Sonntag, 05. Juli 2020

+++ Liveticker – Auswirkungen des Coronavirus auf deutsche Schulen +++ 05.07.2020

Im SCHULEN.DE-Liveticker zum Coronavirus finden Sie tagesaktuell alle Informationen zur Auswirkung des Coronavirus auf die deutschen Schulen.

05.07.2020 22.00 Uhr

Studie untersucht Ansteckungsgefahr durch Coronaviren bei Kindern

Die Langzeitstudie in Bayern «COVID Kids Bavaria» soll die Ansteckungsgefahr bei Kindern durch Coronaviren klären. Sechs Kinderkliniken von Universitäten würden die Öffnung von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen wissenschaftlich begleiten, teilte das Wissenschaftsministerium in München mit.

Antworten erhoffen sich die Forscher unter anderem auf die Frage, ob Einrichtungen wie Krippen, Kindergärten und Grundschulen zu einer unkontrollierten COVID-19-Ausbreitung führen könnten. Daneben werde die flächendeckende Studie auch allgemeine Fragen der Kindergesundheit in den Blick nehmen.

Details sollen am Montag in München vorgestellt werden. Neben den Studienleitern Christoph Klein und Johannes Hübner vom Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum München werden auch Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Bernd Sibler (beide CSU) erwartet.

Tablets für saarländische Schüler über eine Medienausleihe

Um jeden Schüler und jede Schülerin im Saarland bei Bedarf mit einem Tablet ausstatten zu können, wollen Land und kommunale Spitzenverbände eine Medienausleihe aufbauen. Wie das saarländische Bildungsministerium am Samstag mitteilte, einigten sich das Land sowie der Saarländische Städte- und Gemeindetag und der Landkreistag Saarland auf mehrere Ziele zur Digitalisierung der Schulen im Saarland.

So soll allen Schülern auch in einer «eventuellen pandemiebedingten Quarantäne-Situation» der Zugang zu digitalen Endgeräten ermöglicht werden. Hierfür sollen Kinder bei bestehender Bedürftigkeit auch vom Leihentgelt für die Tablets befreit werden. Etablieren sollen die Medienausleihe demnach die Schulträger in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium. Die ersten 1000 Tablets sind nach Angaben von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) bereits angeschafft worden.

Im Rahmen des im Juni beschlossenen milliardenschweren Nachtragshaushalts waren nach Angaben des Landes 50 Millionen Euro für die Digitalisierung der Schulen eingeplant worden. Gerade die Pandemie habe gezeigt: «Wir brauchen einen Quantensprung bei der digitalen Bildung», hatte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gesagt. Noch nie sei in so kurzer Zeit so viel im Saarland investiert worden. Zusammen mit den im Nachtragshaushalt beschlossenen Geldern und dem «DigitalPakt Schule» sollen laut Bildungsministerium bis 2024 mehr als 110 Millionen Euro in den Ausbau der digitalen Bildung investiert werden.

Mehr als 2000 Klassenfahrten wegen Corona-Pandemie ausgefallen

Die Schulen in Rheinland-Pfalz mussten in dem jetzt beendeten Schuljahr wegen der Corona-Pandemie auf mehr als 2000 Klassen- und Kursfahrten verzichten. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) habe seit März 2026 Anträge zu stornierten Fahrten bearbeitet, teilte eine Sprecherin des Bildungsministeriums mit.

Das Land übernimmt die Kosten für die Stornierung bereits gebuchter Reisen, wie Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) Ende März mitgeteilt hat. Ausgezahlt wurden bislang rund 3,8 Millionen Euro.

Im neuen Schuljahr soll zunächst weiter auf Klassen- und Studienfahrten sowie Schülerbegegnungen verzichtet werden - zunächst bis zu den Herbstferien. Stornierungskosten für diese Reisen werden weiter vom Land übernommen. «Außerdem ist weiterhin von der Buchung neuer Schulfahrten abzusehen», heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Schulen. Schulfahrten und Schülerbegegnungen seien zwar ein wichtiger Bestandteil des Schullebens. Die derzeit geltenden Abstands- und Hygieneregeln ließen sich dabei aber nur schwer umsetzen. Zudem müsse im kommenden Schuljahr die Konzentration auf den Kernbereichen von Unterricht liegen.

Sommerferien für Hunderttausende Schüler nach Corona-Schuljahr

In Rheinland-Pfalz ist ein besonderes Schuljahr beendet. Je nach aktueller Lage soll nach den Sommerferien wieder mehr Normalität an den Schulen herrschen. Ministerpräsidentin Dreyer appellierte, auch in den Ferien auf Abstand und Alltagsmasken zu achten.

Hunderttausende Schüler haben ungewöhnliche Monate hinter sich. Am Freitag ist das von der Corona-Krise gezeichnete Schuljahr 2019/20 in Rheinland-Pfalz zu Ende gegangen - rund 406 900 Schüler allgemeinbildender Schulen starteten in die Sommerferien.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) appellierte in einer Videobotschaft beim Kurznachrichtendienst Twitter, trotz aller Ferienfreude weiterhin beispielsweise auf Abstandsregeln und die Maskenpflicht zu achten. «Denn das Virus ist nicht weg, sondern wir müssen einfach mit ihm leben.»

Nach den Sommerferien ab Mitte August soll in den Schulen wieder der Regelbetrieb herrschen - mit einem neuen Hygieneplan. Dieser sieht unter anderem für den Unterricht in den Klassenräumen keine Abstandsregel mehr vor. Während der Sommerferien will das Bildungsministerium beobachten, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt und ob dies die Rückkehr zum Regelbetrieb auch zulässt. Andernfalls sind zwei Szenarien im Blick - das bisherige Nebeneinander von Präsenz- und Fernunterricht sowie temporäre Schulschließungen bei einem größeren Ausbruch.

Eine Analyse von rund 1040 stichprobenartigen Tests von Schüler und Mitarbeitern an landesweit 25 Schulen ergaben dem Gesundheitsministerium zufolge keine Hinweise auf eine Infektion mit dem Coronavirus. «Nach den Sommerferien sollen die Tests wiederholt und die Ergebnisse verglichen werden», kündigte das Ministerium an.

Ministerpräsidentin Dreyer erklärte in einer Mitteilung, der Ministerrat treffe sich auch in der Sommerpause einmal pro Woche, um schnell auf die jeweilige Corona-Lage reagieren zu können. «Der rasante Coronaausbruch in Gütersloh zeigt uns, wie gefährlich das Virus noch immer ist.»

Im Kreis Gütersloh im Nachbarland Nordrhein-Westfalen hatte sich der Krankheitserreger unter Mitarbeitern des Fleischverarbeiters Tönnies in Rheda-Wiedenbrück schnell verbreitet. Es wurde für den Kreis ein Lockdown angeordnet, der voraussichtlich noch bis zum 7. Juli gilt.

02.07.2020 21.00 Uhr

Bundesweite Studie: Homeschooling belastet Eltern-Kind-Beziehungen

Das wochenlange Homeschooling in der Corona-Pandemie hat laut einer Studie die Beziehung von rund einem Viertel der befragten Eltern zu ihren Kindern belastet. Nach Einschätzung von Müttern und Vätern waren zwar 48,5 Prozent der Schüler sehr oder ziemlich motiviert, 51,1 Prozent aber eher wenig bis gar nicht. Das geht aus der bundesweiten Online-Befragung «Homeschooling 2020» der Universität Koblenz-Landau hervor, bei der zwischen dem 8. April und 4. Mai Eltern von Schülern allgemeinbildender Schulen 4320 Fragebögen vollständig ausgefüllt haben, vor allem Mütter.

48,1 Prozent gaben an, dass die Lehrer die Aufgaben in keinem erkennbaren Rhythmus übermittelten. Die Aufgaben wurden laut Studie insgesamt als wenig abwechslungsreich von den Eltern wahrgenommen.
Eine Mehrheit wünschte sich mehr Rückmeldungen von den Lehrern. Immerhin fanden die Eltern mehrheitlich, dass die Aufgaben für zu Hause stets oder oft so klar formuliert seien, dass ihr Kind sie selbstständig bearbeiten könne.

Die stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Nadine Schön forderte am Donnerstag den Aufbau einer Schulcloud, um den Fernunterricht
technisch zu verbessern, und eine Anpassung der Lehreraus- und
Weiterbildung. «Die Studie untermauert, was wir in der Corona-Krise selbst erlebt haben: Die digitale Bildung steckt noch in den Kinderschuhen», kritisierte Schön.

Nur wenige Schulen mit sehr schneller Internetverbindung

Bei der Ausstattung der Schulen mit sehr schnellen Gigabitverbindungen ins Internet belegt der Südwesten den vorletzten Platz unter den Ländern. Nur 275 Schulen sind mit der schnellsten Leitung ins Netz versorgt, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag hervorgeht. Das entspricht einem Anteil von 5,2 Prozent. Im Südwesten gibt es rund 5000 Schulen. Sachsen-Anhalt belegt den letzten Platz. Zuerst hatten «Stuttgarter Nachrichten» und «Stuttgarter Zeitung» (Donnerstag) darüber berichtet.

Ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums in Stuttgart betonte, der Glasfaserausbau erfolge im Land mit großer Dynamik. Das Angebot, auch die Schulen gigabitfähig anzuschließen, werde inzwischen sehr stark genutzt. Bei der Mehrheit der Projekte seien deshalb auch Schulanschlüsse ein Teil des Glasfaserausbaus.

Dass der Südwesten mit den Stadtstaaten Hamburg (85,1 Prozent) und Bremen (78,9 Prozent) nicht mithalten kann, lässt sich dem Bericht zufolge damit erklären, dass der Ausbau der Netzinfrastruktur in Flächenländern schwieriger ist als in Großstädten mit hoher Einwohnerdichte auf kleiner Fläche. Aber auch im Vergleich mit anderen Flächenländern steht der Südwesten schlecht da. So hat etwa Bayern der Antwort der Bundesregierung zufolge Ende 2019 mehr als 2500 Schulen (41,5 Prozent) mit einer Internetgeschwindigkeit ausgestattet, die das Herunterladen eines Datenvolumens von mehr als tausend Mbit pro Sekunde erlaubt.

Kultusminister verteidigt Digitalisierungskonzept für Schulen

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat die Digitalisierungsstrategie für Hessens Schulen gegen die Kritik der Opposition im Landtag verteidigt. Hessen sei beim Ausbau von leistungsstarken Breitbandanbindungen auf einem guten Weg, sagte der Minister am Donnerstag im Wiesbadener Landtag. Bei der Versorgung mit schnellem Internet liege Hessen unter den Flächenländern auf Rang vier. Unter den 25 am besten versorgten Landkreisen in Deutschland seien neun aus Hessen.

Rund 90 Prozent der Schulen im Land seien bereits an das Gigabit-Netz angeschlossen, projektiert oder befänden sich im laufenden Aufbau. Der Kultusminister bekräftigte das Ziel des Landes, bis zum Jahr 2022 möglichst alle Schulen in Hessen an das Highspeed-Netz anzubinden.

Die Landtagsopposition warf Schwarz-Grün dagegen vor, der angekündigte Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie von entsprechenden Bildungs- und Lernkonzepte gehe viel zu langsam voran. Es fehle etwa an einer ausreichenden Breitbandversorgung, zudem mangele es an der Ausstattung mit Computern und passenden Fortbildungen für die Lehrer.

Schulträger auf Einkaufstour: Geld für Schüler-Laptops ist frei

Mecklenburg-Vorpommerns Schulen können ab sofort mit Laptops und Tablets für bedürftige Schüler ausgestattet werden. Die Schulträger - bei den öffentlichen Schulen sind das die Kommunen - können jetzt mit dem Einkaufen beginnen, wie das Bildungsministerium am Donnerstag in Schwerin mitteilte. Zehn Millionen Euro stünden aus dem Digitalpakt des Bundes bereit, das Land habe eine weitere Million Euro dazugelegt. Die Geräte sollen leihweise den Schülern überlassen werden, die sich kein eigenes Gerät leisten können.

«Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig digitales Lernen ist», sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) mit Blick auf die Schließung der Schulen während der Corona-Pandemie. Dabei konnten die Lehrer nicht alle Schüler erreichen, weil diese zum Teil nicht das nötige Gerät zu Hause haben. Digitale Bildung dürfe nicht vom Portemonnaie der Eltern abhängen, betonte Martin. Mit den geförderten Geräten seien die Schüler im Land für das kommende Schuljahr gut aufgestellt.

Falsches Schreiben zu Corona-App für Lehrer aufgetaucht

Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium hat am Donnerstag vor einem falschen Brief an die Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz gewarnt. Das Ende Juni in Umlauf gebrachte Schreiben imitiert Briefkopf und Stil der amtlichen Schreiben aus dem Ministerium. Darin heißt es, zum Teil in satirischer Überspitzung, dass eine spezielle Corona-Warn-App für Lehrkräfte verpflichtend installiert werden müsse und dass die Einhaltung der Abstandsregeln mit Hilfe von GPS-Daten überprüft werde. «Alle dort aufgeführten Punkte entsprechen nicht der Wahrheit», betonte am Donnerstag eine Sprecherin des Ministeriums. Es habe bereits einige Anrufe zu dem Schreiben gegeben. Richtig sei, dass den Lehrkräften lediglich empfohlen werde, zum neuen Schuljahr die Corona-Warn-App des Bundes zu installieren.

 

01.07.2020 21.30 Uhr

Kein Abstand in der Klasse mehr - neue Normalität nach den Ferien

Mit Corona-Warn-App, Seifenspender und Hygiene-Beauftragten soll die Wiederaufnahme des Regelbetriebs an den Schulen gelingen. Die Bildungsministerin und Mediziner beantworten Fragen dazu.

Das neue Schuljahr bringt Kindern und Jugendlichen in Corona-Zeiten ein Stück Normalität zurück. Am 17. August soll der Regelbetrieb wiederaufgenommen werden. Das wirft bei Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern und den Lehrkräften viele Fragen auf. Antworten gaben am Mittwoch das Bildungsministerium und Professoren der Universitätsmedizin Mainz.

- Ist das nicht viel zu riskant, wenn 30 junge Menschen in einer Klasse zusammensitzen?

In Abstimmung mit Medizinern und Hygiene-Experten hat sich nach Angaben von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) gezeigt, dass angesichts der seit Wochen niedrigen Infektionszahlen die Klassengemeinschaft wieder in ihren gewohnten Räumen zusammenkommen kann. Dafür gilt eine Ausnahme vom Abstandsgebot. «Aber dafür brauchen wir auch Disziplin», sagte Hubig. Auf Körperkontakte, Umarmungen und Händeschütteln muss weiter verzichtet werden. Das Abstandsgebot gilt auch weiterhin außerhalb der Klassenräume.

- Wird die Ausnahme von der Abstandsregel nicht dazu führen, dass sich die Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Klassenraums nicht mehr daran halten?

«Das wird eine Aufgabe für uns alle sein», antwortet die Ministerin. In den Schulen sollen die im neuen Hygieneplan vorgeschriebenen Hygiene-Beauftragten darauf achten, dass sich die Kinder und Jugendlichen an die außerhalb der Klasse geltenden Bestimmungen halten. So schwer es auch fällt: «Auf Körperkontakte, Umarmungen und Händeschütteln ist zu verzichten.»

- Wie will der neue Hygieneplan das Infektionsrisiko gering halten?

An erster Stelle steht die persönliche Hygiene mit gründlichem Händewaschen, Husten- und Niesetikette, Mund-Nasenschutz in Fluren, Gängen und Treppenhäusern oder beim Einkauf im Schulkiosk. Ebenso wichtig ist die Raumhygiene mit Stoßlüftungen über mehrere Minuten hinweg. Sie habe in einer Schaltkonferenz mit den Schulträgern deutlich gemacht, sagte Hubig, «dass es wichtig ist, dass die Schulen funktionierende Fenster haben, nicht nur gekippt, sondern weit aufgemacht werden können». Dritter Punkt ist die Hygiene im Sanitärbereich - mit ausreichend Seife, Einmalhandtüchern und täglicher Reinigung. In jeder Schule soll es Hygiene-Beauftragte geben, die dies sicherstellen.

- Wie wird der Schulbetrieb aussehen, wenn mit der ersten Erkältungswelle die Angst vor Corona-Infektionen wächst?

Niemand mit Schnupfen, Husten, Fieber oder Halsschmerzen darf die Schule betreten, heißt es im Hygieneplan. «Bei Auftreten von Symptomen während der Unterrichtszeit sind die betreffenden Schülerinnen und Schüler zu isolieren und die Eltern zu informieren.» Wolfgang Kohnen von der Abteilung für Hygiene und Infektionsprävention der Universitätsmedizin Mainz hofft, dass die zunehmende Beachtung der Hygiene-Regeln dazu führen wird, «dass wir diese großen Norovirus-Ausbrüche oder Influenza weniger sehen werden».

- Tragen Kinder und Jugendliche nicht in besonderem Maße zur Verbreitung der Pandemie bei?

Nein. «Nach heutigem Wissensstand sind Kinder keine Superspreader», sagt der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Mainz, Fred Zepp. «Sie bekommen das Virus eher von den Älteren.» Kinder seien eher weniger infektiös als Erwachsene und litten seltener unter einem schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 mit einer schweren Lungenentzündung. «Je älter die Jugendlichen werden, desto ähnlicher wird die Viruslast der von Erwachsenen», fügt der Mainzer Virologe Bodo Plachter hinzu.

- Was geschieht, wenn krankheitsbedingt nicht genügend Lehrkräfte für den Regelbetrieb zur Verfügung stehen?

Zurzeit stehen nach Angaben von Bildungsministerin Hubig 13 Prozent der Lehrkräfte nicht zur Verfügung. Sie gehe davon aus, dass dieser Anteil zu Beginn des Schuljahres geringer sei. «Und wir kümmern uns mit Hochdruck darum, dass wir den Vertretungsbedarf abdecken.»

- Kann die Corona-Warn-App einen Beitrag zum Gesundheitsschutz an den Schulen leisten?

«Die Nutzung der App soll allen am Schulleben Beteiligten ausdrücklich empfohlen werden», heißt es im Hygieneplan. Einen Konflikt zur Einschränkung der Handy-Nutzung durch Schüler sollte es nicht geben. «Man kann ein Handy auch in der Tasche haben», sagt die Bildungsministerin. «Es muss nicht eingeschaltet auf dem Tisch liegen zum Daddeln.»

- Die Abstandsregel ist doch in der Landesverordnung vorgeschrieben, wieso können Schulen jetzt eine Ausnahme machen?

Zur juristischen Absicherung der Ausnahme wird die Corona-Bekämpfungsverordnung entsprechend geändert.

Herbergen rechnen mit Tausenden Stornierungen bei Klassenfahrten

Nach dem Verbot mehrtägiger Klassenfahrten im ersten Schulhalbjahr 2020/2021 wegen der Corona-Krise rechnen die hessischen Jugendherbergen mit Stornierungen von rund 60 000 bis 80 000 Übernachtungen. Es werde den Herbergen die letzte Hoffnung auf ein wenig Normalität nach den Herbstferien genommen, teilte der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerks am Mittwoch mit. Nachdem durch die Lockerungen 21 der 30 Herbergen im Land wieder geöffnet seien, habe man nun den nächsten Dämpfer aus der Landespolitik in Kauf nehmen müssen. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte am Dienstag die Rückkehr zum regulären Schulbetrieb nach den Sommerferien angekündigt, mehrtägige Klassenfahrten bis einschließlich Januar aber ausgeschlossen.

Die zu stornierenden Schulfahrten würden außerhalb der Stornofristen liegen, der Umsatzverlust für die Jugendherbergen liege bei 100 Prozent, teilte der Verband mit. Zudem gebe es zur Zeit zunehmend Zahlungsverweigerungen der zuständigen Schulämter für Klassenfahrten, die im verordneten Schließzeitraum der Jugendherbergen zwischen März und Mai diesen Jahres lagen.

Lorz habe in einem Brief an die Schulleitungen vorgegeben, dass das Buchen von Klassenfahrten für das kommende Schuljahr nur bei einer möglichen kostenlosen Stornierung erfolgen soll. Hessische Schulen würden in wenigen Tagen bei den Jugendherbergen die Möglichkeit bekommen, dass sie in Hessen schon jetzt für das kommende Schuljahr Klassenfahrten ohne Stornokostenrisiko buchen können. «Auch wenn dies gegen jede Vernunft geschieht, wenn wir den Weg nun nicht gehen, könnten wir unsere Häuser auch direkt heute schließen», sagte der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes, Timo Neumann.

«Kraftakt» soll Schüler nach Corona-Zwangspause voranbringen

Nicht alle Berliner Schüler kommen gut durch die Corona-Krise. Das lange Homeschooling zehrte an den Nerven, der Lernfortschritt hält sich in Grenzen. Nun drücken viele in den Ferien die Schulbank.

Wochenlange Schulschließungen wegen der Corona- Pandemie, Homeschooling und später nur wenig Präsenzunterricht - nach einem verrückten Schuljahr haben viele Berliner Kinder und Jugendlichen große Lernlücken. 11 500 von ihnen haben nun die Chance, versäumten Unterrichtsstoff in den Sommerferien nachzuholen.

Für die Sommerschule seien bereits mehr als 1000 Lerngruppen gebildet worden und die meisten Anfang der Woche gestartet, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Mittwoch. «Weitere folgen in den kommenden Wochen», fügte sie bei einem Besuch in der Wilma-Rudolph-Oberschule in Dahlem hinzu. In den Herbstferien (12. bis 24. Oktober) werde das bislang einmalige Projekt fortgesetzt.

«Es war ein organisatorischer Kraftakt, in der Kürze der Zeit ein solches Lernangebot zu realisieren», so die Senatorin. «Wir sind hier bundesweit vorneweg mit unserem Angebot.» Die Sommerschule richte sich nicht nur an Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen, in denen Eltern ihre Kinder nicht beim Lernen unterstützen oder Geld für Computer oder Smartphone fehlt.

«Wir haben vor allem leistungsschwache Kinder- und Jugendliche im Blick», sagte Scheeres. Aber: «Wir wollten ein Angebot für alle, die aufgrund der Corona-Krise Lernrückstände haben oder das Gefühl, sie müssten jetzt mehr tun.» Klar sei für die Schüler wie für viele anderen auch: «Es ist keine einfache und normale Situation.»

Teilnehmen an den insgesamt zwei- bis vierwöchigen Kursen der Sommer- und später Herbstschule können Schüler der Jahrgangsstufen 1 und 2 sowie 7 bis 9. In kleinen Gruppen werden sie von Mitarbeitern von etwa 30 Bildungsträgern, freiwillig engagierten Lehrern und Lehramtsstudenten in den Kernfächern Deutsch und Mathematik sowie der ersten Fremdsprache unterrichtet, also zum Beispiel Englisch. Pro Woche sind 15 Stunden vorgesehen.

Bezahlt wird alles vom Land, sechs Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Für die Teilnehmer fallen keine Kosten an. Ein ähnliches Angebot gibt es auch für Berufsschüler. Hier ist das Interesse mit 600 Anmeldungen laut Scheeres jedoch überschaubar.

«Keine Frage, dass die Sommerschule das richtige ist nach dieser Zeit der Schulschließungen», sagte die Leiterin der Wilma-Rudolph-Oberschule, Maria Kottrup. «Die Schüler mussten zu Hause unter teils sehr schwierigen Bedingungen lernen.» Das könne nun etwas kompensiert werden. «Zwei Wochen Unterricht in kleinen Gruppen ist sehr intensiv.» Dabei habe die Sommerschule gleich mehrere Vorteile für die Kinder und Jugendlichen: «Sie bekommen Struktur in den Tag, sie lernen und sie sehen ihre Freunde.»

Die große Zahl der Anmeldungen zeige, dass dies auch viele Eltern so sähen. An der Dahlemer Schule machen 90 Schüler mit und damit 20 Prozent derjenigen, die theoretisch in Frage kämen. Während der Kurse dokumentieren die Teilnehmer ihre Fortschritte an allen Schulen in einem Ferienlogbuch, zum Abschluss erhalten sie ein Zertifikat.

Jugendherbergen wollen grünes Licht für Klassenfahrten

Die Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland machen sich für die Wiederaufnahme von Klassenfahrten stark. «Klassenfahrten dürfen auch in Corona-Zeiten nicht ausfallen», sagte der Vorstandsvorsitzende der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland, Jacob Geditz, am Mittwoch. Die Jugendherbergen hätten nun ein Schutz- und Hygienekonzept vorgelegt, mit dem eine «sichere Klassenfahrt» in die rund 40 Häuser gewährleistet werden könne. Dies betreffe sowohl den Aufenthalt als auch Programmabläufe, sagte Geditz der Deutschen Presse-Agentur.

Die Corona-Krise hat die Jugendherbergen hart getroffen: Die Einnahmenausfälle beliefen sich mittlerweile auf gut 26 Millionen Euro. Mehr als 550 000 Übernachtungen seien weggebrochen - nicht nur in der Zeit der Schließung, sondern auch bis Jahresende. Sechs Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz seien bis auf Weiteres in Folge Von Corona geschlossen worden.

Erfreulich sei, dass die Zahl der Buchungen derzeit für die Ferienmonate Juli und August wieder zunehme, sagte Geditz. «Das Vorjahresniveau werden wir da aber nicht erreichen. Die Lage bleibt prekär.» Im Saarland gibt es fünf Jugendherbergen.

Angst im Lehrerkollegium - Philologenverband will bei Abstand bleiben

Lehrkräfte an den Gymnasien in Rheinland-Pfalz sind besorgt, dass bei einem Verzicht auf die Abstandsregel mit Beginn des neuen Schuljahrs das Risiko von Corona-Infektionen wächst. «Viele Kollegen haben mir zurückgespiegelt: Sie haben Angst», sagte die Landesvorsitzende des Philologenverbands, Cornelia Schwartz, der Deutschen Presse-Agentur.

Sie hoffe, dass sich das Bildungsministerium in dem für diese Woche angekündigten Hygieneplan für das neue Schuljahr doch noch entschließe, bei der Abstandsregel von 1,50 Metern zu bleiben, sagte Schwartz. Bei einer Aufhebung der Abstandsregel in der Schule sei zu befürchten, dass dann auch außerhalb der Schule die Bereitschaft nachlasse, sich daran zu halten.

Bei Wiederaufnahme des vollen Regelbetriebs gebe es in einer Klasse mit 30 Jugendlichen kaum eine Chance, Abstand zu halten, sagte die Landesvorsitzende des Philologenverbands. Bevor es in der Schule andere Abstandsregelungen gebe als außerhalb davon, hätte sie sich die Entscheidung gewünscht: «Wir leisten uns das, was wir schon immer hätten leisten müssen, nämlich kleinere Klassen.» Für die dann erforderliche Einstellung zusätzlicher Lehrkräfte müssten die Mittel bereitgestellt werden. «Für die Lufthansa gab es ja auch Geld.»

Sie hoffe, dass es zum Start des neuen Schuljahres eine Lösung gebe, mit der alle gut umgehen könnten, sagte Schwartz. «Die schlechteste aller Lösungen wäre es, wenn wir reinstolpern in ein neues Schuljahr, alles aufmachen und dann bei einem Anstieg der Infektionszahlen wieder Schulen schließen müssten.»

 

30.06.2020 20.00 Uhr

Wieder regulärer Schulunterricht in Hessen nach den Sommerferien

Mitte August soll an den Schulen wieder Normalität einziehen - zumindest in großen Teilen. Voraussetzung ist, dass die Infektionszahlen überschaubar bleiben. Wissenslücken sollen die Schüler bis dahin schließen.

Fünf Monate nach Beginn der coronabedingten Zwangspause sollen die Schulen in Hessen Mitte August zu einem weitgehend regulären Präsenzunterricht zurückkehren. Dies gelte für alle Kinder und Jugendlichen zu Beginn des neuen Schuljahres, wie Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden ankündigte. Im Unterricht soll das Abstandsgebot dann nicht mehr gelten.

«Wir gehen diesen Schritt aus Überzeugung - wohlwissend, dass es ein Nullrisiko nicht geben kann und dass im Bedarfsfall lokal oder auch flächendeckend erneut Einschränkungen erforderlich werden können», erklärte der Minister. Er berief sich auf medizinische Empfehlungen und die Ergebnisse einer Konzeptgruppe, in der Vertreter von Schülern, Eltern, Lehrern, Ministerium und Schulämtern mitgearbeitet hätten.

Seit Wiederaufnahme des Unterrichts in Hessen nach der coronabedingten Zwangspause, die Mitte März begonnen hatte, sind die Schüler abwechselnd in kleineren Gruppen unterrichtet worden. In den Grundschulen hat bereits am 22. Juni wieder normaler Präsenzunterricht begonnen, allerdings können die Eltern bislang noch selbst entscheiden, ob ihr Kind zur Schule geht oder zuhause lernt. Die bisherigen Rückmeldungen zeigten, dass sich die Kinder mit großer Ernsthaftigkeit an die Corona-Regeln hielten, sagte Lorz.

Im neuen Schuljahr gilt wieder Präsenzpflicht für alle Schüler und Lehrer. Ausnahmen seien nur mit einem ärztlichen Attest möglich, teilte Lorz mit. Lehrer könnten sich bei Bedarf kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Die Schüler, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könnten, sollen digital zugeschaltet werden. Bei Bedarf werde ihnen ein entsprechendes Gerät geliehen.

Das Wichtigste sei, dass die Kinder wieder jeden Tag in die Schule könnten, sagte Lorz. Es habe sich gezeigt, dass die soziale Interaktion dort nicht zu ersetzen sei. Es werde weitgehend regulären Unterricht geben - allerdings unter Pandemie-Bedingungen.

So können Schulen je nach Möglichkeit vor Ort feste Lerngruppen einrichten, die sich untereinander nicht mischen. Hygieneregeln müssten eingehalten werden - dazu gehören Flächendesinfektion, häufiges Händewaschen, Vermeidung von Körperkontakt und Mund-Nasen-Bedeckungen außerhalb der Unterrichtsräume. Für den Fall steigender Infektionszahlen lägen alternative Szenarien vor.

Grundsätzlich soll es bei den bestehenden Lehrplänen und Curricula bleiben. Einzelne Anpassungen seien aber möglich. Auch das Sitzenbleiben werde wieder eingeführt. Damit Schüler Wissenslücken auffüllen können, sind Ferienangebote geplant, auch digital. An diesem Freitag (3.7.) ist der letzte Schultag vor Beginn der sechswöchigen Sommerferien.

Auch Musik- und Sportunterricht sollen unter Einschränkungen wieder angeboten werden, sagte der Minister. Mehrtägige Klassenfahrten sind hingegen untersagt.

Lorz sagte, er rechne mit einer Ausfallquote bei den Lehrern von zehn Prozent. Der Verband der Lehrer Hessen hatte bereits einen besseren Schutz gefordert: Neben Masken und Visieren für Lehrkräfte brauche man Plexiglas-Schutzwände für die Pulte und Desinfektionsspender in jedem Klassenraum. Das Ministerium kündigte erneute Lieferungen von Mund-Nasen-Schutzmasken, Desinfektionsmittel, Schutzhandschuhen, Kitteln und Gesichtsschutzschilden an.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte das Konzept. Die Devise des Ministeriums sei «Es wird schon alles gut gehen», doch die Pandemie sei noch nicht vorbei. Es fehle ein Plan B im Fall einer zweiten Welle von Infektionen im Herbst. Die Schulen müssten darauf vorbereitet werden, dass auch im kommenden Schuljahr ein Wechsel aus Präsenzunterricht und angeleitetem Lernen zu Hause notwendig werden könne. Die Schule solle weitergehen, doch müssten Arbeits- und Gesundheitsschutz beachtet werden. «Hier sind die Spielräume nicht wahrgenommen worden», kritisierte der Landesverband der Gewerkschaft.

Büffeln in den Ferien - Angebote für Schüler mit Nachholbedarf

Etwaige Wissenslücken in Deutsch, Mathematik und Englisch, die sich in der Corona-Zwangspause aufgetan haben, können hessische Schüler mit Büffeln in den Ferien schließen. Die Ferienakademie 2020 ist laut Landesregierung kostenlos und gilt für die Jahrgangsstufen 1 bis 8. Das Angebot steht in den letzten beiden Ferienwochen kostenlos zur Verfügung.

Unterrichtet wird in Kleingruppen von externem Personal wie Lehramtsstudierenden, Mitarbeiter von Nachhilfeinstituten und Volkshochschulen sowie Ehrenamtlichen; bisher gebe es mehrere hundert Bewerber hierfür. Mehrere tausend Schüler hätten sich gemeldet und er sei zuversichtlich, dass sich dies gut zusammenführen lasse, sagte Minister Alexander Lorz (CDU).

Zudem soll es Sommercamps geben, die von den Schulen unter finanzieller Förderung des Kultusministeriums angeboten werden können. Das Konzept orientiert sich an den sonst angebotenen Ostercamps, die in diesem Jahr wegen der Pandemie nicht stattfinden konnten. Hinzu kommt «Ferdi», ein digitales Ferienförderangebot für Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 5 mit Nachholbedarf beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Hier können die Kinder zuhause am Rechner lernen.

Ministerium: Abschlussprüfungen an Schulen trotz Corona erfolgreich

Die Schüler in Schleswig-Holstein haben nach Angaben des Bildungsministeriums trotz wochenlanger Schulschließungen und anderer Widrigkeiten wegen der Corona-Pandemie die Abschlussprüfungen erfolgreich beendet. Demnach erwarben 11 500 Abiturienten die allgemeine Hochschulreife. Gut 22 900 Schüler nahmen laut Mitteilung vom Dienstag an den allgemein bildenden Schulen an den Abschlussprüfungen teil. Hinzu kämen insgesamt 25 000 Abschlüsse an den Berufsschulen. Die Noten bewegten sich insgesamt auf dem Niveau der Vorjahre, hieß es.

Die durchschnittlichen Abiturnoten wichen mit 2,44 (2,48) an den Gymnasien und mit 2,65 (2,63) an den Gemeinschaftsschulen nur minimal von den Vorjahreswerten ab. Die Bestnote 1,0 wurde 126 Mal vergeben - 112 Mal an Gymnasien und 14 Mal an Gemeinschaftsschulen. An den Beruflichen Gymnasien bestanden 2122 Schüler die Abiturprüfung mit einem Mittelwert der Abiturdurchschnittsnote von 2,60 (2019: 2,63). 17 Schüler freuten sich über die Bestnote. Darüber hinaus schafften nicht ganz 500 Schüler an den Berufsoberschulen der Beruflichen Schulen und Regionalen Berufsbildungszentren die allgemeine Hochschulreife.

Der Anteil der nicht bestandenen Prüfungen betrug an den Gymnasien 3,2 Prozent, nach 4,0 im Vorjahr. An den Gemeinschaftsschulen waren es wie im Vorjahr 4,6 Prozent und an den Beruflichen Gymnasien 5,18 Prozent (5,1). In der Sekundarstufe I war der Landesdurchschnitt in den drei schriftlichen zentralen Prüfungen (Englisch, Deutsch, Mathematik) mit 3,3 besser als im Vorjahr.

Wieder gemeinsamer Schulunterricht in Hessen nach den Sommerferien

Mitte August wird an Hessens Schulen wieder Normalität einziehen - zumindest zu großen Teilen. Voraussetzung ist, dass die Infektionszahlen in der Corona-Pandemie überschaubar bleiben.

Die Schulen in Hessen sollen nach Ende der Sommerferien Mitte August zu einem weitgehend regulären Präsenzunterricht für alle Kinder und Jugendlichen zurückkehren. Das Abstandsgebot wegen der Corona-Pandemie gelte dann nicht mehr im Unterricht, kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden an.

«Wir gehen diesen Schritt aus Überzeugung - wohlwissend, dass es ein Nullrisiko nicht geben kann und dass im Bedarfsfall lokal oder auch flächendeckend erneut Einschränkungen erforderlich werden können», erklärte der Minister. Er berief sich auf medizinische Empfehlungen und die Ergebnisse einer Konzeptgruppe, in der Vertreter von Schülern, Eltern, Lehrern, Ministerium und Schulämtern mitgearbeitet hätten.

Seit Wiederaufnahme des Unterrichts in Hessen nach der coronabedingten Zwangspause sind die Schüler abwechselnd in kleineren Gruppen unterrichtet worden. In den hessischen Grundschulen hat bereits am 22. Juni wieder ein normaler Präsenzunterricht begonnen, allerdings können die Eltern bislang noch selbst entscheiden, ob ihr Kind zur Schule geht oder den Unterrichtsstoff zuhause lernt. An diesem Freitag (3.7.) ist der letzte Schultag vor Beginn der sechswöchigen Sommerferien.

Im neuen Schuljahr gilt dann wieder Präsenzpflicht für alle Schüler und Lehrer. Ausnahmen seien nur mit einem ärztlichen Attest möglich, teilte Lorz mit. Lehrer könnten sich bei Bedarf kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Die Schüler, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könnten, sollen digital ins Klassenzimmer geschaltet werden. Bei Bedarf werde ihnen ein entsprechendes Gerät geliehen.

Das Wichtigste sei, dass die Kinder wieder jeden Tag in die Schule könnten, sagte Lorz. Es habe sich gezeigt, dass die soziale Interaktion dort nicht zu ersetzen sei. Es werde einen weitgehend regulären Unterricht geben - allerdings unter Pandemie-Bedingungen. Es solle feste Lerngruppen geben, die sich untereinander auch nicht zum Fachunterricht mischen sollen. Diesen würden Lehrer fest zugeteilt. Auch Hygieneregeln müssten eingehalten werden. Für den Fall steigender Infektionszahlen lägen alternative Szenarien vor.

Grundsätzlich soll es bei den bestehenden Lehrplänen und Curricula bleiben. Einzelne Anpassungen seien aber möglich. Auch das Sitzenbleiben werde wieder eingeführt. Musik- und Sportunterricht sollen unter Einschränkungen angeboten werden, sagte der Minister. Damit Schüler entstandene Lücken auffüllen können, sind Ferienangebote geplant, auch digital.

 

29.06.2020 20.45 Uhr

Aufgaben zu schwer - Bremen hebt Mathe-Abitur-Noten um zwei Punkte an

Weil der Notendurchschnitt bei den Abiturprüfungen im Fach Mathematik schlechter ist als üblich, hebt die Bremer Schulsenatorin die Noten um jeweils zwei Punkte an. Die Aufgaben aus dem zentralen Abitur-Pool der Bundesländer seien offenbar wegen des Aufbaus und der Verständlichkeit der Texte sehr schwierig gewesen. «Wir gehen davon aus, dass es sich weniger um ein Corona-bedingtes Phänomen handelt, als vielmehr um die Schwere der Aufgaben», sagte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) am Montag. In vielen anderen Bundesländern seien diese Aufgaben entweder nicht ausgewählt oder sprachlich erheblich modifiziert worden. Die Maßgabe, vom kommenden Schuljahr an die Pool-Aufgaben des Berliner Instituts für Bildungswesen (IQB) nehmen zu müssen, werde ausgesetzt.

Schon im vergangenen Jahr seien die Noten angehoben worden. Gemeinsam mit Kultusministern anderer Bundesländer habe sie das IQB zum Handeln aufgefordert, aber es sei bislang dort so gut wie nichts passiert, kritisierte Bogedan. Das Thema solle weiter diskutiert werden. Die Aufgaben sollten auch konsequenter angepasst werden; beziehungsweise sollten mehr eigene Aufgaben konzipiert und mit anderen Bundesländern ausgetauscht werden. In anderen Fächern werde es keine pauschale Anhebung der Abiturnoten geben.

In der vergangenen Woche hatte bereits Sachsen die Abiturnoten im Fach Mathematik um jeweils einen Punkt angehoben. Eine Erhebung bei den Gymnasien habe ergeben, dass der Notendurchschnitt im Leistungskurs im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Punkte schlechter gewesen sei, hatte das Kultusministerium den Schritt begründet. Die gestellten Aufgaben entsprachen laut Ministerium zwar grundsätzlich dem sächsischen Lehrplan. Allerdings musste in einigen Aufgaben das erworbene Wissen auf neue und unbekannte Sachverhalte angewendet werden.

Kultusminister stellt Leitlinien für Schulen nach Sommerferien vor

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) wird am (morgigen) Dienstag in Wiesbaden (12.00 Uhr) in den Corona-Leitlinien vorstellen, wie Hessens Schulen nach den Sommerferien ins neue Schuljahr starten sollen. Das Konzept haben Experten des Ministeriums zusammen mit den Schulleitern aller Schulformen und aus allen Regionen im Land erarbeitet. Mit am Tisch saßen auch Vertreter der Eltern und Schüler. Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, dass möglichst alle Schüler in Hessen wieder an fünf Tagen in der Woche in die Schule gehen können.

NRW-Schulen holen digital auf: Lehrer und Schüler bekommen Laptops

Der Corona-Shutdown hat gezeigt, woran es in den Schulen fehlt: Jetzt sollen Lehrer und Schüler mit Laptops ausgestattet werden. Auch Direktoren wird digitale Fortbildung angeboten.

Das Land will rund 350 Millionen Euro für die Ausstattung von Lehrern und Schülern mit digitalen Endgeräten sowie Angebote der Fortbildung investieren. Die rund 200 000 Lehrer in Nordrhein-Westfalen sollen Laptops oder Computer erhalten, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag in Düsseldorf. Für Schüler aus Familien, die sich keinen Computer oder Laptop leisten können, sollen Leihgeräte gekauft werden.

Außerdem sollen bis Jahresende 2022 alle Schulen mit dem leistungsfähigen Netz verbunden sein, sagte die Ministerin. Wegen der Coronavirus-Pandemie waren die Schulen im Frühjahr wochenlang geschlossen und die Schüler mit digitalen Hilfsmitteln unterrichtet worden.

Alleine für die Geräte der Lehrer stünden 103 Millionen Euro zur Verfügung, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer am Montag in Düsseldorf. Damit würden die Voraussetzungen geschaffen, «dass unsere Lehrerinnen und Lehrer alle Chancen digitaler Medien für ihren Unterricht nutzen und auch online unterrichten können», sagte die FDP-Politikerin.

Schüler, die sich aus sozialen oder wirtschaftlichen Gründen keinen Laptop oder Computer leisten können, sollen leihweise ein Gerät bekommen. Die Schüler selbst müssten die Bedürftigkeit nicht nachweisen. Die Lehrer sollen die Schüler benennen, die ein Gerät bekommen sollen. Dafür seien rund 178 Millionen Euro reserviert.

Voraussetzung für digitales Lernen ist ein schnelles Internet. Ziel der Landesregierung sei, bis Jahresende 2022 alle Schulen mit dem leistungsfähigen Netz zu verbinden, sagte die Ministerin. Inzwischen sei knapp ein Drittel der NRW-Schulen angeschlossen. 40 Prozent seien bei der Umsetzung, bei weiteren 23 Prozent sei dies vorgesehen. Bei sieben Prozent gebe es noch keine Planungen der Schulträger.

Gebauer bekräftigte, dass das nächste Schuljahr an den Schulen im Regelbetrieb starten solle. Zugleich hat das Schulministerium das Lernen auf Distanz pädagogisch aufgearbeitet. Für 36 Millionen Euro wurde die Schulplattform Logineo und ein weiteres Lernmanagementsystem entwickelt, um die Digitalisierung der Schulen, das daran angepasste Arbeiten der Lehrer und das Lernen mit digitalen Medien zu unterstützen. Die Vorbereitung weiterer Angebote, etwa eines Messenger-Dienstes mit einer Videokonferenzlösung seien abgeschlossen.

Das Ministerium wolle zum neuen Schuljahr landesweite, digitale Fortbildungsangebote auch für Direktoren anbieten, sagte Gebauer. So sollen die Schulleiter zur Entwicklung von Unterricht und Schule in der digitalisierten Welt qualifiziert werden. Außerdem sind «Webinare» in Planung, um Lehrkräfte bei der Gestaltung von Distanzunterricht zu unterstützen.

 

28.06.2020 19.00 Uhr

Kitas und Grundschulen öffnen vollständig

Die Eltern haben darauf gedrungen: Grundschulen und Kitas sollen von diesem Montag an einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen anbieten. Aber von Normalität ist man noch entfernt.

Kitas und Grundschulen sollen von diesem Montag an wieder eine Art Regelbetrieb anbieten. Mit einer Betreuung und einem Unterricht wie zu Zeiten vor dem Coronavirus können Eltern und Kinder aber wohl nicht rechnen. Die Gewerkschaft GEW geht von Einschränkungen aus, weil zum Beispiel Erzieher und Lehrer fehlen, die zu Corona-Risikogruppen gehören. Das Abstandsgebot in den Kitas und Grundschulen wird fallen. Die grün-schwarze Landesregierung stützt sich dabei auf eine Studie mit Kindern bis zu zehn Jahren. Sie hat ergeben, dass Kinder keine Treiber der Infektionen sind.

Allerdings gibt es besondere Maßnahmen: Kinder aus einer Gruppe sollen sich in den Kitas und auch in den Grundschulen nicht mit Kindern aus anderen Gruppen durchmischen. In Grundschulen soll der tägliche Unterricht zeitlich versetzt für die verschiedenen Klassen beginnen. Schwerpunkte des Unterrichts sollen Mathe, Deutsch und Sachkunde sein. Es gilt aber weiterhin keine Schulpflicht: Kinder, die etwa aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Schule kommen möchten, sollen weiter zu Hause unterrichtet werden. Die GEW pocht darauf, dass die Schulträger mehr Reinigungskräfte einstellen, um Flächen und Türklinken wie vorgeschrieben zu desinfizieren.

Mitte März hatten die Schulen in Baden-Württemberg wegen des Coronavirus komplett geschlossen. Die Abschlussklassen sind bereits seit dem 4. Mai zurück in die Schulen gekehrt, die Viertklässler seit Mitte Mai. Seit Mitte Juni gibt es bereits an allen Schulen in Baden-Württemberg einen Unterricht im Schichtbetrieb im Wechsel mit dem Fernunterricht und mit einem abgespeckten Stundenplan.

Coronavirus in Schulen in Göppingen - eine Grundschule geschlossen

Die Eltern haben darauf gedrungen: Grundschulen und Kitas sollen von Montag an einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen anbieten. Doch in Göppingen muss erst einmal eine Schule wieder zumachen.

Vor der für diesen Montag geplanten weiteren Öffnung von Kitas und Grundschulen in Baden-Württemberg verursacht das Coronavirus in Göppingen Wirbel. Dort wurde nach Angaben eines Stadtsprechers eine Grundschule bis einschließlich Mittwoch geschlossen, weil bei einem Kind, das die Schule besucht, eine Infektion mit dem Virus festgestellt worden war. Nach Angaben des Landkreises Göppingen vom Samstagabend ist an insgesamt fünf Schulen je ein Schüler positiv auf das Virus getestet worden. Drei Schulen befänden sich in Göppingen, zwei Schulen seien in Geislingen.

«Das Gesundheitsamt hat mit den jeweiligen Schulen Kontakt aufgenommen und die Mitschülerinnen und Mitschüler und Lehrkräfte der betroffenen Klassen in Quarantäne versetzt», teilte der Landkreis mit. Auch weitere Kontaktpersonen sollten getestet werden. Ob neben der Uhland-Grundschule in Göppingen auch die vier weiteren betroffenen Schulen schließen sollen, war am Sonntag zunächst unklar.

Seit Mitte Juni gibt es an allen Schulen im Südwesten einen Unterricht im Schichtbetrieb im Wechsel mit dem Fernunterricht und mit einem abgespeckten Stundenplan. An diesem Montag sollen Kitas und Grundschulen in eine Art Regelbetrieb starten. Das Abstandsgebot in den Einrichtungen wird dann fallen. Die grün-schwarze Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) stützt sich dabei auf eine Studie mit Kindern bis zu zehn Jahren. Sie hat ergeben, dass Kinder keine Treiber der Corona-Infektionen sind.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte nicht ausgeschlossen, dass Kitas und Grundschulen wieder geschlossen werden müssen, falls es Corona-Infektionsherde gibt. Die Uhland-Schule ist nicht die erste Schule, die wegen des Coronavirus wieder zumachen musste.

Sachsen-Anhalt zahlt Stornokosten für abgesagte Klassenfahrten

Sachsen-Anhalt ist bislang mit 850 000 Euro für Stornierungskosten von coronabedingt abgesagten Klassen- und Studienfahrten aufgekommen. Mehr als 600 Anträge seien geprüft, 592 bis Mitte der Woche angewiesen worden, teilte das Bildungsministerium in Magdeburg auf Nachfrage mit. Im Landesschulamt lägen zudem mehrere Hundert Anträge vor. Sie würden nach und nach bearbeitet. Es gingen stetig weitere Anträge ein.

Der Topf mit dem Geld für die Stornokosten ist noch gut gefüllt. Nach einem Beschluss des Finanzausschusses stehen laut dem Ministerium rund sechs Millionen Euro für die Erstattung der Stornierungskosten bereit. Darüber, wie viele Fahrten abgesagt wurden, hat das Ministerium derzeit keinen Überblick. Nicht für alle würden Stornokosten fällig. Einen Annahmeschluss für die Anträge zu den Stornokosten gebe es nicht, schließlich dauerten Verhandlungen mit den Reiseunternehmen noch an.

Sachsen-Anhalt hatte am 10. März alle Schulfahrten sowie Schüleraustausche ausgesetzt. Die Schulleitungen wurden aufgefordert, bis auf eintägige Fahrten innerhalb Sachsen-Anhalts, alle Reisen abzusagen. Das Land sagte zu, nicht abwendbare Stornierungskosten zu übernehmen.

Und wie sieht es in Zukunft mit Klassenfahrten aus? Das Ministerium teilte dazu mit, Schulen könnten für das kommende Schuljahr Buchungen vornehmen, wenn der Vertrag mit den Veranstaltern kostenfrei stornierbar ist. «Lehnt ein Veranstalter diese Möglichkeit ab, darf nicht gebucht werden», hieß es.

Expertin: Corona-Zwangspause für schulvermeidende Kinder riskant

Die Corona-Pandemie hat den Schulalltag völlig umgekrempelt. Für schulvermeidende Kinder kann die Rückkehr in die Schule schwer sein. Schulpsychologen rechnen in den kommenden Wochen mit mehr Arbeit.

Der Schulausfall während der Corona-Zeit kann aus Sicht von Fachleuten für Kinder mit Angststörungen auch im Nachhinein problematisch sein. «Für die meisten Schüler und Schülerinnen mit Schulangst oder Schulphobie war die Situation nicht günstig», sagte die Referatsleiterin der schulpsychologischen Beratung beim Landesschulamt, Carola Wilhayn, in Halle. Die Schulpsychologen und Schulpsychologinnen im Land rechnen für die kommenden Wochen mit mehr Beratungsanfragen - und loben zugleich die Arbeit an vielen Schulen.

Die beiden Angststörungen, die im Zusammenhang mit einem Schulbesuch am bekanntesten seien, seien Schulangst und Schulphobie, erklärte Wilhayn. Schulangst könne sich entweder als Angst vor einer negativen Bewertung, etwa der Furcht vor schlechten Noten, oder als eine soziale Angst, etwa der Angst vor Spott durch andere, äußern. Kinder mit einer Schulphobie spürten hingegen eher Angst, sich für einen längeren Zeitraum von ihren engsten Bezugspersonen zu trennen. In beiden Fällen mieden die Kinder in der Folge die Schule.

Die Corona-Krise sei eine völlig unerwartete Ausnahmesituation gewesen. «Die Schulen mussten sich innerhalb kurzer Zeit komplett umstellen und neue Wege finden, um trotzdem mit den Schülerinnen und Schülern Kontakt zu halten», sagte die Schulpsychologin. Anfangs seien die schulpsychologischen Angebote daher zweitrangig gewesen. «Es gab nur vereinzelt Anfragen von Eltern, die mit der Doppelrolle, auch noch Lehrer zu sein, überfordert waren», so Wilhayn. Auch einige Telefonate im Kontext häuslicher Gewalt führten die Experten und Expertinnen der schulpsychologischen Beratungen anfänglich.

Für die Schüler und Schülerinnen mit den Angststörungen könne die Wiedereröffnung der Schulen zu Schwierigkeiten führen. «Wir rechnen damit, dass in den kommenden Wochen mehr Beratungsanfragen auf uns zukommen», sagte Wilhayn. Der Grund: Die betroffenen Kinder würden womöglich wieder häufiger mit ihren Ängsten konfrontiert werden und könnten dadurch ein verstärktes Vermeidungsverhalten zeigen. «Bei Kindern mit Schulphobie sehe ich ein stärkeres Risiko der Schulvermeidung», so die Expertin. Denn sie waren während der Schulpause ihren Ängsten vor der Trennung von Zuhause nicht ausgesetzt und würden nun wieder umso mehr mit dieser konfrontiert.

Auch für Kinder mit sozialen Ängsten könne der Neustart schwierig sein. «Sie konnten sich während der Corona-Zeit sozial zurückziehen und im heimischen Schutzraum trotzdem oder vielleicht sogar besser ihre Leistungen zeigen», sagte Wilhayn. Nun würden die Ängste, etwa vor Hänseleien oder mündlichen Vorträgen vor der Klasse, wieder aufkommen. Für Kinder mit Angst vor einer Leistungsbewertung sei eine Prognose schwieriger. «Die meisten Lehrkräfte sind vorsichtig an das Thema Leistungsbewertung herangegangen», lobte die Expertin. Die Angst vor schlechten Noten sei daher womöglich noch nicht so präsent.

Nach Angaben des Sozialministeriums im Land sind die Aufgaben der Schulpsychologen und Schulpsychologinnen vielseitig. Sie unterstützten nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern und Lehrkräfte bei schulbezogenen Fragen - oft in Zusammenarbeit mit Sozialarbeiter, Vertrauenslehrkräften oder dem Jugendamt. Das kann Themen wie Lern- und Verhaltensschwierigkeiten, aber auch Krisensituationen betreffen. Darüber hinaus bieten die Fachleute Fortbildungen für Lehrer und Lehrerinnen an.

In der Regel zeige die Schule einen Beratungsbedarf beim Landesschulamt an, hieß es. Auch Eltern könnten im Einzelfall direkt oder über die Schule ihres Kindes den Kontakt zu den Beratenden herstellen. Insgesamt gebe es 25 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen in Sachsen-Anhalt, erklärte Wilhayn. Die Prävalenz - sprich die Häufigkeit aller Fälle - liegt bei den Angststörungen von Kindern bei etwa zehn Prozent.

Für Kinder mit sozialen Ängsten oder jenen, die Sorge hätten, den Leistungsanforderungen nicht gewachsen zu sein, könne der Neustart nach Corona aber auch eine Chance sein, betonte Wilhayn. Mitunter hätten die Schülerinnen und Schüler während der Phase der Schulschließung gemerkt, dass ihnen die Schule doch gefehlt habe. Wichtig sei, stets den individuellen Fall zu betrachten und die Ursachen für das schulvermeidende Verhalten zu finden.

Mit Blick auf die Sommerferien rät die Schulpsychologin, die Zeit zu nutzen. «Jeder hat sich die Sommerzeit verdient», sagte Wilhayn. Eltern von Kindern mit Ängsten könnten die Situation aber dafür verwenden, sich beraten zu lassen und zu informieren. Die Beratungen der Schulpsychologen und Schulpsychologinnen sind nach Angaben des Sozialministeriums kostenlos.

Ministerin: Alle Schulen bekommen Lernmanagementsystem

Zum neuen Schuljahr soll allen Schulen im Norden ein einheitliches Lernmanagementsystem zur Verfügung stehen. Schleswig-Holstein werde das in anderen Bundesländern erfolgreich eingesetzte System itslearning einführen, kündigte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Freitag an. «Das ist ein großer Schritt, damit wir unser Ziel erreichen, digitales Lernen und Lehren in allen Schulen und für alle Schülerinnen und Schüler zum Standard zu machen.» Nicht zuletzt die Corona-Pandemie habe deutlich gemacht, dass an der Digitalisierung von Unterricht und Lernen kein Weg mehr vorbeigehe.

«Digitale Angebote können und sollen den Präsenzunterricht und das soziale Erleben im schulischen Alltag nicht ersetzen, aber wir brauchen sie als innovative Ergänzung und zur Weiterentwicklung unserer Schulen in einer zunehmend digitalen Welt», sagte Prien. Das cloudbasierte System ermögliche eine datenschutzkonforme Kommunikation und Kooperation aller an Schule Beteiligten, erläuterte das Ministerium. Lehrer könnten damit Unterrichtsmaterial bereitstellen und Aufgaben erteilen, Schüler könnten gemeinsam an Projekten arbeiten und untereinander kommunizieren. Auch Eltern könnten einbezogen werden in die Kommunikation der Schule.

Außerdem erhielten die Schulen auch Zugriff auf den Video-Konferenzdienst des Landes. Schrittweise bekämen alle Lehrer eine dienstliche E-Mail-Adresse. Für die digitale Modernisierung der Schulen und zusätzliches Personal bringt das Land laut Bildungsministerium 74 Millionen Euro zusätzlich auf.

 

26.06.2020 13.23 Uhr

Hessen will Ferienakademie für Schüler mit Nachholbedarf anbieten

Um coronabedingte Wissenslücken bei Schülern zu füllen, soll es in Hessen in den letzten beiden Wochen der Sommerferien ein kostenloses Lernangebot vom Land geben. In der «Ferienakademie 2020» werde in Kleingruppen Deutsch, Mathematik und gegebenenfalls Englisch gebüffelt, teilte das Kultusministerium am Freitag in Wiesbaden mit. Das Angebot gilt für die Jahrgangsstufen 1 bis 8, von Montag bis Donnerstag zwischen 9.00 und 13.00 Uhr.

«Durch die Schließung unserer Schulen ist den Schülerinnen und Schülern Unterrichtsstoff entgangen, der nicht so einfach nachzuholen ist», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Die Ferienakademie richte sich an Mädchen und Jungen mit Nachholbedarf und solle den Start ins neue Schuljahr erleichtern.

Die Kurse werden laut Ministerium überwiegend von externem Personal gegeben, darunter Lehramtsstudierende, Mitarbeiter von Nachhilfeinstituten und Volkshochschulen sowie Ehrenamtliche. Lorz zeigte sich zuversichtlich, dass sich ausreichend geeignete Männer und Frauen melden, die sich in den Ferien etwas hinzuverdienen wollen.

