen, sagte Willert. Man müsse aber auch berücksichtigen, dass die Lehrer, die geimpft wären, nicht mehr ausfallen würden, weil sie in Quarantäne müssten. Das wäre ein erheblicher Vorteil für alle.

Neue Virus-Variante: Schulen in London bleiben vorerst geschlossen

Schulen in London bleiben auch nach dem Ende der Weihnachtsferien vorerst flächendeckend geschlossen. Zu dieser Entscheidung sah sich die britische Regierung aufgrund hoher Infektionszahlen gezwungen. Es sei die Ultima Ratio, teilte Bildungsminister Gavin Williamson am Freitagabend mit. Die Lehrergewerkschaft National Education Unit forderte eine landesweite Verlängerung der Weihnachtsferien.

Großbritannien verzeichnete am Neujahrstag zum vierten Mal in Folge mehr als 50 000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Vor allem in London und dem Süden und Osten Englands ist das Niveau der Infektionen hoch. Größtenteils wird dies auf die Ausbreitung einer neuen und möglicherweise ansteckenderen Virus-Variante zurückgeführt. «Die Mehrheit der Fälle, die in London, dem Südosten und dem Osten Englands festgestellt werden, sind von der neuen Variante», hieß es in einer Mitteilung der Regierung. Härtere Maßnahmen seien erforderlich, um das Virus unter Kontrolle zu bringen.

Krankenhäuser in London kommen Berichten zufolge an ihre Kapazitätsgrenzen. Patienten werden demnach auf Fluren untergebracht oder müssen stundenlang in Krankenwagen warten, bis ein Bett frei wird. Der Präsident des britischen Ärzteverbands «Royal College of Physicians», Andrew Goddard, riet Kliniken landesweit, sich auf ähnliche Verhältnisse vorzubereiten. «Diese neue Variante ist definitiv ansteckender und breitet sich im ganzen Land aus», sagte er der BBC.

Immerhin meldete das britische Gesundheitsministerium zum Jahreswechsel, es seien mittlerweile eine Million Menschen in Großbritannien gegen Corona geimpft worden. Von kommender Woche an soll neben dem Impfstoff von Biontech und Pfizer auch das von der Universität Oxford und dem britisch-schwedischen Konzern Astrazeneca entwickelte Präparat verabreicht werden. Bis der Anteil der Geimpften der Situation tatsächlich spürbare Erleichterung verschafft, dürften jedoch noch Wochen und Monate vergehen.

Sorge vor mehr Depressionen bei Kindern durch Corona-Regeln

Corona-Regeln und verlängerte Ferien könnten laut dem Chefarzt der Clemens-August-Jugendklinik, Andreas Romberg, zu schweren Depressionen bei Kindern und Jugendlichen führen. Schon jetzt sieht er steigende Zahlen.

Der Chefarzt der Clemens-August-Jugendklinik in Neuenkirchen-Vörden (Landkreis Vechta), Andreas Romberg, sieht in den Corona-Regeln einen Auslöser für psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen. «Wir spüren schon jetzt, dass die psychischen Belastungen der Kinder und Jugendlichen besonders hoch sind. Die Betroffenen leiden unter anderem an schweren Depressionen und Angstzuständen», so Romberg. Er rechne auch in Zukunft mit mehr psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen.

Der Lockdown und auch die verlängerten Ferien würden die Rückzugsräume von Kindern und auch Eltern verringern. Konflikte seien deswegen laut Romberg vorprogrammiert. Besonders Kinder und Jugendliche, die sich nur schwer in Gruppen integrieren können und zudem aus ärmeren Familien stammen, treffe es härter. Spaziergänge oder Spielplatzbesuche würden sowohl Eltern als auch Kindern helfen. Besonders wichtig sei es außerdem, Hilfseinrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe weiter offen zu halten.

Schulpsychologen für frühe Schulöffnung - mehr Schulverweigerer

Manche Kinder chillen den ganzen Tag, tauchen in virtuelle Welten ab oder sehen fern: Schule scheint im Lockdown oft weit weg. Wenn der Unterricht wieder startet, kostet das viele Schüler Überwindung. Schulpsychologen sehen gar einen Trend zur Verweigerung.

Wenige Tage vor den Weichenstellungen für den Schulbetrieb nach dem Lockdown dringen Psychologen mit Blick auf die wachsende Zahl von «Schulverweigerern» auf eine rasche Öffnung der Bildungseinrichtungen. «Wir haben schon nach dem ersten Shutdown eine dramatische Zunahme der Fälle von Schulverweigerung bemerkt», sagte die Vorsitzende des Verbandes der Schulpsychologinnen und Schulpsychologen Baden-Württemberg (LSBW), Nina Großmann. Schüler aller Altersgruppen gewöhnten sich während der Pandemie zu Hause an das Nichtstun, vernachlässigten ihre Aufgaben und fühlten sich bei der Rückkehr auf die Schulbank überfordert. Auch während des Lockdowns stünden die Telefone der Beratungsstellen nicht still, sagte Großmann der Deutschen Presse-Agentur.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs beraten am kommenden Dienstag über das weitere Vorgehen in der Pandemie nach dem zunächst bis 10. Januar befristeten Shutdown. Einen Tag vor dem Gespräch wollen sich die Kultusminister der Bundesländer in der Schulfrage abstimmen.

Baden-Württembergs Ressortchefin Susanne Eisenmann (CDU) will Kitas und Grundschulen auf jeden Fall schon ab dem 11. Januar wieder öffnen und hat sich für diesen Vorstoß massive Kritik aus Infektionsschutzgründen eingehandelt. Großmann hingegen befürwortet den Plan. Gerade bei Grundschülern seien deutliche Leistungsdefizite und Wissenslücken zu beobachten.

Ein Viertel der Fälle in den 28 Beratungsstellen im Land sei derzeit auf das Phänomen der Schulverweigerung zurückzuführen, erläuterte die Diplom-Psychologin aus Gerlingen bei Stuttgart. Vor der Corona-Krise lag dieser Anteil bei etwa fünf Prozent. «Den Kurs von Ministerin Eisenmann, die Schüler schnell wieder an die Schulen zu holen, finde ich absolut richtig und mutig.»

Ein Sprecher Eisenmanns sagte: «Wir sehen uns durch die Aussagen des Verbands bestätigt.» Die Einschätzung der Schulpsychologen decke sich mit der Sicht von Kinderärzten und Kinderpsychologen, dass junge Menschen die durch den Schulbesuch vorgegebene Struktur und Stabilität sowie den sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen und ihren Lehrkräften dringend benötigten. «Gerade kleinere Kinder aus nicht so stabilen sozialen Verhältnissen dürfen wir in diesen schwierigen Zeiten nicht aus dem Blick verlieren», betonte der Sprecher. Dieser Aspekt müsse bei dem Spitzengespräch am kommenden Dienstag eine wichtige Rolle spielen.

Zudem seien Schulen auch keine Infektionstreiber. Stand 14. Dezember seien 7 von rund 4500 Schulen coronabedingt komplett geschlossen und 813 von ungefähr 67 500 Klassen vorübergehend in Quarantäne gewesen.

Verbandschefin Großmann sagte, die Probleme der Kinder und Jugendlichen - zu zwei Dritteln männlichen Geschlechts - äußerten sich auch körperlich mit Bauch- und Kopfschmerzen sowie Erbrechen. In einem Fall hätten massive Versagensängste eines Mittelstufenschülers zum Suizid geführt. Die Hauptmotivation der Schüler zum Lernen seien die sozialen Beziehungen - sei es zu den Mitschülern, sei es zum Lehrer.

«Das ureigene Interesse an den Inhalten steht nicht im Vordergrund», betonte Großmann, die eine Beratungsstelle in Ludwigsburg leitet. Angesichts von Wartezeiten bei den Beratungsstellen von zwei bis drei Wochen halten sich die Schulpsychologen Extra-Termine für Schulverweigerer frei. Großmann: «Da kommt es auf jeden Tag an.»

Der Verband mit seinen 200 Mitgliedern fordert Entlastung von Verwaltungsaufgaben wie Telefonate annehmen, Termine vergeben, Akten führen und Statistiken anlegen. Auf die 28 Beratungseinheiten entfielen 18 ganze oder Teilzeit-Verwaltungsstellen. «Wir wollen und müssen uns auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren», betonte Großmann. Deshalb müsse die Anzahl der Verwaltungsstellen mindestens verdoppelt werden.

Von den landesweit 200 Stellen für Schulpsychologie seien nur rund 160 besetzt. Dabei fehle es nicht an geeigneten Kräften auf dem Arbeitsmarkt. «Vielmehr kommt das für die Ausschreibung von Stellen zuständige Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung wegen Personalengpässen auf der Führungsebene damit nicht nach.»

Die Schulpsychologen beraten nicht nur Eltern und Schüler, sondern auch Lehrer. «Es kommen mehr Lehrkräfte, die sich wegen der Corona-Situation mit den neuen Unterrichtsformen und dem Wechsel von Präsenz und Fernunterricht überfordert fühlen», sagte Großmann. «Das geht bis hin zum Burnout.»

Merz: Schulen so schnell wie möglich wieder öffnen

CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz pocht auf eine schnellstmögliche Öffnung der Schulen in der Corona-Pandemie. Im Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Online Freitag/Print Samstag) stellte er sich hinter eine entsprechende Forderung von Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). «Susanne Eisenmann hat den Mut, etwas Richtiges zu sagen, dass nämlich die Schulen so schnell wie möglich wieder geöffnet werden müssen», sagte Merz. «Und es ist ja auch der politische Wille aller Beteiligten, je nach Inzidenzlage in diese Richtung zu gehen.»

Eisenmann ist Spitzenkandidatin der CDU zur Landtagswahl im März 2021 in Baden-Württemberg. Sie hatte gefordert, dass Kindergärten und Grundschulen auf jeden Fall schon ab dem 11. Januar wieder öffnen sollten. Diesen Beschluss sollten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten bei ihrer Konferenz an diesem Dienstag fällen, hatte sie zuletzt in der «Bild»-Zeitung erklärt. Einen Tag vor dem Gespräch der Kanzlerin mit den Regierungschefs wollen sich die Kultusminister der Bundesländer in der Schulfrage abstimmen.

Merz sagte, von der Runde der Kanzlerin mit den Regierungschefs der Länder wünsche er sich ein «möglichst einheitliches Vorgehen». Zum Thema Schulen in der Corona-Pandemie sagte er: «Was mich am meisten beschwert, ist nicht der ökonomische Schaden durch den Lockdown, sondern der massive Schaden in der Bildung unserer Kinder durch die geschlossenen Schulen.» Darunter litten vor allem die Kinder aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien. «Das ist meines Erachtens die größte Herausforderung in und nach der Pandemie.»

31.12.2020 10.30 Uhr

Unklarheit über Schulbetrieb im neuen Jahr

Eltern, Schüler und Lehrer müssen sich weiter gedulden: Wie es für sie im neuen Jahr weitergeht, bleibt zunächst weitgehend unklar. Entscheidungen darüber, ob und in welchem Umfang die Schulen im Januar wieder öffnen, dürften erst Anfang kommender Woche fallen.

Der bis 10. Januar geltende Lockdown in Deutschland wird wahrscheinlich verlängert, und auch an den Schulen wird es nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbandes zunächst nicht im Normalbetrieb weitergehen. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte am Mittwoch bei ntv, allen sei klar, dass das im Januar nach den Ferien nicht möglich sein werde. «Die Infektionslage wird das nicht zulassen.» Deswegen müsse man sich nach wie vor entweder auf Distanzunterricht oder bestenfalls Wechselbetrieb vorbereiten.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann bekräftigte dagegen ihre Forderung, Kindergärten und Grundschulen auf jeden Fall schon ab dem 11. Januar wieder zu öffnen. Diesen Beschluss sollten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten fällen, forderte die CDU-Politikerin in der «Bild»-Zeitung. «Auch wenn der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird, sollten Kitas und Grundschulen wieder öffnen für Präsenzunterricht. In diesen Altersklassen ist es unerlässlich, dass Kinder in Kitas gehen und in Schulen lernen.»

Eisenmann hatte wenige Tage zuvor dafür geworben, Kitas und Grundschulen «unabhängig von den Inzidenzzahlen» wieder zu öffnen. SPD-Chefin Saskia Esken bezeichnete diese Aussage in einem Interview der Funke-Mediengruppe als «geradezu unverantwortlich».

Merkel und die Länderchefs beraten am kommenden Dienstag über das weitere Vorgehen in der Pandemie nach dem zunächst bis 10. Januar befristeten Lockdown. Es deutet sich immer mehr an, dass die Maßnahmen angesichts anhaltend hoher Corona-Zahlen verlängert werden. Einen Tag vor dem Gespräch der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten wollen sich die Kultusminister der Bundesländer in der Schulfrage abstimmen.

Möglicherweise verkünden einzelne Länder aber auch schon vorher ihre Pläne - Bildung ist Ländersache. So hatte etwa Hamburg am Dienstag die bereits vom 5. bis 10. Januar ausgesetzte Anwesenheitspflicht in Schulen um eine Woche verlängert. Der Senat schloss zudem nicht aus, dass es auch in den letzten beiden Januarwochen keinen regulären Präsenzunterricht geben wird.

Für möglichst viel Unterricht in den Schulen sprach sich auch Eisenmanns Kollegin, Yvonne Gebauer, die Schulministerin des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, aus. Die FDP-Politikerin verwies in der «Rheinischen Post» auf das in ihrem Land geltende Stufenmodell. Sie hoffe sehr darauf, «dass die Infektionszahlen deutlich zurückgehen und so nach dem 10. Januar 2021 einen Schulbetrieb auf der Grundlage des Stufenmodells und mit möglichst viel Präsenzunterricht ermöglichen.»

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte: «Ich wünsche mir, dass die Schülerinnen und Schüler, insbesondere in der Primarstufe und in den abschlussrelevanten Jahrgängen, wieder möglichst schnell in den Präsenzunterricht wechseln können.» Sie gehe zum jetzigen Zeitpunkt aber davon aus, dass das Lernen von zu Hause in Berlin um eine Woche verlängert werden müsse.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Mittwoch in Berlin, die Frage, wie es an Schulen und Kitas weitergeht, betreffe Millionen Menschen, und es sei nachvollziehbar, dass darüber diskutiert werde. «Und gleichzeitig bin ich jedenfalls im Zweifel dafür, lieber jetzt am Stück eine Woche zu lang, als eine Woche zu wenig», fügte er mit Blick auf Einschränkungen und Schließungen hinzu. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte sich gegen eine Rückkehr zum normalen Schulbetrieb nach dem 10. Januar ausgesprochen.

Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlies Tepe, forderte, schnell Klarheit zu schaffen. «Kitas, Schulen und Unis brauchen Zeit, um sich vorzubereiten», sagte sie der «Rhein-Neckar-Zeitung». Allerdings dürfe nicht weiter ignoriert werden, «dass in den Klassenräumen und auf den Schulhöfen kein Abstand gehalten werden kann». Tepe fordert: «Mit dem Gesundheitsschutz ließe sich in der augenblicklichen Situation aber nur ein Wechselunterricht in kleinen Gruppen verbinden, das fordern wir genau wie auch das Robert Koch-Institut.»

Lehrerverbandspräsident Meidinger sprach sich dafür aus, wegen der Einschränkungen gegebenenfalls Abschlussprüfungen nach hinten zu verschieben. «Man muss sehen, wie man diesen Nachteil ausgleicht. Wir haben ja einige Bundesländer, die schon ihre Abschlussprüfungstermine verschoben haben.» Es müsse überlegt werden, ob sie nochmals verschoben werden müssten und was getan werden müsse, um die Schüler fit zu bekommen für die Prüfungen.

Berlins Bildungssenatorin rechnet nicht mit Präsenz vor 18. Januar

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres rechnet nicht damit, dass der reguläre Unterricht in der Schule wieder vor dem 18. Januar beginnen kann. «Ich wünsche mir, dass die Schülerinnen und Schüler, insbesondere in der Primarstufe und in den abschlussrelevanten Jahrgängen, wieder möglichst schnell in den Präsenzunterricht wechseln können», teilte sie am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. «Doch das können wir nicht unabhängig vom Infektionsgeschehen entscheiden. Ich gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass wir in Berlin die Phase des schulisch angeleiteten Lernens zu Hause noch bis zum 17. Januar verlängern müssen.» Der 17. Januar ist ein Sonntag, der Unterricht in der Schule könnte dann am Montag darauf wieder beginnen.

«Ausgenommen davon sollten die abschlussrelevanten Jahrgänge sein, für die auch in dieser Zeit Wechselunterricht stattfinden soll», sagte Scheeres. «Ich bedaure, dass ein solches Vorgehen insgesamt mit zusätzlichen Belastungen für die Eltern verbunden sein wird», so die SPD-Politikerin. «Die Regierungschefinnen und -chefs der Länder werden sich in der kommenden Woche mit der Kanzlerin treffen und die Lage besprechen. Erst danach können wir verlässlich eine weitere Perspektive bis zu den Winterferien aufzeigen.»

Die Winterferien beginnen in Berlin am 1. Februar. Die Länderchefs wollen sich am Dienstag, 5. Januar, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie austauschen.

MV: Schüler lernen im neuen Jahr erst einmal weiter zu Hause

Mecklenburg-Vorpommerns Schüler lernen in der ersten Woche des neuen Jahres zunächst weiter zu Hause. «Die Präsenzpflicht an den Schulen ist wie in den Tagen vor den Weihnachtsferien für alle Schülerinnen und Schüler aufgehoben», sagte der Sprecher des Bildungsministeriums, Henning Lipski, am Mittwoch.

Für Kinder bis zur sechsten Klasse, die nicht zu Hause betreut werden können, seien die Schulen ab dem 4. Januar geöffnet. «Diese Schülerinnen und Schüler bleiben in der Schule in ihrem Klassenverband und bearbeiten die gleichen Aufgaben wie jene Schülerinnen und Schüler, die von zu Hause lernen.»

Wer jedoch in den zurückliegenden zehn Tagen in einer deutschen Region mit einem Inzidenzwert von mehr als 200 war, darf nicht in die Schule kommen, wie es hieß. Dies gelte auch nach Besuchen in ausländischen Risikogebieten. Ausnahmen gebe es etwa nach Treffen innerhalb der Kernfamilie in einem solchen Gebiet.

In den letzten Tagen vor den Weihnachtsferien, als die gleichen Regeln für die MV-Schulen galten wie in der ersten Januarwoche, wurden laut Ministerium nur wenige Kinder in die Schulen geschickt. In den Grundschulen waren es demnach 25 Prozent und in den Klassen fünf und sechs 13 Prozent der Mädchen und Jungen.

Die Kindertagesstätten in MV sind nach Angaben des Sozialministeriums geöffnet. Die Eltern seien aber angesichts der Infektionslage gebeten, ihre Kinder zu Hauses zu betreuen, sofern das möglich ist, sagte ein Sprecher.

Schulsenator unter Druck - Sondersitzung des Schulausschusses

Die einen beklagen, dass Senator Rabe Hamburgs Schulen offen gelassen habe, obwohl sie wegen der Corona-Pandemie nicht sicher seien. Andere wiederum schimpfen, dass er die Präsenzpflicht an den Schulen schon jetzt um eine weitere Woche ausgesetzt hat.

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) gerät wegen seines Vorgehens in der Corona-Pandemie an den Schulen immer stärker unter Druck. Die CDU-Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft kündigte am Mittwoch an, eine Sondersitzung des Schulausschusses zu beantragen. Dort soll der Umgang des Senators mit einer Studie zum Corona-Ausbruch an der Heinrich-Hertz-Schule mit rund 40 Infizierten aufgearbeitet werden. Außerdem schickten die Eltern-Initiativen «Kinder brauchen Kinder» und «Familien in der Krise» einen offenen Brief an Rabe, in dem sie sich über den inzwischen bis Ende Januar drohenden Teil-Lockdown an Hamburgs Schulen beklagen. Rabe hatte am Dienstag die Präsenzpflicht an den Schulen um eine weitere Woche bis zum 17. Januar ausgesetzt und Folgemaßnahmen nicht ausgeschlossen.

Mit Blick auf die Studie zur Heinrich-Hertz-Schule sagte CDU-Fraktionschef Dennis Thering: «Senator Rabe muss jetzt umgehend aufklären, seit wann er die Ergebnisse der Untersuchung kennt und warum er diese Ergebnisse gegenüber der Öffentlichkeit und der Bürgerschaft zurückgehalten hat.» Ähnliches hatten zuvor bereits die Linken verlangt und eine Kleine Anfrage an den Senat gestellt.

Hintergrund ist eine Studie des Heinrich-Pette-Instituts (HPI) und des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE) vom September, wonach sich mehrere Schüler in der Schule mit dem Coronavirus infiziert haben. Die Möglichkeit, dass der Ausbruch aus unabhängigen Einträgen resultierte, schlossen die Forscher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus. Veröffentlicht wurde die Untersuchung kurz vor Weihnachten - allerdings nicht von der Schul-, sondern der Sozialbehörde und auch nicht automatisch, sondern erst nach einer Bürgeranfrage über das Portal «Frag den Staat».

Die rot-grüne Koalition lehnte eine Sondersitzung des Schulausschusses ab und kündigte an, die Angelegenheit im Rahmen einer Selbstbefassung auf die reguläre Sitzung des nächsten Schulausschusses zu setzen. Auch verteidigte sie die Nicht-Veröffentlichung der Studie. «Da die Zahlen vor dem Ende der Untersuchung nicht belastbar sind, haben die Behörden bisher auch keine gesonderte Veröffentlichung vorgenommen», erklärten SPD und Grüne.

