Samstag, 17. Juli 2021

+++ Liveticker – Auswirkungen des Coronavirus auf deutsche Schulen +++ 17.07.2021

Im SCHULEN.DE-Liveticker zum Coronavirus finden Sie tagesaktuell alle Informationen zur Auswirkung des Coronavirus auf die deutschen Schulen.

Der Coronaticker macht bis zum 02.08.2021 Sommerferien.

 

17.07.2021

Abschluss in der Pandemie: Letzte Abibälle der Saison stehen an

Mehrere Monate sind Schüler ganzer Jahrgangsstufen nicht mehr in größeren Gruppen zusammengekommen. Sinkende Corona-Werte machten vielerorts aber rechtzeitig Abibälle möglich. Kurz vor den Ferien sind einige Feiern nun doch wieder von Verschärfungen betroffen.

Für die letzten Abschlussfeiern in Niedersachsen vor den Ferien bereitet den Schulabgängern die steigende Corona-Inzidenz Sorge - teils gelten kurzfristig auch verschärfte Auflagen für die Partys. «Die meisten Abi-Bälle sind zwar mittlerweile durch, für die noch ausstehenden Feiern sind die höheren Werte und die Deltavariante aber sicher ein großes Thema, sagte Justus Scheper vom Landesschülerrat Niedersachsen. Er hoffe, dass die verbleibenden Veranstaltungen nicht in Gefahr kommen.

Reagieren müssen etwa die Veranstalter der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Hemmingen für ihre am Samstag geplante Feier im Hangar No.5 in Hannover. Denn in der Region gelten seit Donnerstag wegen einer Inzidenz über 10 verschärfte Corona-Auflagen, die auch Auswirkungen auf Abibälle haben. Bei Feiern mit einem offiziellen Veranstalter sind Masken zu tragen und die Abstandsregeln einzuhalten. Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 100 Gästen, die teilweise auch stehen, müssen vorab genehmigt werden.

«Wir machen jetzt das Beste draus», sagte der Geschäftsführer des Hangar No.5, Martin Diedloff. Die Enttäuschung bei den Schülerinnen und Schülern sowie seiner Firma sei aber riesengroß. Als Konsequenz der Verschärfungen muss der Ball nun kleiner ausfallen als geplant. «Und wer wird schon gerne ausgeladen?», fragte Diedloff. Er selbst müsse sich vor allem um die zu große Menge an Lebensmitteln kümmern.

Die kurzfristige Verschärfung ist aus Sicht des Geschäftsführers Diedloff ein großes Problem. Nach den zuvor sinkenden Zahlen hätten die Veranstalter gerade erst den Personenkreis für ihren Ball erweitert. Erst vor wenigen Tagen hatte die Schillerschule aus dem Stadtteil Kleefeld mit 250 Gästen laut Diedloff problemlos bei ihm gefeiert - ohne Maskenpflicht. Die Feiernden jetzt müssten wieder Maske tragen, wenn sie nicht sitzen.

Die Schülerinnen und Schüler hätten es sich nach anstrengenden eineinhalb Jahren verdient, doch noch mal mit dem gesamten Jahrgang zu feiern, sagte Landesschülerrat Scheper. «Das würde zumindest einen würdigen Abschluss markieren». Für die Stufen in diesem Jahr sei es überhaupt nicht einfach gewesen, Termine und Orte zu finden, berichtete der 18-Jährige aus Nordhorn. Räumlichkeiten wurden Scheper zufolge auch kurzfristig abgesagt.

Außer in Hannover sollen auch andernorts in Niedersachsen noch Abibälle durchgezogen werden. In der Hildesheimer Volksbank-Arena ist laut einer Sprecherin in den kommenden Tagen fast täglich ein Abschluss geplant. In dem Landkreis lag die Inzidenz am Freitag mit 5,8 aber deutlich unter 10. Für Samstag werden zur Feier des Otto-Hahn-Gymnasiums Springe 500 Gäste erwartet, am Sonntag sollen es etwa 400 Feiernde von der Albert-Einstein-Schule Laatzen sein.

Studie rät zu intelligenter Schüleraufteilung im Wechselunterricht

Präsenzunterricht soll im kommenden Schuljahr Vorrang haben. Sollte es coronabedingt anders kommen, könnten sich Bildungspolitiker an der Studie einer Forschergruppe mit Mannheimer Beteiligung orientieren. Die rät im Ernstfall zu intelligentem Wechselunterricht.

Vor dem Beginn des neuen Schuljahres raten Soziologen von der Universität Mannheim bei Wechselunterricht Freundschaften unter den Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen. Wer bei steigenden Corona-Fallzahlen Infektionsausbrüche an Schulen vermeiden oder abmildern wolle, müsse die Schüler intelligent aufteilen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES) und der Columbia University (USA).

Die in der Fachzeitschrift «The Lancet Regional Health – Europe» erschienene Studie hatte Kontakte zwischen 14- und 15-Jährigen in 507 Klassen in weiterführenden Schulen in England, den Niederlanden, Schweden und Deutschland analysiert. Dabei hat das Forschungsteam herausgefunden, dass die zufällige Verteilung der Schüler in zwei Gruppen am wenigsten gegen die Ausbreitung der Infektion wirkte.

Eine Aufteilung nach Geschlecht sei deutlich effektiver, da sich Kinder und Jugendliche im Schulalter eher mit Angehörigen des eigenen Geschlechts träfen. Zusätzliche Kontakte und damit Ansteckungen zwischen den Geschlechtergruppen seien daher nicht so häufig.

Als besonders wirksam erwies sich die Aufteilung, die die von den Schülerinnen und Schülern in Befragungen angegebenen Sozialkontakte berücksichtigte. Auch die Wahrscheinlichkeit für sogenanntes Superspreading – also relativ viele Ansteckungen, ausgehend von wenigen Infizierten – lasse sich mit dieser Form der Gruppenbildung anhand von Freundschaften verringern.

Außerdem konnte das Forschungsteam zeigen, dass der wechselnde Unterricht geteilter Schulklassen im wöchentlichen Turnus Infektionsketten besser unterbrechen kann als Unterrichtsformen, bei denen die Klassenhälften am selben Tag in der Schule präsent sind und beispielsweise unterschiedliche Räume zu verschiedenen Zeiten nutzen. Wöchentlicher Wechsel wirke wie eine Art kurze Quarantäne, während der ein aufkeimendes Infektionsgeschehen abklingen könne, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

Ministerpräsident Kretschmer gegen neue Schulschließungen wegen Corona

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich angesichts steigender Inzidenzen gegen erneute Schulschließungen ausgesprochen - und für die Impfung von Kindern und Jugendlichen. Offene Schulen und Kindergärten seien eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, aber auch der psychischen Gesundheit von Kindern und Familien, sagte der CDU-Politiker im Interview der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Samstag). Der Fehler, die Schulen zu schließen, dürfe nicht wiederholt werden.

Kretschmer plädierte für Impfungen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren. Sachsen habe genügend Impfstoffe und viele Kinderärzte, die bereit seien, junge Menschen zu impfen. Er hoffe auf eine entsprechende generelle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) in den nächsten Tagen. «Dann hätten wir noch mehr Sicherheit und Akzeptanz. Es gibt einen großen Teil der Bevölkerung, der sich sehr nach den Kriterien der Stiko richtet.»

16.07.2021

Mehr als 60 Prozent der Schulen in Bremen mit Luftfiltern

Die Stadt Bremen kann zum kommenden Schuljahr mehr als 60 Prozent ihrer Schulen mit Luftfiltern zur Abwehr von Coronaviren ausstatten. In den vergangenen Monaten seien bereits mehr als 2500 mobile Luftreinigungsanlagen für Klassenzimmer beschafft worden, in denen nicht optimal gelüftet werden kann. Das teilte das Schulressort am Freitag mit. «Da Luftfilteranlagen zum sicheren Präsenzunterricht und damit auch zur möglichst uneingeschränkten Entwicklung von Kindern beitragen, darf an dieser Stelle nicht gespart werden», sagte die neue Bildungssenatorin Sascha Karolin Aulepp (SPD).

Auch Bremerhaven komme bei der Anschaffung von Luftfiltern voran, sagte ein Sprecher. Das Bundesland sehe sich deshalb weit vorn bei der Ausstattung seiner Schulen. Der 1,2 Milliarden Euro große Bremen-Fonds zur Bekämpfung der Corona-Pandemie hat auch einen 48,6 Millionen Euro großen Topf für technische Beschaffung. Daraus werden die Luftfilteranlagen bezahlt.

Laumann: NRW-Kabinett berät über Lüftungstechnik an Schulen

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will in ihrer Sondersitzung zur Hochwasserkatastrophe auch über den Einsatz von mobilen Luftreinigungsgeräten in Schulen beraten. In der Kabinettssitzung am Freitag werde es auch um die Frage gehen, «was man noch an der Lüftungstechnik der Schulen machen kann», sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im Radioprogramm WDR5.

Laumann betonte, mobile Lüfter könnten beim Schutz vor Corona-Ansteckungen «eine Ergänzung sein, aber kein Ersatz fürs Lüften». Das hätten wissenschaftliche Studien gezeigt. Wenn jemand glaube, «das Problem sei in den Schulen gelöst durch die Aufstellung von mobilen Lüftungsanlagen, dann wird er sich wundern, was er an Infektionen bekommen wird», sagte der Gesundheitsminister.

Unter anderem hatte eine Elterninitiative Ende Juni mobile Raumluftfilter in jedem Klassenzimmer in Nordrhein-Westfalen gefordert, um in der Pandemie flächendeckend Präsenzunterricht zu sichern. Der Schulunterricht beginnt nach den Sommerferien Mitte August.

Laumann äußerte sich zufrieden zum Stand der Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen. Bis zum Ende der Sommerferien würden mindestens 70 Prozent der Menschen in NRW zweimal geimpft sein. «Die Impfkampagne wird bis dahin weitestgehend abgeschlossen sein», sagte der Minister. Dann müssten noch die Nachzügler erreicht werden, um eine höhere Quote zu erzielen.

Letzter Schultag: «Keine Corona-Zeugnisse zweiter Klasse»

Vor den Sommerferien werden die schulischen Leistungen benotet. In einem Jahr soll es in Rheinland-Pfalz an zwölf Pilotschulen auch erstmals digitale Zeugnisse geben.

Trotz aller Einschränkungen des Unterrichts in der Corona-Pandemie haben die am letzten Schultag vor den Sommerferien ausgeteilten Zeugnisse nach Überzeugung des Bildungsministeriums ihren vollen Wert. «Es sind keine Corona-Zeugnisse zweiter Klasse», sagte Staatssekretärin Bettina Brück (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Es habe eine reguläre Notenfeststellung gegeben, so dass auch die Zeugnisse vom Freitag aussagekräftig seien.

«Wir haben wegen der Corona-Situation lediglich die Möglichkeit zugelassen, dass weniger Klassenarbeiten geschrieben werden», erklärte Brück, die mit Bildung der neuen Landesregierung vom Parlament ins Ministerium gewechselt ist. «Dafür waren dann andere Leistungsnachweise zu erbringen wie Referate, Projektarbeiten oder mündliche Leistungen.»

Im neuen Schuljahr, das am 30. August beginnt, soll es in Rheinland-Pfalz erstmals auch digitale Zeugnisse geben. Zwölf Schulen, die Hochschule Koblenz, die Technische Hochschule Bingen sowie die Universität Mainz wirken gemeinsam mit Berlin und Nordrhein-Westfalen an einem Pilotprojekt zur Einführung digitaler Zeugnisse mit. Das Projekt ist Teil der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG), das bis Ende 2022 alle Verwaltungsakte im Internet ermöglichen soll.

«Ziel ist die Vergabe der ersten digitalen Zeugnisse im Schuljahr 2021/22», sagte Brück. Zeugnisse zum Anfassen in Papierform werde es auch künftig geben. Aber mit dem digitalen Zeugnis werde ein Nachweis der erbrachten Schulleistungen möglich, ohne dass wie bisher Kopien beglaubigt werden müssten. «Das befreit die Sekretariate der Schulen von Arbeiten und vereinfacht Bewerbungen der Schulabgänger.»

Viel Arbeit statt Ferien gibt es jetzt für die Schulplaner im Bildungsministerium und in der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). «Die Planung des neuen Schuljahrs ist immer ein Riesenunterfangen, ein Großprojekt, das jährlich mit Beginn der Sommerferien seinen Höhepunkt erlebt», sagte die Staatssekretärin im Bildungsministerium, Bettina Brück (SPD). «Grundlage dafür sind Prognosen zur erwarteten Zahl der Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig erhoben werden.»

«Diesen Bedarf bringen wir mit der Planung des bestmöglichen Einsatzes der Lehrkräfte zusammen, damit alle Schulen versorgt sind und wir für die anstehenden Fächerkombinationen die benötigten Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte zur Verfügung haben», sagte Brück im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. In Gliederungsbögen stellen die Schulen dar, wie viele Schülerinnen und Schüler in welchen Klassenstufen zu erwarten sind.

Für die Grundschulen liegen die wichtigsten Daten der Anmeldezahlen zum neuen Schuljahr bereits Anfang März vor. Alle Kinder, die bis zum 31. August sechs Jahre alt werden, sind schulpflichtig. Ihre Anmeldungen finden traditionell im Herbst vor Beginn des neuen Schuljahres statt. Wer nach dem 1. September den sechsten Geburtstag hat, gilt als «Kann-Kind» und wird in der zweiten Februarhälfte angemeldet.

Die benötigten Planstellen werden der Schulaufsicht im Mai vom Ministerium zugewiesen. Dann kann die ADD mit der konkreten Planung an den einzelnen Schulen beginnen. «Das ist ein stetiger Prozess, der zu den Sommerferien noch nicht abgeschlossen ist», erklärte Brück. «Dann beginnt die heiße Phase bei der Schulaufsicht, vor allem wenn noch neue Lehrkräfte rekrutiert werden müssen.» Die Detailplanung der Ausstattung mit Lehrkräften bis zur Zuweisung zu den einzelnen Schulen findet in den Ferien statt. «Viele Lehrerinnen und Lehrer wissen aber schon zu Beginn der Ferien, wo sie im neuen Schuljahr eingesetzt werden.»

Brück erwartet, dass es im Schuljahr 2021/22 voraussichtlich erstmals seit 2004/05 wieder steigende Schülerzahlen geben wird - etwa 1300 Schülerinnen und Schülern mehr als im jetzt abgeschlossenen Schuljahr. Ein Grund könnte die Corona-Pandemie sein mit der Möglichkeit, ein Schuljahr zu wiederholen. «Gerade in den Abschlussklassen haben manche wegen ungewisser Perspektiven die Möglichkeit genutzt, länger in der Schule zu bleiben», sagte Brück.

Vor allem müsse jetzt darauf geachtet werden, wie sich die Corona-Situation auf die Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern ausgewirkt habe. «Die Lehrerinnen und Lehrer sind gehalten, Lernrückstände zu ermitteln und Bereiche mit Nachholbedarf zu identifizieren», erklärte Brück. Dafür gebe es unterschiedliche Diagnose-Tools wie die bundesweit eingeführten Lernstandserhebungen Vera 3 und Vera 8 für das dritte und das achte Schuljahr. «Es geht nicht nur darum, Wissen nachzuholen, sondern auch darum, allgemein soziale Kompetenzen zu schärfen und das gemeinsame Miteinander zu gestalten.»

15.07.2021

Ministerin will trotz Delta Präsenzpflicht an Schulen nach Ferien

Noch zehn Tage Schule, dann sind Sommerferien im Südwesten. Aber wie geht es am 13. September weiter, wenn Delta die Inzidenz nach oben treibt? Die Ministerin will neue Schulschließungen unbedingt vermeiden - doch in der Corona-Krise kam es schon öfter anders.

Trotz der Gefahr einer vierten Corona-Welle im Herbst geht Kultusministerin Theresa Schopper davon aus, dass es nach den Sommerferien wieder Präsenzpflicht an den Schulen gibt. «Wir haben es fest vor», sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag in Stuttgart. Sie sei sehr zuversichtlich, dass die «Korsettstangen der Sicherheit» ausreichten, um in Vollpräsenz in die Klassenzimmer zurückzukehren. Schopper sprach sich dafür aus, die Inzidenz nicht mehr als einzigen Maßstab für Corona-Auflagen zu nehmen, um Schulen offen lassen zu können. Da die Sommerferien erst Mitte September enden, habe man aber noch Zeit, das Infektionsgeschehen zu beobachten. Die SPD hielt der Ministerin vor, noch kein schlüssiges Konzept zu haben, um den Präsenzunterricht abzusichern.

Schopper rechnet damit, dass viele ungeimpfte Kinder und Jugendliche sich mit der aggressiveren Deltavariante anstecken werden. «Delta wird sich in den Schulen breitmachen, da muss man sich nichts vormachen.» Allerdings zeichne sich ab, dass es bei Schülerinnen und Schülern nur leichte Verläufe wie Husten oder Schnupfen gebe. Es sei übertrieben, an Schulschließungen zu denken, wenn Kinder und Jugendliche im Wesentlichen «einen Packen Taschentücher» bräuchten. Zwar müsse man noch genau schauen, ob es sogenannte Long-Covid-Folgen bei Jüngeren gebe. Sie sei aber zuversichtlich, dass die Deltavariante keine Schüler und Schülerinnen «niederstreckt».

Die Ministerin hält es deshalb nicht für nötig, dass die Schulen wieder geschlossen werden müssen, wenn die Inzidenzen «in die Höhe schnellen». Bisher müssen gemäß der Bundesnotbremse bei einer Inzidenz von 165 die Schulen geschlossen werden. Für die Notbremse sei entscheidend gewesen, dass die Krankenhäuser nicht überlastet werden sollten. Wenn sich aber künftig vor allem Kinder und Jugendliche ansteckten und milde Verläufe hätten, sei das eine andere Lage.

Der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei widersprach der Ministerin: «Offenbar unterschätzt Frau Schopper die Delta-Variante. Während die Wissenschaft sehr eindringlich warnt, legt Grün-Schwarz bei den Schulen weiter die Hände in den Schoß. Offensichtlich hat die Landesregierung aus dem Jahr 2020 rein gar nichts gelernt.» Er erneuerte die Forderung der SPD, Luftfilter in allen Klassenzimmern zu installieren. Grün-Schwarz hat angekündigt, den Kommunen als Schulträgern 60 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um Filtergeräte oder CO2-Ampeln anzuschaffen. Das sei zu wenig und werde der Lage nicht gerecht, sagte Fulst-Blei.

Schopper machte deutlich, dass auch für Lehrkräfte Präsenzpflicht gelte. «Wir gehen davon aus, dass alle Lehrer einsetzbar sind, weil alle ein Impfangebot hatten.» Wer sich nicht mit einem Attest entschuldige, müsse in die Schule kommen. Zwar dürfe man aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nachfragen, welche Lehrerinnen und Lehrer sich haben impfen lassen. Die Rückmeldung aus den Schulen sei aber so, dass wohl die meisten Pädagogen sich haben impfen lassen.

Nach den Ferien gebe es zwei Wochen Maskenpflicht, um zu verhindern, dass Urlaubsrückkehrer das Virus einschleppen. Zudem werde weiter zweimal die Woche getestet. Die Tests seien neben den Impfungen der Lehrkräfte auch der entscheidende Unterschied zur Lage im Lockdown von Weihnachten bis Pfingsten.

Die Kultusministerin kündigte zudem an, dass im kommenden Schuljahr auch wieder mehr Zusatzangebote möglich sein sollen. «Die Kohorten werden sich immer mehr mischen im kommenden Jahr.» Derzeit prüfe man, ob zum Beispiel Chöre, Theater-AG oder Jugend trainiert für Olympia wieder zugelassen werden. Sie deutete an, dass dies mit bestimmten Schutzmaßnahmen wieder möglich werden könnte.

Für die AfD erklärte der Sprecher für Bildung, Rainer Balzer: «Am Prinzip des Präsenzunterrichts darf nicht, ja darf nie mehr gerüttelt werden.» Klar sei: «Wir werden das mutationsfreudige Virus nicht los. Unser Immunsystem wird mit ihm leben lernen und wir können das auch.»

Hamburgs Schulklassen bekommen nun doch Luftfilter

Hamburg Schulen sollen zur Verminderung des Corona-Risikos nun doch mit mobilen Luftfilteranlagen ausgestattet werden. Spätestens bis zu dem Herbstferien sollen 10 000 Geräte in den Unterrichtsräumen aufgestellt werden, kündigte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag an. Am Montag werde ein entsprechendes Ausschreibungsverfahren gestartet. 30 bis 40 Millionen Euro will die Stadt den Angaben zufolge investieren.

Bisher hatte Rabe sich unter Hinweis auf bestehende Abstandsregeln, Hygiene- und Lüftungskonzepte gegen den flächendeckenden Einsatz von Luftfilteranlagen in Klassenräumen ausgesprochen. Nach wie vor stehe nicht fest, ob mobile Raumluftfilter wirklich Sinn machen, betonte er am Donnerstag. «Um aber das Risiko erneuter Schulschließungen in jedem Fall auszuschließen, starten wir jetzt das sicherlich umfangreichste Beschaffungsprogramm aller Bundesländer.»

Am Mittwoch hatte die Bundesregierung mitgeteilt, die Anschaffung mobiler Luftfilter für die Schulen in den Ländern mit insgesamt 200 Millionen Euro zu fördern. Der Förderanteil des Bundes soll laut Wirtschaftsministerium bei 50 Prozent liegen.

Die Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft nannte die Anschaffung der Geräte längst überfällig. Rabes Einsicht komme «reichlich spät», sagte die Bildungsexpertin der CDU, Birgit Stöver. «Hamburg muss jetzt auf einem sehr angespannten Markt flächendeckend Luftfilter anschaffen und zu den Bundesmitteln noch ausreichend Landesmittel hinzugeben.»

Sabine Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Linken, warf Rabe fehlenden politischen Willen vor, alles für einen umfassenden Schutz der Schüler vor der Delta-Variante zu unternehmen. «Dabei wissen wir: Viel hilft viel und Lüften allein ist ganz sicher nicht das beste Mittel der Wahl.» Ähnlich äußerte sich die FDP-Abgeordnete Anna von Treuenfels-Frowein.

Kultusministerin geht von Rückkehr zu Präsenzpflicht nach Ferien aus

Kultusministerin Theresa Schopper geht trotz der Gefahr durch die Deltavariante des Coronavirus davon aus, dass es nach den Sommerferien wieder Präsenzpflicht an den Schulen gibt. «Wir haben es fest vor», sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag in Stuttgart. Sie sei sehr zuversichtlich, dass die «Korsettstangen der Sicherheit» ausreichten, um in Vollpräsenz in die Klassenzimmer zurückzukehren. Da die Sommerferien erst Mitte September enden, habe man aber noch Zeit, das Infektionsgeschehen zu beobachten.

Schopper rechnet damit, dass viele ungeimpfte Kinder und Jugendliche sich mit der aggressiveren Deltavariante anstecken werden. «Delta wird sich in den Schulen breitmachen, da muss man sich nichts vormachen.» Allerdings zeichne sich ab, dass es bei Schülerinnen und Schülern nur leichte Verläufe gebe. Kinder und Jugendliche bräuchten im wesentlichen «einen Packen Taschentücher». Die Ministerin hält es deshalb nicht für nötig, dass die Schulen wieder geschlossen werden müssen, wenn die Inzidenzen «in die Höhe schnellen».

Auch für Lehrkräfte gelte Präsenzpflicht, machte Schopper deutlich. «Wir gehen davon aus, dass alle Lehrer einsetzbar sind, weil alle ein Impfangebot hatten.» Wer sich nicht mit einem Attest entschuldige, müsse in die Schule kommen. Zwar dürfe man aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nachfragen, welche Lehrerinnen und Lehrer sich haben impfen lassen. Die Rückmeldung aus den Schulen sei aber so, dass wohl die meisten Pädagogen sich haben impfen lassen.

 

14.07.2021 

Sieben Millionen Euro vom Bund für Luftfilter in Schulen

Schleswig-Holstein erhält sieben Millionen Euro Bundesmittel für den Kauf mobiler Luftfilteranlagen für Schulen. «Das ist ein gutes Signal, das wir als Land aufnehmen, indem wir uns im Rahmen der Kofinanzierung an den Beschaffungskosten der Schulträger beteiligen werden», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch. Die Luftfilter ersetzten nicht das Lüften, Impfen und Testen, würden aber helfen, für alle Schüler wieder dauerhaft Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Die Bundesregierung fördert nun auch den Einbau mobiler Luftfilter in Schulen. Dazu sollen den Ländern 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, wie das Wirtschaftsministerium nach einem Beschluss des Kabinetts am Mittwoch mitteilte. Bisher fördert der Bund nur den Einbau fester Anlagen. Der Bund beteiligt sich mit 50 Prozent an den Kosten.

Die Jamaika-Koalition will 3,5 Millionen Euro des Landesanteils tragen. Ebenso viel Geld müssten die Kommunen als Schulträger beisteuern. Laut Regierung sind Gespräche mit den Kommunalen Landesverbänden bereits initiiert.

«Die Landesregierung wird dem Parlament vorschlagen, den Landesanteil für das Programm aus dem Notkredit mitzufinanzieren», sagte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne). Sozial-Staatssekretär Matthias Badenhop sagte, eine möglichst gute Raumluft sei für Kinder jeden Alters ein Beitrag zur Infektionsprävention.

Die SPD forderte die Übernahme der kompletten sieben Millionen Euro durch das Land. «Im Herbst 2020 wurde landauf, landab die Forderung nach Luftfiltern erhoben», sagte der Schulpolitiker Kai Vogel. Das habe die Regierung damals abgelehnt. «Jetzt auf einmal ließ Frau Prien sich den Wind der Filter um die Nase wehen – natürlich wie immer unter der Voraussetzung, dass der Bund es bezahlt.»

Trotz Corona: Abiturschnitt in Thüringen verbessert sich leicht

Der Abiturjahrgang 2021 dürfte wohl zu den ungewöhnlichsten der vergangenen Jahre zählen: Zwei Schuljahre prägte die Corona-Pandemie die Lernbedingungen für die Schüler. Nun legten 6279 junge Thüringer ihr Abitur ab - mit einem guten Notenschnitt.

Trotz Schulschließungen, Distanz- und Wechselunterricht in der Corona-Pandemie haben Thüringer Gymnasiasten in diesem Jahr im Schnitt ein besseres Abitur geschrieben als im Vorjahr. Der Notenschnitt lag in diesem Jahr bei 2,06, im Jahr 2020 hatte er noch bei 2,16 gelegen, wie das Thüringer Bildungsministerium auf dpa-Anfrage mitteilte. 311 Schüler schafften ihr Abi mit einem glatten Einserschnitt von 1,0 - 99 mehr als noch im Jahr 2020.

«Die Leistungen unserer Abiturientinnen und Abiturienten 2021 können sich sehen lassen», erklärte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Niemand sollte diese Leistung kleinreden, betonte Holter. Der Anforderungsstandard des Abiturs war auf dem Standard der Vorjahre.

Allerdings hatte es wegen der Corona-Pandemie für den aktuellen Abiturjahrgang ein paar Änderungen gegeben: So sollten die Schüler beispielsweise bei den Aufgaben mehr Wahlmöglichkeiten erhalten. Auch der Prüfungsstart war in Thüringen frühzeitig nach hinten verschoben worden. Außerdem galten für Abschlussklassen oft Ausnahmen, damit sie sich im Präsenzunterricht auf die Prüfungen vorbereiten und einen engeren Kontakt mit ihren Lehrern halten konnten.

Holter würdigte das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer. «Sie haben junge Erwachsene gebildet und stark gemacht für den weiteren Lebensweg. Das bemisst sich an mehr als nur an Noten», so Holter.

Insgesamt 6279 junge Menschen legten in diesem Jahr in Thüringen ihr Abitur ab, teilgenommen hatten 6389, von denen 110 das Abitur nicht bestanden.

Die Landeselternvertretung zollte den Abiturienten angesichts des guten Notendurchschnitts Respekt. «Nun aber schauen wir nach vorn: Nach einer verdienten Erholungsphase gilt es, alle Anstrengungen zu bündeln und sich auf die Jahrgänge zu konzentrieren, die die Schulen im letzten Jahr nur selten von innen gesehen haben und wieder an einen regelmäßigen Schulalltag herangeführt werden müssen», hieß es in einer Mitteilung der Landeselternvertretung.

Die Ergebnisse der anderen Abschlussprüfungen liegen laut Bildungsministerium erst im Herbst vor.

Karliczek: Corona-Tests an Schulen werden uns noch Monate begleiten

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) geht davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler in Deutschland auch in einigen Monaten noch regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden müssen. «Damit Kinder und Jugendliche sicher zu ihrem normalen Schulalltag zurückkehren können, müssen wir dort weiter auf Testen als mildes, aber wirksames Mittel der Kontrolle setzen. Das Testen in den Schulen wird uns sicher noch über Monate begleiten», sagte Karliczek dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). Wo keine Abstände eingehalten werden können, bleibe der Schutz durch Masken wichtig - auch im Klassenraum. «Auch Luftfilter können einen Beitrag leisten, obwohl sie kein Allheilmittel sind», sagte Karliczek.

Sie betonte zudem, dass es hohe Priorität habe, nach Möglichkeit den Regelunterricht aufrechtzuerhalten. «Es muss aber auch gut vorbereitete Alternativen geben für die Situation, dass es anders kommt», so die Ministerin.

13.07.2021 

Ministerium: 90 Prozent der Lehrkräfte mindestens einmal geimpft

Eine deutliche Mehrheit der Lehrkräfte in Niedersachsen ist nach Angaben des niedersächsischen Kultusministeriums mittlerweile gegen das Coronavirus geimpft. «90 Prozent der Lehrkräfte haben mindestens die erste Impfung, über 74 Prozent sogar bereits Erst- und Zweitimpfung erhalten und sind damit durchgeimpft», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag in Hannover. Die Impfangebote würden von den Lehrerinnen und Lehrern sehr gut und verantwortungsbewusst angenommen. Eine Impfpflicht für diese Gruppe brauche es deshalb nicht.

Es sei richtig gewesen, dass Niedersachsen beim Bund auf die Öffnung der Priorisierung 2 für Lehrkräfte gedrungen habe. «Durchgeimpfte Kollegen sind ein wichtiger Grundstein für ein neues Schuljahr in Sicherheit und mit möglichst viel Präsenzunterricht», sagte Tonne. Die Quote bei den Erstimpfungen in Niedersachsen liegt derzeit bei 60,6 Prozent.

Niedersachsen organisiert Impfaktion für Kinder und Jugendliche

Zwar gibt es noch keine Empfehlung zum generellen Impfen von Kindern und Jugendliche ab zwölf Jahren. Dennoch organisiert Niedersachsen für interessierte Eltern und junge Menschen eine Impfaktion mit Biontech. Für das Angebot vor Ferienstart gibt es viel Interesse.

Rechtzeitig vor Ferienstart organisiert Niedersachsen am kommenden Sonntag eine landesweite Impfaktion für Kinder und Jugendliche, in die fast die Hälfte der 50 Impfzentren eingebunden sind. Rund 27 000 Impfdosen gegen das Coronavirus seien für den Aktionstag reserviert, sagte die stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, am Dienstag in Hannover. Termine können über die Hotline unter 0800 9988665 ausschließlich telefonisch reserviert werden. Die Bindung an das örtliche Impfzentrum ist für die Aktion aufgehoben.

Hintergrund ist, dass einzelne Ärzte in manchen Zentren es ablehnen, Kinder und Jugendliche ohne Vorerkrankung zu impfen. Nur für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen gibt es nämlich bislang eine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).

«Uns haben einfach viele Anfragen erreicht von Eltern, woraus wir herleiten können, dass es ein großes Interesse gibt», sagte Schröder. Je nach Nachfrage werde die Impfaktion an weiteren Terminen fortgesetzt. Wie Regierungssprecherin Anke Pörksen sagte, handele es sich nicht um eine zwingend einmalige Aktion. Bei großem Interesse könne die Aktion wiederholt werden.

In Niedersachsen haben bislang nach Angaben des niedersächsischen Gesundheitsministeriums 5,4 Prozent der jungen Menschen unter 18 eine erste Impfung erhalten, 1,4 Prozent der Altersgruppe haben bereits den vollständigen Impfschutz. Dabei sei zu beachten, dass in Niedersachsen weit mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen jünger sind als zwölf Jahre und derzeit noch keine Impfung erhalten können, hieß es vom Ministerium.

Trotz einer noch nicht existierenden Impfempfehlung der Stiko empfiehlt das niedersächsische Gesundheitsministerium Eltern, sich über eine Impfung für ihre Kinder zu informieren. «Wir wollen den Kindern und Jugendlichen, die Interesse an einer Impfung haben, die Möglichkeit geben, sich noch vor den Ferien gegen Covid-19 impfen zu lassen», sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). Die zweite Impfung nach sechs Wochen könnte so noch vor dem Schulstart stattfinden.

An der Impfaktion beteiligen sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums landesweit 23 Impfzentren. Diese erhalten jeweils eine Sonderlieferung im Umfang von 1170 Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer. Dies sei der bisher einzige Impfstoff, der für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen ist. Auch in vielen weiteren Landkreisen und kreisfreien Städten, deren Impfzentren am Sonntag nicht teilnehmen, würden in diesen Tagen Impfaktionen für Kinder und Jugendliche organisiert.

Flächendeckende Impfaktionen an Schulen seien wegen der fehlenden Stiko-Empfehlung in naher Zukunft nicht möglich, sagte Schröder. Trotzdem habe es an einer Schule in Osnabrück am Montag eine Pilot-Impfaktion gegeben. Diese wird im Kultusministerium ausgewertet, um derartige Aktionen gegebenenfalls an weiteren Schulen anzubieten. Schulen sind nach Angaben von Schröder ein guter Impf-Ort. «Uns geht es darum, aus den Impfzentren rauszugehen und aufsuchend zu impfen». Zudem wird es nach Angaben von Schröder in der kommenden Woche in einzelnen Impfzentren gezielte Angebote für Eltern und Kindern geben.

Rheinland-Pfalz will an Unterricht im Klassenraum festhalten

Für die Raumlufthygiene an den Schulen stellt das Land zwölf Millionen Euro bereit. Die Regeln zu Corona-Tests werden gelockert. In den Sommerferien sollen Spaß und Spiel nicht zu kurz kommen, empfiehlt Bildungsministerin Hubig.

Nach den Sommerferien sollen Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz weiter in ihrer Lerngemeinschaft unterrichtet werden. «Wir wollen im neuen Schuljahr den Präsenzunterricht, den wir jetzt haben, in allen Klassenstufen fortsetzen», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Dienstag in Mainz. Das Land unterstützt dies mit Blick auf die bislang nicht absehbare Pandemie-Situation im Herbst mit zusätzlichen zwölf Millionen Euro für die Anschaffung von Luftfilteranlagen an Schulen. Außerdem werden die Corona-Tests an den Schulen neu geregelt: Zwei Wochen lang werden alle Schülerinnen und Schüler weiter getestet, danach nur noch aus bestimmtem Anlass.

«Wir werden ein Zwölf-Millionen-Programm für Raumlufthygiene auflegen», sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Anschluss an die letzte reguläre Kabinettssitzung vor der Sommerpause. Zusammen mit einer neuen Teststrategie seien dann die Voraussetzungen gegeben, «dass wir gut gerüstet in die Sommerferien gehen können».

«Das Lüften ist das A und O», sagte Hubig. Mit den zusätzlich bereitgestellten Mitteln solle aber die Frischluftzufuhr in den Klassenräumen weiter verbessert werden. Kann nicht ausreichend gelüftet werden, gibt es Geld für eine Vielzahl von Maßnahmen. Gefördert wird nach den Empfehlungen des Umweltbundesamts unter anderem der Umbau von Fenstern, die Anschaffung von CO2-Messgeräten, der Einbau von ventilatorgestützten Zu- und Abluftsystemen und die Anschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten.

Ein erstes Programm für Luftfilteranlagen im Umfang von sechs Millionen Euro wurde im Oktober 2020 aufgelegt. Bis Ende Juni wurden Anträge im Umfang von drei Millionen Euro gestellt, die vollständig bewilligt wurden. Davon profitierten nach Angaben des Ministeriums landesweit rund 1300 Schulen. Sie sei überzeugt, dass sich inzwischen weitere Schulträger auf den Weg machen wollten und von dem neuen Programm profitieren könnten, sagte die Ministerin.

Nach den Sommerferien soll es zunächst zwei «Präventionswochen» bis zum 10. September geben, in denen wie bisher alle Schülerinnen und Schüler zweimal pro Woche getestet werden. «Danach wird künftig ein anlassbezogenes Testkonzept greifen», erklärte Hubig - etwa wenn Infektionen in einer Schule auftreten oder in einer Region mit erhöhter Infektionsdynamik. Außerdem soll es zu Vergleichszwecken regelmäßige Testungen an 20 ausgewählten Schulen geben.

Kritik an den Ankündigungen kam von der CDU-Landesvorsitzenden Julia Klöckner. «Die Planungen und Vorsorgemaßnahmen gehen absolut nicht weit genug», erklärte Klöckner. «Ich bezweifle, dass die SPD-geführte Landesregierung Eltern und Schülern über die Sommerferien hinweg ein sicheres Gefühl vermitteln kann.» Sollte im Verlauf des Herbstes wieder Wechselunterricht nötig werden, «stehen die Schulen offenbar weiter im Regen», fügte die CDU-Politikerin hinzu und nannte dabei die digitale Ausstattung der Schulen.

Mit Blick auf Einschränkungen des Lernens in der Pandemie-Zeit sagte Hubig: «Viele, die im Wechselunterricht waren, haben tatsächlich gelitten.» Das Angebot der Sommerschule trage dazu bei, dass die Betroffenen eine gute Basis für den weiteren Unterricht erhielten. Die Ministerin betonte aber, «dass es auch um Spaß und Spiel gehen muss, gerade nach der langen Zeit der geringeren sozialen Kontakte.»

12.07.2021 

Lehrerverband für 14 Tage Test- und Maskenpflicht nach Schulferien

Bald sind in Thüringen Sommerferien - Urlaubszeit. Wenn dann im September die Schule wieder losgeht, soll es nicht mehr zu Schulschließungen oder Wechselunterricht kommen. Der Lehrerverband fordert zur Absicherung aber eine Maßnahme.

Der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbands, Rolf Busch, hat eine 14-tägige Test- und Maskenpflicht im Unterricht nach den Sommerferien in den Schulen gefordert. Auch als Laie könne man erkennen, dass im Falle einer vierten Welle mit Corona-Infektionen wahrscheinlich vor allem die Schulen betroffen sein würden, weil dort noch wenige Schüler geimpft seien und bestimmte Altersgruppen noch gar nicht geimpft werden könnten. «Wenn wir die Schulen offen halten wollen, brauchen wir mindestens die ersten 14 Tage nach der Ferien- und Urlaubszeit eine Test- und Maskenpflicht», sagte Busch der Deutschen Presse-Agentur.

Er bedauere, dass die Testpflicht an den Schulen wenige Wochen vor den Ferien in ein Testangebot umgewandelt worden sei. Die Infektionszahlen rechtfertigten eine Abschaffung der Tests an den Schulen im Moment. Mit der Lösung eines Testangebots sei aber nichts gewonnen. «Entweder ganz oder gar nicht. Die jetzige Regelung bringt nichts als zusätzlichen Aufwand und ausfallende Unterrichtszeit», sagte Busch.

Die Testpflicht habe eine gewisse Sicherheit in die Schulen gebracht. «Wenn ich diese Sicherheit will und das Impfen sie noch nicht bringen kann, kann ich nur testen und eine Maske tragen», sagte Busch.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte die Testpflicht an Thüringer Schulen Anfang Juli abgeschafft, was aus vielen Richtungen kritisiert wurde. Sogar die Fraktion seiner eigenen Partei hatte empfohlen, den Schritt noch einmal zu überdenken. Auch von den Koalitionspartnern Grüne und der SPD kommt anhaltende Kritik an dem Vorgehen.

Holter hatte seine Entscheidung damit begründet, dass künftig wieder alle Schüler in die Schulen gehen sollen. Es habe etwa 1500 Testverweigerer gegeben. Die Testpflicht hatte diese vom Präsenzunterricht ausgeschlossen, weil es ein Betretungsverbot für alle gab, die sich nicht testen lassen wollten.

Kultusminister stellt Corona-Schutzkonzept für Schulen vor

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) will am Montag (9.30 Uhr) ein neues Corona-Schutzkonzept für Schulen vorstellen. Die Planungen für das kommende Schuljahr liefen auf Hochtouren, teilte das Ministerium mit. Das Land stelle nun die Weichen für einen sicheren Schulbetrieb nach den Sommerferien. Die großen Ferien in Hessen dauern vom 19. Juli bis zum 27. August.

Die Landesregierung hatte vor kurzem mitgeteilt, dass bislang 60 Millionen Euro Fördergeld des Landes in einen besseren Corona-Schutz an Schulen und Kitas geflossen seien. Unter anderem wurden mehr als 9 Millionen Euro in mobile Luftreinigungsgeräte investiert. Für 4,4 Millionen Euro wurden CO2-Ampeln zur Luftüberwachung angeschafft.

11.07.2021 

Sorgen vor erneuten Schulschließungen im Herbst

Viele Familien blicken mit Sorge auf das kommende Schuljahr. Wird es das dritte Corona-Schuljahr mit Ausfällen, Einschränkungen und Schließungen in Folge? Diskutiert wird darüber, wie das verhindert werden kann.

Mit Blick auf das kommende Schuljahr haben sich Politiker verschiedener Parteien für die Aufrechterhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen und Impfungen ausgesprochen, um erneute Schulschließungen zu verhindern. Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, warnte davor, Schülerinnen und Schüler wieder ins sogenannte Homeschooling zu schicken.

Bis zum nächsten Schuljahr müssten Schulen technisch so umgerüstet werden, dass der Unterricht auch bei schwieriger Infektionslage ungestört fortgeführt werden könne, sagte Schleicher, der auch für den internationalen Schulleistungsvergleich Pisa verantwortlich ist, im «Interview der Woche» von MDR Aktuell. «Diese Schulschließungen dürfen sich einfach nicht wiederholen.»

Eine große Zahl junger Menschen sei während der Krise «völlig durchs Raster gefallen», stellte der Bildungsexperte fest. Die Pandemie habe die sozialen Benachteiligungen noch einmal deutlich verstärkt. Schleicher warb dafür, jüngere Kinder und Kinder aus «sozial benachteiligten Schichten» nun gezielt zu fördern.

Sechs Bundesländer sind inzwischen in den Sommerferien. Die meisten anderen folgen bis zum Monatsende. Anfang August beginnt dann in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern schon wieder das neue Schuljahr.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte am Sonntag im hessischen Völkershausen, ihm sei wichtig, dass jetzt alles getan werde, was an Vorbereitung möglich sei, um nach den Sommerferien Präsenzunterricht an jeder Schule, für jede Schülerin und Schüler möglich zu machen. Ähnlich äußerte sich Unionskanzlerkandidat und CDU-Chef Armin Laschet im ARD-«Sommerinterview». Präsenzunterricht sei die einzige Garantie für manche Kinder, dass sie echte Bildungschancen haben, sagte er.

Bundesfamilien- und Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) sprach sich für die Beibehaltung der Maskenpflicht an den Schulen aus. Verschiedene Länder haben das zumindest für die ersten Wochen des neuen Schuljahres auch schon angekündigt, um Übertragungen durch Reiserückkehrer einzudämmen. Lambrecht sagte der «Welt am Sonntag», stundenlanges Maskentragen in den Klassenräumen sei sehr belastend, aber noch notwendig, um einen sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) warnte in der «Bild am Sonntag» vor neuen Schulschließungen und sprach sich für die Impfung von jungen Menschen aus, wenn diese das wollten. «Wenn wir es durch Impfungen der 12- bis 17-Jährigen schaffen, dass wir Einschränkungen im Schulbetrieb vermeiden, dann ist das ein gewichtiges Argument», sagte Schäuble. Er plädierte auch dafür, in geschlossenen Räumen weiter Masken zu tragen, bevor man riskiere, wieder Schulen schließen zu müssen.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Ständige Impfkommission habe bislang keine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen. «Ich halte es jedoch für selbstverständlich, in einer Situation, in der sich die Delta-Variante unter Kinder und Jugendlichen verstärkt ausbreitet, fortwährend zu überprüfen und Empfehlungen gegebenenfalls anzupassen.» Hans plädierte zudem für die Fortführung der regelmäßigen Tests in den Schulen.

SPD-Chefin Saskia Esken warnte vor Covid-Langzeitfolgen für junge Menschen und forderte, Kinder und Jugendliche stärker zu schützen. «Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren in dem Irrglauben, Kinder und Jugendliche seien nicht gefährdet», sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie forderte Rücksichtnahme von «den überwiegend geimpften älteren Erwachsenen» und äußerte sich kritisch zu Großveranstaltungen. Tests für Reiserückkehrer und für nicht Geimpfte in Betrieben sollten nach Eskens Ansicht aufrechterhalten werden.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt kritisierte die Bundesregierung: «Wir laufen mit Ansage in einen zweiten Corona-Herbst, und wieder unternimmt die Bundesregierung viel zu wenig, um Kitas und Schulen zu sichern. Kinder, Jugendliche und ihre Familien drohen erneut, vergessen zu werden», sagte sie den Funke-Zeitungen. Sie forderte «jetzt einen Kita- und Schulgipfel, damit sich dieses Planungsversagen nicht wiederholt».

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte sich mit Blick auf das neue Schuljahr optimistisch gezeigt. Sie sei «zuversichtlich, dass diesen Herbst die Schulen grundsätzlich offen gehalten werden können». «Wir haben jetzt eine ganz andere Ausgangslage nach den Ferien. Wir haben eine steigende Impfquote, eine gute Teststruktur», sagte die CDU-Politikerin der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag).

OECD-Experte: «Schulschließungen dürfen sich nicht wiederholen»

Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, hat vor erneuten Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie gewarnt. Bis zum nächsten Schuljahr müssten Schulen technisch so umgerüstet werden, dass der Unterricht auch bei schwieriger Infektionslage ungestört fortgeführt werden könne, sagte Schleicher, der auch für den internationalen Schulleistungsvergleich Pisa verantwortlich ist, im «Interview der Woche» von MDR AKTUELL. «Diese Schulschließungen dürfen sich einfach nicht wiederholen.»

Eine große Zahl junger Menschen sei während der Krise «völlig durchs Raster gefallen», stellte der Bildungsexperte fest. Die Pandemie habe die sozialen Benachteiligungen noch einmal deutlich verstärkt. Schleicher warb dafür, jüngere Kinder und Kinder aus «sozial benachteiligten Schichten» nun gezielt zu fördern.

SPD-Landeschef Stoch will aktive Corona-Vorsorge in Schulen

(dpa/lsw)Die SPD fordert von der grün-schwarzen Landesregierung eine aktive Corona-Vorsorge für den Präsenzunterricht nach den Schulferien. Abgesehen von der 14-tägigen Maskenpflicht nach den Ferien gebe es kein Konzept, kritisierte SPD-Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch in einer Mitteilung vom Sonntag. Offen sei etwa, ab wann Schüler geimpft werden. Auch bei Luftfiltern sei noch «rein gar nichts passiert». Falls die nächste Corona-Welle komme, würden Schulen die Hauptleidtragenden sein. «Offensichtlich hat die Landesregierung aus dem Jahr 2020 rein gar nichts gelernt», sagte Stoch.

10.07.2021 

GEW für mehr Luftfilter in Klassenräumen - Sorgen um neues Schuljahr

Der monatelange Distanz- und Wechselunterricht hat Schüler, Schülerinnen, Lehrkräfte und Eltern in Hessen geschlaucht. Die Gewerkschaft GEW fordert mehr Anstrengungen, um ähnliche Maßnahmen im neuen Schuljahr zu vermeiden.

Die Lehrer-Gewerkschaft GEW fürchtet angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie Beeinträchtigungen des Unterrichts auch im kommenden Schuljahr. Es sei unseriös, das jetzt öffentlich auszuschließen, wie es etwa die Kultusministerkonferenz getan habe, erklärte Roman George, Referent Bildungspolitik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Anstatt sich auf reines Wunschdenken zurückzuziehen, gilt es jetzt vielmehr, entsprechende Vorkehrungen zu treffen, damit die Schulen möglichst gut vorbereitet in das dritte Schuljahr unter Pandemie-Bedingungen starten», so George.

Am Montag (12. Juli) will Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in einer Pressekonferenz Eckpunkte für einen sicheren Schulbetrieb nach den Sommerferien vorstellen. Die GEW fordert beispielsweise mehr Luftfilter für die Klassenräume, um Ansteckungsrisiken einzudämmen. «Perspektivisch sind Filteranlagen für alle Klassenräume wünschenswert, da sie zusätzliche Sicherheit ermöglichen. Auch unabhängig von der Corona-Pandemie können sie zu einem dauerhaft verbesserten Gesundheitsschutz an den Schulen beitragen», so George.

Abgesehen von chronisch Erkrankten sei der Großteil der Jugendlichen bisher von Corona-Impfungen ausgeschlossen und für Kinder unter zwölf Jahren gebe es bisher überhaupt keinen zugelassenen Impfstoff. «Auch für die Schülerinnen und Schülern aus den Risikogruppen - wie auch für viele Familienangehörige - war es bislang häufig noch nicht möglich, einen vollen Impfschutz zu erwerben», so George. Die seit den Osterferien vorgesehenen regelmäßigen Testungen hätten zwar dazu beigetragen, den Schulbetrieb sicherer zu machen. Das jüngste Infektionsgeschehen an einer Frankfurter Grundschule im Zusammenhang mit der Delta-Variante mache aber deutlich, «dass Schulen nach wie vor Teil des Infektionsgeschehens sind - nicht mehr und nicht weniger», so George.

Die Impfkampagne müsse jetzt vor allem in sozial benachteiligten Stadtteilen forciert werden, in welchen bislang aus unterschiedlichen Gründen besonders wenige Menschen Zugang zu Impfangeboten gehabt hätten. «Das ist auch für die in diesen Quartieren angesiedelten Bildungseinrichtungen essenziell», mahnte George. Die regelmäßigen Corona-Tests sollten zunächst verbindlich fortgeführt werden, aber die Teststrategie sollte angepasst werden, so der GEW-Referent. Hierzu sollte sich die Landesregierung an den Empfehlungen von Fachleuten orientieren. Nach wie vor mangele es an einem Stufenplan, der für alle Beteiligten klar und nachvollziehbar regele, wann gegebenenfalls verstärkte Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel eine Rückkehr zur Maskenpflicht im Unterricht umzusetzen seien.

09.07.2021 

Geimpfte brauchen an US-Schulen keine Masken mehr

In den USA brauchen vollständig geimpfte Schülerinnen und Schüler nach einer Empfehlung der nationalen Gesundheitsbehörde in Schulgebäuden keine Masken mehr. Die Behörde CDC empfahl am Freitag in neuen Richtlinien das Tragen von Masken für alle, die nicht vollständig gegen Covid-19 geimpft sind - auch für das Lehrpersonal. Besonders wichtig sei es in geschlossenen Räumen oder in einer Umgebung, in der kein Abstand gehalten werden kann. Draußen besteht generell keine Maskenpflicht.

Priorität habe die «sichere Rückkehr» zum Präsenzunterricht im Herbst, hieß es weiter. Obwohl auch Covid-19-Ausbrüche in Schulen aufgetreten seien, hätten Studien gezeigt, dass die Übertragungsrate dort niedriger sei als an anderen Orten oder ähnlich hoch. Die CDC gibt nur Empfehlungen ab. Letztlich entscheiden die US-Bundesstaaten und auch einzelne Schulbezirke selbst.

Schulen: Einführung des landesweiten Videosystems verzögert sich

Hessens Schulen müssen ohne das von der Landesregierung angekündigte landesweite Videokonferenzsystem in das neue Schuljahr starten. Grund dafür ist ein Nachprüfungsantrag, den ein im Vergabevefahren unterlegener Bieter bei der Vergabekammer des Landes Hessen gestellt hat, wie das Kultusministerium am Freitag mitteilte. Bevor die Vergabekammer den Antrag nicht geprüft habe, könne der Auftrag für das Videosystem nicht vergeben werden. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, dürfen die Schulen daher ihre derzeitigen Konferenzsysteme weiter nutzen.   

Mehrere hundert Schulen in Hessen hätten eigentlich nach den Sommerferien aus Datenschutzgründen ihren Distanzunterricht auf ein anderes Videosystem umstellen müssen. Die coronabedingte Duldung von nicht datenschutzkonformen Videokonferenzsystemen laufe Ende Juli aus, hatte der Landesdatenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel im dpa-Interview erklärt. Das Kultusministerium hatte zugesagt, allen Schulen ein landeseinheitliches, datenschutzkonformes und technisch leistungsfähiges Videokonferenzsystem über das Schulportal (Landes-VKS) zur Verfügung zu stellen. Derzeit nutzen rund 1600 der 2000 Schulen das Schulportal des Landes.

Der FDP-Abgeordnete Moritz Promny warf Kultusminister Alexander Lorz (CDU) Untätigkeit vor. Es sei bereits vor mehr als einem Jahr klar gewesen, dass Hessens Schulen ein datenschutzkonformes Videosystem benötigten. «Neues Schuljahr, alte Probleme», kommentierte er die Verzögerung.    

Psychologen beobachten erhebliche Corona-Folgen bei Kindern

Die vergangenen eineinhalb Jahre Corona-Pandemie haben die Psyche junger Menschen stark belastet. Manche finden nicht mehr in den Alltag. Experten rechnen mit lang anhaltenden Problemen, wie ein Ortstrermin im Vogtlandkreis zeigt.

Homeschooling, fehlende Sozialkontakte, kaum eine Alltagsstruktur - Kinder und Jugendliche könnten durch die Folgen der Corona-Pandemie psychiatrische Kliniken künftig stärker beanspruchen. Erste Untersuchungen zeigten bundesweit einen erhöhten Bedarf an psychiatrischen und psychologischen Beratungen, sagte Wolfgang Liskowsky vom Sächsischen Krankenhaus in Rodewisch (Vogtlandkreis) bei einem Besuch von Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Freitag.

Die Einrichtung und niedergelassene Kollegen verzeichneten eine Zunahme junger Patienten, die sich mit akuten psychischen Krisen vorstellen - insbesondere seit Oktober 2020 und auch aktuell in Zusammenhang mit den Schulöffnungen. «Die Situation hier in der Klinik hängt sehr davon ab, wie gut die Versorgung draußen im ambulanten Bereich funktioniert», erklärte Liskowsky. Konkrete Zahlen lägen aber noch nicht vor.

«Das System arbeitet am Limit, Überstunden sind die Regel», sagte Ken Schönfelder, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut aus Auerbach im Vogtland. In der ambulanten Behandlung seien die Anfragen bundesweit um rund 40 Prozent gestiegen. Statt sonst einem Erstgespräch mit einem neuen Patienten pro Woche übernehme er im Moment drei. «Trotzdem bin ich über Monate ausgebucht. Wir gehen davon aus, dass die psychischen Belastungen lange anhalten werden und der erhöhte Bedarf vorerst Dauerzustand sein wird.»

Die Angst vor Ansteckung, fehlende Orientierung, ökonomische Sorgen der Eltern oder auch Einsamkeit sind einige der Probleme, die jungen Menschen laut Schönfelder zu schaffen machen. Angststörungen und Depressionen nähmen aktuell vor allem bei Mädchen zu, ADHS als eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung und ein gestörtes Sozialverhalten bei den Jungen. Vorbelastete Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen oder mit bereits psychischen Auffälligkeiten seien besonders gefährdet. Schönfelder forderte weniger Bürokratie und dadurch einen unkomplizierteren Zugang zu Hilfsangeboten ohne lange Wartezeiten für die jungen Menschen.

«Wir wissen, dass Kinder und Jugendliche aufgrund der Corona-Situation besonderen Belastungssituationen ausgesetzt waren und sind», sagte Ministerin Köpping. Sachsen habe versucht, Schulschließungen im letzten Lockdown zu vermeiden. Besonders der Vogtlandkreis sei lange wegen hoher Fallzahlen belastet gewesen. «Deshalb sollten die Impfangebote wahrgenommen werden - auch um den Kindern im Herbst wieder ähnliche Probleme zu ersparen.»

«Auch wenn die Schulen wieder öffnen - wir können nicht erwarten, dass sich bei den Kindern sofort ein Schalter umlegt und alles wieder in Ordnung ist», sagte Cornelia Metge, sächsische Vorsitzende der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer aus Zschopau. Das vergangene Jahr habe jungen Menschen viel abverlangt. Sie empfahl schnelle und unkompliziert erreichbare Beratungsangebote sowie eine Zusammenarbeit von Psychotherapeuten und Sozialarbeitern.

Reicht eine ambulante Therapie bei psychischen Problemen nicht aus, wird meistens ein stationärer Aufenthalt angestrebt. In Sachsen stemmen neun Krankenhäuser die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Und die sei dort nach wie vor sichergestellt, betonte Liskowsky, der als Chefarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Sächsischen Krankenhaus Rodewisch arbeitet. «Bisher konnten wir alle versorgen, mussten noch niemanden abweisen.» Das Krankenhaus in Trägerschaft des Landes hat 50 stationäre sowie 20 tagesklinische Plätze.

Städte- und Gemeindetag dämpft Erwartung an Lüftungsanlage in Schulen

Dresden (dpa/sn)Sachsens Städte- und Gemeindetag (SSG) hat vor unrealistischen Versprechungen zur Nachrüstung von Lüftungsanlagen in Schulen gewarnt. Die kommunalen Schulträger könnten die derzeit von der Bundespolitik geweckten Erwartungen kaum erfüllen, hieß es in einer Mitteilung am Freitag. Die Nachrüstung von fest verbauten raumlufttechnischen Anlagen sei mit erheblichen und kostenintensiven baulichen Eingriffen verbunden. Diese Eingriffe kämen nur im Zusammenhang mit langfristig zu planenden Schulsanierungen in Betracht.

Abi-Durchschnitt 2020/2021 mit 2,38 trotz Corona besser als zuvor

Trotz der erschwerten Lernbedingungen in der Corona-Pandemie haben die Abiturientinnen und Abiturienten in Niedersachsen im Schuljahr 2020/2021 durchschnittlich bessere Abschlussnoten erzielt als in den Jahren zuvor. Wie das Kultusministerium am Freitag in Hannover mitteilte, lag der Notendurchschnitt bei 2,38. «Auf diese Leistung können Sie stolz sein, Sie haben Enormes geleistet und es wurde Ihnen nichts geschenkt», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

Von den 30 993 angetretenen Schülerinnen und Schülern bestanden den Angaben zufolge 30 100 ihre Abi-Prüfungen. 658 schafften dabei die Bestnote 1,0. Erstmals erreichten zwei Abiturientinnen den Höchstwert von 900 Punkten.

Es sei richtig gewesen, auch in der Pandemie die Prüfungen durchzuführen, sagte Tonne. Man habe weder am Bewertungsmaßstab noch an der Qualität des Abiturs etwas heruntergeschraubt. «Dieses Abitur ist genau so viel wert wie das der Vorjahre», sagte Tonne. Ob die guten Ergebnisse mit dem Wechsel von G8 auf G9 zusammenhängen, konnte der Minister noch nicht abschätzen.

08.07.2021 

Studie in Siegen-Wittgenstein: Priorisierte Impfung für Jugendliche

Bislang gibt es in Deutschland keine allgemeine Corona-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche. Im Kreis Siegen-Wittgenstein soll nun dennoch Menschen ab zwölf Jahren ein Impfangebot gemacht werden - im Rahmen einer Studie hoffen Forscher auf neue Erkenntnisse.

Wissenschaftlich begleitet sollen Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren im Kreis Siegen-Wittgenstein nun bevorzugt geimpft werden. Am Freitag (12.00 Uhr) informieren die beteiligten Wissenschaftler und Mediziner mehrerer Universitäten über die Impfstudie für junge Menschen, die in den kommenden Tagen starten soll.

Eine priorisierte Covid-19 Impfung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ermögliche eine schnelle Rückkehr in den gewohnten schulischen oder universitären Alltag, teilte die am Projekt beteiligte Universität Siegen mit. Außerdem solle das Ansteckungsrisiko für die Elterngeneration gesenkt und ein positiver Effekt auf das Infektionsgeschehen in der Gesamtbevölkerung erzielt werden.

Von der Studie erhoffe man sich Aufschluss darüber, wie sich eine Impfung aller Bevölkerungsgruppen auf die Pandemie, aber auch auf andere infektiöse Situationen, etwa die jährlich wiederkehrende Grippewelle auswirkt. Dazu sollen die jungen Geimpften und ihre Eltern befragt werden.

Minister: Besserer Infektionsschutz in Schulen ist «Chefsache»

Die Sommerferien rücken näher und zugleich wächst die Sorge, eine neue Corona-Infektionswelle könnte im Herbst vor allem die Schulen treffen. Mit Hilfe eines Landesprogramms sollen Schulen dafür fit gemacht werden. Doch es gibt Kritik.

Das Förderprogramm für einen bessern Infektionsschutz an den Thüringer Schulen wird nach Einschätzung von Bauminister Benjamin-Immanuel Hoff gut angenommen. «Wir haben einen sehr guten Mittelabfluss», sagte der Linke-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Bisher hätten 26 der 33 Schulträger Geld aus dem fünf Millionen Euro schweren Landesprogramm abgerufen.

Zugleich rief er die Kommunen dazu auf, auch Mittel des Bundes zu nutzen, um Schulen für eine möglicherweise bevorstehende vierte Corona-Welle vorzubereiten. Sein Ministerium habe alle Landkreise und kreisfreien Städte früh über diese Möglichkeiten informiert. «Alle wissen Bescheid und haben auch die Förderrichtlinien bekommen», sagte Hoff.

Er appellierte an die Schulträger, das Thema ernst zu nehmen. Für die Eltern sei das sehr wichtig. «Insofern ist das ein Thema, das bei uns im TMIL (Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft) Chefsache ist», sagte Hoff.

Zuvor hatte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Franziska Baum, größere Investitionen in den Infektionsschutz an Schulen gefordert. «Die bisher ausgereichten Mittel reichen bei weitem nicht, um den Bedarf an Luftfiltern zu decken», erläuterte Baum. Zwar seien die Infektionszahlen derzeit gering, doch sei es für ein «großes Aufatmen» noch zu früh.

«Um den Unterricht unter allen Bedingungen abzusichern, muss die Landesregierung endlich ihre Hausaufgaben machen und in Technik investieren, die für saubere und frische Luft im Klassenzimmer sorgt», ergänzte Baum.

Hoff entgegnete, dass der Bedarf bei den Schulträgern abgefragt worden sei. Nun könnten die Mittel abgerufen werden. Nach Angaben seines Ministeriums waren bis Mitte Juni von den 4,5 Millionen Euro, die für die pandemiebedingte Ausstattung zur Verfügung stehen, 3,6 Millionen Euro abgerufen. Von den insgesamt 5 Millionen Euro sind rund 500 000 Euro für eine wissenschaftliche Begleitung gedacht.

Hoff machte klar, dass es nicht nur um Luftfilter gehe. «Es kann nicht und sollte auch nicht das Ziel sein, dass in jedem Klassenraum Luftfilter eingebaut werden», sagte Hoff. Diese Geräte seien vor allem für Schulhallen, Turnhallen oder andere Schulräume gedacht, in denen nicht gelüftet werden könne. Darüber hinaus gehe es darum, die Luftqualität in den Klassenräumen auch mit anderen Mitteln zu verbessern. «Aber die Kommunen rufen nicht danach, dass man ihnen mehr Geld für Luftfilter gibt, sondern für die unterschiedlichen Bedarfe für die Luftqualitätsverbesserung», sagte Hoff.

Der parlamentarische Geschäftsführer Andreas Bühl (CDU) kritisierte, dass die Kriterien zum Mittelabruf für die Kommunen zu eng gefasst seien. Seiner Ansicht nach sollten die Schulträger Luftfilter nicht nur dann mit dem Geld anschaffen können, wenn keine ausreichende Belüftung des Raumes gewährleistet ist. Es gehe auch darum, zu verhindern, dass die Kinder im Winter krank werden, wenn ständig die Fenster geöffnet werden müssten, sagte Bühl.

Schüler und Eltern sehen Lernrückstände durch Schulschließungen

Monatelang waren wegen Corona Schulen geschlossen. Videokonferenzen und Aufgabenpakete per Mail haben das nach Ansicht von Eltern und Schülern nicht auffangen können: Die Mehrheit ist der Ansicht, dass es jetzt Lernrückstände gibt.

Die monatelangen Schulschließungen wegen Corona haben Kinder und Jugendliche nach Ansicht der meisten Eltern und Schüler bei der Bildung ausgebremst. Eine große Mehrheit geht davon aus, dass durch die Schließungen Lernrückstände aufgebaut wurden, wie eine repräsentative Befragung von Fünft- bis Zehntklässlern und Eltern im März und April durch das Institut für Demoskopie Allensbach ergab. Die meisten gaben in der von der Deutschen Telekom Stiftung beauftragten Studie zwar an, mit dem sogenannten Homeschooling ganz gut zurechtgekommen zu sein. Wie gut, das hängt aber stark von der Schule und vom persönlichen Umfeld ab.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bedankte sich am Donnerstag in einer Videobotschaft bei Schülerinnen und Schülern für deren Geduld «und dafür, dass Ihr auf manches verzichtet und mitgeholfen habt, dass wir den Kampf gegen Corona gewinnen!»

Corona hat Ungleichheit wahrscheinlich verstärkt

Der ehemalige Bundesinnenminister und heutige Vorsitzende der Telekom-Stiftung, Thomas de Maizière, sagte am Donnerstag bei der Vorstellung der Schülerumfrage in einer Online-Pressekonferenz: «Es gibt einen nicht unerheblichen Teil, die sind stärker abgehängt als zuvor.» Er sprach sich für die Pflicht zur Teilnahme an Nachhilfeangeboten aus. Freiwillige Sommercamps oder ähnliche Angebote würden «exakt die nutzen, die es nicht am nötigsten haben». Diejenigen, die stärkere Rückstände haben, müssten überproportional Angebote bekommen. «Und da wird es möglicherweise nicht anders gehen, als mit Verpflichtungen.»

Fast alle Eltern und Schüler sehen Lernrückstände

Bildungspolitiker gehen davon aus, dass jeder vierte oder fünfte Schüler wegen der Schließungen und Einschränkungen an Schulen große Lernrückstände aufgebaut hat. In der vorliegenden Schülerbefragung waren 27 Prozent der Meinung, dass sie und ihre Mitschüler beim Lernstoff «deutlich» im Rückstand sind, 52 Prozent gehen von «etwas» Rückstand aus. Von den Eltern dieser Altersklasse machen sich 61 Prozent Sorgen wegen der Lernrückstände ihrer Kinder. 49 Prozent sind der Ansicht, ihr Kind ist durch die Schulschließungen beim Lernstoff «etwas» im Rückstand, 32 Prozent sprechen von einem «deutlichen» Rückstand.

Mehrheit kam gut durchs Homeschooling, aber ...

Beim sogenannten Homeschooling ziehen Schüler und Eltern eine gemischte Bilanz: Zwar gaben 58 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, damit gut oder sehr gut zurechtgekommen zu sein, aber ein großer Teil von 38 Prozent kam auch weniger oder gar nicht gut damit zurecht. Das Urteil der Eltern, von denen viele monatelang den Spagat zwischen Arbeit und Ersatzlehrer schaffen mussten, fällt ebenfalls gemischt aus: 53 Prozent sind der Ansicht, die Familie sei mit dem Lernen von zu Hause aus gut oder sogar sehr gut zurechtgekommen, 42 Prozent sehen das nicht so.

Auffällig ist, dass Befragte, die sich selbst als gute Schüler einschätzen, deutlich häufiger angaben, gut durch die Schulschließungszeit gekommen zu sein. Gymnasiasten ziehen eine positivere Bilanz als Haupt-, Real- oder Gesamtschüler. Auch die technische Ausstattung im eigenen Haushalt spielt bei der Bewertung eine Rolle. Die Krise habe die sozialen Unterschiede und den Einfluss der Bedingungen im Elternhaus auf die Entwicklung der Schüler vergrößert, sagte die Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, Renate Köcher am Donnerstag.

Auch positive Effekte - aber Plädoyer für Schule vor Ort

Der Ausnahmezustand an den Schulen hatte aber auch ein paar positive Begleiteffekte: Eine Mehrheit der Schüler hat sich nach eigener Auffassung im Umgang mit Computern und digitalen Medien verbessert, hat Fortschritte beim Recherchieren von Informationen gemacht und dabei, sich selbst zu organisieren und sich Dinge zu erarbeiten. Das sehen auch die Eltern so.

Trotzdem wünschen sich die meisten, dass die Vermittlung von Schulstoff auch nach Corona weitgehend von den Lehrern in der
Schule übernommen wird, statt sich selbst Wissen zu erarbeiten. Und fast allen Schülerinnen und Schülern (93 Prozent) wäre es am liebsten, wenn der Unterricht «ausschließlich» oder «überwiegend» in der Schule stattfindet. Bei den Eltern ist dieser Wunsch noch ausgeprägter (96 Prozent).

Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion Katja Suding forderte am Donnerstag eine «verbindliche Unterrichtsgarantie» für den Schulstart nach den Sommerferien. «Der Präsenzunterricht darf keinen Tag länger in Frage stehen», sagte sie. De Maizière sagte mit Blick auf das kommende Schuljahr, er warne davor, genau anzukündigen, was in einigen Wochen passiere.

Man könne für den Herbst viel daraus lernen, was jetzt in Großbritannien passiere, bei hohen Ansteckungszahlen, hohen Impfungen und gleichzeitig viel Öffnung. «Das ist ein großes gesamtgesellschaftliches Experiment.» Wichtig sei, so viele Menschen wie möglich zu impfen. Umso besser könne man auch die Schulen offenhalten.

Steinmeier sagte in seiner Videobotschaft an die Schülerinnen und Schüler gerichtet, sie hätten sich die Sommerferien mehr als verdient. «Ich wünsche Euch schöne Ferien – und dass Ihr nach den Ferien gemeinsam in ein gut vorbereitetes und möglichst normales neues Schuljahr starten könnt.»

Studie: Mobile Luftfilter nur in wenigen Klassenräumen sinnvoll

Die Wirkung mobiler Luftfilter in Klassenräumen zum Schutz gegen das Coronavirus ist nach einer Studie der Universität Stuttgart begrenzt. Die Experten sprechen sich in ihrer Analyse im Auftrag der Stadt Stuttgart dagegen aus, solche Geräte für alle Schulen anzuschaffen. In der Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt es: «Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Pilotprojekt ist der flächendeckende Einsatz von Luftreinigungsgeräten nicht indiziert (angezeigt).» In einzelnen Klassenräumen, die zu kleine oder zu wenige Fenster haben, sollte aber der Einsatz mobiler Geräte oder der Einbau stationärer Filter geplant werden.

Die Experten des Instituts für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und Energiespeicherung hatten für die Studie ein halbes Jahr lang an zehn Stuttgarter Schulen die Wirkung der Filter gemessen. Sie warnen nun, die Geräte seien kein Ersatz für das Stoßlüften in Pausen. «Beim Einsatz von Luftreinigungsgeräten sollte generell beachtet werden, dass diese keine Alternative zu einem Außenluftwechsel darstellen, sondern lediglich als Unterstützung zur Partikel- und potenziellen Virenreduktion im Raum eingesetzt werden sollten.» Zusammenfassend stellen die Fachleute fest, der Einsatz von Luftreinigungsgeräten könne nicht die anderen Schutzmaßnahmen wie das Maske tragen oder Testen zur Eindämmung der Infektionsausbreitung ersetzen.

06.07.2021

Modellversuch zu Luftfiltern in Kitas

Ein Modellversuch soll mehr Klarheit über Vor- und Nachteile von Luftfiltern in Berliner Kitas in der Corona-Pandemie bringen. Der für die Bezirke Treptow-Köpenick und Neukölln zuständige Kita-Eigenbetrieb werde die Geräte nun in zwei Einrichtungen ausgiebig testen, teilten die zuständigen Bezirksstadträte am Dienstag mit.

Der Einsatz solcher Geräte in Kitas und Schulen ist umstritten: Etliche Eltern oder etwa auch die CDU fordern schon länger eine flächendeckende Anschaffung. Der Senat setzt auf Luftfilter bisher eher als ergänzendes Instrument dort, wo das Öffnen der Fenster schwierig ist, insbesondere in der kalten Jahreszeit.

«Ich begrüße die Initiative von Eltern, sich für den Einsatz von Luftfiltern stark zu machen. Mit dem geplanten Modellprojekt unterstützen wir sie dabei», erklärte der Neuköllner Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit, Falko Liecke. «Was wir nicht wollen, ist einfach nur möglichst billige Geräte irgendwo hinzustellen, ohne zu wissen, was sie bringen.» Daher solle die Zeit, bis es wieder kälter wird, nun für das Modellprojekt genutzt werden.

Gernot Klemm, Bezirksstadtrat für Soziales und Jugend in Treptow-Köpenick, gab zu bedenken: «Luftfilter in Kitas stellen möglicherweise eine Gefahr dar - insbesondere für sehr kleine Kinder.» Sie seien sowohl in Anschaffung als auch im Unterhalt sehr kostspielig, geichzeitig sei ihr genauer Nutzen bislang unklar.

Kitas seien bislang keine Treiber der Pandemie gewesen, fügte Klemm hinzu und verwies auf die Teststrategie und fortschreitenden Impfungen der Beschäftigten. Gleichzeitig betonte er: «Wenn sich ein relevanter Vorteil für unsere Beschäftigten oder unsere betreuten Kinder durch Luftfilter nachweisen lässt, werden wir die weitere Anschaffung dort unterstützen, wo Eltern und Kitapersonal das wünschen.»

Corona-Tests an Schulen auch im Herbst - Pool-Tests für Grundschulen

Schülerinnen und Schüler in Bayern müssen sich auch nach den Sommerferien noch längere Zeit auf regelmäßige und verpflichtende Corona-Tests an den Schulen einstellen. Das kündigte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München an. An weiterführenden Schulen soll es bei Selbsttests bleiben. An den Grund- und Förderschulen dagegen wird die Teststrategie umgestellt: Dort sollen vom neuen Schuljahr an so genannte PCR-Pool-Tests die Regel sein.

Dabei handelt es sich beispielsweise um Lolly- oder Lutsch-Tests, die für Kinder leichter sein sollen. Alle Proben einer Klasse werden gesammelt per PCR-Test untersucht - also mit dem genaueren und empfindlicheren Testverfahren. Sollte die Probe positiv sein, müssen die Kinder einzeln getestet werden. Besonders bei geringem Infektionsgeschehen sei dies eine effiziente und kostenschonende Möglichkeit für Reihentestungen, so die Staatskanzlei. Man werde nun «zeitnah» Labor- und Logistikkapazitäten schaffen, Schulen informieren und bei Bedarf auch Schulungen anbieten.

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) zufolge sollen auch die PCR-Pool-Tests zweimal pro Woche gemacht werden. Sollten die Sieben-Tage-Inzidenzen wieder über 100 steigen, könne es einen zusätzlichen Schnelltest zu Beginn der Woche geben.

Schüler können Betriebspraktika in Ferien nachholen

In Nordrhein-Westfalen können Schüler Praktika zur Berufsorientierung, die wegen der Corona-Pandemie ausgefallen sind, bis Frühjahr 2022 in den Ferien nachholen. Solche Praktika könnten einmalig während der Schulferien - mit Beginn der Sommerferien 2021 bis Ende der Osterferien 2022 - absolviert werden, teilte das NRW-Schulministerium der «Rheinischen Post» mit. Voraussetzung sei die Zustimmung von Eltern und Schülern im Rahmen der Jahrgangsstufenpflegschaft. «Nur so können unzumutbare organisatorische Aufwände und Komplikationen vermieden werden.»

Außerdem müssten die Schüler im Unterricht vorbereitet worden sein. Die Landeselternschaft der Gymnasien begrüßte die Flexiblisierung, auch wenn aufgrund der Kurzfristigkeit zumindest in den Sommerferien kaum Betriebspraktika mehr möglich seien. Zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt ist für Schüler und Schülerinnen ein zwei bis dreiwöchtiges Betriebspraktikum vorgeschrieben - meist in Klasse 9 oder 10. An vielen Betrieben war das im Corona-Frühjahr jedoch nicht möglich.

05.07.2021 

Landesregierung plant Zuschüsse für Luftfilter in Schulen

In der Debatte um mobile Lüftungsanlagen in den Schulen zum Schutz vor Corona-Infektionen will das Land Baden-Württemberg den Kommunen jetzt ein Landes-Förderprogramm von 60 Millionen Euro vorschlagen. «Damit werden wir die Kommunen bei der Anschaffung mobiler Anlagen und CO2-Ampeln hälftig unterstützen», sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dem «Mannheimer Morgen» (Dienstag). Luftfilter ersetzten aber nicht das Lüften, sagte der Grünen-Politiker. Sie seien ein Baustein, der das regelmäßige Testen sowie das Maskentragen, die eingeübten Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie gezieltes Impfen ergänze. «Im Herbst müssen wir an den Schulen mehrgleisig fahren», sagte Kretschmann. «Uns muss aber bewusst sein: Keine Schutzmaßnahme bietet uns eine Garantie.»

Dem Vernehmen nach sollen die Mittel vorrangig in Räumen, die nicht belüftbar sind, und in den Klassenstufen 1 bis 6 eingesetzt werden, da diese Schüler bislang noch keinerlei Impfangebot haben, schreibt das Blatt.

Kretschmann und auch Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hatten sich bislang skeptisch über die Wirkung der mobilen Filteranlagen geäußert, die etwa 3000 bis 4000 Euro kosten sollen. Vertreter von SPD, FDP und Lehrerverbänden hatten seit längerem die Anschaffung von mobilen Raumluftfiltern gefordert.

Stiko-Chef zweifelt an Sinnhaftigkeit von Schüler-Massentests

Ravensburg (dpa)Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, zweifelt an der Sinnhaftigkeit von Massentests für Schüler. «Ich frage mich, wie wichtig es tatsächlich ist, jedes symptomlos infizierte Kind durch Testung zu entdecken», sagte Mertens der «Schwäbischen Zeitung» (Montagausgabe) in Ravensburg. «Würde es möglicherweise reichen, jedes Kind mit Symptomen frühzeitig zu identifizieren und zu isolieren? Das mag zwar ketzerisch klingen, aber man sollte darüber nachdenken.» Mertens betonte, alle Maßnahmen zum Infektionsschutz an Schulen sollten «auch hinsichtlich ihrer spezifischen Wirksamkeit» überprüft werden. Diese solle man «möglichst sinnvoll» einsetzen.

04.07.2021 

Laschet: NRW will Schwimmunterricht an den Schulen verstärken

Köln (dpa/lnw) NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will den Schwimmunterricht an den Schulen verstärken, um den in der Corona-Zeit entstandenen Stau in der Schwimm-Ausbildung aufzulösen. «Viele Kinder und Jugendliche haben wegen der Pandemie eine wichtige Zeit in ihrem Leben verloren. Ihnen zu helfen das auszugleichen wird jetzt zu einem Schwerpunkt unserer Politik», sagte Laschet dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Montag). «Die Defizite beim Schwimmen wollen wir auch durch mehr Schwimmunterricht an den Schulen aufholen.» Gleichzeitig solle auch das ehrenamtliche Engagement von Schwimmlehrern in Vereinen mehr unterstützt werden.

Helfen Filter gegen Delta in Schulen? Kretschmann muss entscheiden

Wer will riskieren, dass nach den Sommerferien die Schulen wieder schließen müssen? Grün-Schwarz schiebt das Thema Luftfilter in den Klassen schon ziemlich lange vor sich her. Was macht Kretschmann?

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will Anfang dieser Woche über die Ausrüstung von Schulen und Kitas mit Luftreinigern entscheiden. Wie die dpa am Wochenende aus Regierungskreisen in Stuttgart erfuhr, hat Kretschmann die beteiligten Ministerien schon in der Kabinettssitzung am vergangenen Dienstag dringend aufgefordert, endlich eine Kosten-Nutzen-Rechnung für mobile Raumluftfilter vorzulegen. Es könne nicht sein, dass man nach eineinhalb Jahren Corona-Krise noch nicht genau wisse, ob die Filteranlagen das Infektionsrisiko deutlich senken oder nicht.

Es geht um viel Geld. Die mobilen Geräte kosten zwischen 3000 und 4000 Euro. Im Südwesten gibt es mehr als 67 000 Klassenzimmer. Würde man alle ausrüsten, käme man auf Kosten von rund 270 Millionen Euro. An diesem Montagabend kommen Landesregierung und Kommunen zur Gemeinsamen Finanzkommission zusammen. Dabei soll es dem Vernehmen nach neben Corona-Hilfen für gebeutelte Städte und Gemeinden auch um die Luftfilter gehen. Die Kommunen sind für die meisten Schulen als Träger zuständig. Hinzu kämen noch die etwa 9300 Kitas im Land.

Mittlerweile haben Kultus- und Sozialministerium ihre Einschätzung abgeliefert. Nach dpa-Informationen heißt es in dem Papier, dass die Filter ein Baustein für mehr Sicherheit in Klassenzimmern und Kita-Räumen sind. Das entspricht in etwa der Empfehlung des Umweltbundesamts, das erklärt hatte, dass mobile Luftfilter nur eine Ergänzung zum aktiven Lüften sein könnten.

Die Ministerien bringen dem Vernehmen nach die Möglichkeit ins Spiel, vor allem die unteren Klassen mit Raumfiltern auszurüsten, weil für Kinder unter 12 Jahren noch keine Impfungen zugelassen sind. Die Ständige Impfkommission hat bisher aber auch keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen.

Der politische Druck auf die Koalition wächst, weil die gefährliche Delta-Variante des Coronavirus wieder dazu führen könnte, dass Schulen und Kitas im Herbst geschlossen werden müssen. Einige Länder wie Berlin oder Hessen sind schon weiter als Baden-Württemberg. Bayern hat das Ziel ausgerufen, dass es bis zum Herbst in allen Klassenzimmern einen Luftreiniger geben soll. Der Freistaat will den Kommunen dafür 50 Prozent der Anschaffungskosten erstatten, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vergangene Woche ankündigte. Politische Brisanz erhält das Thema aber auch dadurch, dass zwei Wochen nach Ende der Sommerferien in Bayern und Baden-Württemberg Bundestagswahl ist.

Kretschmann und Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hatten sich zuletzt äußerst skeptisch über die Wirkung der mobilen Filtergeräte geäußert. Allerdings hatte die grüne Landtagsfraktion schon Schoppers Vorgängerin Susanne Eisenmann (CDU) dazu gedrängt, die Anschaffung der Filter voranzutreiben. Damals hatte das Land den Schulen über die Schulträger schon ein Budget von 40 Millionen Euro zur Verfügung gestellt habe, das auch für die Beschaffung mobiler Luftreiniger eingesetzt werden könne. Jedoch konnten mit dem Geld auch digitale Geräte beschafft werden.

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch wundert sich über Kretschmann: «Der Ministerpräsident zögert noch immer bei einer flächendeckenden Lüfter-Ausstattung der Klassenzimmer, hat aber sein Staatsministerium damit großzügig ausstatten lassen.» Das Land dürfe sich angesichts der Delta-Variante nicht erneut sehenden Auges in Schulschließungen hineinmanövrieren. «Es braucht Luftfilter in allen Klassenzimmern des Landes.»

Auch die Lehrerverbände und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dringen seit langem auf die Anschaffung der mobilen Filteranlagen. GEW-Landeschefin Monika Stein forderte das Land auf, die Kommunen finanziell zu unterstützen, sonst drohe ein Flickenteppich, da manche Städte und Gemeinden das wegen der Corona-Krise nicht allein stemmen könnten. Für Verdi im Südwesten warnte Sprecher Andreas Henke: «Wir laufen völlig naiv auf den Herbst zu.» Bei schlechtem Wetter müssten die Kinder wieder in ihre Gruppenräume. «Wir brauchen das Maximum an Schutz, da gehören Luftfilter dazu.»

03.07.2021 

Jugendherbergen warten dringend auf Signale der Bildungsministerien

Die Jugendherbergen sind von der Corona-Pandemie hat getroffen worden. Die Basis des Geschäfts, die Schulfahrten, sind vollständig weggebrochen.

Nach dem rund eineinhalbjährigen coronabedingten Verbot von Schulfahrten warten die Jugendherbergen in Mecklenburg-Vorpommern dringend auf Signale aus den Bildungsministerien der Länder. Der Vorstand des Landesverbands MV des Deutschen Jugendherbergswerks, Kai-Michael Stybel, verwies auf Länder wie Berlin, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt, die wieder grünes Licht für Schulfahrten gegeben haben. Dort könnten die Schulen, Lehrer und auch Eltern verbindlich für das kommende Schuljahr planen.

Es wäre schön, wenn es diese Klarheit auch in Mecklenburg-Vorpommern geben würde. Wenn der Schulfahrtenmarkt nicht berechenbar reaktiviert werde, sei die Zukunft der Jugendherbergen ungewiss, sagte Stybel. Denn Schulfahrten seien das wichtigste Segment, das Brotgeschäft der Herbergen. Allerdings bräuchten alle Beteiligten in den Schulen und Herbergen die Gelegenheit für eine langfristige verbindliche Planung.

Seit Mitte Juni seien sieben der 14 Jugendherbergen im Land geöffnet, sagte Stybel. Dass einige Häuser noch geschlossen haben, liege auch an den bislang schwierigen Bedingungen im Lockout für das Personal. Wie im übrigen Gastgewerbe seien 15 bis 20 Prozent der Beschäftigten in andere Arbeitsbereiche oder Länder abgewandert. «Das Gastgewerbe musste am längsten auf Öffnungsperspektiven warten.»

Bildungsexperten seien sich einig, dass Schüler sehr positiv auf außerschulische Maßnahmen wie Ausflüge oder Klassenfahrten reagieren. Nach den Monaten mit Homeschooling seien von der Wiederherstellung der Lerngemeinschaften viel zu erwarten, sagte Stybel. Dies wünschten sich auch die Lehrer, um mit den Schülern eine gemeinsame Basis für den Schulunterricht herzustellen.

Hunderte Kinder und Jugendliche engagieren sich als Naturwächter

Das Programm «Junge Naturwächter» bringt Kindern und Jugendlichen in Sachsen den Schutz der Natur nahe. Doch können Wildblumen und Kröten in der Gunst der jungen Generation mit Handy und Spielkonsole konkurrieren?

Wiesenblumen bestimmen, Fledermäuse beim Jagen beobachten, Spuren von Wildtieren im Wald lesen: Hunderte Kinder und Jugendliche engagieren sich als Junge Naturwächter in Sachsen. Und der Lockdown während der Corona-Pandemie hat nach Einschätzung von Experten den Trend zu Freizeitbeschäftigungen in der Natur verstärkt. Derzeit gibt es 50 solche Naturwächter-Gruppen in Sachsen mit etwa 750 jungen Aktiven, wie die Landesstiftung Natur und Umwelt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur informierte. An diesem Samstag laden sie zu einem sachsenweiten Aktionstag mit Schnupperangeboten an zahlreichen Orten.

Laut einer Studie des Bundes wächst das Interesse von Jugendlichen an der Natur. Bei einer repräsentativen Befragung von 14- bis 17-Jährigen gab mehr als die Hälfte an, die Natur sei ihnen während der Corona-Krise wichtiger geworden. Ebenso viele erklärten, sie hielten sich nun häufiger draußen in der Natur auf. Und viele wollen Tiere und Pflanzen besser kennenlernen: Rund 60 Prozent der Jugendlichen würden gern Tier- und Pflanzenarten namentlich kennen.

Das Programm der Jungen Naturwächter (JuNa) für Menschen im Alter von 7 bis 18 Jahren gibt es offiziell seit 2017 im Freistaat. Ziel sei, Nachwuchs für den Naturschutz zu gewinnen, erklärte Andrea Gößl von der Landesstiftung. Dazu wurde ein Programm mit Basiskursen und Praxisbausteinen entwickelt. «Die meisten JuNas suchen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung draußen in der Natur, bei der sie mit ihren Händen etwas Gutes für die Natur und Umwelt tun können.» Das sei auch ein Ausgleich zum stundenlangen Sitzen und Zuhören in der Schule.

In der Ausbildung der jungen Naturschützer-Generation spielen laut Gößl auch moderne Medien eine Rolle, etwa Apps zum Bestimmen von Pflanzen und Tieren. Solche Apps seien wertvolle Hilfsmittel, auch um Beobachtungen zu dokumentieren. Allerdings lernten die Jugendlichen, die Ergebnisse kritisch zu hinterfragen - etwa mit Hilfe analoger Bestimmungsmittel, betonte sie. Zudem gehe es um gemeinsame Aktionen wie Teiche entschlämmen, Amphibienzäune und Insektenhotels bauen oder das Bestimmen von Vögeln.

Umweltminister Wolfram Günther (Grüne) lobte den Einsatz der Jungen Naturwächter. Sie leisteten eine wichtige Arbeit für den Erhalt von Artenvielfalt und Lebensräumen. Die Natur kennen und verstehen zu lernen und sich darüber auszutauschen, gehöre zu den reizvollsten und interessantesten Dingen, die Kinder und Jugendliche tun könnten, erklärte Günther.

02.07.2021 

An Brandenburger Schulen 1,17 Millionen Schnelltests in sechs Wochen

Am Brandenburger Schulen sind im Frühjahr innerhalb von sechs Wochen rund 1,17 Millionen Corona-Schnelltestergebnisse von Kindern und Jugendlichen erfasst worden. Bei 99,95 seien negative Ergebnisse festgestellt worden, teilte das Brandenburger Bildungsministerium auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Fraktion im Potsdamer Landtag mit. Es habe 293 (0,02 Prozent) positive Testergebnisse gegeben, die auch durch PCR-Tests bestätigt wurden.

Von Lehrkräften wurden in den sechs Wochen (19. April bis 28. Mai) etwa 137 300 Schnelltestergebnisse gemeldet. Davon seien 55 (0,04 Prozent) durch Nachtestung bestätigt positiv gewesen, hieß es.

Der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Dennis Hohloch, kritisierte weitere Schulschließungen und eine Weiterführung der Test- sowie der Maskenpflicht als unverhältnismäßig.

Drei Länder machen gemeinsame Sache bei der Schul-Cloud

Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg wollen das digitale Lernen ausbauen und gemeinsam die Schul-Cloud des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) weiterentwickeln. Die drei Länder unterzeichneten am Freitag in Potsdam ein entsprechendes Abkommen. Mit dem System können Schülerinnen und Schüler in digitalen Räumen gemeinsam lernen - mit Lernmaterial, Chats und Konferenzen. Bundesweit greifen nach Angaben des HPI rund 4000 Schulen und knapp 1,4 Millionen Nutzerinnen und Nutzer auf das System zurück.

«Umso mehr freuen wir uns, dass sich die Bundesländer Niedersachsen, Brandenburg und Thüringen, die bereits landesspezifische Varianten der HPI Schul-Cloud anbieten, darauf verständigt haben, das Forschungsprojekt zu übernehmen und für die schulische und berufliche Bildung weiterzuentwickeln», sagte HPI-Direktor Christoph Meinel in einer gemeinsamen Mitteilung mit den drei Ländern, die die Cloud in den Regelbetrieb übernehmen.

Brandenburgs Bildungsstaatssekretärin Ines Jesse sprach von einem «Leuchtturmprojekt der Digitalisierung» in der Bildung. «Mit der Schul-Cloud Brandenburg haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht - insbesondere bei der pandemiebedingten Ausweitung des Pilotbetriebes für alle Brandenburger Schulen.»

Thüringens Bildungsstaatssekretärin Julia Heesen sagte, mittlerweile arbeiteten fast 900 Schulen in Thüringen stabil mit der Schul-Cloud. Die schnelle Entwicklung der Cloud sei aktive Pandemiebekämpfung gewesen.

Niedersachsens Kultusstaatssekretärin Gaby Willamowius sagte, rund 1600 Schulen seien in der Niedersächsischen Bildungscloud registriert, sie habe sich auch in Hochzeiten mit vielen Zugriffen als stabil erwiesen und sei datenschutzkonform.

Das Bundesbildungsministerium hatte im März 2020 als Reaktion auf die Corona-Pandemie entschieden, die HPI Schul-Cloud deutschlandweit für alle Schulen zu öffnen, die keine vergleichbare Lösung des Landes oder Schulträgers nutzen konnten. Das quelloffene und freie System war in der Branche nicht unumstritten, es steht vor allem im Wettbewerb mit Lösungen, die auf der Open-Source-Plattform Moodle aufsetzen.

Druck steigt wegen Delta: SPD fordert Filter in allen Klassenzimmern

Angesichts der Gefahr durch die Delta-Variante des Coronavirus steigt der Druck auf Grün-Schwarz die Schulen im Südwesten bis zum Herbst mit Luftfiltern auszurüsten. «Es muss jetzt jede Maßnahme ergriffen werden, um das Infektionsrisiko für unsere Kinder im Herbst zu senken», sagte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch am Freitag in Stuttgart. Viele Schülerinnen und Schüler würden dann noch nicht geimpft sein. «Deshalb braucht es Luftfilter in allen Klassenzimmern des Landes», forderte Ex-Kultusminister Stoch. Die Regierung dürfe sich «nicht erneut sehenden Auges in Schulschließungen hineinmanövrieren». Auch die Lehrerverbände haben sich immer wieder für die Anschaffung von mobilen Raumluftfiltern ausgesprochen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und auch Kultusministerin Theresa Schopper (beide Grüne) hatten sich zuletzt beide skeptisch über die Wirkung der mobilen Filteranlagen geäußert, die etwa 3000 bis 4000 Euro kosten sollen. So hatte das Umweltbundesamt erklärt, dass mobile Luftfilter nur eine Ergänzung zum aktiven Lüften sein könnten. Doch nun ist der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mal wieder vorgeprescht und hat das Ziel ausgerufen, dass es bis zum Herbst in allen bayerischen Klassenzimmern einen Luftreiniger geben soll. Der Freistaat will den Kommunen dafür 50 Prozent der Anschaffungskosten erstatten. Auch die Grünen-Bundestagsfraktion fordert schon länger die Ausrüstung der Klassenzimmer mit Luftfiltern, um die Schulen offen halten zu können.

In Baden-Württemberg kommen Landesregierung und Kommunen an diesem Montagabend zur Gemeinsamen Finanzkommission zusammen. Dabei soll es dem Vernehmen nach neben Corona-Hilfen für gebeutelte Städte und Gemeinden auch um die Luftfilter gehen. Im Südwesten gibt es mehr als 67 000 Klassenzimmer.

Langfristig sprechen sich die Fachleute des Umweltbundesamtes dafür aus, Schulen mit Wärmetauschanlagen auszustatten. Bei solchen Lüftungsanlagen wird Frischluft von außen angesaugt und gleichzeitig durch die nach außen strömende Abluft erwärmt. Das sei die nachhaltigste Lösung für den Abtransport von Viren, verbrauchter Luft und Feuchte. In Neubauten ist das mit einer zentralen Lüftungsanlage am einfachsten umzusetzen, in bestehenden Schulgebäuden wären aufwendige Umbauten nötig.

Trotz niedriger Inzidenzen: Corona-Leitlinie für Schulen gilt weiter

Mehrere Fachgesellschaften haben klargestellt, dass ihre gemeinsamen Empfehlungen zum Infektionsschutz an Schulen auch nach den Sommerferien gültig bleiben. «Ziel der Leitlinie ist es, einen sicheren Schulbetrieb während der Pandemie zu ermöglichen und Schulen möglichst offen zu halten», teilten die beteiligten Gesellschaften am Freitag mit, darunter die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin.

Die Maßnahmen seien mit Blick auf den Herbst und den Anstieg von leichter übertragbaren Varianten wie Delta auch bei niedrigen Infektionszahlen relevant. Abhängig vom Infektionsgeschehen empfiehlt die Leitlinie etwa das Tragen von Masken, einen regelmäßigen Luftaustausch in Klassenräumen und Wechselunterricht. Wie dies konkret ausgestalte werde, müsse an regionalen beziehungsweise lokalen Bedingungen ausgerichtet werden, heißt es. Für den Herbst soll es ergänzende Empfehlungen zu Teststrategien geben.

Die gemeinsame Leitlinie, die im Februar veröffentlicht wurde, sollte am Freitag auch bei einem Treffen des Regionalbüros Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgestellt werden.

Kultusminister-Präsidentin: Schulschließungen nur als letzte Maßnahme

Im Falle einer vierten Corona-Welle im Herbst sollen Schulen nach Ansicht der Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Britta Ernst, nur im äußersten Notfall erneut schließen. «Was ich ablehne ist, dass bei steigenden Zahlen im Herbst zuerst über Einschränkungen in Schulen diskutiert wird», sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag). «Wenn das Infektionsgeschehen solche Probleme macht, dass Lockerungen zurückgenommen werden, sollte über die Schließung von Schulen als letztes nachgedacht werden.»

Die langen Schließungen in der Vergangenheit hätten Folgen für Kinder und Jugendliche gehabt, nicht nur im fachlichen, sondern auch im psychosozialen Bereich, sagte Brandenburgs Bildungsministerin. Jede neue Einschränkung, werfe im Aufholprozess zurück.

Ernst zeigte sich optimistisch, dass Schulen nach den Sommerferien in vollem Präsenzunterricht starten können. Die Rahmenbedingungen hätten sich im Vergleich zum letzten Schuljahr geändert. Alle Lehrkräfte hätten sich zweimal impfen lassen können, zudem gebe es die Möglichkeit von Tests. «Expertinnen und Experten sagen uns, mit diesen Rahmenbedingungen könnten die Schulen auch bei der Delta-Variante offen gehalten werden.»

Derweil forderte FDP-Chef Christian Lindner die KMK auf, außer der Reihe noch vor den Sommerferien zu tagen. «Ein neuerlicher Lockdown und Schließungen von Schulen bei einer möglichen vierten Welle müssen ausgeschlossen werden», sagte Lindner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die KMK und die Bundesregierung sollten «noch im Juli zusammenkommen, um eine Strategie zu beraten». Der nächste Termin im Oktober sei «viel zu spät». Im Zentrum der Beratungen müssten «die Ausdehnung der Lolli-Tests, Hygienekonzepte, Luftreiniger und Impfangebote stehen». Bereits über den Sommer könne man die Logistik dafür vorbereiten.

01.07.2021 

Noch kein Normalbetrieb an Schulen nach dem Sommer

Mit Nordrhein-Westfalen startet am Wochenende das nächste und bevölkerungsreichste Bundesland in die Ferien. Das neue Schuljahr scheint noch weit weg, doch der erste Schultag kommt schneller, als manchem lieb ist. In den Ländern gibt es noch große Unsicherheiten, wie es dann in Sachen Corona weitergeht.

Nach zwei von Corona geprägten Schuljahren können Eltern, Schüler und Lehrkräfte auch im kommenden Schuljahr nicht mit einem Normalbetrieb an den Schulen wie vor der Pandemie rechnen. Zumindest am Anfang wird es weiter Einschränkungen geben, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Kultusministerien der 16 Bundesländer ergab. Zusagen, dass die Schulen dieses Mal dauerhaft geöffnet bleiben, kommen aus keinem Bundesland. Einen Überblick darüber, wie viele Schulen in die vieldiskutierten Raumluftfilter investieren oder investiert haben, gibt es nicht.

SCHULSCHLIESSUNGEN NICHT AUSGESCHLOSSEN

Nach den Schulschließungen in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 waren sich Bundes- und Landespolitiker einig, dass es nicht noch einmal zu Schließungen kommen sollte. Es kam dann doch anders. Die zweiten Schulschließungen dauerten sogar noch länger. Die Frage, ob im neuen Schuljahr mit durchgehendem Präsenzunterricht zu rechnen ist, beantworten die meisten Kultusministerien nur sehr vorsichtig: Alle planen zunächst mit weitgehendem Normalbetrieb und auch mit Schulaktivitäten, Ausflügen und Klassenfahrten.

Festlegen für den Rest des Schuljahres will sich aber niemand: Präsenzunterricht soll es «zu Beginn des Schuljahres auf jeden Fall» geben (Hessen). Die weitere Entwicklung sei «nicht absehbar» (Bremen). Es gibt Normalbetrieb, «solange die Infektionsentwicklung das zulässt» (Berlin). Die Bildungsministerin hoffe, dass sich «die Infektionslage im neuen Schuljahr so entwickelt, dass Präsenzbetrieb beibehalten werden kann» (Rheinland-Pfalz).

Die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) plädiert für einen neuen Ansatz: Sofern das Virus seine Eigenschaften «nicht grundlegend» verändere und der Impfschutz für die Risikogruppen erhalten bleibe, vermittele «der reine Blick auf die Infektionszahlen dann kein vernünftiges Lagebild» mehr, sagte sie der dpa in Saarbrücken. In Sachsen wird das ähnlich gesehen. Der Freistaat hatte schon vor der Bundes-Notbremse angekündigt, Schulen nicht mehr in Abhängigkeit von der Inzidenz zu schließen.

Der CDU-Politiker und frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz sagte am Donnerstag in der «Rheinischen Post»: «Ganz gleich, ob die vierte, fünfte, sechste oder siebte Welle kommt: Lasst die Schulen auf!». Die Politik habe auch die Aufgabe, hin und wieder einmal etwas Zuversicht zu vermitteln. Es gebe keine Veranlassung für Panik. Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion Katja Suding forderte von Bund und Ländern eine Garantie für Präsenzunterricht nach den Sommerferien. Sie müssten dafür sorgen, dass die unterrichtsfreie Zeit genutzt werde, um die Schule pandemiefest zu machen. «Der Normalbetrieb darf nicht länger in Frage stehen.»

MASKEN UND TESTS

Die Maske dürfte in vielen Ländern nach den Sommerferien weiter zum Schulbild gehören - zum Teil auch im Klassenzimmer. Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen planen mit einer Maskenpflicht oder denken darüber nach. Zumindest in den ersten beiden Wochen des Schuljahres soll es sie als Sicherheitsmaßnahme wegen möglicher Ansteckungsgefahren durch Reiserückkehrer geben.

Andere Länder wollen Entscheidungen zu Masken in der Schule erst treffen, wenn das neue Schuljahr näher rückt und die Lage klarer ist (Bayern, Saarland, Hessen, Sachsen-Anhalt).

An den zwei Tests pro Woche wollen viele Bundesländer festhalten. Brandenburg plant in der ersten Schulwoche sogar drei Tests wegen der Urlaubsrückkehrer. Hamburg bleibt außerdem bei der sogenannten Kohortentrennung - also der Trennung von Gruppen, die sich in der Schule möglichst nicht begegnen sollen.

KEIN KLARES BILD BEI LUFTFILTERN 

Für manche sind Luftfilter die Lösung für einen coronasicheren Schulbetrieb, andere bezweifeln ihre Wirksamkeit. Einen Überblick, wie es in den Schulen damit aussieht, haben die Bundesländer nicht. Verwiesen wird darauf, dass für solche Anschaffungen und Baumaßnahmen die Schulträger, also meistens die Kommunen, selbst zuständig sind und entsprechend selbst investieren oder nicht. Oft liegen deshalb keine Zahlen vor.

Es gibt aber neben Eigeninvestitionen durch die Kommunen auch ein Förderprogramm des Bundes und Förderprogramme in den Ländern, die von den Trägern angezapft werden können. Über ein solches Landesprogramm wurden in Bayern Anträge für Filteranlagen für 14 000 Räume in Schulen gestellt und rund 37 Millionen Euro Fördergelder ausgegeben. In Nordrhein-Westfalen wurden aus einem 50-Millionen-Euro-Programm bisher Fördergelder in Höhe von knapp 20 Millionen Euro beantragt.

Berlin hat nach eigenen Angaben die Anschaffung von rund 8000 mobilen Luftfiltern mit 14,6 Millionen Euro gefördert. In Hessen gibt es einen Fördertopf mit 75 Millionen, in Mecklenburg-Vorpommern können Gelder aus einem 100-Millionen-Euro-Schulsanierungsprogramm auch für Luftfilter beantragt werden. In Thüringen haben Schulträger bis jetzt gut 3,6 Millionen Euro aus einem entsprechenden Schulsanierungsprogramm abgerufen.

Viele Länder setzen vor allem weiter auf das Lüften über die Fenster und verweisen auf die Empfehlungen des Umweltbundesamtes, wonach zumindest mobile Luftfilter nur eine Ergänzung zum aktiven Lüften sein könnten. «Das ist nicht das Ei des Kolumbus», hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gesagt. Mobile Geräte seien zu laut und große Umbaumaßnahmen auch nicht die Lösung.

Langfristig sprechen sich die Experten des Umweltbundesamtes dafür aus, Schulen mit Wärmetauschanlagen auszustatten. Bei solchen Lüftungsanlagen wird Frischluft von außen angesaugt und gleichzeitig durch die nach außen strömende Abluft erwärmt. Das sei die nachhaltigste Lösung für den Abtransport von Viren, verbrauchter Luft und Feuchte. In Neubauten ist das mit einer zentralen Lüftungsanlage am einfachsten umzusetzen, in bestehenden Schulgebäuden wären aufwendige Umbauten nötig.

30.06.2021

Wenig Einschränkungen - Sachsen lockert Corona-Regeln zum 1. Juli

Die Maskenpflicht im Freien fällt, in der Disco darf ohne Maske getanzt werden, Konzerte sind erlaubt: Ab Donnerstag ist vieles in Sachsen möglich. Lediglich die Furcht vor der Ausbreitung der Delta-Variante bremst die Hoffnung auf einen unbeschwerten Sommer.

Im Sommermonat Juli greifen in Sachsen neue Corona-Regeln. Die neue Landesverordnung gilt vom 1. bis zum 28. Juli und sieht umfassende Lockerungen bei niedrigen Infektionszahlen vor. Dafür wurde in die neue Corona-Schutzverordnung ein neuer Schwellenwert aufgenommen - eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 10. Diese Marke wird derzeit in allen Landkreisen und Städten deutlich unterschritten. Lockt damit ein unbeschwerter Sommer? Das sind die neuen Regeln:

SCHWELLENWERTE: Die neue Verordnung - das mittlerweile 34. Regelwerk - legt Schwellenwerte von 10, 35, 50 und 100 fest. Je nachdem gelten dann Lockerungen oder Verschärfungen - und zwar nach der «Fünf-plus-Zwei-Regelung»: Wenn die Schwellenwerte an fünf aufeinanderfolgenden Tagen überschritten werden, gelten ab dem übernächsten Tag die bisher bekannten Verschärfungen. Sachsen musste auch wieder Regeln bei steigenden Infektionszahlen über 100 festlegen, weil die bundesweit einheitliche Notbremse zum 30. Juni ausläuft. Unter der Inzidenz-Marke von 10 entfallen die meisten Beschränkungen. Aber nicht die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner allein zählt - Verschärfungen gelten, wenn 1300 Covid-Patienten auf den Normalstationen liegen oder 420 Menschen auf der Intensivstation.

MASKENPFLICHT: Entfällt bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter zehn Neuinfektionen je 100 000 Einwohner unter freiem Himmel komplett. Bisher musste eine Maske auch unter freiem Himmel getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden konnte. Lediglich beim Einkaufen, in Bus und Bahn sowie bei körpernahen Dienstleistungen wie beim Friseur bleibt der Mund-Nasenschutz weiter Pflicht. Im Pflegeheim müssen Beschäftigte und Besucher eine FFP2-Maske tragen, wenn sie nicht geimpft oder genesen sind.

SCHULEN UND KITAS: Vom 1. Juli an müssen sich Schüler und Lehrer statt wie bisher zweimal pro Woche nur noch einmal testen lassen. Voraussetzung ist auch hier die Sieben-Tage-Inzidenz von unter zehn. Generell sollen Schulen und Kitas künftig nicht mehr so schnell schließen - auch wenn die Zahl der Corona-Infektionen wieder nach oben schnellen sollte. Sie sollen unabhängig von den Inzidenzwerten geöffnet bleiben. Steigt die Sieben-Tage-Inzidenz auf über 100, gehen laut Kultusministerium Grund- und Förderschulen sowie Kitas in den eingeschränkten Regelbetrieb mit festen Gruppen und Klassen. An weiterführenden Schulen wird im Wechselmodell unterrichtet.

KONTAKTE UND KONZERTE: Ab 1. Juli gibt es keine Kontaktbeschränkungen mehr (bei einer Inzidenz unter zehn): Partys mit Freunden, Familienfeiern, Sommerfeste sind dann wieder möglich, ohne auf Hausstände oder die Zahl der geladenen Gäste zu achten. Auch Großveranstaltungen wie Konzerte mit mehr als 1000 Teilnehmern sind erlaubt - aber nur mit Hygienekonzept, Kontakterfassung und aktuellem Negativ-Test. Auch in Musikclubs und Diskotheken darf wieder mit Test, aber ohne Maske getanzt und gefeiert werden.

Ministerium rechnet mit weitgehendem Regelbetrieb im neuen Schuljahr

Das saarländische Bildungsministerium geht nach derzeitiger Corona-Lage davon aus, dass es im neuen Schuljahr «weitgehend regulären Präsenzunterricht» geben wird. «Bei aller gebotenen Vorsicht halte ich es nicht für angebracht, Ängste zu schüren - zumal gerade Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zum neuen Schuljahr weitestgehend geimpft sein werden», sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken.

Sofern das Virus seine Eigenschaften «nicht grundlegend verändere» und der Impfschutz insbesondere für diese Gruppen erhalten bleibe, vermittele «der reine Blick auf die Infektionszahlen dann kein vernünftiges Lagebild» mehr. «Da müssen wir uns auch andere Kriterien anschauen, die Aufschluss über die Belastung unseres Gesundheitssystems geben», sagte die Ministerin.

Seit Beginn der Pandemie orientierten sich Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen an dem Ziel, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. «Derzeit gehen wir davon aus, dass ein weitgehend regulärer Präsenzunterricht im kommenden Schuljahr mit diesem Ziel vereinbar ist.» Das Ziel sei «der möglichst weitgehende Regelbetrieb an unseren Schulen», betonte sie.