Gebauer: Weitere 55 Millionen für digitale Geräte für Schüler

In der Corona-Krise drohen sozial benachteiligte Schüler abgehängt zu werden. Nicht jeder hat zuhause einen Laptop oder Computer. Das soll sich aber bald ändern.

Für die digitale Ausstattung der Schulen und benachteiligter Schüler in Nordrhein-Westfalen stellt die Landesregierung weitere 55 Millionen Euro bereit. Damit werde das Sofortausstattungsprogramm des Bundes, aus dem NRW gut 100 Millionen Euro bekomme, aufgestockt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag im Schulausschuss des Landtags.

Mit dem Sofortprogramm soll in der Corona-Zeit und darüber hinaus vor allem Schülern aus einkommensschwächeren Familien die Teilnahme am Unterricht auf Distanz mit Laptops, Notebooks oder Tablets ermöglicht werden. Durch die Aufstockung der Hilfe werde eine Ausstattung mit Endgeräten für alle Schüler mit besonderem Bedarf ermöglicht, sagte Gebauer. Die Geräte verblieben im Eigentum der Schulträger. Auch nach einem Ende der Corona-Pandemie seien sie von Nutzen. Die Ministerin will am Montag Einzelheiten des Digitalisierungsprogramms der Schulen vorstellen.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte vor dem Hintergrund der fortdauernden Corona-Krise am Mittwoch verstärkte Investitionen in die Digitalisierung der Schulen angekündigt. Sozial benachteiligte Schülern sollten ein mobiles Endgerät erhalten. Alle Lehrkräfte würden mit digitalen Endgeräten und Software ausgestattet. Die digitale Lernplattform Logineo solle den Schülern auch für den Unterricht zu Hause zur Verfügung gestellt werden.

Die Mittel für Digitalisierungsvorhaben belaufen sich nach Angaben der Landesregierung auf insgesamt 381 Millionen Euro. Davon kommen 260 Millionen Euro aus Landesmitteln. Das Sofortausstattungsprogramm des Bundes für bedürftige Schüler und Schulen in der Corona-Krise umfasst insgesamt eine halbe Milliarde Euro.

Die rund 2,5 Millionen Schüler in NRW sollen nach dem Willen der Landesregierung nach den Sommerferien wieder jeden Tag zum Unterricht in die Schule gehen. Sollte wegen des Corona-Infektionsgeschehens phasenweise kein Präsenzunterricht möglich sein, findet der Unterricht auf Distanz statt. Ziel sei aber so viel Präsenzunterricht wie möglich, hatte Gebauer gesagt.

Bildungsexperten und Lehrerverbände warnen davor, dass Schüler in der Corona-Krise abgehängt werden könnten, wenn zu Hause keine Geräte wie Laptops, PCs oder Tablets vorhanden seien oder Eltern sie nicht in der außergewöhnlichen Lernsituation unterstützen könnten.

Kitas und Grundschulen öffnen vollständig - Einschränkungen bleiben

Von diesem Montag an sollen Grundschulen und Kitas im Südwesten zum Regelbetrieb zurückkehren, soweit dieser in Corona-Zeiten möglich ist. Die Gewerkschaft GEW rechnet aber weiter mit Einschränkungen. Einige Kitas hätten zum Beispiel ihre Öffnungszeiten reduziert, sagte GEW-Landesgeschäftsführer Matthias Schneider am Freitag in Stuttgart. In den Grundschulen gebe es einen veränderten Stundenplan. Grund dafür sei der Mangel an Personal und geeigneten Räumen. Der Fachkräftemangel - auch in den Kitas - habe sich in Corona-Zeiten noch verschärft, meinte Schneider.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte von einer Rückkehr zu einem Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen gesprochen. Das Abstandsgebot wird in Kitas und Grundschulen fallen. Kinder aus einer Gruppe sollen sich aber in den Kitas und auch in den Grundschulen nicht mit Kindern aus anderen Gruppen durchmischen.

In Grundschulen soll der tägliche Unterricht zeitlich versetzt für die verschiedenen Klassen beginnen. Schwerpunkte des Unterrichts sollen Mathe, Deutsch und Sachkunde sein. Es gilt aber weiterhin keine Schulpflicht: Kinder, die etwa aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Schule kommen möchten, sollen weiter zu Hause unterrichtet werden.

Mitte März hatten die Schulen in Baden-Württemberg wegen des Coronavirus komplett geschlossen. Die Abschlussklassen sind bereits seit dem 4. Mai zurück in die Schulen gekehrt, die Viertklässler seit Mitte Mai. Seit Mitte Juni gibt es an allen Schulen in Baden-Württemberg einen Unterricht im Schichtbetrieb im Wechsel mit dem Fernunterricht und mit einem abgespeckten Stundenplan.

Regelstudienzeit wird um ein Semester verlängert wegen Corona

Wegen der Corona-Pandemie wird die Regelstudienzeit für Studenten in Baden-Württemberg um ein Semester verlängert. Dies gelte für alle Studenten, die im Sommersemester 2020 eingeschrieben seien, teilte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Freitag in Stuttgart mit.

Wichtig sei das vor allem für Bafög-Empfänger, weil diese wegen möglicher Verzögerungen im Studium ansonsten ihren Anspruch auf die staatliche Unterstützung verlieren könnten. «Niemand soll sich wegen der Corona-Pandemie um seine Bafög-Förderung Sorgen machen müssen», sagte Bauer.

Viele Studienangebote sind wegen des Coronavirus auf digitale Formate umgestellt worden. Zudem sei häufig das Angebot der Bibliotheken eingeschränkt - ebenso wie die Möglichkeit, Labore zu nutzen und an Exkursionen und Praxiseinheiten teilzunehmen, hieß es.

Keine Zwischenfälle seit Öffnung der Grundschulen

Die erste Woche seit der Rückkehr der Grundschüler geht ohne große Zwischenfälle zu Ende. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums gab es bislang keine Infektionsfälle an einer der 1159 hessischen Grundschulen. Seit Montag wird der überwiegende Teil der 216 000 hessischen Grundschüler wieder gemeinsam im Klassenverband unterrichtet. Auch in der nächsten Woche gehen die Grundschüler noch zur Schule - dann beginnen die Ferien.

Für die beiden Abschlusswochen wurde die Schulbesuchspflicht in Hessen aufgehoben, die Schüler dürfen auch zu Hause lernen, wenn die Eltern das wollen. Landesweit seien rund 90 Prozent der Schüler zurückgekehrt, schätzt das hessische Kultusministerium. Allerdings gebe es starke Unterschiede zwischen den Schulen. Mit Verspätung war die Königstorschule in Kassel in die Woche gestartet. Nach einem positiven Test bei einem Kind kurz vor der Schulöffnung blieben Schule und Kita bis einschließlich Donnerstag geschlossen, am (heutigen) Freitag darf sie wieder öffnen.

Schüler gehen nach chaotischem Halbjahr in die Ferien

Dieses Schuljahr war in jeder Hinsicht ungewöhnlich: Wochenlang gab es wegen der Corona-Krise keinen normalen Unterricht. Nun können Schüler, Eltern und Lehrer erstmal durchatmen - und darauf hoffen, dass es nach den Sommerferien wieder Regelbetrieb gibt.

Nach einem chaotischen Halbjahr gehen die rund 2,5 Millionen nordrhein-westfälischen Schüler am Freitag in die Sommerferien. Wegen der Corona-Pandemie hatte es an den Schulen wochenlang keinen oder nur eingeschränkten Präsenzunterricht gegeben - Lernen auf Distanz war angesagt. Viele Schüler haben ihre Zeugnisse bereits im Laufe dieser Woche erhalten: Wegen der besonderen Situation hatten die Schulen die Möglichkeit, die Zeugnisse zeitlich gestaffelt auszugeben. Für Fragen rund um das Thema Noten bieten die Bezirksregierungen wieder Zeugnistelefone an.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bekräftigte, nach den Ferien sollten alle Schulen «zu einem verantwortungsvollen Regelbetrieb zurückkehren, sofern die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens dies zulässt». Sie hoffe, dass Schüler, Eltern und Lehrer aus dieser Aussicht Motivation schöpfen könnten.

Zum Ferienstart rechnet der ADAC mit Staus auf den Autobahnen. Vor allem auf den Strecken in Richtung Nord- und Ostsee sowie Richtung Süden könne es ab Freitagmittag voll werden. «Wir erwarten wegen der Corona-Krise weniger Auslandsreisen per Flugzeug und dafür mehr Urlaub mit dem Auto in Deutschland und den Nachbarländern», sagte ADAC-Reiseexperte Roman Suthold.

An den Flughäfen ziehen die Passagierzahlen nach Aufhebung der Reisewarnungen zwar langsam wieder an. Jedoch werden am ersten Ferienwochenende an den Airports in Düsseldorf und Köln/Bonn weitaus weniger Flieger starten und landen als in vorherigen Jahren.


25.06.2020 15.30 Uhr

Berliner Schüler in Corona-Krise mit bestem Abitur seit langem

Wer in diesem Jahr das Abitur ablegen musste, hatte mit den widrigsten Umständen seit Jahrzehnten zu kämpfen. Mitten in die Prüfungsvorbereitungen platzte das Coronavirus. Umso erstaunlicher sind die nun vorliegenden Ergebnisse.

Corona-Überraschung an Berlins Schulen: Trotz wochenlanger Schließungen und besonderer Umstände bei den Prüfungen wegen der Pandemie haben die Schüler in der Hauptstadt das beste Abitur seit langem abgelegt. Der Notendurchschnitt lag bei 2,3 - nach neun Jahren mit einem Durchschnittswert von 2,4. Das teilte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag nach einer Schnellauswertung der Daten mit.

Demnach stieg der Anteil derjenigen, die die Reifeprüfung bestanden: Das war bei 96,7 Prozent der rund 14 000 Abiturienten der Fall; 2019 waren 95,4 Prozent durchgekommen. Von den Schülern, deren Herkunft- oder Familiensprache nicht Deutsch ist, kamen 94,1 Prozent durch das Abitur - das sind 1,3 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr.

Zudem bemerkenswert: Die Abi-Traumnote 1,0 erreichten in diesem Jahr 2,5 Prozent der Abiturienten, nach 2,1 Prozent im Jahr 2019. Auf einen Notendurchschnitt von 1,1 kamen 1,6 Prozent der Absolventen (2019: 1,2 Prozent). Das beste Abitur wurde mit 892 Punkten abgelegt. Die Schülerinnen schnitten mit einem Notendurchschnitt von 2,27 etwas besser ab als ihre männlichen Klassenkameraden mit 2,42.

Scheeres erklärte, die Berliner Abiturientinnen und Abiturienten hätten die schwierige Situation wegen Corona hervorragend gemeistert: «Sie können wirklich stolz auf sich sein.» Dank gelte auch den Schulleitern, Oberstufenkoordinatoren und Lehrern, die in diesem Jahr die Prüfungen unter Einhaltung aufwendiger Infektionsschutzmaßnahmen möglich gemacht hätten.

Nach wochenlanger Schließung wegen der Corona-Pandemie und Prüfungsvorbereitungen zu Hause waren die Abiturienten am 20. April als erste wieder in die Schulen zurückgekehrt, um ihre schriftlichen und mündlichen Prüfungen abzulegen. Dabei galten - wie im weiteren Verlauf des Schuljahrs für alle anderen Schüler auch - besondere Abstands- und Hygieneregeln.

Dieses Vorgehen war seinerzeit hochumstritten, der Landesschülerrat hatte ebenso wie Elternvertreter dagegen Front gemacht und ein Abitur ohne Prüfungen gefordert. Scheeres hatte das abgelehnt und auf die Notwendigkeit eines einheitlichen Vorgehens aller Bundesländer in der Frage verwiesen. Andernfalls bestand aus ihrer Sicht die Gefahr, dass andere Länder das Berliner Abitur nicht anerkennen.

Opposition warnt vor Zusammenlegung von Schulklassen

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Schulbetrieb sind noch nicht überstanden, da drohen Schülern und Lehrern schon die nächsten Herausforderungen. Ein Erlass des Kultusministeriums erntet Kritik.

Schülern und Lehrern in Niedersachsen stehen nach Darstellung der Opposition im neuen Schuljahr zusätzliche Belastungen bevor. Wie die Grünen und die FDP am Donnerstag unter Berufung auf einen Erlass des Kultusministeriums mitteilten, müssen die Schulen in diesem Sommer größere Klassen als bisher bilden, wenn die Zahl der Schüler in einem Jahrgang unter einen Grenzwert fällt. Außerdem stünden den Schulen dann weniger Lehrer zur Verfügung. Üblich sei das bisher nur nach der 2., 4., 6. und 8. Klasse gewesen.

«Wer den Schulen, die eigentlich mehr Personal bräuchten, jetzt auch noch Personal wegnimmt, dem sind insbesondere die Kinder, die in der Corona-Krise besonders gefördert werden müssen, in Wahrheit herzlich egal», sagte Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg in Richtung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). «Für die Kinder bedeutet dies nach all dem Ungewohnten auch noch eine Rückkehr in einen neuen Klassenverband mit neuen Bezugspersonen.»

FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling warf Tonne vor, die Unterrichtsversorgung schönzurechnen. Der Erlass des Ministeriums führe zu größeren Klassen, mehr Belastungen für die Lehrer und könne Freundschaften zerreißen. «Es ist pädagogisch sinnvoll, Klassen nicht jährlich neu zu bilden, was für den Minister aber wohl nicht ausschlaggebend ist», sagte Försterling.

Die Gewerkschaft GEW rief das Kultusministerium auf, die Erlasse zurückzunehmen. «Gerade in Corona-Zeiten ist dieses Handeln höchst unvernünftig», sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. Würden in einem Jahrgang beispielsweise bisher 92 Kinder in vier Klassen unterrichtet und zum neuen Schuljahr drei Schüler gehen, etwa durch Sitzenbleiben oder Umzug, würden nur noch drei Klassen gebildet. In den Jahrgängen 5 bis 10 fielen zudem Stunden weg, in denen sich die Lehrer um die Förderung der Schüler oder den Zusammenhalt in der Klasse kümmerten.

Auch der Lehrerverband VNL/VDR warnte davor, an den Erlassen festzuhalten. Auf dem Rücken der Schülerinnen und Schüler werde versucht, die Kosten zu senken, sagte Landeschef Torsten Neumann.

Das Kultusministerium äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen, kündigte aber eine Stellungnahme im Laufe des Tages an.

Abiturienten bleibt in Corona-Epidemie kaum Zeit für Uni-Bewerbung

Nach den wegen der Corona-Epidemie verschobenen Prüfungen bleibt vielen Abiturienten in Niedersachsen kaum Zeit für die Bewerbung an der Universität. Ihre Zeugnisse erhalten die Abiturienten nach Angaben des Kultusministeriums in Hannover zwischen dem 10. und 12. Juli. Die Bewerbungsfrist für örtlich zulassungsbeschränkte Fächer endet unterdessen an vielen Universitäten am 15. Juli. Niedersachsen hatte die Abi-Prüfungen wegen der Infektionswelle um drei Wochen verschoben. Ihre Noten, die oftmals den Ausschlag über die Wahlmöglichkeit eines Studienfaches geben, erfahren die Abiturienten Ende Juni, ebenfalls später als sonst üblich.

Angesichts der für etliche Abiturienten verkürzten Bewerbungsfrist riet der Sprecher des Informationsportals «Studieren in Niedersachsen», Malte Hübner, jungen Leuten, sich umgehend zu informieren. Denn in den wenigen Tagen nach der Zeugnisausgabe könnten die Ansprechpartner überlastet sein.

Auch die Universitäten selber sind angesichts der Corona-Epidemie auf verstärkte telefonische Anfragen von Studieninteressenten eingestellt. Dabei tun die Hochschulen vieles, um auch digital zu informieren. Die Göttinger Universität etwa bietet Podcasts zum Studienangebot ebenso an wie die Möglichkeit, per Live-Schalte Fragen zu stellen. Auch die Universität Hannover bietet Videos zu verschiedenen Studiengängen auf ihrer Website an.

Die Zeitnot betrifft aber nicht alle angehenden Studenten. Für bundesweit zulassungsbeschränkte Fächer ist eine Bewerbung über das zentrale Portal «Hochschulstart» bis zum 20. August möglich. Für Fächer ohne Zugangsbeschränkungen endet die Einschreibefrist vielfach am 30. September. Der Landesschülerrat hatte das niedersächsische Festhalten an Abschlussprüfungen kritisiert, weil die Corona-Epidemie die Schüler auch psychisch unter Druck setzt. Wer nicht freiwillig an den Prüfungen teilnehmen wolle, solle eine Durchschnittsnote erhalten, hatte der Schülerrat gefordert.

Regierung und Verbände: Ausbildung im Norden trotz Corona zuverlässig

Die Corona-Krise schlägt auch auf die Berufsausbildung vehement durch. Tausende Lehrstellen sind noch unbesetzt. Regierung, Arbeitsagentur, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände richten einen dringenden Appell an Jugendliche und Betriebe.

Rund 9000 Ausbildungsplätze sind in Schleswig-Holstein derzeit unbesetzt. Vor diesem Hintergrund riefen Wirtschaftsstaatssekretär Thilo Rohlfs (FDP) und Bildungsstaatssekretärin Dorit Stenke (CDU) am Mittwoch Schüler, Eltern und Betriebe auf, die duale Ausbildung verstärkt in den Blick zu nehmen und alle Angebote rasch zu nutzen. Bei einem Treffen in Kiel betonten Spitzenvertreter von Land, Arbeitsagentur, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden, die berufliche Bildung müsse trotz Corona-Krise dauerhaft und verlässlich gestaltet werden.

Eine qualifizierte Berufsausbildung biete jungen Menschen beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben, hieß es. Sie sei zudem ein wirksamer Schutz gegen Arbeitslosigkeit und sichere jedem Einzelnen die Teilhabe an Gesellschaft und Wohlstand.

Stenke zufolge werden in diesem Sommer knapp 28 000 junge Menschen ihren allgemeinbildenden Schulabschluss ablegen, rund 65 Prozent davon streben eine duale Berufsausbildung an. Zwar gebe es einen massiven Überhang an unbesetzten Ausbildungsstellen, trotzdem fehlten aktuell mindestens 500 Ausbildungsplätze. «Gegenüber 2019 sind insbesondere weniger Ausbildungsstellen im Verkauf, in der Lebensmittel- und Genussmittelherstellung sowie in der Gastronomie, bei Arzt- und Praxishilfen und bei Köchen festzustellen.»

Auch die Zahl der gemeldeten Bewerber sei um fast neun Prozent niedriger als im Vorjahr. Darüber hinaus sei die Zahl derjenigen, die seit März eine Ausbildungsstelle gefunden hätten, merklich geringer als in einem normalen Jahr. So hätten im April und Mai nur 1150 und damit ein Drittel weniger Bewerber eine Ausbildungsstelle gefunden. Für dieses Jahr sei mit einem Rückgang abgeschlossener Ausbildungsverträge in Höhe von 10 bis 15 Prozent zu rechnen, sagte Rohlfs.

Auslöser seien etwa die unterbrochenen Vermittlungsaktivitäten. So sei neben dem Schulbetrieb auch die Arbeit der Jugendberufsagenturen weitgehend zum Erliegen gekommen, Kontaktmessen seien abgesagt worden und auch an den Schulen habe keine Berufsorientierung stattgefunden. «Die Unternehmen mussten ihren Fokus zunächst auf die Bewältigung der Corona-Krise legen und ihre eigene Existenz sichern», sagte Rohlfs. Zudem habe die massenhaft beantragte Kurzarbeit erhebliche Kapazitäten der Bundesagentur für Arbeit in Anspruch genommen.

«Ein fehlender Berufsabschluss erhöht deutlich das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben», sagte der Vizechef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Thomas Letixerant. «Während 54 Prozent aller Arbeitslosen in Schleswig-Holstein keinen Berufsabschluss haben, sind es bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nur 13,5 Prozent.»

In ganz Schleswig-Holstein stünden noch viele freie Ausbildungsplätze im Handwerk zur Verfügung, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck, Andreas Katschke. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei trotz Corona hoch. «Um Bewerber und Betriebe auch während der Corona-Krise zusammenzubringen, haben die Handwerkskammern ihre digitalen Angebote stark ausgeweitet.» In den Online-Lehrstellenbörsen der beiden Handwerkskammern im Land seien etwa 1500 freie Ausbildungsplätze zu finden.

Vorrang habe nach wie vor die betriebliche Ausbildung, sagte DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn. Außerbetriebliche Auffangprogramme seien als absolut nachrangig zu betrachten. Prämien für Betriebe, die Auszubildende aus von Insolvenz betroffenen Firmen übernehmen, seien wichtige und notwendige Hilfen für Unternehmen und Auszubildende.

UVNord-Geschäftsführer Sebastian Schulze appellierte an die Betriebe: «Wir dürfen trotz erheblicher pandemiebedingter Schwierigkeiten in den Ausbildungsanstrengungen nicht müde werden.» Der Bedarf an Fachkräften werde nach der Krise zügig wieder steigen.

 

24.06.2020 13.45 Uhr

Vertretungslehrer sollen coronabedingt fehlende Lehrkräfte ersetzen

Bei der Vorbereitung des Regelbetriebs an den Schulen im Anschluss an die Sommerferien planen Bildungsministerium und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) auch den Einsatz von Vertretungslehrern ein. Diese sollen den Präsenzunterricht von coronabedingt fehlenden Kolleginnen und Kollegen übernehmen. Die notwendigen Mittel dafür würden bereitgestellt, teilte eine Sprecherin des Ministeriums am Mittwoch in Mainz mit.

Aktuell stehen durchschnittlich 15 Prozent der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung, worüber am Mittwoch auch die «Allgemeine Zeitung» berichtete. Dies entspreche rund 6000 Lehrkräften, sagte die Sprecherin. Diese Lehrerinnen und Lehrer arbeiteten von zuhause aus und betreuten Kinder, die aufgrund von Erkrankungen selbst zuhause sein müssten. Außerdem bereiten sie nach Angaben des Ministeriums den Unterricht vor und nach, der dann vor Ort von einer Vertretungskraft übernommen wird. «Diese Vertretungskraft fungiert dann als Bindeglied zwischen Klasse und Lehrkraft.»

Für den Beginn des neuen Schuljahrs Mitte August lässt sich noch nicht sagen, wie hoch die Zahl der coronabedingt fehlenden Lehrkräfte sein wird. Das Ministerium weist darauf hin, dass dann für alle Lehrkräfte eine Attestpflicht gelte - von dieser sind zurzeit Lehrer befreit, die der Risikogruppe der über 60-Jährigen angehören. Angesichts der gesunkenen Zahlen von Neuinfektionen geht das Ministerium nach Angaben der Sprecherin davon aus, «dass wieder mehr Lehrkräfte zur Verfügung stehen».

«Zu spät» - Schüler kritisieren Regelung für Abi-Partys in NRW

Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen haben dem Land zu spätes Handeln bei der Regelung von Abi-Partys vorgeworfen. «Wir hätten uns eine transparentere und frühere Entscheidungsfindung gewünscht», sagte Sophie Halley, Vorstandsmitglied der Landesschüler*innenvertretung NRW der Deutschen Presse-Agentur. Seit Samstag (20. Juni) sind nach der neuen Coronaschutz-Verordnung unter Auflagen Abschluss- und Abi-Partys in NRW erlaubt.

Viele Stufen hätten schon Wochen und Monate vorher angefangen, ihre Abi-Partys zu planen, sagte Halley. Nach dem Verbot von Großveranstaltungen seien sie dann mehrheitlich abgesagt worden. «Jetzt hätte man sie aber doch feiern können. Jetzt ist es aber zu spät», sagte Halley.

Die Partys dürfen entsprechend der Verordnung nur ohne Eltern stattfinden. Zudem muss jede Fete mindestens zwei Tage vorher bei den Gesundheitsbehörden angemeldet werden. Diese können die Feiern bei einem lokalen Corona-Ausbruch auch verbieten. Halley kritisierte, dass andere Partys und Feste mit bis zu 50 Teilnehmern keine Anmeldung bei den Gesundheitsämtern benötigten, aber «Abipartys, auch kleiner als 50, müssen zum Gesundheitsamt». Das sei keine Gleichbehandlung.

Laschet: Kein Kind soll wegen fehlender Geräte nicht mitlernen können

Trotz angepeilter Rückkehr zum Normalbetrieb in den Schulen will das Land NRW Geld in die Hand nehmen, um Schüler mit digitalen Endgeräten auszustatten. «Es wird keine Situation mehr geben, dass ein Kind zuhause, weil die Eltern keinen Computer haben, nicht mitlernen kann», sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag.

So will das Land 380 Millionen Euro - davon 260 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt - investieren, um sowohl Schüler als auch Lehrer flächendeckend mit digitalen Geräten auszustatten. Außerdem soll mehr Geld in die Anbindung von Schulen an schnelle Glasfasernetze fließen.

Zwar soll nach den Sommerferien an den Schulen des Landes so weit wie möglich wieder normaler Präsenzunterricht stattfinden. Trotzdem will sich NRW auch für den Fall rüsten, dass die Corona-Pandemie erneut Unterricht auf Distanz notwendig macht - wie aktuell etwa im Kreis Gütersloh. Konkretere Details soll Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) voraussichtlich noch in dieser Woche bekannt geben.

Schulsenator erwartet Regelbetrieb nach den Sommerferien

Die Schulen waren besonders hart von den Corona-Maßnahmen betroffen. Zunächst ganz geschlossen, wechselten sich später Präsenz- und Fernunterricht ab. Nach den Sommerferien will Hamburg zur Normalität zurückkehren.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) geht davon aus, dass die Hamburger Schulen nach den Sommerferien wieder ohne Mindestabstand in den Regelbetrieb gehen können. Zwar müsse angesichts des unvorhersehbaren Corona-Infektionsgeschehens auch immer «mitgedacht werden, dass der Mindestabstand wieder eingehalten werden muss», sagte er am Dienstag im Schulausschuss der Bürgerschaft. Angesichts der aktuell guten Zahlen in Hamburg sei er aber zuversichtlich, dass es nach den Sommerferien «vom Angebot her eine Rückkehr zu den Vollangeboten» von vor der Corona-Krise geben könne.

Ein solches Angebot solle die volle Stundenzahl umfassen «auch mit Sport, mit Musik, mit Theater und anderen Kursen». In besonderen Fällen müsse das Angebot von Hygieneregeln flankiert werden. «Das gilt vor allem für Sport, aber auch fürs Singen und die Bläser-Klassen», sagte Rabe.

Die Aufhebung der Mindestabstandsregel sei schon aus räumlichen Gründen Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Regelbetriebes in den Schulen. Ansonsten könnten die Schüler nur in kleineren Lerngruppen im Wechsel im Präsenzunterricht in der Schule und im Fernunterricht betreut werden. Auch darauf müssten sich die Schulen weiter vorbereiten.

Beim Fernunterricht gebe es dringenden Verbesserungsbedarf in Hamburg. «Wir wissen, da ist viel zu tun.» Rabe bat um Geduld. Hamburg arbeite an der Einführung eines einheitlichen digitalen Lernmanagementsystems. «Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir werden das auch nicht in den nächsten fünf Wochen erreichen können.»

Um durch die coronabedingten Unterrichtseinschränkungen entstandene Lerndefizite festzustellen, wolle die Schulbehörde in den Jahrgangsstufen 4 und 7 nach den Ferien einen Test durchführen und die Ergebnisse schnell an die Schulen zurückmelden. «Wir wollen den Lehrkräften ermöglichen, sich ein Bild zu verschaffen, wo ihre Schülerinnen und Schüler stehen», sagte der Senator. Zudem werde seine Behörde den Schulen weitere Test für weitere Jahrgänge zur Verfügung stellen, die diese dann in Eigenregie durchführen könnten.

 

23.06.2020 13.45 Uhr

Gebauer: Abiprüfungen 2021 werden um neun Tage verschoben

Die Abiturprüfungen im kommenden Jahr werden in Nordhein-Westfalen um neun Unterrichtstage nach den Osterferien verschoben. Das kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Dienstag in Düsseldorf an. Die Prüfungen beginnen demnach erst am Freitag, 23. April 2021. Trotz dieser Verschiebung fänden die Klausuren in Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik unverändert an den langfristig bundesweit festgelegten Terminen statt. Es werde auch weiter zentrale Abituraufgaben geben, aber mit erweiterter Auswahl von Prüfungsaufgaben.

Auch die Prüfungen zum Erwerb des Hauptschulabschlusses nach Klasse 10 und des mittleren Schulabschlusses (Fachoberschulreife) werden um eineinhalb Wochen verschoben, um mehr Unterrichtszeit zu gewinnen.

Kretschmann und Eisenmann: kein Streit in Sachen Schulunterricht

In Baden-Württemberg sollen die Schüler nach den Sommerferien so weit wie möglich regulär in den Schulen unterrichtet werden. Das teilten Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Dienstag in Stuttgart mit. Sie beteuerten, es gebe in dieser Frage keinen Streit.

Eisenmann ist auch Spitzenkandidatin der CDU zur Landtagswahl 2021. Am Montag hatten sich die beiden Spitzenpolitiker unterschiedlich zur Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen nach den Sommerferien geäußert. Kretschmann hatte in einem Interview der «Stuttgarter Zeitung» und «Stuttgarter Nachrichten» mit Verweis auf die hohe Zahl an Lehrern, die zu Risikogruppen gehören, erklärt: «So kann man keinen Regelbetrieb wie vor der Corona-Pandemie machen.» Eisenmann hatte entgegnet: «Eine pauschale Absage eines Regelbetriebs zu diesem frühen Zeitpunkt halte ich für falsch.»

Nun veröffentlichten Kretschmann und Eisenmann eine gemeinsame Mitteilung. Darin erklärte Kretschmann: «Unser gemeinsames Ziel ist es, dass alle Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg nach den Sommerferien wieder unterrichtet werden, und natürlich wollen wir dabei auch so nah wie möglich an den Schulalltag in Vor-Corona-Zeiten anschließen.» Und Eisenmann beteuerte, an dem Ziel, nach den Ferien an den weiterführenden Schulen einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen anzubieten, habe sich für sie nichts geändert.

Kretschmann ergänzte: «Mir ist es dabei ganz wichtig, keine Missverständnisse und falschen Erwartungen bei Eltern und Schülern aufkommen zu lassen.» Bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gebe, könne es «hier und da» Abweichungen vom normalen Schulbetrieb geben.

KMK-Präsidentin: Regelbetrieb nach Sommerferien ist das Ziel

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hat erneut bekräftigt, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder vollständig öffnen sollen. «Der Regelbetrieb ist kein Wunschdenken. Der Regelbetrieb ist das Ziel, dass wir haben», sagte sie am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des Nationalen Bildungsberichts. Die KMK hatte die Rückkehr zum Regelbetrieb ohne Abstandsregel nach den Ferien in der vergangenen Woche beschlossen - mit der Einschränkung: «sofern es das Infektionsgeschehen zulässt.»

Bildungsgewerkschaften hatten sich skeptisch gezeigt, ob das wirklich gelingt, auch wegen vieler Lehrkräfte, die zur Risikogruppe zählen und nicht zur Schule kommen könnten. Diese Befürchtung hatte auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geäußert.

Hubig zufolge laufen Planungen für drei verschiedene Szenarien, die eintreten könnten, je nachdem, wie sich die Pandemie weiter entwickelt: Regelbetrieb, rollierender Betrieb mit abwechselndem Unterricht in der Schule und zu Hause, so wie momentan üblich, und auch mögliche Komplettschließungen von Schulen. «Für diese drei Szenarien planen wir und geben den Schulen entsprechend Leitlinien an die Hand.» Sie hoffe aber, dass sehr maßvoll und sehr verantwortungsvoll mit Schulschließungen umgegangen werde.

 

22.06.2020 7.45 Uhr

Kretschmann: Rückkehr zum Regelbetrieb an Schulen unrealistisch

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hält eine Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen in Baden-Württemberg nach den Sommerferien für unrealistisch. «Unser Kernproblem ist die hohe Zahl der Lehrkräfte und Erzieher, die sich zu den vulnerablen Gruppen zählen. In den Schulen sollen das bis zu 20 Prozent sein», sagte Kretschmann in einem Interview der «Stuttgarter Zeitung» und «Stuttgarter Nachrichten» (Montag). «So kann man keinen Regelbetrieb wie vor der Corona-Pandemie machen.»

In der vergangenen Woche hatten die Kultusminister der Länder beschlossen, dass die Schulen nach den Sommerferien wieder vollständig öffnen und in den Regelbetrieb zurückkehren sollen. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte angekündigt, dass sie bis Anfang Juli erklären werde, wie es mit dem Unterricht im Südwesten im neuen Schuljahr weitergehen werde. Grundsätzlich solle es so viel Präsenzunterricht wie möglich geben.

Eisenmann ist auch Spitzenkandidatin der CDU bei der Landtagswahl im kommenden März. Der aufziehende Wahlkampf wirkt sich nach Angaben Kretschmanns schon jetzt erheblich auf die Regierungsarbeit aus. «Zwar nicht auf die Ergebnisse, die erzielen wir auf allen Gebieten. Aber der Aufwand wird immer größer», sagte der Regierungschef den Zeitungen. «Jede interne Forderung wird sofort an die Öffentlichkeit gespielt. Das nimmt dramatisch zu und macht das Regierungsgeschäft schwerer.»

Weniger Lehrstellen wegen Corona oder nur späterer Start?

Eigentlich startet das neue Lehrjahr in vielen Branchen am 1. August. Doch nach den strengen Corona-Beschränkungen sind viele Gelegenheiten ausgefallen, in der sich Betriebe und künftige Azubis treffen. Wird es dieses Jahr weniger Azubis in Sachsen-Anhalt geben?

Viele Firmen in Sachsen-Anhalt brauchen dringend gute Nachwuchskräfte, doch die negativen Folgen der Corona-Pandemie belasten auch viele hiesige Ausbildungsbetriebe. Der Bund will Lehrbetriebe mit einer Prämie unterstützen, wenn sie Azubis halten und zusätzliche einstellen. Sachsen-Anhalt prüfe derzeit, ob und wie es das frisch geplante Programm des Bundes unterstützen werde, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums und reagierte damit auf entsprechende Forderungen von Wirtschaftsvertretern.

Derweil befürchten Experten im Land, dass sich Betriebe zunächst von der Ausbildung zurückziehen könnten. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg verweist darauf, dass die Lehre in vielen Betrieben zumindest später beginnen könnte als geplant.

Es sei davon auszugehen, dass viele Lehrverträge später geschlossen würden als üblich, sagte die Geschäftsführerin für Berufliche Bildung bei der IHK-Magdeburg, Stefanie Klemmt. Ein Grund sei, dass viele Orientierungsangebote wie Berufsfindungsmessen, der Zukunftstag oder Betriebspraktika wegen der Corona-Beschränkungen ausgefallen seien. Jetzt müssten andere Kennenlernmöglichkeiten zwischen Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben gefunden werden.

So planen die vier IHKs und Handwerkskammern in Sachsen-Anhalt, gemeinsame Online-Bewerbertage anzubieten. Kurz vor den Sommerferien solle es vier Termine geben, in denen Berater per Videoschalte Jugendliche bei der Berufswahl oder der Suche nach konkreten Azubistellen beraten sollen, kündigte Klemmt an. Auch Präsenztermine in den Schulen selbst seien angedacht.

Derzeit gebe es rund 15,5 Prozent weniger geschlossene Azubiverträge als im Vorjahreszeitraum, sagte Klemmt über die Situation im Norden Sachsen-Anhalts. «Wir hoffen, dass sich das jetzige Minus bis November oder Dezember aufhebt.»

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hatte zuletzt bereits angekündigt, dass mit Kammern und Berufsschulen daran gearbeitet werde, die Fristen für den Start ins neue Ausbildungsjahr flexibler zu gestalten. Die Handwerkskammer Magdeburg verwies darauf, dass neue Azubis nur in Ausnahmefällen nach dem 1. August starten sollten.

Für den Norden Sachsen-Anhalts bekommt Klemmt nach eigenen Angaben bisher kaum die Rückmeldung, dass Betriebe aufgrund der negativen Corona-Folgen geschlossene Lehrverträge auflösen. Zudem seien ihr dort nur in Einzelfällen Betriebe bekannt, die sich wegen der Corona-Krise von der Ausbildung zurückziehen wollten.

Die IHK Halle-Dessau meldet, dass besonders betroffene Branchen zurückhaltend sind bei der Einstellung neuer Lehrlinge. Das betreffe etwa die Gastronomie, aber auch die Reise- und Veranstaltungsbranche, sagte Simone Danek, IHK-Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung im Süden des Landes. In anderen Betrieben hätten sich auch für zukünftige Azubis die Einstellungsgespräche wegen der Corona-Pandemie verschoben. Zudem gebe es Firmen, die unverändert an ihrem Fahrplan festhielten. Eine jüngst gestartete bundesweite Umfrage soll ein genaueres Bild ergeben, auch für die Situation in Sachsen-Anhalt.

Die Handwerkskammer Magdeburg fürchtet derzeit, dass weniger Betriebe Nachwuchs ausbilden. So habe eine bundesweite Umfrage unter ausbildenden Handwerksbetrieben ergeben, dass jeder vierte sich aus der Ausbildung zurückziehen wolle, sagte Hauptgeschäftsführer Burghard Grupe. Messbare Anzeichen gibt es dafür noch nicht: Bisher liege die Zahl der geschlossenen Lehrverträge im Norden Sachsen-Anhalts auf Vorjahresniveau.

Grupe forderte schnelle Klarheit darüber, wie die angekündigte Prämie des Bundes ausgezahlt wird. Viele Firmen hätten in den vergangenen Tagen bereits bei der Kammer nach dem Programm gefragt, so Grupe. Es brauche schnell Klarheit, da jetzt die Verträge für das neue Lehrjahr geschlossen würden, das am 1. August beginne. «Wir brauchen hier schnellstmöglich einen Fahrplan», so Grupe. Bekannt ist derzeit, dass Ausbildungsbetriebe 2000 Euro erhalten, wenn sie die Zahl ihrer Lehrstellen halten. Wer mehr ausbildet, soll 3000 Euro bekommen.

Grundschule für alle - Hessen lockert Corona-Regeln

Angesichts vergleichsweise niedriger Infektionszahlen lockert Hessen die Corona-Einschränkungen weiter. Diskussionen gibt es vor allem über die Öffnung der Grundschulen für alle Schüler.

Hessen kehrt in der Corona-Krise ein Stück weiter zur Normalität zurück. Die wohl am meisten diskutierte Lockerung von diesem Montag an: Die Grundschüler im Land gehen wieder regulär in die Schule. Die verbleibenden zwei Wochen bis zu den Sommerferien werden die Kinder der ersten bis vierten Klasse wieder gemeinsam unterrichtet - das Gebot zum Abstandhalten gilt dort dann nicht mehr. Auch in Altenheimen und im Einzelhandel werden die Einschränkungen gelockert.

Die Bildungsgewerkschaft GEW bezeichnete die Öffnung der Grundschulen für alle Schüler als «verantwortungslos». Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann, kritisierte die Widersprüchlichkeit des Schritts angesichts gleichzeitig noch geltender Verbote zum Beispiel für Großveranstaltungen. Niemand sei gerne ein Versuchskaninchen - «schon gar nicht, wenn nicht für angemessene Laborbedingungen gesorgt ist», sagte Wesselmann in der vergangenen Woche.

Das Kultusministerium geht davon aus, dass alle Grundschulen ausreichend Zeit hatten, sich auf die Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche vorzubereiten. Angesichts der Kritik verwies das Ministerium auf neue Erkenntnisse zur Infektionslage. Außerdem würden Eltern und Familien entlastet. Die Schulbesuchspflicht ist aber bis zu den Sommerferien aufgehoben. Das heißt, Eltern können entscheiden, ob ihr Kind zur Schule geht oder von zuhause aus den Unterrichtsstoff lernt. An den weiterführenden Schulen ändert sich bis zu den Sommerferien erst einmal nichts. Geplant ist, dass nach dem Ferienende Mitte August auch dort wieder der normale Unterricht beginnt.

Bewohner von Alten- und Pflegeheimen in Hessen dürfen ab sofort wieder bis zu drei Mal in der Woche besucht werden. Menschen mit Behinderung, die stationär betreut werden, sollen jeden Tag eine Person empfangen dürfen.

Auch im Einzelhandel lockert Hessen die Corona-Einschränkungen weiter: Läden dürfen wieder mehr Kunden hereinlassen. Erlaubt ist nun eine Person pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche, bisher waren es 20 Quadratmeter. Kunden müssen aber weiterhin eine Maske tragen und zu anderen Menschen mindestens 1,5 Meter Abstand halten.

Die neuen Regelungen gelten nach Angaben der Landesregierung in Hessen zunächst bis zum 16. August.

Mehrere Schulen schließen in Dortmund wegen Coronavirus-Infektionen

Wegen Infektionen mit dem Coronavirus müssen mehrere Schulen in Dortmund bis zu den Sommerferien schließen. Ein Kind an einer Grundschule in Dortmund-Eving wurde positiv getestet, wie die Stadt am Sonntag mitteilte. Kontaktnachverfolgungen hätten am Wochenende weitere Fälle ergeben. Betroffen sind neben der Grundschule drei Berufskollegs und eine Hauptschule.

Seit dem ersten nachgewiesenen Auftreten des Virus in Dortmund wurden 893 Fälle nachgewiesen, wie die Stadt mitteilte. 779 Betroffene gelten als genesen.

Corona-Infektion bei Grundschulkind: Stadt Kassel schließt Schule

Nach dem Nachweis des Coronavirus bei einem Grundschulkind schließt die Stadt Kassel bis auf Weiteres vorsorglich die Königstorschule im Westen der nordhessischen Kommune. Auch die Eltern des Kindes seien an Covid-19 erkrankt, teilte die Stadt am Sonntag mit. «Da nicht abschließend geklärt ist, mit wie vielen weiteren Personen das infizierte Kind in Kontakt war, hat die Stadt Kassel in enger Abstimmung mit der Schulleitung entschieden, dass die Königstorschule ab Montag, 22. Juni, als Vorsichtsmaßnahme vorerst geschlossen wird.» Ebenso werde der Hort Kreuzkirche geschlossen, in dem Kinder der Grundschule betreut werden.

Wie lange die Einrichtungen geschlossen bleiben, sei noch nicht festgelegt, sagte ein Sprecher der Stadt auf Nachfrage. Über das weitere Vorgehen werde entschieden, sobald Ergebnisse von weiteren Tests vorlägen.

Die Stadt erklärte, die am Wochenende hinzugekommenen bestätigten Infektionen in Stadt und Landkreis Kassel stünden nach derzeitigen Erkenntnissen nicht in Verbindung mit Fällen in einem Flüchtlingsheim im Stadtteil Bettenhausen. Dort sind nach letzten Angaben 20 Corona-Infektionen nachgewiesen.

Landesschülerbeirat fordert wegen Corona Abi-Noten «mit Augenmaß»

Nach den Abiturprüfungen in Baden-Württemberg hat der Landesschülerbeirat Lehrer dazu aufgerufen, die Arbeiten mit Augenmaß zu benoten. Es werde zwar kein genereller «Corona-Bonus» erwartet, teilte die Schülervertretung am Samstag in Stuttgart mit. Lehrer müssten aber bei der Korrektur der Prüfungsarbeiten die durch die Corona-Krise entstanden Schwierigkeiten berücksichtigen. Für Schüler sei es wegen der Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen schwer gewesen, sich richtig vorzubereiten.

Die Abiturprüfungen im Land hatten vor rund einem Monat begonnen. Nach Angaben von Schülern waren sie in diesem Jahr besonders schwer. Zudem seien Themen abgefragt worden, die im Unterricht zuvor nicht bearbeitet worden seien. Der Schülerbeirat habe nach den Prüfungen landesweit entsprechende Rückmeldungen erhalten. Er setze nun auf die Aussage von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), wonach kein Schüler durch die Corona-Krise einen Nachteil haben dürfe.

20.06.2020 9.45 Uhr

Gütersloh, Göttingen, Kassel - Corona-Ausbrüche sorgen für Probleme

Die Zahl binnen 24 Stunden erfasster Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist so hoch wie seit einem Monat nicht mehr. In mehreren Regionen wird nach Infektionswellen intensiv gegen eine Ausbreitung gekämpft - in Ostwestfalen hilft dabei nun auch die Bundeswehr.

Corona-Ausbrüche in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen stellen die Behörden vor große Herausforderungen. Im Kreis Gütersloh (NRW) trafen am Freitag 25 Soldaten am Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück ein, um erste Tests durchzuführen. Der Kreis hatte die Bundeswehr wegen des Corona-Ausbruchs bei dem Schlachtereiunternehmen um Unterstützung gebeten. 13 der Helfer sind als Sanitätssoldaten vor Ort, 12 zur Dokumentation.

In dem ostwestfälischen Landkreis sind Reihentests in großem Maßstab angeordnet. Allein im Tönnies-Stammwerk müssen in den nächsten Tagen noch Tausende Mitarbeiter getestet werden. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Hunderte Mitarbeiter des Schlachtbetriebs mit Sars-CoV-2 infiziert sind. In der Folge wurden in der Region Schulen und Kitas geschlossen, etliche Menschen mussten in Quarantäne. Von einem Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums hieß es am Freitag, es komme jetzt darauf an, möglichst schnell die Infektionsketten zu unterbrechen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schloss einen regionalen Lockdown nicht mehr aus. Derzeit könne das Infektionsgeschehen noch lokalisiert werden. «Sollte sich dies ändern, kann auch ein flächendeckender Lockdown in der Region notwendig werden», sagte er am Freitagabend in Düsseldorf. Er sprach von einem massiven Ausbruchsgeschehen. Bis zum Freitagabend wurden 803 Infizierte registriert, es stehen aber noch etliche Tests aus.

Zu Versorgungsengpässen wird die vorübergehende Schließung des größten deutschen Schlachtbetriebs von Tönnies nach Experten-Einschätzung wohl nicht führen. «Fleisch wird in Deutschland nicht knapp, auch nicht Schweinefleisch», sagte Tim Koch von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in Bonn. In Rheda-Wiedenbrück werden nach Angaben von Tönnies sonst pro Tag etwa 20 000 Schweine geschlachtet und zerlegt.

Auch die Stadt Göttingen steht mit einem erneuten Corona-Ausbruch vor Herausforderungen. «Wir müssen jetzt hoffen, dass alle in dieser Ausnahmesituation einen kühlen Kopf bewahren», sagte Christian Hölscher von der Jugendhilfe Göttingen am Freitag. Innerhalb von zwei Tagen seien knapp 120 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt worden, teilte die Stadt mit.

Die Behörden hatten die betroffene Wohnanlage in der Innenstadt am Donnerstag unter Quarantäne gestellt. Rund 700 Bewohner sind betroffen. Es handele sich um «ein lokales, aber massives Infektionsgeschehen», erklärte Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD). «Diese Ereignisse zeigen uns immer wieder, dass die Pandemie nicht vorbei ist.»

In Kassel sind unterdessen nach etwa 20 Corona-Nachweisen in einer Geflüchtetenunterkunft rund 60 Menschen in Quarantäne. Es handele sich um den bisher größten Ausbruch in der Stadt, sagte Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote (Grüne). Weil unter den Infizierten auch vier Kinder sind, wurden eine Schule und ein Hort geschlossen.

Die Zahl binnen 24 Stunden erfasster Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist nun so hoch wie seit einem Monat nicht mehr. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 770 neue Fälle (Datenstand 19. Juni, 0.00 Uhr). Zuletzt war der Wert am 20. Mai so hoch (797 Neuinfektionen). Insgesamt haben sich seit Beginn der Corona-Krise 188 534 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie das RKI am Freitagmorgen meldete.

Weitere Schulöffnungen scharf kritisiert - Corona-Zahlen steigen

Ab Montag gilt wieder der Präsenzunterricht für alle Grundschüler. Nach Ansicht einer Gewerkschaft ist das eine gefährliche Fehlentscheidung. Für Ärger sorgen auch die zurückgenommenen Sonntagsöffnungen für Geschäfte. Ein Handelsverband beschwert sich.

Die weiteren Grundschulöffnungen mit Präsenzunterricht für alle Kinder trotz der Corona-Pandemie erhitzt weiter die Gemüter. Vehemente Kritik kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Unterdessen soll das Virus und seine Verbreitung in Risikogruppen mit Studien besser erforscht werden. Was sonst noch in Sachen Corona für Gesprächsstoff sorgt:

GRUNDSCHUL-ÖFFNUNGEN

Lehrergewerkschaften haben erneut vor der geplante Wiedereröffnung der Grundschulen am Montag gewarnt. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Birgit Koch, nannte es «verantwortungslos», dass nach der Corona-Zwangspause nun wieder alle Grundschüler zum Präsenzunterricht kommen sollen. «Bis zum Schulhaus haben wir die Corona-Pandemie - und innen soll sie nicht mehr sein?», sagte sie. Die Gewerkschaft bekommt nach den Worten von Koch regelmäßig E-Mails von Eltern mit dem Tenor, Grundschulen seien keine Versuchslabore im Umgang mit der Coronavirus-Pandemie. Viele Mütter und Väter kündigten an, ihre Kinder nicht zum Unterricht zu schicken, sagte sie. Die GEW rechne damit, dass nach wie vor 10 bis 15 Prozent der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen, weil sie einer Risikogruppe angehören. Hessens Kultusministerium geht davon aus, dass alle Grundschulen ausreichend Zeit hatten, sich auf die Rückkehr zur Fünf-Tage-Woche vorzubereiten.

CORONA-STUDIEN

Hessen will mit Corona-Studien bei besonderen Risikogruppen mehr über die Infektionsverläufe und geeignete Testmethoden lernen. Sozialminister Kai Klose (Grüne) kündigte an, dass dafür 50 Pflege- und Altenheime ausgewählt werden. Start der Studie soll im Frühherbst sein. Sie soll etwa acht bis zwölf Wochen dauern. Gerade die Bewohner der Alten- und Pflegeheime seien besonders durch einen Ausbruch des Coronavirus gefährdet, erklärte der Minister. Bekannt sei, dass das Risiko für eine Ansteckung in diesen Einrichtungen vor allem von den Personen ausgeht, die von außen in diese Strukturen neu oder wiederholt hineinkommen. Bei der Teststudie seien deswegen vor allem die Personen im Fokus, die neu in die Heime aufgenommen werden, sowie das Personal. Es läuft bereits eine Corona-Studie in 60 hessischen Kitas, bei der Kinder und Erzieherinnen über mehrere Wochen hinweg regelmäßig auf mögliche Infektionen getestet werden.

FALLZAHLEN

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in Hessen so stark gestiegen wie seit einigen Tagen nicht mehr. Jüngst kamen wieder 63 neue Fälle hinzu, wie das Sozialministerium mitteilte. Seit Beginn der Pandemie wurden 10 503 nachweislich infizierte Menschen gezählt. Die Summe der Todesfälle in Hessen, die mit der Erkrankung Covid-19 in Verbindung gebracht werden, erhöhte sich um einen auf 499. Vom Schwellenwert für eine Verschärfung der Beschränkungen des öffentlichen Lebens sind alle Städte und Kreise weit entfernt. Dieser liegt bei 50 Infektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen. Den höchsten Wert hat der Landkreis Hersfeld-Rotenburg mit 17. Dahinter folgen der Werra-Meißner-Kreis mit 12 und die Stadt Kassel mit 11.

CORONA-AUSBRUCH

Nach 20 Corona-Fällen in einer Geflüchtetenunterkunft sind in Kassel 60 Menschen in Quarantäne. Es handele sich um den bisher größten Ausbruch in der Stadt, sagte Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote (Grüne). Eine Grundschule und ein Hort wurden vorläufig geschlossen. Rund 150 Menschen wurden und werden insgesamt getestet. Es gebe unter den Infizierten bisher keinen schweren Krankheitsverlauf. Laut der Stadt war am Dienstag die erste Infektion in der Einrichtung im Stadtteil Bettenhausen bekannt geworden. Daraufhin seien alle Bewohner, Betreuer und Mitarbeiter getestet worden. 200 Kontaktpersonen wurden ermittelt.

Sportunterricht an Schulen nach Corona-Pause wieder erlaubt

Nach langer Corona-Zwangspause ist an bayerischen Schulen ab sofort auch wieder Sportunterricht erlaubt - wenn auch unter Auflagen. Das teilte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag in München mit. «Ich freue mich sehr, dass wir damit das wichtige Anliegen vieler Schüler und Eltern erfüllen können», sagte er. «Sportunterricht ist ein essenzieller Bestandteil der Schule. Es ist gut, dass er jetzt wieder möglich ist.» Der Schulsport habe im Schulwesen in Bayern einen hohen Stellenwert.

Ein Hygieneplan, den das Ministerium am Freitag an die Schulen schickte, sieht für den Schulsport Hygieneauflagen vor, wie sie auch für den Vereinssport gelten. Dazu gehören laut Ministerium das Abstandsgebot und die Kontaktfreiheit. «An den bayerischen Schulen sollen sich Schüler, Lehrkräfte und alle anderen Beschäftigten sicher fühlen. Hygieneauflagen sind daher sehr wichtig», betonte Piazolo.

In dem Schreiben des Ministeriums heißt es: «Ein vollumfänglicher lehrplanmäßiger Sportunterricht ist noch nicht möglich.» Aber in den dafür vorgesehenen Stunden sei Sportunterricht grundsätzlich möglich. Maßgeblich sei die jeweils gültige Infektionsschutzverordnung. «Aktuell hat die Sportausübung ausschließlich kontaktfrei zu erfolgen. Oberstes Gebot sind die Einhaltung der Mindestabstandsregel von 1,5 Metern und die konsequente Einhaltung der Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere bei gemeinsamer Nutzung von Sportgeräten», heißt es in dem Papier unter anderem. «In Sporthallen gilt eine Beschränkung der Übungszeit auf 60 Minuten sowie bei Klassenwechsel ein vollständiger Frischluftaustausch in den Pausen.»

Martin: Nach Ferien normaler Schulbetrieb unter Pandemie-Bedingungen

Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern. Doch an den Schulen wird weit weniger Ruhe einkehren als in vorhergehenden Jahren. Sie müssen sich auf die von der Corona-Pandemie diktierten Bedingungen einstellen. Ab 3. August soll vieles wieder normal laufen - so lautet das Ziel.

Mit festen Lerngruppen, detailliertem Corona-Hygieneplan und flexiblem Unterrichtsbeginn will Mecklenburg-Vorpommern Anfang August in das neue Schuljahr starten. Der Mindestabstand von 1,50 Meter falle in den Schulklassen weg und eine Mundschutzpflicht sei nicht geplant, sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Freitag in Schwerin. Auf den zwischenzeitlich erwogenen Schichtunterricht werde verzichtet, so dass auch der Schülertransport wieder normal laufen könne. «Es wird einen verlässlichen Regelunterricht geben», versicherte Martin.

Der Nordosten sei als erstes Bundesland in die Sommerferien gestartet und nehme somit auch als erster wieder den Unterricht auf. Deshalb müssten die kommenden Wochen intensiv genutzt werden, die Schulen auf die weiterhin besonderen Bedingungen einzustellen. «Das Coronavirus wird Anfang August nicht weg sein. Wir kehren somit nach den Ferien in den normalen Schulbetriebe zurück, aber eben unter Pandemiebedingungen», erklärte die Ministerin. Für alle Lehrer gelte dann auch wieder prinzipiell die Dienstpflicht. Freistellungen vom Präsenzunterricht seien auch bei Lehrern, die wegen Vorerkrankungen oder Alter zur Risikogruppe zählten, nur nach ärztlicher Konsultation möglich.

Es gelte, das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe wieder umfassend zu gewährleisten und gleichzeitig die Gesundheit von Schülern und Lehrern zu schützen. Der Unterricht in festen Gruppen, gegebenenfalls auch als Blockunterricht in den Fachkursen, solle dazu beitragen das Ansteckungsrisiko zu mindern und bei Infektionsfällen schnell und lokal reagieren zu können. Es gebe auch fest zugeordnete Lehrkräfteteams. Schulstunden und Pausen würden so geregelt, dass sich Schüler unterschiedlicher Klassen möglichst wenig begegnen. «Es darf auf keinen Fall wieder zu einem landesweiten Lockdown an den Schulen kommen», betonte Martin. Vom neuen Schuljahr an gebe es auch Corona-Tests auf freiwilliger Basis.

Für Grundschüler würden täglich mindestens vier Unterrichtsstunden gewährleistet, zudem die Betreuung im Hort abgesichert. Vor allem in den höheren Klassenstufen werde es auch nach den Ferien noch Unterricht über das Internet geben, aber in weit geringerem Maße als in den zurückliegenden Wochen. «Unabhängig von Corona wird das digitale Lernen einen immer größeren Raum einnehmen», zeigte sich Martin sicher. Deshalb gelte es, die technische Ausstattung so zu verbessern, dass alle Schulen die neu eingerichtete Lernplattform nutzen können.

Laut Martin sind alle allgemeinbildenden und beruflichen Schulen über die neuen Regelungen informiert, so dass sie den Schulstart vorbereiten können.

Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck, forderte das Ministerium auf, sich auf alle denkbaren Entwicklungen einzustellen: «Es muss neben einem Plan A auch einen Plan B und unter Umständen auch einen Plan C geben. Wichtig wird sein, dass, egal welche Situation wir haben, alle Beteiligten, Eltern, Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, wissen, woran man ist und was zu tun ist.»

Zudem ermahnte er die Schulträger, die Ferienzeit zu nutzen, um die sanitären Anlagen auf Vordermann zu bringen und in allen Räumen regelmäßiges Lüften zu ermöglichen. In engen Räumen sollten zwischen Lehrern und Schülern zudem Plexiglas-Scheiben angebracht werden. Blanck begrüßte die Bereitstellung der Lernplattform «itslearning». Doch müsse dafür gesorgt werden, dass auch alle Schüler über digitale Endgeräte verfügen.