CDU-Fraktionschef Thering sagte dagegen, trotz der Kenntnis der Studienergebnisse «behauptete Hamburgs Schulsenator mit Unterstützung des Ersten Bürgermeisters (Peter Tschentscher) bis zuletzt und offensichtlich wider besseren Wissens, dass Hamburgs Schulen sichere Orte seien». Tatsächlich hatte Rabes Schulbehörde bislang stets betont, dass Ansteckungen vor allem außerhalb der Schulen stattfänden. Unter Hinweis darauf, dass sie alle Schulen im Blick habe, während die Gutachter nur die Heinrich-Hertz-Schule selbst betrachtet hätten, erklärte sie, dass sich zwischen den Sommer- und Herbstferien «von 372 infizierten Schülerinnen und Schülern höchstens 80 (21,5 Prozent) in ihrer jeweiligen Schule (...) infiziert haben».

Für die CDU-Schulexpertin Birgit Stöver habe Rabes Ignoranz dazu geführt, dass Hamburgs Schulen nicht ansatzweise auf sicheres Lernen unter Coronabedingungen vorbereitet seien. «Es bleibt der Eindruck hängen, dass Senator Rabe sich verrannt hat und nur noch versucht, gesichtswahrend aus der Sache herauszukommen.» Das sei unseriös. Rabe sollte stattdessen Planungssicherheit schaffen. «Jetzt muss umgehend "Butter bei die Fische", wie es mit einem sicheren Schulbetrieb ab dem 18. Januar weitergehen soll», forderte Stöver.

Dem pflichtete die Linken-Fraktionsvorsitzende Sabine Boeddinghaus bei. «Deshalb brauchen wir jetzt eine Sondersitzung des Schulausschusses, in der wir Aufklärung und Transparenz erwarten - sowohl über die Studienergebnisse zum Infektionsgeschehen an der Heinrich-Hertz-Schule, als auch über kurz-, mittel-, und längerfristige Strategien im Umgang mit der Pandemie bis zu den Sommerferien.» Es stünden ja auch Prüfungen unmittelbar bevor - auch hier hätten die Schülerinnen und Schüler «ein Recht auf Sicherheit, Gesundheitsschutz und faire Chancen».

Die Eltern-Initiativen «Kinder brauchen Kinder» und «Familien in der Krise» kritisierten indes scharf, dass Rabe den Fernunterricht verlängert habe. «Das steht im krassen Widerspruch zum bisher gut begründeten Kurs, so viel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten und bei der Planung von Distanzunterricht und Wechselmodellen auch das Alter der Schüler mit einzubeziehen», sagte Mitbegründerin Anna-Maria Kuricová. Die Aussetzung der Präsenzpflicht habe dazu geführt, dass in vielen Schulen kein Unterricht mehr vor Ort stattfindet und lediglich eine Notbetreuung angeboten werde. Damit seien de facto alle Schüler im Distanzunterricht - mit allen Belastungen, die das für Kinder und Eltern mit sich bringe.

Eltern-Initiative kritisiert Entscheidung für längeren Fernunterricht

Die Eltern-Initiative «Familien in der Krise» hat die Entscheidung von Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD), den Fernunterricht bis zum 17. Januar zu verlängern, scharf kritisiert. «Das steht im krassen Widerspruch zum bisher gut begründeten Kurs, so viel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten und bei der Planung von Distanzunterricht und Wechselmodellen auch das Alter der Schüler mit einzubeziehen», sagte Mitbegründerin Anna-Maria Kuricová am Mittwoch in Hamburg. Auch in Hamburg sei Wechselunterricht bislang nur für die älteren Jahrgänge ab Klasse acht bei hoher Inzidenz vorgesehen, die jüngeren Kinder sollten weiter in die Schule kommen.

«Uns ist völlig unverständlich, weshalb all diese Überlegungen nun offensichtlich über Bord geworfen wurden», sagte Kuricová. Die Aussetzung der Präsenzpflicht in Hamburg habe dazu geführt, dass in vielen Schulen kein Unterricht mehr vor Ort stattfindet und lediglich eine Notbetreuung angeboten werde. Damit seien de facto alle Schüler im Distanzunterricht - mit allen Belastungen, die das für Kinder und Eltern mit sich bringt. Der Senat hatte am Dienstag die Anwesenheitspflicht in Schulen bis zum 17. Januar aufgehoben. Auch in den letzten beiden Januarwochen könne voraussichtlich kein regulärer Präsenzunterricht in allen Klassenstufen stattfinden.

Die bundesweite Initiative fordert die vollständige Öffnung der Schulen im Januar. «Die Schulen sind die Einrichtungen, die als letzte geschlossen und als erste wieder geöffnet werden sollen – dieses Bekenntnis der deutschen Politik haben wir als Fortschritt empfunden», sagte Kuricová. Sie könne nicht verstehen, warum Hamburg bereits jetzt über eine Verlängerung des Fernunterrichts entschieden hat, noch bevor über eine Lockdown-Verlängerung entschieden wurde.

«Wir vermissen ein pädagogisches Konzept, das den Kindern gerecht wird. Wir fordern Bildungsgerechtigkeit auch in der Pandemie», sagte Kuricová. Die jetzige Entscheidung hebele das Recht der Kinder auf Bildung aus und werfe Chancengerechtigkeit über Bord. Kinder, deren Eltern zu Hause nicht beim Homeschooling unterstützen können, würden erneut abgehängt. Das sei auch eine Lehre aus dem ersten Lockdown im Frühjahr gewesen – und sollte sich nicht wiederholen.

Lehrerverband sieht keine Möglichkeit für Normalbetrieb im Januar

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, bleibt bei seiner Einschätzung, dass es nach den Weihnachtsferien zunächst keinen Normalbetrieb an den Schulen geben wird. Allen sei klar, dass das im Januar nach den Ferien nicht möglich sein werde, sagte er am Mittwoch bei ntv. «Die Infektionslage wird das nicht zulassen.» Deswegen müsse man sich nach wie vor entweder auf Distanzunterricht oder bestenfalls Wechselbetrieb vorbereiten.

Meidinger sprach sich dafür aus, gegebenenfalls Abschlussprüfungen nach hinten zu verschieben. «Man muss sehen, wie man diesen Nachteil ausgleicht. Wir haben ja einige Bundesländer, die schon ihre Abschlussprüfungstermine verschoben haben.» Es müsse überlegt werden, ob sie nochmals verschoben werden müssten und was getan werden müsse, um die Schüler fit zu bekommen für die Prüfungen.

Entscheidungen zum weiteren Vorgehen an den Schulen werden spätestens am Dienstag kommender Woche erwartet, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über die Zeit nach dem zunächst bis 10. Januar befristeten Lockdown beraten. Einen Tag vorher wollen sich die Kultusminister der Länder in der Schulfrage abstimmen.

Möglicherweise verkünden einzelne Bundesländer aber auch schon vorher ihre Pläne - Bildung ist Ländersache. So hatte etwa Hamburg bereits am Dienstag die bereits vom 5. bis 10. Januar ausgesetzte Anwesenheitspflicht in Schulen um eine Woche verlängert. Der Senat schloss nicht aus, dass es auch in den letzten beiden Januarwochen keinen regulären Präsenzunterricht geben wird.

Eisenmann bekräftigt: Rückkehr zum Präsenzunterricht nach 10. Januar

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann bekräftigt ihre Forderung, Kindergärten und Grundschulen auf jeden Fall schon ab dem 11. Januar wieder zu öffnen. Diesen Beschluss sollten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten bei ihrer Konferenz an diesem Dienstag fällen, forderte die CDU-Politikerin in der «Bild»-Zeitung (Mittwoch).

Sie sagte: «Auch wenn der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird, sollten Kitas und Grundschulen wieder öffnen für Präsenzunterricht. In diesen Altersklassen ist es unerlässlich, dass Kinder in Kitas gehen und in Schulen lernen.»

Eisenmann betonte, im Unterricht in der Schule sei der Lernerfolg am größten. «Wir müssen in dieser Krise auf Virologen genauso wie auf Kinderärzte und Kinderpsychologen hören. Und die sagen uns, dass die Langzeitfolgen für Kinder durch geschlossene Schulen enorm sind», gab sie zu bedenken.

SPD-Chefin Saskia Esken bewertete den Vorschlag Eisenmanns in einem Interview der Funke-Mediengruppe als «geradezu unverantwortlich». Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte sich gegen eine Rückkehr zum normalen Schulbetrieb nach dem 10. Januar ausgesprochen. «Nach dem Lockdown darf es keine Rückkehr zum regulären Präsenzunterricht geben. Maske, Lüften plus 30 Kinder geht nicht, ansonsten droht wieder exponentielles Wachstum der Infektionszahlen», sagte Lauterbach der «Rheinischen Post». Er forderte «bundesweit geteilte Klassen, zusätzliche Unterstützung für Lernschwächere, ausnahmslose Maskenpflicht in den Schulgebäuden und verkürzte Sommerferien zum Ausgleich der Defizite».

Verkürzte Sommerferien hatte vor kurzem auch schon der Deutsche Kinderschutzbund gefordert und sich im Gegenzug für eine Verlängerung der Weihnachtsferien bis Ende Januar ausgesprochen.

Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlies Tepe, forderte, schnell Klarheit zu schaffen. «Kitas, Schulen und Unis brauchen Zeit, um sich vorzubereiten», sagte Tepe der «Rhein-Neckar-Zeitung». Allerdings dürfe nicht weiter ignoriert werden, «dass in den Klassenräumen und auf den Schulhöfen kein Abstand gehalten werden kann». Tepe fordert: «Mit dem Gesundheitsschutz ließe sich in der augenblicklichen Situation aber nur ein Wechselunterricht in kleinen Gruppen verbinden, das fordern wir genau wie auch das Robert Koch-Institut.»


29.12.2020 20.30 Uhr

Hamburgs Schüler bleiben nach Ferien länger zu Hause

Die Corona-Infektionszahlen gehen nicht runter, nun hat der Hamburger Senat reagiert und verlängert den Fernunterricht um eine Woche. Aber bis die Schulen wieder in den Normalbetrieb gehen, kann es noch länger dauern.

Für Hamburgs Schüler und Schülerinnen geht der Fernunterricht im Januar weiter. Die Anwesenheitspflicht in den Hamburger Schulen wird wegen der Corona-Pandemie bis mindestens zum 17. Januar aufgehoben. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen. Damit gelte weiterhin ein eingeschränkter Schulbetrieb. Bisher galt die Regel bis zum 10. Januar.

Darüber hinaus geht der Senat davon aus, dass auch in den letzten beiden Januarwochen kein regulärer Präsenzunterricht in allen Klassenstufen stattfinden kann. Die endgültige Entscheidung darüber werde der Senat nach Abstimmung mit den anderen Bundesländern sowie unter Berücksichtigung der Infektionslage im Januar treffen.

Die Eltern wurden aufgefordert, ihre Kinder wann immer möglich zu Hause zu betreuen, können sie aber zur Betreuung und zum Unterricht auch in die Schule schicken, sofern dies zwingend notwendig ist.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte, noch sei unklar, welchen Erfolg der geltende Lockdown haben werde. «Aber aufgrund der anhaltend zu hohen Infektionszahlen ist zum jetzigen Zeitpunkt davon auszugehen, dass die Schulen in Hamburg wie in den anderen Bundesländern im Januar noch nicht zum regulären Präsenzunterricht zurückkehren werden.»

Rabe erklärte weiter, der Senat habe bereits vor den Weihnachtsferien festgelegt, dass in der ersten Schulwoche vom 5. bis 10. Januar die Eltern entscheiden könnten, ob ihre Kinder in der Schule oder zu Hause lernen. Rund 80 Prozent der Grundschulkinder und weit über 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler aus den weiterführenden Schulen würden deshalb in der ersten Schulwoche zu Hause bleiben. «Diese Regelung werden wir jetzt auch auf die zweite Schulwoche vom 11. bis 17. Januar ausdehnen.»

Der Schulsenator betonte, mit der Verlängerung verschaffe der Senat den Schulen mehr Sicherheit und Vorbereitungszeit für die kommenden Wochen. «Für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Eltern ist das keine leichte Situation.» Die derzeitige Infektionslage lasse aber keine großen Spielräume für einen vollwertigen Schulbetrieb.

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen in Hamburg war am Dienstag sprunghaft um 462 gestiegen. Am Montag waren noch 153 Neuinfektionen gemeldet worden. Die Zahl der Toten in der Corona-Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) stieg um 9 auf 598.

Prien: Beratungen über Schulbetrieb am Wochenende

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien hat Forderungen nach sehr schnellen Entscheidungen über die Gestaltung des Schulunterrichts ab 11. Januar zurückgewiesen. «In Schleswig-Holstein werden wir am Wochenende nach Gesprächen mit unseren wissenschaftlichen Beratern intern beraten, wie das Infektionsgeschehen im Land zu bewerten und welche Schlussfolgerungen daraus für den Schulbetrieb zu ziehen sind», erklärte die CDU-Politikerin am Dienstag. Am Montag folgten dann die Beratungen in der Kultusministerkonferenz und in der Koalition zur Vorbereitung der Beratungen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten am kommenden Dienstag.

«Danach treffen wir eine Entscheidung, wie es ab dem 11. Januar weitergeht», sagte Prien. Die Schulen im Norden gingen wie geplant am Donnerstag und Freitag kommender Woche in Distanzlerntage und seien auf alle Szenarien vorbereitet. Offen ist besonders, in welchem Umfang und ab wann es nach den Ferien Präsenzunterricht an den Schulen geben wird. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte zu Weihnachten eine frühzeitige Entscheidung über den Schulbetrieb im neuen Jahr verlangt.

«Es ist unser Ziel, die Schulen als ersten gesellschaftlichen Bereich wieder zu öffnen, aber Grundlage für diese Entscheidung muss das Infektionsgeschehen sein», sagte Prien.

Forderungen nach längeren Schulschließungen in Großbritannien

Angesichts der Rekordwerte bei Corona-Patienten und Neuinfektionen in Großbritannien werden Forderungen nach einer längeren Schließung der Schulen nach den Weihnachtsferien lauter. Es sei nicht sicher, die Schulen wie geplant an diesem Montag (4. Januar) zu öffnen, sagte Zubaida Haque vom wissenschaftlichen Expertengremium Sage am Dienstag dem Fernsehsender ITV.

«Kinder müssen in die Schule gehen, aber sie müssen auf eine sichere Schule gehen», sagte Haque. Die in Großbritannien entdeckte Mutation des Coronavirus habe die Lage geändert, die Situation sei kritisch. Über ein Regierungstreffen zur Schulfrage am Montag wurde zunächst nichts bekannt.

Um die geplanten Massentests von Schülern und Studenten durchführen zu können, setzt die Regierung auf die Hilfe des Militärs. 1500 Armeeangehörige sollen die jungen Leute unterstützen, wie das Verteidigungsministerium in London mitteilte. Allerdings wird der Großteil über das Telefon oder das Internet Hilfe leisten. Schüler und Studenten sollen sich unter Aufsicht eines Lehrers oder Freiwilligen selbst testen.

Seit drei Wochen läuft landesweit eine Massenimpfung mit dem Mittel des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Partners Pfizer. In Kürze wird zudem die Zulassung eines Impfstoffs erwartet, den das britisch-schwedische Unternehmen Astrazeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hat. Die Prüfung laufe noch, teilte die zuständige Aufsichtsbehörde am Dienstag auf Anfrage mit.

Großbritannien ist eines der am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder in Europa. Am Montag hatten die Behörden 41 385 Corona-Neuinfektionen gemeldet - Tagesrekord seit Beginn der Pandemie. Außerdem werden derzeit mehr Corona-Patienten in Krankenhäusern behandelt als zum bisherigen Höhepunkt im Frühling.

CDU-Chef Wegner fordert pannenfreien Schulstart nach den Ferien

Berlins CDU-Vorsitzender Kai Wegner fordert, dass der digitale Schulstart nach den Ferien in der Corona-Pandemie nicht von technischen Problemen überschattet sein dürfe. «Es fehlt an allem: keine Luftreinigungsgeräte, keine organisatorischen Konzepte, keine funktionierende Technik», sagte Wegner der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn sich von 108 000 Usern nur 8000 auf die Schulplattform Lernraum Berlin einloggen können, ist das einfach nur peinlich», kritisierte der CDU-Landeschef mit Blick auf die Panne zu Beginn der digitalen Unterrichtsphase in der Woche vor Weihnachten. «Ich erwarte, dass Frau Scheeres das endlich in den Griff bekommt und die Technik spätestens zum Schulbeginn funktioniert», sagte er in Richtung von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung erwiderte am Dienstag, der Lernraum Berlin sei stabil und habe zuletzt Zugriffsrekorde verzeichnet. Die Kapazitäten seien massiv ausgebaut worden. «Zum Jahreswechsel wird dort nun auch das Videokonferenz-Tool Big Blue Button installiert sein, so dass Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern auch aus der Ferne datensicher von Angesicht zu Angesicht lernen können.»

Wegner, der seine Partei 2021 in den Wahlkampf ums Abgeordnetenhaus führen will, kritisierte, die Bildungssenatorin habe in den vergangenen Monaten verschlafen, die Schulen auf die zweite Coronawelle vorzubereiten. «Mitten in der Coronakrise zeigt sich das ganze Ausmaß der Scheereskrise», sagte der CDU-Politiker. «Die Digitalisierung scheitert im Land Berlin nicht zwingend am Geld. Liegen die Konzepte vor, brauchen wir schnelle Genehmigungsverfahren, am besten, indem wir in jedem Bezirksamt Digitalisierungslotsen benennen, die sich um zügige Genehmigungsverfahren und die Logistik kümmern», sagte der CDU-Chef.

«Das vorhandene Geld muss schleunigst abgerufen werden. Das hybride Lernen wird nicht im Februar beendet sein. Wenn man es klug anstellt, kann das hybride Lernen auch ein fester Baustein für die Schule der Zukunft werden», sagte Wegner. «Der Bund stellt dem Land Berlin 257 Millionen Euro aus dem Digitalpakt zur Verfügung. Doch erst klägliche dreieinhalb Prozent der Fördermittel wurden bislang abgerufen.»

Die Schulen würden alleine gelassen. «Sie sollen Förderpläne, Unterrichtspläne, Hygienepläne und Medienpläne erstellen – ohne zusätzliches Personal», sagte Wegner. «Dabei könnte vieles davon zentral gesteuert laufen und die Schulen entlasten.»

Lauterbach gegen Rückkehr zum Präsenzunterricht nach Lockdown

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich gegen eine Rückkehr zum normalen Schulbetrieb nach dem 10. Januar ausgesprochen. «Nach dem Lockdown darf es keine Rückkehr zum regulären Präsenzunterricht geben. Maske, Lüften plus 30 Kinder geht nicht, ansonsten droht wieder exponentielles Wachstum der Infektionszahlen», sagte Lauterbach der «Rheinischen Post».

Er forderte «bundesweit geteilte Klassen, zusätzliche Unterstützung für Lernschwächere, ausnahmslose Maskenpflicht in den Schulgebäuden und verkürzte Sommerferien zum Ausgleich der Defizite». Verkürzte Sommerferien hatte vor kurzem auch schon der Deutsche Kinderschutzbund gefordert und sich im Gegenzug für eine Verlängerung der Weihnachtsferien bis Ende Januar ausgesprochen.

Wie es nach dem 10. Januar an den Schulen weitergeht, ist noch weitgehend offen. Am nächsten Dienstag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über die Zeit nach dem zunächst bis zu diesem Datum befristeten Lockdown beraten. Einen Tag zuvor wollen die Kultusminister der Länder über das Schulthema sprechen. Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte sich dafür ausgesprochen, zumindest Kitas und Grundschulen «in jedem Fall wieder» in Präsenz zu öffnen.


28.12.2020 20.30 Uhr

Eisenmann will Grundschulen und Kitas Mitte Januar wieder öffnen

Kultusministerin Eisenmann hält nichts von Unterricht aus der Ferne - schon gar nicht für jüngere Kinder. Die CDU-Politikerin pocht darauf, dass Schulen bald im neuen Jahr wieder ihre Pforten öffnen. Unabhängig von den Infektionszahlen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann will sich mit aller Macht um die Wiedereröffnung zumindest von Grundschulen und Kitas nach dem 10. Januar einsetzen. «Ich gehe davon aus und werbe sehr dafür, dass wir Kitas und Grundschulen in jedem Fall wieder in Präsenz öffnen und auch Klasse 5, 6 und 7 sowie die Abschlussklassen im Blick haben - unabhängig von den Inzidenzzahlen», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Gerade mit kleineren Kindern in der Grundschule sei digitaler Unterricht im Grunde nicht möglich. «Präsenzunterricht ist durch nichts zu ersetzen.» Von einer Verlängerung oder Verschiebung der Weihnachtsferien halte sie gar nichts.

Das Staatsministerium wiederum bremste die Ministerin am Montag aus. Präsenzunterricht, gerade für die Jüngeren, sei eminent wichtig und nicht einfach zu ersetzen, ließ die Landesregierung über ihren offiziellen Twitter-Account verkünden. «Aber auch im Schulbereich hängen sämtliche Maßnahmen vom Infektionsgeschehen ab.»

Eisenmann hält damit an der Linie fest, mit der die Politik über viele Monate offene Schulen gerechtfertigt hat: «Schulen stehen nicht im Mittelpunkt des Infektionstreibens», sagt sie. Das belegen aus ihrer Sicht auch bis zuletzt die Zahlen. Kurz vor dem Beginn des Weihnachts-Lockdowns waren nach Angaben des Kultusministeriums lediglich 7 der rund 4500 Schulen coronabedingt komplett geschlossen und 813 von rund 67 500 Klassen im Land vorübergehend in Quarantäne (Stand: 14. Dezember).

Eisenmann lehnt auch eine Verlängerung der Weihnachtsferien über den 10. Januar hinaus strikt ab, wie sie etwa der Deutsche Kinderschutzbund vor kurzem gefordert hatte. «Davon halte ich gar nichts», sagt sie. «Jeder Eingriff in die Ferien bringt neue Probleme mit sich, neue Herausforderungen für Eltern und auch für die Schulen.» Eine Verlängerung der Ferien sei auch mit dem Bildungsanspruch nicht zu vereinbaren. Bildung müsse auch in Pandemie-Zeiten möglich sein. «Ich würde es für einen Fehler halten, analog zu März und April Schulen, Kitas und Kindertagespflege über viele Wochen hinweg komplett geschlossen zu halten.»