Welche Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen - wie zum Beispiel ein Mund-Nasen-Schutz - zum Beginn des neuen Schuljahres nötig sein werden, sei von der tatsächlichen Lage zu diesem Zeitpunkt abhängig. «Wir werden darüber rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres informieren.» Noch vor Ferienbeginn werde die Landesregierung mit Experten beraten, welche Vorbereitungen für den Herbst zu treffen seien.

Die Anschaffung von Luftfiltern oder Luftfilteranlagen fördere das Land mit rund vier Millionen Euro. Bis Mitte Mai seien rund 200 Klassenräume mit Geräten ausgestattet worden. Rund 480 000 Euro der Fördersumme wurden von Schulträger abgerufen, wie das Ministerium mitteilte. Der Einsatz solcher Geräte sei im Musterhygieneplan für die Schulen geregelt. Räume, die nicht ausreichend gelüftet werden könnten, dürften für den Unterricht nicht genutzt werden.

Externe Bildungsträger für zusätzliche Förder- und Unterstützungsangebote an Schulen sollten für das nächste Schuljahr gewonnen werden, hieß es. Das Ministerium werde Schulen eine Liste zur Verfügung stellen, aus der sie entsprechend der schulspezifischen Bedürfnisse und des zugewiesenen Budgets auswählen könnten. Über deren Budget würden die Schulen in Kürze informiert.

In den Sommerferien seien vor allem im Rahmen der Ferienbetreuungen der Ganztagsschulen zusätzliche Bildungsangebote in Form von Projekten geplant, die grundsätzlich allen offenstehen sollen. Die Planungen liefen noch. Teilnehmerzahlen für die Zusatzangebote in den Ferien lägen noch nicht vor.

Landtag diskutiert über Unterricht nach den Sommerferien

Der Schulausschuss des Landtags wird an diesem Mittwoch (8.30 Uhr) in einer Sondersitzung über die Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Sommerferien diskutieren.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte angekündigt, dass das kommende Schuljahr so beginnen werde, wie das alte aufgehört hat: mit Präsenzunterricht in vollem Umfang. An Grund- und Förderschulen solle weiterhin zweimal pro Woche mit den sogenannten Lollitests auf das Coronavirus getestet werden, an den weiterführenden Schulen mit Selbsttests.

In den Schulen müssten auch nach den Sommerferien zunächst weiter Masken getragen werden, draußen nicht. Das Tragen der Masken in Innenräumen stehe aber auf dem Prüfstand, hatte die Ministerin angekündigt. Man werde die Inzidenzzahlen beobachten und dann entscheiden, ob die Maskenpflicht abgeschafft wird.

29.06.2021

Abi-Jahrgang muss wegen Verdacht auf Delta-Variante zum Corona-Test

Wegen des Verdachts auf Corona-Infektionen mit der Delta-Variante muss ein Abiturjahrgang aus Solingen zum PCR-Test. Das hat das Gesundheitsamt der Stadt laut Mitteilung von Dienstag angeordnet, nachdem zwei Schülerinnen nach einer Abi-Entlassfeier positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Weil keine andere Mutation nachweisbar sei, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um die Delta-Variante handele. Eine Sequenzierung und damit der Beleg, dass die Schülerinnen sich mit der besonders ansteckenden Corona-Virusvariante angesteckt haben, steht allerdings noch aus.

Die beiden Schülerinnen hatten sowohl an der Entlassfeier als auch an einem Gottesdienst teilgenommen. Beide Veranstaltungen fanden im Freien statt und sahen ausreichende Abstände, aber keine Maskenpflicht vor. Wer engeren Kontakt zu den Infizierten hatte, sei in Quarantäne geschickt worden, hieß es.

Weniger Maske, größere Gruppen: NRW lockert Regeln für Ferienangebote

Nordrhein-Westfalen lockert die Corona-Regeln für Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche. Abgesichert durch Corona-Schnelltests soll im ganzen Land bei Sommerferienaktionen der Jugendverbände und Jugendhilfeträger «weitgehende Normalität» möglich gemacht werden, wie Familien- und Gesundheitsministerium am Dienstag gemeinsam mitteilten.

So dürfen nun bei Kinder- und Jugendreisen auch Gruppen mit mehr als 25 Menschen gemeinsam betreut werden und unterwegs sein. Eine Aufteilung in kleinere feste Gruppen sei nicht mehr erforderlich. Neben einer Sieben-Tage-Inzidenz von höchstens 35 sind dafür zwei Coronatests pro Woche sowie ein gemeinsamer Test am Ende der Reise vorgesehen, um eine Weiterverbreitung möglicher Infektionen nach der Rückkehr zu vermeiden. Möglich seien gemeinsam durchgeführte Tests oder die kostenfreien Bürgertests.

Auch bei Ferienangeboten ohne Übernachtung gibt es Lockerungen: Im Freien dürfen ab sofort 50 und in Innenräumen 30 junge Menschen gemeinsam betreut werden. Hier sei zu Beginn und am Anfang jeder neuen Woche ein Test erforderlich. Bei größeren oder täglich wechselnden Gruppen müsse alle drei Tage getestet werden.

Die Maskenpflicht für Ferienprogramme fällt zudem in vielen Bereichen: Nur noch größere Gruppen von mehr als 20 jungen Menschen und fünf Betreuern müssen in Innenräumen Masken tragen - allerdings nicht beim Essen. Auch die Mindestabstände dürfen unterschritten werden.

Kinder und Jugendliche sollten «möglichst unbeschwerte Ferien genießen können» - auch jene, die nicht verreisen, teilte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit. Dank der aktuell niedrigen Inzidenzzahlen und leicht verfügbaren Tests seien die Lockerungen sehr gut zu verantworten. «Kinder und Jugendliche brauchen soziale Kontakte», betonte auch Familienminister Joachim Stamp (FDP). «Wir möchten ihnen mehr Normalität ermöglichen und gemeinsames Erleben wieder zum Alltag machen», sagte Stamp weiter.

Die Maskenpflicht kehrt an die Schulen zurück

Die Delta-Variante geht um, immer mehr Experten sagen eine vierte Welle voraus. Gleichzeitig machen sich viele Menschen auf den Weg in den Urlaub im Ausland. Die Landesregierung warnt bereits jetzt vor einem ungemütlichen Herbst - und einer Rückkehr in den Lockdown.

Baden-Württembergs Schülerinnen und Schüler müssen nach den Sommerferien vorübergehend wieder Masken im Unterricht tragen. Für die ersten zwei Wochen nach den Ferien wird die Maskenpflicht inzidenzunabhängig wieder eingeführt, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart sagte. Damit wolle die Regierung auf die Gefahr einer Einschleppung von Infektionen durch Reiserückkehrer reagieren. Man müsse mit einer erhöhten Reisetätigkeit rechnen, sagte er.

In Baden-Württemberg können Schülerinnen und Schüler erst seit vergangener Woche auf eine Maske verzichten, sofern die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region niedrig ist und es zwei Wochen an der jeweiligen Schule keinen neuen Corona-Fall gab. «Wir können nicht ausschließen, dass im Laufe des kommenden Schuljahres wieder mehr Schutzmaßnahmen notwendig sein werden, wenn die Inzidenzen steigen sollten oder Virusmutanten das Infektionsgeschehen verändern», sagte Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne).

Angesichts der besonders ansteckenden Delta-Variante und der Massenveranstaltungen rund um die Fußball-Europameisterschaft kann sich Kretschmann auch einen weiteren Lockdown durchaus vorstellen. «Das würde ich in keiner Weise ausschließen. Wenn die Welle dann kommt und wir in die Exponentialität kommen, haben wir ja keine anderen Möglichkeiten», sagte er.

Er mache sich große Sorgen, dass sich die Delta-Variante weiter unaufhaltsam ausbreite. Mit Blick auf die feiernden Fußball-Fans in den Stadien sei das seiner Ansicht nach möglich. «Wenn ich diese Bilder sehe, ist mir da ganz mulmig», sagte Kretschmann.

Die entscheidende Frage sei, «ob wir dagegen animpfen können», sagte der Grünen-Politiker weiter. Einige Wissenschaftler hätten die vierte Welle vorausgesagt, «und sie hatten meistens recht».

Zuvor hatte unter anderem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einer vierten Pandemie-Welle gewarnt und neue Einschränkungen nicht ausgeschlossen. «Wir müssen alles versuchen, um eine vierte Welle zu verhindern», hatte sie nach dem EU-Gipfel Ende der vergangenen Woche in Brüssel gesagt. Das sei gerade mit Blick auf mögliche wirtschaftliche Folgen von großer Bedeutung.

28.06.2021

Landesschülerrat: Viele Abschlussfeiern werden erst später nachgeholt

Laut Corona-Verordnung sind Abschlussfeiern in Sachsen-Anhalt zwar wieder erlaubt, viele finden trotzdem erst im Spätsommer statt. Von vielen Schulen sei die Rückmeldung gekommen, dass die Entscheidung bezüglich der Veranstaltungen zu kurzfristig gekommen sei, sagte der Vorsitzende vom Landesschülerrat, Felix Schopf. Dort würden zunächst feierliche Zeugnisübergaben im kleineren Rahmen stattfinden. Viele der Feiern könnten später nachgeholt werden - etwa im September vor Beginn des neuen Schuljahres. Einige wenige Schülerinnen und Schüler im Land können im Rahmen von Modellprojekten im Juli schon feiern.

Mit der Änderung der Corona-Verordnung Anfang Juni wurden Feiern wieder erlaubt, seit der letzten Änderung Mitte des Monats sogar in einem größeren Rahmen. Aktuell dürfen laut Gesundheitsministerium Abschlussfeiern, die professionell organisiert sind, in geschlossenen Räumen mit 500 Personen stattfinden. Im Freien dürfen 1000 Gäste teilnehmen. Vorausgesetzt werde dabei, dass die Gäste einen negativen Corona-Test vorweisen können und Anwesenheitslisten geführt werden, erklärte ein Sprecher des Ministeriums.

27.06.2021

Müller hofft für das neue Schuljahr auf weitere Impffortschritte

Aus Sicht von Berlins Regierendem Bürgermeister ist das Impfen das A und O beim Schutz von Lehrkräften, aber auch von Schülern. Müller hofft dabei auch auf eine andere Einschätzung der Stiko.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller setzt mit Blick auf den Präsenzunterricht im neuen Schuljahr auf weitere Fortschritte beim Impfen. «Wir werden mit Masken- und Testpflicht in den Präsenzunterricht starten nach den Ferien, das haben viele Länder so vor», sagte Müller in der ZDF-Sendung «Berlin direkt» am Sonntagabend. «Und natürlich haben wir auch einen Impffortschritt bei den Eltern und den Kindern und Jugendlichen, die auch die Impfangebote annehmen können.»

Im Schutz auch gegen die ansteckendere Delta-Variante sei das Impfen der Lehrerinnen und Lehrer, der Eltern, aber auch der Schülerinnen und Schüler das A und O, sagte der SPD-Politiker. «Insofern hoffe ich sehr, dass auch Herr Spahn die Initiative ergreifen kann, um mit der Stiko zu klären, ob man nicht anhand einer größeren Datenbasis eine gute Empfehlung auch für die Kinder aussprechen kann und das Impfen wirklich vorantreiben kann.»

Die Ständige Impfkommission hat bisher empfohlen, dass nur Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren geimpft werden sollen, die bestimmte Vorerkrankungen haben. Der Stiko zufolge sind wegen der relativ kleinen Gruppe von rund 1100 Kindern und Jugendlichen in der Zulassungsstudie und einen Beobachtungszeitraum von nur zwei Monaten mögliche schwere Nebenwirkungen nicht hinreichend auszuschließen.

Außerdem sprach sich Müller für strengere Regeln für Corona-Tests bei der Rückkehr von Urlaubern nach Deutschland aus. Er sei eindeutig dafür, sagte Müller in der ZDF-Sendung. «Diese Stichproben reichen nicht, die im Moment von der Bundespolizei umgesetzt werden», so der SPD-Politiker.

Es gebe auch gar keinen Grund dafür, das nicht flächendeckend zu kontrollieren. «Sie können schon bei der Anreise kontrollieren, wer hat den entsprechenden negativen Testnachweis. Und dann hier nach einer bestimmten Quarantänezeit auch mit einem erneuten Test gegenchecken, dass man auch wirklich negativ ist», erklärte Müller. «Es ist schön, wenn die Menschen Urlaub machen können, aber wir wollen die Gefahren ja nicht zurückbekommen hier nach Deutschland.»

Zur Diskussion um eine mögliche vierte Corona-Welle im Herbst sagte der derzeitige Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz: «Wenn wir nicht mit neuen Varianten, mit einer neuen großen Infektionswelle konfrontiert sind, glaube ich, werden wir über den Impffortschritt so einen guten Schutz haben, auch für die jetzt bekannte Delta-Variante, dass wir keinen anderen erneuten Lockdown brauchen.» Aber auch im Herbst werde der Gesundheitsschutz im Vordergrund stehen.

«Sunday Times»: Corona-Fälle unter britischen Schülern steigen rasant

Das Coronavirus breitet sich unter britischen Schülern einem Bericht der «Sunday Times» zufolge rasant aus. In der Woche zum 20. Juni sei die Zahl der infizierten 5- bis 9-Jährigen im Vergleich zur Vorwoche um 70 Prozent gestiegen, bei den 10- bis 14-Jährigen sei es ein Plus von 56 Prozent, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Gesundheitsbehörde Public Health. Insgesamt 16 100 Schüler waren wegen einer Corona-Infektion abwesend, in der Vorwoche waren es noch 10 600. Weil zudem Zehntausende wegen möglichen Kontakts mit Infizierten in Selbstisolation geschickt wurden, fehlten insgesamt 216 000 Schüler im Unterricht.

Grund für die rasche Ausbreitung sei die hoch ansteckende Delta-Variante, berichtete die Zeitung. Der Co-Generalsekretär der Lehrergewerkschaft National Education Union, Kevin Courtney, warnte vor einer Vervielfachung der Fälle. Steve Chalke von der Wohltätigkeitsorganisation Oasis Trust sagte, Schulen seien «Inkubationszentren für die neue Delta-Variante». «Der Trend in Schulen zeigt seit drei Wochen nach oben. Wir haben offensichtlich noch nicht die Spitze dieser dritten Welle erreicht», sagte Chalke.

Eltern kritisieren zunehmend die Strategie der Regierung, bei positiven Corona-Selbsttests die ganze Klasse für zehn Tage in Selbstisolation zu schicken. Zehntausende gesunde Kinder würden deshalb den Unterricht versäumen. Befürworter der Praxis weisen indes darauf hin, dass nur 15 Prozent der Eltern ihre Kinder regelmäßig testen. Gewerkschaften fordern eine Beibehaltung der Maskenpflicht sowie eine bessere Belüftung für Schulklassen. Schulleiter hoffen auf eine baldige Entscheidung zugunsten einer Impfung von Kindern.

Bildungsministerin schließt erneute Schulschließungen nicht aus

Wie geht es nach den Sommerferien an den Schulen weiter? Besser Vorsicht walten lassen als das Nachsehen haben, fordert ein Lehrerverband. Die Bundesbildungsministerin will die Schulen möglichst lang offen halten - sieht aber Unwägbarkeiten.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) schließt corona-bedingte Schulschließungen auch nach den Sommerferien nicht aus. Sie zeigt sich aber zuversichtlich, dass sie vermieden werden können. Für den Start ins neue Schuljahr dringt der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) auf eine «Sicherheitsphase» mit verstärkten Tests und Maskenpflicht, unabhängig von der Inzidenzrate.

Karliczek sagte am Samstag im RTL/ntv-«Frühstart»: «Ich bin sehr optimistisch, dass wir gut starten können und dass wir es dann (...) schaffen können, Schulen möglichst lange offen zu halten.» Eine Garantie könne aber niemand geben, da niemand wisse, «was diese Mutationen, die auf der Welt unterwegs sind, uns da noch zumuten».

Im Vergleich zum vergangenen Sommer gebe es jetzt aber die Vorteile des Impfens, der Tests und guter Hygienekonzepte. «Die höchste Priorität hat Präsenzunterricht und wir tun alles dafür, dass wir ihn möglichst lange aufrechterhalten können», sagte Karliczek. Sie zeigte sich insgesamt «sehr optimistisch», dass alles gut gehe. Selbst bei einer Virusvariante, wo der Impfstoff nicht 100-prozentig wirke, sorge er dafür, dass die Erkrankung nicht mehr ganz so schwer sei.

Der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann rief zu «erhöhter Vorsicht» gerade zu Beginn des Schuljahres auf. «Wir fordern daher eine mindestens 14-tägige Sicherheitsphase nach den Sommerferien», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Sonntag). In dieser Zeit müsse verstärkt getestet werden. Zudem solle es in den beiden Wochen wieder eine Maskenpflicht im Gebäude und auch im Unterricht geben.

«Natürlich ist das nicht der Start, den wir uns wünschen würden», sagte Beckmann. «Aber Vorsicht ist besser, als das Nachsehen zu haben - und das hatten wir in den letzten Monaten genug.»

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) verlangte ebenfalls, sich auf eine mögliche vierte Corona-Welle vorzubereiten. Um auch dann einen sicheren Schulbeginn zu gewährleisten, könne es sein, dass von allen Schülerinnen und Schülern vor Betreten der Schule ein negativer Test verlangt werde, sagte er der «Augsburger Allgemeinen» (Samstag). «Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass wir komplett mit Maske in das Schuljahr starten.»

Freiwillig in die Sommerschule - Nachhilfe-Angebote in MV gefragt

Im zurückliegenden Schuljahr war für viele Schüler wegen der Corona-Pandemie der Unterricht an der Schule monatelang nicht möglich. Das hatte Folgen für die Wissensvermittlung. Mit Nachhilfe in den Ferien, vom Land finanziert, sollen Lücken geschlossen werden.

Auch in den Sommerferien wird in Mecklenburg-Vorpommern gebüffelt. Wie eine Umfrage der Deutschen Presseagentur ergab, verzeichnen die Anbieter von Nachhilfeunterricht eine rege Nachfrage nach den Sommer-Lernkursen. «Wir haben deutlich mehr Anfragen als im vorigen Jahr. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass in diesem Jahr schon Mitte Mai klar war, wie die Landesförderung aussieht. Alle konnten sich darauf einstellen», sagte in Schwerin Holger Liß, Landesleiter des Abacus Nachhilfe-Instituts mit 26 Niederlassungen im Nordosten. Nach seinen Angaben wurden vor allem Kinder im Grundschulalter für die Nachhilfekurse in den Ferien angemeldet. Und über alle Klassenstufen hinweg gebe es ein Schwerpunktfach: Mathematik.

Nach Angaben des Bildungsministeriums gewährt das Land jedem Schüler und jeder Schülerin für maximal 30 Unterrichtsstunden jeweils 12,50 Euro. Das Geld stamme aus dem MV-Schutzfonds, der als Reaktion auf die andauernde Corona-Pandemie im Vorjahr eingerichtet worden war. Nehmen die Kinder am Gruppen-Unterricht teil, entfallen in aller Regel Zusatzzahlungen für die Nachhilfe. Bei Einzelunterricht liegen die Eigenbeiträge laut Liß bei etwa 20 Euro pro Unterrichtsstunde.

Im Vorjahr hatten laut Ministerium rund 1400 Schüler an dem außerschulischen Lernprogramm teilgenommen, um Lücken zu schließen, die durch die coronabedingte Aussetzung des Präsenzunterrichts entstanden waren. Insgesamt zahlte das Land rund 400 000 Euro für gut 31 000 Nachhilfestunden. Die Antragstellung sei in diesem Jahr vereinfacht worden, was auch von den Nachhilfe-Instituten bestätigt wurde. Zudem sei nun auch Online-Lernförderung möglich, um Schülern auf dem Lande lange Anfahrtswege zu ersparen, hieß es aus dem Ministerium. Aktuelle Zahlen zu den Anmeldungen lagen nicht vor.

Beim Studienkreis Nachhilfe in Rostock wurden nach Angaben von Mitarbeiterin Jana Murk auch Schüler für die Sommerkurse angemeldet, die zuvor noch keine Nachhilfe in Anspruch genommen hatten. Doch seien in den sommerlichen Tagen zu Ferienbeginn nicht alle angemeldeten Schüler erschienen. «Ich hoffe, dass die Ernsthaftigkeit zunimmt und die Landesförderung im Interesse der Kinder nicht verpufft», sagte Murk. In der Mehrzahl seien auch bei ihr Grundschüler angemeldet worden. «Bei den ganz Kleinen kommt es darauf an, vor allem das Lesen zu üben», erklärte Murk.

Im Lernstudio Neubrandenburg wollen nach Angaben von Christian Weihmüller «Schüler quer durch alle Altersgruppen» im Sommer Unterrichtsstoff nachholen und festigen. «Und wer angemeldet ist, der kommt in aller Regel auch zu den vereinbarten Terminen», sagte Weihmüller. Allerdings würden nicht alle Schüler die maximal möglichen 30 Nachhilfestunden für den Sommer buchen.

Nach Einschätzung des Landesschülerrats, der sich mehrfach kritisch zum Krisenmanagement für die Schulen geäußert hatte, hat das Bildungsministerium aus den Fehlern des Vorjahres Schlüsse gezogen. «Die Regelungen zur außerschulischen Nachhilfe wurden diesmal frühzeitig bekanntgegeben. Damit können alle vernünftig planen. Für viele Schüler ist es nach dem monatelangen Home-Schooling eine gute Sache, im direkten Kontakt mit Schülern und Lehrern Schulstoff zu festigen», sagte der Landesschülerratsvorsitzende Anton Fischer.

Eine nicht repräsentative Online-Umfrage in Mecklenburg-Vorpommern, an der sich zu Jahresbeginn etwa 13 000 Eltern, gut 9000 Schüler und über 1000 Lehrer beteiligten, hatte massive Probleme beim Distanzlernen offenbart. Es gebe wenig Video-Unterricht und gerade Eltern von Grund- und Förderschülern seien oft überfordert, erklärten die Initiatoren vom Landeseltern- und Landesschülerrat sowie der Lehrergewerkschaft GEW. Der Landesschülerrat beklagte psychische Folgen für Kinder und Jugendliche durch das wochenlange Lernen allein zu Hause. Es fehle der geregelte Tagesablauf und das soziale Miteinander. Erst Mitte Mai hatte die Landesregierung zunächst Grundschulen, später auch weiterführenden Schulen wieder für Präsenz- und Wechselunterricht geöffnet.

Lehrerverband fordert «Sicherheitsphase» nach Sommerferien

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) dringt auf eine «Sicherheitsphase» nach den Sommerferien mit verstärkten Tests und Maskenpflicht in den Schulen, unabhängig von der Inzidenzrate. «Gerade zu Beginn des Schulbetriebs müssen wir erhöhte Vorsicht walten lassen. Wir fordern daher eine mindestens 14-tägige Sicherheitsphase nach den Sommerferien», sagte VBE-Chef Udo Beckmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Sonntag). In dieser Zeit müsse verstärkt getestet werden.

Vorbild könne dabei Berlin sein. Die Hauptstadt will den Angaben zufolge Schülerinnen und Schüler in der ersten Woche dreimal testen, in der zweiten Woche zweimal. Zudem solle in diesen beiden Wochen die Maskenpflicht im Gebäude und auch im Unterricht wieder eingesetzt werden, forderte Beckmann. «Natürlich ist das nicht der Start, den wir uns wünschen würden. Aber Vorsicht ist besser, als das Nachsehen zu haben - und das hatten wir in den letzten Monaten genug.»

26.06.2021

Ministerin: Keine Garantie für offene Schulen - Neue Variantengebiete

Angesichts der Virus-Mutationen können offene Schulen im kommenden Jahr nicht garantiert werden, sagt die Bildungsministerin. Die Bundesregierung legt sich derweil auf neue Virusvariantengebiete fest - darunter ein beliebtes Urlaubsland.

Angesichts sich verbreitender Corona-Mutationen schließt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek Schulschließungen auch im kommenden Schuljahr nicht aus. Auf eine entsprechende Frage in der Sendung «Frühstart» von RTL/ntv (Samstag), sagte die CDU-Politikerin: «Ich bin sehr optimistisch, dass wir gut starten können und dass wir es dann (...) schaffen können, Schulen möglichst lange offen zu halten». Eine Garantie könne niemand geben, fügte sie hinzu. «Weil wir nicht wissen, was diese Mutationen, die auf der Welt unterwegs sind, uns da noch zumuten.» Im Vergleich zum vergangenen Sommer gebe es jetzt aber die Vorteile des Impfens, der Tests und guter Hygienekonzepte.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte der «Rheinischen Post» (Samstag): «Das Hauptziel der Politik in Deutschland sollte sein, eine neuerliche Phase des Distanz- und Wechselunterrichts zu vermeiden. Wenn zusätzliche Gesundheitsschutzmaßnahmen wie zum Beispiel die Maskenpflicht und regelmäßige Testungen dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen, dann sollte man das auch machen.» Ähnlich äußerte sich die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), gegenüber der Zeitung.

Politiker und Experten warnen seit einiger Zeit vor der Delta-Variante des Coronavirus, die sich in vielen Ländern stark ausbreitet. Um die Verbreitung in Deutschland zumindest zu verlangsamen, schränkt die Bundesregierung die Einreise aus Portugal und Russland massiv ein. Das Robert Koch-Institut teilte am Freitagabend mit, dass die beiden Länder am Dienstag als Virusvariantengebiete eingestuft werden.

Die Einstufung als Virusvariantengebiet zieht ein weitgehendes Beförderungsverbot für Fluggesellschaften, Bus- und Bahnunternehmen nach sich. Sie dürfen nur noch deutsche Staatsbürger und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland über die Grenze bringen. Für diejenigen, die einreisen dürfen, gilt eine strikte 14-tägige Quarantänepflicht, die nicht durch einen Test verkürzt werden kann und auch für vollständig Geimpfte und Genesene gilt.

Deutschland hat bisher 14 Länder als Virusvariantengebiete eingestuft, darunter mit Großbritannien auch ein Land in Europa. Portugal und Russland sind nun Nummer 15 und 16. Die zuständigen Ministerien hatten am Freitag lange um die Entscheidung gerungen. Sie falle nicht leicht, da gerade in Portugal viele Urlauber betroffen seien, hieß es anschließend aus der Bundesregierung. «Aber wir müssen die immer stärkere Verbreitung der Delta-Variante so lange als möglich verlangsamen. Das geht vor.» Die Regelung dürfte zahlreiche deutsche Touristen treffen, die entweder jetzt schon in Portugal im Urlaub sind, oder eine Reise dorthin geplant haben.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) drängt den Bund derweil zu verschärften Vorkehrungen für Reiserückkehrer. «Internationale Reisen dürfen nicht dazu führen, dass sich wieder mehr Menschen infizieren und das Virus nach Hause tragen. Deshalb ist es wichtig, dass für alle Rückkehrer aus Risikogebieten gilt, dass sie zwei Tests machen: Zu Beginn der Rückkehr und nach fünf Tagen Quarantäne», betonte Schwesig in Schwerin.

Die bislang geltende Regelung, nach der ein einmaliger negativer Corona-Test gleich nach der Rückkehr ausreicht, werde der Realität nicht gerecht. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach unterstützte diese Forderung in der «Rheinischen Post»: So könne man die zu erwartende vierte Welle im Herbst stark abschwächen.

25.06.2021

Ministerium: Größere Abibälle mit Anmeldung möglich

Größere Abiturfeiern im privaten Rahmen sollen laut Bildungsministerium im Juli per Anmeldung möglich sein. Nach bisherigen Plänen für eine neue Corona-Verordnung müssen private Veranstaltungen mit mehr als 30 Teilnehmern in geschlossenen Räumen oder mehr als 70 unter freiem Himmel beim Gesundheitsamt angemeldet werden, wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte. «Abibälle und andere Feiern fallen unter diese Regelung», so das Ministerium. Die Anmeldung muss dabei mindestens fünf Werktage vor der geplanten Feier erfolgen.

Die neue Corona-Verordnung wird in der kommenden Woche erwartet. Sie soll nach bisherigem Stand ab 1. Juli gelten. Bis dahin sind noch Änderungen möglich.

Das Bildungsministerium stellte klar, dass Veranstaltungen zur Zeugnisübergabe in der Regel als schulische Veranstaltungen gelten - und dafür die Infektionsschutzkonzepte der Schulen gelten. Der Abiturzeugnistermin ist laut Ministerium in diesem Jahr der 9. Juli.

Traumnote trotz Pandemie: 421 Schüler schaffen ihr Abi mit 1,0

Berlins Abiturienten haben ungewöhnliche Zeiten samt Maskenpflicht und Abstandsgebot hinter sich. Der stadtweite Abischnitt liegt auf dem Niveau es Vorjahrs. Die Spitzengruppe ist sogar noch größer geworden.

Trotz erheblicher Einschränkungen beim Unterricht in den vergangenen beiden Schuljahren haben Berlins Abiturientinnen und Abiturienten besser abgeschnitten als in der Zeit vor der Corona-Pandemie. Bei den Top-Durchschnittsnoten gab es sogar einen deutlichen Sprung nach oben im Vergleich zum vergangenen Jahr. Die Traumnote von 1,0 haben diesmal 421 Schülerinnen und Schüler erreicht - das sind 114 mehr als 2020, wie die Senatsverwaltung für Bildung am Freitag mitteilte.

Einen Schnitt von 1,1 gab es 245 Mal und damit ebenfalls noch häufiger als im Vorjahr (205). Bei den Abiturientinnen und Abiturienten nichtdeutscher Herkunftssprache hat sich der Anteil mit einem 1,0-Abi sogar verdoppelt: von 1,1 auf 2,2 Prozent.

Der Abiturdurchschnitt lag berlinweit wie im Vorjahr bei 2,3 - in den neun Jahren davor jeweils bei 2,4. Von den 12 653 Schülerinnen und Schülern, die das Abi machen wollten, haben 12 232 bestanden. Die Quote liegt damit ebenfalls wie im Vorjahr bei 96,7 Prozent.

Im Nachbarland Brandenburg ist der Abitur-Durchschnitt mit 2,2 etwas besser als in der Hauptstadt, die Bestnote 1,0 erreichten 346 Prüflinge. Die Durchschnittsnote hat sich im Vergleich zum vorangegangenen Schuljahr außerdem um 0,1 Prozentpunkte verbessert. Nach Angaben des Bildungsministeriums in Potsdam haben 9347 und damit 95,9 Prozent aller Abiturienten die Prüfungen bestanden.

Die Abiturienten haben eine Oberstufenzeit mit ungewöhnlichen Belastungen und unter besonderen Umständen hinter sich. Phasenweise waren die Schulen komplett geschlossen, monatelang gab es einen Mix aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause und nicht immer sofort geglückte Experimente mit digitalem Unterricht.

Hinzu kamen Abstandsgebot und Maskenpflicht, Einschränkungen bei zahlreichen Aktivitäten von Arbeitsgemeinschaften bis Kursfahrten und kaum Möglichkeiten, Mitschülerinnen und Mitschüler wie gewohnt regelmäßig zu treffen - und sei es zum gemeinsamen Lernen.

Zum Teil wurden die Prüfungsbedingungen in Berlin daran angepasst. So hatte die Bildungsverwaltung die Unterrichtsphase vor den Prüfungen verlängert und den Termin für die ersten schriftlichen Prüfungen nach hinten verschoben, so dass die Schülerinnen und Schüler mehr Zeit zum Lernen hatten. Die Zeit für die Klausuren wurde verlängert, und für die mündliche Prüfung konnten sie sich aussuchen, über welche zwei Kurshalbjahre sie sich prüfen lassen wollen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gratulierte ihnen am Freitag: «Ein außergewöhnlicher Abiturjahrgang hat es mit Bravour geschafft.» Die Abiturientinnen und Abiturienten könnten ganz besonders stolz auf ihre Leistungen sein. «Sie haben ihr Abitur in einer nie da gewesenen Zeit mit langen Lockdownphasen herausragend absolviert», sagte Scheeres - und dabei ein hohes Maß an Selbstständigkeit gezeigt.

24.06.2021

Kinderkommission rügt Corona-Politik

Die Kinderkommission des Bundestages hat den Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie kritisiert und mehr Rücksichtnahme auf ihre Interessen gefordert. Kinder und Jugendliche seien in der öffentlichen Debatte vor allem zu Beginn der Pandemie «leider des Öfteren als "Virenschleudern" einerseits und "Coronaparty-Feiernde" andererseits» dargestellt worden, heißt es in einer Stellungnahme des Gremiums. «Die entwicklungsspezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen von Kindern und Jugendlichen traten dahingehend weitgehend in den Hintergrund», kritisiert die Kommission. Sie seien zunächst auch nicht beteiligt worden.

Die Kinderkommission ist ein Unterausschuss des Familienausschusses im Bundestag und versteht sich als Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche. Für ihre Stellungnahme hatte sie über mehrere Monate Experten aus Gewerkschaften und Verbänden und Vertreter jugendlicher Mitbestimmungsstrukturen angehört.

Verwiesen wird in der Stellungnahme auf mangelnden Kontakt zu Gleichaltrigen, wenig Platz und Bewegung, fehlende Tagesstruktur und fehlende technische Ausstattung. «Uneinheitliche und kurzfristige Öffnungen bzw. Schließungen von Kitas und Schulen haben Kindern und Eltern viel abverlangt und Unsicherheit geschaffen», heißt es außerdem. Sachverständige hätten der Kommission von erhöhten Fallzahlen der Kinder- und Jugendpsychiatrie berichtet.

Die Kommission fordert für die Zukunft die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und die Berücksichtigung ihrer Interessen bei Corona-Eindämmungsverordnungen und lokalen Pandemieplänen. Empfohlen wird dafür die Schaffung von Expertengremien unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen und Jugendverbänden zur Beratung von Bundes- und Landesregierungen. «Die Rechte von Kindern, insbesondere auf Bildung, Beteiligung und Freizeit müssen in zukünftigen Pandemieplänen eine zentrale Rolle spielen», sagte der Linken-Abgeordnete Norbert Müller, unter dessen Vorsitz die Stellungnahme entstand.

Piazolo sieht bei Luftreinigern für Schulen Kommunen in Pflicht

München (dpa/lby)Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat die Kommunen an ihre Pflicht erinnert, für die Ausstattung der Schulen beim Schutz vor dem Coronavirus zu sorgen. Bei der Anschaffung von Luftreinigungsgeräten seien zum Beispiel zunächst die Städte und Gemeinden gefordert, sagte Piazolo am Donnerstag in München. Die Co-Finanzierung des Landes stehe zur Verfügung. «Es hindert niemand die Kommunen, dort tätig zu werden.»

Die Schule ist zu Ende - aber viele Fragen sind noch offen

Mit dem Ferienbeginn geht ein Schuljahr zu Ende, das für viele noch anstrengender gewesen ist als üblicherweise. Die Hoffnung ist, dass es danach mit etwas mehr Normalität weitergeht. Sicher ist das nicht.

In Berlin haben die Ferien am Donnerstag gerade erst begonnen. Viele Schüler und Eltern fragen sich aber bereits, wie es im neuen Schuljahr weitergeht. Dass die Bildungsverwaltung für die Zeit nach den Ferien Regelbetrieb mit Präsenzpflicht angekündigt habe, sei ein wichtiges Zeichen, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, der Deutschen Presse-Agentur. Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge müssen dann wieder zum Unterricht in der Schule sein, nachdem die Präsenzpflicht monatelang ausgesetzt war.

Das heißt, Kinder und Jugendliche mussten nicht in die Schule kommen, wenn sie oder ihre Eltern das vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie nicht wollten. Das wird nach den Ferien anders. «Wichtig ist das vor allem für diejenigen, die in der Pandemie als verloren gegangen gelten, die wirklich nicht mehr erreichbar gewesen sind, die nicht an Videokonferenzen teilgenommen haben, nicht ans Telefon gegangen sind», sagte Heise.

In manchen Fällen wisse man nicht immer, was mit ihnen passiert sei. «Man kann nur das Beste hoffen, dass es ihnen gut geht und dass sie im nächsten Schuljahr wieder da sind», sagte der Elternvertreter. Und dass sie durch die geplanten Förderangebote gut unterstützt würden.

Heise plädiert dafür, vorsichtig ins neue Schuljahr zu starten, auch angesichts der als ansteckender geltenden Delta-Variante, von der nicht sicher sei, wie weit sie sich Anfang August auch in Deutschland ausgebreitet habe. «Deshalb ist es angemessen, einen vorsichtigen Plan zu haben», sagte Heise.

Nach dem Willen der Bildungsverwaltung gilt in den ersten beiden Wochen des neuen Schuljahrs ab dem 9. August in geschlossenen Räumen eine Pflicht zum Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung. Wenn die Infektionszahlen dem nicht entgegenstehen, soll sie anschließend wegfallen. Außerdem sind in der ersten Unterrichtswoche drei Schnelltests für Schülerinnen und Schüler vorgesehen, danach zwei pro Woche.

Auch aus Sicht der Berliner Schülervertreter ist es vernünftig, das neue Schuljahr mit Test- und Maskenpflicht beginnen zu lassen. «Ich glaube, dass das eine gute Regelung ist, eine mit Augenmaß», sagte der Sprecher des Landesschülerausschusses, Rufus Franzen. «Testen ist für uns der Ausweg aus dem Homeschooling. War es schon immer und wird es noch länger bleiben», so der Oberstufenschüler am Beethoven-Gymnasium in Lankwitz (Steglitz-Zehlendorf).

«Die Testpflicht sollte eines der Mittel sein, das als letztes aufgehoben wird und definitiv auch nach der Maskenpflicht.» Tests seien eine Möglichkeit, frühzeitig Infektionsherde zu entdecken, so der Elftklässler. «Das hat an unserer Schule auch sehr gut funktioniert und bei vielen anderen Schulen in Berlin.»

Probleme gibt es noch genug. Die Schulleiterverbände haben erst kürzlich Alarm geschlagen, auf fehlende Lehrkräfte hingewiesen und die Rückkehr zur Verbeamtung gefordert - Berlin ist das einzige Bundesland, das darauf verzichtet. Die Gewerkschaft GEW kämpft für kleinere Klassen. Elternvertreter Heise hofft, dass Berlins Lehrerinnen und Lehrer nicht nur neue Laptops und Tablets bekommen, sondern damit auch im Schulalltag umgehen können. Zudem will er, dass im neuen Schuljahr alle Fenster in den Schulen tatsächlich zu öffnen sind, damit gelüftet werden kann.

Aus Sicht von Franzen ist im zu Ende gegangenen Schuljahr schon vieles besser gelaufen als in dem davor, zum Beispiel beim Einsatz der Lernraum-Plattform. «Auch Videokonferenzen wurden mehr genutzt. Trotdem sind wir noch nicht auf einem Stand, der dem 21. Jahrhundert entspricht», sagte der Elftklässler. «Wir müssen digitale Methoden auch in den analogen Unterricht einbinden, damit sie zum Standard werden.»

Schülervertreter sind für Festhalten an der Testpflicht

Das neue Schuljahr nach den Sommerferien mit Test- und Maskenpflicht beginnen zu lassen, ist aus Sicht der Berliner Schülervertreter vernünftig. «Ich glaube, dass das eine gute Regelung ist, eine mit Augenmaß», sagte der Sprecher des Landesschülerausschusses, Rufus Franzen, der Deutschen Presse-Agentur. «Testen ist für uns der Ausweg aus dem Homeschooling. War es schon immer und wird es noch länger bleiben», so der Oberstufenschüler am Beethoven-Gymnasium in Lankwitz (Steglitz-Zehlendorf). «Die Testpflicht sollte eines der Mittel sein, das als letztes aufgehoben wird und definitiv auch nach der Maskenpflicht.»

In Berlin haben am Donnerstag die Sommerferien begonnen. Nach dem Willen der Bildungsverwaltung gilt in den ersten beiden Wochen des neuen Schuljahrs ab dem 9. August in geschlossenen Räumen eine Pflicht zum Tragen einer medizinischen Mund-Nasen-Bedeckung. Wenn die Infektionszahlen dem nicht entgegenstehen, soll sie anschließend wegfallen.

Außerdem sind in der ersten Unterrichtswoche drei Schnelltests für Schülerinnen und Schüler vorgesehen, danach zwei pro Woche. «Ich glaube, dass das sinnvoll ist», sagte Franzen. Tests seien eine Möglichkeit, frühzeitig Infektionsherde zu entdecken, so der Elftklässler. «Das hat an unserer Schule auch sehr gut funktioniert und bei vielen anderen Schulen in Berlin.»

23.06.2021

Laschet: Werden mit Corona leben müssen - Schulen bleiben offen

Mit einem Bein steht Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet schon in Berlin. Für Nordrhein-Westfalen setzt der Ministerpräsident aber noch einige Akzente - besonders in der Corona-Politik.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) rechnet im Herbst mit wieder steigenden Corona-Zahlen, will aber die Schulen nach den Sommerferien offen lassen. Der Bildschirm könne soziale Kontakte für Kinder und Jugendliche nicht ersetzen, sagte der Unions-Kanzlerkandidat am Mittwoch mit Blick auf den wochenlangen Distanzunterricht im ablaufenden Schuljahr.

Anders als etwa in Bayern werde die Maskenpflicht im Unterricht bis zum Beginn der Sommerferien in NRW aber bleiben. Es seien nur noch wenige Tage bis Ferienbeginn. «Wir bereiten uns sehr genau für die Zeit nach den Sommerferien vor, so dass dann ein sicherer Schulstart beginnen kann.»

Zugleich machte Laschet klar, dass es keine Impfpflicht für Schüler geben werde und auch «keine Impfvorgänge» in den Schulen. Er folge den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko). Die Eltern hätten die Verantwortung, ob sie ihre Kinder impfen lassen wollten. Die Impfkommission empfiehlt die Corona-Impfung für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren nur bei Vorerkrankungen.

SORGE VOR DELTA-VARIANTE

Trotz der Ungewissheit wegen der sich ausbreitenden Delta-Variante will Laschet am Öffnungskurs festhalten. Die Grundrechtsbeschränkungen könnten in der Phase, wo die Corona-Inzidenz gegen Null gehe, nicht prophylaktisch einfach aufrecht erhalten werden. «Das wäre verfassungswidrig.» Die Delta-Variante mache in NRW etwa sechs bis sieben Prozent der Corona-Infektionen aus. Wenn aber trotz der Verbreitung der Delta-Variante die Inzidenz weiter sinke, scheine deren Auswirkung nicht so groß zu sein. «Du kannst im Ist-Zustand den Menschen nicht Rechte vorenthalten, wenn es den objektiven Grund dafür gar nicht mehr gibt», so Laschet. «Wir werden in den nächsten Jahren mit Coronaviren leben müssen.» Auch im Herbst werde es wieder steigende Zahlen geben. «Nullrisiken» bei Viren werde es nicht geben.

IMPFUNGEN IN NRW

Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner in NRW sei mit 7,4 so niedrig wie seit 27. Juli 2020 nicht mehr, sagte Laschet. Auf den Intensivstationen lägen noch 169 Covid-19-Patienten. «Stand heute ist das Virus erfolgreich eingedämmt.» Dennoch sei wegen der Ausbreitung der Delta-Variante Vorsicht geboten.

In NRW haben laut Laschet fast zehn Millionen Menschen die erste Impfung bekommen. Mehr als sechs Millionen und damit ein Drittel der Bevölkerung hätten den vollen Impfschutz. Nach derzeitigem Stand könnten Anfang September nach den Sommerferien 80 Prozent der Bevölkerung den vollen Impfschutz haben. Auch Laschet selbst hat nach eigenen Angaben inzwischen die erste Impfung bekommen.

«Die Brücke in ein normales Leben steht auf einem festen Fundament», sagte der CDU-Bundesvorsitzende. Noch vor den Sommerferien werde die Corona-Schutzverordnung überarbeitet. Vielleicht würden in zwei Wochen auch noch einmal größere Schritte etwa zur Frage der Maskenpflicht in Innenräumen möglich sein.

Der interdisziplinäre Corona-Expertenrat hat sich nach Angaben Laschets nach 15 Monaten Digitalsitzungen am Mittwoch zu seiner letzten Sitzung getroffen - erstmals in Präsenz. Das Gremium gab eine letzte Stellungnahme heraus. Die Experten rieten zu einem besonnenen Umgang mit der Entspannung der Krise, da ab Herbst wieder mit einem Anstieg der Infektionszahlen zu rechnen sei. Zudem empfahl das Gremium eine intensive Analyse und Bewertung des Pandemiemanagements von Bund, Ländern und Kommunen, um für zukünftige pandemische Lagen gut vorbereitet zu sein.

NEUES KLIMAGESETZ FÜR NRW

Die Wirtschaft in NRW versprühe «eine regelrechte Aufbruchsstimmung», sagte Laschet. Experten rechneten mit einem Wachstum von 3,5 Prozent. NRW «übererfüllt» dem Regierungschef zufolge seine eigenen Klimaschutzziele und liege beim Einsparen des klimaschädlichen Kohlendioxids über dem Bundesschnitt. NRW werde als erstes Bundesland die neuen Klimaziele der Bundesregierung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts kommende Woche in ein Landesgesetz gießen.

Das Bundesverfassungsgericht hatte den Gesetzgeber verpflichtet, das Klimaschutzgesetz für die Zeit nach 2030 näher zu regeln. Das Bundeskabinett beschloss daraufhin eine neue Fassung. Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral werden - und damit fünf Jahre früher als bisher geplant nur noch so viele schädliche Treibhausgase ausstoßen, wie wieder gebunden werden können.

VIER JAHRE CDU/FDP-KOALITIONSVERTRAG IN NRW

Zu seinem geplanten gemeinsamen Auftritt mit FDP-Chef Christian Lindner am Freitag aus Anlass des vierten Jahrestags der Unterzeichnung des schwarz-gelben Koalitionsvertrags in NRW sagte der CDU-Chef: «Wir trinken ein Bier zusammen.» Angesichts des Spotts der Opposition, den ungewöhnlichen Jahrestag mit Bier und Würstchen zu feiern, sprach Laschet ironisch von einem «Grill-Gate».

Als Wahlhilfe für die FDP will der Kanzlerkandidat das Event mit Lindner aber nicht verstanden wissen. Mit Blick auf aktuelle Wahlumfragen, nach denen nach der Bundestagswahl im September auch eine Koalition aus Grünen, SPD und FDP möglich wäre, sagte Laschet: «Ich glaube, eine Ampel wäre für Deutschland von Schaden.» Ob die FDP am Ende wirklich in eine solche Regierung eintreten würde, müssten die Liberalen Ende September selbst entscheiden. Er halte nach wie vor eine Koalition aus CDU und FDP für eine gute Kombination, sagte Laschet. «Das wären mindestens zwei gute Partner für Berlin.»

Bildungssenatorin: Für die Sommerschulen ist das Personal begrenzt

Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat eingeräumt, dass nicht allen Schülern, die in den Ferien an einem Sommerschul-Angebot teilnehmen möchten, ein Platz sicher ist. «Uns war es wichtig, dass wir von Anfang an seit der Pandemie Sommerschulen, Winterschulen, Herbstschulen, Osterschulen anbieten», sagte die SPD-Politikerin in der RBB-«Abendschau» am Mittwoch. «Und in diesem Jahr wollen wir insgesamt für 20 000 Schülerinnen und Schüler Plätze anbieten, jetzt in den Sommerferien 7400 Plätze», so die Senatorin. «Das ist begrenzt, das hat was mit dem Personal zu tun, weil das Personal entsprechend qualifiziert wird und auch da sein muss.»

Der Vater einer Berliner Elftklässlerin erzählte in der «Abendschau», es sei sehr ernüchternd, dass seine Tochter kurzfristig erfahren habe, keinen Platz zu bekommen. «Das war ein ganz schöner Dämpfer.» Scheeres sagte: «Im Vergleich zu anderen Bundesländern bieten wir hier sehr viel an, aber ich kann die Enttäuschung natürlich verstehen, wenn dann eine Schülerin oder ein Schüler keinen Platz erhält.»

Die Bildungssenatorin betonte, neben der Sommerschule gebe es noch weitere Angebote: «Das Gute ist ja, dass wir das Bund-Länder-Programm "Stark trotz Corona" haben, dass wir hier 64 Millionen Euro zur Verfügung haben, um auch während der Schulzeit Unterstützungsangebote zur Verfügung zu stellen, einerseits um Lernlücken zu schließen, aber andererseits auch, um Kinder und Jugendliche zu stärken.» Schließlich seien die vergangenen Monate für die Schüler auch psychisch eine schwierige Situation gewesen.

Neue Corona-Lockerungen geplant - Streit um Testpflicht an Schulen

Thüringens Landesregierung will den Bürgern im Freistaat angesichts niedriger Corona-Inzidenzwerten mehr Freiheiten zurück geben. Bei den Abgeordneten trifft das in den Grundzügen weitgehend auf Zustimmung. Doch eine Änderung im Bildungssektor halten viele für falsch.

Keine Kontaktbeschränkungen, keine Testpflicht an Schulen, Perspektiven für Clubs und Veranstaltungen: Die Thüringer Landesregierung plant angesichts niedriger Inzidenzwerte weitere Lockerungen von Corona-Maßnahmen. Das geht aus einem Verordnungsentwurf hervor, der dpa vorliegt. Demnach sollen unter anderem die Kontaktbeschränkungen komplett wegfallen und nur noch als Empfehlung gelten. Nach bisherigen Plänen soll die Verordnung am 1. Juli in Kraft treten. Bis dahin sind noch Änderungen möglich.

Nach dem Entwurf sollen die landesspezifischen Inzidenzwert-Grenzen von 35 und 50 wegfallen. Strengere Regeln würde es dann automatisch erst wieder bei einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern geben, wenn die Bundesnotbremse dann wieder greift. Allerdings sollen die Landkreise gegensteuern, wenn die Inzidenzen zum Beispiel die 50er-Schwelle überschreiten. Schon ab einem Wert von 35 sollen strengere Maßnahmen geprüft werden. Am Mittwoch lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Thüringen bei 6,2.

Bei einer gemeinsamen Ausschusssitzung des Gesundheitsausschusses mit dem Bildungsausschuss begrüßten viele Abgeordnete teils auch von der Opposition die geplante Verordnung. Es seien die richtigen Schritte, die nun gegangen würden, sagte etwa der CDU-Abgeordnete Thadäus König.

Auf breite Ablehnung stießen aber Pläne von Bildungsminister Helmut Holter (Linke), die bisher geltende Testpflicht an Schulen abzuschaffen. Ein Überblick über die geplanten Maßnahmen:

KONTAKTEMPFEHLUNGEN:

Es soll kein Verbot und keine Einschränkung mehr geben, sondern nur noch Empfehlungen. Damit würde sich die neue Verordnung klar an den Regeln des vergangenen Sommers im Corona-Jahr 2020 orientieren, als Thüringen mit sehr niedrigen Inzidenzen relativ unbeschwert über die Sommermonate kam. Nach dem Verordnungsentwurf soll den Menschen trotzdem empfohlen werden, sich nur mit Angehörigen des eigenen und eines weiteren Haushaltes zu treffen oder mit nicht mehr als zehn anderen Menschen.

MASKENPFLICHT

In geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind oder wo Publikumsverkehr besteht, sollen Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden müssen. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren sollen dafür auch selbstgenähte oder andere Stoffmasken verwenden können. Für alle anderen sollen weiterhin medizinische oder FFP2-Masken Pflicht sein - zum Beispiel beim Shoppen, in Bussen oder der Straßenbahn und bei Sitzungen kommunaler Gremien.

DISKOTHEKEN/CLUBS

Bisher konnten Diskotheken und Clubs nur unter bestimmten Voraussetzungen öffnen - wenn die Inzidenz im jeweiligen Landkreis unter 35 lag und die zuständigen Behörden die entsprechenden Anträge genehmigten. Mit der neuen Verordnung soll es generell keine Schließungen mehr geben. Allerdings müssen Diskos und Clubs die Kontaktnachverfolgung weiterhin sicherstellen und Besucher brauchen einen aktuellen negativen Test, einen Impfnachweis oder müssen belegen, dass sie die Krankheit bereits durchgemacht haben.

TESTPFLICHT

Nach dem Verordnungsentwurf soll es kaum noch Bereiche geben, wo Tests erforderlich sind. Neben dem Besuch von Clubs und Discos wäre ein negativer Test auch bei körpernahen Dienstleistungen, bei Tanz- und Ballettunterricht Chor- und Orchesterproben und bei sexuellen Dienstleistungen noch nötig.

Wegfallen soll nach Plänen von Bildungsminister Helmut Holter (Linke) auch die Testpflicht an Schulen, was in den Reihen seiner eigenen Partei sowie bei SPD, Grünen und der CDU auf Skepsis stieß. Seine Fraktion empfehle, die geplanten Veränderungen bezüglich der Testpflicht zu prüfen, sagte der Linke-Abgeordnete Christian Schaft am Mittwoch im Thüringer Landtag.

«Wir sind auch etwas unglücklich und sehr skeptisch mit dem faktischen Fast-Wegfallens des Testens an Kindergärten und an Schulen», sagte SPD-Abgeordnete Dorothea Marx. Es sollte nicht von dem engmaschigen Testangebot abgewichen werden.

Holter wies in der gemeinsamen Ausschusssitzung im Landtag darauf hin, dass man sich trotz des geplanten Wegfalls der Testpflicht vorbehalte, dies auch wieder rückgängig zu machen, sollte dies nötig sein.

VERANSTALTUNGEN

Öffentliche Veranstaltungen müssen der jeweils zuständigen Behörde - in der Regel dem Gesundheitsamt - angezeigt werden. Ausdrücklich soll es möglich bleiben, Veranstaltungen zu verbieten, wenn damit gerechnet werden muss, dass dadurch die Ausbreitung der Corona-Pandemie gefördert werden könnte.

Außerdem soll nach Größe der Veranstaltungen entschieden werden. Kommen draußen mehr als 1000 Teilnehmer zusammen, soll ein Antrag nötig werden, der genehmigt werden müsste. Nicht öffentliche Veranstaltungen im Freien müssen angezeigt werden, wenn mehr als 70 Menschen zusammenkommen, in geschlossen Räumen bei mehr als 30 Menschen. Nach den geplanten Regelungen sollen auch Abibälle und Abschlussfeiern möglich sein. Je nach Größe und Art der Feier kann es dafür aber nötig sein, das jeweilige Gesundheitsamt zu informieren.

Saarland kündigt Lockerungen für Schulen an

Die saarländische Landesregierung lockert angesichts gesunkener Corona-Zahlen ab diesem Freitag einige Regeln im Schulbereich. So werden etwa Elternabende, Informations- und Abschlussveranstaltungen in Präsenz, Schulfeste, Fahrten sowie Praktika unter Auflagen wieder möglich. «Mit den Regelungen wollen wir den Schulgemeinschaften zum Schuljahresende hin auch ermöglichen, das Schuljahr angemessen und mit schönen gemeinsamen Erlebnissen abzuschließen», erklärte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) am Freitag.

Wanderausflüge, Schulfahrten und internationale Begegnungen sind demnach unter Beibehaltung fester Gruppen wieder möglich. Allerdings dürfen keine Risikogebiete im Ausland besucht werden. Erlaubt sind zudem Besuche in Theatern, Museen, Kinos und Betrieben unter der Voraussetzung, dass diese über ein Infektionsschutzkonzept verfügen.

Bayerns Zeugnisfeiern ohne Testpflicht und pauschale Teilnehmergrenze

Für die feierlichen Verleihungen der Zeugnisse an Bayerns Schulen gibt es trotz der Corona-Krise keine pauschale Deckelung der erlaubten Teilnehmerzahl. Allerdings ergebe sich in der Praxis durch das Abstandsgebot zu Angehörigen anderer Hausstände vielfach dennoch eine Begrenzung der Teilnehmerzahl durch die räumliche Situation, teilte das Kultusministerium am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in München mit. Zur Teilnahme sei auch keine Vorlage eines negativen Corona-Tests erforderlich.

«Ich freue mich sehr, dass die Schulen auch in diesem Schuljahr die Abschlusszeugnisse der rund 244 000 Absolventinnen und Absolventen im Rahmen von feierlichen Zeugnisverleihungen übergeben können», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Für viele Schülerinnen und Schüler sei dies ein wichtiges Ereignis im Leben, das sie lange in Erinnerung behalten. «Wichtig ist, dass wir auf Infektionsschutzmaßnahmen achten.»

Konkret bedeutet dies, dass die Veranstaltungen von der Schule organisiert und durchgeführt werden müssten, aber sowohl im Freien als auch im Schulgebäude stattfinden dürften. Möglich seien - anders als im vergangenen Jahr - auch Reden und eine musikalische Begleitung, wodurch die Veranstaltungen eine «feierliche Note» erhielten. Eine Bewirtung sei aber auch in diesem Jahr nicht möglich. Generell würden für alle Veranstaltungen die Vorgaben des Rahmenhygieneplans für die Schulen gelten. Dazu gehöre etwa das Abstandsgebot und die Maskenpflicht.

Hilft sie oder hilft sie nicht? Reaktionen auf Maskenverzicht geteilt

Die Delta-Variante breitet sich aus - und ausgerechnet Kinder, die bisher soviel zurückstecken mussten, sollen sich vielleicht bald wieder einschränken? Dem Vorsitzenden des Landeselternbeirats reicht es, andere dagegen warnen vor einem Maskenverzicht in Schulen.

Der teilweise Verzicht auf die Maskenpflicht in Schulen stößt weiter auf ein geteiltes, oft aber kritisches Echo. Während Lehrer und Mediziner vor einem Risiko warnen und auf die Ausbreitung der sogenannten Delta-Variante bei den Coronavirus-Infektionen hinweisen, greifen Eltern die Corona-Schulpolitik scharf an. Schülerinnen und Schüler können seit dem vergangenen Montag in Baden-Württemberg zwar teilweise auf eine Maske verzichten. Steigen die Infektionszahlen wieder, will die Landesregierung sie an Schulen allerdings auch erneut einführen.

Es sei überhaupt nicht nachvollziehbar, warum jetzt schon wieder darüber nachgedacht werde, die Maskenpflicht an Schulen einführen zu müssen, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirates, Michael Mittelstaedt. Dabei attackierte er am Mittwoch auch die neue Landesregierung. «Nichts ist in den letzten Monaten passiert, um die Klassenzimmer krisensicher zu machen», sagte er. Die Vorgehensweise des Bildungsministeriums unter seiner neuen Ministerin Theresa Schopper (Grüne) habe sich zwar geändert. In der Sache aber habe sich nichts getan.

Nach momentanem Wissensstand sei die Delta-Variante zwar viel ansteckender als andere Mutationen. In der Gruppe Kind aber sei sie überhaupt nicht gesundheitsschädlicher, sagte Mittelstaedt. «Dann muss die Politik sich doch die Frage stellen, warum dann die Gruppe Kind schon wieder zurückstecken soll», sagte er. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum es immer noch Lehrer oder Erzieher gebe, die nicht geimpft seien. «Da frage ich mich, ob sie sich darum überhaupt gekümmert haben.» Es sei zudem ein Unding, dass Stadien geöffnet und Fußballspiele zugelassen würden, Kinder aber erneut in Haft genommen werden könnten, um die Verbreitung der Delta-Variante zu bremsen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW hält die Aufhebung der Maskenpflicht in den Klassenräumen dagegen für voreilig und gefährlich. GEW-Landeschefin Monika Stein spricht sich angesichts des Delta-Risikos dafür aus, dass Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler bis zu den Sommerferien die Maske weitertragen. Die Ansteckungszahlen in den Schulen seien in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Es sei trotz der allgemein sinkenden Inzidenzen fahrlässig, die Erfolge bei der Corona-Bekämpfung aufs Spiel zu setzen.

Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Gerhard Brand, stimmt zu und bezeichnet den Verzicht in Schulen als unüberlegt. «Wir haben angemahnt, dass der Rückgang der Inzidenzen auf die konsequente Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen zurückzuführen ist», sagte Brand. «Es ist gut, dass die Landesregierung dies jetzt einzusehen scheint und die unüberlegte Lockerung nochmal überdenkt.»

Einen «Fehler» nennt der Stuttgarter Labormediziner und Chefarzt Matthias Orth die Entscheidung, auf Masken in einigen Bereichen der Schulen zu verzichten. Da der Anteil in Baden-Württemberg weiter steige, sei eine Mund-Nasen-Bedeckung weiterhin ein wenig aufwendiger Schutz, sagte er in einem SWR-Interview. «Die Maskenpflicht stört die meisten Menschen wenig und ist ziemlich effektiv», fügte er an. «Wir haben wenig Aufwand und einen guten Nutzen. Für mich ist es unverständlich, darauf zu verzichten.»

Dort, wo das Tragen einer Maske eine Ansteckung verhindern könne, solle sie getragen werden, sagte das Vorstandsmitglied im Berufsverband Deutscher Laborärzte. Orth ist zudem Ärztlicher Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital in Stuttgart.

Liegt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region unter 35 und gibt es zwei Wochen an der Schule keinen Corona-Fall, gilt die Maskenpflicht seit dem vergangenen Montag nicht nur im Freien und somit auch auf Schulhöfen nicht mehr, sondern auch in Klassenräumen. Außerhalb der Unterrichtsräume, also zum Beispiel auf Fluren, müssen Schüler und Lehrer aber weiterhin Masken tragen. Alle 44 Regionen im Südwesten liegen derzeit (Stand: Dienstagnachmittag) nach Angaben des Landesgesundheitsamtes (LGA) unter der 35er-Marke.

Landeselternbeirat stinksauer über Corona-Schulpolitik

Die Delta-Variante breitet sich aus - und ausgerechnet Kinder, die bisher soviel zurückstecken mussten, sollen sich vielleicht bald wieder einschränken? Dem Vorsitzenden des Landeselternbeirats reicht es.

Der Vorsitzende des Landeselternbeirates, Michael Mittelstaedt, hat die Corona-Schulpolitik scharf angegriffen. Es sei überhaupt nicht nachvollziehbar, warum jetzt schon wieder darüber nachgedacht werde, die Maskenpflicht an Schulen oder möglicherweise auch wieder Wechselunterricht einführen zu müssen, wenn die Infektionen mit der Delta-Variante zunähmen. Dabei attackierte er am Mittwoch auch die neue Landesregierung. «Nichts ist in den letzten Monaten passiert, um die Klassenzimmer krisensicher zu machen», sagte er. Die Vorgehensweise des Bildungsministeriums unter seiner neuen Ministerin Theresa Schopper (Grüne) habe sich zwar geändert. In der Sache aber habe sich nichts getan.

Dabei gebe es die Möglichkeit mobile Lüfter einzusetzen, Plexiglaswände zwischen die Schüler zu stellen oder endlich vernünftig, sprich oft genug, während der Woche zu testen. Argumente wie zu laute Lüfter seien Nebelgefechte. «Jeder Lärm von der Straße vor dem Schulhaus ist lauter, als diese Geräte», sagte er. Außerdem gebe es sehr leise, aber teurere Lüfter. «Dann muss man eben das Geld in die Hand nehmen.»

Nach momentanem Wissensstand sei die Delta-Variante zwar viel ansteckender. In der Gruppe Kind aber sei sie überhaupt nicht gesundheitsschädlicher. «Dann muss die Politik sich doch die Frage stellen, warum dann die Gruppe Kind schon wieder zurückstecken soll», sagte er. Auch sei nicht nachvollziehbar, warum es immer noch Lehrer oder Erzieher gebe, die nicht geimpft seien. «Da frage ich mich, ob sie sich darum überhaupt gekümmert haben.» Es sei zudem ein Unding, dass Stadien geöffnet und Fußballspiele zugelassen würden, Kinder aber erneut in Haft genommen werden könnten, um die Verbreitung der Delta-Variante zu bremsen.

Die Eltern würden im Angesicht einer großen Lehrer- und Schulträger-Lobby nicht gehört und ignoriert. «Immer nur salbungsvolle Worte helfen überhaupt nicht weiter.»

Brinkhaus: Sieht gut aus, dass Schulen nicht wieder schließen müssen

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus ist optimistisch, dass Schulen in Deutschland nicht erneut wegen der Corona-Pandemie schließen müssen - will sich aber nicht definitiv festlegen. «Wir arbeiten da dran, dass das nicht passiert, und es ist so, dass es auch sehr, sehr gut aussieht», sagte der CDU-Politiker am Mittwoch im RTL/ntv-«Frühstart». Jedoch sagte er auch: «Ganz ehrlich: Jemand, der jetzt definitive Versprechen abgibt, der wagt sich da weit aus dem Fenster raus, weil das Geschehen natürlich noch weiter dynamisch ist.»

Brinkhaus betonte, man wisse nicht, welche Virusvarianten im Verlauf der Pandemie noch auftauchten. Derzeit bereitet vor allem die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante Sorgen, weil sie als ansteckender als bisherige Virus-Mutanten gilt. Brinkhaus zufolge wurde in einigen Bundesländern jedoch «wunderbar» an Lüftungs- und Testkonzepten gearbeitet, andere Länder müssten nachziehen. «Da muss über die Sommerferien entsprechend gearbeitet werden.»

Kinderschützer hatten zuletzt angesichts der Delta-Variante gewarnt, dass Kinder erneut zum Pandemie-Verlierer werden könnten und auf besseren Schutz an Schulen gedrungen.

Schulen beginnen nach Ferien mit Präsenzunterricht

Nach den Sommerferien sollen Niedersachsens Schulen in einen geregelten Alltag finden. Dazu dient auch Präsenzunterricht. Das Ministerium will Lerndruck rausnehmen und Unterstützungsangebote schaffen. Vielen reichen die Pläne aber nicht aus.

Niedersachsens Schulen werden nach den Sommerferien mit Präsenzunterricht und Schutzmaßnahmen ins neue Schuljahr starten. Die Testpflicht wird bis Ende September beibehalten und die Maskenpflicht gilt weiter - bei einer Inzidenz über 35 auch während des Unterrichts, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Dienstag in Hannover sagte.

Schulen sollten sich außerdem weiterhin regelmäßig ans Lüften halten. «Es steht für mich ganz oben auf der Agenda, dass die Bildungs- und Abschlusschancen unserer Schülerinnen und Schüler gewahrt und vergleichbar bleiben zu den Vorjahren. Niemand muss sich Sorgen machen um sein Kind», versicherte Tonne. «Das nächste Schuljahr bietet große Chancen, die Auswirkungen der Pandemie aufzuarbeiten und die Schülerinnen und Schüler ankommen zu lassen.» Deshalb beginne das Schuljahr mit einer prüfungsfreien Phase, die für Projekte und für das Wiederholen von Unterrichtsstoff genutzt werden könne.

Der Minister sprach von veränderten Rahmenbedingungen, die für das kommende Schuljahr gelten würden. Das Impfen sei dabei ein wichtiger Faktor. Mindestens 86 Prozent der Lehrkräfte hätten bereits eine Erstimpfung erhalten. Wenn sich die Infektionslage allerdings mit der befürchteten vierten Welle möglicherweise verschlechtert, sind Einschränkungen im Schulbetrieb weiter denkbar. Vorstellbar seien tägliche Schnelltests oder Maskenpflicht auch im Unterricht. Vier Wochen und zwei Wochen vor dem Schulstart ist jeweils eine Lageeinschätzung geplant.

Eine Herausforderung ist laut Tonne das Ab- und Ausgleichen von Lernständen der Schülerinnen und Schüler. Dafür würde jede Schule ein Sonderbudget erhalten. Mit dem Geld sollen Schulen unter anderem Unterstützungsangebote finanzieren können, bei denen etwa Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte und Nachhilfelehrer hinzugezogen werden können. Luftfilter ersetzen nach Angaben von Tonne keine einzige Maßnahme. Lüften könne nicht durch mobile Geräte ersetzt werden. Diese könnten auf mittel- und langfristige Sicht gesehen an einzelnen Schulen, aber nicht flächendeckend eingesetzt werden.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP, Björn Försterling, nannte den Plan des Kultusministers ernüchternd. «Minister Tonne hat es zudem erneut versäumt, seine ablehnende Haltung gegenüber Luftreinigern und Belüftungssystemen zu überdenken und die Ausstattung der Schulen über das Bundesprogramm hinaus zu unterstützen».

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warf dem SPD-Politiker vor, er ignoriere den notwendigen Bedarf an Investitionen für Personal, Ausstattung und Räumlichkeiten. «Es fehlen noch immer feste Zusagen des Ministers, wie die bestehenden Mängel bei Personal, Ausstattung und Räumlichkeiten kompensiert werden sollen. Schöne Worte reichen schon lange nicht mehr», sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth.

Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg bezeichnete den Plan als unverständlich. «Gerade mit Blick auf die Delta-Variante braucht es mehr Antworten, um Kinder und Jugendliche besser schützen zu können. Hierzu sollte die Impfdebatte dringend erneut eröffnet werden, denn das Virus sucht sich die Wege zu den Ungeimpften.» Zudem bräuchten die bereits jetzt strapazierten Schulen noch vor Ferienbeginn Planungssicherheit.

Der Philologenverband Niedersachsen bemängelte den von Tonne vorgestellten Plan, weil er Lernrückstände nicht behebe. «Die Lücken müssen geschlossen werden, sonst potenzieren sich die Probleme in den Folgejahren, gerade bei denjenigen, die in der Pandemie auf der Strecke geblieben sind», erklärte der Verband.

 

22.06.2021

Bayerns Grundschüler müssen am Platz keine Masken mehr tragen

Um die Maskenpflicht im Schulunterricht gab es lange Streit. Nun lockert das Kabinett die Pflicht - an den Grundschulen. Die Debatte dürfte damit an den weiterführenden Schulen aber weiter gehen.

Bayerns Grundschüler müssen ab Mittwoch keine Masken mehr an ihren Sitzplätzen tragen. Das hat das Kabinett am Dienstag in München beschlossen. Aufgrund der niedrigen Inzidenz, der hohen Temperaturen und der Tatsache, dass die Schüler zwei Mal pro Woche getestet würden, sei die Lockerung zu verantworten, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) in München. Er betonte, dass die Regelung nur dort gelte, wo die Inzidenz unter 50 liege und darüber hinaus die Maskenpflicht im Schulgebäude weiter bestehe.

Die Lockerung der Maskenpflicht gelte auch für die Grundschulstufen an den Förderschulen, sagte Herrmann. Auch an Horten wird die Maskenpflicht an den Sitzplätzen gelockert. In anderen Schulformen bleibt es laut Herrmann aber zunächst weiter bei der bestehenden Maskenpflicht auch am Sitzplatz. Dem Vernehmen nach könnte diese Regel aber schon kommende Woche vom Kabinett neu bewertet werden.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bezeichnete den Kompromiss als ein gutes Zeichen, betonte aber auch, dass er sich gewünscht hätte, dass auch an den weiterführenden Schulen die Maskenpflicht im Unterricht am Sitzplatz gelockert werde. Zugleich sei er aber auch davon überzeugt, dass im übrigen Schulgebäude die Maske auch weiter notwendig sei. Diese Vorsichtsmaßnahme sei auch perspektivisch für die Aufrechterhaltung des Präsenzunterrichts ab dem Herbst ganz wichtig.

Bisher mussten auch die Kleinsten in den Schulen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus Masken im Unterricht tragen. Bayern folgt damit dem Beispiel mehrerer anderer Bundesländer. Bereits in der vergangenen Woche hatte das Kabinett zudem ermöglicht, dass die Maskenpflicht in den Pausen auf dem Schulhof oder bei Wandertagen entfallen kann. Herrmann betonte am Dienstag, dass diese Lockerungsmöglichkeit auch für Kitas und an den Universitäten gelte.

Innerhalb der Regierung hatten sich vor allem die Freien Wähler für den Wegfall des Mund-Nasen-Schutzes bei den Kleinsten stark gemacht. Piazolo hatte in der vergangenen Woche erklärt, es gebe unterschiedliche Auffassungen bei den Koalitionspartnern in dieser Frage. Herrmann betonte am Dienstag, dass gerade die sich auch in Bayern verbreitende gefährlichere Deltavariante des Virus weiter ein vorsichtiges Vorgehen erfordere.

SPD-Landeschef Florian von Brunn kritisierte, dass die Lockerungen nicht für weiterführende Schulen gelten. «Es ist angesichts der hohen Sommer-Temperaturen und der zugleich niedrigen Inzidenzen nicht mehr zu vermitteln, dass die Kinder und Jugendlichen in der Schule eine Maske tragen müssen. Sie werden ja auch zwei Mal pro Woche getestet», sagte er und forderte die Aufhebung an allen Schulen.

Auch Elterninitiativen und Lehrer hatten zwischenzeitlich immer wieder bemängelt, dass den Kindern mit der Maske ein Teil ihrer Identität genommen werde und die pandemiebedingten Einschränkungen mit der Maskenpflicht unnötig verlängert würden.

20.06.2021

Land setzt weitere Corona-Lockerungen um - Weil: «Vorsichtig bleiben»

Die Neuansteckungen mit dem Coronavirus flauen ab, gleichzeitig nimmt der Anteil der Geimpften zu. Niedersachsen setzt deshalb die nächsten Lockerungsschritte wie geplant um. Einige Regeln sind aber weiter zu beachten - und der Blick richtet sich auf die Delta-Variante.

Das Land Niedersachsen lockert angesichts der entspannteren Infektionslage weitere Corona-Beschränkungen. Nachdem es bereits am Samstag Lockerungen bei privaten Treffen gegeben hatte, folgen am Montag eine Reihe zusätzlicher Erleichterungen - auch hier vor allem zu Kontaktregeln. Grundsätzlich wären damit Geburtstags-, Hochzeits-, Grill-, Sport- oder Einschulungsfeiern möglich. So dürfen nach Angaben der Staatskanzlei bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz bis einschließlich 10 wieder mehr Menschen zusammenkommen: Bis zu 25 in Innenräumen und bis zu 50 draußen.

In diesen Gruppengrößen müssen keine Masken mehr getragen werden. Haben alle Erwachsenen außerdem einen negativen Testnachweis, können sich noch mehr Menschen treffen. Wer am Tisch sitzt, braucht keine Maske zu tragen - wer aufsteht und herumläuft dagegen schon. Außerdem sind Teilnehmerlisten nötig.

Von der neuen Woche an wechselt Niedersachsen in die Stufe null seines Lockerungsplans. Das bedeutet: Wenn die Inzidenz fünf Werktage lang nicht mehr als 10 beträgt, können auch in Restaurants, Lokalen und Cafés die Begrenzungen entfallen. Ab 25 Personen drinnen und 50 draußen müssen aber alle nicht vollständig Geimpften oder Genesenen in der Gastronomie ebenfalls ein Negativ-Testergebnis vorweisen.

Ähnliches gilt für Besucher von Clubs und Diskotheken: Sie brauchen beim Tanzen keine Maske mehr zu tragen, sollen jedoch einen negativen Test oder Nachweis über vollständige Impfung oder Genesung vorlegen. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist auch auf Wochenmärkten nicht mehr nötig.

Nach Angaben der niedersächsischen Staatskanzlei gelten die Lockerungen am Montag für die Kreise Osnabrück, Emsland, Leer, Wittmund, Friesland, Ammerland, Wesermarsch, Oldenburg, Cuxhaven, Osterholz, Verden, Rotenburg (Wümme), Nienburg (Weser), Hameln-Pyrmont, Harburg, Lüneburg, Heidkreis, Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Celle, Gifhorn, Peine, Helmstedt, Goslar, Göttingen. Außerdem für die kreisfreien Städte Wilhelmshaven, Oldenburg, Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter.

Bereits seit Samstag sind in Kreisen und kreisfreien Städten, in denen die Inzidenz fünf Werktage nicht mehr als 35 beträgt, wieder Treffen von bis zu zehn Personen «aus beliebig vielen Haushalten erlaubt». Dazu kommen können noch vollständig Geimpfte und Genesene sowie Kinder unter 14 Jahren. Zuletzt hatte eine Begrenzung auf maximal drei Haushalte gegolten.

In Freizeiteinrichtungen dürfte der Kontrollbedarf hoch bleiben. So musste das Freibad in Peine am Freitag geräumt werden, weil manche Besucher einen Einlassstopp ignorierten und den Zaun überstiegen.

In Hotels oder Pensionen reicht es für die Gäste künftig aus, einen Negativtest nur noch einmal bei der Anreise vorzuzeigen. Und das «Übernachten zu touristischen Zwecken» in Wohnmobilen oder Autos ist ab der neuen Woche auch wieder auf öffentlichen Flächen erlaubt - dabei soll die konkrete örtliche Inzidenz keine Rolle mehr spielen. Führungen durch Städte oder die Natur sind nun breiter möglich, für Bus- oder Schiffsfahrten wurden weitere Regeln angepasst.

Die Änderungen der Corona-Regeln gelten zunächst bis zum 16. Juli. Auch in den Schulen gibt es Lockerungen, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) schon am Freitag erklärt hatte. Schülerinnen und Schüler müssen in Außenbereichen wie dem Pausenhof keine Masken mehr tragen - anders als auf Fluren, in Treppenhäusern oder auf Toiletten.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nannte die Corona-Entwicklung im Land ermutigend: «Die Infektionszahlen in Niedersachsen befinden sich in einem deutlichen Abwärtstrend.» Gleichzeitig mahnte er jedoch: «Bei aller Freude müssen wir vorsichtig bleiben. (...) Die Delta-Variante breitet sich in Europa aus und wird auch an uns nicht vorbeigehen.» Vor allem in Großbritannien wachsen die Fallzahlen damit.

Noch stabilisiert sich die Gesamtsituation in Niedersachsen weiter. Nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) sank die Sieben-Tage-Inzidenz bis Sonntag im Schnitt aller Kommunen von 5,2 am Vortag auf zuletzt 4,9. 54 Neuinfektionen waren binnen eines Tages dazugekommen. Ein weiterer Todesfall wurde gemeldet. Insgesamt starben bisher in Niedersachsen im Zusammenhang mit dem Covid-19-Erreger 5727 Menschen.

Bei drei Kommunen überstieg nach den Daten vom Sonntag die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert 10. Der Landkreis Holzminden hatte statistisch mit 19,9 Fällen die vergleichsweise meisten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner über eine Woche. Es folgten der Kreis Stade (13,7) und die Stadt Delmenhorst (10,3). Für die Kreise Goslar und Lüchow-Dannenberg gab das RKI einen Wert von 0 an.

Mehr als die Hälfte der Niedersächsinnen und Niedersachsen sind mittlerweile mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Nach Angaben des RKI lag die Quote am Wochenende bei 51,5 - gut 4,1 Millionen Menschen. Knapp 2,4 Millionen Menschen (29,9 Prozent) im Land sind demnach vollständig geimpft.

Studie: Eltern können Schulerfolg ihrer Kinder beeinflussen

Dass Elternhaus und gute Leistungen in der Schule zusammenhängen, ist keine neue Erkenntnis. Nun zeigt eine Studie, welche Faktoren eine besondere Rolle spielen - und was sich Eltern schlicht sparen können.

Eltern können den Schulerfolg ihrer Kinder einer Studie zufolge positiv beeinflussen - aber auf eine andere Art und Weise als manche glauben. «Besonders hilfreich ist es, wenn Eltern mit den Kindern Erwartungen besprechen, wenn sie über mögliche Leistungen, Schulabschlüsse, Berufswege reden, Lernstrategien diskutieren und möglichst differenziert Lob und Kritik an einzelnen Schularbeiten kommunizieren», erläuterte Doris Holzberger von der Technischen Universität München. Das reine Kontrollieren der Hausaufgaben helfe hingegen wenig.

Holzberger und ihr Team hatten 18 Metastudien mit rund 1700 Einzelstudien ausgewertet. «Die wichtigste Erkenntnis ist, dass Eltern durch ihre Verhaltensweisen einen Einfluss auf die schulische Leistung und die Motivation der Schülerinnen und Schüler ausüben können», sagte die Professorin für Schul- und Unterrichtsforschung der Deutschen Presse-Agentur.

Wichtig sei dabei sei vor allem das große Feld der Erwartungen. «Ein lernförderliches Umfeld, viele Bücher, mit dem Kind in die Bücherei gehen - das ist schön und gut. Aber im Vergleich zu den Gesprächen und der Kommunikation über Schule und Bildung hat das eine deutlich geringere Auswirkung auf die Leistung der Schüler und Schülerinnen», erläuterte Holzberger.

Gemeinsam solle man ausloten, was das Kind erreichen möchte und welche Möglichkeiten es gibt. Auch bei einzelnen Schulfächern könne man gemeinsam möglichst konkrete Ziele anpeilen, die Kinder und Jugendlichen ermutigen und Anstrengungen mit entsprechender Rückmeldung belohnen. «Lob und Kritik muss immer ganz konkret und differenziert sein, nicht einfach mit der Gießkanne ausschütten», mahnte Holzberger.

Weniger wirkungsvoll sind dagegen Diskussionen über die Bedeutung von Bildung im Allgemeinen. Überhaupt gehe es letztlich darum, das Kind differenziert wahrzunehmen, schilderte Holzberger. Differenzierung gilt auch mit Blick auf die Hausaufgaben: Während sich eine reine Überwachung sogar negativ auswirken könne, sei es hilfreich, mit den Kindern zu besprechen, wann und wo die Aufgaben gemacht werden. «Aber dann schon zum eigenständigen Arbeiten ermutigen», forderte Holzberger. «Und wenn Schwierigkeiten entstehen, Hilfestellungen anbieten.»

19.06.2021 

Massig Schulkinder wegen Corona ohne Radfahrausbildung

Die Radfahrausbildung gehört für Grundschüler in Thüringen fest in den Lehrplan. Der Corona-Lockdown hat auch hier Lücken gerissen.

Der Corona-Lockdown hat starke Auswirkungen auf die Radfahrausbildung von Schulkindern in Thüringen gehabt. «Vielerorts konnte aufgrund der angespannten Infektionslage der letzten Zeit der praktische Teil der Radfahrausbildung leider nur eingeschränkt oder gar nicht erfolgen», hieß es aus dem Verkehrsministerium in Erfurt. Im Rahmen des Distanz- und Wechselunterrichts sei die Verkehrssicherheit durchgehend berücksichtigt worden, Fahrausbildung aber größtenteils ausgefallen.

Zwar sei die praktische Ausbildung weiterhin an die regionalen Inzidenzwerte geknüpft, mit der Entspannung der Corona-Lage gingen die Projekte aber langsam wieder los, sagte die Geschäftsführerin der Landesverkehrswacht (LVW) Thüringen, Katrin Jakobi. Das sei besonders wichtig, da viele Kinder nach der Grundschule ihren täglichen Schulweg mit dem Fahrrad zurücklegen.

Um ihnen Sicherheit beim Radfahren zu vermitteln und das Wissen um wichtige Verkehrszeichen und Vorfahrtsregeln aufzufrischen, bieten einige Wachten auch 2021 in den Ferien Kurse an, welche freiwillig von den Schulen und den Kindern genutzt werden können.

Auf den Übungsplätzen sollen Teile der Radfahrausbildung laut Bildungsministerium im Rahmen bildungsunterstützender Sommerferienkurse nachgeholt werden. «Viele Schulen kommen bereits von sich aus auf die Wachten zu und melden Bedarf an», sagte Jakobi. Da es sich um ehrenamtliche Tätigkeiten handle, könne jedoch kein flächendeckendes Angebot unterbreitet werden.

«Verkehrserziehung im Kindesalter ist enorm wichtig, so auch die Radfahrausbildung», sagte Jakobi. Ob sich die fehlende Ausbildung in naher Zukunft im Unfallgeschehen widerspiegeln werde, bleibe abzuwarten.

Die Fahrradausbildung ist in Thüringen Teil des Lehrplans. In den ersten drei Schuljahren werden die Jungen und Mädchen schrittweise ans Radfahren herangeführt, im vierten Schuljahr findet die theoretische und praktische Ausbildung in den mobilen oder stationären Jugendverkehrsschulen statt. Im Regelfall durchlaufen sie alle Grundschulkinder. Ausnahmen gelten beispielsweise für Kinder mit starken körperlichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen.

18.06.2021

Alle Lehrkräfte im Saarland werden mit Laptops ausgestattet

Das Corona-Jahr 2020 hat die digitale Bildung im Saarland beschleunigt. Vor allem bei der IT-Ausstattung ist viel passiert. Nun geht es mit digitalen Endgeräten für Lehrer und Schüler weiter.

Das Saarland will alle seine 9400 Lehrkräfte bis zu den Herbstferien des Schuljahres 2021/22 mit Laptops oder Tablets ausrüsten. Das sieht ein Plan zur Digitalisierung der Schulen vor. Zudem sollten alle Schüler ab der dritten Klasse zum Schuljahr 2022/23 mit mobilen Endgeräten ausgestattet sein, teilte das Bildungsministerium am Freitag in Saarbrücken mit.

Die ersten Geräte sollten zu Beginn des Schuljahres 2021/22 an die Schülerinnen und Schüler ausgegeben werden: 8300 Schüler der Klassen 6 an Gemeinschaftsschulen und an Gymnasien bildeten einen «Pilotjahrgang». Im Schuljahr 2022/23 sollen dem Ministerium zufolge dann rund 90 000 Schüler mit Tablets oder Notebooks ausgestattet sein. In den Landkreisen sollen Kompetenzzentren entstehen, die auch für Wartung und Hilfen verantwortlich sind.

Die bestehende Schulbuchausleihe werde dann weitgehend von der «Landesweiten Systematischen Medienausleihe Saar» (LSMS 2.0) - auch mit digitalen Büchern und Lernmedien - abgelöst. «Bücher und Arbeitshefte wird es natürlich auch in Zukunft dort geben, wo ihr Einsatz pädagogisch sinnvoll ist», hieß es.

Wichtiger Baustein für die digitale Bildung ist die landeseigene Bildungscloud Online-Schule Saarland (OSS), die seit März 2020 für digital gestützten Unterricht am Start ist. 305 von 316 Schulen nutzten die OSS bereits, hieß es. Es seien 94 000 Nutzer registriert, darunter 85 000 Schüler - von landesweit insgesamt 120 000.

Die Erstfinanzierung der mobilen Endgeräte in Höhe von 50 Millionen Euro übernehme das Land aus dem Landeshaushalt. Die Beschaffung laufe über die Landkreise. Im laufenden Betrieb sollen die Endgeräte und die digitalen Schulbücher dann über Leihgebühren wie bei der Schulbuchausleihe finanziert werden.

Nach Angaben von Ende 2020 wird das Saarland bis 2024 rund 137 Millionen Euro in die digitale Bildung investieren; 66,8 Millionen kommen über den Digitalpakt Schule vom Bund. Das Geld aus dem Digitalpakt ist für Investitionen in die digitale Ausstattung der Schulen gedacht. Dazu hätten seit Anfang 2020 Schulträger bereits 191 Anträge mit eine Volumen von 29 Millionen Euro eingereicht.

An knapp 60 Prozent der Saar-Schulen liefen bereits Maßnahmen wie die Einrichtung von schulischem Wlan, Verkabelung oder Kauf von interaktiven digitalen Tafel (Smartboards). Mit Mitteln des Bundes und des Saarlandes sind in den vergangenen Monaten rund 23 500 Laptops- und Tablets für bedürftige Schüler angeschafft worden.

Ferienprogramm soll Kindern Atempause in der Pandemie verschaffen

In der Corona-Pandemie mussten Kinder und Jugendliche viel einstecken, nun will das niedersächsische Kultusministerium mit einem 3,5 Millionen schweren Ferienprogramm Ausgleich schaffen. Bei dem Programm «LernRäume» soll es nach Angaben von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag vor allem um Erholung gehen. Nicht das Aufholen von verpasstem Lernstoff in der Corona-Pandemie stehe im Vordergrund.

Kinder und Jugendliche hätten in den vergangen Wochen und Monaten einen enormen Beitrag geleistet, um das Pandemiegeschehen einzudämmen, sagte Kultusminister Tonne. «Wir wollen Spaß und gemeinsame Aktivitäten zurückgeben», sagte er. Geplant seien etwa Workshops rund um die Themen Natur, Tiere und Kunst. Mitmachen wollen unter anderem Jugendherbergen, Schullandheime und Volkshochschulen. Das Betreuungsangebot richtet sich den Angaben zufolge insbesondere an Schülerinnen und Schüler der ersten bis achten Klassen.

Bereits im Pandemie-Jahr 2020 hatte das niedersächsische Kultusministerium ein solches Ferienprogramm angeboten. Insgesamt hätten bereits 20 000 Schülerinnen und Schüler an den «LernRäumen» teilgenommen. Nach Einschätzung des Kultusministerium können im kommenden Schuljahr nicht alle ausgefallenen Klassenfahrten und der Schwimmunterricht nachgeholt werden. Auch daher sei es wichtig, die Angebote außerhalb der Schule auszubauen und zu stärken.

Kritik für die Pläne gab es vom bildungspolitischen Sprecher der FDP, Björn Försterling. «Das Programm war schon im vergangenen Jahr ein Freizeitangebot für die Kinder, mit dem Aufholen von Lernrückständen hat es aber wenig zu tun.» Dies habe aus seiner Sicht Priorität, weil sonst im kommenden Schuljahr für alle Betroffenen ein enormes Arbeitspensum drohe.

Mehr Feriensprachkurse und Hausaufgabenhilfen in Rheinland-Pfalz

Neben der Sommerschule können Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr auch an mehr Feriensprachkursen teilnehmen. Die Mittel für diese Kurse wurden von 450 000 auf 650 000 Euro erhöht, wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte. An den Feriensprachkursen stehen allen offen, die einen erhöhten Bedarf am Deutschlernen haben, etwa Kinder aus Flüchtlingsfamilien. In den Oster- und Pfingstferien gab es bereits 330 dieser Kurse.

Verstärkt wurde auch die «qualifizierte Hausaufgabenhilfe», bei der Schülerinnen und Schüler der Grundschule, insbesondere aus Familien mit Migrationserfahrung, drei Stunden in der Wopche eine Hausaufgabenhilfe mit spielerischem Kommunikationstraining erhalten. Dafür stellte das Land 1,1 Millionen Euro bereit, womit mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler teilnehmen können.

«Viele Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemie und ihren Folgen wie Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen», erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Bei Schülerinnen und Schülern mit Flucht- und Migrationserfahrung komme oft dazu, dass sie die deutsche Sprache nicht oder noch nicht so gut beherrschten. «Hier setzen im schulischen Bereich unsere Feriensprachkurse und die qualifizierte Hausaufgabenhilfe an.»

Die Sommerschule richtet sich an alle bis zur neunten Klasse, die einen Lernrückstand aufholen wollen. Neben den Kernfächern Mathematik und Deutsch kann es diesmal auch Angebote in Englisch und den Naturwissenschaften geben. Das Land stellt für die Sommer- und die Herbstschule insgesamt eine Million Euro bereit.

17.06.2021 

Unterricht in den Schulen jetzt ohne Maske

Im Saarland müssen Schülerinnen und Schüler ab diesem Donnerstag keine Maske mehr im Unterricht tragen. Das hat die saarländische Landesregierung angesichts gesunkener Corona-Zahlen beschlossen. Im Schulgebäude und auf dem Schulweg im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bleibt es aber weiterhin bei der Pflicht zum Tragen einer Maske.

Das Bildungsministerium betonte, wer im Schulunterricht weiter eine Maske nutzen möchte, könne das natürlich tun. Was entfalle, sei die Verpflichtung dazu. Auf dem Außengelände von Schulen gibt es bereits seit dem 11. Juni keine Maskenpflicht mehr. Seit Ende Mai läuft der Unterricht an der Saar wieder im vollen Präsenzunterricht.

Rheinland-Pfalz hatte ebenfalls am Dienstag angekündigt, dass Schüler im Unterricht ab kommenden Montag keine Maske mehr tragen müssen.

16.06.2021 

Spahn befürwortet Masken im Unterricht vorerst bis zu Sommerferien

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befürwortet es, wenn im Schulunterricht vorerst noch eine Corona-Maskenpflicht beibehalten wird. Er habe «großes Verständnis» für die Bundesländer, die zumindest bis in die Sommerferien hinein dieses Maß an Sicherheit geben wollten, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch in München nach Beratungen mit seinen Länderkollegen. Über das Vorgehen nach den Sommerferien würden die Kultusminister im Lichte der Entwicklung und der Impfungen beraten. In Schulen seien naturgemäß viele Menschen in einem geschlossenen Raum, auch wenn man Fenster öffnen könne.

Masken seien nervig, aber im Vergleich zu allem anderen eine einfach und erträglich umzusetzende Maßnahme, sagte Spahn. Wenn alle in einem Raum sie trügen, gebe dies viel Schutz und Sicherheit. Der Minister verwies auch darauf, dass es Impfungen für Kinder unter 12 Jahre nicht gebe. Ab 12 Jahre seien sie gerade erst möglich geworden und außerdem eine Abwägungsfrage.

Maskenpflicht auf Schulhöfen in NRW endet - Laschet: Kein «Übermut»

Auch in Nordrhein-Westfalen bröckelt die Maskenpflicht. Vor allem auf Schüler kommen entspanntere letzte Schultage vor den Sommerferien zu. Dennoch mahnt Ministerpräsident Laschet zu Vorsicht.

Die Maskenpflicht im Freien soll in Nordrhein-Westfalen größtenteils aufgehoben werden - auf den Schulhöfen endet sie bereits ab kommenden Montag. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) stellte am Mittwoch ein generelles Ende der Maskenpflicht im Freien in Aussicht, warnte aber vor «Übermut» bei Lockerungen. «Wir dürfen kein Risiko eingehen», sagte der Unions-Kanzlerkandidat.

Millionen Schüler können bald aufatmen. Als ersten Schritt verkündete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) die Aufhebung der Maskenpflicht auf den Pausenhöfen. «Bei den aktuell niedrigen Infektionszahlen und der geringen Ansteckungsgefahr an der frischen Luft ist dieser Schritt verantwortungsvoll und angemessen.»

Vor dem Hintergrund des aktuell anhaltend niedrigen Infektionsgeschehens und des guten Vorankommens der Impfkampagne sei es «verantwortungsvoll vertretbar», die Maskenpflicht im Freien «größtenteils» abzuschaffen, teilte zudem das Gesundheitsministerium mit. «In Innenräumen wird an der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes überall dort festgehalten werden, wo es zum Schutz nötig ist.» Das Land arbeite derzeit an den Details der Umsetzung und werde die Regelungen anschließend unverzüglich öffentlich kommunizieren.

Auch Laschet sprach sich in einer Landtagsdebatte dafür aus, in Innenräumen den Mund-Nasen-Schutz überall dort beizubehalten, wo es nötig sei. Dies findet auch Zustimmung bei FDP, SPD und Grünen. Mehrere Bundesländer haben bereits die Aufhebung oder Lockerung der Maskenpflicht im Freien beschlossen. Wo in den Schulen noch Masken getragen werden müssen, wird nach Angaben Gebauers in der neuen Corona-Betreuungsverordnung ausgearbeitet, die in den nächsten Tagen von der Landesregierung verabschiedet werden soll.

Laschet sagte, Öffnungen sollten Schritt für Schritt erfolgen. Deshalb solle an Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen «mit geringen Einschränkungen der Freiheitsrechte festgehalten werden», sagte Laschet. «Wir sind im Endspurt.» Die Landesregierung werde «pragmatisch» auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens reagieren. Grünen-Fraktionschefin Verena Schäffer warnte: «Der Bundestagswahlkampf darf nicht zu einem Wettbewerb führen, wer welche Vorsichtsmaßnahmen am schnellsten über Bord wirft.»

Laschet, der auch CDU-Bundesvorsitzender ist, warnte vor der in Großbritannien verbreiteten Delta-Variante des Coronavirus. Trotz eines hohen Anteils an Erstimpfungen stiegen dort die Infektionszahlen wieder deutlich an. «Eine vierte Welle will niemand. Es gilt, alles zu tun, damit sie vermieden werden kann», sagte Laschet mit Blick auf Deutschland.

Laschet rief die Menschen zu Geduld bei den Corona-Impfungen auf. Nachdem derzeit in den Impfzentren fast ausschließlich Zweitimpfungen möglich seien, würden im Juli auch wieder Erstimpfungen ermöglicht. Weiterhin gelte das Versprechen: «Im Laufe des Sommers wird jeder und jede ein Impfangebot erhalten.»

Laschet stellte Sonderimpfangebote auch für Studenten und Studentinnen an den Hochschulen und Universitäten in Aussicht. Spätestens mit Beginn des kommenden Wintersemesters müsse an den Hochschulen wieder ein Regelbetrieb mit Präsenz und Studentenleben möglich sein.

Zugleich sprach sich der CDU-Politiker gegen jeglichen Zwang bei den Corona-Impfungen für Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren aus. Zwar habe die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat den Biontech-Impfstoff für diese Altersgruppe zugelassen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland empfehle ihn allerdings «aus gutem Grund» nur für Jugendliche mit Vorerkrankungen. Eltern sollten daher das Gespräch mit dem Kinderarzt suchen und sich beraten lassen. «Es darf keinen Impfzwang geben, und es darf auch keinen Druck geben, gerade bei Kindern nun das Impfen unbedingt zur Pflicht zu machen.»

NRW sei als bevölkerungsreichstes Bundesland nicht nur im Vergleich der Bundesländer, sondern auch im europäischen Vergleich mit am besten durch diese Krise gekommen, sagte Laschet. Das Bundesland werde «Zugpferd der wirtschaftlichen Erholung» in Deutschland nach der Pandemie. Ein Grund seien die offenen Grenzen und die nicht unterbrochenen Lieferketten für die Wirtschaft. Laschet verwies darauf, dass sich die Wirtschaft in NRW laut der Konjunkturprognose des RWI um 0,4 Prozentpunkte besser als im Bundesschnitt entwickle.

SPD-Oppositionsführer Thomas Kutschaty forderte als Folge aus der Corona-Pandemie einen «nationalen Kraftakt für Kinder und Bildung». «Auch nach Corona braucht jedes Kind einen Computer», sagte der Partei- und Fraktionschef der SPD. Auch Wlan in Schulgebäuden müsse Standard sein. Die Corona-Pandemie müsse auch ein Wendepunkt für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik sein, sagte Kutschaty. Die Kommunen brauchten ein Programm zur Belebung ihrer Innenstädte. Es drohe ein massives Ladensterben. Auch für die Gastronomie und die Kulturschaffenden dürfe die Zeit der Hilfsprogramme noch nicht vorbei sein.

SPD und Grüne forderten die Landesregierung auf, Vorsorge für Auffrischungsimpfungen im Herbst zu treffen. Die Impfzentren sollten nach Ansicht der SPD bis ins nächste Jahr hinein erhalten bleiben.
Bisher sind die Impfzentren bis Ende September finanziell abgesichert. FDP-Fraktionschef Christof Rasche schlug vor, den Bürgern zu empfehlen, sich einmal pro Woche testen lassen sollten. Damit könne man schneller erkennen, wo es wieder Corona-Ausbrüche gebe.

Die AfD warf den Regierungen Angst und Panikmache» in der Corona-Politik vor. Die Politiker hätten mit Inzidenzzahlen «gewürfelt», sagte AfD-Fraktionschef Markus Wagner mit Blick auf den Stufenplan für Lockerungen der Corona-Auflagen. Die «Dauerlockdowns» seien auch damit begründet worden, dass die Intensivbetten in den Krankenhäusern knapp würden. «Sie waren es nie.»

Deutlich mehr Klassenwiederholer nach Corona-Schuljahr 2020/21

Die wochenlangen Schulschließungen in der Corona-Krise haben ihre Spuren hinterlassen: Fast jeder 20. Schüler wiederholt das Schuljahr. Das ist rund ein Drittel mehr als normalerweise.

Nach zwei Schuljahren mit jeweils wochenlangem Distanz-Unterricht in der Corona-Krise steigt die Zahl der Klassenwiederholer deutlich. Drehten nach dem Schuljahr 2018/19 vor der Pandemie 4615 Schülerinnen und Schüler an staatlichen Schulen eine «Ehrenrunde», so sind es jetzt 6217, wie das Bildungsministerium in Schwerin am Mittwoch mitteilte. Das ist ein Plus von rund einem Drittel.

4,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler wiederholen damit das zu Ende gehende Schuljahr freiwillig oder weil sie aufgrund zu schlechter Noten nicht versetzt werden können. In den Vorjahren waren es jeweils 3,5 bis 3,6 Prozent gewesen. Eine Ausnahme bildet das Schuljahr 2019/2020. Nach den coronabedingten Schulschließungen im Frühjahr 2020 wurden auch die Schüler versetzt, die das Klassenziel eigentlich nicht erreicht hatten. Die Wiederholerrate betrug 2,9 Prozent - alle auf freiwilliger Basis.

Die Linke sieht die Schulen in MV vor großen Herausforderungen. «Es sind nicht nur zusätzliche Räumlichkeiten notwendig, die Zahl der wiederholenden Schülerinnen und Schüler erfordert auch zusätzliche Lehrkräfte», sagte die Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Linken im Landtag, Simone Oldenburg. Zudem müssten alle Schüler gefördert werden, um ihr massives Unterrichtsdefizit auszugleichen. «Andernfalls droht die Bugwelle der Wiederholerinnen und Wiederholer das Schulsystem zu überrollen - Klassen werden immer größer und damit die individuelle Unterstützung immer kleiner.»

Auch die Lehrergewerkschaft VBE (Verband Bildung und Erziehung) fordert vom Land, deutlich mehr Lehrkräfte einzustellen, um Schülerinnen und Schüler mit Lerndefiziten besser individuell fördern zu können. Aus dem Bildungsministerium hieß es, man prüfe derzeit, inwieweit durch die Klassenwiederholungen die Zuweisung zusätzlicher Lehrerstunden notwendig ist. Ein Sprecher erklärte, der Anstieg der Wiederholer-Zahlen sei «gut beherrschbar».

Der VBE-Landesvorsitzende Michael Blanck forderte, die Schulen bereits jetzt auf eine mögliche vierte Corona-Welle im Herbst vorzubereiten, um erneute Schulschließungen zu verhindern. In den nächsten Wochen seien dazu große Anstrengungen des Landes und der Schulträger erforderlich, mahnte er. So müssten flächendeckend Luftfilteranlagen eingebaut werden. Auch die Digitalisierung müsse weitergehen. «Viele Lehrkräfte warten immer noch auf die versprochenen Endgeräte», sagte Blanck.

Die Landesregierung hat für die Schüler in MV ein Aktionsprogramm «Stark machen, Anschluss sichern» mit 38 Millionen Euro aufgelegt. Zum Aufholen von versäumtem Schulstoff will das Ministerium Lehramtsstudenten und ehemalige Lehrer zur Unterstützung in die Schulen holen. Außerdem soll private Nachhilfe vom Land bezahlt werden.

Ringen um notwendige Lehren aus Corona für die Schulen

Die Corona-Pandemie hat digitale Defizite der Schulen schonungslos offengelegt. Das neue Schulgesetz schafft Grundlagen für Digitalunterricht, greift nach Ansicht der Opposition aber zu kurz. Kümmern will sich die Koalition außerdem um Schulschwänzer.

Kurz vor den Sommerferien haben sich Regierung und Opposition im Kieler Landtag eine Auseinandersetzung um die Schulpolitik geliefert. Neben der Verabschiedung einer Reform des Schulgesetzes ging es dabei am Mittwoch um die Digitalisierung und Mittel gegen das Schulschwänzen. Mit dem neuen Schulgesetz haben CDU, Grüne und FDP rechtliche Grundlagen für Digitalunterricht geschaffen. Nach Ansicht von SPD und SSW fehlt der Jamaika-Koalition jedoch der Mut.

Mit dem neuen Schulgesetz stärkt das Land nach Ansicht von Bildungsministerin Karin Prien die Schulen. «Wir stellen wieder durchgängig klar, dass Schule einen Bildungs- und einen Erziehungsauftrag hat», sagte die CDU-Politikerin. Zudem zog die Koalition eine Lehre aus der Corona-Pandemie: «Wir haben jetzt die gesetzliche Grundlage für die Nutzung digitaler Lehr- und Lernformen gerade auch anstelle von Präsenzunterricht, wenn besondere Umstände es erfordern.»

Ab dem neuen Schuljahr drohen Schülern bei Fehlverhalten härtere Sanktionen. Beispielsweise können sie für die Dauer von bis zu drei Wochen vom Unterricht ausgeschlossen werden; bislang sind es zwei Wochen. Bei schwerer oder wiederholter Störung des Unterrichts in einem bestimmten Fach ist ein dreiwöchiger Ausschluss möglich. Prien betonte, die Schulleitungen könnten künftig sachgerechter und verhältnismäßiger auf Fehlverhalten reagieren.

Ab dem neuen Schuljahr können auch Schüler in den fünften und sechsten Klassen als Mitglieder mit beratender Stimme in der Schulkonferenz mitwirken. Andere Änderungen betreffen Lehrer: Schulinterne Bewerbungen für Schulleiter-Posten werden erst bei einer wiederholten Ausschreibung berücksichtigt. Die freie Schulwahl bleibe im Rahmen der Kapazitäten bestehen, sagte Prien. «Wir wollen einerseits eine möglichst gleichmäßige Auslastung der Schulen erreichen und andererseits das Recht der Eltern auf die Schulwahl erhalten.»

Scharfe Kritik an der Reform kam von SPD und SSW. Nach Ansicht der SSW-Bildungspolitikerin Jette Waldinger-Thiering fehlen dem Regierungsbündnis schlicht Visionen. Ihr SPD-Kollege Martin Habersaat vermisste Mut zum Anpacken wichtiger Themen. «Stattdessen hat die Regierung sehr viel Arbeit auf Semantik vergeudet.» Der Begriff Erziehung habe bereits zuvor im Gesetz gestanden.

Mehr Engagement forderte Habersaat vor allem im Bereich der Digitalisierung. «Natürlich freuen wir uns alle, dass jetzt Präsenzunterricht wieder möglich ist. Aber die Laptops dürfen doch jetzt nicht wieder im Klassenschrank verschwinden.» Schulen sollten bei digitalen Angeboten kooperieren können oder im Einzelfall in Distanz arbeiten. Als Beispiel nannte Habersaat Projekte mit Partnerschulen im Ausland. Stattdessen dürften Schulen digitale Medien nutzen, wenn sie zur Verfügung stehen - «ja und wenn nicht, ist halt schade».

Nach Angaben der Landesregierung stehen für Digitalisierungsmaßnahmen an Schulen von 2019 bis 2024 rund 300 Millionen Euro zur Verfügung. Grundlage sind unter anderem Vereinbarungen mit dem Bund und Landesprogramme. 80 Prozent der Schulen seien an das Glasfasernetz angeschlossen, sagte der CDU-Bildungspolitiker Tobias von der Heide. «Uns muss es darum gehen, Schule mit Digitalisierung besser zu machen.» Mittlerweile gebe es Leihgeräte für Kinder, deren Eltern sich kein Tablet-PC leisten könnten.

Schärfer vorgehen will die Koalition gegen Schulabsentismus. «Unsere Gesellschaft kann und darf es sich nicht leisten, junge Menschen bei der Bildung zurückzulassen», heißt es in einem vom Parlament beschlossenen Antrag. Bis Ende des Jahres soll das Bildungsministerium ein Konzept vorlegen, wie Schulen gegen Schulschwänzer vorgehen können. «Im Einzelfall vielleicht auch mit der Polizei», sagte von der Heide.

Die Grünen-Bildungspolitikerin Ines Strehlau betonte: «Schulen müssen wissen, wie sie die Belastung von Kindern erkennen.» Und wo sie Hilfe holen können. Die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn verwies auf mögliche Folgen des Unterrichtsausfalls der vergangenen Monate. «Es bleibt zu hoffen, dass wir keine Häufung von Schulabsentismus feststellen werden oder allgemeine Anlaufprobleme, wenn es wieder in den regulären Schulbetrieb geht.»

Gebauer: Wegen Maskenpflicht Hitzefrei auch in Oberstufe möglich

Wegen der Maskenpflicht im Schulunterricht erlaubt das NRW-Schulministerium erneut Hitzefrei auch für Oberstufenschüler. Ein entsprechender Erlass sei in dieser Woche an die Schulen ergangen, teilte das Ministerium am Mittwoch auf dpa-Anfrage mit. «Das ist eine kleine Erleichterung für die Schülerinnen und Schüler an besonders heißen Tagen», erklärte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Eine entsprechende Regelung hatte NRW bereits im Sommer 2020 verfügt.

Aktuell werden bis zum Wochenende Temperaturen teils über 30 Grad gemeldet. Nach den geltenden Vorschriften entscheiden ab 27 Grad Raumtemperatur in den Schulen die Schulleiter und Schulleiterinnen über Hitzefrei. Oberstufenschüler sind davon aber eigentlich ausgenommen. Diese Einschränkung wird nun - wie auch schon 2020 - wegen der besonderen Belastung durch die Coronaschutzmaske ausgesetzt. Die Ausnahmeregelung gelte so lange wie die Maskenpflicht.

15.06.2021

Neues Schuljahr soll wieder in Präsenz stattfinden

Rückkehr zum normalen Schulunterricht: Bildungsministerin Prien plant in Schleswig-Holstein ein Präsenz-Schuljahr. Bei der Maskenpflicht und Corona-Tests wird es in den ersten Wochen nach den Sommerferien wohl bleiben.

Nach den Einschränkungen im Unterricht durch die Corona-Pandemie sollen Schleswig-Holsteins Schulen nach den Sommerferien wieder ihren Normalbetrieb aufnehmen. «Wir starten nach den Sommerferien in ein Präsenzschuljahr», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Dienstag in Kiel. Zuvor hatte das Kabinett über das Rahmenkonzept für das kommende Schuljahr beraten.

Unter welchen dauerhaften Hygieneregeln der Unterricht ablaufen wird, soll zwei Wochen vor Beginn des Schuljahres entschieden werden. «Dazu müssen wir den Verlauf der Pandemie über den Sommer beobachten und sind auch weiterhin in engem Austausch mit unserem wissenschaftlichen Beirat», sagte Prien. Sie geht davon aus, dass zum Beginn des Schuljahres voraussichtlich für zwei Wochen die Maskenpflicht bestehen bleibt und es in dieser Zeit verpflichtende Corona-Tests geben wird. Prien begründete dies mit der Rückkehr vieler Familien aus dem Sommerurlaub.