Die Linke äußerte sich kritisch zu dem von Martin angekündigten Ferien-Nachhilfe-Programm. Damit sollen etwa 2700 Schüler auf Landeskosten privaten Nachhilfe-Unterricht erhalten können, um nach dem coronabedingten Schulausfall Lernstoff zu festigen. So sei nicht geklärt, wie die Kinder bei ruhendem Schülerverkehr in den Ferien zu den Lernangeboten kommen können, bemängelte Linksfraktionschefin Simone Oldenburg. Zudem kritisierte sie das Antragsverfahren als bürokratischen Hürdenlauf. «Durch die widersinnigen Formalitäten werden gerade die Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien ein solches Angebot zur Nachhilfe meiden», warnte Oldenburg.

18.06.2020 20.30 Uhr

Schule nach den Sommerferien ohne Abstandsregel - womöglich

Nach dem Ja von Kanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten für eine Rückkehr zum Regelschulbetrieb nach den Sommerferien, haben sich die Kultusminister der Länder nun festgelegt: Die Abstandsregel an den Schulen soll im neuen Schuljahr wegfallen, mit einer Einschränkung.

Alle Schüler sollen nach den Sommerferien wieder wie gewohnt in die Schule gehen - auf die Abstandsregel soll dabei, wenn möglich, verzichtet werden. Darauf haben sich die Kultusminister der Länder in einer Schaltkonferenz am Donnerstag verständigt. Zur Gewährleistung des Rechts auf Bildung streben die Länder einen «regulären Schulbetrieb nach geltender Stundentafel» im Klassenverband oder in einer festen Lerngruppe an, heißt es in einem gemeinsamen Beschluss. «Die Länder stimmen dabei überein, dass hierfür die Abstandsregelung von 1,5 Metern entfallen muss, sofern es das Infektionsgeschehen zulässt», heißt es weiter.

Definitiv ist damit der Wegfall der Abstandsregel also nicht. Alles hängt von der weiteren Entwicklung in der Corona-Pandemie ab.

SCHULSCHLIESSUNGEN NUR ALS «ULTIMA RATIO»

Die aktuellen Ereignisse zeigen, wie schnell der Hebel wieder umgelegt werden kann: Wegen der vielen Infektionen beim Fleischfabrikanten Tönnies in Gütersloh sind im ganzen Landkreis erneut Schulen und Kitas geschlossen worden. Die Kultusminister plädierten am Donnerstag dafür, dass solche harten Schritte künftig nur das letzte Mittel sein sollten: «Uns ist wirklich wichtig, dass das Recht auf Bildung, das was Schule ausmacht als sozialen Ort, als Ort des sozialen Lernens, dass das sehr hochgehalten wird und dass Schulschließungen unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens auch eher eine Ultima Ratio sein sollten in Zukunft», sagte die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) nach den Beratungen.

WIE ES WEITERGEHT 

Als nächsten Schritt wollen sich die Bildungsminister darum kümmern, dass die Hygienemaßnahmen «für alle an Schule Beteiligten» vor Ort angepasst werden, sagte Hubig. «Wir werden uns als Kultusministerkonferenz rechtzeitig auf einen gemeinsamen Rahmen für aktualisierte Schutz- und Hygienemaßnahmen verständigen». Dem Arbeitsschutz für das Personal an den Schulen solle dabei in vollem Umfang Rechnung getragen werden.

KRITIK VON LEHRERVERBÄNDEN UND BILDUNGSGEWERKSCHAFTEN

Lehrerverbände und Bildungsgewerkschaften warnen vor einem «Spiel mit dem Feuer», wenn die Abstandsregel fällt und pochen auf Schutzkonzepte für die Lehrer. Es sei eine Farce, wenn in jedem Supermarkt Plexiglasscheiben Kunden und Personal trennten - aber an Schulen kein Abstand eingehalten und die Lehrer nicht geschützt würden, hatte der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, schon Anfang des Monats gesagt.

«Auf das Abstandsgebot in den Schulen zu verzichten, ist der falsche Weg», sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Abstand und Hygienemaßnahmen seien das A und O, um Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern vor Infektionen zu schützen.

Dazu kommt, dass schätzungsweise 10 bis 20 Prozent des Lehrpersonals als «Risikogruppe» den Schulen fernbleiben könnten. Beckmann sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur, es hätte von den Kultusministern das klare Zeichen gebraucht, «dass in Pandemie-Zeiten nicht flächendeckend ein vollumfängliches Bildungs- und Betreuungsangebot zu gewährleisten ist». Er befürchtet Unmut gegen Schulleitungen und Lehrer, wenn dann möglicherweise der «reguläre Schulbetrieb» doch nicht durchgehalten werden kann.

Hubig: Zeugnisse ohne Nachteile wegen der Corona-Krise

Die Schüler in Rheinland-Pfalz sollen zum Schuljahresende ein Zeugnis bekommen, dabei aber keine Nachteile wegen der Corona-Krise haben. Das hat die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Donnerstag in Mainz nach einer Schalte der Kultusminister gesagt. Die Lehrer sollten die Noten aufgrund der Leistungen im zweiten Halbjahr im Präsenzunterricht und der Halbjahresnoten finden - unter Berücksichtigung der Corona-Zeit.

Nach den Sommerferien soll der Unterricht im Schuljahr 2020/2021 im normalen Regelbetrieb wieder beginnen. Die Abstandsregelung von 1,50 Metern entfalle dann. Die Hygienekonzepte müssten aber noch im Detail aufgestellt werden. Dabei werde - abhängig von den Neuinfektionen - in drei Szenarien gedacht. Regelbetrieb, Fern- und Präsenzunterricht im Wechsel sowie als ultima ratio komplette Schulschließungen.

Corona-Schulabschlüsse 2020 bisher nicht schlechter als in Vorjahren

Die unter Corona-Bedingungen in den vergangenen Wochen abgelegten Schulabschlüsse in Mecklenburg-Vorpommern sind nach Auswertung eines Großteils der Prüfungen nicht schlechter ausgefallen als in den Vorjahren. An den 87 Prozent der Schulen, an denen die Mittlere Reife abgelegt werden kann und die bislang ausgewertet wurden, hätten 98 Prozent der Schüler die Prüfung bestanden, teilte das Bildungsministerium in Schwerin am Donnerstag mit. Die landesweite Durchschnittsnote liege bei 2,6 und damit exakt auf dem gleichen Wert wie in den Jahren 2019 und 2018.

Bei den Abiturprüfungen liegen bislang die Ergebnisse von etwa zwei Drittel der Schulen ohne Fachgymnasien vor, wie es weiter hieß. 96,9 Prozent der Schüler hätten ihr Abitur bestanden. Die bislang ermittelte landesweite Durchschnittsnote liege zwischen 2,3 und 2,4. In den beiden Vorjahren habe sie jeweils bei 2,3 gelegen.

An diesem Freitag endet das Schuljahr in Mecklenburg-Vorpommern für mehr als 151 000 Kinder und Jugendliche und es beginnen die Sommerferien. «Die vergangenen drei Monate waren für alle eine enorme Herausforderung», sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). Sie dankte allen Schülern, Lehrkräften, Schulleitungen und den Eltern für ihr Durchhaltevermögen. Sie sei froh, dass sich die Infektionszahlen in Deutschland und vor allem in Mecklenburg-Vorpommern so positiv entwickelt haben. «Somit ist es richtig und wichtig, dass wir nach den Sommerferien am 3. August wieder in einen verlässlichen und täglichen Regelunterricht an den Schulen zurückkehren werden.»

Schulen und Kitas wieder zu: Wut und Sorgen im Kreis Gütersloh

Geschlossene Schulen und Kindertagesstätten und hunderte Infizierte sorgen für Wut und Unverständnis bei den Menschen im Kreis Gütersloh. Die Verantwortung für den Ausbruch sehen sie bei dem Schlachtereibetrieb Tönnies.

Elena Engenhorst steigen die Tränen in die Augen. Ihr Sohn spielt an einer Wasserstelle. Der Fünfjährige hüpft mit seinen blauen Gummistiefeln auf und ab. Daneben steht der Kinderwagen mit dem anderen Sohn. «Der Große war erst eine Woche wieder in der Kita und abends beim Einschlafen hat er mich noch gefragt, was wohl am nächsten Tag in der Kita Schönes passieren wird», so die junge Mutter. «Und jetzt muss ich ihm erklären, dass er wieder nicht hingehen darf.» Sie habe Angst, dass die Spielplätze auch wieder zu machen. «Wir Erwachsenen können diese soziale Distanz akzeptieren, aber für unsere Kinder ist das kaum aushaltbar», sagt die Mutter.

Ähnlich geht es auch Paulina Twardowski. «Ich bleibe zur Zeit Zuhause, um mein zweijährige Tochter zu betreuen», so die alleinerziehende Mutter. Sie sei an ihrer Belastungsgrenze. «Das wird eine sehr anstrengende Zeit für mich und die Kleine», sagt Twardowski.

Für Dirk Ködding von der Grundschule Neisseweg in Gütersloh kam die Nachricht der Schulenschließung völlig überraschend. «Wir sind alle tieftraurig», so der Schulleiter. «Vor allem die Viertklässler tun mir sehr leid, denn für die wird es nun keinen normalen Abschied geben.» Bei den Kleinen seien Tränen geflossen. Auch einige Eltern hätten sich bereits bei der Schule gemeldet. «Da gibt es nun viele Unsicherheiten besonders in Bezug auf die Notbetreuung», sagt Ködding. Diese werde aber stattfinden.

Der Corona-Ausbruch bei Tönnies ist vielerorts im Kreis Hauptgesprächsthema. So auch bei Lara Köppikus. Die 17-Jährige hat erst vor kurzem ihr Fachabitur gemacht. «Ich habe von dem Vorfall bei Tönnies bei Facebook gehört», so die Schülerin. «Da gab es viele Posts und  Nachrichten.» Sie selbst mache sich nicht so große Sorgen zu erkranken. Dennoch wolle sie sich nun wieder häufiger die Hände desinfizieren.

Auch bei dem Friseur Abdullah Yildiz dreht sich nun alles um den Corona-Ausbruch bei dem Schlachtereibetrieb. «Die Kunden, die da waren, haben alle nur darüber gesprochen», so der 34-Jährige. «Wir mussten wegen Corona schon sechs Wochen zumachen und haben Angst, dass das wieder passiert.» Viele Läden hätten nicht so große Rücklagen um die Krise zu überbrücken. Die ganze Innenstadt werde darunter leiden.

«Ich wollte mich eigentlich zum 1. August selbstständig machen», so der Friseur. «Keine Ahnung, wie das nun gehen soll.» Außerdem habe er Sorge, wie bei den Arbeitern bei Tönnies nun die Quarantäne eingehalten werden solle. «Das sind 7000 Menschen, wie soll das kontrolliert werden?» Tönnies hätte diesen Ausbruch verhindern müssen, schließlich habe der Konzern riesige Macht in der Region, sagt er.

«Mich macht das traurig, denn das ist eine Katastrophe für die Stadt», sagt auch Jürgen Holtkamp, der draußen vor einer Kneipe sitzt und eine Cola trinkt. »Mir tun die Mitarbeiter bei Tönnies leid.» Die Arbeitsbedingungen seien «furchtbar», glaubt er. Das sieht auch sein Freund Andreas Kersting so. Für die beiden Männer trägt Clemens Tönnies als Unternehmer die Verantwortung für den Corona-Ausbruch.


17.06.2020 20.15 Uhr

Gebauer steht zu Schulöffnungen - Nach Ferien alle in Regelbetrieb

Die Rückkehr der Grundschulen zum Normalbetrieb hat einen Proteststurm der Opposition entfacht. Eine von rund 2800 Grundschulen in Wuppertal musste wegen eines Corona-Falls geschlossen werden. Kein Grund für die Schulministerin, an ihrem Kurs zu zweifeln.

Trotz der ersten Schließung einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen wegen einer Corona-Infektion hält Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) an der Rückkehr zum Regelbetrieb fest. «Die Kinder haben ein Recht auf Bildung», sagte sie am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags. Seit Montag werden die rund 640 000 Grundschulkinder in NRW wieder täglich und in voller Klassenstärke unterrichtet.

Nach den Sommerferien sollten möglichst alle Schüler sämtlicher Schulformen wieder in den Regelbetrieb zurückkehren, bekräftigte Gebauer. In diesem Punkt seien sich auch die Kultusminister aller Länder einig. Bis zu der angestrebten Rückkehr in den Normalbetrieb seien es in NRW noch acht Wochen. Ob der Schritt dann möglich sei, hänge von der weiteren Entwicklung des Corona-Infektionsgeschehens ab.

Bund und Länder einigten sich am Mittwoch darauf, dass bundesweit die Schulen nach den Sommerferien bei einem positiven Verlauf der Infektionszahlen in den Regelbetrieb zurückkehren sollen. Wie der volle Schulbetrieb dann organisiert werden soll, darüber werden an diesem Donnerstag die Kultusminister der Länder in einer Schaltkonferenz beraten. «Alle sind sich einig, wir brauchen wieder einen regulären Schulbetrieb», sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch vor dem Treffen der Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

In NRW gibt es über alle Schulformen hinweg nach Angaben aus dem Schulministerium derzeit 42 bestätigte Infektionsfälle bei Lehrkräften und Schülern. Eine Grundschule in Wuppertal war von den örtlichen Gesundheitsbehörden geschlossen worden. An drei weiteren Grundschulen seien Teilgruppen geschlossen worden. In NRW gibt es fast 2800 Grundschulen mit rund 640 000 Schülerinnen und Schülern.

Unterdessen schloss der Kreis Gütersloh nach einem erneuten Corona-Ausbruch beim Schlachtereibetrieb Tönnies alle Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien. Durch diesen Schritt solle eine Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung vermieden werden, sagte eine Sprecherin des Kreises.

Der Ausbruch zeige, dass es absolut notwendig sei verschiedene Pläne zu entwickeln und das Lernen auf Distanz durch ausreichend Endgeräte und entsprechende Software zu ermöglichen, teilte der Lehrerverband VBE mit. «Es ist nicht auszuschließen, dass uns ähnliche Szenarien im kommenden Schuljahr erwarten und darauf müssen alle Schulen jetzt vorbereitet werden.»

Bei SPD und Grünen stieß die Rückkehr der Grundschulen zum Regelbetrieb nur zwei Wochen vor den Sommerferien auf massive Kritik. Der SPD-Schulpolitiker Jochen Ott sagte, dass die Kinder etwa in Wuppertal nun in Quarantäne müssten und Urlaubspläne der Familien so durchkreuzt würden. Die Grünen-Abgeordnete Sigrid Beer warf Gebauer vor, für den Grundschulbetrieb in festen Lerngruppen unter Corona-Bedingungen weder genügend Räume noch das notwendige Zusatzpersonal bereitgestellt zu haben. Dass im Offenen Ganztag (OGS) die Gruppen dann gemischt würden, führe das System der Lerngruppen wieder «ad absurdum».

Der VBE berichtete davon, dass viele Lehrkräfte das Gefühl hätten, ihre Arbeit für das Lernen auf Distanz, Einhaltung der Hygienepläne und vieles mehr nicht mehr gesehen werde. Die Lehrer fühlten sich «missachtet», sagte auch der SPD-Abgeordnete Ott. Er warf dem Schulministerium vor, schon vor Ostern gewusst zu haben, dass wegen der Abiturprüfungen die restlichen Schüler bis Ende des Schuljahres höchstens noch zwei bis drei Tage die Schulen besuchen könnten. Dies habe das Ministerium aber den Eltern damals verschwiegen.

Die Pandemie-Lage in NRW habe sich in den vergangenen Wochen deutlich entspannt, sagte Gebauer. Die Folgen des eingeschränkten Schulbetriebs seien für Kinder und Erwachsene enorm. Kinder brauchten Strukturen im Alltag und Kontakt zu anderen Kindern.

Die AfD unterstützte Gebauers Kurs. «Das Normale ist die Normalität und nicht, dass man die Schulen schließt», sagte der AfD-Politiker Helmut Seifen. Auch die weiterführenden Schulen hätten vor den Sommerferien nach Ansicht der AfD zum Regelbetrieb zurückkehren sollen.

Gebauer bekräftigte, dass trotz Corona-Krise Abschlussfeiern mit Zeugnisübergaben an Grund- und weiterführenden Schulen rechtlich abgesichert seien. Es erschließe sich ihr nicht, warum einige Schulleitungen etwa in Köln Abschlussfeiern abgesagt hätten. Sie räumte aber ein, dass es aufgrund der Corona-Schutzverordnungen «mitunter schwierige Situationen» bei der Organisation geben könne. Abschlussfeiern seien in den Schulen oder auch außerhalb möglich. Auch Eltern dürften an den feierlichen Zeugnisausgaben teilnehmen.

Abibälle seien wegen ihres privaten Charakters aber verboten seien. Der «Wermutstropfen» sei, dass es wegen des Infektionsschutzes keine Veranstaltungen «mit überwiegend geselligem Charakter« geben dürfe. «Das ist der schmerzliche Preis, der zu zahlen ist.»

Kultusminister beraten über weiteres Vorgehen an Schulen

Die Kultusminister der Länder beraten an diesem Donnerstag (14.00 Uhr) in einer Schaltkonferenz darüber, wie es nach den Sommerferien an den Schulen weitergehen soll. Dabei sollen auch Bildungsexperten angehört werden. Geplant ist eine Rückkehr zum Regelbetrieb mit vollen Klassenstärken ohne Abstandsgebot. Fraglich ist aber noch, wie das bei weiter geltenden strengen Hygienebestimmungen praktisch umgesetzt werden soll.

Das neue Schuljahr könne «nicht eins zu eins so gemacht werden», wie das alte Schuljahr begonnen habe», sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), der Deutschen Presse-Agentur. Bei den Beratungen gehe es um die Frage, wie man mit dem Unterrichtsstoff umgehen müsse und um Empfehlungen für den Fernunterricht. «Es kann sein, dass es vor Ort wieder zu einzelnen Schulschließungen wegen des Infektionsgeschehens kommt. Für den Fall müssen wir ja auch in Zukunft vorbereitet sein», sagte Hubig. Mecklenburg-Vorpommern geht als erstes Bundesland an diesem Wochenende in die Sommerferien.

Zehnte Schule in Magdeburg wegen Coronavirus-Ausbruch geschlossen

Zehn Schulen geschlossen, 27 Neuinfektionen seit dem Vortag - das bisher relativ coronafreie Magdeburg spürt nun die Auswirkungen des Virus. Wie es weitergeht, ist offen.

27 Neuinfektionen seit dem Vortag und zehn geschlossene Schulen - das Coronavirus bestimmt in Magdeburg das Geschehen. Ab Donnerstag werde die Gemeinschaftsschule «Johann Wolfgang von Goethe» in Sudenburg für 14 Tage geschlossen, weil zwei Coronavirus-Fälle aufgetreten seien, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Damit sind nun zehn Schulen, zwei Kinder- und Jugendeinrichtungen und sechs Spielplätze vorübergehend geschlossen.

Die Infektionsketten sind der Stadt zufolge weiterhin unklar. Der aktuelle Ausbruch habe nach Schätzung von Amtsarzt Eike Hennig seinen Lauf Anfang des Monats genommen. Am Dienstag teilte die Stadt mit, dass es Hinweise aus Berlin gebe, dass ein Pfarrer dort in einer Pfingstgemeinde Leute angesteckt habe. Auch in Magdeburg sei eine Pfingstgemeinde aktiv, die von Menschen im Umkreis der Infizierten besucht würde. Möglicherweise sei dort auch jemand aus Berlin gewesen. Diesbezüglich gebe es jedoch keine weiteren Erkenntnisse, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Andere Verbindungen zwischen Magdeburg und Berlin seien nicht bekannt.

Seit dem Vortag sind nach Angaben der Stadt in Magdeburg 27 neue Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Zudem wurden in Halle zwei neue Fälle und jeweils ein neuer Fall im Landkreis Wittenberg sowie im Saalekreis festgestellt, wie das Sozialministerium am Mittwoch mitteilte. Insgesamt wurden in Magdeburg gut 180 Infektionen seit Beginn der Pandemie bekannt. Davon sind 60 seit Freitag in der offiziellen Statistik des Sozialministeriums hinzugekommen.

Zwischen Freitag und Dienstag wurden alleine von der Fieberambulanz und den mobilen Abstrichteams der Kassenärztlichen Vereinigung 951 Tests auf das Virus durchgeführt, wie die Stadt mitteilte. Dazu dürften noch Tests in den Fieberambulanzen der Krankenhäuser und in Arztpraxen kommen. Einem Test verweigert hätten sich aber nur wenige Personen. Seit vergangener Woche seien rund 540 Personen unter Quarantäne gestellt worden, hieß es.

Landesweit liegt die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen nach Angaben des Sozialministeriums nun bei 1803 Fällen (Stand Mittwoch, 10.43 Uhr). Dazu dürften noch vier Fälle aus Magdeburg kommen, die bislang nicht in der Statistik des Sozialministeriums aufgeführt sind. Denn die Angaben des Sozialministeriums haben zeitlichen Verzug. Sie müssen laut Ministerium nach bestimmten Kriterien im Gesundheitsamt erfasst werden und können dann an das Land weitergeleitet werden. So könne es sein, dass Landkreise und kreisfreie Städte bereits Infektionen bekanntgeben, die in den Zahlen des Ministeriums noch nicht erfasst sind. 271 Personen seien im Krankenhaus behandelt worden, hieß es vom Sozialministerium. Schätzungen zufolge sind 1650 Personen wieder genesen. 57 Menschen sind bislang im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.

15.06.2020 21.00 Uhr

Schulstart nach Corona ist Neuland für alle

 

Wegen der Coronakrise haben viele Schüler seit rund drei Monaten keine Schule mehr von innen gesehen. Das ändert sich jetzt, zumindest schrittweise. Von Normalität kann aber noch keine Rede sein. Schule im Schichtbetrieb ist Neuland für alle.

Seit Montag sind die Schulen in Baden-Württemberg für alle Schüler wieder geöffnet - allerdings nur im Schichtbetrieb und nicht bei vollem Stundenplan. Wegen des Coronavirus gehen die Schüler lediglich zeitweise in die Schulen. Den Rest der Zeit wird weiterhin per Fernunterricht gepaukt. Bei diesem «rollierenden System» sind also nicht alle Schüler gleichzeitig da, sondern die Jahrgangsstufen wechseln sich ab, um Abstandsgebote einhalten und das Infektionsrisiko senken zu können.

Weil es nicht genügend große Räume gibt, mussten manche Klassen für den Unterricht in Gruppen aufgeteilt werden. Das fällt manchen Schulen leichter, manchen schwerer: «Die Situation ist sehr inhomogen», sagte am Montag der Landeselternbeiratsvorsitzende Carsten Rees. «Wir haben Schulen aus der Gründerzeit mit riesigen Klassenzimmern und hohen Decken und wir haben Schulen aus den 70ern, die wie Pappschachteln aussehen.»

Für die Schulleitungen sei die Organisation dieses Wiedereinstiegs in den Schulbetrieb schon im Vorfeld «Stress pur» gewesen - unter anderem auch wegen verspäteter oder unzureichender Informationen seitens des Kultusministeriums. «Erst im laufenden Betrieb werden wir dann sehen, mit welchen Problemen die Schulen zu kämpfen haben», sagte Rees. Für eine abschließende Beurteilung sei es noch zu früh. Im SWR hatte auch der Bundeselternbeirat das Kultusministerium in Stuttgart kritisiert. Man habe immer das Gefühl, dass die Schreiben aus dem Ministerium sehr kurzfristig kämen, sagte der Bundesvorsitzende Stephan Wassmuth.

Das Kultusministerium betonte dagegen, die Schulen seien «bereits sehr frühzeitig über den heutigen Start der Ausbaustufe nach den Pfingstferien informiert» worden. Die bisherigen Rückmeldungen zeigten, «dass die Schulleiterinnen und Schulleiter gemeinsam mit den Lehrkräften und den Schulträgern diese Zeit genutzt haben und in den zurückliegenden Wochen viel geleistet haben, um eine reibungslosen Wiederaufnahme des Unterrichts zu ermöglichen», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Neben der Teilung der Klassen sollen die Schulen möglichst sicherstellen, dass sich die Schüler in den Pausen nicht durchmischen und die Hygienevorschriften einhalten. Die Fahrpläne der Schulbusse wurden angepasst. Zudem können manche Lehrer nicht im Klassenraum unterrichten, weil sie sich zur Risikogruppe zählen.

Der Philologenverband sprach sich für eine Maskenpflicht in der Schule, auf dem Schulhof sowie während des gesamten Schulwegs aus. Auch während des Unterrichts könne das Tragen von Masken sinnvoll sein, wenn etwa der Lehrer durch die Sitzreihen laufe, sagte der Landesvorsitzende Ralf Scholl. Insgesamt seien die Schüler glücklich, wieder zur Schule zu dürfen. «Bei allen überwiegt die Freude», sagte auch Matthias Schneider, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Der Organisationsaufwand für die Schulen sei allerdings enorm.

«Positiv sind die paradiesischen Zustände, was die Klassengrößen angeht», erklärte Michael Gomolzig, Sprecher des Landesverbandes Bildung und Erziehung (VBE). Deprimierend allerdings seien die hohen Anforderungen an die Lehrer, die nun Präsenzunterricht abhalten, gleichzeitig aber weiterhin Aufgaben für Fernunterricht bereitstellen müssten und auch freiwillig Notbetreuung anböten. «Es ist ein Teilstart unter erschwerten Bedingungen», sagte Gomolzig. Für ein richtiges Fazit sei es aber noch zu früh.

Der Landesschülerbeirat hatte am Wochenende gefordert, nun verstärkt jüngeren Schülern die Chance auf Präsenzunterricht zu geben, nachdem der Fokus in den vergangenen Wochen stark auf den Abschlussklassen lag. Jetzt aber solle den jüngeren Schülern mehr Zeit in der Schule ermöglicht werden, sagte Sprecher Roman Jauch.

Der Präsenzunterricht falle für viele Schüler sehr bescheiden aus, kritisierte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Timm Kern. Die Landesverbände der GEW und des VBE verwiesen dazu aber auch auf die Zahl der Lehrkräfte, von denen nur 80 Prozent zur Verfügung stünden. Die anderen 20 Prozent zählten zur Risikogruppe der über 60-Jährigen oder der Pädagogen mit Vorerkrankungen.

Lehrer aus Risikogruppen können sich bislang über ein Formblatt von der Präsenzpflicht befreien lassen und von zu Hause aus arbeiten. Wie das Kultusministerium am Montag mitteilte, ist das vom 29. Juni an nur noch auf der Grundlage eines ärztlichen Attests möglich. Schwangere Lehrerinnen seien von der Attestpflicht ausgenommen.

Mitte März hatten die Schulen in Baden-Württemberg wegen Corona komplett geschlossen. Die Abschlussklassen sind bereits ab dem 4. Mai zurück in die Schulen gekehrt, die Viertklässler seit Mitte Mai. Die Grundschulen sollen bis Ende Juni vollständig öffnen - dann ohne Abstandsgebote. Die grün-schwarze Landesregierung stützt sich dabei auf die Zwischenergebnisse einer vom Land bei den Uni-Kliniken in Auftrag gegebenen Studie. Demnach spielen Kinder bis zu zehn Jahren als Überträger des Virus nur eine untergeordnete Rolle.

Gericht: Schulunterricht auch mit weniger als 1,5 Metern Abstand

Wie viel Nähe ist zulässig an den Schulen angesichts der Corona-Pandemie? Ein Grundschullehrer bestand auf dem Mindestabstand von 1,5 Metern. Vor Gericht ist er gescheitert.

Schüler dürfen in Sachsen-Anhalt auch ohne den allgemein geltenden coronabedingten Mindestabstand unterrichtet werden. Das hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) des Landes Sachsen-Anhalt am Montag entschieden. Es wies den Antrag eines Grundschullehrers ab, der gegen die Aufweichung des Corona-Abstandsgebots geklagt hatte. Nach Einschätzung des Gerichts verletzen die geltenden Regelungen nicht die staatliche Pflicht zum Schutz der Gesundheit der betroffenen Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler. Die Infektionszahlen im Land seien auf einem vergleichsweise geringen Niveau.

Die Landesregierung sei berechtigt, den Katalog von Maßnahmen zur Eindämmung des Virus stetig anzupassen und nicht mehr für notwendig erachtete Schutzmaßnahmen zurückzunehmen. Zudem sei eine konkrete Gefährdung von Schülern und Lehrern bei Unterschreitung des Mindestabstands von 1,5 Metern bislang wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen. Ein Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schüler, der die Infektionsgefahr vollständig ausschließe, sei nicht zu verlangen. Die OVG-Entscheidung ist laut einer Sprecherin unanfechtbar.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) sagte: «Ich freue mich über das Urteil. Das Ergebnis schafft Rechtssicherheit für alle Schulen und Eltern, aber vor allem sichert es den Weg für Schülerinnen und Schüler zurück in die Schulen.» Bei allen notwendigen Hygienemaßnahmen seien dauerhafte schulische Angebote notwendig, die sowohl die pädagogischen wie auch die sozialen Aspekte beachteten.

Für die meisten Jahrgänge gilt derzeit ein Wechselmodell. Dabei werden die Klassen in kleine Gruppen aufgeteilt und lernen abwechselnd zuhause und in der Schule. So soll der Mindestabstand eingehalten werden, um eine neuerliche Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Die Grundschulen sind aber wieder zum täglichen Unterricht übergegangen. Die Kinder lernen in voller Klassenstärke, aber mit einer festen Lehrkraft. Dafür darf der Mindestabstand von 1,5 Metern unterschritten werden. Als Vorsichtsmaßnahme werden die Klassen strikt voneinander getrennt.

Das OVG führte weiter aus, die Landesregierung habe mit der Entscheidung zur Regelbeschulung mit einem Bündel an Maßnahmen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz eingehalten. Als Beispiele wurden der Unterricht im festen Klassenverband genannt, der Infektionsketten nachvollziehbar machen soll, Hygienehinweise, Reinigungspläne, ausreichende Lüftung und die Befreiung vom Präsenzunterricht.

Die Richter gingen in ihrer Entscheidung auch auf die aktuell vermehrten Neuinfektionen in der Landeshauptstadt ein, nach denen diverse Schulen und Horte geschlossen wurden. Die Fälle hätten gezeigt, dass die zuständige Infektionsschutzbehörde die für Schüler und Lehrkräfte bestehenden Gefahren zügig durch Maßnahmen vor Ort begegne. Die staatliche Schutzpflicht sei zudem durch das Recht der Kinder auf Bildung und den Schutz von Familien beschränkt. Eine fortdauernde Beschulung und Betreuung zu Hause hindere Eltern zudem daran, ihrer Erwerbstätigkeit nachzugehen, teilte das OVG weiter mit.

Der klagende Grundschullehrer war von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt worden. Die Schulen vollständig zu öffnen, setze die Lehrkräfte und die Kinder einem enormen Risiko aus, hatte GEW-Landeschefin Eva Gerth gesagt. Die Bildung fester Gruppen, die sich nicht begegnen sollten, sei in den Schulen kaum umsetzbar.

Der Mindestabstand in Schulen beschäftigt nicht nur in Sachsen-Anhalt die Justiz: Erst vergangenen Donnerstag hatte das Sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen entschieden, dass in den Schulen und Kindergärten in Sachsen von den 1,5 Metern abgewichen werden darf. Eine Grundschullehrerin hatte geklagt und war gescheitert.

Ganze Klasse, täglicher Unterricht: Regelbetrieb an NRW-Grundschulen

Noch wenige Schultage bleiben bis zu den Sommerferien. An Grundschulen läuft wieder alles so normal wie möglich: Keine reduzierte Klassengröße mehr, täglicher Unterricht. Die Schulministerin verteidigt den Schritt gegen Kritik.

Nach fast zehn Wochen Corona-Einschränkungen sind die rund 600 000 nordrhein-westfälischen Grundschulkinder am Montag wieder in den Regelbetrieb gestartet. Bis zu den Sommerferien nach dem 26. Juni sollen die Erst- bis Viertklässler wieder täglich und in voller Klassenstärke unterrichtet werden. Nach ersten Rückmeldungen sei der Start an den Grundschulen gut verlaufen, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf Anfrage. «Mit großem Engagement haben Schulleitungen, Lehrkräfte und das pädagogische Fachpersonal im Offenen Ganztag diesen wichtigen Schritt wieder hin zu einem verantwortungsvollen Regelbetrieb an unseren Schulen möglich gemacht», teilte die Ministerin mit.

«Es ist kein Experiment», hatte sie in einem WDR 2-Interview betont. Grundschulkinder brauchten Struktur, die ihnen die Schule bieten könne. Es sei nach der langen Zeit der Schulschließung für die jüngsten Schulkinder wichtig, mit einem positiven Schulerlebnis abschließen zu können. Das Infektionsgeschehen in der Altersgruppe gehe in Nordrhein-Westfalen zudem gen Null.

Den Angaben des Schulministeriums zufolge stehen für den Unterricht in Grundschulen nur rund 80 Prozent der Lehrer zur Verfügung. In den Klassenräumen gilt kein Abstandsgebot mehr. Kritik kam unter anderem von Elternverbänden und Lehrergewerkschaften. Sie sehen die Gefahr neuer Ansteckungen.

In der Bevölkerung stieß die Rückkehr zum Normalbetrieb auf ein geteiltes Echo. Nach dem «NRW-Trend» im Auftrag des WDR-Magazins «Westpol» ist die Mehrheit der Befragten (52 Prozent) der Auffassung, dass der normale Schulbetrieb besser erst nach den Sommerferien starten sollte. 40 Prozent finden die Öffnung der Grundschulen zum jetzigen Zeitpunkt richtig. Nach einer Umfrage im Auftrag der FDP-Landtagsfraktion dagegen halten 57,9 Prozent der Befragten die Entscheidung der Landesregierung zum Schulstart am Montag für richtig und 30,5 Prozent für falsch.

Nur wenige Corona-Fälle an Schulen seit Wiederbeginn des Unterrichts

Seit dem Neubeginn des Schulbetriebs in Niedersachsen am 27. April sind dem Kultusministerium 75 Infektionen mit dem Corona-Virus an 46 Schulen bekannt geworden. Bei 69 Schülerinnen und Schülern habe es bestätigte Infektionen gegeben, teilte das Ministerium in Hannover der Deutschen Presse-Agentur mit. Sechs Personen waren Lehrer oder andere Beschäftigte der Schulen.

38 Schulen mussten vorübergehend wieder geschlossen werden. Davon entfielen allein 35 auf den Infektionsherd Göttingen. Und auch dort gab es nur an drei Schulen Kinder mit Infektionen, der Rest wurde vorsorglich geschlossen. Das Virus hatte sich unter mehreren Familien in einem Hochhaus bei Feiern zum islamischen Zuckerfest verbreitet.

«Diese Zahlen spiegeln die aktuell recht stabile Lage im Landesschnitt wider», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Es könne aber immer wieder vorkommen, dass regionale Infektionsherde auf die Schulen ausstrahlen. Auch sei die Rolle von Kindern bei der Verbreitung des Virus Sars-CoV-2 noch nicht abschließend geklärt.

«Daher stehe ich für einen realistischen Kurs, der für das neue Schuljahr mit unterschiedlichen Szenarien arbeitet», sagte Tonne. «Wir wünschen uns so viel Normalität wie möglich, werden aber weiterhin schrittweise vorgehen, die Lage ständig analysieren und gegebenenfalls Schlussfolgerungen ziehen.»

In der Stadt Bremen ist seit dem stufenweisen Neubeginn des Unterrichts am 7. Mai bei 20 Schülerinnen und Schülern an 17 Schulen das Virus nachgewiesen worden. Das teilte die Schulbehörde mit.

13.06.2020 17.00 Uhr

Schüler erhalten ihr Abschlusszeugnis im Autokino

Der Coronakrise zum Trotz haben die Absolventen der Internationalen Schule in Hannover eine Abschlussfeier bekommen. In einem Autokino am Rande der Innenstadt erhielten die etwa 50 Schülerinnen und Schüler am Samstag ihre Zeugnisse. Es sei «eine würdige, und wohl auch sehr außergewöhnliche Graduation-Zeremonie» gewesen, sagte Stefan Handwerker, Business Director der Schule.

Zum Schluss standen alle Absolventen in dunkelroten Roben mit Abstand zueinander auf der Bühne. Sie durften ihre Hüte nicht hochwerfen, wie es angelsächsische Tradition ist, aber immerhin schwenken. In etwa 120 Autos voller Gäste wurde begeistert gehupt, wie eine Sprecherin sagte. «Auch das Wetter hat gehalten.»

Die Internationale Schule Hannover Region (ISHR) liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Autokinos. An der ISHR werden mehr als 600 Schülerinnen und Schüler aus über 60 Nationen vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse unterrichtet.

Umfrage: Mehrheit findet Grundschul-Start vor Sommerferien richtig

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bekommt Rückendeckung durch eine Umfrage im Auftrag der Landtagsfraktion der Liberalen: Demnach findet es eine Mehrheit der Menschen in NRW richtig, dass am Montag - kurz vor den Sommerferien - der Unterricht an Grundschulen wieder startet.

Die Mehrheit der Menschen in NRW findet den Start des regulären Unterrichts an Grundschulen am Montag richtig. Das hat eine repräsentative Umfrage ergeben, die von der FDP-Landtagsfraktion beim Institut «Civey» in Auftrag gegeben wurde. Demnach fanden 57,9 Prozent der Befragten die Entscheidung der Landesregierung richtig und 30,5 Prozent falsch. 11,6 Prozent waren unentschieden. Der Start zwei Wochen vor den Sommerferien war unter anderem von der Lehrergewerkschaft VBE scharf kritisiert worden. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte dagegen betont, dass jeder Tag zähle.

Bei der Umfrage nannten sowohl die Mehrheit der Menschen mit Kindern im Haus (59,6 Prozent) als auch die ohne (56,8 Prozent) den Start des Regelunterrichts richtig. 30,9 der Menschen mit Kindern und 30,3 Prozent der ohne nannten die Entscheidung falsch.

Die FDP sieht den Weg ihrer Schulministerin bestätigt: «Es ist den Freien Demokraten ein Herzensanliegen für alle Kinder baldmöglichst wieder regulären Schulbesuch zu ermöglichen, denn jeder Tag ist ein Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit», sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Henning Höne: «Die Wiederaufnahme des regulären Unterrichts an den Grundschulen findet auch in der Bevölkerung große Unterstützung, das bestärkt uns darin diesen Weg zu gehen, auch wenn er allen Akteuren viel abverlangt.»

Tatsächlich könnten die Schulen in den zwei Wochen auch Erfahrungen für das nächste Schuljahr sammeln, so Höne: «Denn auch wenn die Infektionszahlen niedriger sind, wird Corona uns noch länger begleiten.»

Hamburgs Schulsenator: Normale Grundschule nach den Sommerferien

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) will die Grundschulen in der Hansestadt nach den Sommerferien wieder normal öffnen. Dies teilte die Behörde nach einem Digital-Symposium mit Bildungsministern anderer Bundesländer und Wissenschaftlern am Freitag mit.

Gewerkschaft: Lehrer fühlen sich als Menschen zweiter Klasse

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat einen fehlenden Dialog zwischen Kultusministerkonferenz (KMK) und Lehrergewerkschaften beklagt. «Wir waren unter anderem nicht zum KMK-Gespräch eingeladen, da waren lediglich Virologen und Bildungswissenschaftler. Die Gewerkschaften als Vertretung der Lehrerschaft wurden also nicht gehört. Das ist sehr bedauerlich und eine vertane Chance in der Krise», sagte die Schulbeauftragte im Bundesvorstand, Ilka Hoffmann, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). Man verfolge die Entscheidungen der Politik zurzeit mit großem Misstrauen. Viele Pädagogen fühlten sich wie Teilnehmer eines Experiments. «Lehrer und Erzieher fühlen sich zurzeit als Menschen zweiter Klasse von der Politik behandelt.» In manchen Bundesländern seien sie zwar mehr in Entscheidungen eingebunden, in anderen Bundesländern wiederum gar nicht.

Die GEW hatte zuletzt die geplante Rückkehr zum Schulbetrieb ohne Abstandsregeln kritisiert. Die Bildungsgewerkschaft hatte am Mittwoch einen «runden Tisch gefordert, an dem Politik, Gewerkschaften, Eltern- und Schülervertretungen sowie Mediziner zusammenkommen und über Lösungswege entscheiden».

 

12.06.2020 13.45 Uhr

Nach Corona: Schulen in Ungarn wieder geöffnet, aber kaum Schüler

In Ungarn sind die Schulen mit Abklingen der Corona-Pandemie seit dem 2. Juni wieder geöffnet, doch gibt es kaum Schüler, die die Klassenzimmer bevölkern. Von 1,2 Millionen Schulkindern besuchten gerade mal 30 000 bis 36 000 pro Tag die Schule, berichtete die regierungsnahe Tageszeitung «Magyar Nemzet» am Freitag unter Berufung auf das Klebelsberg-Zenrum, Ungarns zentrale Schulverwaltung. Bis Ende dieses Schuljahres beruht die persönliche Anwesenheit im Unterricht auf Freiwilligkeit.

Nach Ausbruch der Corona-Pandemie ließ die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban Mitte März alle Schulen und Kindergärten schließen. Das Unterrichtswesen stieg prakisch ohne Vorbereitung auf Homeschooling und digitalen Unterricht um. Experten bemängeln, dass vor allem Kinder aus den unteren Schichten weder über die dafür nötige Ausrüstung verfügen noch die entsprechende begleitende Fürsorge der Eltern genießen. Die Kluft zwischen bildungsnahen und -fernen Schichten würde weiter wachsen.

Seit der Wiedereröffnung der Schulen und Kindergärten Anfang des Monats gelten relativ milde Pandemie-Regeln. Das Tragen von Masken ist nicht vorgeschrieben, Abstandsregeln sollen so gut wie möglich eingehalten werden. Veranstaltungen wie etwa zum Schulschluss dürfen nur im kleinen Rahmen stattfinden.

Wegen des schwachen Besuchs von drei bis vier Prozent der Schüler wird derzeit kein strukturierter Unterricht angeboten. Lehrer und Schüler verbringen die Zeit vor allem mit Hausaufgabenbetreuung, individueller und gruppenweiser Nachhilfe sowie Sport, wie «Magyar Nemzet» schrieb.

In Ungarn waren bis zum Freitag 4053 Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Nur 88 von ihnen sind 19 Jahre alt oder jünger. Die Zahl der akuten Fälle wurde mit 1051 angegeben, die der Toten mit 555.

Hubig kündigt Angebote für Schüler mit Unterstützungsbedarf an

Im neuen Schuljahr werden die Kinder und Jugendliche voraussichtlich wieder ganz normal zur Schule gehen können. Wie vor Corona ist der Schulalltag aber noch längst nicht.

Für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf soll es in Rheinland-Pfalz den Sommerferien spezielle Angebote geben. «Und wenn das gut läuft, werden wir das auch in den Herbst-, Winter- oder Osterferien anbieten», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.

Der Unterricht wird im neuen Schuljahr auch nicht gleich wie gewohnt beginnen: Im ersten Halbjahr sollten die Lehrer einen besonderen Blick auf die Grundlagen werfen und schauen, welche vertieft oder gefestigt werden müssten, sagte Hubig. «Damit die Themen, die während der Corona-Zeit so nicht gelernt werden konnten, nachgeholt werden können.» Dies habe das Ministerium den Schulen bereits mitgeteilt.

Viele Schüler seien gut durch die Corona-Zeit gekommen, hätten sogar manche Themen intensiver und komplexer gelernt. «Es gibt aber natürlich auch Schüler, für die diese Situation schwierig ist. Deshalb haben wir ja die Notbetreuung sehr früh auch für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf geöffnet.»

«Es wird nicht eins zu eins so sein wie vor Corona-Zeiten», sagte Hubig. Einzelne Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, könnten nur von zuhause aus oder in anderer Form unterrichten. Dafür brauchen sie in Rheinland-Pfalz künftig ein Attest. Beim Sportunterricht werde es auch noch Einschränkungen geben.

Auf die Abstandsregelungen könne in den Schulen nach Einschätzung von Experten aus jetziger Sicht verzichtet werden. Mund-Nasen-Masken brauchten die Schüler im Unterricht auch nicht zu tragen. «Da ist Mimik und Gestik wichtig», sagte Hubig. Die Alltagsmasken spielten aber weiterhin eine Rolle, etwa bei der Schülerbeförderung sowie in den Fluren, Gängen und Treppenhäusern. «Wir brauchen weiterhin Hygienekonzepte, die Nachverfolgbarkeit und ganz klare Klassengruppen, die fest zusammengesetzt sind.» Zudem würden schulartspezifische Konzepte entwickelt, etwa für Berufsschulen mit mehreren tausend Schülern.

Hubig appellierte an die Eltern, ihre Kinder nicht krank in die Schule zu schicken. Dies sei für alle wichtig. Manche Schüler gehörten wegen einer Erkrankung auch zur Risikogruppe. Sie müssten nicht am Unterricht teilnehmen. «Das ist immer eine Abwägungsfrage und sollte mit den behandelnden Ärzten abgeklärt werden», betonte die Ministerin.

Mobil, flexibel, krisenfest: Piazolos Ideen für die Schule von morgen

Die Corona-Pandemie erforderte einen nie da gewesenen Schritt: zum Infektionsschutz mussten auch Bayerns Schulen schließen. Für Kultusminister Piazolo rückblickend ein zukunftsweisender Moment.

Als Lehre aus der Corona-Pandemie will Bayerns Kultusminister Michael Piazolo die Schulen im Freistaat durch mehr Digitalisierung mobiler, flexibler und so krisensicherer aufstellen. «Wir haben in den vergangenen Wochen einiges gelernt, was wir beibehalten wollen für die Schule der Zukunft», sagte der Freie-Wähler-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in München.

Durch die Dynamik bei den Infektionszahlen habe sich notgedrungen auch eine Dynamik bei der Digitalisierung an den Schulen ergeben, - «ein regelrechter Sprung, ausgehend vom Kickoff durch den Lockdown», sagte Piazolo. Dies müsse man nun genauso dynamisch weiterführen - allerdings habe die Krise auch gezeigt, wie unverzichtbar der klassische Präsenzunterricht sei. Dieser werde - bei aller Digitalisierung - auch in Zukunft weiter der Normalfall sein.

Für ihn sei es dabei besonders wichtig, dass es mehr Mobilität gebe, betonte Piazolo. «Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir mittelfristig unseren Lehrern eigene Geräte für Zuhause zur Verfügung stellen können. Um flexibler zu werden, sei dies in einem ersten Schritt für Referendare und langfristig dann auch für die Schüler nötig. «Das geht natürlich nicht alles auf einen Schlag, aber die Richtung muss dahin gehen.»

Aus Piazolos Sicht könne man auch für die generelle Kommunikation innerhalb der «Schulfamilie» viel aus der Pandemie lernen. Das bedeute nicht, dass es «nun für alles Videoschalten gebe», aber auch hier sei ein Ausbau der Angebote richtig. Das gelte auch für Methodik und Fortbildung: «Rund 80 000 Lehrer haben bereits unsere digitalen Fortbildungsangebote genutzt. Da müssen wir unbedingt dranbleiben.» Wünschenswert wären hier auch Anpassungen im Lehramtsstudium, in jedem Fall sollten aber die Referendariate für eine Stärkung der digitalen Kompetenz der Lehrkräfte genutzt werden.

Eine Hürde sei bisher immer die Finanzierung gewesen. Doch den Kommunen als verantwortliche Sachaufwandsträger der Schulen stünden derzeit fast 1,1 Milliarden Euro aus Fördertöpfen von Bund und Land zur Verfügung. «Mein Wunsch wäre es, dass die Schulaufwandsträger noch in diesem Jahr für die Beschaffung der Geräte einen möglichst hohen Anteil dieser Mittel investieren. Ich möchte hierzu zeitnah den Dialog mit den kommunalen Spitzenverbänden fortsetzen, um ein gemeinsames Vorgehen zu vereinbaren.»

Der bayerische Realschullehrerverband (brlv) unterstützt Piazolos Pläne grundsätzlich, warnt allerdings zugleich: «Doch die Hardware alleine wird keinen Innovationsschub bringen. Es braucht professionelle und externe Lösungen, um Systeme zu warten, zu administrieren und Fehler zu beheben», sagte brlv-Landeschef Jürgen Böhm. Nur mit einer engen Partnerschaft zwischen Schulen und Sachaufwandsträger könne verhindert werden, dass es nicht an jeder Schule zu unterschiedlichen «Insel-Lösungen» komme.

In der Pandemie habe sich trotz diverser Probleme auch gezeigt, dass in Bayern schon viel Gutes auf dem Weg sei. So nutzten rund 1,3 Millionen der 1,7 Millionen Schüler die Möglichkeit, über die staatliche digitale Plattform mebis Lerninhalte abzurufen, sagte Piazolo. In Summe gebe es auf «mebis» rund 250 000 Kurse, als Reaktion auf anfängliche Schwierigkeiten seien die Serverkapazitäten verzehnfacht worden. Man habe kurzfristig für die weiterführenden Schulen das Kommunikationstool «Microsoft Teams for Education» angeschafft, um insbesondere auch Videokonferenzen zu ermöglichen.

Zudem habe man für Schüler, die kein eigenes Endgerät hätten, eine flexible Leihmöglichkeit aus dem vorhanden Gerätepool geschaffen. Den Kommunen stünden mit einem Sonderprogramm 78 Millionen Euro aus Bundesmitteln für neue Leihgeräte zur Verfügung.

Auch bei den jüngeren Schülern gehöre neben den drei klassischen Kulturtechniken «lesen, schreiben, rechnen» die immer wichtigere Vermittlung von Medienkompetenz zum richtigen Methodenmix der Schulen, sagte Piazolo. Je nach Alter könne dies spielerisch ab der Grundschule geschehen. Der Schulalltag werde dadurch bereichert, ohne dass die soziale Interaktion, das persönliche Miteinander zwischen Schülern und Lehrern darunter leide.

Es sei aber dabei nicht das Ziel, den Regelbetrieb der Schulen nach Hause zu verlagern, dieser solle «selbstverständlich» wie bisher in den Schulen mit den Lehrern stattfinden, sagte Piazolo. Auch dies sei eine Lehre der Krise, Lehrer seien die Profis bei der Vermittlung von Wissen, und Eltern sollten hier nicht zu Aushilfslehrern werden.

Gleichwohl müsse schon wegen einer möglicherweise im Herbst drohenden zweiten Corona-Infektionswelle oder anderen Pandemien damit gerechnet werden, dass es auch wieder zum Lernen zuhause kommen könne. Deshalb sei es wichtig, sich darauf einzustellen. «Denn», dies müsse auch klar benannt und zugegeben werden, «auf Corona war kein Land oder Staat perfekt vorbereitet.» Dies gelte für das Gesundheitssystem generell wie für den Bereich der Bildung und Schulen.

Niedersachsen ermöglicht wieder Schulsport und Abschlussfeiern

Niedersachsen ermöglicht vom 22. Juni an wieder den Schulsport, Abschluss- und Einschulungsfeiern sowie Zeugnisübergaben. Die Feiern müssten allerdings unter freiem Himmel organisiert werden, es sei denn das bis dahin größere Veranstaltungen auch wieder drinnen erlaubt werden, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Freitag in Hannover. Auch sollen in den Schulen wieder Theater- und Filmaufführungen, Projekttage sowie Fahrten zu außerschulischen Lernorten möglich sein. Dies sei jeweils in den Kleingruppen geplant, in denen derzeit der Präsenzunterricht stattfindet.

Vor der Sommerpause wolle das Ministerium über den Neustart der Schulen nach den Ferien entscheiden. Der Wunsch sei, soviel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten und zugleich den Gesundheitsschutz optimal zu wahren. «Wir arbeiten in Szenarien», sagte der Sprecher.

Auch über den Umfang des Kita-Betriebs nach den Ferien will das Ministerium bis vor der Sommerpause entscheiden. Am 22. Juni endet das Angebot von Notgruppen. Es wird ein eingeschränkter Regelbetrieb wieder aufgenommen mit dem Ziel, dass sämtliche Kinder wieder ihre Kita besuchen können. In dieser Woche sei die Betreuungsquote bereits auf 45,6 Prozent gestiegen.

Nicht cool: Wenn Pubertierende zu Maskenverweigerern mutieren

Auch wenn Schulen, Läden, Kinos und Co. längst wieder geöffnet haben, gelten zwei Regeln weiter: Masken tragen und Abstand halten. Manchen Teenagern fällt es schwer, sich daran zu halten.

In Cliquen ziehen sie ohne Maske durch Einkaufszentren und finden sich richtig cool dabei. Oder sie reißen demonstrativ die Atemschutzmaske vom Gesicht, sobald die Eltern außer Sichtweite sind. Manchmal hört man Eltern auch mit ihren Teenagern streiten, weil diese sich weigern, die Masken zu tragen.

«Teenager sind oft prinzipiell gegen alles - das ist quasi ihr Job während der Pubertät», erklärt Familiencoach Kira Liebmann aus München. Je mehr Eltern die Kinder drängen, etwas zu tun oder nicht zu tun, desto eher würden die Jugendlichen genau das Gegenteil versuchen. «Die Maskenpflicht ist daher bei vielen Jugendlichen ein prima Weg, das «Ich bin dagegen» zu demonstrieren. Wer in der Clique dabei am mutigsten vorgeht, hat das höchste Ansehen», so Liebmann, die als Pubertätstrainerin Eltern coacht.

Oft zählt nur, was Eltern vorleben

Jugendliche würden sich viel über ihre Außenwirkung und Äußeres definieren. Masken werten da ein Gesicht nicht unbedingt auf. Gerade wo Schönheit und Aussehen auf Instagram einen hohen Stellenwert einnehmen, soll man sein Gesicht verdecken? Keine Maske passe da zum vorher genau überlegten Look. Was können Eltern da ausrichten?

«Während der Pubertät ist der Bereich im Gehirn kaum ansteuerbar, der für logisches und überlegtes Handeln und Denken zuständig ist», weiß Liebmann. Eltern sollten daher überprüfen, was sie vorleben: Werden Masken in der Familie negativ, positiv oder überhaupt thematisiert?

Integrieren Eltern die Masken in den Alltag? Oder regen sie sich über sie auf, weil man darunter nicht atmen kann? All das habe Einfluss auf das Verhalten der Kinder. Liebmann: «Teenager tun nicht immer was Eltern sagen, aber oft was Eltern tun.»

Kein Machtkampf mit dem Teenie

Liebmann empfiehlt, sich nicht auf einen Machtkampf einzulassen. «Diesen verlieren Eltern meistens. Entweder weil sie aufgeben oder überzogene Strafen aussprechen. Beides belastet die Eltern-Kind-Beziehung mehr als dass es nützt», erklärt die Jugendexpertin.

Bei Teenies, die sich auf keine Argumente einlassen, zieht es oft eher, wenn Schule oder Verkaufspersonal sagen, dass es ohne Maske nicht geht. «Hauptsache, es kommt nicht von den Eltern.»

11.06.2020 16.30 Uhr

Ab Montag wieder Schule - Unterricht im «rollierenden System»

Für manche Schüler ist es rund drei Monate her, dass sie in der Schule unterrichtet wurden. Das soll sich nach den Pfingstferien ändern - trotz Corona. Für die Schulen ist das ein Kraftakt.

Viel Verständnis und gegenseitige Rücksichtnahme sind gefragt, wenn am Montag die Schulen nach den Pfingstferien wieder öffnen. Möglicherweise läuft nicht alles rund. Nach den Schulschließungen wegen des Coronavirus sollen jetzt alle Schüler zeitweise wieder in den Schulen unterrichtet werden. Beim geplanten «rollierenden System» sind die Schüler nicht gleichzeitig in der Schule, sondern die Jahrgangsstufen wechseln sich ab.

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sieht die Schulen gut vorbereitet. Sie seien früh über die Pläne informiert worden. Der Landeschef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, sagte, unterm Strich werde das «rollierende System» funktionieren. Es könne aber zu Einschränkungen kommen, wenn etwa in kleinen Grundschulen Lehrer ausfielen, weil sie zu Risikogruppen zählten.

Nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW stehen die Schulen vor einem Kraftakt. Es liefen schließlich auch der Fernunterricht und die Notbetreuung für Kinder weiter, deren Eltern in ihren Berufen unabkömmlich seien, sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz.

Die Herausforderung: Die Abstandsgebote sollen in den Schulen eingehalten werden. Weil es nicht genügend große Räume gibt, müssen manche Klassen für den Unterricht in kleinere Gruppen aufgeteilt werden. In den Pausen sollen sich die Schüler nicht durchmischen. Und auch die Fahrzeiten der Schulbusse müssen an den neuen Corona-Stundenplan angepasst werden, wie Moritz zu bedenken gab.

Moritz hielt dem Kultusministerium eine mangelnde Kommunikation mit den Schulleitungen in der Corona-Krise vor. Das Ministerium müsse im direkten Austausch erklären, warum welche Maßnahmen wegen des Coronavirus in den Schulen erforderlich seien. «Das würde helfen, Vertrauen wieder aufzubauen», meinte Moritz. Bislang kommuniziere das Ministerium nur per Mail mit den Schulleitungen. Vertreter von Gewerkschaften und Verbänden hatten wiederholt beklagt, die Schulen erführen zuerst aus den Medien von den Plänen des Ministeriums.

Das Kultusministerium wies den Vorwurf einer mangelnden Kommunikation zurück. «Der Amtschef des Kultusministeriums kommuniziert wöchentlich mit der Direktorenvereinigung, mit den Lehrergewerkschaften, mit den Kommunalen Landesverbänden, mit den Regierungspräsidien und Staatlichen Schulämtern, mit den freien Schulen», teilte ein Sprecher mit. Insbesondere auch GEW und VBE seien beim Thema der Ausweitung des Präsenzunterrichts von Beginn an einbezogen worden. «Im Übrigen gibt es einen vielfältigen Austausch der Fachabteilungen des Kultusministeriums mit den Schulen und den Schulleitern.»