Doch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte sich Mitte Dezember skeptisch gezeigt mit Blick auf die Öffnung von Schulen. «Wo wir sind am 11. Januar, wird man sehen», hatte der Regierungschef gesagt. «Keine Maßnahmen erfolgen unabhängig von den Infektionszahlen.» Die Ministerpräsidenten wollen am 5. Januar über das weitere Vorgehen entscheiden. Denkbar ist, dass der Lockdown verlängert wird, sollten die Zahlen nicht deutlich sinken.

Bildung und Betreuung müssten endlich eine Sonderstellung in der Lockdown-Debatte haben, fordert Eisenmann. «Ich fand ganz schwierig, mit welcher Leichtigkeit in der Diskussion gesagt wurde: Dann schließen wir halt mal die Schulen», sagt die CDU-Politikerin. «Es ist wichtig, dass wir Schulen anders behandeln als Baumärkte - bei aller Wertschätzung für die Baumärkte». Eisenmann betonte auch immer wieder Betreuungsprobleme für Eltern als Folge von Schulschließungen - und Probleme für schwächere Kinder, die durch Fernunterricht noch mehr abgehängt würden. «Manchmal ist es auch hilfreich, nicht nur auf Virologen zu hören, sondern auch auf Kinderpsychologen und Kinderärzte, die eine ganz klare Haltung haben zu Schulschließungen.»

Lernen am Bildschirm kann aus ihrer Sicht den Lehrer im Klassenzimmer nicht ersetzen. «Ausschließlich digital zu lernen, war und ist nicht Teil der Gesamtkonzeption Schule. Homeschooling ist in Deutschland eigentlich verboten. Das gibt es nur, weil es die Pandemie von uns gefordert hat», sagte Eisenmann. Nur wenige, begabte Schüler kämen mit so einer Art des selbstorganisierten Lernens gut zurecht. «Der Großteil hat damit ein Problem», sagte Eisenmann. «Fernunterricht ist immer die schlechtere Alternative zum Präsenzunterricht, zur Struktur, zum Arbeiten vor Ort, mit der Lehrkraft und in der Gruppe.»

Die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl sieht die Mehrheit der Lehrer in ihrem Streben nach mehr Präsenzunterricht an ihrer Seite. «Die Unterstellungen, die man manchmal hört, sind zutiefst ungerecht und falsch», sagte sie mit Blick auf Vorwürfe, Lehrer wollten sowieso lieber daheim bleiben. «Die allermeisten Lehrer sind engagiert und wollen überwiegend auch in die Schule.»

Die Bildungsgewerkschaft GEW betont, dass auch die Lehrkräfte so viel Präsenzunterricht wie möglich wollten. «Doch sie würden auch gerne einmal den Satz hören: "Soviel Sicherheit wie möglich für 130 000 Lehrerinnen und Lehrer!"», teilte GEW-Geschäftsführer Matthias Schneider mit.

Auch die FDP unterstützt das Bestreben nach Präsenzunterricht. «Präsenzunterricht ist nicht zu ersetzen, auch um die Schülerinnen und Schüler nicht zu verlieren, die zu Hause nicht über die technischen Möglichkeiten und die notwendige Präsenz der Eltern verfügen», sagte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Die Bilanz von Eisenmann während der Corona-Zeit sei dennoch mangelhaft. «Die Digitalisierungsmöglichkeiten der Schulen bleiben weit hinter den Anforderungen zurück, die digitale Lernplattform selbst bleibt Flickwerk und die Schulen sind nicht ausreichend gerüstet, etwa mit Luftfiltergeräten oder passenden Masken.»

SPD-Chef Andreas Stoch hält überhaupt nichts von einer Wiedereröffnung von Schulen unabhängig von Inzidenzzahlen. «Da fliegt jedem das Dach weg, der nur im Entferntesten mit Medizin oder Bildung zu tun hat», sagte Stoch der dpa. Eisenmann stelle sich damit radikal gegen jede wissenschaftliche Empfehlung. Die Inzidenzen seien immer noch viel zu hoch, die Infektionsketten nicht kontrollierbar. Es gebe mehr Möglichkeiten als die komplette Öffnung und die komplette Schließung von Schulen. Stoch fordert Stufenmodelle mit Wechselunterricht und zusätzliche Raummöglichkeiten wie Turnhallen und Foyers für jüngere Schüler.

Für ein abgestuftes Modell und geteilte Lerngruppen plädiert auch die Bildungsgewerkschaft GEW. «Wechselunterricht dürfen wir nicht verteufeln, das muss für hohe Inzidenzzahlen das Mittel der Wahl seien», sagt GEW-Landeschefin Monika Stein. Die Situation sei anders als im Frühjahr, viele Schulen seien vorbereitet. Es brauche eine Strategie, die nicht nur die Betreuung der Kinder in den Fokus nimmt, sondern auch den Gesundheitsschutz von Erziehern, Lehrern und Kindern. Eisenmann gebe aber der Betreuung den totalen Vorrang, kritisiert Stein. In Grundschulen und Kitas gebe es weiterhin keine Sicherheitsmaßnahmen außer Händewaschen und Lüften. Man sei schlecht beraten, von Präsenzunterricht nach dem 10. Januar auszugehen. Eine Öffnung, wie sie Eisenmann fordert, wäre «fahrlässig».

Zusätzliche Millionen für mehr Busse für die Schülerbeförderung

Das Verkehrsministerium gibt weitere 30 Millionen Euro, um die Schülerbeförderung in Corona-Zeiten mit zusätzlichen Busse zu entzerren. Dies teilte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) am Montag in Stuttgart mit. Das entsprechende Programm werde bis zu den Pfingstferien 2021 fortgesetzt. Damit soll mehr Abstand zwischen den Fahrgästen in den Bussen der Schülerbeförderung sichergestellt werden.

Das Förderprogramm für den Schülerverkehr sei ein Teil des Rettungsschirms des Landes Baden-Württemberg für den öffentlichen Personennahverkehr. Dieser werde gleichfalls fortgesetzt. Schon vor Weihnachten hatte dies das Kabinett beschlossen. Dazu werden 65 Millionen Euro Rettungsschirmmittel aus 2020 in das kommende Jahr übertragen. Hermann erwartet, dass sich der Bund wieder zur Hälfte finanziell an einem entsprechenden Rettungsschirm beteiligen wird.

Vor diesem Hintergrund ersetzt das Land bereits vorab den Verkehrsunternehmen die Hälfte der coronabedingten Fahrgeldausfälle für 2021.

Kieler Ministerium: Klarheit zum Schulbetrieb Anfang Januar

Das Bildungsministerium in Schleswig-Holstein hat den Fahrplan für Entscheidungen zum Schulunterricht ab dem 11. Januar bekräftigt. «Die Abstimmungen beginnen mit der Kultusministerkonferenz am 4. Januar, dann folgt die Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin am 5. Januar», sagte eine Ministeriumssprecherin am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Dies geschehe immer mit Blick auf die aktuellen Corona-Infektionszahlen und die wissenschaftliche Expertise.

Offen ist besonders, in welchem Umfang und ab wann es nach den Ferien Präsenzunterricht an den Schulen geben wird. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte zu Weihnachten eine frühzeitige Entscheidung über den Schulbetrieb im neuen Jahr verlangt. «Es ist abzusehen, dass die Lockdown-Maßnahmen über den 10. Januar hinaus verlängert werden müssen», sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Lehrer, Schüler und Eltern bräuchten Konzepte rechtzeitig, um sich auf die Situation einstellen zu können. «Ansagen am Freitag, die am Montag umgesetzt sein sollen, darf es nicht mehr geben.»

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte schon vor den Weihnachtsferien erklärt, die Organisation des Schulbetriebs ab dem 11. Januar müsse sich nach den aktuellen Infektionszahlen und den Beschlüssen der Ministerpräsidenten richten. Das weitere Vorgehen werde über den Jahreswechsel vorbereitet.

Bildungsminister rechnet mit Wechselunterricht nach dem Lockdown

Die Kleinen und die Großen zuerst: Abschlussklassen und Schulkinder bis einschließlich der sechsten Klassen sollten nach Meinung des Bildungsministers als erste wieder in die Schulen zurückkehren dürfen. Ob das schon ab 11. Januar so kommt, ist aber noch unklar.

Für die Zeit nach dem derzeit gültigen harten Corona-Lockdown hat Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) Wechselunterricht vorgeschlagen. «Alle Beteiligten - auch die Bundeskanzlerin, die Ministerpräsidenten und meine Kolleginnen und Kollegen der Kultusministerkonferenz - sind der Meinung, dass der Distanzunterricht so kurz wie möglich sein sollte», sagte Holter. Es brauche für die Zeit nach dem 10. Januar ein Konzept für einen Mix aus Unterricht zu Hause und in der Schule.

Seiner Meinung nach müssten zunächst alle Schüler der Klassen eins bis sechs sowie alle Abschlussklassen wieder in die Schulen zurückkehren. Es komme jedoch stark darauf an, wie sich das Infektionsgeschehen entwickele. Sein Ministerium bereite sich aber darauf vor, ab dem 11. Januar «bestimmte Formen des Unterrichtes für Thüringen zu organisieren», machte Holter klar.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) äußerte sich skeptisch mit Blick auf eine mögliche Öffnung der Schulen nach dem 10. Januar. «Solange wir kein wirkliches Sinken der Infektionszahlen haben, sehe ich auch noch nicht das Öffnen der Schulen», sagte Werner. Sie wisse, dass die Betreuung der Kinder für viele Eltern, die arbeiteten, ein Problem sei. «Aber an der Stelle, denke ich, geht es darum, die Pandemie zu besiegen.»

Die Landesregierung mache es sich nicht leicht mit diesem Thema. «Mit steigenden Infektionszahlen könnte ich eine Öffnung der Schulen nicht vertreten», betonte Werner. Man müsse aber Bedingungen schaffen, wie Besprechungen mit Lehrern für Abschlusskandidaten organisiert werden könnten und wie eine Notbetreuung gestaltet werden könne.

 

27.12.20210 17.00 Uhr

Künftige KMK-Präsidentin stellt Digital-Unterricht in den Mittelpunkt

Mitten in der Corona-Pandemie übernimmt die Brandenburger Bildungsministerin Ernst die Präsidentschaft in der Kultusministerkonferenz. Auch in Zeiten des Fernunterrichts will die SPD-Politikerin die Frage der Qualität nach vorne rücken.

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) will die Digitalisierung des Unterrichts in dem Mittelpunkt ihrer Präsidentschaft in der Kultusministerkonferenz (KMK) stellen. «Der Unterricht muss auch mit Einsatz digitaler Mittel gut sein, damit die Kinder etwas lernen», sagte Ernst der Deutschen Presse-Agentur. «Wir müssen systematisch erforschen, welche Unterrichtsmethoden geeignet sind, um Schülerinnen und Schüler gut zum Lernen zu bringen, auch auf unterschiedlichem Niveau.» Ernst übernimmt am 14. Januar offiziell die Präsidentschaft von der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Ernst will ihren Vorsitz unter das Thema «Lehren und Lernen und guter Unterricht in den Zeiten der digitalen Transformation» stellen.

Durch die Corona-Pandemie habe es zeitweise weniger Anträge zu der technischen Ausstattung der Schulen aus dem Digitalpakt des Bundes gegeben, räumte die Bildungsministerin ein. Inzwischen gebe es jedoch eine große Aufholjagd. «Aber die Technik muss ja auch mit guten Inhalten gefüllt werden.» Daher rücke nun die Qualität des Unterrichts in den Fokus. «Seit dem Pisa-Schock arbeiten wir daran, die Qualität des Lernens in der Schule zu verbessern», sagte Ernst. «Das müssen wir stärker mit der digitalen Technik verzahnen.»

Ihre Sorge gelte dabei insbesondere dem Kernfach Mathematik, erklärte die Ministerin. «Da stagnieren wir nach den Studien bei einem nicht so guten Wert.» Neben verstärkten Bemühungen der Forschungseinrichtungen müsse auch die Ausbildung der Lehrer in diesem Punkt verbessert werden. «Wir haben im Moment in Deutschland die Situation, dass man sich damit schmücken kann, von Mathe nix zu verstehen. Das ist eine unglückliche Legitimierung, die auch nach wie vor die jungen Leute erreicht.»

Doch ohne Grundkenntnisse in der Mathematik komme man nicht gut durchs Leben, betonte Ernst. Dies zeige nicht zuletzt die Corona-Pandemie. «Wir schauen auf Statistiken und Steigerungsraten und da braucht man schon Grundkenntnisse in Mathematik, um solche Daten auch verstehen zu können.»

Während der Corona-Pandemie stehe die Frage des Präsenzunterrichts für die Kultusministerkonferenz ganz oben auf der Agenda. «In der KMK sind alle dafür, dass die Schulen möglichst lange offen gehalten werden können», erklärte Ernst. Dazu sei aber eine Gesamtabwägung notwendig. Denn auch die Schulen müssten einen Beitrag zur Reduzierung der Kontakte leisten.

«Aber wir ringen um bestimmte Gruppen: Wir schauen sehr stark auf die Abschlussjahrgänge», betonte Ernst. «Das haben wir auch im Frühjahr gemacht, als wir diese als erste wieder in die Schulen geholt haben.» So hätten die Schüler ihr Abitur, Mittlere Abschlüsse und berufliche Abschlüsse erfolgreich absolvieren können, alleine in Brandenburg über 50 000. «Wir wollen erreichen, dass die Schüler auch im nächsten Jahr keine großen Nachteile durch die Pandemie haben und erfolgreich ihre Abschlüsse machen können», sagte die Ministerin.

Gelitten habe allerdings in diesem Jahr die Berufsorientierung der Jugendlichen. So habe es nur wenige Schülerpraktika in Betrieben gegeben, auch die großen Ausbildungsmessen konnten nicht stattfinden und es gab laut Ernst einen Rückgang an Ausbildungsverträgen in Deutschland. Daher sollen die Folgen der Pandemie für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt im März das Thema der KMK sein. «Wir wollen mit der Bundesagentur für Arbeit beraten, wie die Berufsorientierung auch mit anderen Methoden gut stattfindet und wir appellieren an die Betriebe, dass sie in den Ausbildungsanstrengungen nicht nachlassen», kündigte die Ministerin an. «Damit die Jugendlichen auch 2021 nach der Schule eine gute Perspektive haben.»

Digitalausstattung der Schulen kommt voran - Unterschiedliches Tempo

Notebooks und Tablet-Computer sind für den Fernunterricht nach den Ferien von zentraler Bedeutung. Für ihre Anschaffung gibt es mehrere Förderprogramme. Diese werden bislang ganz unterschiedlich in Anspruch genommen.

Vor Beginn des Fernunterrichts an den rheinland-pfälzischen Schulen am 4. Januar ist die Ausstattung von Schülern und Lehrern mit digitalen Endgeräten besser als beim ersten Lockdown im Frühjahr. Mehr als vier Jahre nach der ersten Ankündigung eines Digitalpakts von Bund und Ländern ist allerdings nur ein Teil der verfügbaren Mittel dafür abgerufen worden. Nahezu vollständig bewilligt sind hingegen die Mittel aus dem Sofortausstattungsprogramm dieses Jahres.

«Wir haben auf allen Ebenen einen Kraftakt unternommen, um die digitale Ausstattung auszubauen», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig in der letzten Sitzung des Jahres im Fachausschuss des Landtags. «Ja, es bleibt viel zu tun. Und wir wissen: In Deutschland insgesamt hätte es früher anfangen müssen.» Aber in Rheinland-Pfalz sei in diesem Jahr auch viel auf die Beine gestellt worden und «wir sind einen großen Schritt vorangekommen».

Über den Digitalpakt Schule hat der Bund Rheinland-Pfalz 241 Millionen Euro zugesagt. Davon waren Mitte Dezember knapp ein Viertel (23 Prozent) beantragt und gut zehn Prozent bewilligt. Tatsächlich abgerufen von den kommunalen Schulträgern waren bis dahin aber nur etwas mehr als 0,1 Prozent - rund 295 000 Euro. Das Land gibt zu den abgerufenen Mitteln mindestens zehn Prozent dazu. Ziel des Programms ist es, dass möglichst viele Schüler von zu Hause aus digital am Unterricht teilnehmen können, wenn der normale Schulbetrieb wegen der Pandemie ausgesetzt werden muss.

Förderfähig sind sechs Bereiche von Investitionen, darunter die WLAN-Abdeckung, Präsentationsgeräte wie interaktive Tafeln und mobile Endgeräte wie Tablet-Computer und Notebooks. Zu den förderfähigen Landesinvestitionen zählen unter anderem der Aufbau und die Weiterentwicklung von Lernplattformen im Netz und Strukturen für die professionelle Administration und Wartung digitaler Systeme.

Als erste Schule in Rheinland-Pfalz erhielt im Dezember 2019 eine Grundschule im Westerwald Geld aus dem Digitalpakt: Der Zuschuss von nahezu 25 000 Euro war für die Vernetzung des Schulgebäudes sowie die Anschaffung von interaktiven Tafeln und digitalen Arbeitsgeräten vorgesehen.

Die auch als Digitalpakt 2 bezeichnete Zusatzvereinbarung für ein Sofortausstattungsprogramm ist nach Angaben des Bildungsministeriums bereits zu 99 Prozent bewilligt. Aus dem Anfang Juli gestarteten Programm erhielt Rheinland-Pfalz 24,1 Millionen Euro, dafür wurde die Anschaffung von mehr als 57 000 Geräten bewilligt. Vor allem Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Familie keinen Zugang zu einem Computer haben, sollen einen Laptop oder Tablet-Computer als Dauerleihgabe erhalten. Die Mittel wurden in Rheinland-Pfalz nach einem Sozialindex auf alle Schulträger verteilt.

Im Frühjahr stellten Land und Schulträger gemeinsam rund 15 000 Geräte, die bereits an den Schulen vorhanden waren, zum Verleih an bedürftige Schülerinnen und Schüler bereit.

Verzögert hat sich nach Angaben des Bildungsministeriums die Zusatzvereinbarung zum Digitalpakt für Lehrergeräte, so dass diese Mittel des Bundes bis Mitte Dezember auch noch nicht abgerufen werden konnten. Rheinland-Pfalz habe aber mit Landesmitteln bereits 3000 dienstliche Notebooks für Lehrkräfte angeschafft, die aus gesundheitlichen Gründen von zuhause aus unterrichten.

Lange vor dem Digitalpakt gestartet wurde das Landesprogramm «Medienkompetenz macht Schule», aus dem bislang rund 20 000 Notebooks für Schulen angeschafft wurden. Die Haushaltsmittel für die Digitalisierung der Schulen steigen im kommenden Jahr von 17 auf 21 Millionen Euro.

Schülervertreter: Weniger Lernstoff und mehr Digitales im neuen Jahr

Fast immer nur Overhead-Projektoren und Beamer: Mit der technischen Ausstattung an Schulen kann Distanzunterricht oft nicht funktionieren. Schülervertreter fordern Modernisierungen - auch von Lehrplänen.

Nach Monaten voller Ungewissheit durch die Corona-Pandemie fordert die Landesschülervertretung ausgedünnte Lehrpläne für das neue Jahr an Nordrhein-Westfalens Schulen. Der verpasste Stoff sei bei einem engmaschigen Lehrplan nicht mehr nachzuholen. «Deswegen muss man sagen: Wir kürzen die Pläne. Thema XY wird ersatzlos gestrichen, um die anderen Themen vernünftig zu behandeln», sagte Sophie Halley, Vorstand der Landesschülervertretung, der Deutschen Presse-Agentur.

Nur mit entschlackten Plänen könnten Kinder nach der Pandemie zurück zur Normalität finden. Kinder und Jugendliche stünden unter Druck, weil sich durch den ausgefallenen Unterricht ein Themen-Rückstau bilde.

Mit Distanzunterricht hat die Schülervertretung zudem «ein riesiges Problem». Die notwendigen Medien seien nicht vorhanden. «Die digitale Ausstattung an Schulen ist fast immer auf Overhead-Projektoren und Beamer beschränkt», so Halley. Es sei ein immenser Bürokratieaufwand, Mittel aus dem Digitalpakt zu beantragen.

«Dafür bräuchte man einen weiteren Menschen, der sich nur mit der Bestellung dieser Endgeräte aus dem Digitalpakt beschäftigt», sagte Halley. Bei dem Lehrkräftemangel könne sich das aber keine Schule leisten. Bislang sei der rund eine Milliarde Euro schwere Digitalpakt nur zu einem Viertel ausgeschöpft worden, hieß es aus dem zuständigen Schulministerium. Lehrkräften müssten auch Fortbildungen zum Umgang mit digitalen Medien angeboten werden.

Die Schülervertreter fordern zudem, dass nur Abschlussjahrgänge und Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe benotet werden sollen. Abiturientinnen und Abiturienten sollen entscheiden dürfen, ob sie die Abiturklausuren schreiben oder stattdessen eine Durchschnittsnote bisher erbrachter Leistungen als Abschlussnote bekommen. Durch Distanzunterricht würden Kinder aus sozial schwächeren Haushalten benachteiligt werden.

Saarland investiert 137 Millionen Euro in digitale Bildung

Das Corona-Jahr 2020 hat die digitale Bildung im Saarland beschleunigt. Vor allem bei der IT-Ausstattung ist viel passiert. Aber es gibt immer noch viel zu tun, sagt die Ministerin.

Das Saarland will alle seine rund 9400 Lehrkräfte bis zum Ende des Schuljahres 2021/22 mit dienstlichen Endgeräten wie Computer oder Laptops ausrüsten. Zudem sollten alle Schüler, die nach dem Schülerförderungsgesetz als bedürftig gelten, wohl im ersten Quartal 2021 digital ausgerüstet sein, teilte das saarländische Bildungsministerium in Saarbrücken mit. Bis 2024 werde das Saarland 137 Millionen Euro in die digitale Bildung investieren; 66,8 Millionen kommen über den Digitalpakt Schule vom Bund.