«Schule wird nicht mehr so sein, wie sie vor der Pandemie war», sagte Prien. Der Präsenzunterricht habe vielen Schülern im zu Ende gehenenden Schuljahr gefehlt. «Dabei geht es nicht nur um fehlende Lernfortschritte, sondern auch um das Fehlen von Schule als sozialem Ort.»

Für das kommende Schuljahr sind neben zusätzlichem Personal an den Schulen und Förderprogrammen auch weitere Lernangebote in den Sommerferien in diesem und im kommenden Jahr sowie in den Herbst- und den kommenden Osterferien geplant.

Laut Ministerium haben bereits mehr als 130 Schulen die Teilnahme am Programm Lernchancen.SH zugesagt. 40 weitere planen noch, wie sie teilnehmen werden. Dabei sollen Schüler Hilfe im Unterricht, bei Hausaufgaben oder der Prüfungsvorbereitung bekommen. Für mehr als 20 000 Schüler gibt es Gutscheine beispielsweise für zwei Wochen gezielte Nachhilfe.

Die Abschlussprüfungen sind nach ersten Einschätzungen trotz der Corona-Krise auf gleichem Niveau wie in den vergangenen Jahren verlaufen, sagte Prien. Noch keine konkreten Zahlen gibt es darüber, wie viele Kinder und Jugendliche das Schuljahr wiederholen werden. Allerdings werde von der Möglichkeit des freiwilligen Wiederholens nach ersten Erkenntnissen «nur zurückhaltend Gebrauch gemacht», sagte die Ministerin.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach von einer Fülle von Versprechen. Konkrete Aussagen, wie es nach den Ferien weitergehen solle, fehlten allerdings. Die Schulen brauchten für die Förderung zusätzliches Personal. Vor allem die Förderung der Schüler, die Nachteile durch die Pandemie erleiden mussten, müsse im Vordergrund stehen. «Wir brauchen eine Verteilung nach Sozialfaktoren», forderte die GEW-Landesvorsitzenden Astrid Henke. Die Gewerkschaft warnte davor, bei der Erhebung der Lernrückstände vermehrt auf Tests und Leistungsbewertungen zu setzen. «Der Schwerpunkt der ersten Wochen muss auf sozialen und gemeinschaftlichen Projekten liegen», sagte Henke.

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat warf der Ministerin vor, verbindliche Regeln und Standards für das Distanzlernen schuldig zu bleiben. «Zum zweiten Mal in Folge wurde ein Lernsommer in kürzester Frist aus dem Boden gestampft, als käme der Termin der Ferien überraschend», sagte Habersaat. «Wer wirklich auf Unterstützung angewiesen ist, bekommt vielleicht nur einen Nachhilfegutschein in die Hand gedrückt.» Geschoben worden sei die Anschaffung der Endgeräte für Lehrer. «Niemand weiß, warum.»

Nach Ansicht der FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn müssen die Lernrückstände der Kinder im neuen Schuljahr verstärkt in den Fokus rücken. «Unterrichtsausfall und Distanzunterricht wurden unterschiedlich umgesetzt und aufgenommen, daher ist es wichtig, dass wir genau schauen, auf welchem Stand die Schülerinnen und Schüler sind», sagte sie.

Rheinland-Pfalz lockert die Maskenpflicht

Erleichterung für die Schulen in Rheinland-Pfalz: Nach mehr als einem halben Jahr wird Maskenpflicht im Unterricht aufgehoben. Auch die Grundlage für kommunale Maskenpflicht-Vorgaben im Freien entfällt.

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als einem Jahr hat die Landesregierung weitgehende Lockerungen der Maskenpflicht beschlossen. So müssen Schülerinnen und Schüler ab Montag keine Maske mehr im Unterricht tragen. Und in der Landesverordnung fällt ab Freitag die Grundlage für die in mehreren Städten verhängte Maskenpflicht auf Straßen und Plätzen mit vielen Passanten.

Die Landesregierung reagiert damit auf die gesunkene Zahl von Corona-Infektionen, wie Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Mainz sagte. Die neue Regelung für den Unterricht gelte überall dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Infektionen unter einem Wert von 35 bleibe. Maßgeblich ist die Inzidenz in den jeweiligen Landkreisen und Städten. Landesweit waren es am Dienstag 14,7.

Auf dem Weg zum Platz im Klassenzimmer solle die Schutzmaske weiter getragen werden, sagte Hubig. Damit gebe es eine ähnliche Regelung wie für Restaurants. Aber im Unterricht und auf dem Pausenhof muss keine Maske mehr getragen werden. «Unsere Schulen setzen ihre Hygienekonzepte hervorragend um, die Impfungen bei unseren Lehrkräften sind weit fortgeschritten», sagte die Ministerin.

Die Maskenpflicht im Unterricht wurde im November vergangenen Jahres eingeführt, zunächst nur für die weiterführenden Schulen und bei hoher Inzidenz. Zuletzt galt, dass an allen Schulen im Unterricht eine Maske getragen werden musste - bei vereinbarten Maskenpausen. An den Grundschulen gab es eine Ausnahme für den Aufenthalt auf dem Schulhof.

Zum Wochenbeginn und damit zum Beginn des Präsenzunterrichts an allen Schulen in Rheinland-Pfalz hatte die Vertretung der Eltern eine Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht gefordert. Bei einer Online-Sitzung des Landeselternbeirats wurde ein entsprechender Antrag mehrheitlich angenommen. Der Beschluss vom Dienstag wurde vom Landeselternbeirat begrüßt.

Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz hebt auch die bisherigen Vorgaben zum Tragen einer Corona-Schutzmaske im Freien auf. «Für alle Menschen entfällt grundsätzlich die Maskenpflicht im Freien», teilte die Staatskanzlei am Dienstag in Mainz mit. Ausgenommen sind Situationen, in denen es zu Gedränge kommt, etwa in Warteschlangen. Die Änderungen sollen in einer neuen Landesverordnung festgehalten werden, die ab Freitag gelten soll.

Nach der aktuellen Landesverordnung besteht die Maskenpflicht «an allen Orten mit Publikumsverkehr, so auch an Örtlichkeiten in der Öffentlichkeit unter freiem Himmel, an denen sich Menschen entweder auf engem Raum oder nicht nur vorübergehend begegnen». Daraufhin haben Kommunen wie die Landeshauptstadt Mainz Plätze und Straßen ausgewiesen, auf denen Maskenpflicht besteht.

In Innenbereichen wie in Geschäften oder in Bussen und Bahnen muss nach Mitteilung der Landesregierung weiter die Maske getragen werden. Das Coronavirus sei aber noch nicht besiegt, die Pandemie noch nicht vorbei, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nach einer Kabinettssitzung. «Abstand und Maske haben sich als sehr effektives Mittel der Pandemiebekämpfung erwiesen.»

Die neue Landesverordnung sieht außerdem vor, dass

- Bus- und Schiffsreisen wieder gestattet sind,

- Hallenbäder und Thermen öffnen,

- sportliche Aktivitäten im Freien mit bis zu 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zugelassen werden,

- Gemeinschaftseinrichtungen von Hotels, Jugendherbergen und Campingplätzen wieder öffnen dürfen sowie

- private Feiern mit bis zu 25 Gästen in Innenräumen möglich sind.

Umfrage: Mehrheit für Aufhebung der Maskenpflicht in Schulräumen

Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Aufhebung der Maskenpflicht in Unterrichtsräumen an Schulen. In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprachen sich 59 Prozent dafür aus. 31 Prozent lehnen dies ab. 10 Prozent machten keine Angaben. Frauen befürworten eine Aufhebung mit 62 Prozent etwas stärker als Männer mit 56 Prozent.

Der Deutsche Lehrerverband hatte sich gegen eine schnelle Aufhebung der Maskenpflicht an den Schulen ausgesprochen. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin, er rate insbesondere während des Unterrichts zu «größtmöglicher Vorsicht». «Das Virus ist ja noch nicht von der Bildfläche verschwunden.» Maskenpflicht und auch regelmäßige Tests sollten im auslaufenden Schuljahr bleiben.

Land plant Rückkehr zum Regelbetrieb der Schulen

Nach den pandemiebedingten Einschränkungen des Unterrichts auch in Schleswig-Holstein plant die Landesregierung für kommendes Schuljahr die Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen. Das Kabinett will am Dienstag über das Rahmenkonzept für das Schuljahr 2021/22 beraten. Anschließend (12.00 Uhr) will Bildungsministerin Karin Prien (CDU) die Pläne der Öffentlichkeit vorstellen.

Nach den Sommerferien soll an den Schulen wieder die Normalität zurückkehren - allerdings wegen der Corona-Pandemie weiter unter Hygienebedingungen. Präsenzunterricht soll für alle Schüler im Land wieder zum Regelfall werden. In dem am Freitag zu Ende gehenden Schuljahr war viel Unterricht auf Distanz erfolgt. Je nach Infektionsgeschehen vor Ort gab es Distanzlernen, Wechsel- oder Präsenzunterricht.

Erst seit Ende Mai waren im Norden wieder alle Schüler im Präsenzunterricht. Für Bildungsministerin Prien ist dieser aber unbedingt erforderlich für die Entwicklung und den Bildungserfolg von Kindern. Für das kommende Schuljahr sind neben zusätzlichem Personal an den Schulen und Förderprogrammen auch zusätzliche Lernangebote in den Sommerferien in diesem und im kommenden Jahr sowie in den Herbst- und den kommenden Osterferien im Gespräch.

Thüringer Kabinett entscheidet über Weiterführung der Schulcloud

Das Thüringer Kabinett entscheidet als letztes von drei beteiligten Bundesländern über die Fortführung des gemeinsamen Schulcloud-Projektes. Über das Ergebnis will Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag (13.00 Uhr) informieren. Die Landesregierungen in Brandenburg und Niedersachsen hatten dem entsprechenden Verwaltungsabkommen bereits zugestimmt. Alle drei Länder nutzen für den digitalen Unterricht an ihren Schulen eine Lernplattform, die vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam entwickelt wurde - bisher als Pilotprojekt.

Die Schulcloud ging in Thüringen bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie an den Start. Später wurde die Cloud deutlich früher als geplant für alle Schulen geöffnet, um im Lockdown digitalen Unterricht zu erleichtern.

Allerdings gab es auch immer wieder Kritik an der Leistungsstärke der Lernplattform. Außerdem wurden im vergangenen Jahr Hackerangriffe, Datenschutzlücken und Sicherheitsprobleme bekannt, die nach Angaben des Hasso-Plattner-Instituts aber behoben wurden.

14.06.2021

Corona-Regeln nicht eingehalten - Schulleiterin zu Recht suspendiert

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat die Suspendierung einer Grundschulleiterin wegen mehrfacher Nichtbeachtung von Vorschriften zur Bekämpfung des Coronavirus bestätigt. Das Gericht lehnte am Montag laut einer Mitteilung den Eilantrag der Schulleiterin ab. Die Frau wollte damit gegen das ausgesprochene Verbot der Führung ihrer Dienstgeschäfte vorgehen. Das Gericht begründete seine Entscheidung mit mehreren Verstößen der Schulleiterin auf dem Gelände der Schule.

Die Lehrerin habe dort wiederholt keine medizinische Maske getragen und sich «eigenmächtig» über die Verpflichtung hinweggesetzt, wöchentlich Selbsttests bei allen in Präsenz in der Schule tätigen Personen durchzuführen. Im April habe sie die Eltern benachrichtigt, dass sie die Testung der Schüler ausgesetzt habe und die Eltern gebeten, dies im Testzentrum vorzunehmen. Es gebe Hinweise, dass die Frau auch andere Schutzvorkehrungen wie das Lüften der Klassenzimmer nicht beachtet habe. Die von ihr vorgelegten ärztlichen Atteste, wonach sie aus medizinischen Gründen keine Maske tragen könne, seien unzureichend.

Landeselternvertretung: Schulen besser auf Corona-Winter vorbereiten

Die Thüringer Landeselternvertretung hat Schulträger dazu aufgerufen, die Schulen besser auf einen Winter unter Pandemie-Bedingungen vorzubereiten. «Jetzt ist die Zeit, in der die Schulen fit gemacht werden müssen für den kommenden Winter», erklärte die Landeselternvertretung am Montag. Zu wenige Schulträger hätten bisher Strategien und Konzepte entwickelt, Fördergelder abgerufen oder mit dem Einbau von Luftreinigern oder Lüftungsanlagen begonnen, hieß es.

Man dürfe sich nicht auf der aktuellen Euphorie angesichts der niedrigen Infektionszahlen ausruhen, hieß es in einer Mitteilung der Landeselternvertretung. Die Sommermonate müssten dafür genutzt werden, die entsprechende Infrastruktur an den Schulen zu schaffen.

Während bis zum Ende des Sommers ein Großteil der Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland die Möglichkeit bekommen sollen, sich impfen zu lassen, gibt es für Kinder unter zwölf Jahren derzeit keinen zugelassenen Impfstoff.

Bis zum 31. Oktober können Schulträger insgesamt 4,5 Millionen Euro beim Thüringer Infrastrukturministerium abrufen, um für ihre Schulen Luftreiniger zu kaufen oder andere Ausstattung, die im Kampf gegen die Corona-Pandemie helfen soll. Weitere 500 000 Euro sind für eine wissenschaftliche Begleitung zu Raumluftanlagen an Schulen vorgesehen.

Niedersachsen fördert Anbieter von digitaler Schulplattform

Der Anbieter der digitalen Schulplattform Iserv wird vom Land Niedersachsen bei Investitionen und Schaffung neuer Arbeitsplätze unterstützt. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) überreichte am Montag einen Förderbescheid von rund 1,7 Millionen Euro an das Braunschweiger Unternehmen. «Mitten in dieser für die Wirtschaft unsicheren Situation beweist Iserv durch die Verlagerung und auch personelle Erweiterung des Betriebs unternehmerischen Mut», sagte Althusmann zur Begründung.

Durch eine zunächst kostenfreie Version hätten im März 2020 kurzfristig über 700 Bildungseinrichtungen ans Netz angeschlossen werden können. «In den aktuell schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie hat Iserv einen wichtigen Beitrag geleistet», sagte der Wirtschaftsminister beim Besuch der Baustelle für eine neue Firmenzentrale.

Iserv hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 60 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. Bis Februar 2022 sollen weitere 40 hinzukommen. Die Softwarelösungen zur Schuldigitalisierung wird nach Firmenangaben von über 2,5 Millionen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften an rund 5000 Schulen in ganz Deutschland genutzt.

Schulen in Rheinland-Pfalz nehmen Präsenzunterricht wieder auf

Erstmals seit einem halben Jahr nehmen alle Schulen in Rheinland-Pfalz an diesem Montag den Präsenzunterricht wieder auf. Es sei wichtig, dass alle Schülerinnen und Schüler «vor den Sommerferien noch einmal einen geregelten Schulalltag erleben können», sagte Bundesministerin Stefanie Hubig (SPD).

Wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen wurde die Präsenzpflicht am 16. Dezember aufgehoben. Am 4. Januar starteten dann alle Schulen in Rheinland-Pfalz in den Fernunterricht, im digitalen Austausch zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern. Am 22. Februar begann zuerst an den Grundschulen der Wechselunterricht mit Gruppen, die teils zuhause und teils im Klassenzimmer unterrichtet wurden. Später folgten die Fünft- und Sechstklässler, ab 15. März waren dann alle Klassenstufen im Wechselunterricht.

«Sie müssen nach der Phase des Fern- und Wechselunterrichts wieder in der Schule ankommen», sagte Hubig der Deutschen Presse-Agentur. «Sie müssen tatsächlich wieder lernen, in der Schule und mit der gesamten Schulgemeinschaft zu lernen und zu leben.» Dies habe in den nächsten fünf Wochen Priorität.

12.06.2021

Feiern zur Schulentlassung in Niedersachsen starten

Dank niedriger Infektionszahlen und Corona-Lockerungen können sich Abiturienten und Abschlussklassen in Niedersachsen auf ihre Entlassungsfeiern freuen. Die ersten Abientlassungen beginnen an diesem Wochenende. Doch es gibt einiges zu beachten.

Nach einem von der Pandemie geprägten Schuljahr können sich die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen in Niedersachsen auf ihre Entlassfeiern freuen. An der Internationalen Schule in Hannover (ISHR), einer Privatschule mit rund 630 Schülern, werden schon an diesem Samstag die Hüte geworfen. 54 junge Frauen und Männer bekommen dann ihre Entlassungszeugnisse. An der ISHR endet das Schuljahr früher als an den anderen Schulen in Niedersachsen.

Dank niedriger Inzidenzen und Corona-Lockerungen sind solche Feiern wieder möglich. Allerdings gelten auch hier die Veranstaltungsregeln der niedersächsischen Landesverordnung. Im vergangenen Jahr feierte die ISHR noch mit einer Autokino-Veranstaltung. In diesem Jahr wird eine Open-Air-Bühne genutzt, auf der noch vor kurzem Comedian Oliver Pocher als erster Künstler nach langer Kulturpause auftrat.

Entscheidend für die Veranstaltungsregeln ist die Sieben-Tage-Inzidenz des jeweiligen Kreises, in dem gefeiert wird - also die Anzahl registrierter Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche. Landesweit lag dieser Wert am Freitag bei 11,1.

Bis zu einem Inzidenzwert von 35 dürfen der Verordnung zufolge im Freien bis zu 500 Menschen zusammenkommen. In Innenräumen dürfen sich ebenfalls 500 Menschen treffen, vorausgesetzt das Publikum nimmt Platz. Gibt es keine Stühle, sieht die Landesverordnung eine maximale Personenanzahl von 100 vor. Hygiene- und Abstandsregeln müssen eingehalten werden.

Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 35 dürfen im Freien nur bis zu 250 Menschen zusammenkommen, vorausgesetzt das Publikum sitzt. Bei stehendem Publikum ist die Anzahl der Gäste im Freien hingegen auf 100 begrenzt. Auch in Innenräumen dürfen sich bis zu 100 Menschen treffen, aber nur dann, wenn es Stühle im Saal oder der Halle gibt. Voraussetzung in jedem dieser Fälle ist ein negativer Coronatest oder ein Nachweis über einen vollständigen Impfschutz.

Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 50 sind Feiern dieser Größenordnung in Innenräumen nicht zulässig. Draußen dürfen sich bis zu 50 Menschen mit negativem Test oder Impfnachweis nur dann treffen, wenn das Publikum sitzt.

11.06.2021

Sommerschule gibt es auch in diesem Jahr

Zum zweiten Mal in Folge können Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz in den Sommerferien einen Lernrückstand aufholen. Das Land stellt für die Sommer- und die Herbstschule insgesamt eine Million Euro bereit, wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte. In diesem Jahr richtet sich das Förderangebot auch an Jugendliche in den neunten Klassen.

«Wir wissen aus dem vergangenen Jahr, dass das Angebot gut angenommen wird», erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Zuvor hatten das Bildungsministerium und die kommunalen Spitzenverbände eine Vereinbarung über die Ferienschule 2021 für die Sommer- und Herbstferien geschlossen. Die kommunalen Schulträger kümmern sich um die Organisation vor Ort, das Land kümmert sich um die Lerninhalte. Der Schwerpunkt liegt auf den Kernfächern Mathematik und Deutsch. Diesmal kann es aber auch Angebote in Englisch und den Naturwissenschaften geben.

Den Unterricht über drei Stunden am Tag gestalten Studierende fürs Lehramt, Lehrkräfte und besonders geschultes Personal. Die Kursleiter erhalten eine Aufwandsentschädigung von 300 Euro für einen zweiwöchigen Einsatz. «Die Ferienschule ist ein großes Gemeinschaftsprojekt, mit dem Land und Kommunen die Folgen der Corona-Pandemie abfedern», erklärte der Direktor des Landkreistages, Burkhard Müller.   

10.06.2021  

Künftige GEW-Chefin: Nicht noch einmal monatelange Schulschließungen

Die designierte Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Maike Finnern, hält lange coronabedingte Schulschließungen im neuen Schuljahr für höchstwahrscheinlich verzichtbar. «Das ist nicht noch einmal vorstellbar. Ich glaube nicht, dass wir noch einmal in eine Situation kommen, in der Schulen mehrere Monate geschlossen werden müssen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Finnern soll an diesem Donnerstag beim digitalen Gewerkschaftstag der GEW zur neuen Vorsitzenden gewählt werden. Die bisherige NRW-Landeschefin löst damit die langjährige Vorsitzende Marlis Tepe ab. Gleichzeitig beraten die Kultusminister der Länder am Donnerstag in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Sommerferien.

«Wichtig ist, dass die Bundesländer jetzt die Phase bis zum kommenden Schuljahr nutzen, um in den Schulen zu investieren», sagte Finnern. Es gehe nicht nur um Luftfiltergeräte, sondern auch darum, dass Fenster sich öffnen lassen, Heizungen funktionieren und es in jedem Raum ein Waschbecken gibt. «Das ist eine dringende Aufgabe, damit es im kommenden Winter einen verlässlicheren Betrieb gibt.»

09.06.2021  

Mit dem Zeugnis Zertifikat für Leistungen in Corona-Pandemie

Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern können Schülern mit dem Zeugnis ein Zertifikat zur Anerkennung ihrer Leistungen in der Corona-Pandemie überreichen. Dazu sei den Schulen der Vordruck der Urkunde übersandt worden, wie das Bildungsministerium am Mittwoch mitteilte. Es handele sich um eine Anerkennung, dass die Schüler dieses besonders schwierige Schuljahr mit den großen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie gut gemeistert hätten.

Die mitregierende CDU findet die Idee nicht gut. «Ich fühle mich durch den Vorgang peinlich berührt», erklärte der CDU-Bildungspolitiker Marc Reinhardt. «Ein Zertifikat, mit dem pauschal das "Üben vom Lernen am Computer", das "Befolgen der Hygieneregeln" oder das "Aufbringen von Kraft zur Gestaltung des Alltags" bescheinigt beziehungsweise gewürdigt werden soll, erscheint mir einerseits wertlos, andererseits aber auch wie eine Verhöhnung der Schülerinnen und Schüler.» Jedermann wisse, dass die Schulen mehr schlecht als recht durch die Pandemie gekommen seien. Daran gebe es wenig zu beschönigen. «Nutzlose Zertifikate heilen diesen Zustand nicht. Ausdruck von Wertschätzung sind sie auch nicht.»

Abschlussfeiern an Schulen erlaubt

An den Schulen in Nordrhein-Westfalen dürfen Abschlussfeiern stattfinden. Darauf hat NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer am Mittwoch hingewiesen. Die Zeugnisübergabe zum Schulabschluss dürfe gemeinsam mit den Eltern gefeiert werden. Die aktuellen Regelungen der Coronaschutzverordnung und die sinkenden Inzidenzen ließen dies zu. Darüber hinaus könnten die Grundschulen bereits Einschulungsfeiern zum kommenden Schuljahr planen.

Bei einer Sieben-Tages-Inzidenz bis 35 in Kreis oder Stadt seien in geschlossenen Räumen Feiern mit bis zu 1000 Teilnehmern erlaubt - im Freien auch mehr. Bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 35 bis 50 seien es in geschlossenen Räumen und im Freien bis zu 500 Teilnehmer. Bei einer Sieben-Tages-Inzidenz über 50 seien in geschlossenen Räumen bis zu 250 Teilnehmer, im Freien bis zu 500 erlaubt.

Die bekannten Infektionsschutzmaßnahmen seien dabei einzuhalten: das Tragen von Masken, die Einhaltung von Mindestabständen und die Vorlage eines negativen Corona-Testergebnisses.

Rückkehr zum Regelbetrieb: In Berlin werden die Klassen wieder voller

Mit dem Wechselunterricht ist es erstmal vorbei. Jetzt heißt es für Berlins Schulen: Zurück zum Regelbetrieb. Seit Mittwoch sind wieder deutlich mehr Schülerinnen und Schüler zeitgleich in den Klassenräumen.

Schülerinnen und Schüler in Berlin sind wieder zurück in ihren Klassen. Am Mittwoch ist der Regelbetrieb in den Schulen wieder aufgenommen worden - zwei Wochen vor den Sommerferien. Mit dem Wechsel aus Unterricht in der Schule und digitalem Lernen zu Hause, auf den Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) bisher gesetzt hat, ist es damit vorbei, und somit auch mit den verkleinerten Lerngruppen.

Präsenzpflicht gilt aber nach Angaben der Bildungsverwaltung noch nicht. Das heißt, Kinder müssen nicht in die Schule kommen, wenn sie oder ihre Eltern vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie das nicht möchten.

Und es geht auch nicht darum, in der Zeit bis zum letzten Schultag am 23. Juni noch möglichst viel Stoff durchzunehmen. In einem Schreiben an die Schulleitungen hat die Bildungsverwaltung ausdrücklich betont, neben dem Fachunterricht sollten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit haben, sich in der ganzen Lerngruppe zu treffen, Kontakte wieder aufzunehmen, über Erlebtes zu sprechen und gemeinsame Aktivitäten anzugehen. Die Bildungsverwaltung hat außerdem angeregt, die Gelegenheit zu nutzen, kurz vor Sommerbeginn möglichst viel im Freien zu lernen.

Ein Sprecher der Bildungsverwaltung wies am Dienstag darauf hin, dass die Maskenpflicht auf dem Schulhof ab Mittwoch aufgehoben ist. Das gilt auch, wenn ein Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten werden kann. In geschlossenen Räumen ist das Tragen einer medizinischen Gesichtsmaske nach wie vor vorgeschrieben. Und auch die Testpflicht bleibt bestehen: «Schülerinnen und Schüler müssen zweimal in der Woche einen Schnelltest machen.»

Die Gewerkschaft GEW fordert, bei der Rückkehr der Kinder und Jugendlichen in den pädagogischen Alltag müssten die sozialen Aspekte und das Miteinander im Vordergrund stehen. «Der Regelbetrieb nach Stundentafel ist nicht, was die Schülerinnen und Schüler jetzt brauchen», sagte der Geschäftsführer der GEW Berlin, Markus Hanisch, der Deutschen Presse-Agentur. «Die Möglichkeit für die Schulen, mit ganzen Lerngruppen Ausflüge im Freien zu unternehmen, ist der richtige Weg, um die letzten Schulwochen sinnvoll zu gestalten.» Wenn Unterricht in vollen Klassen stattfinde, solle das möglichst infektionssicher im Freien passieren.

Gleichzeitig mahnte Hanisch, die Bildungsverwaltung müsse bereits jetzt für die Zeit nach den Ferien planen: Bis zu den Sommerferien seien es nur noch zwei Wochen, aber mit Blick auf das nächste Schuljahr fordere die GEW, schon jetzt die Weichen zu stellen. «Die zusätzlichen Gelder aus dem Aufholprogramm von Bund und Ländern müssen jetzt schnell den Schulen übertragen werden.»

Noch vor der Sommerpause sollten außerdem Schulleitungen die Möglichkeit erhalten, Projekte mit dem Kollegium für das kommende Schuljahr anzustoßen. «Die Schulen brauchen dringend mehr Personal, um jetzt die verloren gegangene Beziehungsarbeit mit den Schülerinnen und Schülern leisten zu können.»

Die Gewerkschaft Verdi in Berlin sprach von Personalmangel und teilte mit, es sei daher mit einer Mehrbelastung der vor Ort Arbeitenden zu rechnen. Zudem bestehe für die Beschäftigten in Schulen ein erhöhtes Infektionsrisiko. «Der Schutz der Beschäftigten muss für die Senatsverwaltung oberstes Gebot sein. Leider können wir aber bisher kein bis zum Ende durchdachtes Schutzkonzept der Behörden feststellen», kritisierte die stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiterin Andrea Kühnemann.

Freiwillig war die Rückkehr zum Regelbetrieb vor den Ferien nicht. Bildungssenatorin Scheeres war ausdrücklich dagegen. Doch das Verwaltungsgericht Berlin hatte Ende Mai nach Eilanträgen entschieden, dass Berlin für eine Schülerin und einen Schüler einer Grundschule Präsenzunterricht sichern muss. Daraufhin beschloss der Senat, das Wechselunterrichtsmodell ab dem 9. Juni zu beenden.

Kultusminister beraten über neues Schuljahr unter Corona-Bedingungen

Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) berät am Donnerstag über die Vorbereitung des kommenden Schuljahres. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie der Schulbetrieb mit Blick auf die Corona-Pandemie nach den Sommerferien weitergehen soll. KMK-Präsidentin Britta Ernst (SPD) hatte gesagt, es sei wichtig, dass die Schulen nach dem Sommer in voller Präsenz öffnen, unabhängig davon, ob Kinder geimpft sind oder nicht. Im noch laufenden Schuljahr haben erste Bundesländer wegen der gesunkenen Corona-Zahlen bereits Lockerungen bei der Maskenpflicht an den Schulen angekündigt.

Die Ministerinnen und Minister wollen außerdem eine gemeinsame Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule verabschieden. Auf der Tagesordnung der Videokonferenz steht dazu ein Gespräch mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und den Vorsitzenden der Gemeinsamen Bund-Länder-Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens, Felix Klein und Samuel Salzborn. Am Freitag (12.00 Uhr) sollen die Ergebnisse der Beratungen bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

Kultusminister Piazolo fordert Lockerung der Maskenpflicht an Schulen

Zum Schutz vor Corona müssen Schulkinder auch in der Klasse eine Maske tragen. Nach dem Ende der dritten Welle muss das aber nun kritisch hinterfragt werden, findet der Fachminister. Die CSU bremst.

Wegen der stark sinkenden Corona-Infektionszahlen fordert Bayerns Kultusminister Michael Piazolo Lockerungen bei der Maskenpflicht an Schulen. «Die Maskenpflicht ist ein großer Eingriff in die Freiheit und wir müssen immer wieder kritisch hinterfragen, ob sie noch verhältnismäßig ist», sagte der Freie-Wähler-Politiker am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in München. Mit Blick auf die am Donnerstag beginnende Konferenz der Kultusminister (KMK) forderte er dazu «einen intensiven Austausch» für ein bundeseinheitliches Vorgehen.

Aus der Sicht von Piazolo sollte es im Schulgebäude selbst weiter die Maskenpflicht geben, eine Aufhebung sei aber auf dem Schulhof und auch am Sitzplatz in den Klassen angemessen. «Voraussetzung dafür ist eine Inzidenz, die deutlich unter 50 liegt. Über den genauen Wert für einen Korridor müssen wir uns aber natürlich gemeinsam verständigen», betonte Piazolo. Er könne sich gut vorstellen, die Lockerung unterhalb des Wertes 20 bis 25 zu gestatten. Er unterstütze aber auch ausdrücklich, dass jeder der wolle weiter eine Masken tragen könne.

Die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben bereits beschlossen, die Maskenpflicht für Schüler aussetzen zu wollen. Aus anderen Bundesländern sind bisher keine Überlegungen bekannt. «Das Thema steht aber jetzt an und wir müssen uns damit befassen», sagte Piazolo. Es sei «wichtig und richtig» gewesen, die Maskenpflicht einzuführen, aber nun habe sich die Lage glücklicherweise geändert.

Sollte sich die KMK bei ihrer Videoschalte nicht auf ein einheitliches Vorgehen einigen können, hält Piazolo auch ein Vorgehen nur für Bayern für angebracht: «Das Thema ist jetzt virulent. Ich werde mich deshalb dafür einsetzen, dass wir zeitnah auch im Ministerrat darüber austauschen werden.»

Der Koalitionspartner der Freien Wähler, die CSU, hatte bislang nicht erkennen lassen, die Maskenpflicht an Schulen lockern zu wollen. Auf Anfrage der dpa betonte Staatskanzleichef Florian Herrmann: «Wir alle freuen uns über die sinkenden Zahlen, dennoch sollten wir jetzt nicht gleich wieder in Hektik verfallen. Der Präsenzunterricht hat in vielen Schulklassen erst vor zwei Tagen wieder begonnen - und in manchen noch gar nicht. Daher sollten wir sorgfältig beobachten, wie sich die Maßnahmen auf die Inzidenzwerte auswirken.»

Herrmann weiter: Die laufende Corona-Verordnung sei erst vergangene Woche vom Kabinett einstimmig für vier Wochen beschlossen worden. «Dass die Staatsregierung alle Zahlen im Blick hat und auf Entwicklungen zum Wohle aller Beteiligten reagiert, versteht sich von selbst.» Eine «zeitnahe» Änderung ist demnach nicht in Sicht.

Piazolo sagte, neben den sinkenden Inzidenzen spreche auch die kontinuierliche Testung an den Schulen für Lockerungen. Diese würden die Sicherheit hoch halten und helfen, Ansteckungen zu verhindern. Seit Anfang September 2020 gibt es in Bayerns Schulen eine Maskenpflicht, diese galt zunächst nur auf dem Schulgelände und nicht auf dem Sitzplatz im Klassenzimmer. Wenige Wochen später wurde sie dann im Verlauf der Pandemie aber auch auf diesen ausgeweitet.

Der Bayerische Realschullehrerverband äußerte sich zustimmend zu Piazolos Gedankenspielen: «Es war schon immer unsere klare Haltung, dass die Inzidenzgrenzen entscheidend für den Umgang mit der Pandemie sind. Bei niedrigen verlässlichen Inzidenzwerten unter 35 muss über die Lockerung der Maskenpflicht im Unterricht und über die Verlagerung der Selbsttests für Schüler aus der Schule in den Verantwortungsbereich der Familien nachgedacht werden», sagte Jürgen Böhm, Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbands.

Die Grünen im Landtag unterstützten die Position Piazolos grundsätzlich, mahnten aber auch zu Vorsicht: «Wir müssen hier schrittweise vorgehen – aber vor allem muss es endlich vorangehen», sagt Anna Schwamberger, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion. Das Wichtigste für die Schüler sei, dass der Präsenzunterricht mindestens bis zum Ende des Schuljahres für alle aufrecht erhalten werden könne.

Die FDP im Landtag forderte dagegen gar ein sofortiges Ende der Maskenpflicht. «Es kann nicht sein, dass man in der Gastronomie innen wie außen stundenlang ohne Maske sitzen darf, unsere Kinder aber nicht nur im Klassenzimmer sondern auch auf dem Hortgelände und auf dem Schulhof Masken tragen müssen», sagte Vize-Fraktionschefin Julika Sandt. Bei hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 30 Grad sei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Spielen und Toben eine «unsinnige Quälerei».

Umfragen an Schulen: Große Sorge wegen Lernlücken und Drucks

Ein mehr als schwieriges Schuljahr geht zu Ende. Die meisten Schüler, Eltern und Lehrer sind sich einig: Im nächsten Schuljahr kann es nur besser werden. Nötig seien allerdings bestimmte Rahmenbedingungen, fordert die Gewerkschaft.

Zum Ende des Schuljahres haben Schüler, Eltern und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ihre Sorge über die aktuelle Situation an den Schulen und in den Familien ausgedrückt. Umfragen unter rund 2000 Schülern, 3500 Eltern und 400 Pädagogen hätten große Lernlücken, einen enormen psychischen Druck und eine hohe Arbeitsbelastung aller Beteiligten deutlich gemacht, sagte der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm am Mittwoch.

Für das kommende Schuljahr müssten deshalb mehr Lehrkräfte an die Schulen und es müssten kleinere Klassen gebildet werden. Darüber hinaus seien eine bessere technische Ausstattung, die Überarbeitung der Rahmenpläne und mehr individuelle Förderung im Unterricht nötig.

Anton Fischer, Chef des Landesschülerrates, machte auf die psychischen Folgen der Schulschließungen aufmerksam. In der Umfrage hätten 63 Prozent der Schüler gesagt, dass sie unmotiviert seien. Knapp 50 Prozent fühlten sich gestresst, knapp 40 Prozent müde, 30 Prozent alleine gelassen.

Bereits im Januar habe der Landesschülerrat die Politik aufgefordert, den geistigen Zustand der Schüler nicht weiter zu strapazieren. «Leider ist so gut wie gar nichts passiert», sagte Fischer. Dabei wäre es aus Schülersicht durchaus möglich gewesen, wenigstens sechs Unterrichtseinheiten in der Woche für jeden Schüler zu ermöglichen. «Man hat Angst gehabt, falsche Entscheidungen zu treffen.» Es sei zu erwarten, dass die Auswirkungen sich über Jahre immer weiter zeigen und zu erheblichen Folgen für die Schüler führen werden.

Aus Sicht der Lehrer erfüllen nahezu 90 Prozent der Schüler nicht beziehungsweise nur teilweise die schulischen Anforderungen, sagte Walm. Mehr als 70 Prozent der Pädagogen hätten in den vergangenen Monaten Mehrarbeit leisten müssen. «Alle in der Schule zahlen gemeinsam den Preis für unzureichende personelle, technische, inhaltliche und organisatorische Rahmenbedingungen.»

Der Vorsitzende des Landeselternrates, Kay Czerwinski, bezeichnete die Situation in den Familien als angespannt und kritisch. Über alle Schularten hinweg bezeichneten 73 Prozent der Eltern die Schulschließungen als belastend bis sehr belastend. Es gebe keine Sicherheit, dass die aktuellen Entscheidungen der Landesregierung auch noch im kommenden Schuljahr Geltung haben werden. Rund die Hälfte der Eltern wünschte sich die Anpassung der Rahmenpläne und eine Konzentration auf die Kernfächer.

Ein Weg dahin könnte sein, Lehrern in Teilzeit den Weg zur Vollbeschäftigung schmackhaft zu machen, sagte Czerwinski. Auch müsste die Zuweisung der Sollstunden auf 113 Prozent angehoben werden. «Lehrer sind Menschen und die sind auch krank.» Aktuell würden die Sollstunden unter 100 Prozent geplant. Um das zu ändern, müsse von den politisch Verantwortlichen im Land Geld in die Hand genommen werden, damit das Ministerium seine Aufgabe vernünftig erledigen kann.

08.06.2021 

Weniger Ausbildungsplätze im Südwesten seit der Corona-Pandemie

Im Südwesten werden seit der Corona-Pandemie deutlich weniger Ausbildungsplätze angeboten. 2020 seien mehr als zehn Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen worden als im Vorjahr, teilten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Dienstag in Stuttgart mit.

Baden-Württemberg sei eines der Länder mit dem höchsten Anteil an an- und ungelernten Beschäftigten. In der Altersgruppe zwischen 25 Jahren und 35 Jahren hätten 194 000 Menschen oder 13,4 Prozent überhaupt keinen berufsqualifizierenden Abschluss.

Der DGB und die Regionaldirektion begrüßten, dass sich die grün-schwarze Koalition auf die Einführung einer Ausbildungsgarantie verständigt habe. Wegen der in den kommenden Jahren absehbar angespannten Situation auf dem Ausbildungsmarkt sei ein dreistufiges Modell notwendig: Wenn keine Vermittlung in einen Betrieb gelinge, ist demnach die Vermittlung in eine überbetriebliche Verbundausbildung sinnvoll. Die dritte Stufe sei dann die Ausbildung bei einem außerbetrieblichen Träger.

Der DGB-Landesvorsitzende Martin Kunzmann sagte, die Ausbildung bei einem außerbetrieblichen Träger müsse inhaltlich und formal gleichwertig gegenüber einer betrieblichen Ausbildung sein. «Teilqualifizierungen lehnen wir ab. Bei der Qualität dürfen keine Abstriche gemacht werden.»

Viele junge Menschen konzentrierten sich jetzt auf ihren Schulabschluss und warteten, bevor sie sich für eine Ausbildung entscheiden, sagte Christian Rauch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion. Dadurch verschlechtere sich die Stellen-Bewerber-Relation in den kommenden Jahren dramatisch. Durch künftige Schulabgänger werde die Konkurrenz stärker, und die Zahl der unversorgten Bewerber nehme zu.

Behörde: Abitur-Abschlussfeiern sollen unbedingt stattfinden

Nach vielen Jahren Schule gilt er als einer der wichtigsten Momente im Leben von Abiturienten: Der Tag der Zeugnisübergabe. Damit das trotz Corona-Pandemie möglichst festlich vonstatten geht, soll es auf jeden Fall Abschlussfeiern geben. Teilnehmerzahl: fast unbegrenzt.

Nach der coronabedingt teils trostlosen Übergabe der Abiturzeugnisse im vergangenen Jahr soll es diesmal wieder festlich zugehen. «Wir erwarten von den Schulen, dass sie - im Rahmen der derzeit geltenden Regeln - Abschlussfeiern durchführen», sagte ein Sprecher der Hamburger Schulbehörde der Deutschen Presse-Agentur. In diesem Jahr haben sich seit dem 23. April rund 9900 junge Frauen und Männer unter erschwerten Corona-Bedingungen durch die schriftlichen und mündlichen Prüfungen gekämpft - ihre Zeugnisse sollen sie bis zum 18. Juni erhalten. Wie sich die Abiturienten letztlich geschlagen haben, will die Behörde nach Auswertung der Noten voraussichtlich am 25. Juni veröffentlichen.

Wegen der Corona-Pandemie fallen Abibälle erneut aus, so sollen die Abiturienten wenigstens bei offiziellen Feiern gewürdigt werden. In einem der dpa vorliegenden Brief der Behörde an die Schulleitungen heißt es: «Schulische Abschluss- und Einschulungsfeiern sind für das Schulleben außerordentlich wichtig und sollen auch in diesem Schuljahr in jedem Fall stattfinden. Wir bitten Sie, die entsprechenden Feiern zusammen mit den Kollegien zu ermöglichen.»

Die Veranstaltungen können sowohl drinnen als auch draußen stattfinden. Teilnahmeberechtigt seien Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, schulisches Personal sowie Eltern und Angehörige. «Es gibt keine Obergrenze für die Zahl der Teilnehmenden.» Allerdings sei die Gästezahl so zu bemessen, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern sichergestellt sei. Der gelte nicht für Familienangehörige und ihre Kinder sowie für die Schüler und Schülerinnen selbst etwa bei der Aufstellung für das Klassenfoto.

Für alle Teilnehmenden gilt grundsätzlich eine Maskenpflicht. Vor Beginn der Abschlussfeier müssen dem Schreiben zufolge mit Ausnahme der Schüler und des schulischen Personals zudem alle Teilnehmer schriftlich erklären, dass sie über einen höchstens zwölf Stunden alten, negativen Corona-Schnelltest oder über einen höchstens 48 Stunden alten, negativen PCR-Test verfügen. Zur Kontaktnachverfolgung können die Schulen auf die Luca-App zurückgreifen.

07.06.2021 

«Überbrücke die Lücke»: Lehramtsstudierende sollen Schülern helfen

Monatelang fiel der Unterricht aus oder wurde nicht komplett angeboten. Kinder und Jugendliche verpassten wegen der Corona-Zwangspause massenweise von dem Stoff, der ihnen sonst beigebracht worden wäre. Das soll aufgeholt werden, so gut es geht.

Die grün-schwarze Regierung befasst sich an diesem Dienstag mit einem ersten Unterstützungsprogramm für Schülerinnen und Schüler, die während der Corona-Krise in Lernrückstand geraten sind. Mit dem Programm unter dem Namen «Bridge the gap» («Überbrücke die Lücke») sollen schon bald etwa 500 Aushilfslehrer bis zu den Sommerferien an die Schulen kommen. Wer auf Lehramt studiert und im 4. Fachsemester ist, konnte sich auf die Stellen bewerben. Die Resonanz war groß, es gibt schon eine Warteliste. Kultusministerin Theresa Schopper und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (beide Grüne) wollen das Programm am Dienstag den Medien vorstellen.

Rückkehr ins Klassenzimmer: Inzidenz und Impfung machen es möglich

Nach fast einem halben Jahr Home Schooling steht für Hunderttausende Schülerinnen und Schüler im Südwesten an diesem Montag die Rückkehr ins Klassenzimmer an. Grund sind die sinkenden Corona-Inzidenzzahlen und die Impfung fast aller Lehrkräfte.

Liegt die Inzidenz in den Stadt- und Landkreisen stabil unter 50 Infektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen, dürfen neben den Grundschulen auch die weiterführenden Schulen ihre Pforten nach den Pfingstferien wieder für alle Kinder und Jugendlichen öffnen. In Regionen mit einer Inzidenz über 50 gibt es an weiterführenden Schulen Wechselunterricht.

Ab dem 21. Juni sollen aber auch diese Schulen wieder in den Regelbetrieb gehen, auch wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in ihrem Kreis noch zwischen 50 und 100 liegt. Außerdem ist wieder Sportunterricht unter Auflagen möglich.

06.06.2021

Verbände skeptisch vor Start des Präsenzunterrichts in allen Schulen

Monatelang mussten auch die Brandenburger Schüler wegen der Corona-Pandemie häufig zuhause lernen. Nun geht es wieder zurück in den Präsenzunterricht in den Schulen - doch die Gewerkschaft, der Pädagogenverband und der Landesschülerrat sehen hohe Risiken.

Vor dem Start des Präsenzunterrichts in allen Brandenburger Schulen haben sich die Bildungsgewerkschaft GEW und weitere Verbände skeptisch gezeigt. Unabdingbare Voraussetzung dafür wäre zumindest eine Corona-Erstimpfung für alle im Präsenzunterricht eingesetzten Lehrkräfte, sagte der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs der Deutschen Presse-Agentur. «Und viele Lehrkräfte haben noch immer keine Impfung erhalten.»

Der Brandenburgische Pädagogenverband und die Landesschülervertretung befürchten, dass Corona-Infektionen den Schülern und ihren Familien den Start in die Sommerferien verhageln könnten.

Am Montag starten in Brandenburg nach den Grundschulen auch die weiterführenden Schulen wieder im Präsenzunterricht. Zweieinhalb Wochen später beginnen in Brandenburg am 24. Juni die Sommerferien.

Das Bildungsministerium hatte erklärt, dass bereits alle Lehrkräfte und das gesamte Personal an den Schulen ein Impfangebot erhalten hätten. Es bestehe allerdings ein grundsätzlicher Unterschied zwischen der Ausgabe der Berechtigungsscheine, dem Bemühen um einen Termin und einer tatsächlichen Impfung, kritisierte Fuchs. «Die Lehrkräfte fühlen sich von den Äußerungen verkohlt und im Stich gelassen.» Wichtig sei zugleich, dass schnell zusätzliche Stellen für Lehrkräfte und Schulsozialarbeit zur Verfügung gestellt würden. «Die Rückkehr zum Präsenzunterricht darf nicht bedeuten, dass die Klassen wieder übervoll werden», betonte Fuchs.

Auch der Brandenburgische Pädagogenverband (BPV) sieht große Risiken für die Lehrkräfte. «Sie riskieren ihre Gesundheit, wenn sie noch nicht geimpft beziehungsweise durchgeimpft sind», sagte BPV-Präsident Hartmut Stäker. «Ich schätze 80 Prozent der Lehrer haben noch keine oder keine zweite Impfung.» Dabei müssten sich im vollen Präsenzunterricht 30 Schüler und ein Lehrer einen meist kleinen Klassenraum teilen. «Und wenn vor den Ferien die Inzidenzen wieder hochgehen, dann ist auch der Urlaub im Eimer», warnte Stäker.

Stäker räumte aber ein, dass es wichtig für die Schüler sei, sich im Klassenverband wieder direkt zu begegnen und auszutauschen. Zudem würden die Eltern vom Homeschooling entlastet und auch viele Lehrer begrüßen die Rückkehr zum Präsenzunterricht. «Die Meinungen der Lehrer sind in dieser Frage gespalten.»

Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende des Landesschülerrats, Katharina Swinka. Der gemeinsame Unterricht und Tagesausflüge brächten auf jeden Fall einen Ausgleich für die lange Zeit allein zuhause. Doch: «In diesen zwei Wochen, die uns jetzt noch bleiben, wird keine Stoffvermittlung mehr stattfinden können», sagte Swinka. Daher liege der Fokus wohl auf der Verbesserung der Sozialkompetenz. «Aber da man sich nicht umarmen soll und auf dem Schulhof Abstand halten soll, wird das ein bisschen schwierig mit der Sozialkompetenz», meinte sie.

Hinzu komme die Angst vor einer Corona-Infektion. «Und das betrifft einen ja nicht nur selbst, sondern auch die Familie, Eltern, Großeltern und so weiter», sagte Swinka. «Meine persönlich Angst ist, dass ich mich in den zwei Wochen vor den Ferien irgendwo infiziere und dann in den Sommerferien erstmal zuhause sitze.»

Dagegen erklärte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) auf Anfrage, sie freue sich, dass ab Montag alle Schüler und Lehrer wieder zurückkehren könnten. «Die verbleibenden Wochen vor den Sommerferien sollen insbesondere für den sozialen Zusammenhalt der gesamten Klassengemeinschaft genutzt werden», betonte sie. «Das ist ganz wichtig, denn viele haben unter den Beschränkungen enorm gelitten.» Daher seien eintägige Ausflüge und Exkursionen wieder erlaubt und außerschulische Lernorte könnten verstärkt besucht werden.

Kultusministerin Schopper drückt bei Kinder-Impfung auf die Bremse

Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper trägt den Bedenken der Experten bei Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche Rechnung und bläst die angedachte Impfkampagne an Schulen zunächst ab. «Es ist in der Verantwortung der Eltern, mit den Jugendlichen zu überlegen, ob diese zum Impfen gehen sollen», sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Ich würde das niemandem vorschreiben wollen.»

Die Grünen-Politikerin geht davon aus, dass viele Eltern registriert haben, dass die Ständige Impfkommission den ab 12 Jahren zugelassenen Biontech-Impfstoff für Kinder und Jugendliche bisher nicht empfehle. «Ich glaube, dass die Eltern vorsichtig sein werden», sagte sie. Vor drei Wochen hatte die neue Ministerin noch zur Eile gedrängt und vorgeschlagen, sogar an den Schulen zu impfen.

Allerdings hält es Schopper für möglich, dass sich bis zu den Sommerferien Ende Juli noch etwas tut. «Ich glaube aber, dass es da noch eine Entwicklung geben wird, wenn mehr Impfstoff da ist und der Sommerurlaub ansteht», sagte die Kultusministerin. Zudem gebe es dann womöglich noch mehr Daten für das Impfen bei Kindern.

Schopper sieht aber keinen Grund, die Öffnung von Schulen nach den Sommerferien mit den Impfungen der Kinder zu verknüpfen. «In der Erwachsenenwelt hat jeder bis Ende des Sommers ein Impfangebot bekommen.» Die Voraussetzungen für Unterricht seien dann ganz andere als in den vergangenen Monaten, auch weil die Lehrkräfte größtenteils durchgeimpft seien. «Ich bin optimistisch, aber auch weiter vorsichtig. Hoffentlich kriegen wir keine Mutante, die alles auf den Kopf stellt.»

Auch nach den großen Ferien werde Corona noch eine Rolle spielen: «Stand heute gehe ich nicht davon aus, dass wir die Maskenpflicht nach den Sommerferien aufheben werden.»

05.06.2021

Bislang keine coronabedingten Klassenwiederholungen in Hamburg

Schätzungen zufolge hat rund ein Viertel der rund elf Millionen Schüler in Deutschland wegen der Corona-Pandemie Lernrückstände. In Hamburg zeichnen sich dennoch kaum freiwillige Klassenwiederholungen ab.

Das freiwillige Wiederholen des Schuljahres wegen der Corona-Pandemie ist in Hamburg derzeit kein Thema. «Bislang haben wir keine Meldungen aus den Schulen erhalten», sagte ein Sprecher der Schulbehörde der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings müssten noch die Zeugniskonferenzen Mitte Juni abgewartet werden. «Wie rechnen aber nicht mit einer größeren Anzahl von Anträgen.»

Bundesweit wird davon ausgegangen, dass rund ein Viertel der rund elf Millionen Schüler in Deutschland Lernrückstände aufzuholen hat, weil sie per Fernunterricht kaum oder nur schlecht erreicht wurden. Das Bundeskabinett hat deshalb bereits ein zwei Milliarden Euro schweres Corona-«Aufholprogramm» für Nachhilfe- und Förderprogramme sowie soziale Projekte beschlossen.

In Hamburg wurde das Sitzenbleiben bereits vor zehn Jahren abgeschafft und durch eine verpflichtende fächerbezogene Lernförderung ersetzt. Insofern sei die Klassenwiederholung bei Hamburgs Familien eher kein Thema, sagte der Sprecher. Gleichzeitig habe die Stadt bereits einen Maßnahmenkatalog zur Aufarbeitung von Lernrückständen aufgelegt, der in Teilen bereits in den Sommerferien starte.

04.06.2021

Neue Corona-Regel: Präsenzunterricht unter Inzidenz 100 ab 21. Juni

Stuttgart (dpa/lsw)Die coronabedingte Durststrecke für Hunderttausende Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg nähert sich angesichts sinkender Infektionszahlen dem Ende. Liegt die Inzidenz in den Stadt- und Landkreisen stabil unter 50 Infektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen, dürfen nach den Grundschulen auch die weiterführenden Schulen ihre Pforten nach den Pfingstferien wieder für alle Kinder und Jugendlichen öffnen. In der neuen, am Freitagnachmittag notverkündeten Verordnung des Kultusministeriums wird zudem festgelegt, dass weiterführende Schulen ab dem 21. Juni auch dann wieder in den Regelbetrieb gehen können, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in ihrem Kreis unter 100 liegt. Außerdem ist von Montag in Kreisen, die stabil unter einer Inzidenz von 35 liegen, wieder Sportunterricht jeglicher Art zulässig.

Lehrer beklagen zu viel Aufwand bei Corona-Testbescheinigungen

Schülerinnen und Schülern künftig eine Bescheinigung für einen Corona-Test in der Schule auszustellen, ist aus Sicht der Bildungsgewerkschaft GEW nicht machbar. «Es ist eine Frechheit, dass den Schulen schon wieder eine zusätzliche Aufgabe aufgezwungen wird», sagte die Landesvorsitzende Monika Stein den «Stuttgarter Nachrichten» (Samstag). «Die Ressourcen dafür sind zurzeit nicht vorhanden.» Die Formulare auszufüllen binde Zeit und Arbeitskraft, die eigentlich in den Unterricht gesteckt werden sollten. Außerdem hätten die Schulen bisher keine Informationen zu der neuen Regelung bekommen, die ab Montag gilt.

Eine Bescheinigung der Schule über einen negativen Test soll dann ausreichen, damit sich Schülerinnen und Schüler etwa bei Freizeitaktivitäten nicht erneut testen lassen müssen. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte der Zeitung, man werde den Schulen eine sehr einfache Vorlage zur Verfügung stellen. Diese müssten auch nicht generell, sondern nur auf Verlangen ausgestellt und zudem von den Kindern und Jugendlichen vorausgefüllt werden.

Regierung: Interne Abi-Feiern und Zeugnis-Zeremonien möglich

Interne Abi-Feiern sowie Abschlussfeiern von Vorschulkindern und feierliche Zeugnisvergaben werden bis Mitte Juli landesweit möglich sein. In der neuen Coronaschutzverordnung wird für «selbst organisierte Feste von Schulabgangsklassen oder -jahrgängen» außerhalb von Schulen allerdings ein Negativtestnachweis als Voraussetzung genannt.

Die zuständige Behörde muss über die Veranstaltung mindestens zwei Werktage vorher informiert werden. Zu Abschlussfesten von Vorschulkindern dürfen jeweils zwei Erwachsene, Geschwister und Lehrer kommen - ebenfalls nur bei negativem Testergebnis.

Wie die Landesregierung bei Twitter mitteilte, sind auch feierliche Zeugnisvergaben zum Beispiel bei Abi-Klassen erlaubt. Mit festem Sitzplan und Corona-Test. Kommen dürfen dann neben den Schülern auch Eltern und Lehrer.

«Stark trotz Corona» - Aufholprogramm für junge Berliner

Ein «Aufholprogramm» soll Berliner Kindern und Jugendlichen helfen, Lernrückstände in der Schule wettzumachen und mit den Belastungen durch die Corona-Pandemie besser klarzukommen. Das teilte die Senatsverwaltung für Bildung am Freitag mit. Für das mit «Stark trotz Corona» überschriebene Programm stehen den Angaben zufolge 64 Millionen Euro aus Bundesmitteln zur Verfügung. Der Großteil davon (44 Millionen) soll eingesetzt werden, um Schülerinnen und Schüler darin zu unterstützen, Lernrückstände aufzuholen.

Um bewerten zu können, welche Defizite es gibt, seien in Berlin zu Beginn des Schuljahrs sogenannte Lernstandserhebungen geplant, so ein Sprecher der Bildungsverwaltung. Jede Schule soll für das Programm «Lernrückstände aufholen» ein eigenes Schulbudget erhalten. Den Angaben zufolge sind Förderangebote wie Lerncoaching oder auch Wochenendschulen möglich.

Schon während der Sommerferien soll es vor allem für Schulanfänger sowie Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8 Lernangebote zum Abbau von Lernrückständen geben. Geplant sind nach Angaben der Bildungsverwaltung außerdem Intensivschwimmkurse sowie Ferienlernangebote zur Berufsorientierung ab Klasse 9.

«Die Berliner Kinder und Jugendlichen haben ein hartes Jahr hinter sich», so Bildungssenatorin Sandra Scheeres am Freitag. «Die Corona-Pandemie hat ihr Leben komplett durcheinandergewirbelt. Zum Glück aber neigt sich diese schwere und anstrengende Zeit ihrem Ende entgegen.» Es gebe in allen Bereichen viel aufzuholen. Dafür sei das Aktionsprogramm ins Leben gerufen worden.

Die Ferien beginnen in Berlin am 24. Juni. Das neue Schuljahr soll dann für alle Jahrgangsstufen und alle Schularten mit komplettem Präsenzunterricht starten. Die Testpflicht für Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte bleibt nach Angaben der Bildungsverwaltung bestehen.

Für Schülerinnen und Schüler sind in der ersten Schulwoche sogar drei statt wie üblich zwei Schnelltests Pflicht. Lehrkräfte müssten sich schon während der Präsenztage vor Schuljahresbeginn testen lassen, sagte der Sprecher. In allen Schulräumen bestehe weiterhin die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.

Wieder mehr Präsenzunterricht in Bayern ab Montag

München (dpa/lby)Bayerns Schüler sollen in Kommunen mit einer niedrigen Corona-Inzidenz unter 50 ab kommendem Montag wieder vollzählig in ihre Schulen zurückkehren. Ab 21. Juni gilt das dann auch für Gebiete mit einer Inzidenz unter 100, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag nach der Kabinettssitzung ankündigten. «Wir haben für die Schulen ein hervorragendes Sicherheitskonzept», sagte Piazolo. Masken- und Testpflicht gelten weiter, nur im Sportunterricht müssen die Schüler keine Masken mehr tragen.

KMK-Präsidentin: Schulöffnung nicht von Impfungen abhängig machen

Berlin (dpa)Nach den Sommerferien soll es an den Schulen in Deutschland mit vollem Präsenzbetrieb weitergehen, unabhängig davon, ob Schüler geimpft sind oder nicht. Das sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, am Freitag in der Sendung «Frühstart» von RTL/ntv. Geimpfte Kinder machten die Schule «natürlich auch sicherer». Die Eltern müssten mit den Ärzten ihres Vertrauens darüber beraten, wann und ab welchem Alter sie ihre Kinder impfen lassen wollten. Je jünger die Kinder, desto zurückhaltender seien die Empfehlungen der Kinder- und Jugendärzte. «Für uns ist wichtig, dass unabhängig davon, ob die Kinder geimpft sind, die Schulen trotzdem in voller Präsenz öffnen können.» Sie hoffe, dass der Unterricht nach den Sommerferien «so normal wie möglich» mit «voller Klassenstärke» weitergehen werde.

Ab Montag voraussichtlich alle Grundschüler im Präsenzunterricht

Am kommenden Montag können erstmals seit dem Beginn des Corona-Lockdowns vergangenen Herbst voraussichtlich alle hessischen Schüler der Klassenstufen 1 bis 6 wieder jeden Tag der Woche in die Schule gehen. «Das ist ein toller Tag für unsere Schulen und eine große Erleichterung für die Familien», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in Wiesbaden. Nach Monaten des Distanz- oder Wechselunterrichts kehre damit wieder mehr Normalität ein in den Alltag von rund 360 000 Schülern und ihren Eltern.

Der «neue» Schulalltag werde von regelmäßigen Selbsttests vor Unterrichtsbeginn begleitet. Allein in der vergangenen Woche seien an den Schulen mehr als eine Million dieser Tests gemacht worden, erklärte Lorz. Davon seien nach einer Überprüfung etwa 0,02 Prozent positiv gewesen. «Dies ist ein starkes Indiz dafür, dass unsere Schulen weiterhin keine Infektionsherde sind», sagte Lorz.

Nach dem Zwei-Stufenplan der Landesregierung gilt für alle Regionen, für welche die Bundes-Notbremse entfällt, in einer ersten Stufe, dass neben den Abschlussklassen auch die Klassen 1 bis 6 in Präsenz unterrichtet werden. Für die Klassen 7 bis 11 gilt Wechselunterricht. Ab Stufe 2 können alle Kinder wieder jeden Tag zur Schule gehen - die Testpflicht zweimal in der Woche bleibt erhalten.

Lorz betonte nochmals, dass die derzeit diskutierte mögliche Impfung der Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren keine Bedingung für die Teilnahme am Präsenzunterricht nach den Sommerferien sein werde. «Ein extra Impfprogramm des Landes für alle rund 500 000 in Frage kommenden Schülerinnen und Schüler wird es bedauerlicherweise nicht geben», erklärte ein Ministeriumssprecher. Als Grund nannte er, dass der Bund anders als angekündigt keine zusätzlichen Impfdosen zur Verfügung stellen werde.

03.06.2021

Holter: Kein Marathon von Klassenarbeiten und Leistungskontrollen

Nach Ansicht von Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) kann der Lernstand von Schülerinnen und Schülern nicht allein an den Noten gemessen werden. «Wir wollen keinen Marathon von Klassenarbeiten und Leistungskontrollen, um auf Teufel komm‘ raus noch bis zum Schuljahresende möglichst viele Noten zu vergeben», erklärte Holter am Donnerstag. Sein Ministerium wolle die Schulen zum Umgang mit Lernstanderhebungen, Klassenarbeiten und der Notengebung informieren.

Holter rief dazu auf, dass «Zeit und Aufmerksamkeit für das gemeinsame Lernen» im Mittelpunkt stehen sollten. «Wer in dieser Lage nur auf Noten schaut und allein daran den Aufholbedarf festmacht, verkennt die Lage und nimmt die vielen anderen Möglichkeiten, die den Schulen zur Verfügung stehen, nicht ausreichend wahr», erklärte Holter.

Die Thüringer Landeselternvertretung begrüßte Holters Einschätzung zur Lernstandserhebung. Auch die Thüringer Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnte eine «behutsame Rückkehr in einen Schulalltag in Präsenz» an. Es nütze niemandem, «wenn es zu einem stupiden Nachholen der nicht durchgeführten Leistungsnachweise kommt. Pädagogik statt Notenhuberei lautet das Motto!», erklärte die GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum.

Mehrere Fraktionen und Landespolitiker hatten in der Vergangenheit gefordert, die Lernstände der Thüringer Schüler zu erfassen, um Lücken und Nachholbedarf zu erkennen. Nach eigenen Angaben plant das Bildungsministerium «umfangreiche Programme», um Lernrückstände zu bewältigen.

Ernst setzt auch im kommenden Schuljahr auf Testpflicht für Schüler

Nach dem Start des Präsenzunterrichts an allen Brandenburger Schulen am kommenden Montag will Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) auch im kommenden Schuljahr 2020/21 weitgehende Normalität in den Einrichtungen erreichen. Dafür werde die regelmäßige Corona-Testpflicht für Schüler und nicht geimpfte Lehrer auch nach den Sommerferien beibehalten, teilte das Bildungsministerium am Donnerstag mit. Das Ministerium verwies darauf, dass alle Lehrkräfte sowie das gesamte Personal an den Schulen bereits ein Impfangebot erhalten hätten.

An allen Schulen sollen zu Beginn des neuen Schuljahres Lernstandserhebungen durchgeführt werden, um die Wissensdefizite der Schüler infolge der monatelangen Corona-Beschränkungen zu erfassen. Bereits in den am 24. Juni beginnenden Sommerferien soll es wie im vergangenen Jahr Ferienbetreuung mit Lernangeboten für Kinder und Jugendliche geben.

NRW plant keine bessere Benotung der Abi-Klausuren in Mathe

Mathe-Abiturienten in Nordrhein-Westfalen können nicht auf eine bessere Benotung hoffen. «NRW plant keine Notenanhebung», berichtet die «Rheinische Post» (Donnerstag) unter Berufung auf das Schulministerium in Düsseldorf. Grundsätzlich sei festzuhalten, dass die Prüfungsaufgaben im Fach Mathematik angemessen seien, weil sie lehrplankonform seien und den bundesweiten Standards entsprächen. Die Klausuren seien auch deshalb angemessen, weil es erweiterte Auswahlmöglichkeiten für die Lehrkräfte gegeben habe.

Damit sei den Besonderheiten des Corona-Jahres ausreichend Rechnung getragen, so das Ministerium weiter. In Mecklenburg-Vorpommern hatte das Bildungsministerium anders entschieden und die Noten für die entsprechenden Klausuren pauschal um zwei Punkte hochgesetzt.

02.06.2021

Knapp 69 Millionen Euro für Bewältigung der Corona-Folgen an Schulen

Zur Bewältigung der schulischen und psychosozialen Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche stehen in Brandenburg für die kommenden zwei Schuljahre knapp 69 Millionen Euro bereit. Mit knapp 39 Millionen Euro aus dem Bundes-Aktionsprogramm «Aufholen nach Corona» sollen außerschulische Angebote am Nachmittag gefördert werden, mit denen Lernrückstände aufgeholt und soziale Kompetenzen trainiert werden sollen, wie das Bildungsministerium am Mittwoch mitteilte. Das Land Brandenburg stelle aus dem Corona-Rettungsschirm weitere 30 Millionen Euro für zusätzliche Lehrkräfte und anderes pädagogisches Personal zur Verfügung.

«Wir wollen die Schülerinnen und Schüler tatkräftig unterstützen, ihre teilweise schwierige Situation zu bewältigen», sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). «Es ist nicht ihre Schuld, dass es zu Lernrückständen und psychosozialen Problemen gekommen ist.» Mit den Mitteln des Bundes sollen auch im kommenden Jahr Ferien- und Wochenendfreizeiten sowie weitere Angebote zur Bewältigung der Pandemiefolgen ermöglicht werden.

Kassenärzte: Bei Impfungen von Kindern kein Ansturm erwartet

Vor der ab kommendem Montag möglichen Corona-Schutzimpfung auch für Kinder ab 12 Jahren rechnen die Kassenärzte zunächst nicht mit einem gewaltigen Ansturm. Man gehe in dieser Gruppe von einer nicht allzu hohen Impfbeteiligung aus, hieß es bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) am Mittwoch. Wenn sich - schon recht hoch geschätzt - rund 50 Prozent der 12- bis 15-Jährigen im Bereich Nordrhein immunisieren lassen wollten, könnten diese etwa bis zum Ende der Sommerferien Mitte August geimpft sein. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich 80 Prozent der Kinderarztpraxen beteiligten, im Schnitt wöchentlich 45 Impfungen durchführten - und genug Impfstoff komme.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hatte den Impfstoff von Biontech vor wenigen Tagen auch für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Zuvor war das Vakzin erst ab 16 Jahren freigegeben gewesen. Die Ständige Impfkommission hat aber bisher keine Empfehlung für Kinderimpfungen ausgesprochen und prüft weiter. KVNO-Vorstandschef Klaus Bergmann sagte, gefährdete Heranwachsende - etwa mit schweren Allergien, Lungenproblemen oder anderen Erkrankungen - sollten zuerst geimpft werden. Das geschehe in vielen Kinderarztpraxen schon seit Wochen und könne nun ausgeweitet werden.

Grundsätzlich laufe der Impfmotor wegen fehlenden Impfstoffs «stotternd», bemängelte Bergmann. In den vergangenen Wochen sei deutlich weniger geliefert worden als angekündigt. Zugleich wachse die Erwartungshaltung in der Bevölkerung mit Blick auf die Aufhebung der Priorisierung ab nächstem Montag gewaltig. Man habe schon vielen Patienten absagen müssen, es sei mit weiterem Unmut und Unverständnis zu rechnen.

Hochschulen wechseln erst zum Wintersemester in den Präsenzbetrieb

Trotz inzwischen niedriger Corona-Zahlen bleiben Hamburgs Studierende noch während des gesamten Sommersemesters im Distanzunterricht. Erst zum Wintersemester im Oktober sollen die Studentinnen und Studenten nach dann drei Online-Semestern wieder an ihre Hochschulen zurückkehren, wie Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) am Mittwoch mitteilte. Die konkrete Ausgestaltung werde derzeit von Hochschulen und Behörde erarbeitet. Im Zentrum der Planungen stünden Kontakt- und Hygieneregelungen, Corona-Tests sowie die Entwicklung von Impfquote und Infektionsgeschehen.

«Es ist es unser klares Ziel, das Wintersemester an den Hamburger Hochschulen wieder in Präsenz stattfinden zu lassen», erklärte Fegebank. Damit erhielten Studierende im wahrsten Sinne wieder mehr Raum für Begegnung und gemeinsames Lernen. Derzeit erlaubt die Corona-Eindämmungsverordnung nur Präsenzformate etwa bei Prüfungen sowie Forschungs- und Lehrtätigkeiten in Laboren und Werkstätten. Seit Mitte Mai sind zudem die wissenschaftlichen Bibliotheken wieder für den Präsenzbetrieb geöffnet.

«Gleichzeitig wollen wir den Digitalisierungsschub an den Hochschulen weiter vorantreiben und auch künftig digitale Veranstaltungsformate anbieten», sagte Fegebank. So könnte die reine Wissensvermittlung in großen Vorlesungen wie in den Sozial- oder Rechtswissenschaften weiterhin ein digitaler beziehungsweise hybrider Baustein bleiben - «und so zum Lernen im eigenen Tempo beitragen», schrieb die Senatorin in einem Gastbeitrag für den Blog des Bildungsjournalisten Jan-Martin Wiarda.

Der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz und Präsident der Technischen Universität (TU) Hamburg, Prof. Andreas Timm-Giel, sagte: «Hochschulen leben von dem persönlichen Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden.» Eine Rückkehr auf den Campus sei ihm daher eine Herzensangelegenheit. «Dafür entwickeln wir gemeinsam mit allen Hamburger Hochschulen mehrere Szenarien abhängig von der Pandemielage.» Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts gab es im Wintersemester 2020/21 in Hamburg rund 116 000 Studierende.

01.06.2021 

Längere Schultage nach Corona? Ministerium und Lehrer skeptisch

Eine Verlängerung der Schultage nach der Pandemie, wie in Großbritannien geplant, sehen Lehrervertreter und Bundesbildungsministerium in Deutschland eher nicht. «Jetzt ist vor allem wichtig, dass wir zum Normalbetrieb zurückkehren. Das allein ist schon eine Kraftanstrengung, auch weil der Infektionsschutz weiter beachtet werden muss», sagte Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Sie verwies auf das Aufholprogramm mit Nachhilfeangeboten, das Bund und Länder gerade auf den Weg bringen. «Dieses Aufholprogramm wird für viele Schülerinnen und Schüler zusätzliche Lernzeit bedeuten. Ob darüber hinaus eine Verlängerung der Unterrichtszeit um eine halbe Stunde sinnvoll und in Deutschland vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels kurzfristig umsetzbar wäre, müsste genau abgewogen werden.»

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, äußerte sich ebenfalls skeptisch. Die Situation sei mit der in Großbritannien nicht ganz vergleichbar, sagte er der dpa. Dort gebe es die Ganztagsschule, an die einfach eine halbe Stunde herangehängt werde. In Deutschland gebe es überwiegend Halbtagsschulen. «Wir brauchen für zusätzliche Angebote auch zusätzliche Lehrkräfte, die wir aufgrund des massiven Lehrermangels derzeit nicht haben.»

In Großbritannien ist eine Verlängerung der Schultage um rund eine halbe Stunde Teil eines Maßnahmenplans aus Regierungskreisen, aus dem die «Times» am Dienstag zitierte. Ziel soll es sein, die durch die Pandemie entstandenen Rückstände aufzuholen und Wissenslücken zu schließen.

Regelstudienzeit soll um weiteres Semester verlängert werden

Die Regelstudienzeit soll für Studierende in Niedersachsen wegen der erschwerten Studienbedingungen in der Corona-Pandemie um ein weiteres Semester verlängert werden. Das kündigte Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) am Dienstag in Hannover an. Demnach soll auch das Sommersemester 2021 nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet werden. Durch die Verlängerung ist es unter anderem möglich, dass Bafög-Zahlungen entsprechend länger fließen und Langzeitstudiengebühren später fällig werden.

Thümler sagte, das Ministerium für Wissenschaft und Kultur habe eine entsprechende Verordnung für die Verlängerung um ein drittes Semester auf den Weg gebracht. «Wir gehen davon aus, dass das dann auch in Kürze veröffentlicht werden kann», sagte er. Bereits im März hatte der niedersächsische Landtag eine Verlängerung der Regelstudienzeit für das Wintersemester 20/21 beschlossen. Gleichzeitig wurde der Landesregierung die Möglichkeit eingeräumt, die Regelstudienzeit bei Bedarf per Verordnung erneut zu verlängern.

Müller: Regelunterricht in Schulen von 9. Juni bis zu Ferien

Nach einer Niederlage des Landes Berlin vor dem Verwaltungsgericht sollen die Schulen ab dem 9. Juni in den Regelunterricht zurückkehren. Das kündigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag an. Das gelte dann für die beiden letzten Wochen des Schuljahres vor den Sommerferien. Der derzeitige Unterricht für wenige Stunden pro Tag in kleinen Gruppen werde wieder erweitert, sagte Müller. Geplant sei «pandemiebedingter Regelbetrieb (...) in vollen Lerngruppenstärken». Der Senat akzeptiere die Gerichtsentscheidungen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte am Montag bereits einen «Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen» angekündigt. Wichtig sei dabei, dass die Schulen genug Vorbereitungszeit erhielten, um sich darauf einzustellen.

Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Berlin nach Eilanträgen entschieden, dass Berlin für eine Schülerin und einen Schüler einer Grundschule Präsenzunterricht sichern muss. Die beiden werden aktuell im Wechsel bei halbierter Klassenstärke unterrichtet. Die Kinder können Vollbeschulung bei weiter geltenden Corona-Schutzmaßnahmen beanspruchen, wie aus einer Mitteilung des Gerichts hervorging.

31.05.2021 

SWR: Präsenzunterricht schon ab 14. Juni

Angesichts günstiger Corona-Fallzahlen kehrt Rheinland-Pfalz laut dem SWR bereits am 14. Juni zum Präsenzunterricht an Schulen zurück. Ursprünglich waren nach den Pfingstferien vom 7. Juni an zwei Wochen Wechselunterricht und erst vom 21. Juni an voller Unterricht geplant. Nun sollen die Mädchen und Jungen schon nach nur einer Woche Wechselunterricht wieder jeden Werktag in die Schule gehen können.

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte dem SWR, sie sehe den deutlichen Rückgang der Corona-Fallzahlen mit großer Freude: «Ich glaube, das konnte sich vor zwei Wochen noch niemand in diesem Maße vorstellen.» Die Schülerinnen und Schüler könnten somit noch fünf volle Wochen in ihren Schulen bis zu den Sommerferien verbringen. Die verbleibende einzige Woche Wechselunterricht nach den Pfingstferien begründete Hubig laut SWR damit, dass Schulen, Lehrer und Familien damit die nötige Übergangszeit für die Vorbereitung auf vollen Präsenzunterricht hätten.

Die Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz hatten zum Wochenbeginn 127 neue Corona-Infektionen registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg im Vergleich zum Sonntag leicht auf 32,3, wie das Landesuntersuchungsamt in Koblenz am Montag mitteilte. Eine Woche zuvor hatte der Wert jedoch noch bei 53,4 gelegen.

Grundschüler haben wieder komplett Unterricht im Klassenzimmer

Viele Eltern sind erleichtert, aber nicht alle Sorgen sind schon weg: Seit Montag dürfen die Grundschulkinder fast überall in Brandenburg wieder für den kompletten Unterricht in die Schule - trotz der Corona-Pandemie.

In fast ganz Brandenburg gibt es an den Grundschulen seit Montag wieder Unterricht in den Klassenräumen. Die Zeit des Wechselunterrichts mit verkleinerten Lerngruppen und regelmäßigen Lernphasen zu Hause ist vorerst vorbei. Eine Ausnahme macht die Stadt Brandenburg/Havel, wo die Corona-Inzidenz bisher noch nicht stabil unter dem wichtigen Schwellenwert von 50 lag. Am Montag (7. Juni) sollen die weiterführenden Schulen folgen. Manche Sorgen und Probleme bleiben allerdings.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht bei der Rückkehr zum Regelunterricht an den Grundschulen manches skeptisch. «Jeder Tag, an dem Kinder nicht zur Schule gehen, ist nicht unbedingt ein guter Tag. Die Frage ist aber, ob die Bedingungen stimmen», sagte der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs am Montag. «Wir müssen aufpassen, dass wir nicht so tun, als gäbe es keine Probleme», sagte Fuchs. «Wir haben sehr, sehr volle Klassen. Wir müssen sehr wachsam sein, dass wir nicht das, was wir über einen langen Zeitraum unter großem Engagement erreicht haben, wieder gefährden.»

Auch der Pädagogenverband Brandenburg hält die Öffnung der Schulen für ein Risiko: «Die Lehrer sind noch nicht durchgeimpft und riskieren ihre Gesundheit und die Schüler auch», sagte Verbandspräsident Hartmut Stäker. Die Auswirkungen seien noch nicht absehbar, er bleibe aber skeptisch. Es sei zu befürchten, dass die Infektionszahlen erneut nach oben gehen. «Ich hätte mir gewünscht, dass es bliebe, wie es war mit dem Wechselunterricht - so wie in Berlin auch.»

Für die weiterführenden Schulen sei es genau das gleiche: «Wir haben da auch 30 Schüler im Gymnasium auf engsten Raum», so der Verbandspräsident. Die Lehrer hätten vielleicht eine Impfung, in seltenen Fälle alle beide. «Das ist ein Risiko. Das ist wie mit 100 durch die Kurve.»

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sagte, die Primarstufen seien gut wieder in den Präsenzunterricht gestartet. «Das freut mich sehr. Auch die Grundschülerinnen und Grundschüler, Eltern und Lehrkräfte haben sich gefreut, dass die Kinder nach langer Zeit des Distanz- und Wechselunterrichts wieder in der Klassengemeinschaft Schule erleben können.»

Nach Einschätzung des Landeselternrats muss die Zeit bis zu den Sommerferien nun genutzt werden, um Lerndefizite möglichst schnell aufzuholen. «Der Fokus muss auf Wissensvermittlung liegen», sagte Landeselternrats-Sprecher René Mertens am Montag. Die Entscheidung, den Wechselunterricht zu beenden, sei richtig gewesen. «Gerade die Grundschüler haben es ganz nötig, dass sie wieder ihre sozialen Kontakte und auch den Unterricht bekommen», sagte Mertens. «Da ist uns so viel verloren gegangen.»

Dass die weiterführenden Schulen erst in der kommenden Woche vollständig zum Präsenzunterricht zurückehren, findet Mertens nicht einleuchtend: «Man hätte damit auch schon in dieser Woche starten können.»

Für Kinder und Jugendliche aus dem Berliner Umland, die in Berlin zur Schule gehen, bleibt es dagegen beim Wechselunterricht. Dort soll es vor den Sommerferien, die in beiden Ländern am 24. Juni beginnen, keinen Normalbetrieb mehr geben. Und Pandemiebedingungen gelten auch für die Kinder und Jugendlichen in Brandenburg: Test- und Maskenpflicht bleiben, Klassenfahrten sind weiterhin untersagt.

Landesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 18,7 nach 20,0 am Sonntag, wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte. Den Daten zufolge liegen alle Landkreise und kreisfreien Städte mittlerweile unter einer Sieben-Tage-Inzidenz von 40. Das gilt mit 37,4 auch für Brandenburg an der Havel. Dort lag die Inzidenz am Samstag aber noch bei 51,3, also über der kritischen Marke. Erst wenn die kreisfreie Stadt drei aufeinanderfolgende Tage unter 50 bleibt, wäre der Regelbetrieb an den Grundschulen auch hier wieder möglich.

30.05.2021

Mathe-Abi zu schlecht ausgefallen - Anhebung um zwei Notenpunkte

Weil das Mathematik-Abitur in diesem Jahr viel zu schlecht ausgefallen ist, werden alle Noten in diesem Fach um zwei Notenpunkte angehoben. Dies gelte für die Grund- und die Leistungskurse, wie das Bildungsministerium am Sonntag in Schwerin berichtete. Im Durchschnitt lagen die Notenpunkte in diesem Jahr bei 4,1 im Grundkurs und bei 5,6 im Leistungskurs, im vergangenen Jahr bei 5,7 beziehungsweise 8,4.

Für dieses außergewöhnlich niedrige Niveau hätten mehrere Rahmenbedingungen zusammengewirkt. So habe in diesem Jahr der erste Jahrgang der neuen Oberstufe das Abitur nach neuen Vorgaben abgelegt. Die Aufgaben seien erstmals in Grund- und Leistungskurs-Klausuren aufgeteilt worden. Gleichzeitig sei ein qualitativ neuer Aufgabentypus Grundlage für das Abitur gewesen, der stärker auf Kompetenzen als auf Anwendung von erlerntem Formelwissen beruhe.

Die Schüler sollten durch das Zusammenwirken dieser Umstände keine Nachteile erfahren, hieß es. Mit der Anhebung um zwei Punkte solle der Punktedurchschnitt rechnerisch an die Ergebnisse der vergangenen Jahre angeglichen werden. Das Ministerium gab bekannt, dass eine für 2023 vereinbarte Evaluation auf 2021 vorgezogen werde. Zudem werde ab dem kommenden Schuljahr ein Sonderprogramm für Mathematik-Förderung in der Oberstufe aufgelegt.

Viele Schulen kehren in den Regelbetrieb zurück

Dank gesunkener Corona-Zahlen kehren am Montag die Schulen in mehreren Bundesländern in den Regelbetrieb zurück. In Nordrhein-Westfalen nehmen die Schulen den Präsenzunterricht in voller Klassenstärke wieder auf, und auch Länder wie Niedersachsen, das Saarland oder Hamburg verabschieden sich von Wechsel- und Distanzunterricht.

In Brandenburg gilt das zunächst nur für die Grundschulen. Einzige Ausnahme ist die Stadt Brandenburg/Havel, wo die Zahlen noch zu hoch sind. In einer Woche sollen auch die weiterführenden Schulen folgen. Die Masken- und Testpflicht gilt aber weiterhin. In Mecklenburg-Vorpommern, dem Land mit der bundesweit geringsten Inzidenz, sind die Schülerinnen und Schüler schon am vergangenen Donnerstag zum Präsenzunterricht in die Klassen zurückgekehrt.

29.05.2021

Bildungsminister Holter enttäuscht über fehlende Kinder-Impfdosen

Nach einer Vereinbarung der Gesundheitsminister rechnete Thüringen mit zusätzlichen Impfdosen, um Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zu impfen. Doch nun soll es anders kommen - sehr zum Unmut des Bildungsministers.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hat sich enttäuscht darüber gezeigt, dass den Ländern keine zusätzlichen Impfdosen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zur Verfügung gestellt werden. «Die große Hoffnung vor dem Impfgipfel war ja, dass zusätzlicher Impfstoff bereitgestellt wird. Das ist nicht aufgegangen und das ist eine große Enttäuschung», sagte Holter am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Bei einer Gesundheitsministerkonferenz Anfang Mai hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, dass die Länder Konzepte erarbeiten, um bis Ende August allen Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren ein Impfangebot machen zu können. Der Bund sollte dafür die nötigen Impfdosen zusätzlich bereitstellen. Bei dem Impfgipfel am Donnerstag hieß es dann aber nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums, es werde keine zusätzlichen Impfdosen geben.

Es sei nun eine Herausforderung zu regeln, wie der Impfstoff verteilt werden soll, sagte Holter. «Jetzt muss geschaut werden: Wie kann man das Impf-Angebot für die Kinder und Jugendlichen auch mit der Versorgung der Kinderärzte und der Impfstellen absichern?» Thüringen werde bei der nächsten Beratung der Gesundheitsminister an die Zusage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erinnern, kündigte das Gesundheitsressort in Erfurt an. Die Aussage der Bundesregierung, es werde keinen zusätzlichen Impfstoff geben, habe beim Impfgipfel überrascht.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, das weitere Vorgehen hänge nun von der Empfehlung der Ständigen Impfkommission ab. Anschließend wolle man das Thüringer Impfkonzept anpassen. «Die Kinder- und Jugendärzte können nach einer Zulassung den Impfstoff bei den Apotheken bestellen, so wie es bisher schon bei den niedergelassenen Ärzten läuft.» Die Zuteilung an die Apotheken erfolge durch den Bund.

Holter betonte, die Impfstellen und Kinderarztpraxen sollten die wichtigsten Orte zum Impfen von Kindern ab zwölf Jahren sein. Doch auch Impfteams, die in den Schulen impften, seien durchaus denkbar - die Entscheidung darüber liege aber bei den Schulen.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte am Donnerstag nach dem Impfgipfel angekündigt, man prüfe, ob es Sonderzeiten in den Impfstellen für Familien geben kann. Holter sagte, dass damit auch eine Art Priorisierung erfolge. Er wolle nicht, dass sich Kinder «hinten anstellen» müssen.

28.05.2021

GEW hält zu Scheeres: Rückkehr zum Regelunterricht wäre falsch

In der Diskussion um die Rückkehr zum Regelunterricht an Berliner Schulen bekommt die Bildungsverwaltung ungewohnte Unterstützung von Gewerkschaftsseite. In den vergangenen Tagen ist die Kritik an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) immer lauter geworden, die bis zu den Sommerferien am Wechselunterricht festhalten will. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält das weiterhin für genau richtig. «Corona ist nicht vorbei», sagte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann der Deutschen Presse-Agentur. Schließlich werde auch die Arbeit in Großraumbüros kritisch gesehen. «Insofern macht es überhaupt keinen Sinn, über volle Klassenzimmer nachzudenken, denn die sind nichts anderes als Großraumbüros für Schüler und Lehrkräfte», sagte Erdmann.

Die GEW unterstütze deshalb die Entscheidung der Bildungsverwaltung, am Wechselmodell festzuhalten. «Wohlwissend, dass das für die Kinder und die Familien eine erhebliche Belastung ist.» Das sei überhaupt nicht infrage zu stellen. «Aber das wird durch eine übereilte Schulöffnung nicht beendet», sagte Erdmann.

«Man darf bei der Debatte um das Kindeswohl außerdem nicht vergessen, dass in der Schule auch Erwachsene arbeiten, die viel zu wenig geschützt sind», so der GEW-Vorsitzende. «Gerade in den weiterführenden Schulen gibt es viele Kolleginnen und Kollegen, die noch kein einziges Mal geimpft sind.» Erdmann hat außerdem auf praktische Schwierigkeiten einer schnellen Rückkehr zum regulären Unterricht hingewiesen: «Eine Schule kann man von heute auf morgen nicht auf Präsenzbetrieb umstellen.»

Auch die Stundenpläne müssten dann neu geschrieben werden - und das sei ein Aufwand, der vor Schuljahresbeginn sonst oft Wochen in Anspruch nehme. «Und wenn das passiert, muss außerdem die Testdichte erhöht werden. Dann reichen zweimal die Woche nicht mehr», so der Gewerkschafter.

«Kurz vor den Ferien noch mit Präsenzunterricht zu starten, macht auch pädagogisch keinen Sinn», sagte Erdmann. Die Arbeiten seien geschrieben, bald sei Notenschluss - für die wenigen Wochen sei der Aufwand nicht gerechtfertigt. «Die Frage würde sich anders stellen, wenn wir noch acht Wochen Schule hätten, aber die haben wir nicht.»

Für ihre Haltung war Bilungssenatorin Scheeres in den vergangenen Tagen mehrfach kritisiert worden. Forderungen nach einer möglichst schnellen Rückkehr zum Präsenzunterricht gab es sowohl aus den Reihen der Berliner Grünen, als auch aus der CDU, von Kinder- und Jugendärzten und Elterninitiativen.

27.05.2021

Impfung von Kindern ab 12 Jahren soll ab 7. Juni möglich sein

Bund und Länder wollen millionenfache Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen ermöglichen. Den Eltern wird niemand die Entscheidung abnehmen - auch indirekter Zwang soll aber vermieden werden.

Kinder ab 12 Jahren sollen sich in Deutschland vom 7. Juni an generell gegen Corona impfen lassen können. Das beschlossen Bund und Länder auf einem Impfgipfel am Donnerstag in Berlin. Voraussetzung ist, dass die EU-Arzneimittelbehörde EMA den bisher ab 16 Jahren freigegebenen Impfstoff von Biontech/Pfizer auch für diese Altersgruppe zulässt. Die EMA will darüber an diesem Freitag beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte das Ziel, «dass bis zum Ende des Sommers jeder Bürgerin und jedem Bürger ein Impfangebot gemacht wird». Das solle auch die 12- bis 16-Jährigen einschließen.

In ihrem Beschluss legen Bund und Länder fest, dass sich Kinder und Jugendliche ab 12 nach einer Zulassung «ab dem Ende der
Priorisierung, also in der Regel ab dem 7.6.2021, in vergleichbarer Weise wie bei anderen Impfwilligen, die keiner Priorisierung unterliegen, um einen Impftermin insbesondere bei den niedergelassenen Ärzten bemühen» können. Merkel sagte zu, Kinder mit Vorerkrankungen würden vorrangig geimpft würden - wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) dies in ihrer erwarteten Empfehlung rät. Das gelte dann ähnlich wie für Erwachsene.

ROLLE DER STÄNDIGEN IMPFKOMMISSION

Die Stiko will binnen anderthalb Wochen ihre Bewertung abschließen, wie Stiko-Mitglied Martin Terhardt im RBB sagte. Eine Variante könne eine Impfempfehlung nur für chronisch Kranke sein. Einer generellen Empfehlung für eine Impfung steht ein Mangel an Daten über mögliche Risiken von Infektionen und Impfungen entgegen.

Merkel erläuterte: «Die Impfung von Kindern ist ein sehr sensibler Akt.» Die Stiko werde fragen, wie groß der Nutzen und wie groß der Eingriff sei. Die Stiko werde sich nur davon leiten lassen: «Was bedeutet das für das einzelne Kind?»

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte am Abend der Deutschen Presse-Agentur, viele Länder planten, gezielt auf Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zuzugehen und ihnen ein Impfangebot zu machen. «In jedem Fall sollen Eltern und Kinder zusammen mit dem impfenden Arzt individuell abwägen und entscheiden, ob sie sich lieber durch eine Impfung schützen oder das Risiko einer Infektion eingehen wollen.» Klar sei: «Je mehr wir impfen, desto besser bringen wir als Gesellschaft das Virus unter Kontrolle.»

IMPFANGEBOT

Merkel sagte, auch nach dem 7. Juni werde nicht allen ein Angebot gemacht werden können. «Wir haben dafür keine zusätzlichen Impfstoffe», sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der der Ministerpräsidentenkonferenz vorsitzt. Für die Kinder ab 12 können laut dem Bund-Länder-Beschluss in den Ländern auch Angebote in Impfzentren gemacht oder spezifische Programme aufgelegt werden. Die Gesundheitsminister der Länder hatten bereits beschlossen, dass bis Ende August allen Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot gemacht werden soll.

In einem Bericht an die Länder hatte das Bundesgesundheitsministerium die Rechnung aufgemacht, angesichts von 5,3 Millionen Menschen zwischen 12 und 18 und einer angenommenen Impfbereitschaft von 60 Prozent gebe es Bedarf von jeweils 3,18 Millionen Dosen für die Erst- und die Zweitimpfung.

IMPFEN UND SCHULE

Merkel betonte: «Ein sicherer Schulbetrieb wird auch in Zukunft völlig unabhängig von der Frage sein, ob ein Kind geimpft ist oder ob ein Kind nicht geimpft ist.» Für Kita- und Grundschulkinder gelte dies mangels zugelassenen Impfstoffs ohnehin. «Es soll auch kein indirekter Zwang entstehen.»

Dies gelte auch für den Urlaub. «Sowohl im europäischen Ausland als auch in Deutschland kann man auch, wenn man keine Impfung hat, Urlaub machen, weil die Testungen dann als Voraussetzungen für die Urlaubsangebote natürlich vollkommen ausreichen werden», sagte Merkel.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte: «Keiner muss geimpft werden. (...) Wir wollen Impfangebote machen, aber es gibt keine Impfpflicht.»

IMPFFORTSCHRITT

Bund und Länder betonten, die Impfkampagne habe seit Beginn des zweiten Quartals deutlich an Fahrt gewonnen. Knapp 35 Millionen Deutsche (41,5 Prozent) seien mindestens einmal geimpft, 13 Millionen (15,7 Prozent) vollständig. Die Zahl der Neuinfektionen sinke in allen Bundesländern deutlich. Mehr als 75 Prozent der Über-60-Jährigen seien im Bundesschnitt mindestens einmal geimpft, über 30 Prozent voll geschützt, so das Gesundheitsressort.

Das Ressort von Spahn stellte in seinem Bericht an die Länder fest: «Auch nach der Aufhebung der Impfpriorisierung stellen die Länder sicher, dass etwaige Nachzügler aus den Priorisierungsgruppen möglichst kurzfristig ein Impfangebot erhalten können.»

LIEFERMENGEN

Im kommenden Monat werden in Deutschland voraussichtlich mehr als 31 Millionen Corona-Impfdosen ausgeliefert, wie die Daten des Gesundheitsressorts zeigen. Von den ursprünglich für das gesamte zweite Quartal 80 Millionen zugesagten Impfdosen wurden 31 Millionen bereits geliefert. Astrazeneca und Johnson & Johnson kündigten Lieferungen aber nur kurzfristig an, was die Organisation erschwere. Insgesamt wurden in den Ländern 88 Prozent der gelieferten Impfdosen verimpft - die Spanne reicht von 76 Prozent in Brandenburg bis 98 Prozent in Bremen. Vom Biontech-Präparat wurden 91 Prozent verimpft, von Moderna 76 und von Astrazeneca 87 Prozent. Bei Johnson & Johnson, dem einzigen Serum, bei dem nur eine Spritze reicht, liegt die ausgewiesene Quote bisher nur bei 35 Prozent. Für das dritte Quartal liegen laut Gesundheitsministerium außer von Moderna bisher keine Lieferpläne vor - erwartet werden über 120 Millionen Impfstoff-Dosen.

NEUE PROBLEME

Der US-Hersteller Johnson & Johnson zeigte nach Angaben aus EU-Kreisen Lieferprobleme an. Die für das zweite Quartal erwarteten 55 Millionen Impfstoffdosen würden wohl nicht erreicht, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Brüssel. Hintergrund seien ein Produktionsausfall in den USA sowie US-Ausfuhrbeschränkungen.

REAKTIONEN 

FDP-Chef Christian Lindner sprach von einem Gipfel der verpassten Chancen. «Alle für die Menschen wichtigen Fragen, wie die Beschleunigung der Impfkampagne, Auffrischungsimpfungen im Herbst, der digitale Impfpass und der Präsenzunterricht an Schulen, sind nicht beantwortet», kritisierte er. Ebenso fehlten klare Aussagen zu weiteren Öffnungen.

Maskenpflicht auf Schulhof wird am 1. Juni aufgehoben

Schwerin (dpa/mv)Die Maskenpflicht auf den Schulhöfen Mecklenburg-Vorpommerns wird vom kommenden Dienstag an (1.6.) wieder aufgehoben. Das kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstagabend in Schwerin an. Am 18. Juni ist der letzte Schultag vor den Sommerferien. Im Unterricht muss weiterhin eine Maske getragen werden.

Söder kündigt weitere Lockerung von Corona-Regeln für Schulen an

Markus Söder will die Corona-Regeln für die Schulen in Bayern in Kürze weiter lockern. Dabei soll auch ein entscheidender Grenzwert angehoben werden.

Zwei Wochen nach den Pfingstferien soll es in Bayern fast überall wieder normalen Präsenzunterricht geben. Lediglich in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 - davon gibt es aktuell nur noch ganz wenige - bleibt es auch nach dem 21. Juni bei Wechselunterricht. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Donnerstag an.

Er will die Corona-Regeln für die Schulen damit weiter lockern. Bereits direkt nach den Pfingstferien, vom 7. Juni an, ist wieder überall dort Präsenzunterricht möglich, wo die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 liegt - das hatte das bayerische Kabinett vergangene Woche beschlossen. Zwei Wochen später soll der Grenzwert dann auf 100 steigen. Diese Zeitspanne solle als «Sicherheit» nach den Ferien dienen, erklärte Söder. Er äußerte sich, zugeschaltet aus Nürnberg, nach gemeinsame Bund-Länder-Beratungen zum Thema Impfen.

Man wolle nun wieder Schule ermöglichen, sagte der Regierungschef. «Das Konzept mit dem Testen und den bereits geimpften Lehrern hat sich sehr, sehr gut bewährt, so dass wir auch ein Signal der Perspektive setzen.» Damit seien bis zu den Sommerferien entweder sieben oder mindestens fünf Wochen wieder tatsächlicher Präsenzunterricht möglich.

Söder versicherte in dem Zusammenhang, dass es keine Corona-Impfpflicht für Kinder und Jugendliche geben soll. «Keiner muss geimpft werden», sagte der CSU-Politiker. «Wir wollen Impfangebote machen, aber es gibt keine Impfpflicht.» Schule werde trotzdem möglich sein.

Insgesamt zeigte sich Söder zuversichtlich, was die Corona-Lage und die Impfkampagne angeht - auch wenn man noch nicht über dem «Impf-Berg» sei. Insgesamt werde die Lage jeden Tag besser. Aber es gebe keinen Anlass für Übermut und Euphorie, es gebe noch viel Arbeit.

Günther: Schulbesuch nicht von Impfung abhängig

Ein Schulbesuch wird im Norden auch nach der Zulassung eines Corona-Impfstoffs für unter 16-Jährige ohne Impfung möglich sein. «Ein sicherer Schulbetrieb wird immer gewährleistet, unabhängig davon, ob Kinder geimpft sind oder nicht», sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Donnerstagabend nach Beratungen mit seinen Länderkollegen und der Bundesregierung. Bei dem sogenannten Impfgipfel habe der Bund klargestellt, dass für Kinder ab zwölf Jahren keine zusätzlichen Impfstoffe zur Verfügung gestellt werden könnten.

Sobald die erwartete Zulassung des Impfstoffs von Biontech durch die Europäische Arzneimittel-Agentur erfolgt sei, «können im Zuge der Aufhebung der Priorisierung ab dem 7. Juni Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren geimpft werden», sagte Günther. Eltern könnten dann über die üblichen Wege einen Termin für ihre Kinder vereinbaren. «Da bisher noch keine Stiko-Empfehlung vorliegt, ist zu empfehlen, dies in enger Abstimmung mit den Haus- oder Kinderärzten zu machen», empfahl der Regierungschef.

Die Stiko ist die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts, die nach der Zulassung von Impfstoffen in der EU eine Empfehlung für deren Einsatz in Deutschland abgibt.

Impfangebot auch für Kinder - Bald Regelbetrieb an allen Schulen

In Sachsen-Anhalt sind fast 40 Prozent der Menschen einmal geimpft, mehr als 15 Prozent komplett - nun sollen auch Kinder ein Angebot zur Immunisierung bekommen. Unterdessen geht es an den Schulen weiter Richtung Normalität.

Die Ministerpräsidenten von Sachsen und Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer und Reiner Haseloff (beide CDU) haben betont, dass die Corona-Impfungen auch für Kinder freiwillig bleiben. Weder für den Schulbesuch noch für den Sommerurlaub werde eine Corona-Impfung vorausgesetzt, sagten sie auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag in Leipzig. «Wir haben immer deutlich gemacht: Geimpft, genesen, getestet - das ist gleichgestellt», sagte Kretschmer.

Zuvor hatten sich Bund und Länder geeinigt, dass ab dem 6. Juni auch Kinder mit dem Präparat von Biontech/Pfizer geimpft werden können. Voraussetzung ist, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff vorher für diese Altersgruppe freigibt, wovon Bund und Länder ausgehen.

Die Ärztekammer Sachsen-Anhalt hatte zuvor vor einer vorschnellen Impfung von Kindern und Jugendlichen gewarnt. Man begrüße, «dass in absehbarer Zeit chronisch erkrankte Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren mit einem mRNA-Impfstoff vor Covid geschützt werden können», schrieb der Verband am Donnerstag. Darüber hinaus sollte es aber keine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche geben, wie verschiedene Mitglieder der Ständigen Impfkommission schon deutlich gemacht hätten. Die Ärztekammer warnte politische Entscheidungsträger, die Empfehlungen zu negieren. Kinder spielten im epidemiologischen Geschehen eine untergeordnete Rolle.

Das Bildungsministerium in Magdeburg teilte unterdessen mit, dass angesichts vergleichsweise niedriger Corona-Zahlen voraussichtlich bald alle Kinder und Jugendlichen im Land wieder täglich zur Schule gehen könnten. In allen Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen könne in jeder Schulform ab dem 31. Mai wieder Unterricht im Regelbetrieb stattfinden. Vom 7. Juni an sei das bei Werten unter 100 definitiv der Fall. In der Woche dazwischen entschieden die Schulleitungen über die Unterrichtsform. Die Präsenzpflicht bleibe weiterhin ausgesetzt.

«Die Schulen können endlich in den Regelbetrieb zurückkehren. Wir halten selbstverständlich die Testpflicht und weitere Hygienemaßnahmen aufrecht und können damit einen weitgehend regulären Schulbetrieb ermöglichen», sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Vor allem an den weiterführenden Schulen gilt aktuell das Wechselmodell, an den Grund- und Förderschulen wird zumeist schon wieder im Regelbetrieb unterrichtet.

Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche ist im Land rapide gesunken. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstag einen Wert von 34,8 nach 40,6 am Mittwoch und 50,3 am Dienstag. Binnen 24 Stunden seien 125 neue Corona-Fälle gemeldet worden sowie 10 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Alle 14 Landkreise und kreisfreien Städte in Sachsen-Anhalt lagen am Donnerstag weiter deutlich unter der Marke von 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner und sieben Tagen. Die höchste Sieben-Tage-Inzidenz wurde für den Saalekreis mit 62,6 ausgewiesen, die niedrigste mit 11,4 für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

Bislang sind laut dem Sozialministerium 39,1 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt einmal geimpft, das sind 862 235 Personen. Die Quote bei den Zweitimpfungen liegt bei 15,3 Prozent. Somit sind rund
330 600 Menschen komplett immunisiert.

Umfrage: 90 Prozent der Kinder vermissten Sport in Corona-Zeit

Eine große Mehrheit der Kinder in Deutschland hat nach einer Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks während der Corona-Krise unter fehlender Bewegung gelitten. 90 Prozent der Befragten hätten den Sport vermisst, teilte die Kinderrechtsorganisation am Donnerstag mit. Einem Großteil der Jungen und Mädchen gefällt demnach an Sport und Bewegung besonders, dabei mit anderen Kindern zusammen zu sein und Spaß zu haben. Fast zwei Drittel der Kinder (62 Prozent) mögen vor allem, an der frischen Luft zu sein.

«Die Bundesregierung muss jetzt deutlich mehr in den Kinder- und Jugendsport investieren», sagte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. «So sollte sie unter anderem jedem Kind ein Jahr lang den kostenfreien Zugang zu einem Sportverein ermöglichen.»

Das scheinen sich auch viele der Mädchen und Jungen zu wünschen: Wenn jedes Kind ein Jahr lang kostenlos in einem Sportverein mitmachen könnte, würden laut der Umfrage 86 Prozent der Kinder dieses Angebot auf jeden Fall oder wahrscheinlich wahrnehmen.

Die Zahlen gehen aus einer Umfrage des Forschungsinstituts Forsa im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes und der Deutschen Sportjugend hervor. Befragt wurden dabei im Mai deutschlandweit rund 1000 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren sowie rund 1000 Erwachsene. Anlass für die Umfrage ist der Weltspieltag am Freitag.

Kritik an Plänen zur Abschaffung der Testpflicht an Schulen

Bildungspolitiker von CDU, SPD und Grünen haben Pläne des Bildungsministeriums kritisiert, die Corona-Testpflicht an Schulen perspektivisch abzuschaffen. Der SPD-Bildungspolitiker Thomas Hartung argumentierte, dass gerade in einer Zeit mit Öffnungsschritten das Monitoring von Corona-Infektionen nicht vernachlässigt werden dürfe, «damit ich weiß, was passiert, wenn ich öffne», sagte er am Donnerstag bei einer gemeinsamen Sitzung des Bildungs- und des Gesundheitsausschusses.

Hartung betonte, dass er die Pläne für einen Verstoß gegen das Bundesinfektionsschutzgesetz halte. Ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte, dass das Testangebot an Schulen verbunden mit einem Betretungsverbot für Nicht-Getestete im Juni bestehen bleiben werde.

Bisher darf eine Thüringer Schule nur betreten, wer einen negativen Test vorweisen kann oder sich in der Schule selbst testet. Allerdings haperte es in der Vergangenheit teilweise an den verfügbaren Tests. Die Opposition hatte dem Bildungsministerium vorgeworfen, sich zu spät darum gekümmert zu haben.

Bildungsstaatssekretärin Julia Heesen machte in der gemeinsamen Ausschusssitzung klar: «Wir möchten gerne zum freiwilligen Testen kommen, weil wir den Präsenzbetrieb als Normalität haben wollen.» Man wolle erreichen, dass Schüler, die wegen der Testpflicht nicht in die Schulen kämen, wieder am Präsenzunterricht teilnehmen können. Außerdem wolle man Lehrerinnen und Lehrer entlasten, für die es mehr Aufwand bedeute, wenn einige Schüler noch zu Hause unterrichtet werden müssten, während andere bereits am Präsenzunterricht teilnehmen können.

Die FDP-Bildungspolitikerin Franziska Baum sagte am Rande der Sitzung: «Das führt im Zweifel dazu, dass diejenigen nicht mehr in die Schule kommen, die bisher kamen, weil sie sicher sein konnten, dass alle getestet sind.» Ähnlich argumentierte Grünen-Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich.

Zuvor hatte bereits der CDU-Bildungspolitiker Christian Tischner die Beibehaltung einer Testpflicht gefordert.

Abschlussprüfungen für 20 000 Ober- und Förderschüler in Sachsen

Für rund 20 000 Förder- und Oberschüler in Sachsen stehen die Abschlussprüfungen an. Am Montag (31. Mai) geht es los mit dem Fach Englisch, wie das Kultusministerium am Donnerstag mitteilte. Für rund 16 500 Schülerinnen und Schüler geht es um den Realschulabschluss, dafür müssen sie vier schriftliche und eine mündliche Prüfung absolvieren. 3500 Mädchen und Jungen streben einen Hauptschulabschluss an. «Die Prüfungssituation in diesem Jahr ist ohne Zweifel eine besondere Herausforderung für die Schüler», sagte Kultusminister Christian Piwarz.

Der CDU-Politiker verwies auf Maßnahmen, um es den Schülern in der Corona-Krise leichter zu machen. So wurden bereits zu Beginn des Schuljahres Themen festgelegt, die nicht Schwerpunkt der schriftlichen Prüfungen sind. Zudem konnten einige nicht prüfungsrelevante Fächer abgewählt werden, und in den schriftlichen Prüfungen gibt es 15 Minuten mehr Zeit. Im vergangenen Jahr bekamen 97,8 Prozent der Prüflinge einen Realschulabschluss.

Alle Schüler in MV können wieder in die Schule gehen

Schwerin (dpa/mv)Alle Schülerinnen und Schüler Mecklenburg-Vorpommerns können von Donnerstag an wieder zum Unterricht in die Schule gehen. Dies war bisher noch nicht für alle möglich, weil die Sieben-Tage-Inzidenz nicht in allen Regionen des Landes in der vergangenen Woche unter 50 lag. Diesen Wert unterschreiten mittlerweile aber auch die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte, Rostock sowie Vorpommern-Greifswald, womit dort ebenfalls Schüler wieder in die Schule gehen können. Für die anderen Regionen ist dies bereits seit Mittwoch wieder möglich.

26.05.2021

Alle Hamburger Schüler dürfen ab Montag wieder in der Schule lernen

Hamburgs Schüler dürfen im Zuge weiter sinkender Corona-Zahlen von Montag an wieder in der Schule unterrichtet werden. Das gilt für Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge und Schulformen und auch für alle Schulfächer, wie Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Mittwoch mitteilte. «Nach einem halben Jahr ohne oder nur mit stark eingeschränktem Schulunterricht sollen Hamburgs Schülerinnen und Schüler wenigstens in den letzten drei Wochen vor den Sommerferien noch einmal vollständigen Unterricht in der Schule bekommen», sagte Rabe laut Mitteilung seiner Behörde.

Dieser nächste Öffnungsschritt war bereits vor einer Woche angekündigt worden. Unklar war aber noch, welche Klassenstufen das genau betrifft. Erst Mitte Mai waren nach teils monatelangem Homeschooling wieder alle Jahrgänge im Wechselunterricht in Schulen zurückgekehrt, werden seither aber nur in kleineren Gruppen unterrichtet. Zuvor mussten rund 40 Prozent der rund 200 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen ausschließlich zu Hause lernen.

Die Rückkehr vom Wechsel- zum vollständigen Präsenzunterricht ist Teil des Stufenplans, den der Hamburger Senat beschlossen hatte. Er sieht - in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen - schrittweise Lockerungen vor; dazu zählt seit Samstag auch die Öffnung der Außengastronomie und des Einzelhandels unter Auflagen.

Die strengen Hygieneregeln für die Schulen, wie unter anderem Test- und Maskenpflicht, bleiben in Kraft. Die Präsenzpflicht bleibt ausgesetzt, Eltern können also weiter entscheiden, ob ihr Kind in die Schule geht oder zu Hause lernt.

Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro
100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, lag in Hamburg am Mittwoch bei gut 31, das Robert Koch-Institut (RKI) gab auf Basis einer anderen Berechnungsmethode einen Wert von 29 an.

Kosten für Lernplattformen an Berliner Schulen steigen deutlich

Die Kosten für die Nutzung von Lernplattformen an Berliner Schulen ziehen erheblich an. Das geht aus einer schriftlichen Anfrage der Linke-Fraktion an das Berliner Abgeordnetenhaus hervor. Danach haben sich die Kosten für Betrieb, Weiterentwicklung und Support für die bislang vorwiegend genutzte Plattform Lernraum Berlin im vergangenen Jahr auf rund 790 350 Euro summiert. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung sind für dieses Jahr rund 1 611 750 Euro veranschlagt. Größter Posten sind in beiden Jahren die Kosten für die Weiterentwicklung mit rund 548 935 und 746 420 Euro.

Am Lernraum gab es im Dezember und nach den Weihnachtsferien Kritik, nachdem zahlreiche Schülerinnen und Schüler an einzelnen Tagen Probleme bei der Nutzung hatten und zum Teil schon das Einloggen sehr lange dauerte. Inzwischen können die Schulen eine weitere, kostenpflichtige Plattform namens itslearning nutzen. Der Lizenzvertrag wurde im Februar abgeschlossen.

Die Kosten für Betrieb, Weiterentwicklung und Support belaufen sich der Bildungsverwaltung zufolge für das erste Jahr der Aufbauphase auf 1 082 855 Euro. Dabei entfällt der größte Teil mit 677 705 Euro auf Kosten für den Betrieb. Der Betrag basiere allerdings auf einer Schätzung von 100 000 Nutzern und könne auch geringer ausfallen.

Als Vorteil einer zweiten, kostenpflichtigen Lernplattform gab die Senatsverwaltung an, sie sorge für eine Entlastung des Lernraums. Die itslearning-Plattform biete insbesondere den Schulen eine Alternative, die kein mit den Personalgremien abgestimmtes, datenschutzkonformes Lernmanagementsystem einsetzten.

Zur Frage, warum vor der Entscheidung für itslearning kein Vergabeverfahren erfolgte, antwortete die Bildungsverwaltung, wegen der Überlastung der Lernraum-Plattform und der hohen Dringlichkeit vor dem Hintergrund der pandemiebedingten Schulschließungen sei ein Verhandlungsverfahren ohne Teilnahmewettbewerb durchgeführt worden.

Thüringen: Abiturprüfungen im Corona-Jahrgang starten - 6447 Prüfungsanmeldungen

Lernstress und dann noch Corona-Pandemie: In Thüringen brüten von diesem Mittwoch an Tausende Schüler über ihren Abituraufgaben. Immerhin haben sie aufgrund einer Sonderregelung bei den Aufgaben mehr Wahlmöglichkeiten.

Mit dem Fach Deutsch beginnen in Thüringen an diesem Mittwoch die Prüfungen für das Abitur. Nach Angaben des Bildungsministeriums wurden in diesem Jahr 6447 Abi-Prüfungen angemeldet. Bereits am Freitag schreiben die jungen Erwachsenen ihr Mathe-Abitur. Wegen der Corona-Pandemie war der Start der Abiturprüfungen in Thüringen frühzeitig nach hinten geschoben worden, damit die Schüler mehr Zeit zur Vorbereitung haben.

Seit Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 gab es an Thüringens Schulen immer wieder teils sehr starke Einschränkungen im Schulbetrieb. Zwischenzeitlich blieben die Schulen komplett geschlossen und die Kinder und Jugendlichen mussten zu Hause unterrichtet werden, teils wurden Klassen abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet. Bis heute sind noch nicht alle Schulen zum vollständigen Präsenzunterricht zurückgekehrt.

Wegen der besonderen Umstände war zwischendurch auch eine Streichung der Abiprüfungen diskutiert, jedoch rasch wieder verworfen worden. Dennoch gibt es in Thüringen in diesem Jahr Änderungen: Den Abiturprüflingen werden unter anderem mehr Wahlmöglichkeiten bei Prüfungsaufgaben eingeräumt, teilweise soll es auch mehr Bearbeitungszeit geben. Das Niveau aber, betonte ein Sprecher des Bildungsministeriums, bleibe gleich. Da sei man auch an Vorgaben der Kulturministerkonferenz gebunden.

Spitzenrunde berät über Covid-19-Impfungen für Heranwachsende

Thüringen rüstet sich für das Impfen von Kindern ab zwölf Jahren und Jugendlichen gegen Covid-19. Wie das praktisch funktionieren soll, beraten Ministerpräsident Bodo Ramelow, Bildungsminister Helmut Holter und Gesundheitsministerin Heike Werner (alle Linke) am Mittwoch (16.00) in einem digitalen Treffen mit Lehrkräften, Eltern, Ärzten sowie Vertretern von Schulen und Kommunen. Denkbar ist nach Angaben des Bildungsministeriums, dass Heranwachsende auch in den Impfzentren und regionalen Impfstellen geimpft werden. Außerdem sollen Kinder- und Jugendmedizin-Praxen und mobile Impfteams zum Einsatz kommen.

Noch ist allerdings kein Impfstoff für diese Altersgruppe zugelassen. Die Europäische Gesundheitsbehörde EMA prüft derzeit, ob sie den Impfstoff von Biontech für ältere Jugendliche empfiehlt.

25.05.2021

Stiko: Schulöffnung nicht entscheidend für Impfung von Kindern

Die Rückkehr zum Präsenzunterricht ist nach Ansicht der Ständigen Impfkommission (Stiko) kein entscheidender Grund für die Corona-Impfung von Kindern. Im Vordergrund müsse die Frage stehen, wie hoch die Gefährdung der Kinder durch eine Infektion mit dem Coronavirus sei, sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens am Dienstag im Deutschlandfunk. Auch Privatleben oder Urlaub mit den Eltern seien sekundäre Argumente, «die für sich alleine genommen keine ausreichende Begründung liefern, um jetzt alle Kinder zu impfen».

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt Schülerinnen und Schülern in Aussicht gestellt, bis Ende August ein Impfangebot zu erhalten. Die Europäische Gesundheitsbehörde EMA prüft, ob sie den Impfstoff von Biontech für ältere Jugendliche empfiehlt. Die Stiko behält sich vor einer Empfehlung noch eine Prüfung vor. Mertens rechnet innerhalb der nächsten 10 bis 14 Tage mit einem Ergebnis der Beratungen. «Es kann sein, dass die Stiko den Vorstellungen der Politik nicht in allen Punkten nachkommen kann, da die Ergebnisse das unter Umständen nicht hergeben», so Mertens.

Knapp zwei Drittel der Bürger für Rückkehr zu Präsenzunterricht

Sollen Schülerinnen und Schüler noch in Wechselunterricht oder mit Homeschooling beschult werden? Die meisten Bundesbürger haben eine klare Meinung - doch eine starke Minderheit sieht es anders.

Knapp zwei Drittel der Bundesbürger sind unter Einhaltung von Test- und Hygienekonzepten für eine sofortige Rückkehr der Schulen zum Präsenzunterricht. 65,2 Prozent sind einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag der FDP-Bundestagsfraktion auf jeden Fall oder eher dafür. Die Umfrage liegt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor. 24,7 Prozent sind auf jeden Fall oder eher dagegen. Jeder Zehnte ist unentschieden. Die Mehrheit für die sofortige Rückkehr zum Präsenzunterricht reicht von 78,3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis 55 Prozent in Bremen.

Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding sagte der dpa, jede Verzögerung einer Rückkehr zum Präsenzunterricht sei ein Bruch des Versprechens, die Schulen bei sinkenden Fallzahlen als erstes wieder zu öffnen. «Luftfilter, Schnelltests, Impfungen für Lehrkräfte ermöglichen sicheren Präsenzunterricht», sagte Suding. «Es gibt längst keinen Grund mehr, Kindern ihr Recht auf Bildung auch nur einen Tag länger zu verwehren.»

In den Ländern wird die Frage teils kontrovers diskutiert. So sollen in Nordrhein-Westfalen alle 2,5 Millionen Schüler ab dem 31. Mai wieder Präsenzunterricht erhalten - bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern. Die Landeselternkonferenz kritisierte dort, die Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI), erst bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von weniger als 50 zu öffnen, werde ignoriert.

In Niedersachsen wechseln Schulen und Kindergärten vom 31. Mai an in den Präsenz- und Regelbetrieb, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in den jeweiligen Kreisen und Großstädten stabil unter 50 liegt. Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper hatte in einem Interview gesagt, sie hoffe auf «ein bisschen Normalität» an den Schulen nach den Pfingstferien. Die Brandenburger Landesregierung wollte an diesem Dienstag über die Wiederaufnahme des vollen Präsenzunterrichts an Grundschulen beraten.

Laut dem jüngsten Tagesbericht des RKI sank in den vergangenen Wochen die Sieben-Tage-Inzidenz in allen Altersgruppen, also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und sieben Tagen. Covid-19-Ausbrüche beträfen vor allem private Haushalte, aber auch das berufliche Umfeld sowie Kitas und Schulen. Mehr als 112 000 Fälle sind aus Kitas, Horten und Schulen gemeldet. 46 000 Mal waren dort Beschäftigte wie etwa Lehrkräfte betroffen.

24.05.2021

Schule trotz Corona: Karliczek fordert Impfungen für Kinder ab zwölf

Dank der sinkenden Zahl an Neuinfektionen werden in vielen Regionen die Corona-Schutzmaßnahmen gelockert. Aber wie kann Schulunterricht möglichst bald wieder flächendeckend in Präsenz stattfinden?

Mit weiter sinkenden Corona-Neuinfektionszahlen wird verstärkt über den künftigen Schulbetrieb nachgedacht. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek forderte einen Fahrplan für Impfungen von Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren in allen Bundesländern. Dieser solle bezwecken, dass den Kindern und Jugendlichen möglichst bis zum Beginn des kommenden Schuljahres ein Impfangebot gemacht werden könne, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). «Ich möchte, dass vor allem nach den Sommerferien überall der Schulbetrieb wieder relativ normal beginnen kann. Dafür wäre es sehr hilfreich, wenn möglichst viele Schülerinnen und Schüler geimpft wären.» Nach dem Willen der Ministerin soll sich der Impfgipfel von Bund und Ländern am Donnerstag mit dem Thema befassen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor Corona-Impfungen für Schüler bis Ende August in den Raum gestellt. Dazu müssten Impfdosen von Biontech/Pfizer reserviert werden. «Ein Weg zu regulärem Unterricht nach den Sommerferien ist das Impfen der Jugendlichen», sagte der CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». «Das erklärte Ziel ist, dass die Länder den minderjährigen Schülerinnen und Schülern bis Ende August ein Impfangebot machen. Weil für sie wegen der Zulassung nur ein bestimmter Impfstoff infrage kommt, müssen dafür genügend Biontech-Dosen reserviert werden.»

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) wollte noch im laufenden Monat über die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech und Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren entscheiden.

Der US-Pharmahersteller Moderna strebt Ähnliches an. Der Konzern hofft auf eine europäische Impfstoffzulassung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren. Ein Antrag bei der EMA sei Anfang kommenden Monats geplant, sagte Moderna-Vorstandschef Stéphane Bancel der französischen Sonntagszeitung «Le Journal du Dimanche».

Der Städte- und Gemeindebund forderte, den Corona-Infektionsschutz an Schulen für das kommende Schuljahr zu verbessern. «Wir können nicht ausschließen, dass die Pandemie im Herbst unser Leben wieder beeinträchtigt», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online: Montag/ Print: Dienstag). «Nachdem die Schülerinnen und Schüler ein schweres Pandemiejahr hinter sich haben, muss jetzt alles unternommen werden zu verhindern, dass wir im Herbst wieder zu einem schulischen Lockdown kommen.»

Unterstützung kam von der Bildungsgewerkschaft VBE. «Es ist geradezu fahrlässig, weiterhin nicht alle technischen Möglichkeiten zu nutzen, um ein möglichst sicheres Schulumfeld zu etablieren», sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann am Montag. Es sei bereits in dem Fachgespräch mit der Kultusministerkonferenz im Frühjahr 2020 sehr deutlich gemacht worden, dass Lüften nur dann wirklich effektiv sei, wenn es nennenswerte Temperaturunterschiede zwischen der Raum- und der Außenluft gebe. «Mit dem nahenden Sommer vor der Tür muss daher dringend die Nachrüstung der Lernräume mit mobilen oder stationären Lüftungssystemen angegangen werden. Es wurde schon viel Zeit vertan.»

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder möchte die Lage der Schülerinnen und Schüler in der Corona-Pandemie nicht zu negativ bewerten. «Wir dürfen den Schülern nicht einreden, sie seien eine verlorene Generation», sagte Söder den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). «Ich glaube zum Beispiel nicht, dass das Abi in diesem Jahr schlechter ausfallen wird.» Die Herausforderung liege bei den Jüngeren und bei den Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Familien. Für sie werde man spezielle Bildungsprogramme anbieten, etwa in Form von Sommerschulen.

Für einen möglichst unbeschwerten Sommer hatte Gesundheitsminister Spahn als Zielmarke eine Inzidenz von unter 20 ausgegeben. Der CDU-Politiker sagte der «Bild am Sonntag»: «Im vergangenen Sommer lag sie unter 20. Das sollten wir wieder anstreben. Vorsicht und Umsicht gelten weiterhin.»

Und weiter: «Konzerte im nicht voll besetzten Olympiastadion oder im Park mit Tests und Abstand sind aus heutiger Perspektive drin.» Man habe aus dem vergangenen Sommer gelernt. «Damals haben die Auslandsreisen, häufig Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan, phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst. Das müssen wir in diesem Jahr verhindern», sagte Spahn. Beispielsweise wolle er frühzeitig Vereinbarungen mit der Türkei über Tests bei der Ein- und Ausreise schließen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) am Montag binnen eines Tages 2682 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Montagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5.13 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 5412 Ansteckungen gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Montagmorgen mit bundesweit 62,5 an (Vortag: 64,5; Vorwoche: 83,1). Am Sonn- und Feiertagen sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil weniger getestet wird.

Söder: Schüler sollen nicht als «verlorene Generation» gesehen werden

Der CSU-Vorsitzende Markus Söder möchte die Lage der Schülerinnen und Schüler in der Corona-Pandemie nicht zu negativ bewerten. «Wir dürfen den Schülern nicht einreden, sie seien eine verlorene Generation», sagte Söder den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). «Ich glaube zum Beispiel nicht, dass das Abi in diesem Jahr schlechter ausfallen wird.» Die Herausforderung liege bei den Jüngeren und bei den Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Familien. Für sie werde man spezielle Bildungsprogramme anbieten, etwa in Form von Summerschools. «Vielleicht müssen wir auch die Lehrpläne anpassen und unkonventionelle Wege gehen. Aber das ist gut machbar», so Söder.

Der bayerische Ministerpräsident zeigte sich außerdem hoffnungsvoll, dass Reisen ins Ausland künftig gut möglich sein werden. Es müsse ein «Tapetenwechsel drin sein». Man solle den Menschen kein schlechtes Gewissen machen, wenn sie wegfahren wollten, sagte Söder. «Wer nach Mallorca fliegt, darf das mit ruhigem Gewissen tun».

23.05.2021

Spahn stellt Corona-Impfungen für Schüler bis Ende August in den Raum

Die deutsche Impfkampagne gegen das Coronavirus ist in vollem Gange. Damit richtet sich der Blick auf jene, die derzeit in der Regel noch gar keine Impfungen bekommen können: Kinder und Jugendliche.

Um die Impfkampagne auch unter jungen Menschen voranzutreiben, plädiert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dafür, Impfdosen der Hersteller Biontech und Pfizer zu reservieren. «Ein Weg zu regulärem Unterricht nach den Sommerferien ist das Impfen der Jugendlichen», sagte der CDU-Politiker der «Bild am Sonntag». «Das erklärte Ziel ist, dass die Länder den minderjährigen Schülerinnen und Schülern bis Ende August ein Impfangebot machen. Weil für sie wegen der Zulassung nur ein bestimmter Impfstoff infrage kommt, müssen dafür genügend Biontech-Dosen reserviert werden.»

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) will noch im laufenden Monat über die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech und Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren entscheiden. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte das Präparat des deutschen Herstellers Biontech und seines US-Partners Pfizer auch für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren zugelassen.

Der US-Pharmahersteller Moderna strebt Ähnliches an. Der Konzern hofft auf eine europäische Impfstoffzulassung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren. Ein Antrag bei der EMA sei Anfang kommenden Monats geplant, sagte der aus Frankreich stammende Moderna-Vorstandschef Stéphane Bancel der französischen Sonntagszeitung «Le Journal du Dimanche». Das Präparat von Moderna ist einer von vier Corona-Impfstoffen mit einer Zulassung in der Europäischen Union.

Der Deutsche Städtetag regte an, die Impfzentren im Sommer in die Impfung von Schülern einzubinden. Es müsse jetzt zügig geklärt werden, wo demnächst Kinder ab 12 Jahren geimpft werden sollen, sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Vor dem neuen Schuljahr sollten möglichst viele Jugendliche mindestens die erste Impfung erhalten.» Generell plädierte er für die Beibehaltung der Zentren, weil unklar sei, wann Arztpraxen und Betriebsärzte die Impfungen vollständig leisten könnten.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) derweil binnen eines Tages 6714 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Sonntagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.11 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 8500 Ansteckungen gelegen. Die 7-Tage-Inzidenz gab das RKI am Sonntagmorgen mit bundesweit 64,5 an (Vortag: 66,8; Vorwoche: 83,1). Am Sonntag sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Sonntagabend bei 0,87 (Vortag ebenfalls: 0,87). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 87 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Spahn gab als Zielmarke für weitreichende Lockerungen im Sommer eine Inzidenz von unter 20 aus. Für einen unbeschwerten Sommer müsse die Inzidenz weiter gesenkt werden, sagte er der «Bild am Sonntag». «Im vergangenen Sommer lag sie unter 20. Das sollten wir wieder anstreben. Vorsicht und Umsicht gelten weiterhin.»

Man habe aus dem vergangenen Sommer gelernt, sagte der Minister. «Damals haben die Auslandsreisen, häufig Verwandtschaftsbesuche in der Türkei und auf dem Balkan, phasenweise rund 50 Prozent der Neuinfektionen ausgelöst. Das müssen wir in diesem Jahr verhindern», sagte Spahn. Beispielsweise wolle er frühzeitig Vereinbarungen mit der Türkei über Tests bei der Ein- und Ausreise schließen.

Kritik an Spahn kam von der FDP. Bundestagsvize Michael Theurer sagte: «Deutschland braucht einen klugen Stufenplan für Öffnungen und nicht einen Bundesgesundheitsminister, der mit Inzidenzen zockt wie ein Pokerspieler und so die Menschen und Wirtschaft alle paar Monate verunsichert.» Theurer warnte vor einem «Gezerre mit den Ländern wie im Frühjahr um die Inzidenz von 35».

22.05.2021

Regierung will Dienstag über Rückkehr zum Präsenzunterricht beraten

Die Brandenburger Landesregierung will sich am Dienstag mit der aktuellen Corona-Lage befassen und dabei auch über die Wiederaufnahme des vollständigen Präsenzunterrichts an Grundschulen beraten. Das sagte Regierungssprecher Florian Engels am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Corona-Lage entwickle sich erfreulicherweise gut. «Sicherlich werden auch mögliche weitere Öffnungsschritte in verschiedenen Bereichen beraten.» Darüber werde anschließend auf einer Pressekonferenz berichtet.

Einen Bericht der «Märkischen Allgemeinen» (Samstag) zu konkreten Schritten zum Unterricht in den Schulen in einem Entwurf der neuen Eindämmungsverordnung wollte der Sprecher nicht kommentieren. «Die Abstimmung zu den konkreten Inhalten erfolgt regierungsintern laufend», sagte Engels. In dem Zeitungsbericht hieß es, ein Entwurf der neuen Eindämmungsverordnung sehe vor, dass Grund- und Förderschüler bis zur 6. Klasse und alle weiteren Schulen ab dem 7. Juni - vorbehaltlich einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 an drei Werktagen in Folge - wieder zurück in den Normalbetrieb kehren könnten.

In Brandenburg wiesen am Samstag alle Landkreise und kreisfreien Städte eine Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 auf. Landesweit stieg die Zahl der neuen Corona-Infektionen binnen einer Woche je 100 000 Einwohner jedoch leicht von 49,1 am Freitag auf 49,4, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Karliczek: Lernstand wird noch vor Ferien bei Klassenarbeiten erhoben

An den Schulen soll der Lernstand der Schüler nach den Worten von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek noch vor den Sommerferien flächendeckend gesondert überprüft werden. Dies sei mit den Ländern vereinbart worden, erklärte die CDU-Politikerin im Deutschlandfunk-«Interview der Woche». Damit sollten Nachhilfeprogramme im neuen Schuljahr passgenauer ausgerichtet werden können.

Mit den Programmen sollen coronabedingte Lücken geschlossen werden. Der Bund stellt für diesen Zweck eine Milliarde Euro bereit und für soziale Förderprogramme eine weitere Milliarde.

Die Tests sollten in den nächsten Wochen nicht als bundesweite Vergleichstests durchgeführt werden, sondern niedrigschwellig als Klassenarbeit, «aber ein bisschen standardisierter», wie sie sagte. «Dafür gibt es Module, die jetzt länderübergreifend genutzt werden können.» Auf der Basis sollten die jeweiligen Klassenlehrer dann individuelle Empfehlungen aussprechen, was nachzuholen sei.

Karliczek wies auf den Lehrerverband hin, der nach ihren Worten davon gesprochen hatte, dass 20 bis 25 Prozent der Kinder pandemiebedingt große Lücken hätten.

Allerdings ist die Zeit für solche Erhebungen, soweit es sie nicht schon gibt, teils äußerst knapp bemessen: Die ersten Bundesländer gehen bereits in vier Wochen in die Sommerferien, für Klassenarbeiten bleiben dort allenfalls noch zwei bis drei Wochen.

Kultusministerin hofft auf «ein bisschen Normalität» nach Pfingsten

Die neue Kultusministerin Theresa Schopper hofft nach den Pfingstferien auf «ein bisschen Normalität» an den Schulen in Baden-Württemberg. In den zwei Monaten bis zum Ende des Schuljahres sollten natürlich Lernrückstände angegangen werden, sagte die Grünen-Politikerin der «Badischen Zeitung» (Samstag). «Aber man darf den emotionalen Aspekt nicht vernachlässigen. Wir wollen, dass Ausflüge und Sport wieder möglich sind. Dass Schüler zusammen in der Schule hocken, ratschen, Gemeinschaft und Nähe erleben – das ist wichtig», erklärte die Ministerin. «Schule ist ein Lebensraum, nicht nur ein Ort des Lernens und der Klausuren.»

Schopper hofft, dass die starke Polarisierung in der Debatte um Schulschließungen infolge der Corona-Pandemie mit fallenden Inzidenzen nachlassen wird. «Die große Belastung für Eltern durch Homeschooling und Betreuung plus Beruf wird zurückgehen, wenn Schule wieder verlässlich stattfindet. Auch für Lehrer wird die hohe Belastung zurückgehen», sagte sie der Zeitung. Langfristig sehe sie die Schulen bei entsprechendem Infektionsgeschehen offen. «Vielleicht muss man darüber reden, die Präsenzpflicht weiterhin auszusetzen, aber das kann man jetzt noch nicht abschließend bewerten.»

Landeselternrat sieht Fortschritte beim digitalen Lernen

Schulunterricht hat sich durch die Pandemie stark verändert. Aus Sicht vieler Eltern gibt es manches, was nach der Pandemie fortgeführt oder ausgebaut werden sollte.

Beim digitalen Lernen haben die Schulen in Niedersachsen während der Corona-Pandemie aus Sicht des Landeselternrats große Fortschritte gemacht. Schulleitungen, Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte hätten das schnell umgesetzt, sagte die Vorstandsvorsitzende Cindy-Patricia Heine. «Zumindest dort, wo die digitalen Infrastrukturen es möglich machen.»

Dem Elternrat zufolge sollten Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler auch nach der Pandemie digitale Lernplattformen zur Kommunikation nutzen. Die Digitalisierung müsse auch im Präsenzunterricht intensiviert werden. «Da müssen alle Entscheidungsträger massiv investieren und vorantreiben, damit das im Flächenland Niedersachsen auch zuverlässig flächendeckend gelingt», so Heine. Verzögerungen im Breitbandausbau dürfe es nicht geben.

Viele Schülerinnen und Schüler finden es laut Landeselternrat hilfreich, dass sie in kleineren Lerngruppen als früher arbeiten. Derzeit sind die meisten Klassen geteilt. «Ein effektiveres und intensiveres Lernen hat manchen Lernrückstand kleiner werden lassen», sagte Heine. «Zumindest dort, wo überhaupt Unterricht für Schülerinnen und Schüler stattgefunden hat.» Das Gremium forderte die Politik auf, nach der Pandemie für möglichst kleine Klassen zu sorgen. Zudem brauche es dringend eine dritte Sportstunde. «Der Bewegungsmangel hat sich durch Corona noch weiter verschärft», so Heine.

Die Auswirkungen des vielen Homeschoolings sind dem Elternrat zufolge unterschiedlich. «Für manche Schülerinnen und Schüler war das eigenbestimmte und selbstständige Lernen sehr gut, andere sind dadurch abgehängt worden.» Es müsse sichergestellt werden, dass Kinder und Jugendliche die Chance bekommen, durch die Pandemie verpassten Lernstoff später aufzuholen.

Für die kommenden Monate fordert der Landeselternrat umfassende Schutzkonzepte mit Luftfilteranlagen, ausreichend Lehrkräfte, psychologische und sozialpädagogische Fachkräfte an allen Schulen sowie genügend Lernräume. «Wir brauchen sichere Schulen, in denen in voller Klassenstärke Präsenzunterricht abgehalten werden kann! Hier ist das Land und sind die Schulträger in der Pflicht», sagte die Vorstandsvorsitzende Heine.

Der Landeselternrat vertritt nach eigenen Angaben die Interessen der Erziehungsberechtigten von derzeit rund 1,1 Millionen Schülerinnen und Schülern in den allgemeinbildenden sowie berufsbildenden Schulen in Niedersachsen. Die Organisation hat ihre Geschäftsstelle in Hannover.

21.05.2021

Althusmann will Impfaktionen an Schulen

Niedersachsens CDU-Landeschef Bernd Althusmann hat dazu aufgerufen, die Voraussetzungen für Impfaktionen gegen das Coronavirus in Schulen zu prüfen. «Unser Ziel sollte es sein, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler gut geschützt ins neue Schuljahr starten können», sagte der Vize-Regierungschef der «Nordwest-Zeitung» (Freitag) in Oldenburg. Viele Jugendliche setzten sich ehrenamtlich etwa in der Kirche, bei der Jugendfeuerwehr oder beim Roten Kreuz ein - und «sollten zeitnah ein Impfangebot erhalten». Zunächst gehe es um Sorgfalt bei der Prüfung und Freigabe des Impfstoffs. «Aber bitte keine Überregulierung.»

Unter Kindern und Jugendlichen gebe es ein stark ausgeprägtes Bedürfnis nach sozialen Kontakten oder Sport, betonte Althusmann. «Bildungsexperten sagen uns gar, dass die motorische und sprachliche Entwicklung gerade bei Grundschülern durch Corona eingeschränkt werden könnte und hier jedes vierte Kind einen Bildungsrückstand habe. Den müssen wir jetzt aufholen.» Althusmann sprach sich für freiwillige Angebote aus, «um Erlerntes zu vertiefen oder um mögliche Lücken zu schließen». Er könne sich Sommercamps mit kleinen Lern-Gemeinschaften vorstellen.

Studie: Pandemie belastet Schulkinder in Deutschland stark

Weniger Treffen mit Freunden, kein regulärer Schulunterricht: Die Corona-Pandemie belastet einer Studie zufolge viele Kinder und Jugendliche in Deutschland. Mehr als die Hälfte aller Mädchen und Jungen ist im vergangenen Jahr unglücklicher geworden, wie der am Freitag veröffentliche Präventionsradar 2021 der DAK-Gesundheit ergab. Die Lebenszufriedenheit sei im Schnitt aller befragten Kinder um rund 20 Prozent im Vergleich zu der Situation vor der Corona-Krise gesunken.

Jedes dritte Kind fühle sich zudem in der Schule nicht ausreichend vor dem Virus geschützt. 56 Prozent hielten die Corona-Regeln dort dagegen für angemessen. Gleichzeitig hätten die emotionalen Probleme stark zugenommen - vor allem bei Mädchen, wie die Krankenkasse mitteilte. In der aktuellen Befragung zeigen 23 Prozent Symptome depressiver Störungen wie Traurigkeit, geringes Selbstwertgefühl, Interessensverlust und sozialen Rückzug. Im Vorjahr waren es lediglich 18 Prozent. Den Angaben zufolge führt auch der Wegfall vieler Sportangebote zu Problemen: Insgesamt sei der Anteil der Befragten mit ausreichender Bewegung im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel gesunken. Die Mehrheit komme nicht auf die wissenschaftlich empfohlenen 90 Minuten täglich.

Grundlage der Studie ist eine Befragung von 14 000 Schulkindern der Klassen fünf bis zehn in dreizehn Bundesländern im Schuljahr 2020/21, die das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel im Auftrag der Krankenkasse übernahm. Schulen in Hamburg, Bayern und dem Saarland waren nicht an der Umfrage beteiligt. Die DAK-Gesundheit ist mit 5,6 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands.

20.05.2021

Karliczek für weitere Öffnungen an Schulen

Endlich wieder mit den Klassenkameraden in der Schule lernen - das soll in den nächsten Wochen für immer mehr Kinder und Jugendliche möglich sein. Die Bildungsministerin fordert, parallel dazu eine Impfkampagne vorzubereiten.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek wirbt für weitere Schritte bei der Öffnung der Schulen und die Vorbereitung einer Impfkampagne für Kinder und Jugendliche. «Das Infektionsgeschehen geht zurück», sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). «Daher sollten nicht nur die die Öffnungen in der Wirtschaft und Kultur - so verständlich das selbstverständlich ist - im Fokus stehen, sondern über eine weitere Rückkehr zum Präsenzunterricht nachgedacht werden.»

Natürlich sei weiter Vorsicht angesagt. Aber: «Eine breitere Rückkehr zum Präsenzunterricht unter den bekannten Hygienestandards und begleitet von Tests dürfte in den meisten Regionen sehr wahrscheinlich verantwortbar sein, weil die Inzidenzen überwiegend deutlich unter 100 liegen.» Kinder und Jugendliche müssten Schritt für Schritt in ein normales Leben zurückfinden. Dazu gehöre auch ein regelmäßiger Schulbesuch, am besten noch vor den Sommerferien.

Die psychischen Belastungen seien zum Teil sehr groß gewesen. «Wir müssen unseren Kindern und Jugendlichen in diesen Wochen viel Aufmerksamkeit schenken, damit sie nachholen können, was in der Pandemie nicht möglich war», unterstrich Karliczek. «Dazu gehört auch, dass intensiv eine Impfkampagne für die Kinder und Jugendlichen vorbereitet wird, sobald der Impfstoff für die Kinder ab 12 Jahren zugelassen ist.» Bis der Impfstoff für die jüngeren Kinder bis 12 Jahren zur Verfügung stehe, werde es aber noch eine Weile dauern.

Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban (CDU), verlangte den Einsatz von mobilen Impfteams in Schulen, sobald die Zulassung des Impfstoffs für Jüngere erfolgt sei. «Vielen Schülerinnen und Schülern unter 18 Jahren im ländlichen Raum ist es nicht so einfach möglich, auf eigene Faust in Impfzentren zu fahren», sagte Kuban der «Rheinischen Post» (Freitag). Mit mobilen Impfteams seien bereits die Menschen in Pflegeheimen geimpft worden. Ihr neuerlicher Einsatz wäre «ein klares Signal, dass die junge Generation nicht vergessen wird und sie im Fokus der Debatte steht».

Mehrere Bundesländer haben bereits angekündigt, in Kürze zum Regelbetrieb in den Schulen zurückkehren. So soll es etwa in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern nach Pfingsten in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 wieder täglich Präsenzunterricht geben. In Nordrhein-Westfalen sollen alle Schüler ab dem 31. Mai wieder landesweit Präsenzunterricht erhalten, sofern die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt.

Bildungsgewerkschaft gegen Impfpflicht für Lehrer

Die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlis Tepe, hat sich gegen eine Corona-Impfpflicht für Lehrerinnen und Lehrer ausgesprochen. «Wir halten viel davon, ein Impfangebot für alle Lehrerinnen und Lehrer zu machen», sagte Tepe am Donnerstag im ZDF-«Morgenmagazin». Eine Impfpflicht lehne sie jedoch ab. Es sei auch gut verständlich, dass für Kinder in den Schulen keine Impfpflicht vorgesehen werde.

Vor wenigen Tagen hatte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, eine Impfpflicht für verbeamtete Lehrer ins Spiel gebracht. Er rechne mit einer politischen Debatte über das Thema, sagte Meidinger der «Welt». Seiner Ansicht nach hätte der Staat bei entsprechender gesetzlicher Regelung die Handhabe dazu.

Schulleitungen: Kinder haben in der Pandemie viel gelernt

Viele sorgen sich um Lernrückstände der Kinder. Die Schulleitungen fordern einen anderen Blick und wollen Mut machen.

Kinder und Jugendliche haben in der Corona-Pandemie aus Sicht des Schulleitungsverbandes Niedersachsen viel gelernt. Viele Schülerinnen und Schüler könnten viel selbstständiger arbeiten als früher, sagte die Vorsitzende des Verbandes, Andrea Kunkel. Sie verwies darauf, dass inzwischen schon Grundschulkinder wissen, wie Dokumente heruntergeladen werden oder wie sie an einer Videokonferenz teilnehmen. Statt einer Diskussion über vermeintliche Lernrückstände brauche es den Blick auf die erworbenen Kompetenzen. «Der Fokus muss darauf liegen, was sie gelernt haben und wie darauf aufgebaut werden kann», sagte die Leiterin einer Grundschule.

Kinder, die Monate lang nicht im Präsenzunterricht waren, brauchen Kunkel zufolge Zuspruch und keinen Druck. Es sei wichtig, ihnen Mut zu machen und sie neu für die Schule zu begeistern. Wissenslücken könnten mit der Zeit ausgeglichen werden. Dafür brauche es Unterstützungssysteme in den Schulen.

Für die pädagogische Arbeit an den Schulen fordert der Verband mehr Freiraum. Die Pandemie sei ein Einschnitt, der auch Möglichkeiten aufzeige, so Kunkel. «Wir haben jetzt die Chance, Schule anders zu denken», sagte sie. Ihr zufolge sind für die Zeit nach der Pandemie grundlegende Veränderungen nötig. «In das System Schule muss anders investiert werden», forderte sie. Es brauche mehr Personal und die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche individueller zu fördern. Auch die Lehrpläne sollten kritisch überprüft werden, um den Schulbetrieb zukunftsweisend aufzustellen.

Die vielen Herausforderungen in der Corona-Krise haben Schulleitungen und Lehrkräfte stark gefordert. Viele seien an ihren Grenzen, so Kunkel. Immer wieder neue Regularien und kurze Zeitfenster für die Umsetzung waren demnach für die Schulleitungen kräftezehrend. «Auch wir müssen mal zur Ruhe kommen und Energie tanken können.» Inzwischen habe sich vieles eingespielt, dennoch sei die Belastung groß. Die Verbandsvorsitzende hofft daher, dass in den kommenden Monaten keine kurzfristigen Anordnungen kommen. «Es wäre gut, dieses Schuljahr in Ruhe zu Ende zu bringen. Wir brauchen keine überstürzten Aktionen.»

 

19.05.2021 

Schüler kehren ab 31. Mai in Präsenzunterricht zurück

Nach viel Hin und Her für die Schulen auch in NRW soll es bald wieder mehr Normalität geben. Also wieder tägliches Lernen im Klassenzimmer. Sinkende Corona-Zahlen machen es möglich, sagt die Landesregierung.

(dpa/lnw) - Schüler in Nordrhein-Westfalen sollen ab dem 31. Mai bei stabilen Inzidenzen unter 100 wieder täglich in den Präsenzunterricht zurückkehren. Das kündigten Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Schulministerin Yvonne Gebauer am Mittwoch in Düsseldorfer Landtag an. Voraussetzung sei für die jeweiligen Kreise und kreisfreien Städte eine stabile Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Diese sei schon aktuell in mehr als der Hälfte der 53 Kreise und kreisfreien Städten erreicht. Es sei davon auszugehen, dass sich diese Zahl bis Ende Mai noch deutlich erhöhen werde.

Nordrhein-Westfalen will Schülern aller Schulformen mit dem Schritt zum Monatsende wieder etwas Normalität zurückgeben, betonte Gebauer (FDP). Derzeit befinden sich die Schulen in der überwiegenden Zahl der Kreise und Städte noch in einem abwechselnden Betrieb aus Online- und Präsenzunterricht. Die Inzidenzwerte sinken aber seit einiger Zeit. Bleiben Kreise und Städte unter 100, so könnten die Schüler dort für die verbleibenden fünf Schulwochen bis zu den Sommerferien wieder in den Klassenräumen unterrichtet werden. Letzter Schultag ist der 2. Juli.

Die Inzidenz für NRW war am Mittwoch landesweit laut Robert Koch-Institut auf 79,9 Neuinfektionen weiter gesunken. Parallel dazu schreitet das Impfen laut Ministerin gut voran. Hygienevorschriften, Masken- und Testpflicht sollten auch weiterhin in den Schulen gelten. Seit Frühjahr werden Schüler und Lehrkräfte im Präsenzmodus zweimal pro Woche getestet.

Nach mehreren Monaten mit weitgehenden Schulschließungen sei sie zuversichtlich, «dass wir Kindern und Jugendlichen ein Stück Normalität zurückgeben können». Das Leid vieler Kinder und Jugendlichen - emotionale, psychische oder soziale Beeinträchtigungen infolge geschlossener Schulen und fehlender Begegnungen - bleibe oft verborgen. «Man kann es nicht messen, nicht grafisch abbilden, aber es ist da.» Schulen, Lehrkräften und Eltern hätten ausreichend Zeit, sich auf die Änderungen im Schulbetrieb einzustellen. Die Möglichkeiten der Bundesnotbremse würden damit im Land voll umgesetzt.

Laschet betonte, Corona sei besonders für die Jüngeren eine langfristige Gefahr, auch in psychosozialer Hinsicht. Nach gut einem Jahr mit stark eingeschränkten sozialen Kontakten brauche es unbedingt wieder eine sichere Rückkehr in die Klassenzimmer. «Soziale Kontakte kann kein Bildschirm ersetzen, und deshalb ist der Präsenzunterricht so wichtig.»

Nach der Bundesnotbremse ist reiner Distanzunterricht vorgeschrieben, wenn in Kreisen und kreisfreien Städten eine Sieben-Tage-Inzidenz von 165 registriert wird. Am Mittwoch lag in NRW nur noch Hagen über dieser Schwelle. Unter einem Wert von 165 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner darf es einen Wechselmodus aus Distanz- und Präsenzlernen geben. Ausnahmen galten immer für die Abschlussklassen sowie für die Förderschulen, die im Präsenzbetrieb bleiben konnten.

Die Pandemie drohe auch zu einer Bildungskatastrophe zu werden - mit langfristigen Schäden für viele Schüler, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty. Man habe viel zu lange über Themen wie die Öffnung der Außengastronomie gesprochen statt vorrangig über Kitas und Schulen.

Die Lehrergewerkschaft GEW mahnte, den Erfolg der bisherigen Maßnahmen dürfe man mit einem Unterricht in voller Klassenstärke nicht aufs Spiel setzten. In Schulen würden damit bald andere Regeln gelten als überall sonst im Land - etwa bei Abstandsgebot oder einem Aufenthalt vieler Menschen in einem Raum über einen längeren Zeitraum hinweg. Man hätte die Entwicklung der Lage noch weiter beobachten sollen, meinte die GEW. Der Verband Bildung und Erziehung betonte: «Vorfreude darf Vorsicht nicht ersetzen.» Nach der Devise «Sicherheit vor Schnelligkeit» solle es vollen Präsenzunterricht erst bei Inzidenzen stabil unter 50 geben, forderte der Verband lehrer nrw.

Landtag lehnt Verzicht auf Schulnoten ab

Der Brandenburger Landtag hat einen Verzicht auf Schulnoten bis zum Sommer und eine generelle Versetzung aller Schüler abgelehnt. Ein entsprechender Antrag der oppositionellen Linken fand im Landesparlament am Mittwoch keine Mehrheit. Damit wiesen die Abgeordneten auch die Forderung zurück, Lehrpläne in Mathe, Deutsch, Englisch und anderen Fächern zu reduzieren und außerschulische Bildungsangebote zu stärken.

«Für unsere Kinder herrscht seit mehr als einem Jahr Ausnahmezustand», hatte die Linken-Bildungspolitikerin Kathrin Dannenberg den Antrag begründet. «Der Bildungszug fuhr weiter und nach und nach wurde ein Waggon abgehängt, insbesondere mit Kindern, die nicht in der erste Klasse sitzen.» Mit dem Antrag wolle man den Druck von den Familien nehmen und für Motivation sorgen.

Dieses grundsätzlichen Ziel trug die SPD-Abgeordnete Katja Poschmann mit. «Ja, Kinder und Jugendliche stärker unterstützten», sagte sie. Dafür sei eine bessere Ausstattung notwendig. «Aber wir führen hier noch keine Haushaltsverhandlungen.» Der CDU-Abgeordnete Gordon Hoffmann betonte: «Wir halten Noten und Zeugnisse für richtig.» Sie böten eine klare Rückmeldung und Orientierung. Er setze auf das Fingerspitzengefühl und die Eigenverantwortung der Schulen.

Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) bekräftigte, den Wechselunterricht möglichst noch vor den Sommerferien beenden zu wollen. «Wir haben darauf hingewirkt, dass die Schülerinnen und Schüler nicht mit Tests überfallen werden, wenn sie wieder in die Schulen kommen», sagte Ernst. «Wir haben natürlich im Blick, dass die Pandemie psychosoziale Folgen für Kinder und Jugendliche hat», fügte sie hinzu. Die Zahl der Klassenarbeiten sei halbiert worden.

60 Millionen Euro aus dem Aktionsprogramm des Bundes flössen nach Brandenburg. So würden Ferienprogramme und Nachhilfe in den Kernfächern angeboten. «Wir müssen auch nicht so tun, als wenn Kinder und Jugendlichen das Lernen komplett verlernt haben.» Viele hätten sich wacker geschlagen.

Der Brandenburger Pädagogenverband kritisierte die Kommunikation des Bildungsministeriums über eine Rückkehr der Schulen zum Präsenzunterricht. Lehrkräfte und Schüler hätten das erneut aus der Presse erfahren. «Diese Art von Kommunikation mit den Betroffenen kritisieren wir gemeinsam aufs Schärfste mit anderen Gewerkschaften, Verbänden und Mitwirkungsgremien schon seit über einem Jahr», erklärte Präsident Hartmut Stäker am Mittwoch.

Der Pädagogenverband unterstütze grundsätzlich eine Rückkehr zum Präsenzunterricht, aber unter bestimmten Voraussetzungen, betonte Stäker. Dazu gehöre unter anderem die Einhaltung des Infektionsschutzgesetzes und eine vernünftige Vorlaufzeit für die Schulen. Ein Problem sieht der Verband aber vor allem darin, dass noch nicht allen Lehrenden ein Impfangebot gemacht wurde. Zudem könnten in vielen Schulen in vollen Klassen nicht die Hygiene-und Abstandsregeln eingehalten werden. Ähnlich sieht es der Landesschülerrat.

Aufregung und Petition nach Mathe-Abi - «Corona nicht berücksichtigt»

Nach der Abiturprüfung im Fach Mathematik haben sich zahlreiche Abiturienten in sozialen Medien über zu schwere Aufgaben beschwert. Vor allem auf Instagram warfen sie Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) vor, dass das Mathe-Abi das schwerste seit Jahren gewesen sei - und die zurückliegende Pandemie-Zeit mit Distanz- und Wechselunterricht nicht ausreichend berücksichtige. Mehr als 17 000 Unterzeichner forderten daher in einer Online-Petition die Anpassung des Notenschlüssels. Auch die SPD-Landtagsfraktion forderte das Kultusministerium am Mittwoch auf, die Ergebnisse zu überprüfen.

«Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler sind sich einig, dass es sich bei der Prüfung am 18. Mai um eine der schwersten Aufgabenstellungen der letzten Jahre gehandelt hat», berichtete SPD-Bildungsexpertin Simone Strohmayr. Dabei seien die Bedingungen während des Corona-Unterrichts für viele extrem herausfordernd gewesen. «Die Schülerinnen und Schüler wollen kein geschenktes Abi, aber sie haben ein Recht auf Fairness», betonte Strohmayr.

Das Ministerium hingegen versicherte gegenüber der «Main-Post»: «Die diesjährigen Abiturprüfungsaufgaben im Fach Mathematik wurden von den Experten insgesamt als gut machbar eingeschätzt.» Demnach zeigte Piazolo Verständnis für die Aufregung: «Schon in normalen Jahren sind Abiturientinnen und Abiturienten in der Prüfungsphase natürlich angespannt. (...) In diesem von Corona geprägten Jahr besteht diese Anspannung sicher bei vielen umso mehr, das kann ich gut verstehen.»

Ähnliche Aufregung um das Mathe-Abi hatte es bereits vor zwei Jahren gegeben, auch damals war in Online-Petitionen sogar bundesweit die Änderung des Bewertungsschlüssels gefordert worden. Das bayerische Ministerium hatte die Noten dann auch tatsächlich überprüft, aber festgestellt, dass der Abi-Durchschnitt im üblichen Schwankungsbereich lag. Der Bewertungsmaßstab wurde daher nicht geändert.

Gewerkschaft für Festhalten am Wechselunterricht

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat den Kurs des Berliner Senats ausdrücklich begrüßt, bis zu den Ferien am Wechselunterricht festzuhalten. Gleichzeitig forderte sie mehr Personal für Schulen und Jugendämter. Berlins GEW-Vorsitzender Tom Erdmann sagte am Mittwoch, die Gewerkschaft sei froh, dass der Senat auch bei sinkenden Inzidenzwerten nicht vorhabe, die Schulen wieder uneingeschränkt zu öffnen.

In den Schulen habe es wegen der Corona-Pandemie ständig Veränderungen gegeben. «Es wäre gut, wenn nun wenigstens in den letzten Wochen des Schuljahres etwas Ruhe reinkommt», sagte Erdmann. Viele Lehrkräfte und die meisten Schülerinnen und Schüler seien außerdem weiterhin noch nicht geimpft.

Co-Vorsitzende Doreen Siebernik forderte eine bessere Personalausstattung, damit die Folgen der Pandemie langfristig zu bewältigen seien. Das gelte nicht nur für Lehrkräfte, sondern auch für das Personal in der Schulpsychologie, der Schulsozialarbeit und in den Jugend- und den Gesundheitsämtern. Allein bei den Regionalen Sozialen Diensten der Jugendämter in Berlin seien rund 100 Stellen unbesetzt.

Die Bildungsverwaltung hatte den Schulleitungen am Freitag in einem Schreiben mitgeteilt, dass die Berliner Schülerinnen und Schüler bis zum Ende des Schuljahrs wie bisher nur zum Teil in der Schule unterrichtet werden - im Wechsel mit digitalem Lernen zu Hause. Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) stellte am Dienstag nach der Senatssitzung in Aussicht, dass es zum neuen Schuljahr wieder Präsenzunterricht geben soll, wenn die Infektionszahlen entsprechend niedrig sind.

Schwimmunterricht an sächsischen Schulen geht wieder los

Der Schwimmunterricht an den sächsischen Schulen kann nach Angaben des Kulturministeriums ab sofort wieder aufgenommen werden. Ziel sei, dass die Schülerinnen und Schüler in den neun Wochen bis zu den Sommerferien noch 20 bis 25 Stunden Schwimmunterricht erhalten. Dabei sollen sie möglichst die Basisstufe erreichen. Zudem gebe es Planungen, in den Ferien Schwimmkurse anzubieten. Dafür stünden 600 000 Euro zur Finanzierung bereit.

Wie das Ministerium am Mittwoch mitteilte, hatten im laufenden Schuljahr rund 38 000 Schülerinnen und Schüler nur sehr kurz Schwimmunterricht. Seit dem 2. November sind die Hallenbäder wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Grundvoraussetzung für die Wiederaufnahme des Unterrichts sei eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 165.

NRW kehrt ab 31. Mai landesweit zum Präsenzunterricht zurück

Nach viel Unruhe für Schüler und Lehrer auch in NRW soll nun schnell wieder landesweit ganz auf Präsenzunterricht umgestellt werden. Kontinuierlich sinkende Werte bei den Corona-Neuinfektionen machen es möglich.

In Nordrhein-Westfalen sollen alle Schüler ab dem 31. Mai wieder landesweit Präsenzunterricht erhalten. Das kündigte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag an. Das gelte für alle Schulformen und bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Einzelheiten wollte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) im Anschluss mitteilen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz für NRW war am Mittwoch laut Robert Koch-Institut auf 79,9 Neuinfektionen weiter gesunken. Laschet betonte, Corona sei besonders für die Jüngeren eine langfristige Gefahr, auch in psychosozialer Hinsicht. Nach gut einem Jahr mit stark eingeschränkten sozialen Kontakten brauche es unbedingt wieder eine sichere Rückkehr in die Klassenzimmer. «Soziale Kontakte kann kein Bildschirm ersetzen, und deshalb ist der Präsenzunterricht so wichtig.» Der solle nun in den fünf Wochen vor den Sommerferien für alle wieder kommen.

Unter den rund 2,5 Millionen Schülern in NRW und in den Lehrerkollegien dürfte die Ankündigung für Erleichterung sorgen - nach vielen Monaten mit oft kurzfristigen Wechseln hinein in die Schulen und wieder heraus. Nach der Bundesnotbremse ist Präsenzunterricht verboten in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165. Am Mittwoch lag nur noch Hagen über dieser Schwelle. Unter einem stabilen Wert von 165 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner ist ein Wechselmodus aus Distanz- und Präsenzlernen vorgesehen. Zuletzt waren am Montag noch Schulen in zehn Kreisen und kreisfreien Städten im reinen Distanzunterricht.

Ausnahmen galten dabei immer für die Abschlussklassen sowie für die Förderschulen, die im Präsenzunterricht bleiben konnten.

18.05.2021 

Hessen unterstützt Schüler beim Schließen von Corona-Bildungslücken

Wegen der Corona-Pandemie herrscht bei Schülern großer Nachholbedarf beim Lernstoff. Viele benötigen auch sozialpädagogische oder psychologische Unterstützung. Hessen startet ein millionenschweres Förderprogramm.

Mit dem Landesprogramm «Löwenstark – der Bildungskick» will Hessen Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, in der Corona-Pandemie verpassten Lernstoff aufzuholen. Corona habe negative Spuren im Bildungssystem hinterlassen und hinterlasse sie noch immer, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden. Das Landesprogramm setzt unter anderem auf Förderkurse, individuelle Lernbegleitung im Unterricht und Hausaufgabenbetreuung.

Angeboten werden sollen außerdem Online-Nachhilfe, Lerncamps, kulturelle Bildung, Sportkurse sowie sozialpädagogische und psychologische Unterstützung. Das Land stellt nach den Worten von Lorz für das laufende Jahr 60 Millionen Euro aus dem Corona-Sondervermögen bereit. Hessen habe auch das von der Bundesregierung geplante Förderprogramm im Blick, das sich noch in der Abstimmung befinde und später mit dem Landesprogramm verzahnt werden solle.

Für «Löwenstark - der Bildungskick» habe Hessen bewährte und neue außerschulische Partner mit ins Boot geholt, sagte der Minister. Dazu gehören unter anderem Stiftungen, Organisationen aus Sport und Kultur sowie ehrenamtliche Projekte.

«Ob Nachhilfe in Mathe, Leseförderung oder Bewerbungstraining, Musikangebote, Theaterbesuche, ein langer Schultag im Museum, Schwimmunterricht oder ein Bewegungsangebot auf dem Schulhof – so vielfältig die Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler sind, so breitgefächert soll auch unser Unterstützungsangebot sein», erläuterte Lorz.

Dies gelte auch für Schulleitungen und Lehrkräfte, die in den kommenden Monaten zusätzliche Möglichkeiten zur personellen Unterstützung, für Fortbildungen, zur speziellen Beratung und zum Coaching erhalten sollen.

Die Geschäftsführerin der Landesvereinigung Kulturelle Bildung Hessen, Susanne Hilf, erklärte: «Kinder und Jugendliche brauchen gerade jetzt künstlerisch-kulturelle Angebote, um die Herausforderungen des letzten Jahres zu reflektieren, ihren individuellen Sichtweisen Ausdruck zu verleihen und wieder Selbstwirksamkeit zu erfahren.»

Die Corona-Krise habe Defizite etwa beim Lesen nochmal vergrößert, erläuterte der Hauptgeschäftsführer Stiftung Lesen, Jörg Maas. «Ohne Lesen geht es nicht. Egal ob in der Schule, im Beruf oder in der Freizeit: Lesen ist die Grundlage, damit wir unseren Alltag meistern und gestalten.» Die Stiftung biete unter anderem Lesestart-Sets für junge Familien und ein Erstlesebuch für alle hessischen Schulanfängerinnen und Schulanfänger an. Das Aufholprogramm käme genau zum richtigen Zeitpunkt - während in anderen Ländern noch diskutiert werde, sagte Maas.

Kabinett beschließt: Saar-Schulen nach Pfingsten wieder in Präsenz

Im Saarland sollen nach den Pfingstferien ab dem 31. Mai wieder alle Schulen für den Vollpräsenz-Betrieb öffnen. Das beschloss der Ministerrat nach einem entsprechenden Vorschlag von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) am Dienstag. Zwingende Voraussetzung für die Rückkehr in den vollständigen Präsenzunterricht ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz auf Landesebene stabil unter 100 liegt.

Streichert-Clivot sprach von einem «sehr starken Signal: Das machen andere Bundesländer anders». Alle Hygiene- und Infektionsschutzregelungen sowie die Testpflicht zweimal in der Woche hätten Bestand. Auch bleibe es bei einer festen Kohortenbildung unter den Jahrgängen. Derzeit gibt es für die rund 120 000 Schüler im Saarland Wechselunterricht, das heißt, sie lernen im Wechsel von zu Hause und im Klassenzimmer.

Kinderärzte für schnelle Schulöffnungen - «Triage in Psychiatrien»

Kinder- und Jugendärzte sprechen von einer politischen Vernachlässigung von Kindern in der Pandemie. Eindringlich fordern sie die Öffnung von Kitas und Schulen.

Kinder- und Jugendmediziner fordern schnelle Schul- und Kitaöffnungen. «Schulen öffnen, Kitas öffnen - natürlich gemäß den geltenden Leitlinien und mit angemessenen Testungen. Jetzt ist es an der Zeit, das Ruder herumzureißen», sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Jörg Dötsch, der «Rheinischen Post» (Dienstag). «Wir sehen die dringende Notwendigkeit, dass sich Menschen, die sich noch nicht impfen lassen können, keine Nachteile davon haben dürfen. Es ist absolut notwendig, selbst wenn Jugendliche in den höheren Jahrgängen geimpft werden können, für Kinder im Grundschulalter, aber auch in mittleren Jahrgängen wieder ein normales soziales Leben zu ermöglichen, damit sie sich normal entwickeln können.»

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisierte die politische Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen während der Pandemie scharf. «Kinder und Jugendliche wurden in der Pandemie von Anfang an massiv vernachlässigt. In der ersten Phase waren die pauschalen Einschränkungen wie Schul- und Kitaschließungen noch nachvollziehbar. Aber inzwischen haben wir gelernt, dass Kinder die Infektion deutlich weniger weitertragen und selbst deutlich seltener erkranken als Erwachsene», sagte BVKJ-Sprecher Jakob Maske der «Rheinischen Post». «Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt. Wer nicht suizidgefährdet ist und «nur» eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen.»

Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) forderte von Bund und Ländern mehr Anstrengungen zugunsten der Schüler. «Die Lage der jungen Generation steht aus meiner Sicht gegenwärtig immer noch viel zu wenig im Mittelpunkt der Diskussion», sagte sie der «Bild» (Dienstag). Das werde den Sorgen, die «wir uns machen sollten, nicht gerecht». Der Ausfall an Präsenzunterricht habe zu erheblichen Lernrückständen geführt.

Der Deutsche Lehrerverband hält eine Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht ab einer Inzidenz von 50 für empfehlenswert. «Wir haben ja bereits jetzt nur noch wenige Landkreise oberhalb der 165er Inzidenz, die für reinen Distanzunterricht ausschlaggebend ist», sagte ihr Präsident Heinz-Peter Meidinger der Zeitung. Unterhalb der 100er Inzidenz könnten Länder vollständigen Präsenzunterricht anordnen. «Unsere Auffassung ist allerdings, dass man sich bei vollständigem Präsenzunterricht ohne Abstandsregelung an der Empfehlung des RKI (Inzidenz 50) orientieren sollte, solange viele Lehrkräfte und fast alle Kinder noch nicht geimpft sind». Für das nächste Schuljahr zeigte sich Meidinger «recht optimistisch, dass da deutlich mehr Normalität in den Schulbetrieb zurückkehrt und bei fortschreitenden Impfungen die Inzidenzen niedrig gehalten werden können».

Minister: Impfangebot für Schüler bis Ferienende - Gymnasium startet

Die Impfkampagne gewinnt weiter an Fahrt: Mittlerweile wird die Immunisierung von Schülern vorbereitet. Minister Holetschek kündigt Impfangebote bis Ende der Sommerferien an. Ein Gymnasium startet schon jetzt.

An einem Gymnasium im Münchner Vorort Planegg können sich Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren am Freitag gegen das Coronavirus impfen lassen. Eine niedergelassene Praxis habe dies der Schule kurzfristig angeboten, sagte der Schulleiter Matthias Spohrer am Montag in Planegg. Die Biontech-Impfdosen seien den Ärzten regulär zugeteilt worden. Alle priorisierten Patienten der Praxis seien bereits geimpft.

«So entstand in Absprache mit dem Landratsamt München und nach Wegfall der Priorisierung in Bayern der Vorschlag, die Jugendlichen ab 16 in unserer Schule zu impfen», sagte Spohrer. Zuvor hatte die «Süddeutsche Zeitung» darüber berichtet. Bayerns Hausärzte dürfen Patienten ab diesem Donnerstag (20. Mai) unabhängig von der Impfreihenfolge mit sämtlichen Corona-Impfstoffen impfen.

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) kündigte unterdessen in der «Augsburger Allgemeinen» (Dienstag) Vorbereitungen an, um bis zum Ende der Sommerferien allen Schülern sogar ab zwölf Jahren eine Corona-Impfung anzubieten und den Präsenzunterricht im kommenden Schuljahr zu sichern. In Bayern gibt es rund 835 000 Schüler zwischen 12 und 18 Jahren.

«Sofern der Impfstoff zugelassen wird, gehe ich davon aus, dass jede Schülerin und sogar jeder Schüler ab zwölf Jahren bis zum Ende der Sommerferien ein Impfangebot bekommt», sagte der Minister der Zeitung. Die Impfung der Schüler würde Schulen mehr Optionen eröffnen; es wäre auch wieder mehr Präsenzunterricht möglich.

Auch der Planegger Schulleiter Spohrer hält die Immunisierung der Jugendlichen für sinnvoll. Die Sieben-Tage-Inzidenz bei dieser Altersgruppe liege um ein Vielfaches höher als bei Älteren. Außerdem schützten geimpfte Jugendliche ihre Kontaktpersonen in der Schule und in der Familie. Aus diesem Grund habe sich die Schulleitung entschieden, das Angebot anzunehmen und die Umsetzung vor Ort zu organisieren. Man habe das Angebot an die Familien weitergeleitet und darauf aufmerksam gemacht, dass es «absolut freiwillig» sei.

Holetschek sagte in der «Augsburger Allgemeinen» weiter, derzeit werde ein Konzept erarbeitet, wie die Impfungen für Schüler logistisch organisiert werden könnten. «Wir wollen die Impfzentren einbinden und prüfen, ob auch an den Schulen selbst geimpft werden kann.» Auch die Haus-, Kinder- und Jugendärzte sollten eingebunden sein.

Der Gesundheitsminister forderte vom Bund zusätzliche Impfdosen über die jetzigen Kontingente, die bei Biontech derzeit ab 16 Jahren zugelassen sind. «Der Impfstoff für Schüler muss komplett vom Bund zur Verfügung gestellt werden - so ist es vereinbart», sagte Holetschek. Aber: «Es ist wichtig, dass er nicht anderswo fehlt.»

Die Staatsregierung hatte vergangenen Mittwoch angekündigt, die Priorisierung bei den Hausärzten für Corona-Impfungen im Laufe dieser Woche aufzuheben.

17.05.2021 

Schüler fordern: Klassenarbeiten erst einmal absagen

Schülerinnen und Schüler aus der Region Hannover haben Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne in einem offenen Brief aufgerufen, auf Klausuren und Klassenarbeiten zunächst zu verzichten. Statt auf der Leistungsüberprüfung solle der Fokus zur Zeit auf der Vermittlung von Wissen und dem gemeinsamen Lernen liegen, heißt es in dem Brief. Deshalb plädierten die Schüler dafür, den entsprechenden Erlass zu ändern - und Klassenarbeiten sowie Klausuren in diesem Schulhalbjahr für die Jahrgänge 5 bis 11, mit Ausnahme der Abschlussklassen, auszusetzen. Der Landesschülerrat unterstützt den Vorstoß zur Absage von Klassenarbeiten.

Der SPD-Politiker Tonne hatte zuvor ebenfalls eine Übergangsphase angemahnt und dazu aufgerufen, die Schüler nach ihrer Rückkehr nicht sofort mit Tests und Klausuren zu überhäufen. «Die Schule soll nicht mit Druck starten», sagte er. Der verpasste Stoff könne auch in den nächsten Schuljahren aufgeholt werden. Das Land hatte die regionale Inzidenz-Grenze für den Distanzunterricht von 100 auf 165 geschoben. Unterhalb des Werts greift das Wechselmodell mit geteilten Klassen.

«Das monatelange Distanzlernen war eine enorme Belastung. Was wir nun brauchen, ist eine ruhige Ankunft in der Schule - und keine Klassenarbeiten», betonte Florian Reetz, der Vorsitzende des Landesschülerrates. «Die psychischen Belastungen sollten mit dem Übergang ins Wechselmodell abgebaut werden. Wenn einige Schulen meinen, die zusätzlichen Präsenztage für mehr Leistungsdruck zu nutzen, dann ist das eindeutig der falsche Ansatz.»

Anlass für den offenen Brief war den Angaben zufolge, dass Lehrkräfte angekündigt hätten, mit der Rückkehr in den Präsenzunterricht schnell Klausuren und Klassenarbeiten anzusetzen. Die Schülerinnen und Schüler begrüßten es, wieder zur Schule gehen zu können, heißt es in dem Brief. Aber: Monatelange Isolation, gepaart mit «teils enormen Anforderungen durch Hausaufgaben, Videokonferenzen und Ersatzleistungen» hätten viele Schüler «sehr stark belastet. Viele sind am Rande ihrer Kräfte angelangt und befinden sich in einer schlechten psychischen Verfassung».

Schon in den vergangenen Wochen habe sich eine deutliche Zunahme an Onlineklausuren abgezeichnet - eine zusätzliche Belastung. Noten sollten sich aus den Leistungen im ersten Halbjahr, der Beteiligung im Homeschooling und der folgenden Präsenzzeit zusammensetzen.

Voller Präsenzunterricht an Schulen in Rheinland-Pfalz ab Mitte Juni

In zwei Stufen sollen alle Jahrgangsstufen zum gemeinsamen Unterricht in den Klassenräumen zurückkehren - bei einer Inzidenz unter 100. Das laufende Schuljahr könne so gemeinsam abgeschlossen werden, teilt Bildungsministerin Hubig mit.

Die Schulen in Rheinland-Pfalz sollen nach den Pfingstferien noch zwei Wochen im Wechselunterricht bleiben und dann wieder grundsätzlich zum Unterricht in den Klassenräumen zurückkehren. «Ab dem 21. Juni 2021 öffnen wir so viel wie möglich», teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Montag mit. «Danach findet für alle Klassen- und Jahrgangsstufen Präsenzunterricht statt, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in den kreisfreien Städten und Landkreisen stabil unter 100 liegt.»

Rheinland-Pfalz sei mit landesweit zurückgehenden Infektionszahlen auf einem sehr guten Weg, erklärte Hubig. Im Anschluss an die bis zum 2. Juni dauernden Pfingstferien seien daher zwei Öffnungsstufen vorgesehen. In einem ersten Schritt werde in allen Jahrgangsstufen der Wechselunterricht fortgesetzt, bis zum 18. Juni. Danach könnten alle Schülerinnen und Schüler bei einer Inzidenz von weniger als 100 000 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen in die Klassenräume zurückkehren. «Alle Schülerinnen und Schüler können das Schuljahr bis zu den Sommerferien so gemeinsam abschließen», teilte Hubig mit.

Diese Planungen seien mit den Experten der Universitätsmedizin Mainz abgestimmt, fügte die Ministerin hinzu. Das Vorgehen sei auch mit Personalräten, Landeselternbeirat und der Landesvertretung der Schülerinnen und Schüler besprochen worden.

Der weit überwiegende Teil der Lehrkräfte wurde nach Angaben des Ministeriums mindestens einmal geimpft. Die Auswertung des Landesuntersuchungsamts habe bestätigt, dass die Hygienekonzepte an den Schulen «sehr wirksam» sind. Weiter bestehen bleibt die Testpflicht. «Das sind sehr gute Voraussetzungen dafür, dass wir ab dem 21. Juni noch mehr Präsenzunterricht anbieten können.»

Nach den Bestimmungen des Bundes findet Wechselunterricht statt, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Sieben-Tage-Inzidenz den Schwellenwert von 100 überschreitet. Ab einer Inzidenz von 165 muss Fernunterricht stattfinden.

Schulen wieder offen für alle - Rabe: Normal-Unterricht bald möglich

An Hamburgs Schulen sind mit Wochenstart alle Jahrgänge zurück in den Klassenräumen. Die Kinder und Jugendlichen aller Klassen werden in der Corona-Pandemie nun im Wechsel an den Schulen unterrichtet. 40 Prozent der rund 200 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen konnten bisher ausschließlich zu Hause lernen. Zudem wechseln die Hamburger Kitas vom Not- in den eingeschränkten Regelbetrieb. Damit können die Mädchen und Jungen an mindestens drei Tagen in der Woche eine Betreuung von 20 Stunden in Anspruch nehmen.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) hält indes mit Blick auf die sinkende Sieben-Tage-Inzidenz normalen Unterricht noch vor den Sommerferien für möglich. «Also, wenn das so weitergeht, dann kann ich mir das durchaus vorstellen. In einzelnen Bundesländern hat man ja schon solche Schritte gemacht. Aber wir müssen das nochmal genauer angucken», sagte Rabe am Sonntagabend dem Hamburg Journal des Norddeutschen Rundfunks. Die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, lag in Hamburg am Wochenende der Gesundheitsbehörde zufolge bei 53,2.

LKA: Drei Aktionen von Corona-Leugnern vor Schulen bekannt

Vor allem die Maskenpflicht im Unterricht ist Kritikern der staatlichen Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung ein Dorn im Auge. In Niedersachsen gab es vereinzelte Proteste.

Dem Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) sind im Mai drei Aktionen von Corona-Leugnern beziehungsweise Kritikern der pandemiebedingten Einschränkungen vor Schulen bekanntgeworden. In Hannover sei es zu Sachbeschädigungen an zwei Grundschulen gekommen, dort hätten Unbekannte Texte mit Corona-Bezug auf den Boden gesprüht, berichtete eine LKA-Sprecherin. In Peine seien vor einer Schule Zettel im Zusammenhang mit den Pandemie-Maßnahmen verteilt worden. Wie die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» vor einer Woche berichtete, hatten sich vor weiteren Schulen Kreide-Sprüche gefunden - etwa «Hände weg von unseren Kindern» oder «Masken machen krank». Seither seien keine ähnlichen Aktionen bekanntgeworden, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag in Hannover.

Vor kurzem hatte der niedersächsische Kinderschutzbund beklagt, dass Mädchen und Jungen von ihren Eltern auf Demonstrationen gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen instrumentalisiert würden. So sei im April bei einer nicht angemeldeten Demonstration von Maskenverweigerern in Cuxhaven ein Kleinkind in ein Handgemenge zwischen Teilnehmenden und Polizisten gezogen worden. Solche bewusst eingegangenen Kindeswohlgefährdungen seien nicht hinzunehmen, hieß es. Auch Jugendliche würden manipuliert. Bei Corona-Demos in der Vergangenheit etwa in Hannover waren Kinder als Redner aufgetreten.

Schulen und Kitas in MV öffnen wieder

Nach einem deutlichen Rückgang der Corona-Infektionszahlen öffnen am Montag die Schulen und Kindertagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern wieder. In den meisten Regionen haben die Kinder von Klasse eins bis sechs und die Schüler der Vor-Abschlussklassen täglich Präsenzunterricht. Für die anderen gibt es zunächst Wechselunterricht.

In den Landkreisen Ludwigslust-Parchim, Mecklenburgische Seenplatte und Vorpommern-Greifswald haben auch die Jüngeren diese Woche Wechselunterricht. Dort hatte am Stichtag Mittwoch die Inzidenz laut Robert Koch-Institut (RKI) noch über 100 gelegen. Seit Freitag liegt sie aber in allen Kreisen und kreisfreien Städten unter diesem wichtigen Wert. Wer in die Schule geht, muss sich zweimal die Woche testen.

Die Schulen und Kitas waren am 19. April geschlossen beziehungsweise auf Notbetrieb umgestellt worden, um die dritte Corona-Welle zu brechen. Nach vier Wochen können sie nun wieder öffnen. Das Schuljahr ist indes fast vorbei. In fünf Wochen beginnen die Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern. Die Schulen waren in der zweiten Corona-Welle bereits kurz vor Weihnachten geschlossen und im Februar/März schrittweise wieder geöffnet worden.

16.05.2021 

Baldauf plädiert für flächendeckende Nutzung von «Lolli-Tests»

In Kindertagesstätten und Grundschulen sollten «Lolli-Tests» nach Ansicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden Christian Baldauf flächendeckend eingeführt werden. «Spätestens nach den Pfingstferien müssen die Lolli-Tests flächendeckend im Einsatz sein», forderte der Fraktionschef im rheinland-pfälzischen Landtag am Wochenende. Bei den «Lolli-Tests» müssen Kinder auf den Teststäbchen wie auf einem Lolli 30 Sekunden lang herumlutschen.

Gerade für kleinere Kinder sei die «Lolli-Test»-Methode viel angenehmer als ein Nasen-Rachen-Abstrich, erklärte Baldauf. «Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrerinnen und Lehrern bringt sie Entlastung und neuen Schutz vor dem Virus zugleich.» Daher sollte die Landesregierung alle notwendigen und organisatorischen Maßnahmen zur Vorbereitung der «Lolli-Test»-Methode auf den Weg bringen. Einer größeren Verbreitung der «Lolli-Tests» stand bislang vor allem die fehlende Zulassung für Selbsttests im Weg.

15.05.2021 

Lockerungen für Schulen in Regionen mit niedriger Inzidenz

Schüler aus Regionen mit niedrigen Inzidenzwerten können sich auf Lockerungen einstellen. Die neue Corona-Verordnung des Landes sieht vor, dass Schüler bei einer Inzidenz von unter 50 in ihrem Stadt- oder Landkreis in allen Schularten wieder in den Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen gehen. Während das Abstandsgebot nicht mehr gilt, bleiben Test- und Maskenpflicht bestehen, wie das Kultusministerium am Samstag in Stuttgart mitteilte. Außerdem sind Tagesausflüge wieder zulässig.

Auch in Kommunen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 bis 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner gibt es Lockerungen: Hier kehren die Grundschulen, Grundschulförderklassen sowie die Grundstufen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und die Schulkindergärten zum Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen zurück. Für alle anderen Schularten bleibt es beim Wechselunterricht - mit der Aussicht auf mehr Präsenz nach den Pfingstferien.

Die Regelungen gelten zum 11. Juni. Die Schulen können sie schon vor den Pfingstferien vom 25. Mai bis 5. Juni umsetzen; sie müssen dies aber wegen der noch wenigen verbleibenden Tage bis zum Ferienbeginn und des damit einhergehenden Aufwandes nicht.

Weiter stellt das zuständige Gesundheitsamt fest, wann welche Öffnungsstufe greift. Die einzelnen Schritte treten dann am übernächsten Tag nach der Bekanntmachung in Kraft. Sie treten außer Kraft, wenn der Schwellenwert fünf Tage nacheinander unterschritten ist. In Kommunen mit einem Inzidenzwert von über 100 findet weiterhin Wechselunterricht statt, ab einem Wert von 165 ist selbst dieser untersagt und muss durch Fernunterricht ersetzt werden.

Für das Fach Sport ergibt sich eine Neuerung: Liegt der maßgebliche Inzidenzwert unter 100, ist Unterricht im Freien sowie innerhalb des Klassenverbands möglich. An allen weiterführenden Schulen findet der fachpraktische Sportunterricht bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 darüber hinaus ausschließlich kontaktarm statt. Ab einer Inzidenz von 100 ist Sportunterricht weiterhin untersagt.

Lehrerverband rechnet mit Regelbetrieb nach den Sommerferien

Die Corona-Zahlen sinken, die Impfquoten steigen. Viele Bereiche des öffentlichen Lebens bereiten sich auf Lockerungen vor. Und was ist mit den Schulen?

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, ist optimistisch, dass die Schulen nach den Sommerferien zum normalen Unterricht zurückkehren können. «Ich rechne damit, dass der dritten Welle keine vierte mehr folgen wird und das nächste Schuljahr bei anhaltend sinkenden Inzidenzen und weiteren Impffortschritten im Regelbetrieb starten kann», sagte Meidinger der «Welt» (Samstag).

Zumindest für die älteren Schüler gebe es eine reelle Chance, bis dahin geimpft zu sein. «Wir befürworten auch Impfaktionen an Schulen, um ein niedrigschwelliges Angebot für Schüler und Lehrkräfte zu schaffen», betonte Meidinger. Daran schließe sich aber die Frage an, wie der Schulbetrieb im Nebeneinander von geimpften und ungeimpften Schülern sowie Lehrkräften organisiert werden könne.

Dazu zählten Frage wie: «Was passiert, wenn Eltern nicht wünschen, dass ihr Kind von einem ungeimpften Lehrer unterrichtet wird? Dürfen ungeimpfte Schüler mit auf Klassenfahrt und in die Theatergruppe? Kann ich Geimpften das Tragen einer Maske abverlangen?»

Er rechne fest damit, dass es eine politische Debatte um eine Impfpflicht für Lehrkräfte geben werde, sagte Meidinger. Der Lehrerverband spreche sich zwar gegen eine Pflichtimpfung aus. Seiner Ansicht nach hätte der Staat bei verbeamteten Lehrkräften und entsprechender gesetzlicher Regelung aber wohl die Handhabe dazu.

Meidinger fordert, bereits jetzt Konzepte zu entwickeln, wie Lerndefizite aufgeholt werden könnten. «Wir brauchen noch vor den Sommerferien Lernstandserhebungen in den Kernfächern, um den Förderbedarf abschätzen zu können und entsprechende Beratungsgespräche mit den Eltern führen zu können.»

Insgesamt haben die knapp elf Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland laut des Lehrerverbands seit Beginn der Corona-Pandemie auf rund die Hälfte der Schulstunden im Präsenzunterricht verzichten müssen. Seit März 2020 seien durchschnittlich zwischen 350 und 800 Stunden Präsenzunterricht für jeden Schüler ausgefallen, sagte Meidinger der «Bild» (Samstag). «Das ist im Schnitt wohl ein halbes Schuljahr.»

Lehrerverband: Halbes Schuljahr Präsenzunterunterricht verloren

Die knapp elf Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben nach Angaben des Deutschen Lehrerverbandes seit Beginn der Corona-Pandemie auf rund die Hälfte der Schulstunden im Präsenzunterricht verzichten müssen. Seit März 2020 seien durchschnittlich zwischen 350 und 800 Stunden Präsenzunterricht für jeden Schüler ausgefallen, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der «Bild» (Samstag). «Das ist im Schnitt wohl ein halbes Schuljahr.»

Meidinger verlangte differenzierte Lösungen, um die entstandenen Lücken wieder zu schließen. Nötig seien verpflichtende Zusatzangebote im nächsten Schuljahr, nachmittags, aber auch am Wochenende und in den Ferien. «Das kann auch digitale Nachhilfe sein.» Noch wisse niemand, wo angesichts des Lehrermangels die zusätzlichen Kräfte für die Lernförderung herkommen sollen. «Ohne Lehramtsstudierende und Lehrkräfte, die schon in Rente oder Pension sind, wird es nicht gehen», warnte er.

14.05.2021

Dresdner Grundschulen öffnen wieder im eingeschränkten Regelbetrieb

Angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen dürfen die Grundschulen in Dresden wieder im eingeschränkten Regelbetrieb öffnen. Die Regelung gelte von Dienstag (18. Mai) an, teilte das Kultusministerium am Freitag mit. Der bisherige Wechselunterricht wird damit aufgehoben. Mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 gilt nicht mehr die Bundesnotbremse, sondern die Corona-Schutzverordnung des Landes. Diese sieht in diesem Fall Präsenzunterricht vor - allerdings in festen Gruppen und Klassen mit wenigen festen Lehrern.

Am Freitag lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen in der Landeshauptstadt bei 87,3. Für Kinderkrippen, Kindergärten und Horteinrichtungen verändert sich damit nichts. Diese sind ohnehin im eingeschränkten Regelbetrieb geöffnet.

Mehr als 40 Millionen für Schulbauförderung 2021

Um Schulen zu vergrößern, sie barrierefrei zu gestalten oder grundsätzlich zu sanieren, nimmt Thüringen in diesem Jahr 42,3 Millionen Euro in die Hand. Geplant seien weitere 14 Bauvorhaben an staatlichen und 3 an Schulen in freier Trägerschaft, teilte das Infrastrukturministerium am Freitag mit. Insgesamt hätten 16 von 33 staatlichen Schulträgern 30 Projekte zur Förderung angemeldet. Für diese Träger - Städte und Landkreise - stünden 37,23 Millionen Euro zur Verfügung. Die Gelder stammten größtenteils aus dem Thüringer Schulbauprogramm.

«Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Schulbetriebs während der Pandemie verdienen Thüringens Schülerinnen und Schüler mehr denn je ein gutes und modernes Lernumfeld und Lehrerinnen und Lehrer einen attraktiven Arbeitsplatz», sagte Infrastrukturstaatssekretärin Susanna Karawanskij. Bei den Investitionen gehe es auch darum, ländliche Räume als Wohn- und Lebensort für Familien attraktiver zu machen und gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu gewährleisten.

13.05.2021

Corona-Pandemie erschwert weiter die Vermittlung von Lehrstellen

Rein rechnerisch gibt es für jeden Jugendlichen in Sachsen mindestens ein freie Lehrstelle. Doch in Zeiten von Corona kann die Berufsberatung nicht wie gewohnt angeboten werden.

Die Corona-Krise erschwert nach Angaben der Arbeitsagentur jungen Leuten die Suche nach einer passenden Lehrstelle. «Corona und die damit verbundenen Unsicherheiten gestalten die Situation auf dem Ausbildungsmarkt schwierig», sagte Klaus-Peter Hansen, Chef der Arbeitsagentur in Sachsen, am Donnerstag in Chemnitz. Umso erfreulicher sei es, dass viele sächsische Unternehmen trotz der aktuellen Bedingungen auf Ausbildung setzen.

Laut Agentur sind derzeit noch 9420 Schüler auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Dem stünden 10 274 freie Lehrstellen gegenüber. Man sei aber mit dem Informations- und Beratungsangebot gut aufgestellt, so dass Betriebe und Jugendliche ohne Vertrag auch in unsicheren Zeiten zueinander finden könnten. Der Zugang zu ihnen sei jedoch in der Pandemie schwieriger. Sie seien derzeit mit ihrem Schulabschluss beschäftigt, zudem schränke der Lockdown persönliche Beratung ein.

«Daher appellieren wir, dass alle an einer Ausbildung interessierten jungen Menschen unsere Online-Angebote nutzen und sich bei der Jugendberufsagentur melden. Nur dann können wir die Lehrstellen möglichst passgenau vermitteln und dabei helfen, dass kein Jugendlicher verloren geht und möglichst viele Ausbildungsplätze passend besetzt werden», betonte Hansen.

«Schülerinnen und Schüler brauchen unter den aktuellen Bedingungen Orientierung und Beratung, damit der Übergang von der Schule in den Beruf gelingt», hob Hansen hervor. Momentan würden die Betriebe weniger Praktika anbieten. Deshalb habe die Arbeitsagentur noch mehr Online-Angebote auf den Weg gebracht, damit Jugendliche zu jeder Zeit und an jedem Ort ihre Stärken ausloten und Berufe näher kennenlernen können.

Sommerschulen sollen pandemiebedingte Lernrückstände auffangen

Inzwischen gibt auch der Kultusminister unumwunden zu, dass manche Schülerinnen und Schüler in der Pandemie den Anschluss verloren haben. Um Lernrückstände aufzuholen, soll deshalb zwei Wochen lang zusätzlicher Unterricht angeboten werden - in den Sommerferien.

Mit zwei Wochen zusätzlichen Unterrichts in den Sommerferien will das bayerische Kultusministerium die pandemiebedingten Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler auffangen. Über das freiwillige Angebot hinaus soll es auch an anderer Stelle mehr individuelle Förderung geben, etwa durch eine Differenzierung je nach Leistungsstand im Pflichtunterricht, geteilte Gruppen oder Zusatzkurse am Nachmittag. Zugleich sollen Aktivitäten wie Orchester, Chor oder Fußball-Schulmannschaften baldmöglichst wieder hochgefahren werden, um die sozialen Kompetenzen zu stärken.

Für bayerische Schüler ganz neu ist das Konzept der Sommerschulen. «Es sollen zwei Wochen in den Sommerferien sein, entweder zwei Wochen am Stück, oder eine Woche am Anfang der Ferien und eine am Ende. Das bleibt den Schulen vor Ort überlassen», sagte Piazolo der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in München. Dort würden vor allem Lücken in Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen geschlossen. Bei Bedarf könne es aber auch Angebote etwa zur beruflichen Orientierung, zur Persönlichkeitsbildung oder zu Lernstrategien geben.

Das Angebot sei freiwillig, schließlich hätten manche Familien schon Urlaubspläne, erläuterte Piazolo. Allerdings sei es das Ziel, dass gerade auch von den schwächeren Schülern möglichst alle die Sommerschulen besuchten. Der Unterricht dort soll von eigens angeworbenem Personal gestemmt werden, etwa durch pensionierte Lehrkräfte, Referendare oder Studierende. Für ein ebenfalls geplantes Tutorenprogramm erhofft sich Piazolo eine vierstellige Zahl von älteren Schülern, die den Jüngeren unter die Arme greifen.

In Summe stehen für das bereits in groben Zügen bekannte Förderprogramm, das auch Ferien-Angebote des Bayerischen Jugendrings beinhaltet, zunächst rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Der Großteil davon fließt in das Zusatz-Personal für die Sommerschulen. Die Zeit für Förderangebote während der normalen Unterrichtszeit sollen die regulären Lehrkräfte etwa durch den Wegfall von zu korrigierenden Schulproben gewinnen.

Die Organisation der Förderangebote - auch klassenübergreifende Kurse oder in Einzelfällen auch Kooperationen mehrerer Schulen sind denkbar - liegt dabei in den Händen der jeweiligen Schulen. Sie sollen dafür ein individuelles Budget bekommen. Das Kultusministerium unterstützt sie bei der Gewinnung von Personal unter anderem mit einem Bewerberportal.

12.05.2021

Gericht: Testpflicht an Schule rechtswidrig - Beschwerde der Behörde

Ein Grundschüler muss sich nach einer Entscheidung des Hamburger Verwaltungsgerichts nicht an seiner Schule auf Corona testen lassen, um am Präsenzunterricht teilnehmen zu dürfen. Es reiche ein negatives Ergebnis aus einem anerkannten Schnelltestzentrum, das maximal 24 Stunden alt sei, heißt es in dem Beschluss vom 29. April (Az. 2 E 1710/21). Die Schulbehörde hat gegen die Eil-Entscheidung Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt, wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch sagte. Der Schüler hatte sich zu Hause testen lassen und der Schule nur das Ergebnis mitteilen wollen. Einen solchen Selbsttest akzeptierte das Verwaltungsgericht nicht.

Seit dem 6. April müssen sich Schüler in Hamburg mindestens zweimal pro Woche unter Aufsicht an der Schule testen, wenn sie am Präsenzunterricht teilnehmen wollen. Als einzige Alternative ist ein PCR-Test erlaubt, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts verletzt die Testpflicht an der Schule den Datenschutz, zumindest wenn ein Test positiv ausfällt und das Ergebnis an das Gesundheitsamt weitergeleitet werden muss. «Die derzeitige Ausgestaltung der testabhängigen Zugangsbeschränkung verstößt nach summarischer Prüfung (…) gegen die Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung», heißt es in dem Beschluss. Die Datenerhebung setze Freiwilligkeit voraus. Die Alternative Homeschooling bedeute aber einen Nachteil für den Schüler, er könne sich darum nicht freiwillig entscheiden.

Bund fördert Frischluft-Klimaanlagen in Kitas und Grundschulen

Das Bundeswirtschaftsministerium will künftig beim Neueinbau von stationären Frischluft-Klimaanlagen in Kindergärten und Grundschulen den Großteil der Kosten übernehmen. Wie Kanzleramtschef Helge Braun per Twitter mitteilte, fördere das Ministerium den Neueinbau in Kindergärten und Grundschulen ab sofort zu 80 Prozent. «Gut gegen #Corona und auch langfristig ist gute Raumluft gut fürs "Lernklima"! ToDo: In den Sommerferien einbauen!», twitterte der CDU-Politiker.

Hintergrund ist laut Wirtschaftsministerium eine Erweiterung der Bundesförderung coronagerechter Um- und Aufrüstung von stationären raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) um den Neueinbau in Einrichtungen für Kinder unter zwölf Jahren, die das Kabinett am Mittwoch beschlossen habe. Die Erweiterung diene der besseren Pandemiebekämpfung, hieß es. Für den Infektionsschutz sei Frischluftzufuhr sehr wichtig – gerade bei Kindern unter zwölf Jahren, weil diesen derzeit noch kein Impfangebot gemacht werden könne.

Bei den Schulen würden alle berücksichtigt, in denen Kinder unter zwölf Jahren unterrichtet werden – auch wenn außerdem ältere Schüler an den Schulen seien. Das Ministerium wolle nun «mit Hochdruck» an der Novellierung der Richtlinie arbeiten.

Saarland passt Regeln für Schulen an - «Fördern statt Sitzenbleiben»

Wegen des stark von der Corona-Pandemie geprägten Schuljahrs hat das saarländische Bildungsministerium die Regelungen für die anstehenden Entscheidungen über Versetzungen angepasst. «Der Grundsatz lautet hierbei "Fördern statt Sitzenbleiben"», sagte Ministerin Christine Streichert-Clivot am Mittwoch einer Mitteilung zufolge. Im vergangenen Schuljahr habe man unter anderem die Versetzungsentscheidungen ausgesetzt. «Eine solche pauschale Regelung gibt es im laufenden Schuljahr nicht. Alle Schulen treffen Versetzungsentscheidungen», kündigte die SPD-Politikerin an.

Bei versetzungsgefährdeten Kindern soll geprüft werden, was im Einzelfall sinnvoll ist: der Gang in die nächsthöhere Stufe oder eine Wiederholung. «Alle Schülerinnen und Schüler sollen von ihren Lehrkräften in ihren unterschiedlichen Lernbedürfnissen individuell in den Blick genommen werden.» Vor einer Entscheidung werden die Schulen demnach Beratungsgespräche auch mit den Eltern anbieten. Bei diesen Gesprächen könnten die verschiedenen Möglichkeiten des Kindes in den Blick genommen werden, erklärte Streichert-Clivot.

Auch neue Kultusministerin Schopper ist gegen kürzere Sommerferien

Auch die neue baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) ist gegen kürzere Sommerferien, um pandemiebedingte Wissenslücken im Unterricht aufzuholen. «Die Schulzeit war jetzt nicht so, dass man digital zu Hause war und hat da entspannt die Füße aufs Sofa gelegt», sagte sie am Mittwoch dem Südwestrundfunk (SWR). Die Zeit des Online- und Wechselunterrichts sei sogar sehr anstrengend für alle Beteiligten gewesen. Deshalb bräuchten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer und Eltern eine Zeit der Erholung.

Auch Unterricht an Samstagen erteilte sie eine Absage: «Es ist so, dass die Leute mehr oder weniger am Rande ihrer Kräfte sind», sagte Schopper, die zuletzt Staatsministerin und zuvor bayerische Grünen-Chefin war.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatten den Vorschlag ebenfalls kritisiert. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte eine Verkürzung dagegen Anfang März für durchaus denkbar gehalten. «Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen», hatte der Grünen-Regierungschef dem «Mannheimer Morgen» gesagt.

Abiturienten beginnen mit der ersten schriftlichen Prüfung

Jetzt wird es ernst: Am Mittwoch schreiben rund 35 000 Schülerinnen und Schüler in Bayern ihre erste schriftliche Abiturprüfung. Nach dem Test im Fach Deutsch folgen am 18. Mai Mathe und am 21. Mai ein weiteres Fach. Die mündlichen Prüfungen in zwei zusätzlichen Fächern stehen dann am 7. und 18. Juni an. Über allem hängt die Frage: Ist das Abitur auch heuer, mitten im zweiten Pandemie-Schuljahr, fair und gerecht?

Unter anderem Landesschülersprecher Moritz Meusel hatte kritisiert, dass manche Jugendliche vor den Prüfungen monatelang kein Schulgebäude mehr von innen gesehen hatten, während andere seit Februar im Wechsel- oder gar Präsenzunterricht waren. Auch seien Schüler aus ärmeren Familien zusätzlich benachteiligt, weil sie sich keine Nachhilfe leisten konnten.

Das Kultusministerium hingegen sieht faire und vergleichbare Rahmenbedingungen gegeben. Den besonderen Umständen sei unter anderem durch eine Eingrenzung der Prüfungsinhalte und der Verschiebung des Prüfungstermins um zwei Wochen Rechnung getragen worden.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zeigte sich zuversichtlich, dass auch die diesjährigen Abiturienten die Prüfungen meistern werden. «Dafür wünsche ich Ihnen den Mut, auf Ihre Fähigkeiten zu vertrauen, gute Nerven und das nötige Quäntchen Glück!»

11.05.2021 

Landesregierung lockert mehrere Corona-Einschränkungen

Bei der Ankündigung der Kita-Schließungen vor rund einem Monat, lag die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 150. In den vergangenen Wochen hat sich dieser Wert etwa halbiert. Nun soll unter anderem bei Kitas und Schulen im Nordosten wieder mehr möglich sein.

Die Corona-Regelungen in Kitas und Schulen in Mecklenburg-Vorpommern werden von kommendem Montag an gelockert. Das kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstagabend in Schwerin an. Damit wird teils Präsenz-, teils Wechselunterricht möglich. Wer in die Schule geht, muss sich zweimal pro Woche testen. Am 21. Juni beginnen die Sommerferien. Von Montag an können ebenfalls Kitas landesweit wieder öffnen. Laut Bundesinfektionsschutzgesetz müssen Kitas und Schulen schließen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt bei mehr als 165 liegt. Das ist derzeit in keiner Region Mecklenburg-Vorpommerns der Fall.

Wegen deutlich gestiegener Corona-Infektionszahlen hatte die Landesregierung Kitas und Schulen im Bundesland vor rund einem Monat grundsätzlich geschlossen. Schwesig hatte stets betont, dass die Regelungen in Schulen und Kitas als erstes wieder gelockert werden sollen, wenn die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei weniger als 100 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche liegt. Am Dienstag lag dieser Wert bei 77,7, vor einer Woche bei 105,7. Bei einer Inzidenz unter 100 wird für Schüler der Klassen 1 bis 6 und Abschlussklassen Präsenzunterricht, für die anderen Jahrgänge Wechselunterricht möglich.

Die Außen- und Innengastronomie in Mecklenburg-Vorpommern kann von Pfingstsonntag an wieder öffnen. Zwei Tage danach sollen viele derzeit noch geschlossene Geschäfte im Bundesland wieder öffnen können. Am 25. Mai sollen ebenfalls weitere körpernahe Dienstleistungen wie Kosmetikstudios wieder ihren Betrieb aufnehmen dürfen.

Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern wird am 7. Juni für Einwohner des Landes und am 14. Juni für Gäste aus den anderen Bundesländern geöffnet. Ab sofort könne gebucht werden, sagte Schwesig.

NRW-Grüne für flexiblen Start ins Ausbildungs- und Studienjahr 2021

Düsseldorf (dpa/lnw)Die Grünen in Nordrhein-Westfalen fordern, den Beginn des Ausbildungsjahres für Azubis sowie den Start des Wintersemesters für Studienanfänger in diesem Jahr zu verschieben. «Wir müssen jetzt den Druck aus dem Kessel nehmen und ihnen Zeit geben, Erfahrungen nachzuholen und Stoff nachzuarbeiten», sagte Landesparteichefin Mona Neubaur dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Mittwochausgabe). Coronabedingt sollte sowohl bei den Azubis als auch bei Studienanfängern Flexibilität und eine Verschiebung des Starts «eventuell um ein paar Monate» ermöglicht werden. 

Lehrer werden wegen Corona-Maßnahmen öfter beleidigt oder bedroht

Lehrkräfte und Schulleitungen sind laut einer Umfrage wegen ständiger Änderungen und zahlreicher Schutzmaßnahmen in der Corona-Pandemie nicht selten mit Angriffen konfrontiert. Etwa jeder fünften Lehrkraft - 21 Prozent - in NRW seien Beschimpfungen, Belästigungen, Bedrohungen oder Diffamierungen von Beschäftigten an der eigenen Schule bekannt geworden. Und 7 Prozent der befragten Pädagogen gaben an, selbst in einem direkten Kontakt Ziel einer solchen Form von psychischer Gewalt gewesen zu sein. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).

Bundesweit waren 1501 Lehrerinnen und Lehrer befragt worden, darunter 329 in NRW. Gefragt nach psychischer Gewalt über das Internet, gaben 25 Prozent an, dass diese an ihrer Schule aufgetreten seien. Und 5 Prozent waren selbst Ziel derartiger Attacken via Internet. Die NRW-Befunde weichen laut VBE kaum von den bundesweiten ab. Als Urheber der Angriffe nannten die Befragten überwiegend Eltern.

Schulleitungen haben den Angaben zufolge dabei etwa Briefe - in vielen Fällen Musterschreiben aus dem Internet - erhalten, in denen mit rechtlichen Konsequenzen gedroht werde. Es seien Plakate oder Schmierereien mit Aufschriften wie «Ihre Tage sind gezählt» an Schulgebäuden gemeldet worden.

Von sogar körperlicher Gewalt - etwa Tritte oder Stöße - berichteten drei Prozent der Befragten. Schulpersonal dürfe nicht zum Blitzableiter für angestauten Ärger werden, mahnte der Verband. Die Lage für die Schulen sei schwierig. Jede vierte Lehrkraft in NRW sehe fehlende Planbarkeit und einen ständigen, kurzfristigen Politikwechsel als das derzeit größte Problem an.

10.05.2021 

Gymnasien bieten Schnelltests vor Abiturprüfungen an

Um die Abiturprüfungen ihrer Gymnasiasten sicherzustellen, bieten die Städte Nürnberg und Würzburg nach eigenen Angaben Schnelltests an. Demnach können Schüler am Tag vor ihrer jeweiligen Prüfung einen Schnelltest machen lassen. Sollte dieser positiv ausfallen, folge ein PCR-Test, der mit Priorität ausgewertet werden soll, so dass der Betreffende im Falle eines falsch positiven Schnelltests doch am nächsten Tag zur Prüfung antreten kann.

Das Angebot werde - je nach Infektionslage und kultusministeriellen Vorgaben - bei Bedarf auch für die Abschlussprüfungen von FOS/BOS, Real- und Mittelschulen gelten, hieß es am Montag aus Nürnberg.

Sommerkurse für Schüler geplant

Thüringer Schüler sollen in den Sommerferien Kurse besuchen können, um Lernrückstände aufzuholen. Die Kurse sollen von «externen Partnern» angeboten werden, wie das Thüringer Bildungsministerium mitteilte. Details zu den Plänen will Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag (ab 12.30 Uhr) bekannt geben. Zuvor hatten mehrere Bildungspolitiker ein Konzept gefordert, wie Lernrückstände bei Kindern und Jugendlichen, die durch Unterrichtsausfall oder das Distanzlernen während der Corona-Pandemie entstanden sind, aufgeholt werden sollen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte bereits im März ein großes Nachholprogramm für Schülerinnen und Schüler angekündigt und eine «nationale Kraftanstrengung» gefordert. Vergangene Woche brachte das Bundeskabinett ein solches zwei Milliarden Euro schweres Programm auf den Weg. Karliczek forderte aber am Sonntag die Länder auf, dieses Programm noch aufzustocken.

Thüringens Finanzämter nahmen im vergangenen Jahr rund 7,4 Milliarden Euro an Steuern ein - und damit 267 Millionen Euro weniger als noch im Jahr zuvor. Der Rückgang beträgt nach Zahlen des Finanzministeriums 3,48 Prozent. Details dazu will Finanzministerin Heike Taubert (SPD) am Dienstag in einer Bilanz vortragen.

Für viele Schüler in Bayern dieses Schuljahr keine Schulaufgaben mehr

Diese Nachricht dürfte in vielen Kinderzimmern - und auch bei vielen Eltern und Lehrern - Jubel auslösen: Keine Schulaufgaben mehr in diesem Schuljahr. Priorität hat nun erst einmal etwas anderes.

An Realschulen, Gymnasien und Wirtschaftsschulen in Bayern werden in diesem Schuljahr keine Schulaufgaben mehr geschrieben - die sogenannten großen Leistungsnachweise entfallen. Ausgenommen davon sind lediglich Abschlussklassen, die elfte Klasse an Gymnasien und die Oberstufe der Beruflichen Oberschulen - dort kann es theoretisch noch Schulaufgaben geben. Das teilte das Kultusministerium am Montag in München mit.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) begründete die Entscheidung damit, dass viele Schülerinnen und Schüler erst jetzt in den Präsenz- beziehungsweise Wechselunterricht zurückkehrten, dank sinkender Inzidenzwerte und des neuen Grenzwerts 165. Deshalb betonte er: «Der Fokus wird hier in den kommenden Wochen ganz klar auf der Sicherung von Basiswissen und grundlegenden Kompetenzen liegen. Unsere Schülerinnen und Schüler müssen sich erst wieder einfinden. Zeitdruck und übermäßigen Leistungsdruck wollen wir dabei vermeiden.»

An den Schulen, an denen die Zahl der großen Leistungsnachweise vorgegeben sei, fänden deshalb in diesem Jahr keine Schulaufgaben mehr statt. «Wir wollen auch heuer am Schuljahresende ein aussagekräftiges Feedback zum Leistungsstand - aber keinen übermäßigen Druck durch zu viele Leistungsnachweise», sagte Piazolo. «Selbst wenn nur noch eine Schulaufgabe pro Fach geschrieben würde, käme es vielfach zu einer Ballung - und die wollen wir verhindern.» Sogenannte kleine Leistungsnachweise könne es aber überall noch geben, schriftlich und mündlich, «freilich auch hier mit Augenmaß». An anderen Schularten, beispielsweise der Mittelschule, haben die Lehrkräfte laut Kultusministerium ohnehin größere Spielräume.

Piazolo begrüßte die Schulöffnungen auf breiter Front. «Ich freue mich, dass damit ein Stück Alltag in unsere Familien zurückkehrt», sagte er und räumte ein: «Mehr als fünf Monate ohne regelmäßigen Schulbesuch waren und sind für viele eine große Herausforderung.»

Piazolo kündigte zudem weitere Anpassungen an, Richtung Schuljahresende und auch mit Blick auf das kommende Schuljahr. «Die Corona-Auswirkungen werden den Schulbetrieb noch länger prägen», sagte er. «Wir werden daher auch heuer beim Vorrücken auf Probe großzügig sein, ein Wiederholen nicht auf die Höchstausbildungsdauer anrechnen und weiterhin Schwerpunkte im Lehrplan setzen.» Sein oberstes Ziel sei es aber, die Schülerinnen und Schüler so rasch wie möglich in einen normalen Schulalltag zurückzubringen, «am besten so bald wie möglich mit vollem täglichem Präsenzunterricht für alle».

Kurz vor Abitur - Schülersprecher kritisiert Prüfungsbedingungen

Kurz vor Beginn der Abiturprüfungen hat Bayerns Landesschülersprecher Moritz Meusel die schwierigen Prüfungsbedingungen kritisiert. So müssten die Schulen bei den schriftlichen Prüfungen Räume für Getestete, Ungeteste und Abiturienten in Quarantäne vorhalten, sagte Meusel im Interview mit dem Sender Bayern 2. Der organisatorische Aufwand für Lehrer und Schüler sei gewaltig.

Auch bemängelte der 18-Jährige in dem Interview, dass Schülerinnen und Schüler, die aufgrund hoher Inzidenzwerte monatelang im Fernunterricht waren, wesentlich schlechter auf das Abitur vorbereitet worden seien als diejenigen, die lange in die Schule gehen konnten. Schüler aus ärmeren Familien seien zusätzlich benachteiligt gewesen, weil sie sich keine Nachhilfe leisten konnten.

Außerdem kritisierte der aus dem Landkreis Bamberg stammende Moritz Meusel, dass der Lernstoff für das Abitur trotz der schwierigen Situation kaum reduziert worden sei: «Es gab ein bisschen Zeit on top, es wurde insgesamt ein bisschen Stoff gestrichen, aber für uns ist es deutlich zu wenig.»

Lolli-Testungen an Grund- und Förderschulen in NRW begonnen

Grund- und Förderschüler in ganz Nordrhein-Westfalen mussten am Montagmorgen ihre Test-Wattestäbchen nicht mehr in die Nase stecken, sondern in den Mund. Die sogenannten Lolli-Tests sind leichter zu handhaben und empfindlicher als die bisherigen Schnelltests.

In den Grund- und Förderschulen Nordrhein-Westfalens haben am Montag flächendeckende Corona-Tests mit der Lolli-Methode begonnen. Die Tests werden Lolli-Tests genannt, weil die Schülerinnen und Schüler dabei 30 Sekunden lang auf einem Teststäbchen wie auf einem Lolli herumlutschen. Die Testung geschieht zunächst gruppenweise. Die Proben werden in landesweit zwölf Laboren nach dem PCR-Verfahren ausgewertet. Erst wenn eine Gruppe positiv getestet wurde, werden Einzeltests der Gruppenmitglieder vorgenommen. Die Testergebnisse sollen bis spätestens 06.00 Uhr am Folgetag vorliegen.

Mit dem Test sollen alle mehr als 730 000 Schülerinnen und Schüler der knapp 3800 Grund- und Förderschulen zwei Mal pro Woche in ihrer jeweiligen Lerngruppe auf das Coronavirus getestet werden. Die Anwendung der Tests gilt als leichter für Schüler. Außerdem sind sie empfindlicher als die bisherigen Schnelltests. «Die Lolli-Tests werden uns dabei helfen, Infektionen frühzeitiger als mit Selbsttests zu entdecken und Infektionsketten von vornherein in Schulen zu unterbrechen», hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gesagt.

«Grundsätzlich ist diese Testung viel einfacher als die andere», sagte die Klassenlehrerin Kamuran Turan (34) von der Maria-Kunigunda-Grundschule der Deutschen Presse-Agentur in Essen am Montagmorgen. Die Schnelltests hätten Kinder teilweise nicht hinbekommen. «Hier können sie nicht viel falsch machen.»

 

 

09.05.2021 

Erste Millionen für «Extra-Zeit zum Lernen» bewilligt

Damit Schüler Lernrückstände durch Corona ausgleichen können, haben die Bezirksregierungen in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen beiden Monaten 3,3 Millionen Euro für außerschulische Bildungs- und Betreuungsangebote bewilligt. Das Geld fließe in rund 1500 Maßnahmen, teilte das Schulministerium am Sonntag mit. Es hatte für das Programm «Extra-Zeit zum Lernen», das von März 2021 bis Sommer 2022 laufen soll, insgesamt 36 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

«Unser Ziel ist, dass keiner Schülerin und keinem Schüler durch die Pandemie Nachteile für den weiteren Bildungsweg entstehen dürfen», sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) laut Mitteilung. Die Zahlen für März und April zeigten, dass das Angebot auf großes Interesse stoße.

08.05.2021 

Karliczek fordert finanzielle Länder-Beteiligung an «Aufholprogramm»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat die Länder aufgefordert, eigenes Geld zum «Aufholprogramm» des Bundes für Kinder in der Corona-Krise beizusteuern. Das Bundesgeld sei nur der erste Schritt, um gerade die Lernrückstände abzubauen, sagte Karliczek der «Rheinischen Post» (Samstag). «Da Bildung in der Verantwortung der Länder liegt, vertraue ich darauf, dass die Länder ebenfalls erhebliche eigene Anstrengungen unternehmen werden.»

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch ein zwei Milliarden Euro schweres Corona-«Aufholprogramm» für Kinder und Jugendliche beschlossen. Das Programm besteht aus zwei Säulen: Rund eine Milliarde Euro sollen in Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler gesteckt werden. Eine weitere Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Projekte vorgesehen, die Kinder, Jugendliche und Familien unterstützen, um auch in diesem Bereich Krisenfolgen abzufedern. Das Geld soll in diesem und im nächsten Jahr fließen und die Folgen der Corona-Maßnahmen bestmöglich abfedern.

Wenn nach den Sommerferien mit dem Programm begonnen werden soll, müssen die Vorbereitungen der Ministerin zufolge jetzt rasch starten. Die Länder seien nun gefragt. «Idealerweise sollten auch bereits die kommenden Sommerferien genutzt werden», so Karliczek.

07.05.2021 

Senat will Hamburgs Schulen für alle Schüler öffnen

Seit gut fünf Monaten dürfen viele Schüler coronabedingt gar nicht mehr in ihre Klassen. Doch das soll nun ein Ende haben. Bleibt die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100, kommt nach den Mai-Ferien die Wende.

Hamburgs rot-grüner Senat will die Schulen der Hansestadt nach Ende der Mai-Ferien wieder für alle Schüler öffnen. Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen sollen vom 17. Mai an im Wechselunterricht in die Schule dürfen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen fünf Werktage hintereinander unter 100 bleibe, teilte die Schulbehörde am Freitag im Anschluss an eine Sondersitzung des Senats mit.

Bereits Ende April hatte die Hansestadt angekündigt, dass Hamburgs Fünft- und Sechstklässler nach den Mai-Ferien wieder im Wechselunterricht in die Schulen dürfen. Begründet wurde das damit, dass mit Beginn der Abiturprüfungen Spielraum für eine weitere vorsichtige Öffnung sei.

Seit Mitte März sind bereits die Grund- und Sonderschüler sowie die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen im Wechselunterricht. Das heißt, dass die Schülerinnen und Schüler die Hälfte aller Unterrichtsstunden in einer halbierten Klassengruppe in der Schule lernen, die andere Hälfte zu Hause im Distanzunterricht. Der neue Öffnungsschritt soll nun ausdrücklich auch für die Jahrgangsstufen gelten, die bislang vom Präsenzunterricht ausgeschlossen waren.

Derzeit dürfen nach Angaben der Schulbehörde rund 60 Prozent der
rund 200 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen im Wechselunterricht lernen, rund 40 Prozent lernen dagegen ausschließlich zu Hause. «Ich freue mich, dass wir die jetzt entstehenden Spielräume nutzen und Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler in allen Jahrgangsstufen ermöglichen können», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD).

Gerade jüngere Schülerinnen und Schüler seien auf die Begleitung und Anleitung durch Lehrkräfte und Pädagogen angewiesen und brauchten die Schule «als Ort des sozialen Lernens, als Begegnungsstätte mit Gleichaltrigen und als Struktur für ihren Tagesrhythmus», betonte Rabe. In Hamburgs Schulen gelten strenge Sicherheitsregeln. Schüler müssen zwei Mal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen, Lehrer und andere Schulbeschäftigte sogar drei Mal pro Woche. Außerdem herrscht auch im Unterricht Maskenpflicht.

Die Präsenzpflicht bleibt weiterhin aufgehoben. Sollten Eltern beispielsweise aufgrund erheblicher gesundheitlicher Risiken im Familienkreis Bedenken gegen den Wechselunterricht haben, können ihre Kinder auch weiterhin im reinen Distanzunterricht zu Hause lernen. «Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass weniger als zwei Prozent aller Eltern von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen», berichtete die Schulbehörde.

Ministerin Ernst: Sitzenbleiben trotz Pandemie-Bedingungen möglich

Das Sitzenbleiben in der Schule ist laut Brandenburger Bildungsministerium in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie nicht ausgeschlossen. Inzwischen gebe es eine andere Regelung als im vergangenen Jahr, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Freitag im Bildungsausschuss des Landtages, daher könnten Leistungen im Distanzunterricht bewertet werden.

In den ersten Monaten der Pandemie im vergangenen Jahr sei der Distanzunterricht der Schüler nicht bewertet worden, da es keine rechtliche Regelung gegeben habe. Das habe zu großer Kritik geführt, sagte Ernst. Gerechterweise wollten die Schüler, dass ihre Leistungen anerkannt werden. Deshalb sei das Verfahren umgestellt worden.