Die Grundschulen sollen bis Ende Juni vollständig öffnen - dann ohne Abstandsgebote. Eisenmann erklärte, die Konzepte und Verhaltensregeln dazu würden gerade erarbeitet. Die GEW bezweifelt aber, dass eine vollständige Schulöffnung möglich sein wird, da viele Lehrer zu Risikogruppen gehörten und nicht in den Schulen unterrichten könnten.

SPD-Landtagsfraktionschef Andreas Stoch bekräftigte, die Schulen bräuchten klare und verlässliche Vorgaben für den Unterricht bis zu den Sommerferien - vor allem aber auch für das neue Schuljahr. «Dazu muss Ministerin Eisenmann endlich die Betroffenen in die Planungen einbeziehen und damit aufhören, ständig neue und unausgereifte Ankündigungen per Pressemitteilung in die Welt zu setzen.»

Kritik an Lockerungen für Grundschüler

Vom 22. Juni an soll es wieder regulären Unterricht an Hessens Grundschulen geben. Die Entscheidung sorgt für Diskussionen, die Gewerkschaft GEW lehnt die Rückkehr zum Regelbetrieb ab.

Die weiteren Lockerungen von einigen Corona-Beschränkungen haben für Diskussionen in Hessen gesorgt. Insbesondere die Entscheidung der Landesregierung, dass die Grundschulen vom 22. Juni an wieder regulären Unterricht erteilen sollen, stieß auf Kritik. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnte die Rückkehr zum Regelbetrieb ab. Unzumutbar sei das Vorhaben gerade auch für die Schulleitungen. Sie müssten für die vierten Klassen nun zum vierten Mal innerhalb von gut sechs Wochen komplett neue Pläne für den Personaleinsatz und die Gruppeneinteilung sowie Raum- und Pausenpläne entwerfen.

Das Land hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass Hessen an den Grundschulen den Neustart wagt. Am 22. Juni beginnt für alle Kinder der gemeinsame Präsenzunterricht, das Abstandsgebot gilt dann nicht mehr. Bisher werden Grundschüler noch nicht wieder im gesamten Klassenverband unterrichtet, sondern tageweise in verschiedenen Gruppen. Allerdings müssen Eltern ihre Kinder in den zwei Wochen bis zu den Sommerferien (6.7.) nicht zur Schule schicken, sondern können mit ihnen den Unterrichtsstoff auch zu zuhause lernen.

Die hessische GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch lehnte Änderungen für die letzten zwei Wochen vor den Sommerferien ab. «Wir sehen keine Möglichkeit, wie der Gesundheitsschutz gewährleistet werden soll, wenn mehr als 25 Kinder ohne Abstand in schlecht gelüfteten Räumen unterrichtet werden sollen», hieß es.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) reagierte mit scharfer Kritik. Die Öffnung der Schulen sei für Eltern und Schüler ein wichtiger Schritt. «Dieser Schritt darf aber auf keinen Fall unter Verzicht auf Arbeitsschutz und Hygienestandards erfolgen», erklärte der stellvertretende Vorsitzende des DGB Bezirks Hessen-Thüringen, Sandro Witt. Er nannte das Vorgehen kopf -und verantwortungslos.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte am Mittwoch erklärt, die Abstandsregeln durch ein Konzept ersetzen zu wollen, wonach konstante (Lern-)Gruppen gebildet und durch deren Trennung Durchmischungen vermieden werden sollen. An den weiterführenden Schulen ändere sich bis zu den Sommerferien erst einmal nichts, sagte Lorz weiter. «Die allgemeine Corona-Infektionslage, neue medizinische Erkenntnisse und positive Rückmeldungen aus den Schulen haben uns dazu bewogen, weitere Lockerungsschritte für junge Familien in ganz Hessen in Angriff zu nehmen.»

Zu den weiteren Lockerungen gehört, dass Kindertagesstätten in Hessen vom 6. Juli an wieder vollständig öffnen und den Regelbetrieb aufnehmen sollen. Eltern können also ab diesem Zeitpunkt wieder ganz normal ihre Kinder betreuen lassen, sofern das Personal ausreicht und es das Infektionsgeschehen erlaubt.

Die Stadt Hanau sprach am Donnerstag von «enormen» Herausforderungen angesichts der Rückkehr zum Regelbetrieb für Kitas. Nach der Entscheidung über die vollständige Öffnung «müssen wir unsere bisherigen Konzepte und Pläne überdenken», sagte Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) laut einer Mitteilung.

Vertreter kommunaler Spitzenverbände hatten am Vortag die Lockerungen begrüßt. Der Präsident des Hessischen Landkreistags, der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU), befand in Wiesbaden, die Maßnahmen seien «richtig und angemessen». Doch die Situation sei nach wie vor fragil. In den Grundschulen vor den Ferien wieder den Regelbetrieb aufzunehmen, sei richtig. Schulen hätten neben dem Bildungsauftrag schließlich auch eine soziale Funktion.

Rund 20 Prozent der Schulen wollen «Lernsommer» anbieten

Wochenlang fiel der Schulunterricht auch in Schleswig-Holstein wegen der Corona-Krise aus. Nun soll der «Lernsommer» den Schülern helfen, fit für das kommende Schuljahr zu werden. Bislang haben 139 der knapp 800 Schulen ihre Teilnahme signalisiert.

Verkürzte Sommerferien für einen Teil der Schüler in Schleswig-Holstein: Mindestens an jeder fünften Schule in Schleswig-Holstein können Mädchen und Jungen in den Sommerferien durch die wochenlangen Schulschließungen in der Corona-Krise entstandene Lernlücken füllen. Bislang 139 Schulen «quer über das Land verteilt» hätten ihre Teilnahme am «Lernsommer.SH» erklärt, sagte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstag. Insgesamt gibt es knapp 800 allgemeinbildende Schulen im Land.

Ein oder zwei Wochen in den Sommerferien sollen benachteiligte Schüler in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch gefördert werden. Die Schulen können weitgehend entscheiden, wie das Programm bei ihnen genau aussieht. Möglich sind mehrere Stunden pro Tag oder auch drei Tage Unterricht und zwei Tage mit anderem Programm.

Das Land hat dafür fünf Millionen Euro bereitgestellt. Lehrer sollen damit zusätzlich vergütet werden. Auch Lehramts-Studenten können an dem Programm für Schüler der 1. bis 10. Klassen teilnehmen. Darüber hinaus erhalten die Schulen ein zusätzliches Budget, um externe Angebote von kultureller Bildung oder sportliche Aktivitäten anbieten zu können. Der Lernsommer finde aber nicht am Strand statt, sagte Prien. «Das ist kein Ferienlager.»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, «wir müssen in den nächsten Wochen besonders auf die Kinder und Jugendlichen achten, die in einem Elternhaus mit erschwerten sozialen und finanziellen Bedingungen aufwachsen und deshalb beim Lernen nicht so gut unterstützt werden konnten». Home-Schooling-Angebote hätten diese oft nicht so gut erreicht. Sie würde sich wünschen, dass es in ganz Deutschland solche Angebote geben würde.

«Neben dem Vermitteln von Lernstoff in den Kernfächern wollen wir dabei auch besonders kulturelle und politische Bildung in den Blick nehmen», sagte Prien. Eltern von Schülern, bei denen die Lehrer einen besonderen Förderbedarf in den Sommerferien sehen, sollen mit den Zeugnissen entsprechende Briefe erhalten. Es könne aber niemand gezwungen werden, sein Kind in den Ferien in die Schule zu schicken. «Aber selbst wenn wir damit nur 70 Prozent erreichen, wäre das ein Erfolg.»

Das Bundesprogramm «Kultur macht stark» helfe bei den Plänen des Landes, sagte Prien. Bundesweit stehen dafür für den Zeitraum 2018 bis 2022 insgesamt 250 Millionen Euro bereit. Wegen Corona könnten derzeit aber viele Präsenz-Veranstaltungen nicht stattfinden, sagte Karliczek. Es seien deshalb nicht alle Mittel wie geplant abgerufen worden. «Deswegen haben wir jetzt die Möglichkeit, dass wir noch Mittel haben, die wir für solche Sonderprogramme einsetzen können.»

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat kritisierte, «offenbar verweigern sich 80 - 85 Prozent der Schulen in Schleswig-Holstein dem sogenannten Lernsommer 2020». An teilnehmenden Schulen werde es Angebote nur für einen Bruchteil der Schüler geben. «Ob die Teilnehmenden dann die sein werden, die zu Hause nicht die besten Voraussetzungen zum Lernen und zum digitalen Unterricht vorfinden, steht in den Sternen». Die Schüler, die Hilfe am nötigsten hätten, würden damit in ihrer übergroßen Mehrzahl nicht erreicht, schon gar nicht in den Bereichen Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen. «Das heißt: Wir brauchen dringend Lösungen, um mit vorhandenen Defiziten in der Anfangsphase des nächsten Schuljahres umzugehen.»

Lehrerverband genügen Pläne zum Infektionsschutz an Schulen nicht

In Thüringen sollen Kindergärten und Grundschulen ab Montag wieder täglich für alle Kinder öffnen und sechs bis acht Stunden Betreuung anbieten. Doch der Lehrerverband sieht dadurch das Personal in Gefahr.

Der Vorsitzende des Thüringer Lehrerverbands Rolf Busch hat wegen der Corona-Pandemie mehr Schutz für Lehrer, Schüler und Beschäftigte an Schulen gefordert. «Wir brauchen Schutzkonzepte für alle Beteiligten», sagte Busch am Donnerstag in einer Video-Schalte in Erfurt. Eine verlässliche Schule sei wichtig und die Lehrer seien dazu bereit - allerdings nicht in Gänze, wenn Hygieneregeln aufgegeben würden, betonte Busch.

Die Thüringer Landesregierung hatte sich am Dienstag darauf verständigt, an Kindergärten und Grundschulen ab Montag wieder eine tägliche Betreuung für alle Kinder anzubieten. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sprach von sechs bis acht Stunden Betreuungszeit pro Tag. Die Notbetreuung endet.

Dafür sollen aber die Abstandsregel in den Einrichtungen nicht mehr gelten. Anstelle ihrer soll der Grundsatz gelten, dass es feste Gruppen und Klassen mit festen Bezugspersonen gibt. Ein Austausch zwischen den Gruppen soll möglichst vermieden werden. Kommt es zu einer Infektion, könnte dann die jeweilige Gruppe in Quarantäne gestellt werden. «Das reicht uns nicht in der jetzigen Situation nicht», sagte Busch.

Er verwies darauf, dass unter anderem im Landtag Plexiglasscheiben installiert worden seien und es in vielen anderen Bereichen Zugangsbeschränkungen zu Räumen gebe. In Schulen sei bislang aber nichts dergleichen angedacht, monierte Busch.

Mit dem neuen Modell, das nach Angaben Holters bis zum Wochenende in eine Verordnung einfließen soll, orientiert sich Thüringen an Sachsen, wo das Prinzip der festen Gruppen und Klassen an Kindergärten und Grundschulen bereits praktiziert wird.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Hessen und Thüringen sieht zwar in der Öffnung von Grundschulen und Kindergärten einen wichtigen Schritt, lehnt das Aufgeben der Abstandsregeln aber ab. «Dieser Schritt darf aber auf keinen Fall unter Verzicht auf Arbeitsschutz und Hygienestandards erfolgen», erklärte der Vize-Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt.

Jugendherbergen fürchten Schließungen - Kritik an Bundesregierung

Schullandheime und Jugendherbergen im Norden fürchten die Schließung vieler Häuser durch die Corona-Krise und kritisieren das Konjunkturpaket der Bundesregierung als unzureichend. Klassenreisen fielen seit Monaten aus, seien oft bis Jahresende storniert und damit würden Einnahmen gemeinnütziger Unterkünfte für dieses Jahr mehrheitlich wegbrechen, erklärten die Schullandheime und Jugendherbergen in Norddeutschland am Donnerstag gemeinsam. Das von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket solle die Heime retten. Doch das werde mit den bisher geplanten Maßnahmen kaum gelingen, heißt es weiter. Es müsse dringend nachgebessert werden, um das Sterben vieler Häuser zu verhindern.

«Die Maßnahmen gehen für unseren Sektor nahezu komplett am Bedarf vorbei. Das wäre vermeidbar gewesen», erklärte der Geschäftsführer im Landesverband Nordmark des Deutschen Jugendherbergswerks, Stefan Wehrheim in der gemeinsamen Pressemitteilung der Schullandheimverbände des Nordens.

Die Schullandheimverbände des Nordens (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Bremen) und der DJH-Landesverband Nordmark mit seinen Jugendherbergen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Nordniedersachsen vertreten nach eigenen Angaben über 100 Einrichtungen.

Die Verbände kritisieren, dass die Überbrückungshilfen den wirklichen Ausfall durch die Corona-Pandemie nicht berücksichtigten. Auch das im Konjunkturpaket genannte Kredit-Sonderprogramm sei nicht hilfreich. Da die meisten Träger kostendeckend arbeiteten, sei es für viele von ihnen schwer, Kredite überhaupt zurückzuzahlen.

Stattdessen fordern die Verbände nicht zurückzahlbare Zuschüsse. Jugendherbergen und viele Schullandheime im Norden hätten mehr als 70 Prozent ihrer Zielgruppe durch die Corona-Krise für dieses Jahr verloren.

Das Deutsche Jugendherbergswerk und die Schullandheimverbände des Norden sehen jetzt die Bundesregierung in der Pflicht, mit Soforthilfen nachzubessern. Kämen diese nicht, würden Schließungen drohen: «Gerade die kleinen Einrichtungen nah an der Natur werden oft als erstes und dauerhaft schließen, wenn nicht bald wirksame Hilfe kommt.», so Benjamin Krohn von der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Schullandheime.

Gewerkschaft: Ministerium muss besser mit Schulen kommunizieren

Die Bildungsgewerkschaft GEW hat eine mangelnde Kommunikation des Kultusministeriums mit den Schulleitungen in der Corona-Krise beklagt. Das Ministerium müsse im direkten Austausch erklären, warum welche Maßnahmen wegen des Coronavirus in den Schulen erforderlich seien, sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Das würde helfen, Vertrauen wieder aufzubauen.» Bislang kommuniziere das Ministerium nur per Mail mit den Schulleitungen. Vertreter von Gewerkschaften und Verbände hatten wiederholt beklagt, die Schulen erführen zuerst aus den Medien von den Plänen des Ministeriums.

An diesem Wochenende enden die Pfingstferien in Baden-Württemberg. Der Plan von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ist es, ab Montag die Schüler aller Jahrgangsstufen zumindest zeitweise wieder in den Schulen zu unterrichten - in Kombination mit dem weiter laufenden Fernunterricht. Da Abstandsregeln wegen des Coronavirus eingehalten werden müssen, ist laut Moritz viel Organisationsarbeit an den Schulen nötig.

Die Grundschulen sollen bis Ende Juni sogar wieder vollständig öffnen - dann ohne Abstandsgebote. Die GEW bezweifelt aber, dass dies möglich sein wird, da viele Lehrer selber zu Risikogruppen gehören und nicht in den Schulen unterrichten können.

 

09.06.2020 8.30 Uhr

NRW-Schulen im Corona-Sprint - Chaos und Durcheinander?

Corona hat alle Schulplanungen durcheinandergewirbelt. In den letzten Wochen vor den Sommerferien sind Unruhe und Verunsicherung allgegenwärtig. Viele stresst auch der geplante Fast-Vollbetrieb an den Grundschulen.

An vielen Schulen in NRW herrschen Durcheinander und Verunsicherung mit Blick auf die letzten zweieinhalb Wochen bis zu den Sommerferien. Das sagte die Vorsitzende der Landeselternkonferenz (LEK), Anke Staar, der Deutschen Presse-Agentur. Es könne sein, dass manche Jahrgänge in den weiterführenden Schulen bereits in den nächsten Tagen zum letzten Mal Präsenzunterricht erhalten. Das Schuljahr endet in NRW am 26. Juni mit der Zeugnisausgabe.

Einen einheitlichen letzten Präsenzunterrichtstag wird es nicht geben. Aus verschiedenen Gründen: «Man will jetzt noch mal die jüngeren Schüler verstärkt in die Schulen holen», so Staar. Die Landespolitik habe bei der schrittweisen Öffnung der Schulen zuerst den älteren Jahrgängen Priorität eingeräumt, die in diesem oder im nächsten Jahr ihre Abschlüsse machen. Jetzt werde das mancherorts tendenziell umgedreht.

Seit der Wiedereröffnung der Schulen für alle Jahrgänge haben diese Staar zufolge zudem in unterschiedlichem Umfang Präsenztage anbieten können. «Abhängig von den Raumkapazitäten und je nachdem, wie viele Lehrer einsetzbar waren und sind.» An manchen Schulen stehen 90 Prozent der Lehrer für Präsenzunterricht zur Verfügung, an anderen zwei Drittel, schilderte die LEK-Vorsitzende.

In den Sommerferien seien hochwertige Bildungsangebote und eine verlässliche Betreuung für die Schüler erforderlich, mahnte Staar. «Man kann die Ausfälle der vergangenen Wochen damit nicht auffangen, aber etwas mindern.» Auch viele Kommunen erarbeiteten dazu bereits seit längerem Pläne. «Dafür braucht es auch die entsprechenden Mittel des Landes, auf die aber wohl viele noch warten.» Ohne Planbarkeit in Schule und Betreuung in den Ferien könne letztlich auch die Wirtschaft nicht wieder voll hochfahren, da sie nicht auf die Arbeitskraft der Eltern verzichten könne.

Einer pädagogisch sinnvollen Betreuung in den Ferien komme nach den corona-bedingten Schulausfällen besondere Bedeutung zu, betonte auch der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE), Stefan Behlau. «Es war bisher nicht die Rede davon, dass dafür auch Lehrkräfte eingesetzt werden sollen.» Man werde wohl vor allem auf bewährte außerschulische Träger wie Kommunen, Sport- und Musikvereine oder die freie Jugendhilfe bauen, meinte der Landesvorsitzende.

Ferienkurse zum Nachholen von Unterrichtsstoff hält der VBE allerdings für sehr schwierig. «Wer legt fest, welche Schüler an welchen Kursen teilnehmen? Wie geht man dann nach den Ferien damit um - soll daran angeknüpft werden?»

Auch die Rückkehr zu einem Regelbetrieb ab kommenden Montag mit täglichem Präsenzunterricht für alle rund 600 000 Grundschüler in NRW könnte nach LEK-Einschätzung weitere Probleme aufwerfen. Es werde noch kein voller Regelbetrieb möglich sein. Es brauche dann viel mehr Räumlichkeiten, um neben den Unterrichtszeiten auch eine ausreichende Betreuung im Ganztag anzubieten, sagte Staar. «Viele Eltern sind hochgradig verunsichert, ob ihre Kinder dann an der Schule verlässlich betreut werden. Zugleich entfalle die Notbetreuung am 15. Juni. Der Frust werde bei den Schulen abgeladen, die nun kurzfristig umorganisieren mussten. Es brauche mehr Ruhe und wieder Vertrauen unter den Akteuren im Schulbetrieb.

Senat will Kitas und Schulen weiter öffnen - aber wie geht das?

Viele Eltern wünschen sich, dass alle Kinder zurück in Kitas und Schulen dürfen. Der Senat will das auch. Wie sich das in Zeiten der Corona-Krise umsetzen lässt, ist noch nicht beantwortet.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Antje Kapek hat von der Bildungsverwaltung gefordert, für die Zeit nach den Sommerferien mehrere Szenarien in den Blick zu nehmen. Es reiche nicht, die Rückkehr zum Regelunterricht vorzubereiten, sagte Kapek der Deutschen Presse-Agentur. «Man muss auch auf den zweiten Lockdown vorbereitet sein.» Dafür müsse beispielsweise geklärt werden, wie Schüler, die nach wie vor kein Laptop oder Tablet und keinen Internetzugang hätten, künftig im Fall von Schulschließungen zu Hause unterrichtet werden könnten. Kapek regte eine Gesamtschulkonferenz zu diesen Themen an und empfahl der Bildungsverwaltung eine bessere Kommunikation mit den Eltern.

Von deren Seite gibt es durchaus Skepsis, ob die Pläne des Senats zum Regelbetrieb an Schulen und Kitas umsetzbar sind. «Wir Eltern haben in den letzten drei Monaten alles gegeben, um neben Arbeit auch Homeschooling und die Betreuung unserer Kinder zu gewährleisten», teilte die Initiative Kitakrise Berlin am Montag mit. «Diese Situation kann so nicht mehr weitergehen. Wir fordern tragfähige Lösungen.»

Vor der Sitzung des Senats am Dienstag, bei der über die weitere Öffnung von Schulen und Kitas beraten werden soll, wollen Eltern vor dem Roten Rathaus für das «Recht auf Bildung und Betreuung» demonstrieren. «Eine der größten Herausforderungen ist, dass nicht alle Lehrkräfte und Erzieherinnen zurück zum Dienst kommen», sagte die Sprecherin der Elternorganisation Kitakrise Berlin, Katharina Mahrt. «Wir zweifeln daran, ob diese komplette Öffnung gelingen kann, ohne dass das Personal dafür da ist.»

Schon in den vergangenen Wochen habe sich gezeigt, dass es den Kitas an Personal oder Räumen fehle. «Das macht uns Kopfschmerzen», sagte Mahrt. Für den Unterricht in den Schulen müsse überlegt werden, wie sich zusätzliches Personal gewinnen lasse. Die Elternorganisation schlägt vor, dafür vorübergehend Lehramts-Studierende einzubinden.

Der Berliner Senat beschäftigt sich am Dienstagvormittag mit der Rückkehr von Kitas und Schulen zum Normalbetrieb. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat bereits angekündigt, die Weichen für die komplette Öffnung der Kitas stellen zu wollen. Danach soll noch im Juni jedes Kind wieder ein Betreuungsangebot erhalten.

Seit Montag sind neben den älteren Kindern auch die Vierjährigen bereits zurück in den Kitas. Nun fehlen die Jüngeren noch. In den Kitas soll auf möglichst stabile Gruppen geachtet werden, um das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus zu verringern. Dafür ist die bisher geltende Begrenzung der Gruppengrößen aufgehoben worden. Nun geht es um das Konzept, wie künftig sämtliche Kinder wieder betreut werden können.

Scheeres möchte auch in den Schulen nach den Sommerferien zum Regelbetrieb zurückkehren. Die Ferien starten in Berlin in diesem Jahr am 25. Juni und enden am 7. August. Die Schulen sind bereits seit 27. April wieder geöffnet, allerdings sind die Klassen in der Regel geteilt worden. Die Gruppen werden derzeit zeitlich versetzt oder in verschiedenen Räumen unterrichtet. Nur ein Teil des Unterrichts ist in der Schule möglich, daneben gibt es weiterhin Homeschooling - berufstätigen Eltern verlangt das einiges ab.

Familienministerin Spiegel stellt Angebote für die Ferien vor

Familien mit Kindern sowie Jugendliche waren und sind von den Beschränkungen der Corona-Pandemie besonders betroffen. Auch die Sommerferien sind in diesem Jahr nicht die ersehnte lange Pause nach einem intensiven Schuljahr. Viele Freizeit-Angebote entfallen, Hygiene- und Abstandsregeln gelten weiter. Die Landesregierung hat eine Reihe von Maßnahmen erarbeitet, um vielen Kindern, Jugendlichen und Familien gute Ferienangebote zu machen. Sie sollen eine schöne, möglichst unbeschwerte Zeit erleben können, kündigte das Ministerium an. Jugend- und Familienministerin Anne Spiegel (Grüne) stellt am (morgigen) Dienstag (15.00 Uhr) in Mainz die Initiativen vor.

CDU dringt auf konsequente Vorbereitung des neuen Schuljahres

Nur noch wenige Tage sind es in Mecklenburg-Vorpommern bis zu den Sommerferien. Doch der Schulstart Anfang August wirft schon jetzt seine Schatten voraus. Wegen der Corona-Epidemie wird vieles anders werden - müssen.

Kurz vor den Sommerferien erhöht Koalitionspartner CDU den Druck auf das SPD-geführte Bildungsministerium, alle Voraussetzungen für den Regelunterricht an den Schulen zu schaffen. «Das bedeutet fünf Tage in der Woche Unterricht für alle und in allen Fächern», sagte CDU-Fraktionschef Torsten Renz am Montag in Schwerin.

Auf Initiative der Union wird sich der Landtag auf seiner Sitzung am Freitag mit der Vorbereitung des neuen Schuljahrs befassen, das schon am 3. August startet. Die bis dahin verbleibenden acht Wochen gelte es konsequent zu nutzen. «Ich erwarte von allen Führungskräften, dass sie die festgelegten Ziele umsetzen und dabei auch nicht auf die Uhr schauen», betonte Renz.

SPD-Fraktionschef Thomas Krüger wollte sich nicht zu dem von der CDU initiierten, von der SPD aber mitgetragenen Antrag äußern. Doch verwies er auf die Ankündigung von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). Demnach werde es in Mecklenburg-Vorpommern nach den Sommerferien wieder einen verlässlichen und täglichen Regelunterricht für alle Schüler geben. «Nicht alle Lehrkräfte werden aber sofort an Bord sein. Das ist die Herausforderung», sagte Krüger.

Linken-Fraktionschefin Simone Oldenburg zeigte sich mit Hinweis auf die noch ungeklärten Fragen zum Schülertransport bei zeitlich über den Tag gestaffeltem Unterricht skeptisch. «Es ist zu erwarten, dass wir mit weniger Präsenzunterricht starten», sagte sie. Die Oppositionspolitikerin schlug vor, für Grundschüler und Schüler der Abschlussklassen den Präsenzunterricht vollständig abzusichern, für die Klassenstufen sieben und neun zunächst aber nur jede zweite Woche. Dafür gelte es aber auch, die technischen Voraussetzungen für den Unterricht übers Internet zu verbessern. Wie Renz von der CDU plädierte auch Oldenburg für regelmäßige Corona-Tests an den Schulen.

Nach Angaben von Bildungsministerin Martin wird der Schuljahresstart gemeinsam mit Gesundheitsexperten vorbereitet. Vorbehaltlich der Entwicklung der Infektionszahlen werde die 1,50-Meter-Abstandsregel aufgehoben. Nur so könne ein täglicher Unterricht verlässlich gewährleistet werden. Doch räumte Martin bereits ein, dass nicht alle Schüler zur selben Zeit in der Schule sein können. In den am 22. Juni beginnenden Sommerferien soll Förderunterricht angeboten werden.

Alle Schulen in Mecklenburg-Vorpommern waren am 16. März geschlossen worden, um der Ausbreitung des Coronavirus Einhalt zu gebieten. Schrittweise wurden sie vom 27. April an wieder geöffnet, ohne jedoch schon zum Regelbetrieb zurückzukehren.

Gericht: Bei Abibällen in Berlin nicht mehr als 150 Feiernde

Bei Abiturbällen in Berlin dürfen nach einem Gerichtsbeschluss derzeit nur jeweils 150 Teilnehmer wegen der Corona-Einschränkungen zusammenkommen. Rein private oder familiäre Veranstaltungen und Zusammenkünfte in Innenräumen sind nach den Verordnungen zur Eindämmung der Pandemie bis 29. Juni nur mit bis zu 150 Personen erlaubt; erst ab dem 30. Juni könnten sich 300 Menschen treffen, teilte das Gericht am Montag zu dem Eilbeschluss mit. Die Einschränkungen seien nicht zu beanstanden.

Damit scheiterte der Antrag eines Veranstalters, der Abiturbälle in Berlin organisiert. Er wollte erreichen, dass ein solches Abschlussfest in Altglienicke mit 269 Teilnehmenden am 11. Juni über die Bühne gehen kann. Bis Ende Juni hatte der Veranstalter laut Gericht 50 weitere Abibälle in der Hauptstadt in ähnlicher Größe bis zu 300 Personen geplant - bei Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln sowie ohne Tanz. Eine Beschwerde gegen den Beschluss sei beim Oberverwaltungsgericht bereits eingelegt.

Das Verwaltungsgericht schätzte es als plausibel ein, dass größere Menschenansammlungen ein deutlich erhöhtes Infektions- und Verbreitungsrisiko mit sich brächten. Die Begrenzung der Personenzahl für «Indoor-Veranstaltungen» sei ein Baustein des Gesamtkonzepts zur schrittweisen Lockerung der Corona-Einschränkungen. Es sei gerechtfertigt, dass der Senat nicht alle Einschränkungen zeitgleich oder in gleicher Weise aufhebe.

Bei Abibällen sei nicht auszuschließen, dass es wegen der engen persönlichen Beziehungen der Teilnehmer auch zu physischen Kontakten komme, so das Gericht. Diese könnten nicht durchgehend kontrolliert werden.

Coronavirus - Zwei Schulen vorsorglich für zwei Tage geschlossen

Die dänische Schule in Satrup und die Nordlichtschule in Süderbrarup (beide Kreis Schleswig-Flensburg) bleiben wegen der Corona-Infektion einer Mutter von drei Kindern vorsorglich für zwei Tage geschlossen. Die Infektion sei bei der 30-Jährigen neu nachgewiesen worden, teilte der Kreis am Montag mit. Aufgrund der Kontakte ihrer Kinder werden die beiden Schulen vorsorglich am Dienstag und Mittwoch geschlossen. Es handele sich um keine Quarantänemaßnahme, betonte Landrat Wolfgang Buschmann.

«Wir klären, ob von den Kindern tatsächlich eine Ansteckungsgefahr ausgegangen ist oder aktuell ausgeht», sagte der Landrat. Bis einschließlich 10. Juni lägen voraussichtlich die Ergebnisse der drei Kinder vor. «Um bis dahin das Infektionsrisiko für alle anderen Schülerinnen und Schüler so gering wie nur möglich zu halten, haben wir uns entschieden, die beiden Schulen vorsorglich und zunächst für zwei Tage zu schließen, um weitere Kontakte unbedingt zu vermeiden.»

Ebenfalls werden alle Bewohner der Kinder- und Jugendpflegeheime in Struxdorf, Sörup und Mohrkirch aufgrund der möglichen Kontakte vorsorglich von der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein auf das Coronavirus getestet. Kreisweit gibt es den Angaben zufolge 17 Infizierte. In Quarantäne befinden sich 31 Menschen.

 

08.06.2020 12.00 Uhr

Schulbeschäftigte fordern besseren Corona-Schutz

Beschäftigte an Hamburger Schulen fordern eine besseren Schutz gegen das Corona-Virus. Die derzeitige Lage sei grotesk, erklärte Verdi-Gewerkschaftssekretär Max Stempel am Montag. «Teilweise muss um einen Spuckschutz für wenige Euro gebettelt werden.» Die Behörde würde gut daran tun, auf die Beschäftigten zu hören. «Für einen Normalbetrieb, wie er nach den Ferien angedacht ist, sind die Schulen so nicht gerüstet.»

Am Dienstag werde eine Delegation Schulsenator Ties Rabe (SPD) eine Petition übergeben, kündigte Stempel an. Auf Fotos forderten dabei vor allem Beschäftigte aus dem nichtpädagogischen Bereich unter anderem einheitliche Maßnahmen zum Infektionsschutz, Homeoffice für Angehörige von Risikogruppen, ein engmaschiges Testverfahren für Schüler und Beschäftigte und mehr Personal zum Ausgleich coronabedingter Ausfälle.

Thüringen will Abstandsregeln an Kitas und Grundschulen aufheben

Nach Plänen der Thüringer Landesregierung sollen die Abstandsregeln an Kindergärten und Grundschulen ab 15. Juni aufgehoben werden. Stattdessen soll es feste Gruppen, Klassen und Bezugspersonen geben, wie aus einer Kabinettsvorlage hervorgeht, die am Dienstag beraten werden soll und die der dpa vorliegt. Mit den Änderungen soll die Notbetreuung an Kindergärten und Schulen enden.

Aus der Kabinettsvorlage geht auch hervor, dass Schulen und Kindergärten generell mit dem Start des neuen Schuljahres ab September wieder komplett in den Regelbetrieb wechseln sollen. Bis dahin soll es ab Klasse fünf weiterhin einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht geben.

In einem Interview mit dem «Freien Wort» hatte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) zudem in Aussicht gestellt, dass es in den Sommerferien ein Betreuungsangebot für Grundschüler geben wird. «Das ist auch eine Erwartung der Eltern, die wegen der Corona-Einschränkungen in den vergangenen Wochen vielfach schon Urlaub zur Kinderbetreuung nehmen mussten und nun keinen mehr haben», sagte Holter dem Blatt.

Philologenverband: Maskenpflicht im Unterricht problematisch

Der Deutsche Philologenverband sieht eine mögliche Maskenpflicht im Unterricht problematisch. «Damit wird der Kern jedes Unterrichts torpediert: Unterricht beruht auf klarer Kommunikation, auf zwischenmenschlicher Interaktion, nicht nur auf Augenkontakt», sagte die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing der «Welt» (Montag).

Im Falle eines Regelbetriebs seien neue Hygiene- und Schutzkonzepte notwendig. «Sollten die Abstandsregeln tatsächlich fallen, müssen freiwillige Reihentests für alle Schüler und Lehrer zwei Mal wöchentlich zur Verfügung stehen», so Lin-Klitzing. Notwendig seien zudem klare Regelungen, um Lerngruppen zu isolieren, sowie Lüftungskonzepte.

Daneben brauche es einen Plan, sollten Schulen bei Infektionsfällen wieder schließen. «Die Schulen müssen in die Lage versetzt werden, notfalls von heute auf morgen von einem Präsenz- in einen Fernunterricht wechseln zu können.»

Grundsätzlich forderte sie, die Schulöffnungen regional unterschiedlich zu gestalten. «Die Infektionslage in Sachsen ist eine völlig andere als in Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen.»

Der Deutsche Lehrerverband hatte zuletzt erklärt, bei einem Normalbetrieb der Schulen sei eine Maskenpflicht auch während des Unterrichts sinnvoll. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger räumte jedoch ein: «Allerdings erschwert das ordentlichen Unterricht.» Auch er sprach sich für umfangreiche regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Schülern aus sowie Notfallpläne im Fall von ansteigenden Infektionen.

 

07.06.2020 10.00 Uhr

Grünen-Chefin: Viel über Bundesliga diskutiert, zu wenig über Kinder

In der Corona-Krise haben Kinder und ihre Rechte aus Sicht der Grünen monatelang eine beklagenswert kleine Rolle gespielt. «Dabei sind Kinder das zerbrechlichste Glied unserer Gesellschaft. Aber statt die Voraussetzungen zu schaffen, damit Kitas und Schulen als erstes wieder öffnen, wurde ewig über die Öffnung der Fußball-Bundesliga und von Möbelhäusern diskutiert», sagte Parteichefin Annalena Baerbock der «Welt am Sonntag».

Sie forderte bundesweite Leitlinien, «wie wir nach den Sommerferien in Schulen und Kitas zu einem kindergerechten Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zurückkehren». Dass solche Vorgaben fehlen, sei ein schwerer Fehler. Auch hätte der Bund aus ihrer Sicht mit den Ländern einen Extra-Fonds auflegen müssen, damit Kindergärten und Schulen zusätzliches Personal bekommen.

Baerbock verwies auf die Leiden nicht weniger Kinder. «Fast jedes zehnte Kind hat während des Lockdowns Gewalt erlebt. Diese Studien zeigen, wie fatal es ist, dass Kinder und ihre Rechte monatelang keine Rolle spielten», sagte sie.

Sie beklagte, dass es Spitzentreffen mit der Industrie gegeben habe, aber keinen Schul- und Kitagipfel der Regierung. «Dazu lade ich jetzt als Oppositionspolitikerin ein - Gewerkschaften, Kita-Träger, Grundschullehrerverband, Kindermediziner.» An diesem Mittwoch werde digital beraten.

Schulausfall: Landeselternrat fordert individuelle Prüfungsaufgaben

Wegen der coronabedingten Schulschließungen seit März kann ein Teil des Unterrichtsstoffs nicht vermittelt werden. Das hat Folgen für die Schüler, die nächstes Jahr ihre Prüfungen zum Abitur oder zur Mittleren Reife ablegen müssen.

Der Landeselternrat Mecklenburg-Vorpommern fordert für die Prüfungen zum Abitur und zur Mittleren Reife im kommenden Jahr eigene Prüfungsaufgaben für jede Schule. So solle verhindert werden, dass den Schülern Nachteile wegen des Unterrichtsausfalls aufgrund der Corona-Krise entstehen, sagte der Vorsitzende des Landeselternrates, Kay Czerwinski, der Deutschen Presse-Agentur. Die Anfragen besorgter Eltern häuften sich.

«An den einzelnen Schulen konnten unterschiedliche Unterrichtsinhalte nicht vermittelt werden», sagte er. Deshalb müsse es den Schulen erlaubt werden, ihren Schülern nächstes Jahr eigene Aufgaben für die Abschlussprüfungen zu stellen und dabei die Lücken zu berücksichtigen. In der Kultusministerkonferenz müsse geklärt werden, dass die Abschlüsse bundesweit anerkannt werden.

Nach Czerwinskis Worten ist die Situation in Mecklenburg-Vorpommern besonders dramatisch, weil der Nordosten zu den Bundesländern mit einem besonders frühen Ferienbeginn in diesem Jahr gehört. Die Zeugnisse werden bereits am 19. Juni ausgegeben. «In Bundesländern mit einem späteren Sommerferien-Start haben die Schulen noch die Möglichkeit, in den kommenden Wochen Unterrichtsstoff aufzuholen. In Mecklenburg-Vorpommern ist das nicht möglich.» Es drohe eine Benachteiligung der Jugendlichen im Nordosten.

Die Elftklässler an den Gymnasien und die Neuntklässler an den Regionalen Schulen erhalten seit dem 4. Mai wieder Unterricht - allerdings nicht in vollem Umfang, wie Czerwinski betonte. Die Schulen waren Mitte März geschlossen worden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Czerwinski begrüßte die vom Bildungsministerium geschaffene Möglichkeit für die Schüler, in den Ferien kostenlos Nachhilfe zu nehmen, um Lücken zu schließen. Dafür hat das Land eine Million Euro bereitgestellt. Schüler können bei privaten Nachhilfe-Anbietern Stunden nehmen; die Rechnung will das Land begleichen.'

Kabinettsvorlage: 20 Prozent der Schüler sollen Tablets leihen könne

Digitaler Fernunterricht in Corona-Zeiten geht nur mit Computer. Manche Schüler haben aber keinen. Baden-Württemberg will das jetzt zügig ändern.

Die angekündigte Anschaffung von 300 000 Laptops und Tablets für Schüler in Baden-Württemberg nimmt konkrete Gestalt an. Am Dienstag soll sich das grün-schwarze Kabinett mit einer Vorlage aus dem Kultusministerium befassen, die das Ziel hat, für insgesamt 130 Millionen Euro Geräte kaufen zu können. Die Summe teilen sich Bund und Land. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart: «Das bedeutet, dass für etwa 20 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg Leihgeräte zur Verfügung stehen werden.»

In der Kabinettsvorlage heißt es: Zwar ist in den Schulen der Unterricht wieder schrittweise gestartet, an einen normalen Regelbetrieb mit Präsenzunterricht mit allen Schülerinnen und Schülern ist wegen der Abstands- und Hygieneregeln infolge der Corona-Pandemie aber derzeit noch nicht zu denken.» Daher sollen die Bedingungen für den Fernunterricht verbessert werden. Es dürfe nicht sein, dass ein Kind sein Schulziel nicht oder nur schwer erreiche, weil es nicht die nötige technische Ausstattung habe. Geplant sei, dass die Schulträger, also die Kommunen, «zügig» in die Geräte investieren könnten, um sie dann an Schüler verleihen zu können.

Davon sollen sowohl die Schüler an öffentlichen wie auch an privaten Schulen profitieren. Das Geld soll den Schulträgern einmalig zur Verfügung gestellt werden. Für Folgekosten wie Reparaturen und Wartungen kommt das Land aber ausdrücklich nicht auf.

Bildungsexperten und Lehrerverbände hatten seit der Schulschließungen wegen des Coronavirus Mitte März davor gewarnt, dass bestimmte Schüler abgehängt werden könnten, wenn zu Hause keine Geräte wie Laptops oder Tablets vorhanden seien oder wenn Eltern sie nicht genügend in der außergewöhnlichen Lernsituation unterstützten.

 

Lehrerverband: Bei Normalbetrieb der Schulen Maskenpflicht sinnvoll

Ein Normalbetrieb der Schulen trotz der weiter schwelenden Corona-Pandemie erfordert aus Sicht des Deutschen Lehrerverbandes einige neue Hygieneregeln. Wenn wieder alle Schüler der Klasse in einem Raum sitzen, sei natürlich eine Maskenpflicht auch während des Unterrichts sinnvoll, so wie in asiatischen Ländern, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger der «Bild»-Zeitung» (Samstag). Er räumte zugleich ein: «Allerdings erschwert das ordentlichen Unterricht.»

Am Donnerstag hatten die Kultusminister der Länder noch einmal offiziell ihr Ziel bekräftigt, so bald wie möglich wieder zu einem normalen Schulbetrieb zurückzukehren.

Meidinger sagte, Bedingung dafür sei höchstmöglicher Gesundheitsschutz für Lehrer, Schüler sowie der Angehörigen in ihren Haushalten. Dafür müssten Klassen und Lerngruppen vollständig und den ganzen Schultag über getrennt werden. Weiter schlug Meidinger umfassende, regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Schülern vor sowie Notfallpläne im Fall von ansteigenden Infektionen. Meidinger sagte abschließend: «Sollte sich erweisen, dass vollständige Schulöffnungen bundesweit zu einem starken Anstieg an Infektionsausbrüchen an Schulen führen, müsste diese Öffnung umgehend gestoppt und zurückgenommen werden.»

Die Ministerpräsidenten mehrerer Bundesländer hatten in den vergangenen Wochen bereits erkennen lassen, dass sie nach den Sommerferien zu einem normalen Schulbetrieb zurückkehren wollen.

An Grundschulen in Sachsen gibt es bereits Unterricht im gewohnten Klassenverband. In Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen soll dies in den kommenden Tagen und Wochen umgesetzt werden, auch wenn dabei die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden können.

Malte Rieth, Makroökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), hält die Rückkehr zum Regelbetrieb für volkswirtschaftlich dringend geboten. Der «Bild»-Zeitung sagte er: «Ein knappes halbes Schuljahr an Bildungsausfall bedeutet selbst nach konservativen Schätzungen einen künftigen Wohlstandsverlust von mindestens 110 Milliarden Euro.» Noch nicht eingerechnet sei hier der Arbeitsausfall der Eltern.


05.06.2020 18.00 Uhr

Kultusminister bekräftigen schnelle Rückkehr zu Schulregelbetrieb

Die Kultusminister der Länder haben noch einmal offiziell ihr Ziel bekräftigt, so bald wie möglich wieder zu einem normalen Schulbetrieb zurückzukehren. In einer Mitteilung der Kultusministerkonferenz (KMK) vom Freitag heißt es, die Bildungsministerien der Länder strebten im Interesse der Schülerinnen und Schüler so schnell wie möglich eine Wiederaufnahme des schulischen Regelbetriebs an, sofern das Infektionsgeschehen dies zulasse. Bereits am Dienstagabend hatten sich die Minister bei einer Schaltkonferenz auf diese Formel verständigt.

Genaue Aussagen, wie es wann in den Schulen weitergeht, werden nicht getroffen. Das regelt jedes Land für sich, weil Schulpolitik Ländersache ist. Die Ministerpräsidenten mehrerer Bundesländer hatten in den vergangenen Wochen bereits erkennen lassen, dass sie nach den Sommerferien zu einem normalen Schulbetrieb zurückkehren wollen.

An Grundschulen in Sachsen findet bereits Unterricht im gewohnten Klassenverband statt. In Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen soll dies in den kommenden Tagen und Wochen umgesetzt werden, auch wenn dabei die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden können.

Die derzeitige Präsidentin der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) sagte laut Mitteilung: «Die Kultusministerkonferenz ist sich einig: Unsere Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf Bildung. Und dieses Recht kann am besten in einem möglichst normalen Schulbetrieb umgesetzt werden.»

Weitere Lockerungen an Sachsen Schulen und Kitas ab Montag

An Sachsens Schulen gibt es ab Montag weitere Lockerungen. Nach einer in dieser Woche vom Kabinett beschlossenen Allgemeinverfügung soll es trotz Corona-Krise Zeugnisübergaben und Abschlussfeiern geben können. Auch Elternabende, Elterngespräche oder Gremiensitzung können wieder erfolgen. Voraussetzung sind die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln. Die Allgemeinverfügung gilt bis zum 29. Juni.

Auch Kitas können ihren Betrieb von Montag an etwas flexibler gestalten: Feste Gruppen sollen zwar bestehen bleiben, können aber künftig größer sein und durch mehr Erzieher betreut werden. Als Beispiel nannte das Kultusministerium etwa die Betreuung auf einer Etage oder in zwei benachbarten Räumen mit einem gemeinsamen Sanitärtrakt.

Die Schulbesuchspflicht an Grundschulen bleibt weiterhin ausgesetzt. Eltern können damit entscheiden, ob ihre Kinder in der Schule oder zu Hause lernen. Ein Wechselmodell sei aber nicht möglich, hieß es.

Hunderte Schulkinder in Göttingen müssen in Corona-Quarantäne

Massentest, Quarantäne für Schulkinder und dementsprechend für einige kein regulärer Schulunterricht – der Corona-Ausbruch macht Göttingen zu schaffen. Doch auch in einem anderen Bereich müssen nun Dutzende Menschen mit den Folgen des Regelbruchs umgehen.

Nach einem Corona-Ausbruch in Göttingen müssen voraussichtlich mehrere hundert Schulkinder für zwei Wochen in Quarantäne. Betroffen seien die Klassen der Kinder, die sich in Folge von Regelverstößen bei Privatfeiern zum muslimischen Zuckerfest mit dem Virus infiziert hatten, sagte Sozialdezernentin Petra Broistedt (SPD) am Freitag. Unter den bislang 120 Infizierten im Zusammenhang mit den Privatfeiern befinden sich 39 Schülerinnen und Schüler.

Für alle Kinder und Jugendlichen, die nun in Quarantäne müssen, sei dies ein großes Problem, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Stadtschülerrats, Tim Wiedenmeier. «Das bedeutet weitere soziale Abschottung. Die ist schwer zu ertragen.» Wie viele Jungen und Mädchen genau betroffen sind, konnte ein Stadtsprecher zunächst nicht sagen.

Unabhängig von den Quarantäne-Maßnahmen sollen die Göttinger Schulen, die wegen des Corona-Ausbruchs allesamt geschlossenen wurden, ab Montag den Betrieb unter Auflagen wieder aufnehmen, sagte Sozialdezernentin Broistedt. Die Schulen erhielten dazu einen umfangreichen Katalog mit Verhaltensmaßregeln.

Unterdessen hat die Stadt mit einem dreitägigen Massentest in dem Hochhauskomplex begonnen, der als Schwerpunkt des Corona-Ausbruchs gilt. Daran hätten sich am ersten Tag knapp 220 Bewohner beteiligt. Die Menschen seien sehr kooperativ gewesen, sagte ein Verwaltungssprecher. Nennenswerte Zwischenfälle gab es nach Angaben der Polizei nicht. Die Beamten waren vor Ort, weil die Verwaltung angekündigt hatte, die verbindliche Teilnahme an dem Test zur Not mit Hilfe der Polizei durchzusetzen.

In dem Wohnkomplex sind nach Angaben der Stadt rund 600 Menschen gemeldet. Die Behörden vermuten allerdings, dass dort noch sehr viel mehr Personen leben. Wie sichergestellt werden kann, dass auch die nicht gemeldeten Bewohner zum Test erscheinen, blieb offen. Unabhängig davon wurden am Freitag in Göttingen auch rund 250 Bewohner und Mitarbeiter eines Altenheims getestet, nachdem sich ein Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatte.

Weil viele Mitglieder der Großfamilien aktiv Sport treiben, hatte die Stadt in dieser Woche allen Göttinger Sportvereinen den Trainings- und Wettkampfbetrieb untersagt. Weitere mögliche Einschränkungen machte die Verwaltung vom Verlauf des Infektionsgeschehens abhängig. Gefragt, wie er die Lage einschätze, hatte Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am Donnerstagabend geantwortet: «Die Ampel steht auf dunkelgelb.»

 

04.06.2020 10.00 Uhr

Ministerin Ernst setzt auf Regel-Schulbetrieb nach den Sommerferien

Wegen der Corona-Krise haben Brandenburgs Schüler seit Mitte März Heimunterricht oder können nur tageweise in die Schulen. Das könnte sich im neuen Schuljahr ändern.

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) will alle Schulen im Land auf einen regulären Betrieb nach den großen Ferien vorbereiten. «Es geht schließlich um das Recht auf Bildung und um das Recht auf soziale Teilhabe der Kinder und Jugendlichen. Das ist ein hohes Gut», sagte Ernst der Deutschen Presse-Agentur. «Deshalb müssen wir alles dafür tun, dass die Schulen nach dem Sommer wieder zum Normalbetrieb übergehen können.»

Voraussetzung sei, dass der Verlauf der Corona-Pandemie dies zulasse, betonte die Ministerin. «Wir haben derzeit niedrige Infektionszahlen, weil sich die Bürgerinnen und Bürger verantwortungsvoll verhalten haben und wir bekommen mehr und mehr wissenschaftliche Hinweise, dass Kinder keine besonders große Ansteckungsgefahr darstellen», sagte Ernst. «Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass es vermutlich gelingt, die Schulen nach den Sommerferien wieder für den Regelbetrieb zu öffnen.»

Dennoch arbeite das Ministerium an verschiedenen Szenarien, betonte Ernst. Denn je mach Verlauf der Infektionszahlen müsse man sich auf verschiedene Modelle vorbereiten. «Einmal mit dem Normalbetrieb, einmal mit einer optimierten Verlängerung der jetzigen Situation und als drittes Szenario vielleicht mit einem Wechsel der verschiedenen Situationen.»

Doch auch ein Regelbetrieb könne nach den Ferien nicht ohne Einschränkungen laufen, erläuterte Ernst. Denn es gebe unter den Lehrkräften und auch unter den Schülern einige, die zu den Risikogruppen zählten. Zudem könnten nach möglichen Corona-Ausbrüchen regionale oder lokale Schulschließungen notwendig sein.

Das Ministerium habe bereits 1164 neue Lehrkräfte für das nächste Schuljahr unbefristet eingestellt, berichtete Ernst. Hinzu kämen weitere 92 feste Zusagen. «Darunter werden viele Seiteneinsteiger sein, die wir entsprechend qualifizieren», sagte Ernst. «Aber ich bin überzeugt, dass wir genügend Lehrkräfte für einen weitgehenden Regelbetrieb an den Schulen zur Verfügung haben werden.»

Vor der Aufnahme des Regelbetriebs soll Bilanz gezogen werden über ausgefallenen Unterricht und auch versäumtes Lernen, kündigte Ernst an. Im kommenden Schuljahr sollen die Klassen dann wieder gemeinsam unterrichtet werden und nicht wie bislang in halbierten Lerngruppen. «Normalbetrieb, heißt Normalbetrieb», betonte Ernst. Dafür müsse noch ein Konzept für Corona-Testungen in den Schulen erarbeitet werden. «Das wird ein ganz wichtiger Baustein sein, weil Normalbetrieb heißt, dass die 1,50-Meter-Abstandsregel nicht mehr gilt.»

Umfrage zum Homeschooling: Zufriedene Familien, gestresste Eltern

Die Mehrheit der Familien hat die Zeit der kompletten Schulschließungen aufgrund der Corona-Krise laut einer Umfrage durchaus positiv erlebt. 82 Prozent der befragten Mütter und Väter gaben an, dass sie mit der Situation in der Familie während des Homeschoolings zufrieden (61 Prozent) oder sogar sehr zufrieden (21 Prozent) waren. Wie aus der Forsa-Erhebung im Auftrag der DAK-Gesundheit ebenfalls hervorgeht, waren zudem 72 Prozent von ihnen mit ihrer beruflichen Arbeit sehr oder eher zufrieden. Fast die Hälfte der befragten Eltern empfanden in dieser Zeit aber oft oder sehr oft Stress.

Für die Studie, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin am Donnerstag vorlag, wurden sowohl Eltern als auch Kinder zwischen 10 und 17 Jahren befragt. Von den Jugendlichen gaben 81 Prozent an, dass sie mit der Situation in der Familie während des Homeschooling zufrieden waren. 18 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen machen sich demnach aber häufig Sorgen wegen der Auswirkungen der Corona-Krise, etwa auf die Gesellschaft, ihre Schulzeit oder auf die Wirtschaft.

Mit Blick aufs Lernen zu Hause sind die Meinungen gespalten: Etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen war damit eher unzufrieden (37 Prozent) oder sehr unzufrieden (14 Prozent). Passend dazu sieht die Mehrheit der befragten Schüler die schrittweise Wiedereröffnung der Schulen positiv: 23 Prozent finden das sehr gut und 39 Prozent gut.

Den eigenen Eltern stellen die Kinder und Jugendlichen für die Zeit des Homeschooling ein gutes Zeugnis aus: 91 Prozent sagten, dass sie mit der Unterstützung durch ihre Eltern während dieser Zeit sehr zufrieden (40 Prozent) oder eher zufrieden (51 Prozent) waren.

Weil spricht mit Schülern über Abitur in Corona-Zeiten

Die Abiturprüfungen laufen in diesem Jahr wegen der Corona-Epidemie ganz anders ab als vorgesehen - mit betroffenen Schülern tauscht sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Donnerstag (11.00 Uhr) in Stadthagen aus. An der IGS Schaumburg will er mit den jungen Leuten unter anderem über die anstehenden Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen diskutieren. Die schriftlichen Prüfungen hatten Mitte Mai begonnen, inzwischen büffeln die Schüler noch für die mündlichen Fächer.

Bundespräsident Steinmeier hat viel Respekt für Schüler und Lehrer

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach eigenen Worten viel Respekt davor, wie Schüler, Eltern und Lehrer mit der Corona-Krise umgehen. Die vergangenen Wochen seien so etwas wie eine Belastungsprobe für sie gewesen. «Und das wird wahrscheinlich eine Weile lang noch so bleiben», sagte Steinmeier am Mittwochnachmittag beim Besuch der Hedwig-Dohm-Oberschule in Berlin-Moabit.

Dort traf sich das Staatsoberhaupt mit drei Schülern aus der 8., 9. und 10. Klasse sowie einem Lehrer zum Austausch über deren Erfahrungen mit dem Schulunterricht während der Corona-Pandemie.

«Ich habe insbesondere Respekt vor Alleinerziehenden, die nicht in der Lage sind, sich ihre Erziehungs- und Betreuungsaufgaben mit anderen in der Familie zu teilen», betonte der Bundespräsident. «Wir sind noch weit entfernt von der Normalität. Das schafft Stress, das schafft Unsicherheit und löst Fragen aus», sagte Steinmeier.

«Corona ist in erster Linie ein Risiko für die Gesundheit, aber natürlich auch ein Risiko gerade für die Schülerinnen und Schüler, die in besonderem Maße auf Unterstützung und Betreuung angewiesen sind», so der Bundespräsident, der daran erinnerte, dass nicht alle Jugendliche einen Laptop zu Hause hätten.

Er sei überzeugt, wenn demnächst erneut weitere Lockerungen erörtert würden. Dann dürften gerade Schulen und andere Bildungseinrichtungen nicht hintenanstehen. Er sei auch überzeugt, dass die Politik im Bund und in den Ländern auf diese Fragen in besonderem Maße achten werde.

Nach wochenlanger Schließung ab Mitte März findet an der Hedwig-Dohm-Oberschule inzwischen wieder Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler statt. Dabei kommen die 9. und 10. Klassen jeweils Montag bis Mittwoch und die 7. und 8. Klassen Donnerstag und Freitag in die Schule.

Elternverbände fordern Betreuung von Schülern in den Sommerferien

Bald sind Sommerferien - doch wie sollen Eltern nach den coronabedingten Schulschließungen auch noch diese sechs Wochen überbrücken? Verbände fordern ausreichend Betreuungsangebote, bei denen die Kinder zudem etwas lernen sollten.

Elternverbände fordern qualifizierte Betreuungsangebote für Schulkinder in den Sommerferien. Wegen der wochenlangen Schulschließungen in der Corona-Krise hätten Eltern häufig ihren Jahresurlaub aufgebraucht, gleichzeitig ende für zahlreiche Arbeitnehmer nun die Kurzarbeit. «Viele Familien sind in den Ferien auf Betreuungsangebote angewiesen, um ihren Job retten zu können», sagte die Vorsitzende der Landeselternkonferenz (LEK) NRW, Anke Staar, am Mittwoch. Zuvor hatte die «WAZ» berichtet.

«Urlaubskontingente sind aufgebraucht, Homeoffice und Kinderbetreuung sind nicht wirklich zu vereinbaren und die Großeltern müssen immer noch geschont werden», erklärte auch der Vorsitzende der Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW (LEiS), Ralf Radke. Deshalb müsse es während der gesamten Ferien Betreuungsangebote für Schüler bis zur achten Klasse sowie für alle Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf geben. «Andernfalls haben viele Eltern keine Chance, ihre Arbeitszeiten nachzuholen», meinte Radke.

Dem Schulministerium zufolge kann es an den Grundschulen Ferienangebote des Offenen Ganztags (OGS) geben, sofern diese bereits vorgesehen waren. Wo dies nicht in vollem Umfang möglich sei, plane das Ministerium ein entsprechendes Zusatzangebot, über das zeitnah informiert werde. «Darüber hinaus prüft das Schulministerium derzeit, unter welchen Voraussetzungen zum Beispiel Schülerinnen und Schülern mit besonderem Unterstützungsbedarf auch in den Sommerferien Bildungs- und Erziehungsangebote gemacht werden können.»

Die LEK-Vorsitzende Staar forderte «qualitativ hochwertige Bildungsangebote», bei denen etwa studentische Hilfskräfte oder freiwillige Lehrer eingesetzt werden könnten. Das Land müsse dafür finanzielle Mittel bereitstellen.

Aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist der Wunsch von Eltern nach pädagogischer Betreuung zwar verständlich. «Gleichwohl können das die Schulen nicht verantwortungsvoll stemmen, weil Schulleitungen und Lehrkräfte nach wochenlangem Corona-Stress die Ferien nicht nur für den eigenen Urlaub gebrauchen, sondern auch für die Planungen für das neue Schuljahr, das ja auch nicht normal anlaufen wird», teilte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern mit.

 

03.06.2020 12.30 Uhr

Umfrage: Mehrheit für normalen Schul- und Kitabetrieb nach den Ferien

Die Mehrheit der Bundesbürger ist einer Umfrage zufolge für die vollständige Öffnung von Schulen und Kitas nach den Sommerferien. 58 Prozent der Befragten sprachen sich in der Befragung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap für eine komplette Öffnung der Schulen und Kitas in Deutschland nach den Sommerferien aus, wie der SWR als Auftraggeber der Umfrage am Mittwoch in Mainz mitteilte. Rund ein Drittel der Befragten (34 Prozent) sagten dagegen, der Kita- und Schulbetrieb sollte weiterhin nur teilweise erfolgen. Drei Prozent der Teilnehmer bevorzugten eine Schließung der Schulen und Kindertageseinrichtungen.

In den ostdeutschen Bundesländern war der Wunsch nach uneingeschränkter Öffnung der Schulen und Kitas besonders ausgeprägt. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) plädierten dafür. In den westdeutschen Bundesländern war die Zustimmung deutlich geringer. (56 Prozent). Infratest dimap hat mehr als 1000 Menschen befragt.

Schülervertreter: an den Schulen geht es drunter und drüber

Schülervertreter fordern klarere Regeln für den Unterricht in Corona-Zeiten. Momentan gehe es an den Schulen drunter und drüber, sagte der Vorsitzende des Landesschülerbeirats, Leandro Cerqueira Karst, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Teilweise würden Schüler benotet, teilweise auch nicht. «Schüler und Lehrer fühlen sich etwas alleingelassen.» Zwar müssten Schulen gewisse Freiheiten haben, um je nach eigener Lage handeln zu können. Wenn die Situation wegen Corona aber andauere, müsse es Konzepte vom Kultusministerium geben.

Wenn nach den Sommerferien noch Lernen zu Hause über moderne Medien nötig sei, müsse man sich auch Gedanken über die Bewertung der Leistungen machen. Alle Schüler bräuchten dafür allerdings die nötige technische Ausstattung, sagte Cerqueira Karst. Er pflichtete damit im Grundsatz dem Grünen-Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz bei, der klare Regeln für das Lernen zu Hause in Corona-Zeiten gefordert hat. «Wenn das Klassenzimmer ins Netz verlegt wird, müssen dieselben Regeln gelten wie in der Schule», sagte Schwarz. Bislang gibt es für die seit Wochen anhaltenden Heimlernphasen der Schüler keine Noten.

Digitalisierung der Schulen: Bildungsgewerkschaft macht Druck

Bei der Ausstattung der Schulen mit Tablets, Laptops und digitaler Infrastruktur muss nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft deutlich mehr passieren. Die Gewerkschaft präsentierte am Mittwoch die Ergebnisse einer Lehrerbefragung, die kurz vor der Corona-Krise gemacht wurde. Demnach nutzen neun von zehn Pädagogen ihre privaten Geräte für dienstliche Zwecke. Digitalisierung dürfe keine Privatsache sein, sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann anlässlich der Vorstellung der Studienergebnisse.

Die Gewerkschaft kritisierte konkret eine Regelung im «Digitalpakt Schule», wonach für mobile Geräte wie Tablets oder Laptops nur ein Fünftel der Fördermittel oder 25 000 Euro pro Schule ausgegeben werden dürfen und forderte zudem, dass die Mittel aus dem Digitalpakt deutlich auf 20 Milliarden Euro erhöht werden. Über das Förderprogramm stellt der Bund den Schulen fünf Milliarden Euro für Investitionen in digitale Tafeln (Smartboards), Schul-WLAN, Online-Lernplattformen und mobile Geräte zur Verfügung. Von den Ländern kommen insgesamt weitere 500 Millionen dazu.

Das Programm läuft seit gut einem Jahr. Die Mehrheit der Lehrkräfte (59 Prozent) gab in der Befragung an, dass ihre Schule inzwischen Mittel aus dem Digitalpakt für Investitionen eingeplant hat oder diese bereits beantragt oder bewilligt wurden. 93 Prozent der Befragten verwenden grundsätzlich digitale Medien wie Beamer, Smartboards, Computer oder Tablets im Unterricht. Die Mehrheit der Lehrer (58 Prozent) hat in den letzten zwei Jahren an Fortbildungen zu Digitalisierungsthemen teilgenommen. Nur jeder Fünfte ist aber der Meinung, dass in dem Bereich ausreichend Fortbildungen angeboten werden. 42 Prozent sind nicht dieser Ansicht.

Schulschließungen könnten sich in Pisa-Studie niederschlagen

Die wochenlangen Schulschließungen und der weiterhin nur eingeschränkte Schulbetrieb könnten sich nach Ansicht von OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher auch in den nächsten Pisa-Testergebnissen niederschlagen. Es sei gut möglich, dass die «sozialen Disparitäten» in späteren Pisa-Vergleichen weiter zunähmen, sagte Schleicher der Deutschen Presse-Agentur.

Die Veröffentlichung der letzten Pisa-Ergebnisse vor einem halben Jahr, am 3. Dezember, hatte den Zusammenhang, wonach Schulerfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängt, erneut bestätigt. Schleicher schließt nun nicht aus, dass sich dieser Effekt verstärken könnte. Kinder aus wohlhabenden Familien kämen oft mit Schulschließungen zurecht. «Kinder aus ungünstigem sozialem Umfeld haben dagegen meist nur eine einzige wirkliche Chance im Leben, das sind gute Lehrer und eine leistungsfähige Schule.» Ihnen fehle der Zugang zu guten Angeboten zum Online-Lernen und manchmal auch ein Platz um zu Hause in Ruhe zu lernen.

Die Ausnahmesituation an den Schulen könnte nach Angaben des Bildungsexperten auch Auswirkungen auf das spätere Erwerbsleben der Schüler haben. «Letztlich können sie ein verlorenes Schuljahr mit sieben bis zehn Prozent verlorenem Lebenseinkommen gleichsetzen», sagte er. Wegen der Corona-Krise waren Schulen in Deutschland wochenlang geschlossen und sind jetzt nur in einem eingeschränkten Schichtbetrieb geöffnet.

Die Pisa-Studie ist die größte internationale Schulleistungsvergleichsstudie. Die Federführung hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Seit dem Jahr 2000 werden dafür alle drei Jahre weltweit Hunderttausende Schüler im Alter von 15 Jahren in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet.

In einer Schaltkonferenz berieten die Kultusminister der Länder am Dienstagabend über das weitere Vorgehen nach den Sommerferien. Konkrete Pläne wurden noch nicht vereinbart. Alle Länder eine aber das Ziel, im neuen Schuljahr möglichst wieder einen Regelbetrieb an den Schulen anzubieten, hieß es nach dem Gespräch aus Teilnehmerkreisen. Das sei jedoch abhängig vom weiteren Infektionsgeschehen.

 

02.06.2020 14.15 Uhr

Kultusminister beraten über Vorgehen im neuen Schuljahr

Die Kultusminister der Länder beraten an diesem Dienstagabend in einer Schaltkonferenz über das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Sommerferien. Nach Angaben eines Sprechers der Kultusministerkonferenz (KMK) sind aber keine konkreten Beschlüsse zu erwarten. Das Gespräch diene der Vorbereitung des nächsten offiziellen Termins der Kultusminister am 18. und 19. Juni.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete zuvor über ein ihr vorliegendes Rahmenkonzept der KMK mit konkreten Planungen für das nächste Schuljahr. Alle Länder wollen demnach so rasch wie möglich zu einem regulären Schulbetrieb nach geltendem Stundenplan zurückkehren.

In dem Konzept werden aber auch Szenarien entworfen für den Fall, dass bis dahin weiterhin die strengen Abstands- und Hygieneregeln gelten. Dann werde es auch weiterhin einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht geben. Prüfungsanforderungen würden einem reduzierten Stundenplan angepasst und Sport fiele weitgehend aus. Nur unbedingt erforderliche Leistungsnachweise sollten möglichst unter freiem Himmel erbracht werden.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus KMK-Kreisen erfuhr, handelt es sich dabei nicht um ein fertiges Konzept, sondern um eine erste Diskussionsgrundlage der Länder. Ob «normaler» Unterricht oder weiterhin ein «Schichtbetrieb» nach den Sommerferien stattfinde, hänge entscheidend vom Infektionsgeschehen ab, von den Bewertungen der zuständigen Gesundheitsbehörden und davon, inwieweit die strengen Hygiene- und Abstandsregeln weiter in Kraft blieben.

Vertreter mehrerer Bundesländer hatten bereits angekündigt, dass sie nach den Sommerferien wieder einen Normalbetrieb an den Schulen anstreben. Schon vor den Ferien wollen einige zumindest an den Grundschulen auch wieder volle Klassen unterrichten und dabei auf die Abstandsregeln verzichten. Schulpolitik ist in Deutschland Ländersache. In der KMK versuchen die Länder aber, sich auf grobe Leitlinien zu verständigen.

SPD fordert Konzepte für Schulunterricht nach den Sommerferien

Die oppositionelle SPD fordert vom Kultusministerium Konzepte für den Schulunterricht nach den Sommerferien unter den Bedingungen der Coronakrise. «Wir wollen einen Schulbetrieb, der so gut funktioniert, wie es unter Infektionsgesichtspunkten nur irgendwie geht, und zwar verantwortbar», sagte SPD-Landtagsfraktionschef Andreas Stoch am Dienstag in Stuttgart. «Wir können das Ganze nicht weitertreiben lassen und im nächsten Schuljahr wieder quasi nur auf Sicht fahren.» Stoch warf Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vor, sich weniger den fachlichen Notwendigkeiten zu widmen, sondern vor allem parteipolitisch als Spitzenkandidatin der CDU zur Landtagswahl 2021 zu handeln. «Das halten wir für nicht verantwortbar.»

Eltern klagen am OVG auf Aufnahme von durchgängigem Präsenzunterricht

Am Oberverwaltungsgericht des Landes Nordrhein-Westfalen sind mehrere Klagen von Eltern auf durchgängigen Präsenzunterricht in den Schulen anhängig. Die Kläger richten sich damit gegen die Coronabetreuungsverordnung, wie das OVG am Dienstag in Münster auf Anfrage mitteilte. Eine Familie mit vier Kindern aus Euskirchen verweist auf das in der Verfassung festgeschriebene Recht auf Bildung. Der Unterricht über Datenplattformen oder per Email führe bestenfalls zur Erhaltung der vorhandenen Kenntnisse, wie die Rechtsanwälte schriftlich zur Begründung mitteilten. Die Coronabetreuungsverordnung vom 20. Mai sei unverhältnismäßig.

Eine Familie aus Köln mit zwei Kindern hat ebenfalls Klage eingereicht. Nach Angaben des OVG wird eine Entscheidung frühestens in der kommende Woche fallen. In dieser Woche will das OVG nach Angaben einer Sprecherin Entscheidungen zu einem Quarantäne-Fall und zu einer Forderung nach unbeschränktem Kontaktsport verkünden.

Kinderhilfswerk und Schüler fordern Beteiligung an Schulplanung

Die Schüler sollten nach Ansicht des Deutschen Kinderhilfswerks und der Bundesschülerkonferenz aktiv in die Planungen für das nächste Schuljahr eingebunden werden. Gerade jetzt in der Krisensituation brauche man die Expertise der Schülerinnen und Schüler bei der sie betreffenden Öffnung der Schulen, sagte Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes am Dienstag in einer gemeinsamen Mitteilung. Erwachsene sollten nicht so tun, als seien sie stets allwissend. «Als direkt Betroffene der Maßnahmen bekommen wir die Auswirkungen im Schulalltag deutlich zu spüren. Evaluationen und Verbesserungen der Konzepte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern durchzuführen und abzustimmen ist daher wichtiger denn je», sagte Jan Zinal von der Bundesschülerkonferenz.

Momentan findet in den meisten Schulen eine Art Schichtbetrieb statt. Vertreter mehrerer Bundesländer hatten aber bereits angekündigt, dass sie nach den Sommerferien wieder einen Normalbetrieb an den Schulen anstreben. Die Frage ist, inwieweit dann noch Abstandsregeln eingehalten werden können. Diskutiert wurde in dem Zusammenhang auch darüber, ob Container aufgestellt oder weitere Gebäude angemietet werden könnten, um mehr Platz für den Schulbetrieb zu schaffen.

Corona macht Abi-Feiern einen Strich durch die Rechnung

Abendkleider, Hochsteckfrisuren, Anzug und Krawatte: Zum Abiball machen sich die Zwölftklässler normalerweise richtig schick. In diesem Jahr sind viele der Feste Corona zum Opfer gefallen.

Bei den Abiturfeiern müssen die Thüringer Gymnasien wegen der Coronapandemie in diesem Jahr improvisieren. Die üblichen Feste gemeinsam mit Eltern und Familien sind wegen der Hygienevorschriften voraussichtlich nicht möglich. Einen angemessenen Rahmen zu finden, sei daher eine Herausforderung, sagte Roul Rommeiß, Vorsitzender der Thüringer Landeselternvertretung, der Deutschen Presse-Agentur. «Das bestandene Abitur ist ein wichtiger Tag im Leben, der auch nicht einfach nachholbar ist.» Nach so vielen Jahren Schule hätten die Schüler trotz Corona die Zeugnisübergabe in einem würdigen Rahmen verdient.

Bereits ausgefallen sind an fast allen Schulen die Themenwochen am Ende des letzten, verkürzten Schulhalbjahres, in der die Abiturienten verkleidet in die Schule kommen und allerlei Streiche aushecken. «Zu dieser Zeit waren ja außer den Abiturjahrgängen alle anderen Schüler noch Zuhause, das war für viele schon eine Enttäuschung», sagt die Landesschülervertreterin Selma Konrad. «Durch das Fehlen solcher Traditionen hat es sich gar nicht richtig nach dem letztem Schultag angefühlt, alles war ein bisschen unwirklich.» Die meisten Schüler hätten aber Verständnis für die Maßnahmen. Umso wichtiger sei nun die Zeugnisübergabe in einem angemessenen Rahmen. «So können alle wenigstens kurz noch einmal zusammenkommen und vielleicht zumindest ein gemeinsames Abschlussfoto machen.»

Auch hinter den meist in Privatregie veranstalteten Abibällen steht nun ein großes Fragezeichen. Wenn überhaupt, kommen nur abgespeckte Feiern infrage. In vielen Fällen wurden diese dem Elternsprecher und verschiedenen Schulleitern zufolge aber bereits gestrichen. «Etwaige Stornokosten für ausfallende Veranstaltungen bleiben unter Umständen an den Eltern als Veranstalter hängen - es wäre daher wünschenswert, wenn die Landesregierung da finanziell aushelfen könnte», sagte Rommeiß.

Bei der Zeugnisausgabe suchen die Schulen nach Lösungen. «Zumindest die ursprünglich geplanten Termine für die Zeugnisausgabe können in fast allen Schulen eingehalten werden», sagte Rommeiß. Feste Pläne, wie dieser Tag gestaltet wird, gibt es aufgrund der unsicheren Situation aber kaum. An der Jenaplanschule in Jena sollen die Eltern familienweise an den Fenstern des Schulgebäudes stehen, um die Zeugnisübergabe im Hof verfolgen zu können. «Wir können das anbieten, weil wir nur etwa 20 Abiturienten haben - andere Schulen werden das so nicht hinbekommen», sagte Schulleiter Frank Ahrens.

Am staatlichen Gymnasium «Marie Curie» in Leinefelde-Worbis werden Schulleiter Bernd Schüler zufolge derzeit mehrere Varianten für die 82 Schüler und ihre Angehörigen geplant. «Sicher ist nur, dass es in diesem Jahr nicht sein wird wie normalerweise - aber dass wir die Übergabe so ansprechend wie möglich gestalten wollen. Diese Form der Ehrerbietung haben die Schüler verdient.» Auch am Tilesius-Gymnasium in Mühlhausen wird die endgültige Entscheidung für die Zeugnisausgabe vermutlich erst eine Woche vorher fallen, erklärt Schulleiter Udo Penßler-Beyer. Immerhin kämen bei 80 Schülern und deren Angehörigen schnell 400 Personen zusammen. «Da ist alles noch offen, aber wir müssen uns etwas einfallen lassen, diesen Tag entsprechend zu würdigen.»

Am Heinrich-Mann-Gymnasium in Erfurt werden die Zeugnisse nicht wie üblich während des Abiballs übergeben, sondern nur mit den 63 Abiturienten ohne Eltern an der Schule. «Wir wollen das so sicher wie möglich machen und keine unnötigen Risiken eingehen. Die Schule geht danach ja weiter», sagt Schulleiterin Christiana Berke.

Flexibilität und Einfallsreichtum werden die Schulen dann noch einmal nach den Sommerferien beweisen müssen, wenn für die frischgebackenen Erstklässler der erste Schultag ansteht. «Bei uns führen an diesem Tag normalerweise alle Lehrer gemeinsam ein Märchen auf», erklärt Ahrens. Es sei zu hoffen, dass diese Tradition auch in diesem Jahr nicht ausfallen müsse. «Es ist schwer zu sagen, wie sich das Geschehen bis dahin entwickelt - aber auch das wird eine Herausforderung für die Schulen, diesen wichtigen Tag im Leben der Kinder so gut wie möglich zu gestalten», sagte Rommeiß.

Kultusminister erteilt Schul-Abschlussfeiern eine klare Absage

Zehntausende Schüler in Niedersachsen haben in den vergangenen Wochen unter Corona-Bedingungen ihre Abschlussklausuren geschrieben. Nun erteilt der Kultusminister Abschlussfeiern und Abibällen eine klare Absage. Doch er hat einen Vorschlag.

Die schriftlichen Prüfungen sind geschafft, in dieser Woche beginnen für die rund 11 500 Abiturienten in Niedersachsen die mündlichen Prüfungen - doch Abschlussfeiern und Abibälle wird es in diesem Jahr nicht geben. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat jetzt für alle Entlassungsfeiern eine klare Absage erteilt. «Für die Schulabgänger und die Familien tut mir das sehr leid, weil diese Veranstaltungen häufig das Highlight der Schulzeit sind», sagte Tonne der Nachrichtenagentur dpa.

Solche Feste mit Hunderten Menschen fielen unter das bis Ende August geltende Veranstaltungsverbot. «Die Feiern können gegebenenfalls nachgeholt werden - das würde mich sehr freuen, auch wenn es natürlich nicht dasselbe ist», sagte Tonne.

Andere Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen wollen Schülern zumindest eine feierliche Übergabe von Abschlusszeugnissen im Beisein ihrer Eltern ermöglichen. In welchem Rahmen und mit welchen Auflagen genau dies in NRW geschehen soll, steht noch nicht fest.

Für Niedersachsen sagte Kultusminister Tonne: «Abschlussfeiern und Abibälle können in diesem Jahr leider nicht stattfinden.» Wegen der Rückkehr der Gymnasien zum Abi nach 13 Schuljahren gibt es in diesem Jahr deutlich weniger Abiturienten in Niedersachsen als sonst. Außerdem macht ein Teil der rund 60 000 Schüler der Jahrgänge 9 und 10 an Ober-, Gesamt-, Real- und Hauptschulen Abschlussprüfungen.

Niedersachsen arbeite an einem Konzept, um Einschulungsfeiern für die kommenden Erstklässler zu ermöglichen, sagte Tonne. Die Sommerferien gehen Ende August zu Ende - der reguläre Unterricht für die Erstklässler würde nach bisherigem Stand am 31.8. beginnen. «Ich halte dieses emotionale Willkommenheißen für sehr wichtig, damit die Kinder einen guten Schulstart haben», sagte Tonne. «Es ist aber klar, dass auch hier der Infektionsschutz gewährleistet sein muss.»

Schulen und Kitas öffnen wieder für alle

In Sachsen-Anhalt sind Schulen und Kitas wieder für alle Kinder und Jugendliche geöffnet. Elf Wochen nach der verordneten Schließung werden von Dienstag an zunächst alle Schülerinnen und Schüler im sogenannten Wechselmodell unterrichtet. Dabei werden die Klassen in kleinere Gruppen geteilt und lernen im täglichen oder wöchentlichen Wechsel im Klassenzimmer oder mit Aufgaben zuhause. So soll der Mindestabstand garantiert werden.

Zwischen dem 8. und dem 15. Juni sollen dann alle Grundschüler zum täglichen Unterricht zurückkehren. Dabei wird die Klasse nicht mehr geteilt. Weil dann der Mindestabstand nicht immer gegeben ist, sollen die Klassen strikt voneinander getrennt und immer von der gleichen Lehrkraft unterrichtet werden. Auch an den Kitas und den Horten wird dieses Modell fester Gruppen mit einem zugeordneten Betreuerteam umgesetzt. Es gilt von Dienstag an und erlaubt erstmals seit 16. März allen Kindern wieder, in die Kita zurückzukehren.

Damit endet in Sachsen-Anhalt das wochenlange Prinzip der Notbetreuung, bei denen Kinder nur in Kita oder Schule gehen durften, wenn ihre Eltern in definierten unverzichtbaren Berufen arbeiteten.

Schulen und Kitas gehörten zu den ersten Einrichtungen, die Mitte März geschlossen wurden, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Auch zahlreiche andere Bereiche des öffentlichen Lebens waren betroffen. Wegen der geringen Zahl an neuen Infektionsfällen werden die Beschränkungen schrittweise aufgehoben.

 

01.06.2020 17.00 Uhr

Ministerin: 88 000 Abiturienten haben schriftliche Prüfungen abgelegt

Laut NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer sind die wegen der Corona-Krise um drei Wochen verschobenen schriftlichen Abiturprüfungen reibungslos verlaufen. «Die Schulen haben alles dafür getan, damit die Schülerinnen und Schüler sich auf das Wesentliche konzentrieren können und ihren Fokus ganz auf ihre Abiturprüfungen legen können», sagte die FDP-Politikerin laut einer Mitteilung vom Pfingstmontag. «Überall in Nordrhein-Westfalen konnten die schriftlichen Prüfungen in allen Unterrichtsfächern regulär und sicher durchgeführt werden.» Mögliche Nachfragen hätten stets mit Unterstützung der Schulaufsicht und den örtlichen Behörden geklärt werden können.

Insgesamt haben den Angaben zufolge etwa 88 000 Schüler und Schülerinnen der verschiedenen Schulformen wie geplant und mit Abstands- und Hygienemaßnahmen die schriftlichen Prüfungen des Zentralabiturs bis zum 26. Mai abgelegt. An vielen Schulen habe es bereits mündliche Prüfungen gegeben. Bis zum 9. Juni seien noch Nachholtermine für die schriftlichen Prüfungen angesetzt. Der letztmögliche Termin für die Zeugnisausgabe ist der 27. Juni.

Vergangene Woche hatte Gebauer angekündigt, den Zehntausenden Abiturienten und Absolventen anderer Schulen trotz der Corona-Krise die feierliche Übergabe von Abschlusszeugnissen im Beisein ihrer Eltern zu ermöglichen. Das Land wolle dafür die rechtlichen Regelungen schaffen, dass Abschlussveranstaltungen wie Zeugnisübergaben unter Einhaltung der Infektions- und Hygieneregeln ermöglicht würden. Für Abibälle soll die Sonderregelung aber ausdrücklich nicht gelten.

Präsenzunterricht für Alle - Kinder kehren an die Schulbank zurück

Die Corona-Pandemie bedeutet für viele Schulen und Kindergärten eine Ausnahmesituation. Ab spätestens Dienstag sollen aber auch die letzten Kinder und Jugendliche an die Schulbänke zurückkehren - zumindest tageweise.

Nach den flächendeckenden Schließungen von Schulen kehren spätestens ab Dienstag auch die letzten Kinder und Jugendlichen wieder zurück in ihre Klassenzimmer. Allerdings sehen die bisherigen Pläne der Landesregierung vor, dass bis zum Ende des Schuljahres noch nicht alle Schulen wieder in einen Regelbetrieb mit fünf Tagen Präsenzunterricht für alle Schüler wechseln. Wohl auch längst nicht alle Lehrer werden bis zum Start der Sommerferien wieder an den Schulen unterrichten. Mehr als 20 Prozent von ihnen gehören einer Risikogruppe an - wegen Vorerkrankungen oder weil sie älter als 60 Jahre alt sind, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums mitteilte.

Ihnen steht es frei, in die Schulen zu kommen oder nicht. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte zwar die Hoffnung ausgedrückt, dass gerade ältere Lehrer freiwillig trotz Corona-Pandemie in den Schulen unterrichten. Doch wie viele dieser Lehrer dieser Hoffnung entsprechen, ist unklar.

Nach den Vorstellungen der Thüringer Landesregierung sollen sich Lehrer und Erzieher schon bald regelmäßig darauf testen lassen können, ob sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte dies als Voraussetzung genannt, um ab dem nächsten Schuljahr wieder einen Regelbetrieb in Kindergärten und an Schulen einführen zu können. Derzeit läuft zum Beispiel an Thüringer Grundschulen noch eine Notbetreuung.

Dagegen können in Sachsen bereits alle Grundschüler wieder in die Schule. Im Nachbarbundesland werden Kindergartenkinder in größeren Gruppen betreut und Grundschüler lernen in Klassen mit der üblichen Größe. Allerdings gilt eine strenge Trennung zwischen den Gruppen und Klassen. Außerdem sollen die Gruppen nicht von wechselnden Pädagogen betreut oder unterrichtet werden, sondern möglichst von fest dafür vorgesehenen Erzieherinnen und Lehrern.

Nach dpa-Informationen wird derzeit auch in Thüringen geprüft, ob man Unterricht und Betreuung nach dem sächsischen Modell gestaltet. Nach Angaben der Thüringer Staatskanzlei werde «intensiv geprüft», «ob und wie der eingeschränkte Regelbetrieb an Kindergärten weiter ausgeweitet werden kann, damit mehr Kinder täglich in die Kindergärten gehen können».

Zwei Neuinfektionen an Thüringer Schulen

An Schulen in Suhl und in Worbis (Kreis Eichsfeld) sind neue Corona-Infektionen nachgewiesen worden. So habe sich eine Lehrkraft an der Regelschule Worbis mit dem Virus angesteckt, teilte das Landratsamt am Sonntag mit. Schüler, die von ihr in der vergangenen Woche mehr als eine Stunde unterrichtet worden seien, müssten in Quarantäne. Zudem würden alle Lehrer und Schüler der betroffenen Klassen am Pfingstmontag getestet.

Auch die Stadt Suhl meldete am Sonntag eine zweite Corona-Infektion an einer Grundschule. Dort sei ein weiteres Kind positiv auf das Virus getestet worden, hieß es. Das Gesundheitsamt stehe in Kontakt mit den Eltern, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Insgesamt seien 22 Personen getestet worden, alle anderen Ergebnisse seien negativ ausgefallen.

Viele Eltern wünschen die Rückkehr zum Schulalltag - aber nicht alle

Unterricht in Klassenstärke wie vor der Corona-Krise? Viele Berliner Eltern finden das gut. Es gibt aber auch Argumente dagegen und Skepsis, wie es nach den Sommerferien weitergeht.

Eltern von Schulkindern in Berlin sind geteilter Ansicht über die schnelle Rückkehr zum gewohnten Unterricht. Mehrere Bundesländer haben in den vergangenen Tagen angekündigt, dass die Schüler zumindest an Grundschulen bald nicht mehr getrennt, sondern wieder in voller Klassenstärke unterrichtet werden sollen. Das sei auch aus Sicht vieler Eltern in Berlin richtig, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, der Deutschen Presse-Agentur. «Und gefühlt werden es mehr.»

Nach wochenlangem Homeschooling und eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten sei der Wunsch oft groß, wieder zum Schulalltag zurückzukehren. «Oft bauen auch die Arbeitgeber Druck auf, die ihre Angestellten wieder zurück am Arbeitsplatz haben wollen», sagte Heise. In vielen Familien sei inzwischen außerdem das Urlaubspensum der Eltern weitgehend aufgebraucht. «An manchen Schulen gibt es am Tag nur drei Stunden Unterricht, das macht das Arbeiten für die Eltern nicht planbar.»

Auf der anderen Seite gebe es aber auch Eltern, die sich Sorgen machten und darauf hinwiesen, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei, sagte Heise. «Und es gab ja auch schon Virusinfektionen in Schulen.»

Zu berücksichtigen sei auch, dass in Berlin die Sommerferien schon am 25. Juni beginnen, im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern eher früh. Unterricht nach dem aktuellen Modell aus Corona-Pandemie-Zeiten gibt es zunächst nur noch vier Wochen lang.

Wichtig aus Sicht der Landeselternvertreter ist vor allem die Frage, wie es nach den Sommerferien weitergeht: Wenn Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten im Sommer zurückgehe, biete das die Chance, mehr Präsenzunterricht oder auch Normalbetrieb zu ermöglichen, sagte Heise. «Wenn die Fallzahlen ansteigen, kann man nur in dem Modell weiterarbeiten, das wir haben.» Die Bildungsverwaltung müsse in jedem Fall mit verschiedenen Szenarien planen.

Unterricht, der tatsächlich in der Schule und mit Begleitung durch erfahrene Lehrkräfte stattfindet, sei nach den Ferien gerade für die Jüngsten wichtig so der Landeselternvorsitzende. Die Erst- und Zweitklässler, die Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, seien darauf angewiesen.

«Wir hoffen, dass sich die Senatsverwaltung in ihren konzeptionellen Plänen rechtzeitig zu Wort meldet», sagte Heise. Und dass sie die Erfahrungen aufgreift, die die Schulen in den vergangenen Wochen und Monaten gemacht haben: «Wenn es ein Gutes in Anführungszeichen an der Pandemie gibt, dann ist es der große Schub bei der Digitalisierung», sagte Heise. «Man kann nur hoffen, dass im nächsten Schuljahr nicht gesagt wird, jetzt haben wir das alles mal ausprobiert, und es war in Ordnung, aber wir arbeiten jetzt wieder weiter, wie wir es gewohnt sind.»

Weitere Klassen kehren an die Schulen zurück

Nach den Pfingstferien kehrt für weitere Schüler in Niedersachsen wieder ein Stück Normalität ein. Vom 3. Juni an haben die zweiten, siebten und achten Klassen wieder Unterricht an den Schulen. Knapp zwei Wochen später, vom 15. Juni an, geht der Unterricht laut Kultusministerium auch für Erst-, Fünft- und Sechstklässler wieder los, sodass alle Jahrgänge zurück an den Schulen sind.

Die nächste Stufe weitreichender Lockerungen ist in Niedersachsen vorläufig für den 8. Juni geplant. Bis dahin soll unter anderem die Schließung von Theatern, Opernhäusern und Kinos neu bewertet werden. Auch die Regel, wonach sich in der Öffentlichkeit die Angehörigen von maximal zwei Haushalten treffen dürfen, kommt auf den Prüfstand. Außerdem ist eine erneute Ausweitung des Übernachtungstourismus vorgesehen. Bisher dürfen Hotels nur 60 Prozent der Plätze vergeben, für Ferienwohnungen gilt eine Wiederbelegungsfrist von sieben Tagen.

Eltern und Lehrer sehen täglichen Unterricht an Grundschulen kritisch

Eltern- und Lehrervertreter sehen die Rückkehr zum täglichen Unterricht an Grundschulen in Sachsen-Anhalt kritisch. Sie hätten es vorgezogen, an den Grundschulen wie in allen anderen Schulformen das Wechselmodell weiterzufahren, sagte die Landeschefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Eva Gerth. Nur in diesem Modell seien größere Abstände gewährleistet. Es sei problematisch, dass bei der Kitabetreuung und an den Grundschulen jetzt der sonst so stark eingeforderte Mindestabstand nicht mehr wichtig sein solle, sagte auch der Chef des Landeselternrats Matthias Rose.

Von Dienstag an können wieder alle Kinder und Jugendlichen Kitas, Schulen und Horte besuchen. Damit endet das Prinzip der Notbetreuung. Die Einrichtungen waren Mitte März geschlossen worden, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen.

Zum Start werden an den Schulen alle Jahrgänge im sogenannten Wechselmodell unterrichtet. Dabei werden die Klassen in mehrere kleinere Gruppen geteilt, die abwechselnd in der Schule und zuhause lernen. Vom 8. Juni an soll der Unterricht an den Grundschulen umgestellt werden und die Kinder täglich in voller Klassenstärke zusammen lernen. Der Mindestabstand gilt nicht. im Gegenzug sollen die Klassen immer von der gleichen Lehrkraft unterrichtet und auf dem Schulgelände von anderen Gruppen getrennt werden.

Senatorin Prüfer-Storcks sieht Schulschließung rückblickend anders

Hamburgs scheidende Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sieht die Entscheidung zur Schul- und Kitaschließung im Rückblick anders. Ob es notwendig gewesen sei, die Kitas und Schulen zu schließen, darüber würden sich noch heute die Wissenschaftler streiten. «Hätten sie (die Wissenschaftler) damals nicht gesagt, dass Kinder und Jugendliche die Krankheit stärker übertragen als Erwachsene, dann hätten wir vielleicht anders entschieden und Schulen wie Kitas offengelassen oder schneller wieder geöffnet. Aber auch die Wissenschaftler brauchten Zeit, um die neue Krankheit zu erforschen», sagte Prüfer-Storcks der «Welt am Sonntag» (Regionalausgabe Hamburg).

Mit den bisherigen Maßnahmen zeigt sich Prüfer-Storcks zufrieden. «Momentan kann man sagen: Die Pandemie flacht ab, wir haben mit unseren Maßnahmen viel erreicht und vieles richtig gemacht.»

Zugleich hält sie eine zweite Infektionswelle im Herbst nicht für unwahrscheinlich: «Corona wird nicht einfach so verschwinden, das Virus ist noch da.» Unklar sei, ob für das derzeitige Abflachen der Pandemie in Deutschland nur die ergriffenen Maßnahmen und die Disziplin der deutschen Bevölkerung verantwortlich gewesen sei oder ob es bei Covid-19 doch saisonale Schwankungen wie bei der Grippe gebe. «Wir wissen es nicht. Deshalb darf man sich nicht in falscher Sicherheit wiegen», sagte sie der Zeitung. «Gefährlich wäre es, wenn wir im Herbst die saisonale Grippe hätten und diese sich mit einer zweiten Corona-Welle paaren würde.» Deshalb setze sie sich dafür ein, dass für den Herbst eine sehr umfangreiche Grippe-Impfstrategie entwickelt werde, die über das hinausgehe, was die Ständige Impfkommission bisher empfiehlt.

Prüfer-Storcks hatte Ende Februar verkündet, sie werde in den Ruhestand gehen - kurz darauf musste sie für Hamburg den ersten Corona-Fall vermelden und war seitdem im Dauereinsatz.

 

30.05.2020 17:30 Uhr

Infektionsmediziner: Schule ohne Abstandsregeln jetzt vertretbar

Die Wiedereinführung von Schulunterricht ohne Abstandsregeln in der Corona-Krise ist nach Auffassung des Kieler Infektionsmediziners Helmut Fickenscher gerade vor den Sommerferien ein guter Zeitpunkt. «Die bisher erfolgreiche Eindämmung des Virus macht dies vertretbar und man kann in den wenigen Wochen bis zu den Ferien Erfahrungen sammeln, bei Gefahrensituationen gegensteuern und hat die langen Ferien als zeitlichen Sicherheitspuffer» sagte Fickenscher der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist besser, als nach den Ferien ohne eine solche Erprobungsphase ins neue Schuljahr ohne Abstandsregeln zu starten und dann möglicherweise in schwierige Situationen zu kommen.»

Fickenscher ist Direktor des Instituts für Infektionsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten.

In Schleswig-Holstein sollen vom 8. Juni an alle Grundschüler wieder in ihren Klassen ohne Abstandsregeln unterrichtet werden. Noch vor den dort am 29. Juni beginnenden Sommerferien sollen zudem alle Schüler aller Schularten zumindest tageweise zusammen kommen. Ab Mitte Juni peilt auch Sachsen-Anhalt für Grundschüler einen Betrieb in voller Klassenstärke an. In Baden-Württemberg ist das ab Ende Juni geplant.

Die Frage, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Virus spielen, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine kleinere Studie des Berliner Virologen Christian Drosten von der Charité hatte Hinweise darauf gegeben, dass sie genau wie Erwachsene das Virus weitergeben können. Andere Forscher haben gefunden, dass Kinder ein geringeres Ansteckungsrisiko haben.

Zu Beginn der sich rasch ausbreitenden Pandemie sei es richtig gewesen, «so vorsichtig wie möglich zu sein», sagte der Experte. Mit den niedrigen Zahlen an Neuinfektionen habe sich die Situation geändert. Es gehe jetzt um die Abwägung der Verhältnismäßigkeit von Einschränkungen und Risiken. «Wir haben in den vergangenen Wochen eine ganze Menge an Lockerungen erlebt und sind damit bisher überraschend gut gefahren.»

Jugendherbergen in MV in ihrer Existenz bedroht

Jugend- und Gruppenreisen sind das Kerngeschäft des Deutschen Jugendherbergswerks. Doch dieser Markt ist wegen der Corona-Krise vollkommen weggebrochen.

Mit einem schwarzen Sarg auf einem Auto macht das Deutsche Jugendherbergswerk Mecklenburg-Vorpommern derzeit auf die existenzbedrohende Lage aufmerksam. «Das Überleben unserer Struktur steht in den Sternen», sagte der Vorstand des DJH-Landesverbands Kai-Michael Stybel der Deutschen Presse-Agentur. Schulfahrten seien untersagt, viele Vereine hätten eigene Existenzsorgen zu überstehen und denken vorerst nicht ans Reisen. «Über 50 Prozent unseres Jahresgeschäfts ist weitreichenden Stornierungen sind der Krise zum Opfer gefallen.» So seien im Zusammenhang mit der Corona-Krise bereits mehr als 170 000 Übernachtungen storniert worden.

Über die Pfingstfeiertage werde der DJH allerdings drei der 14 Häuser für Besucher öffnen. Dabei handele es sich um die Standorte Prora, Warnemünde und Heringsdorf.

Gleichzeitig erlebe das Jugendherbergswerk in diesen Wochen der Corona-Krise eine sehr große Solidarität aus den Reihen der Partner im Bereich der Jugendverbände, Schulen, Eltern- und Schülerräte, sagte Stybel. «Alle betonen die Unverzichtbarkeit der Jugendherbergen. Daran zweifeln auch wir nicht.»

Lockerung der Corona-Regeln - der aktuelle Stand in den Bundesländern

Die Bundesländer können im Kampf gegen die Corona-Pandemie über die schrittweise Öffnung des öffentlichen Lebens weitgehend in eigener Verantwortung entscheiden. Zum Pfingstwochenende sind in einigen Ländern wieder mehr Dinge erlaubt und auch nach den Feiertagen geht es mit vielen Neuerungen weiter. Hier der aktuelle Stand der Lockerungen in den Ländern bei ausgewählten Lebensbereichen.

Wichtig: Die Lockerungen erfolgen in aller Regel unter Auflagen wie Abstands- und Hygienebestimmungen. Zudem gilt weiterhin die bundesweite Maskenpflicht in Handel und Nahverkehr.

Schulen und Kitas

BADEN-WÜRTTEMBERG: Mitte Juni sollen alle Schüler zumindest zeitweise wieder Präsenzunterricht erhalten. Die Kitas sollen spätestens Ende Juni wieder vollständig öffnen. Bisher dürfen höchstens 50 Prozent der Kinder, die normalerweise die Einrichtung besuchen, gleichzeitig dort betreut werden.

BAYERN: Laut Kultusministerium ist rund die Hälfte aller Jahrgänge wieder an den Schulen, erst nach den Pfingstferien Mitte Juni sollen alle Schüler wochenweise in die Schule gehen. Bis 1. Juli sollen auch alle Kinder zurück in Kindergärten und Krippen dürfen.

BERLIN: Bis zum Sommer soll jedes Kita-Kind wieder ein Betreuungsangebot erhalten. Alle Schüler haben Unterricht, jedoch nur teilweise in der Schule.

BRANDENBURG: Allen Schülern wird vor den Sommerferien der Schulbesuch und die Teilnahme am Präsenzunterricht mindestens tage- oder wochenweise ermöglicht. Bei Kitas soll ein eingeschränkter Regelbetrieb anlaufen.

BREMEN: Alle Schulklassen werden schrittweise zurückgeholt. Ab 1. Juni sollen alle Vorschulkinder wieder in Kitas kommen.

HAMBURG: Alle Schüler sollen wenigstens einmal pro Woche Unterricht in der Schule bekommen. Kitas gehen schrittweise in den Regelbetrieb.

HESSEN: Kitas sollen zum 2. Juni wieder in den eingeschränkten Normalbetrieb übergehen. Der Unterricht an den Schulen hat schrittweise wieder begonnen.

MECKLENBURG-VORPOMMERN: Die Schüler kehren bereits schrittweise in die Schulen zurück. Kitas stehen wieder allen Kindern offen.

NIEDERSACHSEN: Die Notbetreuung in den Kitas wird schrittweise ausgeweitet, von Mitte Juni an soll es für alle Kinder ein zeitlich eingeschränktes Angebot für den Kita-Besuch geben. Auch die Schüler kehren nach und nach zurück, vom 15. Juni an haben alle Jahrgänge wieder Unterricht in den Schulen.

NORDRHEIN-WESTFALEN: Kita-Kinder und Schüler kehren schrittweise zurück. Alle Schüler erhalten tageweise Präsenzunterricht, ab 8. Juni soll es einen «eingeschränkten Regelbetrieb» für alle Kita-Kinder geben.

RHEINLAND-PFALZ: Der Unterricht hat stufenweise wieder begonnen, alle Schüler sollen bis Mitte Juni zumindest zeitweise wieder zur Schule gehen. Die Kitas sollen ab dem 2. Juni für alle öffnen, wenn auch mit Einschränkungen.

SAARLAND: Im Laufe des Juni sollen alle Schüler zumindest zeitweise wieder an die Schule zurückkehren. Kitas sollen ab dem 8. Juni wieder eingeschränkten Regelbetrieb aufnehmen.

SACHSEN: Sachsens Kitas und Grundschulen können im eingeschränkten Regelbetrieb für alle Kinder öffnen. Schüler an weiterführenden Schulen sollen zumindest teilweise wieder an den Schulen unterrichtet werden.

SACHSEN-ANHALT: Ab 2. Juni sollen Kitas und Schulen zu einem regulären Betrieb zurückkehren. Bis zum 15. Juni sollen wieder alle Grundschüler täglich zur Schule kommen.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Für einige Jahrgänge hat der Unterricht bereits wieder begonnen. Vom 8. Juni an sollen alle Grundschüler wieder eine tägliche Beschulung im Klassenverband erhalten. Der Regelbetrieb an allen Schulen soll nach den Sommerferien mit dem neuen Schuljahr am 10. August wieder starten. Vom 1. Juni an soll in den Kitas ein eingeschränkter Regelbetrieb gelten.

THÜRINGEN: Die Kommunen konnten selbst entscheiden, ob sie in den Kindergärten einen eingeschränkten Regelbetrieb anbieten. Bis spätestens 2. Juni soll dieser in allen Kitas starten. Dann sollen auch wieder alle Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen können.

Karliczek: Nach den Sommerferien volles Schulprogramm gewährleisten

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat Länder und Schulen eindringlich dazu aufgerufen, die Voraussetzungen für einen verlässlichen Unterricht nach den Sommerferien zu schaffen. «Jede Schule in jedem Land muss sich ein Ziel setzen: Nach den Ferien muss überall ein strukturierter Unterricht angeboten werden - und zwar so, dass möglichst ein volles Schulprogramm gewährleistet ist», sagte die CDU-Politikerin der «Rheinischen Post» (Samstag). «Wie auch immer.» Die Eltern seien vielfach am Limit, und auch die Schüler litten, sagte Karliczek.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren bundesweit die Schulen geschlossen worden, auch jetzt ist der Unterricht noch stark eingeschränkt.

Sie wisse um die Schwierigkeiten, räumte die Ministerin ein. «Aber wir leben einfach in einer Ausnahmesituation und da muss jetzt alles mobilisiert werden, damit die Kinder und Jugendlichen wieder verlässlich unterrichtet werden.» Es müsse vor Ort intensiv an Lösungen gearbeitet werden, damit der Schulbetrieb «mit einer Mischung aus Präsenz- und Digitalunterricht» wieder umfassend laufen könne.

«Die Sommerferien können die Schulen auch nutzen, mehr Raumkapazitäten zu schaffen, indem sie zum Beispiel Container aufstellen», meinte Karliczek. Sie begrüßte auch den Vorschlag des Bundeselternrats, für den Unterricht etwa auf Vereinshäuser und kommunale Veranstaltungsräume zurückzugreifen. «Das kann helfen, die Abstandsregeln einzuhalten.»

Die Schulpolitik ist in Deutschland Ländersache. Vertreter mehrerer Bundesländer hatten bereits angekündigt, dass sie nach den Sommerferien wieder einen Normalbetrieb an den Schulen anstreben. Schon vor den Ferien wollen einige zumindest an den Grundschulen auch wieder volle Klassen unterrichten und dabei auf Abstandsregeln verzichten. Über die mögliche Weiterverbreitung des Coronavirus über Kitas und Schulen wird viel diskutiert. Gesicherte Erkenntnisse über die Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr bei Kindern und Jugendlichen gibt es noch nicht.


28.05.2020 20.30 Uhr

Ein Jahr lang Corona-Tests an 24 Berliner Schulen geplant

In 24 Berliner Schulen sollen zwölf Monate lang Corona-Tests durchgeführt werden. Geplant sei, Schüler aus 48 Klassen zu untersuchen, sagte Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers am Donnerstag im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses. Details der mit der Charité geplanten Langzeitstudie müssten aber noch geklärt werden, sagte ein Pressesprecher der Senatsverwaltung. Es gebe zudem Überlegungen, alle Lehrer an 24 Schulen vor und nach den Sommerferien zu testen. Zuvor hatte der rbb berichtet.

Mitte Mai hatte der Berliner Senat eine Ausweitung der Corona-Tests mit einem Schwerpunkt auf Stichproben beschlossen. Flächendeckende Tests werde es nicht geben, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Test-Stichproben solle es nach einem Konzept von Charité und Vivantes zum Beispiel in Schulen, Kitas, Pflegeheimen, Krankenhäusern sowie bei Polizei und Feuerwehr geben. Berlin will sich außerdem an einer geplanten bundesweiten Studie zum Corona-Infektionsrisiko von Kita-Kindern beteiligen, hieß es vor zwei Wochen.

Hubig verteidigt landesweite Regeln für Schulen und Kitas

Bei der Öffnung von Kitas und Schulen will Rheinland-Pfalz bei einem landeseinheitlichen Vorgehen bleiben. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) wies am Donnerstag im Landtag einen Antrag der AfD zurück, Kitas und Schulen in Kommunen ohne Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen vollständig aufzumachen.

Dies sei «medizinisch vertretbar und pädagogisch geboten», sagte der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Joachim Paul. Die Gegebenheiten vor Ort müssten bei der Öffnung von Kitas und Schulen stärker berücksichtigt werden. Der jüngste Vorstoß aus Thüringen gehe auch in diese Richtung.

«Wenn wir so unsere Schulpolitik machen würden, gäbe es ein heilloses Chaos und viel Ungerechtigkeit», erwiderte Hubig. Aber sie begrüße es, dass sich die AfD dafür ausspreche, der Wissenschaft zu vertrauen. «Ich hoffe, das behalten Sie bei.» Der AfD-Antrag «Der Wissenschaft vertrauen - Kitas und Schulen möglichst vollständig öffnen» wurde in der Abstimmung von allen anderen vier Fraktionen abgelehnt.

Debatte über Schulöffnungen: Was spricht dafür, was dagegen?

Wie und wann sollten Schulen und Kindergärten in der Corona-Pandemie wieder öffnen? Diese Frage zählt derzeit zu den am meisten diskutierten in der Politik. Immer mehr Bundesländer planen inzwischen eine schrittweise Rückkehr zum Regelbetrieb - obwohl es bisher keine gesicherten Erkenntnisse über die Ansteckungsgefahr von Kindern gibt. Gleichzeitig warnen Experten vor den Auswirkungen auf Kinder, wenn sie wochenlang nicht zu Schule gehen. Es gilt, verschiedene Punkte gegeneinander abzuwägen. Einige Fragen und Antworten.

- Übertragen Kinder das Sars-Cov-2-Virus?

Aufgrund einer relativ dünnen wissenschaftlichen Datenlage lässt sich die Frage derzeit nicht abschließend beurteilen. Einer Untersuchung des Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité zufolge, die Ende April veröffentlicht wurde, sind Kinder vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Wissenschaftler bestimmten in Proben von 3712 Infizierten die Menge an Sars-CoV-2-Viren. Das Ergebnis: Im Wesentlichen gebe es keine nachweisbaren Unterschiede in der Zahl der Viren bei den verschiedenen Altersgruppen.

Drosten selbst allerdings wies bereits auf mögliche Schwächen der Studie hin. Auch andere Experten äußerten Kritik. So sei etwa die Zahl der untersuchten Kinder und Jugendlichen in der Studie relativ klein.

Forscherinnen und Forscher von der Uni Genf kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie Drosten. In einer ersten, noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Veröffentlichung beschreiben sie, dass ihren Untersuchungen zufolge symptomatische Kinder aller Altersstufen eine vergleichbare Virusmenge wie Erwachsene tragen und sie innerhalb des frühen Stadiums der Krankheit «infektiöses Virus ausstoßen». Die Übertragung des Virus durch Kinder sei deshalb plausibel.

- Gibt es auch Studien, die zu anderen Ergebnissen kommen?

Ja. Forschern von verschiedenen Universitätskliniken in Baden-Württemberg zufolge spielen Kinder bei der Übertragung des Erregers nur eine untergeordnete Rolle. Sie würden anscheinend nicht nur seltener krank, sondern seien wohl auch seltener infiziert als Erwachsene, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu ersten Ergebnissen aus der Studie. Die Studie werde aber noch weiter ausgewertet. Das federführende Universitätsklinikum Heidelberg wollte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur vor der offiziellen Vorstellung der Ergebnisse nicht weiter äußern.

Forschern in China zufolge scheint es zudem einen deutlichen Unterschied beim Ansteckungsrisiko von Kindern und Erwachsenen zu geben. Laut ihren Ergebnissen sind Kinder nur ein Drittel so anfällig, sich zu infizieren, wie Erwachsene zwischen 15 und 64 Jahren.

- Wie viele Kinder haben sich bislang in Deutschland mit dem Sars-Cov-2-Virus infiziert?

Angaben des Robert-Koch-Instituts zufolge (Datenstand 27.5.) ist der Anteil von Kindern und Jugendlichen unter den knapp 180 000 nachgewiesenen Corona-Fällen in Deutschland gering. Den Angaben nach infizierten sich bis Ende Mai rund 3600 Kinder unter 10 Jahren, das entspricht rund 2 Prozent aller Infizierten. Knapp 8000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren steckten sich nachweislich mit dem Virus an (4,4 Prozent).

- Was für psychische Auswirkungen hat es auf Kinder, wochenlang nicht zur Schule zu gehen?

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat vor gravierenden Folgen für Kinder und Jugendliche gewarnt, wenn Schulen und Kitas nicht bald wieder vollständig öffnen. Das Fehlen der gewohnten Lehr- und Lernumgebung wirke sich einschneidend auf das soziale Zusammenleben aus, sagte Präsident Thomas Krüger der «Welt» (Donnerstag). «Es ist ein schwerer Eingriff in ihre Lebenswelt, in ihre Grundrechte und beeinträchtigt ihre psycho-soziale Entwicklung.»

- Wie schlimm ist es, wenn Kinder Unterricht verpassen?

«Es ist für Kinder ein ganz großer Einschnitt, wenn der normale Unterricht in der Schule nicht stattfindet», sagt Kai Maaz, geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt der dpa. Dabei seien unterschiedliche Perspektiven zu beachten: Zum einen könne der Unterricht zuhause niemals auf so einem Niveau stattfinden wie in der Schule, wo ausgebildete Lehrkräfte sich ausschließlich damit beschäftigen, den Kindern etwas beizubringen. Fachlich entstünden nun bei manchen Kindern wahrscheinlich größere Lücken. Diese seien aber - wenn jetzt richtig reagiert werde - noch aufzuholen.

Hinzu komme, dass man in der Schule nicht nur Fachliches lerne. «Schule ist auch der Ort, an dem man soziale Kompetenz lernt, sich streitet, sich behauptet.» All dies falle derzeit weg.

Hamburg hofft auf normale Grundschule nach Sommerferien

In Hamburg müssen sich die Grundschüler wohl nur noch einige Wochen gedulden, bis sie alle ihre Klassenkameraden wieder gemeinsam in einem Klassenzimmer sehen werden. Der Schulsenator Ties Rabe (SPD) hoffe darauf, dass zumindest die Grundschüler nach den Sommerferien wieder regulären Schulunterricht haben werden, sagte ein Behördensprecher am Donnerstag auf dpa-Nachfrage. Es gebe in der Wissenschaft immer stärkere Diskussionen darüber, ob die sehr strengen Corona-Regeln gerade für kleine Kinder angemessen sind. «Wir hoffen, nach den Sommerferien wieder zu einer absoluten Normalität zurückkehren zu können, allerdings fehlen noch genauere Erkenntnisse hinsichtlich der Infektionsgefahr», so der Sprecher weiter.

Hamburg plane daher für Mitte Juni ein Digital-Symposium mit Kultusministern anderer Bundesländer und namhaften Experten für Virologie, Pädiatrie, Hygiene und Öffentliche Gesundheit.

Am Mittwoch hatte die Entscheidung der schleswig-holsteinischen Landesregierung, in den Grundschulen alle Schüler ab 8. Juni wieder ohne Corona-Abstandsregeln zu unterrichten, eine kontroverse Debatte ausgelöst. Lehrer- und Fachverbände kritisierten das Vorgehen als verfrüht, als Gesundheitsgefährdung von Lehrkräften und angesichts der ohnehin nahen Sommerferien ab 29. Juni kaum sinnvoll. Dagegen begrüßte der Landeselternbeirat das Vorgehen, es kehre ein bisschen Normalität in die Schulen zurück.

Ab Mitte Juni peilt auch Sachsen-Anhalt für Grundschüler wieder einen Betrieb in gesamter Klassenstärke an. Vertreter anderer Bundesländer hatten zuletzt nicht mehr ausgeschlossen, dass zumindest nach den Sommerferien an den Schulen wieder ein Regelbetrieb stattfinden kann.

Experten sehen keinen normalen Schulbetrieb nach Sommerferien

Nach Einschätzung mehrerer Bildungsexperten werden die Schulen auch nach den Sommerferien noch nicht zurück in den Normalbetrieb gehen können. «Die Planungen des neuen Schuljahres sollten nicht von einer Wiederkehr des gewohnten «schulischen Regelbetriebs» ausgehen», heißt es in den Empfehlungen einer 22-köpfigen Expertenkommission für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, die am Donnerstag vorgestellt wurden. Vorsitzender der Kommission ist Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation.

Den Empfehlungen stehen allerdings Äußerungen aus einzelnen Bundesländern entgegen, wonach für das nächste Schuljahr wieder ein regulärer Schulbetrieb angestrebt wird. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) oder Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) etwa hatten das in Aussicht gestellt.

In dem 45-seitigen Papier wird nun für den Fall eines weiterhin bestehenden eingeschränkten Schulbetriebs empfohlen, dass jüngere Schüler vor älteren Jahrgängen Vorrang beim Präsenzunterricht haben sollten und dass Lehrpläne und Prüfungsinhalte für das nächste Schuljahr reduziert werden. «Die Vergabe von Abschlüssen sollte soweit möglich von Zensuren entkoppelt und auf das klassische Sitzenbleiben verzichtet werden», heißt es weiter. Die Experten empfehlen außerdem, dass bedürftige Schüler ohne eigene Laptops oder Tablets zu Beginn des Schuljahres mit Leihgeräten ausgestattet werden.

Regelbetrieb von Grundschulen im Südwesten ohne Abstandsgebote

Wenn Kitas und Grundschulen im Südwesten bis Ende Juni wieder vollständig öffnen, werden dort die Abstandsgebote wegen des Coronavirus wegfallen. Ein Regelbetrieb könne nur ohne Abstandsgebote gehen, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Donnerstag in Stuttgart. Deshalb habe das Land eine Studie an den Unikliniken zum Thema Kinder und Coronavirus in Auftrag gegeben.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatten am Dienstag erklärt, dass Kinder als Überträger des Virus nur eine untergeordnete Rolle spielten. Sie stützten sich dabei auf Zwischenergebnisse der besagten Studie und kündigten eine vollständige Öffnung der Kitas und Grundschulen bis Ende Juni an. Dazu sollen jetzt Konzepte erarbeitet werden.

Das Kultusministerium schreibt auf seiner Internetseite mit Verweis auf die ersten Erkenntnisse der Studie, bei Kindern bis zehn Jahren könne auf Abstandsgebote verzichtet werden. «Entscheidend wird jedoch sein, dass die jeweiligen Gruppen oder Klassen untereinander bleiben und sich nicht vermischen, auch nicht in den Pausen.» Dazu solle mit den Kommunen und Trägern zügig ein Rechtsrahmen erarbeitet werden.

 

27.05.2020 12.30 Uhr

Schulministerin will Abschlussfeiern mit Zeugnisübergaben ermöglichen

Zehntausende Schülerinnen und Schüler in NRW haben in den vergangenen Wochen unter Corona-Bedingungen ihre Abschlussprüfungen gemacht. Auf vieles mussten sie am Ende ihrer Schulzeit schon verzichten. Doch wenigstens Abschlussfeiern soll es nun doch geben.