«Wir haben in diesem Jahr vieles nach vorne gebracht – bei der IT-Ausstattung unserer Schulen, der Fortbildung unserer Lehrkräfte und insbesondere mit unserer Bildungscloud Online-Schule Saarland», sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist aber auch noch viel zu tun.» Das sehe man zum Beispiel beim Netzausbau: in der vergangenen Woche seien einige Netze überlastet gewesen.

Zum Programm Digitalpakt Schule (2019-2024) seien bereits 10,3 Millionen Euro beantragt worden: Bis zum Beginn der Herbstferien hätten 111 Anträge vorgelegen, teilte das Ministerium mit. Bereits an 109 Schulen im Saarland - und somit einem Drittel aller Schulen - liefen Maßnahmen, die aus Mitteln des Digitalpaktes gefördert würden, sagte ein Sprecher. Geld aus dem Digitalpakt wird in die IT-Ausstattung und IT–Infrastruktur der Schulen investiert.

Für Schüler haben die Schulträger insgesamt 12 000 Endgeräte bestellt, wie das Ministerium weiter mitteilte. 1000 Laptops stehen bereits zur Verfügung, so dass Schüler, die im Lockdown keine geeigneten Geräte hatten, ausgestattet werden konnten. In einem zweiten Schritt werde das Ministerium mit den Schulträgern eine landesweite Geräte- und Medienleihe aufbauen, die die bisherige Schulbuchausleihe ablösen solle. Gespräche mit der kommunalen Seite liefen.

Das wichtigste Instrument für digitalen Unterricht und Lernen zu Hause sei die landeseigene Bildungscloud Online-Schule Saarland (OSS). Die Zahl der Nutzer der OSS wachse stetig und habe sich seit Mai 2020 nahezu verdoppelt. Aktuell seien rund 70 000 Schüler sowie 8700 Lehrkräfte registriert. Für das vergangene Schuljahr 2019/20 gab es rund 550 Anmeldungen von Lehrkräften zu OSS-Fortbildungen, im laufenden Schuljahr 2020/21 bisher rund 770 Anmeldungen.

Bildungsverbände fordern klare Aussagen zu Schulbetrieb und Prüfungen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangt eine frühzeitige Entscheidung, wie es ab dem 10. Januar an den Schulen weitergeht. «Es ist abzusehen, dass die Lockdown-Maßnahmen über den 10. Januar hinaus verlängert werden müssen», sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Lehrer, Schüler und Eltern bräuchten Konzepte rechtzeitig, um sich auf die Situation einstellen zu können. «Ansagen am Freitag, die am Montag umgesetzt sein sollen, darf es nicht mehr geben. Das hat in der Vergangenheit alle Beteiligten oft genug vor unlösbare Probleme gestellt», kritisierte Tepe. Am 5. Januar wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen beraten.

Kultusministerien und Schulbehörden müssten die verlängerte Ferienzeit nutzen, um tragfähige Konzepte für unterschiedliche Szenarien zu entwickeln, forderte die GEW-Chefin. «Dazu gehört, sich endlich von der Schimäre des bedingungslosen Offenhaltens der Schulen zu verabschieden.» Die Schulen müssten auf Wechselunterricht umstellen. Nur so könne das Recht auf Bildung aufrechterhalten werden, nur so könnten die Lehrer den Kontakt zu den Schülern halten. Und nur so könne es gelingen, insbesondere ohnehin benachteiligte Kinder und Jugendliche nicht zu verlieren.

Auch das Thema Prüfungen treibt Bildungsgewerkschaften und -verbände um. «Prüfungen und Tests, die zurzeit nicht viel mehr als soziale Ungleichheiten widerspiegeln, sollen ausgesetzt werden», forderte GEW-Chefin Tepe. Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, forderte im RND von der Kultusministerkonferenz «dringend Aussagen», wie Prüfungen durchgeführt und bewertet werden sollen, «aber auch welche Anpassungen an den Curricula und der Anzahl der Leistungstest sowie deren Inhalt vorgenommen werden». Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, sagte dem RND: «Die Kultusministerien müssen die realen Daten erheben, wie viel Unterricht in diesem Schuljahr und im letzten Schuljahr im Vergleich zu den letzten Schuljahren bisher ausgefallen ist. Daraus müssen entsprechende Konsequenzen für Prüfungen und für die Förderung von Schülerinnen und Schülern gezogen werden.»

Piazolo: Mebis wird ertüchtigt

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) ist optimistisch, dass der Schulunterricht in Bayern technisch besser wird. «Ich bin auf jeden Fall zuversichtlich, dass wir einen guten Distanz-Unterricht hinbekommen», sagte der Minister der «Augsburger Allgemeinen» (Mittwoch). Das umstrittene und zuletzt stark absturzgefährdete System Mebis solle in den bevorstehenden drei Ferienwochen weiter ertüchtigt werden, sagte Piazolo.

Zudem solle es nach den Ferien eine zeitliche Entzerrung bei der Nutzung geben, damit nicht alle gleichzeitig darauf zugreifen. Zudem solle es eine Erweiterung des Instrumenten-Kastens geben: «Wir wollen die ganze Bandbreite an digitalen und analogen Möglichkeiten nutzen», betonte der Minister. Er wies zudem darauf hin, dass nur ein Achtel aller Schülerinnen und Schüler in Bayern pro Tag mit der Online-Lernplattform Mebis arbeiten. Andere Hilfsmittel zum Distanzunterricht hätten einwandfrei gearbeitet.

Lehrerverband dringt wegen Corona auf schlankeren Lehrplan

Der Lehrplan für Bayerns Schüler sollte nach Vorstellung der größten Lehrervereinigung im Freistaat coronabedingt verschlankt werden. «Ferner müssen unbedingt zeitnah weitere verbindliche Lehrplaninhalte, die Gegenstand der Abschlussprüfungen sind, gestrichen werden», forderte der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) am Mittwoch in München. «Darüber hinaus muss den einzelnen Schulen, die von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie besonders stark getroffen wurden, das Recht eingeräumt werden, in Eigenverantwortung alle Inhalte, die nicht behandelt wurden, auch nicht prüfen zu müssen.»

Wie Abschlussprüfungen für den Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, den Mittleren Schulabschlusses oder das Abitur ausgestaltet werden müssen, sollte rechtlich klar geregelt werden. Jede Schule sei von Corona unterschiedlich stark betroffen - es brauche daher verschiedene Konzepte. «Ein bloßer Aufschub, um Druck und Stress bei allen Beteiligten zu vermindern, reicht hier keinesfalls aus», so der BLLV.

Wegen der noch immer nicht absehbaren Folgen der Corona-Krise für das laufende Schuljahr hatte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Montag angekündigt, dass an den Realschulen und Gymnasien die Zahl der Prüfungen reduziert werden könne. Bei Bedarf sollte bei Leistungsnachweisen schulartbezogen flexibel nachjustiert werden.

Mit modularisierten individuellen Förderangeboten sollte laut BLLV versucht werden, die derzeitige Bildungsungerechtigkeit unter den Kindern wenigstens etwas aufzufangen. «Es darf nicht sein, dass den Schülerinnen und Schülern in den Folgeschuljahren Nachteile entstehen, die aus den durch Wechsel- und Distanzunterricht oder Quarantäne-Fehlzeiten verursachten Lernrückständen resultieren», sagte Verbandspräsidentin Simone Fleischmann.

Weihnachtsbotschaft von Gebauer: Weiter Corona-Tests für Lehrer

Schulministerin Yvonne Gebauer hat (FDP) angekündigt, dass es auch im neuen Jahr das Angebot anlassloser Corona-Tests für Lehrer geben wird. Details werde man zum Jahresbeginn bekanntgeben, hieß es in einem Weihnachtsgruß der Ministerin per E-Mail an alle Schulen in Nordrhein-Westfalen.

Die für das Schulpersonal kostenfreien Tests waren ursprünglich bis zu den vergangenen Herbstferien angesetzt und dann verlängert worden. Nach den Weihnachtsferien soll es auch Schnelltests an Schulen geben, wie die Landesregierung Anfang Dezember mitgeteilt hatte.

In ihrer Mail bedankt sich Gebauer bei allen Lehrern - und geht auf Ärger bei Personal und Verbänden ein: Entscheidungen müssten «mitunter auch an Freitagen» kommuniziert werden - «selbst dann, wenn die Kritik daran in Umfang und Schärfe vorhersehbar ist».

Den «Ruf nach frühzeitigen, flächendeckenden Wechselmodellen» für den Unterricht habe man vernommen. Aber: «Unser Festhalten am Präsenzunterricht hatte und hat einen Grund», so Gebauer.

Verband: Lehrer leiden unter zusätzlichen Belastungen durch Corona

Für rund 245 000 Schülerinnen und Schüler beginnen am Mittwoch die Weihnachtsferien. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Kinder und Jugendlichen schon seit einer Woche nicht mehr in die Schule. Für die Lehrer bedeutete dies teils zusätzliche Belastungen.

Thüringens Lehrkräfte starten nach Einschätzung des Lehrerverbandes geschafft in die Weihnachtsferien. Die Corona-Pandemie habe für die Lehrer eine zusätzliche Belastung bedeutet, sagte Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbandes. Gerade der sogenannte Distanzunterricht, bei dem die Schüler zu Hause lernen und zum Beispiel per Videokonferenzen mit ihren Lehrern Aufgaben besprechen, sei für die Lehrkräfte anstrengend und erfordere viel Vorbereitung. «Wenn wir nicht noch diesen eklatanten Lehrermangel hätten, könnten wir das auch besser abfedern», sagte Busch.

Seiner Meinung nach räche sich die Personalpolitik der vergangenen Jahre in der Corona-Pandemie nun doppelt.

Obwohl die Weihnachtsferien für die rund 245 000 Schüler in Thüringen erst an diesem Mittwoch beginnen, sind die Kinder und Jugendlichen bereits seit mindestens einer Woche zu Hause. Grund ist die Corona-Pandemie. Im Zuge des harten Lockdowns wurden im Freistaat auch Kitas und Schulen weitgehend geschlossen. Schüler sollten von zu Hause aus lernen. In anderen Bundesländern wurde der Beginn der Weihnachtsferien teils vorgezogen, Thüringen entschied sich jedoch anders.

Auch nach den Weihnachtsferien ist zunächst keine Rückkehr in die Klassenräume geplant - die jetzt gültigen Regeln sollen noch bis mindestens 10. Januar bestehen bleiben.

Busch forderte mit Blick auf die Zeit nach den Weihnachtsferien klarere Regeln für die Notbetreuung. In der vergangenen Woche konnten nicht nur Eltern bestimmter Berufsgruppen ihre Kinder in die Notbetreuung geben, sondern alle, die glaubhaft machen konnten, dass sie ihre Kinder nicht regelkonform selbst betreuen können.

Die Entscheidung darüber sollten die Schulleitungen treffen. Busch nannte diese Regelung realitätsfern. In der Praxis bleibe den Schulleitungen meist nichts anderes übrig, als jeden Antrag der Eltern auch zu akzeptieren. «Von der Politik erwarte ich, dass sie klare Regeln gibt, mit denen vor Ort auch tatsächlich gearbeitet werden kann», sagte er.


22.12.20202 14.15 Uhr

Laschet: Kann nicht für reguläres Abitur 2021 garantieren

Angesichts der weiter grassierenden Corona-Pandemie ist nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) noch nicht klar, ob es 2021 ein reguläres Abitur geben kann. Das Abitur 2021 gehöre zu den «Unwägbarkeiten» der Pandemie, sagte Laschet am Dienstag in Düsseldorf. Prognosen, die über den 10. Januar hinausgingen, seien nicht möglich. Laschet verwies aber darauf, dass im ablaufenden Jahr 2020 trotz der Corona-Pandemie deutschlandweit ein reguläres Abitur ermöglicht worden sei. «Wir tun alles, dass das nächstes Jahr auch möglich wird», betonte Laschet. «Aber garantieren kann ich das zum jetzigen Zeitpunkt nicht.»

Ministerin: Entscheidung über Schulöffnung fällt am 5. Januar

Die Entscheidung über den Weiterbetrieb der Schulen nach dem harten Corona-Lockdown am 11. Januar fällt erst wenige Tage vorher. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) teilte am Dienstag in Stuttgart mit, dass man die Konferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am 5. Januar abwarten wolle. «Unser grundsätzliches Ziel ist, so viel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten», erklärte die Ministerin, die sich kürzlich mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu dem Thema beraten hatte. Denkbar ist, dass der Lockdown verlängert wird, sollten die Infektionszahlen nicht deutlich sinken.

Eisenmann betonte: «Der Lernerfolg ist im Präsenzunterricht am größten. Zudem dürfen wir soziale und psychologische Aspekte nicht vergessen. Schule gibt Kindern und Jugendlichen gerade in der schwierigen Pandemiesituation Struktur und Halt.» Das Ministerium bereite ein Konzept für den Wiedereinstieg nach dem 10. Januar vor. «Dieses Konzept soll ein flexibles Handeln ermöglichen, je nach regionaler Infektionslage und nach Alter der Kinder.» Dies habe sie den Schulen am Montag in einem Schreiben mitgeteilt.

Darin informierte die Ministerin auch darüber, dass die Halbjahreszeugnisse diesmal nicht schon zum 10. Februar ausgegeben werden müssen, sondern bis Ende des Monats Zeit ist. Hintergrund sei, dass in der Zeit vom 16. bis zum 23. Dezember teilweise Klassenarbeiten angesetzt waren, die nicht geschrieben werden konnten. «Um die Lage an den Schulen etwas zu entspannen, haben wir entschieden, den Schulen mehr Zeit für die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse zu geben.»

Von der Verlängerung seien die Klassen ausgenommen, bei denen eine Entscheidung über die weitere Schullaufbahn ansteht. «Das betrifft die vierte Klasse in der Grundschule, wo die Grundschulempfehlung ansteht, sowie die Klasse 8 und 9 der Gemeinschaftsschulen, in denen ebenfalls eine Entscheidung über die weitere Schullaufbahn erfolgt.»

Schulleitungsverband: Über Unterricht muss vor Ort entschieden werden

Die Schulleitungsvereinigung NRW wirft dem Schulministerium mangelndes Vertrauen in die Schulen vor Ort in der Corona-Pandemie vor. Der Verband reagierte damit auf Ankündigungen von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) vom Montag. Gebauer hatte drei Szenarien für den Schulbeginn im neuen Jahr skizziert. Abhängig von den Infektionszahlen könne es Einschränkungen geben, die aber konkret erst am 5. Januar 2021 bei der Sitzung der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin getroffen werden.

Es werde deutlich, dass das Ministerium «offensichtlich kein Vertrauen in die Schulen und die Schulleitungen vor Ort» habe, erklärte die Schulleitungsvereinigung. Dabei seien die Schulleiterinnen und Schulleiter gerade die Menschen, denen alle Rahmenbedingungen ihrer Schule bekannt seien. Die zentrale Forderung der Verbandes laute daher, dass Schulen zum Schulbeginn 2021 unter «den dann aktuellen, lokalen Bedingungen vor Ort entscheiden, wie der Unterrichtsbetrieb organisiert und aufrechterhalten» werden könne.

Das Ministerium wehrte sich entschieden gegen die Kritik. «Das Ministerium für Schule und Bildung hat bereits zu Beginn des Schuljahres eine Verordnung zum Distanzunterricht erlassen, darin spielen die Schulleitungen die zentrale Rolle bei der Einrichtung sowie der Organisation des Distanzunterrichts», erklärte Staatssekretär Mathias Richter. Keiner außer ihnen kenne die Situation vor Ort so gut und könne passgenaue Konzepte und Lösungen erarbeiten. Dabei hätten die Schulleiter «viele Freiräume».

«Die Kritik der Schulleitervereinigung zielt daher ins Leere und zeugt von fehlendem Praxisbezug sowie mangelnder Kenntnis über die bereits seit Monaten geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen und deren Anwendung in den Schulen», erklärte Richter.

Bayerns Schulen können Zahl der Prüfungen wegen Corona senken

Quarantäne, Wechselunterricht, Hybrid-Unterricht - Die Pandemie stellt Bayerns Schüler und Lehrer vor große Probleme. Mit weniger Leistungsnachweisen will das Ministerium sie nun entlasten.

Wegen der noch immer nicht absehbaren Folgen der Corona-Krise für das laufende Schuljahr kann an Bayerns Realschulen und Gymnasien die Zahl der Prüfungen reduziert werden. «Mir ist vor allem sehr wichtig, dass wir eine Ballung von Leistungsnachweisen verhindern. Deswegen schaffen wir faire und flexible Regelungen zur Reduzierung von Leistungsnachweisen», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Montag in München.

Es dürfe nicht sein, dass die Schüler wegen längerer Phasen von Wechsel- oder Distanzunterricht unter Druck geraten. Piazolo weiter: «Wir werden abhängig davon, wie es nach den Weihnachtsferien weitergeht, auch die Termine für die Abschlussprüfungen der anderen Schularten anpassen und bei Bedarf auch bei Leistungsnachweisen schulartbezogen flexibel nachjustieren.»

Konkret sieht die Neuregelung für Gymnasien und Realschulen vor, dass die Lehrer an den Schulen für sich entscheiden können, ob und wie sie die vorgeschriebene Zahl an sogenannten großen Leistungsnachweisen senken. «Die konkrete Entscheidung trifft das Lehrkräfteteam unter genauer Abwägung der Situation in der einzelnen Klasse», teilte das Ministerium mit. Bei den Leistungsnachweisen könne die Ausgangslage auch an einer Schule von Klasse zu Klasse sehr unterschiedlich sein.

Die abiturrelevanten Klausuren - auch an den Fach- und Berufsoberschulen - können die Schulen zudem ins zweite Halbjahr verschieben und den Zeugnistermin entsprechend verlegen.

An den Mittel- und Wirtschaftsschulen besteht den Angaben zufolge ohnehin größere Flexibilität. Es solle «insgesamt sichergestellt sein», dass am Ende des Schuljahres ohne Zeitdruck eine valide und aussagekräftige Zeugnisnote gebildet werden könne, hieß es. Auch die Förderschulen, die nach den Lehrplänen der allgemeinen Schulen unterrichten, sollten sich an den für sie entsprechenden Vorgaben orientieren.

Zudem soll die Wiederholung der Corona-Schuljahre 2019/20 und 2020/21 nicht auf die Höchstausbildungsdauer angerechnet werden. Hierzu läuft dem Ministerium zufolge derzeit eine entsprechende Verbändeanhörung zur Änderung der Schulordnung.

Hubig hält Fernunterricht auch in zweiter Januarhälfte für denkbar

Die Schulen in Rheinland-Pfalz müssen sich bei einer weiterhin schnellen Ausbreitung der Corona-Pandemie auf einen längeren Fernunterricht einstellen als bislang geplant. «Wenn die Infektionszahlen nach dem 15.1. hoch bleiben, muss grundsätzlich auch der Fernunterricht fortgesetzt werden», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Montag in einer digitalen Sondersitzung des Bildungsausschusses. Ziel bleibe es aber, vor allem in den unteren Jahrgängen und den Abschlussklassen schnell wieder in den Präsenzunterricht an den Schulen zu gelangen.

«Alle weiteren Schritte werden maßgeblich von der Entwicklung des Infektionsgeschehens bestimmt sein», sagte Hubig. Mit den drei Szenarien Präsenzunterricht, Wechselunterricht, Fernunterricht gebe es eine grundsätzliche Planungssicherheit für die Schulen. Angesichts der unberechenbaren Entwicklung der Pandemie sei es aber notwendig, flexibel zu reagieren und bei Bedarf nachzusteuern.

«Auch im Kita-Bereich haben wir ein Konzept und einen Plan», sagte Hubig mit Blick auf wiederholte Kritik der CDU, dass es kein langfristiges Konzept zur Bildungspolitik in der Corona-Krise gebe. Für Kinder, deren Eltern aufgrund ihres Arbeitsplatzes keine andere Betreuungsmöglichkeit hätten, müsse die Kita weiter geöffnet bleiben. «Wir sehen, dass dieser Bedarf besteht und deswegen ist es gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.» Alle Bundesländer seien im Moment in der gleichen Situation und hätten deswegen mehrheitlich ähnliche Regelungen getroffen.

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Anke Beilstein, warf Hubig «Beratungsresistenz, Ignoranz gegenüber Erkenntnissen der Wissenschaft, dieses ständige Schleifenlassen» vor. Auf Sicht zu fahren, sei «absolut unverantwortlich». Beilstein fügte hinzu: «Hier war kein echtes Krisenmanagement da und erst recht nichts, was in die weitere Zukunft hineinträgt». Hubig wies die Vorwürfe zurück und wandte sich entschieden gegen «persönliche Angriffe und persönliche Unterstellungen».


21.12.2020 13.45 Uhr

Kreise: Beratungen der Kultusminister am 4. Januar

Die Kultusminister der Länder werden voraussichtlich am 4. Januar über das weitere Vorgehen an den Schulen in der Corona-Pandemie beraten. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen der Kultusministerkonferenz (KMK). Einen Tag später sind Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder geplant. Dabei soll es um die Zeit nach dem zunächst bis 10. Januar geplanten Lockdown gehen.

Die bis zum Jahresende amtierende KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte der «Rheinischen Post» gesagt, dass die KMK vor dem Gespräch Merkels mit den Ländern «zum weiteren Verlauf des Schuljahrs 2020/2021 beraten und abstimmen» wolle. Bisher ist noch weitgehend offen, in welcher Form der Unterricht ab dem 11. Januar weitergeht.

In der Corona-Pandemie: Schulen nicht zum Zentral-Abitur verpflichtet

In der Corona-Pandemie dürfen die Schulen Niedersachsens im kommenden Jahr statt des Zentral-Abis auch eigene Aufgaben in der Abiturprüfung stellen. Allerdings sei das dezentrale Abitur eine «Rückfalloption», die präventiv vorbereitet worden sei und nur zum Einsatz kommen solle, wo es unbedingt nötig sei, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Montag. Zuvor hatte eine Sprecherin der «Neuen Osnabrücker Zeitung» gesagt, die Möglichkeit gelte für Schulen, die besonderes von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen seien.