«Es ist schwieriger, im Wechselunterricht oder im monatelangen Distanzunterricht Schülerleistungen zu bewerten», sagte sie. «Nur im Umkehrschluss zu sagen, wir verzichten in einem Jahr komplett auf eine Leistungsbewertung, halte ich für falsch», sagte die Ministerin.

Die Linken-Landtagsabgeordnete Kathrin Dannenberg hatte zuvor gefordert, dass alle Kinder versetzt werden. Bewertungen in Form von Noten solle es bis zu den Sommerferien nicht geben, mit Ausnahme der Abschlussklassen. Die Lehrkräfte sollten in den Zeugnissen auf die Kompetenzen der Kinder eingehen und deren positive Entwicklung deutlich machen. Sie sei überzeugt, dass eine Vergleichbarkeit derzeit überhaupt nicht möglich sei, sagte Dannenberg. «Da sind Bewertungen in Form von Zensuren nicht angebracht», sagte sie.

Keine Kraft mehr: So überleben Familien das Homeschooling

Bei den einen läuft es ganz okay, bei anderen gar nicht. Richtig Lust auf Homeschooling hat aber keiner mehr. Was Familien jetzt noch retten kann.

Seit Monaten mühen sich Familien jetzt durchs Homeschooling. Motivation? In vielen Haushalten nicht mehr vorhanden. Was also tun?

Familiencoach Kira Liebmann rät dazu, sich nicht so sehr auf die Lernsituation zu konzentrieren, sondern vor allem aufs Drumherum. «Wenn man es schafft, außerhalb des Schulkontextes eine entspannte Atmosphäre entstehen zu lassen, ist viel gewonnen.» Am wichtigsten sei dabei, dass Jugendliche genügend Ausgleich neben dem Lernen vor dem Bildschirm haben.

Konkret heißt das: eine Pausenstruktur schaffen. «Timer stellen, maximal 25 Minuten lernen, dann 5 Minuten Pause einlegen.» Kinder können sich etwa doppelt so lange konzentrieren, wie sie alt sind - ein 15-Jähriger somit 30 Minuten.

Was außerdem den Alltag erleichtert: bestimmte Zeiten am Tag festlegen, an denen man mit seinem Kind über Schulthemen spricht - und wann eben nicht mehr. «Ab 16 Uhr geht es dann meinetwegen um nichts Schulisches mehr.»

Kira Liebmann hat für Eltern einen weiteren Tipp: Oft kriegen wir Erwachsenen jetzt viel unmittelbarer mit, wie sich das Kind im Unterricht verhält. Ob es aufmerksam zuhört zum Beispiel, oder ob es sich meldet. «Das verleitet dann dazu, sich aus dem Hintergrund einzumischen: 'Du musst mehr mitmachen.'» Das sorge aber oft für Spannungen. Besser sei deshalb, Augen und Ohren zuzuklappen und seinen Kindern die Schule zu überlassen.

Und selbst, wenn Jugendliche in einer ausgeprägten «Das ganze Homeschooling interessiert mich überhaupt nicht»-Phase stecken: Was ist das Schlimmste, was jetzt passieren kann? «Im Zweifel wiederholen sie das Jahr eben noch mal, da müssen sie dann durch», sagt Liebmann.

06.05.2021

Gericht: Pflicht von Lehrern zur Aufsicht von Selbsttests rechtens

Lehrerinnen und Lehrer dürfen verpflichtet werden, an Schulen Corona-Tests zu beaufsichtigen. Dies hat das Verwaltungsgericht Münster in einem Donnerstag veröffentlichten Eilbeschluss entschieden (Az.: 5 L 276/21 vom 3. Mai). Geklagt hatte eine im Kreis Coesfeld tätige Lehrerin. Sie hatte sich gegen ihre Verpflichtung gewehrt, die Schülerinnen und Schüler an ihrer Schule bei der Anwendung von Selbsttests anzuleiten und zu beaufsichtigen.

Sie hatte laut Gericht argumentiert, damit zu einer Tätigkeit verpflichtet zu werden, die außerhalb ihrer Ausbildung, ihres Berufsbildes und ihrer Qualifikation liege. Vielmehr sei dies als Tätigkeit auf dem allgemeinen staatlichen Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege anzusehen. Auch sei sie nicht geimpft und deshalb bei der Aufsicht einer ihr nicht zumutbaren Gesundheitsgefährdung ausgesetzt.

Das Gericht sah das anders. Die Anweisung zur Beaufsichtigung der Schüler verletze die Lehrerin nicht in ihren Rechten. Aus dem beamtenrechtlichen Anspruch auf Fürsorge durch den Dienstherrn ergebe sich kein Anspruch darauf, an der Schule eine «Nullrisiko-Situation» anzutreffen. Ein allumfassender Gesundheitsschutz während einer pandemischen Lage könne nicht sichergestellt werden.

Die Lehrerin habe außerdem nicht glaubhaft gemacht, dass sie bei der Aufsicht einer ihr nicht zumutbaren Gesundheitsgefährdung ausgesetzt sei. Die konkrete Ausgestaltung der Aufsicht reduziere das Risiko einer Erkrankung auf ein für die Antragstellerin hinnehmbares Maß. Auch die Beratungs-, Betreuungs- und Aufsichtspflicht von Lehrern umfasse die Durchführung von Selbsttests. Von einer Tätigkeit im Bereich der allgemeinen Gesundheitspflege könne keine Rede sein.

Der Beschluss ist nicht rechtskräftig. Die Lehrerin kann dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen.

Kritik und Verteidigung - Übertrittszeugnisse spalten Meinung

Einen Tag vor Verleihung der Übertrittszeugnisse im Freistaat hat das für die weitere Schullaufbahn von Viertklässlern richtungsweisende Verfahren für Kritik gesorgt. «Das sogenannte Grundschulabitur terrorisiert in Bayern seit Jahren Kinder, Eltern und Lehrpersonen. Es gehört endlich abgeschafft», forderte etwa die SPD-Landtagsfraktion. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband betonte am Donnerstag: «Von einer fairen und vergleichbaren Ermittlung der immer noch notwendigen Notendurchschnitte kann in diesen Zeiten beim besten Willen nicht mehr die Rede sein.»

In Bayern wird ein bestimmter Durchschnitt der Noten in den drei Hauptfächern benötigt, um nach der Grundschule auf das Gymnasium oder die Realschule gehen zu dürfen. Dies führe zu einem enormen Notendruck, bemängelten die Kritiker. Nach vielen Wochen mit Distanz- und Wechselunterricht sowie völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in den einzelnen Schulen und Familien seien eine Vergleichbarkeit und eine faire Beurteilung gar nicht möglich.

Der bayerische Philologenverband, Vertreter der Gymnasiallehrkräfte, hält hingegen das Festhalten am Übertrittszeugnis auch im Corona-Ausnahmeschuljahr für «sinnvoll und pädagogisch». Die Lehrkräfte an den Grundschulen wüssten sehr genau, wer für welche weiterführende Schule infrage komme. «Und diese Beurteilung muss auf validen Noten basieren, diese sind der beste und sicherste Indikator für den späteren schulischen Erfolg», erläuterte der Vorsitzende Michael Schwägerl.

Ernst hofft zum neuen Schuljahr auf Impfung für Schulkinder

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) setzt für das kommende Schuljahr auf Corona-Impfungen für Schulkinder. «Wir werden nach dem Sommer, so hoffe ich, auch Kinder ab zwölf Jahren impfen können», sagte Ernst der «Märkischen Oderzeitung» (Donnerstag). «Mit der Impfung der Lehrkräfte und der verpflichtenden Teststrategie macht das die Schulen noch sicherer.» Die geplanten Nachhilfeprogramme zum Aufholen der Lernrückstände wegen der Schulschließungen könnten nur im Präsenzunterricht greifen.

Zur Frage, ob Kinder Klassen wiederholen sollten, riet Ernst den Eltern, dies sorgfältig abzuwägen. «Ich empfehle den Eltern dort, wo die gesamte Lerngruppe vielleicht nicht ganz so weit ist, die Kinder und Jugendlichen nicht aus ihren vertrauten sozialen Zusammenhängen zu reißen», sagte die Ministerin. Die Schulen seien darauf eingestellt, ab dem kommenden Schuljahr die Lernrückstände aufzuholen. «Wenn Eltern den Eindruck haben, dass ihr Kind von der Lerngruppe komplett abgehängt ist, dann würde ich das Gespräch mit der Schule suchen, um eine Wiederholung zu erwägen», sagte Ernst.

Tausende starten trotz Corona Auslandsstudium

Trotz weltweiter Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind tausende junge Menschen aus Deutschland auch in diesem Jahr für einen Studienaufenthalt ins Ausland gegangen. Wie der Deutsche Akademische Austauschdienst am Donnerstag mitteilte, haben seit Jahresbeginn rund 9000 Studenten über das europäische Austauschprogramm Erasmus einen Auslandsaufenthalt begonnen.

Zum Stichtag Ende April seien es trotz Corona rund 75 Prozent der Erasmus-Auslandsaufenthalte im Vergleich zu diesem Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019 gewesen. «Das Interesse an einem Auslandsaufenthalt im europäischen Ausland ist ungebrochen groß. Unsere Mitgliedshochschulen und die Studierenden haben sich dabei schnell und verantwortungsvoll an die äußerst herausfordernde Pandemiesituation angepasst», sagte DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee.

Bislang 284 positive Corona-Schnelltests an Schulen in MV

Seit Beginn der Corona-Schnelltests an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns sind 284 Ergebnisse positiv ausgefallen. Darunter sind 227 Schülerinnen und Schüler sowie 57 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Donnerstag im Landtag in Schwerin sagte.

Bislang seien 411 794 Tests genommen worden, darunter 343 714 von Schülern und 68 080 von Beschäftigten. Wie viele der positiven Schnelltests durch den notwendigen PCR-Test bestätigt worden sind, war zunächst nicht bekannt.

Laut Bildungsministerin werden seit dem 17. März im Nordosten Corona-Schnelltests an den Schulen genommen, eine Testpflicht besteht seit Ende April. Wer in die Schule geht, muss sich zweimal die Woche testen.

Elternräte der Gymnasien fordern baldige Rückkehr zu Regelbetrieb

Die Elternräte der niedersächsischen Gymnasien fordern eine baldige Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen. Die Wochen mit Corona-Schnelltests hätten gezeigt, dass Schulen keine Hotspots für Infektionen seien, schrieb der Verband der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens in einer Mitteilung.

Das Kultusministerium solle anordnen, nach einer kurzen Übergangsphase im Szenario B mit Wechselunterricht wieder zu Szenario A mit Präsenzunterricht überzugehen. Die Schülerinnen und Schüler seien mehrere Monate nicht mehr in den Schulen gewesen; es werde sonst schwer, die negativen Folgen auszugleichen.

Die Elternräte regten an, die fünften und sechsten Klassen genau wie die Abschlussklassen schneller wieder vollständig in den Schulen zu unterrichten. Diese Jahrgänge hätten nach dem Wechsel auf die weiterführenden Schulen bislang kaum Gelegenheit gehabt, sich in ihre Schulen und Klassengemeinschaften einzufinden.

Bisher keine Fördermittel für Schul-Luftfilter abgerufen

Die Schulträger in Thüringen haben nach Angaben des Bauministeriums noch keine Landesmittel für die Beschaffung von Luftfilteranlagen für Schulen abgerufen. Die entsprechenden Bescheide liegen den staatlichen Schulträgern allerdings vor, so dass man zeitnah mit Mittelabrufen rechne, erklärte das Ministerium auf Anfrage. Dafür haben die Träger noch bis 31. Oktober Zeit.

Insgesamt stellt das Land rund fünf Millionen Euro zur Verfügung. 4,5 Millionen Euro können davon für Luftfilteranlagen und andere Ausstattung im Kampf gegen die Corona-Pandemie abgerufen werden - etwa für Trennwände oder Co2-Sensoren. Gut 500 000 Euro sind für eine wissenschaftliche Begleitung zu Raumluftanlagen an Schulen vorgesehen.

Wechselunterricht auch für Klassen sieben bis elf in Hessen

Hessens Schulen können ab Donnerstag auch in den Klassen sieben bis elf wieder Wechselunterricht anbieten. Voraussetzung ist, dass in dem Landkreis oder der kreisfreien Stadt ihrer Schule die Corona-Inzidenz niedrig geblieben ist. Konkret muss die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen (Inzidenz) an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen - Sonn- und Feiertage nicht mitgezählt - unter 165 bleiben.

Bislang dürfen nur die Kinder der Jahrgangsstufen eins bis sechs im Wechselunterricht in ihre Klassen. Die Jahrgänge ab Klasse sieben wurden seit Mitte Dezember im Distanzunterricht mit Homeschooling unterrichtet. Die Abschlussklassen erhielten Präsenzunterricht.

«Es ist sehr positiv, dass nun beginnend mit dem heutigen Tag in immer mehr Regionen Hessens insbesondere die Schülerinnen und Schüler wieder regelmäßig in die Schule gehen können, die seit Mitte Dezember ausschließlich Distanzunterricht erhalten haben», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Er sei sehr optimistisch, dass der Wechselunterricht dazu beiträgt, dass schon bald alle Schülerinnen und Schüler in Hessen wieder in die Schule gehen werden. «Das Licht am Ende des Tunnels wird von Tag zu Tag heller.»

05.05.2021

Kabinett berät über 100 Euro Freizeitbonus und Nachhilfe-Milliarde

Die Corona-Maßnahmen haben Kinder und Jugendliche überall ausgebremst: In der Schule, bei der Zukunftsplanung, in der Freizeit. Mit einem Aufholprogramm soll nun der Schaden begrenzt werden. Das Kabinett berät zudem über den Rechtsanspruch auf Ganztag an Grundschulen.

Das Bundeskabinett will an diesem Mittwoch zwei große Vorhaben in der Familien- und Bildungspolitik auf den Weg bringen. Um die Corona-Folgen für Kinder und Jugendliche abzufedern, soll ein rund zwei Milliarden Euro schweres sogenanntes Corona-Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche beschlossen werden. Außerdem haben Familien- und Bildungsministerium einen gemeinsamen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler, der im Koalitionsvertrag verabredet wurde, umgesetzt werden soll.

Das geplante Corona-Aufholprogramm soll aus zwei Säulen bestehen: Mit rund einer Milliarde Euro sollen Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler in den Bundesländern unterstützt werden. Es wird davon ausgegangen, dass jeder vierte Schüler Lernrückstände aufzuholen hat. Mit dem Fördergeld sollen die Länder bestehende Programme ausbauen können, etwa Sommercamps und Nachhilfekurse während des Schuljahrs. Die Kurse könnten von Stiftungen, Vereinen, Initiativen, Volkshochschulen, pensionierten Lehrkräfte, Lehramtsstudenten und auch kommerziellen Nachhilfeanbietern übernommen werden.

Eine weitere Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Geplant ist unter anderem eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. Das Geld soll je nach Bedarf für Ferien-, Sport- und Freizeitaktivitäten eingesetzt werden können. Mehr Geld soll zudem für Sprachförderung an Kitas in sogenannten sozialen Brennpunkten zur Verfügung gestellt werden, weil viele Kinder die Einrichtungen nicht besuchen konnten. Auch eine stärkere Förderung von Schulsozialarbeit, Freizeitangeboten und kostengünstigen Ferienfahrten ist geplant.

Der Deutsche Städtetag forderte eine schnelle Umsetzung des Aufholprogramms. «Wir müssen Kindern und Jugendlichen unmittelbar helfen, damit sie soziale und psychische Folgen durch die Lockdowns bewältigen können», sagte Vizepräsident Markus Lewe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es dürfe keine Zeit und Kraft mit komplizierten Antragsverfahren verplempert werden. Lewe, der auch Oberbürgermeister von Münster ist, rief die Länder zudem dazu auf, das Bundesgeld durch eigene Mittel «spürbar» zu ergänzen.

Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) sprach sich dafür aus, Kinder und Jugendliche aus Flüchtlings- und Einwandererfamilien besonders in den Blick zu nehmen und Sprach- und Freizeitangebote für sie zu verstärken. Ihre Familien seien von
den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen, sagte sie dem RND. Viele arbeiteten in Berufen, in denen Homeoffice nicht möglich sei, etwa in der Pflege oder im Einzelhandel oder im Gastgewerbe, das stärker von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen sei.

Das Kabinett will außerdem an diesem Mittwoch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule auf den Weg bringen. Damit versucht die große Koalition kurz vor dem Ende der Legislaturperiode noch eines ihrer zentralen Vorhaben im Bildungs- und Familienbereich umzusetzen. Kinder, die ab dem Schuljahr 2025/2026 eingeschult werden, sollen laut dem Gesetzentwurf von Bundesfamilien- und Bundesbildungsministerium in den ersten vier Schuljahren einen Anspruch auf ganztägige Betreuung bekommen - für mindestens acht Stunden an Wochentagen und auch in den Ferien.

Einige Bundesländer, vor allem im Osten, haben schon eine gut ausgebaute Ganztagsbetreuung, entweder in Form von Ganztagsschulen oder als Kombination aus Schule und Hort. In anderen Ländern müsste noch viel investiert werden, um den Rechtsanspruch ab 2025 erfüllen zu können. Wegen der immensen Kosten für den laufenden Betrieb, für Personal und Investitionen an den Grundschulen gibt es bis heute Streit. Die Länder fordern eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes. Eine Zustimmung im Bundesrat und eine Umsetzung des Vorhabens bis zur Bundestagswahl sind daher offen.

Bereits zugesagt hatte die Regierung 3,5 Milliarden Euro für Investitionen und eine laufende Beteiligung an den Betriebskosten. Im Gesetzentwurf werden dafür jährlich dreistellige Millionenbeträge von Bundesseite genannt.

Skeptisch zeigte sich der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Angesichts des bereits jetzt bestehenden Fachkräftemangels bei erzieherischen Berufen «wird es nicht gelingen können, bis 2030 rund 800 000 zusätzliche Ganztagsplätze zu schaffen», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele Betreuungskräfte erreichten in den nächsten Jahren außerdem das Rentenalter. Landsberg forderte Bund und Länder zu einer Ausbildungsinitiative für Erziehungsberufe auf und sprach sich für eine deutlich höhere Beteiligung des Bundes an den Betriebskosten aus.

04.05.2021

Keine Beschwerden: Reibungsloser Start ins Ausnahme-Abitur

Es ist ein Abitur im Ausnahmezustand: Nach der Vorbereitung unter Pandemie-Bedingungen starten die Abschlussklassen in Baden-Württemberg mit dem Fach Deutsch in die Prüfungen. Wegen der besonderen Umstände gelten dafür einige Sonderregeln.

Für rund 46 500 Schüler der Abschlussklassen in Baden-Württemberg haben am Dienstag die schriftlichen Abiturprüfungen begonnen. Los ging es von 9.00 Uhr bis 14.45 Uhr mit dem Fach Deutsch. Nach Angaben des Kultusministeriums bekamen die Schüler damit wie im vergangenen Jahr eine halbe Stunde mehr Zeit als üblich, um eine der Prüfungsaufgaben zu bearbeiten - so soll der Pandemie-Situation Rechnung getragen werden. Die Lehrer konnten zudem wieder aus einem größeren Aufgaben-Pool Prüfungsfragen für ihre Klassen auswählen.

Berichte über Probleme beim Prüfungsauftakt seien nicht eingegangen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Dienstag. «Der Start in das diesjährige Abitur ist demnach reibungslos verlaufen.» Die Aufgabenverteilung habe problemlos funktioniert, auch die Einhaltung der strengen Hygieneregeln habe «reibungslos» geklappt.

Um Corona-Infektionen zu verhindern, gilt beim Prüfungsmarathon bis zum 20. beziehungsweise 21. Mai (berufliche Gymnasien) in den Schulen Maskenpflicht. Getestete und nicht getestete Schüler sollen währenddessen räumlich voneinander getrennt werden.

Der Vorsitzende des Landesschülerbeirats, David Jung, sagte, der Start in die Prüfungen sei gut gelaufen. «Ich habe heute auch Deutsch geschrieben und kam gut durch», so Jung. Die Aufgaben seien angemessen und «in allen Rubriken fair» gewesen.

Zur Vorbereitung in Zeiten von Corona waren die Lerninhalte in allen Fächern auf das sogenannte Kerncurriculum reduziert worden - dafür sind 75 Prozent der Unterrichtszeit ausgelegt. So sollte den Schülern Zeit für Wiederholung und Vertiefung gegeben werden. Die Prüfungen wurden zudem zeitlich nach hinten verschoben, die Schüler konnten darüber hinaus zwischen einem Haupt- und einem Nachtermin wählen.

In diesem Jahr werden nach Angaben des Kultusministeriums an den allgemeinbildenden Gymnasien etwa 30 100 Schüler schriftlich in Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache und einem weiteren Kernfach geprüft. Weitere rund 16 400 Schüler legen ihre Abiturprüfungen an beruflichen Gymnasien ab. Im Jahr 2020 bestanden 98,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Prüfungen.

Bayern sperrt auf - Lockerungen für Biergärten, Tourismus, Schulen

Eine «gute Mischung aus Vorsicht und Optimismus»: So beschreibt Ministerpräsident Söder die geplanten stufenweisen Lockerungen in Bayern. Entscheidend sind dabei immer die regionalen Corona-Zahlen.

Nach teils monatelanger Zwangspause heißt es in Regionen mit niedrigen Corona-Zahlen am kommenden Montag (10. Mai): Biergärten auf, Kinos auf, Theater auf - wenn auch unter Auflagen. Pünktlich zu den Pfingstferien soll auch der Tourismus wieder langsam anlaufen. Zudem dürfen schon am Montag in weiten Teilen Bayerns die Grundschulen wieder für alle aufsperren, lediglich für weiterführende Schulen bleibt es zunächst bei strikteren Grenzwerten. Und: Vollständige Geimpfte und Genesene werden schon ab Donnerstag von vielen Corona-Beschränkungen befreit. Dies und mehr hat das Kabinett am Dienstag beschlossen. Ein Überblick über zentrale Punkte:

BIERGÄRTEN: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 darf bereits ab kommenden Montag (10. Mai) die Außengastronomie wieder öffnen, allen voran die Biergärten. Eine Einschränkung aber: Um 22.00 Uhr muss Schluss sein. Stabile Corona-Zahlen heißt nach Worten von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), dass es etwa für einen Wochen-Zeitraum keine großen Ausschläge bei der Sieben-Tage-Inzidenz geben dürfe und die Tendenz eher fallend sein müsse. Formal muss das Ministerium den regionalen Öffnungen jeweils zustimmen - es ist laut Kabinettsbeschluss allerdings «gebeten, das hierfür nötige Einvernehmen zu erteilen». Bei regionalen Inzidenz-Werten zwischen 50 und 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche soll unter anderem eine Corona-Testpflicht gelten, unter 50 soll diese dann entfallen.

THEATER UND KINOS: Unter denselben Bedingungen und Voraussetzungen dürfen am Montag auch Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos öffnen - wenn die Corona-Zahlen in der jeweiligen Region stabil sind.

SPORT: In Regionen mit stabilen Corona-Zahlen unter 100 ist ab Montag auch kontaktfreier Sport in Gebäuden sowie Kontaktsport unter freiem Himmel wieder erlaubt - ebenfalls verbunden mit einer Testpflicht, die bei einer Inzidenz unter 50 wieder entfallen soll.

TOURISMUS: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 werden ab Freitag, 21. Mai, wieder touristische Angebote zugelassen. Dazu zählen Hotels, Ferienwohnungen und -häuser sowie Campingplätze. Die konkreten Auflagen für inzidenzabhängige Öffnungen, wie Testpflichten und Hygienekonzepte, sollen bis zur kommenden Woche von den Ministerien erarbeitet werden. Ein Kernpunkt ist auch: Sollten die Corona-Zahlen regional wieder steigen, müssten die Öffnungen auch wieder zurückgenommen werden. Öffnungsmöglichkeiten soll es unter diesen Bedingungen auch für «spezielle touristische Infrastrukturen» geben. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nannte dabei als denkbare Beispiele «Freizeiteinrichtungen von der Seilbahn bis zum Reisebus».

SCHULEN: An den weiterführenden Schulen bleibt es bis zu den Pfingstferien beim bisherigen strikteren Grenzwert 100 für Distanzunterricht. Lediglich Grundschulen dürfen ab nächsten Montag (10. Mai) bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 Wechselunterricht in allen Klassen anbieten. Gleiches gilt für die 5. und 6. Klasse an Förderschulen. Erst nach den Pfingstferien - also ab dem 7. Juni - soll dann auch an weiterführenden Schulen der Grenzwert 165 gelten, wie in der Bundes-Notbremse vorgesehen. Ausnahmen gelten weiterhin unter anderem für Abschlussklassen und Viertklässler, die auch bei höheren Corona-Zahlen weiterhin überall Wechselunterricht haben.

BILDUNGSMONITORING: Das Kultusministerium soll dem Kabinett in Kürze berichten, wie es um den Lernstand der Schülerinnen und Schüler angesichts der langen Corona-Einschränkungen bestellt ist und wie die Unterstützungsangebote und der weitere Zeitplan nun aussehen.

AUSGANGSBESCHRÄNKUNGEN: Bayern bleibt bis zum Ende der Pfingstferien am 6. Juni bei seiner im Länder-Vergleich strikteren nächtlichen Ausgangssperre - damit bleibt in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 Joggen und Spazierengehen zwischen 22.00 Uhr und Mitternacht verboten. Erst ab 7. Juni sollen dann die Ausnahmen gelten, wie sie in der Bundes-Notbremse vorgesehen sind.

GEIMPFTE UND GENESENE: Bereits von diesem Donnerstag an wird Bayern vollständig Geimpfte und Genesene negativ Getesteten gleichstellen. Das bedeutet: Test- und Quarantänepflichten entfallen, die nächtliche Ausgangssperre in Hotspots gilt für vollständig Geimpfte nicht mehr, und bei regionalen Kontaktbeschränkungen gilt dann: Bei der Zahl der maximal erlaubten Kontakte zählen vollständig Geimpfte nicht mit. Bayern setzt damit bundesweit geplante Regelungen etwas früher um. Auflagen etwa beim Besuch von Alten- und Pflegeheimen gelten aber weiterhin für alle, ebenso wie Maskenpflicht und Hygieneregeln.

KÖRPERNAHE DIENSTLEISTUNGEN: In Regionen mit Sieben-Tage-Inzidenzen unter 100 können ab Montag (10. Mai) alle bisher noch geschlossenen körpernahen Dienstleistungen wieder starten - unter den Bedingungen, wie sie für Friseure und Fußpfleger gelten (etwa FFP2-Maskenpflicht).

HUNDESCHULEN: In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 165 können ab kommenden Montag auch Hundeschulen wieder öffnen.

MUSIKGRUPPEN: Musikensembles, Amateurtheater und ähnliches sollen in Kürze in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 wieder starten dürfen. Ein Datum dafür gibt es aber noch nicht. Wissenschafts- und Gesundheitsressort sollen ein Konzept vorlegen.

CORONA-VERORDNUNG: Die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wird mit diesen Änderungen nun bis einschließlich 6. Juni verlängert.

CORONA-ZAHLEN: In Bayern liegen aktuell (Stand Dienstag) nach Angaben des Robert Koch-Instituts 19 Regionen unterhalb einer Inzidenz von 100, 38 im Bereich zwischen 100 und 150 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Es folgen 10 weitere Landkreise beziehungsweise kreisfreie Städte unter 165. Die restlichen 29 liegen oberhalb von 165 - wobei sich 19 sogar noch über einer Inzidenz von 200 befinden. In Bayern gibt es 71 Landkreise und 25 kreisfreie Städte.

Wechselunterricht in fast jedem zweiten Stadt- und Landkreis in Sicht

Sinken die Corona-Infektionszahlen weiter, könnte in vielen Städten und Kreisen Baden-Württembergs bereits bald wieder Wechselunterricht an den Schulen angeboten werden. Die Schulen könnten zu diesem Modell aus Präsenz- und Fernunterricht zurückkehren, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in ihrem Stadt- oder Landkreis an fünf Werktagen in Folge unter dem Inzidenzwert von 165 liegt, wie das Kultusministerium am Dienstag mitteilte. Schulen hätten dann zudem eine Übergangsfrist von bis zu drei Tagen. «Diese können sie nutzen, wenn die Rückkehr zum Wechselunterricht nach dem Ablauf der Frist aus organisatorischen Gründen nicht unmittelbar möglich ist», heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Laut Bundesrecht ist Präsenzunterricht in der Regel nur noch im Wechsel möglich, wenn die Inzidenz drei Tage in Folge den Wert von 100 überschreitet. Ein durchgängiger Präsenzunterricht für einzelne Klassen oder Lerngruppen ist nach Angaben des Kultusministeriums nicht möglich. Es ist aber weder der Anteil des Fernunterrichts noch die Häufigkeit vorgegeben, in der zwischen Fern- und Präsenzunterricht gewechselt werden muss. Ziel sei es, soviel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist zuletzt zwar sowohl bundesweit als auch in Baden-Württemberg gesunken. Sie lag am Dienstag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Stand 5.08 Uhr) aber noch bei 141,4, in Baden-Württemberg nach Angaben des Landesgesundheitsamtes sogar bei 173,1 (Stand Montag, 16.00 Uhr). Am Montag überschritten noch mehr als die Hälfte der Kreise und Städte den Wert von 165. Wenn dieser Schwellenwert drei Tage hintereinander überschritten ist, müssen gemäß der Bundes-Notbremse die Schulen schließen.

Berichte: Wechselunterricht in Schulen bis Inzidenz von 165 geplant

Die niedersächsische Landesregierung will Medienberichten zufolge angesichts sinkender Infektionszahlen die Corona-Regeln für Schulen lockern. Wie die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» (HAZ) und die «Nordwest-Zeitung» am Dienstag berichten, soll es für Schülerinnen und Schüler bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 Wechselunterricht geben. Das bedeutet, dass eine Hälfte der Schüler in der Schule unterrichtet wird, während die andere Hälfte zu Hause lernt. Mit Ausnahme von Abschlussklassen sowie Grund- und Förderschulen ist bislang Distanzunterricht ab einer Inzidenz von 100 vorgeschrieben.

Eine entsprechende Regelung soll nach Informationen der Zeitungen Teil einer neuen Corona-Verordnung sein, die ab kommender Woche gilt. Einzelheiten will die Landesregierung an diesem Dienstag vorstellen. Bereits am Montag hatte die Staatskanzlei in Hannover vorsichtige Lockerungen angekündigt, die in Kreisen und Städten gelten sollen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz belastbar unter 100 liegt. Lockerungen könnten demnach auch für den Einzelhandel, die Gastronomie und den Tourismus in Aussicht stehen.

Wie die HAZ berichtet, sollen von Mitte Mai an auch die Regelungen beim Freizeitsport gelockert werden. Wie im Stufenplan vorgesehen, soll bei einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 Kontaktsport im Freien wieder mit bis zu 30 Personen betrieben werden können. «Bei Erwachsenen gilt dies nur bei Vorlage eines negativen Testnachweises», sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) der Zeitung. Der Minister verwies demnach auf Aussagen von Aerosolforschern, wonach beim Sport im Freien unter Corona-Gesichtspunkten nur ein geringes Infektionsrisiko bestehe.

Abitur im Ausnahmezustand - rund 45 000 Jungen und Mädchen legen los

Es ist ein Abitur im Ausnahmezustand. Die Abschlussklassen lernen schon seit Monaten unter ganz besonderen Bedingungen. Für die Prüfungen gelten wegen den Pandemie strenge Corona-Vorschriften. Nach viel Büffelei mit Masken und Tests geht es nun endlich los.

Für insgesamt rund 45 000 Jungen und Mädchen der Abschlussklassen in Baden-Württemberg wird es ernst: Das Abi 2021 beginnt an den Gymnasien - und es steht ganz im Zeichen des Coronavirus. Beim Prüfungsmarathon von diesem Dienstag (4. Mai) bis zum 20. Mai beziehungsweise 21. Mai (berufliche Gymnasien) geht es natürlich vor allem ums Wissen, aber besonders groß geschrieben wird auch der Infektionsschutz. In den Schulen gilt Maskenpflicht, die getesteten und nicht getesteten Schüler sollen räumlich voneinander getrennt werden.

Unter diesen Umständen kann von einem normalen Abitur eigentlich keine Rede mehr sein. Die Bildungsinhalte wurden bereits in allen Fächern auf das sogenannte Kerncurriculum reduziert - dafür sind 75 Prozent der Unterrichtszeit ausgelegt. So soll und sollte den Schülern Zeit fürs Wiederholen und Vertiefen gegeben werden. Die Abschlussprüfungen wurden zudem um zwei bis drei Wochen nach hinten verschoben. Zum Abitur konnten die Schüler zudem zwischen einem Haupt- und einem Nachtermin wählen, die schriftlichen Prüfungen wurden um 30 Minuten verlängert. Außerdem hatten und haben die Lehrer in der schriftlichen Prüfung weitere Aufgaben zur Vorauswahl. So können sie Aufgaben auswählen, die am besten zum erteilten Unterricht passen.

In diesem Jahr werden an den allgemeinbildenden Gymnasien knapp 28 600 Schülerinnen und Schüler in den schriftlichen Prüfungsfragen in Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache und einem weiteren Kernfach geprüft. Die weitaus meisten von ihnen dürften ihr Abi auch erfolgreich meistern, geht man von den Quoten des vergangenen Jahres aus: Im Jahr 2020 bestanden 98,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Prüfungen. Die Durchschnittsnote lag bei 2,31, und die am häufigsten vergebene Durchschnittsnote war die 2,6. Die Bestnote 1,0 erhielten 2,9 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten, wie das Statistische Landesamt errechnet hat. Eine 1 vor dem Komma stand in 31 Prozent der vergebenen Abiturzeugnisse, eine 2 in jedem zweiten Zeugnis und eine 3 in fast 19 Prozent von ihnen.

Insgesamt haben im vergangenen Sommer rund 44 800 Jugendliche ein allgemeinbildendes oder berufliches Gymnasium mit der allgemeinen Hochschulreife in der Tasche verlassen - 63 Prozent von ihnen ein allgemeinbildendes, 37 Prozent ein berufliches Gymnasium.

03.05.2021

Corona-Impfangebote für alle bayerischen Lehrer im Präsenzunterricht

Ab sofort können auch alle Lehrer an den weiterführenden und den beruflichen Schulen in Bayern auf eine zeitnahe Corona-Schutzimpfung hoffen. «Wir können jetzt allen Lehrerinnen und Lehrern in Bayern, die im Präsenzunterricht im Einsatz für die Bildung sind, ein Impfangebot machen», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Montag in München. Bislang hatten nur die Lehrerinnen und Lehrer an den Grund- und Förderschulen die Möglichkeit einer bevorzugten Impfung.

Das Angebot richte sich explizit primär an die Lehrkräfte, die regelmäßig in Präsenz unterrichteten, in der Notbetreuung tätig seien oder bei den Abschlussprüfungen beispielsweise als Aufsicht in der Schule eingesetzt würden, teilte das Kultusministerium mit. Die Schulleitungen würden den betreffenden Lehrern eine entsprechende Bestätigung zum Nachweis der vorrangigen Impfberechtigung für das Impfzentrum ausstellen. «Mit den neuen Impfangeboten für die Lehrkräfte an Mittelschulen, Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen machen wir jetzt einen weiteren wichtigen Schritt für mehr Sicherheit», betonte Piazolo.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer-und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, sagte, die Entscheidung sei nicht nur ein wichtiges Signal, sondern zwingend notwendig. «Jede Lehrerin und jeder Lehrer, der seinen Fuß in die Schule setzen soll, braucht ein Impfangebot», habe der BLLV gefordert - dies sei nun erfüllt.

Niedersachsen will Corona-Beschränkungen vorsichtig lockern

Tourismus, Gastronomie und Handel drängen auf Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Einen Weg aus dem monatelangen Lockdown will die Landesregierung am Dienstag abstecken. Erste Erleichterungen sollen vom kommenden Wochenende an greifen.

Nach monatelangem Lockdown will Niedersachsen die Corona-Beschränkungen angesichts rückläufiger Zahlen vorsichtig lockern. Dies soll in Kreisen und Städten der Fall sein, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz belastbar unter 100 liegt, kündigte die Staatskanzlei in Hannover am Montag an.

Die mit der neuen Corona-Verordnung des Landes ab kommendem Wochenende ins Auge gefassten Lockerungen wollen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) nach einer Kabinettssitzung am Dienstag vorstellen. Unter anderem geht es um Tourismus und Gastronomie sowie den Einzelhandel.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will verbesserte Möglichkeiten für den Schulunterricht präsentieren. Bislang hat das Land an seinem restriktiven Kurs festgehalten, dass Schulen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 größtenteils in den Distanzunterricht wechseln. Vielversprechend angelaufen sind inzwischen regelmäßige Schnelltests aller Schülerinnen- und Schüler vor dem Schulbesuch. Auch daran wollte der Kultusminister mögliche Lockerungen koppeln.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sank die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Montag von 101,7 auf 99,5. In 16 der 45 Kreise und Großstädte liegt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen noch über 100.

Mehrere Tourismusregionen, Verbände und das Gastgewerbe verlangen unterdessen von der Landesregierung gemeinsam eine rasche Antwort auf ihre Vorschläge für vorsichtige Öffnungen. Der finanzielle Druck auf die Betriebe sei mittlerweile so hoch, dass man jetzt endlich handeln müsse, erklärte der Harzer Tourismusverband am Montag auch stellvertretend für weitere Organisationen und Firmen aus der niedersächsischen Branche: «Viele Existenzen sind bedroht, wichtige Leistungsträger können nicht auf Überbrückungshilfen des Bundes zugreifen - flankierende Dienstleistungs- und Servicebereiche leiden ebenfalls massiv unter dem ausbleibenden Gästeaufkommen.»

Der Harz-Verband schloss sich mit Kollegen aus weiteren Regionen, den Landesablegern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sowie des Bundesverbands der Campingwirtschaft und mit den niedersächsischen Heilbädern zusammen. Sie wollen an diesem Donnerstag (6. Mai) Details ihrer Forderungen bekanntgeben. «Seit nunmehr sechs Monaten befindet sich die Tourismusbranche deutschlandweit im Lockdown», hieß es vorab. «Öffnungsperspektiven sind nicht in Sicht. So kann es nicht bleiben.» Auch Touristiker aus Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen sich demnach beteiligen.

Auch die Ostfriesischen Inseln warten auf Öffnungssignale für Tourismus und Gastgewerbe. Doch das von den Inseln vorgelegte Pilotprojekt zur Öffnung des Tourismus wird dagegen in seiner zunächst geplanten Form nicht kommen, wie Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn (parteilos) am Montag mitteilte. «Es wird eine Pandemieverordnung geben, die für ganz Niedersachsen gilt, bei der es für die Inseln keine Ausnahmeregelung geben wird», sagte Horn nach einem Gespräch mit Gesundheitsministerin Daniela Behrens und Umweltminister Olaf Lies (beide SPD) und den Inselbürgermeistern.

Auf zentrale Punkte des Konzeptes wie etwa eine umfassende Teststrategie solle aber bei künftigen Öffnungen zurückgegriffen werde, sagte Horn. Umweltminister Lies sagte mit Blick auf die Bestandteile des Öffnungs-Konzept der Inseln im Anschluss an das Gespräch: «Ich bin überzeugt, dass sich ein ganz großer Teil davon, auch in der nächsten Verordnung schon wiederfindet und sicherlich auch in folgenden Verordnungen, die wir noch erarbeiten.»

Söder kündigt Öffnung von Grundschulen bis Inzidenz 165 an

Die meisten Schüler in Bayern haben ihre Schule schon länger nicht mehr von innen gesehen. Zumindest für Grundschüler soll sich das nun ändern, wenn auch nicht überall. Den Freien Wählern reicht das nicht.

Grundschulen in Bayern dürfen ab nächsten Montag auf breiter Front wieder für alle Klassenstufen im Wechselunterricht öffnen - nämlich schon bei einer regionalen Sieben-Tage-Inzidenz bis 165. Das kündigte Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder am Montag nach einer Videokonferenz des CSU-Vorstands an. Indem er für Grundschulen vom Grenzwert 100 abrückt und auf den Wert 165 aus der Bundes-Notbremse einschwenkt, kommt er seinem Koalitionspartner, den Freien Wählern, ein Stück weit entgegen. An weiterführenden Schulen will Söder dagegen bis auf Weiteres beim Grenzwert 100 bleiben. Den Freien Wählern reichte das Angebot deshalb zunächst jedenfalls nicht.

Zugleich stellte Söder Öffnungsmöglichkeiten ab der kommenden Woche für die Außengastronomie, für Theater und Kinos in Aussicht, wenn die regionale Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt, und mit Tests und Termin. Ebenso deutete er an, in den Pfingstferien könnten Ferienwohnungen und Hotels öffnen, mit Tests und Hygienekonzepten.

Die Lockerungen für Grundschulen begründete Söder damit, dass dort Distanzunterricht zum Teil mit Schwierigkeiten verbunden sei. Bei den weiterführenden Schulen dagegen sei dies anders: «Das funktioniert.» Zudem verwies Söder auf höhere Corona-Zahlen unter Jugendlichen. Man gehe aber davon aus, dass es nun immer mehr Regionen unter 100 gebe, die Lage werde sich also bis nach Pfingsten sukzessive verbessern.

Zudem sollen nun alle Lehrer im Präsenzunterricht auch an den weiterführenden und den beruflichen Schulen ein Impfangebot bekommen. Bislang hatten nur Lehrer an Grund- und Förderschulen die Möglichkeit einer bevorzugten Impfung.

Am Montag lag knapp ein Drittel der Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern über dem Wert 165. Voraussetzung für eine Rückkehr vom Distanz- zum Wechselunterricht ist aber, dass der Wert an fünf Tagen hintereinander stabil darunter liegt - dann sind die entsprechenden Lockerungen ab dem übernächsten Tag möglich.

Die Freien Wähler allerdings fordern den höheren Grenzwert für Distanzunterricht für alle Schularten und Klassen. Die Grundschulen bis zum Wert 165 zu öffnen, sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. «Das darf aber nicht reichen.» Die Schulen für alle bis zum Grenzwert 165 zu öffnen, sei wichtig für die Bildung und zur Infektionsbekämpfung, «weil nur mit Tests in der Schule die Infizierten erkannt werden». Die aktuell relativ hohen Corona-Zahlen der Jugendlichen kämen aus dem Privaten. «Es wäre also kontraproduktiv, die Altersgruppe der Jugendlichen ungetestet in die Pfingstferien zu schicken, wo sie vermehrt ihre Freunde treffen und Infektionen weitertragen. Besser, sie vorher in die Schule zu holen und mehrmals testen», sagte Aiwanger.

Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Freie-Wähler-Fraktion, Fabian Mehring, bekräftigte die Forderung nach weiteren Lockerungen. Am Dienstag soll darüber im Kabinett beraten und entschieden werden.

Söder rief die Freien Wähler vorab zu einem gemeinsamen und einheitlichen Vorgehen auf und warnte: «Wer blockiert, verliert.» Auch der Bayerische Elternverband forderte Öffnungen für weiterführende Schulen und mehr Unterricht im Freien.

Was Söder darüber hinaus bereits ankündigte: Für vollständig Corona-Geimpfte sowie Genesene sollen so schnell wie möglich mehrere Einschränkungen wegfallen. Die geplante Bundes-Verordnung werde der Freistaat sofort umsetzen. Bei coronabedingten Kontaktbeschränkungen sollten vollständig Geimpfte und Genese nicht mehr dazugerechnet werden. Er verwies etwa auf anstehende Konfirmationen, bei denen dies dann schon gelten könnte. Und auch bei den Ausgangsbeschränkungen soll es nach Söders Worten Ausnahmen für Geimpfte und Genesene geben.

Die von Söder in Aussicht gestellten Öffnungsmöglichkeiten etwa für die Außengastronomie, für Theater und Kinos sind derweil keine neue Erfindung. Darauf hatten sich Bund und Länder als möglichen weiteren Öffnungsschritt schon Anfang März verständigt. Und auch in der bayerischen Corona-Verordnung sind die Öffnungsmöglichkeiten schon enthalten - unter der zusätzlichen Voraussetzung, dass die Entwicklung des Infektionsgeschehens «stabil oder rückläufig» erscheint. Weil dies vor einigen Wochen noch nicht der Fall war, hatte das Kabinett solche neuen Lockerungen aber auf Eis gelegt.

Jugendring für Öffnung von Angeboten für Kinder und Jugendliche

Der Bayerische Jugendring (BJR) fordert die Öffnung von Angeboten für Kinder und Jugendliche unabhängig von den Corona-Inzidenzwerten. Kinder und Jugendliche müssten jetzt wieder ins Leben zurückgeholt werden, da Studien immer deutlicher ein besorgniserregendes Bild ihrer psychischen Situation ans Licht brächten, sagte BJR-Präsident Matthias Fack am Montag in München. «Für mich heißt das: Angebote müssen inzidenzunabhängig in Präsenz möglich sein.»

Laut BJR sind momentan Angebote der Jugendarbeit in Präsenz verboten, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche über 100 liegt. Die Pandemie und die strengen Kontaktbeschränkungen seien für Kinder, Jugendliche und Familien eine enorme psychische Belastung. Hier könnte die Jugendarbeit vorbeugen und helfen, dass psychische Störungen erst gar nicht entstehen.

«Der Blick von Gesellschaft und Politik muss sich jetzt noch fokussierter als vor Corona auf Kinder und Jugendliche richten», sagte Fack. Insbesondere Jugendliche könnten wohl je nach Alter frühestens im Sommer mit einem Impftermin rechnen. Sie dürften aber im weiteren Verlauf und erst recht nach der Pandemie auf keinen Fall vergessen werden. Der BJR ist eine Arbeitsgemeinschaft von landesweit und regional tätigen Jugendverbänden sowie örtlichen Jugendgruppen in Bayern. Dem Verband zufolge erreichen sie mit ihren Angeboten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen.

Niedersachsen will Corona-Beschränkungen vorsichtig lockern

Nach monatelangem Lockdown will Niedersachsen die Corona-Beschränkungen angesichts rückläufiger Zahlen vorsichtig lockern. Dies soll in Kreisen und Städten der Fall sein, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz belastbar unter 100 liegt, kündigte die Staatskanzlei in Hannover am Montag an.

Die mit der neuen Corona-Verordnung des Landes ab kommendem Wochenende ins Auge gefassten Lockerungen wollen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) nach einer Kabinettssitzung am Dienstag vorstellen. Unter anderem geht es um Tourismus und Gastronomie. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will verbesserte Möglichkeiten für den Schulunterricht präsentieren. Bislang hat das Land an seinem restriktiven Kurs festgehalten, dass Schulen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 größtenteils in den Distanzunterricht wechseln.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sank die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Montag von 101,7 auf 99,5. In 16 der 45 Kreise und Großstädte liegt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen noch über 100.

OVG: Test-Pflicht für Teilnahme am Präsenzunterricht rechtens

Die Verpflichtung, vor Teilnahme am Präsenzunterricht in Schulen ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen zu müssen, ist nach Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts in Schleswig rechtmäßig. Die Auflage, den Schulbesuch vom Testergebnis abhängig zu machen, sei zulässig und verhältnismäßig, teilte das Gericht am Montag mit. Sie diene dem legitimen Zweck, Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen. Die Zugangsbeschränkung sei erforderlich, um Schulschließungen zu vermeiden und den verfassungsrechtlichen Bildungsauftrag umzusetzen.

Der für Infektionsschutz zuständige 3. Senat hatte in der vergangenen Woche in zwei Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes entschieden. Um am Präsenzunterricht in Schleswig-Holstein teilnehmen zu können, müssen sich alle Schüler seit dem Ende der Osterferien zweimal wöchentlich testen. Dagegen hatten sich sieben Schülerinnen und Schüler aus Grund- und weiterführenden Schulen in Kiel und Kronshagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) in zwei Eilanträgen im Normenkontrollverfahren gewendet. Die Beschlüsse sind unanfechtbar (Az. 3 MB 23/21 und 3 MB 25/21).

Zahl der befristeten Stellen bei Lehrern steigt in Corona-Pandemie

Nicht jeder Lehrer bekommt automatisch den Beamtenstatus. In Hessen arbeiten Tausende hinter dem Lehrerpult nur mit befristeten Verträgen. In der Corona-Pandemie ist ihre Zahl noch gestiegen

Im hessischen Schuldienst arbeiten immer mehr befristete Lehrer, ihr Zuwachs hat sich in der Corona-Pandemie noch beschleunigt. Von Oktober 2019 bis Oktober 2020 sei die Zahl derer mit befristeten Verträgen von 5765 auf 6713 gestiegen, teilte das Kultusministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. In Vollzeitstellen umgerechnet sei dies ein Anstieg von 3427 auf 4106.

11 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer oder 7,9 Prozent der Vollzeitstellen seien somit zum Stichtag 1. Oktober 2020 über befristete Verträge gelaufen, teilte das Ministerium mit. Der zentrale Grund hierfür sei die Kompensation der Lehrer, die durch ein Attest in der Pandemie vom Präsenzunterricht befreit seien.

Diesen Anstieg sieht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Im vergangenen Jahr sei der Prozentsatz von 6,8 auf 8 Prozent der rund 60 000 Lehrkräfte gestiegen, teilte die GEW mit. Der Anteil steige aber bereits seit 2015.

Bei den befristeten Verträgen handelt es sich nach Angaben der Gewerkschaft voraussichtlich um nicht oder nicht voll ausgebildete Lehrkräfte, also ohne zweites Staatsexamen. Voll ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer würden in den meisten Fächern sehr schnell ein Einstellungsangebot bekommen.

Durch die Pandemie sei der Vertretungsbedarf in den Schulen gewachsen. Lehrkräfte, die ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, könnten sich via Attest vom Präsenzunterricht freistellen lassen. Dies ist laut GEW im April 2021 bei rund 2800 Lehrerinnen und Lehrern der Fall gewesen. Für diese seien aber nur 800 Vertretungskräfte eingestellt worden. Dies hängt nach Auffassung der Gewerkschaft unter anderem mit der viel zu bürokratischen Vergabe bereitgestellter Mittel zusammen. Zudem sei wegen der sich ständig veränderten Unterrichtsorganisation und dem unzureichendem Gesundheitsschutz eine solche Stelle nicht gerade attraktiv, und Lehrer im Ruhestand könnten wegen des erhöhten Risikos eines schweren Krankheitsverlaufes nicht mehr angesprochen werden.

Nach Auskunft des Ministeriums können alle Lehrkräfte, auch die mit befristeten Verträgen, im Einverständnis mit den Schulleitungen Fortbildungen zum Einsatz digitaler Medien in den Schulen beantragen. Der Gewerkschaft zufolge hat es bislang aber keine technische Ausstattung für den digitalen Unterricht und andere Aufgaben gegeben. Allenfalls gebe es einzelne Computerarbeitsplätze in den Schulen. «Viele haben sich daher in den vergangenen Monaten privat leistungsfähige Endgeräte angeschafft, wie sie etwa für Videokonferenzen erforderlich sind», teilte die GEW mit. Inzwischen sei zwar die Anschaffung solcher Geräte angekündigt, diese seien jedoch noch nicht in den Kollegien angekommen.

Befristete Verträge können der GEW zufolge auch eine berufliche Sackgasse für Vertretungslehrer werden. Die Verträge dürften nämlich nicht nach Belieben verlängert werden. Je nach Einzelfall werde es nach rund fünf Jahren problematisch. Das Land biete nicht automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis an.

Gut 400 positive Corona-Tests bei Schülern

Nach Einführung der verpflichtenden Corona-Tests an Thüringer Schulen sind binnen einer Woche 416 Schüler positiv auf eine Infektion getestet worden. Das geht aus aktuellen Zahlen des Thüringer Bildungsministeriums vom Montag hervor. Demnach wurden in der vergangenen Woche mindestens 174 499 Selbsttests an Schulen durchgeführt. Der Anteil positiv ausgefallener Ergebnisse beträgt damit nur 0,24 Prozent.

Seit Anfang vergangener Woche müssen Lehrer und Schüler zwei Mal pro Woche Corona-Selbsttests durchführen. Wer nicht mitmacht, darf die Schule nicht betreten.

Beim Personal an Schulen wurden in dem Zeitraum 42 373 Tests gemacht - 49 davon fielen positiv aus. Die Positiv-Rate lag damit bei 0,12 Prozent.

Hinter wie vielen positiven Testergebnissen auch tatsächlich eine Corona-Infektion steckte, ist unklar - die Daten werden vom Bildungsministerium nicht erhoben. Hintergrund ist, dass nach einem positiven Selbsttest noch ein empfindlicherer PCR-Test nötig ist, um eine Infektion zu bestätigen.

02.05.2021

Distanzunterricht bleibt die Regel

Viele Eltern stellen in der Corona-Krise fest, dass ihre Kinder die Schule vermissen - vor der Pandemie undenkbar. Doch von einer Rückkehr zur Normalität sind die Schulen weit entfernt.

Trotz leicht sinkender Coronazahlen bleibt es nahezu in ganz Bayern vorerst beim Distanzunterricht an den Schulen - Abschlussklassen und Viertklässler ausgenommen. Lediglich in etwa einer Handvoll Landkreise und kreisfreien Städte ist von Montag an Wechselunterricht in allen Klassenstufen möglich.

Im Laufe der Woche könnten bei stabilen oder sinkenden Sieben-Tage-Inzidenzen aber weitere Kommunen mit Wechselunterricht hinzukommen. Am Sonntag lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut in 18 bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten unter 100.

Die Staatsregierung hat die Vorschriften für den Schulunterricht mittlerweile zum Teil der neuen bundesweiten Notbremse angepasst. Unterschreitet ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt den Sieben-Tage-Inzidenzwert 100 an fünf aufeinander folgenden Tagen, kann ab dem übernächsten Tag auf Wechselunterricht umgestellt werden.

Umgekehrt gilt: Überschreitet ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt den Wert 100 an drei aufeinander folgenden Tagen, gibt es ab dem übernächsten Tag wieder Distanzunterricht. Ausgenommen sind Abschlussklassen und Viertklässler an Grundschulen. In der Bundes-Notbremse ist allerdings der höhere Grenzwert 165 vorgesehen, in Bayern ist es bei 100 geblieben. Die Freien Wähler wollen das ändern.

01.05.2021 

Arbeitgeber fordern Schulöffnungen ab Pfingsten

Die Zeit ohne Unterricht in der Schule war lang genug, finden mehrere Arbeitgeberverbände. Sie fordern eine schnelle Rückkehr in die Klassenräume. Bei der Bildungsgewerkschaft GEW stößt das auf Kritik.

Mehrere Arbeitgeberverbände in Niedersachsen fordern, dass die Schulen spätestens ab Pfingsten wieder öffnen und mindestens im Wechselmodell unterrichten. Ansonsten drohe den Kindern, dass sie bis nach den Sommerferien über 44 Wochen nicht im Klassenraum gesessen haben. «Die Kollateralschäden der Corona-Politik für die Bildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind jetzt schon enorm, aber diese Aussicht ist schlichtweg eine Katastrophe», sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände im Haus der Industrie, Volker Schmidt. An einen Inzidenzwert oder die weitere Entwicklung der Fallzahlen knüpfte er die Forderung nicht.

Schmidt betonte, gerade für Kinder aus «sozial schwächeren» Familien, deren Eltern es schwerfalle, für eine vernünftige technische Ausstattung zu sorgen und beim Lernen zu helfen, sei das Homeschooling schwierig. Viele Kinder hätten ohne Schule zudem kaum Kontakt zu Gleichaltrigen und bewegten sich zu wenig.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte zuletzt die Hoffnung geäußert, dass der Präsenzunterricht ab Mitte Mai bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 ermöglicht werden könnte. So sieht es auch die sogenannte Bundes-Notbremse vor. Bisher müssen die Schulen in Niedersachsen aber bereits ab einer Inzidenz von 100 in den Distanzunterricht wechseln. Das werde auch absehbar so bleiben, hatte eine Sprecherin von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nach Tonnes Äußerungen erklärt.

Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte den uneingeschränkten Ruf der Arbeitgeber nach schnellen Schulöffnungen. «Der Inzidenzwert ist zwar nicht der alleinige Maßstab, aber ihn plötzlich völlig zu ignorieren, wäre absolut unverständlich», sagte Landeschefin Laura Pooth. Das gelte jedenfalls so lange, wie Hygiene, Testungen und Impfangebote noch nicht vollständig umgesetzt seien.

«Schule ist weit mehr als eine Aufbewahrung für Kinder, damit die Eltern arbeiten gehen können», betonte Pooth. «Ein andauerndes Hin und Her von alten und neuen Regelungen hilft niemandem, das muss endlich aufhören.» Die Krise habe außerdem gezeigt, wie notwendig weitere Investitionen in die Schulen seien.

Im Haus der Industrie sind insgesamt 14 Arbeitgeberverbände vertreten, darunter Niedersachsenmetall.

30.04.2021

Bildungsforscher: Keine Nachteile für Abiturienten bei Berufswahl

Trotz der anhaltenden Ausfälle im Pandemie-Schuljahr rechnet der Tübinger Bildungsforscher Richard Göllner nicht mit Nachteilen für angehende Abiturienten in der Arbeitswelt. «Ich glaube nicht, dass Arbeitgeber systematische Defizite der diesjährigen Absolventen ausmachen werden», sagte er der «Stuttgarter Zeitung» (Freitag). «Die Prüfungen sind in der Tiefe genauso anspruchsvoll wie sonst.»

Unter Umständen könnten die schwierigen Umstände durch die Corona-Einschränkungen sogar ein Vorteil auf der Karriereleiter werden. «Möglich ist es», sagte der Göllner, der als Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen forscht. «Denn diese Generation konnte ihre Selbstlernfähigkeiten, die auch für den weiteren Ausbildungserfolg von zentraler Bedeutung sind, besonders gut einüben.» Außerdem gebe es Selbstvertrauen, in schwieriger Lage die bisher wichtigste Prüfung des Lebens erfolgreich zu bestehen.

Göllner zeigte sich zwar überzeugt, dass den Schülern die Vorbereitung für die Abiturprüfungen gelungen sei. Er bedauere die Abiturienten allerdings wegen der sozialen Ausfälle durch die Corona-Einschränkungen. «Es gab keine Studienfahrten, es gibt keinen letzten Schultag, keine Abifeier. Die Absolventen können nicht einfach ein Jahr ins Ausland gehen. Da wird dieser Generation tatsächlich etwas fehlen», sagte er.

Die Abitur- und Zwischenprüfungen für rund 46 000 baden-württembergische Schülerinnen und Schüler beginnen am 4. Mai.

Testpflicht an Schulen: Wie gehen Eltern damit um?

Die Testpflicht an Schulen ist da. Bei Eltern wirft das viele Fragen auf. Doch egal, wie die Antworten darauf ausfallen: Eltern tun gut daran, sich mit ihrer Meinung zurückzuhalten.

Zweimal pro Woche in der Schule einen Corona-Test machen: Ein Thema, das Familien spaltet. Die einen befürworten die zusätzliche Sicherheit, andere sehen darin einen Eingriff in die Privatsphäre ihrer Kinder.

Egal, wie Eltern zum Thema Testpflicht stehen: Ihre Ansichten dazu färben direkt auf die Jugendlichen ab - darüber sollten wir Erwachsenen uns bewusst werden, sagt Familiencoach Kira Liebmann. «Wer sagt: «Du muss nicht in die Schule gehen, ich will nicht, dass du getestet wirst»», lebt seinen Kindern eine Verweigerungshaltung vor, die sich höchstwahrscheinlich übertragen wird oder einem bei anderen Themen wieder von seinem Kind serviert wird.

Tests nicht übermäßig thematisieren

Kira Liebmann rät Eltern, Schnelltests in Schulen nicht übermäßig zu thematisieren. «Ich kann da natürlich meine Meinung zu haben. Aber die Jugendlichen dürfen sich auch ihr eigenes Bild dazu machen.» Außerdem solle man im Hinterkopf behalten, dass Kinder ausgegrenzt werden können, wenn Eltern sie wegen der Testpflicht zu Hause behalten wollen.

Und was ist, wenn sich die Jugendlichen gegen die Tests in der Schule sperren? «Dann müssen Eltern herausfinden, um was es wirklich geht: Haben sie Angst davor, bloßgestellt zu werden, wenn sie positiv sein sollten? Oder wird verweigert, weil die Teenager sowieso gerade in einer Null-Bock-Phase stecken?»

Positiv-Ergebnis? Schon im Vorfeld Plan machen

Wenn es um die Angst vor einem positiven Corona-Testergebnis geht, sollten Eltern mit ihren Kindern einen genauen Plan entwickeln, etwa: «Wenn der Schnelltest positiv ausfällt, passiert erstmal gar nichts. Wir holen dich sofort ab und lassen einen PCR-Test machen. Und wenn der positiv ausfällt, entscheiden wir weiter.» Genau zu wissen, was passiert, gebe Kindern Sicherheit.

29.04.2021

Schulen sollen im Kampf gegen Corona-Bildungslücke mehr Geld bekommen

Schüler brauchen Unterstützung, um verpassten Schulstoff aus der Coronazeit nachzuholen. Darin sind sich die Abgeordneten im hessischen Landtag einig. Nur über das Wann und Wie herrscht Uneinigkeit. Der Kultusminister stellt einen «Königsweg» vor.

Um Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler aus der Corona-Pandemie zu kompensieren, sollen Hessens Schulen mehr Geld vom Land bekommen. Das kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden an. «Wir werden allen Schulen Mittel zur Aufstockung ihrer Schulbudgets zur Verfügung stellen», sagte er. «Denn das ist für mich der Königsweg.» Damit könnten die Schulen vor Ort die Maßnahmen ergreifen und finanzieren, die sie für sinnvoll und erforderlich hielten. Dies könnten beispielsweise zusätzliche Förderkurse oder Hausaufgabenhilfen sein.

Die Pandemie habe zu einer hohen Belastung gerade von Kindern und Jugendlichen geführt, betonte Lorz. Umso wichtiger sei es, die Schulen in den Blick zu nehmen. Dabei gehe es nicht nur um Lernrückstände, sondern auch der Mangel etwa an sozialen Kontakten und Bewegung mache den Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Dies auszugleichen sei eine «gesamtgesellschaftliche Aufgabe», sagte der Minister. Das Problem müsse sehr grundsätzlich und mit langem Atem angegangen werden.

Die Abgeordneten waren sich fraktionsübergreifend einig, dass Schülerinnen und Schüler bei der Kompensation von Corona-Lernrückständen unterstützt werden müssen. Die Opposition warf der Landesregierung jedoch vor, das Problem nicht konsequent anzugehen.

243 000 Jugendliche ab Klasse sieben seien seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen, sagte der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen. «Das Coronavirus hat psychische Spuren bei so vielen hinterlassen, die man mit ein paar Lerncamps sicher nicht wegwischen kann.» Es dürfe nicht nur darum gehen, Lernrückstände aufzuarbeiten, sondern man müsse auch psychische und soziale Probleme in den Blick nehmen, sagte Degen. Im Land werde jedoch beim dringend nötigen Corona-Aufholprogramm gezaudert und gezögert.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elisabeth Kula, sagte: «Die Vereinbarung von Bund und Ländern, eine Milliarde Euro für Nachhilfe zur Verfügung zu stellen, greift viel zu kurz und wird diejenigen, die am dringendsten Unterstützung benötigen, kaum erreichen.» Längst hätten Konzepte zur individuellen Förderung und Angebote für psychosoziale Probleme entwickelt werden müssen.

Der AfD-Abgeordnete Dimitri Schulz schlug einen schulspezifischen Ergänzungsunterricht vor. Dabei müsse Präsenzunterrichts erste Wahl sein. Nach sechs Monaten sollte die Qualität des Ergänzungsunterricht mit Tests überprüft werden, sagte Schulz.

«Die Schulen sind im Ausnahmezustand, die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes haben im Kern zu einem Lockdown für Kinder geführt, und Kinder- und Jugendpsychologen schlagen seit Monaten Alarm», sagte der FDP-Bildungsexperte Moritz Promny. Die Liberalen schlagen unter anderem das «Konzept der offenen Schule» vor. Dann erhielten Schülerinnen und Schüler, die nach Einschätzung ihrer Lehrkraft besonders unter den Schließungen leiden, in der Schule einen Arbeitsplatz sowie die notwendige Infrastruktur und Ansprechpartner.

Außerdem sollten «digitale Schuljahre» im Netz bereitgestellt werden, damit Schüler versäumten Stoff gut nachholen könnten. Unterstützung könnte es auch von Studenten geben, die als «Lernbuddys» schwächeren Schülern zur Seite stehen - und dann diese Leistung auf das Studium angerechnet bekommen.

«Seit Monaten wird über Lernrückstände diskutiert, aber die Landesregierung hat nicht entschlossen genug gehandelt», sagte Promny. Die Rückstände seien noch nicht mal erhoben.

Bremen startet Impfungen für Lehrer an weiterführenden Schulen

In Bremen haben die ersten Berechtigten der Priorisierungsgruppe drei Einladungen für eine Corona-Impfung erhalten. Die betreffe zwar vor allem die Personengruppe der 60- bis 69-Jährigen. Zur Priogruppe drei zählten in Bremen aber auch 6000 Beschäftigte an weiterführenden Schulen sowie rund 4000 Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe, teilte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) mit. Die ersten Schulbeschäftigten könnten bereits am Wochenende geimpft werden.

«Leider können wir aber noch nicht allen Beschäftigten kurzfristig Termine ermöglichen», so Bernhard. Der Impfstoff sei weiter sehr knapp und bremse die Impfgeschwindigkeit. Es werde daher noch weitere Wochen dauern, bis allen Impfberechtigten der Priogruppe drei und danach allen Bremerinnen und Bremern ein Impfangebot gemacht werden könne.

In Bundesland Bremen hat bereits mehr als jeder Vierte mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Zurzeit sind laut Gesundheitsbehörden alle Impftermine bis Ende Mai ausgebucht. Weitere priorisierte Gruppen aus der Priogruppe 3 würden im Anschluss daran ein Impfangebot bekommen. Es könne sich nicht im Impfzentrum registriert oder vorangemeldet werden.

Bernhard verwies auf die Ankündigungen des Bundesministeriums für Gesundheit, wonach im Juni die Priorisierung aufgehoben werden solle. Im Juni stehe darüber hinaus den Ärzten in sehr großem Umfang Impfstoff zur Verfügung, so dass die gemeinsame Impfkampagne dann rasch alle Bevölkerungskreise erreichen könne.

Verpackung fehlerhaft: Rückruf von Schul-Schnelltests

Wegen fehlerhafter Angaben auf der Verpackung sind Corona-Schnelltests zurückgerufen worden, die auch an Thüringer Schulen geliefert worden sind. Allerdings sei nicht die Funktionsweise der Tests selbst beeinträchtigt, sondern nur Angaben auf Verpackung und Beipackzettel fehlerhaft, wie das Thüringer Bildungsministerium am Donnerstag mitteilte.

Betroffen seien die Schnelltests «2019-nCoV Ag Saliva Rapid Test Card» des Herstellers Guangzhou Decheng Biotechnology Co., LTD - und dabei die Chargen mit den Nummern 05821002C und 05821003C. Der Rückruf wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte veröffentlicht.

Nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums sei bislang unklar, wie viele Tests genau betroffen seien. Außerdem gehe man davon aus, dass ein Teil davon bereits verbraucht wurde. Das Ministerium forderte alle Schulen auf, die Chargennummern der gelieferten Tests zu vergleichen.

Schulen, die betroffene Tests finden, könnten sie entweder aussortieren und neue Tests bestellen oder sich vom Deutschen Roten Kreuz schulen lassen und die betroffenen Tests anschließend weiter nutzen.

Hamburgs Fünft- und Sechstklässler dürfen wieder zur Schule

Seit fünf Monaten durften sie coronabedingt gar nicht mehr in ihre Klassen. Nun können die Fünft- und Sechstklässler zumindest wieder im Wechsel die alte Schulbank drücken.

Nach Ende der Mai-Ferien dürfen Hamburgs rund 21 000 Fünft- und Sechstklässler wieder im Wechselunterricht in die Schulen. Da die Abiturienten mit Beginn der Prüfungen nun keinen Unterricht mehr hätten, wolle man den Spielraum für eine weitere vorsichtige Öffnung nutzen, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag. «Diese Kinder und Jugendlichen haben seit März letzten Jahres fast ein dreiviertel Jahr lang keinen Unterricht in der Schule gehabt und konnten in den letzten fünf Monaten nicht mehr in der Schule lernen.» Dabei seien gerade jüngere Schüler auf die Begleitung und Anleitung durch Lehrkräfte und Pädagogen angewiesen, sagte er.

Schule sei für diese Mädchen und Jungen Ort des sozialen Lernens, Begegnungsstätte mit Gleichaltrigen und Struktur für ihren Tagesrhythmus. «Ich freue mich, dass wir die jetzt entstehenden Spielräume nutzen können und hoffe darauf, dass die sinkenden Infektionszahlen in Hamburg vor den Sommerferien weitere Möglichkeiten eröffnen», sagte Rabe. Die Schulen würden die Zeit bis zum 17. Mai nutzen, um sich auf den weiteren Öffnungsschritt vorzubereiten. Die Schüler und ihre Sorgeberechtigten sollen in den nächsten Tagen von den Schulleitungen direkt informiert werden.

Seit Mitte März sind bereits die Grund- und Sonderschüler sowie die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen in Hamburg im Wechselunterricht. Das heißt, dass die Schülerinnen und Schüler die Hälfte aller Unterrichtsstunden in einer halbierten Klassengruppe in der Schule lernen, die andere Hälfte zu Hause im Distanzunterricht.

Die Präsenzpflicht bleibt laut Schulbehörde weiter aufgehoben. Eltern und volljährige Schüler können selbst entscheiden, ob sie am Wechselunterricht teilnehmen oder im Distanzunterricht bleiben. Die Erfahrungen hätten aber gezeigt, dass weniger als zwei Prozent von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen, hieß es.

In Hamburgs Schulen gelten strenge Sicherheitsregeln. Schüler müssen zwei Mal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen, Lehrer und andere Schulbeschäftigte sogar drei Mal pro Woche. Außerdem herrscht auch im Unterricht Maskenpflicht.

Kinder- und Jugendärzte fordern mehr Hilfen für junge Menschen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert wegen Folgen der Corona-Pandemie deutlich mehr Hilfen für junge Menschen. Verbandspräsident Thomas Fischbach bezeichnete die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung für ein «Aufholpaket» für junge Menschen als nicht ausreichend. Der «Rheinischen Post» (Donnerstag) sagte er: «Die Bundesregierung droht mit dem Aufholpaket die Chance zu verpassen, auch die psychische Entwicklung von Kindern außerhalb der Schulen zu fördern. Der Fokus liegt zu stark auf der Bekämpfung von Leistungsdefiziten.»

Er erklärte: «Wir Kinder- und Jugendärzte beobachten sehr häufig Entwicklungsstörungen und psychische sowie körperliche Erkrankungen, die direkt auf die Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen sind.» Insbesondere Kinder aus Familien, in denen die Eltern zu wenig Abwechslung böten oder sich nicht ausreichend kümmern könnten, blieben auf der Strecke.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verteidigte hingegen die Pläne der Bundesregierung. «Wir achten darauf, gerade auch die Kinder, Jugendlichen und Familien zu erreichen und zu unterstützen, die es besonders schwer haben.»

Die große Koalition verhandelt derzeit über ein Förderprogramm in Höhe von rund zwei Milliarden Euro für Kinder und Jugendliche. Ursprünglich war geplant, das Programm am Dienstag im Kabinett auf den Weg zu bringen. Weil es noch Abstimmungsbedarf zwischen Union und SPD gibt, wurde der Beschluss auf voraussichtlich nächsten Mittwoch verschoben. Mit dem Geld sollen zur Hälfte Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler in den Ländern unterstützt werden. Die zweite Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Geplant ist nach SPD-Angaben auch eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. 

28.04.2021

Vier Wochen zum Aufholen des Schulstoffs im neuen Schuljahr

Die ersten vier Wochen im kommenden Schuljahr sollen zum Nachholen von coronabedingt versäumtem Unterrichtsstoff dienen. Das kündigte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Mittwoch im Bildungsausschuss des Landtags an. «Diese Zeit soll dazu dienen, die Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, nach der langen Zeit der Einschränkungen wieder in einen geregelten Schulalltag zurückzufinden, Wissensstände festzustellen und den Blick auf die kommenden Wochen und Monate zu legen», sagte die Ministerin. Allen sei klar, dass die Bewältigung der Folgen der Corona-Krise in der Schule längerfristig angelegt sein müsse.

Es gebe ein ganzes Maßnahmenpaket. Bereits aufgelegte Förderprogramme sollen verlängert werden. So könnten Lehramtsstudenten auch weiterhin gegen Bezahlung zusätzlich in den Schulen helfen. Auch werde es wieder zusätzliche Förderung bei privaten Bildungsanbietern geben, «dies sowohl schulbegleitend als auch in den Ferien».

Ein zusätzliches Programm soll es für Schüler geben, die im Lockdown den Anschluss an die Schule komplett verloren haben. «Dabei wird auch die Jugendhilfe eine wichtige Rolle spielen», betonte die Ministerin.

Der oppositionellen Linken ist das alles zu wenig. Die geplanten vier Wochen zum Beginn des nächsten Schuljahrs reichten «hinten und vorne» nicht aus. «Meine Fraktion erneuert ihren Vorschlag, das Schuljahr nach den Sommerferien bis zum Oktober zu verlängern, um den versäumten Unterricht wenigstens in Teilen nachzuholen», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg.

Keine Blauen Briefe - Landtag billigt Gesetz zu Corona-Schuljahr

Keine Blauen Briefe und freiwilliges Sitzenbleiben - der Landtag hat am Mittwoch ein Gesetz verabschiedet, das Schülern in diesem Corona-Schuljahr faire Bedingungen ermöglichen soll. So müssen Schüler in NRW laut Bildungssicherungsgesetz am Ende dieses Schuljahres keine Blauen Briefe fürchten. Anders als im vergangenen Jahr können leistungsschwache Schüler aber trotzdem sitzenbleiben. Sie können eine Klasse auch freiwillig wiederholen, ohne dass das auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet wird.

Für die zentralen Prüfungen in Klasse zehn (ZP 10) an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen werden in diesem Schuljahr wieder landeseinheitliche Aufgaben gestellt. Vergangenes Jahr war wegen der Pandemie auf zentrale ZP 10-Prüfungen verzichtet worden. Stattdessen hatten Lehrkräfte Klassenarbeiten schreiben lassen. An den Gymnasien wird es wie schon vergangenes Jahr am Ende der zehnten Klasse erneut keine zentralen schriftlichen Prüfungen geben.

Die Opposition aus SPD, Grünen und AfD stimmte gegen das Gesetz. Der SPD-Schulpolitiker Jochen Ott kritisierte das Festhalten an Noten und Abschlussprüfungen. Es müssten auch dieses Jahr wieder dezentrale Klassenarbeiten in Klasse zehn erlaubt werden. Für Abiturienten wäre ein «Freischuss» ein «wichtiges psychologisches Signal» gewesen. «Wir blicken auf ein desaströses Schuljahr zurück, ein Schuljahr unter Pandemie-Bedingungen, in dem das Schulministerium ziellos umherirrte.»

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte, das Gesetz bringe Schülern und Lehrkräften «Sicherheit, Klarheit und Verlässlichkeit». «Es ist ein besonderer und kein normaler Jahrgang.» Haupt- und Realschulprüfungen könnten flexibler gestaltet werden, ohne ihre Anerkennung in Frage zu stellen. Schulabschlüsse müssten auch national vergleichbar bleiben.

Grünen-Schulpolitikerin Sigrid Beer sagte, das Gesetz tauge nicht dazu, die Nachteile des wochenlangen Distanz- und Wechselunterrichts zu kompensieren. AfD-Politiker Helmut Seifen nannte die coronabedingten Schulschließungen eine «Katastrophe». Schüler hätten wenig Gelegenheit gehabt, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Wieder mehr Präsenzunterricht an Schleswig-Holsteins Schulen geplant

Strenger als die Bundesnotbremse, aber mehr Präsenzangebote für Schüler: Die Landesregierung will die Regeln für den Schulunterricht in der Corona-Pandemie transparenter gestalten. Bildungsministerin Prien will vor allem eine Gruppe stärker ins Blickfeld rücken.

Die Landesregierung will die Präsenzangebote an Schleswig-Holsteins Schulen vorsichtig erweitern. Bei weniger als 100 Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen sollen künftig alle Jahrgänge zumindest Wechselunterricht haben, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch. Das soll mehr Planungssicherheit für Eltern und Schulen bringen.

Bei einer Inzidenz in den Kreisen und kreisfreien Städten zwischen 50 und 100 soll es an Jahrgangsstufen 1 bis 6 Präsenz- und ab Jahrgangsstufe 7 Wechselunterricht geben. In Einzelfällen kann in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt aber auch an den Grundschulen Wechselunterricht erfolgen. Bei einer Inzidenz von unter 50 soll überall Präsenzunterricht möglich sein.

Der von der Regierung beschlossene neue Reaktionsplan sieht vor, dass nach drei Tagen über einer 50er oder 100er Inzidenz zum übernächsten Tag entsprechend zwischen den Unterrichtsmodellen gewechselt werden soll. Sinkt die Inzidenz, wird nach fünf Tagen unterhalb des Grenzwerts entsprechend gewechselt.

Bislang seien in einzelnen Kreisen weiterhin nicht alle Jahrgänge wieder im Präsenzunterricht, sagte Prien. «Das bedeutet für diese Kinder und Jugendlichen und deren Eltern eine besondere Härte.» Sie will vor allem Schülern der Mittelstufen auch aufgrund der mittlerweile vorhandenen Selbsttests an den Schulen künftig mehr Präsenzunterricht ermöglichen.

Im Gegensatz zu den Vorgaben der Bundesnotbremse, die Distanzunterricht erst ab einer Inzidenz von 165 zwingend vorschreibt, hält die Landesgrenze in diesem Bereich an ihrem Grenzwert von 100 fest. «Wir haben in Schleswig-Holstein mit der strengeren Regelung gute Erfahrungen gemacht», sagte Prien.

Für die kommende Woche bedeutet das konkret: In Flensburg, Nordfriesland, Plön und Schleswig-Flensburg findet für alle Schüler Präsenzunterricht statt. In Kiel, Lübeck, Neumünster, Dithmarschen, Steinburg, Ostholstein und Rendsburg-Eckernförde gibt es in den Stufen 1 bis 6 Präsenz- und in den Stufen 7 bis 13 Wechselunterricht. In Segeberg sind alle Stufen im Wechselunterricht. In den Kreisen Stormarn und Pinneberg erfolgt Distanzlernen, für die Stufen 1 bis 6 auch eine Notbetreuung. Für die Abschlussklassen gibt es jeweils Präsenzangebote. Für den Kreis Herzogtum Lauenburg soll die Entscheidung am Freitag fallen.

Unterdessen hat der Philologenverband ein Impfangebot für Lehrer gefordert, die Aufsicht bei Coronatests von Schülern führen. Nach Angaben der Landesregierung sollen ab der kommenden Woche alle Lehrer und Schulbeschäftigten ein Impfangebot bekommen sollen. «Ab dem 6. Mai können sich in Schleswig-Holstein jetzt alle Lehrkräfte zur Impfung anmelden und ab dem 10. Mai nach und nach geimpft werden», sagte Prien.

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat begrüßte zwar, dass bei einer Inzidenz unter 100 Präsenzangebote für alle Schüler geplant sind. Der Oppositionspolitiker warf Prien aber vor, bislang noch kein Konzept für zusätzliche Lernangebote während der Sommerferien vorgelegt zu haben. «Nach dem Lernsommer 2020 hatten Ministerium und Schulen ein Jahr Zeit, sich auf den Lernsommer 2021 vorzubereiten.» Er habe in den am Mittwoch erfolgten Ankündigungen auch Informationen zu Aufholstrategien im kommenden Schuljahr oder zur Beruhigung der Schüler vermisst, die über eine freiwillige Wiederholung des Schuljahres nachdenken.

Kinder- und Jugendbeauftragter fordert Sonderprogramm für Sport

Der Kinder- und Jugendbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalts, Holger Paech, hat ein Sonderprogramm gefordert, damit Jugendsport und Jugendfreizeiten trotz der Pandemie wieder in nennenswertem Umfang stattfinden können. Wenn der Staat den noch nicht 16-Jährigen aktuell kein Impfangebot machen könne, so müsse er anderweitig umso aktiver werden, sagte Paech am Mittwoch in Magdeburg. Kinder und Jugendliche dürften in der aktuellen Debatte um Lockerungen von Corona-Maßnahmen nicht aus dem Blick verloren werden.

Es sei völlig richtig, geimpften Personen Grundrechte zurückzugeben, betonte Paech. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kinder und Jugendliche aktuell gar keine Chance hätten, sich impfen zu lassen, weil es für sie keinen zugelassenen Impfstoff gebe. Aber auch sie bräuchten eine verlässliche Perspektive hin zu mehr Normalität. «Zumindest an der frischen Luft oder in großen Hallen muss da deutlich mehr möglich sein - etwa im Sport, Fitnessbereich, in der Kultur oder bei Jugendfreizeiten.» Kinder und Jugendliche dürften sich nicht als Verlierer der Corona-Lage fühlen.

Barmer: Mehr Kinder und Jugendliche seelisch überlastet

Magdeburg (dpa/sa)Immer mehr Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt eine Psychotherapie in Anspruch genommen. Binnen elf Jahren habe sich die Zahl der Therapien bei den bis zu 24-Jährigen mehr als verdoppelt, teilte die Barmer in Magdeburg mit. Die Corona-Pandemie mit dem Wechsel von strikten Kontaktbeschränkungen und sporadischen Schulbesuchen habe die Situation verschärft. Am Mittwoch (10.00 Uhr) stellt die Krankenkasse ihren aktuellen Arztreport vor und erklärt, welche Anlässe zu psychotherapeutischen Behandlungen führen und welche Verläufe es gibt. Es geht auch darum, welche Altersgruppen besonders betroffen sind und welche Hilfen es gibt.

27.04.2021

Nach der Bundes-Notbremse: Berlin beschließt neue Regeln für Schulen

Die Regeln der Bundes-Notbremse gelten auch für die Berliner Schulen. Details dazu hat der Senat am Dienstag beschlossen. Grundsätzlich gilt: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in der Hauptstadt drei Tage hintereinander über einem Wert von 165 pro 100 000 Einwohner, findet kein Präsenzunterricht mehr statt. Die Schülerinnen und Schüler wechseln dann zum «schulisch angeleiteten Lernen zu Hause». Allerdings gibt es in Berlin Ausnahmen zum Beispiel für die Jahrgangsstufe 6, die beim Wechselunterricht bleibt und so auf den Übergang in die weiterführenden Schulen vorbereiten soll. Das teilte die Senatsverwaltung für Bildung am Dienstag mit. Das gilt auch für die Jahrgangsstufen, die mit einem Abschluss enden können.

Für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 wird eine Notbetreuung angeboten. Sie gibt es für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen ohne andere Betreuungsmöglichkeit, für Kinder von Alleinerziehenden und für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler sowie solche, bei denen das Erreichen der Bildungsziele gefährdet ist.

Eine etwas andere Regelung als im Infektionsschutzgesetz des Bundes gilt in Berlin der Bildungsverwaltung zufolge auch bei der Testpflicht: Sie beschränkt sich nicht auf Lehrkräfte, sondern wird auf alle Personen in Schulen ausgeweitet, die in regelmäßigem Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern sind. Sie gilt auch für Personal, das in der Notbetreuung eingesetzt wird. Die Tests sollen zweimal wöchentlich durchgeführt werden, in der Schule oder zu Hause mit anschließender Vorlage einer entsprechenden Erklärung bei der Schulleitung.

Geld für Luftreiniger in Schulen im Saarland nicht komplett abgerufen

Im Saarland steht noch immer Geld für CO2-Melder und Luftreinigungsgeräte an Schulen und Kitas zur Verfügung, das von den Städten nicht abgerufen wurde. «Ich kann nur alle Träger ermuntern, Anträge zu stellen», sagte Innen- und Bauminister Klaus Bouillon (CDU) am Dienstag. Er werbe auch deshalb darum, weil mittlerweile feststehe, was noch vor Monaten bestritten worden sei: «nämlich dass hohe Infektionsherde in den Schulen existieren, teilweise mit Inzidenzen in Richtung 300».

Zur Unterstützung der Kommunen habe das Innenministerium Pandemie-Leistungen in Höhe von rund acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt, doch etwa 2 bis 2,5 Millionen Euro lägen dafür noch immer bereit. Bislang habe das Land rund 450 Luftreiniger in zwölf Kommunen und 4090 CO2-Messgeräte finanziert.

Zusätzliches Geld will Bouillon den Kommunen nun auch für Kontrollen bei der Einhaltung der Corona-Maßnahmen geben. Der bisherige Betrag von 2,3 Millionen Euro für Landkreise werde um eine Million Euro aufgestockt. Das Geld sei zur Verstärkung des Personals gedacht, auch was private Sicherheitsdienste angehe. Nach Ansicht des Ministers sei dies eine weitere wichtige Maßnahme in der derzeitigen Pandemiesituation. «Weil ohne Kontrollen kommen wir leider Gottes, das hat die Erfahrung gezeigt, nicht weiter.» 

Englische Schulen sehen nach Lockdown Sprachschwächen bei Kindern

Nach etlichen Monaten der Kontaktbeschränkungen erleben viele Schulen in England deutlich mehr sprachliche Schwächen bei Erstklässlern. Das ist das zentrale Zwischenergebnis einer Studie, die Forscher der Universität York in Kooperation mit mehreren Bildungsorganisationen durchgeführt haben und die von der Education Endowment Foundation veröffentlicht wurde.

96 Prozent der Verantwortlichen an 58 befragten Schulen in England gaben in der Umfrage im vergangenen Herbst an, «sehr besorgt» oder «ziemlich besorgt» über die Sprachentwicklung und Kommunikation ihrer Schulanfänger zu sein. Dabei ging es um den Schulstart nach der ersten Corona-Welle im vergangenen Jahr.

Ein Großteil der Befragten machte sich außerdem Sorgen über die emotionale und soziale Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Die Beteiligten führen das unter anderem darauf zurück, dass der soziale Kreis während der Corona-Monate extrem eingeschränkt wurde - so fehlten nicht nur Spielplatz-Verabredungen mit Gleichaltrigen, sondern auch Treffen mit den Großeltern oder anderen Kontaktpersonen.

Rund drei Viertel der Schulen berichteten, dass die Kinder, die im Herbst 2020 ihre Schullaufbahn begannen, mehr Unterstützung benötigten als vorherige Jahrgänge. Unter den befragten Eltern gaben viele an, sich vor dem Schulstart ihrer Kinder Sorgen gemacht zu haben - allerdings vor allem um das emotionale Wohlergehen ihrer Kinder, weniger um deren sprachlichen Fähigkeiten.

Gericht: Keine Testpflicht bei schulischen Abschlussprüfungen

Schüler in Nordrhein-Westfalen dürfen auch ohne die Vorlage eines negativen Corona-Tests an den Abschlussprüfungen teilnehmen. Das hat das Verwaltungsgericht Münster in einem Beschluss vom 26. April klargestellt. Laut Mitteilung von Dienstag betrifft diese Entscheidung sowohl Prüfungen an Schulen als auch Berufsabschlussprüfungen. Der Antragsteller wollte per einstweiliger Anordnung sicherstellen, dass er seine Abschlussprüfung als Gärtner im Garten- und Landschaftsbau am Mittwoch (28.4.) auch ohne Test absolvieren kann. Dem kam das Gericht nach. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster bestätigte am Dienstag den Eingang einer Beschwerde der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. (Az.: 5 L 268/21).

Der Anspruch des Schülers auf Teilnahme an der Berufsabschlussprüfung sei grundrechtlich fundiert, teilte das Gericht zur Begründung mit. Die Landwirtschaftskammer habe keine Ermächtigungsgrundlage, für die Teilnahme an der Prüfung einen negativen Test zu verlangen. Die Coronabetreuungsverordnung des Landes schreibe getrennte Prüfungen für getestete und nicht getestete Schüler vor, heißt es in der Mitteilung des Gerichts.

Berliner Schulen müssen auf Klassenfahrten verzichten

Klassenfahrten für Berliner Schülerinnen und Schüler gibt es zunächst weiter nicht. Wegen des hohen Infektionsgeschehens werden sie bis zum Ende der Sommerferien in der ersten Augustwoche untersagt, heißt es in einem Schreiben der Senatsverwaltung für Bildung an die Leitungen der Berliner Schulen von Montag. Die Schülerfahrten waren bisher bereits bis zum 21. Mai ausgesetzt, so ein Sprecher der Bildungsverwaltung am Dienstag. Schülerfahrten für das Schuljahr 2021/2022 sollen dagegen noch nicht abgesagt werden. Zuvor hatte die «Berliner Zeitung» (online) darüber berichtet.

«Es war eine Entscheidung, die man schweren Herzens treffen musste», so der Sprecher weiter. «Aber aufgrund der Pandemielage war das nicht anders zu verantworten.» In dem Schreiben heißt es zu möglichen Klassenreisen bis zum neuen Schuljahr: «Ist eine kostenfreie Stornierung nicht möglich, versuchen Sie bitte die Schülerfahrt auf das Schuljahr 2021/22 umzubuchen.» Falls Umbuchungen nicht möglich seien, sollen die Schülerfahrten möglichst schnell storniert werden.

 

Studie zu Gurgeltests: Immer mehr Schulen beteiligen sich

Hunderte Schüler in Bayern gurgeln regelmäßig mit Leitungswasser, um sich auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen zu lassen. Eine einfachere und schnellere Methode als die Stäbchentests, wie der Leiter des Projektes sagt. Immer mehr Schulen beteiligen sich.

Corona-Tests zum Gurgeln sollen in Schulen möglichst bald die Tests mit Stäbchen ersetzen - darauf setzen die Verantwortlichen der Studie Wicovir. Die Abkürzung steht für «Wo ist das Coronavirus». An der Studie beteiligen sich seit März immer mehr Schulen in Bayern. Die Test brächten bei geringerem Aufwand ein schnelleres Ergebnis als die Stäbchentests, sagt Studienleiter Michael Kabesch, ärztlicher Direktor an der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg.

Zweimal wöchentlich müssen sich die teilnehmenden Schulklassen testen. Das heißt: Morgens nach dem Aufstehen Leitungswasser gurgeln, die Flüssigkeit in zwei Röhrchen füllen, fertig. In der Schule schütten sie den Inhalt eines der beiden Röhrchen in einen «Pool». Die gesammelte Flüssigkeit der Gruppe wird getestet. Wenn sich dabei Hinweise auf eine Corona-Infektion ergeben, müssen die Kinder und Jugendlichen ihr zweites Röhrchen für Einzeltests abgeben, so dass der oder die infektiösen Schüler herausgefiltert werden können - das Ergebnis gibt es am selben Tag.

Der Test sei ungefährlich und auch für Schüler in unteren Jahrgangsstufen einfach zu machen, sagt Kabesch. «Das tut nicht weh und ist nicht schlimmer als Zähneputzen.» Infizierte Kinder würden in einer sehr frühen Infektionsphase erkannt, noch ehe sie Mitschüler anstecken können.

Schulen in knapp 20 Landkreisen und kreisfreie Städte beteiligen sich bereits an dem Projekt, das zunächst bis zum Ende des Schuljahres angelegt ist. Kabesch hofft aber, dass schon früher flächendeckend in Schulen gegurgelt werden kann. Die Laborkapazitäten für die Durchführung der Tests würden zurzeit ausgebaut.

Der Studienleiter sieht Eile geboten: «Wir müssen endlich in die Pötte kommen. Wir haben Druck. Kinder werden noch nicht geimpft.» Und sie sollen nicht immer wieder in den Distanzunterricht gehen müssen.

Im Falle eines positiven Tests wird das Gesundheitsamt informiert und das infizierte Kind nach Hause geschickt. Weil die Tests in einem sehr frühen Stadium positiv anzeigten, müsse nicht zwangsläufig die gesamte Klasse in Quarantäne, so Kabesch. Hier könnten die Behörden präzise auf die jeweiligen Fälle eingehen. Im Schnitt wird der Studie nach bei 1 von 150 «Pools» ein positives Ergebnis festgestellt.

Seit dem Ende der Osterferien sind für alle Schüler in Bayern, die sich in den Schulgebäuden aufhalten, wöchentlich mindestens zwei Tests verpflichtend. Für die Gurgeltests können die Schulen Ausnahmegenehmigungen der Kreisverwaltungsbehörden und der Bezirksregierungen bekommen. Die Testpflicht sieht vor, dass die Tests in der Schule vorgenommen werden müssen, was bei den Gurgeltests nicht der Fall ist.

Kabesch zufolge bedeutet das einen enormen Verwaltungsaufwand dafür, dass sie «den Rolls Royce unter den Testungen, nämlich die PCR-Pool-Testung, begleiten mit dem Fahrrad, der Antigen-Testung». Tests von Gruppen, die nun sowohl Gurgel- wie auch Stäbchentests machen, zeigten, dass die Gurgeltests bereits anschlagen, wenn die Stäbchentests noch negativ anzeigen.

Die Studie findet mit Unterstützung des Gesundheits- und Kultusministeriums statt. Federführend umgesetzt wird sie von Kabesch und dessen Team in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Erlangen und Wien. Die Studie findet den Angaben nach anonymisiert statt. Die Proben, die in die Labors gehen, sind lediglich nummeriert. Die Namen dazu liegen nur den jeweiligen Schulen vor.

26.04.2021

Mehr als 700 positive Nachweise bei Corona-Tests an Schulen

Die Corona-Selbsttests von Schülern und Lehrern an Sachsens Schulen haben vorige Woche 721 positive Ergebnisse erbracht. Die Infektionsrate habe 0,1 Prozent bei Schülern und 0,24 Prozent bei Lehrern betragen, teilte das Kultusministerium am Montag mit. Demnach wurden knapp 525 600 Tests bei Schülern und fast 75 600 bei Lehrern vorgenommen. Zusätzlich wurden mehr als 32 100 negative Nachweise vorgelegt.

Laut Corona-Schutz-Verordnung darf nur die Schule betreten, wer sich testen lässt oder einen negativen Nachweis vorlegt. Seit dieser Woche sind jedoch die Schulen in weiten Teilen Sachsens wieder geschlossen. Hintergrund sind neue Bundesregeln zum Infektionsschutz.

Bayern-Koalition streitet um Corona-Grenzwert für Distanzunterricht

Die Öffnungsperspektiven für Schulen in bayerischen Corona-Hotspots sorgt für neuen Streit in der Koalition von CSU und Freien Wählern. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach sich am Montag erneut für eine Anhebung des Inzidenzwertes, ab dem Schüler in den Distanzunterricht wechseln müssen, entsprechend der Bundesnotbremse von 100 auf 165 aus.

«Das ist das Ziel der Freien Wähler, wenn die bayerische Regelung am 9. Mai ausläuft», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in München mit Blick auf die bis dato befristete bayerische Corona-Verordnung. Er gehe davon aus, dass der Koalitionspartner dies auch möchte, «denn die CSU hat der Bundesnotbremse ja zugestimmt».

Die CSU geführte Staatsregierung wies den Vorschlag aber umgehend zurück: «Ab einer Inzidenz von 100 gilt in Bayern der Distanzunterricht – und daran halten wir auch fest», sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann der dpa. Die Staatsregierung bleibe bei der bewährten Regelung, die Schüler, Lehrer und Familien besser schütze. «Der Kurs der Umsicht und Vorsicht lässt derzeit auch nichts anderes zu.»

Piazolo sieht dies anders. «Durch die Testverpflichtung an den Schulen schaffen wir ja ein Mehr an Sicherheit», betonte er. Zuvor hatte Piazolo dem «Münchner Merkur» (Dienstag) zudem gesagt: «Wir haben mehr Masken, wir haben Tests, nun geht es darum, weitere Klassen in die Schulen hineinzubringen.» Wenn Schüler in die Schulen gingen, würden sie auch getestet, «bleiben sie zu Hause, bleiben auch Infektionen unerkannt». Beispielsweise die 5., 6. und 7. Klassen müssten dringend wieder in die Schule.

Amtsärzte: Wechselunterricht in Berliner Schulen weiter möglich

Aus Sicht der Berliner Amtsärzte ist in den Berliner Schulen weiterhin Wechselunterricht möglich. «Derzeit gibt es keinen Hinweis dafür, dass Schulen Pandemietreiber sind», heißt es in einem am Freitag verschickten Schreiben der Amtsärzte an die Senatsverwaltung für Bildung, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Häufigstes Infektionsumfeld seien die privaten Haushalte.

Das Hygienekonzept in den Schulen, zu dem halbierte Lerngruppen, Unterricht im Wechsel zu Hause und in der Schule sowie Maskenpflicht zählen, reduziere die Zahl der Infektionsübertragungen in den Schulen erheblich. Die Schließung der Schulen könne den Inzidenz-Wert für ganz Berlin dagegen nur wenig beeinflussen, heißt es in dem Schreiben mit Antworten der Amtsärzte auf Fragen der Bildungsverwaltung. «Die Einführung der Schnelltests in den Schulen ist ein zusätzlicher Baustein, um Infektionsketten rasch zu erkennen. Auch die Impfung für die Lehrkräfte sollte dazu beitragen, Infektionsübertragungen zu verhindern.»

Die Amtsärzte haben außerdem auf die Folgen von Schulschließungen aus Sicht der Kinder- und Jugendpsychiatrie hingewiesen. Bei Familien mit Erziehungsschwierigkeiten gebe es dann keine Ausgleichsmöglichkeit durch die Schule. Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher als Bezugspersonen fielen weg. In manchen Familien falle auch die Tagesstruktur weg, wenn es keinen Unterricht in der Schule mehr gebe. Viele Eltern seien außerdem damit überfordert, wenn etwa Jugendliche wenig motiviert zum Lernen seien.

Bundesnotbremse greift in NRW in vielen Schulen und Kitas

Die bundeseinheitliche Notbremse gegen steigende Corona-Zahlen betrifft nicht nur Ausgangsbeschränkungen oder das Einkaufen. Auch in den Schulen und Kitas hat sie vielerorts Einschränkungen zur Folge.

In vielen Schulen Nordrhein-Westfalens ist wieder ausschließlich Distanzunterricht angesagt. Zugleich wird in vielen Kitas nur noch Notbetreuung angeboten. Die bundeseinheitliche Notbremse greift in diesen Bereichen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 und das schon ab Montag. Zwar muss der Grenzwert von 165 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen 7 Tagen in einem Kreisen oder einer kreisfreien Stadt an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten sein, damit Unterricht und die Kita-Betreuung am übernächsten Tag eingeschränkt werden. Diese Zeitspanne ist aber bei einer Reihe von Regionen bereits erfüllt.

Für viele Schulkinder bedeutet das ab Montag wieder ausschließlich Lernen auf Distanz von zu Hause. Eine Ausnahme gilt für die Abschlussklassen und Förderschulen in den Regionen mit Werten über der Marke von 165, die ihre bisherigen Modelle von Wechselunterricht oder Präsenzunterricht zur Klausurvorbereitung dennoch fortführen könnten, hatte das Schulministerium am Freitag erklärt. Alle Abschlussprüfungen - auch die am Freitag gerade angelaufenen Abiturprüfungen - könnten planmäßig im Präsenzbetrieb stattfinden. Außerdem werde wieder eine pädagogische Notbetreuung eingerichtet.

Am Sonntag lagen 35 Kreise und kreisfreie Städte - mehr als die Hälfte in NRW - über dem neuen Schwellenwert von 165 der bundesweit geltenden Notbremse, der für die Einschränkungen bei Schulen und Kitas relevant ist. Am Sonntag kündigte das NRW-Gesundheitsministerium für zwei weitere Kommunen ein Greifen der Regelung an, weil sie den Schwellenwert überschreiten. Von Dienstag an seien nun auch in Bielefeld und im Kreis Herford Bildung und Kinderbetreuung strenger geregelt.

In Kreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 165 bleibt es beim bisherigen Wechselmodus aus Präsenz- und Distanzunterricht. Für die Schüler besteht in den Schulen eine Testpflicht. Dabei geht es um zwei Selbsttests pro Woche. Die Lerngruppen sind geteilt. So gibt es in zahlreichen Schulen das Modell von einem täglichen Wechsel Lernen in der Schule und zuhause.

Auch für viele Kitas zeichnet sich mit den Infektionszahlen ein eingeschränktes Angebot ab. Für die Notbetreuung machte die Landesregierung diesmal eine schärfere Vorgabe. Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder nicht anderweitig sicherstellen können und die Notbetreuung deshalb in Anspruch nehmen wollen, müssen eine schriftliche Erklärung abgeben. Allerdings gibt es auch zahlreiche weitere Gründe wie das Kindeswohl oder eine Behinderung für die Notbetreuung von Kindern in der Kita. Kinder, die im letzten Kita-Jahr vor der Einschulung stehen, können analog zum Vorgehen bei den Abschlussklassen in den Schulen ebenfalls in ihre Kitas gehen.

Bis Ende Februar hatte es in Nordrhein-Westfalen zuletzt einen eingeschränkten Kita-Betrieb gegeben, bei dem an die Eltern aber lediglich von der Landesregierung appelliert worden war, die Kinder zu Hause zu betreuen. Außerdem wurde die Betreuungszeit gekürzt. Danach wurden alle Kinder wieder in die Einrichtungen gelassen - bei weiter gekürzter Betreuungsstundenzahl, wenn die Kitas das wollten.

5900 Schüler in Sachsen-Anhalt starten in schriftliche Abiturprüfung

In Sachsen-Anhalt beginnen am Montag für fast 6000 Schüler an rund 60 Schulen die schriftlichen Abiturprüfungen. Die ersten Prüfungen fänden in dem Fach Geschichte statt, teilte eine Sprecherin des Bildungsministeriums mit.

Durch die coronabedingten Widrigkeiten gebe es für die Schüler in diesem Jahr Anpassungen: So werde unter anderem die Bearbeitungszeit in allen schriftlichen Prüfungen um 30 Minuten pro Fach verlängert. Die Schüler, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfungen ablegten, seien bereits im vergangenen Schuljahr in ihrer Vorbereitung auf ihre Abschlüsse eingeschränkt worden, hieß es zur Begründung.

Im vergangenen Jahr hatten trotz der coronabedingten Einschränkungen knapp 5300 Schüler das Abitur abgelegt. Damals lag der Notendurchschnitt bei 2,3. 137 Schüler erreichten das Bestergebnis von 1,0. Fast 300 Schüler konnten die Prüfungen nicht erfolgreich ablegen.

25.04.2021

Neue Vorgaben für Hessens Schulen - Hin und Her in Frankfurt

Montag ist der erste Unterrichtstag an Hessens Schulen, an dem Vorgaben der Bundes-Notbremse gelten. In Frankfurt soll es nach längerem Hin und Her nun doch keine Übergangsregelung geben.

In der kommenden Woche ändern sich aufgrund der neuen Bundes-Notbremse im Kampf gegen Corona auch die Regeln für Hessens Schulen. Übersteigt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen in einer kreisfreien Stadt oder einem Kreis an drei aufeinander folgenden Tagen den Wert von 165, werden die Schulen ab dem übernächsten Tag geschlossen, alle Schülerinnen und Schüler haben dann Distanzunterricht. Eine Ausnahme gibt es für die Abschlussklassen und die Förderschulen, die weiterhin im Wechselbetrieb bleiben. Es soll dann eine Notbetreuung für die Klassen 1. bis 6. eingerichtet werden.

Obwohl die Regeln formal bereits am Montag greifen, hatten Ministerpräsident Volker Bouffier und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) angekündigt, den Schulen Zeit für die nötigen Umstellungen zu geben. Es reiche, wenn die neuen Regeln im Laufe der Woche eingeführt werden.

Auch in Frankfurt sollen die Schüler von Montag an in den Distanzunterricht gehen, nachdem es zunächst viel Unklarheit gegeben hatte. Noch am Samstag hatte die Stadt eine Übergangsregelung in der kommenden Woche für Schulen und Kitas angekündigt. Am Sonntagvormittag ruderte das Schulamt dann zurück. So soll es nun allenfalls eine Notbetreuung geben.

«Eltern brauchen Zeit, um sich auf die neue Situation einstellen zu können», hatte Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) noch am Samstagabend erklärt. Beim Kultusministerium in Wiesbaden kam das nicht gut an. Dort hieß es auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: «Die Schulgemeinde braucht in dieser für alle herausfordernden Zeit nicht Verunsicherung, sondern Klarheit - und das selbstverständlich auch auf Grundlage der neu beschlossenen Regelungen. Dafür sollten sich alle weiterhin nach Kräften einsetzen.»

Das Abitur soll planmäßig stattfinden. Jedoch hat die Aufhebung der Maskenpflicht während der Abiturprüfungen für zuvor auf Corona getestete Schüler für Unverständnis gesorgt. «Überall sonst entbindet ein negativer Schnelltest nicht vom Einhalten der AHA-L-Regeln. Es gibt keinen sinnvollen Grund, das im Abitur anders zu halten», kritisierte die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW Frankfurt, Laura Preusker.

Die weiteren Regeln besagen, dass Schulen wieder im Wechselmodell arbeiten können, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 165 bleibt.

Für die Betreuung in den Kitas gilt bis zu einer Inzidenz von 165 wie bisher der Appell an die Eltern, ihre Kinder – wenn möglich – zu Hause zu betreuen. Ab diesem Wert wird es nur noch eine Notbetreuung geben. Wenn die zuständigen Kita-Träger sich entschließen, Kinder regelmäßig vor dem Kita-Besuch zu testen, übernimmt das Land die Hälfte der Kosten für die Schnelltests.

Die landesweite Inzidenz lag am Sonntag (Stand 3.09 Uhr) in Hessen dem Robert Koch-Institut zufolge bei 177,1, in Frankfurt bei 174,5.

Größere Verstöße gegen die Corona-Auflagen und die nun vielerorts geltenden Ausgangsbeschränkungen hat es nach Angaben der Polizei in Hessen an diesem Wochenende nicht gegeben. Die Präsidien sprachen am Sonntag von einer ruhigen Lage. In Frankfurt und Kassel protestierten am Samstagabend insgesamt einige Hundert Menschen letztlich friedlich gegen die Ausgangsbeschränkungen.

In Hanau gab es am Sonntag Polizeiangaben zufolge eine Kundgebung gegen Corona-Maßnahmen mit rund 250 Teilnehmern. Bei einer Gegendemo seien in der Spitze 100 Menschen zusammengekommen. Es sei bei «verbalen Meinungsverschiedenheiten» geblieben, vereinzelt habe es Verstöße gegen die Maskenpflicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher in Offenbach.

NRW will an allen Grund- und Förderschulen «Lolli-Tests» anbieten

Nordrhein-Westfalen will bis Mitte Mai an allen Grund- und Förderschulen im Land sogenannte Lolli-Tests zum Erkennen von Corona-Infektionen anbieten. Das sagte Schul-Staatssekretär Mathias Richter der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ, Montagsausgabe). Der Umfang sei gewaltig. «Wir reden hier über fast 735 000 Kinder, dafür benötigen wir derzeit Laborkapazitäten für rund 35 000 Tests am Tag», erklärte er.

Bei der sogenannten Lolli-Methode muss kein Stäbchen in die Nase oder tiefer in den Rachen geführt werden. Kinder lutschen stattdessen 30 Sekunden lang an einem Abstrichtupfer - dem «Lolli». Die Tupfer werden danach in einem Labor ausgewertet. Es handelt sich um PCR-Tests, die beim Erkennen von Infektionen mit dem Coronavirus als sehr genau gelten. In Köln sind die Tests bereits in Kitas und Schulen im Einsatz.

Nordrhein-Westfalen sei nun das erste Bundesland, das damit beginne. Dass sie bislang noch nicht in ganz NRW verfügbar sind, hänge mit der komplexen Logistik zusammen, erklärte Staatssekretär Richter. Man brauche dafür etwa ein Dutzend geeignete Labore, ein sicheres Logistikkonzept und eine verlässliche Materialbeschaffung. «Über 400 Routen müssen täglich abgefahren, Proben eingesammelt, in die Labore gebracht und ausgewertet werden», erläuterte er der «WAZ».

24.04.2021

Aufhebung der Maskenpflicht bei Abitur sorgt für Unverständnis

Die Aufhebung der Maskenpflicht während der Abiturprüfungen für zuvor auf Corona getestete Schüler hat bei Lehrern, Eltern und Schülern für Unverständnis gesorgt. «Überall sonst entbindet ein negativer Schnelltest nicht vom Einhalten der AHA-L-Regeln. Es gibt keinen sinnvollen Grund, das im Abitur anders zu halten», kritisierte die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW Frankfurt, Laura Preusker, am Samstag.

Schnelltests seien zwar ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor, ersetzten aber nicht den Schutz durch eine Mund-Nasen-Bedeckung, sagte Rafaela Hartenstein vom Frankfurter Stadtelternbeirat. Deshalb halte man die Aufhebung der Maskenpflicht für «höchst bedenklich». Der Frankfurter Stadtschülerrat mahnte weiterhin zur Vorsicht. «Da die Prüfungszeit der Schüler verlängert wurde, halten wir eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung für vertretbar», sagte Mitglied Harrison Krampe.

Das Wiesbadener Kultusministerium hatte am Montag erlassen, dass Abiturienten während der Prüfungen von der Maskenpflicht befreit werden - sofern sie einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorlegen. Für etwa 23 500 Schüler begannen am Mittwoch die schriftlichen Abiturprüfungen in Hessen.

Karliczek fordert von Ländern Aufstockung des Nachhilfeprogramms

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat die Länder aufgefordert, sich an dem angekündigten Nachhilfeprogramm für Schüler in der Corona-Krise finanziell kräftig zu beteiligen. «Ich sehe die Länder in der Verantwortung, die vom Bund angebotene eine Milliarde Euro für das Nachhilfeprogramm substanziell aufzustocken», sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). «Bildung ist Ländersache. Dieses Aktionsprogramm sollte eine nationale Kraftanstrengung sein.»