Zum Abschluss der Schullaufbahn soll bei Zehntausenden Abiturienten und Absolventen anderer Schulen trotz Corona-Krise doch noch Festtagsstimmung aufkommen: Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will Schülern die feierliche Übergabe von Abschlusszeugnissen im Beisein ihrer Eltern ermöglichen. Das Land werde in den nächsten Tagen die rechtlichen Regelungen dafür schaffen, dass Abschlussveranstaltungen wie Zeugnisübergaben unter Einhaltung der Infektions- und Hygieneregeln ermöglicht würden, sagte Gebauer am Mittwoch der Deutschen-Presse-Agentur.

Die Zeugnisverleihung symbolisiere den erfolgreichen Abschluss der Schulzeit und markiere gleichzeitig den Eintritt in den nächsten Lebensabschnitt. «Dies ist ein wichtiges Ereignis für die ganze Familie», sagte Gebauer. «Es wäre ein schmerzlicher Verzicht, den Schülerinnen und Schülern und ihren Familien diesen ganz besonderen Moment der Freude und des Stolzes vorzuenthalten.»

Für Abibälle gilt die Sonderregelung aber ausdrücklich nicht. «Abiturbälle als privat organisierte und sehr gesellige Veranstaltungen fallen jedoch nicht unter die beabsichtigte Regelung», betonte Gebauer. Sie hoffe, dass die Schüler es umso mehr zu schätzen wüssten, gemeinsam mit ihrer Familie in feierlicher Atmosphäre das Ende ihrer Schulzeit begehen zu können.

25 Millionen Euro vom Bund - Sachsen kauft Laptops für Schulen

Sachsen stattet seine Schulen in den kommenden Monaten mit mehreren Tausend Laptops, Notebooks und Tablets aus. Wie das Kultusministerium am Mittwoch mitteilte, erhält der Freistaat dafür 25 Millionen Euro aus dem insgesamt 500 Millionen Euro umfassenden Sofortausstattungsprogramm des Bundes. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) könne die Zusatzvereinbarung unterzeichnen. Diese sei eine Ergänzung zum «DigitalPakt Schule 2019 bis 2024».

Die Geräte sollen Schülern zur Verfügung gestellt werden, die nicht über Laptop, Tablet oder Computer verfügen. So solle sichergestellt werden, dass sie am Online-Unterricht zu Hause teilnehmen können, wenn wie in der Corona-Krise kein oder nur ein eingeschränkter Präsenzunterricht stattfinden kann. «Das Programm leistet damit einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit», teilte das Ministerium mit.

Die Gelder sollen den Angaben zufolge möglichst unkompliziert und bald an die Schulträger weitergegeben werden. Rechnerisch könnten mit dem Fördergeld rund 30 000 bis 40 000 mobile Geräte angeschafft werden, hieß es. «Neben Laptops, Notebooks und Tablets sollen auch Software-Programme für das digitale Lernen einschließlich notwendiger Schulungen für Lehrer gefördert werden.»

Derzeit werde eine Förderverordnung erarbeitet. «Das Kultusministerium zielt auf ein möglichst unbürokratisches Verfahren, damit den Schulen die Geräte zu Beginn des neuen Schuljahres zur Verfügung stehen», so das Ministerium.

Landespolitiker befürworten Modellversuch mit Schul-Corona-Tests

Die Corona-Tests am Neustrelitzer Gymnasium Carolinum könnten nach Ansicht von CDU- und SPD-Landespolitikern ein Vorbild für einen größeren Modellversuch im Nordosten sein. Das sagten der hochschulpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Daniel Peters, sowie der SPD-Vize-Fraktionschef in Schwerin, Andreas Butzki, der Deutschen Presse-Agentur. Vorgeschlagen wurden vier Standorte im Land für einen wissenschaftlich begleiteten Versuch. «Wir müssen unseren Kindern die größtmögliche Sicherheit gewähren», erklärte Butzki, der aus Neustrelitz kommt.

Das Gymnasium ermöglicht Schülern, sich freiwillig zweimal pro Woche testen zu lassen. Die Praxis läuft problemlos und es gibt schon Anfragen aus Schweden und Frankreich dazu, wie Schulleiter Henry Tesch sagte: «Die Frage ist, kann eine Schule ein Indikator für eine ganze Region sein.»

Die Landespolitik will, dass im neuen Schuljahr möglichst vielen Schülern wieder Unterricht ermöglicht wird, wie Butzki und Peters erklärten. So sollten wieder größere Klassen in Räumen möglich sein. Derzeit unterrichtet ein Lehrer in Neustrelitz eine Klasse in zwei Räumen. Butzki warnte jedoch davor, die Ergebnisse des gerade ablaufenden Schuljahres einfach auf August zu übertragen. «Wir haben dann touristische Hochsaison und es werden Viele kommen.»

Der Modellversuch könnte einen sicheren Schulalltag auf Basis analytischer Tests ermöglichen, sagte der 38-jährige Peters nach einem Besuch am Gymnasium. Dieser sollte noch im Juni beginnen und mit Schulstart Anfang August fortgeführt werden. Das würde die Rostocker Firma, die dem Carolinum derzeit die Tests kostenfrei zur Verfügung stellt, laut Peters auch ermöglichen. Schüler, Eltern und Lehrer sehnten sich wieder nach nahezu regulärem Unterricht. Mit solchen Clustern hätte man in der touristischen Hochsaison auch «ein funktionierendes Frühwarnsystem für die betreffende Region.»

Zwölf Millionen Euro für Berlins Sommerschul-Program

Für das neue Sommerschul-Programm der Senatsverwaltung für Bildung stehen zwölf Millionen Euro zur Verfügung. Es soll rund 12 000 Schülern aus benachteiligten Familien ermöglichen, einen Teil des wegen der Corona-Schließungen versäumten Schulstoffs in den Sommer- und Herbstferien nachzuholen. Weitere
8 337 000 Euro sind nach Angaben der Bildungsverwaltung für die «Lernbrücken»-Projekte zur Förderung von Kindern und Jugendlichen vorgesehen, die zu Hause beim Lernen wenig Unterstützung bekommen.

Die Summen stehen im Entwurf für den Nachtragshaushalt, den der Senat am Dienstag beschlossen hat. Das «Lernbrücken»-Programm hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) gestartet. Für die Anschaffung von 9500 Notebooks für Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien kann die Bildungsverwaltung mit rund 4 723 000 Euro aus dem Nachtragshaushalt rechnen.

«Mit dem Nachtragshaushalt steht Geld zur Verfügung, mit dem wir die negativen Folgen der Corona-Pandemie abmildern können. Im Fokus steht dabei insbesondere die Unterstützung von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen», so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). «Die Corona-Krise darf nicht dazu führen, dass die ohnehin schon benachteiligten Kinder und Jugendlichen ins Hintertreffen geraten.»

Zeitung: 250 Schüler und 32 Lehrer in NRW in Quarantäne

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsämter haben im Zusammenhang mit Corona-Fällen derzeit einem Medienbericht zufolge für 250 Schüler sowie 32 Lehrer Quarantäne zu Hause angeordnet. «Bei den in Quarantäne befindlichen Lehrern gibt es fünf bestätigte Covid-19-Fälle», teilte das Schulministerium der «Rheinischen Post» mit, wie die Zeitung berichtet (Mittwoch). Landesweit in Quarantäne seien mindestens ein Lehrer oder Schüler an 118 Grundschulen, 40 Hauptschulen, 39 Real- und Sekundarschulen sowie an 34 Gymnasien, 48 Berufskollegs und 6 Förderschulen. Die Zahlen beziehen sich demnach auf den 19. Mai.

26.05.2020 11.30 Uhr

Änderungen des Schulgesetzes wegen Corona-Pandemie im Landtag

Der hessische Landtag befasst sich in seiner Sitzung am (heutigen) Dienstag (14.00 Uhr) in Wiesbaden mit Änderungen des Schulgesetzes. Wegen der Corona-Pandemie hat es bereits zahlreiche neue Regeln für Schüler und Lehrer gegeben, die auch gesetzlich geregelt werden müssen. Dabei handelt es sich etwa um den Verzicht des Sitzenbleibens, wie Prüfungen durchgeführt werden und das Lernen zuhause. Zum Start der dreitägigen Plenarwoche soll es auch um Maßnahmen gehen, wie die Qualität der Studienbedingungen und der Lehre an den hessischen Hochschulen verbessert werden kann.

Ministerium: Abi-Nachschreibetermin gut gelaufen - besondere Umstände

Der erste Block der Nachschreibetermine für das Abitur ist nach Einschätzung des Brandenburger Bildungsministeriums gut gelaufen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die krankheitsbedingt noch den letzten Abi-Nachschreibtermin nutzen müssten, sei gering und entspreche den zurückliegenden Jahren, wie das Ministerium am Montag mitteilte. Als letztes Fach wurde Mathematik abgeschlossen. Von den 10 000 Abiturienten des Jahrgangs 2020 haben demnach weniger als 40 ihre schriftlichen Abiturprüfungen noch nicht absolvieren können, ein Teil habe die Termine aufgrund von Langzeiterkrankungen nicht wahrnehmen können.

Wegen der Corona-Krise müssen bei den Prüfungen ein Mindestabstand von 1,50 Metern und strenge Hygieneregeln eingehalten werden. Wer sich zu stark psychisch belastet oder krank fühlte, sollte auf die Nachschreibe-Termine ausweichen.

Bildungsministerin Britta Ernst zeigte sich erfreut: «Ich freue mich sehr, dass die Abitur-Nachschreibeprüfungen mit hoher Beteiligung gut gelaufen sind. Und zwar unter diesen, für alle Beteiligten besonderen Bedingungen.» Die Ministerin dankte Lehrkräften und Schulleitungen für die gute Organisation.

Kölner Schüler bekommen Visiere zum Schutz vor Corona

Zum Schutz vor dem Coronavirus bekommen von dieser Woche an alle 140 000 Kölner Schüler Visiere aus Kunststoff. Ein Kölner Hersteller spende den Schulen die Schutzschilde, gab die Stadt bekannt. Sie sollen in den nächsten Wochen an die Schulen geliefert werden. Bereits in der vergangenen Woche seien sie an einer Grundschule und einer weiterführenden Schule getestet worden, sagte eine Stadtsprecherin.

Die durchsichtigen Visiere dienen allerdings nur als eine Ergänzung zu den Mund-Nase-Masken und sollen in den Schulen getragen werden, wenn der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann.

Gericht: Grundsicherungsberechtigte Schülerin hat Anspruch auf Tablet

Eine Schülerin, die Grundsicherung erhält, hat Anspruch auf ein für die Teilnahme am digitalen Schulunterricht erforderliches Tablet. Das hat das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen (LSG) in einem Montag veröffentlichten Beschluss entschieden. Das Gericht sprach von einem «pandemiebedingten Mehrbedarf».

Anlass für die Feststellung war der Eilantrag einer Achtklässlerin aus dem Kreis Recklinghausen. Die 14 Jahre alte Gymnasiastin bezieht Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II. Ende Januar 2020 beantragte sie beim Jobcenter einen internetfähigen Computer und legte eine Bestätigung der Schule vor, wonach sie diesen für Hausaufgaben benötige. Das Jobcenter und erstinstanzlich auch das Sozialgericht Gelsenkirchen verneinten jedoch einen Anspruch.

Den sah das LSG jedoch grundsätzlich als gegeben. Die geltend gemachten Kosten stellten einen unabweisbaren, laufenden Mehrbedarf dar, der anzuerkennen sei. Der Bedarf für die Anschaffung eines Computers zur Teilnahme an pandemiebedingtem Schulunterricht sei im sogenannten Regelbedarf jedoch nicht berücksichtigt. Die Höhe des geltend gemachten Bedarfs sei mit etwa 150 Euro zu veranschlagen.

Im konkreten Fall verpflichtete das LSG das Jobcenter jedoch nicht zur Kostenübernahme. Der Schülerin sei mittlerweile durch die Schule die Nutzung eines Laptops aufgrund einer privaten Spende ermöglicht worden, begründete das Gericht seine Entscheidung. Anders als die Vorinstanz sprach das Landesgericht der Jugendlichen allerdings Prozesskostenhilfe zu.

 

25.05.2020 14.30 Uhr

Neue Regeln für Unterrichtsbefreiung für Lehrer aus Risikogruppen

Das nordrhein-westfälische Schulministerium ändert die Regelungen für den Einsatz von Lehrern aus sogenannten Corona-Risikogruppen im Unterricht. Ab dem 3. Juni können sich Lehrkräfte nur noch mit einem ärztlichen Attest vom Präsenzunterricht befreien lassen. Darin müsse bestätigt werden, dass im Falle einer Infektion mit dem Virus aufgrund der besonderen Umstände bei der Lehrkraft «die Gefahr eines schweren Verlaufs von Covid-19 besteht». Bis zur Vorlage eines solchen Attests seien die Lehrer zum Dienst verpflichtet, heißt es in einer Rundmail des Ministeriums an die Schulen, die der Deutschen Presse-Agentur am Montag vorlag.

Das Ministerium begründete die Änderungen mit neuen Informationen durch das Robert-Koch-Institut, dass «eine generelle Festlegung zur Einstufung in eine Risikogruppe nicht möglich» sei. Bisher reichte eine schriftliche Erklärung der Lehrkraft gegenüber der Schulleitung als Nachweis der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe. Auch Lehrerinnen und Lehrer, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, konnten bisher unabhängig von Vorerkrankungen nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden. Lehrkräfte dieser Altersgruppe können aber bereits jetzt schon freiwillig in der Schule unterrichten.

Giffey: Komplette Schul- und Kita-Öffnung nur ohne 1,50-Meter-Regel

Eine komplette Öffnung von Schulen und Kitas wird nach Ansicht von Familienministerin Franziska Giffey erst möglich sein, wenn die 1,50-Meter-Abstandsregel nicht mehr gilt. «Das ist eine ganz klare Geschichte. Weil sie ansonsten einfach nicht 100 Prozent der Kinder in 100 Prozent der Zeit von Kita und Schule zurückholen können», sagte die SPD-Politikerin am Montag in Berlin.

Die Entscheidung, ob man sich von der 1,5-Meter-Abstandsregelung verabschiede, sei eine «sehr, sehr schwere Entscheidung». Das könne nicht für das gesamte Bundesgebiet am Tag X festgelegt werden, sondern müsse anhand der Lage vor Ort entschieden werden. «Wenn die Lage vor Ort so ist, dass das Risiko als äußerst gering eingeschätzt werden kann, dann kann man diese Schritte gehen in Richtung verantwortbarer Öffnung hin zu 100 Prozent Regelbetrieb.» Eine genaue Festlegung auf den Tag in allen Bundesländern könne es nicht geben. «Das ist auch nicht in unserer Macht, weil das die Länder nunm

Hamburgs Schulen wieder für alle geöffnet - 50 000 Masken gespendet

Nach dreimonatiger Corona-Krise sind die Hamburger Schulen noch weit von Normalität entfernt. Immerhin sollen nun alle Schüler zumindest ein paar Stunden pro Woche wieder Unterricht bekommen. Ein Unternehmer unterstützt die Hygienemaßnahmen mit einer Spende.

Nach drei Monaten Ferien und Online-Unterricht sollen in dieser Woche alle Hamburger Schüler ihre Lehrer wiedersehen. Angesichts der verlangsamten Ausbreitung des Coronavirus sollen sie ein- oder zweimal pro Woche zur Schule gehen. Der Präsenz- und Fernunterricht werde in den nächsten vier Wochen im Wechsel erfolgen, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Montag. Vor den am 25. Juni beginnenden Sommerferien werde es aber keinen normalen Schulbetrieb geben. Ein Rückkehr zur Normalität hält der Senator nach den Sommerferien im August für möglich. Wegen der Ansteckungsgefahr waren die Schulen nach den Märzferien nicht wieder geöffnet worden.

Die Schulen seien mit dem Online-Unterrichten weit gekommen, sagte Rabe. «Aber wir sollten nicht so tun, als ob der Fernunterricht den herkömmlichen Unterricht ersetzen kann.» Ein Teil der rund 200 000 Hamburger Schüler war bereits Anfang Mai wieder zur Schule gegangen. Dazu zählten die Klassenstufen 6, 10, 11 und 12 der Gymnasien, die Jahrgänge 9, 10, 12 und 13 an den Stadtteilschulen, die 4. Klassen an Grundschulen sowie die Schüler der Sonderschulen und Berufsschulen.

Schüler und Lehrer müssen sich beim Präsenzunterricht an die Corona-Schutzregeln halten und besonders auf das Abstandsgebot achten. Die Klassen werden geteilt. Die Schulen werden jetzt häufiger gereinigt. Eine grundsätzliche Pflicht zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung gibt es nicht. Rabe nahm am Montag in einer Grundschule im Stadtteil Eilbek die ersten Masken einer Spende von insgesamt 50 000 Stück entgegen. Er dankte dem Gründer des Online-Versandhandels About You, Tarek Müller, für die Unterstützung.

Die Lehrer und andere Beschäftigte an den rund 380 Hamburger Schulen waren von der Behörde bereits vor den Maiferien mit Masken versorgt worden. Mitarbeiter an speziellen Sonderschulen bekommen wegen der besonderen Bedingungen dort persönliche Schutzausrüstungen. Dazu zählen OP-Masken und Schutzkittel. Beim Hamburger Luftfahrtzulieferer Hamburg Aviation Cluster lässt die Schulbehörde 9000 Desinfektionsmittelspender im 3D-Druck herstellen.

 

24.05.2020 18.00 Uhr

Fürther Schüler schreiben Abschlussprüfungen in Fußballstadion

Beim Fußball dürfen in der Corona-Krise keine Fans in die Stadien - die SpVgg Greuther Fürth kann ihren Sportpark am Ronhof nun immerhin für einen guten Zweck teilweise öffnen. Der fränkische Fußball-Zweitligist lädt Partnerschulen ein, in den Räumen der Haupttribüne Abschlussprüfungen abzuhalten. In den kommenden Wochen nutzen verschiedene Schulen das Angebot, um unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln Prüfungen und Abschlussfeiern abzuhalten.

Die Fürther boten dies den Schulen nach eigenen Angaben kostenfrei an, ein entsprechendes Hygienekonzept wurde genehmigt. «Es ist schön zu sehen, dass wir einigen so helfen können», sagte Geschäftsführer Holger Schwiewagner am Sonntag.

Die Leopold-Ullstein-Realschule Fürth etwa will im Stadion ihre Prüfungen abhalten. «Die Schülerinnen und Schüler, die in den Vereinsräumen ihren Abschluss schreiben, werden dies sicherlich noch lange im Gedächtnis behalten», sagte Konrektorin Birgit Seidl. Für die Grund- und Mittelschule Pestalozzistraße sind Räume des VIP-Bereichs für «die Zeugnisübergabe und eine kleine Entlassfeier» vorgesehen, worüber sich Schulrektor Thomas Bauer sehr freute.

Stadt Heidelberg hilft Eltern von Grundschülern aus der Klemme

Als landesweit erste Gemeinde will die Stadt Heidelberg Eltern bei der Betreuung der Grundschüler deutlich entlasten. Weil viele der nach der Corona-Zwangspause wieder unterrichteten Viertklässler nur zwei Stunden am Tag die Schulbank drücken, soll ein pädagogischer Dienstleister von diesem Montag an die Betreuung mitübernehmen. So soll die bisherige Notbetreuung von allen Kindern, deren Eltern unabkömmlich sind oder deren Wohl gefährdet ist, bis 17.00 Uhr genutzt werden können, erläuterte ein Stadtsprecher. Bislang habe es dafür nicht genügend Plätze gegeben.

Vom grünen Licht des Kultusministeriums hängt nach Angaben des Stadtsprechers ab, ob - wie geplant - mit Hilfe der kommunalen Fachkräfte alle Viertklässler zumindest bis zur Mittagspause verlässlich betreut werden können. So könnten wenigstens Menschen mit Halbtagsjobs wieder arbeiten gehen. Das aus der Stadtkasse finanzierte Angebot soll an allen 18 Grundschulen in der Stadt aufgebaut werden. Laut Gemeindetag ist Heidelberg mit dieser Initiative Vorreiter im Land.

Lernplattform statt Klassentafel - Unterricht in Corona-Zeiten

Schrittweise läuft der Unterricht in den Schulen in den kommenden Wochen wieder an. Doch was muss verändert werden, damit Wissen auch von zu Hause aus auf hohem Niveau vermittelt werden kann?

Mit dem coronabedingten Heimunterricht ist die 16-jährige Schülerin Josefine Mroß bislang gut zurechtgekommen. «Das Lernen zu Hause ist zwar anstrengender als in der Schule, aber dafür kann man morgens länger schlafen», sagt die Zehntklässlerin, die die Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule in Potsdam besucht. «Die Lehrer haben auf der Lernplattform unserer Schule alles ordentlich verlinkt, man hat alles, was man braucht.»

Nach den Schulschließungen in Brandenburg am 18. März kann die Potsdamer Schülerin seit dem 27. April wöchentlich an zwei bis drei Tagen für einige Stunden wieder ihre Schule besuchen. Ab diesem Montag (25. Mai) nun soll jedes Kind mindestens an einem Tag pro Woche die Schule wieder von innen sehen.

Hartmut Stäker wäre froh, wenn der Unterricht an allen Schulen so gut funktionieren würde. «Leider zeigen sich in der Corona-Krise die Versäumnisse vieler Jahre», sagt der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands (BPV). «Es fehlt noch immer ein Medienkonzept, das unter anderem die Netzvoraussetzungen für jede Schule und Mindeststandards für die digitale Ausstattung jedes Schülers und jedes Lehrers festlegt.»

Ähnlich sieht es auch der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs. «Fehlende technische Voraussetzungen und nicht vorhandene Hardware sowie ein ungenügendes inhaltliches Konzept der Landesregierung haben die Grenzen des digitalen Lernens und Lehrens aufgezeigt.»

Diese Form des Unterrichts nutzen zu können, setze voraus, «dass die Landesregierung ein belastbares Konzept, das die technischen Voraussetzungen und die fachlichen Fragen umfasst, mit allen Beteiligten erarbeitet und zügig umsetzt», betont Fuchs. «Wir brauchen einen Quantensprung vom Mittelalter in die digitale Gegenwart und Zukunft.»

Auch nach Ansicht der Linke-Fraktionschefin im Landtag, Kathrin Dannenberg, zeigt die Corona-Krise «Riesendefizite» bei der Digitalisierung im Bildungsbereich. Dies habe auch die Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage bestätigt.

«Zwar behauptet die Landesregierung, die Wissensvermittlung über internetbasierte Formen verlaufe positiv. Tatsächlich aber zeigt die Praxis, dass Lehrpersonal und Schüler überwiegend per Email und Telefon kommunizieren», sagt Dannenberg. Auch die Aussage, die Schulen seien «größtenteils an ein leistungsfähiges Internet angebunden», könne nicht mit Zahlen belegt werden.

Viele Lehrer habe das Home-Schooling «schlicht überfordert», hat Stäker beobachtet, da sie weder in der universitären Aus- noch in der Fortbildung auf die Arbeit mit digitalen Lehrmethoden vorbereitet worden seien. «Dabei dringen wir seit Jahren auf eine zügige Digitalisierung an den Schulen, auf eine ausreichende Breitbandversorgung und technisch geschultes Personal, das den Lehrern zur Seite steht.»

Bereits vor zwei Jahren habe sein Verband multiprofessionelle Teams gefordert. «IT-Spezialisten an jeder Schule, nicht nur Lehrer mit ein paar Anrechnungsstunden, sind notwendig. Doch diese Fachkräfte sind heute Mangelware», sagt Stäker. Zwar gebe es bei den Schulträgern Experten, die Administratoren. Im Landkreis Dahme-Spreewald zum Beispiel gebe es drei IT-Fachleute. Doch die seien für hunderte Computer in der Kreisverwaltung und an Schulen zuständig. «Ganz dringend notwendig» seien auch Lehrer-Fortbildungen für digitales Lernen, sagt der BPV-Präsident. «Was bisher angeboten wird, reicht nicht aus.»

Lob für die Lehrer kommt vom Landesschülerrat. «Da es kein einheitliches Konzept für den Unterricht unter Krisenbedingungen gab, haben sich viele Lehrer selbst etwas überlegt», sagt Vizesprecher Moritz Mosch. Dadurch falle der Unterricht «in Umfang und Qualität» jedoch sehr verschieden aus. Auch die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern sei «manchmal ein großes Problem». Aus dem Bildungsministerium seien Informationen für die Lehrer teilweise ungenau und zu spät gekommen.

Josefine Mroß hat sich nach zehn Wochen häuslichen Lernens wieder auf den Schulbesuch gefreut. Zu Hause fehle ihr «die Struktur» des Unterrichts durch den Stundenplan. Defizite der Wissensvermittlung habe sie nicht bemerkt. «Unsere Sportlehrerin hat auf der Lernplattform sogar ein paar Videos für Übungen zu Hause verlinkt.»

Lehrerverbände: Corona-Krise legt Defizite im Bildungsbereich offen

Die Corona-Krise hat nach Ansicht von Lehrerverbänden in Brandenburg seit Jahren bestehende Defizite im Bildungsbereich verdeutlicht. Es fehlten noch immer ein Medienkonzept für die Netzanbindung der Schulen und Mindeststandards für die digitale Ausstattung von Schülern und Lehrern, sagte der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands, Hartmut Stäker. Der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Günther Fuchs, forderte ein «belastbares Konzept» für das digitale Lernen. Die Linke-Fraktionschefin im Landtag, Kathrin Dannenberg, sieht «Riesendefizite» bei der Digitalisierung im Bildungsbereich.

 

23.05.2020 9.30 Uhr

Schulen im Norden öffnen für weitere Klassen

An den Schulen in Schleswig-Holstein beginnt nach coronabedingter Zwangspause für weitere Jahrgänge am Montag wieder der Unterricht. Das gilt für die Klassen 1 bis 3 an den Grundschulen sowie für die Jahrgänge 8 bis 12 an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. In den Klassenräumen müssen Mindestabstände und Hygienevorschriften eingehalten werden. Ebenfalls vom Montag an sind wieder Nachmittagsangebote für die Mädchen und Jungen möglich, die dann in der Schule sind. Auch Mensen und ähnliche Einrichtungen dürfen bei Bedarf öffnen.

 

Universität Greifswald bietet Schulen Hilfe beim Onlineunterricht an

Schulen in Mecklenburg-Vorpommern können ab sofort Hilfe beim Onlineunterricht vom Rechenzentrum der Universität Greifswald erhalten. Es stelle den Schulen kostenfrei ein System für den virtuellen Unterricht zur Verfügung, teilte ein Sprecher am Freitag mit. Das Rechenzentrum habe zu Beginn des Sommersemesters eine neue Infrastruktur für den Onlinelehrbetrieb bereitgestellt. So konnte trotz der Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie der Lehrbetrieb digital abgesichert werden, hieß es.

Nachdem das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Greifswald nach Unterstützung bei der Videokommunikation gefragt habe, habe sich das Rechenzentrum entschlossen, das Angebot allen interessierten Schulen im Land zu öffnen, sagte der Direktor des Rechenzentrums, Ralf Schneider. Die einzige technische Voraussetzung sei, dass eine teilnehmende Schule Moodle als Lernplattform betreibt. Die  Moodle-Installation der Schule werde einfach mit den virtuellen Hörsälen der Universität Greifswald verbunden, die damit auch zu virtuellen Klassenzimmern würden.

Schulunterricht mit Corona-Regeln

Nach mehr als zwei Monaten Corona-Zwangspause kehren am Montag bis zu 107 000 weitere Kinder und Jugendliche zumindest zeitweilig an ihre Schulen zurück. Damit lernen dann mehr als die Hälfte aller Schüler im Wechsel zu Hause und in ihrer Klasse.

Nach und nach kehren die Schüler in Rheinland-Pfalz für den Unterricht an die Schulen zurück. An diesem Montag (25.5.) beginnt eine weitere Phase der stufenweise Öffnung. Mehr als die Hälfte aller Schüler werden dann zumindest tageweise wieder von ihren Lehrern unterricht. Von einem normalen Schulalltag werden sie aber noch weit entfernt sein - es gelten strenge Regeln und Auflagen.
Ein Überblick:

Für welche Schüler beginnt am Montag wieder der Unterricht?

Rund 107 000 Kinder und Jugendliche werden von Montag an wieder unterrichtet, allerdings nicht im gewohnten Klassenverbund wie vor Beginn der Corona-Krise. Der Präsenzunterricht beginnt nun unter anderem wieder für die Drittklässler an den Grundschulen sowie die Klassen 5 und 6 an den Realschulen plus, den Integrierten Gesamtschulen und den Gymnasien.

Sind dann wieder alle Schüler an den Schulen?

Nein, den Zahlen zufolge ist das etwa die Hälfte aller Schüler. Bis Juni sollen aber alle zumindest zeitweise wieder Präsenzunterricht haben. Am 8. Juni sollen die noch fehlenden Schüler insbesondere der Klassenstufen 7 und 8 sowie 1 und 2 an Grundschulen auch wieder zurückkehren. Bei den jüngeren Schülern hatte es die größten Zweifel gegeben, ob sie sich an Hygiene- und Abstandsregeln werden halten können. Die ganze Zeit über war an den Schulen eine Notbetreuung eingerichtet für Schüler, deren Eltern arbeiten gehen und Beruf und Familie in Corona-Zeiten nicht unter einen Hut bringen können.

Welche Regeln gelten in der Schule?

Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium hat dazu einen Hygieneplan veröffentlich. Unter anderem gilt Folgendes prinzipiell:
- 1,50 Meter Abstand halten, Tische müssen entsprechend gestellt werden
- keine Berührungen oder Umarmungen
- gründliche Handhygiene - Händewaschen oder Händedesinfektion
- Husten und Niesen in die Armbeuge
- Türklinken möglichst nicht mit der vollen Hand, sondern z.B. mit dem Ellenbogen öffnen
- regelmäßiges Lüften
- tägliche Reinigung etwa der Toilettenräume
- Abstandsmarkierungen auf dem Boden

Müssen die Schüler Masken tragen?

Für den Unterricht im Klassenraum ist das Tragen einer Abdeckung für Mund- und Nase nicht vorgeschrieben, aber möglich. Etwa für den Gang durch das Schulgebäude sollte aber eine sogenannte Alltagsmaske aufgesetzt werden. Eine besondere Herausforderung ist der Schülertransport in Bussen und Bahnen morgens und nach der Schule. Im Nahverkehr gilt eine Maskenpflicht.

Was passiert, wenn eine Corona-Infektion bei einem Lehrer oder Schüler festgestellt?

Wer Krankheitssymptome wie Fieber, trockenen Husten, Atemprobleme, Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns, Halsschmerzen oder Gliederschmerzen an sich bemerkt, soll auf jeden Fall zuhause bleiben. «Symptomatische Personen dürfen die Einrichtung nicht betreten», betont das Ministerium. Treten solche Anzeichen während der Unterrichtszeit auf, müssen die Schüler isoliert und ihre Eltern informiert werden. Wird eine Infektion mit Covid-19 festgestellt, entscheidet das örtliche Gesundheitsamt, wie weiter zu verfahren ist - etwa, ob eine Klasse oder eine Gruppe in Quarantäne muss.

Wie viele Corona-Infektionen wurden bislang an den Schulen in Rheinland-Pfalz bekannt ?

Diese Zahlen hat das Bildungsministerium nicht und verweist auf die Gesundheitsämter.

Wie sieht der neue Unterrichtsalltag aus?

Der Unterricht in der Klassengröße vor Beginn der Corona-Krise wird durch die Abstandsregeln nicht möglich sein. Den Richtlinien des Bildungsministeriums dürfen maximal 15 Schüler gleichzeitig im Klassenraum sein. Schüler können also nur tageweise in verschiedenen Gruppen am Unterricht teilnehmen. Partner- und Gruppenarbeit ist zunächst generell nicht möglich. Singen wird erst einmal auch nicht möglich sein, Sport soll vorerst nur im Freien unterrichtet werden.

Vor welchen Herausforderung stehen die Schulen?

Nicht alle Lehrer werden unterrichten können, weil sie selbst etwa wegen Vorerkrankungen zu einer Risikogruppe gehören oder enge Angehörige haben, die nicht an Covid-19 erkranken sollten. Eine Freistellung gilt zudem für Schwangere oder stillende Mütter. Wer also etwa 60 Jahre oder älter ist, darf, muss aber nicht Unterricht erteilen. Es werden also Lehrer fehlen. Zugleich müssen die Lehrer noch stärker als sonst die Schüler in den Pausen beaufsichtigen, damit auch dort Abstandsregeln eingehalten werden.

Wie viele Lehrer werden voraussichtlich ausfallen?

Etwa 15 Prozent der rund 41 000 Lehrer gehören entweder selbst zur Risikogruppe oder leben mit Menschen aus einer Risikogruppen zusammen. Diese Lehrkräfte sind grundsätzlich weiter im Dienst, aber im Präsenzunterricht nur eingeschränkt einzuplanen.

Wie lange wird dieser Zustand noch anhalten?

Mindestens bis zu den Sommerferien, die am 6. Juli in Rheinland-Pfalz beginnen. Es wird vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie abhängen, wie dann im neuen Schuljahr weitergemacht wird. Gelten weiterhin Abstandsregeln, wovon Experten derzeit ausgehen, werden wohl auch die Schulen nicht wieder zum Unterricht zurückkehren können, wie er vor Beginn der Krise angeboten wurde.

Was sagen die Lehrer?

Nach Einschätzung des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) dürfte die neue Situation noch von den meisten Schulen zu stemmen sein. Ab dem 8. Juni werde es aber spätestens problematisch, weil dann die Schulen personell wie räumlich an ihre Grenzen stießen. Sinnvoll wären aus Sicht der Gewerkschaft «flächendeckende Tests und schnelleres Handeln der Gesundheitsämter, um eventuell aufflackernde Infektionsherde schnellstmöglich einzudämmen».

Kultusministerium: 95 Prozent der Schüler zurück an Grundschulen

Nach der Wiedereröffnung der Grundschulen in Sachsen hat sich die große Mehrheit für den Unterricht vor Ort entschieden. Etwa 95 Prozent der Grundschüler seien nach der Corona-Zwangspause zurückgekehrt, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Freitag auf Anfrage. Nach einem Gerichtsentscheid ist der Besuch einer Grundschule in Sachsen zunächst bis zum 5. Juni freiwillig.

Wer von den restlichen Schülern aber krank zu Hause sei oder aus Angst vor einer Infektion zu Hause lerne, werde nicht erhoben, hieß es. Insgesamt sei man nach den ersten Tagen Kita-Betrieb und Schulöffnung «vorsichtig positiv» gestimmt.

Am Montag hatte Sachsen als erstes Bundesland Schulen und Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb wieder geöffnet. Statt auf kleine Gruppen und Abstandsregeln zu setzen, bleiben in Kitas und Grundschulen die Schüler strikt voneinander getrennt.

Man mache sich derzeit Gedanken, wie der Schulbetrieb nach den Sommerferien weitergehen solle, sagte die Ministeriumssprecherin. Vorerst wolle man aber abwarten, wie der eingeschränkte Regelbetrieb funktioniere. «Auch mit Blick auf das Infektionsgeschehen.»

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte zuvor in einem Interview mit dem «Focus» erklärt, nach den Sommerferien wieder regulären Schulbetrieb in Sachsen anbieten zu wollen - auch an den weiterführenden Schulen. Dort werden die Kinder derzeit in einem Wechsel aus Lernzeiten an der Schule und zu Hause unterrichtet.

Knapp jeder zehnte Lehrer arbeitet wegen Corona von zu Hause

In Sachsen-Anhalt arbeiten derzeit rund 1300 Lehrer wegen des Coronavirus von zu Hause aus. Diese Lehrer hätten sich vom Arzt bescheinigen lassen, dass sie wegen ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen zur Corona-Risikogruppe gehörten, teilte das Bildungsministerium am Freitag mit. 13 635 Lehrer waren demnach vor Beginn der Pfingstferien hingegen voll dienstfähig. Zuvor hatte der MDR darüber berichtet.

Krankgeschrieben sind die 1300 Lehrer allerdings nicht, sie gelten als eingeschränkt dienstfähig und werden lediglich nicht für den Präsenzunterricht eingesetzt. Sie kümmerten sich momentan in erster Linie um den Fernunterricht, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Darüber hinaus sei eine größere Zahl von Lehrern derzeit aus Gründen nicht dienstfähig, die nichts mit dem Coronavirus zutun hätten. So seien etwa 458 Lehrerinnen im Mutterschutz.

Die Schulen in Sachsen-Anhalt haben ihre Schüler nach der mehrwöchigen Corona-Zwangspause sukzessive in die Klassenräume zurückgeholt. Nach den Pfingstferien sollen die Schulen wieder einen regulären Betrieb aufnehmen, allerdings mit strengen Sicherheitsregeln. Kritiker hatten Bedenken geäußert, ob die Sicherheit der Lehrer dabei gewährleistet werden könne, da viele Lehrer den Risikogruppen angehörten.

Gestohlene Abituraufgaben: Polizei durchsucht mehrere Häuser

Wegen des Diebstahls von Abituraufgaben aus einem Bamberger Gymnasium hat die Polizei mehrere Hausdurchsuchungen und Vernehmungen durchgeführt. Die gestohlenen Aufgaben wurden laut einem Polizeisprecher dabei am Mittwoch nicht gefunden. Vergangene Woche waren zwischen Donnerstag und Sonntag Unbekannte in die Schule eingebrochen, hatten einen Tresor gewaltsam geöffnet und mehrere Unterlagen gestohlen. Darunter waren Prüfungsaufgaben für das Deutsch-Abitur. Die bayerischen Schülerinnen und Schüler bekamen deshalb am Mittwoch bei den Abitur-Prüfungen Ersatzaufgaben gestellt.


21.05.2020 19.45 Uhr

Brandenburg will Corona-Fälle in Schulen und Kitas verhindern

Die Lockerung der Corona-Regeln bringt auch Risiken mit sich. Die rot-schwarz-grüne Regierung in Brandenburg will es nicht zu Infektionsherden in Kitas und Schulen kommen lassen - und sagt wie.

Die Brandenburger Landesregierung will weitere Corona-Infektionen in Kindertagesstätten mit strikten Kontrollen verhindern. «Wir müssen sehen, dass wir (...) den größtmöglichen Schutz für die Kinder, für die Eltern und für die Beschäftigten bieten», sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch im Landtags-Gesundheitsausschuss in Potsdam. Nach dem Hygienekonzept dürften keine Kinder mit Krankheitssymptomen in Kitas kommen. Die Eltern müssten erklären, dass es in ihrem Haushalt keine Symptome für die Krankheit Covid-19 gebe. Einige Kita-Gruppen sollten außerdem wissenschaftlich begleitet werden. In Brandenburg traten bisher in mehreren Kitas Corona-Infektionen auf.

Eine Kita in Reckahn, einem Ortsteil von Kloster Lehnin im Kreis Potsdam-Mittelmark, wurde nach der Infektion einer Erzieherin geschlossen. Zwei Kinder und mindestens eine weitere Erwachsene seien ebenfalls positiv getestet worden, teilte die Gemeinde am Mittwoch mit. Die Kita schließe bis 29. Mai, dem Ende der Quarantäne. Zuletzt wurden dort noch vier Kinder von zwei Erzieherinnen betreut. Häusliche Quarantäne galt bereits für 4 von 7 Erzieherinnen und 8 von 18 Kindern. Vor einigen Wochen infizierte sich eine Erzieherin der Kita im Ortsteil Netzen. Für Kinder und Beschäftigte, die mit ihr direkten Kontakt hatten, galt dann Quarantäne. Außer der Erzieherin sei bisher niemand infiziert, erklärte die Gemeinde Kloster Lehnin.

Inzwischen ist etwas mehr als ein Drittel aller Kinder in Notbetreuung - der Anteil schwankt aber in den Kreisen von 27 bis 57 Prozent. Ab kommendem Montag öffnen die Kitas weiter: Alle Kinder sollen bis zu den Sommerferien Ende Juni zumindest vier Stunden an mindestens einem Tag in der Woche in die Kita gehen - vorrangig Kinder im letzten Kita-Jahr vor der Einschulung. Je nach Kapazität kann das Angebot ausgeweitet werden.

Auch der Schutz an Schulen wird möglicherweise verstärkt. Das Bildungsministerium schließt verstärkte Tests auf den Erreger nicht generell aus. «Aus unserer Sicht ist eine mindestens anlassbezogene Testung beim Infektionsgeschehen etwas, worüber wir sehr gerne weiter nachdenken würden», sagte Ministerin Britta Ernst (SPD) am Mittwoch im Bildungsausschuss. Es müsse weiter diskutiert werden, ob neben den Hygieneregeln die Abstandsregeln der zentrale Arbeitsschutz für die Lehrkräfte sei. «Auf jeden Fall erhöhen Tests das Gefühl der subjektiven Sicherheit», sagte Ernst. Ob der Aufwand lohne, müsse mit dem Gesundheitsministerium erörtert werden.

Die Jahrgangsstufen 1 bis 4 der Grundschulen sollen ab 25. Mai an zwei Tagen in der Woche Unterricht erhalten, die Stufen 5 und 6 sollen nur noch einmal pro Woche zur Schule gehen. Wenn genug Räume und Lehrkräfte da sind, könne das Angebot für die Klassen 5 und 6 ausgeweitet werden. Vor den Sommerferien, die am 24. Juni beginnen, soll allen Schülern der Schulbesuch mindestens tage- oder wochenweise ermöglicht werden.

Das Ministerium erhöhte das Budget für Vertretungslehrer um rund eine Million Euro, um den Unterricht in den Schulen und zu Hause zu unterstützen. Seit 20. April seien 191 Lehrkräfte befristet eingestellt, wieder eingestellt oder verlängert sowie 54 Kräfte langfristig eingestellt. Weitere 70 Lehrkräfte sollten eingestellt oder verlängert werden.

Gesundheitsministerin Nonnemacher kündigte eine Teststrategie für Pflegeheime an. Linke-Gesundheitspolitikerin Bettina Fortunato kritisierte, dass keine solche Strategie für Schulen und Kitas geplant sei. «Ein konsequenter Schutz der Bevölkerung ist das nicht.» Die Lage in Flüchtlingsunterkünften entspannt sich nach Einschätzung des Ministeriums etwas. In Potsdam sei die letzte bestehende Quarantäne aufgehoben worden.

Die Landesregierung sieht das Infektionsgeschehen nur auf wenige Schwerpunkte konzentriert. «Wir haben im Moment ein sehr, sehr niedriges Niveau», sagte Nonnemacher. Am Donnerstag waren rund 180 Patienten bestätigt an Covid-19 erkrankt. Insgesamt wurden bisher 3224 Menschen offiziell als infiziert erfasst, 13 Fälle mehr als am Tag zuvor. Die geschätzte Zahl der Genesenen sei im Vergleich zum Vortag um 10 auf 2880 gestiegen. Die Kenia-Regierung hatte die Beschränkungen am Dienstag weiter gelockert.

«Jugend forscht» präsentiert Projekte wegen Corona im Internet

Der sächsische Landeswettbewerb «Jugend forscht» weicht in der Corona-Krise ins Internet aus. Da die Veranstaltung in der üblichen Form nicht habe stattfinden können, gebe es nun eine virtuelle Ausstellung der Projekte bei Instagram, teilte der Veranstalter am Donnerstag mit. Gleiches gilt für den Wettbewerb «Schüler experimentieren.»

Der Forschernachwuchs soll so die Chance erhalten, seine Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und Kontakte zur Wirtschaft und Wissenschaft aufzubauen. Die virtuelle Ausstellung sei eine Premiere in der 55-jährigen Geschichte von «Jugend forscht», hieß es. Instagram-Nutzer können bis zum 1. Juni über den Sieger der #instachallenge abstimmen. Die Videopräsentation mit den meisten Likes werde zum Sieger gekürt, hieß es.

Abi-Zeugnisse sollen im Autokino überreicht werden

Die Abiturienten aus der Gemeinde Lippetal in NRW sollen ihre Zeugnisse im Autokino überreicht bekommen. Die Abschlussfeierlichkeiten für den ersten Abiturjahrgang der 2011 gegründeten Gemeinschaftsschule sollen trotz Corona-Beschränkungen ein würdevolles Erlebnis für alle Beteiligten werden, wie Bürgermeister und Schulleitung mitteilten. Die feierliche Zeugnisübergabe am 26. Juni sei daher in das neu eingerichtete Autokino verlegt worden.

Dort könnten dann auch aus dem Auto heraus Familien, Freunde und Offizielle über die große Leinwand die Veranstaltung hautnah mitverfolgen. Die Zeugnisse werden unter Einhaltung der Abstandsregeln auf der Bühne vergeben. Die Zeitung «Die Glocke» hatte zuvor berichtet.

Koalition will bei Lehrerbesoldung und Weihnachtsgeld sparen

Die große Koalition in Niedersachsen möchte angesichts der Corona-Krise auf die in Erwägung gezogene weitere Angleichung der Lehrerbesoldung sowie auf ein Weihnachtsgeld für Pensionäre verzichten. Das sagte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer bei der gemeinsamen Vorlage einer Bilanz zur Hälfte der Regierungszeit mit der SPD-Fraktionsvorsitzenden Johanne Modder am Mittwoch in Hannover. Im Fokus ständen nun der Neustart und die Neuausrichtung der Wirtschaft, die Agrarpolitik auch unter Berücksichtigung der Versorgungssicherheit sowie die medizinische Versorgung mit einem flächendeckenden Krankenhausnetz.

Zunächst nicht abrücken wollen die Regierungsfraktionen von ihrem Gesetzentwurf zur Änderung von Vorschriften für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Dieser sieht vor, dass das Fachministerium eine Beteiligung von Pflegekräften an den Maßnahmen «zur Bekämpfung der bedrohlichen übertragbaren Krankheit» anordnen kann. Wie Modder sagte, geht es darum, in Krisensituationen Kräfte rekrutieren zu können. Nach jetzigem Recht könnten sich Hausärzte gegen Ende eines Quartals weigern, Patienten über ihr Budget hinaus zu behandeln.

Auch Lehrer aus Corona-Risikogruppen müssen Prüfungen abnehmen

Schrittweise kehren die Schüler in den Präsenzunterricht an die Schulen zurück. Dort treffen sie aber nicht unbedingt auf all ihre Lehrer. Wenn die Lehrkräfte zu Risikogruppen gehören, brauchen sie nicht in die Schulen zu kommen. Schulministerin Gebauer will das ändern.

Ältere oder vorerkrankte Lehrer in Nordrhein-Westfalen sind trotz der Corona-Pandemie verpflichtet, mündliche Abiturprüfungen abzunehmen, sofern sie kein ärztliches Attest vorlegen. Das stellte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch noch einmal im Schulausschuss des Landtags klar. Mündliche Prüfungen seien nicht mit Unterrichtsstunden vergleichbar. «Prüfungen sind kein Präsenzunterricht», betonte die Ministerin. An den Prüfungen nähmen in der Regel nur vier Personen teil. Die Hygiene- und Abstandsregeln könnten gewährleistet werden.

Gerade Eltern und Lehrerverbände sowie Lehrkräfte selbst hätten dafür geworben, dass die den Schülern vertrauten Lehrer auch die mündlichen Prüfungen abnähmen, sagte Gebauer. Vorerkrankte oder auch schwangere Lehrkräfte hätten aber «das ausdrückliche Recht», sich ärztlich bestätigen zu lassen, wenn sie wegen der Zugehörigkeit zur Risikogruppe die Prüfungen nicht abnehmen wollten.

Keine konkreten Aussagen - auch nicht auf mehrmaliges Nachfragen der Opposition - machte Gebauer dazu, unter welchen Bedingungen künftig auch Lehrkräfte aus Risikogruppen im Präsenzunterricht eingesetzt werden sollen. «Wir können Präsenzunterricht sicher nicht auf Grundlage der Freiwilligkeit organisieren», sagte Gebauer. Sie verwies erneut auf jüngste Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI), die keine grundsätzlichen Einsatzbeschränkungen für bestimmte Altersgruppen oder Vorerkrankungen mehr vorsähen. «Ich habe immer gesagt, dass der Rat der Experten Grundlage ist für unsere Entscheidungen.»

Die Frage der Rückkehr der Lehrkräfte werde mit Personalräten und anderen Ministerien erörtert. Dann werde entschieden, wie es weitergehe, sagte Gebauer. Sie halte es aber für «selbstverständlich», dass möglichst viele Lehrer in den Präsenzunterricht zurückkämen, damit auch so viele Schüler wie möglich wieder direkt unterrichtet werden könnten. Konkrete Angaben, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, machte Gebauer nicht.

Wegen der bisherigen Einsatzbeschränkungen für Pädagogen ab 60 Jahren beziehungsweise mit Vorerkrankungen sind nach früheren Angaben Gebauers derzeit knapp 30 Prozent der insgesamt rund 200 000 Lehrkräfte in NRW nicht im Präsenzunterricht.

Der Präsident des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, hatte von zunehmendem Unmut bei Ärzten über die Zahl an Lehrern berichtet, die aus Angst vor einer Corona-Ansteckung eine Befreiung vom Unterricht anstrebten. «Es ist schon unverständlich, dass die Berufsgruppe der Lehrer für sich ein solches Schutzprivileg in Anspruch nimmt», hatte Fischbach der «Neuen Osnabrücker Zeitung» gesagt. Andere Berufsgruppen würden «tatsächlich kranke Patienten versorgen» und wiesen wie etwa die Kinderärzte ein wesentlich höheres Durchschnittsalter als Lehrer auf.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW forderte die Schulministerin auf, Klarheit über den Unterrichtseinsatz von Lehrkräften aus Risikogruppen zu schaffen. «Wir erwarten, dass das Land NRW seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten nachkommt und eine transparente Aussage des Ministeriums terminlich so erfolgt, dass die betroffenen Lehrkräfte die Zeit bekommen, sich entsprechenden ärztlichen Rat einzuholen», erklärte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau.

Die Bildungsgewerkschaft GEW NRW warf Gebauer einen Schlingerkurs und mangelnde Transparenz vor: Der aktuelle Fall einer Schule in Münster, an der vier Schüler und zwei Lehrer positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, zeige, «auf welch dünnem Eis wir uns bewegen», sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern. Insbesondere müsse über regelmäßige Testungen der Lehrkräfte nachgedacht werden. Die Einhaltung des Infektionsschutzes müsse genau so selbstverständlich sein wie die Rückkehr der Lehrer und Schüler in die Schulen.

 

20.05.2020 9.30 Uhr

Ministerium: Einschulung für 12. August geplant

Die Einschulung der Erstklässler zum nächsten Schuljahr in Schleswig-Holstein ist laut Bildungsministerium für den 12. August geplant. Das sei der derzeitige Stand, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Die Corona-Krise hatte den Ablauf des aktuellen Schuljahres völlig durcheinandergebracht. Die Schulen wurden geschlossen. Erst nach und nach können Schüler wieder an Präsenzunterricht teilnehmen.

FDP-Chef Lindner fordert «mutige Stufenpläne» für Schulen und Kitas

FDP-Chef Christian Lindner hat mehr Tempo bei der Öffnung von Schulen und Kitas gefordert. «Wenn vier medizinische Fachgesellschaften dazu aufrufen, Kitas und Schulen vollständig zu öffnen, muss die Politik so schnell wie möglich reagieren», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Mehrere Medizinerverbände, darunter der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, hatten sich in einer gemeinsamen Stellungnahme für eine umgehende Komplettöffnung von Kindergärten und Schulen ausgesprochen. «Nach Ansicht der Fachverbände sind Kinder keine starken Treiber der Pandemie. Daraus müssen wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen», sagte Lindner.

Die Corona-Krise dürfe nicht länger auf dem Rücken von Kindern und Eltern ausgetragen werden. Es brauche «schleunigst kluge und mutige Stufenpläne», wie Schulen und Kindergärten schneller zurück in den Unterricht geführt werden könnten. Die Länder entscheiden darüber in Eigenregie. In Sachsen sind Grundschulen und Kindergärten für alle seit Wochenbeginn wieder geöffnet. Andernorts gibt es in den Kitas weiterhin nur Notbetreuung. An den Schulen wechseln sich die Schüler momentan ab: Ein Teil lernt zu Hause, der andere bekommt Präsenzunterricht.

Glück und gute Nerven: Abiturprüfungen starten mit dem Fach Deutsch

Daumen drücken und Ruhe bewahren heißt es in den kommenden Tagen für rund 35 000 Gymnasiasten in Bayern: Am Mittwoch starten die Abiturprüfungen. Zunächst schreiben die Schülerinnen und Schüler die Aufgaben im Fach Deutsch. Kommende Woche folgen die schriftlichen Arbeiten in Mathematik (26. Mai) und im dritten Abiturprüfungsfach (29. Mai). Die mündlichen Prüfungen sind von 15. bis 26. Juni angesetzt.

Um die Prüfungen hatte es in den vergangenen Tagen große Aufregung gegeben. Einbrecher hatten aus dem Tresor eines Gymnasiums in Bamberg die Aufgaben für das Deutsch-Abitur gestohlen. Die Schüler in Bayern bekommen deshalb nun Ersatzaufgaben, die für solche Fälle vorbereitet wurden. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte die Jugendlichen beruhigt. Die Prüfungen könnten wie geplant stattfinden.

Die Nerven der Abiturienten waren ohnehin schon auf eine Geduldsprobe gestellt worden. Eigentlich sollte das Abitur bereits am 30. April beginnen. Weil die Schulen aber wegen der Corona-Pandemie Mitte März für mehrere Wochen geschlossen wurden, verschob das Kultusministerium die Termine der Abschlussprüfungen in den Mai. Mit den Hochschulen und Universitäten wurden zudem Absprachen getroffen, um den Absolventen Gelegenheit zu geben, sich trotz der Verschiebung rechtzeitig für das kommende Wintersemester zu bewerben.

Baerbock fordert Bund-Länder-Spitzentreffen zu Kitas und Schulen

Nach dem Appell medizinischer Fachgesellschaften für eine Wiederöffnung von Schulen und Kitas hat Grünen-Chefin Annalena Baerbock ein Spitzentreffen von Bund und Ländern gefordert. Länder wie Dänemark hätten vorgemacht, dass die Kita- und Schulöffnungen unter Vorsichtsmaßnahmen gut und erfolgreich funktionierten, sagte Baerbock der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Mittwoch). Deswegen sei auch in Deutschland mehr Tempo notwendig. «Alle Akteure auf Bundes- und Länderebene müssen sich jetzt bei einem Spitzentreffen dringend an einen Tisch setzen, um zu handeln.»

Bund und Länder müssten jetzt mit Hochdruck daran arbeiten, «dass der eingeschränkte Regelbetrieb aufgenommen wird und alle Kinder wieder in Kitas und Schulen können». «Lediglich einmal die Woche den Klassenraum oder die Kita von innen zu sehen verunsichert Kinder nur mehr, als dass es hilft.» Baerbock sagte, die Voraussetzungen für die Rückkehr zum Regelbetrieb seien eine gute Hygieneausstattung, Abstandsregelungen, kontinuierliches Testen des Personals, feste Unterrichts- und Spielgruppen sowie Unterrichtszeiten in den Nachmittag hinein.

Mehrere medizinische Fachgesellschaften - darunter die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte - hatten ein Ende des Notbetriebs in Kindergärten und Schulen und eine umgehende unbeschränkte Wiederöffnung gefordert. Weder der Schutz von Lehrern, Erziehern, Betreuern und Eltern, noch die allgemeinen Hygieneregeln stünden dem entgegen.

Wochenlang waren in ganz Deutschland Schulen und Kitas wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Seit Ende April wurde der Schulbetrieb stufenweise wieder aufgenommen. In den Kitas wird derweil die Notbetreuung weiter ausgeweitet. Wann sie in den Regelbetrieb zurückgehen, entscheiden die Bundesländer selbst, ebenso über das weitere Vorgehen an den Schulen.

Sechs Corona-Fälle an Schule in Münster

An einer Schule im nordrhein-westfälischen Münster sind vier Schüler und zwei Lehrer positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte die Stadt am Dienstag mit. Alle Schüler und Lehrer der betroffenen Hauptschule - knapp 300 Menschen - würden nun getestet, sagte ein Stadtsprecher. Die Tests sollten am Mittwochmorgen beginnen, sie würden voraussichtlich bis zum Beginn der kommenden Woche dauern, sagte der Sprecher. Unterricht werde unter diesen Umständen kaum möglich sein.

Wie es zu der Infektion kam, sei noch offen. «Egal wie - offenbar haben sich Personen nicht an die Schutzregeln gehalten.» Nach einem Bericht des Radiosenders «AntenneMünster» gehört einer der infizierten Schüler zu einer Familie, in der sich mehrere Mitglieder infiziert haben. Die Hauptschüler teilen sich in dem Schulzentrum den Schulhof mit einem Gymnasium und einer Realschule. Ob es auch für diese Schüler Konsequenzen gibt, war zunächst unklar.

Schulen bekommen Laptops zum Verleihen im Wert von 15 Millionen Euro

Sachsen-Anhalts Schulen sollen Laptops und Notebooks im Wert von 15 Millionen Euro bekommen, um sie für den digitalen Unterricht an Schülerinnen und Schüler auszuleihen. Das teilte die schwarz-rot-grüne Landesregierung am Dienstag in Magdeburg mit. Hintergrund des millionenschweren Technikpakets ist, dass Kinder und Jugendliche wegen der Corona-Auflagen noch lange abwechselnd in der Schule und mit Angeboten von zuhause aus lernen sollen.

«Ziel ist es, schnell und möglichst bürokratiearm die entsprechenden Geräte zur Verfügung zu stellen», sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) laut Mitteilung. Er wolle bereits am Mittwoch erste Gespräche mit den Schulträgern führen, wie das Programm umgesetzt wird. Die Geräte sollten möglichst zentral beschafft werden.

Zuvor hatten sich die Länder mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) darauf geeinigt, ein entsprechendes Programm aufzulegen. Von den 500 Millionen Euro des Bundes fließen 13,7 Millionen nach Sachsen-Anhalt. Das Land übernimmt den Eigenanteil in Höhe von 1,5 Millionen Euro, den eigentlich Kommunen und freie Träger hätten zahlen müssen.