Damit weiche das Land ausnahmsweise vom Grundsatz ab, landesweit zentral gestellte Aufgaben zu verwenden, sagte sie dem Blatt. Der Sprecher betonte jedoch, die zentralen Aufgabenstellungen böten Schülerinnen und Schülern nach Anpassungen der thematischen Hinweise im Sommer und der abschließenden Bearbeitung der Abituraufgaben in diesen Tagen «in der Regel alle Chancen für eine faire Prüfung».

Dem Bericht zufolge sind in jedem Fall der Erwerb der allgemeinen Hochschulreife sowie eine bundesweite Anerkennung des Abschlusses in Absprache mit den anderen Bundesländern sichergestellt. «Wir haben Vorkehrungen getroffen, dass trotz der Corona-Pandemie alle Abschlüsse auf hohem Qualitätsniveau gemacht werden können», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne der Zeitung.

Das gelte für das Abitur sowie für die Haupt-, Real-, und Förderschulabschlüsse. Es werde keinen «Corona-Makel» geben, alle Abschlüsse seien gleichwertig mit denjenigen der Vorjahre, sagte der SPD-Politiker. «Unsere Regelungen kürzen nicht bei der Qualität, sondern reagieren zielgenau auf Stoff, der vielleicht weniger abgearbeitet werden konnte.» Daher müssten sich alle Abiturienten «genauso anstrengen und auf den Hosenboden setzen» wie immer.

Schulministerin nennt drei Szenarien zum Schulstart in NRW

Eine Verlängerung der Winterferien bis Ende Januar lehnt NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer als «nicht praktikabel» ab. Nun hat sie ein Stufenmodell abhängig von der Infektionslage vorgestellt.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat Schüler und Lehrer auf drei verschiedene Szenarien beim Schulbeginn im neuen Jahr vorbereitet. Abhängig von den Infektionszahlen der Corona-Pandemie könne es Einschränkungen geben, die aber konkret erst am 5. Januar 2021 bei der Sitzung der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin getroffen werden, kündigte Gebauer am Montag in Düsseldorf an. Bis zum 7. Januar werde dies dann für den Schulbetrieb in NRW konkretisiert. Der Unterricht soll nach Ende der Winterferien am 11. Januar beginnen.

In einem Schreiben an die Schulen skizzierte das Schulministerium ein Stufenmodell für den Schulunterricht im neuen Kalenderjahr. Im günstigsten Fall («Stufe 1») werde es landesweiten Präsenzunterricht für alle unter Berücksichtigung der Vorgaben für Hygiene und Infektionsschutz geben. Nur in Einzelfällen, etwa bei konkreten Quarantäne-Maßnahmen, werde auf Distanzunterricht ausgewichen.

Als «Stufe 1+» bezeichnete das Ministerium das zweite Szenario: Einen angepassten Schulbetrieb in Hotspots. In Kreisen oder kreisfreien Städten mit einer 7-Tages-Inzidenz oberhalb von 200 können die Behörden Einschränkungen des Schulbetriebs anordnen, die zum Beispiel zu einer Teilung von Klassen oder Kursen führen können «und damit in der Regel parallel bzw. im Wechsel Präsenz- und Distanzunterricht erforderlich machen.» Dies soll nicht für die Klassen 1 bis 7 und Abschlussklassen gelten.

Bei «Stufe 2» käme als drittes Szenario ein landesweit eingeschränkter Schulbetrieb in Frage. «Ziel ist es dabei, den Präsenzunterricht für die Klassen 1 bis 7 - wo immer möglich - sicherzustellen. Ab einschließlich Klasse 8 kann Distanzunterricht im Wechsel von Präsenz- und Distanzbetrieb mit Ausnahme der Abschlussklassen vorgesehen werden.» Zudem gelte dann die Maskenpflicht auch im Unterricht.

Gebauer verriet, dass es noch ein weiteres Szenario gebe: «Ich will es nicht hoffen, aber es kann auch darüber hinaus noch eine Eskalationsstufe geben. Die betrifft dann aber nicht nur die Schulen», sagte Gebauer. Dies habe man bewusst nicht aufgeführt. Wie ein solches Szenario aussähe, wollte sie auch auf Nachfrage nicht ausführen.

Eine Verlängerung der Winterferien bis Ende Januar, wie vom Deutschen Kinderschutzbund gefordert, lehnte Gebauer als «nicht praktikabel» ab. Die Ministerin kündigte an, alle Lehrkräfte und das weitere Personal an den Schulen für die Zeit bis zu den Osterferien mit FFP-2-Masken auszustatten.

Der Verband Bildung und Erziehung begrüßte, dass das NRW-Schulministerium am Montag mit der Tradition der «Freitag-Schulmails, gerne nach oder kurz vor Unterrichtsschluss» gebrochen habe.

«Es ist ein Fingerzeig in eine Richtung, die Schulen frühzeitiger über Entscheidungswege- und mögliche Szenarien zu informieren.» Immer wieder hätten die Schulen zuvor sehr kurzfristige Entscheidungen ausbaden müssen.

«Ja, die Situation ist dynamisch, aber die Landesregierung ist gefordert, vorausschauender zu agieren, um gerade in stürmischen Zeiten unnötige Hektik zu vermeiden», forderte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau. «Es bleibt zu hoffen, dass das kommende Jahr besser beginnt, als das Jahr 2020 geendet hat.»

 

19.12.2020 23.00 Uhr

Schulen und Corona: Chaos in Familien und Zoff in der Koalition

Es ist ein Jahr, an das sich Schüler wie Lehrer noch lange erinnern werden: Abstandsgebote, Maskenpflicht, Wechsel- und Distanzunterricht bestimmten das Jahr 2020. Doch selbst jetzt noch gibt es mit dem Distanzunterricht Probleme.

Die Nachricht von den bevorstehenden Schulschließungen platzte an einem Freitagvormittag Mitte März in den Unterricht. Schon am Montag drauf war für die 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler in Bayern alles anders: Der Schulalltag in seiner gewohnten Form, mit Unterricht im Klassenzimmer und den Pausen, mit Lernen, Ratschen und Raufen war passé. Neun Monate später gibt es nun schon den zweiten Lockdown, beim Distanzunterricht hapert es aber noch immer. Das sorgt für heftigen Streit in der Koalition.

Das Fass zum Überlaufen gebracht haben in dieser Woche die wiederholten Probleme bei der Lernplattform Mebis. Seit Mittwoch sind sämtliche Schulen dicht, doch zahlreiche Schüler konnten sich morgens nicht in das staatliche System einloggen - obwohl die Server schon im ersten Lockdown im Frühjahr regelmäßig in die Knie gegangen waren.

Entsprechend harsche Kritik ergoss sich über Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), dessen Ministerium zudem erst zu Wochenbeginn mit einer unklaren Anweisung zu Distanzunterricht und Distanzlernen für Verwirrung gesorgt hatte. Nachdem Piazolos Agieren schon in den Vormonaten öfter unter Beschuss stand, forderte die FDP nun sogar seinen Rücktritt.

Zeigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zuletzt noch öffentlich Verständnis für die schwierige Rolle seines Ministers, der es nie allen recht machen könne, änderte auch er am Mittwoch die Tonlage. Er habe sich «geärgert über diese Kommunikationspanne».

Mit Blick auf Mebis wurde Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) noch deutlicher: Die erneuten Störungen seien «unverständlich und ärgerlich. Wir haben den klaren Auftrag an das Kultusministerium erteilt, die Probleme umgehend zu beheben. (...) Nach den Ferien muss der Distanzunterricht reibungslos stattfinden können, wenn es notwendig ist.»

Eine scharfe Ansage also an ihren Kultusminister - das ließen die Freien Wähler nicht auf sich sitzen. «In einer Koalition arbeitet man zusammen und stellt sich keine gegenseitigen Ultimaten oder verteilt Schuldzuweisungen», betonte der Chef der Landtagsfraktion, Florian Streibl. Kurz vor Weihnachten hängt der Haussegen in der Koalition nun mächtig schief.

Das liegt auch daran, dass das Thema Schule per se ein hoch emotionales ist. Zudem lagen - und liegen - die Nerven in vielen Familien durch den monatelangen Distanz- und Wechselunterricht samt dadurch entstehender Betreuungslücken blank. Die häufig wechselnden und oft kurzfristig kommunizierten Vorgaben führten dazu, dass es auch bei Lehrern und Direktoren kräftig rumorte.

Wie es nach den Ferien am 10. Januar weitergeht, ist derzeit noch offen. Eine sofortige Rückkehr in den normalen Unterricht ist aber nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher scheint ein Wechselmodell aus Präsenz- und Distanzunterricht.

«Jeder Lehrer, alle Schulen sind inzwischen in der Lage, diesen Distanzunterricht anzubieten. Aber das Level, die Effizienz, die Art und Weise, wie dieser Distanzunterricht angeboten wird, ist sehr unterschiedlich», räumt die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, ein.

Zwar hätten die Lehrkräfte heuer außergewöhnlich viele Fortbildungen gerade zum digitalen Unterricht besucht. Dennoch gebe es schlicht noch keine jahrzehntelangen Erfahrungen wie im Präsenzunterricht. Doch der Anspruch sei hoch: «Es kann nicht nur um Beschäftigung und Betreuung der Kinder gehen, es ist ein Bildungsangebot!»

Das manchmal schon am schleppenden Breitbandausbau und den langsamen Internetverbindungen der Schulen scheitert, wie Michael Schwägerl, der Vorsitzende des Philologenverbands, berichtet. Auch längst nicht alle Kinder haben Zuhause ein stabiles Internet zur Verfügung. Immerhin: Inzwischen scheinen alle Schüler, die selbst keinen Laptop oder Tablet besitzen, versorgt zu sein.

«Dennoch können wir den Distanzunterricht definitiv nicht mit 100 Prozent Präsenzunterricht vergleichen», betont Fleischmann. Es sei klar, dass dieses Schuljahr kein normales sei, findet auch Söder.

Druck rausnehmen - dieses Schlagwort hört man seit Wochen immer wieder. Die Abiturprüfungen wurden bereits um knapp zwei Wochen nach hinten verschoben, über die Verschlankung des Lehrplans und die Reduzierung von Proben wird intensiv diskutiert.

Doch vieles sei noch in der Schwebe. «Wir betreten Neuland, wenn es darum geht, im Distanzunterricht Leistungsnachweise einzufordern», führt Schwägerl als Beispiel an. Auch der Datenschutz oder die Sicherheit beim Streamen des Unterrichts seien noch ungeklärt.

Neben den technischen Faktoren gibt es noch weitere Bausteine für guten Unterricht und guten Lernerfolg, um die sich die Lehrer sorgen. «Jetzt hat das Kind ein Endgerät, top ausgestattet von der Schule, hat aber null Raum Zuhause, null Ruhe, keinesfalls die Struktur, die wir in der Schule bieten. Dann ist das Kind zwar ausgestattet, aber nicht in der Lage, am Distanzunterricht erfolgreich teilzunehmen», schildert Fleischmann. «Es gibt auch Kinder, die sind aufgrund ihrer Behinderung, ihres Förderbedarfs, ihrer psychischen Verfassung daran gehindert, alleine zu Hause dem Unterricht beizuwohnen.»

Zwar legen sich viele Lehrer krumm, um den Familien mit Elternchats und Videosprechstunden beizustehen. Schulsozialarbeiter rufen die Kinder daheim an, um sich ihre Sorgen anzuhören. Und doch steht nach Experteneinschätzung zu befürchten, dass vor allem die Kinder, die es ohnehin nicht leicht haben, zu den Bildungsverlierern der Corona-Krise gehören werden.

Hubig kündigt Beratungen der Kultusminister zu Präsenzunterricht an

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig (SPD), hat Beratungen mit ihren Amtskollegen vor dem nächsten Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang Januar angekündigt. «Die Kultusministerkonferenz wird sich im Vorfeld der Beratungen der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin zum weiteren Verlauf des Schuljahrs 2020/2021 beraten und abstimmen», sagte Hubig der «Rheinischen Post» (Samstag).

«Maßgeblich ist jetzt, dass wir alle unseren Beitrag dazu leisten, die Pandemie wieder einzudämmen, damit möglichst bald unsere Schulen wieder an den Start gehen können.» Die Schulen hätten sich in diesem Jahr auf alle möglichen Szenarien vorbereitet: Fernunterricht, Wechselunterricht und Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen. «Das war ein immenser Kraftakt, den sie hervorragend umgesetzt haben», sagte Hubig. Die nächste Ministerpräsidentenkonferenz ist für den 5. Januar geplant.

Der Bundeselternrat forderte derweil mit Blick auf eine mögliche Verlängerung des Lockdowns über den 10. Januar hinaus Konzepte für eine möglichst rasche Rückkehr zum Präsenzunterricht. «Es ist vermutlich damit zu rechnen, dass der momentane Shutdown über den 10. Januar andauern wird», sagte die Vizechefin des Bundeselternrates, Sabrina Wetzel, der «Rheinischen Post». Die Schulen müssten sich verstärkt darauf einstellen, etwa an Grundschulen Unterricht in kleinen Gruppen und digitalen Unterricht für die älteren Schülerinnen und Schüler anzubieten. Vorteilhaft wäre auch «eine Staffelung der Unterrichtszeiten, um die Problematik der teilweise überfüllten Busse und Bahnen zu entschärfen», sagte Wetzel.

In den Schulferien kommt Lernplattform Mebis zur Inspektion

In den Weihnachtsferien lässt das bayerische Kultusministerium die digitale Lernplattform Mebis einem umfangreichen Lasttest unterziehen. Die Plattform war nach dem Lockdown ab Mittwoch zeitweise nicht oder nur nach Wartezeiten erreichbar, weil sich wegen des Distanzunterrichts viele Schüler am Vormittag gleichzeitig angemeldet hatten.

Am Samstag und Sonntag würden die Systeme mit externen IT-Firmen umfassend durchleuchtet, teilte das Ministerium am Freitag in München mit. Der Lasttest sei der erste Schritt zu weiteren Maßnahmen, um die Erreichbarkeit der Plattform für den ab 11. Januar zu erwartenden Distanz- oder Wechselunterricht zu verbessern. In Bayern gibt es 1,65 Millionen Schüler.

Keine zentrale Prüfungen für Hauptschul- und mittleren Abschluss

Wegen Einschränkungen in der Corona-Pandemie hat das saarländische Bildungsministerium die Regelungen für die Prüfungen zum Hauptschul- und mittleren Bildungsabschluss angepasst. Anstatt landesweit zentraler Abschlussprüfungen in den Fächern Deutsch, Mathe und Fremdsprachen werde es schulzentrale Abschlussarbeiten geben, teilte das Ministerium am Freitag mit. Nach den Klausuren könnten die Schüler ihre Leistungen in bis zu drei Fächern bei einer freiwilligen mündlichen Prüfung verbessern. Die schriftlichen Arbeiten finden vom 14. bis 20. Mai statt.

Mit diesen Anpassungen solle «auf die außergewöhnliche Situation Rücksicht» genommen werden, teilte das Ministerium mit. Zudem sollten sie dazu beitragen, dass den Schülern «aufgrund der pandemiebedingten Ausnahmesituation bei den Abschlussprüfungen kein Nachteil entsteht».

Land verteilt Masken an Lehrkräfte - Zweifel an Sicherheit

Das Kultusministerium hat an die Lehrer im Land Masken verteilt, die mittlerweile nicht mehr nach Europa importiert werden dürfen. Bei den Lehrkräften gibt es nun Zweifel an der Sicherheit der Schutzmasken. Sowohl das Kultus- als auch das Sozialministerium versichern jedoch, die Masken seien geprüft und sicher.

Es handle sich dabei um Filterschutzmasken mit chinesischer Norm KN95, teilte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Freitag mit. Die Masken seien bereits im Frühjahr beschafft worden, als auch Schutzausrüstung eingeführt werden durfte, die nicht den formalen Vorgaben der EU entsprochen habe, gab das Sozialministerium in einer Stellungnahme bekannt. Seit Ende August dürfen solche Masken, wie sie in den vergangenen Tagen an die Lehrer in Baden-Württemberg verteilt wurden, nicht mehr in die EU importiert werden. Das Sozialministerium habe die Masken vor der Auslieferung einer Zertifikatsprüfung und einer technischen Prüfung unterzogen. Das Kultusministerium gehe davon aus, dass der Schutz der Masken mit der Norm für sogenannte FFP2-Masken vergleichbar sei, hieß es.

Bei den Lehrern gibt es daran durchaus Zweifel. Das Kultusministerium habe zahlreiche kritische Rückfragen von Schulen zu den Schutzmasken erhalten, teilte die Sprecherin mit. Deshalb sei das Sozialministerium um Stellungnahme gebeten worden. Zuvor hatte die Ludwigsburger Kreiszeitung darüber berichtet.

Das Kultusministerium hatte Ende November angekündigt, Millionen von FFP-2- und OP-Masken an die Lehrkräfte in Baden-Württemberg verteilen zu wollen.

Großteil der Schüler ist im Homeschooling

Die meisten Eltern sind dem Aufruf, ihre Schulkinder schon in dieser Woche zum Distanzlernen zu Hause zu behalten, nach Angaben des niedersächsischen Kultusministeriums gefolgt. Der Anteil der in den Klassenräumen unterrichteten Schüler liege über alle Schulformen hinweg «deutlich unter zehn Prozent», sagte ein Ministeriumssprecher in Hannover unter Berufung auf eine stichprobenartige Abfrage in den Schulen vom Freitagmorgen. «Im Großen und Ganzen haben wir die Rückmeldung, dass häufig nur ein, zwei Schüler da sind, vielleicht mal zehn aus einer Klasse.» Auch für die Notbetreuung am Montag und Dienstag gebe es wenige Anmeldungen.

Bund und Länder hatten dazu aufgerufen, die Schulkinder vom 16. Dezember an nach Möglichkeit zu Hause zu betreuen. In Niedersachsen hatten Eltern schon vom 14. Dezember an die Möglichkeit dazu. Mit der Maßnahme sollten die Kontakte weiter reduziert werden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen.

Lehrerverband kritisiert Alleingang der Länder bei Lernplattformen

Nach den Pannen bei digitalen Lernplattformen für den Distanzunterricht von Schulen hat der Lehrerverband kritisiert, dass jedes Land sein eigenes System hat. «Ich verstehe bis heute auch nicht, warum jedes Land hier das Rad neu erfinden muss. Da hätte es eigentlich einer gemeinsamen Anstrengung bedurft», sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger am Freitag dem ZDF-«Morgenmagazin».

In kaum einem Bundesland gebe es derzeit eine wirklich funktionierende Lernplattform. «Es ist auch leider im letzten halben Jahr wenig dafür getan worden, dass diese Lernplattformen dann entsprechend aufgerüstet werden, und das rächt sich jetzt.»

Die Politik habe nicht erkannt, wie wichtig Digitalisierung von Schulen sei. Sie habe eher auf die Wirtschaft als auf die Schulen geschaut und ausgeblendet, dass wieder eine Phase des Distanzlernens kommen könne. An 60 Prozent der Schulen gebe es nach wie vor kein schnelles Internet, monierte Meidinger.

Er sieht durch den ersten Lockdown nach wie vor Wissenslücken bei den Schülern. «Deswegen fordern wir von allen Schulministerien, dass jetzt ein Masterplan entwickelt wird, wie man langfristig tatsächlich das Bildungsniveau sichert.» Es gehe dabei um die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen, betonte Meidinger.

In mehreren Ländern hatte es seit Beginn des neuerlichen Lockdowns Ausfälle bei den Plattformen gegeben. Dies betraf etwa das bayerische System Mebis sowie Lernraum Berlin. Auch bei der sächsischen Lernplattform Lernsax hatte es Störungen sowie einen Hackerangriff gegeben.

 

 

 

16.12.2020 21.00 Uhr

Lernplattform in Sachsen-Anhalt wegen hoher Nachfrage überlastet

Am ersten Tag der schärferen Corona-Regeln in Sachsen-Anhalt ist die Lernplattform des Landes wegen hoher Nachfrage zusammengebrochen. Es habe in Sachsen-Anhalt ähnlich wie in anderen Bundesländern am Mittwoch Schwierigkeiten gegeben, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Grund sei die hohe Zahl an Zugriffen auf den Server. Noch am Mittwoch begannen Experten damit, die Systeme zu warten und konnten das Problem zunächst beheben.

Seit Mittwoch gelten in Sachsen-Anhalt wie bundesweit weitere Schließungsanordnungen. Für jüngere Schülerinnen und Schüler wurde die Präsenzpflicht aufgehoben. Jahrgänge ab der 7. Klasse sollen bis zum Wochenende mit digitalen Angeboten und Aufgaben für zu Hause im Fernunterricht lernen. Ziel ist es, dass möglichst wenig Schülerinnen und Schüler in die Schulen kommen und einander begegnen. Anschließend starten dreiwöchige Weihnachtsferien.

Sachsen-Anhalt sei derzeit dabei, seine Bildungsangebote auf die Server eines externen Dienstleisters umzusiedeln, so ein Sprecher des Bildungsministeriums. Sobald der Umzug abgeschlossen sei, könnten die Kapazitäten bei hoher Nachfrage auch kurzfristig aufgestockt werden. Bis dahin soll das System weiter stabilisiert werden, um weitere Ausfälle zu vermeiden.

Auch andere Bundesländer meldeten überlastete Lernplattformen. So fielen die Angebote unter anderem in Bayern, im Saarland, in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zeitweise aus oder sorgten für lange Wartezeiten.

Lockdown in Bayern: Schüler gefrustet, Lernplattform stürzt ab

Täglich grüßt das Murmeltier: Während das öffentliche Leben in Bayern weitgehend geräuschlos noch weiter runtergefahren wird, gibt es erneut Ärger beim Distanzunterricht. Der Kultusminister muss in den Weihnachtsferien nachsitzen - und verärgert auch die Staatskanzlei.