Die Bundesregierung will insgesamt bis zu zwei Milliarden Euro für ein Aktionsprogramm zur Verfügung stellen, mit dem die Folgen von Schul- und Kitaschließungen in der Corona-Krise abgemildert werden sollen. Die eine Säule soll dabei das mit einer Milliarde durch den Bund geförderte Nachhilfeprogramm sein.

«Zudem wird der Bund eine Fülle an Maßnahmen ergreifen, um die Kinder und Jugendlichen wieder in ihrer Entwicklung insgesamt zu stärken», sagte Karliczek. Dabei gehe es um Kulturprogramme, aber auch um die Schulsozialarbeit. «Auch für diese zweite Säule denken wir an einen ähnlichen Betrag wie beim Nachhilfeprogramm.» Der Bund will das Programm nach ihren Angaben voraussichtlich nächste Woche auflegen.

Die Ministerin wies darauf hin, dass nach Einschätzung des Lehrerverbandes 20 bis 25 Prozent der Schüler und Schülerinnen größere Lücken hätten. «Diese Schüler wollen wir mit der Hilfe erreichen», sagte Karliczek. «Starten soll das Nachhilfeprogramm unmittelbar mit Beginn des kommenden Schuljahres. Damit das klappt, müssen Nachhilfeinstitute, pensionierte Lehrer und auch Lehramtsstudenten einbezogen werden.»

23.04.2021 

Bildungsverbände machen Front gegen Microsoft-Lernplattform

Die Initiatoren sprechen von einem «historischen» Bündnis der gesamten Schulgemeinschaft. Der Schulterschluss gilt einem mächtigen Gegner, dem US-Konzern Microsoft und seiner Lernsoftware.

Zwei Dutzend Bildungsverbände warnen das Kultusministerium vor der Einführung der Bildungsplattform MS 365. Die Software des US-Konzerns Microsoft stelle eine Gefahr für den Datenschutz, den Schulfrieden und die Rechtssicherheit dar, kritisieren Schüler, Eltern und Lehrerverbände in einem gemeinsamen Positionspapier, das am Freitag veröffentlicht wurde. Das Vorhaben des Ministeriums sei überflüssig. Denn es existierten bewährte datenschutzkonformer Lösungen wie die vom Land bereitgestellte Lernplattform Moodle sowie BigBlueButton (Videokonferenzsystem), LibreOffice (Bürosoftware) und Thunderbird (Mailprogramm).

Die GEW, Landesschüler- und Elternbeirat, Philologenverband und andere Organisationen mahnten die Unterhändler der Koalitionsverhandlungen von Grünen und CDU, diese Bedenken in den Koalitionsvertrag einfließen zu lassen.

Nach Überzeugung der Unterzeichner darf sich ein Bundesland nicht von einem Cloud-Angebot wie MS 365 abhängig machen, das jederzeit vom Anbieter oder auf Anweisung der Regierung des Landes des Firmensitzes in der Nutzung eingeschränkt oder abgeschaltet werden kann.

Der für sensible Schülerdaten unverzichtbare Datenschutz sei bei dem Microsoft-Produkt nicht überprüfbar. Deshalb könne es zu Kontroversen in der Schulgemeinschaft führen, wenn sich Schüler, Eltern und Lehrkräfte gegen die Nutzung solcher Software wehrten. Das Ministerium liege falsch, wenn es meine, durch MS 365 die Schulen von Auswahl und Administration zu entlasten. Denn die datenschutzrechtlich verantwortliche Stelle bleibe die einzelne Schule. «Für Rechtsunsicherheiten steht also nicht das Kultusministerium gerade, sondern die jeweilige Schulleitung vor Ort», heißt es in dem Papier. Diese datenschutzrechtliche Verantwortung könnten Schulleitungen bei MS 365 wegen fehlender Fachkenntnisse und Analysemöglichkeiten nicht übernehmen.

Auch aus wirtschaftlichen Gründen sei auf das Produkt des US-Konzerns zu verzichten: «Wer in Baden-Württemberg Arbeitsplätze und Know-How sichern will, sollte vorrangig heimische Unternehmen einbinden und deren Produkte bei der Bildungsplattform einsetzen.»

Startschuss für schriftliche Abiturprüfungen in Sachsen

In Sachsen beginnen an diesem Freitag die schriftlichen Abitur-Prüfungen unter Corona-Bedingungen. Die ersten Schüler schreiben ihre Abschlussarbeit im Fach Religion. Später folgen Fächer wie Deutsch (30.4.) und Mathematik (4.5.). Laut Kultusministerium muss jeder Abiturient fünf Prüfungen ablegen - davon drei schriftliche und zwei mündliche. Die mündlichen Prüfungen beginnen ab dem 17. Mai. Die Termine setzen die Schulen selbst fest.

Insgesamt legen in diesem Jahr 10 667 Abiturienten die Prüfungen ab. Um Nachteile in der Corona-Krise auszugleichen, bekommen sie unter anderem in den schriftlichen Prüfungen jeweils eine halbe Stunde mehr Zeit, zudem können sie auf einen Zweittermin ausweichen.

22.04.2021 

Abi-Prüfungen beginnen - Mehr Zeit als üblich

Die Abschlussprüfungen starten in Mecklenburg-Vorpommern mit dem schriftlichen Abi in Englisch. Auf Wunsch des Landesschülerrates bekommen die Prüflinge mehr Zeit als sonst für die Aufgaben. Dafür müssen sie die ganze Zeit Maske tragen.

Für die rund 5500 Abiturienten in Mecklenburg-Vorpommern beginnen an diesem Freitag (8.00 Uhr) die schriftlichen Prüfungen mit dem Fach Englisch. Eine Corona-Testpflicht vor Prüfungsbeginn gibt es nicht. Die Schüler müssen während der mehrstündigen schriftlichen Prüfungsarbeiten aber eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Sie bekommen zur Bearbeitung der Aufgaben eine halbe Stunde mehr Zeit als üblich. Damit sei man einer Bitte des Landesschülerrates nachgekommen, erklärte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). Die Tische stehen zur Einhaltung des Corona-Mindestabstandes mindestens 1,50 Meter auseinander. Nächste Woche beginnen dann für rund 6100 Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern die zentralen schriftlichen Prüfungen zur Mittleren Reife.

Neue Notbremse: Mehr Schulen müssen schließen und Tests sind Pflicht

An den Schulen gilt mit der Bundes-Notbremse ein neuer Schwellenwert: Überschreitet die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen 165, wird der Präsenzunterricht verboten. Zudem sind Tests jetzt Pflicht - zwei Mal pro Woche.

Mit Inkrafttreten der Bundes-Notbremse müssen auch in Rheinland-Pfalz von Montag an Schulen schließen - wenn die Inzidenz schon 3 Tage über 165 liegt. Dazu gehörten etwa Grundschulen in Mainz, Schulen in Speyer und berufsbildende Schulen im Donnersbergkreis, sagte der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Thomas Linnertz, am Donnerstag in Mainz. Es werde aber eine Notbetreuung für die Klassen eins bis sieben sowie Ausnahmen für Abschlussklassen und Prüfungen geben, ergänzte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).

An allen Schulen, die nicht auf Fernunterricht umstellen müssen, werde der Wechselunterricht bis zu den Pfingstferien (25. Mai bis 2. Juni) fortgesetzt. «Da sind wir strenger als der Bund», sagte Hubig.

Neu ist von Montag an auch die Testpflicht für Schüler und Lehrer im Präsenzunterricht - zweimal pro Woche. «Die meisten Schulen setzen das schon um», sagte Hubig. Grundsätzlich sollten das Selbsttests an Schulen sein. Möglich sei aber auch ein negativer Test aus einem Testzentrum oder vom Arzt, der nicht älter als 24 Stunden ist. Tests zu Hause würden nur anerkannt, wenn das die Schulgemeinde für die ganze Schule entscheide. Wenn Schüler sich nicht testen lassen wollten, würde ihnen ein abgespecktes Fernunterricht-Angebot gemacht. Vor Prüfungen gebe es keine Testpflicht.

Kitas müssen künftig ebenfalls bei einer Inzidenz von 165 schließen. Es gilt wieder - wie während des ersten Lockdowns in der Pandemie - eine Notbetreuung. Diese werde in den Kitas und Schulen allen angeboten, die ihre Kinder nicht selbst betreuen oder betreuen lassen könnten sowie für die Kinder, für die es besonders wichtig sei, in die Kita oder die Schule zu kommen. Es gibt keine Testpflicht.

«Das ist eine große Herausforderung für die Eltern», sagte Hubig. «Ich weiß, dass viele am Limit sind.» Kinder und Jugendliche litten unter den Folgen des Schulausfalls körperlich und seelisch, wie Studien belegten. Das Land werde auch in den kommenden Sommerferien wieder eine Sommerschule und zudem Nachhilfe anbieten, dazu werde ein Programm vom Bund für Nachhilfe und Schulsozialarbeit kommen.

Der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf, forderte Unterstützung beim Aufbau der Test-Infrastruktur. Die Landesregierung verweigere jedoch bislang finanzielle Mittel, um ehrenamtlichen Helfern eine kleine finanzielle Anerkennung zu Teil werden zu lassen. Angesichts von zwei Tests pro Kind und Woche bräuchten die Schulen auch Handreichungen, wie sie das am besten umsetzen könnten. «Notwendige Freiräume bei der Umsetzung, angepasst an die örtlichen Verhältnisse, müssen einhergehen mit durchdachten allgemeingültigen Konzepten.»

Abi-Prüfungen beginnen ohne Corona-Testpflicht

Die Abschlussprüfungen beginnen in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Corona-Testpflicht gibt es nicht.

Für rund 5500 Oberschüler beginnen an diesem Freitag die schriftlichen Abiturprüfungen mit dem Fach Englisch. Eine Corona-Testpflicht vor Prüfungsbeginn gebe es nicht, stellte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Donnerstag klar. Das neue Bundesinfektionsschutzgesetz sehe das nicht vor. Die Schülerinnen und Schüler seien aber aufgerufen, vor den Prüfungen einen freiwilligen Selbsttest durchzuführen, die an allen Schulen zur Verfügung stünden. Fällt ein solcher Test positiv aus, dürfe der Betroffene an dem Tag nicht an der Prüfung teilnehmen und müsse das Ergebnis mit einem PCR-Test abklären lassen. Die Prüfung müsste der Ministerin zufolge dann an einem Nachschreibetermin absolviert werden.

Die Schüler müssen während der mehrstündigen schriftlichen Prüfungen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Sie bekommen zur Bearbeitung der Aufgabe eine halbe Stunde mehr Zeit als üblich. Damit sei man einer Bitte des Landesschülerrates nachgekommen, erklärte Ministerin Martin. Die Tische stehen zur Einhaltung des Corona-Mindestabstandes wenigstens 1,50 Meter auseinander.

In der kommenden Woche folgen weitere schriftliche, länderübergreifende Abi-Prüfungen in Französisch (Mittwoch) und Deutsch (Freitag). Der Beginn der Abiturprüfungen war um zehn Tage nach hinten geschoben worden, um den Schülern in der Corona-Pandemie mehr Zeit zur Vorbereitung zu geben. Nächste Woche beginnen zudem für rund 6100 Schülerinnen und Schüler die zentralen schriftlichen Prüfungen zur Mittleren Reife.

Den Abschlussklassen war auch während der coronabedingten Schulschließungen Präsenzunterricht angeboten worden, um die Prüfungen vorzubereiten. Martin betonte: «Die Abschlussklassen hatten - anders als andere Klassenstufen - in diesem Schuljahr bis auf drei Tage vor und fünf Tage nach den Weihnachtsferien durchgängig Präsenzunterricht.»

Land NRW: Medizinische Maske auch bei Abiklausuren tragen

Wenn zum Start der Abiprüfungen an diesem Freitag die ersten Klausuren geschrieben werden, müssen Schüler medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen. Nach der NRW-Coronabetreuungsverordnung «ist eine medizinische Maske am festen Sitzplatz im Prüfungsraum zu tragen», hieß es am Donnerstag aus dem Schulministerium in Düsseldorf. Für die ersten der 90 000 Abiturienten beginnen die Prüfungen am Freitag landesweit mit dem Fach Englisch.

Die Abiturienten dürfen ihre Schule nur betreten, wenn sie zuvor am schulischen Corona-Selbsttest mit negativem Ergebnis teilgenommen haben oder einen höchstens 48 Stunden alten negativen Bürgertest vorlegen, wie das Ministerium weiter erläuterte. Auch ohne einen Testnachweis dürften sie aber nicht von der Prüfung ausgeschlossen werden. Die Klausuren schreiben sie dann - gegebenenfalls zusammen mit anderen Schülern ohne Corona-Test - in einem getrennten Raum.

Die Landesschülervertretung (LSV) geht davon aus, dass sehr viele keinen Corona-Test machen wollen. «Das erzeugt wieder Stress und Wirrwarr. Viele haben Angst, dass der Selbsttest kurz vor der Prüfung falsch positiv ausfällt», schilderte LSV-Vorstand Thomas Niebuer. Vor dem «Abi 2021» stehen 79 000 Schüler von Gymnasien, Gesamtschulen, Weiterbildungskollegs und Waldorf-Schulen sowie die 11 000 Prüflinge an den Berufskollegs. Die oppositionelle SPD plädierte angesichts der widrigen Umstände für einen «Freischuss», dass Abiturienten also nicht bestandene Prüfungen wiederholen dürfen.

21.04.2021  

Gericht hebt Maskenpflicht an Grundschulen vorläufig auf

Das Oberverwaltungsgericht Bremen hat die bei einem Inzidenzwert von 100 geltende Maskenpflicht für Grundschüler vorläufig außer Vollzug gesetzt. Die Regelung, ab wann diese Pflicht gelte, sei zu unbestimmt. Es sei für Grundschüler und Eltern nicht feststellbar, wann die Voraussetzung erfüllt sei, befand das Gericht in einer Entscheidung über einen Eilantrag. Dies lasse sich auch nicht durch Auslegung ermitteln. (AZ 1 B 178/21)

Die Außervollzugsetzung gelte nicht nur für die Antragsteller, sondern sei allgemeinverbindlich. Zugleich wies das OVG am Mittwoch darauf hin, dass die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung grundsätzlich auch für Grundschüler eine «geeignete, erforderliche und angemessene Maßnahme» sei, im Schulbetrieb das Infektionsschutzgeschehen zu reduzieren und zu kontrollieren.

In einer zweiten Entscheidung bestätigte das OVG die Regelung, dass eine Teilnahme am Präsenzunterricht nur bei Vorlage eines negativen Corona-Tests möglich ist. Zugrunde lag auch hier ein Eilantrag. Aus Sicht der Antragsteller greift die Testpflicht schwer in die Grundrechte der Schüler ein. Es drohe zudem ein Verletzungsrisiko.

Das Gericht argumentierte dagegen, selbst bei der Annahme, dass die Testung in die körperliche Unversehrtheit der Schüler eingreife, sei der Eingriff bei der zu unterstellenden sachgemäßen Anwendung als gering anzusehen (AZ 1 B 180/21). Beide Beschlüsse sind nicht anfechtbar.

Abiturprüfungen in Brandenburg starten - mit kleinen Erleichterungen

Beschränkte Kontakte und viel Arbeit vor dem Computer: Es war kein leichtes Jahr für die Abschlussklassen unter Corona-Bedingungen. Nun wird es ernst - die Abiturienten sitzen vor ihren Prüfungsblättern.

An diesem Mittwoch starten in Brandenburg die Abiturprüfungen - mit kleinen Erleichterungen für die Schülerinnen und Schüler. Nach Angaben des Pädagogenverbandes gibt es wegen der pandemiebedingt häufig kürzeren Lernzeit Zugeständnisse wie etwa 30 Minuten zusätzliche Arbeitszeit während der Prüfungen. Die nutze den Schülerinnen und Schülern aber nur, wenn sie vorher auch wirklich gelernt haben, sagte Verbandspräsident Hartmut Stäker der Deutschen Presse-Agentur. Er ist selbst Lehrer für die Oberstufe.

Zudem gebe es zum Haupttermin der Prüfungen einen Nachschreibetermin, der genutzt werden könne. Stäker zufolge haben aber fast alle der rund 10 000 Prüflinge im Land den Haupttermin gewählt. «Ich habe das Gefühl, die wollen das hinter sich haben», sagte der Verbandspräsident.

Das diesjährige Abitur sei im Ganzen nicht leichter und kein «Corona-Abitur», erklärte Stäker. Er habe sich die Anforderungen an angeschaut. Das Abi sei gleichwertig und wie jedes andere Abitur auch. Der Verbandspräsident hatte zuvor vor einem «Notabitur» gewarnt. Das Bildungsministerium hatte versichert, dass das Abitur anspruchsvoll sein werde und vergleichbar.

Bei den Hygieneschutzmaßnahmen nutzen die Schulen laut Stäker die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr. Masken müssten getragen werden, könnten aber am Platz im Raum während der Prüfungen abgenommen werden. Zudem müssen sich die Schüler vorher testen lassen. Das sieht die Eindämmungsverordnung des Landes vor. Danach müssen Schüler im Präsenzunterricht und die Lehrkräfte von diesem Montag an zweimal pro Woche einen negativen Schnelltest vorlegen, bevor sie die Schule betreten dürfen.

In den vergangenen Monaten seien die Abschlussklassen im Präsenzunterricht geteilt unterrichtet worden, erzählte er. Sie wurden von den Lehrkräften in verschiedenen Räumen in kleineren Gruppen betreut. Dadurch hätten die Schüler weniger durchgängig mit den Lehrern kommunizieren können. Jeder Schüler, der glaube, das Abitur nicht zu schaffen, habe davon zurücktreten können, sagte Stäker. Das Schuljahr könne wiederholt werden, ohne das dieser Anlauf angerechnet werde. Das bedeute: Wer das Schuljahr schon einmal wiederholt habe, könne das coronabedingt dann ein weiteres Mal tun.

Landtag beschäftigt sich mit drohenden Schulschließungen

Mit den Auswirkungen der Bundes-Notbremse im neuen Infektionsschutzgesetz auf die Schulen beschäftigt sich der Thüringer Landtag am Mittwoch (14.00 Uhr) in Erfurt. Kindergarten- und Schulschließungen seien bei dem hohen regionalen Infektionsgeschehen offenbar derzeit unvermeidbar, erklärte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich. Ihre Fraktion hat die Aktuelle Stunde beantragt. Dazu will sich nach Angaben der Landesregierung auch Bildungsminister Helmut Holter (Linke) äußern.

Die Grünen sprachen sich wie die CDU-Fraktion dafür aus, auch Eltern von Kita-und Schulkindern möglichst schnell zu impfen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Rothe-Beinlich begrüßt zudem die Einführung einer verbindlichen Testpflicht. Kinder und Jugendliche dürften aber nicht zum Test gezwungen werden. Ungetestete Schüler müssten «jedoch das häusliche Lernen nutzen, um an den Unterricht angeschlossen zu sein». Der Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetz des Bundes sieht Kita- und Schulschließungen vor, wenn an drei Tagen die Sieben-Tages-Inzidenz in einem Landkreis den Wert von 165 überschreitet.

Weitere Themen im Landtag sind Regeln gegen Lobbyismus, die Situation des sozialen Wohnungsbaus, politisch motivierte Kriminalität sowie die Maskenurteile aus Weimar.

Die schriftlichen Abiprüfungen starten in Hessen

Für 23 500 Schülerinnen und Schüler beginnen an diesem Mittwoch die schriftlichen Abiturprüfungen in Hessen. An insgesamt 269 Schulen im Land werden die Prüfungen für das Landesabitur 2021 abgelegt.

Alle Prüfungen finden unter den besonderen Corona-Bedingungen mit Abstand- und Schutzmaßnahmen statt. Wegen der besonderen Bedingungen erhalten die Prüflinge nach Angaben des Kultusministeriums in diesem Jahr auch zusätzliche Zeit, die sie im Rahmen der Prüfung individuell nutzen können.

Mit den Leistungs- und Grundkursen im Fach Chemie beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen am Mittwoch. Am folgenden Tag geht es unter anderem mit den Fächern Kunst, Musik, Politik und Wirtschaft sowie Sport und Religion weiter. Der Zeitraum für die schriftlichen Prüfungen ist bis 5. Mai angesetzt. Die Termine für die Nachprüfungen sind vom 18. Mai bis 2. Juni.

 

20.04.2021 

Elternverband: Langfristig fürs kommende Schuljahr planen

Die Unruhe in der Schullandschaft wächst. Viele wollen das «Rein und Raus» im Schulbetrieb nicht mehr mittragen, heißt es von Elternseite. Das Kreisen um Wocheninzidenzen stört viele - aus unterschiedlichen Gründen.

Nach viel Unruhe im Schulbetrieb mit oft extrem kurzfristigen Öffnungen und Schließungen hat der Elternverband LEK schon jetzt Planungen für das nächste Schuljahr verlangt. Das monatelange Hin und Her und die starre Ausrichtung an der Wocheninzidenz sei «unsinnig», kritisierte die Landeselternkonferenz (LEK) in NRW. «Die Schulen ersticken in dem Rein und Raus», sagte die LEK-Vorsitzende Anke Staar am Dienstag. Die Bedürfnisse von Schülern und ihren Familien würden ausgeblendet.

«Schulen müssen jetzt unbedingt in Ruhe langfristig ihr Konzept entwickeln können.» Es sei davon auszugehen, dass auch im kommenden Schuljahr ab Sommer kein Normalbetrieb möglich sein werde. Die LEK halte pauschale Vorgaben des Landes «von oben herab» für falsch. Schulleitungen und Kommunen als Träger sollten mehr Spielraum erhalten, um eigene Konzepte zu entwickeln - konkret angepasst an die individuellen Gegebenheiten vor Ort und Bedürfnisse der Schüler. Das Land solle für Bildungsqualität sorgen - also für genug Personal und Räumlichkeiten, aber keine «minutiösen» Vorschriften machen, verlangte Staar.

Der aktuell im Entwurf für ein geändertes Infektionsschutzgesetz des Bundes vorgesehene Wert für Schulschließungen sei noch zu hoch, betonte die Landeselternschaft der Gymnasien NRW. In dem Entwurf wird als Schwelle eine Wocheninzidenz von 165 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche genannt. Es brauche eine eigene Altersgruppen-Inzidenz für Schüler, teilte der NRW-Verband mit. Stehe der Wert einmal in einem Bundesgesetz, sei «eine falsche Orientierung zementiert». Über die Novelle wird noch in Bundestag und Bundesrat beraten.

In den letzten Wochen habe es steigende Infektionszahlen mit ernsthafteren Erkrankungen auch in der Altersgruppe der Schüler gegeben, mahnte die Landeselternschaft. «Sie müssen aber jetzt und längerfristig besonders geschützt werden, weil für die unter 16-Jährigen in absehbarer Zeit kein Impfstoff zur Verfügung steht.» Die Gewerkschaft Erziehung und Bildung nannte erneut eine Wocheninzidenz von 100 als geeigneten Maßstab. «Wir halten die neue 165er Inzidenz für Schulschließungen für aus der Luft gegriffen», hieß es bei der GEW.

Die LEK-Vorsitzende Staar meinte, um das «Maximum an Angebot» zu ermöglichen, sei ein täglicher, aber kürzerer Unterricht in den Klassen denkbar - etwa an Grundschulen drei Stunden vormittags für eine Klassenhälfte und drei Stunden nachmittags für die andere. Man müsse sich etwas vom Stundenplan lösen und solle auch nicht an der Zahl der Klassenarbeiten festhalten.

Nach einer Woche Unterricht daheim waren am Montag viele Schüler wieder in ihre Klassenzimmer zurückgekehrt, aber nur tageweise und im Wechselmodus. Und längst nicht alle, weil mehr als 20 der insgesamt 53 Städte und Kreise drei Tage zuvor über der von NRW aktuell bestimmten Wocheninzidenz von 200 lagen, ab der das Land Distanzunterricht anordnet. Einige Kommunen hatten zudem auf Basis eigener Verfügungen am Distanzmodus festgehalten. Laut GEW sind landesweit in rund 40 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte die Schulen derzeit im Homeschooling-Betrieb.

«Jahrgang mit Stempel» - Abiturprüfungen im Zeichen von Corona

Pauken ist in diesen Tagen angesagt. Am Freitag stehen für die Abschlussklassen die ersten Abiturprüfungen an. Vieles ist in der Corona-Krise anders. Wie gehen die Schüler damit um?

Abitur in Pandemie-Zeiten: Bücher wälzen, Stoff wiederholen, lesen - die Prüfungsvorbereitung von Joanna Kesicka sieht nicht anders aus als die von Abiturienten in den vergangen Jahren. Und dennoch ist in diesem Jahr einiges anders. «Wir mussten uns zum Großteil selber kümmern», sagt die 19-Jährige aus Löbau. Im Dezember seien die Abiturienten mehrere Wochen zu Hause gewesen, auch danach mussten viele wegen Quarantäne am heimischen Schreibtisch lernen. «Das ist gerade für Prüflinge und Abiturienten tragisch.»

Am Freitag stehen für tausende Abiturienten in Sachsen die ersten Prüfungen im Fach Religion an - später folgen Fächer wie Deutsch (30. April) und Mathe (4. Mai).

Das selbstständige Lernen ist vielleicht das Wichtigste, was die Abiturienten in der Corona-Krise gelernt haben, sagt Kesicka. Fragen wurden über Videos im Internet oder durch den Austausch mit Mitschülern geklärt, auch über Videokonferenzen mit Lehrern. «Das war gerade auf dem ländlichen Raum aber nicht immer an der Tagesordnung», sagt Kesicka, die auch Vorsitzende des Landesschülerrates ist.

Schulen und Kultusministerium wirft sie Versäumnisse bei der Digitalisierung vor. Im Sommer 2020 habe man es versäumt, sich auf die zweite Welle vorzubereiten. «Wir haben es uns nicht ausgesucht, in der Pandemie Abitur zu machen. Dafür haben wir es gut gemeistert.»

Der sächsische Lehrerverband sieht den Abiturjahrgang auch in Corona-Zeiten für die Prüfungen gerüstet. Es habe genügend Gelegenheiten zum Austausch mit den Lehrern über verschiedene Kanäle gegeben, sagt Verbandsvorsitzender Jens Weichelt. Die Abschlussklassen hätten bis auf wenige Wochen Präsenzunterricht gehabt. «Sie hatten eigentlich am wenigsten unter den Schulschließungen zu leiden.» Das Abitur sei «absolut vollwertig und anspruchsvoll» und werde entsprechende Anerkennung bei Universitäten und Unternehmen finden, so Weichelt. Er verwies zudem auf verschiedene Maßnahmen, die helfen sollen, die Nachteile und Schwierigkeiten für diesen Jahrgang auszugleichen.

So sieht das Kultusministerium für Abiturienten 30 Minuten mehr Zeit für sämtliche Prüfungen sowie das mögliche Ausweichen auf einen Zweittermin vor. Die Zweit- und Drittkorrekturen finden an der jeweiligen Schule statt. Das soll eine faire Benotung sichern, falls Inhalte coronabedingt nicht ausreichend behandelt werden konnten.

«Keine Frage, die Abiturienten hatten schwierige Lernbedingungen», sagte der Vorsitzende des sächsischen Philologenverbandes, Thomas Langer. Einen Grund, von einem «Corona-Jahrgang» zu reden, sieht er aber nicht. «Die Prüfungen finden alle statt, sind bundesweit anerkannt.» In den vergangenen Monaten hätten Schüler und Lehrer schon Erfahrungen mit Prüfungen unter Corona-Bedingungen sammeln können - mit Abstand, Desinfektion und Hygienekonzepten. Darauf könne nun im Abitur zurückgegriffen werden. Wenn die Tische weit genug auseinanderstehen, müssten die Abiturienten auch keine Maske während der Prüfung tragen, betonte Langer.

Trotz allem: «Ungewissheit ist ein stetiger Begleiter dieses Abi-Jahrgangs», sagt etwa Abiturient Arthur Tritschel von der Dresdner Waldorfschule. Ungewissheit, unter welchen Bedingungen das Abitur stattfinde oder was etwa passiere, wenn man in der Prüfungszeit in Quarantäne gehen müsse. Auch die Frage, was danach passiere, treibe viele Abiturienten um. «Da geht auch der Ansporn etwas verloren, da viele kein Ziel haben, auf das sie hinarbeiten können», so der 19-Jährige.

Auch Joanna Kesicka ist ein wenig nervös, wenn sie an ihre erste Prüfung Ende April im Fach Deutsch denkt. Das Schlimmste wäre, sagt Kesicka, wenn die Prüfungen kurzfristig ausfielen. «Das darf nicht passieren.» Das Abitur wird in diesem Jahr anders sein, so Kesicka. «Wir sind ein Jahrgang, der einen Stempel bekommt, ein Corona-Jahrgang.» Dennoch ist es ein Abitur und ein Abschluss. Damit, sagt die 19-Jährige, fühlt sie sich gerüstet für Zukunft.

Lehrerverband beklagt zu hohe Grenzwerte für Schulschließungen

Die Pläne für die Corona-Notbremse des Bundes sind noch einmal nachgebessert worden. Ein wichtiger Punkt: Schulen sollen früher als bisher geplant auf Distanzunterricht umschalten. Für viele wird das Folgen haben. Doch nicht allen geht das weit genug.

Der deutsche Lehrerverband fordert, die geplante Corona-Notbremse des Bundes noch einmal nachzuschärfen und Schüler früher in den Distanzunterricht zu schicken als bisher vorgesehen. Es sei zwar ein Fortschritt, dass der maßgebliche Inzidenzwert für Schulschließungen von 200 auf 165 gesenkt worden sei, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). «Doch auch eine Inzidenz von 165 ist noch deutlich zu hoch.»

Bund und Länder wollen mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes einheitliche Regelungen im Kampf gegen die dritte Corona-Welle festschreiben. In einem ersten Entwurf des Bundes war unter anderem vorgesehen, dass Schulen in den Distanzunterricht wechseln müssen, wenn binnen einer Woche mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner registriert werden.

Dieser Schwellenwert soll nun aber gesenkt werden. Nach der Beschlussempfehlung des maßgeblichen Gesundheitsausschusses, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sollen Schulen schon bei einer Inzidenz von 165 keinen Präsenzunterricht mehr anbieten dürfen. In vielen Regionen liegt die Inzidenz zurzeit deutlich höher. Abschlussklassen und Förderschulen sollen vom Stopp des Schulbesuchs ausgenommen werden können.

Meidinger betonte, er habe kein Verständnis dafür, warum man bei Schulen einen anderen, gröberen Maßstab anlege als in anderen Bereichen der Gesellschaft. Man dürfe nicht vergessen, dass die bundesweite Inzidenz in der Altersgruppe zwischen 10 und 19 Jahren bereits jetzt deutlich höher liege. «Um eine Ausbreitung des Virus in den Schulen wirksam zu stoppen, muss der Präsenzunterricht bereits ab einer Inzidenz von 100 beendet werden», forderte Meidinger.

Daneben sieht die Neuregelung nun Ausgangsbeschränkungen von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr in Regionen mit hohen Corona-Zahlen vor. Nach dem ursprünglichen Plan sollten sie schon um 21.00 Uhr beginnen. Joggen und Spaziergänge sollen bis Mitternacht erlaubt bleiben, allerdings nur alleine. Die Notbremse soll am Mittwoch vom Bundestag beschlossen werden und nach einer Befassung der Länderkammer rasch in Kraft treten. Die Regeln sollen gelten, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Stadt oder einem Landkreis drei Tage hintereinander über 100 liegt.

Die Kommunen begrüßten die Änderungen. «Es ist richtig, die Ausgangsbeschränkungen erst ab 22.00 Uhr vorzusehen. Andernfalls wären die Menschen alle zur selben Zeit abends noch in die Lebensmittelgeschäfte geströmt», sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der «Rheinischen Post». Es sei auch richtig, die Schulen bereits ab Inzidenzwerten von 165 zu schließen. «Wenn wir auf die aktuellen Werte schauen, bedeutet das Gesetz, dass die Schulen in Deutschland kommende Woche weitgehend wieder schließen müssen.»

Der Deutsche Städtetag sieht in der Notbremse die Chance, verloren gegangenes Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. «Das Durcheinander mit unterschiedlichen Lösungen in den Ländern bei der Notbremse hat in den vergangenen Wochen Vertrauen gekostet», sagte der Leipziger Oberbürgermeister der Deutschen Presse-Agentur. «Wir brauchen jetzt vorübergehend einen gemeinsamen bundeseinheitlichen Rahmen, um dieses Vertrauen zurückzugewinnen. Dabei ist es gut, dass die bundeseinheitliche Notbremse bis Ende Juni befristet werden soll.»

Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte, neben dem Inzidenzwert noch weitere Kriterien für die Aktivierung der Notbremse heranzuziehen. «Dazu zählt beispielsweise die Zahl der täglichen Neuaufnahmen von Corona-Intensivpatienten sowie die Anzahl intensivpflichtiger und invasiv beatmeter Patienten der letzten sieben Tage», sagte er der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Dienstag).

 

19.04.2021 

Bisher wenige positive Corona-Schultests

In der ersten Woche mit flächendeckenden Corona-Tests an Thüringer Schulen sind 375 Schüler positiv auf eine Coronavirus-Infektion getestet worden. Das geht aus einer Statistik des Bildungsministeriums vom Montag hervor. Demnach erfolgten in der vergangenen Woche insgesamt 157 472 Tests bei Schülern und 26 401 Tests beim Personal an den Schulen. Nur 27 Tests beim Personal fielen positiv aus. Die Positivrate bei den Schülern lag nach Ministeriumsangaben bei 0,24 Prozent, beim Personal bei 0,1 Prozent.

Unklar ist, ob tatsächlich jeder positive Test korrekt eine Coronavirus-Infektion angezeigt hat. Bei den verwendeten Schnell- und Selbsttests kann es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen, weshalb bei einem positiven Ergebnis ein weiterer PCR-Test nötig ist. In den Daten des Bildungsministeriums wurden Angaben von 941 Schulen berücksichtigt, von 33 fehlen sie bislang noch.

Testpflicht und Schulschließungen ab 200-Inzidenz - Kritik der Eltern

Angesichts der Corona-Testpflicht für die Schüler in Brandenburg hat der Landeskitaelternbeirat kritisiert, dass trotzdem ab einem Inzidenzwert von 200 in Landkreisen Schulen geschlossen werden sollen. Dass das flächendeckende Schließen von Schulen und Kitas immer noch eine Maßnahme der Politik sei, sei «ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen», teilte der Landeskitaelternbeirat am Sonntagabend mit. Viel sinnvoller sei eine flächendeckende Strategie mit regelmäßiger Testung. Das sei an Schulen und Kitas gut möglich.

«Ein Schul- und Kitabesuch auf Basis einer guten Teststrategie erscheint derzeit effektiver als jedes Kontakttagebuch oder jede Corona- oder Luca-App», so die Elternvertreter. «Wenn wir die Schulen und Kitas jetzt schließen, verlieren nicht nur die Kinder weitere Wochen oder Monate notwendige Bildungs- und Betreuungsangebote - nein, wir verlieren auch die Kontrolle über mögliche Infektionen bei den Kindern, ihren Familien und den Pädagogen.»

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche stieg zuletzt von 119 auf 142. Ab dem Wert von 200 in Landkreisen oder kreisfreien Städten müssen von Mittwoch an Schulen geschlossen werden. Der Landkreis Spree-Neiße liegt schon seit längerem deutlich über dieser kritischen Marke.

In den Brandenburger Schulen gilt seit Montag eine Testpflicht für die Schüler im Präsenzunterricht und alle Beschäftigten. Der Zutritt in die Schulen ist dann nur noch Menschen gestattet, die an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche jeweils ein negatives Testergebnis vorlegen. Die Testungen sollen grundsätzlich zu Hause durchgeführt werden. Sollten Schüler die Testbescheinigung vergessen haben, könnten die Tests auch an den Schulen durchgeführt werden, erklärte das Bildungsministerium. Auch das Personal in den Kitas muss sich testen lassen.

Seit dem Ende der Osterferien haben nur die Grundschüler und die Abschlussklassen Wechselunterricht. Die mittleren Jahrgänge der weiterführenden Schulen bleiben vorerst im Distanzunterricht.

Testpflicht in Brandenburger Schulen - auch für Kita-Beschäftigte

In den Brandenburger Schulen gilt von Montag an eine Corona-Testpflicht für die Schüler im Präsenzunterricht und alle Beschäftigten. Der Zutritt in die Schulen ist dann nur noch Personen gestattet, die an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche jeweils ein negatives Testergebnis vorlegen. Die Testungen sollen grundsätzlich zu Hause durchgeführt werden. Sollten Schüler die Testbescheinigung vergessen haben, könnten die Tests auch an den Schulen durchgeführt werden, erklärte das Bildungsministerium. Auch das Personal in den Kitas muss sich testen lassen.

Seit dem Ende der Osterferien haben nur die Grundschüler und die Abschlussklassen Wechselunterricht in der Schule und zuhause. Die Förderschulen für geistige Entwicklung haben durchgehend Präsenzunterricht. Die mittleren Jahrgänge der weiterführenden Schulen bleiben vorerst im Distanzunterricht.

Allerdings müssen ab 200 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche in Landkreisen oder kreisfreien Städten von Mittwoch an alle Schulen geschlossen werden, mit Ausnahme der Abschlussklassen und der Förderschulen. Der Landkreis Spree-Neiße liegt schon seit längerem deutlich über dieser kritischen Marke.

18.04.2021

Rückkehr ins Klassenzimmer - aber längst nicht überall im Südwesten

Monatelang haben viele ihre Lehrer nur per Video gesehen: Nun soll es eigentlich wieder losgehen mit der richtigen Schule. Doch die Öffnung könnte vielerorts nur eine kurze Freude sein.

In Baden-Württemberg kehren in dieser Woche hunderttausende Schülerinnen und Schüler nach über vier Monaten im Lockdown in ihre Klassenzimmer zurück - allerdings nur mit Maske, Abstand und einem negativen Testergebnis. Die Maßnahme der grün-schwarzen Landesregierung ist hochumstritten, weil das Land mitten in der dritten Corona-Welle mit stark steigenden Infektionszahlen steckt.

Von Montag an sollen nach Plänen des Kultusministeriums alle Jahrgangsstufen aller Schularten wieder in Präsenz unterrichtet werden können - allerdings meistens im Wechsel, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Wer mehr als drei Tage in Folge an der Schule ist, muss sich zweimal pro Woche testen lassen.

Doch längst nicht alle Kinder und Jugendlichen im Südwesten können sich auf eine Rückkehr an ihre Schulen freuen: In 11 von 44 Stadt- und Landkreisen werden die Schulen größtenteils geschlossen bleiben, weil sie entweder schon drei Tage über der Inzidenz von 200 lagen oder kurz davor stehen. Darunter sind auch Stuttgart und Ulm. Etwa sechs weitere Kreise liegen nur knapp unter dem Schwellenwert.

In Corona-Hotspots mit über 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in der Woche soll es grundsätzlich nur Fernunterricht geben, auch Kitas sollen dann geschlossen werden. Ausnahmen gibt es für die Notbetreuung, Abschlussklassen sowie die sonderpädagogischen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen (SBBZ).

Die Lehrerverbände halten den Grenzwert 200 für die Öffnung der Schulen für viel zu hoch gegriffen. Sie hatten vorgeschlagen, ab einer Inzidenz von 100 nur Fernunterricht anzubieten. Hintergrund der Bedenken ist die britische Corona-Mutante, mit der sich auch Kinder und Jugendliche leicht anstecken können. Im Südwesten gibt es rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie 130 000 Lehrkräfte.

Zuerst Geschichte: Abiturprüfungen in Niedersachsen starten

Mit der schriftlichen Klausur im Fach Geschichte beginnt an diesem Montag das Abitur in Niedersachsen. Rund 32 000 Schülerinnen und Schüler an etwa 450 Schulen nehmen in diesem Jahr an den Abi-Prüfungen teil. Mit den möglichen mündlichen Nachprüfungen zieht sich die Abi-Phase bis Ende Juni.

Bereits zum zweiten Mal sind die Prüfungen von der Corona-Krise geprägt, und es gelten strenge Hygieneregeln. Eine Testpflicht soll es zwar nicht geben, das zuständige Ministerium appellierte aber dringend an die Schüler, das Testangebot an Klausurtagen zu nutzen. In vergangenen Jahr waren die Abschlussprüfungen an Niedersachsens Schulen wegen der Pandemie um rund drei Wochen verschoben worden.

17.04.2021

Auch Kinder und Jugendliche von Long-Covid-Erkrankung betroffen

Zu Beginn der Corona-Krise ging man davon aus, dass Kinder und Jugendliche weitgehend unbeschadet eine Infektion mit Sars-CoV-2 überstehen. Mit der Corona-Variante B.1.1.7 stimmt das nicht mehr.

In der auf die Behandlung von sogenannten Long-Covid-Erkrankungen spezialisierten Median-Klinik in Heiligendamm werden die Patienten immer jünger. Wie Chefärztin Jördis Frommhold der Deutschen Presse-Agentur berichtete, werden zunehmend 20- bis 30-Jährige stationär aufgenommen und im letzten Monat auch zwei 18-Jährige. Die Anfragen nach Reha-Angeboten für pädiatrische Patienten häuften sich. Die Klinik stünde auch bereit, Jugendliche ab 14 Jahren in Begleitung eines Erziehungsberechtigten aufzunehmen.

Kinder und Jugendliche haben in der Regel nicht so schwere Krankheitssymptome nach einer Corona-Infektion wie Erwachsene, sie können aber an unterschiedlichen Folgeerkrankungen leiden. Dazu gehören beispielsweise Leistungsminderungen, Atembeschwerden und kognitive Einschränkungen, sagte Frommhold. Die Expertin berichtete von einer zunehmenden Zahl von Hilferufen besorgter Eltern.

Man müsse insgesamt von der Vorstellung Abschied nehmen, dass junge Menschen nicht erkranken können, sagte Frommhold. Dies habe sich mit der Virusvariante B.1.1.7 geändert. Aber auch schwache Symptome könnten höchst problematisch werden. So könnten beispielsweise auf Konzentrationsprobleme bei Schülern schlechte Schulleistungen folgen, die wiederum die Wahl des Studiums oder des Berufs beeinflussen.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor dem Glauben, dass Kinder und Jugendliche bei einer Corona-Infektion nur mit grippeähnlichen Symptomen zu kämpfen haben. «Auch bei ihnen kann es eine Multi-Organ-Erkrankung werden.» Die gefürchtete Entzündung der kleinen Gefäße könnte auftreten. Lauterbach kritisiert schon seit längerem, dass die Bedeutung von Long-Covid auch bei Erwachsenen dramatisch unterschätzt wird.

Er berichtete von einer britischen Studie, nach der 7 Prozent der Jugendlichen Long-Covid entwickeln, bei Erwachsenen liege das Risiko bei 14 Prozent. Dies sei insbesondere unter dem Gesichtspunkt gefährlich, dass versucht werde, die Schulen weitestmöglich zu öffnen. Er forderte Wechselunterricht für die Schüler und deren Testung zwei Mal die Woche. «Wenn Eltern das nicht erlauben, dürfen die Schüler nicht in die Schule.» Gleichzeitig appellierte er an Jugendliche, vor allem sich selbst zu schützen. Die Folgen könnten fatal sein.

Für die Gesellschaft sei es problematisch, dass es bisher keinen Impfstoff für Kinder und Jugendliche gebe, sagte Frommhold. Denn selbst wenn alle Erwachsenen durchgeimpft seien, könnten sich die jungen Menschen immer noch anstecken, erkranken und dann möglicherweise auch an Long-Covid leiden. «Wir können deshalb nicht zur Alltagsordnung übergehen.»

Die Firmen Biontech und Pfizer hatten Ende März berichtet, dass sie mit Studien zu Wirkung und Sicherheit ihres Corona-Impfstoffs bei Kindern bis einschließlich elf Jahren begonnen haben. Das aktuelle Vakzin der beiden Firmen ist für Jugendliche ab 16 Jahren bedingt zugelassen. Studien für die Altersgruppe 12 bis 16 laufen bereits. Nun werden auch Kinder ab sechs Monaten in die Studien einbezogen.

16.04.2021

Lehrer wehren sich gegen Schüleraufsicht bei Selbsttests

Quer aus Rheinland-Pfalz sind Einwendungen von Lehrern gegen die Beaufsichtigung von Corona-Selbsttests der Schüler bei Schulaufsicht und Ministerium eingegangen. Lehrer fürchten um ihre Gesundheit.

Dass sich Schüler regelmäßig vor dem Unterricht auf Corona selbst testen, findet Schulleiter Armin Huber gut und richtig. Dass sie das unter Anleitung und Aufsicht von Lehrern tun sollen, aber gar nicht. Daher hat er im Namen seiner Schule, dem Max-Planck-Gymnasium (MPG) Trier, eine sogenannte Remonstration - also eine Art beamtenrechtliche Einwendung gegen eine Weisung des Vorgesetzten - bei der Schulaufsicht eingelegt.

Warum? «Der Gesundheitsschutz der Lehrer ist meines Erachtens nach bei dieser Form der Selbsttestung nicht garantiert», sagt Huber. «Wir haben kaum Lehrer, die geimpft sind, wir haben keine Schutzausrüstung, und wir sollen im Fall eines positiven Tests den Schüler pädagogisch betreuen.» Verständlich, dass da Lehrer Angst hätten und nicht bereit dazu seien. Daher bieten derzeit am MPG geschulte Mitarbeiter der Hilfsorganisation Johanniter-Unfall-Hilfe Schnelltests an.

Seit den Osterferien können sich auch Schüler in Rheinland-Pfalz zwei Mal pro Woche kostenfrei mit Schnelltests selbst auf das Coronavirus testen. Das Land hat die Schulen bereits mit rund sechs Millionen Testkits beliefert, wie das Bildungsministerium in Mainz mitteilte. Tausende Testungen sind bereits gelaufen - das Einverständnis der Eltern für die Tests sei groß. Und: Über alle Schularten hinweg gebe es «auch sehr viel Zustimmung von Lehrkräften, die die Möglichkeit der Selbsttests sehr begrüßen».

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) als landesweite Schulaufsicht räumt ein: «Es ist richtig, dass vereinzelt Schulen die Beaufsichtigung von Selbsttest der Schüler nicht als ihre Aufgabe wahrnehmen.» Auch anderswo als in Trier hätten vereinzelt Lehrkräfte dagegen Einwände erhoben. Aus allen drei Aufsichtsbezirken der ADD in Rheinland-Pfalz lägen Remonstrationen vor. «Die überwiegende Anzahl der Remonstrationen kommt aus dem Bereich der weiterführenden Schulen», teilt eine Sprecherin in Trier mit.

Nach Ansicht der Schulbehörde ist für Tests die Hilfe externer Partner «grundsätzlich nicht erforderlich». «Lehrkräfte haben die Schülerinnen und Schüler lediglich anzuleiten und sie bei der Durchführung der Selbsttests zu beaufsichtigen. Lehrkräfte führen also keine Testungen bei Schülerinnen und Schülern durch», hieß es. Aufsicht und pädagogische Begleitung stellten «eine schulbezogene Aufgabe dar», die im Rahmen des Dienstverhältnisses von einer Lehrkraft geleistet werden könnten.

Fakt ist aber, dass viele Schulen Hilfe von externen Partnern suchen. «Wir haben so viele Anfragen. Wir können dem Andrang kaum mehr gerecht werden», sagt die Sprecherin des Johanniter Regionalverband Trier-Mosel, Regina Lüders. Mitarbeiter der Johanniter seien im Raum Trier bereits in gut einem halben Dutzend Schulen bei Schnelltests mit im Boot. Hinzu kämen auch Anfragen von Firmen. «Das überschreitet das, was wir leisten können.» Sie bedauere, dass viele kleine Grundschulen, die anfragten, nicht bedient werden könnten.

Nach Angaben des Landesverbandes Hessen/Rheinland-Pfalz/Saar der Johanniter-Unfall-Hilfe gehen bei allen Regionalverbänden derzeit Anfragen zur Unterstützung bei Tests in Schulen ein. Sprecherin Saskia Schimpf sagte, die Corona-Antigen-Schnelltests, die sie anböten, seien keine Selbsttests und als Unterstützung im Rahmen der Teststrategie des Bundes zu sehen.

Die Tests am Trierer Gymnasium MPG liefen gut, sagt Huber. Zwei Mal die Woche seien die Johanniter als mobiles Testteam nun vor Ort, um zu testen. Sie trügen Schutzkleidung, die Schüler würden nacheinander in einen Raum gerufen. Jene Tests im Rahmen des «Testens für alle» von Externen werden nach Angaben des Ministeriums vom Bund bezahlt. Die Selbsttests in den Schulen würden durch das Land finanziert - mit rund 40 Millionen Euro, hieß es.

Nach Einschätzung Schulleiter Huber ist auch denkbar, dass sich Schüler nach Einweisung in der Schule zu Hause testen. Die Testkits könnten Ende der Woche verteilt werden. Aber: Laut Dienstherrn dürfe die Schule die Tests nicht an Schüler geben.

Laut der ADD sollen Selbsttests nicht zu Hause gemacht werden: «In einem überwachten Setting in der Schule können die Tests sicher und richtig durchgeführt werden.» Zudem sei gewährleistet, «dass im Falle einer positiven Testung unmittelbar entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden». Und: Testkits seien in größeren Chargen gekommen und könnten nicht einzeln verpackt verteilt werden.

Ob das Ministerium Verständnis für die Sorgen der Lehrer hat? «Es ist vollkommen verständlich, dass neue Aufgaben auch erst einmal Fragen und Ängste aufwerfen. Und das nehmen wir selbstverständlich ernst», teilt eine Sprecherin mit. «Wir sehen allerdings auch, dass viele Schulen schon sehr souverän und gut mit den Selbsttests umgehen. Wie das Tragen der Maske sind die Selbsttests eine wirkungsvolle Maßnahme, um den Schulbetrieb noch sicherer zu gestalten.»

Jugendämter: Zahl der Schulabbrecher könnte sich verdoppeln

(dpa)Die Jugendämter in Deutschland warnen vor einer höheren Zahl an Schulabbrechern aufgrund der Corona-Krise. «Mit Blick auf die beiden Abschlussjahrgänge droht sich die Zahl der Schulabbrecher zu verdoppeln», sagte Lorenz Bahr, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Normalerweise verlassen pro Jahr rund 104 000 junge Menschen ohne Abschluss die Schule. «Wir rechnen nun mindestens mit einer Verdopplung: 210 000 Schulabbrecher in 2020 und genau so viele noch einmal in diesem Jahr.» Diese Entwicklung werde sich durch viele Schichten ziehen, auch Kinder aus der Mittelschicht würden einen «früheren Karriereknick» erleben.

In mindestens 13 Kommunen bleiben Schüler im Distanzunterricht

Die Opposition spricht von Chaos, viele Städte und Kommunen fühlten sich im Stich gelassen. Am Abend teilt die Landesregierung mit, wo es auch am Montag noch beim Distanzunterricht bleibt - und welche Regeln gelten.

In 13 Kommunen mit einer hohen Sieben-Tage-Inzidenz bleiben die Schüler wegen einer Landesverordnung auch in der kommenden Woche im Distanzunterricht. Lediglich die Abschlussklassen dürften zum Präsenzunterricht in die Schulen, teilte die Landesregierung am Freitagabend mit. Das Land habe nun für die betroffenen Kommunen mit einem 7-Tage-Inzidenzwert von über 200 per Landesverordnung eine Vorgabe geschaffen, die den noch ausstehenden geplanten bundeseinheitlichen Regelungen entspricht, heißt es in der Mitteilung.

Nach Ministeriumsangaben bleiben in folgenden Städten und Kreisen die Schulen weiterhin geschlossen: Duisburg, Gelsenkirchen, Hagen, Krefeld, Märkischer Kreis, Mülheim an der Ruhr, Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Stadt Remscheid, Kreis Siegen-Wittgenstein, Stadt Solingen, Kreis Unna und Stadt Wuppertal.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte für die Woche nach den Osterferien zunächst überraschend mitgeteilt, dass die Schulen wieder in den Distanzunterricht gehen sollen. Vom kommenden Montag an sollen die Schulen wieder in den Wechselmodus mit Distanz- und Präsenztagen gehen, sofern die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche unter 200 liegt.

Das konkrete Verfahren werde laut Mitteilung durch eine Ergänzung der Coronabetreuungsverordnung geregelt: «Überschreitet ein Kreis oder eine kreisfreie Stadt künftig die Grenze einer 7-Tages-Inzidenz von 200 an drei aufeinanderfolgenden Tagen, stellt das Gesundheitsministerium dies durch eine Allgemeinverfügung fest und bestimmt darin den Tag, ab dem Distanzunterricht stattfindet.» Dies sei im Regelfall ab dem zweiten Tag nach Feststellung der Fall. Sinkt der Inzidenzwert an mindestens drei Tagen unter 200, wird der Wechselunterricht zum nächsten Wochenbeginn wieder aufgenommen.

Die Opposition hatte Gebauer vor der Entscheidung noch Chaos vorgeworfen. Die unklare Lage zum Thema Distanzunterricht ab Montag in Kommunen, die über oder nahe einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 liegen, sei «eine Zumutung für alle Beteiligten», sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer. «Dass Kommunen und Kreise in kürzester Zeit die 200er Inzidenzschwelle überschreiten werden, war absehbar.»

Auch der SPD-Abgeordnete Jochen Ott übte scharfe Kritik. «Entgegen der Ankündigungen von Schulministerin Gebauer handelte es sich eben nicht um eine automatische Notbremse, die bei einem entsprechenden Überschreiten der 200er-Grenze gezogen werden muss. Das hat erneut für viel Verwirrung und Unruhe im Schulbetrieb gesorgt», sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion laut Mitteilung.

Nach Angaben eines Sprechers laufen - unabhängig von der jetzt veröffentlichten Allgemeinverfügung - weiterhin die üblichen Abstimmungen zwischen dem NRW-Gesundheitsministerium und den Kreisen und kreisfreien Städten, die Distanzunterricht auf eigenen Wunsch beabsichtigen. So kündigte Dortmund am Freitagabend an, dass ab Montag in der Stadt kein Präsenzunterricht an Schulen stattfindet. Ausgenommen seien Abschlussklassen.

Schulöffnung ade - Stuttgart und Ulm ziehen vorauseilend Notbremse

«Wozu der ganze Zirkus?», fragt ein Lehrerverband. Mitten in die dritte Corona-Welle hinein sollen Schulen auf breiter Front öffnen. Doch manchen Kommunen im Land ist das zu riskant: Sie ziehen vorauseilend die Notbremse.

Die für Montag geplante Rückkehr aller Kinder und Jugendlichen in die Schulen nach vier Monaten im Lockdown wird nur in Teilen Baden-Württembergs klappen. Die Großstädte Stuttgart und Ulm zogen am Freitag angesichts hoher Infektionszahlen in letzter Minute die Notbremse und verschoben den Start des Präsenz- und Wechselunterrichts vorerst.

Beide Städte sind Corona-Hotspots. Ulm rangierte am Freitag bei 183,0 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche und damit noch unter dem Grenzwert 200, ab dem es nur Fernunterricht geben soll. Stuttgart lag mit 207,6 darüber. Daneben gibt es einige Landkreise, die schon länger über dieser kritischen Schwelle liegen. Dazu gehören die Kreise Heilbronn, Schwäbisch Hall, der Hohenlohekreis, Göppingen und Heidenheim. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Kommunen, die ähnlich wie Ulm nah an die Inzidenz 200 heranrücken.

Ministerium will «pragmatische Lösung» für Grenzfälle

Wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr, will das Kultusministerium «pragmatische Lösungen» für diese Grenzfälle ermöglichen. Demnach sollen die Schulleitungen einen Ermessensspielraum bekommen, wenn in ihrem Kreis am Donnerstag oder an diesem Freitag die Inzidenz von 200 erstmalig überschritten wurde und die Tendenz weiter so bleibt. Dann können sie die Schule - außer für Abschlussklassen und Notbetreuung - geschlossen lassen. Das hat Amtschef Michael Föll in einer Runde mit Lehrervertretern am Freitag erklärt. Ein Ministeriumssprecher bestätigte diese Regelung. Die GEW und der Philologenverband gingen das Land hart dafür an, dass es überhaupt an Schulöffnungen bis zu einer Inzidenz von 200 denkt.

Stuttgart macht auch Kitas dicht

Die Stadt Stuttgart will auch die Kitas schließen. «Wir empfehlen, Schulen ab Montag nicht zu öffnen und Kitakinder zu Hause zu betreuen», teilte die Bürgermeisterin für Jugend und Bildung, Isabel Fezer, mit. «Wenn wir dieser Pandemie Einhalt gebieten wollen, zählt jeder Tag. Wir müssen und wollen die Kontakte weiter reduzieren und in Schulen und Kitas kommen – trotz guter Hygienekonzepte – Tausende Menschen ganz unterschiedlicher Altersgruppen und aus allen gesellschaftlichen Schichten zusammen. Dies macht sich das Virus zunutze.»

Bisher gibt es nur dringende Empfehlungen

Auch die Stadt Ulm hatte bereits eine ähnliche Empfehlung für die Schulen herausgegeben. Die Städte können bisher nur Empfehlungen aussprechen, weil die rechtliche Grundlage für ein Verbot des Präsenzunterrichts ab einer Inzidenz von 200 noch fehlt. Die Landesregierung in Stuttgart will ihre Corona-Verordnung und die Schulbestimmungen aber am Wochenende aktualisieren und dann die vom Bund verlangte Notbremse einarbeiten. Demnach ist die Voraussetzung für eine fortgesetzte Schließung, dass ein Kreis an drei Tagen hintereinander den Schwellenwert von 200 überschreitet - dann muss am übernächsten Tag der Präsenzunterricht untersagt werden.

In Stuttgart sind gut 230 Schulen und 600 Kitas betroffen. In Ulm sollen die 53 Schulen zunächst größtenteils geschlossen bleiben. Die Stadt Mannheim mit einer Inzidenz von fast 190 will nach eigenen Angeben am Montag wie geplant öffnen. Im Südwesten gibt es rund 4500 Schulen.

Lehrer halten Regierung vor: Nur Koalitionsverhandlungen im Kopf

Der Verband der Gymnasiallehrer kritisierte, die Schulöffnungen in Kreisen mit mehr als 160 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche seien «sinnfrei». «Dort ist ja absehbar innerhalb einer Woche mit erneutem Rückwechsel in den Fernunterricht zu rechnen. Wozu also der ganze Zirkus?», sagte Ralf Scholl, Landeschef des Philologenverbands. «Mein Eindruck ist, die Politiker von Grünen und CDU sind gerade mit den Koalitionsverhandlungen so beschäftigt, dass das Landeswohl und Corona nur noch Nebensache sind.» Es könne auch nicht angehen, dass Öffnungen mit Hinweis auf die Tests durchgedrückt würden. «Ein Corona-Test schützt genauso stark vor Corona wie ein Schwangerschaftstest vor einer Schwangerschaft.»

Sozialministerium: Schnelltests sind ausgeliefert

Das Land setzt beim Neustart für viele Schülerinnen und Schüler vor allem auf die Testpflicht, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Wer mehr als drei Tage in Folge an der Schule ist, muss sich zweimal pro Woche testen lassen. Sind es im Zuge des Wechselunterrichts weniger Tage, reicht auch ein Test pro Woche. Geimpfte und genesene Menschen sind von der Testpflicht befreit. Nach Auskunft des Sozialministeriums sind die übrigen Testkits nach einer zwischenzeitlichen Verzögerung nun ausgeliefert worden. Es hätten alle Landkreise zumindest so viele Selbsttests bekommen, dass am Montag der Schulbetrieb starten kann und nicht eine Schließung erforderlich wird, weil Tests fehlen, erklärte eine Sprecherin. Der Berufsschullehrerverband hatte am Freitag moniert: «Leider sind noch nicht alle Schulen mit Tests ausgestattet.»

Philologenverband kritisiert Aussetzung der Testpflicht beim Abitur

Die Aussetzung der Corona-Testpflicht für Abiturienten stößt auf Kritik des Philologenverbandes Niedersachsen. Der Infektionsschutz an den Schulen habe dadurch über Nacht eine empfindliche Delle erfahren, sagte der Verbandsvorsitzende Horst Audritz in Hannover. Damit werde große Unruhe in die Schulen getragen. «Strukturiertes Krisenmanagement sieht anders aus», sagte Audritz. Sein Verband erwarte, dass die Aussetzung der Testpflicht umgehend zurückgenommen werde und Prüfungen ohne erhöhtes Infektionsrisiko stattfinden können.

Er appellierte an die Fürsorgepflicht des Dienstherrn. Angesichts der Prüfungssituationen, wo größere Gruppen ohne Trennwände und Luftreinigungsgeräte bis zu sechs Stunden Prüfungsarbeiten schreiben, nehme die Verunsicherung zu und belaste die Prüfungen zusätzlich.

70 Prozent von Bayerns Schülern nächste Woche im Distanzunterricht

Die Infektionszahlen steigen, der Lockdown in Bayern wird wieder härter. Zwei von drei Schülerinnen und Schülern müssen nächste Woche von zu Hause lernen. Zumindest der frühere Hotspot Tirschenreuth bietet einen Lichtblick.

Der Freistaat Bayern steuert in der nächsten Woche wegen weiter steigender Corona-Infektionszahlen auf einen härteren Lockdown in Schulen und Einzelhandel zu. Am Freitag waren nur noch die drei Landkreise Miltenberg, Tirschenreuth und Lindau sowie die kreisfreie Stadt Bamberg unterhalb einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, wie aus der Statistik des Robert-Koch-Instituts hervorgeht.

Bei einer Inzidenz von mehr als 100 am Freitag müssen Schulen in der Folgewoche weitgehend in den Distanzunterricht wechseln. Nach Angaben des Kultusministeriums betrifft das in der kommenden Woche 70 Prozent der eine Million Schülerinnen und Schüler in Bayern. Rund 30 Prozent könnten noch im Präsenz- und Wechselunterricht bleiben, sagte ein Ministeriumssprecher.

Im Landesdurchschnitt lag die Inzidenz am Freitag bei knapp über 180, klar über dem Bundesdurchschnitt von 160. Der nordbayerische Landkreis Hof hält allerdings nicht mehr die Rote Laterne in Deutschland, sondern wurde vom Thüringer Landkreis Greiz als Top-Corona-Hotspot in Deutschland abgelöst.

Eindeutiger Lichtblick aus bayerischer Sicht ist der Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth, wochenlang einer der absoluten Corona-Hotspots selbst im bundesweiten Maßstab. Inzwischen ist Tirschenreuth, an der Grenze zu Tschechien gelegen, mit einer Inzidenz von 75 das Aushängeschild in Bayern und liegt den dritten Tag in Folge unter 100.

«Es ist jetzt natürlich ein besseres Gefühl, als in die andere Richtung der Spitzenreiter zu sein», sagte Landrat Roland Grillmeier (CSU). Ab Montag soll es wieder Präsenzunterricht geben und in den Geschäften werde Einkaufen mit Termin und Test möglich sein.

Dem Landratsamt zufolge spielen die Testpflicht für Grenzpendler aus Tschechien und die vorübergehenden Grenzkontrollen eine Rolle, ebenso die Test- und Hygienekonzepte in Betrieben, die Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsamt, die Impfungen, die sinkenden Inzidenzen in den umliegenden Landkreisen und in Tschechien, sowie die Disziplin der Menschen.

Hier appelliert der Landrat an die Bürger, nicht nachzulassen. Bei Lockerungen bestehe immer das Risiko, dass die Zahlen schlechter werden. «Dann sind die Lockerungen schnell wieder zu Ende und die Freude ist dahin.»

Für die allermeisten Landkreise und kreisfreien Städte sind allerdings die Bedingungen erfüllt, dass von Montag an im Zuge der Notbremsen-Regelung die Schulen weitgehend auf Distanzunterricht umstellen müssen. Ausnahmen sind lediglich Abschlussklassen, die vierten Klassen der Grundschulen und die 11. Klassen am Gymnasium.

Die Landeshauptstadt München hatte eine entsprechende Regelung bereits am Freitagmorgen angekündigt. Unabhängig von der noch nicht beendeten Diskussion über Schulöffnungen bis zu einer Inzidenz von 200 auf Bundesebene gilt in Bayern derzeit die 100-er-Grenze, von welcher an die Notbremse bei den Schulen gezogen wird.

Im Einzelhandel erfüllten am Freitag 23 Kreise die Bedingungen für eine komplette Schließung in der nächsten Woche mit Ausnahme des Verfahrens «Click and Collect» - also eine Sieben-Tage-Inzidenz über 200 für mindestens drei Tage am Stück. Drei Kreise - Starnberg, Miltenberg und Tirschenreuth - erfüllten am Freitag die Bedingungen für eine Öffnung des Einzelhandels mit Terminvereinbarung («Click and Meet»).

Über das Wochenende können sich hierbei aber noch Änderungen ergeben, so dass sich spätestens Dienstag wieder ein anderes Bild ergeben könnte. Sollte es zu einer bundesweiten Notbremse-Regelung kommen, könnten die Regelungen nochmals deutlich verschärft werden. So wäre möglicherweise das Verfahren «Click and Collect» schon bei Inzidenzen über 100 nicht mehr möglich.

Gericht: Tragen von Mund-Nasen-Schutz in Schulen rechtens

Das Oberverwaltungsgericht Greifswald hat Anträge von Schülern gegen die Tragepflicht von Mund-Nasen-Bedeckungen in Schulen oder auf schulischen Anlagen als unbegründet abgelehnt. Selbst wenn mit dieser Verpflichtung in die Grundrechte der allgemeinen Handlungsfreiheit, Freiheit der Person oder körperlichen Unversehrtheit eingriffen werde, sei dieser Eingriff in Abwägung mit den Grundrechten Dritter gerechtfertigt, entschied das Gericht am Freitag. Die Regelung diene dem Schutz von Leben und Gesundheit der von der Covid-19-Erkrankung bedrohten Bevölkerung, zu dem der Staat verpflichtet sei. Die Beschlüsse seien unanfechtbar. (Az.: 1 KM 159/21 OVG und 1 KM 199/21 OVG)

Die Schüler seien in ihren Anträgen der Meinung gewesen, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nicht von den Regelungen des Infektionsschutzgesetzes erfasst sei. Studien hätten nach Meinung der Antragsteller zudem ergeben, dass das Tragen von Masken für Kinder gesundheitsgefährdend sei.

Neues Programm für Videokonferenzen an Schulen

Mit einem neuen Programm sollen Schulen künftig Videokonferenzen ausrichten können. Die Software mit dem Namen Visavid eigne sich auch für Grundschulen, teilte das Kultusministerium am Freitag in einer Pressemitteilung mit. Sie soll das Lernen in der Pandemie daheim erleichtern.

Visavid ist nach Angaben des Ministeriums ein maßgeschneidertes Programm für Schulen. Die Daten würden nur in großen Rechenzentren der EU verarbeitet, hieß es weiter. Die Software könne auf jedem Gerät mit Internetanbindung via Browser genutzt werden und müsse nicht installiert werden.

Das System Mebis, das wegen technischer Probleme Ende vergangenen Jahres in der Kritik stand, soll unabhängig davon weiter genutzt werden. Bei der Lernplattform können Lehrer und Schüler Inhalte hochladen, aber keine Videokonferenzen durchführen. Bisher kommunizieren viele Schulen per Video mit der Software Microsoft Teams, die noch bis Ende des Schuljahres zur Verfügung steht.

Niedersachsen vor dem Abi: Niemand soll Corona-Nachteile fürchten

Absagen oder Durchziehen? Über das Abitur wurde angesichts der Corona-Krise heftig gestritten. In Niedersachsen starten die Prüfungen am Montag und sind für Minister Tonne ohne Makel möglich. Andere blicken voller Sorge auf die kommenden Wochen.

Die Abiturprüfungen in Niedersachsen starten in der kommenden Woche zum zweiten Mal unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Krise. Für rund 32 000 Prüflinge an mehr als 450 Schulen sind die Abläufe aber an die Auswirkungen der Pandemie angepasst, eine Testpflicht an Klausurtagen gibt es aber nicht, wie es aus dem Kultusministerium in Hannover heißt. «Wir sichern faire Prüfungen zu, keiner muss Nachteile wegen Corona befürchten», hatte Minister Grant Hendrik Tonne (SPD) betont. Trotz einiger Forderungen nach einer Abi-Absage geht es am Montag mit dem Fach Geschichte los.

Am Tag der Prüfung müssen die Schülerinnen und Schüler kein negatives Testergebnis vorweisen. Damit soll das Abi auch für alle möglich sein, die sich nicht testen lassen wollen, begründete das zuständige Kultusministerium. Es gibt aber den dringenden Appell, an Klausurtagen das Testangebot wahrzunehmen. Denn auch für die Verantwortlichen in den Schulen spielen die Corona-Tests eine zentrale Rolle.

«Wir bitten unsere Schüler, dass sie vor den Abitur-Prüfungen sich selbst zu Hause testen und uns dann bestätigen, dass dieser Test negativ war», sagte Katrin Meinen, Schulleiterin an einem Gymnasium in Mellendorf. Bei einem positiven Ergebnis werde um einen zweiten Test gebeten. Fällt der auch positiv aus, sollen die Schüler zu Hause bleiben und einen der Termine zum Nachschreiben nutzen.

«Wir werden also gezwungen, in den sauren Apfel zu beißen», sagte der Schülerratsvorsitzende Florian Reetz, der in diesem Jahr selbst in Braunschweig das Abi schreibt. Vehement hatte sich der Schülerrat zuvor für eine Absage eingesetzt. «Die Prüflinge waren wohl noch nie so unterschiedlich vorbereitet wie 2021», begründete Reetz. Für eine Absage sei es nun zwar zu spät, sollten die Ergebnisse aber regional unterschiedlich oder möglicherweise deutlich schlechter ausfallen, müsse darauf reagiert werden, forderte er.

Die Kultusministerkonferenz hatte vor wenigen Tagen beschlossen, dass die Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland ihre Prüfungen in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie ablegen sollen. Die vorbereitenden Maßnahmen ermöglichen aus Sicht von Minister Tonne anspruchsvolle und zugleich faire Prüfungen. Er sprach von einem «möglichst normalen Weg des Endes der Schulkarriere», der auch der beste Weg sei, um einen Corona-Makel zu verhindern.

Die Gefahr eines Makels sieht der Schulleitungsverband Niedersachsen (SLVN) aber sehr wohl. Das Gremium hatte auch gefordert, auf die Abi-Prüfungen und die Abschlussprüfungen der Jahrgänge 9 und 10 zu verzichten. «Jetzt sind die Schüler Spielball der Pandemie und wir blicken mit Sorge auf die Entwicklung», sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Rene Mounajed. Sollten in der Prüfungsphase Fälle auftreten, drohe ein inhaltlicher und juristischer Rattenschwanz, warnte er.

Von vielen Eltern wird zumindest begrüßt, dass mehr Auswahlmöglichkeiten für Prüfungsaufgaben verfügt wurden, wie der Landeselternrat mitteilte. Aber: «Die Gefährdungslage an den Schulen ist durch die ansteckenderen Virusvarianten massiv angestiegen und hat dem Infektionsgeschehen eine neue Dynamik verliehen», sagte die Vorsitzende Cindy-Patricia Heine. Auch für die Bildungsgewerkschaft GEW stellen die Prüfungen eine riesige Herausforderung dar. «Die Profis in unseren Schulen werden die Prüfungsvorbereitung und -durchführung jedoch trotz der enormen Belastung meistern», sagte die GEW-Vorsitzende Laura Pooth.

Göring-Eckardt fordert früheren Stopp von Präsenzunterricht

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat mehr Schutz vor Corona-Infektionen an Schulen gefordert als mit der geplanten «Bundes-Notbremse» vorgesehen. «Erst ab einer Inzidenz von 200 zu handeln, ist zu spät - das ist kein Schutz für Schüler*innen, und das ist kein Schutz für Eltern», sagte Göring-Eckardt am Freitag bei der Beratung der geplante «Bundes-Notbremse» im Bundestag.

Mit der geplanten Veränderung des Infektionsschutzgesetzes sollen Schulen in Kreisen und Städten mit über 200 Corona-Neuinfektionen pro Woche und 100 000 Einwohnern keinen Präsenzunterricht mehr anbieten. Ab einer Inzidenz vom 100 soll es bei Präsenzunterricht zwei Corona-Tests pro Woche geben. Göring-Eckardt forderte Tests schon bei niedrigeren Inzidenzen.

 

«Wir wissen, dass die Mutation jetzt sehr stark Kinder betrifft, dass die Kinder ihre Eltern anstecken, das wissen wir aus dem Ausland», sagte Göring-Eckardt. Sie machte deutlich, dass die Grünen entsprechende Nachbesserungen am Gesetz wollen. Zugleich forderte sie aber Tempo und kritisierte, dass es nicht schneller als geplant auf den Weg gebracht werden soll.

15.04.2021

Vergleichsweise wenig Schnelltests an Hamburgs Schulen positiv

Die Zahl der positiven Corona-Schnelltests an Hamburgs Schulen ist in den ersten drei Wochen der flächendeckenden Testungen gesunken. Bis einschließlich 8. April seien insgesamt 532 405 Schnell-Selbsttests durchgeführt worden - mehr als 410 000 von Schülern, knapp 120 000 von den Schulbeschäftigten, teilte die Schulbehörde am Donnerstag mit. 613 oder 0,1 Prozent davon seien positiv ausgefallen. Bei den Schülern betrug der Positiv-Anteil 0,13, beim Personal 0,06 Prozent. Während der Anteil der positiven Tests bei den Schülern leicht rückläufig sei, habe er sich bei den Schulbeschäftigen innerhalb der drei Wochen mehr als halbiert, sagte ein Sprecher. Zuvor hatte der NDR darüber berichtet.

Positiv Getestete müssten die Schulen umgehend verlassen und einen PCR-Test machen. Erst wenn dabei eine Infektion bestätigt werde, würden die Zahlen in die Gesamtstatistik zu den Infektionen an den Schulen einfließen. «Durch die Schnellteststrategie ist Schule deutlich sicherer geworden, die Infektionsgefahr konnte erheblich verringert werden», sagte der Sprecher.

Insgesamt seien für die letzten 10 Tage von 143 Schulen 318 Infektionen von Schulbeteiligten gemeldet worden, darunter seien 296 Schülerinnen und Schüler und 22 Schulbeschäftigte. Für 17 Klassen hätten die Gesundheitsämter Quarantänemaßnahmen angeordnet. 714 Schülerinnen und Schüler sowie 72 Schulbeschäftigte seien vorsorglich in Quarantäne. Damit liege der Anteil der infizierten Schulbeteiligten deutlich unter dem Anteil der Schulbeteiligten an der Hamburgischen Gesamtbevölkerung.

Ab kommenden Montag sollen auch die Schülerinnen und Schüler der Vorschulklassen zweimal wöchentlich in der Schule einen Schnelltest machen können. Um die nötigen Erfahrungen zu sammeln, seien die Tests zunächst freiwillig, hieß es.

Eltern können planen: Wechselunterricht mit Tests für die Schulen

In dieser Woche ist für die Schülerinnen und Schüler wieder Homeschooling angesagt. Das soll sich aber in der kommenden Woche ändern - denn die jüngsten Vorgaben des Bundes bremsen die Planungen des Landes kaum aus. Mehr noch: Der Südwesten geht in Vorleistung.

Nach langer Unsicherheit angesichts der steigenden Infektionszahlen schafft das Land Fakten für Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Eltern. Jungen und Mädchen können in den meisten Regionen des Landes von der kommenden Woche an zumindest teilweise auch wieder regulär zur Schule gehen.

Nach Angaben des Kultusministeriums sollen die Schulen wie geplant vom 19. April an in den sogenannten Wechselbetrieb aus Präsenz- und Fernunterricht oder in einen reinen Präsenzunterricht übergehen. Eine Änderung gibt es allerdings bei der Testpflicht: Sie gilt ab Montag unabhängig von der Corona-Belastung einer Region und nicht erst ab der Schwelle von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche.

Das Land setzt damit bereits etwas von der geplanten Neufassung des Bundesgesetzes um, das noch durch den Bundestag und den Bundesrat muss. «Auch wenn nicht auszuschließen ist, dass der Gesetzentwurf des Bundes im Verlauf des Verfahrens noch Änderungen erfährt, wollen wir die Regelung für die Schulen in Baden-Württemberg bereits möglichst passend zur Bundesregelung ausgestalten», heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Schulleitungen. Geimpfte und von Corona genesene Menschen sind von dieser Testpflicht befreit.

Der Wechselunterricht sei möglich für alle Jahrgangsstufen in sämtlichen Schularten und in einem Umfang, in dem die Einhaltung von Abständen und der übrigen Hygienevorgaben sowie die zur Verfügung stehenden Testangebote dies ermöglichten. Im Schreiben an die Schulleitungen macht das Land einige Vorgaben: «Möglich ist zum Beispiel eine Wechselunterrichtsregelung mit mindestens zwei (optional drei) aufeinanderfolgenden Präsenztagen pro Schülergruppe sowie ein Wechselbetrieb im Wochenturnus», heißt es. Könnten die Kommune oder der Schulträger mehr Testkits zur Verfügung stellen, seien auch häufigere Wechsel der Gruppen machbar.

Sonderregelungen sind zudem vorgesehen in Stadt- und Landkreisen mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 200. Hier müssen die Schulen verpflichtend auf Fernunterricht umstellen. Am Mittwoch lagen sieben baden-württembergische Kreise über dieser Schwelle. Die Notbetreuung in den Jahrgangsstufen 1 bis 7 soll aber auch in diesen Hochinzidenzgebieten weiter angeboten werden.

Weil die Länder vereinbarte Maßnahmen gegen die dritte Infektionswelle uneinheitlich umgesetzt hatten und die Corona-Lage zugleich mehr und mehr außer Kontrolle gerät, hatte der Bund entschieden, die «Notbremse» in einem Bundesgesetz zu verankern. In Landkreisen mit mehr als 100 wöchentlichen Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern müssen Lockerungen wahrscheinlich vom kommenden Montag an verpflichtend zurückgenommen werden. Das betrifft aktuell mehr als die Hälfte der Landkreise in Deutschland und allein 40 der 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg.

Wegen der weiter steigenden Corona-Infektionszahlen hatte die Schule für viele Kinder und Jugendliche zwischen Mannheim und dem Bodensee am Montag nach den Osterferien zunächst wieder nur im Fernunterricht begonnen. Abgesehen von den Abschlussklassen und den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren legten die Schulen meistens digital los, wenngleich vor allem in den Grundschulen auch noch auf rein analoges Material, also Papier, gesetzt wird.

14.04.2021

Schüler kehren wieder im Wechselmodus in Klassen zurück

Überraschung in NRW: Trotz steigender Corona-Zahlen dürfen alle Schüler abwechselnd wieder zurück in die Klassen kommen. Ab Montag gilt Distanz-Präsenz-Wechselmodus. Die Schulministerin richtet einen Appell an die Eltern.

Die Schüler in Nordrhein-Westfalen sollen ab nächsten Montag wieder wechselweise in die Klassenzimmer zurückkommen. Es sei verantwortbar, zu einem Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzunterricht zurückzukehren, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch in Düsseldorf. Es werde ab der kommenden Woche umgesetzt in den Kreisen und kreisfreien Städten, in denen die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche unter 200 Fällen liege.

In der laufenden Woche lernen die meisten der landesweit 2,5 Millionen Schüler wegen steigender Corona-Zahlen im Distanzunterricht - mit Ausnahme der Abschlussklassen. Zudem ist derzeit Notbetreuung für die Klassen eins bis sechs an Grund- und Förderschulen vorgesehen. Von diesem Homeschooling-Modus kehrt NRW vom Prinzip her wieder zu dem Modell zurück, das vor den Osterferien praktiziert worden war.

Im Präsenzbetrieb gelte eine Pflicht zum Selbsttest für die Schüler - zweimal pro Woche, betonte Gebauer. Das schaffe Sicherheit. Mit dem Wechsel aus Distanz- und Präsenzunterricht gebe man Kindern und Jugendlichen «ein Stück schulischer Normalität zurück». Das Modell solle «für eine längere Zeit» gelten und sei derzeit die «beste Option». Schüler bräuchten Begegnung und soziale Kontakte, aber auch pädagogische Betreuung.

Am Mittwoch lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Inzidenz) laut Robert Koch-Institut in NRW bei 148,4. In sechs Städten und Kreisen lag diese Kennziffer über 200. Nach der aktuellen «Woche der Vorsicht» werde man auch ab nächstem Montag vorsichtig bleiben und zugleich «Gesundheitsschutz und Bildungsauftrag in Einklang bringen», sagte Gebauer. Bei den Abschlussjahrgängen bleibe es bei der aktuellen Regelung.

Deutlich appellierte Gebauer an die Eltern: «Lassen Sie Ihr Kind an den Testungen in den Schulen teilnehmen!» Wenn Kinder oder Jugendliche den Test verweigerten, könnten sie an dem Tag nicht am Unterricht teilnehmen und hätten auch keinen Anspruch auf zusätzlichen Distanzunterricht.

Nach früheren Angaben des Schulministeriums wollen sich 10 bis 20 Prozent der Schüler - 250 000 bis 500 000 Kinder und Jugendliche - nicht selbst in der Schule testen. Auch von Eltern- und Lehrerverbänden war Kritik an der Test-Handhabung gekommen. Gebauer zufolge hat das RKI dringend davon abgeraten, die vielfach geforderten Spucktestes in den Schulen einzusetzen.

Die Opposition in NRW hatte die Vermutung geäußert, dass die Schüler nach den Osterferien zurück ins Homeschooling geschickt wurden, weil nicht genügend Tests für die Schulen vorhanden gewesen seien. Die Schulministerin hatte das zurückgewiesen. Auch für die kommende Woche gebe es ausreichend viele Selbsttests. Nach anfänglichen Lieferverzögerungen laufe es planmäßig. Auf die Frage, ob es sicher sei, dass nächste Woche ausreichend Tests für alle Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stünden, sagte Gebauer am Mittwoch: «Laut Auskunft des Logistikunternehmens (...) ist das sichergestellt.»

Auch das Schulpersonal muss getestet werden, betonte die Ministerin. Die Impfung der Lehrer sei «in vollem Gang». Sie habe aber keine Zahlen, wie viele Lehrkräfte der Grund- und Förderschulen bereits immunisiert worden seien. Gebauer sprach sich dafür aus, auch Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen beim Impfen vorzuziehen, «weil wir natürlich auch darüber den Unterrichtsbetrieb sicherer gestalten können».

Die Opposition kritisierte Gebauer, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Die SPD begrüßte zwar, dass die Kinder und Jugendlichen ab kommender Woche wieder zur Schule gehen könnten. Es sei aber falsch gewesen, nach den Osterferien wieder in den Distanzunterricht zurückzukehren, meinte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Jochen Ott. Der wahre Grund dafür sei nicht das Infektionsgeschehen gewesen, sondern mangelnde Vorbereitung für die Testungen an den Schulen: «Wir hoffen daher sehr, dass die Schulministerin die Lage in den Griff bekommen hat», so Ott.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer, bezeichnete es dagegen als «verantwortungslos», die Schülerinnen und Schüler in der kommenden Woche wieder in den Wechselunterricht zu schicken. «Denn wir galoppieren in Richtung einer 200er Inzidenz», warnte sie.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält die Entscheidung für nicht nachvollziehbar: Vergangene Woche sei Gebauer noch auf Nummer sicher gegangen, jetzt gehe sie bei steigenden Zahlen ins Risiko. Die Lehrergewerkschaft VBE kritisierte: «Einfach zu sagen, dass die Erfahrungen mit den Testungen gut gewesen sind, gleicht der Vortäuschung falscher Tatsachen.»

Infektionszahlen in Sachsen steigen - Sondersitzung im Landtag

Der Freistaat ist nach Thüringen bundesweit das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Bundesland. Mit der «Bundes-Notbremse» drohen vielerorts Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen. Die Maßnahmen werden auch im Landtag diskutiert.

In Sachsen steigt die Zahl der Neuansteckungen mit dem Corona-Virus weiter. Am Mittwochnachmittag meldete das Gesundheitsministerium in Dresden mehr als registrierte 2400 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Damit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch bei 227,8 - am Tag zuvor waren es noch 212. Bundesweit weist damit nur noch Thüringen mehr Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche auf (254). Deutschlandweit betrug die Inzidenz am Mittwoch 153,2.

In drei sächsischen Landkreisen kletterte die Inzidenz mittlerweile über die 300er-Marke: Im Vogtland, dem Landkreis Zwickau sowie im Erzgebirge. Am niedrigsten ist die Ansteckungsquote derzeit in Leipzig (143) und in Dresden (147).

Am Mittwochabend wollen die zuständigen Landtagsausschüsse zu einer nichtöffentlichen Sitzung zusammenkommen, um über die aktuellen und geplanten Corona-Schutzmaßnahmen der sächsischen Staatsregierung sowie die Maßnahmen im Bund zu beraten.

Das Kabinett hatte am Dienstag die Landesverordnung und damit die bestehen Corona-Regeln bis zum 9. Mai verlängert, um die Neufassung des Bundes zum Infektionsschutzgesetz abzuwarten. Die sogenannte Bundes-Notbremse sieht einheitliche Regelungen für Regionen mit einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100 000 Einwohner vor - dann drohen unter anderem strenge Ausgangsbeschränkungen zwischen 21.00 und 5.00 Uhr sowie die Schließung von Schulen und Kitas. Auch Zoos, botanische Gärten und die meisten Läden müssten dann dichtmachen. Sachsen hatte Nachbesserungen gefordert und Kritik geäußert. So sollte etwa beim Thema Schulen die Länderhoheit gewahrt bleiben, so Minister Oliver Schenk (CDU).

Die Linke im sächsischen Landtag begrüßte zwar ein bundesweit einheitliches Vorgehen, kritisierte aber pauschale Schulschließungen. Der Preis dürfe nicht sein, dass Präsenzunterricht dort entfalle, wo er ermöglicht werden könnte, so die Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg. Die Linke forderte, den Infektionsschutz zu verbessern - etwa durch kostenlose Masken, noch mehr Tests und Lüftungsanlagen.

Nach den Osterferien hatte für Sachsens Schüler der Unterricht mit verschärften Corona-Schutzmaßnahmen und einer Ausweitung der Testpflicht begonnen. Alle Schülerinnen und Schüler müssen sich künftig zwei Mal statt ein Mal pro Woche selbst testen - anders als bisher gilt das nun auch für Grund- und Förderschüler. Ab der fünften Klasse müssen zudem im Unterricht Masken getragen werden.

Weil in der Corona-Krise durch Schulschließungen, Quarantäne, Home-Schooling oder Wechselunterricht der Unterricht an den Schulen nicht wie gewohnt stattfinden konnte, will Sachsen zudem die Lehrpläne anpassen und Inhalte streichen. Dazu gebe es derzeit Gespräche mit Schulleitern, Lehrerverbänden, Schüler- und Elternvertretern sowie Gewerkschaften, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums auf Anfrage am Mittwoch. Eine erste Runde ist für Mittwoch angesetzt, eine zweite für Donnerstag. Zuvor hatte die «Leipziger Volkszeitung» berichtet.

Laut Ministerium soll im Juli eine Entscheidung getroffen werden, wo Abstriche in den Lehrplänen gemacht werden. Streichungen soll es den Angaben zufolge in allen Fächern geben - wegfallen sollen aber keine.

Schule in Corona-Zeiten: Defizite offenbart

Viele Schüler leiden unter den Einschränkungen durch die Corona-Krise. Experten wünschen sich pragmatischere Lösungen. Vor allem beim Thema Digitalisierung gibt es Nachbesserungsbedarf.

Die Corona-Pandemie hat weltweit massive Auswirkungen auf die Lernergebnisse und Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen. Wie gut die Länder mit der Situation klar gekommen sind, hängt meist mit dem Gestaltungsspielraum der Lehrer zusammen. «Bildungssysteme, in denen die Lehrkräfte gewohnt sind, eine innovative Lernumgebung zu schaffen, sind auch in schwierigen Infektionslagen ganz gut und ohne lange Schulschließung durch diese Krise gekommen», sagte der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, am Mittwoch bei der Vorstellung einer Umfrage unter den OECD-Mitgliedstaaten.

In vielen Ländern wurden demnach Präsenz- und Fernunterricht abgewechselt oder die Schüler in Schichten eingeteilt. Auch besondere Förderangebote für benachteiligte Schüler oder Schüler, die keinen Zugang zu digitalen Lernangeboten hatten, waren häufig. Um die Unterrichtszeiten anzupassen, wurde etwa in Portugal und Brasilien das Schuljahr in die Ferien verlängert. Einige Länder setzten im Lehrplan schwerpunktmäßig auf die wichtigsten Fächer. «Da haben viele Länder relativ schnell reagiert», sagte Schleicher. Deutschland sei das nicht so gut gelungen.

Die Studie zeigt aus Sicht von FDP-Fraktionsvize Katja Suding ein altbekanntes Problem: «Unser Bildungssystem ist an vielen Stellen behäbig und langsam», sagte sie. Länder, in denen die Lehrkräfte mehr Gestaltungsspielraum hätten, konnten wesentlich schneller auf die Corona-Krise reagieren und Schüler auch unter den erschwerten Bedingungen deutlich zuverlässiger unterrichten.

In rund 80 Prozent der Länder unterstützt die Regierung laut OECD-Studie den Kauf von technischen Endgeräten für Schüler und Lehrer. Auch in die Infrastruktur ländlicher Gebiete investierten die meisten (80 Prozent). Staaten wie Estland oder Tschechien hätten einen enormen Vorteil gehabt, da sie schon lange vor der Pandemie die digitale Infrastruktur ausgebaut hätten, betonte OECD-Bildungsdirektor Schleicher. Hierzulande habe man zehn Jahre zu spät angefangen. «Deutschland ist von dieser Pandemie im Bereich Digitalisierung kalt erwischt worden.»

In Deutschland beraten Bund und Länder seit einiger Zeit über ein milliardenschweres Nachhilfe-Programm. Das soll allerdings erst im Herbst starten. Man wolle ganz bewusst erst in das neue Schuljahr damit gehen, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Mittwoch im Bundestag mit Blick auf die Belastungen für Familien und Schüler im laufenden Jahr. «Deswegen sollten wir ihnen jetzt nicht noch zusätzliche Aufgaben geben, sondern ab dem Herbst das Nachholprogramm starten.» Sie forderte die Länder - die für Schule selbst zuständig sind - auf, jetzt Lernstände bei den Schülern zu erheben, weil sie nur dann gezielt nachsteuern könnten.

Eine wichtige Lektion aus der Corona-Pandemie ist laut OECD, dass digitale Alternativen für jüngere Schüler kaum funktionieren. «Der Präsenzunterricht ist gerade für jüngere Schüler durch nichts zu ersetzen», sagte der OECD-Experte. Das hätten die meisten Länder auch verstanden, weshalb die Grundschulen oft offen waren, selbst wenn die weiterführenden Schulen geschlossen hatten.

In Deutschland waren Grundschüler nach den Schulschließungen im Winter im Februar als erste wieder in ihre Einrichtungen zurückgekehrt. Nach und nach kamen seit März auch ältere Schüler im Wechselunterricht zurück. Einige Klassen sind aber seit Dezember bis heute nicht wieder in der Schule gewesen und durch die dritte Welle wackelt der ganze Rückkehrprozess.

So hatte etwa Nordrhein-Westfalen an die Osterferien noch eine Woche Distanzunterricht angehängt. Ab nächsten Montag sollen die Schüler nun wieder wechselweise in die Klassenzimmer zurückkommen, sofern der Inzidenzwert jeweils regional unter 200 liegt. In vielen anderen Ländern läuft der Präsenzunterricht bereits wieder, aber die Ungewissheit ist groß, wie lange noch.

Bisher haben die Länder unterschiedliche Regeln: Manche schicken ihre Schüler zurück in den sogenannten Distanzunterricht, wenn die Inzidenz in einer Stadt oder einem Landkreis bei 100 liegt, manche haben höhere Werte, oder gar keinen Grenzwert, wie Sachsen.

Mit der vom Kabinett am Dienstag auf den Weg gebrachten «Bundes-Notbremse», die noch Bundestag und Bundesrat passieren muss, soll es künftig aber bundeseinheitliche Regeln auch bei Schulschließungen geben. Überschreitet in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinander folgenden Tagen die 7-Tage-Inzidenz 200, soll Präsenzunterricht an Schulen untersagt werden.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) begrüßte das Vorhaben. Mit Blick auf das bisherige Verfahren mit Ministerpräsidentenkonferenzen, anschließenden Änderungen der jeweiligen Corona-Landesregelungen und schließlich oft sehr kurzfristigen Informationen für Schulen sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch bei einer Online-Diskussion des Beamtenbundes dbb: «Wenn dieses Bundesgesetz allein dafür schon helfen würde, wäre es glaube ich ein guter Schritt, weil das hat alle Nerven strapaziert.»

Präsenzunterricht und Testpflicht an Schulen im Norden

Wer nach den Osterferien in der Schule am Unterricht teilnehmen will, muss sich in Schleswig-Holstein ab Montag verpflichtend auf Corona testen. Einige Schülergruppen sind davon jedoch ausgenommen.

In den meisten Regionen Schleswig-Holsteins beginnt für die Schüler der Klassen 1 bis 6 am Montag wieder Präsenzunterricht. In den übrigen Stufen werde in elf Kreisen und kreisfreien Städten Wechselunterricht erteilt, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch in Kiel. Für die Abschlussklassen gibt es weiter überall Präsenzangebote.

In den Kreisen Segeberg, Herzogtum Lauenburg und in Neumünster lernen vorerst alle Jahrgänge in Distanz; für die Schulklassen 1 bis 6 ist Notbetreuung geplant. Das Infektionsgeschehen in Neumünster soll am Donnerstag neu bewertet werden. Im Kreis Pinneberg gibt es - mit Ausnahme der Insel Helgoland - in den Stufen 1 bis 6 Wechselunterricht, in den übrigen findet Distanzlernen statt. «Alle Prüflinge an unseren Schulen - an den allgemeinbildenden wie an den berufsbildenden - werden weiter in den nächsten Wochen wie geplant in aller Ruhe ihre Abschlussprüfungen absolvieren», sagte Prien.

Landesweit brauchen Schüler und Lehrer für die Teilnahme am Unterricht von Montag an zweimal wöchentlich einen Corona-Test. Das Land stelle zwei Selbsttests pro Woche zur Verfügung, die in der Regel in der Schule gemacht werden sollen, erläuterte Prien. Es ist aber möglich, ärztliche Testbescheinigungen oder eine Bescheinigung aus einem Bürgertestzentrum oder einer Apotheke vorzulegen. «Das ist Voraussetzung, um das Schulgebäude betreten zu dürfen.»

Auch Selbsttests zu Hause sind künftig möglich. Dafür sind qualifizierte Selbstauskünfte nötig. «Mit dieser Möglichkeit möchten wir den Eltern entgegenkommen, die zwar grundsätzlich die Testpflicht positiv bewerten, aber Bedenken gegenüber einer Testung in der Schule haben», sagte Prien. Falsche Auskünfte sollen künftig als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Ausgenommen von der Testpflicht sind neben Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf Prüfungskandidaten. Dazu bemerkte die Ministerin: «Wir wollen die Schüler, die seit Jahren auf die Abschlussprüfungen hinarbeiten, nicht durch ein unsicheres Schnelltestergebnis verunsichern.»

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat sagte zum Schulstart nach den Osterferien, die Herausforderungen für die Schulen würden nicht kleiner. «Die Ministerin ist - wieder mal - auf das Verfahren anderer Länder umgeschwenkt und ermöglicht jetzt doch, den Test zuhause durchzuführen, wenn die Eltern darüber eine schriftliche Erklärung unter Wahrheitspflicht abgeben.»

Vor den Osterferien hatte es in den Schulen im Norden bereits Corona-Selbsttests für die Schüler gegeben. An den Schulen wurden früheren Ministeriumsangaben zufolge mehr als 127 000 Tests genutzt. In 78 Fällen habe es ein positives Ergebnis gegeben - das seien 0,06 Prozent der Tests gewesen.

Debatte über Impfpriorisierung - Öffnung für alle Lehrer

In Thüringen können sich nun alle Beschäftigten an Schulen impfen lassen. Doch Termine sind rar und im April praktisch nicht mehr zu bekommen. Unterdessen fordert die Grünen-Fraktionschefin, die Priorisierung ganz aufzugeben. Die CDU hält das für zu früh.

In Thüringen können sich künftig alle Lehrer gegen das Coronavirus impfen lassen. Das gaben die Ministerien für Gesundheit und Bildung am Mittwoch bekannt. Damit kommen nun auch die Pädagogen weiterführender Schulen und von Berufsschulen zum Zuge. Bisher hatte nur das Personal an Grund- und Förderschulen sowie von Kitas die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Bildungsminister Helmut Holter bezeichnete den Schritt als «wichtigen Meilenstein». Gesundheitsministerin Heike Werner (beide Linke) sagte: «Bildung hat Vorrang. Schule muss sicher stattfinden können.»

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Astrid Rothe-Beinlich, hatte sich am Mittwoch für eine generelle Aufhebung der Impfpriorisierung ausgesprochen, damit auch jüngere Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden können. Es sei richtig gewesen, zuerst die Älteren zu schützen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Jetzt muss es aber darum gehen, auch in die Breite zu impfen.»

Es habe sich gezeigt, dass die Corona-Mutationen vor allem auch Kinder ansteckten und damit auch deren Eltern stärker gefährdet würden. «Deshalb müssen wir jetzt neu nachdenken und auch mobile Gruppen impfen», verlangte Rothe-Beinlich. Werner betonte, man wolle so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich impfen. «Es gibt noch nicht genügend Impfstoff, um die Priorisierung aufheben zu können. Der Ansturm auf die Terminvergabe ist dazu zu groß. Sobald wir Termine freischalten, sind diese in kürzester Zeit vergeben.»

CDU-Fraktionschef Mario Voigt hält die Debatte über eine Aufhebung der Impfpriorisierung für «richtig und sinnvoll», wie er erklärte. «Aber noch sind viele über 70-Jährige und Risikogruppen nicht geimpft. Deswegen müssen wir mit Hilfe der Hausarztpraxen weiter Tempo beim Impfen der Älteren machen.»

In Thüringen werden derzeit hauptsächlich Menschen aus den Prioritätsgruppen eins und zwei geimpft. Dazu zählen unter anderem Menschen über 80 und mit bestimmten Vorerkrankungen sowie beispielsweise Grundschullehrer und Erzieher. Der Freistaat weicht stellenweise von der Bundesimpfverordnung ab und lässt beispielsweise alle Polizisten impfen - auch solche mit Bürojobs.

In einigen Landkreisen mit besonders hoher Inzidenz werden auch schon Menschen der Priorisierungsgruppe drei geimpft. Lehrer weiterführender Schulen gehören eigentlich ebenfalls in die Priorisierungsgruppe drei, sollen nun aber schon vorzeitig geimpft werden können. Holter sagte, er gehe von einer hohen Impfbereitschaft bei den Lehrern aus, «weil ich weiß, wie ungeduldig viele auf diesen Fortschritt gewartet haben».

Um eine Impfung zu bekommen, brauchen Lehrer eine Bescheinigung, die sie im Impfzentrum oder beim Hausarzt vorzeigen müssen. Nach Angaben des Bildungsministeriums sollen diese Bescheinigungen als Formulare an die Schulen geschickt und dort von den Schulleitungen ausgestellt werden. Allerdings sind in Thüringen derzeit alle Impftermine bis Ende April vergeben. Chancen darauf haben Lehrer möglicherweise im Mai oder früher bei einem Hausarzt.

«Ich hoffe, dass sich die Impfstoffmenge, die vom Bund nach Thüringen kommt, in den kommenden Wochen nochmals spürbar erhöht, damit auch genügend Termine zur Verfügung gestellt werden können», sagte der Bildungsminister. Sein Ressort werde die Schulen schnellstmöglich mit den entsprechenden Formularen und Hinweisen versorgen, damit die Berechtigungsnachweise ausgestellt werden können.

KMK-Präsidentin begrüßt «Bundes-Notbremse» für Schulen

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst hat die Pläne für eine bundeseinheitliche Regelung im Umgang mit Schulschließungen grundsätzlich begrüßt. Mit Blick auf das bisherige Verfahren mit Ministerpräsidentenkonferenzen, anschließenden Änderungen der jeweiligen Corona-Landesregelungen und schließlich oft sehr kurzfristigen Informationen für Schulen sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch bei einer Online-Diskussion des Beamtenbundes dbb: «Wenn dieses Bundesgesetz allein dafür schon helfen würde, wäre es glaube ich ein guter Schritt, weil das hat alle Nerven strapaziert.»

Ernst verwies darauf, dass die Schulen oft erst am Freitag nach Beschlüssen im jeweiligen Bundesland informiert werden konnten, was sie am Montag zu tun hätten. «Insofern ist es dann eine Klarheit, dass ab 200 die Schulen im Distanzunterricht sind.» Unterhalb einer Inzidenz von 200 hätten die Länder nach wie vor die Hoheit.

Das Bundeskabinett hatte am Dienstag entsprechende Änderungen des Infektionsschutzgesetzes auf den Weg gebracht. Mit der «Bundes-Notbremse», die noch Bundestag und Bundesrat passieren muss, soll es künftig bundeseinheitliche Regeln im Umgang mit Corona geben. So sind feste Vorgaben für Ausgangsbeschränkungen, Geschäfts- oder Schulschließungen gekoppelt an bestimmte Ansteckungszahlen vorgesehen. Überschreitet in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinander folgenden Tagen die 7-Tage-Inzidenz 200, soll zum Beispiel Präsenzunterricht an Schulen untersagt werden.

Schüler in NRW kehren im Wechselmodell in Klassenzimmer zurück

Die Schüler in Nordrhein-Westfalen sollen ab Montag wieder in die Klassenzimmer zurückkehren dürfen - in einem Wechselmodell. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Düsseldorf am Mittwoch aus Koalitionskreisen. In dieser Woche waren die meisten Schüler direkt nach Ende der Osterferien wegen ansteigender Corona-Zahlen wieder im Distanzunterricht zu Hause. Details der Neuregelung wollte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Nachmittag (15.00 Uhr) vorstellen.

Die Möglichkeit, abwechselnd wieder in den Unterricht zurückzukehren, wird nach dpa-Informationen gedeckelt: Wo die Schwelle von 200 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten wird, darf es keinen Präsenzunterricht mehr geben. Damit nimmt NRW die Regelung der geplanten «Corona-Notbremse» des Bundes vorweg.

Neun Schüler klagen am OVG gegen Testpflicht an Schulen

Am nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht in Münster sind weitere Klagen zur Testpflicht an Schulen eingegangen. Nachdem sich Anfang der Woche bereits ein Schulträger in freier Trägerschaft aus dem Kreis Euskirchen an das OVG gewandt hatte, sind jetzt neun Klagen von Schülern in Münster eingegangen. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin kommen die Schüler, die von ihren Eltern vertreten werden, aus Löhne, Paderborn, Lippstadt, Herford, Bad Oeynhausen (alle Ostwestfalen) sowie Solingen im Bergischen Land und drei aus Würselen bei Aachen.

Schüler, die keinen negativen Nachweis vorweisen können und einen Corona-Test verweigern, müssen nach Vorgaben des Landes vom Unterricht ausgeschlossen werden. Derzeit gibt es in NRW mit Ausnahmen der Abschlussklassen seit den Osterferien allerdings keinen Präsenzunterricht.

Das OVG wird nach Angaben einer Sprecherin frühestens in der kommenden Woche über die Frage entscheiden.


13.04.2021

Noch offene Fragen bei Corona-Testpflicht für Schulen

Bildungsverbände und Gewerkschaften sehen die Corona-Testpflicht an Hessens Schulen als sinnvolles Instrument. Für die Praxis bleiben nach Einschätzung der Experten aber noch offene Fragen.

Die Gewerkschaft GEW spricht sich dafür aus, die verpflichtenden Corona-Tests für Schulkinder in Hessen zu Hause und nicht in der Schule zu machen. Damit wäre gewährleistet, dass mit dem Coronavirus infizierte Kinder gar nicht erst in die Schule kommen, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Wiedwald, am Dienstag in Frankfurt. Zudem wären die Kinder bei einem positiven Corona-Test dann gleich zu Hause bei ihren Eltern.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat die Testpflicht für die Schulen für nach den Osterferien - also ab nächster Woche (19. April) - angeordnet. Die Testverpflichtung zweimal pro Woche für Lehrer und Schüler sei derzeit unerlässlich für einen sicheren Schulbetrieb, hatte der Minister die Maßnahme gegründet.

Für den Testnachweis können Schüler und Lehrer zwischen zwei Varianten wählen: Dem kostenfreien Bürgertest außerhalb der Schule oder den ebenfalls kostenfreien Selbsttest, der den Schulen vom Land zur Verfügung gestellt wird. Akzeptiert werden auch Nachweise, die mit zeitlichem Bezug auf den Beginn des jeweiligen Schultages nicht älter als 72 Stunden sind. Alle Schüler, die keinen Test vorweisen können oder diesen nicht in der Schule machen, müssen zu Hause im Distanzunterricht lernen.

Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann, begrüßte die Entscheidung, dass auch außerhalb der Schule gemachte Corona-Tests akzeptiert werden. Die Lehrer seien kein medizinisches Hilfspersonal, sondern Pädagogen. Grundsätzlich seien die Tests wegen der aktuellen Corona-Zahlen die richtige Entscheidung.

Auch der Lehrerverband Hessen nannte es eine gute Alternative, dass es die Möglichkeit für einen Bürgertest in einem Testzentrum geben wird. Das sei ein gutes Angebot für allen Eltern, die ihre Kinder nicht in der Schule testen lassen wollen und entlaste auch die Schulen. Das Kultusministerium müsse jedoch verbindlich regeln, wie die Tests vor dem Unterricht ablaufen sollen. Dabei gehe es auch um Fragen der Arbeitszeit, der Haftungspflicht sowie der Gesundheit.

Für die Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 bleibt es in Hessen nach den Osterferien grundsätzlich bei Wechselunterricht. Die Jahrgänge ab Klasse 7 werden wie schon vor den Ferien im Distanzunterricht und die Abschlussklassen im Präsenzunterricht bleiben.

Die GEW-Vorsitzende äußerte Verständnis dafür, dass die Landesregierung damit auf die aktuellen Corona-Zahlen reagiert. Die Kinder im Homeschooling benötigten aber mehr Ansprache und Unterstützung. Dafür sei zusätzliches Personal nötig. Unbürokratisch könnten für diese Hilfestellungen für die Kinder etwa auch Studenten eingesetzt werden, schlug Wiedwald

Studie: Corona-Schulschließungen in sozialen Brennpunkten häufiger

Nordrhein-westfälische Schulen an Orten mit sozialen Problemen mussten in der zweiten Jahreshälfte 2020 einer aktuellen Studie zufolge im Schnitt häufiger coronabedingt schließen als andere. Wissenschaftler der Universitäten in Bochum und Osnabrück sehen darin einen Beleg für die von vielen Experten befürchtete Verschärfung von Bildungsungleichheit in der Pandemie. Teilschließungen der Schulen waren etwa dort überproportional häufig, wo Kinderarmut verbreitet ist.

«Wir sehen, dass soziale Faktoren die Wirkung von Corona auf das Bildungsgeschehen beeinflussen. Die Schwächsten zeigen eine größere Vulnerabilität», sagte der Osnabrücker Bildungsforscher Christian Reintjes laut Mitteilung der Ruhruniversität Bochum von Dienstag. Schulen, die schwierige Ausgangslagen haben, müssten daher mehr Ressourcen zur Umsetzung von Förderunterricht oder für kleinere Klassen erhalten, forderten die Forscher. «Sonst wird Bildungsungleichheit noch größer werden.»

In der in einem Sammelband veröffentlichten statistischen Analyse stellen die Forscher neben Faktoren wie Schulgröße oder allgemeinem Infektionsgeschehen einen deutlichen Zusammenhang zu sozialen Problemen im Umfeld der Schulen fest. So mussten im Zeitraum nach den Sommerferien 2020 bis kurz vor Weihnachten, als Schulen nach vorangegangner Corona-Zwangspause landesweit grundsätzlich in den Regelbetrieb zurückkehren sollten, solche Schüler und Schülerinnen besonders häufig in den Distanzunterricht zurückkehren, deren soziale, familiäre, wohnliche oder technische Voraussetzungen genau dafür besonders ungünstig seien, so das Fazit der Autoren.

Impfportal in Sachsen ab Freitag für alle Lehrer freigeschaltet

In Sachsen können sich ab Ende der Woche mehr Lehrer als bisher impfen lassen. Das Impfportal werde für alle Lehrerinnen und Lehrer freigeschaltet, kündigte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts an. Bisher galt das Angebot für Lehrer an Förder- und Grundschulen, künftig sollen auch Lehrer an Oberschulen und Gymnasien sowie das Personal an den Schulen entsprechende Angebote wahrnehmen können.

Schulen im Saarland gehen doch nicht zurück in Vollpräsenz-Unterricht

Schulklassen im Saarland sollen anders als geplant nicht vom 19. April wieder vollständig in den Präsenzunterricht zurückkehren. Es bleibe zunächst zwei weitere Wochen beim Wechselbetrieb zwischen Lernen von zuhause und Unterricht im Klassenraum, teilte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) nach der Entscheidung im Kabinett am Dienstag mit. «Den Wechsel in die Vollpräsenz werde ich nicht im Blindflug vollziehen.» Vor dem Hintergrund «einer leider nicht ausreichend klaren Infektionslage im Land» wolle man «kein unnötiges Risiko» eingehen, hieß es aus Kreisen.