Ursprünglich sollten finanzschwache Familien einen Zuschuss von 150 Euro bekommen, um sich Technik für das digitale Lernen zu kaufen. Doch Mitte Mai entschieden sich die Ministerinnen und Minister um. Auch nach der Corona-Pandemie blieben die Geräte Eigentum der Schulen und könnten damit dauerhaft genutzt werden, so die Begründung. Deutschlandweit waren die Schulen Mitte März geschlossen worden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Schüler mussten mit Aufgaben zuhause lernen. Kritiker monierten, dass dabei jene Familien einen Nachteil hätten, die nicht über digitale Technik verfügten.

 

19.05.2020 8.30 Uhr

Test auf Corona als Teil des Schulalltags - Versuch in Neustrelitz

Wie kann man in Corona-Zeiten mehr Unterricht an Schulen möglich machen? Ein Versuch dazu läuft in Neustrelitz. Hier werden Tests auf das Virus in den Unterricht integriert. Auch Schulen in anderen Bundesländern sind interessiert.

«Sie haben sich vor der Tür auch desinfiziert?», fragt Lehrerin Heike Kindermann im Testzentrum, bevor sie die Tüte mit dem Corona-Testmaterial übergibt. Der 18-jährige Magnus Voigt nickt und stellt sich mit vorgeschriebenem Abstand an. Nach wenigen Minuten nimmt er vor einem Spiegel, routiniert den Abstrich in seinem Mundraum vor, verschließt die Plastik-Ampulle und gibt sie ab. «Das geht echt Fixi-Foxi», sagt Voigt. Der Elftklässler ist einer von mehreren hundert Schülern am Gymnasium Carolinum in Neustrelitz, das seit Ende April als einzige Schule im Nordosten Corona-Abstrichtests in den Unterricht integriert hat. «Das könnte ein Modell für das Bundesland sein», sagt Schulleiter Henry Tesch. Dabei blickt der 57-Jährige schon auf das nächste Schuljahr, das Anfang August startet. Er bekommt Zuspruch von Schulen aus anderen Bundesländern, vom Landeselternrat Mecklenburg-Vorpommern und von den eigenen Schülern.

«Uns kamen die engen Beziehungen zur Universität Rostock zugute», erläutert Tesch. So gebe es seit Jahren gemeinsame «Summer-Schools» für einen Teil der rund 1000 Schüler, die an dem Gymnasium lernen. Über die Universität kam Tesch mit der Rostocker Biotechnologiefirma Centogene AG in Kontakt, die dem Carolinum kostenlos Testmaterial zur Verfügung stellt. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte als Schulträger genehmigte, dass in einem Zelt auf dem Hof - wenn es warm genug ist - oder in einem Raum der Schule die Tests laufen.

«Das muss so integriert werden, wie Zähneputzen», sagt Tesch. Das größte Problem sei unter Schülern «Abstand, Abstand, Abstand.» Ihm schwebt vor, dass in jedem Schulamtsbereich eine größere Schule die Tests integriert. «Ich kann mir vorstellen, dass die Rostocker Firma so ein Modellprojekt auch mitträgt», sagt der Schulleiter. Denn die Zeit dränge, das Schuljahr ende Mitte Juni. «Wir brauchen möglichst viel Daten, um politische Entscheidungen zu untermauern.» Am 3. August startet das neue Schuljahr.  

In Neustrelitz kann sich - freiwillig - jeder zweimal die Woche testen lassen. Das Ergebnis kommt einen Tag später an die private Mailadresse. Bisher waren alle Coronatests negativ, was für Tesch angesichts der geringen Infektionszahlen im Nordosten auch kein Wunder ist.

«Das mit den Tests ist eine enorme Erleichterung im Schulalltag», sagt Schülersprecherin Lisa Günther. Die 17-Jährige hat gerade ihre Abiturprüfungen geschafft. «Ich konnte mich besser auf die Prüfungen konzentrieren», sagt sie. Zu Hause lebt sie mit Eltern und der Urgroßmutter zusammen und besucht ihre Großmutter, die Vorerkrankungen habe. «Da bin ich viel beruhigter, wenn ich die Tests absolviert habe.»

Ein solches Modellprojekt würde auch der Vorsitzende des Landeselternrates Kay Czerwinski begrüßen. «Wir brauchen einen Mix aus kreativen Maßnahmen, und das ist ein hervorragender Ansatz», lobt Czerwinski, der auch Elternratschef an einer ähnlich großen Schule in Rostock ist. Den Eltern sei es sehr wichtig, dass es im neuen Schuljahr wieder deutlich mehr Präsenzunterricht gibt. «Wir brauchen größere Räume, um mit weniger Lehrern mehr Schüler unterrichten zu können.» Der Neustrelitzer Ansatz schaffe auch für die Lehrer mehr Sicherheit.

Auch Tesch will mit seinem Modell erreichen, dass künftig wieder mehr Schüler in einem Raum von Pädagogen unterrichtet werden. «Das ist auch eine statistische Aufgabe», verdeutlicht der Schulleiter. Bei einer bestimmten Zahl an Tests pro Schüler und der entsprechenden Infektionssituation könne man vielleicht auch nur einmal die Woche testen. Zudem spiegele der Test die gesamte Region wieder. Die Schüler kommen aus vielen Gemeinden in der dünn besiedelten Region und seien damit repräsentativ für große Teile der Seenplatte.

Dazu kommt, dass sich auch Angehörige testen lassen können. So wie Jens Fleischer. Der Vater einer Zehntklässlerin hat sich auch ein Testset von Lehrerin Kindermann abgeholt, nimmt eine Probe und gibt sie ab. Das sei eine gute Möglichkeit für Eltern, aber nach seiner Ansicht kommt das zu spät. «Wir hätten schon längst wissen müssen, was ist eigentlich los in unserer Population», sagt Fleischer.

Wie Schülersprecherin Günther und Elftklässler Voigt einräumen, gibt es bei etwa zehn Prozent der Schüler Bedenken wegen der Tests. Das sei aber meist dem Elternhaus geschuldet. «Manche sagen, "was mache ich, wenn ich positiv bin"», berichtet Günther. Dann würde sie sich erst recht testen lassen, sagt die Schülersprecherin. «Für mich ist alles abiturrelavanter Stoff, es wäre toll, wenn ab August ein Lehrer wieder ganz für die Klasse da wären», sagt Voigt. Derzeit sei die Klasse in zwei Gruppen geteilt und der Lehrer wechsle zwischen den Klassenräumen.

HPI schließt Datenschutzlücke in Schul-Cloud

Das Hasso-Plattner-Institut hat eine Datenschutzlücke in der HPI Schul-Cloud geschlossen. «Wir wurden vom Saarländischen Datenschutzbeauftragten auf eine potenzielle Lücke hingewiesen, über die es Hackern offenbar möglich war, sich illegal einen Account in der HPI Schul-Cloud anzulegen», sagte Instituts-Direktor Prof. Christoph Meinel der Deutschen Presse-Agentur. Das HPI habe diese Missbrauchsmöglichkeit sofort behoben und die Lücke geschlossen. «Die HPI Schul-Cloud ist weiter sicher nutzbar und ihre Funktionalität und Sicherheit wird weiter ausgebaut.»

Nach Angabe des Instituts konnten sich Unberechtigte über einen allgemeinen Einladungs-Link als vermeintliche Schulangehörige bei dem System anmelden und dabei Vor- und Nachnamen von Anwendern einsehen. Der verdächtige Nutzer habe in dem Schul-System eine Gruppe erstellt und versucht, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte in dieses Team einzuladen. «Nach allem was wir wissen, sind lediglich Vor- und Nachnamen von Lehrkräften und Schülern einer teilnehmenden Schule im Saarland illegal abgegriffen worden, aber es sind keine Daten missbraucht worden», sagte Meinel.

Im Rahmen der weiteren Analyse identifizierte das HPI insgesamt 13 Schulen, bei denen vermutlich unberechtigte Registrierungen stattgefunden haben. «Sieben Schulen befinden sich in der Instanz der HPI Schul-Cloud, sechs in der Brandenburger Schul-Cloud. Davon war bei sieben Schulen die Option aktiviert, dass Schüler Teams erstellen können.» Vier der 13 Schulen seien Testschulen von Projektpartnern ohne Schülerdaten gewesen.

Im Rahmen des Vorfalls wurde das HPI auch auf eine kleinere Datenschutzlücke in seinem Ticketsystem hingewiesen, in dem Fehlermeldungen oder Verbesserungsvorschläge von Nutzern erfasst wurden. «Das Ticketsystem der HPI Schul-Cloud war so konfiguriert, dass die Einträge in einem bestimmten Bereich von jedem eingesehen werden konnten. Das ist bei Open-Source-Projekten durchaus üblich, um eine maximale Transparenz in der Entwicklung zu gewährleisten.» Da das Ticketsystem aber schon vor dem Hinweis geschlossen worden sei, habe man an dieser Stelle keine weiteren Maßnahmen ergriffen.

Die HPI Schul-Cloud wird vom Bundesbildungsministerium finanziell gefördert und derzeit vor allem in Brandenburg, Thüringen und Niedersachsen sowie in etlichen deutschen Schulen im Ausland eingesetzt. Ende März kündigte das Ministerium an, den Zugang zu dem System bundesweit zu öffnen. Das System wird wiederum von kommerziellen Anbietern von Lern-Plattformen als wettbewerbsverzerrend und unzulässiger staatlicher Eingriff kritisiert.

Meinel betonte, der Schutz der Daten von Schülerinnen und Schülern, die bei der Nutzung von digitalen Lernsystemen notwendig anfallen, sei eines der wesentlichen Entwicklungsziele im Projekt der HPI Schul-Cloud.

Schüler sollen Unterrichtsstoff in Sommerferien nachholen können

Schüler aus armen oder anderweitig benachteiligten Familien sollen einen Teil des wegen der Corona-Schließungen versäumten Schulstoffs in den Sommerferien nachholen können. Das betrifft auch andere Schüler, die aufgrund der Corona-Pandemie in Lernrückstand geraten sind. Daher werde ein Programm für Sommerschulen aufgelegt – neben den üblichen Ferienschulen, teilte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag mit.

Dem Konzept zufolge sollen betroffene Schüler der Klassenstufen 1, 2 sowie der Jahrgangsstufen 7, 8 oder 9 die Sommerschule auf freiwilliger Basis besuchen können. Die Bildungsverwaltung rechnet mit bis zu 12 800 Teilnehmern. Vorgeschlagen werden sie vor allem von ihren Klassenleitern.

Die Kinder und Jugendlichen sollen in Lerngruppen von maximal acht Schülern 15 Zeitstunden pro Woche vor allem in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch unterrichtet werden. Umsetzen soll das ein freier Träger mit Hilfe von pensionierten Lehrkräften oder etwa Lehramtsstudenten.

In Berlin waren die Schulen wegen der Corona-Pandemie wochenlang geschlossen, ehe der Betrieb ab 27. April unter Beachtung von Hygiene- und Abstandsregeln schrittweise wieder anlief. Normal ist an den Schulen aber nichts: Manche Schüler haben bis zum Ferienbeginn am 25. Juni gerade mal einige Tage Präsenzunterricht in den Schulen.

Ministerium: Große Freude bei Kindern über Start des Unterrichts

An Hessens Schulen ist die nächste Stufe der Öffnung ohne große Probleme angelaufen. Selten habe es so viel Freude unter den Kindern über den Wiederbeginn des Unterrichts gegeben, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums am Montag in Wiesbaden nach einer Schalte mit Amtsleitern. Die Abstandsregeln seien überwiegend gut eingehalten worden. Am ersten Schultag nach der langen Pause wegen der Corona-Pandemie seien wegen der großen Wiedersehensfreude mitunter aber auch noch Hinweise an die Schüler notwendig gewesen.

Für die Viertklässler der Grundschulen sowie alle weiteren Jahrgänge der weiterführenden Schulen hat der Unterricht am Montag wieder begonnen. Zu beobachten ist nach Angaben des Sprechers eine steigende Nachfrage nach der Notfallbetreuung.

Die hessische GEW-Vorsitzende Birgit Koch sprach von einer Herkulesaufgabe für die Schulen. «So sehr wir uns alle wünschen, dass wir bald zu einer Normalität des Schulbetriebes zurückkehren: Wir dürfen hierbei die Hygienevorgaben, die Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer sowie den Arbeits- und Gesundheitsschutz nicht aus dem Blick verlieren.»

Auch die Bildungsexpertin der Linke-Fraktion, Elisabeth Kula, mahnte, dass die Hygienekonzepte in den Schulen bei der Öffnungen Ende April teilweise nicht umgesetzt werden konnten. Die Lehrer und die Schulleitungen fühlten sich oft mit der Situation alleine gelassen.

Die Bildungsgewerkschaft warnte zudem davor, dass sich durch die Corona-Krise die Bildungsungerechtigkeit weiter verschärfe. Alle Berichte aus den Schulen zeigten, dass die ohnehin benachteiligten Kinder häufig durch das Lernen zu Hause weiter abgehängt würden. Für viele Schüler stelle die Schule eine Konstante dar, die ohne den Unterricht in der Schule fehle. Viele Kinder hätten zudem keinen eigenen Schreibtisch oder ein Notebook zu Hause.

Acht bestätigte Corona-Fälle an Schulen und Kitas in Bremen

An mehreren Schulen und Kitas in Bremen sind insgesamt acht Corona-Infektionen bestätigt worden. Bei fünf der positiv Getesteten handelt es sich um Schul- beziehungsweise Kita-Kinder, bei den restlichen drei um Kita-Beschäftigte, wie die Gesundheitsbehörde am Montag mitteilten. Betroffen sind fünf Schulen und drei Kindertageseinrichtungen. Es seien aber alles Einzelfälle, betonte ein Sprecher. Eine Cluster-Bildung sei nicht bekannt.

Festgestellt wurden zudem mehr als 100 Kontaktpersonen, die meisten von ihnen sind Schülerinnen und Schüler sowie Kita-Kinder. Das Gesundheitsamt habe in den jeweiligen Einrichtungen Maßnahmen getroffen. Alle Fälle und Kontaktpersonen werden den Angaben zufolge schriftlich und mündlich kontaktiert. Was die bestätigten Fälle nun für den weiteren Schulbetrieb in Bremen bedeuten, war zunächst noch nicht klar. «Buten un Binnen» von Radio Bremen hatte zuerst über die Infektionen berichtet.

Gericht lehnt Eilantrag auf Tragen von Masken in Schule ab

Den Eilantrag eines Schülers aus dem Rheingau-Taunus-Kreis auf das verpflichtende Tragen eines Mund- und Nasenschutzes in seiner Schule hat das Verwaltungsgericht Wiesbaden abgelehnt. Das Gericht führte in seinem am Montag veröffentlichten Beschluss zwei Gründe an: Die Mutter des volljährigen Schülers habe den Eilantrag ohne die erforderliche Vollmacht ihres Kindes gestellt. Zudem würden an der Schule die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln wegen der Corona-Pandemie eingehalten. (Az.: 6 L 485/20.WI).

Als Begründung für den Eilantrag war darauf verwiesen worden, dass das Virus mehrere Stunden lang in der Luft und auf Oberflächen überleben könne. Deshalb fühle sich der Schüler in seinem Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit verletzt. Gegen den Beschluss kann Beschwerde erhoben werden, über die dann der hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel zu entscheiden hat.

Neue Abi-Aufgaben in Bayern nach Einbruch in Gymnasium

Weil bei einem Einbruch in ein Bamberger Gymnasium Prüfungsaufgaben für das Deutsch-Abitur gestohlen worden sind, bekommen alle Schüler in Bayern am Mittwoch Ersatzaufgaben. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte laut einer Mitteilung am Montag in München: «Den Abiturientinnen und Abiturienten kann ich sagen, dass sie sich wegen dieses Vorfalls keine Sorgen machen brauchen. Die Abiturprüfung wird mit den für solche Fälle vorbereiteten Ersatzaufgaben an den geplanten Terminen stattfinden.»

Unbekannte waren zwischen Donnerstag und Sonntag in die Schule eingebrochen und stahlen aus einem Tresor mehrere Unterlagen, wie die Polizei mitteilte. Ob neben den Aufgaben für das Deutsch-Abitur auch weitere Fächer betroffen sind, werde noch geprüft.

 

18.05.2020 8.00 Uhr

Studie: Zu wenige Lehrer und schwache Digitalisierung an NRW-Schulen

In Nordrhein-Westfalen haben laut einer repräsentativen Befragung überdurchschnittlich viele Schulleiter mit Lehrermangel und unbesetzten Stellen zu kämpfen. 70 Prozent der im Januar und Februar Befragten in NRW gaben an, davon konkret betroffen zu sein.

Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Erhebung für den Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) hervor. Damit ist der Anteil im Vergleich zum Vorjahr (60 Prozent) deutlich gestiegen und liegt auch erheblich über dem bundesweiten Wert (59 Prozent). Mehr als jeder zweite Schulleiter bundes- und landesweit benannte Lehrermangel als größtes Problem an seiner Schule.

In Zeiten der Corona-Pandemie räche sich jetzt zudem die mangelhafte Digitalisierung an den Schulen, stellte VBE-Landeschef Stefan Behlau fest. 60 Prozent der Schulleiter in NRW (bundesweit: 64 Prozent) haben nicht in allen Klassen- und Fachräumen Breitbandinternet und WLAN zur Verfügung. Fast genauso viele haben auch keine Tablets und Smartphones für ihre Klassen.

«Corona macht diesen Mangel jetzt noch spür- und sichtbarer», stellte Behlau fest. «Es sollte möglichst schnell eine Digitaloffensive für die Schulen anlaufen, die diesen Namen auch verdient.» Der Mix aus Lernen auf Distanz und Präsenzunterricht erzwinge nun einen Investitionsschub.

Etwa jeder dritte Rektor oder Direktor in NRW bemängelte den Zustand der Gebäude und die Ausstattung an seiner Schule - im Vorjahr tat das erst jeder vierte. Bundesweit klagt darüber nur jeder fünfte.

Abitur-Prüfungen in Thüringen starten mit Verspätung

Für rund 6700 Schüler beginnen in Thüringen ab Montag sukzessive die Abiturprüfungen. Los geht es mit Biologie, Chemie und Physik. Am Mittwoch dann werden in Deutsch die Prüfungen geschrieben, am 25. Mai folgt die Prüfung in Mathematik. Die Abiturprüfungen hätten in Thüringen eigentlich schon am 30. April starten sollen. Wegen der Corona-Pandemie wurden sie aber um mehrere Wochen verschoben.

Hintergrund war auch ein Versprechen des Thüringer Bildungsministers Helmut Holter (Linke), der den Schülern zusicherte, genügend Zeit zu bekommen, um sich noch in den Schulen mit Hilfe der Lehrer im Präsenzunterricht vorbereiten zu können. Die angehenden Abiturienten waren in Thüringen die ersten Schüler, die nach wochenlangen Schulschließungen an ihre Schulen zurückkehren konnten.

Kitas und Schulen in Sachsen öffnen nach Corona-Zwangspause

Das Lernen zu Hause hat für die meisten sächsischen Schüler ein Ende: Von diesem Montag an öffnen Grundschulen und weiterführende Schulen nach wochenlanger Corona-Zwangspause wieder ihre Türen. Allerdings bleibt der Grundschulbesuch vorerst freiwillig. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtes Leipzig hatte das Kultusministerium am Wochenende die Schulbesuchspflicht für die Klassen eins bis vier kurzfristig ausgesetzt. Eltern können bis zum 5. Juni selbst entscheiden, ob ihre Kinder in der Schule oder zu Hause lernen.

Das Gericht gab den Eltern eines Siebenjährigen recht, die sich gegen die Öffnung der Grundschulen ohne Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern gewandt hatten. Denn das Kultusministerium setzt bei der Öffnung von Kitas und Grundschulen eher auf eine strikte Trennung der Gruppen und Klassen.

Für die älteren Schüler gilt ein anderes System: Sie können nach Einschätzung des Kultusministeriums die Abstandsregeln besser einhalten und sollen daher in kleinen Gruppen unterrichtet werden - in einem Wechsel aus Lernzeiten zu Hause und Unterricht an der Schule. Lehrerverband, Erzieher und Gewerkschaften warnten im Vorfeld vor einer erheblichen Mehrbelastung und forderten, dass der Gesundheitsschutz Priorität haben müsse.

CDU-Fraktion für Ausweitung von Corona-Tests an Schulen in MV

Die Landtagsfraktion der CDU hat sich für eine Ausweitung der Corona-Tests an Schulen Mecklenburg-Vorpommerns ausgesprochen. Am Gymnasium Carolinum in Neustrelitz gebe es bereits die Möglichkeit für Corona-Tests. Es könne daher sinnvoll sein, eine Teststruktur an den Schulen in MV nach dem Vorbild des Gymnasiums unter wissenschaftlicher Begleitung aufzubauen, hieß es. «Die Erfahrungen, die am Carolinum bereits gemacht wurden, könnten hierbei eine große Hilfe sein», teilte die CDU-Fraktion am Sonntag mit.

Die Mitglieder des Arbeitskreises Bildung der CDU-Fraktion, Daniel Peters und Bernhard Wildt, wollen sich den Modellversuch demnach am Montag vor Ort ansehen. «In Abhängigkeit des weiteren Infektionsgeschehens muss derzeit davon ausgegangen werden, dass die Unterrichtsgestaltung auch im neuen Schuljahr mit Einschränkungen verbunden sein wird», hieß es weiter. Es müsse alles dafür getan werden, diese Einschränkungen zu minimieren.

Weitere Schritte in Richtung Normalität seien trotz des Coronavirus möglich, wenn die Testdichte erhöht werde, insbesondere in Bereichen, in denen viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, hieß es.

Schulklasse nach positivem Corona-Test in Quarantäne

Nachdem ein Schüler einer 9. Klasse in Unterfranken positiv auf das Coronavirus getestet wurde, müssen die Klasse sowie mehrere Lehrer in Quarantäne. Der Schüler einer Mittelschule in Bad Brückenau (Landkreis Bad Kissingen) habe am Dienstagabend Erkältungssymptome gezeigt, teilte das Landratsamt Bad Kissingen am Sonntag mit. Ein Test auf Covid-19 sei positiv ausgefallen. Das Gesundheitsamt habe daher für die Schüler sowie für fünf Lehrkräfte, die mit dem Schüler Kontakt hatten, eine 14-tägige Quarantäne angeordnet.

Um die Chancengleichheit unter den Schülern des Prüfungsjahrgangs zu wahren, habe man sich entschlossen, vorerst alle neunten Klassen der Mittelschule ab Montag ausschließlich per Homeschooling zu unterrichten, hieß es in der Mitteilung. Die Abschlussprüfungen seien verschoben worden. Der übrige Schulbetrieb könne wie geplant laufen.

Schulbesuchspflicht für Grundschüler ausgesetzt - Eltern entscheiden

Lernen zu Hause oder in den Klassen: Eltern von Grundschülern in Sachsen entscheiden eine Zeit lang selbst, ob ihre Kinder zur Schule gehen. Das Kultusministerium hat überraschend die Schulbesuchspflicht vorerst ausgesetzt. Grund ist ein Gerichtsurteil.

Grundschüler in Sachsen müssen vorübergehend nicht zum Unterricht erscheinen. Unmittelbar vor der für diesen Montag geplanten Wiedereröffnung von Schulen und Kitas nach einer zweimonatigen Corona-Zwangspause hat das Kultusministerium am Samstag kurzfristig die Schulbesuchspflicht für die Klassen eins bis vier ausgesetzt. Es bestehe zwar weiter eine Schulpflicht, Eltern könnten aber selbst entscheiden, ob ihre Kinder in der Schule oder zu Hause lernen, teilte das Ministerium mit.

Mit der überraschenden Entscheidung reagierte die Behörde auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Leipzig vom Freitag. Dieses hatte im Eilverfahren zugunsten der Eltern eines Siebenjährigen entschieden, die sich gegen die Öffnung der Grundschulen ohne Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern zwischen Personen gewandt hatten.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sagte, er bedauere, dass die Richter die Unterschiede in der Entwicklung und Einsichtsfähigkeit zwischen Kindern und Jugendlichen nicht hinreichend gewürdigt hätten. «Dennoch respektieren wir den Beschluss und werden die Schulbesuchspflicht für Schüler im Primarbereich vorerst aussetzen», erklärte er.

Die Festlegung des Kultusministeriums gilt bis zum 5. Juni und betrifft Grundschulen sowie den Primarbereich der Förderschulen. Die Eltern, deren Kinder die Schulpflicht zu Hause erfüllen sollen, können dies den Grundschulen formlos per Post oder E-Mail mitteilen.

Das Ministerium kündigte an, den Beschluss des Gerichts vor dem Oberverwaltungsgericht in Bautzen anfechten zu wollen. Die Behörde und die die kommunalen Träger von Kindertageseinrichtungen und Schulen hätten sich am Samstag darauf geeinigt, dass an dem bekannten Konzept des eingeschränkten Regelbetriebes ab 18. Mai in Kitas und Grundschulen festgehalten werde.

Die Landesregierung hatte in der vorigen Woche beschlossen, dass Kitas und Schulen wieder weitgehend für den Regelbetrieb geöffnet werden. Dafür gelten besondere Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte. Diese sehen unter anderem als zentralen Punkt vor, dass Schüler verschiedener Klassen nicht miteinander in Kontakt kommen. So sollten das Infektionsrisiko gering und im Falle des Falles die Infektionsketten nachvollziehbar bleiben, hieß es aus dem Ministerium.

In der Entscheidung des Gerichtes werde jedoch von einem Einhalten eines Mindestabstandes von 1,5 Metern ausgegangen. «Für uns steht fest, dass ein Festhalten an einem Mindestabstand zwischen Kindern in den Grundschulen nicht lebensnah ist und dadurch das Recht der Kinder auf Bildung und Teilhabe massiv einschränkt wird», betonte Piwarz.

Die neue Regelung zur Präsenzpflicht gilt nicht für weiterführende Schulen. «Schüler müssen die Schule in den Präsenzphasen besuchen und haben kein Wahlrecht», teilte das Kultusministerium mit.

Von Montag an öffnen die Schulen und Kitas zumindest eingeschränkt wieder. Schüler der Schulabschlussklassen, der Vorabschlussklassen sowie die vierten Klassen in den Grundschulen gehen bereits seit einigen Tagen wieder in die Schulen.

 

16.05.2020 15.00 Uhr

Rund 13 Millionen Euro für Geräte im häuslichen Unterricht

Thüringen kann vom Bund mit rund 13,2 Millionen Euro zusätzlich aus dem Digitalpakt rechnen, um Schüler für den häuslichen Unterricht mit Geräten auszustatten. Hinzu kommen noch Mittel des Landes, das zehn Prozent der Summe ergänzen muss, wie ein Sprecher des Thüringer Bildungsministeriums mitteilte. Die Finanzierung des Eigenanteils sei gesichert.

Demnach können die Schulträger Geräte anschaffen, die sie dann an die Schüler ausgeben. Vorgesehen sei auch, dass die Schüler die Geräte dann mit nach Hause nehmen, erklärte der Sprecher.

«Digitaler Unterricht zu Hause wird den Präsenzunterricht noch länger ergänzen müssen. Der Bund unterstützt jetzt die Schülerinnen und Schüler, die bisher kein digitales Endgerät haben», erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Kaiser am Samstag.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Tankret Schipanski forderte die Landesregierung auf, mehr in Lehrerfortbildungen zu investieren. «Die Bundesinvestitionen sind nur nachhaltig, wenn Thüringen endlich aktiv ihre digitalen Lehr- und Lernkonzepte vorantreibt», erklärte Schipanski.

Union und SPD im Bund hatten wegen der Schulschließungen in der Corona-Krise vereinbart, eine halbe Milliarde Euro zusätzliche Hilfsgelder für bedürftige Schüler und Schulen bereitzustellen. Das «Sofortausstattungsprogramm» sollen die Schulen auch für die Erstellung von Online-Lehrangeboten nutzen.

Außerdem sieht es einen Zuschuss von 150 Euro für bedürftige Schüler zur Anschaffung von Laptops oder Tablets vor. Das Geld soll aber nicht direkt an die Familien gehen. Die Geräte sollen stattdessen für die Schulen beschafft und von diesen an Schülerinnen und Schüler ausgeliehen werden.

Landeselternrat fordert Masterplan für das kommende Schuljahr

Der Landeselternrat hat angesichts der schwierigen Situation der Schulen einen Masterplan für das kommende Schuljahr gefordert. Darin müsse auf jede Schulart, Anzahl der zur Verfügung stehenden Lehrer und jeden möglichen Pandemieverlauf eingegangen werden, sagte der Ratsvorsitzende Kay Czerwinski der Deutschen Presse-Agentur. «Dafür brauchen wir dringend eine Ist-Analyse.» Der Überblick über die Situation sei momentan verloren gegangen. Die Schullandschaft in Mecklenburg-Vorpommern sei zu heterogen. Manche Schulen seien im Soll, manche hinkten hinterher.

Am 25. Mai öffnen Schulen in Schleswig-Holstein für weitere Klassen

In Schleswig-Holstein soll am 25. Mai für weitere Jahrgänge wieder die Schule beginnen. Das gilt für die Klassen 1 bis 3 an den Grundschulen sowie die Jahrgänge 8,9 und 10 an Gemeinschaftsschulen und Gymnasien, wie die Landesregierung am Freitag mitteilte. Unterricht findet dann auch wieder in der sogenannten Eingangsphase und Qualifizierungsphase der Oberstufe an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen statt.

Zunächst konzentriere sich der Unterricht auf Kernfächer wie Deutsch, Mathematik und Englisch, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. In den Klassenräumen sollen Mindestabstände und Hygienevorschriften eingehalten werden.

Ebenfalls vom 25. Mai an können wieder Nachmittagsangebote für die Kinder öffnen, die dann in der Schule sind. Auch Mensen und ähnliche Einrichtungen dürfen bei Bedarf öffnen.

Am 6. Mai hatte in Schleswig-Holstein der Schulunterricht für die 4. Klassen der Grundschulen nach mehreren Wochen Homeschooling wegen der Corona-Pandemie begonnen. Ebenso begannen die 6. Klassen an den Gymnasien mit dem Unterricht. Zudem wurden die Berufsschulen geöffnet. Zuvor hatten im Norden bereits schriftliche Abiturprüfungen und Prüfungsvorbereitungen an Gemeinschaftsschulen begonnen.

Knapp 10 Millionen Euro vom Bund für Schüler-Laptops in MV

Für die Ausstattung von Schulen mit Laptops, Notebooks und Tablets erhält Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Wismarer SPD-Bundestagsabgeordneten Frank Junge 9,9 Millionen Euro. Bund und Länder haben die dafür notwendige Zusatzvereinbarung zum Digitalpakt Schule auf den Weg gebracht, wie er am Freitag mitteilte. Insgesamt stünden 500 Millionen Euro für das Sofortausstattungsprogramm bereit.

Die Geräte sollen an Schüler ausgeliehen werden, für die Online-Unterricht in der Corona-Krise aus Mangel an Geräten bislang nicht möglich war. «Es darf nicht der Geldbeutel der Eltern darüber entscheiden, ob Schülerinnen und Schüler am digitalen Fernunterricht teilhaben können. Das ist eine entscheidende soziale Frage», sagte Junge. Die Technik soll je nach Landesregelung von den Ländern oder den Schulträgern beschafft werden. Wenn kein Internetanschluss vorhanden sei, solle dafür gemeinsam mit Mobilfunkanbietern eine Lösung gesucht werden.  

Blockunterricht zu Pfingsten: Viele Schulen öffnen auch in Ferien

Wochenlang konnten Sachsen-Anhalts Schüler im Frühling nicht in die Schule gehen. Wer dabei den Anschluss verloren hat, darf nun auch in den Ferien die Schulbank drücken. Für die Schulen ist das Angebot eine organisatorische Herausforderung.

Die Pfingstferien fallen für einige Schüler in Sachsen-Anhalt aus - zumindest teilweise. Wegen der wochenlangen coronabedingten Schulschließung im Frühjahr sollen die meisten Schulen auch in den kommenden zwei Wochen ihre Klassenzimmer öffnen. «Der überwiegende Teil der Schulen macht ein freiwilliges Ferienangebot», teilte Bildungsstaatssekretärin Eva Feußner am Freitag mit. So sollen Kinder, die während der Corona-Pause ins Hintertreffen geraten sind, den verpassten Lernstoff aufholen können.

Trotz der derzeitigen Mehrfachbelastung der Schulen und Lehrer durch die Korrektur von Abschlussprüfungen und die Besetzung der Notbetreuung haben nach Angaben des Bildungsministeriums 708 der 781 Schulen im Land ein Angebot für die Ferien auf die Beine gestellt. «Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen für Ihre Einsatzbereitschaft, die man in diesen Zeiten nicht genug schätzen kann», sagte Feußner. Die Ferienzeit solle trotzdem Lehrern und Schülern zur Erholung dienen.

Die Kinder konnten sich bis zum Mittwoch für den Ferienunterricht anmelden. Auch nach der Anmeldung ist das Angebot freiwillig. Die Schulen haben für den Ferienunterricht eigene Konzepte entwickelt. Das Bildungsministerium stellte einige davon exemplarisch vor. Demnach sehen die Pläne mehrerer Schulen Lernblöcke nach Fächern und Klassenstufen vor, die zwischen einer und zwei Stunden dauern sollen. Die meisten Stundenpläne beschränken sich auf den Morgen und Vormittag. Wie viele Schüler das Angebot nutzen wollen, war zunächst unklar.

Die Landesregierung hatte die Schulen ab dem 16. März geschlossen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Schulen versuchten, die Schüler online zu unterrichten oder sie auf anderem Wege mit Lernaufgaben zu versorgen. Das funktionierte jedoch nicht überall. Seit dem 22. April werden die Schüler wieder sukzessive in die Klassenräume zurückgeholt.

Die Schülervertretung in Sachsen-Anhalt begrüßte die freiwillige Gelegenheit, verpassten Stoff aufzuholen. Es sei aber fraglich, wie viele Schüler dieses Angebot annehmen, sagte der Vorsitzende des Landesschülerrats, Felix Schopf. «Man möchte den Kopf in den Ferien auch mal frei bekommen», sagte der Elftklässler. «Wir haben ein Recht darauf, uns in den Ferien zu erholen».

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete die Pläne als grundlegend positiv. «Das Angebot ist sicherlich vernünftig», sagte die GEW-Landesvorsitzende Eva Gerth. Das Bildungsministerium habe den Kollegen die Wahl überlassen, den Unterricht anzubieten. Auch habe die Landesregierung den Lehrerinnen und Lehrern zugesichert, dass Hygiene- und Abstandsregeln auch in den Ferien eingehalten werden.

Gerth betonte, Schulferien bedeuteten für Lehrer nicht automatisch Urlaub. Derzeit seien etwa viele Kollegen mit der Korrektur von Abitur- und Realschulprüfungen beschäftigt. Auch die vergangenen Wochen seien sehr arbeitsreich gewesen - gerade für die Schulleitungen, die die Corona-Pläne des Bildungsministeriums umsetzen mussten. Gerth: «Es mag Zeiten gegeben haben, in denen es deutlich einfacher war, Schulleiter zu sein.»



15.05.2020 11.30 Uhr

Schule ist nicht mehr dieselbe - Über Unterricht in Corona-Zeiten

Nur ein Teil der niedersächsischen Kinder und Jugendlichen geht derzeit zur Schule. Voraussichtlich bis Mitte Juni sollen alle Klassen in die Schulen zurückkehren. Doch mit dem Unterricht, wie alle ihn kannten, hat der neue Alltag wenig zu tun.

Schule in Zeiten des Coronavirus ist anders als früher. Bunte Klebebänder und Schilder kennzeichnen, wie sich die noch wenigen Schülerinnen und Schüler durch das Schulgebäude bewegen dürfen. Statt an Gruppentischen sitzen Jungen und Mädchen einzeln und mit Abstand voneinander im Klassenraum. Selbst für den Toilettenbesuch gibt es strenge Regeln.

Wie finden Kinder und Jugendliche den neuen Unterricht?

«Es hat sich größtenteils auf Frontalunterricht verschoben», erzählte Florian Reetz, Vorsitzender des Landesschülerrats. «Mir fällt am schwersten, dass ich nicht mehr an einem Gruppentisch sitze und keine Gruppenarbeit mehr habe», sagte der 17-Jährige, der die 12. Klasse einer Gesamtschule in Braunschweig besucht. Insgesamt seien die Umstände schlechter als vor Corona. Das soziale Miteinander und der Humor sind demnach nicht mehr in gewohnter Form möglich. Aus Sicht des Landesschülerrats, in dem Schüler aller Schulformen außer der Grundschule Mitglied sind, geben sich die Lehrkräfte viel Mühe, das Beste aus der Situation zu machen. «Not macht erfinderisch», so Reetz. Gerade beim digitalen Lernen etwa mit Apps werde viel ausprobiert. Als Vorteil sieht er, dass er nun ausgeschlafen zur Schule kommen kann. «Einige Schulen starten mit dem Unterricht um 9 Uhr. Ich bin ein großer Fan davon.»

Wer darf derzeit zur Schule? 

Bislang werden die Klassenstufen 13, 12 und 9/10 unterrichtet, da diese Jugendlichen einen Abschluss vor sich haben. An den Grundschulen dürfen die 4. Klassen zum Präsenzunterricht. Alle anderen bekommen Aufgaben für zu Hause. Am kommenden Montag (18.5.) folgen die Klassen 9/10 an den Gymnasien sowie die Klassen 3 der Grundschulen. Darüber hinaus sollen die 11. Klassen am 25. Mai zurückkehren, die 2., 7. und 8. Klasse am 3. Juni, und die 1., 5. und 6. Klasse am 15. Juni, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in einem Brief an Schulleiter und Lehrer schrieb.

Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, werden Klassen geteilt oder gedrittelt, wie der Sprecher des Kultusministeriums Sebastian Schumacher betonte. Alle müssen mehr als früher zu Hause lernen. Lehrkräfte bieten Sprechstunden an. Ab Mitte Juni sollen dann wieder alle Schüler zurück an den Schulen sein. «Das ist aber nicht der Unterricht aus Vor-Corona-Zeiten», so Schumacher.

Welche Herausforderungen sehen die Lehrerinnen und Lehrer?

Die Aufgaben und Belastungen für Lehrkräfte sind aus Sicht von Lehrerverbänden stark gestiegen. Kleine Gruppen und strenge Vorgaben zu Abstand und Hygiene erfordern mehr Personal für die Aufsicht. So darf jeweils nur eine Person zur Toilette. In den Pausen wird kontrolliert, ob alle Abstand voneinander halten. Mit wenigen Schülern sei das noch leistbar. «Wenn die Hälfte der Schule da ist, ist das nicht mehr schaffbar», sagte der Vorsitzende des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte VNL/VDR, Torsten Neumann.

Der Personalmangel werde sich verschärfen - auch weil Lehrer, die zu einer Risikogruppe gehören, nicht in der Schule unterrichten, sondern im Homeoffice arbeiten. Das Kultusministerium geht nach einer ersten Erhebung davon aus, dass rund 20 Prozent der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen.

Der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen, Horst Audritz, sieht neben Raum- und Personalproblemen auch die Gefahr, dass Lerninhalte wegfallen, die im kommenden Jahr abiturrelevant sein könnten. Damit alle die Hygiene- und Abstandsregeln einhalten, sollten Kinder und Jugendliche zu Hause gut vorbereitet werden. «Die Eltern sind gerade in diesen Zeiten ein wichtiges Vorbild.»

Wie hoch sind die Anforderungen an die Kinder und Jugendlichen?

Aus Sicht von verschiedenen Bildungsorganisationen ist der Druck auf viele Schülerinnen und Schüler zu hoch. Jüngst forderten Landesschülerrat, Landeselternrat, Schulleitungsverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) auf, an den allgemein bildenden Schulen sämtliche Prüfungstermine bis auf das Abitur sofort zu streichen. «Wir haben keinen Normalzustand an den Schulen», sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. «Die Schulen gleichen einem Hochsicherheitstrakt – mit Absperrbändern, mit Regeln, mit Pfeilmarkierungen auf den Böden.»

Ihr zufolge müssen die Schülerinnen und Schüler das Erlebte erstmal verarbeiten. «Für alle Beteiligten ist die Situation eine sehr hohe Belastung. Das muss erstmal aufgefangen werden.» Die Schule sei nicht mehr dieselbe wie vorher. «Deshalb ist es so wichtig, den Leistungsdruck raus zu nehmen.»

150-Euro-Laptop-Zuschuss geht nicht direkt an Schüler

Der von der großen Koalition vereinbarte Zuschuss von 150 Euro für bedürftige Schüler zur Anschaffung von Laptops oder Tablets soll nicht direkt an die Familien gehen. Die Geräte sollen stattdessen für die Schulen beschafft und von diesen an Schülerinnen und Schüler ausgeliehen werden. Das haben Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Freitag mitgeteilt. «Die Geräte bleiben auch im Eigentum der Schule und können dadurch auch im Regelbetrieb von der Schule weiterhin genutzt werden», sagte Karliczek. Wer sie für die Schulen beschaffe, werde von Land zu Land unterschiedlich geregelt.

Union und SPD hatten wegen der Schulschließungen in der Corona-Krise vereinbart, eine halbe Milliarde Euro zusätzliche Hilfsgelder für bedürftige Schüler und Schulen bereitzustellen. Das «Sofortausstattungsprogramm» sollen die Schulen auch für die Erstellung von Online-Lehrangeboten nutzen.

Bildungsexperten und Lehrerverbände hatten seit Beginn der Schulschließungen davor gewarnt, dass bestimmte Schüler abgehängt werden könnten, wenn zu Hause keine Geräte wie Laptops, PCs oder Tablets vorhanden seien oder wenn Eltern sie nicht genügend in der außergewöhnlichen Lernsituation unterstützten. Zwar wird in den Schulen jetzt allmählich der Lehrbetrieb wieder aufgenommen, an einen normalen Schulalltag mit allen Schülern ist wegen strenger Abstands- und Hygieneregeln aber voraussichtlich noch monatelang nicht zu denken.

Fernunterricht in der Coronakrise erreicht etliche Schüler nicht

Die Coronakrise hat in vielen Schulen die Digitalisierung stark vorangetrieben, auch wenn inzwischen wieder viele Schülerinnen und Schüler nicht zwangsweise zu Hause bleiben müssen. Bei einer Zwischenbilanz werden Defizite gerade in Deutschland deutlich

In der Coronakrise konnten viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland digital nicht erreicht werden. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des «Schul-Barometers», die am Freitag vom Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie der Pädagogischen Hochschule Zug in der Schweiz veröffentlicht wurde. Nur etwas mehr als die Hälfte der befragten Schulmitarbeiter gaben an, quasi alle Schülerinnen und Schüler erreicht zu haben.

14 Prozent der Schul-Mitarbeiter gaben an, dass immerhin zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen nicht über das Internet erreichbar gewesen seien. Zwölf Prozent meinten, dass 15 bis 20 Prozent digital nicht kontaktierbar waren. 14 Prozent erklärten, dass 25 bis 50 Prozent digital nicht angesprochen werden konnten. Bei acht Prozent der Befragten war die Erreichbarkeit besonders schlecht. Hier konnte zu 50 und 100 Prozent kein digitaler Kommunikationsweg zu den Schülerinnen und Schülern aufgebaut werden.

Bei den Kommunikationsmedien setzen die Schulen vor allen noch auf die E-Mail (66 Prozent), gefolgt vom Mobiltelefon (Anruf oder Nachricht), Website der Schule und Online-Plattformen wie Moodle. Im Rahmen der Studie wurden mehr als 7000 Menschen aus dem Schulbetrieb - darunter 655 Schulleiter - aus Deutschland Österreich und der Schweiz befragt.

Unter den drei Nachbarländern schneidet Deutschland bei der technischen Ausstattung der Schule am schlechtesten ab. 56 Prozent der befragten Schul-Mitarbeiter aus der Bundesrepublik glauben nicht, dass die technischen Kapazitäten an der Schule für webbasierte Lehr- und Lernformate ausreicht. Nur 24 Prozent meinen, dass die Voraussetzungen erfüllt sind. In den beiden Alpenstaaten liegt der Anteil deutlich höher (Österreich 54 Prozent, Schweiz 57 Prozent).

Die Unterschiede zwischen den drei Ländern sieht man auch bei der Umsetzung des digitalen Unterrichts, also etwa beim Ausmaß an Stunden digitalen Unterrichts oder bei der Nutzung von Online-Lernplattformen. Diese Werte liegen in Österreich und in der Schweiz deutlich höher als in Deutschland. So liegt der Anteil an Mitarbeitenden der Schule, die angeben, keine einzige Stunde pro Woche digitale Präsenzzeiten mit den Schülerinnen und Schülern vereinbart zu haben, in Deutschland bei genau 50 Prozent. In Österreich und der Schweiz ist dieser Anteil deutlich niedriger: 30 und 33 Prozent.

In dem «Schul-Barometer» berichten nur 36 Prozent der befragten Schulmitarbeiter in Deutschland, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler über Online-Lern- und Arbeits-Plattformen erreichen. In Österreich liegt dieser Wert deutlich höher bei 63 Prozent und in der Schweiz bei 57 Prozent.

Die schlechtere technische Ausstattung und die Zurückhaltung vieler Lehrer in Deutschland wirkt sich dann auch auf die Beteiligung der Schülerinnen und Schüler aus: Ihr Lernengagement zuhause sowie die Unterstützung der Eltern wird von Mitarbeitenden der Schule in Deutschland deutlich geringer wahrgenommen als in den beiden Nachbarländern. So berichten in Deutschland 34 Prozent der Schulmitarbeiter, dass die Kinder und Jugendlichen zuhause aktiv an ihren Aufgaben arbeiten; in Österreich und der Schweiz tun dies dagegen 70 Prozent bzw. 61 Prozent.

Instituts- und Studienleiter Stephan Huber sagte, die Schulschließungen hätten alle Akteure im Bildungs- und Schulkontext vor eine sehr große Herausforderung gestellt. «Die aktuelle Situation ist aber auch eine große Chance. Die Digitalisierung hat aufgrund der vorliegenden Notwendigkeit einen enormen Aufschwung erlebt.» Lernen mit und durch Technologie sowie über Technologie sei nun das Thema. Digitalisierung könne mehr Differenzierung und Individualisierung ermöglichen, um den unterschiedlichen Lernständen der Schüler gerecht zu werden.

Ministerium legt Fahrplan für Rückkehr an Schulen vor

Niedersachsens Kultusministerium hat einen Fahrplan für die Rückkehr der Schüler vorgelegt. Die positive Entwicklung der Corona-Infektionszahlen mache es möglich, dass immer mehr Schüler wieder in die Schulen könnten, schrieb Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) nach Berichten der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» und der «Braunschweiger Zeitung» in einem Brief an Schulleiter und Lehrer. Ende April hatten Abschlussklassen und Abiturienten den Anfang gemacht.

Die vierten und zwölften Klassen werden seit Anfang Mai wieder in der Schule unterrichtet. Am 18. Mai folgen dann die Schüler der Klassen drei, neun und zehn. Darüber hinaus sieht der Fahrplan dem Bericht zufolge vor: Die 11. Klasse kehrt am 25. Mai zurück, die 2., 7. und 8. Klasse am 3. Juni, und die 1., 5. und 6. Klasse am 15. Juni.

All dies geschehe «unter Corona-Bedingungen», erklärte ein Ministeriumssprecher. Demnach werden die Klassen geteilt, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Zu dem Fahrplan werde sich Tonne an diesem Freitag äußern, kündigte der Sprecher an.

Erneut Schülerkritik an Mathe-Abitur: Kein Corona-Bonus

Wochenlange Schulausfälle, Selbststudien, Kontakt zum Lehrer per Internet: Das Abitur ist in Zeiten der Corona-Pandemie etwas besonderes. Besonders schwierig, beschweren sich nun viele Abiturienten in Sachsen nach dem Mathe-Abitur.

Der Landesschülerrat hat das sächsische Kultusministerium aufgefordert, die Aufgaben des Mathe-Abiturs zu überprüfen. Es müsse zwingend geprüft werden, ob die Zeitaufteilung im Leistungskurs gerecht und ob der B-Teil zu schwierig beziehungsweise zu textlastig war, sagte die Landesschülersprecherin Joanna Kesicka. Viele Schülerinnen und Schüler hätten diese Kritik geäußert.

Zudem hatten mehr als 1300 Menschen eine Schüler-Petitionen im Internet unterzeichnet. Darin wird gefordert, dass der gesamte Bewertungsmaßstab für das Matheabitur den Umständen entsprechend angepasst wird. Wochenlang waren durch die coronabedingten Einschränkungen die Schulen geschlossen, die Prüfungsvorbereitung erfolgte vor allem im Selbststudium, über Video-Konsultationen oder Aufgaben per Internet.

«Dementsprechend wäre es auch eine logische Entscheidung gewesen, die Ansprüche der diesjährigen Aufgaben im Angesicht der besonderen Umstände zu überarbeiten», heißt es in der Petition. Schließlich habe Kultusminister Christian Piwarz (CDU) in einem Brief den Schülerinnen und Schülern zugesagt, dass ihnen keine Nachteile entstehen sollten.

Das Kultusministerium warb für Gelassenheit. «Die Emotionen sind gerade nach der Mathe-Prüfung immer sehr hoch. Die Schülerinnen und Schüler sollten zunächst mal die Ergebnisse abwarten», sagte Ministeriumssprecherin Susanne Meerheim. Einen generellen «Coronoa-Bonus» auf die Benotung werde es aber nicht geben.

Die Sprecherin betonte, dass es durchaus Anpassung gegeben habe. So wird anders als sonst auch die Zweitkorrektur in der Schule erfolgen. Da die Lehrer wüssten, welcher Stoff nicht behandelt wurde, sei eine individuelle Beurteilung der Leistungen möglich.

In den Kommentaren zu der Petition hieß es unter anderem, dass die Prüfung unangemessen gewesen sei, weil sie die Anforderungen des Lehrplans überstiegen hätte. Eine Abiturientin unterstützte die Petition, «weil wir uns, trotz der jetzigen Situation, überdurchschnittlich gut vorbereitet haben und dann doch mit Aufgaben überrascht wurden, die jenseits der Möglichkeiten des Selbstunterrichten liegen». Eine andere Schülerin schrieb, dass ein Selbststudium nicht die Kompetenz der Lehrer ersetze. «Ansonsten benötigt man zukünftig keine Lehrer mehr für die Wissensvermittlung.»

Auch im Vorjahr hatte es direkt nach dem Mathe-Abi in Sachsen eine Welle der Kritik wegen angeblich zu schweren Aufgaben gegeben. Der Notendurchschnitt in Mathematik-Leistungskursen lag demnach dieses Jahr bei 2,5 - im Vergleich zu einem Gesamtschnitt von 2,6, wenn man die Ergebnisse seit 2013 betrachtet.

Rückkehr in Klassenzimmer - Gerichtshof könnte Pläne umwerfen

Ab Montag soll ein Großteil der Schüler trotz Corona-Pandemie wieder in Klassenzimmern lernen. Der Verwaltungsgerichtshof könnte die Pläne aber erneut durcheinander wirbeln. Zudem läuft es an den Schulen noch nicht rund.

Viele Schüler sollen trotz Corona-Pandemie bald wieder in Klassenzimmern lernen - doch der Verwaltungsgerichtshof könnte am (heutigen) Freitag die Pläne der Landesregierung erneut durcheinanderbringen. Denn die Kasseler Richter wollen über die Schulpflicht für Viertklässler entscheiden. Eine Schülerin aus Frankfurt wehrt sich erneut mit einem Eilantrag gegen eine Rückkehr in die Schule. «Zur Begründung ihres Antrags beruft sie sich auf Belange des Infektions- und des Gesundheitsschutzes, die in Zeiten der Corona-Pandemie nicht hinreichend gewährleistet seien», hatte ein Sprecher des Verwaltungsgerichtshofs in Kassel erklärt.

Das Mädchen hatte bereits im April eine Rückkehr der Viertklässler in hessische Grundschulen verhindert. Die Richter gaben damals ihrem Antrag Recht und hoben die Schulpflicht für diesen Jahrgang auf. Die Viertklässler würden im Vergleich zu Schülern, denen aus Gründen des Infektionsschutzes der Schulbesuch weiter untersagt werde, ohne hinreichenden Grund ungleich behandelt, lautete die Begründung. Nachdem bereits Abschlussklassen wieder unterrichtet werden, will das hessische Kultusministerium ab Montag (18. Mai) die Rückkehr zahlreicher weiterer Kinder und Jugendlicher in eingeschränkter Form.

Die bisherigen Bemühungen an Schulen, die Hygieneregeln einzuhalten, stoßen auf ein geteiltes Echo. «Ich würde sagen, man hat das beste aus den Maßnahmelockerungen gemacht», sagte Landesschülersprecher Paul Harder, für den am Montag selbst der Unterricht beginnt. Schüler und Lehrer bemühten sich sehr, die Hygienevorschriften einzuhalten. Die Schulen seien alle mit genug Seife ausgestattet worden. «Es ist traurig, dass dafür erst eine globale Pandemie nötig war.» Desinfektionsmittel gebe es dagegen nicht überall.

Da man den Schulen freigestellt habe, wie sie die Regeln umsetzen, gebe es völlig unterschiedliche Modelle: Manche Schüler hätten nur einen Tag pro Woche Unterricht, andere jeden Tag ein bis zwei Stunden. Harder selbst war gegen die Öffnung: «Ich hätte es besser gefunden, wenn man die Schulen bis zu den Sommerferien geschlossen gelassen hätte.» Sollte es Todesfälle durch das Coronavirus in Schulen geben, müsse man die Öffnung überdenken, erklärte Harder angesichts der ersten Coronafälle an Schulen.

Mit der Öffnung der Schulen für weitere Jahrgänge steht den Corona-Hygiene- und Abstandsregeln nach Einschätzung der Lehrergewerkschaft GEW die Feuerprobe bevor. «Den richtigen Ernstfall bekommen wir ab Montag. Wir hoffen, dass alles gut geht», sagte die GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch. Nach den Erfahrungen der Gewerkschaft seien zwar inzwischen alle Schulen beispielsweise mit Desinfektionsmittel ausgestattet. «Allerdings sind dies manchmal Riesenkanister und das Mittel muss erst umgefüllt werden», sagte Koch. Die Schulleitungen vor Ort müssten den Kauf der Spender selbst organisieren.

Die Schulen kämpften nach wie vor damit, dass 25 bis 30 Prozent der Lehrkräfte nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden könnten, weil sie zu einer Risikogruppe zählten. Dieses Problem werde sich mit den weiteren Jahrgängen, die zurück an die Schulen kommen, verschärfen, befürchtete Koch. Sie betonte allerdings: «Wir freuen uns auf die Kinder.»

Rostocker Oberbürgermeister für eingeschränkten Schulregelbetrieb

Der Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) hat sich für einen eingeschränkten Regelbetrieb an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns bis zur sechsten Klasse ausgesprochen. «Der Unterricht sollte nicht - wie bisher geplant - abwechselnd tageweise erfolgen, sondern durchgehend montags bis freitags in festen Gruppen und mit festen Pädagoginnen und Pädagogen», sagte Madsen in einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung.

Demnach plädiert Madsen dafür, die Jahrgangsstufen der ersten bis zur sechsten Klasse wieder in ihrer gewohnten Größe zu unterrichten, sagte ein Sprecher der Stadt. «Dabei gewährleisten wir nicht nur durchgehend ein pädagogisches Angebot für alle Schülerinnen und Schüler dieser Klassen, sondern entlasten auch die Eltern und ermöglichen ihnen wieder die Berufstätigkeit», betonte der Oberbürgermeister.

Die Pläne der Landesregierung sehen ein schrittweises Vorgehen bei den Schulen vor. Jeder Grundschüler soll von sofort an abwechselnd mindestens einen Tag pro Woche in die Schule gehen können.

NRW setzt Erhebung des Unterrichtsausfalls aus

Das Schulministerium setzt aufgrund der Corona-Pandemie ab sofort die Erhebung des Unterrichtsausfalls in Nordrhein-Westfalen bis zu den Sommerferien aus. «Gegenwärtig sind die Schulen von einem regulären Unterrichtsbetrieb noch weit entfernt», begründete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag die Entscheidung.

Mindestens bis zu den Sommerferien werde es weiterhin einen Wechsel von Präsenzunterricht und Lernen auf Distanz geben. Eine schulscharfe Erhebung des Unterrichts habe in dieser Situation wenig Aussagekraft.

Bis zu den Sommerferien sollen die Schulen stattdessen wöchentliche Rückmeldungen zur aktuellen Situation vor Ort liefern: Anzahl der Schüler im Präsenzunterricht und in der Notbetreuung, dienstfähige Lehrkräfte und Einhaltung der Hygienevorschriften.

Im nächsten Schuljahr werde die Erhebung des Unterrichtsausfalls wieder aufgenommen, versicherte Gebauer: «Die Landesregierung ist angetreten, um den Unterrichtsausfall wirksam zu bekämpfen. Dieses Ziel gilt unverändert.»

Schulen bemängeln digitale Ausstattung: «Noch im Mittelalter»

Nach den Erfahrungen mit Fernunterricht in der Corona-Krise haben die Schulleitungen in einer Umfrage des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums zusätzlichen Bedarf für die digitale Infrastruktur angemeldet. Die Ausstattung der Schulen lasse noch zu wünschen übrig, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Donnerstag in Mainz zu Ergebnissen einer Befragung von mehr als 1200 Schulleitungen in Rheinland-Pfalz. Der Leiter der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim, Roland Wollowski, klagte: «Wir sind noch im Mittelalter, da geht digital herzlich wenig. Der Netzwerkausbau ist immer noch in der Planung.»

Die Umfrage habe gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler bezüglich digitaler Endgeräte schlecht ausgestattet seien, sagte die Leiterin des Pädagogischen Landesinstituts, Birgit Pikowsky. Oft hätten sie nur über Handytarife mit begrenzter Datenmenge Zugriff auf das Internet.