Bayern geht in den harten Lockdown, und die Lernplattform Mebis für Bayerns Schüler geht in die Knie: Zum Start der verschärften Beschränkungen des öffentlichen Lebens am Mittwoch gab es im Freistaat prompt wieder Probleme beim Distanzunterricht. Das sorgte für reichlich Ärger, nicht nur unter Schülern und Eltern. Da dies nicht die erste Panne im Kultusministerium ist, bekam Minister Michael Piazolo (Freie Wähler) von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) öffentlich einen Rüffel.

Im Freistaat sind sämtliche Schulen nun vorerst ebenso geschlossen wie weite Teile des Einzelhandels, Friseure oder Kosmetikstudios. Zugleich gelten strikte Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung. So soll die Verbreitung des grassierenden Corona-Virus gestoppt und das Gesundheitssystem funktionsfähig erhalten werden.

Auch Krippen, Kitas und Schulen sind nun grundsätzlich dicht, wobei es eine großzügige Notbetreuungsregel gibt. Die meisten der 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler in Bayern büffeln dennoch nun zu Hause - und durften sich gleich am ersten Tag des Lockdowns mal wieder über die Lernplattform Mebis ärgern.

Über das staatliche digitale Angebot sollen die Schüler eigentlich Lerninhalte abrufen. Doch am Mittwochmorgen kam es zu langen Wartezeiten beim Einloggen, andere Nutzer flogen kurzerhand wieder aus dem System raus. In den sozialen Netzwerken teilten viele ihren Frust, aber auch Hohn und Spott.

Mebis geht zu Stoßzeiten bereits seit den ersten coronabedingten Schulschließungen im Frühjahr in die Knie. «Leider zeigt sich seit letzter Woche unter erhöhter Last: Alle umgesetzten Maßnahmen zeigen bislang nicht die Wirkung, die ich mir wünsche», räumte Piazolo ein. «Das ist für mich nicht akzeptabel.»

Piazolo steht wegen seines Corona-Krisenmanagements und der teils als ungeschickt empfundenen Kommunikation ohnehin in der Kritik. Nun teilte auch Ministerpräsident Söder im Radiosender Bayern 3 aus: «Ich habe mich, ehrlich gesagt, geärgert über diese Kommunikationspanne, dass da an vielen Schulen Unsicherheit herrschte.»

Am Montag hatte ein Schreiben des Kultusministeriums für viel Aufregung gesorgt, in dem stand, dass nur die Abschlussklassen Distanzunterricht erhalten sollten. Piazolo musste klarstellen, dass die Möglichkeit dazu auch in den anderen Jahrgangsstufen besteht - wenn auch optional und nicht verpflichtend.

Mit Blick auf Mebis versprach Piazolo nun eine Lösung für die Zeit nach den Weihnachtsferien. Der Minister und sein Team müssen in den Ferien also nachsitzen, denn auch die Staatskanzlei hat diese Frist gesetzt. «Die erneuten Störungen bei Mebis sind unverständlich und ärgerlich. Wir haben den klaren Auftrag an das Kultusministerium erteilt, die Probleme umgehend zu beheben», sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU). «Nach den Ferien muss der Distanzunterricht reibungslos stattfinden können, wenn es notwendig ist.»

Söder hatte Lehrer, Schüler und Eltern zuvor auf einen längeren Ausnahmezustand eingestimmt. Er gehe davon aus, dass es wegen Corona auch nach dem 10. Januar noch Wechselunterricht geben werde.

Die aktuelle Corona-Verordnung gilt ebenfalls bis zum 10. Januar. Sie könnte jedoch verlängert werden, wenn die Zahl der Infizierten nicht signifikant sinkt. 50 Ansteckungen innerhalb einer Woche auf 100 000 Einwohner gelten als Richtwert, ab dem die Gesundheitsämter wieder in der Lage sind, Kontakte nachzuverfolgen. In Bayern liegt dieser sogenannte Inzidenzwert derzeit bei mehr als 200. Das Gesundheitssystem ächzt bereits unter den vielen Covid-19-Patienten in den Kliniken.

Deshalb sind neben den Schulen und Kitas auch Zoos, Restaurants, Einzelhandel, Fitnessstudios und Vereinssporthallen erstmal dicht. Öffnen dürfen lediglich Händler mit Waren des täglichen Bedarfs wie Lebensmittelläden, Getränkemärkte, Reformhäuser, Drogerien, Optiker, Hörgeräteakustiker, aber auch Tankstellen, Kfz-Werkstätten oder Reinigungen. Auf Wochenmärkten dürfen nur Lebensmittel verkauft werden. Der Einzelhandelsverband Bayern zeigte sich enttäuscht, dass die Läden ihren Kunden keinen Abholservice anbieten dürfen.

Wer keinen triftigen Grund wie einen Arztbesuch, Einkaufen oder Arbeiten vorweisen kann, darf tagsüber nur noch zum Luftschnappen oder für den Besuch eines anderen Hausstandes die eigene Wohnung verlassen. Zwischen 21.00 Uhr abends und 05.00 Uhr morgens ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum aus noch weniger Gründen erlaubt. Zu ihnen gehören lang geplante Zug- und Flugreisen, wie das Gesundheitsministerium klarstellte. Der Flughafen München etwa erwartet in der verlängerten Ferienzeit rund 200 000 Passagiere, bei 15 000 Starts und Landungen.

Auch soziale Kontakte sind reglementiert: Es dürfen sich höchstens zwei Hausstände mit insgesamt nicht mehr als fünf Personen treffen, Kinder unter 14 Jahre nicht eingerechnet. Eine Ausnahme gibt es vom 24. bis zum 26. Dezember: Im engsten Familienkreis - nicht im Freundeskreis - darf die Runde etwas größer ausfallen. Dann dürfen zum eigenen Hausstand vier weitere Erwachsene zuzüglich deren Kinder bis 14 hinzukommen, gleichgültig aus wie vielen Hausständen diese vier Personen kommen. Bei Verstößen winken saftige Bußgelder.

Im Zuge der weltweiten Corona-Pandemie traten am 21. März schon einmal weitreichende Ausgangsbeschränkungen in Bayern in Kraft. Nach einer Entspannung im Sommer stieg die Zahl der Infizierten im Herbst wieder stark an, bevor am 2. November ein Teil-Lockdown im Freistaat begann.

Doch die Maßnahmen reichten nicht aus, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit registrierte am Mittwoch 268 117 Infizierte in Bayern, knapp 4600 mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle stieg um 155 auf 5173. Am schlimmsten ist die Lage weiterhin im Landkreis Regen mit rund 622 Infizierten je 100 000 Einwohner in sieben Tagen.

Viele Hoffnungen ruhen daher auf den Impfungen, die bald zur Verfügung stehen sollen. In Bayern gibt es nach bisherigem Stand 102 Impfzentren. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums könnten dort täglich mehr als 30 000 Menschen geimpft werden. In Würzburg etwa haben bereits die ersten Testläufe begonnen, um die Abläufe im Zentrum aufeinander einzuspielen.

Ministerium verkündet Höchststand an Nutzern auf Lernplattform

Am ersten Tag der Schulschließungen in Baden-Württemberg hat das Kultusministerium beim Fernunterricht einen Höchststand an Nutzern auf der digitalen Lernplattform Moodle registriert. «Das Videokonferenztool BigBlueButton hatte heute Vormittag einen Nutzerrekord mit 32.500 Usern online», teilte eine Sprecherin am Mittwoch auf dpa-Anfrage mit. Das sei etwa das dreifache Nutzungsaufkommen als zu Hochzeiten bei den coronabedingen Schulschließungen im Frühjahr. Die Lernplattform Moodle, in die das Videokonferenztool integriert ist, laufe stabil.

In Bayern war es zu Beginn des bundesweiten Lockdowns zu Problemen mit der dortigen Plattform Mebis gekommen, die nur eingeschränkt erreichbar gewesen war. Im Südwesten gibt es derzeit nur für Abschlussklassen Fernunterricht, der bis zu Beginn der regulären Weihnachtsferien am 23. Dezember läuft. Die große Mehrheit der knapp 1,5 Millionen Schüler hat schon vorgezogene Weihnachtsferien.

Das Kultusministerium hatte die Plattform Moodle verbessern müssen, nachdem sie im Frühjahr überlastet gewesen war. Bildungsverbände hatten das Ministerium kritisiert, weil das System nicht an jeder Schule genutzt wurde. Der Philologenverband dagegen lobte die Nutzung zuletzt.

Moodle ist ein Lernmanagementsystem, über das Schüler und Lehrer online miteinander in Kontakt treten. Darin können Lerngruppen eingerichtet und Aufgaben verteilt und dann bearbeitet zurückgegeben werden. Schüler und Lehrer können in Foren miteinander diskutieren und Informationen austauschen. Zudem gibt es eine Art Chatfunktion.

51 Corona-Neuinfektionen an Hamburgs Schulen vor Lockdown registriert

An Hamburgs Schulen sind am Dienstag, dem letzten Tag vor dem Lockdown, 51 Corona-Neuinfektionen an insgesamt 41 Schulen gemeldet worden. Davon waren 38 Schülerinnen und Schüler sowie 13 Schulbeschäftigte betroffen, wie die Schulbehörde am Mittwoch mitteilte. Im Wochenvergleich sei die Anzahl der Neuinfektionen damit um 17 Prozent gestiegen. Insgesamt haben damit 202 Schulen 464 Infektionen gemeldet. Die Schulen waren am Mittwoch zwar geöffnet, aber es gab keine Anwesenheitspflicht und damit wesentlich weniger Schüler.

Lernplattformen fallen zum Lockdown-Start in mehreren Ländern aus

Schülerinnen und Schüler sollen während des Corona-Lockdowns von Zu Hause aus lernen. Doch einige Online-Lernplattformen sind überlastet. In mehreren Bundesländern gibt es Probleme.

In mehreren Bundesländern sind zum Start des Lockdowns die digitalen Lernplattformen ausgefallen. Mit dem Wechsel vieler Schülerinnen und Schüler in den Distanzunterricht traten auf mehreren Online-Portalen, über welche die Schülerinnen und Schüler mit Aufgaben und Unterrichtsmaterial versorgt werden sollen, Probleme auf.

In Bayern fiel die ohnehin störanfällige Lernplattform Mebis am Mittwochmorgen aus. Nach dem Einloggen wurden Wartezeiten von bis zu 15 Minuten angezeigt, doch der Nutzer gelangte auch danach nicht auf die gewünschte Webseite. «Aktuell melden sich sehr viele Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig an der Lernplattform an. Dadurch kommt es leider zu langen Wartezeiten. Alle anderen Mebis-Teilangebote stehen voll zur Verfügung», hieß es auf der Webseite. Bei Mebis hatte es in der Vergangenheit immer wieder Probleme gegeben. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) steht in der Kritik, weil die Lernplattform zu Stoßzeiten nach wie vor immer wieder in die Knie geht.

Auch im Saarland fiel die Lernplattform für Tausende Schüler und Lehrer zeitweise aus. Sie sei wegen der vielen Zugriffe wahrscheinlich überlastet gewesen, sagte am Mittwoch ein Sprecher des Bildungsministeriums in Saarbrücken. Im Laufe des Vormittags sei die Plattform «Online Schule Saarland» wieder erreichbar gewesen. Es werde daran gearbeitet, dass sich dieses Problem nicht wiederhole. Auf die Plattform mit Unterrichtsstoff und anderen Lernmaterialien können rund 300 Schulen und andere pädagogische Einrichtungen zugreifen, angemeldet sind rund 70 000 Schüler und 8700 Lehrer.

Auch in Berlin gab es am Morgen Probleme mit der digitalen Plattform Lernraum. Etliche Schüler wie Lehrer, die das System für das schulische Lernen von zu Hause aus nutzen wollen, konnten sich dort am Mittwoch nicht anmelden, wie Nutzer unter anderem in sozialen Netzwerken berichteten. Bei anderen funktionierte das nur mit Verzögerung. «Die Senatsbildungsverwaltung und die zuständigen externen Dienstleister arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung», sagte ein Sprecher auf dpa-Anfrage. Der Lernraum wird vom Berliner Senat als datensicheres System empfohlen und wurde seit Beginn der Pandemie im Frühjahr stetig ausgebaut und weiterentwickelt. Aktuell haben dort laut Bildungsverwaltung 108 000 Nutzer einen aktiven Account.

In Mecklenburg-Vorpommern brach am Mittwoch der Server für die Lernplattform der Schulen unter der Last der Zugriffe zusammen. Der Zugriff der Schulen auf das Lernmanagementsystem sei am Mittwoch sprunghaft angestiegen, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Schwerin. Diese «enorme Nutzung» habe dazu geführt, dass die Server, auf denen «itslearning» laufe, an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen seien und die Arbeit mit dem System zeitweise nicht möglich gewesen sei. «Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung, um schnellstmöglich zusätzliche Serverkapazitäten zur Verfügung zu stellen und damit das System zu stabilisieren», erklärte der Sprecher. Mehr als 300 Schulen in MV haben demnach bislang einen Zugang zu der Lernplattform.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind deutschlandweit die Schulen geschlossen oder der Präsenzpflicht ausgesetzt worden. Die meisten Schülerinnen und Schüler erhalten Distanzunterricht, das heißt, sie sollen unter Anleitung von Zuhause aus lernen. Dazu werden sie von Schulen unter anderem über digitale Lernplattformen der Länder mit Aufgaben und Unterrichtsmaterial versorgt.

Server für Lernplattform der Schulen in MV zusammengebrochen

Am ersten Tag des Lockdowns ist in Mecklenburg-Vorpommern der Server für die Lernplattform der Schulen unter der Last der Zugriffe zusammengebrochen. Nach der Aufhebung der Präsenzpflicht sei der Zugriff der Schulen auf das Lernmanagementsystem am Mittwoch sprunghaft angestiegen, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Schwerin. Diese «enorme Nutzung» habe dazu geführt, dass die Server, auf denen «itslearning» laufe, an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen seien und die Arbeit mit dem System zeitweise nicht möglich gewesen sei.

«Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung, um schnellstmöglich zusätzliche Serverkapazitäten zur Verfügung zu stellen und damit das System zu stabilisieren», erklärte der Sprecher. Mehr als 300 Schulen haben demnach bislang einen Zugang zu der Lernplattform, über die Lehrer ihren Schülern schriftlich Aufgaben stellen können und auch schriftlich mit ihnen kommunizieren können. Das ist mehr als die Hälfte aller Schulen im Land.

 

15.12.2020 10.45 Uhr

Giffey: Kitas und Schulen zuerst vollständig öffnen

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey fordert, Kitas und Schulen vorrangig zu behandeln, wenn es wieder zu Lockerungen der strengen Corona-Beschränkungen kommt. «Wenn wir wieder Schritte der Lockerung nehmen können, dann muss es wieder zu einem vollständigen Angebot in Kitas und Schulen kommen. Das ist die oberste Priorität», sagte die SPD-Politikerin am Dienstag im ZDF-«Morgenmagazin».

Giffey appellierte angesichts des bevorstehenden Lockdowns in Deutschland erneut an die Arbeitgeber, Familien zu unterstützen. Die Ministerin sagte, die Ausstattung für das Lernen von Schülern zuhause sei «ausbaufähig» Im Vergleich zum Frühjahr gebe es aber an vielen Stellen eine Weiterentwicklung. «Wir sind ein Stück weiter als im Frühling.»

Schulen entlasten: Gewerkschaft fordert weniger Klassenarbeiten

Mit weniger Klassenarbeiten will die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Nordrhein-Westfalen Schüler und Lehrer entlasten. «Es ist eine Illusion, dass wir ein normales Schuljahr haben», sagte die NRW-Landesvorsitzende Maike Finnern der «Rheinischen Post» (Dienstag). Sie sei der festen Überzeugung, dass man nicht am 11. Januar mit dem normalen Unterricht weitermachen werde. «Deshalb wäre jetzt dringend eine Abkehr vom Dogma des Präsenzunterrichts notwendig. Es gibt doch zahlreiche gute Konzepte», sagt Finnern.

Lehrerverband: Vorbereitung auf Wechselunterricht wurde versäumt

Der Lehrerverband wirft den Landesregierungen und Schulministerien in der Corona-Pandemie ein «teilweise katastrophales Krisenmanagement» vor. Man habe es versäumt, sich auf eine neue Phase des Wechselunterrichts vorzubereiten, etwa durch mehr Tempo bei der digitalen Modernisierung der Schulen, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag). «Das rächt sich jetzt.»

«Bei der Versorgung der Schulen mit schnellem Internet stehen wir nicht viel besser da als im März diesen Jahres. Und schnelles Internet ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Videokonferenzsysteme funktionieren», sagte Meidinger. «Wir fordern von der Politik die Vorlage eines Gesamtkonzepts, wie in Pandemiezeiten die Bildungsqualität und die Zukunftschancen unserer Kinder und Jugendlichen gesichert werden können.»

Mehr Geld für bessere Luft im Klassenzimmer

Das Land Hessen gibt mehr Geld für Maßnahmen zur Luftverbesserung in hessischen Klassenzimmern. Schon Anfang November war ein Sofortprogramm zur Umsetzung von Lufthygienemaßnahmen in Höhe von zehn Millionen Euro aufgelegt worden. Inzwischen wurde das Programm auf 75 Millionen Euro aufgestockt, wie das Kultusministerium der Deutschen Presse-Agentur sagte. Geld bekommen können nun auch Kitas.

«Das Geld wird durch das Finanzministerium an die Schulträger überwiesen, eine Antragsstellung ist dazu nicht notwendig», teilte ein Sprecher mit. Daher könne man aktuell auch nicht sagen, wie viele und welche Geräte schon angeschafft worden sind. Die Empfänger müssen aber später über die Ausgaben Bericht ablegen.

Unterstützt wird nicht nur die Anschaffung von Luftfilteranlagen, sondern auch kleinere Instandhaltungen und größere Investitionen, «die den Infektionsschutz verbessern und dazu beitragen, den Unterricht und die Betreuung von Kindern in Schulen und Kindertageseinrichtungen gerade in den Wintermonaten noch sicherer zu machen», hieß es aus Wiesbaden.

Derzeit ist es in vielen Klassenzimmern kalt. Mit Winterjacke, Schal, Mütze und Handschuhen sitzen Kinder bei geöffneten Fenstern im Unterricht. Viele nehmen eine Decke mit in die Schule und einen warmen Tee in der Thermoskanne. Alle 20 Minuten Stoßlüften soll einer Corona-Übertragung vorbeugen, aber die Lehrer legen das ganz unterschiedlich aus. Bei einigen bleibt das Fenster die ganze Stunde geöffnet - auch bei Temperaturen um die null Grad.

Viele Eltern hätten gern Luftfilter für die Klassenräume und wären auch bereit, diese selbst zu finanzieren - aber es gibt Hürden. Das Ministerium stellt klar, dass die Entscheidung, ob und welche Geräte eingesetzt werden, ausschließlich bei den Schulträgern liegt. «Der Grund dafür ist darin zu sehen, dass nur in Zusammenarbeit mit dem Schulträger Fragen der richtigen Aufstellung, Sicherheit, Folgekosten, Wartung usw. geklärt werden können.»


14.12.2020 20.30 Uhr

Kritik an Hamburger Schulpolitik in der Pandemie

Vor allem im Süden Deutschlands werden die Schulen im Corona-Lockdown dichtgemacht. In Hamburg sind die Regelungen des rot-grünen Senats lockerer - zum Ärger der Opposition. Und Schulleiter fordern endlich einen «Masterplan für die Schule in Pandemiezeiten».

CDU- und Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft haben die Entscheidung des rot-grünen Senats, die Schulen im Corona-Lockdown nicht komplett zu schließen, kritisiert. Die CDU-Schulexpertin Birgit Stöver sprach am Montag von einem «falschen Signal». Ihre Kollegin von der Linken, Sabine Boeddinghaus, warf dem Senat vor, «Eltern und Schulen den Schwarzen Peter» zuzuspielen.

Der Senat hatte am Sonntag beschlossen, dass die Türen der Schulen in Hamburg grundsätzlich bis zu den Weihnachtsferien geöffnet bleiben. Allerdings wurde die Schulpflicht ab Mittwoch zunächst bis zum
10. Januar ausgesetzt. Volljährige Schüler und Eltern sollen sich verbindlich festlegen, ob sie beziehungsweise die noch minderjährigen Kinder trotz Lockdowns zur Schule gehen.

«Aus organisatorischen Gründen wird die Teilnahme wochenweise festgelegt», heißt es in einem am Montag veröffentlichten Schreiben von Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack an die Schulleitungen. Dazu sollen die Schulen «eine verbindliche Rückmeldung der Sorgeberechtigten oder der volljährigen Schülerinnen und Schüler» einholen.

Bis Dienstag finde noch regulärer Unterricht statt. «Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler bereiten in dieser Zeit den Fernunterricht für die Tage vom 16. bis 18. Dezember 2020 sowie vom 05. bis 08. Januar 2021 vor und klären, welche Schülerinnen und Schüler Fernunterricht bzw. Präsenzunterricht erhalten», schrieb Altenburg-Hack.

Der Präsenzunterricht solle während des Lockdowns quantitativ die übliche Zeit umfassen. Qualitativ müsse er «nicht dem regulären Unterricht nach Stundentafel entsprechen», aber deutlich über eine reine Notbetreuung hinausgehen, heißt es weiter in dem Schreiben des Landesschulrats. Schülern, die zu Hause lernen, sollen die Schulen «geeignetes Lernmaterial» zur Verfügung stellen und sie im häuslichen Lernen begleiten. «Grundlage ist das bestehende Konzept für den Fernunterricht.»