Die Rückkehr zur Vollpräsenz ist ein großes Anliegen der Ministerin. Es gebe derzeit aber ein sehr diffuses Infektionsgeschehen, die Lage sei nach den Öffnungsschritten im Rahmen des «Saarland-Modells» sehr unübersichtlich, hieß es. «Die Stabilität und die Ruhe im System», die derzeit herrsche, sei nun wichtiger - auch mit Blick auf die schriftlichen Abiturarbeiten, die am 23. April beginnen. Mit einer Rückkehr in den Präsenzunterricht war eine Testpflicht an den weiterführenden Schulen geplant.

Im Zuge der Entscheidung gegen Vollpräsenz an Schulen habe der Koalitionspartner SPD kritisiert, dass das Monitoring des «Saarland-Modells» unzureichend sei, hieß es weiter aus Kreisen. Die Entwicklung der Lage müsse von Experten genau und nachvollziehbar beobachtet und bewertet werden, um Entscheidungen begründet treffen zu können. Es dürfe nicht sein, dass politisch entschieden werde, ob etwa die Ampel im Modell auf Rot gehe oder nicht - dies müsse stattdessen aufgrund von fachlicher Empfehlung geschehen.

Im bundesweit beachteten Öffnungsmodell im Saarland war die Ampel am Montag wegen einer Inzidenz über 100 an drei Tagen in Folge auf Gelb gesprungen. Es gilt nun eine erweiterte Testpflicht, auch in weiten Teilen des Einzelhandels.

Nach Maskenpflicht-Urteil: Anzeigen gegen Amtsrichter von Weimar

Der Richter des Amtsgerichts Weimar, der ein umstrittenes Urteil zur Maskenpflicht an zwei Thüringer Schulen gefällt hat, steht nun selbst im Fokus der Justiz. Bei der Staatsanwaltschaft Erfurt seien mehrere Strafanzeigen gegen den Mann eingegangen, sagte der Sprecher der Behörde, Hannes Grünseisen, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Darin werde dem Mann vorgeworfen, sich mit seiner Entscheidung der Rechtsbeugung schuldig gemacht zu haben. «Wir haben daher einen Prüfvorgang angelegt», sagte Grünseisen. Wie lange diese Prüfung dauern werde, lasse sich noch nicht sagen. Zuvor berichtete MDR Thüringen.

Der Richter hatte in einem von ihm verfassten Beschluss im Wege einer einstweiligen Anordnung verfügt, dass Kinder an zwei Schulen in Weimar entgegen des geltenden Hygienekonzepts des Bildungsministeriums keine Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht tragen müssten. Das Bildungsministerium geht inzwischen gegen den Beschluss vor. Es hält ihn aus mehreren Gründen für unzulässig. Unter anderem habe der Richter seine Kompetenz überschritten, weil für Entscheidungen zu Hygienekonzepten die Verwaltungsgerichte zuständig seien, argumentiert das Ministerium.

Elternumfrage: Unterschiede beim Homeschooling enorm

Beim Distanzunterricht sind die Unterschiede zwischen den Schulen einer Eltern-Befragung zufolge erheblich. Die Homeschooling-Situation habe sich im zweiten Lockdown der Schulen in Deutschland im Vergleich zum ersten insgesamt verbessert - etwa bei Anschaffung digitaler Endgeräte und Lernplattformen, bilanzierte eine am Dienstag vorgestellte Studie von Professorinnen der TU Dortmund und Uni Marburg. Zwischen dem 3. Februar und 26. März 2021 waren dafür bundesweit rund 3480 Eltern zur Qualität des Distanzunterrichts befragt worden.

Es seien große Unterschiede zwischen Grund- und weiterführenden Schulen, aber auch in Einrichtungen der gleichen Schulform deutlich geworden. Während es mancherorts weiter keinen Unterricht per Video gebe, werde an anderen Schulen über Lernplattformen umfänglich online nach Stundenplan unterrichtet, schilderte die Dortmunder Forscherin Ricarda Steinmayr. Zum Zeitpunkt der Befragung lernten die Kinder im Mittel seit sieben Wochen daheim. Häufig seien Kinder durch die Schließungen belastet, weil soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten fehlen. Das gelte vor allem bei Grundschülern und jüngeren Kindern der weiterführenden Schulen. Es sei zu befürchten, dass Leistungsunterschiede zwischen den Schülern weiter zunehmen.

Lediglich 30 Prozent der befragten Eltern berichteten, dass ihre Kinder mindestens zweimal pro Woche in Deutsch und Mathematik Unterricht erhielten. Viele wünschten sich auch mehr Feedback und Austausch mit den Lehrkräften. Die Umfrage gilt nicht als repräsentativ, weil drei Viertel der Eltern über ein (Fach-)Abitur verfügten - und die Stichprobe damit ein weit höheres Bildungsniveau spiegele als in der durchschnittlichen Bevölkerung gegeben sei.

Guter Distanzunterricht wirke sich positiv auf Motivation und Lernfortschritt der Schüler aus. Es sei aber nicht gelungen, bei der Quantität zu vergleichbaren Angeboten zu kommen. Die Wissenschaftlerin riet dazu, «alle Möglichkeiten für den Präsenzunterricht während der Pandemie auszuschöpfen und Distanzunterricht lediglich als Ultima Ratio zu betrachten.» In NRW wird seit Montag wieder im Homeschooling-Modus gelernt, nur für die Abschlussklassen erfolgt Präsenzunterricht.

CDU fordert Präsenzunterricht unabhängig von der Inzidenz

In einem Fünf-Punkte-Plan macht die Thüringer CDU Vorschläge wie Präsenzunterricht auch bei einer hohen Corona-Inzidenz funktionieren soll. Doch auf Bundesebene wird längst eine Notbremse auch für Schulen diskutiert. Ob sie kommt, ist aber völlig unklar.

Testpflicht, Wechselunterricht und feste Klassen: Die Thüringer CDU wirbt für eine Rückkehr zum Präsenzunterricht an den Schulen - unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz. «Alle Jahrgangsstufen müssen endlich zurück in den Präsenzunterricht», erklärte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner. Zudem forderte er, auch Lehrern von weiterführenden Schulen «endlich ein Impfangebot zu unterbreiten». Bisher darf sich nur das Personal von Grund- und Förderschulen impfen lassen.

In einem Positionspapier spricht sich die CDU-Fraktion für eine Corona-Testpflicht zweimal pro Woche für alle Schüler und Lehrer aus. Wer sich nicht in der Schule testen will, solle dies auch zu Hause machen können.

Außerdem sollte nach Meinung der CDU eine Maskenpflicht im Unterricht nur für Schüler ab der fünften Klasse eingeführt werden - statt für alle Klassenstufen, wie dies seit Montag in Thüringen gilt. Die Regelung des Bildungsministeriums hatte für Kritik gesorgt. Das Amtsgericht in Weimar hob die Maskenpflicht per Beschluss an zwei Schulen in Weimar teils auf. «Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo sich die Landesregierung die Frage gefallen lassen muss, wer die Verantwortung für dieses permanente Schulchaos übernimmt», erklärte Thüringens CDU-Fraktionschef Mario Voigt.

An weiterführenden Schulen soll es nach CDU-Vorstellungen Wechselunterricht in den Klassen geben, das bedeutet: Ein Teil der Klasse lernt zu Hause, ein anderer Teil in der Schule im Präsenzunterricht. Ausgenommen sein sollen davon etwa Abschlussklassen. In Grund- und Förderschulen sollte es nach Ansicht der CDU-Fraktion strikt getrennte Klassen geben.

Oberste Priorität habe «die Öffnung aller Thüringer Schulen unabhängig von einem Inzidenzwert», heißt es in dem CDU-Papier. Über eine Schließung von einzelnen Schulen soll demnach das jeweilige Gesundheitsamt entscheiden.

Allerdings könnten die Thüringer CDU-Vorstellungen schon bald von der geplanten Änderung des Infektionsschutzgesetzes auf Bundesebene überdeckt werden. Ein erster Entwurf sieht vor, dass Schulen geschlossen werden, wenn die Inzidenz über den Wert von 200 steigt. Ob diese Regelung auch vom Bundestag beschlossen wird, ist ungewiss.

12.04.2021

Elternverbände gegen Corona-Tests in Klassenzimmern

Zwei Elternverbände haben gefordert, Corona-Tests für Schüler in Klassenzimmern zu stoppen. «Testungen sollen in Eigenverantwortung vor Antritt des Schulweges zuhause oder extern von geschultem Personal vor der Schule durchgeführt werden», heißt es in einem Offenen Brief des Landeselternverband Bayerischer Realschulen und des Bayerischen Elternverbandes an Ministerpräsident Markus Söder (CSU). «Klassenzimmer sind keine Testzentren.»

Seit Montag ist im Freistaat für die Teilnahme am Unterricht in den Klassenräumen ein Corona-Test verpflichtend. Alle Schülerinnen und Schüler, die sich in den Schulgebäuden aufhalten - sei es im Präsenzunterricht, im Wechselmodell oder in der Notbetreuung - müssen künftig zwei Mal pro Woche in der Schule einen Selbsttest machen oder einen aktuellen negativen PCR- oder Schnelltest vorlegen. Bei einer Inzidenz von über 100 kann dies je nach Unterrichtsmodell sogar noch häufiger der Fall sei.

Die Elternverbände argumentierten, Ansteckungen müssten bereits auf dem Schulweg vermieden werden. Zudem müssten auch Lehrkräfte geschützt «und nicht als medizinisches Personal missbraucht werden».

Hessen führt Corona-Testpflicht für Schulen ein

Nach den Osterferien soll es erst erstmal keine weiteren Öffnungen an Hessens Schulen geben. Die Corona-Pandemie lasse dies derzeit nicht zu, erklärte Kultusminister Lorz. Für die Teilnahme am Präsenzunterricht soll es eine neue Hürde geben.

Hessen will eine Corona-Testpflicht für die Schulen im Land einführen. Das kündigten Ministerpräsident Volker Bouffier und Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU) am Montag in Wiesbaden nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts an. Die Regelung soll nach den Osterferien ab nächster Woche (19. April) gelten. Die Testverpflichtung zweimal pro Woche für Lehrer und Schüler sei derzeit unerlässlich für einen sicheren Schulbetrieb, betonte Lorz.

Für den Testnachweis könne zwischen zwei Varianten gewählt werden: Dem kostenfreien Bürgertest außerhalb der Schule oder den ebenfalls kostenfreien Selbsttest, der den Schulen vom Land zur Verfügung gestellt werde. Akzeptiert werden nach Angaben von Lorz auch Nachweise, die mit zeitlichem Bezug auf den Beginn des jeweiligen Schultages nicht älter als 72 Stunden sind.

Alle Schüler, die keinen Test vorweisen können oder diesen nicht in der Schule machen, müssen zu Hause im Distanzunterricht lernen, erklärte der Kultusministers. Schüler können durch ihre Eltern schriftlich von der Teilnahme am Unterricht an der Schule abgemeldet werden. Volljährige Schüler könnten diesen Schritt auch selber machen.

Weitere Öffnungen an den Schulen könne es zunächst nicht geben, sagte Lorz mit Blick auf die Infektionszahlen. Für die Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 bleibe es nach den Osterferien grundsätzlich bei Wechselunterricht. Die Jahrgänge ab Klasse 7 werden wie schon vor den Ferien im Distanzunterricht und die Abschlussklassen im Präsenzunterricht bleiben. Die Corona-Zahlen seien weiter zu hoch. Deshalb sei nun nicht die Zeit für Lockerungen, erklärten beide Politiker.

Die Abiturprüfungen sollen wie geplant ab dem 21. April an Hessens Schulen geschrieben werden, kündigte Lorz an. Alle Prüflinge erhielten vor jeder Prüfung die Möglichkeit eines freiwilligen Selbsttests. Schüler, die diesen nicht machen möchten, können auch an der Prüfung teilnehmen. Sie müssten dann jedoch eine medizinische Maske tragen.

Auch in den Kitas werde es weiterhin ein regelmäßiges Testangebot für die Erzieherinnen geben. Die kleinen Kinder sollen aber von Testungen weiter ausgenommen werden, erklärte der Ministerpräsident. Es werde kein sogenanntes Betretungsverbot für die Kitas geben. Er appelliere jedoch an die Eltern, ihre Kinder möglichst zuhause zu betreuen, sagte Bouffier.

Das Corona-Kabinett passte wegen der aktuell Corona-Lage zudem das Eskalationskonzept in Hessen nochmals an. Demnach sei es bereits ab einer Inzidenz von 100 möglich, weitere Maßnahmen wie eine Ausgangsbeschränkung als «Ultima Ratio» vorzunehmen, erklärte der Regierungschef. Die neuen hessischen Verordnungen sollen vom 19. April bis 9. Mai gelten.

Präsenzpflicht im Wechselmodell an Grundschulen ab kommenden Montag

In den Brandenburger Grundschulen soll ab der kommenden Woche im Rahmen des Wechselunterrichts wieder die Präsenzpflicht gelten. Nach Angaben des Landeselternrates hat Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) die Eltern darüber in einem Brief informiert. Zunächst berichteten die «Potsdamer Neuesten Nachrichten» darüber. Schülerinnen und Schüler müssen sich demnach ab 19. April zwei mal wöchentlich testen lassen, um am Unterricht teilnehmen zu dürfen. Die Bildungsministerin hält die Schulen damit für sicher. Tests seien ausreichend vorhanden. Mit der Testpflicht blieben die Hygieneregeln - etwa Abstandsgebot und Maske tragen - bestehen. «Es ist kein Test mit dem man sich irgendwie freitestet», hatte Ernst vergangene Woche im Gesundheitsausschuss betont.

Seit diesem Montag lernen Schülerinnen und Schüler der Grundschulen wieder im Wechselunterricht. Das gilt auch für Abschlussklassen und Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung. Weiterführende Schulen sind dagegen vorerst wieder geschlossen. Schülerinnen und Schüler von Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien müssen zum Schutz vor dem Coronavirus zuhause lernen.

Landesschülerrat fordert Planungssicherheit für Lernende und Schulen

Der Landesschülerrat in Brandenburg hat die Kommunikation des Bildungsministeriums bei der Öffnungsstrategie für die Schulen unter anderem mit Selbsttests kritisiert. «Derzeit passieren sehr viele Dinge adhoc und oftmals ungeplant, wie es scheint», sagte die Vorsitzende Katharina Swinka der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Es fehle Planungssicherheit für die Schulen und die Lernenden. Die Kommunikation mit den Schulen habe viel zu spät stattgefunden, schätzte sie es ein.

Seit diesem Montag lernen Schülerinnen und Schüler der Grundschulen wieder im Wechselunterricht. Das gilt auch für Abschlussklassen und Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung. Weiterführende Schulen sind in Brandenburg dagegen vorerst wieder geschlossen. Schülerinnen und Schüler von Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien müssen zum Schutz vor dem Coronavirus zuhause lernen. Ab 19. April sind zweimal pro Woche Corona-Tests Pflicht - sie sind die Voraussetzung, um die Schulen zu betreten. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hält die Schulen damit für sicher.

Der Landesschülerrat sei an der der Corona- Teststrategie für die Schulen mit beteiligt gewesen, wie Swinka berichtete. Zuhause zu testen sei flexibler, da Brandenburg ein Flächenland sei und nicht alle Schüler schnell zu ihrer Schule kämen, erläuterte sie. Zum Distanzunterricht für die weiterführenden Schulen sieht Swinka, die Schülerin der 12. Klasse einer Gesamtschule in Potsdam ist, derzeit keine Alternative. Es gebe in den oberen Klassen mehr Corona-Infektionen als an den Grundschulen. Die Erfahrungen der letzten Monate hätten auch gezeigt, dass die Umsetzung des Präsenzunterrichts an den weiterführenden Schulen etwa mit Klassenteilungen «unglaublich schwierig» war.

Die Vorsitzende des Landeselternrates forderte zudem, dass bereits jetzt auf die Abschlussklassen des kommenden Jahres geschaut werden muss und nicht erst in zwei bis Monaten. «Sonst stehen wir vor dem gleichen Problem wie dieses Jahr, das hilft uns allen nicht.»

Schulstart auf Distanz - Tests noch nicht überall angekommen

Für die große Mehrheit der Schüler hat der Unterricht nach Ostern zunächst als Homeschooling begonnen. Die Abiturienten sollen in die Klassenräume kommen, manche blieben aber daheim. Bei den Selbsttests sind noch einige unversorgt.

Zum Unterrichtsbeginn nach den Osterferien am Montag haben noch nicht alle Schulen lückenlos die zugesagten Selbsttest-Lieferungen erhalten. Es gebe in NRW einzelne Ausnahmen, «bei denen eine Erreichbarkeit vor Ort nicht sichergestellt werden konnte», ansonsten seien alle Schulen versorgt, hieß es aus dem Schulministerium in Düsseldorf. Es könne planmäßig im Laufe dieser Woche zwei Mal getestet werden. Das gilt zunächst für Schüler der Abschlussklassen und Kinder bis zu sechsten Klasse, für die eine Notbetreuung sichergestellt ist. Alle anderen Kinder und Jugendliche starteten im Homeschooling-Modus.

Wie es danach weitergeht, sei noch offen, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) im WDR. Das Infektionsgeschehen habe sich in den vergangenen Tagen nochmals dramatisch verändert. Laut Philologenverband NRW meldeten sich einige Abiturienten vom Präsenzunterricht ab, weil sie nicht riskieren wollten, sich anzustecken oder während der Prüfungen in Quarantäne gehen zu müssen. Die Tests seien noch nicht an allen Schulen angekommen.

Und auch dort, wo es sie gibt, sind nicht alle glücklich: «Die Lehrkräfte haben während der Beaufsichtigung der Tests ein sehr ungutes Gefühl, fühlen sich im Rahmen des Gesundheitsschutzes nicht sicher», schilderte die Verbandsvorsitzende Sabine Mistler. Das treffe auch auf viele Schüler zu. Es sei ärgerlich, dass die Tests noch von der wertvollen Unterrichtszeit abgeknapst würden, sie sollten besser vorher und von geschulte Personen durchgeführt werden.

Das Schulministerium verwies darauf, dass die Schulen bei Organisation und Gestaltung des Distanzunterrichts bereits auf einige Erfahrungen zurückgreifen könnten. Das Testen an den weiterführenden Schulen stelle sicher, dass Abschlussjahrgängen eine intensive Vorbereitung auf die anstehenden Prüfungen ermöglicht werde. Die Landesschülervertretung forderte angesichts enormer auch psychischer Belastungen einen «Freiversuch» bei allen Abschlüssen. «Das bedeutet konkret, dass die Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit haben, die Prüfung noch einmal abzulegen.»

In NRW müssen seit Montag im Grundsatz alle Schüler zwei Mal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen. Wer das verweigert, darf nicht in die Klassenräume kommen. Das gilt auch für die Schüler in der Notbetreuung. Eine Ausnahme wird aber für die aktuellen Prüflinge gemacht: Diese können auch ohne Selbsttest im Präsenzmodus lernen, werden dann von den getesteten Mitschülern separiert.

Viele hatten damit gerechnet, dass es nach Ostern für alle rund 2,5 Millionen Schüler mit dem Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzunterricht weitergehen würde. Die kurzfristig mitgeteilte Planänderung hatte auch Kritik und Enttäuschung ausgelöst.

Die Landeselternschaft der integrierten Schulen hält zwar eine Einschränkung des Präsenzunterrichts für dringend geboten, wie sie am Montag mitteilte. Die erneute kurzfristige Einführung des Distanzunterrichts schaffe aber mehr Probleme als sie löse, die vorgesehenen Ausnahmen seien «fehlerhaft gesetzt». Eltern bräuchten nun schnell klare Perspektiven zur weiteren Planung bis zu den Sommerferien.

Bildungssenatorin Scheeres verteidigt Schulöffnungen in Berlin

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat mit Blick auf das Kindeswohl die Öffnung der Schulen an diesem Montag verteidigt. «Die 7. bis 9. Klassen waren insgesamt vier Monate nicht in der Schule», sagte Scheeres am Montagmorgen im RBB-Inforadio. «Sie haben ja auch mitbekommen, dass es den Kindern einfach nicht gut geht, wenn sie über einen langen Zeitraum ihre Freunde und ihre Lehrkräfte nicht sehen und über einen langen Zeitraum zu Hause sind.» Es sei keine einfache Situation: «Auf der einen Seite das Recht auf Bildung und auf der anderen Seite natürlich auch der Gesundheitsschutz.»

Sie verstehe die Bedenken von Eltern und Lehrern, sagte Scheeres. Es gebe keine Präsenzpflicht. Die Eltern könnten also selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schickten oder nicht. Für die Lehrer stünden umfangreiche Testkapazitäten bereit. Ab nächster Woche sollen auch die Schüler zwei Mal pro Woche in der Schule getestet werden. Zudem würden derzeit weitere 800 000 FFP2-Masken an die Einrichtungen ausgeliefert. «Das sind alles Maßnahmen, die begleitend sind, um hier den Gesundheitsschutz zu gewährleisten», sagte Scheeres.

Nach dem Ende der zweiwöchigen Osterferien öffnen Berlins Schulen am Montag wieder. Obwohl das Corona-Infektionsgeschehen auch vor den Schulen nicht halt macht, sollen die meisten Schüler wie schon seit geraumer Zeit Wechselunterricht bekommen. Sie lernen dabei in halben Klassen abwechselnd in der Schule und mit Hilfe digitaler Lösungen zu Hause. Eine Ausnahme bilden Schüler der 7. bis 9. Klassen, aber nur noch eine Woche. Sie sollen nach vier Monaten Homeschooling am 19. April mit dem Wechselunterricht starten.

Testpflicht an Schulen in Niedersachsen und Bremen beginnt

Verpflichtende Corona-Tests für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sollen den Unterricht in Niedersachsen und Bremen sicherer machen. Wer sich nicht testen lässt, muss künftig zuhause lernen.

Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen und Bremen müssen sich von diesem Montag an zwei Mal pro Woche selbst auf das Coronavirus testen. Auch für das Personal gilt eine Testpflicht. «Zwei Tests in einer Woche sind geeignet, um effektiv Verdachtsfälle herauszufiltern», sagte der Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums, Sebastian Schumacher, mit Verweis auf eine wissenschaftliche Empfehlung. Die Schulen verteilen sogenannte Laientests für den vorderen Nasenbereich, die das Ergebnis nach rund 15 Minuten anzeigen.

In Niedersachsen müssen sich Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte zuhause vor Unterrichtsbeginn testen. Eltern und Erziehungsberechtigte müssen das negative Testergebnis schriftlich bestätigen. Schulen können auch verlangen, dass die benutzten Testkits gezeigt oder abgegeben werden. Wer ein positives Test-Ergebnis hat, muss die Schule informieren und einen noch zuverlässigeren PCR-Test machen lassen. Dieser klärt, ob der oder die Betroffene tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert ist. Im Bundesland Bremen testen sich die Jungen und Mädchen in der Schule. Auch dort muss ein positiver Schnelltest durch einen PCR-Test abgeklärt werden.

Die Präsenzpflicht ist in beiden Bundesländern aufgehoben. Eltern und Erziehungsberechtigte können ihre Kinder ohne Angabe von Gründen abmelden. Diese Schülerinnen und Schüler müssen zuhause lernen und erhalten dafür Arbeitsmaterial. An den strengen Corona-Regeln für den Schulalltag ändert sich durch die Testpflicht vorerst nichts. Abstands- und Hygieneregeln, Lüftkonzepte und die Pflicht zum Tragen einer Maske außerhalb und zum Teil im Unterricht bleiben bestehen. In Niedersachsen werden die Klassen weiter in kleinen Gruppen abwechselnd zuhause und in der Schule unterrichtet. In Bremen kommen Kinder der Grundschulen in voller Klassenstärke zusammen, in den weiterführenden Schulen gilt wie in Niedersachsen das Wechselmodell.

Die Öffnung der Schulen ist in Niedersachsen abhängig von der Inzidenz im Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Diese zeigt, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohner sich in den vergangenen 7 Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Oberhalb von einer Inzidenz von 100 wechseln alle Schülerinnen und Schüler in den Distanzunterricht - außer Grundschulen und Abschlussklassen.

Das Land Niedersachsen hatte bis Anfang April rund 13 Millionen Testkits bei verschiedenen Anbietern für Landesbedienstete und für Schulen gekauft. Die Preise lagen dabei zwischen 3,42 Euro und 5,35 Euro pro Selbsttest inklusive Mehrwertsteuer, wie der Sprecher des für die Beschaffung zuständigen Innenministeriums, Pascal Kübler, mitteilte. Weitere Beschaffungen von Selbsttests seien im Vergabeverfahren geplant. Die Liefermengen belaufen sich demnach im Durchschnitt auf zwei bis drei Millionen Tests. «Damit sollte gewährleistet werden, dass Lieferausfälle und mangelnde Termintreue bei einzelnen Lieferanten kompensiert werden können.» 

11.04.2021 

Lehrerverband kritisiert Corona-Schulpolitik als «Trauerspiel»

Mainz (dpa/lrs)Mangelnde digitale Ausstattung und fehlende Corona-Tests: Der Philologenverband in Rheinland-Pfalz hat den Umgang der Landesregierung mit der Corona-Krise in Bezug auf die Schulen heftig kritisiert. Die Politik sei «in essenziellen Teilen ein Trauerspiel», sagte die Vorsitzende des Landesverbands, Cornelia Schwartz, einer Mitteilung von Sonntag zufolge. Die «erwiesenermaßen falsche Corona-Schulpolitik» habe fatale Folgen für die Gesundheit von Lehrern, Schülern und Familien. Dem Bildungsministerium in Mainz warf Schwartz vor, Warnungen des Verbands in den Wind geschlagen zu haben.  

Thüringer Ministerium: Maskenpflicht nach Ferienbeginn bleibt

Thüringens Schüler müssen mit Schulbeginn nach den Osterferien am Montag eine Schutzmaske tragen. Daran ändere auch ein Urteil des Amtsgerichts Weimar in einer Familiensache nichts, teilte das Thüringer Bildungsministerium am Sonntag in Erfurt mit. Das Urteil, das in vielen Internetgruppen geteilt wurde, könnte «rechtliche Wirkung allein für die am Verfahren Beteiligten» haben. Es habe damit keine Auswirkungen auf die Infektionsschutzregeln an Thüringens Schulen insgesamt, erklärte das Ministerium.

Das Urteil (Az.: 9 F 148/21), das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, betrifft zwei Kinder einer Familie, die eine staatliche Grund- und Regelschule in Weimar besuchen. Nach dem Beschluss des Amtsgerichts wird den «Leitungen und Lehrern» der beiden Schulen, an die die Jungs gehen, untersagt anzuordnen, «im Unterricht und auf dem Schulgelände Gesichtsmasken aller Art, insbesondere Mund-Nasen-Bedeckungen, sogenannte qualifizierte Masken (OP-Maske oder FFP2-Maske) oder andere, zu tragen».

Auch Mindestabstände sowie die Teilnahme an Corona-Schnelltests sollen danach nicht angeordnet werden dürfen. Offen blieb zunächst, warum sich ein Amts- und nicht wie sonst üblich ein Verwaltungsgericht mit einer Klage zu erlassenen Corona-Regeln beschäftigt hat.

Laut Ministerium erfolgte bisher keine ordnungsgemäße Bekanntgabe des Beschlusses durch das Gericht. Er habe keine Auswirkungen auf die Infektionsschutzmaßnahmen, die für die Thüringer Schulen insgesamt angeordnet wurden. «Sie bleiben rechtmäßig in Kraft. Gleiches gilt für zusätzlich verfügte Infektionsschutzmaßnahmen in Kreisen mit hohen Infektionszahlen», heißt es in der Mitteilung des Bildungsministeriums. Zudem werfe die Entscheidung «gravierende verfahrensrechtliche Zweifel auf».

Die Überprüfung von Infektionsschutzmaßnahmen oder Rechtsverordnungen der Landesregierung obliege den Verwaltungsgerichten. Ob die Entscheidung überhaupt rechtliche Wirkung entfalte, müsse «obergerichtlich überprüft werden». Diese Überprüfung werde das Bildungsministerium anstrengen.

Neue Verordnung: Abschlussprüfung auch für Schüler ohne Corona-Test

Die Debatte um die Selbsttests an Schulen geht weiter. Während es laut einer neuen Verordnung Ausnahmen für Prüflinge gibt, kritisiert die Gewerkschaft das Regelwerk. Es sieht weiter vor, dass Lehrer die Schüler beim Selbsttest beaufsichtigen.

Bei den anstehenden Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen werden auch nicht auf Corona getestete Schülerinnen und Schüler teilnehmen können. Das geht aus der neuen Coronabetreuungsverordnung hervor, die ab Montag (12. April) gültig ist.

Die neue Verordnung sieht für alle, die in Präsenz am Schulleben teilnehmen, grundsätzlich zwei Corona-Selbsttests pro Woche vor. Für Schüler müssen die auch in der Schule selbst unter Aufsicht vorgenommen werden. Nur Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf dürfen die Tests bei ihren Eltern machen, die das entsprechend schriftlich versichern müssen.

Eine Ausnahme von der allgemeinen Testpflicht gibt es für Abschlussprüfungen und Berufsabschlussprüfungen. Die Prüfungen ungetesteter Personen «werden räumlich getrennt von den Prüfungen getesteter Schülerinnen und Schüler durchgeführt», heißt es in der Verordnung. Der Hintergrund ist wohl rechtlicher Natur: So kann man Schüler nicht von Prüfungen ausschließen. Das Schulministerium war dazu am Sonntag nicht zu erreichen.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, kritisierte am Sonntag den Ablauf der Selbsttests in den Schulen. Denn laut der Verordnung liegt die besagte Aufsicht beim schulischen Personal - also den Lehrern. Die seien aber weder dafür ausgebildet, noch geschützt, so Finnern. Wenn ein Schüler beim Einführen des Stäbchens niesen muss, sei die Lehrkraft die Leidtragende. «Wir sind für eine Testpflicht - aber so nicht», betonte Finnern. Geschultes Personal solle die Tests vornehmen, die Lehrer weiterführender Schulen in der Impfpriorität endlich nach vorne gezogen werden.

Auch wenn die Osterferien an diesem Montag zu Ende gehen, werden die Schulen unterdessen überwiegend leer bleiben. Für alle Schüler - außer den Abschlussklassen - ist zumindest für diese Woche wieder Homeschooling angesagt. Als Grund hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) das «diffuse Infektionsgeschehen» genannt, das eine Anpassung des Schulbetriebs erfordere. Die Kitas bleiben im eingeschränkten Regelbetrieb mit reduzierter Wochenstundenzahl geöffnet.

Schulleiter, Lehrer, Schüler und Eltern waren mit der Erwartung in die Osterferien gegangen, dass es danach mit dem Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzunterricht weitergehen solle - so hatte es Gebauer damals angekündigt. Die am vergangenen Donnerstag kurzfristig mitgeteilte Planänderung hatte viel Kritik und enttäuschte Reaktionen ausgelöst.

«Wir alle hätten uns sehr gewünscht, die Kinder nach den Ferien wieder «live» zu sehen, leider ist es wieder einmal anders», schrieb etwa eine Kölner Grundschulleiterin in einer Rundmail an die Eltern. Die Landeselternschaft der Gymnasien meinte, für die Kinder sei die Nachricht vom Distanzunterricht «ein echter Dämpfer», denn bei vielen sei die Luft raus und die Motivation am Boden. Das einzig Positive sei, dass die Abiturienten wie geplant ihre Prüfungen ablegen könnten.

SPD-Landtagsfraktionsvize Jochen Ott sprach von einer nicht nachvollziehbaren «plötzlichen Kehrtwende der Schulministerin» und vermutet den Grund dafür «in den mangelnden Vorbereitungen für die Testungen an den Schulen». Das Schulministerium hatte dies zurückgewiesen.

Landeselternrat bedauert Schließung weiterführender Schulen

Die weiterführenden Schulen in Brandenburg sind ab Montag erstmal wieder zu - dann gilt wieder das Lernen zuhause. Wer weiter in Präsenzunterricht gehen kann, muss ab 19. April Corona-Tests machen. Der Landeselternrat sagt, wie er diese Strategie beurteilt.

Der Landesrat der Eltern in Brandenburg hat die Schließung von Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien für den Unterricht in Präsenz ab Montag bedauert. «Ich hätte mir gewünscht, dass wir alle Schüler zurück ins System kriegen», sagte der Sprecher des Landeselternrats, René Mertens, der Deutschen Presse-Agentur. Er hält mit Hilfe der kommenden Corona-Testpflicht auch die Öffnung der weiterführenden Schulen in Brandenburg für möglich.

Ab Montag (12. April) müssen Schülerinnen und Schüler von Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien zum Schutz vor dem Coronavirus wieder zuhause lernen. Grundschulen, Abschlussklassen und Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung bleiben offen für den Wechselunterricht zwischen Schule und Zuhause. Die Pflicht zum Aufenthalt in der Schule bleibt zunächst aufgehoben. Ab 19. April gelten in Brandenburg eine Corona-Testpflicht und ein negativer Test als Voraussetzung für das Betreten der Schule.

Der Elternratssprecher sieht in den verpflichtenden zwei Selbsttests pro Woche für Schülerinnen und Schüler ein deutlich minimiertes Risiko für eine Ansteckung mit dem Coronavirus. «Wenn wir jetzt wirklich nur noch negativ getestete Kinder in die Schulen kriegen, haben wir eine relativ hohe Sicherheit», sagte Mertens. «Bis jetzt ist es immer nur Stochern im Nebel.» Er hoffe allerdings, dass die Tests leicht anzuwenden seien.

Die Kultusminister der Länder wollen - begleitet von einer umfassenden Test- und Impfstrategie - so viel Präsenzunterricht wie möglich anbieten. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), die derzeit den Vorsitz der Kultusministerkonferenz hat, kündigte vor den Osterferien die Lieferung von 2,3 Millionen Tests an die Brandenburger Schulen an. Bis zu den Sommerferien sollen es rund sechs Millionen Tests sein. Das Personal an Kitas und Schulen hat nach Angaben des Ministeriums seit mehreren Monaten die Möglichkeit, sich ohne Anlass auf das Coronavirus testen zu lassen.

Schulstart löst bei Berlins Schülervertretern gemischte Gefühle aus

Berlins Schülervertreter sehen dem ersten Schultag nach den Osterferien mit gemischten Gefühlen entgegen. «Ich bin einerseits sehr froh, dass ich meine Freunde wiedersehen kann», sagte Landesschülerausschuss-Sprecherin Luisa Regel. «Andererseits mache ich mir schon Gedanken, weil jetzt sehr viele Klassen zurückkommen werden und viele Lehrer immer noch nicht geimpft sind. Und das macht mir schon ein unwohles Gefühl», so die Abiturientin aus dem 13. Jahrgang der Kurt-Schwitters-Schule im Bezirk Pankow. Schließlich habe die dritte Welle der Corona-Pandemie begonnen.

«Und wenn die Zahlen weiter ansteigen, kann man es nicht zulassen, dass Schülerinnen und Schüler gefährdet werden durch den Besuch der Schule», sagte Regel. Es sei absolut verständlich, dass viele wieder Präsenzunterricht haben wollten, weil der deutlich effektiver sei als Online-Unterricht. «Aber man muss ganz klar auf die Zahlen schauen, wie sich das entwickelt», so die Sprecherin der Schülervertreter.

Es sei gut, dass die 7. bis 9. Klassen noch nicht gleich zurück in die Schulen kämen, sondern erst am 19. April. «Wenn man dann sieht, dass es sehr voll wird und sich die Zahlen weiter entwickeln, dann ist es aber schwierig, an diesem Plan festzuhalten», warnte die Abiturientin.

Richtig sei auf jeden Fall gewesen, die Tests in den Schulen verpflichtend zu machen. «Man muss halt aufpassen, wie man es angeht, ob man die Kapazitäten hat, in der Schule zu testen, den Abstand einhalten kann, dass alles gut desinfiziert werden kann. Und man muss schauen, dass es überall genügend Tests gibt», sagte Regel. Vor den Ferien sei das noch nicht so gewesen.

Skeptisch ist die Schülervertreterin, was die Organisation der Tests in den Schulen angeht, auch mit Blick darauf, dass vom ohnehin eingeschränkten Unterricht dann auch noch Zeit dafür abgehe. «Wahrscheinlich ist es am sinnvollsten, das direkt morgens zu machen mit sehr großen Abständen in gut durchgelüfteten Räumen, damit es keine Ansteckungsgefahr gibt», sagte Regel. «Und dann zum Beispiel in den Klassenleiterstunden, wo man die Lehrkräfte etwas besser kennt und vertrauter mit ihnen umgehen kann.»

Esken kritisiert Abhalten der Abiturprüfungen in Pandemie-Jahr

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat die Entscheidung der Kultusministerkonferenz zum Abhalten der Abiturprüfungen in diesem Jahr kritisiert. «Anders als die Kultusministerkonferenz wäre ich dafür, das Gesamtjahr zu benoten und keine Abiturprüfungen abzuhalten, weil diese ohnehin kaum vergleichbar wären mit früheren Jahrgängen», sagte Esken der «Rheinischen Post» (Samstag). «Allerdings müsste das dann auch für die anderen Schulabschlüsse gelten, also für Real- und Hauptschulabschlüsse.» Sie wundere sich darüber, dass bei der Debatte alle anderen Abschlüsse unter den Tisch fallen, sagte die SPD-Chefin.

Die Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland sollen ihre Prüfungen auf Beschluss der Kultusministerkonferenz von Donnerstagabend in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie ablegen.

10.04.2021

Esken kritisiert Abhalten der Abiturprüfungen in Pandemie-Jahr

Berlin (dpa) - Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat die Entscheidung der Kultusministerkonferenz zum Abhalten der Abiturprüfungen in diesem Jahr kritisiert. «Anders als die Kultusministerkonferenz wäre ich dafür, das Gesamtjahr zu benoten und keine Abiturprüfungen abzuhalten, weil diese ohnehin kaum vergleichbar wären mit früheren Jahrgängen», sagte Esken der «Rheinischen Post» (Samstag). «Allerdings müsste das dann auch für die anderen Schulabschlüsse gelten, also für Real- und Hauptschulabschlüsse.» Sie wundere sich darüber, dass bei der Debatte alle anderen Abschlüsse unter den Tisch fallen, sagte die SPD-Chefin.

Die Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland sollen ihre Prüfungen auf Beschluss der Kultusministerkonferenz von Donnerstagabend in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie ablegen.

09.04.2021 

Piazolo wirbt für Corona-Tests - Lehrerverbände kritisieren Umsetzung

Bayerns Schüler sollen sich selbst im Klassenzimmer auf Corona testen - wenn sie keinen frischen Test vorlegen können. Lehrerverbände und die SPD sehen darin eine Gefahr für gesunde Kinder.

In Bayern gibt es weiter Streit zwischen der Staatsregierung und den Lehrerverbänden über die richtige Corona-Strategie an den Schulen. Zum Ende der Osterferien hat Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag für die ab Montag geltende Testpflicht an den Schulen geworben.

Sie sei angesichts steigender Corona-Infektionszahlen und ansteckenderer Mutationen «die Chance, Wechselunterricht und Präsenzunterricht aufrechterhalten zu können», sagte er in München. Doch die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände kritisierte unterdessen nochmals, dass die Corona-Tests erst in der Schule stattfinden sollen. «Klassenzimmer sind keine Testzentren», sagte Walburga Krefting, die Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG).

In der Arbeitsgemeinschaft sind neben der KEG der Bayerische Philologenverband (bpv), der Bayerische Realschullehrerverband sowie der Verband der Lehrkräfte an beruflichen Schulen zusammengeschlossen. Sie verlangen, dass die Corona-Tests außerhalb der Schulen - also zu Hause, in Testzentren, in Apotheken oder beim Arzt - durchgeführt werden. «Die Tests müssen von Fachpersonal oder den Eltern beaufsichtigt werden», sagte Krefting. Es sei sicherer, wenn nur negativ getestete Kinder in die Schulgebäude kämen.

Auch die SPD-Landtagsfraktion sprach sich gegen das Testen in den Klassenräumen aus. Sonst bestehe die Gefahr, dass bei einem positiven Testergebnis die ganze Klasse für zwei Wochen in Quarantäne müsse. «Es gilt, eine Massenquarantäne zu verhindern», sagte der SPD-Fraktionschef Horst Arnold.

Wenn der Unterricht am Montag wieder losgeht, müssen sich alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von der Infektionslage mindestens zwei Mal pro Woche selbst in der Schule testen oder einen aktuellen PCR- oder Schnelltest vorlegen. Allerdings gibt es ab einer Inzidenz von 100 in der Regel Distanzunterricht.

Nachdem freitags der Stichtag ist, erfüllen laut Pizaolo für kommende Woche nur noch 25 Landkreise und Städte die Voraussetzung für Wechselunterricht. 71 Regionen, in denen 46 Prozent aller Schüler leben, verzeichnen über 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche und bekommen daher mit wenigen Ausnahmen Distanzunterricht.

Piazolo kündigte auch ein dreistufiges Verfahren an, um durch die Pandemie entstandene Lernrückstände auszugleichen. Spätestens nach den Pfingstferien sollen demnach Brückenkurse, Förderunterricht und Programme mit älteren Schülern als Tutoren starten.

In den Sommerferien soll es in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendring wieder freizeitpädagogische Angebote geben. Außerdem sollen Referendare, Studierende und Volkshochschuldozenten zwei Wochen lang Lücken in Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen schließen. Im nächsten Schuljahr gebe es dann stark individualisierte Förderungen, erläuterte Piazolo. Insgesamt seien für die Unterstützungsprogramme 20 Millionen Euro eingeplant.

«Bei über 1,6 Millionen Schülern in Bayern sind das maximal 12,50 Euro pro Schüler – also weniger als in der Regel eine professionelle Nachhilfestunde kosten würde», bemängelte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Matthias Fischbach. Seine Kollegin von den Grünen, Gabriele Triebel, warf Piazolo gar eine massive Kürzung der Mittel durch die Hintertür vor. Ursprünglich seien 55 Millionen Euro vorgesehen gewesen. «Klammheimlich wurde wieder einmal viel versprochen und dann radikal gekürzt.»

Kommt die Corona-Testpflicht an Hessens Schulen?

Wie viele Kinder nach den Osterferien in den Klassenzimmern in Hessen sitzen werden, ist wegen der Corona-Lage noch unklar. Die Rufe nach einer Corona-Testpflicht werden derweil lauter.

Hessens Landtagsopposition fordert von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) eine klare Corona-Strategie für die Schulen nach den Osterferien. Die Verunsicherung sei enorm, und gerade deswegen sei ein klares Signal aus dem Kultusministerium erforderlich, mahnte am Freitag in Wiesbaden die Bildungsexpertin der Linke-Fraktion, Elisabeth Kula. Auch der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Degen, nahm Minister Lorz in die Pflicht. Ein Sprecher des Kultusministeriums kündigte noch vor Ablauf der Ferien eine grundsätzliche Entscheidung dazu an, wie es dann in den Schulen in Hessen weitergeht.

SPD-Politiker Degen erneuerte die Forderung nach einem strukturierten Wechselmodell an den hessischen Schulen nach den Osterferien. Die pandemische Lage sei nach wie vor mehr als ernst. «Spätestens jetzt muss ein verbindlicher und strukturierter Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht für alle Jahrgänge kommen.» Der Plan der Landesregierung, alle Grundschüler an fünf Tagen in der Woche in die Schule zu schicken, sei dagegen «fahrlässig und falsch».

Der Präsenzunterricht sowie die Abiturprüfungen müssten Hand in Hand mit Tests für alle in den Schulen zweimal in der Woche gehen, erklärte Degen. «Das funktioniert allerdings nur, wenn alle mitmachen. Deshalb fordern wir eine Testpflicht an den Schulen.» Die Tests sollten jedoch nicht im Unterricht durchgeführt, sondern etwa von externen Anbietern in Zelten oder in Turnhallen gemacht werden.

Es sei bereits vor den Ferien klar gewesen, in welche Richtung sich die Infektionszahlen entwickeln würden, kritisierte Kula. Der Kultusminister habe sich jedoch geweigert, die Anfang März getroffene Entscheidung zu revidieren, nach den Osterferien an den Grundschulen in den Präsenzunterricht zu gehen. «Dass nun auch noch die angekündigte Teststrategie für die Schulen nach den Ferien auf der Kippe stehen soll, setzt dem Ganzen die Krone auf.»

Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann, sprach sich ebenfalls für verpflichtende Corona-Tests an den Schulen aus. Das wäre sicherlich sinnvoller als Tests auf freiwilliger Basis, sagte er. Wesselmann plädierte zudem für das Modell des Wechselunterrichts, statt die Präsenz in den Schulen ganz aufzuheben.

Erst seit dieser Woche lägen dem Kultusministerium die ausführlichen Rückmeldungen der 21 Pilot-Schulen vor, die in den beiden Wochen vor den Osterferien die Selbsttests erprobt haben, erklärte ein Ministeriumssprecher. Auf Basis dieses Feedbacks werde die Landesregierung im Zusammenhang mit der grundsätzlichen Entscheidung, wie es nach den Ferien in den Schulen weitergeht, auch beraten, inwieweit eine mögliche Testpflicht für einen möglichst sicheren Schulbetrieb notwendig sei.

Die Kultusministerkonferenz hatte beschlossen, dass begleitet durch eine umfassende Test- und Impfstrategie so viel Präsenzunterricht wie möglich angeboten wird. Die Testmöglichkeiten sollten so ausgebaut werden, dass allen Schülern sowie den Lehrkräften zweimal wöchentlich die Möglichkeit für einen Selbsttest angeboten werden kann. Die Abiturienten sollen ihre Prüfungen in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie ablegen.

Distanzunterricht für Schüler ab Montag - Land weist Kritik zurück

Nach den Osterferien ist nun doch Homeschooling angesagt - außer für Abschlussjahrgänge. Zur Notbetreuung dürfen Kinder aber in die Schulen kommen. Kritiker fragen die Schulpolitik: Gut ein Jahr Pandemie - und nichts gelernt?

Das nordrhein-westfälische Schulministerium hat Kritik an der Entscheidung zurückgewiesen, die meisten Schüler ab kommender Woche wieder in den Distanzunterricht zu schicken. Das immer noch unsicher einzuschätzende und schwer zu bewertende Corona-Infektionsgeschehen nach Ostern mit diffusen Infektionsausbrüchen erfordere eine Anpassung des Schulbetriebes, hieß es am Freitag im Ministerium. Zugleich wehrte sich das Ministerium gegen Spekulationen, der Distanzunterricht sei aufgrund mangelnder Testmöglichkeiten in den Schulen angeordnet worden.

Mit Ausnahme der Abschlussklassen beginnt der Unterricht nach den Osterferien am Montag wieder als Homeschooling - zunächst für eine Woche. Das hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag mitgeteilt. Noch vor den Ferien hatte sie gesagt, die Schüler sollten möglichst im Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzlernen bleiben.

Die Corona-Testpflicht gilt ab der kommenden Woche auch für Schüler in der Notbetreuung, stellte das Ministerium klar. Getestet werden müssen demnach Schüler in den Jahrgängen eins bis sechs, die an pädagogischen Betreuungsangeboten der Schulen teilnehmen.

Auch Schüler der Abitur- und Abschlussklassen, die im Präsenzunterricht seien, müssten auf das Virus getestet werden, hieß es weiter. Für den Präsenzbetrieb gibt es ab Montag eine Testpflicht mit zwei Selbsttests pro Woche. Das gilt für Schüler, Lehrer und das weitere Schulpersonal. Im Falle der Schüler bleibe der Testort die Schule, so wie es vor den Ferien angelaufen war. Die Abiturprüfungen beginnen planmäßig am 23. April.

An der kurzfristig am Donnerstag bekanntgegebenen Entscheidung und einem andauernden politischen «Ad-Hoc-Modus» wurde Kritik laut. SPD-Landtagsfraktionsvize Jochen Ott sprach von einer nicht nachvollziehbaren «plötzlichen Kehrtwende der Schulministerin». Es dränge sich der Eindruck auf, dass die wahren Hintergründe verschleiert werden sollten. Diese liegen «allem Anschein nach auch in den mangelnden Vorbereitungen für die Testungen an den Schulen», so Ott. Die Regierung solle auf mobile Testteams an den Schulen setzen und prüfen, ob die Untersuchungen nicht besser extern in den gängigen Bürgerteststellen - wie Apotheken oder Teststationen - erfolgen könnten.

Das Schulministerium wies Vermutungen über mangelnde Testmöglichkeiten erneut zurück. Bereits vor den Osterferien seien an allen weiterführenden Schulen 1,5 Millionen Selbsttests für die ab Montag vorgesehenen Testungen versandt worden. Diese lägen «bereits seit Tagen einsatzbereit vor» und kämen für die Abschlussklassen ab Montag auch zum Einsatz.

«Schüler, die der Testpflicht nicht nachkommen, können nicht am Präsenzunterricht teilnehmen», hieß es weiter. Nur bei besonderem Förderbedarf seien Selbsttests zu Hause unter elterlicher Aufsicht denkbar. Einer Blitzumfrage des Ministeriums zufolge wollen bis zu 20 Prozent der Schüler keine Selbsttests machen - das wären 500 000 Kinder und Jugendliche in NRW. Die Auslieferung von mehreren Millionen Selbsttests an die Schulen hatte laut Ministerium verspätet erst am Donnerstag begonnen, das Problem liege beim Logistikunternehmen.

Der Philologen-Verband betonte, dass Schulleitungen, Lehrkräften und Familien weiterhin eine klare Perspektive fehle, was zunehmend an den Nerven zehre. «Nach über einem Jahr Pandemie müssen wir endlich aus dem Ad-Hoc-Modus rauskommen», forderte die Landesvorsitzende Sabine Mistler. Das Testkonzept überzeuge nicht: «Selbsttests sind nur dann sinnvoll, wenn sie vor dem Betreten des Klassenraums durchgeführt werden.»

Die Co-Vorsitzende der NRW-Grünen, Mona Neubaur, sagte, die Kommunikation in der Pandemie laufe schlecht. Es müsse endlich offen dargelegt werden, wie verlässliche Bildung und Betreuung der Kinder sichergestellt werden könnten, verlangte sie im WDR. «Das muss besser werden.»

«Ein Jahr Pandemie, ein Jahr fehlende Schulkonzepte», bilanzierte der Verein «Initiative Familie». Von der versprochenen Priorität für Kinder und Jugendliche sei nichts zu spüren, das Motto «Kitas und Schulen zuerst» habe man schnell wieder fallen lassen. Es gebe noch immer kein kinderfreundliches Testkonzept. Die Politik habe es in einem Jahr nicht geschafft, die Schulen pandemiesicher zu machen, kritisierte der Verein.

Pflicht für Corona-Tests auch bei Notbetreuung in Schulen

Die Corona-Testpflicht gilt ab der kommenden Woche auch für Schüler in der Notbetreuung in den nordrhein-westfälischen Schulen. Das stellte das Schulministerium am Freitag klar. Getestet werden müssen demnach Schüler in den Jahrgängen 1 bis 6, die an pädagogischen Betreuungsangeboten der Schulen teilnehmen.

Mit Ausnahme der Abschlussklassen müssen die meisten Schüler in NRW nach den Osterferien ab Montag zunächst von zu Hause aus lernen. Das Schulministerium hatte für zunächst eine Woche Distanzunterricht angeordnet.

Auch Schüler der Abitur- und Abschlussklassen, die im Präsenzunterricht seien, müssten auf das Virus getestet werden, hieß es weiter. Für den Präsenzbetrieb gibt es ab Montag eine Testpflicht mit zwei Selbsttests pro Woche. Das gilt für Schüler, Lehrer und das weitere Schulpersonal.

Das Schulministerium wies Spekulationen zurück, die Entscheidung für den Schulbetrieb im Distanzunterricht in der kommenden Woche sei aufgrund mangelnder Testmöglichkeiten in den Schulen getroffenen worden. Bereits vor den Osterferien seien an alle weiterführenden Schulen 1,5 Millionen Selbsttests für die ab Montag vorgesehenen Testungen versandt worden. Diese lägen «bereits seit Tagen einsatzbereit vor» und kämen für die Abschlussklassen ab Montag auch zum Einsatz.

Weitere 5,5 Millionen Tests insbesondere für die Grund- und Förderschulen seien oder würden versandt und erreichten die Schulen bis zum Ende dieser Woche. Die anfänglichen Logistikprobleme seien mittlerweile abgestellt.

Flickenteppich Schulbeginn - nach den Osterferien in Thüringen

Montag ist offizieller Schulbeginn nach den Osterferien. Doch nicht alle Thüringer Schulen werden öffnen. Auch die Debatte um Regelungen zu Schutzmasken, Corona-Schnelltests und Abiturprüfungen dauert an.

Kurz vor dem angedachten Schulbeginn nach den Osterferien am Montag ist klar: Nicht alle Thüringer Schulen werden öffnen. Viele Kinder und Jugendliche in Thüringen werden nach dem offiziellen Ferienende den Ranzen in der Ecke stehen lassen und zu Hause lernen müssen. In mehreren Thüringer Landkreisen sollen die Schulen wegen der Corona-Lage auch nach den Ferien am 12. April geschlossen bleiben. Das Bildungsministerium schaut optimistisch auf den nahenden ersten Schultag.

«Wir haben in den Osterferien alle Anstrengungen unternommen, um jede Schule mit den neuen Selbsttests zu versorgen. Heute kann ich sagen: Es ist gelungen», sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Freitag. Thüringen stattet derzeit Schulen mit Schnelltests für den Schulbetrieb aus. Diese Tests sollen Schülerinnen und Schülern sowie dem schulischen Personal nach den Osterferien kostenfrei und freiwillig zweimal wöchentlich zu Verfügung stehen.

Für Schülerinnen und Schüler über 11 Jahre stehen in Thüringen nach Angaben des Bildungsministeriums 297 000 Test bereit. Für Grundschulkinder soll ein so genannter Lolli-Test genutzt werden.
Davon sollen bereits 40 000 der bestellten 160 000 Tests eingetroffen sein. Der Teststart sei weitgehend abgesichert, hieß es. In Einzelfällen, in denen noch keine Masken angekommen seien, könnten Schulleitungen sich an die Staatlichen Schulämter wenden.

Angesichts weiterhin hoher Infektionszahlen in ganz Thüringen haben Bildungsministerium und Gesundheitsministerium zudem vereinbart, die Maskenpflicht im Unterricht für alle Klassenstufen einzuführen. Die Regelung soll ab Montag und zunächst bis zum 24. April gelten.

In mehreren Thüringer Landkreisen sollen die Schulen wegen der Corona-Lage jedoch auch nach den Ferien am 12. April komplett geschlossen bleiben. Über die Hälfte der 23 Landkreise und kreisfreien Städte verzeichneten Stand Freitag mehr als 150 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen - nach Weisung des Thüringer Gesundheitsamts muss ab dieser Inzidenz geprüft werden, ob die Einrichtungen zur Pandemiebekämpfung wieder zu schließen sind. Ob die Schulen zu bleiben, liegt aber im Ermessen der lokalen Behörden.

So entschieden etwa der Wartburgkreis und die Stadt Eisenach, dass Schulen und Kitas geschlossen bleiben sollen. In der Stadt Eisenach lag die Sieben-Tage-Inzidenz zwar nur ganz knapp über 150, im Wartburgkreis aber zuletzt bei 290. Da viele Kinder aus dem benachbarten Kreis Schulen in Eisenach besuchten, sei eine konsequente Schließung beider Standorte sinnvoll, sagte Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke).

Die Schulen im Saale-Holzland-Kreis, der am Freitag eine Inzidenz von 254,4 meldete, sollen dagegen nach den Osterferien am 12. April wieder öffnen. Auch in Schmalkalden-Meiningen (249) geht es am Montag in den Präsenzunterricht. Im Landkreis Gotha mit einer Inzidenz von 279,4 und dem Saale-Orla-Kreis (198) sollen die Schulen voraussichtlich erst eine Woche später, am 19. April, wieder für den Präsenzunterricht öffnen. Die einwöchige Verzögerung soll bei der Vorbereitung auf die Schnelltests, die das Land an die Schulen schicken will, helfen.

Im Saale-Orla-Kreis, der es Ende März kurzzeitig zum Corona-Hotspot Nummer eins unter den Landkreisen bundesweit brachte, sollen diese Tests nach dem Willen von Landrat Thomas Fügmann (CDU) - anders als im Rest Thüringens - verpflichtend sein. «Angesichts der hohen Viruslast im Landkreis können wir eine Öffnung nur dann verantworten, wenn wirklich nur diejenigen Zutritt erhalten, die negativ getestet wurden.» Eine verbindliche Aussage dazu solle am Mittwoch bei der Vorstellung des Schulöffnungskonzepts für den Kreis getroffen werden.

Auch deutschlandweit wird es weiter keine einheitliche Linie für Schulen nach den Osterferien geben, wie die Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstagabend mitteilte. Ob es eine Testpflicht für Schüler und Lehrer geben solle, sei unter den Kultusministern durchaus kontrovers diskutiert worden, sagte Bildungsminister Holter. «Thüringen setzt in den kommenden Tagen auf Freiwilligkeit.»

Einzige allgemeingültige Entscheidung: Abitur- und andere Abschlussprüfungen sollen trotz Corona-Pandemie stattfinden. «Wir haben beschlossen, dass die Abschlussprüfungen in allen Ländern stattfinden werden.»

Corona-Test vor dem Frühstück - Für Schulkinder gelten neue Regeln

Auf Eltern von Schulkindern kommen neue Aufgaben zu. Von Montag an müssen sie dafür sorgen, dass ihre Kinder zwei Mal pro Woche vor dem Unterricht einen Coronatest machen.

Mit verpflichtenden Corona-Tests geht das Schuljahr in Niedersachsen und Bremen nach den Osterferien am kommenden Montag weiter. Der Unterricht soll damit sicherer werden.

Wie ist das Testen organisiert?

Von Montag an müssen sich Kinder, Jugendliche und Schulpersonal zwei Mal pro Woche vor Unterrichtsbeginn zuhause auf Corona testen. Bei den Tests handelt es sich um sogenannte Corona-Laientests für den vorderen Nasenbereich. Das Ergebnis ist nach rund 15 Minuten klar. Die Testkits werden von den Schulen verteilt.

Was passiert bei einem positiven Ergebnis?

Betroffene müssen zuhause bleiben und die Schule informieren. Anschließend muss das Ergebnis durch einen noch zuverlässigeren PCR-Test in einer Arztpraxis oder einem Corona-Testzentrum abgeklärt werden. Weist der PCR-Test eine Corona-Infektion nach, gilt Isolation für den Betroffenen und Quarantäne für nahe Kontaktpersonen. Zeigt der PCR-Test keine Infektion, war der Schnelltest falsch positiv.

Wie kontrollieren die Schulen, dass tatsächlich getestet wurde?

An jedem Testtag müssen Eltern und Erziehungsberechtigte das negative Testergebnis schriftlich bestätigen. Schulen können auch verlangen, dass die benutzten Testkits gezeigt oder abgegeben werden.

Was passiert, wenn Eltern ihre Kinder nicht testen möchten?

Die Präsenzpflicht ist in allen Schuljahrgängen aufgehoben. Eltern und Erziehungsberechtigte können ihre Kinder ohne Angabe von Gründen vom Präsenzunterricht abmelden. Die Schülerinnen und Schüler müssen dann zuhause lernen und erhalten dafür Arbeitsmaterial.

Warum wird nicht in der Schule getestet wie im Bundesland Bremen?

Nach einer Testwoche vor den Osterferien hat das Kultusministerium Rückmeldungen von Verbänden, Eltern und Erziehungsberechtigten sowie aus der Schülerschaft ausgewertet. Demnach fühlten sich viele Schülerinnen und Schüler bei den Tests in der Klasse unwohl. Nach einem positiven Test muss der oder die Betroffene betreut und abgeholt werden, was aufwendig ist. Lehrkräfte kritisierten zudem, dass die Tests zeitaufwendig seien und ein Infektionsrisiko bestehe, da während des Tests die Maske abgenommen werden müsse.

Führt die Testpflicht zu Lockerungen an den Schulen?

Nein, an den bisherigen Regeln ändert sich nichts. Ziel der Tests ist mehr Gesundheitsschutz. Um das Risiko für eine Verbreitung des Virus zu minimieren, werden Kinder und Jugendliche weiter in kleinen Gruppen abwechselnd zuhause und in der Schule unterrichtet. Abstands- und Hygieneregeln, Lüftkonzepte und die Pflicht zum Tragen einer Maske außerhalb und zum Teil im Unterricht bleiben bestehen.

Wann gibt es keinen Präsenzunterricht?

Die Öffnung der Schulen ist weiter abhängig von der Inzidenz im Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Diese zeigt, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Oberhalb von einer Inzidenz von 100 wechseln alle Schülerinnen und Schüler in den Distanzunterricht - außer Grundschulen und Abschlussklassen.

Wird es in diesem Jahr Abiturprüfungen geben?

Ja, die Prüfungen sollen stattfinden - unter hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards. Darauf haben sich die Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder geeinigt.

08.04.2021

Beamtenbund fordert Verzicht auf Präsenzunterricht ohne Corona-Test

Der Beamtenbund dbb hat die Kultusminister der Länder zu klaren Regeln gegen eine weitere Zuspitzung der Corona-Lage durch offene Schulen aufgefordert. «Von der Kultusministerkonferenz fordern wir klare Entscheidungen: Wenn die Schulen in der dritten Welle geöffnet sein sollen, müssen die Lehrkräfte auch geimpft und die Schülerinnen und Schüler getestet werden», sagte der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. An diesem Donnerstag beraten die Kultusminister der Länder über das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Osterferien.

Silberbach sagte: «Wer nicht getestet werden kann oder will, muss vom Präsenzunterricht ausgeschlossen werden. Andernfalls setzen wir alle Beteiligen einem zu großen Risiko aus, und die Infektionszahlen drohen nach den Osterferien zu explodieren.» Laut den jüngsten Lageberichten des Robert Koch-Instituts spielen die Schulen eine wachsende Rolle bei der Viruszirkulation in Deutschland.

In der Debatte um das anstehende Abitur mitten in der Corona-Pandemie rief Silberbach die Länder zu Flexibilität auf. «Schülerinnen und Schüler müssen die Möglichkeit haben, ihr Abitur abzulegen», sagte der dbb-Chef. «Sie dürfen nicht als Corona-Verlierer abgestempelt werden.» Silberbach sagte: «Die Lehrkräfte sind in der Lage, ihre Schülerinnen und Schüler auch ohne Präsenzunterricht zu beurteilen, wenn es anders nicht geht.» Die dbb-Gewerkschaften vertreten auch zahlreiche Beschäftigte im Bildungs- und Erziehungsbereich.

Silberbach betonte zugleich: «Wenn wir in der Lage wären, durchgängig gute digitale Bildung anzubieten, bräuchten wir Kunstgriffe wie Hybridunterricht nicht. Andere Länder haben auch Lernplattformen, die nicht immer wieder zusammenbrechen, und eingespielte Formen digitaler Schule für alle.»

Am Freitag hatte sich der CDU-Vorsitzende Armin Laschet für eine bundesweit einheitliche Regelung dazu ausgesprochen, wie es für die Schulen nach den Osterferien weitergeht. Viele Bundesländer haben für ihre Schulen aber bereits Pläne gemacht. Je nach Land sollen bestimmte Jahrgänge wieder zurück in den Fernunterricht geschickt oder es soll am sogenannten Wechselmodell festgehalten werden.

Die KMK hatte sich in diesem Jahr mehrfach für möglichst offene Schulen ausgesprochen. Zuletzt hatten die Schulministerinnen und -minister am 18. März gefordert, Schulen müssten im Vergleich zu allen anderen Lebensbereichen am längsten geöffnet bleiben.

Thüringer Schüler und Eltern wollen viel Präsenzunterricht

Thüringen ist der Corona-Hotspot unter den Bundesländern. Eltern- und Schülervertreter wollen trotzdem keine flächendeckenden Schulschließungen. Nach den Osterferien soll es wieder Unterricht geben.

Trotz der in großen Teilen Thüringens sehr hohen Corona-Infektionszahlen plädieren Schüler- und Elternvertreter gegen flächendeckende Schulschließungen nach dem Ende der Osterferien. «Das A und O muss sein, möglichst viel Präsenzangebote sicherzustellen», sagte der stellvertretende Landeselternsprecher für die Thüringer Gymnasien, Roul Rommeiß, der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar dürfe es Unterricht in den Schulen nicht um jeden Preis geben. Doch die Anwendung strenger Hygienekonzepte und Schulschließungen in den am schwersten von der Pandemie betroffenen Kreisen seien besser als landesweite Schulschließungen. Ähnlich äußerte sich der Landesschülersprecher für die Gymnasien, Leon Schwalbe. Beide forderten größere Anstrengungen beim Testen und mehr Kreativität bei der Suche nach Wegen, um Schulschließungen zu vermeiden.

Schwalbe sagte, besser als die Schulen in ganz Thüringen zu schließen, sei es, auf Wechselunterricht zu setzen und den Präsenzunterricht in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit besonders hohen Corona-Inzidenzen auszusetzen. «Das muss dann aber auch konsequent gemacht werden», sagte er. Dass zum Beispiel im Landkreis Schmalkalden-Meiningen Mitte März die Schulen zumindest für einige Klassenstufen wieder geöffnet worden waren, obwohl der Landkreis ein Corona-Hotspot ist, sei nicht verantwortbar gewesen.

Aus Sicht der Schülervertretung war es ein Fehler, die Entscheidungshoheit über lokale Schulschließungen wieder vom Land auf die Kommunen zu übertragen. Es sei besser, wenn der Freistaat über lokale Schulschließungen entscheide.

Rommeiß sagte dagegen, nach seiner Einschätzung habe es sich bewährt, dass die Kommunen in Thüringen nun wieder über Schulschließungen entscheiden. «Verantwortung vor Ort ist sicherlich der richtigere Weg.» An diesem Donnerstag wollen die Länder auf einer Kultusministerkonferenz über das Vorgehen an den Schulen unter Pandemiebedingungen in den nächsten Wochen beraten.

Um möglichst viel Präsenzunterricht nach dem Ende der Osterferien in dieser Woche sicherzustellen, sei es wichtig, an den Schulen konsequent zu testen, sagte Schwalbe. Bisher gebe es beim Testen noch zu große Unterschiede zwischen einzelnen Schulen. Das sei nicht hinnehmbar. Jeder, der am Anfang einer Woche eine Schule betrete, müsse auf eine mögliche Corona-Infektion getestet werden, «um sicherzustellen, dass keine Infizierten in den Klassenzimmern sitzen», sagte Schwalbe.

Rommeiß forderte, noch stärker als bislang auf Räume außerhalb von Schulgebäuden zu setzen, um ausreichend Platz für Präsenzunterricht und feste Gruppen zu schaffen. «Oft wird noch zu wenig flexibel vor Ort reagiert.»

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Thüringen lag nach jüngsten Zahlen der Staatskanzlei bei knapp 190 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen je 100 000 Einwohner. Im Bundesdurchschnitt lag der Wert bei etwa 110. Die Daten sind allerdings nur bedingt mit den noch höheren Zahlen von vor Ostern vergleichbar, weil durch die Feiertage weniger getestet wurde beziehungsweise Proben analysiert wurden.

Berliner Senat berät über Vorgehen bei den Schulen - Kitas dicht

Der Berliner Senat berät am Donnerstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Dabei spielt nicht zuletzt die Frage eine Rolle, wie es nach dem Ende der Osterferien ab Montag mit den Schulen weitergeht. Seit geraumer Zeit absolvieren die meisten Schüler Wechselunterricht in kleinen Gruppen - sie lernen abwechselnd in der Schule oder zu Hause. Lediglich Schüler der Klassen sieben bis neun sind noch komplett zu Hause. Ob sie nunmehr eine Rückkehrperspektive erhalten, ist offen. In der rot-rot-grünen Koalition gibt es dazu unterschiedliche Meinungen.

Denn das Infektionsgeschehen, das sich nicht zuletzt wegen Virus-Mutationen verschärft hat, macht auch vor den Schulen nicht halt. Und so fordern die Gewerkschaft GEW und der Deutsche Philologenverband, dass an den Schulen nur noch gegen Corona geimpfte Lehrkräfte unterrichten sollen. Zudem halten beide Verbände eine Fortführung des Präsenzunterrichts in der jetzigen Form wegen der dritten Corona-Welle für nicht mehr vertretbar.

Unterdessen sind wegen Corona die Berliner Kitas ab Donnerstag erneut formal geschlossen. Sie sollen aber eine Notbetreuung anbieten für Kinder aus Familien, die dringend darauf angewiesen sind und in denen mindestens ein Elternteil in einem besonders wichtigen, sogenannten systemrelevanten Beruf arbeitet.

Auch Alleinerziehende, die keine andere Betreuungsmöglichkeit organisieren können, und Eltern, bei deren Kindern aus besonderen pädagogischen Gründen eine Betreuung erforderlich ist, sollen das Angebot in Anspruch nehmen können. Eine ähnliche Regelung gab es schon einmal, bis die Kinderbetreuung im März wieder hochgefahren wurde.

Forderung nach einheitlichem Vorgehen an Schulen in Corona-Zeiten

Vor den Beratungen der Kultusminister an diesem Donnerstag haben Lehrerverbände und Schülervertreter einheitliche Regeln bei Schulöffnungen und Corona-Tests gefordert. «Der Ball liegt jetzt bei den Kultusministern», sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). «Sie können jetzt zeigen, ob sie es schaffen, mehr als ein Jahr nach Beginn der Pandemie endlich bundeseinheitliche Vorgaben zum Thema Schule vorzulegen.»

Nötig sei etwa eine einheitliche Linie beim Thema Schulöffnungen. «Es kann nicht angehen, dass jedes Bundesland macht, was es will – und einzelne sagen, sie öffnen unabhängig von den Inzidenzen», meinte er. «Die generelle Grenze muss sein: Oberhalb einer Inzidenz von 100 müssen die Schulen geschlossen werden.» Wenn allerdings zusätzlich zu flächendeckenden Corona-Tests die Impfkampagne unter Lehrern weit fortgeschritten sei, sollten Schulträger und Gesundheitsbehörden abwägen dürfen, ob auch bei höherer Inzidenz mehr möglich sei.

Auch der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, forderte: «Die Kultusministerinnen und Kultusminister müssen sich auf eine einheitliche, für alle verbindliche Linie beim Thema
Schulöffnungen verständigen.» In Corona-Hotspots mit Inzidenzen von mehr als 100 müsse es verbindlich Distanzunterricht geben - mit Ausnahmen für Abiturjahrgänge und Abschlussklassen.

Die Kultusminister der Länder beraten an diesem Donnerstag über das weitere Vorgehen an den Schulen. In neun der 16 Bundesländer gehen am Sonntag die Osterferien zu Ende. Überraschende Entscheidungen zu einem bundeseinheitlichen Vorgehen zeichnen sich aber nicht ab, denn viele Bundesländer haben für ihre Schulen bereits Pläne gemacht. Je nach Bundesland werden bestimmte Jahrgänge nun vorsorglich wieder zurück in den «Fernunterricht» geschickt. Anderswo wird am sogenannten Wechselmodell festgehalten. Es gibt zudem entweder freiwillige Tests für Schüler und Lehrer oder eine Testpflicht.

07.04.2021

Mittwoch-Inzidenzwert Kriterium für Unterricht in Folge-Woche

Mit einem Zwei-Stufen-Plan soll künftig der Unterricht in Pandemie-Zeiten in Mecklenburg-Vorpommern geregelt werden. Besonders ins Blickfeld rücken künftig die Inzidenzwerte eines Wochentages. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den Corona-Schnelltests.

Vom kommenden Montag an kann es in ganz Mecklenburg-Vorpommern Präsenzunterricht für Schüler der Klassen eins bis sechs und aller Abschlussklassen geben. Die übrigen Klassen bekommen weiterhin sogenannten Wechselunterricht. Dies folgt aus einem neuen Zwei-Stufenplan, über den das Bildungsministerium am Mittwoch in Schwerin informierte.

Demnach bestimmt die Sieben-Tage-Inzidenz jeweils am Mittwoch, wie die Unterrichtsgestaltung in einem Landkreis oder in einer der beiden kreisfreien Städte in der darauffolgenden Woche aussieht. Liegt der Wert unter 150 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche, werden die unteren Klassenstufen und die Abschlussklassen regulär unterrichtet, die anderen abwechselnd in der Schule und zu Hause.

Wird die Marke von 150 am Stichtag Mittwoch aber überschritten, müssen in der betroffenen Region mit Ausnahme der Abschlussklassen wieder alle Schüler zu Hause lernen. Eine Notbetreuung für jüngere Schüler werde aber auch dann wieder gewährleistet, hieß es. Am Mittwoch dieser Woche war der Schwellenwert in keiner Region des Bundeslandes überschritten worden.

«Es wird künftig zwei Stufen geben. Damit ist gesichert, dass wir einen geregelten Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen gewährleisten können, wenn die Infektionslage das zulässt», sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) laut einer Mitteilung. Je nach Infektionslage sollen die örtlichen Gesundheitsämter aber auch weiterhin die Möglichkeit haben, weiterreichende Maßnahmen zu ergreifen.

Eine Corona-Testpflicht für Schüler - wie sie etwa Berlin und Brandenburg planen - soll es nach Angaben des Ministeriums in Mecklenburg-Vorpommern nicht geben. Doch riefen, wie Martin, auch Vertreter von Schüler-, Eltern- und Lehrerverbänden des Landes zum Schulstart dazu auf, die Schnelltests umfassend zu nutzen. Mit deren Hilfe könnten Infektionen rasch erkannt, Ansteckungen unterbunden und Schulschließungen verhindert werden. Es sei wichtig, dass für möglichst viele Kinder und Jugendliche wieder Präsenzunterricht ermöglicht werde, sagte der Vorsitzende des Landeselternrats, Kai Czerwinskie.

Laut Bildungsministerin Martin können Schüler zwei Mal pro Woche freiwillig einen Test machen. «Je mehr Tests, desto mehr Präsenzunterricht wird es an den Schulen geben», betonte sie. Czerwinskie und Martin verwies darauf, dass die Tests auf Beschluss der Schulkonferenzen auch zu Hause vorgenommen werden können, um vor allem jüngeren Schülern die Angst zu nehmen.

Die Linke kritisierte die Pläne des Bildungsministeriums. «Den Inzidenzwert eines einzigen Tages als Grundlage dafür herzunehmen, ob die Schule geöffnet bleiben kann oder nicht, ist völlig unlogisch», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Es handele sich dabei lediglich um eine Momentaufnahme, die keine Rückschlüsse auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens zulasse. Zudem bestehe bei solchen Einzeldaten die Gefahr eines verzerrten Bildes.

Am Donnerstag beginnt im Nordosten nach den Osterferien wieder die Schule. Der Unterricht soll laut Bildungsministerium dabei grundsätzlich wie an den Tagen vor den Osterferien stattfinden und wie er ab Montag wieder geplant ist. Wegen zuletzt hoher Corona-Infektionszahlen hatte der Kreis Ludwigslust-Parchim allerdings Einschränkungen beschlossen. Für alle Jahrgangsstufen - mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge - wird dort den Angaben zufolge zunächst für zwei Tage Distanzunterricht erteilt.

In der übernächsten Woche beginnen die Abiturprüfungen im Nordosten. Das Bildungsministerium hatte sie wegen der Corona-Pandemie verschoben; ursprünglich sollten sie kommenden Dienstag beginnen.

Bei den Kitas soll es laut Sozialministerium zunächst bei den bestehenden Regeln bleiben. In Regionen mit Inzidenzwerten von unter 100 ist ein Regelbetrieb vorgesehen, Einschränkungen bei der Betreuungszeit gibt es nicht. In Regionen mit Inzidenzwerten von 100 bis 150 gilt eine Art Schutzphase - dann wird an Eltern appelliert, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Bei Inzidenzwerten von mehr als 150 ist nur noch eine Notfallbetreuung sichergestellt. Diese können etwa Alleinerziehende in Anspruch nehmen.

Bund und Länder hatten sich darauf verständigt, bei Inzidenzwerten über 100 die Notbremse zu ziehen und Lockerungen zurückzunehmen, unberührt davon blieben auf Druck der Länder aber Kitas und Schulen.

Lieferungen der Corona-Tests an Schulen in NRW verzögern sich

Ab Montag müssen sich Schüler in NRW zweimal pro Woche auf Corona testen. Doch ob die Testpflicht klappt, könnte zur Zitterpartie werden. Die Lieferungen verzögern sich, und es gibt Zweifel, ob die Menge an Tests reicht.

Wenige Tage vor dem Ende der Osterferien verzögert sich die Auslieferung der Corona-Selbsttests an die Schulen in Nordrhein-Westfalen. Der Beginn der Lieferungen verschiebt sich auf Donnerstag und Freitag. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Erlass der Ministerien für Schule und Kommunales an die Schulleitungen hervor.

Ursprünglich sollten bereits am Mittwoch die ersten rund 1000 Grund- und Förderschulen mit Selbsttests beliefert werden. An den folgenden Tagen sollten alle weiteren Schulen an die Reihe kommen, vorrangig die Grund- und Förderschulen.

Grund für die Verschiebung der Anlieferungen sei ein erhöhter Zeitbedarf bei der Zusammenstellung der Sendungsinhalte, heißt es in dem Erlass. Am Donnerstag solle nun mit der Belieferung von Grund- und Hauptschulen begonnen werden. Am Freitag sollen dann alle anderen Schulen folgen. Sollten sich weitere Verzögerungen im Logistikablauf ergeben, könne auch eine Auslieferung am Samstag nicht ausgeschlossen werden.

Am Montag enden in NRW die Osterferien. Ab dann gilt eine Testpflicht für Schülerinnen und Schüler. Kinder und Jugendliche aller Schulen sollen sich zwei Mal pro Woche selbst testen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte noch am Mittwoch betont, dass eine Öffnung der Schulen nur infrage komme, wenn dort «überall das Testen funktioniert». Das sei eine Bedingung für einen Unterricht im Präsenzmodus.

Die oppositionellen Grünen prognostizieren unterdessen, dass für die rund 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in NRW zu wenig Corona-Selbsttests da sein werden. Das Versprechen, alle Schüler zweimal pro Woche zu testen, könne die Landesregierung schon in der zweiten Woche nach den Osterferien ab dem 19. April nicht mehr einhalten, erklärte die Grünen-Bildungspolitikerin Sigrid Beer. Bei insgesamt etwa 2,5 Millionen Schülern in NRW über alle Schulformen hinweg müssten laut Beer rund fünf Millionen Tests pro Woche vor Ort sein.

Das Schulministerium wies Zweifel zurück und erklärte, dass allein schon in dieser Woche geplant sei, 5,5 Millionen Selbsttests an die Schulen zu versenden. Die Landesregierung gehe für den Schulbereich von einem wöchentlichen Bedarf von 5,5 Millionen Tests aus. Die entsprechende Kapazität für die nächsten Wochen sei bestellt worden und werde den Schulen zur Verfügung gestellt.

Der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags hatte zunächst Mittel für die Beschaffung von 3,3 Millionen Selbsttests freigegeben. Davon wurden 1,8 Millionen Tests vor den Osterferien für einmalige Selbsttestungen in Schulen verbraucht. Die verbleibenden 1,5 Millionen Tests wurden ebenfalls ausgeliefert.

Weitere 3,1 Millionen Selbsttests wurden laut einer späteren Vorlage des Ausschusses für die Woche nach den Ferien geordert. Diese Bestellung wurde dann auf 6,2 Millionen Tests pro Woche aufgestockt. Parallel dazu wurde ein Ausschreibungs- und Vergabeverfahren vorbereitet, so dass der gestiegene Bedarf bis zunächst Ende Juli gedeckt werden kann - mit Verlängerungsoption bis Ende des Jahres. Die Summe umfasst Selbsttests für Schüler und auch Bedienstete der Landesverwaltung, die nicht im Homeoffice arbeiten.

Nach Laschets Vorstoß für einen «Brücken-Lockdown» sieht die SPD-Opposition die Schulen im Zustand der Verunsicherung. Niemand könne sagen, was der Vorschlag für die Schulen konkret bedeute, erklärte der SPD-Landtagsfraktionsvize Jochen Ott. Schüler, Eltern und Lehrkräfte wollten aber wissen, ob es für sie nach den Ferien mit dem Wechselunterricht weitergehe oder ob erneut Distanzunterricht angeordnet werde.

Welche Auswirkungen die möglichen neuen Pläne auf den Prüfungsbetrieb hätten, sei ebenfalls unklar, sagte der SPD-Schulexperte. So sollten die schriftlichen Abiturprüfungen am 23. April starten. Laschet hatte einen zwei- bis dreiwöchigen harten Lockdown verlangt, um damit die Zeit zu überbrücken, bis viele Menschen gegen das Coronavirus geimpft seien.

Schulministerin Gebauer beriet am Mittwoch mit den Verbänden, wie es nach den Osterferien an den Schulen weitergehen soll. Am Donnerstag beraten auch die Kultusminister der Länder über das weitere Vorgehen an den Schulen.

So wird der erster Schultag in MV nach den Osterferien

Am Donnerstag starten die Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern wieder in den Schulalltag nach den Osterferien. Am Donnerstag und Freitag soll der Unterricht laut Bildungsministerium grundsätzlich wie an den Tagen vor den Osterferien stattfinden. Für die Klassen eins bis sechs sowie für die Abschlussklassen gibt es Präsenzunterricht, ab Klasse sieben Wechselunterricht.

Wegen hoher Corona-Infektionszahlen müssen sich Schülerinnen und Schüler im Landkreis Ludwigslust-Parchim hingegen mindestens an diesem Donnerstag und Freitag auf weitere Einschränkungen einstellen. Dann soll der Besuch von Schulen grundsätzlich untersagt sein. Für alle Jahrgangsstufen in allen Schularten - mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge - wird laut Landkreis Distanzunterricht erteilt. Wie es dort in der kommenden Woche weitergeht, soll demnach am Freitag entschieden werden.

Ernst: Abiturprüfungen starten in Brandenburg wie geplant

Zuletzt hatte die Bildungsgewerkschaft GEW Zweifel daran genährt, ob die Abiturprüfungen trotz der Corona-Pandemie in diesem Jahr stattfinden können. In Brandenburg soll daran aber nicht gerüttelt werden.

Trotz neuer Einschränkungen im Schulunterricht wegen der Corona-Pandemie hat Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) bekräftigt, dass die Abiturprüfungen in Brandenburg wie geplant am 21. April in den Schulen starten sollen. «Ich kann ganz deutlich sagen: Das Abitur wird stattfinden, es wird kein Notabitur sein. Es wird ein anspruchsvolles Abitur sein, das vergleichbar ist», sagte Ernst, die auch Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist, am Mittwoch dem Inforadio des rbb. Auch der Brandenburgische Pädagogenverband wehrte sich vehement gegen ein «Notabitur».

Ernst und der BPV wandten sich damit gegen eine Äußerung der Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlies Tepe, die am Montag gefordert hatte, die Abiturprüfungen bei sehr hohen Infektionszahlen notfalls ausfallen zu lassen. «Ich bin wirklich fassungslos über diese Äußerung, die ja vor allem die Schülerinnen und Schüler verunsichert, die jetzt auf den letzten Metern der Abiturprüfung sind», sagte die Ministerin.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des BPV, Hartmut Stäker: «Das Schlimmste, was einem Absolventen jetzt noch auf dem letzten Meter passieren kann, ist, dass er ein Notabitur bekommt», sagte Stäker der Deutschen Presse-Agentur. Stäker sieht auch noch ein anderes ungeklärtes Problem - die Bewertung der Leistungen der elften Klassen, die im nächsten Jahr ihr Abitur absolvieren sollen.

Denn Leistungen aus diesem Jahrgang zählten auch schon ins Abitur mit rein, sagte der Präsident des Pädagogenverbandes. Drei Semester von vier in dieser Klassenstufe seien aber wegen der Corona-Pandemie nicht «anständig» bewertet worden, da es überwiegend Homeschooling gab. Der elften Klasse müsse deshalb dringend noch zu Präsenzunterricht verholfen werden, damit die Leistungen bewertbar werden. «Sonst haben die nächstes Jahr mit dem Abitur Probleme, auch, wenn Corona schon vorbei ist», warnte Stäker.

Die Landesregierung hatte am Dienstag beschlossen, die mittleren Jahrgänge, also die Stufen sieben, acht, neun und elf beziehungsweise zwölf an den Gesamtschulen, nach den Osterferien vorerst wieder in den Distanzunterricht zu schicken. Derzeit sei noch nicht absehbar, wann auch diese Schüler wie die Grundschüler und die Abschlussklassen wieder in den Wechselunterricht zwischen Schule und zuhause zurückkehren könnten, sagte Ernst. «Ich habe dennoch die große Hoffnung, dass wir mit unserer veränderten Teststrategie und einem Impfangebot an die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen eine Perspektive haben, die Schülerinnen und Schüler vor den Sommerferien zurück zu holen.» Schüler im Präsenzunterricht und die Lehrkräfte müssen in Brandenburg vom 19. April an zwei Mal pro Woche einen negativen Schnelltest vorlegen, bevor sie die Schule betreten dürfen.

Testpflicht für Schüler in Hotspots ab 19. April

(dpa/lsw)Schüler und Lehrer im Südwesten müssen sich künftig in Regionen mit hohen Infektionszahlen testen lassen, um am Präsenzunterricht teilzunehmen. Wer in der Woche ab 12. April in die Schulen zurückkehrt, kann sich noch freiwillig testen lassen, wie das Kultusministerium am Mittwoch in einer Handreichung an die Schulen mitteilte. Vom 19. April an gilt dann eine Testpflicht für alle Schülerinnen und Schüler in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100. Das Ministerium spricht von einer «indirekten Testpflicht». Ein negatives Testergebnis sei «Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht und der Notbetreuung». Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, kehren alle Klassenstufen aller Schularten ab dem 19. April zu einem Wechselbetrieb aus Präsenz- und Fernunterricht zurück.

Corona-Selbsttests ab Montag für Schüler und Lehrer

Schüler und Lehrer an Schulen in Thüringen sollen sich von Montag an zwei Mal wöchentlich freiwillig kostenlos selbst auf das Coronavirus testen können. Bei Grundschülern soll dabei auf einfache Lutschtests gesetzt werden, wie das Bildungsministerium auf seiner Website und in einem Schreiben an Eltern von Schulkindern erklärte. Diese «Lollipop»-Tests können laut Hersteller unter die Zunge gelegt werden. Für ältere Schüler stellt das Ministerium dagegen Antigen-Tests bereit, die dem Produzenten zufolge über einen Abstrich im vorderen Nasenbereich funktionieren. Beide Tests sollen nach 15 bis 30 Minuten Ergebnisse liefern.

Im Laufe der Zeit könnten auch andere Selbsttests zum Einsatz kommen. Lehrerinnen und Lehrer sollen die Tests in den ersten Unterrichtsstunden im Klassenraum beaufsichtigen und dokumentieren. Auch Lehrer sollen sich in der Schule testen. Die Utensilien zum Testen sollen direkt an die Schulen geliefert werden.

Schüler wie Lehrer und andere pädagogische Mitarbeiter dürfen die Schulen auch betreten und am Präsenzunterricht teilnehmen, wenn sie sich nicht testen lassen, hieß es aus dem Ministerium. Eltern und volljährige Schüler können die Tests ablehnen. In dem Schreiben an die Eltern heißt es dazu aber auch: «Falls sich in den kommenden Wochen nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler beteiligen, müssen wir über Betretungsverbote oder eine Testpflicht nachdenken.»

«Jeder Schüler hat ein Recht auf Bildung und damit ein Recht auf die Teilnahme am Präsenzunterricht», kritisierte dazu der bildungspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Denny Jankowski, am Mittwoch. Die AfD-Fraktion lehne eine Testpflicht ab.

Rekordzahl von Schülern in Bayern nur auf Probe vorgerückt

An den weiterführenden Schulen in Bayern sind im laufenden Schuljahr so viele Kinder und Jugendliche auf Probe vorgerückt wie nie zuvor. Zugleich gab es so wenige Wiederholer wie nie zuvor, wie das Kultusministerium in München am Mittwoch erläuterte. Demnach rückten an den Mittel- und Realschulen sowie den Gymnasien 8400 Kinder und Jugendliche mehr als im Vorjahr nur unter Vorbehalt eine Jahrgangsstufe vor. Zugleich drehten rund 12 600 Schüler weniger eine Ehrenrunde.

Als Konsequenz aus den Folgen der Corona-Pandemie mit Lockdown, Distanz- und Wechselunterricht hatte das Kultusministerium die Schulen angewiesen, das Vorrücken auf Probe großzügig zu handhaben. Unter dem Strich gleichen sich die Zahlen aus: «Insgesamt ist die Summe der Wiederholer sowie der auf Probe beziehungsweise nach Nachprüfung vorgerückten Schüler von 37 162 im Schuljahr 2019/20 auf 37 071 im Schuljahr 2020/21 sogar ganz leicht gesunken», erläuterte ein Ministeriumssprecher.

Zuvor hatte die SPD-Landtagsfraktion die Ergebnisse einer von ihr gestellten Anfrage veröffentlicht. Demnach durften an den Gymnasien 4517 Schülerinnen und Schüler nur unter Vorbehalt eine Klasse vorrücken. Im Schuljahr zuvor waren es noch 809 gewesen. An den Realschulen gab es einen Anstieg von 913 auf 5533 Betroffene. Wie viele Kandidatinnen und Kandidaten die Probezeit bestanden haben, ist derzeit noch unklar - diese Daten werden erst im Herbst erhoben.

Generelle Testpflicht an Schulen unabhängig von Inzidenzwert

Viele Lehrkräfte sind noch nicht geimpft, für Kinder und Jugendliche gibt es nicht einmal einen zugelassenen Impfstoff. Um die Sicherheit an den Schulen in Bayern dennoch zu erhöhen und perspektivisch mehr Präsenzunterricht zu ermöglichen, gilt nun überall eine Testpflicht.

Erst testen, dann büffeln: Für die Teilnahme am Präsenzunterricht in Bayerns Schulen ist nach den Osterferien ein Corona-Test verpflichtend - und zwar unabhängig vom jeweiligen Inzidenzwert. «Wir sehen, dass die Schulen ein sehr intensiver Teil des pandemischen Geschehens sind», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Deshalb müssten die Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Lehrkräfte künftig vor der Teilnahme am Unterricht im Schulgebäude mindestens zwei Mal in der Woche ein negatives Testergebnis vorlegen.

Bislang galt eine Testpflicht nur in Regionen mit einer Inzidenz von über 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern binnen einer Woche. Künftig jedoch sollen alle Schülerinnen und Schüler zwei Mal in der Woche direkt in der Schule einen PCR-, Schnell- oder Selbsttest machen. Bei einem Wert von über 100 könne dies je nach Unterrichtsmodell sogar noch häufiger der Fall sein, erläuterte Söder. Wer den Test verweigert oder in Quarantäne muss, erhält Distanzunterricht. Die Regelungen gelten analog auch für Lehrkräfte und anderes schulisches Personal.

Söder zeigte sich verärgert ob der Vielzahl von Vorschlägen, die von Interessensverbänden nahezu im Tagesabstand in der Öffentlichkeit platziert werden. «Die einen wollen die Impfreihenfolge ändern, die anderen wollen das Abi ausfallen lassen. Dritte wollen Bashing machen über Lehrer beispielsweise, andere wiederum wollen die Ferien verändern und verkürzen. Ich glaube, dass das alles falsch ist.» Die Schulgemeinschaft brauche in erster Linie Verlässlichkeit und nicht ständig neue Unruhe.

Dies sieht auch Kultusminister Michael Pizaolo (Freie Wähler) so. Er kündigte an, dass der Unterricht nach den Osterferien am nächsten Montag wieder losgehe und die Abschlussprüfungen wie geplant stattfänden.

«Es ist eine Riesenchance, dass wir in den Schulen testen können», betonte Pizaolo. Testkits halte der Freistaat in ausreichender Menge vor, aktuell hätten nur sehr wenige Schulen noch nicht genügend bekommen. Zusammen mit den Abstandsregeln und Hgyienemaßnahmen sowie 2,6 Millionen FFP2-Masken für die Lehrkräfte ergebe die Testpflicht «ein Paket, das Hoffnung gibt, das Sicherheit spendet». Damit verbunden sei auch eine gewisse Aussicht, dass mittelfristig wieder mehr Kinder und Jugendliche vor Ort unterrichtet werden könnten.

Derweil hat ein Forchheimer Jurist im Namen eines Viert- und eines Zwölftklässlers einen Eilantrag gegen die Testpflicht beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht. Eine Entscheidung werde noch vor dem Ende der Osterferien erwartet, teilte Rechtsanwalt Mario Bögelein mit.

In einem unter anderem vom Bayerischen Elternverband unterschriebenen Offenen Brief forderte die Arbeitsgemeinschaft «Bildung in der Pandemie» unterdessen, dass die Tests freiwillig bleiben müssten. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband wiederholte wiederum seine Forderung, «wenn nicht absolut sicher getestet werden kann und die Impfangebote nicht da sind, dann müssen die Schulen zu bleiben».

Corona-Tests an Schulen in Rheinland-Pfalz planmäßig angelaufen

An den Schulen in Rheinland-Pfalz haben am Mittwoch regelmäßige Corona-Tests begonnen. «Das funktioniert sehr gut und reibungslos», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). In den im Wechselunterricht geteilten Klassen könne der Abstand dabei gut eingehalten werden. Ältere Schülerinnen und Schüler hätten keinerlei Probleme mit den Tests, «sie machen das sehr zügig». Aber auch an den Grundschulen seien die Tests reibungslos angelaufen.

Lehrergewerkschaften und -verbände haben kritisiert, dass die Selbsttests an den Schulen unter Anleitung und Aufsicht von Lehrkräften stattfinden sollen. Dafür zusätzliches Personal zur Verfügung zu stellen, sei organisatorisch nicht darstellbar, sagte Hubig und fügte hinzu: «Mir ist es wichtig, dass schnell in den Schulen getestet wird.» Sie sei sicher, dass dieser Weg von den Lehrerinnen und Lehrern mitgetragen werde.

Lehrer: Kommunen sollten selbst über Schulöffnungen entscheiden

Wegen Corona haben manche Schüler seit Wochen ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Wie es nach den Osterferien weitergeht, ist noch offen. Die Lehrer stellen Forderungen - und erwarten gerne den Flickenteppich, der dadurch entstehen könnte.

Nach den Osterferien sollten Kommunen, Gesundheitsämter und Schulträger nach Überzeugung des Deutschen Lehrerverbands am besten selbst entscheiden, ob sie den Fernunterricht beenden oder nicht. Für einen Präsenzunterricht müssten aber strenge Vorgaben gelten, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger den «Stuttgarter Nachrichten» und der «Stuttgarter Zeitung» (Mittwoch). «Wir müssen flexibel vorgehen und können nur dort, wo zusätzliche Maßnahmen des Gesundheitsschutzes möglich sind - etwa Lehrerimpfungen oder verpflichtende Schnelltests - die Schulen auch bei etwas höheren Inzidenzen offen halten. Das sollte vor Ort entschieden werden.» Bei sehr hohen Inzidenzen sei dies sicher nicht möglich.

Nach den Osterferien beginnt der Unterricht in Baden-Württemberg am kommenden Montag. Viele Schulen in den Bundesländern öffnen in der Woche nach Ostern, andere eine Woche später, wenn die Corona-Zahlen es zulassen. Im Südwesten wird es für die meisten Klassenstufen zunächst keinen Präsenz- sondern nur Fernunterricht geben. Ab dem 19. April soll ein Wechselbetrieb mit Präsenz- und Fernunterricht starten, sofern es das Infektionsgeschehen zulässt.

Nach Einschätzung Meidingers droht zwar bei strengen Vorgaben ein Flickenteppich von offenen und geschlossenen Schulen von Landkreis zu Landkreis. «Aber der beruht auf Vorgaben, die sich streng nach wissenschaftlichen Kriterien und vereinbarten Standards orientieren: Inzidenzzahlen, Impfquoten und der Anzahl obligatorischer Schnelltests», sagte der Verbandschef. «Das führt auch zu Ungerechtigkeiten, aber die Bildungsgerechtigkeit wird wegen Corona ohnehin auf eine harte Probe gestellt.»

In Berlin wollen die Kultusminister der Länder am Donnerstag über das weitere Vorgehen an den Schulen beraten. Für Baden-Württemberg wird die noch amtierende Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) an der Runde teilnehmen.

Niedersachsen hält weiter an Abiprüfungen fest

Niedersachsens Landesregierung sieht in der Corona-Krise weiterhin keinen Grund, die Abiturprüfungen abzusagen. Einen entsprechenden Vorstoß der Bildungsgewerkschaft GEW wies das Kultusministerium zurück. «Von dem Vorschlag halten wir nichts», teilte das Ministerium der «Nordwest-Zeitung» (Mittwoch) mit. Das sei eher ein Beitrag zur Verunsicherung. «Unsere Anstrengungen richten sich darauf aus, den Prüflingen auch in der gegenwärtig schwierigen Gesamtlage hochwertige Abschlüsse zuzusichern.»

Bereits Anfang März hatte das Kultusministerium die Abiturtermine in einem Erlass an die rund 450 betroffenen Schulen bestätigt. Der Zeitplan solle auch dann nicht geändert werden, wenn zum Zeitpunkt der Prüfungen einzelne oder alle Schulen im Wechsel- oder sogar im Distanzunterricht sind. Es werde jedoch nur der Lernstoff abgefragt, der auch tatsächlich behandelt wurde, versicherte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) den Schülern damals: «Wir sichern faire Prüfungen zu, keiner muss Nachteile wegen Corona befürchten.»

Die erste Abiturklausur soll demnach am 19. April im Fach Geschichte geschrieben werden, die letzte am 11. Mai im Fach Physik. Vom 17. Mai bis 9. Juni soll es Nachschreibtermine geben.

GEW-Chefin Marlis Tepe hatte die Länder zu Wochenbeginn aufgefordert, von Prüfungen abzusehen, sollten die Ansteckungen mit dem Coronavirus in der dritten Welle weiter dramatisch zunehmen. Alternativ könnten die Leistungen im Unterricht zur Notengebung herangezogen werden.

06.04.2021

Brandenburg zieht Notbremse weiter an - Testpflicht an Schulen

Nach den Osterferien greifen an Brandenburger Schulen und Kitas schärfere Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Es gilt wieder Distanzunterricht und ab 19. April heißt es: Ohne negativen Test ist das Betreten der Schule untersagt.

Brandenburg verschärft die Anordnungen zur Corona-Eindämmung: An den Schulen gibt ab den 7. Klassen - mit Ausnahme in den Abschlussklassen - nach den Osterferien wieder Distanzunterricht. Für Schüler der 1. bis 6. Klassen gilt das Wechselmodell. Kitas bleiben geöffnet, Eltern werden gebeten. Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Die Schule beginnt am kommenden Montag wieder.

«Wir haben uns entschieden, die Notbremse im Land Brandenburg weiter und damit noch fester anzuziehen», sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag in Potsdam nach der Kabinettssitzung.

«Angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens und der ansteckenden Virusvarianten müssen wir weiter vorsichtig sein», sagte Woidke. Er wies auf die wachsende Gefahr durch Mutanten des Coronavirus hin. Diese seien deutlich ansteckender und gefährlicher, warnte der Regierungschef. So sei die Zahl der Patienten auf Intensivstationen in Brandenburger Krankenhäusern von 86 am 15. März auf 136 am 5. April deutlich gestiegen. Es müsse sorgfältig abgewogen werden zwischen dem Recht auf gute Bildung und dem Gesundheitsschutz, sagte er.

Ab dem 19. April soll zudem eine Testpflicht für alle Schüler, Lehrer und weiteres Schulpersonal im Präsenz- beziehungsweise Wechselunterricht gelten - sie sollen sich dann zwei Mal pro Woche selbst testen. Ohne negatives Testergebnis gelte dann ein Betretungsverbot für die Schulen, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Die Pflicht zur Teilnahme am Präsenzunterricht ist nach den Angaben zunächst aufgehoben.

An Brandenburger Schulen sind nach ihren Angaben bereits zwei Millionen Corona-Tests ausgeliefert worden. 500 000 weitere sollen kommen, sagte die Ministerin. Die Tests sollen im Elternhaus vorgenommen werden. Volljährige Schüler könnten sie selbst mitnehmen. Eltern von Minderjährigen können sie abholen oder der Schule erlauben, sie ihren Kindern mitzugeben. Für den Nachweis des Selbsttests sollen die Eltern ein Formular ausfüllen. Damit werde es eine neue Stufe der Sicherheit und des Schutzes auch an den Schulen in Brandenburg geben.

Die Notbremse, die jetzt für weiterführende Schulen gezogen werden musste, mache sie betroffen. «Das sind für Kinder und Jugendliche sehr, sehr harte Entscheidungen», sagte Ernst. Es gehe nicht nur um verpasstes Lernen in Mathe und Deutsch, sondern auch um soziales Verhalten.

Holter nimmt sich Zeit für Entscheidung zu Abi-Prüfungen

Keine Abi-Prüfungen wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr? Die Debatte läuft - aber entschieden ist noch nichts.

Thüringens CDU-Landtagsfraktion hat Bildungsminister Helmut Holter (Linke) aufgefordert, die Entscheidung über Abiturprüfungen in diesem Jahr nicht auf die lange Bank zu schieben. Schüler, Eltern und Schulen dürften nicht länger im Ungewissen gelassen werden, erklärte Fraktionschef Mario Voigt am Dienstag in Erfurt. «Sie brauchen eine klare Perspektive, wie es mit Schnelltests und Prüfungen weitergeht.» Voigt reagierte damit auf die Ankündigung Holters, mit einer Entscheidung noch warten zu wollen.

Zunächst sollte die weitere Entwicklung des Corona-Infektionsgeschehens abgewartet werden, sagte der Minister MDR Aktuell. Zuvor hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangt, die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie notfalls ausfallen zu lassen.

Voigt warnte davor, «den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und die Abiturprüfungen einfach ausfallen zu lassen». Die Thüringer Schüler hätten das Recht auf einen vollwertigen und anerkannten Abschluss. Mehr Bearbeitungszeit, zusätzliche Wahlaufgaben oder klare Themenkomplexe seien gute Möglichkeiten, um die Prüfungen abzusichern, so der CDU-Politiker.

Der Vize-Landesvorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt, tendierte auch zur Beibehaltung der Abi-Prüfungen. Sie könnten in Hotels geschrieben werden. Das Land sollte so bald wie möglich mit dem Hotel- und Gaststättenverband einen entsprechenden Vertrag abschließen, so Witt. Das würde den Infektionsschutz erleichtern und gleichzeitig einer vorübergehenden Hotelnutzung dienen.

CDU-Politiker Voigt vertrat außerdem die Ansicht, dass noch vor Ende der Osterferien klar sein müsse, ob Schulen und Kindergärten wieder öffneten. Die Landesregierung müsste endlich ausreichend Tests beschaffen.

Holter sagte, die Diskussion um Abiturprüfungen sei auch im vergangenen Jahr geführt worden. Schließlich seien sie doch abgelegt worden und im Durchschnitt sogar besser ausgefallen als 2019. Die Prüfungen seien bereits von Anfang auf Ende Mai verschoben worden.

GEW-Chefin Marlis Tepe hatte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt, beim Ausfall von Prüfungen müssten die Länder flexibel reagieren. Dann könnten etwa die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden. Ein Abitur ohne Prüfungen müsste von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden.

Wieder mehr Distanzunterricht - Testpflicht an Brandenburger Schulen

Der Distanzunterricht an den Brandenburger Schulen soll nach den Osterferien wegen der hohen Zahl neuer Corona-Infektionen wieder ausgeweitet werden. Vom kommenden Montag an gebe es den Wechselunterricht zwischen Schule und zu Hause nur noch für Grundschulen und Abschlussklassen, kündigte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Potsdam an. Die mittleren Jahrgänge sollen vorerst komplett zum Distanzunterricht zurückkehren. Eine Pflicht zur Teilnahme am Unterricht gibt es weiter nicht.

Ab dem 19. April soll zudem eine Testpflicht für alle Schüler, Lehrer und weiteres Schulpersonal im Präsenzunterricht gelten - sie sollen sich dann zwei Mal pro Woche selbst testen. Ohne negatives Testergebnis gelte dann ein Betretungsverbot für die Schulen, sagte Woidke. Nach Möglichkeit solle auch in der kommenden Woche bereits zwei Mal getestet werden.

In Bremen Schulunterricht nur noch mit Corona-Schnelltest

Ohne negativen Corona-Schnelltest dürfen Schülerinnen und Schüler in Bremen nach den Osterferien nicht mehr am Präsenzunterricht teilnehmen. Das beschloss der Senat am Dienstag. «Im Präsenzschulbetrieb ist es notwendig, infizierte Kinder, Jugendliche und Beschäftigte möglichst früh zu identifizieren», sagte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). «Die Schnelltests bieten dafür eine sichere, niedrigschwellige und leicht zu handhabende Lösung.»

Zweimal in der Woche werde in den Schulen getestet. Nach der Erfahrung mit freiwilligen Tests vor den Ferien sei das Verfahren problemlos. Es hätten damals aber zu wenige Schüler teilgenommen, um wirklichen Schutz zu gewährleisten, teilte das Bildungsressort mit.

Außerdem wurde auch für Grundschülerinnen und Grundschüler das Tragen einer Maske im Schulgebäude beschlossen. Sie waren bislang anders als die höheren Jahrgänge ausgenommen. Die Maskenpflicht an den Grundschulen gelte ab einer Inzidenz von 100 Infektionen auf 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Eine knappe Woche vor Schulbeginn (12.4.) lag die Stadt Bremen bei einer Inzidenz knapp über 100, Bremerhaven etwas unter 200.

Kultusministerium: Abitur in Bayern findet statt

(dpa/lby) - Das bayerische Kultusministerium sieht trotz der coronabedingten Einschränkungen des Unterrichts keine Notwendigkeit, die Abiturprüfungen ausfallen zu lassen. «Das Abitur 2021 findet in Bayern wie angekündigt statt», betonte ein Sprecher am Dienstag in München. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war am Vortag bereits auf Bundesebene auf ablehnende Reaktionen gestoßen. GEW-Chefin Marlis Tepe hatte gesagt: «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen».

Landeselternbeirat gegen Testpflicht für Schüler

Der Landeselternbeirat der Grundschulen und Förderzentren hat die neue Corona-Testpflicht für Schüler in Schleswig-Holstein kritisiert. Testen sei ein wichtiges Instrument, teilte der Landeselternbeirat am Dienstag mit. Es sollte aber Freiwilligkeit gelten und die Möglichkeit zum Testen zu Hause geschaffen werden. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte vor Ostern gesagt, dass es nach den Osterferien keinen Präsenzunterricht ohne negativen Corona-Test mehr geben werde.

Es sollen zwei Selbsttests pro Woche an den Schulen angeboten werden. Wer daran nicht teilnehme, könne auch eine ärztliche Testbescheinigung oder eine Bescheinigung aus einem Bürgertestzentrum oder einer Apotheke vorlegen, hatte die Ministerin gesagt.

Der Landeselternbeirat führte unter anderem den Datenschutz und die informationelle Selbstbestimmung gegen die Testpflicht in den Schulen an. Außerdem dürfe es nicht zu einer Ausgrenzung kommen, wenn Eltern den Tests nicht zustimmen. Die Schulpflicht und der staatliche Bildungsauftrag seien hohe Güter von Verfassungsrang.

Sächsischer Lehrerverband will an Abiturprüfungen festhalten

Der Sächsische Lehrerverband spricht sich ausdrücklich für die Durchführung der Abiturprüfungen auf vergleichbarem Niveau zu den Vorjahren aus. Ein Aussetzen der schriftlichen Prüfungen würde die Abiturienten bei der Bewerbung um einen Studien- oder Ausbildungsplatz benachteiligen, erklärte Verbandsvorsitzender Jens Weichelt am Dienstag. Den Abiturienten dürften durch ein «Corona-Abitur» im Schuljahr 2020/2021 keine Nachteile entstehen.

Zuvor hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vorgeschlagen, Abi-Prüfungen notfalls ausfallen zu lassen und die zuletzt erreichten Schulnoten in die Prüfungszeugnisse aufzunehmen. «Das Ziel aller Abschlussprüfungen muss es sein, dass jeder Schüler eine optimale Chance erhält, einen anerkannten Schulabschluss zu erwerben», so Weichelt. Ein solcher Abschluss müsse vollständig anerkannt sein. Ein «Corona-Abitur» würde sehr bald als zweitklassig gelten.

Die Abiturprüfungen in Sachsen hätten im vergangenen Jahr trotz Corona-Pandemie weitestgehend problemlos und mit ähnlichen Ergebnissen wie in den Vorjahren stattgefunden, schätzte der SLV-Vorsitzende ein. In diesem Schuljahr seien die Voraussetzungen für Abiturienten nicht schlechter: Die Abschlussklassen seien seit dem 18. Januar 2021 wieder im Präsenzunterricht, die Schüler hätten insgesamt etwa drei Wochen mit häuslicher Lernzeit zugebracht. «Zudem hat das Sächsische Staatsministerium für Kultus Erleichterungen für die Abiturprüfungen in Aussicht gestellt», unterstrich Weichelt.

GEW gegen Betreuung von Schüler-Tests durch Lehrkräfte

Das Verfahren für die Corona-Tests an den Schulen in Rheinland-Pfalz stößt auf Kritik der Lehrergewerkschaft GEW. «Die GEW Rheinland-Pfalz lehnt entschieden ab, dass die Testungen der Schülerinnen und Schüler unter Beaufsichtigung der Lehrkräfte an den Schulen stattfinden sollen», erklärte der Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer am Dienstag in einem offenen Brief an Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Eine Verpflichtung dazu gehöre nicht zum Umfang der Dienstpflichten, auch habe es kein Mitbestimmungsverfahren der Personalräte dafür gegeben.

Die nach dem Ende der Osterferien ab diesem Mittwoch geplanten Tests sollten entweder daheim in den Familien oder von geschultem Personal in dafür geeigneten Räumen vorgenommen werden, forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die GEW erkenne das Engagement des Ministeriums für die Gesundheit an, könne das geplante Verfahren aber nicht unterstützen. Auch der Philologenverband, in dem vor allem Lehrkräfte an Gymnasien vertreten sind, hat das Verfahren kritisiert und gefordert, dass die Selbsttests «im geschützten Raum der Familie» stattfinden sollten.