Am Sonntag hätten die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin verabredet, dass die Schulen in Deutschland ab Mittwoch grundsätzlich geschlossen oder auf Präsenzunterricht möglichst verzichtet werden solle, sagte CDU-Schulexpertin Stöver. Der Hamburger Weg sei «nicht im Geist dieser Vereinbarung und das Gegenteil einer Notbetreuung». Eltern und Schulen seien bei der Umsetzung auf sich allein gestellt, kritisierte auch die Linken-Politikerin Boeddinghaus. «Die Behörde sitzt auf der Tribüne. So geht verantwortungsvolles und präventives Regieren nicht.»

Die Vereinigung der Schulleitungen der Stadtteilschulen und der Verband der Schulen des gemeinsamen Lernens kritisierten ebenfalls den Senat und forderten einen «Masterplan für die Schule in Pandemiezeiten.» Die Aufhebung der Präsenzpflicht und die damit verbundenen Vorgaben für die Zeit bis zum 10. Januar erschwerten die Situation in den Schulen und ließen «weder Plan noch Ziel erkennen», hieß es am Montag in einer Erklärung.

«Notwendig ist aus unserer Sicht ein klarer, verlässlicher Kurs.» So hätten die Umsetzung der «Lockdown»-Beschlüsse einen verpflichtenden Distanzunterricht vom 16. Dezember bis 10. Januar und schulische Betreuungsgruppen zur Folge haben müssen. Senat und Schulbehörde wurde vorgehalten, nicht die notwendige Verantwortung zu übernehmen, den beschlossenen «Lockdown» umzusetzen. Bereits in der vergangenen Woche habe der Schulsenator die Verantwortung für den Hybridunterricht mit all seinen weitreichenden Bildungs- und Sozialfolgen an die Schulkonferenzen abgegeben.

Der Masterplan müsse die längst fälligen Instrumente an die Hand geben, auf die so zahlreich unterschiedlichen Einzelsituationen in den Schulen flexibel, pandemiegerecht und rechtssicher reagieren zu können, heißt es in der Erklärung. Dazu gehörten veränderte Anforderungen für das verbleibende Schuljahr.

Zentrale, einheitliche Prüfungen sollten durch die Möglichkeit flexibler und individueller Prüfungsformate ersetzt werden. Flexible Organisationsformen des Unterrichtes müssten rechtssicher gemacht und in die Hand der Schule gelegt werden. Notwendig seien auch klare Grenzwerte, ab denen aus Infektionsschutzgründen die Zahl der Schüler in einer Schule zu reduzieren seien.

Schule ohne Anwesenheitspflicht - Verbände kritisieren Umsetzung

Die Schüler in Brandenburg sollen seit Montag möglichst zuhause bleiben. Das kommt für viele Eltern überraschend. Die kurzfristige Regelung stößt bei ihnen und bei Lehrern auf Kritik.

Für die meisten Schüler in Brandenburg ist die Anwesenheitspflicht in den Schulen seit diesem Montag zum Schutz vor dem Coronavirus ausgesetzt. Sie sollen wenn möglich zuhause lernen, um Kontakte zu vermeiden, ausgenommen sind Abschlussklassen und Förderschulen. Der Brandenburger Landeselternrat kritisierte die kurzfristige Regelung. Gewerkschaften dringen auf weitergehende Schritte.

«Auf der einen Seite war es richtig, dass man so schnell wie möglich gehandelt hat», sagte der Vorsitzende des Landeselternrates, René Mertens, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Kontakte müssten reduziert werden. Er sprach aber von einem «Schnellschuss». «Wenn es für den aufmerksamen Beobachter sowieso klar war, dass der Tag X irgendwann kommt, hätte man ja schon etwas vorbereiten können.»

Seit diesem Montag ist die Präsenzpflicht in den meisten Schulen ausgesetzt. Dies hatten Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD) am Sonntag angekündigt. Ernst sagte: «Ich hoffe, dass viele Eltern davon Gebrauch machen.» Wer keine Betreuungsmöglichkeit für sein Kind hat, soll es in die Schule bringen können. Nach den Weihnachtsferien soll ab 4. Januar für eine Woche nur Unterricht zu Hause stattfinden mit Notbetreuung.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Brandenburgische Pädagogen-Verband forderten schon ab Mittwoch nur noch häuslichen Unterricht. «Die jetzt getroffenen Maßnahmen für die Woche vor den Weihnachtsferien reichen nicht aus», kritisierte GEW-Landeschef Günther Fuchs. Der Vorsitzende des Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes, Hartmut Stäker, erklärte in einem Brief an Ministerin Ernst, die Entscheidungen der Eltern über die Präsenz der Kinder in den Schulen unterstützten den Lockdown nicht konsequent. Der Regierungschef verteidigte die Pläne für Distanzunterricht erst im Januar. Dafür sei Vorlauf notwendig gewesen, sagte er.

Die AfD-Landtagsfraktion warf dem Ministerium fehlende Planung vor. «Da soll der Lehrer die Schüler unterrichten, die erschienen sind und gleichzeitig die, die nicht gekommen sind - wie soll das gehen?», fragte der schulpolitische Sprecher Dennis Hohloch am Montag. «Das Chaos, das wir schon vor den Sommerferien hatten, wird fortgesetzt.»

Das Bildungsministerium informierte die Schulen am Sonntag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch über die geplante Ausweitung der Maskenpflicht auf Schüler ab der ersten Klasse. Der Elternratsvorsitzende Mertens sagte: «Gerade für Kinder im Grundschulbereich ist das sehr belastend.» Der Mund-Nasen-Schutz soll aber für die erste bis vierte Klasse nicht im Schulhof Pflicht sein.

Das Brandenburger Kabinett beschloss am Montag einen harten Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen auch nachts, Ladenschließungen und einem Alkoholverbot in der Öffentlichkeit ab Mittwoch. Offen bleiben dürfen zum Beispiel Supermärkte, Drogerien und Apotheken.

Die Zahl neuer Corona-Infektionen in Brandenburg bleibt auf hohem Niveau. Am Montag wurden 562 neue Fälle innerhalb eines Tages bestätigt, teilte das Gesundheitsministerium mit. Das sind 222 Fälle mehr als vor einer Woche. Nicht alle Kreise meldeten am Montag neue Zahlen. Derzeit werden 799 Patienten wegen einer Covid-19-Erkrankung in Krankenhäusern behandelt, davon 158 auf einer Intensivstation.

Inzwischen haben zwei Landkreise einen Wert von mehr als 500 neuen Infektionen je 100 000 Einwohner in einer Woche erreicht: Im Corona-Hotspot Oberspreewald-Lausitz liegt das Niveau bei 550, gefolgt vom Kreis Elbe-Elster bei rund 523. Seit diesem Montag gelten in Oberspreewald-Lausitz noch schärfere Corona-Regeln - dazu zählen eine nächtliche Ausgangsbeschränkung von 20.00 Uhr bis 5.00 Uhr, die Schließung von Schulen für den Präsenzunterricht und ein Besuchsverbot in Krankenhäusern.

Gymnasien-Elternvertreter: Bankrotterklärung der Bildungspolitik

Schleswig-Holsteins Schulen im Corona-Wirrwarr: Der Landeselternbeirat Gymnasien wirft der Politik eine Bankrotterklärung vor, da immer noch kein Digitalunterricht flächendeckend funktioniert. Ministerin Prien wehrt sich.

Der Landeselternbeirat Gymnasien Schleswig-Holstein hat der Bildungspolitik in der Corona-Pandemie eine Bankrotterklärung bescheinigt. «Seit Ende Juni existiert eine verbindliche Vorgabe für Schulen, ein Distanz-Lernkonzept aufzulegen», sagte die Vorsitzende Claudia Pick am Montag in Flintbek bei Kiel. Das aktuelle Vorgehen eröffne Spekulationen, «ob vielleicht verbindlicher Distanzunterricht nicht möglich, nicht durchsetzbar ist».

Eltern fragten sich zu Recht, was in den vergangenen neun Monaten an Entwicklung passiert sei. «Bastelarbeiten als Distanzunterricht vorzuschlagen, ist nicht akzeptabel», meinte Pick. «Eltern sind erstaunt, dass nicht vorgesehen ist, verlässlichen und verpflichtenden Distanzunterricht für alle Schüler aller Klassenstufen zu gewährleisten». Es sei verwirrend für Eltern, dass sie ihre Kinder zum beginnenden Lockdown beurlauben sollen, somit das Anrecht auf Unterricht verlieren, andererseits aber auch kein Unterricht mehr stattfinden soll.

«Wie ist das mit Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit vereinbar, quasi die Ferien vorzuziehen, anstatt wenigstens mit niederschwelligen Möglichkeiten bestmöglich Schule als echten Distanzunterricht fortzusetzen?», fragte die Beiratsvorsitzende. «Nach gut neun Monaten sind wir augenscheinlich keinen Schritt weiter», sagte Pick. «Wir erwarten vom Bildungsministerium, dass Unterricht nach Fachanforderungen gewährleistet wird - auch beim Distanzlernen! Insbesondere sind hier die Abiturjahrgänge vorrangig zu berücksichtigen.»

Seit Montag sollen Eltern in Schleswig-Holstein ihre Kinder - soweit andere Betreuungsmöglichkeiten bestehen - nicht mehr in die Schule oder in die Kita schicken. Auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur konnte eine Ministeriumssprecherin am Montag nicht sagen, ob ein Großteil oder nur wenige Eltern ihre Kinder zu Hause ließen.

Noch am Freitag hatte Bildungsministerin Karin Prien grundsätzlich Präsenzunterricht in den Klassen 1 bis 7 (mit Befreiungsmöglichkeit) angekündigt und ab der 8. Klasse in der Regel Distanzunterricht.

Die Kritik des Landeselternbeirates wies Prien zurück. «Für die Jahrgänge 1 bis 7 ist der Unterricht nach Fachanforderungen deshalb ausgesetzt, weil wir die Kinder nicht benachteiligen wollten, deren Eltern die Möglichkeit der Befreiung vom Präsenzunterricht wahrgenommen haben.» Ab der achten Jahrgangsstufe gelte am Montag dasselbe wie schon in der vergangenen Woche und wie es auch für die Distanzlern-Übungstage am 7. und am 8. Januar gelte: «Es wird kein neuer Unterrichtsstoff vermittelt, sondern gegebenenfalls zu Wiederholungen angeleitet, und gerade das ist mit Blick auf die anstehenden Abschlussprüfungen in diesen Jahrgängen besonders wichtig.» Die Einlassungen des Landeselternbeirates trügen «unnötig zur Verunsicherung von Eltern und Schülerinnen und Schülern bei».

Prien betonte zudem, solange wie möglich an dem Prinzip «so viel Präsenzunterricht wie möglich» festgehalten zu haben. «Leider hat sich die Zahl der Infektionen in den vergangenen Tagen in Deutschland und auch in Schleswig-Holstein so dramatisch entwickelt, dass schnelles Handeln gefragt war und dass auch die Schulen davon nicht mehr ausgenommen werden konnten.» Es gehe darum, die Infektionszahlen drastisch zu senken. Dies sei Voraussetzung dafür, «dass wir so schnell wie möglich im Januar wieder zum Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler zurückkehren können». Die letzten Tage vor den Weihnachtsferien seien im Übrigen «ein besonders geeigneter Zeitraum für die getroffenen Maßnahmen, einschließlich der landesweiten Erprobung des Distanzlernens».

Laut Ministerium wurden in den vergangenen Monaten «viele Lösungen für die Schulen gefunden, um das Lernen mit digitalen Medien weiter zu unterstützen».

Umstrittene Öffnung von Kitas und Schulen bis Klasse sechs in MV

Zwar sind die Kitas und die Schulen bis zur sechsten Klasse in Mecklenburg-Vorpommern vom Lockdown ausgenommen, dennoch sollen die Eltern ihre Kinder möglichst zu Hause betreuen. Die Ministerinnen für Bildung und Soziales appellieren eindringlich an die Eltern.

Die Landesregierung hält Kitas und Schulen bis zur sechsten Klasse im Gegensatz zu anderen Bundesländern offen - und hofft trotzdem, dass die Kinder zu Hause bleiben. Bildungsministerin Bettina Martin und Sozialministerin Stefanie Drese (beide SPD) appellierten an die Eltern, ihre Kinder wegen der Corona-Pandemie von Mittwoch an bis zum 10. Januar möglichst zu Hause zu betreuen.

«Wir müssen jetzt alles dafür tun, Kontakte und damit die Zahl der Infektionen zu reduzieren. Ein Verzicht auf den Kita-Besuch ab Mittwoch trägt dazu bei, mit Oma und Opa sicher Weihnachten feiern zu können», erklärte Drese am Montag in einem Brief an die Eltern. Die Landesregierung habe sich aber im Gegensatz zu anderen Bundesländern auch jetzt gegen Schließungen mit einer Notfallbetreuung entschieden. Der Rechtsanspruch auf Betreuung bestehe weiter, die Betreuungszeiten würden nicht eingeschränkt.

Martin betonte in einem Schreiben an die Schulleiter: «Auch wenn die Schulen nach wie vor keine Treiber des Infektionsgeschehens sind, müssen wir die Weihnachtszeit gemeinsam in allen Bereichen des öffentlichen Lebens nutzen, um zur Kontaktreduzierung beizutragen.» Sie bat alle Erziehungsberechtigten, ihre Kinder ab dem 16. Dezember – soweit es ihnen möglich ist – zu Hause zu betreuen und dass die Schüler dort ihre Aufgaben für den Unterricht erledigen. Die Präsenzpflicht für die Schüler sei aufgehoben. Ab Klasse sieben ist bereits seit Montag in weiten Teilen des Landes Heimunterricht angeordnet. Ausgenommen sind die Stadt und der Landkreis Rostock, wo die Infektionszahlen bislang niedriger sind.

Der Landeselternrat begrüßte die Lösung. Sie sei die praktikabelste für die Eltern in der gegenwärtigen Situation, sagte der Landesvorsitzende Kay Czerwinski. So hätten sie einen gewissen Entscheidungsspielraum. Am 21. Dezember beginnen in MV ohnehin die zweiwöchigen Weihnachtsferien bis zum 3. Januar.

Auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) berichtete am Montag von Zustimmung. «Heute erreichen mich viele Nachrichten von Eltern, die in den nächsten Tagen arbeiten müssen und froh sind, dass ihre Kinder in #MV weiterhin die Kita nutzen können. Im Regelbetrieb mit Hygienekonzepte und nicht in Notgruppen. Das gilt auch für Grundschule», schrieb sie auf Twitter. Doch die Regierungschefin erntete dort auch Widerspruch. Ein Nutzer reagierte auf den Appell, die Kinder nach Möglichkeit doch zu Hause zu betreuen: «Ich finde, es ist ein Abwälzen der Verantwortung auf die Eltern.»

Die Lehrer- und Erziehergewerkschaft GEW forderte, dass ab Mittwoch und bis in den Januar hinein eine Betreuung in Kitas und Grundschulen nur dann möglich sein soll, wenn vom Arbeitgeber eine Unabkömmlichkeitsbescheinigung ausgestellt wird und keine anderweitige Betreuung möglich ist. Damit würden sich die Gruppen verkleinern und das Risiko von Infektionen verringert, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner. Außerdem forderte sie FFP-2-Schutzmasken für Lehrer und Erzieher sowie mobile Luftfilteranlagen. Der Kita- und Schul-Expertenrat müsse umgehend einberufen werden.

Piazolo: Schüler bekommen im Lockdown Angebote zum «Distanzlernen»

Während der landesweiten Schulschließungen in Bayern will die Staatsregierung Angebote für sogenanntes «Distanzlernen» zur Verfügung stellen. Im Rahmen des bundesweiten harten Corona-Lockdowns und der kompletten Einstellung des Präsenzunterrichts ab Mittwoch (16. Dezember) setze man verstärkt den Fokus auf «selbstständiges Wiederholen, Üben und Vertiefen», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Montag nach einer Kabinettssitzung in München. Bestimmte Gruppen wie Abschlussklassen oder berufliche Schulen sollen aber bis zum letzten Schultag vor den Ferien (18. Dezember) von Lehrern direkt gestalteten Distanzunterricht bekommen.

Piazolo wies darauf hin, dass das «Distanzlernen» schulart- und altersspezifisch flexibel zu gestalten sei: «Sie können natürlich anders agieren, wenn Sie einen 16-Jährigen vor sich haben, als wenn Sie einen Zweitklässler unterrichten.» Die Staatsregierung werde entsprechende Kontakt- und Feedbackmöglichkeiten für alle Schüler und Eltern schaffen.

Piazolo stellte außerdem eine Notbetreuung für Eltern, die ihre Kinder nicht selbst betreuen können, für die Zeit bis zu den regulären Weihnachtsferien (22. Dezember) in Aussicht.

Baerbock: Kitas und Schulen nicht auf Notbetreuung umstellen

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat an die Länder appelliert, auch im schärferen Lockdown im Kampf gegen die Corona-Pandemie Kitas und Schulen nicht auf Notbetreuung umzustellen. «Gerade für Eltern ist es wahnsinnig wichtig, dass die nächsten Tage jetzt nicht total chaotisch werden», sagte Baerbock am Montag in Berlin. Deswegen halte ich es für essenziell, dass das, was vereinbart wurde - Kitas und Schulen offen zu halten, aber Kinder vom Präsenzunterricht zu befreien - auch so umgesetzt wird, und jetzt nicht an einzelnen Orten angefangen wird, auf Notfallbetreuung umzustellen.»

Eine solche Notfallbetreuung etwa nur für Kinder von Eltern aus bestimmten Berufsgruppen würde dazu führen, dass Gruppen sogar größer werden könnten statt kleiner, argumentierte Baerbock. «Wenn man Kitas, wenn man Grundschulen offen lässt, aber an alle appelliert zu Hause zu bleiben, dann schafft man gerade für diejenigen Entlastung, die familiär keine andere Möglichkeit haben, weil sie berufstätig sind, weil sie Kinder nicht selber betreuen können, entzerrt aber wirklich vehement die Situation in den Klassenräumen.»

Es dürfe politisch eine Weihnachtspause geben, forderte Baerbock. Man müsse geordneter aus der Phase des Lockdowns hinausgehen, als man hineingehe.

Die geplanten Einschränkungen über Weihnachten treffen auch Baerbock persönlich: Eigentlich feiere sie immer «sehr groß mit Großfamilie, mit vielen Kindern unterm Tannenbaum», sagte sie. Dieses Jahr werde sie «ganz vertraut und klein zu viert leider nur» feiern. Baerbock und ihr Mann haben zwei Töchter.

Scheeres kündigt Notbetreuung an Schulen auch in den Ferien an

An Berliner Schulen soll während des gesamten Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie eine Notbetreuung für jüngere Kinder angeboten werden - auch während der Weihnachtsferien. Das kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag bei einer Sondersitzung des zuständigen Ausschusses im Abgeordnetenhaus an. Demnach soll das Angebot für diejenigen Schüler gelten, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Dazu zählen etwa das Gesundheitswesen, Polizei, Feuerwehr oder Verkehrsbetriebe. Im Blick sind dabei in erster Linie Schüler der Primarstufe, also bis einschließlich der sechsten Klasse.

Im Zuge des zunächst bis 10. Januar geplanten bundesweiten Lockdowns schließen Berliner Schulen am Mittwoch, die Ferien beginnen am Wochenende. Vom 16. bis 18. Dezember sowie in der Woche vom 4. bis 8. Januar sollen die Schüler zu Hause lernen - angeleitet von Lehrern, die an diesen Tagen trotz Schulschließung im Dienst sind. Für Schüler, die in beengten Verhältnissen leben oder aus anderen Gründen nicht zu Hause lernen können, sollen die Schulen Scheeres zufolge «einzelne Lernplätze» einrichten, wenn das notwendig ist.

Für die Woche danach plant Scheeres, dass die Schulen wieder öffnen und in den Präsenzunterricht übergehen. Bei einer Zahl ab 200 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche im Bezirk sollen sie indes die Möglichkeit haben, in Hybridunterricht zu wechseln, wie die Senatorin im Ausschuss erläuterte. Dabei lernen Schüler abwechselnd in der Schule in kleineren Gruppen und zu Hause. Auf Grundschüler käme bei diesen hohen Infektionszahlen eine Maskenpflicht zu. Bisher gilt diese an Schulen je nach Infektionslage nur für ältere Schüler. Denkbar ist aber auch, dass der Lockdown verlängert wird.

Gymnasien-Elternvertreter: Bankrotterklärung der Bildungspolitik

Der Landeselternbeirat Gymnasien Schleswig-Holstein hat der Bildungspolitik in der Corona-Pandemie eine Bankrotterklärung bescheinigt. «Seit Ende Juni existiert eine verbindliche Vorgabe für Schulen, ein Distanz-Lernkonzept aufzulegen», sagte die Vorsitzende Claudia Pick am Montag in Flintbek bei Kiel. Das aktuelle Vorgehen eröffne Spekulationen, «ob vielleicht verbindlicher Distanzunterricht nicht möglich, nicht durchsetzbar ist».

Eltern fragten sich zu Recht, was in den vergangenen neun Monaten an Entwicklung passiert ist. «Bastelarbeiten als Distanzunterricht vorzuschlagen ist nicht akzeptabel», meinte Pick. «Eltern sind erstaunt, dass nicht vorgesehen ist, verlässlichen und verpflichtenden Distanzunterricht für alle Schüler aller Klassenstufen zu gewährleisten». Es sei verwirrend für Eltern, dass sie ihre Kinder zum beginnenden Lockdown beurlauben sollen, somit das Anrecht auf Unterricht verlieren, andererseits aber auch kein Unterricht mehr stattfinden soll.

«Wie ist das mit Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit vereinbar, quasi die Ferien vorzuziehen, anstatt wenigstens mit niederschwelligen Möglichkeiten bestmöglich Schule als echten Distanzunterricht fortzusetzen?», fragte die Beiratsvorsitzende. «Nach gut neun Monaten sind wir augenscheinlich keinen Schritt weiter», sagte Pick. «Wir erwarten vom Bildungsministerium, dass Unterricht nach Fachanforderungen gewährleistet wird - auch beim Distanzlernen! Insbesondere sind hier die Abiturjahrgänge vorrangig zu berücksichtigen.»

Seit Montag sollen Eltern in Schleswig-Holstein ihre Kinder - soweit andere Betreuungsmöglichkeiten bestehen - nicht mehr in die Schule oder in die Kita schicken. Noch am Freitag hatte Bildungsministerin Karin Prien grundsätzlich Präsenzunterricht in den Klassen 1 bis 7 (mit Befreiungsmöglichkeit) angekündigt und ab der 8. Klasse in der Regel Distanzunterricht.

Schule und Kita zu: Bei Verdienstausfall Entschädigung für Eltern

Die Kitas und Schulen schließen wieder: Wer wegen der Kinderbetreuung nicht arbeiten kann, hat als Elternteil Anspruch auf Entschädigung. Das Infektionsschutzgesetz gilt aber nicht in jedem Fall.

Nach den neuen Beschlüssen zum Lockdown sind oder machen Kitas und Schulen in Deutschland zu. Das stellt erwerbstätige Eltern vor ein Problem. Wer seine Kinder zu Hause betreuen muss, kann nicht arbeiten.

Hier greift aber eine Regelung aus dem Infektionsschutzgesetz, die im Frühjahr und zuletzt noch einmal im Herbst angepasst wurde. Aufgrund dieser Änderung besteht ein Entschädigungsanspruch bei Verdienstausfall wegen notwendiger Kinderbetreuung, wenn die Einrichtung zu Kinderbetreuung vorübergehend geschlossen oder das Betreten untersagt wurde, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auch Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) verwies am Montag auf diese Regelung.

Laut Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Köln gilt der Entschädigungsanspruch nur, wenn die Kitas und Schulen offiziell geschlossen werden, aber nicht, wenn nur die Empfehlung besteht, die Kinder zu Hause zu lassen.

Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Voraussetzung für die Entschädigung ist weiter, dass das Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder wegen einer Behinderung auf Hilfe angewiesen ist. Außerdem darf es für den Zeitraum der Schließung keine andere zumutbare Betreuungsmöglichkeit für das Kind geben, erklärt Bredereck.

Bei der Frage, was eine zumutbare Betreuungsmöglichkeit ist, sei aber im Einzelnen noch vieles unklar. Der Einschätzung des Arbeitsrechtsexperten zufolge könnten darunter nur solche Möglichkeiten fallen, die ohne Gefährdung Dritter und im Rahmen der aktuellen Vorgaben gewährleistet werden können. «Der 80-jährige Großvater muss nicht zu Betreuung herangezogen werden», erläutert der Fachanwalt.

Keine Entschädigung während der Ferien

Die Entschädigung beträgt 67 Prozent des entstandenen Verdienstausfalls. Die Summe ist aber gedeckelt und beträgt höchstens 2016 Euro monatlich für einen vollen Monat, wie das BMAS in einem FAQ erläutert. Die Auszahlung der Entschädigung erfolgt durch den Arbeitgeber. Der Arbeitgeber wiederum kann einen Erstattungsantrag bei der zuständigen Behörde stellen.

Während der Schulferien besteht allerdings kein Entschädigungsanspruch. Und auch wenn beim Arbeitgeber ohnehin gerade Betriebsferien sind, zum Beispiel während der Feiertage, greift die Entschädigungsregel nicht, so der Fachanwalt.

Notbetreuung und andere Lösungen

Bei Eltern von Kindern über 12 Jahren geht der Gesetzgeber davon aus, dass diese Kinder sich selbst betreuen können. Hier bleibt die Option, in Absprache mit dem Arbeitgeber eine Lösung zu finden. Das könne alles sein, was der Arbeitgeber anbietet. Dazu zählen zum Beispiel unbezahlter oder bezahlter Urlaub, Homeoffice oder der Abbau von Überstunden, so Bredereck.

Sollte nichts davon möglich sein und die Betreuung anderweitig nicht sichergestellt werden, können Arbeitnehmer Nathalie Oberthür dennoch zu Hause bleiben, bekommen dann aber für diese Zeit kein Gehalt.

Wie im Frühjahr soll es auch eine Notbetreuung geben. Auch dazu ist laut Bredereck vieles noch unklar. Es sei davon auszugehen, dass die Notbetreuung für alle systemrelevanten Berufe gilt. In einigen Bundesländern solle der Kreis aber erweitert werden. «Wer im Frühjahr Anspruch auf Notbetreuung hatte, wird das jetzt sicherlich auch haben», meint der Fachanwalt. Alle anderen empfiehlt er, sich vor Ort informieren.

Ministerium will private Betreuungsgruppen für Kinder verhindern

Mit neuen Regeln für eine Notbetreuung während des harten Lockdowns will das Thüringer Bildungsministerium verhindern, dass Kinder privat außerhalb des eigenen Haushalts betreut werden. «Eltern sollen ihre Kinder möglichst auch nicht bei den Großeltern abgeben, es sei denn, diese leben sowieso im gleichen Haushalt», sagte Ministeriumssprecher Felix Knothe am Montag in Erfurt. Landesweit werden ab Mittwoch Kitas und Schulen geschlossen, allerdings ist eine Notbetreuung geplant.

Während beim ersten harten Lockdown im Frühjahr nur Kinder von Eltern bestimmter Berufsgruppen in die Notbetreuung durften, soll es diesmal keine solche Unterscheidung geben. «Es gilt ganz klar der Appell die Notbetreuung möglichst nicht in Anspruch zu nehmen», sagte Knothe. Der generelle Betreuungsanspruch sei ausgesetzt.

Eltern, die nachvollziehbar nicht in der Lage seien, ihre Kinder unter Beachtung der geltenden Anti-Corona-Regeln zu betreuen, könnten sie in die Kita bringen. «Diese Eltern müssen darlegen, worin das Problem besteht. Die jeweilige Kita- oder Schulleitung entscheidet dann entsprechend», erklärte Knothe. In jedem Fall sei eine Anmeldung erforderlich.


13.12.2020 16.45 Uhr

Schulen und Einzelhandel in Sachsen-Anhalt ab Mittwoch im Lockdown

Sachsen-Anhalt drückt das öffentliche Leben ab Mittwoch gemäß der Einigung von Bund und Ländern auf ein Minimum. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sprach auf einer Pressekonferenz am Sonntag von einem «der gravierendsten Einschnitte in das gesellschaftliche Leben, die wir in überschaubarer Zeit erlebt haben». Unter anderem sollen Schüler ab Mittwoch zu Hause bleiben und der Einzelhandel - bis auf wenige Ausnahmen wie Supermärkte - schließen.

Für Schüler bis zur 6. Klasse soll der Unterricht ausfallen, ältere Schüler sollen von zu Hause unterrichtet werden, wie die Landesregierung am Sonntag mitteilte. Außerdem soll in Sachsen-Anhalt der Einzelhandel bis auf einige Ausnahmen ab Mittwoch nicht mehr öffnen dürfen. Auch darauf hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten zuvor verständigt.

Laut Bildungsministerium fällt ab dem 16. Dezember die Präsenzpflicht für die Schuljahrgänge 1-6 aller Schulformen und darüber hinaus ab dem 7. Schuljahrgang an Förderschulen weg. Die älteren Jahrgänge sollen demnach ab Mittwoch in den Distanzunterricht wechseln. Am Montag und Dienstag soll dieser mit den Schülern vorbereitet werden.

«Es wird empfohlen, wo immer möglich, die Kinder zu Hause zu betreuen», teilte das Bildungsministerium mit. «Die Teilnahme am Präsenzunterricht ist nicht verpflichtend.» Ausgenommen werden demnach die für den Schulabschluss unaufschiebbaren Klausuren und Klassenarbeiten, die unter Einhaltung der Hygienebestimmungen stattfinden dürfen.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hatte bislang versucht, Schulschließungen zu vermeiden. In einer nur einstündigen Sitzung am Sonntag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den drastischen Schritt dann aber mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten beschlossen. In den Tagen zuvor waren die Infektionszahlen in ganz Deutschland wieder schnell gestiegen.

Der zweite wesentliche Bestandteil der neuen Regeln betrifft den Einzelhandel. «Bis auf die Grundversorgung werden alle Einkaufsmöglichkeiten eingeschränkt», kündigte Haseloff an. Ausnahmen seien Anbieter von Waren, die «originär mit dem Weihnachtsfest verbunden» sind, wie der Handel mit Weihnachtsbäumen.

Schulen und Kitas werden im Südwesten ab Mittwoch geschlossen

Etwa 1,5 Millionen Schüler, 130 000 Lehrer, zahlreiche Kita-Kinder und all ihre Eltern sind vom neuen Corona-Lockdown betroffen. Die Regierung von Baden-Württemberg zieht die Weihnachtsferien vor.

Nach dem bundesweiten Beschluss für einen harten Corona-Lockdown werden in Baden-Württemberg von Mittwoch an die Schulen und Kitas geschlossen. Wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Sonntag bestätigten, werden die Weihnachtsferien nach vorn verlegt, um weitere Kontakte zu vermeiden. «Dieser drastische Schritt ist angesichts der Infektionszahlen auf Rekordniveau unausweichlich», erklärte die CDU-Politikerin.

Nur für Abschlussklassen solle es Fernunterricht geben. «Schülerinnen und Schüler der Abschlussjahrgänge werden im verbleibenden Zeitraum bis zu Beginn der regulären Weihnachtsferien am 23. Dezember verpflichtend im Fernunterricht unterrichtet», teilte Eisenmann mit.

Außerdem sei eine Notbetreuung von Kindern geplant. Eisenmann erklärte: «Für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 1 bis 7, deren Eltern zwingend darauf angewiesen sind, wird im Zeitraum 16. bis 22. Dezember an den regulären Schultagen eine Notbetreuung eingerichtet.»

Für Kita-Kinder werde an den regulären Öffnungstagen ebenfalls eine Notbetreuung angeboten. «Die Notbetreuung erfolgt durch die jeweiligen Lehrkräfte beziehungsweise Betreuungskräfte.» Anspruch auf Notbetreuung hätten Kinder, bei denen beide Erziehungsberechtigte beziehungsweise Alleinerziehende von ihrem Arbeitgeber als unabkömmlich gelten. «Bitte verzichten Sie aber auf die Notbetreuung, wo immer das für Sie möglich ist», bat Kretschmann am Sonntagnachmittag.

Die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten sich am Sonntagvormittag darauf verständigt, dass Schüler und Kita-Kinder spätestens ab Mittwoch deutschlandweit - wann immer möglich - für zunächst dreieinhalb Wochen zu Hause bleiben sollen.

Eisenmann sagte aber auch: «Allerdings brauchen wir klare und verbindliche Perspektiven für die Kitas und Schulen, sie müssen prioritär wieder geöffnet werden, denn unsere Kinder und Jugendlichen haben ein Recht auf Bildung.» Die Politik müsse im Blick behalten, dass Schulschließungen mit zahlreichen negativen Folgen für die Gesellschaft, insbesondere für Kinder und Jugendliche, verbunden seien. «Deshalb sollten die Einschränkungen des Regelbetriebs so kurz wie möglich werden und auf den Zeitraum bis 10. Januar 2021 beschränkt bleiben.»

Ramelow: Harter Lockdown in Thüringen von Mittwoch an

Thüringen zieht die Reißleine: Angesichts hoher Infektionszahlen fährt die Landesregierung das öffentliche Leben nicht erst am 19. Dezember, sondern bereits ab Mittwoch herunter. Regierungschef Ramelow appelliert: «Bleibt möglichst zu Hause.»

Thüringen zieht den Lockdown zur Eindämmung der extrem hohen Corona-Infektionszahlen auf den 16. Dezember vor. Das teilte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Sonntag nach der Schaltkonferenz von Bund und Ländern mit. Eigentlich waren im Freistaat drastische Einschränkungen unter anderem mit der Schließung großer Teile des Handels erst für den 19. Dezember vorgesehen. Thüringen habe «nicht eine Sekunde einen Zweifel daran gelassen, dass wir jeden früheren Termin mittragen», sagte Ramelow.

Die Landesregierung werde alle Vereinbarungen von Bund und Ländern umsetzen und in jedem Fall die jeweils schärfste Einschränkung wählen, sagte der Regierungschef. Schließlich habe der Freistaat nach Sachsen den höchsten Wert der Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit.

Der Regierungschef appellierte an die Bürger, «bleibt bitte zu Hause». Kontakte sollten so weit wie irgendwie möglich auch an den Feiertagen eingeschränkt werden. Priorität habe, dass das Gesundheitssystem funktionsfähig bleibe. «Es geht darum, Leib und Leben zu schützen.» Das Kabinett wollte noch am Sonntagnachmittag zusammenkommen und die nötige Verordnung beraten.

Für Schüler gibt es jetzt von Mittwoch an keinen Unterricht im Klassenzimmer mehr: Sie müssen ihren Schulstoff zu Hause lernen. Der Präsenzunterricht an den Schulen werde ausgesetzt, teilte Bildungsminister Helmut Holter mit. Die Regelung gelte vom 16. bis zum 22. Dezember und auch nach den Weihnachtsferien vom 4. bis 8. Januar.

Ausnahmen gebe es für Klassenarbeiten und Klausuren, die für den Schulabschluss 2021 unaufschiebbar sind, hieß es beim Ministerium. Diese dürfen unter Einhaltung der Hygienebestimmungen stattfinden. Für Kinder der Klassenstufen 1 bis 6 und der Förderschulen werde bei Bedarf eine Notbetreuung angeboten.

Konkrete Aussagen zu Betreuung in der Kindergärten sollten im Laufe des Sonntags noch kommen. Eine Betreuung sei weiterhin möglich, dort, wo es nötig sei, sagte Ramelow. Er forderte die Eltern aber auf, ihre Kinder nach Möglichkeit nicht in den Kindergarten zu bringen.

Weiterhin möglich seien Gottesdienste in der Weihnachtszeit - allerdings mit Auflagen. Es gebe strenge Einschränkungen, die in Verantwortung der Kirchen umgesetzt werden sollen, so der Regierungschef. Gesang sei bei Gottesdiensten nicht möglich, zudem müssten Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden und ausreichend Abstand der Besucher gewährleistet sein. Er habe Vertreter der Kirchen über diese Regelung bereits informiert, sagte Ramelow.

Nach Angaben des Ministerpräsidenten wurden die Landtagsfraktionen über die Beschlüsse von Bund und Ländern von ihm informiert. Wie der Landtag an der Ausgestaltung der Thüringer Lockdown-Verordnung beteiligt wird, werde gerade geklärt. Der Chef der Staatskanzlei, Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), führe dazu Gespräche. «So, wie es vereinbart werden kann, wird es laufen», so Ramelow. Das Infektionsgeschehen dulde jedoch keinen Zeitverzug.

Am Wochenende spitzte sich die Corona-Lage in Thüringen weiter zu. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz betrug nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) am frühen Sonntagmorgen 231. Einen Tag zuvor lag die Zahl registrierter Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb der vergangenen sieben Tage je 100 000 Einwohner bei 210. Deutschlandweit lag der Wert laut RKI bei 169 (Stand Sonntag, 00.00 Uhr).

Seit Beginn der Pandemie wurden in Thüringen 25 671 Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus registriert. Das waren 860 mehr als am Samstag. 16 920 Menschen gelten Schätzungen zufolge als genesen. 512 Menschen, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, starben.

Schwesig: Schulen bis Klasse 6 und Kitas können offen bleiben

An den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern kann Präsenzunterricht in den Jahrgangsstufen bis zur 6. Klasse im verschärften Corona-Lockdown weiterhin grundsätzlich möglich sein. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte am Sonntag in Schwerin aber, dass sie empfehle, Kinder, wo dies möglich sei, zu Hause zu lassen. Die Präsenzpflicht könne auch nach den Weihnachtsferien zunächst ausgesetzt werden, und es könne stattdessen von zu Hause aus gelernt werden.

Kitas sollen demnach ebenfalls grundsätzlich offen bleiben. Auch hier sprach sich Schwesig dafür aus, dass Eltern ihre Kinder, sofern möglich, zu Hause lassen sollen.

Von Montag an sind in weiten Teilen des Bundeslandes bereits verschärfte Maßnahmen für Schüler ab der 7. Klasse geplant. Diese sollen dann per Internet unterrichtet werden. Diese Maßnahmen sind zunächst bis zum 10. Januar vorgesehen.

Möglichst keine Schul- und Kita-Besuche ab Mittwoch bis 10. Januar

Kurz vor dem Jahreswechsel kommen wegen Corona nun doch noch flächendeckende Schul- und Kitaschließungen. Es gibt aber Ausnahmen, und die Schließungen überschneiden sich größtenteils mit den sowieso anstehenden Weihnachtsferien.

Neun Monate nach dem ersten Corona-Lockdown an Kitas und Schulen sollen die meisten Einrichtungen nun erneut überall in Deutschland geschlossen oder nur noch eingeschränkt betrieben werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder vereinbarten bei einer Corona-Krisenschalte am Sonntag, dass Schüler und Kita-Kinder spätestens ab Mittwoch für zunächst dreieinhalb Wochen zu Hause bleiben sollen.

Konkret heißt es dazu in einem gemeinsamen Beschlusspapier, dass Kinder zwischen dem 16. Dezember und dem 10. Januar «wann immer möglich» zu Hause betreut werden sollten. Schulen sollen dafür entweder «grundsätzlich geschlossen» werden, oder die Präsenzpflicht werde ausgesetzt, das bedeutet Unterricht zu Hause. In Kindertagesstätten werde analog verfahren, heißt es weiter. Wie im Frühjahr soll es aber eine Notbetreuung geben, und an den Schulen sollen Ausnahmen für Abschlussklassen möglich sein. Auch von Extra-Urlaub ist die Rede: «Für Eltern werden zusätzliche Möglichkeiten geschaffen, für die Betreuung der Kinder im genannten Zeitraum bezahlten Urlaub zu nehmen.»

Der Zeitraum der Vereinbarung überschneidet sich größtenteils mit den Weihnachtsferien. Spätestens Ende nächster Woche wäre mit Schule oder Präsenzunterricht sowieso fast überall in Deutschland vorerst Schluss. In den meisten Ländern beginnen dann die Ferien, in anderen war die Präsenzpflicht für die letzten Tage bis Weihnachten aufgehoben oder generell auf «Homeschooling» umgestellt worden. Einige Länder hatten auch bereits weitergehende Maßnahmen verkündet und die Präsenzpflicht an Schulen für alle oder für bestimmte Klassen schon ab diesem Montag ausgesetzt. Sachsen schließt ab dann sogar bereits alle Schulen und Kitas.

In mehreren Bundesländern dauern die Ferien bis zum 10. Januar. In anderen sieht der Ferienkalender zwei oder zweieinhalb Wochen schulfrei vor. Aber auch hier war für die Tage bis 10. bereits «Homeschooling» angekündigt worden. Unklar ist, wie es danach weitergeht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte die Kultusminister der Länder zu einer gemeinsamen Planung dafür aufgerufen. Der Deutsche Lehrerverband plädiert für eine längere Phase des Wechsel- oder Distanzunterrichts.


12.12.2020 18.00 Uhr

Aussetzung der Präsenzpflicht: Schulleiter beklagen Kurzfristigkeit

Rund 2,5 Millionen Schüler in NRW haben ab Montag keine Pflicht mehr, im Klassenraum am Unterricht teilzunehmen. Sowohl Schulleiter als auch Eltern kritisieren die Kurzfristigkeit der Entscheidung.

Schulleiter und Eltern haben die kurzfristige Aussetzung der Präsenzpflicht an den Schulen in Nordrhein-Westfalen kritisiert. «Es wäre schön und einfach nützlich gewesen, wenn wir das nicht wieder zu einem Zeitpunkt erfahren hätten, wo ein Teil der Kollegen bereits auf dem Weg nach Hause ist und die Schüler weitestgehend auf dem Weg nach Hause sind», sagte Harald Willert, Vorsitzender der Schulleitungsvereinigung, am Samstag in der Radiosendung «Morgenecho» auf WDR 5.

Die Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW begrüßt zwar die Aufhebung der Präsenzpflicht an den Schulen, fragt sich aber, «warum das alles erst jetzt passiert ist und nicht schon vor Wochen, als sich die hohen Infektionszahlen bereits deutlich abgezeichnet haben».

Für die rund 2,5 Millionen Schüler in NRW endet wegen der Corona-Pandemie die Präsenzpflicht im Klassenraum kurzfristig schon am kommenden Montag. Bei Schülern der unteren Jahrgänge bis Stufe sieben haben die Eltern die Wahl, ob die Kinder in der Schule oder von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen. Für ältere Schüler ab Klasse acht wird das Lernen vollständig auf Distanz umgestellt. Das hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf angekündigt.

Hätte das Ministerium die Zeit genutzt und Konzepte für neue Arten von Unterricht entwickelt, wären die Schulen demnach besser aufgestellt und komplette Schulschließungen deutlich unwahrscheinlicher gewesen, beklagte die Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW am Samstag in einer Mitteilung. Es sei nun höchste Zeit, den Unterricht für alle Jahrgangsstufen zu sichern.

Viele Schulen hätten ihren Schülern so kurzfristig keine Materialien mehr mitgeben können, sagte Willert von der Schulleitungsvereinigung am Morgen dem WDR. Außerdem hätten nicht alle ausreichend gute Kommunikationswege, um über das Wochenende abzufragen, wer von den Schülern am Montag auftaucht.

Zwar seien die Schulen seit einiger Zeit auf praktisch jede Anforderung vorbereitet. Aber: «Das Ministerium lebt ständig von der Hand in den Mund. Es gibt keine Strategie, es gibt keine Konzepte. Es gibt nur eine Deutungshoheit», kritisierte Willert.

Noch am Freitagabend hatte die SPD-Opposition Ministerin Gebauer zum Rücktritt aufgefordert. Unter ihrer Verantwortung sei das Chaos an den Schulen auf die Spitze getrieben worden. Die Schulministerin habe Wissenschaftlern die Kompetenz abgesprochen und nun angesichts dramatischer Infektionszahlen panikhaft eine Kehrtwende vollzoge