Bildungsministerin Hubig nannte drei Gründe, warum die Selbsttests in der Schule und nicht zuhause stattfinden sollten. Den Kinder und Jugendlichen könne so am besten vermittelt werden, wie dieser Test richtig vorzunehmen sei. «Zum anderen ist es uns wichtig, einen Überblick zu erhalten, wie hoch die Teilnahmequote ist.» Und schließlich werde so sichergestellt, dass positive Fälle auch gemeldet würden. Bei einem positiven Test solle alles getan werden, um in der Lerngruppe sensibel damit umzugehen und eine Stigmatisierung zu vermeiden.

Ministerium: Verbindliche Corona-Tests für Schülerinnen und Schüler

Zwei Corona-Schnelltests pro Woche für alle Schülerinnen und Schüler sollen den Unterricht an Sachsen-Anhalts Schulen sicherer machen. Ab kommendem Montag (12. April) sollten sich alle testen lassen, teilte das Bildungsministerium am Dienstag in Magdeburg mit. In allen Schulen sollten dann ausreichend Laien-Selbsttests zur Verfügung stehen. Die Kinder und Jugendlichen könnten auch ein anderweitig erzieltes negatives Testergebnis nachweisen oder eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, dass keine Corona-Infektion bestehe. Die verbindliche Testung gelte für alle Schulformen, auch für Grundschulen.

Eine Woche später wird aus dem dringenden Appell eine verbindliche Regelung: In der neuen 12. Corona-Landesverordnung, die am 19. April in Kraft treten soll, würden die regelmäßigen nachvollziehbaren Schnelltests als Voraussetzung für das Betreten des Schulgeländes festgelegt, teilte das Ministerium weiter mit.

«Der regelmäßige, flächendeckende und verbindliche Einsatz von Laien-Selbsttests ist neben der Einhaltung der AHA-Maßnahmen ein wesentlicher und wichtiger Beitrag, um das Infektionsgeschehen zu beschränken», erklärten Bildungsminister Marco Tullner (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). «Die Selbsttests geben den in der Schule anwesenden Personen ein Stück weit Sicherheit während des Präsenzunterrichts.»

Sachsen-Anhalt unterbreite außerdem als eines von wenigen Bundesländern allen Lehrkräften ein Impfangebot. Die veränderten Vorgaben für die Anwendung des Impfstoffs von Astrazeneca hätten leider in mehreren Landkreisen zu einer Verzögerung bei der Impfkampagne geführt, erklärte Grimm-Benne. «Es werden aber schnellstmöglich Ersatztermine über die Impfzentren bereitgestellt werden.»

Lehrerverband: Bayerns Schulen nach Osterferien weiter schließen

Bayerns Schulen sollen nach den Osterferien eine weitere Woche lang geschlossen bleiben - das fordert der Bayerische Realschullehrerverband. Diese Zeit müsse genutzt werden, um die Schulen auf die kommenden Monate vorzubereiten, teilte der Verband am Dienstag in München mit. Demnach solle der Unterricht erst am 19. April wieder aufgenommen werden. Wichtig sei es vor allem, eine Teststrategie zu entwickeln, sagte Landesvorsitzender Jürgen Böhm laut einer Presseerklärung.

Es sei unsinnig, Schüler zunächst mit überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln in die Schule zu bringen, dort freiwillige Tests abzunehmen, um dann die positiv Getesteten zu isolieren und von ihren Eltern abholen zu lassen, so Böhm. «Die Tests müssen entweder verbindlich zu Hause oder aber von Experten außerhalb von Schulen durchgeführt werden.» Außerdem fordere der Realschullehrerverband schon seit Monaten, allen Lehrkräften ein Impfangebot zu machen.

Wie Böhm betonte, unterstützt der Realschullehrerverband angesichts der besonders ansteckenden Virusmutationen den Stufenplan, der derzeit für Bayerns Schulen gilt: Bei einer lokalen Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 findet Wechselunterricht mit geteilten Klassen statt, bei einem Wert von über 100 wird vollständig auf Distanzunterricht umgestellt.

Holter: Noch zu früh für Entscheidung über Abi-Prüfungen

Für Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) ist es für eine Entscheidung über die diesjährigen Abiturprüfungen während der Corona-Pandemie noch zu früh. «Wir sollten noch ein Stück abwarten, wie sich das Infektionsgeschehen insgesamt entwickelt», sagte Holter MDR Aktuell. Er reagierte damit auf eine Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen der Corona-Krise notfalls ausfallen zu lassen.

Holter verwies außerdem darauf, dass die gleiche Diskussion bereits im vergangenen Jahr geführt worden sei. Die Abiturprüfungen seien dann abgelegt worden und in Thüringen im Durchschnitt sogar besser gewesen als im Jahr zuvor. Daher habe er keine Sorge, dass das Abitur schlecht ausfalle, sagte Holter. Außerdem seien die Prüfungen bereits von Anfang auf Ende Mai verschoben worden.

GEW-Chefin Marlis Tepe sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag): «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen.» Dann könnten etwa die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden. Sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen, müsste das Abitur trotzdem von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden.

GEW hofft auf «Bremswirkung» während Osterferien

Das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Osterferien ist nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wegen der Corona-Lage offen. Gewerkschaftschefin Marlis Tepe äußerte die Hoffnung, dass die Ferien eine «gewisse Bremswirkung auf das Pandemiegeschehen haben». Man müsse die Entwicklung genau beobachten, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Je nach Infektionslage müssen die Schulen nach den Ferien wieder in den Wechselunterricht gehen und auf Abstand und Hygiene achten.»

Zu den Schnelltests, die bei vielen Schülern und Lehrern nun regelmäßig zum Einsatz kommen sollen, sagte sie, diese böten eine zusätzliche Möglichkeit, Infektionen zu erkennen und Infektionsketten zu unterbinden. Da sie nicht ganz sicher seien, müssten die anderen Schutzmaßnahmen - etwa die AHA+L-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske plus Lüften) - weiter eingehalten werden.

In verschiedenen Bundesländern ist nach den Osterferien eine Testpflicht für Schüler geplant. Nach wochenlangen Schließungen hatten im Februar zunächst die meisten Grundschulen schrittweise wieder ihren Betrieb aufgenommen, anschließend waren auch einige ältere Jahrgänge im sogenannten Wechselbetrieb zurückgekehrt. Manche Schüler haben aber seit Mitte Dezember ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Wegen der erneut steigenden Corona-Zahlen droht sich die Rückkehr in die Klassen nun weiter zu verzögern. Die Kultusminister der Länder wollen an diesem Donnerstag über die Lage beraten, wie dpa aus Kreisen der Minister erfuhr.

 

05.04.2021

Scheeres will Abiturprüfungen in Berlin nicht absagen

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat sich gegen eine Streichung der Abiturprüfungen in der Corona-Pandemie gewandt. «Unsere Berliner Abiturientinnen und Abiturienten haben noch eine Woche Unterricht, danach greifen bei den Abiturprüfungen die Anpassungen und Erleichterungen, die wir bereits beschlossen haben», sagte die SPD-Politikerin am Sonntag. «Es wäre nicht richtig, diese Abiturprüfungen abzusagen. Junge Menschen wollen ein Abitur, das in ganz Deutschland und im Ausland anerkannt wird.»

Scheeres reagierte damit auf einen Vorstoß der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen», sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Dann könnten zum Beispiel die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden.»

Sorge um Schulunterricht nach Ferien - keine Abi-Prüfungen?

Wegen Corona haben manche Schüler seit Wochen ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Wie es nach den Osterferien weitergeht, ist noch offen. Und was ist mit den Abiturprüfungen in Pandemiezeiten?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie notfalls ausfallen zu lassen. Dafür erntete sie aber umgehend Widerspruch. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek blickt wegen der Pandemie mit großer Sorge auf den weiteren Schulbetrieb. «Es wird überall eine Gratwanderung sein und sehr vom regionalen Infektionsverlauf gerade auch unter den Kindern und Jugendlichen abhängen», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

GEW-Chefin Marlis Tepe sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag) zum Thema Abi-Prüfungen: «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen». Dann könnten etwa die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden. Sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen, müssten die Abiture trotzdem von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brandenburgs Ressortchefin Britta Ernst (SPD), äußerte sich zurückhaltend zur GEW-Forderung. Alle arbeiteten mit Hochdruck an sicheren Bedingungen für die Durchführung der Prüfungen. «Niemand sollte die Jugendlichen, die jetzt vor dem Abschluss stehen, zusätzlich zur normalen Prüfungsnervosität verunsichern.» Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, meinte, die Schüler hätten sich trotz Pandemie sehr intensiv auf die Prüfungen vorbereitet. «Das muss wertgeschätzt werden.» Er plädierte dafür, allenfalls die Verschiebung von Prüfungen zu erwägen, die Aufgabenpools zu erweitern und die Prüfungsräume coronasicher zu gestalten.

Der Deutsche Lehrerverband wandte sich klar gegen einen Ausfall von Abiturprüfungen. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger sagte der «Rheinischen Post» (Dienstag): «Bereits im letzten Jahr für das letztjährige Abitur hatte die GEW diese Forderung erhoben, und es war im Nachhinein gesehen absolut richtig, dass die Bundesländer dieser damals Forderung nicht gefolgt sind.» Viele Bundesländer
hätten dieses Jahr schon auf die steigenden Inzidenzen reagiert und die Abiturprüfungen auf Termine im Mai und Juni verschoben. Auch der Deutsche Philologenverband sprach sich in den Zeitungen der Funke Mediengruppe für reguläre Abiturprüfungen aus.

Nach dpa-Informationen aus Kultusministerkreisen werden die Ressortchefs am Donnerstag über die Lage beraten. Die Osterferien enden in vielen Bundesländern am kommenden Wochenende, mancherorts aber auch etwas früher oder später. Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet hatte kürzlich erklärte, er wolle eine bundesweit einheitliche Regelung erreichen, wie es für die Schulen in der Corona-Pandemie nach den Osterferien weitergeht. «Es kann einen Konsens der Kultusministerkonferenz geben, den wir alle verbindlich umsetzen.» Die Ministerpräsidenten beraten nach den bisherigen Planungen am 12. April wieder über die Corona-Lage und mögliche Maßnahmen.

Nach wochenlangen Schließungen hatten im Februar zunächst die meisten Grundschulen schrittweise wieder ihren Betrieb aufgenommen, danach waren auch einige ältere Jahrgänge im sogenannten Wechselbetrieb zurückgekehrt. Manche Schüler haben aber seit Mitte Dezember ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Wegen der erneut steigenden Corona-Zahlen droht sich die Rückkehr in die Klassen weiter zu verzögern. Debattiert wird zudem über eine Testpflicht für Kinder als Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht, wie manche Länder sie schon beschlossen haben. Der Städtetag Nordrhein-Westfalen bezweifelte etwa, dass genügend Corona-Tests zur Verfügung stehen, falls die Schulen nach den Osterferien wieder geöffnet werden.

Der Chef des Städte- und Gemeindebunds wünscht sich bei der Pandemiebekämpfung grundsätzlich mehr Einheitlichkeit zwischen den Bundesländern trotz regional angepasster Maßnahmen. Die Menschen könnten die unterschiedlichen Regelungen sonst kaum nachvollziehen, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Ein Bundesgesetz für einheitliche Maßnahmen, wie es Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vorgeschlagen hat, käme aus Landsbergs Sicht wegen des «erfahrungsgemäß» mehrwöchigen Gesetzgebungsverfahrens aber für die dritte Welle wohl zu spät.

Seehofer hatte der «Welt am Sonntag» gesagt, dass so ein Gesetz in kürzester Zeit beschlossen werden könnte. Auch ein Regierungssprecher hatte von Überlegungen zu einheitlichen Vorgaben zur Eindämmung der dritten Corona-Welle gesprochen - falls das Vorgehen der Länder nicht ausreiche. Landsberg meinte: «Bund und Länder könnten sich auch kurzfristig auf strengere gemeinsame Regeln verständigen. Das würde allerdings voraussetzen, dass sich dann auch alle wirklich an die getroffenen Vereinbarungen halten». Das Infektionsgeschehen sei dramatisch. «Die Notbremse muss jetzt konsequent umgesetzt werden.»

Unterdessen will das Saarland nach monatelangem Lockdown von Dienstag an Öffnungsschritte gehen: Unter anderem Theater, Kinos, Fitnessstudios und die Außengastronomie sollen wieder aufsperren - Voraussetzung für Gäste und Nutzer ist ein negativer Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Im Freien dürfen maximal zehn Personen zusammenkommen, wenn sie negativ getestet worden sind.

Genügend Corona-Tests für Schulen in NRW? - Städtetag zweifelt

In der letzten Osterferienwoche wachsen bei allen Betroffenen die Sorgen, wie es nun an Kitas und Schulen weitergeht. Auch die Städte verlangen von der Landesregierung klare Kriterien für Öffnen oder Schließen und mehr Schutz für Kinder und Lehrer und Erzieher.

Der Städtetag Nordrhein-Westfalen zweifelt, dass genügend Corona-Tests zur Verfügung stehen, falls die Schulen nach den Osterferien wieder geöffnet werden. Zwar habe die Landesregierung eine Testpflicht an Schulen angekündigt, sagte der Landesvorsitzende des Städtetags, Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen, der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Um die versprochenen zwei Selbsttests pro Schüler zur Verfügung zu stellen, seien wöchentlich aber etwa fünf Millionen Test-Sets nötig. «Diese Menge ist bisher bei weitem nicht vorhanden», sagte Clausen. «Das Land muss jetzt liefern.»

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte in der vergangenen Woche versichert, die Auslieferungen an die Schulen würden auch in den Ferien fortgesetzt. Damit sei «sichergestellt, dass bei einem Schulstart nach den Osterferien für alle Schülerinnen und Schüler zwei Selbsttests pro Woche bereitstehen».

Dann müssten die Test-Kits jetzt aber schnell und in großen Mengen ankommen, unterstrich Clausen. «Die Städte wollen, dass Schulunterricht nicht nur digital, sondern auch wieder mit Präsenz weitergehen kann, sobald es die Infektionslage zulässt.» Das sei aber nur verantwortbar, wenn die Tests tatsächlich vorhanden seien.

Zu prüfen sei, ob künftig nicht besser zu Hause getestet werden sollte. «Dann würden positiv Getestete gar nicht erst in die Schule kommen.» Diese Forderung hatten zuvor auch Lehrergewerkschaften und die SPD-Opposition erhoben. «Nur mit mehr Impfungen der Lehrkräfte und regelmäßigen Tests wird es gelingen, den Präsenzunterricht in den Schulen unter schwierigen Pandemiebedingungen aufrecht zu erhalten», mahnte Clausen.

Darüber hinaus müsse die Landesregierung rasch festlegen, ab welchem landesweiten Inzidenzwert Schulen in den Distanzunterricht und Kitas in die Notbetreuung wechseln sollten. Eltern, Lehrkräfte, Erzieher, aber auch die kommunalen Träger von Kitas und Schulen müssten wissen, welche Grundregeln nach den Osterferien gelten.

«Die Städte brauchen klare Kriterien für die lokale Notbremse ab dem Inzidenzwert 100», forderte Clausen. «Wir müssen in dieser Situation vor Ort über Schul- und Kitaschließungen entscheiden und auf Notbetreuung umstellen können.» Falls sich in einer Stadt Kinder und Jugendliche deutlich häufiger infizierten als Erwachsene, müsse möglicherweise schneller bei Schulen und Kitas gehandelt werden.

Gebauer hatte für diese Woche Gespräche mit Schulverbänden zur Wiederaufnahme des Unterrichts avisiert. Bereits in der vorletzten Woche hatte das Schulministerium angekündigt, dass es im bevölkerungsreichsten Bundesland nach den Osterferien zunächst keinen Regelbetrieb mit vollständigem Präsenzunterricht geben werde. Sofern es das Infektionsgeschehen zulasse, sollen die Schulen zunächst für die Dauer von zwei Wochen in den Wechselunterricht starten.

Auch für den Kitabereich werden Gespräche mit den beteiligten Verbänden erwartet.

GEW: Abiturprüfungen wegen Corona notfalls ausfallen lassen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, wegen der Corona-Pandemie die Abiturprüfungen in diesem Jahr notfalls ausfallen zu lassen. «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen», sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). «Dann könnten zum Beispiel die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden.»

Tepe sagte, sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen, müssten die Abiture trotzdem von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden. Das Abitur 2021 brauche die volle Anerkennung und Wertschätzung.

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte im RND-Podcast «Die Schulstunde», die Kultusministerkonferenz gehe davon aus, dass die Abiturprüfungen in diesem Jahr überall stattfänden. Eine Absage von Prüfungen wäre nach seinen Worten zum Nachteil der Schüler. «Sie würden den Jugendlichen fürs Leben einen Malus mitgeben. Das wären für immer diejenigen, die das Corona-Notabitur gemacht hätten.» Alle sollten später stolz sagen können: «Ich habe ein ganz reguläres Abitur geschrieben wie alle anderen auch – und das noch unter Pandemiebedingungen.»

04.04.2021

Wegen Corona: Erstklässler ohne Untersuchung vor Schulbeginn

Wegen der hohen Belastung der Gesundheitsämter in der Corona-Pandemie werden in Thüringen voraussichtlich Hunderte Kinder ohne ärztliche Untersuchung eingeschult. Die Amtsärzte gingen derzeit nicht davon aus, bis Ende Juli alle Schulanfänger begutachten zu können, berichtete MDR Thüringen nach einer Umfrage unter den Gesundheitsämtern in Thüringen. Grund dafür sei, dass in vielen Kreisen das gesamte Personal im Zuge der Corona-Pandemie eingespannt ist.

In Thüringen kommen in diesem Jahr etwa 17 000 Kinder in die Schule. In der Schuleingangsuntersuchung wird festgestellt, ob das Kind für den Besuch der ersten Klasse geeignet ist, es eine spezielle Förderung benötigt oder es gar zurückgestellt werden muss. Normalerweise sind die Untersuchungen spätestens Ende Mai beendet.

03.04.2021

Demonstrationen in Harzgerode gegen Testpflicht bei Kindern

Bei einer Demonstration unter dem Motto «Nein zur Testpflicht» sind am Karsamstag mehrere Menschen in Harzgerode (Harz) auf die Straße gegangen. Insgesamt seien etwa 73 Demonstranten vor Ort gewesen, teilte die Polizei mit. Die Teilnehmer hätten insbesondere gegen eine Corona-Testpflicht bei Kindern protestiert, berichtete ein dpa-Reporter. Die Veranstaltung blieb laut Polizei ohne weitere Zwischenfälle oder Verstöße gegen die Eindämmungsverordnung des Landes.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hatte zuletzt eine Testpflicht an Schulen ab dem 12. April angekündigt. Demnach wären die Testungen eine zwingende Voraussetzung an der Teilnahme zum Präsenzunterricht. Schüler und Lehrer sollen sich dann zwei mal wöchentlich testen lassen, oder das Schulgelände nicht mehr betreten dürfen. Die Tests stellt das Land bereit.

Mehr Schüler nutzen Nachhilfe in Corona-Pandemie

Im Distanzunterricht in der Corona-Zeit sind bei Schülern teils große Wissenslücken entstanden. Daher ist der Ansturm auf Nachhilfe derzeit groß. Mit der Pandemie sei die Nachfrage beispielsweise in Trier deutlich gestiegen, sagt der Geschäftsführer des Instituts Schülerhilfe Trier, Marcel Monz. «Viele Kinder haben Riesenlücken. Das wird sie noch mehrere Jahre beschäftigen.»

Der Landeselternsprecher in Rheinland-Pfalz, Reiner Schladweiler, schätzt, dass inzwischen jedes fünfte Kind Nachhilfe bekommt. Nicht jede Familie könne sich aber private Nachhilfe leisten - gerade, wenn man mehrere Kinder habe. Um Wissenslücken aufzufangen, müsse das Thema im Land möglichst schnell angegangen werden, sagte er.

Er denkt dabei an einen großen Tisch, an dem Bildungsministerium, Schulen, Lehrer und Eltern an einem «Rundumschlag» arbeiten sollten. «Es wird nicht einfach, aber wir brauchen Lösungen, um nach den Sommerferien voranzugehen», sagt Schladweiler. Eine Option sei das freiwillige Wiederholen eines Schuljahres. Aber auch mehr Geld für Lehrkräfte oder Bildungsgutscheine für finanziell schwache Familien, um Nachhilfe zu bezahlen, seien sinnvoll.

Letztes sieht der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) kritisch. «Die finanziellen Spritzen brauchen wir für mehr gut ausgebildetes Personal und multiprofessionelle Teams», teilt die Sprecherin des Verbandes in Mainz mit. Den Lehrern sei bekannt, dass die Pandemie bei vielen Schülern zu Lernrückständen geführt habe. «Und genau die wissen am besten, wie die Rückstände wieder aufgeholt werden können.»

02.04.2021

Laschet will bundesweit einheitliche Lösung für Schulen

Schluss mit dem Corona-Flickenteppich an Schulen - das wünschen sich viele. NRW-Ministerpräsident Laschet will dazu einen Konsens der Länder, «den wir alle verbindlich umsetzen». Derweilen wächst in der Bevölkerung das Bedürfnis nach härteren Maßnahmen gegen die Pandemie.

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet will eine bundesweit einheitliche Regelung erreichen, wie es für die Schulen in der Corona-Pandemie nach den Osterferien weitergeht. Diese sollten die Länder selbst treffen und nicht der Bund. Ob es dann eine Testpflicht für Schüler im Präsenzunterricht geben soll, ist umstritten.

Laschet, der auch nordrhein-westfälischer Ministerpräsident ist, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Ich wünsche mir, dass alles, was wir in den kommenden Wochen tun, möglichst bundeseinheitlich erfolgt.» Das sei auch in Schulfragen möglich. «Es kann einen Konsens der Kultusministerkonferenz geben, den wir alle verbindlich umsetzen.» Ob die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen werden, ist Laschet zufolge noch nicht entschieden. Er gehe davon aus, dass «wir bis zum Ende der nächsten Woche Klarheit haben, wie es mit dem Schulstart und den sicheren Bedingungen ist». In jedem Fall müsse gewährleistet sein, dass in jeder Schule zweimal pro Woche getestet werden könne und sich Schüler dem Test nicht entziehen.

Der Städte- und Gemeindebund forderte ein Unterrichtsverbot für Schüler, die keinen Corona-Test machen wollen. «Wer sich nicht testen lassen möchte, sollte nach den Osterferien nicht am Schulunterricht in Präsenz teilnehmen dürfen», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zuletzt hatten mehrere Bundesländer bereits eine Testpflicht beschlossen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte der «Welt», sein Verband unterstütze die Forderung nach einer Testpflicht für Schüler als Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht. «Eine umfassende flächendeckende Testpflicht, mindestens zweimal wöchentlich, am besten aber täglich, ist neben der vorgezogenen Impfung von Lehrkräften der zweite wichtige Baustein für mehr Gesundheitsschutz an Schulen und eine Grundvoraussetzung dafür, diese weiter offenzuhalten, wenn die Inzidenzzahlen dies zulassen.»

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, meinte hingegen in der «Welt»: «Es geht darum, möglichst alle Schülerinnen und Schüler zu testen. Ob eine Pflicht der einzige Weg ist, bleibt fraglich.» Es gebe viele offene Fragen. «Gemeinsam im Klassenzimmer zu testen, birgt verschiedene Risiken, wie das Vertauschen oder das Anrempeln bei der Umsetzung.» Tests in der Verantwortung von Lehrern lehne der VBE deshalb ab. «Optimal wäre die
Begleitung der Tests an der Schule durch externes Personal, wobei
das Testergebnis noch vor Schulbeginn vorliegen muss.»

Unterdessen meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 21 888 Corona-Neuinfektionen. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 232 neue Todesfälle verzeichnet, wie aus Zahlen des RKI vom Freitag hervorgeht. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 21 573 Neuinfektionen und 183 neue Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Freitagmorgen bundesweit bei 134,0 - und damit etwa so hoch wie am Vortag (134,2).

Die bedenkliche Entwicklung der Corona-Infektionszahlen überschattet auch in diesem Jahr wieder das Osterfest. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 60 Prozent, dass sie an dem langen Oster-Wochenende noch nicht einmal einen Tagesausflug planten. 10 Prozent wollen im Inland verreisen, weitere 2 Prozent wollen ins Ausland. Bei 19 Prozent steht mindestens ein Tagesausflug ins Umland ihres Wohnorts an. 6 Prozent hatten sich zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht entschieden, 4 Prozent machten keine Angaben.

Die Regierungen von Bund und Ländern haben in ihrem jüngsten Beschluss zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eindringlich dazu aufgerufen, «auf nicht zwingend notwendige Reisen im Inland und auch ins Ausland zu verzichten - auch hinsichtlich der bevorstehenden Ostertage». Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wiederholte den Appell am Donnerstag in einer Videobotschaft.

In der Bevölkerung gibt es bei der Frage nach weiteren Verschärfung einen klaren Trend: In der YouGov-Umfrage sprachen sich 47 Prozent dafür aus, den bestehenden Lockdown zu verschärfen. Dagegen sind nur 30 Prozent für eine Lockerung oder Abschaffung der Einschränkungen. 17 Prozent meinen, sie sollten so bleiben wie sie sind. Vor zwei Wochen hatten sich in einer vergleichbaren YouGov-Umfrage nur 30 Prozent für Verschärfungen ausgesprochen.

Eine klare Mehrheit von 56 Prozent ist dabei laut der Umfrage für nächtliche Ausgangsbeschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie. Merkel hatte am Sonntag in der ARD-Sendung «Anne Will» gesagt, Ausgangsbeschränkungen könnten in Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen «ein ganz wirksames Mittel sein». In Berlin und Hamburg traten am Freitag solche Maßnahmen in Kraft. In beiden Städten gelten sie - mit Ausnahmen - zwischen 21.00 und 5.00 Uhr.

Im Saarland geht die Politik einen anderen Weg: Der Ministerrat beschloss dort die Umsetzung der geplanten Öffnungen mit verstärktem Testen in der Corona-Pandemie ab kommenden Dienstag. «An die Stelle der reinen Kontaktbeschränkungen werden Testauflagen treten», sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Das Saarland will nach monatelangem Lockdown vom 6. April an Öffnungsschritte gehen: Unter anderem Theater, Kinos, Fitnessstudios und die Außengastronomie sollen wieder aufsperren - Voraussetzung für Gäste und Nutzer ist ein negativer Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

01.04.2021

Baden-Württemberg: Fernunterricht für Grundschulen und Unterstufe

Das Land Baden-Württemberg nimmt wegen der schnell steigenden Corona-Infektionszahlen nach den Osterferien zunächst Öffnungsschritte an den Schulen zurück. In der ersten Woche ab dem 12. April kehren die Grundschüler und auch die 5. und 6. Klassen zunächst in den Fernunterricht zurück, wie das Kultusministerium den Schulen am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Geöffnet bleiben Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren,auch die Abschlussklassen sollen teilweise in Präsenz unterricht werden.

In der Woche ab dem 19. April sollen alle Klassen im Wechsel in die Schulen zurückkehren, «sofern es das Infektionsgeschehen dann zulässt», schrieb Ministerialdirektor Michael Föll. Dann soll es auch eine Testpflicht für alle Schülerinnen und Schüler geben, die am Präsenzunterricht teilnehmen.

Die Stadt Heilbronn hat wegen hoher Corona-Infektionszahlen Ausgangsbeschränkungen für die Nächte verhängt. Sie gelten von Dienstag an zwischen 21.00 Uhr und 5.00 Uhr morgens, teilte die Stadt in einer Allgemeinverfügung am Donnerstagabend mit. Die Maßnahme bleibe vorerst bis zum 5. Mai in Kraft, könne aber bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 auch früher ausgehoben werden. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen 7 Tage liegt nach Angaben der Stadt aktuell über 150. Ausnahmen gelten beispielsweise bei Notfällen, für berufliche Tätigkeiten oder für das Gassigehen mit dem Hund.

Auch Nordrhein-Westfalen führt Selbsttestpflicht an Schulen ein

Auch Nordrhein-Westfalen führt nach den Osterferien eine Testpflicht für Schülerinnen und Schüler ein. «Verpflichtende Selbsttests als zusätzliche Sicherheit tragen dazu bei, das Dunkelfeld von symptomlos Erkrankten aufzuhellen und die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Sie sorgen dafür, dass der Schulbetrieb sicherer wird», begründete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag in Düsseldorf den Schritt. Die Kinder und Jugendlichen aller Schulen sollen nach ihren Worten zwei Mal pro Woche Selbsttests durchführen.

Zuvor hatten bereits mehrere andere Bundesländer eine Testpflicht an den Schulen für die Zeit nach Ostern beschlossen. Ministerin Gebauer betonte, Selbsttests würden in den Schulen gut angenommen und die Durchführung gelinge weitestgehend problemlos. Es werde sichergestellt, dass bei einem Schulstart nach den Osterferien für alle Schülerinnen und Schüler zwei Selbsttests pro Woche bereitstehen.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte eine mögliche Testpflicht für Schüler erst am Dienstagabend in der ZDF-Sendung «Markus Lanz» ins Spiel gebracht. Dort sagte er, man merke, dass Kinder viel stärker von Mutationen des Virus betroffen seien. «Deshalb brauchen wir da klare Regeln.»

Holetschek kann sich Testpflicht für Schüler und Lehrer vorstellen

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hält eine Testpflicht für Schüler und Lehrer zur Gewährleistung des Präsenzunterricht an den Schulen für denkbar. Die Inzidenzzahlen stiegen, auch sehr viele Jüngere seien betroffen. «Diese Situation muss man natürlich auch nochmal neu beurteilen», sagte der Minister am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Auf die Frage, ob er für eine Testpflicht sei, sagte Holetschek: «Ich kann mir das sehr gut vorstellen, wenn es möglich ist.»

Bisher sei die Bereitschaft zum Testen von Schulkindern in Deutschland nicht sehr stark ausprägt. Es gelte jetzt, den rechtlichen Rahmen abzuklopfen.

«Wir haben in Bayern sehr viele dieser Selbsttests und Antigen-Schnelltests bestellt, gekauft und an alle ausgeliefert, und wir werden ein sehr engmaschiges Testregime dort fahren», sagte Holetschek. In der Woche nach Ostern solle im Kabinett die Situation an den Schulen nochmals beleuchtet werden.

Umfrage: Elternschaft bei Testpflicht an Schulen zweigeteilt

Bei der Frage nach einer Coronatest-Pflicht für Schüler und Lehrer sind die Erziehungsberechtigten in Summe zweigeteilt: Laut einer Umfrage der Landeselternschaft der Gymnasien, bei der laut dem Verband 70 000 Eltern mitmachten, sagten 47,9 Prozent, die Schnelltests sollten freiwillig bleiben. 50 Prozent verneinten das. 2,1 Prozent machten keine Angabe.

Bei der Frage nach der Häufigkeit der Testungen waren 39 Prozent für zwei Mal in der Woche, 20,9 für ein Mal pro Woche und 18,1 Prozent für drei Mal jede Woche. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte eine mögliche Testpflicht für Schüler am Dienstagabend in der ZDF-Sendung «Markus Lanz» ins Spiel gebracht. Opposition und Verbände sind ebenfalls dafür. Die Umfrage war laut Landeselternschaft noch davor, kurz vor den Osterferien, gestartet worden.

30.03.2021

Sachsen-Anhalt will mit Modell-Öffnungen die Infektionen senken

Sachsen-Anhalts Landesregierung hält trotz der hohen Infektionswerte an den versuchsweisen Öffnungen fest - und erklärt, was sie sich davon verspricht. Lehrer und Schüler müssen sich derweil auf vermehrte Tests einstellen.

Die schwarz-rot-grüne Landesregierung will trotz der hohen Corona-Zahlen im Land Öffnungen im Rahmen von Modellprojekten zulassen. Das stehe dem Kampf gegen die Pandemie nicht im Wege. «Modellprojekte sind keine Öffnungsprojekte», sagte Haseloff am Dienstag nach einer Sitzung des Landeskabinetts. «Es sind risikominimierende Projekte.» Die Landesregierung wolle damit Bereiche, die «in die Illegalität oder Unkontrollierbarkeit» geraten seien, «reinholen in die Transparenz». Von den versuchsweisen Öffnungen verspricht sich die Landesregierung Erkenntnisse über die Effizienz verschiedener Hygienekonzepte und der Nachverfolgbarkeit von Kontakten.

Es nütze nichts, noch weitere Verschärfungen zu fordern. «Wir haben den Lockdown», sagte Haseloff. Aber die Maßnahmen müssten auch punktgenau greifen. Es nütze nichts, Andeutungen zu machen oder Maßnahmen «anzutäuschen», sagte der Ministerpräsident. «Wir brauchen Wirkungstreffer.»

Mit der seit Montag gültigen elften Corona-Landesverordnung können Landkreise unter bestimmten Bedingungen in den Bereichen Handel, Gastwirtschaft und Beherbergung Öffnungen im Rahmen von Modellprojekten zulassen. Unter anderem der Harz will davon Gebrauch machen. Am Dienstag stellte Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch die Bedingungen für einen Antrag vor. Er vertrat Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD), der wegen einer Warnung der Corona-App nach der vergangenen Bundesratssitzung in Quarantäne ist.

Die Modellöffnungen sind demnach nur möglich, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz unter 200 liegt. Übersteigt sie den Wert an fünf Tagen nacheinander, will das Land die Genehmigung für die Projekte zurückziehen. Die Gesundheitsämter müssen die Lage und den Hygieneplan der Antragsteller außerdem absegnen, bevor er eingereicht wird. Bedingung ist weiterhin die elektronische Nachverfolgbarkeit der Kontakte. Dazu stellt die Landesregierung in den kommenden Wochen kostenlos die Luca-App zur Verfügung, wie Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Dienstag ankündigte.

Mit der App können Gäste anonym in Restaurants oder anderen Zielen einchecken. Tritt dort eine Infektion auf, soll das Gesundheitsamt die Kontakte schneller und sicherer nachverfolgen können, als etwa mit ausliegenden Listen.

Willingmann begrüßte in einer Mitteilung die Öffnungen, mahnte aber zur Vorsicht. «Angesichts der steigenden Infektionszahlen auch in Sachsen-Anhalt bin ich hinsichtlich des Starts erster Modellprojekte unmittelbar nach Ostern jedoch skeptisch», teilte Willingmann mit. «Nach wie vor besteht unser oberstes Ziel in der Pandemie darin, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.» Die Beurteilung der Gesundheitsämter sei daher von erheblicher Bedeutung.

Unterdessen ist die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle im Land nach Angaben des Sozialministeriums binnen eines Tages um 398 - im Vergleich zum Montag - gestiegen. Damit liege die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Sachsen-Anhalt bei 72 595 (Stand: 30. März, 13:44 Uhr). Derzeit sind den Angaben nach 95 Intensiv- und Beatmungsbetten mit Covid-19-Patienten belegt, davon müssen 47 Menschen beatmet werden. Acht weitere Menschen sind an oder mit dem Coronavirus gestorben, insgesamt seit Ausbruch der Pandemie 2735. Die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Dienstag nach Angaben des Landes bei 172,73 nach 173,6 am Montag.

Neben den Modellversuchen beriet das Kabinett am Dienstag auch das weitere Vorgehen in Sachen Schule, Impfen und Testen. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) kündigte eine Testpflicht an Schulen ab dem 12. April an. Schüler und Lehrer sollen sich dann zwei mal wöchentlich testen lassen, oder das Schulgelände nicht mehr betreten dürfen. Die Tests stellt das Land bereit. Schließungen seien zunächst kein Thema in Sachsen-Anhalt: «Das klare Signal heißt erstmal: Die Schulen bleiben geöffnet.»

Haseloff sprach sich darüber hinaus für eine Testpflicht auch in Unternehmen aus. Er sei froh, dass der Burgenlandkreis eine solche für Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern schon durchgesetzt hat, ohne erst auf den Bund zu warten. Der könne etwa im Arbeitsschutz viel mehr regeln, als er es bisher tue. «Wenn der Bund alle Optionen, die er hat, ziehen würde, hätten wir keine Diskussion», sagte der Chef der Magdeburger Kenia-Koalition. «Ich hab der Kanzlerin Mut gemacht, das, was sie schon kann, offensiv zu machen.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) wollten sich am Abend noch mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zusammenschalten, um über den weiteren Umgang mit dem Impfstoff von Astrazeneca zu beraten. Unter anderem Berlin und Brandenburg hatten die Nutzung am Dienstag wegen neuerlicher Bedenken zur Sicherheit auf über 60-Jährige beschränkt.

Sachsen-Anhalt wollte laut Grimm-Benne zunächst abwarten, ob die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlungen bei einer Runde der Gesundheitsminister der Länder am Abend ändert. Bis dahin sollte es kein landesweites Moratorium geben.

Die Stiko empfiehlt eine Corona-Impfung mit Astrazeneca nur noch für Menschen über 60 Jahren, wie die Expertengruppe am Dienstagabend mitteilte. Zur Zweitimpfung von Menschen, die bereits die erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine Empfehlung abgeben.

Schülervertretung fordert Testpflicht für alle nach den Osterferien

Die Thüringer Landesschülervertretung hat eine verpflichtende Testpflicht nach dem Ende der Osterferien gefordert. «Um die Schulen zu einem möglichst sicheren Ort zu machen, brauchen wir eine verpflichtende Testung für absolut jede Person, die das Gebäude betreten möchte», erklärte Selma Konrad, Vorsitzende der Landesschülervertretung Thüringen, am Dienstag in Erfurt. Doch schon beim aktuell bestehenden Testangebot bestehe deutlicher Verbesserungsbedarf. In Zukunft sollten Schülerinnen und Schüler sich zweimal in der Woche testen lassen können. Nach Ansicht der Schülervertretung müsse ab Mitte April für möglichst viele Klassenstufen Wechselunterricht angeboten werden.

Nach Angaben des Gesunheitsministeriums sind Schnelltests für Schülerinnnen und Schüler zur Selbstanwendung in Vorbereitung. Ziel sei es, nach den Osterferien flächendeckend entsprechende Testangebote machen zu können.

Experte gegen Öffnungen im Saarland zum jetzigen Zeitpunkt

Im Saarland könnte die Inzidenz in der nächsten Woche bei 100 liegen, bundesweit bei 200. Ein Experte für Corona-Prognosen warnt daher vor dem jetzigen Start von Öffnungsmodellen wie im Saarland - und fordert bundesweit rasches Handeln, um die dritte Welle zu brechen.

Vom Start des geplanten Öffnungsmodells im Saarland zum Zeitpunkt ab dem 6. April hat der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr abgeraten. «Ich halte das momentan für das falsche Signal, in Zeiten des Wachstums, auf massive Öffnungen zu setzen», sagte der Experte für Corona-Prognosen am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Auch wenn die Zahlen im Saarland im bundesweiten Vergleich niedriger seien: «Wir sehen auch hier einen kontinuierlichen Anstieg.»

Nach seinen Berechnungen erwartet er, «dass wir im Saarland Anfang April, rund um den geplanten Starttermin, die Inzidenz von 100 erreichen könnten.» Er halte «Lockerungen und Pilotprojekte, wenn sie auf einer solch hohen Flughöhe starten, für sehr schwierig». Vor dem Start des Modellprojekts im Saarland, das auf Lockerungen durch massenhaftes Testen setzt, müsse man das Infektionsgeschehen «erst einmal wieder besser in den Griff bekommen».

Derzeit liege die Sieben-Tage-Inzidenz in dem Land mit knapp einer Million Einwohnern bei knapp über 80. Tendenz steigend. «Das ist einfach zu hoch. Da würden wir den guten Gedanken des Modells riskieren.» Von daher wäre es sinnvoller: «Jetzt zu warten.» Seiner Ansicht nach seien solche Modellprojekte ab einer stabilen Inzidenz von knapp über 50 richtig. Der R-Wert dürfe maximal 1,0 sein.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hatte vergangenen Donnerstag den Start des «Saarland-Modells» ab dem 6. April angekündigt - sofern die 7-Tage-Inzidenz stabil bei unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern liegt. Am Montagabend teilte er über Twitter mit, dass sich der Starttermin «wegen exponentiellem Wachstum einer 3. Welle» verschieben könnte. Das Modell werde aber auf jeden Fall kommen.

Das Saarland will bislang vom 6. April an Kinos, Theater, Fitnessstudios und die Außengastronomie wieder öffnen. Voraussetzung für Gäste und Nutzer ist ein tagesaktueller negativer Schnelltest. Zudem dürfen dann im Freien maximal zehn Personen zusammenkommen, wenn sie negativ getestet worden sind.

Lehr sagte, wenn man das Projekt zum 6. April starte, sei es wahrscheinlich, dass es dann «relativ schnell» wieder angehalten werden müsse. «Ich glaube, der Zeitraum, den das Projekt unbeschwert laufen könnte, könnte relativ kurz sein.»

Er sieht zudem die Größe des «Saarland-Modells» kritisch: «Ich finde ein ganzes Bundesland als Modellprojekt sehr umfangreich.» Zudem plädiere er bei den Projekten für ein deutschlandweit koordiniertes Aufmachen von jeweils wenigen Bereichen: «Dass nicht alle das Gleiche machen und man daraus lernen kann.»

Der Trend der Neuinfektionen gehe derzeit in allen Bundesländern «relativ steil nach oben», sagte Lehr nach Analyse der jüngsten Zahlen des «Covid-Simulators» an der Universität des Saarlandes. Bundesweit rechne er im Laufe der nächsten Woche mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200. Mitte bis Ende April könne der Wert dann bei 300 liegen - falls es keine Maßnahmen gebe.

Mit Sorge betrachte er den Anstieg der Zahlen auf den Intensivstationen in den deutschen Krankenhäusern. «Wenn jetzt nichts passieren wird, dann wären wir Mitte April bei 6000 belegten Betten. Das ist das, was wir in Peak-Zeiten hatten.»

Angesichts der Zahlen ging Lehr davon aus, dass es einen erneuten Lockdown geben wird. «Die Politik wird einschreiten. Niemand wird letztlich die Inzidenz so frei laufen lassen.» Es müsse aber «flott» etwas passieren. «Selbst wenn ich sofort einen Lockdown mache, dann dauert es zwei bis vier Wochen, bis er in der Klinik ankommt.»

Der Professor für Klinische Pharmazie an der Uni des Saarlandes hat mit seinem Forscherteam einen «Covid-Simulator» entwickelt, der das Infektionsgeschehen in Deutschland berechnet und Prognosen liefert: für ganz Deutschland, die einzelnen Bundesländer bis hin auf Landkreisebene. Er kann auch online genutzt werden.

Söder: Schulen machen größte Sorge - Große Zurückhaltung bei Tests

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder sieht die Entwicklung in den Schulen in der Corona-Pandemie nach eigenen Worten derzeit mit «höchster Sorge». Dabei sei auch die spürbare Zurückhaltung der Eltern bei der Einwilligung für Corona-Tests problematisch, sagte Söder am Dienstag in München. In Regionen mit einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche bleibe es in Bayern deshalb für Lehrer wie Schüler für die Teilnahme am Unterricht in den Klassenräumen bei einer Testpflicht. «Sonst läuft uns das pandemische Geschehen in der Schule davon.»

Auch bei den Kindern und Jugendlichen steige die Gefahr von schwereren Krankheitsverläufen, sagte Söder. Der Schutz vor einer Ansteckung sei deshalb der oberste Maßstab. «Die Bildungsqualität der Schülerinnen und Schüler zu halten ist das eine, aber ihre Gesundheit ist mindestens genauso viel wert.» Der auch bundesweit zu beobachtende «Flickenteppich» mit einem Mix aus Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht sorge für große Verwirrung in der Bevölkerung.

Neue Corona-Regeln: Maskenpflicht ab Klasse 5 und mehr Tests

Vom 1. April an gelten im Kampf gegen die Corona-Pandemie neue Regeln in Sachsen. Vieles ist dann nur noch mit negativem Test möglich - etwa ein Friseurbesuch.

Nach den Beratungen von Bund und Ländern hat Sachsen die neuen Corona-Regeln für die nächsten Wochen beschlossen. «Die Lage ist wirklich ernst», sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag mit Blick auf steigende Infektionszahlen. Mit der neuen Verordnung, die vom 1. bis 18. April gilt, weitet Sachsen unter anderem die Test- und Maskenpflicht in bestimmten Bereichen aus. Vieles ist künftig nur mit einem negativen Corona-Test möglich, etwa ein Friseurbesuch oder das Shoppen mit Termin.

Sorgen bereiten der Regierung vor allem die Virusmutationen. Bisher sind im Freistaat 5391 Mutationen nachgewiesen, davon in 4485 Fällen die britische Variante, 91 Mal die südafrikanische und drei Mal die brasilianische. Schwerpunkt ist demnach Dresden mit mehr als 700 Fällen.

Köpping rechnet damit, dass Sachsen nach Ostern die kritische Schwelle von 1300 Covid-Patienten in den Krankenhäusern erreicht. Dann müssten Lockerungen zurückgenommen werden. Man habe lange im Kabinett vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen beraten. Das sind die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

SCHULEN: Sachsen will nach Ostern Schulen und Kitas unabhängig von der Zahl der Neuinfektionen öffnen. «Trotz steigender Infektionszahlen wollen wir den Kindern und Jugendlichen den Kita- und Schulbesuch ermöglichen», sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Statt wie bisher einmal müssen sich Schüler dann zweimal pro Woche selbst testen. Neu: Die Testpflicht gilt künftig schon ab der ersten Klasse - also auch für Grundschüler.

Die Schulbesuchspflicht wird in allen Bereichen ausgesetzt - Eltern können also frei entscheiden, ob ihr Kind die Schule besucht. Laut Kultusministerium haben 25 Mitarbeiter an Schulen bisher einen Test verweigert, bei den Schülern liegt die Quote bei zwei Prozent - für sie gilt ein Betretungsverbot. Dafür habe er kein Verständnis, bemerkte Piwarz.

KITAS: In den Kitas werden die Erzieher ebenfalls zweimal pro Woche getestet, Corona-Tests für Kleindkinder sind aber nicht vorgesehen. Eltern sollen ihre Kinder auf dem Außengelände abgeben oder abholen. Wer seine Kinder ins Kita-Gebäude hinein begleiten möchte, muss einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als drei Tage sein darf. Piwarz nannte das umfangreiche Testregime einen Zwischenschritt auf dem Weg zur Herdenimmunität durch die Corona-Impfungen.

MASKENPFLICHT: Schüler ab der fünften Klasse müssen im Unterricht mindestens eine medizinische Maske tragen. Für Lehrer und Schüler gilt zudem auf dem Schulgelände sowie im Schulhaus Maskenpflicht. Der Mund-Nasenschutz für die Schulen wird nicht vom Land bezahlt. Man sei nicht in einer «Vollversorgungsgesellschaft», sagte Piwarz. Die Masken seien als «Cent-Artikel» von jedem zu beschaffen.

Sachsen hat zudem die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit präzisiert. «Überall dort, wo sich Menschen begegnen, muss eine Maske getragen werden», erklärte Köpping. Ab 1. April greift die Regelung für Fußgängerzonen von 6 bis 24 Uhr, ebenso auf Spielplätzen, Wochenmärkten, Verkaufsständen und beim Aholen und Liefern von Speisen.

KONTAKTBESCHRÄNKUNGEN: Die privaten Kontaktbeschränkungen bleiben prinzipiell bestehen. Wie bisher dürfen sich zwei Hausstände mit höchstens fünf Personen treffen; Kinder unter 15 Jahren werden nicht mitgezählt. In manchen Landkreisen und Städten gelten allerdings schon wieder strengere Bestimmungen: So dürfen sich etwa in Dresden voerst nur ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen.

SHOPPEN UND FREIZEIT: Auch wenn die Wocheninzidenz über 100 liegt, können Städte und Landkreise nach Ostern (ab 6.4.) «Click & Meet» anbieten sowie Zoos, Museen, Galerien oder Gedenkstätten öffnen. Bedingung ist allerdings, dass es in Sachsen nicht mehr als 1300 Covid-19-Patienten auf den Normalstationen den Krankenhäusern gibt. Zudem müssen Kunden und Besucher ein tagesaktuelles negatives Testergebnis vorlegen. Garten- und Baumärkte bleiben geöffnet, zudem zählen fortan auch Babyfachmärkte zur Grundversorgung und dürfen inzidenzunabhängig öffnen.

TESTPFLICHT IN ARBEITSSTÄTTEN: Beschäftigte und Selbstständige mit direktem Kundenkontakt müssen sich statt bisher einmal wöchentlich zweimal in der Woche testen oder testen lassen. Der Arbeitgeber muss die Tests zur Verfügung stellen. Für den Friseurbesuch müssen Kunden künftig einen negativen Test vorlegen. Überall dort, wo ein Selbsttest genügt, muss dies durch eine dokumentierte Selbstauskunft nachgewiesen werden. Das Ministerium bietet dazu eine Vorlage an.

29.03.2021

Kretschmann legt Schulöffnung nach Osterferien zunächst auf Eis

Wie geht es nach den Osterferien in den Schulen weiter? Zuletzt hatte Regierungschef Kretschmann Signale der Hoffnung gesendet. Doch jetzt haut er erstmal wieder die Bremse rein.

Schüler, Eltern und Lehrer im Südwesten müssen sich weiter gedulden: Wegen der schnell steigenden Infektionszahlen hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann seine Pläne für eine Rückkehr aller Kinder und Jugendlichen an die Schulen nach den Osterferien zunächst auf Eis gelegt. Bei einem Spitzengespräch mit Schüler-, Eltern- und Lehrerverbänden am Montag legte er sich noch nicht fest, wann es mit dem geplanten Wechselunterricht für alle losgehen kann. «Da müssen wir ein stückweit auf Sicht fahren», sagte eine Regierungssprecherin am Montagabend in Stuttgart auf Anfrage.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr, hat der Grünen-Politiker bei der Videokonferenz erklärt, man habe wegen der Ferien bis zum 11. April noch Zeit. Dies stieß vor allem bei Lehrerverbänden auf Unmut, da Schulleitungen und Lehrkräfte dadurch keine Planungssicherheit hätten.

Zuletzt hatte Kretschmann am vergangenen Mittwoch im Landtag angekündigt, dass nach den Osterferien alle Schülerinnen und Schüler perspektivisch wieder in die Schulen zurückkehren sollen - allerdings nur abwechselnd und getestet. Wegen der schnellen Verbreitung der Corona-Mutante, die auch durch Kinder und Jugendliche weitergetragen wird, wurden diese Pläne aber wieder gebremst. «Zunächst muss sich die pandemische Lage wieder stabilisieren», sagte die Sprecherin.

Dem Vernehmen nach waren sich alle Vertreter von Schülern, Eltern und Lehrkräften einig, dass es Wechselunterricht nur geben kann, wenn die Zahl der Neuinfektionen zwischen 50 und 100 auf 100 000 Einwohner in einer Woche liegt. Liegt die Inzidenz drüber, müssten die Schulen geschlossen und Fernunterricht angeboten werden. Dies entspreche den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Die Regierung habe dagegen den Standpunkt vertreten, dass in Hotspots erst mit einer Inzidenz von über 200 die Schulen geschlossen werden müssten. Der Verband der Realschullehrer forderte das Land nach dem Treffen auf, transparente Grenzwerte herauszugeben. «Diese Richtwerte stehen immer noch aus.»

Bei dem Treffen sei man sich einig gewesen, dass Wechselunterricht nur möglich ist, wenn sich alle Schülerinnen und Schüler mindestens zweimal die Woche testen lassen, erklärte die Regierungssprecherin. Das bedeute, dass nur Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen, die sich testen lassen. Für alle andere könne es nur Fernunterricht geben. Noch in dieser Woche will die Regierung entsprechende Pläne für eine «Testpflicht» - wie es sie schon in Sachsen gibt - auf den Weg bringen.

GEW-Landeschefin Monika Stein forderte die Politik insgesamt auf, die Unternehmen mehr in die Pflicht zu nehmen, um die Pandemie eindämmen zu können. «Die Regierungen lehnen sich gerade schon ein wenig zurück und wollen vor allem über die Schulen, Kitas und Lebensbereiche für Kinder und Jugendliche die Pandemie in den Griff bekommen.» Es müsse dringend überlegt werden, «ob nicht eine Home-Office-Pflicht eingeführt werden kann».

Die GEW-Chefin Monika Stein bezeichnet das Gespräch unter Leitung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann als Fortschritt. «Nach dem monatelangen Streit in der Landesregierung über die Corona-Strategie haben wir jetzt den Eindruck, dass die Meinung der pädagogischen Expertinnen und Experten wieder gefragt ist. Gut ist auch, dass der Landesschülerbeirat und der Landeselternbeirat mit am Tisch setzen. Wir hoffen jetzt auf die Zusagen von Winfried Kretschmann, dass Öffnungen nur stattfinden, wenn eine klare Teststrategie vorhanden und gute Sicherheitsmaßnahmen garantiert sind» sagte Stein.

In Baden-Württemberg sind viele Kinder und Jugendliche seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, seitdem sind auch die Abschlussklassen teils wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen im Regelbetrieb. Auch die 5. und 6. Klassen sind zurückgekehrt, können aber im Wechsel unterrichtet werden.

Land lässt bei Spitzengespräch Schulöffnung nach Osterferien offen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich bei einem Spitzengespräch mit Vertretern von Schülern, Eltern und Lehrern noch nicht festgelegt, ob alle Kinder und Jugendlichen nach den Osterferien abwechselnd wieder zurück in die Schule können. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr, habe der Grünen-Politiker bei der Videokonferenz am Montag erklärt, man habe wegen der Ferien bis zum 11. April noch Zeit, man könne deshalb auf Sicht fahren.

Zuletzt hatte Kretschmann am vergangenen Mittwoch im Landtag angekündigt, dass nach den Osterferien alle Schülerinnen und Schüler wieder in die Schulen zurückkehren - allerdings nur abwechselnd und getestet. Wegen der schnellen Verbreitung der Corona-Mutante, die auch durch Kinder und Jugendliche weitergetragen wird, wurden diese Pläne aber wieder gebremst.

Dem Vernehmen nach waren sich alle Vertreter der Schüler, Eltern und Lehrkräften einig, dass es Wechselunterricht nur geben kann, wenn die Zahl der Neuinfektionen zwischen 50 und 100 auf 100 000 Einwohner in einer Woche liegt. Liegt die Inzidenz drüber, müssten die Schulen geschlossen und Fernunterricht angeboten werden. Dies entspreche den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Die Regierung habe dagegen den Standpunkt vertreten, dass in Hotspots erst mit einer Inzidenz von über 200 die Schulen geschlossen werden müssten. Der Verband der Realschullehrer forderte das Land nach dem Treffen auf, transparente Grenzwerte herauszugeben. «Diese Richtwerte stehen immer noch aus.»

Gericht: Gymnasiallehrer ohne Anspruch auf hohe Impf-Priorität

Anders als Grundschullehrer haben Lehrer an Gymnasien im Saarland bei der Corona-Impfung keinen Anspruch auf eine hohe Priorität. Das hat das Verwaltungsgericht des Saarlandes am Montag entschieden und damit den Eil-Antrag eines Gymnasiallehrers zurückgewiesen (Az. 6 L 295/21). Die höhere Priorisierung von Grundschullehrern sei sachlich gerechtfertigt: Grundschulkinder benötigten im Vergleich zu Schülern an weiterführenden Schulen mehr Zuwendung und Nähe. Auch sei es in Grundschulen schwieriger, Abstandsregeln umzusetzen.

Der Gymnasiallehrer hingegen sieht in der unterschiedlichen Priorisierung von Gymnasiallehrern und Grundschullehrern eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung. Er gehört zu der Personengruppe, die einen Anspruch auf Schutzimpfung nur mit erhöhter Priorität haben. Das Gericht sah für den Antragsteller «keine schweren und unzumutbaren Nachteile», wenn er auf den regulär vorgesehen Termin warte. Er sei «keinem hohen Ansteckungsrisiko» unterworfen.

Demgegenüber würde die vorgezogene Impfung sämtlicher Lehrer an weiterführenden Schulen die Impfung anderer Personen mit wohl höheren individuellen Gesundheitsrisiken verzögern. Gegen die Entscheidung steht den Beteiligten binnen zwei Wochen die Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes zu.

Hessen stattet Lehrer mit Laptops aus - erste Geräte geliefert

Das Land Hessen hat am Montag damit begonnen, Lehrer mit Laptops und Tablets auszustatten. Die ersten 1000 Geräte gingen nach Darmstadt, wie das Digitalministerium mitteilte. Man verfolge auch weiterhin das Ziel, alle Schulen bis 2022 an das Highspeed-Netz anzubinden, sagte Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) in Darmstadt. Gemeinsam mit Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) überreichte Sinemus symbolisch dem Leiter der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule in Darmstadt die ersten Geräte. 

Für die Ausstattung der hessischen Lehrer stehen laut Digitalministerium insgesamt 50 Millionen Euro zur Verfügung. 12,8 Millionen Euro davon stammten aus dem hessischen Sondervermögen. Insgesamt will das Land Hessen rund 73 000 Geräte anschaffen. Die Beschaffung erfolge durch die Schulträger und mit der Unterstützung des kommunalen IT-Dienstleisters ekom21.

In der Pandemie pauken Berlins Schüler auch in den Osterferien

In den Osterferien können Berliner Schüler in einer sogenannten Frühjahrsschule Lernlücken schließen. Es werden etwa 400 Lerngruppen für bis zu 4000 Schülerinnen und Schüler angeboten, hieß es von der Bildungsverwaltung. Bis zu zehn Kinder und Jugendliche könnten 15 Stunden pro Woche miteinander in Gruppen lernen. Hintergrund ist die Corona-Pandemie: «Lernrückstände können eine Folge der teilweisen Schulschließungen sein», so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Die Frühjahrsschule richte sich an Zweitklässler und soll sie im Rechnen, Lesen, Schreiben und Frühenglisch fördern. Außerdem sind Lernangebote für Neunt- und Zehntklässler geplant. Zusätzlich zur Frühjahrsschule für Schüler von allgemeinbildenden Schulen gibt es für Schüler beruflicher Schulen insgesamt 1040 Plätze.

Bereits in den Sommer-, Herbst- und Weihnachtsferien wurden Bildungsangebote für Berlins Schülerinnen und Schüler gemacht. Nach Angaben der Bildungsverwaltung werden für die Umsetzung der Frühjahrsschule 765 000 Euro bereitgestellt.

Die Frühjahrsschule richtet sich an Schüler, die von der Zahlung des Eigenanteils bei Lernmitteln befreit und Anspruchsberechtigte nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz (LmB/BuT) sind sowie von den Lehrkräften für das Projekt vorgeschlagen werden. Bei der Auswahl sollen nach Angaben der Bildungsverwaltung die neu zugewanderten Kinder in Notlagen besonders berücksichtigt werden.

Vom 29. März bis 10. April hat Berlin zwei Wochen Osterferien.

28.03.2021

Regierung, Schüler, Eltern und Lehrer sprechen über Schulöffnungen

Wie weiter nach den Osterferien? Diese Frage stellt sich vor allem für die Schulen. Die Corona-Zahlen steigen im Moment. Doch trotzdem sollen Kinder und Jugendliche nicht mehr bloß zu Hause büffeln.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann will, dass nach den Osterferien alle Schüler wieder in die Schulen zurückkehren - abwechselnd und getestet. Wie das genau ablaufen kann, will der Grünen-Politiker am Montag (16.00 Uhr) mit Vertretern von Schülern, Eltern und Lehrern besprechen. An der Videokonferenz sollen auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) teilnehmen.

Angesichts stark steigender Infektionszahlen müsse überlegt werden, «wie wir trotzdem Unterricht ermöglichen können und dabei zwischen Gesundheitsschutz und den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen einen gangbaren Weg finden», heißt es in dem Einladungsschreiben, das der dpa vorliegt. Und weiter: «Für den Zeitraum nach Ostern sind damit tragfähige Konzepte für den Schulbetrieb gefragt, um möglichst allen Klassenstufen die Chance auf Wechselunterricht zu geben.» Dabei würden auch Testungen an Schulen eine zentrale Rolle spielen.

In Baden-Württemberg sind viele Kinder und Jugendliche seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, seitdem sind auch die Abschlussklassen teils wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen im Regelbetrieb. Auch die 5. und 6. Klassen sind zurückgekehrt, können aber im Wechsel unterrichtet werden.

Eltern- und Schülervertreter fordern tägliche Tests an Schulen

Wie lassen sich Sicherheit und Präsenzunterricht an den Schulen unter einen Hut bringen? Schüler- und Elternvertreter im Südwesten sind sich in dieser Frage einig.

Vor einem Gespräch mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) über weitere Schulöffnungen haben sich die Beteiligten bereits positioniert. Der Landeseltern- und der Landesschülerbeirat fordern als Voraussetzung für eine weitere Öffnung der Schulen eine tägliche Testung aller Schüler.«Das Potenzial für das Testen an den Schulen ist noch längst nicht ausgeschöpft», sagte die Sprecherin des Landesschülerbeirates, Elisabeth Schilli, der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. An manchen Schulen werde ein bis zwei Mal in der Woche getestet, an anderen gar nicht.

Die Teilnahme an den Tests müsse verpflichtend sein, denn noch immer gebe es Schüler und Schülerinnen, die sich nicht testen ließen. «Dabei dient die Testung dem Schutz der Gruppe und deren Angehörigen.» Sie forderte die Landesregierung auf, den Wechselunterricht auch für die Mittelstufe einzuführen und dafür einen Stufenplan mit mehreren Kriterien neben dem Inzidenzwert zu erstellen.

An dem Online-Treffen zum Thema Schulöffnungen nehmen auch mehrere Lehrerverbände wie die GEW und der Philologenverband teil. Für die Landesregierung sind auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) eingeladen.

Der Chef des Elternverbandes, Michael Mittelstaedt, verwies auf wenig aufwendige, andernorts bereits praktizierte Test-Lösungen; dabei werden zwei Abstriche abgegeben,von denen einer in den sogenannten Pool wandert. Erst im Fall eines positiven Pool-Ergebnisses werden die Einzelabstriche untersucht. Sein Verband gehe mit zehn Forderungen in die Videokonferenz. «Die Hoffnungen der Eltern auf dieses Gespräch sind gewaltig.» Ihre Wünsche ließen sich auf die Formel «Präsenz und Sicherheit» bringen. Deshalb spielten hochwirksame Luftfilter und Plexiglasabgrenzungen in den Klassenräumen eine große Rolle. Die Kosten dafür lägen bei 220 Millionen Euro.

Den Eltern wie den Schülern liegen Förderprogramme am Herzen, um coronaverursachte Lerndefizite in den Ferien auszugleichen. «Wenn der verpasste Stoff erst im kommenden Schuljahr neben dem aktuellen Unterricht aufgeholt wird, entsteht ein Teufelskreis nach unten», sagte Schilli, die rund 1,5 Millionen Schüler im Südwesten vertritt. Am besten werde mit gezieltem Unterricht zum Ausgleich der Lücken noch in den Osterferien begonnen, spätestens aber in den Pfingstferien.

Mittelstaedt fordert überdies ein Corona-Impfangebot für Schüler und Schülerinnen ab 16 Jahren. So könne verhindert werden, dass die Jugendlichen kurz vor dem Schulabschluss durch eine Corona-Erkrankung aus der Bahn geworfen werden. Der Forderung schloss sich Schilli an, sofern die Risikogruppen versorgt seien.

In Baden-Württemberg sind viele Kinder und Jugendliche seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, auch die Abschlussklassen sind seitdem teilweise wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen wieder im Regelbetrieb. Die 5. und 6. Klassen sind ebenfalls zurückgekehrt, können aber auch im Wechsel unterrichtet werden. Die Mittelstufe wird online unterrichtet.

Schulen bleiben offen - solange das Gesundheitsamt nicht widerspricht

Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern sollen so lange offengehalten werden, bis das Gesundheitsamt bei zu hohen Fallzahlen in einer Region widerspricht. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) kündigte für die kommenden Tage Gespräche mit den Kreisen und kreisfreien Städten an, wie der Schulbetrieb ab dem 12. April gestaltet werden soll. «Ziel ist es, angesichts des vergleichsweise geringen Infektionsgeschehens in den Schulen und durch den Einsatz der Selbstteststrategie, der Impfungen und durch die Einhaltung der Hygienemaßnahmen Präsenzunterricht in den Schulen weiterhin zu ermöglichen», erklärte die Ministerin am Sonntag.

Am 8. und 9. April soll der Unterricht demnach wie in den Tagen vor den Osterferien stattfinden, die bis zum 7. April dauern. Für die Klassen eins bis sechs sowie für die Abschlussklassen gibt es Präsenzunterricht, ab Klasse 7 Wechselunterricht. Sollte ein Gesundheitsamt Einschränkungen verhängen, soll darüber spätestens am 6. April informiert werden.

Die steigenden Infektionszahlen durch die Verbreitung der gefährlicheren britischen Variante des Coronavirus stelle die Schulen vor größere Herausforderungen als ohnehin schon, so Martin. Sie appellierte, das Angebot der Corona-Selbsttests für Lehrer und Schüler zweimal pro Woche nach den Osterferien breit anzunehmen. «Täglicher Präsenzunterricht oder Wechselunterricht in der Schule werden nur möglich sein, wenn wir alle Maßnahmen zum Schutz zielgerichtet umsetzen.» Alle Schulen im Land haben demnach Selbsttests erhalten. Weitere Lieferungen sollen folgen.

Nach dem jüngsten Bericht des Landesamtes für Gesundheit und Soziales gab es an den Schulen des Landes zuletzt 51 bestätigte, aktive Corona-Infektionsfälle, davon 42 Schüler und 9 Lehrer oder andere Mitarbeiter der Schulen. Betroffen waren 39 Schulen. Die Zahlen stammen vom Freitag.

Tonne: Wechselmodell auch nach Ferien - «Unwohlsein berücksichtigen»

Auch nach den Osterferien dürfte der Unterricht an den Schulen in Niedersachsen nur im Wechselmodell weitergehen. Der Kultusminister lobt Kinder und Jugendliche für das «tolle Durchhalten» der Regeln. Ob die Test-Pläne Bestand haben, dürfte sich aber erst noch zeigen.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat die Schülerinnen und Schüler auf einen andauernden Wechselunterricht nach den Osterferien eingestellt. Man denke gerade noch darüber nach, wie man Schule in der Corona-Pandemie sicherer machen könne, schrieb der SPD-Politiker in einem Brief. Eine Idee dafür seien die geplanten regelmäßigen Tests. Das Lehrpersonal und die Schülerschaft sollten zwei Mal pro Woche getestet werden.

«Gerade ihr Schülerinnen und Schüler leistet seit Monaten einen wichtigen Beitrag, damit wir das Coronavirus endlich gemeinsam in den Griff kriegen», schrieb Tonne. «Ihr haltet euch an die Regeln, tragt eure Masken und trefft euch nur mit sehr wenigen Menschen. Das ist oft anstrengend und blöd, und trotzdem haltet ihr ganz toll durch.» Viele hätten sich an den Unterricht in halben Klassen gewöhnt.

In einem zweiten Brief an die Eltern erklärte Tonne, dass sich am Status quo in den Schulen vorerst nichts ändern werde. Das heißt: Die Präsenzpflicht gilt weiter. Bei einem Inzidenzwert von mehr als 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen werden alle zu Hause unterrichtet - ausgenommen die Klassen von Grund- und Förderschulen sowie die Abschlussjahrgänge an den weiterführenden Schulen und Gymnasien.

Corona-Schnelltests waren an vielen Schulen schon in der vergangenen Woche verteilt und den Kindern mit nach Hause gegeben worden. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Handhabung mit den Eltern einüben, um künftig möglichst beim Gang zum Unterricht ein negatives Ergebnis mitnehmen zu können - so eine ursprüngliche Idee. Aber auch in den Schulen selbst könnte getestet werden. Dies hatte vielerorts schon vor den Osterferien beginnen sollen.

Tonne sagte der «Nordwest-Zeitung» (Montag), im Fall möglicherweise zunehmender Positiv-Ergebnisse müsse man dafür sorgen, dass sich betroffene Schulkinder auch nicht ausgegrenzt fühlen. Dies könnte vielleicht doch ein «ernsthaftes Argument» gegen Schnelltests in der Schule sein. Daher müsse man die ersten Ergebnisse «sehr offen» auswerten. Zwar sei die Sicherheit maximal, wenn alle Schülerinnen und Schüler teilnähmen. Zugleich gelte aber: «Das Unwohlsein der Beteiligten muss sehr ernsthaft berücksichtigt werden.»

Lehrerverband: Zwei Milliarden werden für Schüler-Nachhilfe gebraucht

Der Deutsche Lehrerverband schätzt, dass mindestens 80 Prozent der Schüler wegen der Corona-Krise eine zusätzliche Lernförderung brauchen. Die Kosten dafür gehen in die Milliarden.

Das Aufholen coronabedingter Lernrückstände von Schülern erfordert nach Schätzungen des Deutschen Lehrerverbands (DL) rund zwei Milliarden Euro. DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger sagte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag: «Viele Kinder und Jugendliche werden zukünftig begleitende Förderangebote etwa in Form zusätzlichen Nachmittagsunterrichts oder digitaler Nachhilfe brauchen.» Beim Großteil der Schülerinnen und Schüler könnten die coronabedingten Lerndefizite in den nächsten zwei Schuljahren wieder aufgeholt werden. Bei mindestens 20 Prozent der Schüler gehe er davon aus, dass wegen der Corona-Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden sei. «Da haben wir Bedenken, ob sie überhaupt noch den verpassten Stoff aufholen können.»

Zwischen 300 und 600 Präsenz-Unterrichtsstunden seien je nach Bundesland, Schulart und Infektionslage inzwischen weggefallen und nur teilweise durch Distanzunterricht ersetzt worden, so Meidinger. Er erwarte daher, dass eine Lernförderung über mehr als nur ein Schuljahr laufen müsse. «Das ist eine Langstrecke und nicht nur eine vorübergehender Förderung, die man nach wenigen Wochen und Monaten abhaken kann.»

Ähnliche Zahlen hatte zuletzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) genannt. Die Studie des arbeitgebernahen Instituts geht laut einem Bericht der «Rheinische Post» (Samstag) zufolge von rund 1,5 Millionen Schülern aus, bei denen durch die Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden ist. Die Autoren rechnen mit einem durchschnittlichen Förderbedarf von rund 100 Stunden pro betroffenem Schüler - und kommen so auf eine Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro.

Über ein entsprechendes Förderprogramm beraten Bund und Länder bereits seit einigen Wochen: Im Gespräch ist eine «Nachhilfe-Milliarde». Dies sei der Bedarf für die Kernfächer, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die SPD-geführten Länder schlagen vor, rund jedem fünften der 11 Millionen Schüler zusätzlichen Unterricht anzubieten - entweder über ein ganzes Schuljahr zwei Stunden pro Woche oder über ein halbes Schuljahr vier Stunden.

Karliczek sagte: «20 bis 25 Prozent der Schüler haben vermutlich große Lernrückstände - vielleicht sogar dramatische.» Möglichst schon zu den Sommerferien, spätestens zum neuen Schuljahr würden entsprechende Förderangebote bereitgestellt, für Deutsch, Mathematik und möglicherweise die erste Fremdsprache. Zielgruppe seien vor allem Schülerinnen und Schüler, bei denen ein Wechsel bevorstehe - entweder auf eine weiterführende Schule oder in eine Ausbildung. Der jeweilige Bedarf müsse «vorher in einer Lernstandserhebung ermittelt werden».

Auch DL-Präsident Meidinger forderte eine baldige Bestandsaufnahme über den Lernstand: «Wir brauchen möglichst bald einen Überblick vorrangig in den Kernfächern, wo die Schüler stehen und wie groß die Lücken sind.» Auf der Grundlage dieser Diagnose sollte dann gemeinsam mit Eltern und Kindern beraten werden, welche Maßnahmen nötig und sinnvoll sind, um die Zukunftschancen sowie die weitere Bildungslaufbahn und die angestrebten Schulabschlüsse zu sichern.

Bei Schülern, die starke Defizite aufweisen, wäre auch ein zusätzliches Schuljahr denkbar, so Meidinger. «Man könnte neben dem individuellen freiwilligen Wiederholen an größeren Schulen eigene Lerngruppen bilden, in denen die Lücken aus den letzten zwei Schuljahren aufgeholt werden.» Das könnte auch den Druck mindern, neben dem Lernen des neuen Stoffs gleichzeitig den alten nachholen zu müssen. Meidinger sagte: «Freizeit und Hobbys sind im Lockdown sowieso schon genug auf der Strecke geblieben.»

Der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, begrüßte das zusätzliche Förderangebot an Schulen. Er forderte jedoch, auf eine zeitliche Begrenzung zu verzichten. «Ein auf zwei Jahre befristetes Förderprogramm wird den bevorstehenden Herausforderungen nicht gerecht werden können. Es muss daher jetzt schon darüber nachgedacht werden, wie das nun zu spannende Auffangnetz verstetigt werden kann, um langfristig zu wirken.»

 

27.03.2021

Kretschmann lädt für Montag zu Gespräch über Schulöffnungen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann will an diesem Montag mit Vertretern von Schülern, Eltern und Lehrern besprechen, ob die Schulen nach den Osterferien trotz steigender Corona-Zahlen schrittweise weiter geöffnet werden können. An der Video-Konferenz am Montagnachmittag (16.00) nehmen unter anderem der Landesschüler- und der Landeselternbeirat sowie mehrere Lehrerverbände wie die GEW und der Philologenverband teil. Für die Landesregierung sind auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) eingeladen.

In dem Einladungsschreiben, das der dpa vorliegt, schreibt Kretschmann, angesichts stark steigender Infektionszahlen müsse überlegt werden, «wie wir trotzdem Unterricht ermöglichen können und dabei zwischen Gesundheitsschutz und den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen einen gangbaren Weg finden». Und weiter: «Für den Zeitraum nach Ostern sind damit tragfähige Konzepte für den Schulbetrieb gefragt, um möglichst allen Klassenstufen die Chance auf Wechselunterricht zu geben.» Dabei würden auch Testungen an Schulen eine zentrale Rolle spielen.

Kretschmann hatte am Mittwoch im Landtag erklärt, dass nach den Osterferien alle Kinder und Jugendlichen schrittweise und mit regelmäßigen Corona-Tests im Wechsel wieder in die Schulen zurückkehren sollen. Es solle einen Stufenplan geben, wonach Stadt- und Landkreise je nach Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche über die Art des Unterrichts entscheiden können.

In Baden-Württemberg sind die meisten Kinder und Jugendlichen seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, auch die Abschlussklassen sind seitdem teilweise wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen wieder im Regelbetrieb. Die 5. und 6. Klassen sind ebenfalls zurückgekehrt, können aber auch im Wechsel unterrichtet werden.

Studie: Wegen Corona 1,5 Milliarden für Schüler-Nachhilfe nötig

Das Aufholen coronabedingter Lernrückstände von Schülern erfordert nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zusätzliche öffentliche Mittel von rund 1,5 Milliarden Euro, wie die «Rheinische Post» (Samstag) berichtet. Die Studie des arbeitgebernahen Instituts geht dem Bericht zufolge von rund 1,5 Millionen Schülern aus, bei denen durch die Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden ist. Die Autoren rechnen mit einem durchschnittlichen Förderbedarf von rund 100 Stunden pro betroffenem Schüler und kommen so auf die Milliardensumme. Das sei «gut angelegtes Geld, um die Verschärfung der Ungleichheit der Bildungschancen und deutlich größere Folgekosten zu vermeiden».

Über ein entsprechendes Förderprogramm beraten Bund und Länder bereits seit einigen Wochen: Im Gespräch ist eine «Nachhilfe-Milliarde». Dies sei der Bedarf für die Kernfächer, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die SPD-geführten Länder schlagen vor, rund jedem fünften der 11 Millionen Schüler zusätzlichen Unterricht anzubieten - entweder über ein ganzes Schuljahr zwei Stunden pro Woche oder über ein halbes Schuljahr vier Stunden. Nach Angaben des Deutschen Lehrerverbands sind seit Beginn der Pandemie mehr als 500 Unterrichtsstunden weggefallen.

Karliczek sagte: «20 bis 25 Prozent der Schüler haben vermutlich große Lernrückstände - vielleicht sogar dramatische.» Möglichst schon zu den Sommerferien, spätestens zum neuen Schuljahr würden entsprechende Förderangebote bereitgestellt, für Deutsch, Mathematik und möglicherweise die erste Fremdsprache. Zielgruppe seien vor allem Schülerinnen und Schüler, bei denen ein Wechsel bevorstehe - entweder auf eine weiterführende Schule oder in eine Ausbildung. Der jeweilige Bedarf müsse «vorher in einer Lernstandserhebung ermittelt werden».

26.03.2021

191 Schüler positiv auf Corona getestet

Die Corona-Selbsttests an Sachsens Schulen haben diese Woche bei 191 Schülern ein positives Ergebnis gezeigt. Bei fast 146 300 Tests sei dies eine Infektionsrate von 0,13 Prozent, teilte das Kultusministerium am Freitag in Dresden mit. Beim Schulpersonal gab es mehr als 62 600 Tests, es wurden 90 Infektionen festgestellt. Den Angaben zufolge darf derzeit nur eine Schule betreten, wer einen Test absolviert oder einen negativen Corona-Nachweis vorlegen kann. Laut Ministerium haben in dieser Woche mehr als 2500 Schüler den Test verweigert; beim Schulpersonal war das 26 Mal der Fall.

Nach Ostern zwei Corona-Selbsttests pro Woche in den Schulen

Mecklenburg-Vorpommerns Schüler und Lehrer können nach den Osterferien zweimal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen. Bisher wurden die Tests in den Schulen nur einmal wöchentlich bereitgestellt. Außerdem soll es künftig möglich sein, den Test zu Hause durchzuführen statt zum Beginn eines Schultags in der Klasse. Das müsste dann die jeweilige Schulkonferenz beschließen, heißt es in einem Hinweisschreiben von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) an die Schulen im Land vom Freitag. Auch eine Kombination beider Orte ist demnach möglich. Wichtiger als der Ort der Testungen sei, dass überhaupt regelmäßig sachgerechte Testungen vorgenommen würden und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ergebnissen stattfinde, so Martin.

Seit dem 17. März bieten die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern den Lehrern, Schülern und Schulmitarbeitern Corona-Selbsttests an, um den Präsenzunterricht in der Pandemie sicherer zu machen. In den ersten sieben Tagen nutzten nach Angaben des Ministeriums gut 48 000 der rund 187 000 Schüler das Angebot. Von den rund 13 300 Lehrern nahmen knapp 5500 teil. Außerdem testeten sich gut 1000 Referendare und Schulmitarbeiter. In den ersten vier Tagen gab es nach Angaben aus der SPD-Landtagsfraktion 21 positive Testergebnisse.

An der anfänglichen Festlegung, die Selbsttests verpflichtend in der Klasse durchzuführen, hatte es Kritik von Lehrern und Eltern gegeben. Manche befürchteten Verletzungen bei kleineren, lebhaften Kindern, wenn in der Gruppe getestet wird, andere warnten vor Stigmatisierungen bei positiven Testergebnissen. Der CDU-Bildungspolitiker Daniel Peters zeigte sich überzeugt, dass der Schwenk von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) zu einer größeren Akzeptanz der Testungen beitragen werde.

Philologenverband fordert schnellere Impfung für alle Lehrer

Der Deutsche Philologenverband fordert, dass nach den Grundschullehrern auch Lehrkräfte weiterführender Schulen nun schnell ein Impfangebot bekommen. Die Kultusminister der Länder müssten die anstehenden Osterferien nutzen, um allen Lehrkräften ein Angebot zu machen, sagte Verbandschefin Susanne Lin-Klitzing der Deutschen Presse-Agentur. «Die Kultusminister treten kontinuierlich für den Präsenzunterricht ein. Das gleiche Engagement müssen sie aber vorlegen, wenn es um Impfungen für die Lehrkräfte an weiterführenden Schulen geht.» Bisher hätten nur 3 der 16 Bundesländer entsprechende Angebote gemacht, kritisierte Lin-Klitzing. Der Philologenverband vertritt die Gymnasiallehrer.

Im Zuge der Wiederöffnung von Kitas und Grundschulen war die Impfreihenfolge geändert worden. Kita-Beschäftigte und Grundschullehrkräfte kommen dadurch früher als ursprünglich geplant dran. Für Lehrer weiterführender Schulen gibt es keine entsprechende bundesweite Regelung.

25.03.2021

NRW plant nach den Osterferien keinen Regelunterricht an den Schulen

Wegen der steigenden Corona-Zahlen wird es in NRW auch nach den Osterferien keinen regulären Schulunterricht geben. Die Entscheidung kommt nicht unerwartet. Doch das Schulministerium will diesmal die Weichen frühzeitig stellen.

An den Schulen in Nordrhein-Westfalen wird es auch nach den Osterferien keinen regulären Unterricht geben. Zunächst bis zum 23. April sollten die Schüler wie schon jetzt abwechselnd im Klassenraum und zu Hause lernen, schrieb das Schulministerium am Donnerstag in einer Mail an die Schulen. «Die Landesregierung wird die Entwicklung des Infektionsgeschehens weiterhin aufmerksam beobachten und den Schulstart im Zusammenwirken mit allen Beteiligten nach den Osterferien sorgfältig vorbereiten», sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Das Ministerium versprach den Schulen, dass nach den Osterferien pro Woche zwei Selbsttests für alle Lehrer und die Schüler an weiterführenden Schulen zur Verfügung stünden. Für Schüler in Grundschulen gilt diese Zusage zunächst nicht. Die Landesregierung sei aber «bestrebt», auch Grund- und Förderschülern «schnellstmöglich ein alters- und kindgerechtes Testangebot machen zu können», schrieb das Ministerium in der Schulmail.

Für die Abiturienten soll unmittelbar nach den Osterferien eine gezielte Vorbereitung in den Abiturfächern starten. Der Unterricht in allen anderen Fächern entfalle für die Abiturienten komplett.

Nach Monaten des Distanzunterrichts waren viele Kinder und Jugendliche in NRW in den vergangenen Wochen zumindest tageweise in die Schulen zurückgekehrt. Den Anfang hatten zunächst die Grundschüler und Abschlussjahrgänge der weiterführenden Schulen gemacht. Seit dem 15. März gab es auch für die übrigen Klassen einen Wechsel aus Unterricht in den Klassenräumen und Lernen zu Hause. Zuvor waren die Schüler aller Schulformen seit Mitte Dezember im Distanzunterricht.

In besonders von der Pandemie betroffenen Regionen sei auch nach den Osterferien ein kompletter Distanzunterricht möglich. Bislang hatten Hagen, Wuppertal, der Kreis Düren, der Märkische Kreis, der Oberbergische Kreis und der Kreis Siegen-Wittgenstein die Schüler komplett in den Heimunterricht geschickt. Die Erlaubnis der Landesregierung dafür ist allerdings zunächst bis zu den Osterferien begrenzt. An diesem Freitag ist in NRW der letzte Schultag vor den Ferien.

Kretschmann will Schülern nach Ostern Wechselunterricht ermöglichen

Fast drei Monate waren die meisten Kinder und Jugendlichen nicht mehr in der Schule. So kann das nicht weitergehen, sagt Kretschmann jetzt. Nach den Osterferien sollen Kreise je nach Infektionszahlen über Schulöffnungen entscheiden.

Nach den Osterferien sollen alle Kinder und Jugendlichen schrittweise und mit regelmäßigen Corona-Tests wieder in die Schulen zurückkehren können. Es soll einen Stufenplan geben, wonach Stadt- und Landkreise je nach Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche über die Art des Unterrichts entscheiden können. «Jedenfalls haben wir das Ziel, dass wir perspektivisch allen Klassenstufen eine Chance auf Wechselunterricht einräumen – unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen», sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Mittwoch im Landtag in Stuttgart.

Voraussetzung dafür sei, dass neben Lehrkräften auch Schülerinnen und Schüler zweimal die Woche getestet würden. Die Testmöglichkeiten seien nach den Ferien weitgehend aufgebaut. Der grüne Regierungschef kündigte an, sich kommende Woche mit Vertretern von Eltern, Lehrern und Schulleitern zusammensetzen zu wollen. «Wenn wir möglichst viel Präsenz ermöglichen wollen, brauchen wir eine hohe Teilnahmequote an den Tests», betonte Kretschmann. Er schloss eine «Testpflicht» - wie es sie in Sachsen gibt - nicht aus. «Das loten wir rechtlich aus.»

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz erklärte, es müsse einen Stufenplan geben, «um es trotzdem allen Kindern zu ermöglichen, nach Ostern zumindest für einige Tage in der Woche Unterricht in Präsenz zu erhalten». Man wolle sich dabei an der Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche in den Stadt- und Landkreisen orientieren. Davon hänge ab, ob Schüler im Hybridunterricht, im Wechselunterricht oder auf herkömmliche Weise unterrichtet werden.

In Hotspots mit einer Inzidenz von über 200 sollen die Schulen allerdings geschlossen werden, sagte Schwarz. Kinder und Jugendliche sollten dann ausschließlich digitalen Unterricht bekommen. Die Bildungsgewerkschaft GEW hält diesen Grenzwert für etwas zu hoch. Grundsätzlich sei man der Meinung, dass ab einer Inzidenz von 50 Wechselunterricht gemacht werden müsse, sagte Matthias Schneider von der GEW. Wichtig sei zudem, dass die Testkapazitäten verlässlich ausgebaut werden. «Es gibt Schulen, in denen es super funktioniert, und andere, da funktioniert es gar nicht.» Hier müsse es nochmal Gespräche mit den Kommunen geben, die meistens die Schulträger seien und sich darum kümmern müssten.

Ex-Kultusminister Andreas Stoch (SPD) zeigte sich erfreut, dass Kretschmann jetzt das «Ruder» übernehme, wo Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) abgetaucht sei. «Man kann das Schiff jetzt nicht noch mehrere Wochen treiben lassen», sagte der SPD-Fraktionschef der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist richtig, dass Kretschmann das jetzt zur Chefsache macht.» Nun müsse man in Absprache mit Eltern- und Lehrervertretern Lösungen finden, wie man Gesundheitsschutz und Präsenzunterricht auf Kreisebene miteinander kombinieren könne.

In Baden-Württemberg sind die meisten Kinder und Jugendlichen seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, auch die Abschlussklassen sind seitdem teilweise wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen wieder im Regelbetrieb. Die 5. und 6. Klassen sind ebenfalls zurückgekehrt, können aber auch im Wechsel unterrichtet werden.

24.03.2021

Schulpersonal soll ab sofort geimpft werden

Lehrkräfte aller Schulformen in Sachsen-Anhalt sollen sich ab sofort gegen Corona impfen lassen können. Auch weiteres Personal der Schulen bekomme ein Impfangebot, teilte das Sozialministerium in Magdeburg am Mittwoch mit. Dazu zählen unter anderem Menschen, die in Sekretariaten oder als Reinigungskräfte arbeiten, aber auch Referendare oder Praktikanten. «Mit Blick auf die zugespitzte epidemiologische Lage ist dieser Schritt zwingend
erforderlich», sagt Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) laut Mitteilung. Bislang waren Beschäftigte an Grund- und Förderschulen impfberechtigt.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) bezeichnete die Entscheidung als einen «wichtigen Beitrag zum pandemiefesten Schulbetrieb». Bislang sei die Impfbereitschaft unter Lehrkräften sehr hoch. «Ich hoffe, dass nun auch alle Kolleginnen und Kollegen der weiterführenden Schulen das Impfangebot wahrnehmen», wird Tullner in einer Mitteilung des Bildungsministeriums weiter zitiert.

Bis Ende kommender Woche soll die Zahl gelieferter Impfdosen Angaben des Sozialministeriums zufolge auf insgesamt 452 550 steigen. Bislang hätten 9,3 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt eine Erstimpfung, 3,8 Prozent die Zweitimpfung erhalten.

Schulen bleiben nach Osterferien im Wechselunterricht

Die Schulen in Rheinland-Pfalz unterrichten nach den Osterferien weiter im Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht. Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens sei klar, «dass wir nicht zu weiteren Öffnungsschritten kommen können», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch in Mainz.

Die Präsenzpflicht für Kinder und Jugendliche, die im Klassenraum unterrichtet werden, bleibt auch nach den Ferien weiter bestehen. Schülerinnen und Schüler, «die vulnerable Angehörige und eine besondere Situation zuhause haben», können sich aber mit einem Attest von der Präsenzpflicht befreien lassen. Bei einer Inzidenz von mehr als 100 Corona-Infektionen auf 100 000 Einwohner wird in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und der Schulaufsicht geklärt, wie der Unterricht vor Ort weiter geregelt sein soll.

Osterruhe wieder gekippt - Perspektive für Schulen im Südwesten

Notbremse ja, Osterruhe nein. Die Kanzlerin kassiert den geplanten Lockdown über Ostern nach heftiger Kritik wieder ein. Das bringt auch die Umsetzung der Beschlüsse im Land durcheinander. Für die Schulen hat Kretschmann eine Überraschung parat.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die Menschen in Baden-Württemberg nach dem Stopp für die Pläne eines verschärften Oster-Lockdowns um Verzeihung gebeten. «Ich möchte mich bei der Bevölkerung für dieses Hin und Her entschuldigen», sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch im Landtag in Stuttgart. Zuvor hatten Kanzlerin Angela Merkel und die Länder-Regierungschefs in einer neuerlichen Schalte die in der Nacht zu Dienstag beschlossene Osterruhe wieder gekippt. Die Initiative dafür sei von Merkel ausgegangen, wofür er ihr Respekt zolle, sagte Kretschmann.

Es habe sich als nicht machbar herausgestellt, Gründonnerstag und Karsamstag mit Hilfe des Infektionsschutzgesetzes als Ruhetage zu definieren, erklärte der Regierungschef. Zudem sei klar geworden, dass es bei vielen Betrieben stark die Lieferkette beeinträchtigt hätte. Das Sprichwort «der Teufel steckt im Detail» habe sich bewahrheitet, sagte der Grüne. Der Plan für die Osterruhe sei in der Bund-Länder-Schalte erst mitten in der Nacht aufgekommen und sei nicht genügend vorbereitet gewesen.

Nun sollen die Länder mit Hilfe der Notbremse dafür sorgen, dass die Kontakte so weit wie möglich verringert werden. Vor der neuerlichen Online-Konferenz mit Merkel hatte Kretschmann im Landtag erklärt, dass Lockerungen wieder rückgängig gemacht werden müssten, sobald die Zahl der Neuinfektionen stabil über 100 pro 100 000 Einwohner in einer Woche sei. «Niemand zieht eine Notbremse leichtfertig. Aber wer sie nicht betätigt, obwohl die Gefahr absehbar ist, handelt fahrlässig», sagte der Grünen-Politiker mit Blick auf die stark steigenden Fallzahlen.

Für Schülerinnen und Schüler hatte Kretschmann eine Überraschung parat: Nach den Osterferien sollen alle Kinder und Jugendlichen schrittweise und mit regelmäßigen Corona-Tests wieder in die Schulen zurückkehren können - trotz der Gefahr durch die Mutanten. «Wir wollen hier Perspektiven geben», sagte Kretschmann. Voraussetzung dafür sei, dass neben Lehrkräften auch Schülerinnen und Schüler zweimal die Woche getestet würden. Die Testmöglichkeiten seien nach den Osterferien weitgehend aufgebaut. «Jedenfalls haben wir das Ziel, dass wir perspektivisch allen Klassenstufen eine Chance auf Wechselunterricht einräumen – unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.»

Der grüne Regierungschef kündigte an, sich kommende Woche mit Vertretern von Eltern, Lehrern und Schulleitern zusammensetzen zu wollen. «Wenn wir möglichst viel Präsenz ermöglichen wollen, brauchen wir eine hohe Teilnahmequote an den Tests», betonte Kretschmann. Er schloss eine «Testpflicht» nicht aus. «Das loten wir rechtlich aus.»

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz erklärte, es müsse einen Stufenplan geben, «um es trotzdem allen Kindern zu ermöglichen, nach Ostern zumindest für einige Tage in der Woche Unterricht in Präsenz zu erhalten». Man wolle sich dabei an der Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche in den Stadt- und Landkreisen orientieren. Davon hänge ab, ob Schüler im Hybridunterricht, im Wechselunterricht oder auf herkömmliche Weise unterrichtet werden. In Hotspots mit einer Inzidenz von über 200 sollen die Schulen allerdings geschlossen werden, sagte Schwarz. Kinder und Jugendliche sollten dann ausschließlich digitalen Unterricht bekommen.

Kretschmann erläuterte zudem, in Stadt- und Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 würden weitere Schritte umgesetzt. Nur die Geschäfte für den täglichen Bedarf blieben geöffnet, dazu zählen auch Bau- und Gartenmärkte. Zudem gelte eine nächtliche Ausgangsbeschränkung von 21.00 Uhr bis 5.00 Uhr. Neu ist: «Wer in einem privaten Pkw mitfährt, muss eine medizinische Maske tragen, sofern die Person nicht dem Hausstand des Fahrers angehört.» Noch nicht klar sei, ob die Kontakte von Montag an weiter beschränkt werden sollen. Wie man mit «Click&Collect» und «Click&Meet» im Einzelhandel umgehen will, berate man derzeit noch mit den Nachbar-Bundesländern.

Es soll außerdem dabei bleiben, dass Stadt- und Landkreise je nach Corona-Infektionszahlen über Lockerungen und Schließungen etwa von Geschäften entscheiden. Kretschmann hatte erwogen, die Regeln wieder landesweit durchzusetzen, dies aber wieder verworfen. Wegen der steigenden Zahl von Infektionen im Südwesten sind derzeit kaum noch Öffnungen möglich. So liegt nach Zahlen des Landesgesundheitsamts kein Kreis mehr unter dem Schwellenwert von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche. Derzeit liegen im Südwesten noch 27 Kreise zwischen 50 und 100, 17 sind über der Inzidenz von 100.

Der Regierungschef erneuerte seinen Appell an die Unternehmen im Land, den Beschäftigten, die in Präsenz arbeiteten, regelmäßig Tests zur Verfügung zu stellen - «mindestens einmal die Woche, besser zweimal». Andernfalls müsse man zu anderen Mitteln greifen. «Anfang April werden wir uns ein Bild machen, wie viele Unternehmen solche Tests anbieten.», sagte Kretschmann. «Sollte die Quote zu niedrig sein, wird eine bundesweite rechtliche Verpflichtung für die Unternehmen geprüft, Tests für ihre Belegschaften anzubieten.»

Lehrerverband: Schuljahr nicht abhaken

Trotz des massiven Unterrichtsausfalls wegen der Corona-Einschränkungen gibt der Deutsche Lehrerverband das laufende Schuljahr nicht verloren. «Abhaken muss man dieses Schuljahr nicht. Das wäre auch eine unzulässige Negierung der großen Anstrengungen und des Engagements von Schülern und Lehrkräften im Distanzunterricht», sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur.

Er wolle die entstandenen Lücken nicht klein reden. Aber wenn die Politik jetzt endlich handele und ein umfassendes Lernförderprogramm auf den Weg bringe, gebe es eine gute Chance, im nächsten und übernächsten Schuljahr Lerndefizite aufzuholen. Meidinger nannte Zusatzangebote für Schüler und den Einsatz zusätzlichen Personals, etwa Nachwuchslehrer im Studium oder Pensionäre.

Bund und Länder verhandeln derzeit über ein solches Programm, das bis zu einer Milliarde Euro kosten könnte. Die SPD-Länder hatten vorgeschlagen, dass etwa jedem fünften der rund 11 Millionen Schüler ein Angebot für eine Lernförderung gemacht werden könnte - entweder zwei zusätzliche Stunden pro Woche über ein ganzes Schuljahr oder vier Stunden über ein halbes Schuljahr.

Mit Blick auf den weiteren Schulbetrieb sagte Meidinger, Öffnungen auch bei höheren Corona-Zahlen seien nur verantwortbar, wenn eine umfassende Testung gewährleistet sei und die Lehrkräfte geimpft seien. Er verwies auf eine «andere Gefährdungslage an Schulen» durch die neuen Virusvarianten.

Bei der in den Ländern anlaufenden Ausweitung von Tests für Schüler und Lehrkräfte sieht der Verband noch mehrere organisatorische Probleme. So sei die Frage der Verbindlichkeit vielfach noch offen und ob die Tests in der Schule oder Zuhause durchgeführt werden sollten. «Im Übrigen ist ein negativer Schnell- oder Selbsttest nur wenige Stunden gültig. Wenn man also wirklich einen genauen Überblick über das Infektionsgeschehen haben will, müsste man täglich testen», sagte Meidinger.

Bildungsministerin informiert über Teststrategie für Schulen

Ab April sollen alle Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz einmal in der Woche auf das Coronavirus getestet werden. Die Einzelheiten der Teststrategie an Schulen wie an den Kindertagesstätten stellt an diesem Mittwoch (12.30 Uhr) Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) vor. Bund und Länder haben Anfang März beschlossen, dass auch Lehrkräfte sowie Kita-Erzieherinnen und -Erzieher sowie Beschäftigte in Jugendheimen ein regelmäßiges Testangebot erhalten.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte im Anschluss an die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse im Ältestenrat des Landtags, dass Rheinland-Pfalz die bevorstehende Zeit nutzen werde, um die Vorkehrungen für Corona-Tests weiter auszubauen. Dabei nannte sie neben Bürgertests für alle und Tests in Unternehmen auch die Schulen. Jetzt werde vorbereitet, dass nach den Osterferien nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch alle Kinder und Jugendlichen getestet würden. Bildungsministerin Hubig führe dazu Gespräche mit der Schulgemeinschaft.

23.03.2021

Sachsen will Schulbetrieb ab 12. April ermöglichen

Sachsen will die Schulen ab dem 12. April wieder öffnen. Die Bedingungen für Präsenzunterricht werden derzeit diskutiert, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) bei einer Videokonferenz der Regierung am Dienstagabend. Dabei sollen die für Lehrer und Schuler aller Schularten zwei Mal in der Woche vorgesehenen Tests helfen. «Dafür brauchen wir jeweils 1,2 Millionen Schnelltests, an der Beschaffung arbeiten wir.» Piwarz sprach von einer Übergangslösung, bis man beim Impfen weiter und die Schulen dadurch sicher seien. Impfstoff werde wohl bis Mai «nicht so zur Verfügung stehen wie wir es brauchen», sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

Laut Piwarz kommt es auch auf die Einhaltung der anderen Schutzmaßnahmen wie Maske und Abstand in den Schulen an, um flächendeckende Schließungen zu vermeiden. Der Chef der Sächsischen Impfkommission, Thomas Grünewald, verwies auf die im Unterschied zu Ende 2020 höhere Infektionsdynamik. Die Inzidenz verdoppele sich innerhalb von zwei Wochen, das Durchschnittsalter der Corona-Patienten auf Stationen liege aktuell bei 58 Jahren. Nach seinen Angaben haben sich bisher sechs Prozent der sächsischen Bevölkerung mit Corona infiziert - und jeder 500. Sachse sei mit der Erkrankung gestorben.

Neue Regeln für den Schulunterricht nach den Osterferien in Bayern

Das bayerische Kabinett hat neue Regeln für den Schulbetrieb nach den Osterferien verabschiedet. So sollen bei einem Inzidenzwert unter 50 sämtliche Schulklassen der Grundschulen Präsenzunterricht erhalten, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag in München sagte. Zwischen 50 und 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche erfolgt für alle Jahrgänge Wechselunterricht. Bei einem Wert von über 100 gilt grundsätzlich Distanzunterricht - allerdings mit Ausnahmen.

So findet in den Abschlussklassen sowie in der vierten Klasse der Grundschule und den Jahrgangsstufen 11 an Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsoberschulen Präsenzunterricht mit Mindestabstand oder Wechselunterricht statt. In die Klassenzimmer dürfen dabei aber nur Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte, die über einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test verfügen oder in der Schule einen entsprechenden Selbsttest mit negativem Ergebnis gemacht haben. Alle anderen müssen per Distanzunterricht lernen.

Auch das an den Schulen tätige Personal soll sich mindestens zweimal wöchentlich selbst testen, auch im Fall der Notbetreuung.

OVG bestätigt Zutrittsverbot an Schulen für Ungetestete

Wer sich nicht auf das Coronavirus testen lassen will, hat kein Recht eine Schule zu betreten. Das sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) hält eine entsprechende Regelung in der Corona-Schutzverordnung für rechtmäßig. Die Tests berührten nicht den Schutzbereich des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit und die verbundenen Eingriffe seien auch verhältnismäßig, teilte das OVG am Dienstag in Bautzen mit.

Seit dem 15. März 2021 ist Personen der Zutritt auf das Schulgelände untersagt, wenn sie kein negatives Testergebnis nachweisen können. Der Test darf längstens drei Tage, bei Schülerinnen und Schülern eine Woche alt sein. Auch ein Selbsttest ist demnach noch unmittelbar nach Betreten des Geländes möglich. Ausgenommen von dieser Regelung sind Grundschüler.

Das Gericht wies einen entsprechenden Eilantrag mehrerer Schüler und Schülerinnen zurück. Eine andere Maßnahme, die weniger stark in die Grundrechte eingreifen würde, aber in gleicher Weise die Ausbreitung der Pandemie bei einem Präsenzbetrieb in Schulen verhindere, sei nicht erkennbar, begründete das Gericht seine Entscheidung. (Az.: 3 B 81/21).

Das sei eine ganz wichtige Entscheidung für den Schulbetrieb, sagte Kultusminister Christian Piwarz. «Wir sehen uns in unserer Rechtsauffassung bestätigt und werden den Schulbetrieb nach Ostern entsprechend vorbereiten», erläuterte der CDU-Politiker.

Sachsen-Anhalt will alle Schulen geöffnet lassen

Sachsen-Anhalt will die Schulen auch in Regionen mit hohem Infektionsgeschehen geöffnet lassen. In allen Landkreisen und kreisfreien Städten würden die Schulen weiterhin in Betrieb gehalten, «und zwar auch dort, wo wir - wie im Burgenlandkreis - die Inzidenz von 200 überschritten haben», erklärte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Dienstag nach der Sitzung des Kabinetts in Magdeburg. Am Morgen hatte das Robert Koch-Institut für den Burgenlandkreis 203,5 Ansteckungen je 100 000 Einwohner und 7 Tage gemeldet.

«Wir können das deswegen rechtfertigen, weil wir dort ein Modellprojekt fahren, das dazu führt, dass dort in einem ganz engen Zeittakt alle Schülerinnen und Schüler regelmäßig getestet und damit überprüft werden», erklärte Haseloff. Kita-Beschäftigte sowie Lehrkräfte an den Schulen seien geimpft. Diese Vorkehrungen würden wissenschaftlich begleitet. Es gehe darum, mit der Pandemie zu leben und in bestimmten Bereichen ein Stück Normalität sicherzustellen.

Mehrheit für erneute Schließung von Schulen und Kitas

Eine Mehrheit der Deutschen wäre einer Umfrage zufolge dafür, dass Schulen und Kitas angesichts der aktuellen Corona-Lage wieder geschlossen würden. 52 Prozent würden dies «eher» oder «voll und ganz» befürworten, wie eine aktuelle Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. 34 Prozent würden einen solchen Schritt «eher» oder «voll und ganz» ablehnen, 14 Prozent machten keine Angabe. Westdeutsche (55 Prozent) sprechen sich demnach häufiger für eine Schließung aus als Ostdeutsche (41 Prozent).

In Deutschland hatten die meisten Grundschulen im Februar nach rund zweimonatiger Schließung oder Notbetreuung im Februar wieder geöffnet. Im März kehrten auch die ersten älteren Jahrgänge schrittweise im sogenannten Wechselbetrieb in die Schulen zurück. Regional wurde auf gestiegene Corona-Zahlen allerdings inzwischen wieder mit Schließungen oder einem Stopp dieser Rückkehr reagiert. Wie es an den Schulen weitergeht, ist im Moment offen. In den meisten Bundesländern beginnen an diesem Wochenende zunächst die Osterferien.

Schnelltests noch nicht an allen Schulen in MV

Die angekündigten wöchentlichen Corona-Schnelltests, mit denen die Schulöffnungen abgesichert werden sollen, haben noch nicht alle Schulen in Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Ein Sprecher des Bildungsministeriums berichtete am Dienstag, dass etwa im Landkreis Nordwestmecklenburg an einzelnen Schulen bisher noch keine Tests zur Verfügung standen. Nach einem Bericht des «Nordkurier» sind auch Schulen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte betroffen.

Demnach ist eine Schnelltest-Lieferung aus Österreich mit 180 000 Testkits nicht pünktlich in MV eingetroffen. Nach dem Verbleib der Sendung werde aktuell gefahndet. Der Sprecher des Bildungsministeriums sagte am Vormittag, das Ministerium verschaffe sich gerade einen Überblick über die Lage.

Die oppositionelle Linke im Landtag kritisierte die Situation. «So war das nicht abgemacht», schimpfte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. «Die angekündigten flächendeckenden Tests an den Schulen können vielerorts nicht durchgeführt werden, weil die erforderlichen Schnelltests nicht dort ankommen.» Es ziehe sich wie ein roter Faden durch das gesamte Krisenmanagement von Bund und Land: «Da werden großspurig Maßnahmen angekündigt, ohne dass ein konkreter Plan zu deren Umsetzung vorliegt.»

Eltern fordern neues Corona-Testkonzept für Schulen

Der Ablauf der Corona-Selbsttests an den niedersächsischen Schulen stößt auch bei vielen Eltern auf Kritik. Die Durchführung der Tests gehöre nicht in die Schulen, sondern in die häusliche Umgebung, teilte die Arbeitsgemeinschaft der Elternräte am späten Montagabend mit. Die Schulen sollten den Schülerinnen und Schülern die Testkits dafür zur Verfügung stellen. Alternativ müsse an den Schulen medizinisches Personal eingesetzt werden, um Ansteckungen und Verletzungen zu verhindern. Die Testergebnisse dürften dann jedoch keinesfalls an die Schulöffentlichkeit dringen.

Bisher finden die Corona-Selbsttests in den meisten Fällen in den Schulräumen unter Aufsicht der Lehrer statt - nur bei Grundschülern wird schon zu Hause getestet. Von Schulleitern und Gewerkschaften gab es dagegen bereits Widerstand. Die Ansteckungsgefahr sei deutlich höher, wenn erst in der Schule getestet werde, so die Befürchtung.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hatte erklärt, die Hinweise zur ersten Testwoche vor den Osterferien sollten gewissenhaft ausgewertet werden. «Ich bin da sehr offen für die beste Lösung. Das gilt auch für die Frage, ob in der Schule oder zu Hause zu testen der bessere Weg ist», sagte der SPD-Politiker am Montag. Nach Ostern sollen die Tests dann regelmäßig und flächendeckend stattfinden.

22.03.2021

Lehrerverband rebelliert gegen die Staatsregierung

Der BLLV erklärt die Anweisung für Corona-Selbsttest in den Schulen für rechtswidrig und droht Ministerpräsident Söder: Lehrer ohne Impfangebot könnten nach den Osterferien zu Hause bleiben. Die Staatsregierung verweist auf ebenfalls nicht geimpfte Polizeibeamte.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) geht auf die Barrikaden. In einem Brandbrief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte der BLLV am Montag ultimativ ein Impfangebot für alle Lehrer und warf dem Kultusministerium rechtswidrige Weisungen vor.

Das Ministerium wolle freiwillige Corona-Selbsttests von Schülerinnen und Schülern unter Aufsicht von Lehrerinnen und Lehrern durchführen lassen. Dabei könnten sich Lehrerinnen und Lehrer aber mit dem Virus infizieren, weil sie keine Schutzanzüge und Schildmasken wie das Testpersonal in der Medizin erhielten, beklagte der BLLV. Junge Schüler könnten sich bei dem Selbsttest mit einem Wattestäbchen in der Nase verletzen - die Lehrer seien notfallmedizinisch nicht ausgebildet. Außerdem sei der Datenschutz nicht gewährleistet, und zudem falle auch noch Unterrichtszeit aus. Aus diesen Gründen seien die Anweisungen des Kultusministers rechtswidrig und müsse umgehend zurückgenommen werden.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sagte, ein Musterbrief mit dieser Forderung sei am Montag an alle 66 000 Mitglieder des Verbandes verschickt worden. Die Mitglieder könnten ihn jetzt an ihre jeweilige Schulbehörde verschicken und damit, wie im Beamtenrecht vorgesehen, ihren jeweiligen Dienstherrn zur Korrektur der rechtswidrigen Maßnahme auffordern.

Und «wenn die Lehrerinnen und Lehrer und alle an der Schule Beschäftigten am 1. Schultag nach den Osterferien wieder einen Fuß in die Schule setzen sollen, müssen im Vorfeld alle ein Impfangebot erhalten haben», schrieb der BLLV an Söder. «Wer kein Impfangebot erhalten hat, kann nur den Distanzunterricht anbieten.» Zudem hätten viele Lehrer bereits eine Überlastungsanzeige gestellt, weil sie die Vielfalt der Aufgaben nicht mehr bewältigen könnten. «Irgendwann muss man sagen, es reicht!», sagte Fleischmann.

Das Kultusministerium reagierte empört: «Dass die Präsidentin des BLLV den Dienst in der Schule an ein Impfangebot knüpft, geht natürlich gar nicht». Es stelle sich auch die Frage, ob sie eine Impfpflicht für Lehrkräfte anstrebe. Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) erklärte, nicht jeder könne seine Arbeit einstellen, weil er noch nicht geimpft sei. Im Gegensatz zu Lehrern hätten Polizisten bei ihren Einsätzen oft Körperkontakt mit fremden Menschen und arbeiteten dennoch auch ohne Impfung weiter. Es gebe umfangreiche Hygienekonzepte an den Schulen. Lehrkräfte an Grund - und Förderschulen seien bei der Impf-Priorisierung in Gruppe zwei eingestuft, viele bereits geimpft.

Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände - ein Zusammenschluss aus Philologenverband, Realschullehrerverband, der Katholischen Erziehe