«Wir werden weiterhin die Rahmenbedingungen für digitales Lernen verbessern», kündigte Hubig an. Rund 38 000 mobile Computer würden jetzt aus Landesmitteln zur Ausleihe für Schülerinnen und Schüler bereitgestellt, die zuhause keine Endgeräte hätten. Hinzu kommen nach Angaben der Ministerin weitere Computer, die über die kommunalen Schulträger bereitgestellt und mit Mitteln des Bundes finanziert werden - bundesweit sind dafür 500 Millionen Euro angekündigt.

Nach der Ausgabe von wiederverwendbaren Alltagsmasken an alle Schüler in Rheinland-Pfalz sollen ab diesem Freitag auch die Lehrkräfte damit versorgt werden. Dazu werde das Land 50 000 Stück bereitstellen, sagte Hubig. Und nach Hinweisen von Lehrkräften über Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Hygieneplans für die Schulen werde bereits in den nächsten Tagen eine neue Version des Plans bereitgestellt.

 

 

14.05.2020 11.30 Uhr

Umfragen: Gesundheitsschutz in Schulen ausbaufähig

Viele Pädagogen in Bayern halten den Gesundheitsschutz in Schulen und sozialpädagogischen Einrichtungen in der Corona-Krise laut aktuellen Umfragen für dürftig. Wie aus zwei am Donnerstag veröffentlichten Befragungen der bayerischen Bildungsgewerkschaft (GEW) unter rund 2500 Lehrern und Sozialpädagogen hervorging, fehlten an einem Viertel aller Schulen einfachste Hygienemittel wie Wasser, Seife und Papierhandtücher.

Außerdem sei den nicht-repräsentativen Umfrageergebnissen zufolge an sozialpädagogischen Einrichtungen wie Kitas und Zentren der Jugend- und Behindertenhilfe der Infektionsschutz besonders für Risikogruppen zu gering. «Arbeiten in Kleingruppen und eine pandemiegerechte Dienstplanung kommt in viel zu geringem Maße vor», kritisierte GEW-Gewerkschaftssekretär Mario Schwandt. Deshalb fordere die Bildungsgewerkschaft, den Gesundheitsschutz auszuweiten und so Beschäftigte, die Corona-Risikogruppen angehörten, besser zu schützen.

Corona-Krise: Schulen in Finnland wieder geöffnet

Die Schüler in Finnland sind zurück im Klassenzimmer. Die bis zur neunten Klasse gehenden Grundschulen in dem nördlichen EU-Land nahmen am Donnerstag unter speziellen Abstands- und Hygieneregelungen wieder ihren Unterricht vor Ort auf; auch Vorschulen wurden wieder gänzlich geöffnet.

Seit gut zwei Monaten waren die Bildungseinrichtungen wegen der Corona-Krise geschlossen gewesen und hatten auf Fernunterricht umgestellt, nur ein Notbetrieb vor Ort für Kinder bis zur dritten Klasse war aufrechterhalten geblieben. Die Vorschulen waren zwar offen geblieben, die Regierung hatte jedoch empfohlen, die Kinder ebenso wie die Erst- bis Drittklässler wenn möglich zu Hause zu behalten.

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 hat sich in Finnland in den vergangenen Wochen deutlich verlangsamt. Bis Donnerstag sind rund 6000 Infektionen und knapp 290 Covid-19-Todesfälle in dem Land gemeldet worden.

Unverstanden in der Krise: Jugendliche nicht nur als Schüler sehen

Abiturprüfungen oder doch nur Durchschnittsnoten, Schulen in der Corona-Krise öffnen oder nicht? Junge Menschen leiden darunter, nur als Schüler wahrgenommen zu werden, wie eine Studie ergibt. Dabei haben sie Ängste - und wollen vor allem eines.

Viele Jugendliche und junge Erwachsene fühlen sich in der Corona-Krise einer Studie zufolge zu wenig beachtet und in ihren Sorgen zu wenig wahrgenommen. Fast die Hälfte der Befragten bezweifelt, dass ihre Sorgen gehört werden, wie die bundesweite Studie «JuCo» von Forschern der Universitäten Frankfurt und Hildesheim ergab. Die Lage sei paradox: Einerseits seien Schulen seit Wochen geschlossen und der vertraute Alltag von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Andererseits hätten Jugendliche den Eindruck, ausschließlich als Schülerinnen und Schüler wahrgenommen zu werden. Zu politischen Entscheidungen fühlten sie sich nicht gehört.

Jugendliche wollten nicht nur auf ihre Rolle im sogenannten «Homeschooling» reduziert werden, sagte Tanja Rusack von der Uni Hildesheim. Ihr veränderter Lebensalltag und ihre Sorgen würden kaum wahrgenommen. Johanna Wilmes von der Uni Frankfurt sagte: «Die Jugendlichen sehen nicht, dass sie mit ihren Anliegen Gehör finden, die Beteiligungsformate von jungen Menschen scheinen nicht krisenfest.» Stattdessen herrsche der Eindruck, dass gegenwärtig die Erwachsenen allein entscheiden, wie in der Krise der Alltag zu gestalten ist.

Insgesamt beteiligten sich nach Forscherangaben mehr als 6000 Personen. Über 5100 Online-Fragebögen von Menschen zwischen 15 und 30 Jahren wurden ausgewertet. Die meisten von ihnen sind zwischen 15 und 21 Jahre alt. Die «JuCo»-Studie ist ein Ergebnis des Forschungsverbunds «Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit». Er besteht aus dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim und dem Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Universität Bielefeld.

Zwar sind junge Menschen der Untersuchung zufolge mit der Stimmung zu Hause derzeit überwiegend zufrieden - mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, dass es dort immer jemanden gebe, der sich daheim generell um sie kümmere. Für 4,8 Prozent trifft dies jedoch nicht zu. Bei der Frage des Kontakts mit Freunden fiel die Zufriedenheit deutlich geringer aus. Mit der Art, wie sie ihre Zeit verbringen, äußern sich die Jugendlichen im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie nun deutlich unzufriedener.

Die Jugendlichen hätten die Befragung genutzt, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen, urteilten die Forscher. «Dies sehen wir auch daran, wie viele Jugendliche die Freitextfelder ausgefüllt haben, die es auch im Fragebogen gibt», sagte Mitarbeiterin Anna Lips. «Schon daran kann abgelesen werden, wie groß das Bedürfnis ist, gehört zu werden.» Einer der Befragten schrieb beispielsweise: «Wir Jugendlichen werden doch nur als Schüler gesehen. Wir sollen lernen und lernen und lernen. Warum wird darüber diskutiert, die Sommerferien zu kürzen. Politiker denken wie Kapitalisten.»

Ein anderer schrieb: «Von jetzt auf gleich nicht mehr raus zu dürfen und seine Freunde nicht mehr sehen zu können, ist eine Zumutung! Man vereinsamt regelrecht, obwohl die Familie da ist.» Ein dritter Jugendlicher, der das Schwimmen und die Wettkämpfe vermisst, schrieb: «Ich habe das Gefühl, dass meine Ängste nicht verstanden werden. Mir fehlt ein Plan, wie es für mich und meine Wünsche weitergeht.» Netzwerke wie Sportvereine und die Freundschaftsnetzwerke seien von jetzt auf gleich zum größten Teil weggebrochen, urteilten die Forscher. Die digitale Variante, Freundschaften zu pflegen, werde oft als nicht ausreichend wahrgenommen.

Denn: Junge Menschen verbringen zwar nach Angaben der Forscher viel Zeit mit Medien. Sie wollten auf diese Weise aber vor allem ihre Freundschaftsbeziehungen organisieren – und sie nicht ausschließlich darüber aufrechterhalten.

Eine weitere bundesweite Studie ist «KiCo», für die Eltern mit Kindern unter 15 Jahren befragt wurden. Ergebnisse dazu sollten in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.

Unionsfraktionsvize Schön fordert Gipfel zur digitalen Bildung

Unionsfraktionsvize Nadine Schön hat als Konsequenz aus den Beschränkungen für die Schulen in der Corona-Krise einen nationalen Gipfel zur digitalen Bildung gefordert. «Wir brauchen ein neues bildungspolitisches Leitbild in Deutschland - und zwar über alle Glieder der Bildungskette hinweg», sagte die CDU-Politikerin dem «Handelsblatt». Das betreffe Schulen, Berufsschulen, Hochschulen, aber auch berufliche Weiterbildung und Volkshochschulen. «Das ist ein politischer Kraftakt, der nur ebenenübergreifend gelingen kann», so Schön. «Genau dafür brauchen wir einen digitalen Bildungsgipfel von Bund und Ländern.»

In dem achtseitigen Papier, das dem «Handelsblatt» vorliegt, verlangen Schön und Digitalpolitiker von CDU und CSU, die Erfahrungen der Schulen in der Corona-Krise für Verbesserungen beim digitalen Lernen zu nutzen. Die Krise habe gezeigt, dass gemeinsame technische Standards für die Lernsysteme nötig seien, um lernen zu können. Nötig sei die Interoperabilität der Bildungsclouds und -plattformen, um digitale Lehr- und Lerninhalte verschiedener Anbieter quasi über ein Schulcloud verfügbar zu machen.

Keine Absage der Abiturprüfung am deutsch-französischen Gymnasium

Die für die Zeit ab dem 18. Mai angesetzten Abiturprüfungen am deutsch-französischen Gymnasium (DFG) in Freiburg dürfen stattfinden. Dies entschied das Verwaltungsgericht Freiburg mit Beschluss vom Mittwoch und wies damit den Eilantrag von 37 Schülern der Abitur-Abschlussklasse des Jahres 2020 am DFG in Freiburg ab. Sie kommen für den Schulbesuch aus dem benachbarten Elsass, der Schweiz sowie aus Freiburg und Umgebung.

Neben dem DFG in Freiburg gibt es ein deutsch-französisches Gymnasium in Saarbrücken sowie eines in Buc (Frankreich). Bereits am 21. April hatte das DFG in Buc mitgeteilt, dass die schriftlichen Prüfungen des deutsch-französischen Abiturs in Frankreich abgesagt seien. Die Antragsteller hatten dann am 8. Mai beim Verwaltungsgericht einen Eilantrag gestellt, der gegen Baden-Württemberg, die Bundesrepublik Deutschland und gegen das DFG selbst gerichtet ist und mit dem sie die ersatzlose Absage der Abiturprüfungen und ein Abiturzeugnis auf Basis der Vornoten erreichen wollten.

Das Verwaltungsgericht erteilte dem nun eine Absage. Hintergrund sind Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich, darunter das sogenannte Schweriner Abkommen über die deutsch-französischen Gymnasien und das deutsch-französische Abitur aus dem Jahr 2002. Das von den Antragstellern angestrebte deutsch-französische Abitur unter völlig neuen Voraussetzungen wäre nur im Wege einer zweiseitigen Änderung des Schweriner Abkommens zwischen Deutschland und Frankreich möglich, wie das Verwaltungsgericht ausführte. Die Änderung müsste zudem in beiden Vertragsstaaten ratifiziert werden. In Deutschland sei hierfür der Erlass eines Bundesgesetzes erforderlich. Das könnten die Antragsteller jedoch vor dem Verwaltungsgericht nicht verlangen.

Der Beschluss ist nicht rechtskräftig. Die Antragsteller können Beschwerde zum Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim einlegen. Auf den 18. Mai als einheitlichen Termin für die Abi-Prüfungen hatten sich alle Landeskultusminister geeinigt.



13.05.2020 16.30 Uhr

Lernen im Wechsel für Bayerns Schüler - Neue Kommunikations-Software

Homeoffice, Haushalt, und dann auch noch Lernen zu Hause: Schüler und Eltern, aber auch Lehrer stehen in der Corona-Krise vor besonderen Herausforderungen. Nun kehren die Schüler auch in Bayern langsam an ihre Schulen zurück. Doch damit tun sich wieder neue Fragen auf.

Eine Woche Unterricht in der Schule, dann eine Woche Lernen zu Hause - mit einem solchen Wechselmodell sollen Lehrer, Schüler und Eltern in Bayern nach langer Corona-Pause ganz langsam wieder zu mehr Normalität zurückfinden. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) setzt große Hoffnungen auf das künftige «Lernen im Wechsel»: «Es ist gut, dass die Schüler wieder schrittweise in den Unterricht an der Schule zurückkehren – denn nichts geht über Unterricht live», sagte Piazolo am Mittwoch in München. Damit werde es wieder eine regelmäßigere und direktere Kommunikation zwischen den Lehrern und ihren Schülern geben.

«Es geht darum, ein stabiles Unterrichtsangebot zu schaffen», betonte Piazolo. «Entscheidend ist: Die Präsenzwoche und die folgende Woche des "Lernens zu Hause" bilden eine sinnvoll verzahnte Einheit.»

Konkret heißt das: Die im Präsenzunterricht vermittelten Inhalte sollen anschließend zu Hause geübt und vertieft werden. Aufbauend auf dem Präsenzunterricht soll das neue Wissen aber auch zu Hause erweitert werden – «mit Augenmaß», betonte das Ministerium. Die Themen müssten sich etwa hinsichtlich Umfang und Schwierigkeitsgrad dafür eignen.

Nach den Abschlussklassen sind seit Montag auch diejenigen Schüler wieder zurück in den Klassenzimmern, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen oder die vierte Klasse besuchen. Kommende Woche sollen unter anderem die Erstklässler folgen, die 5. Klassen der Mittelschulen und die 5. und 6. Klassen an Realschulen und Gymnasien. Für alle anderen Klassen beginnt der Präsenzunterricht erst nach den Pfingstferien Mitte Juni. Von Normalität kann aber noch keine Rede sein: Der Unterricht findet in kleineren Gruppen statt, in der Regel wochenweise im Wechsel, dafür werden Klassen also aufgeteilt.

Das bedeutet auch, dass Schüler und Eltern sich wochenweise weiterhin um das «Lernen zu Hause» kümmern müssen. Helfen sollen diverse digitale Angebote: die Lernplattform Mebis, nun aber auch «Microsoft Teams for Education». Dieses digitale Kommunikationswerkzeug gebe es nun an allen rund 3800 weiterführenden Schulen, berichtete Piazolo. Schüler könnten damit mittels Chat, Telefon- oder Videokonferenz mit den Lehrkräften kommunizieren, in Kursräumen arbeiten und Feedback bekommen. Außerdem könnten die Lehrer Sprechstunden und Beratungstermine für Eltern anbieten und auch im Kollegium virtuell zusammenarbeiten. «Mir ist wichtig, dass Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte miteinander im Kontakt sind und sich gegenseitig Rückmeldungen geben», betonte der Kultusminister.

Zudem kündigte Piazolo an, dass Schüler, die zu Hause keinen Zugang zu einem Computer hätten, aus einem Pool von Leihgeräten versorgt werden könnten. Auf die Schnelle gebe es auf diesem Wege 50 000 Geräte zum Ausleihen, 25 000 Notebooks und 25 000 Tablets.

Eine Prognose, wie es an den Schulen nach den Sommerferien weitergeht, wollte Piazolo nicht abgeben. «Wir können heute nicht sagen, ob wir im September in den normalen Schulbetrieb wieder zurückkommen.» Solange man 1,50 Meter Mindestabstand halten müsse, werde man es nicht schaffen, wieder alle Schüler gleichzeitig zu unterrichten - das werde bei den vorhandenen Räumlichkeiten nicht möglich sein. Aber der weitere Verlauf des Infektionsgeschehens sei aktuell nicht vorherzusehen, deshalb wolle er auch nicht spekulieren.

Die Landtags-Grünen forderten eine bildungswissenschaftliche Begleitung der schrittweisen Schulöffnung, um daraus Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen, insbesondere für das neue Schuljahr 2020/21. Die SPD warnte, die besten digitalen Kommunikationswerkzeuge nützten nichts, wenn es an der Hardware fehle - noch immer hätte zahlreiche Kinder in Bayern keinen Computer für das Lernen zur Verfügung. Und die FDP forderte, die Schulen auch bei einem pädagogisch sinnvollen Einsatz von Videokonferenzen zu unterstützen und eine flächendeckende Ausstattung mit entsprechenden Geräten sicherzustellen.

Fast 20 000 Schüler starten mit Prüfungen zum Mittleren Abschluss

Fast 20 000 Schüler sind in Brandenburg zu ihrer Prüfung im Dach Deutsch für den Mittleren Abschluss angetreten. Damit hätten mehr als 98 Prozent der Schüler in der Jahrgangsstufe 10 an den Prüfungen teilgenommen, berichtete das Bildungsministerium am Mittwoch. «Es freut mich, dass die Prüfungen auch unter diesen durchaus herausfordernden Bedingungen gut angelaufen sind», sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). «Damit wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben, ihr Wissen unter Beweis zu stellen und ihren regulären Schulabschluss zu erreichen.»

Die Ergebnisse der Prüfungen in den letzten Schuljahren hätten gezeigt, dass viele Schüler sich durch die Prüfungen in ihren Leistungen verbesserten und damit einen besseren Schulabschluss erhielten, teilte das Ministerium mit. Am 25. Mai folgen die Arbeiten in Mathematik und zwei Tage später in Englisch. Schüler, die sich nicht ausreichend in der Lage fühlten oder krank seien, können Nachschreibetermine im Juni nutzen.

Die rund 20 000 Schüler der Abschlussklassen hatten sich seit dem 27. April auch im Präsenzunterricht auf die Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss vorbereiten können. Dennoch hatten die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Landesschülerrat und Eltern die verpflichtenden Abschlussprüfungen kritisiert.

Lehrer aus Corona-Risikogruppe sollen in Prüfungen - scharfe Kritik

Für mündliche Abschlussprüfungen müssen in NRW auch ältere und Lehrer mit Vorerkrankungen parat stehen - trotz Corona-Risiken. Die Gewerkschaft GEW und die SPD sind empört.

Auch Lehrer, die der Corona-Risikogruppe angehören, sollen bei mündlichen Abschlussprüfungen in NRW eingesetzt werden. Das geht aus einem Erlass des Schulministeriums an die fünf Bezirksregierungen hervor: «Alle Lehrkräfte aus der Risikogruppe, d.h. Lehrer und Lehrerinnen mit Vorerkrankungen und Lehrer und Lehrerinnen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, sowie schwangere und stillende Lehrerinnen sind verpflichtet, an Verfahren zur Abnahme mündlicher Prüfungen teilzunehmen.» Aus dem Düsseldorfer Ministerium hieß es dazu am Mittwoch, es bleibe aber dabei, dass Lehrer aus der Risikogruppe nicht am Präsenzdienst teilnehmen sollen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach von einem «Wortbruch» und kündigte an, bei Bedarf für betroffene Lehrer Rechtsmittel einzulegen. Der Erlass sei ein «eklatanter Widerspruch» zu den bisherigen Rechtsinformationen des Schulministeriums, sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern. Zuvor hatte die «Rheinische Post» über den Erlass vom Montag berichtet.

Laut Schulministerium lassen sich die Abstands- und Hygieneregeln bei den mündlichen Prüfungen sehr gut einhalten. Anders als im Präsenzunterricht befänden sich im Prüfungsraum in der Regel nur ein Schüler und drei Lehrkräfte. Es sei vielfach der Wunsch aus dem betroffenen Pädagogenkreis gekommen, sich an den mündlichen Abschlussprüfungen zu beteiligen. Der Erlass gilt nur für die aktuellen Prüfungen des Schuljahrs 2019/20. Darin heißt es mit Blick auf die Risikogruppe auch: «Bei Abnahme der mündlichen Prüfungen ist auf die besondere Situation der Betroffenen Rücksicht zu nehmen.»

SPD-Landeschef Sebastian Hartmann monierte, der Erlass revidiere und konterkariere die bisherige Aussage von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), dass Angehörige von Risikogruppen nur freiwillig an den Schulen präsent sein sollten. «Dieses chaotische Hin und Her schafft kein Vertrauen bei Beschäftigten, Eltern und auch nicht bei den Schülerinnen und Schülern.» Nach mehr als 20 Schulmails aus dem Ministerium mit Erlassen und Anweisungen seit Beginn der Pandemie vor neun Wochen solle Regierungschef Armin Laschet (CDU) «seine Schulministerin zur Räson bringen».

In NRW ist laut Statischem Landesamt jeder neunte Lehrer 60 Jahre oder älter. Nach groben Schätzungen der GEW sind etwa ein Viertel der Lehrkräfte im bevölkerungsreichsten Bundesland der Corona-Risikogruppe zuzuordnen.

Verband: Schulsport bei Wiederöffnung der Schulen miteinbeziehen

Bei der schrittweisen Öffnung der hessischen Schulen nach der Corona-Pause darf der Sport laut Forderungen von Verbänden nicht außen vor bleiben. «Der Wiedereinstieg in den Schulsport bis zu den Sommerferien 2020 sollte, wo immer es die Gegebenheiten an den Schulen zulassen, möglich sein», teilte der Vizepräsident des Landessportbundes, Heinz Zielinski, am Mittwoch in Frankfurt mit. «Wenn Schulen die Möglichkeit haben, Sport im Freien, vielleicht auf Schulhöfen oder in anderen Bewegungsräumen, anzubieten, dann sollte diese Chance genutzt werden.»

Sport und Bewegung hätten gerade bei Kindern und Jugendlichen einen großen Einfluss auf die motorische, soziale und psychische Entwicklung, heißt es in einem Positionspapier des Landessportbundes und der Sportjugend Hessen. Für Klassen, die derzeit noch nicht zur Schule gehen, könnte über digitalen Sportunterricht nachgedacht werden, regte Zielinski an. «Viele unsere Sportvereine haben für ihre Mitglieder sinnvolle digitale Sportangebote entwickelt. Die könnten als Beispiel dienen.» Die Verbände forderten, den Sport für das Schuljahr 2020/21 im Unterricht zu verankern und dafür schon jetzt Hygienepläne zu entwickeln.

CDU fordert Digitalprogramm für Schulen und Samstagsunterricht

Die Corona-Krise hat den Alltag für Berlins Schüler und Lehrer komplett verändert: Nichts ist mehr so wie es noch vor kurzem war. Höchste Zeit, die Schulen fit für die Zukunft zu machen, so die CDU.

Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus fordert ein großangelegtes Programm zur Digitalisierung aller Schulen in der Hauptstadt. Nötig seien flächendeckend Breitbandanschlüsse, WLAN und eine einheitliche digitale Lernplattform (Cloud), sagte Fraktionschef Burkard Dregger am Mittwoch. Für alle rund 360 000 Schüler und ihre Lehrer müssten einheitliche Endgeräte her, was über ein Leihsystem, aber auch private Geräte umgesetzt werden könne.

Die CDU regt in ihrem Konzept «Schule neu denken» zudem eine systematische und verpflichtende digitale Weiterbildung von Lehrern in den Sommerferien an: Eine Art digitaler Führerschein soll sie fit machen für die neue Zeit, soweit sie das noch nicht sind. Entsprechende Angebote für Eltern müsse es ebenfalls geben.

«Wir wollen einen Quantensprung in der Qualität machen», unterstrich Dregger. Ziel sei eine neue Normalität in der Corona-Krise aus Präsenzunterricht in Schichten und virtuellem Lernen zu Hause. Denn klar sei schon jetzt, dass auch im kommenden Schuljahr an den Schulen nichts so sein werde wie früher.

Schulen müssten als kritische Infrastruktur und als systemrelevant eingestuft werden. «Jetzt muss geliefert werden, denn anderenfalls wird Schulunterricht und die Erfüllung des Bildungsauftrages unmöglich», so Dregger.

Ein integrierter digitaler Unterricht an Schulen und zu Hause schwebt der CDU-Fraktion nach den Worten ihres bildungspolitischen Sprechers Dirk Stettner vor allem für Schüler ab der 4. Klasse vor. Die Klassenstufen 1 bis 3 benötigten mehr Präsenzunterricht im Klassenraum, dies sei unabdingbar.

Neben Schichten schlägt die CDU für diese Kinder zusätzlichen Unterricht an jedem zweiten Samstag vor. Vor einigen Jahrzehnten war Samstagsunterricht an deutschen Schulen in Ost und West Normalität.

Inspiriert von vergangenen Zeiten könnte auch der CDU-Vorschlag sein, in den Sommerferien ab dem 25. Juni Angebote für Kinder zu unterbreiten, die wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen zeitweisen Schulschließungen «riesige Wissenslücken» haben. In Zusammenarbeit etwa mit Sport- und Kulturvereinen oder Theatern könnten in Sommerkursen Lernen und Freizeitgestaltung verbunden werden, so Stettner. Das erinnert manchen an die DDR-Ferienspiele, die an Schulen stattfanden und - freilich noch ohne die Möglichkeiten der digitalen Welt - ein ähnliches Konzept verfolgten.

Das gesamte CDU-Konzept «Schule neu denken» dürfte dreistellige Millionenbeträge kosten. Allein für die Anschaffung von Leihgeräten könnten bis zu 100 Millionen Euro fällig werden, so Dregger - wenn tatsächlich jeder Schüler ein solches Gerät benötige, was unwahrscheinlich sei.

Aus dem Digitalpakt des Bundes stehen Berlin für schnelles Internet oder bessere Server an Schulen bis 2024 rund 257 Millionen Euro zur Verfügung. Und der Senat hat zur Digitalisierung von Schulen seit 2019 ein Konzept. Allerdings ist der Aufbruch in die schöne neue Digitalwelt bisher auf Jahre ausgelegt. So sollen allgemeinbildende Schulen erst bis 2023 komplett über starke Breitbandanschlüsse verfügen. Dieses langsame Tempo geht gar nicht, findet die CDU.

Lehrerverband: Schichtbetrieb bis weit ins nächste Schuljahr

Der Deutsche Lehrerverband rechnet damit, dass in Deutschlands Schulen auch noch lange nach den Sommerferien nur Unterricht im Schichtbetrieb möglich sein wird. Zwar habe man die Ferien, um sich organisatorisch besser aufzustellen, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger am Dienstag im Sender n-tv. Den Schichtbetrieb zwischen Präsenzunterricht an der Schule und Lernen zu Hause werde man aber mit Sicherheit auch im nächsten Schuljahr noch haben - «so lange die Abstandsregeln gelten müssen, und die werden ja gelten müssen, bis ein Impfstoff da ist. Das kann sich noch weit ins nächste Schuljahr hineinziehen».

Seit Ende April läuft der Schulbetrieb unter strengen Hygienevorgaben wieder an. Meidinger sprach von einer «Riesenherausforderung», die noch größer werde, wenn alle Schüler wieder zurück seien. Der Verbandschef schätzt, dass ein Viertel der rund elf Millionen Schüler größere Probleme bekommen könnten. Dabei handele es sich um Kinder an Förderschulen oder solche, die schlecht Deutsch sprechen oder keine Unterstützung der Eltern haben.

Tonne: Jeder fünfte Lehrer fällt wohl für Präsenzunterricht aus

Bei der Wiederaufnahme des Unterrichts in den niedersächsischen Schulen stehen zunächst deutlich weniger Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung als vor der Corona-Pandemie. Wie die «Bild»-Zeitung (Mittwoch) berichtet, rechnet Kultusminister Grant Hendrik Tonne damit, dass etwa jede fünfte Lehrkraft trotz der Hygieneregeln nicht in die Schulen kommen kann. Diese Pädagogen gehörten selbst einer Risikogruppe an oder hätten Familienmitglieder in ihrem Haushalt, die zu einer Risikogruppe zählen.

«Wir haben eine sehr detaillierte Abfrage an alle Schulen gegeben. Eine erste Schnellauswertung zeigt, dass rund 20 Prozent nicht für Präsenzunterricht zur Verfügung stehen», sagte der SPD-Politiker der Zeitung. Tonne betonte, dass der Gesundheitsschutz aller Risikogruppen einen hohen Stellenwert habe. Das Ausmaß des Präsenzunterrichts könne sich nur an der Zahl der zur Verfügung stehenden Lehrkräfte orientieren, räumte der Minister ein.

Anfang dieser Woche waren nach den Abschlussjahrgängen der Stufen 9, 10 und 13 auch die Viertklässler in den Präsenzunterricht zurückgekehrt. Eine Maskenpflicht gibt es in den Schulen nicht. Um Infektionen vorzubeugen, fällt der Sportunterricht aus. Zudem sind maximal 16 Schüler in einem Klassenraum zugelassen, unter Einhaltung des Mindestabstands. Händedesinfektion ist nur in Ausnahmefällen vorgesehen, stattdessen soll gründliches Händewaschen helfen.


12.05.2020 7.30 Uhr

Kultusminister-Chefin: Fernunterricht auch nach Sommerferien möglich

Lehrerinnen und Lehrer sollen sich nach Ansicht der Kultusministerkonferenz-Vorsitzenden Stefanie Hubig (SPD) auf Fernunterricht nach den Sommerferien vorbereiten. «Es wäre klug, wenn sich Lehrerinnen und Lehrer während der Ferien auch darüber Gedanken machen», sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin am Dienstag im RTL/n-tv «Frühstart». Inwiefern ein regulärer Schulbetrieb möglich sein werde, wollte sie nicht einschätzen. «Wir können im Moment nicht seriös sagen, wie der Unterricht nach den Ferien aussieht, weil das ganz maßgeblich davon abhängt, ob die Infektionszahlen weiterhin so stabil bleiben und ob die Abstandsregeln mit 1,50 Meter weiter gelten.»

Hubig glaubt nicht, dass die Schüler im nächsten Jahr unverhältnismäßig viel Stoff werden nachholen müssen. «Ich denke, die Lücke wird nicht so groß sein, dass es ein hartes Schuljahr wird», sagte die Ministerin.

Schüler drucken Schutzvisiere gegen Corona

Sogar in Kinderzimmern wird im Kampf gegen die Corona-Pandemie geholfen. In Oberfranken haben sich Schüler zusammengetan, um mit einem speziellen Verfahren Schutzvisiere herzustellen. Ärzte und Pfleger freut's.

Noch schlaftrunken schaltet Josias Neumüller jeden Morgen den Drucker in seinem Kinderzimmer an. Wenn er zu rattern anfängt, riecht es leicht süßlich. Der Druckkopf fährt dann eine Hufeisenform ab, aus einer Düse kommt ein dünner Faden. Etwas mehr als eine Stunde dauert es, dann ist der 3-D-Drucker fertig: Ein Kunststoff-Rahmen für den Kopf, in den eine durchsichtige Folie eingeklemmt wird. Die Schutzvisiere fürs Gesicht sollen vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen. Krankenhäuser, Altenheime oder Pflegedienste brauchen sie.

Vom Aufstehen bis zum Schlafgehen: Der 17-Jährige will so viele Visiere drucken wie irgendwie möglich. «Zwölf Stunden plus pro Tag, das trifft's eigentlich ziemlich gut», meint der Schüler. Er habe längst den Überblick verloren, wie viele er schon gedruckt habe. «Ich denke aber mal irgendwo zwischen 80 und 120.» Das Drucken hat er in der Schule gelernt.

Am Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kulmbach wird seit sechs Jahren 3-D-Druck unterrichtet - als Wahlfach oder im Rahmen der Begabtenförderung. Eigentlich drucken die Schüler gerade eine Fräse, erzählt Pysiklehrer Wolfgang Lormes. Doch dann kam die Corona-Krise und Ärzte, Pfleger und Kliniken begannen verzweifelt nach Schutzmaßnahmen vor einer Ansteckung zu suchen.

Seitdem sind der Lehrer und sechs Jugendliche im Dauereinsatz. Oder besser gesagt ihre 13 3-D-Drucker, die sie bei sich zu Hause aufgebaut haben. Manche Schüler hätten sich sogar selbst einen Drucker gekauft, sagt Lormes. Auch bei ihm daheim rattern fünf Stück. «Nach dem Aufstehen mache ich morgens erst die Kaffeemaschine und dann die Drucker an. Dann geht das halt wie beim Brezelnbacken.»

Bis es soweit war, experimentierten die Schüler stundenlang. Anfangs hätten sie sich einfach eine Anleitung aus dem Internet geholt, sagt der Physiklehrer. Aber mit den ersten Prototypen hätte das Klinikum Kulmbach erst einmal wenig anfangen können: Das Visier müsse für den medizinischen Einsatz oben geschlossen sein, es brauche mehr Stabilität und genug Abstand für Brillenträger, so die Rückmeldung.

«Wir haben uns viel darüber ausgetauscht, rumgetüftelt und neu konstruiert und überdacht», erzählt Schüler Bastian Steinlein. In Videokonferenzen jeden Abend. Wie schnell soll der Drucker fahren? Bei welcher Temperatur? Bis auf einen halben Zehntelmillimeter müssen die Einstellungen passen. «Einfach machen und drucken - so leicht ist es halt doch nicht», betont der 16-Jährige, der drei Drucker in Betrieb hat.

Doch die Mühe lohnt sich: Mehr als tausend Visiere haben die Schüler schon kostenlos an Zahnärzte, Logopäden und das Klinikum Kulmbach geliefert. «Bis nach Halle geht das Zeug, von Wolznach bis nach Halle», sagt Wolfgang Lormes nicht ohne Stolz.

Nicht nur in Kulmbach laufen 3-D-Drucker auf Hochtouren: Das Gymnasium Neubiberg beispielsweise produziert Gesichtsschilder für Mediziner, Pfleger und andere systemrelevante Berufstätige. Auch die Hochschulen in Deggendorf, Nürnberg, Ingolstadt, Regensburg, Coburg, Hof und Landshut stellen ähnliche Gesichtsschilder mit dem Drucker her.

Einen Überblick über die Produktion haben nach eigenen Angaben weder das Kultus- noch das Wissenschaftsministerium. Warum werden die Bildungseinrichtungen nicht dazu aufgerufen, Gesichtsschilder zu drucken? Das Wissenschaftsministerium beruft sich auf die Freiheit der Wissenschaft. Es gebe nicht genug Schulen, die technisch dafür ausgerüstet seien, heißt es aus dem Kultusministerium.

Das Landratsamt Bamberg hat trotzdem alle Schulen angeschrieben - drei hätten sich gemeldet, teilte ein Sprecher mit. Die Koordination übernehme das Amt. Etwa 900 Masken habe man schon für Krankenhäuser, Altenheime, Pflegedienste und Arztpraxen gedruckt.

«Vielleicht schützt es nur eine einzige Person, infiziert zu werden», sagt Bastian Steinlein. «Aber die eine Person ist es halt trotzdem.» Man könne ohnehin nur so wenig tun, meint auch Josias Neumüller. Er wolle nicht nur herumsitzen, Abstand halten und Händewaschen. «Es fühlt sich immer alles so passiv an», findet der 17-Jährige. Da sei es «eine coole Sache, helfen zu können - mit einer Sache, die einem selber Spaß macht.»

Abiklausuren unter Corona-Bedingungen beginnen in NRW

Ohne Abschlussball, aber mit Hygiene-Abstand: Zehntausende Abiturienten stehen in NRW vor einem Abschluss unter besonderen Corona-Bedingungen. Experten warnen vor der hohen Belastung der Schüler in der Ausnahmesituation.

Für die Abiturienten in Nordrhein-Westfalen beginnen am Dienstag die Abschlussprüfungen unter Corona-Schutzmaßnahmen. Bis zum 25. Mai werden die knapp 90 000 Schülerinnen und Schüler ihre Abiklausuren schreiben, dann folgen die mündlichen Prüfungen. Danach stehen - wenn nötig - die Nachschreibetermine an.

Wegen der Pandemie waren die Prüfungen nach hinten verlegt worden. Nach den Schulschließungen zur Eindämmung des Virus in NRW gehörten die Schüler der Abschlussklassen von Gymnasien und Gesamtschulen zu den ersten, die zum tageweisen Unterricht an die Schulen zurückkehren konnten.

Für die Prüflinge im bevölkerungsreichsten Bundesland gelten für die anstehenden Klausuren dieselben Hygiene-Standards wie für jüngere Schüler und das Lehrpersonal: Die Tische sollen in ausreichend großem Abstand zueinander stehen, Laufwege werden entsprechend markiert, auf Handhygiene soll besonders geachtet werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte auf die besondere Belastung der Abschlussjahrgänge hingewiesen. Von gleichen Prüfungsvoraussetzungen könne nicht die Rede sein, hieß es. Die Bedingungen beim Distanzlernen seien in den vergangenen Wochen für die Schüler sehr unterschiedlich gewesen. Hinzu komme der enorme psychische Druck angesichts der Pandemie.

Dem Philologen-Verband NRW zufolge wollen die meisten Schüler «nach dem ganzen Hin und Her jetzt auf jeden Fall ihre Abi-Klausuren schreiben.» Die Vorsitzende Sabine Mistler hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt, sie befürchte keinen coronabedingten Noteneinbruch.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mahnte, in den Schulen auch die Reinigungskräfte in den Blick zu nehmen. «Sie müssen ebenfalls
ausreichend geschützt und bei allen geplanten Maßnahmen in den Schulen berücksichtigt werden», erklärte die Vorsitzende des DGB-Stadtverbandes Düsseldorf, Sigrid Wolf.

Brandenburger Kabinett berät über weitere Öffnung von Schulen

Brandenburg will die Weichen für die weitere Öffnung der Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien stellen. Das Kabinett berät am Dienstag (Pk 14.15 Uhr) in Potsdam darüber. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte dem RBB gesagt, die Landesregierung wolle vorsichtig sein, aber trotzdem dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler wieder die Schule besuchen können.

Offen ist noch, wann die Klassen 1 bis 4 und die Jahrgangsstufen 7 und 8 wieder Unterricht in der Schule haben. Das Kabinett will auch einen Zeitplan veröffentlichen, wie und welche Kinder noch bis zu den Sommerferien in die Kitas kommen können. Derzeit gilt eine Notbetreuung für Kinder von Eltern wichtiger Berufe und für Alleinerziehende. Die Plätze sind zu 26 Prozent belegt.

VBE kritisiert Schulbeginn - Ministerin weist Kritik zurück

Der VBE wirft der Landesregierung vor, das Recht auf Unversehrtheit an den Schulen aus den Augen verloren zu haben. Damit schießt die Bildungsgewerkschaft deutlich über das Ziel hinaus - kontert Ministerin Hubig.

Überfüllte Schulbusse, Hygienemängel, zu wenig Lehrer und Defizite bei der Digitalisierung: Das ist die Bilanz des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz nach einer Woche Unterricht. Die Bildungsgewerkschaft sieht zudem die geplante Öffnung aller Schulen bis zu den Sommerferien in Gefahr. «Das Schuljahr 2019/20 ist gefühlt zu Ende - und das bereits seit Mitte März, als die Schulen bundesweit geschlossen wurden», kritisiert der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Bold in einem Offenen Brief an Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). «Wir hegen begründete Skepsis, das der Unterricht bis zu den Sommerferien so stattfinden kann, wie Sie es den Eltern versprochen haben.»

Hubig wies die Kritik entschieden zurück. Sie verwies darauf, dass Schüler ein Recht auf Bildung haben und Schule deutlich mehr als Unterricht sei.

Die ersten Klassenstufen seien in der Corona-Krise ohne genügend Vorlauf und zu sorglos wieder unterrichtet worden, schreibt Bold. «Ohne Rücksicht auf Leib und Leben gefährdete die Landesregierung die Gesundheit aller Schülerinnen und Schüler sowie aller Lehrkräfte.» Als Beispiele nennt Bold den Mund-Nasen-Schutz.

Die Schüler, nicht aber Lehrer und andere Beschäftigte hätten solche Masken bekommen. Die Schulen müssten sich eigenständig Plexiglasscheiben als Spuckschutz basteln. Die Schulbusse seien viel zu voll und auf die Maskenpflicht werde in den Bussen vielerorts kaum beachtet. Viele Reinigungskräfte seien nicht mit ausreichenden Mengen an Desinfektionsmitteln ausgestattet. Ein großer Teil der Lehrer gehöre zur Risikogruppe und könne keinen Präsenzunterricht geben. Dazu komme ein Mangel an - unter Hygienevorschriften - geeigneten Klassenräumen.

«Alle Schulen haben eine Notreserve an Einweg-Masken sowie Desinfektionsmittel erhalten», betonte Hubig. «Lehrkräfte, die ihre Maske vergessen haben, können eine Einweg-Maske über die Reserve erhalten.» Zudem seien 150 000 Einweg-Masken als Reserve an die Fahrer von Schulbussen gegeben worden, für den Fall, dass Kinder ihre Maske vergessen haben.

Ministerin kündigt Fahrplan für Schulen und Kitas an

Videokonferenzen, Mundschutz und kleine Klassen: Die Schüler sollen nach und nach in die Brandenburger Schulen zurückkehren. Bildungsministerin Britta Ernst will unter der Woche neue Maßnahmen für Schulen und Kitas vorstellen.

Nach dem Wiedereinstieg der Fünftklässler in den Unterricht der Brandenburger Grundschulen hat Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) konkrete Starttermine für die weiteren Jahrgänge in Aussicht gestellt. «Ich gehe davon aus, dass wir uns morgen dazu äußern können», sagte Ernst dem Inforadio des RBB am Montag. «Wir müssen weiter sehr vorsichtig sein, aber trotzdem dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler wieder die Schule besuchen können.» Offen sind bislang noch die Starttermine für die jüngsten Schüler der Klassen 1 bis 4 und für die Jahrgangsstufen 7 und 8. Das Kabinett berät an diesem Dienstag über die weitere Öffnung von Schulen und Kitas.

Schon jetzt herrsche in einigen Schulen Platzmangel, sagte Ernst. Denn wegen der Abstands- und Hygieneregeln müssten die Lerngruppen geteilt werden. Dementsprechend mehr Räume würden gebraucht. «Die Schulen kommen an ihre Grenzen». Insbesondere Schulen mit verhältnismäßig wenigen Klassenzimmern hätten bereits mit dem Schulstart der Fünftklässler echte Kapazitätsschwierigkeiten.

Ein weiteres Problem am aktuellen Schulkonzept sieht der Präsident der Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes, Hartmut Stäker, in den zeitlich versetzten Unterrichtsschichten. Insbesondere im ländlichen Raum sei diese Idee wegen des schwach ausgebauten Nahverkehrs schwer umzusetzen. Dafür bedürfe es einer Schullinie, die öfter als zwei Mal am Tag befahren werde, bemängelte Stäker. Gebe es dennoch eine solche «Schichtbeschulung», vermehrten sich die Kontakte vor der Schule und die Schüler müssten lange warten.

Bildungsministerin Ernst stellte klar, dass es in absehbarer Zeit keinen Normalbetrieb geben könne. «Solange wir keinen Impfstoff haben oder durch ausgefeilte Testverfahren die Möglichkeit haben, das Ansteckungsrisiko zu minimieren, müssen wir Abstand halten», sagte sie dem Inforadio. Der Schulbesuch sei daher durch die verminderte Lerngruppengröße nur tageweise möglich.

Die Kultusminister der Länder hatten beschlossen, dass alle Schüler bis zu den Sommerferien zeitweise an die Schulen zurückkehren sollen. Bereits am 20. April begannen die brandenburgischen Abiturienten mit ihren Prüfungen. Eine Woche später nahmen die Zehntklässler den Präsenzunterricht wieder auf. Am 4. Mai folgten die Schüler, die im nächsten Jahr einen Schulabschluss planen.

Auch den Eltern von Kita-Kindern in Brandenburg will Ministerin Ernst bald Gewissheit darüber verschaffen, wie die Öffnung der Kindergärten bis zum Sommer aussehen soll. «Wir überlegen jetzt, wie viele und welche Kinder wir noch bis zu den Sommerferien in die Kitas bringen», sagte sie dem Inforadio des RBB. Informationen sollten noch in dieser Woche veröffentlicht werden. Kitas könne man erst dann wieder für alle Kinder öffnen, wenn die Pandemie nicht mehr bedrohlich sei. Die Kitas seien durch die Ausweitung der Notbetreuung inzwischen zu 26 Prozent belegt.

Linksfraktionschef Sebastian Walter forderte eine baldige Öffnung eines Großteils der Kitas. «Eine Auslastung von 70 Prozent der Kitas sollte jetzt angestrebt werden», sagte Walter der «Märkischen Allgemeinen» (Montag). Das Ziel müsse sein, sie bis zur Sommerpause schrittweise wieder zu öffnen unter Beachtung aller Hygienemaßnahmen. «Dafür brauchen wir endlich ausreichend Schutzausrüstung für das Kita-Personal.»

Stamps Tochter ging in Sitzstreik - weil sie wieder zur Schule wollte

Familienminister Joachim Stamp (FDP) spürt auch in der eigenen Familie, wie das Leben ohne Schule ist: Seine jüngere Tochter sei vor seinem Arbeitszimmer in «Sitzstreik» gegangen und habe gesagt: «Ich gehe hier erst wieder weg, wenn ich zu meinen Freundinnen und Freunden darf», erzählte Stamp in einem Podcast der NRW-Lokalradios. Stamps Töchter sind 9 und 12 Jahre alt. Seine Frau, so der Minister, arbeite online. Er selbst habe 90 bis 100 Stunden-Wochen und seit Mitte März keinen freien Tag gehabt. Dazwischen versuchten seine Frau und er, den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, die sie im virtuellen Unterricht bekommen.


11.05.2020 11.00 Uhr

Corona-Lockerungen gehen in die nächste Runde

Mit der neuen Woche ergeben sich für die Menschen in Bayern wieder mehr Freiheiten: Alle Geschäfte, Museen und Zoos dürfen öffnen. Diejenigen Schüler, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen oder die vierte Klasse besuchen, dürfen - oder müssen - zudem zurück an die Schulen.

Ein normaler Schulalltag ist aber noch nicht in Sicht: Der Corona-Fahrplan der Staatsregierung sieht vor, dass in aller Regel ein wöchentlicher Wechsel zwischen Präsenzunterricht in der Schule und Unterricht zu Hause stattfindet.

Ab Montag dürfen auch größere Läden mit mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche öffnen und Dienstleister wie Nagel- und Kosmetikstudios oder Fahrschulen den Betrieb wieder aufnehmen. Solange sich Kunden und Betriebe an Maskenpflicht, Hygiene- und Abstandsregeln halten, kann also nach Herzenslust geshoppt werden.

Bei Museen etwa sollten sich Besucher vorher über die Öffnungszeiten informieren, denn viele Museen haben montags regulär zu. Das Haus der Kunst und das Deutsche Museum beispielsweise aber haben ab Montag geöffnet.

Tickets sollte man in der Regel vorher online kaufen. Das gilt zum Beispiel auch für einen geplanten Besuch im Zoo. Denn überall wird nur eine bestimmte Anzahl an Menschen reingelassen.

Philologenverband mahnt mehr Hilfe für Lehrer an

Der Philologenverband Schleswig-Holstein hat von der Landesregierung mehr Unterstützung der Lehrer in der Corona-Krise verlangt. «In der Schule haben die Kolleginnen und Kollegen alle Hände voll zu tun, um die Schüler in Kleingruppen zu unterrichten und auf Abstand zu halten, dabei auch noch selbst und andere zu schützen - während sie in ihren Privatwohnungen unterrichtliche Aufgaben auf eigenen Endgeräten zu leisten hätten - inklusive Videokonferenzen», klagte Verbandschef Jens Finger am Sonntag. Gesundheitsschutz und Datenschutz blieben dabei auf der Strecke.

Der Philologenverband unterstütze die allmähliche Öffnung der Schulen und damit auch den Stufenplan der Landesregierung. «An den Schulen vor Ort aber brauchen wir mehr Unterstützung», erklärte Finger. So sollten auch Lehrkräfte Endgeräte wie etwa Laptops zur Verfügung gestellt bekommen. «Die Bundesmittel dafür sollten nicht allein Schülern zur Verfügung gestellt werden.» Gleichzeitig machte er sich für freiwillige Corona-Tests an Schulen stark. «Was Sachsen kann und praktiziert, ist hier auch möglich.»

Unterricht beginnt für mehrere Klassenstufen - weiter Kritik daran

Viele Kinder und Eltern werden sich freuen - für viele Lehrer ist es eine Herausforderung. Nach der Corona-Pause beginnt für mehrere Klassenstufen wieder der Unterricht. Es gibt weiter Kritik.

An diesem Montag beginnt in Berlin für mehrere Klassenstufen wieder der Unterricht in den Schulen. Davor mussten unter anderem Klassenräume umgeräumt, Unterrichtspläne neu gestaltet und Seife, Handtücher und Desinfektionsmittel besorgt werden. Für Kritiker kommt die - schrittweise - Schulöffnung zu schnell. Und es gibt auch Ratschläge.

Der FDP-Abgeordnete Paul Fresdorf sagte an die Adresse von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Sonntag: «Sie hätte die letzten Wochen nutzen müssen, um einen Plan für einen am Regelunterricht nahen Neustart der Schulen aufzustellen. Dies ist nicht geschehen, stattdessen besuchen die Kinder teilweise für weniger als 10 Tage bis zu den Sommerferien die Schule, was eher ein touristisches als ein echtes Bildungsangebot ist.» Die FDP-Fraktion habe ein 14-tägiges Rotationsprinzip mit Halbklassen und Desinfektion vor der Schule vorgeschlagen, damit die Kinder zwei Wochen am Stück Unterricht erhalten und danach wieder zwei Wochen zu Hause lernen könnten. Die Bildungspolitik bleibe die größte Baustelle im Land Berlin.

Auch vom Landeselternausschuss und vom Philologenverband gab es bereits teilweise Kritik, aber auch Zustimmung. Nach Überzeugung des Vorsitzenden des Landeselternausschusses, Norman Heise, hat die Entscheidung, die Schulen zu öffnen, viele Eltern aber gefreut. «Mit Sicherheit die, die sagen: "Mein Kind muss mal wieder zur Schule und ich brauche mal wieder Raum zum kurz Durchatmen." Denn diese letzten Wochen waren für viele sehr aufreibend, die Doppelbelastung, Homeoffice und Homeschooling zu machen und den Alltag in der Familie auf die Beine zu stellen.»

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Dirk Stettner, forderte die Senatorin zudem auf, sich am Montagmorgen vor der Grundschule am Kollwitzplatz aus erster Hand informieren lassen, «welche Probleme ihre sehr schlecht vorbereitete weitere Öffnung den Schulen in der Coronakrise bereitet – von der Klassenraum-Organisation bis hin zur Überwachung der Hygienevorgaben.»

In Berlin beginnt an diesem Montag die Schule wieder für die Jahrgangsstufen 1 und 5 der Grundschulen, Integrierten Sekundarschulen, Gemeinschaftsschulen sowie Förderschulen. Dazu kommt die Jahrgangsstufe 7 an den Gymnasien und den anderen Schultypen. Ziel ist es, allen Schülern bis spätestens zum 29. Mai Präsenzunterricht mit reduzierter Stundentafel zu erteilen. Seit 20. April laufen bereits für die Abiturienten die Prüfungen. Die Zehntklässler kehrten eine Woche später an die Schulen zurück.

 

10.05.2020 10.00 Uhr

Weitere Kinder und Jugendliche dürfen in den Schulen lernen

Abschlussklassen büffeln bereits in den Schulen für ihre Prüfungen, ab Montag sollen weitere Kinder und Jugendliche in die Schulgebäude zurückkehren - zumindest tageweise. Die Details sollen die Schulen selbst klären. Doch es gibt Klassenstufen, die Vorrang haben.

Nachdem die meisten Abschlusskandidaten bereits Präsenzunterricht an ihren Schulen bekommen, dürfen ab Montag weitere Kinder und Jugendliche wieder in ihre Schulen. Der aktuelle Stufenplan des Thüringer Bildungsministeriums sieht dabei vor, dass Viertklässler, Drittklässler, die Schüler der elften und der neunten Klasse vorrangig berücksichtigt werden. Den genauen Plan, wer wann zurückkehrt, sollen aber die Schulen selbst entwickeln.

In der Grundschule sollen die Ältesten mit Präsenzunterricht auf den Schulwechsel vorbereitet werden. Die Drittklässler sollen für die Entscheidung, ob sie nach der Grundschule an ein Gymnasium, eine Regel-, Gemeinschafts- oder Gesamtschule wechseln, vorbereitet werden.

Die meisten Abschlussklassen haben bereits wieder Unterricht in den Schulgebäuden. Wegen der Corona-Krise mussten in Thüringen Schulen und Kindergärten am 17. März für mehrere Wochen schließen. Auch in Zukunft soll es nach Plänen des Bildungsministeriums Unterricht nicht vollständig an allen Tagen für alle Schüler in den Schulgebäuden geben. Vielmehr ist ein System aus Tagen mit Präsenzunterricht und häuslichem Lernen geplant.

Der Schülertransport soll aber nach Angaben des Verbandes Mitteldeutscher Omnibusunternehmer im Freistaat ab Montag wieder vollumfänglich starten. Wegen der coronabedingten Schulschließungen war der Schülerverkehr zwischenzeitlich eingestellt worden. In den Schulbussen und auch in Bahnen sollen die Schüler Masken tragen.

Ausnahme-Abi beginnt - GEW: Schüler enorm belastet

Vor Beginn der Abitur-Prüfungen in Nordrhein-Westfalen am kommenden Dienstag haben Experten auf die besondere Belastung der Abschlussjahrgänge hingewiesen. Von gleichen Prüfungsvoraussetzungen könne nicht die Rede sein, sagte Kenneth Rösen von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Bedingungen beim Distanzlernen seien in den vergangenen Wochen für die Schüler sehr unterschiedlich gewesen. Hinzu komme der enorme psychische Druck angesichts der Corona-Pandemie. Für rund 148 000 Jugendliche und junge Erwachsene aus Gymnasien und Gesamtschulen beginnen am 12. Mai die Abi-Prüfungen.

Es sei zu hoffen, dass die kommenden Wochen reibungslos verlaufen. Die Schulen hätten sehr viel geleistet, betonte Rösen. Dennoch: Einige erneute Schulschließungen wegen Corona-Verdachtsfällen in den vergangenen Tagen zeigten, «dass die besten Planungen hinfällig werden können.» Dem Philologen-Verband NRW zufolge wollen die meisten Schüler «nach dem ganzen Hin und Her jetzt auf jeden Fall ihre Abi-Klausuren schreiben.» Die Vorsitzende Sabine Mistler sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie befürchte keinen coronabedingten Noteneinbruch.


08.05.2020 13.00 Uhr

Verband: Räume und Lehrer fehlen für Präsenzunterricht

Der geplante Präsenzunterricht für alle Schüler nach den Pfingstferien bereitet Schulleitungen und Lehrern nach Verbandsangaben große Bauchschmerzen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte angekündigt, dass alle Jahrgangsstufen ab Mitte Juni in einem wöchentlichen Wechsel Fernunterricht erhalten und in den Schulen unterrichtet werden sollen. Der Landeschef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, wies aber am Freitag darauf hin, dass vielerorts Lehrer und Klassenzimmer fehlten. Die Hygienemaßnahmen wegen der Corona-Pandemie müssten eingehalten werden.

«Mit der vorhandenen Personaldecke kommen wir schon jetzt an die Grenze», sagte Brand. Nach einer siebenwöchigen Schließung gehen seit Montag die Schüler, die vor Abschlussprüfungen stehen, wieder in die Klassenzimmer. Im Sekundarbereich I gehe es dabei um etwa 20 Prozent der Schüler. Weil die aber wegen der Sicherheitsmaßnahmen in kleineren Gruppen unterrichtet werden müssten, brauche man für sie 30 bis 40 Prozent der Lehrer. Hinzu komme, dass auch das Lernen zu Hause weiterlaufe und Präsenzangebote für die Schüler aufgebaut würden, die mit den Fernlernangeboten nicht erreicht werden konnten.

Manche Schulleitungen hätten signalisiert, dass sie das von der Kultusministerin vorgeschlagene «rollierende System» bei der Erteilung des Unterrichts wohl nicht einhalten könnten. Brand bat darum, dass die Schulen notfalls von Vorgaben abweichen dürften. Oberstes Ziel müsse sein, die Hygienestandards wegen der Corona-Pandemie für Schüler und Lehrer einzuhalten.

Prüfungsstart für Abiturienten - Zehntklässler beginnen am Montag

Die Abiturienten des Jahrgangs 2019/2020 in Mecklenburg-Vorpommern sind am Freitag in einen mehrwöchigen Prüfungsmarathon gestartet. Als erstes absolvierten die rund 6100 Schüler der Abschlussklassen eine mehrstündige Klausur im Pflichtfach Deutsch. Nach Angaben des Bildungsministeriums folgen in der kommenden Woche Prüfungen unter anderem in den Fächern Kunst, Englisch und Mathematik. Die schriftlichen Arbeiten werden noch bis zum 30. Mai absolviert, danach folgen noch mündliche Prüfungen.

Am Montag starten ebenfalls mit dem Fach Deutsch die Prüfungen zur Mittleren Reife. Rund 4700 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen treten dazu an. Auch für diese Prüfungen gelten besondere Hygiene- und Abstandsregeln.

Die wegen der Corona-Pandemie und den deshalb zeitweilig verfügten Schulschließungen nach hinten verschobenen Prüfungen sind umstritten. Der Landesschülerrat hatte angesichts der besonderen Umstände in diesem Jahr den Verzicht auf die Abschlussprüfungen gefordert. Kritik kam auch von Lehrerverbänden.

Die Abschlussklassen an Gymnasien sowie Regional- und Gesamtschulen waren als erste an die Schulen zurückgekehrt, um sich in Konsultationen auf die Prüfungen vorzubereiten. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) räumte zwar ein, dass die Prüfungen unter besonderen Vorzeichen stünden, doch sei bis zur Schulschließung Mitte März im Abiturjahrgang schon der notwendige Unterrichtsstoff behandelt gewesen.

GEW fordert Fokus auf individuelle Schülerförderung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Brandenburg fordert bei der Diskussion um die Schulöffnungen einen Fokus auf der Förderung einzelner Schüler. «Wir brauchen individuelle Förderpläne statt dem Festhalten am Rahmenlehrplan», sagte der Vorsitzende Günther Fuchs am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Dieser politische Schwerpunkt müsse vom Bildungsministerium gesetzt werden. Den Fokus auf Abschlussklassen und Prüfungen hielt Fuchs nicht für angemessen.

«Die Zeit wurde in der Vergangenheit nicht immer effektiv genutzt, um den Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht vorzubereiten», kritisierte Fuchs. Zudem müsse man davon ausgehen, dass Schulen wieder geschlossen werden, sobald Verdachtsfälle auftreten - auch noch im kommenden Schuljahr. Deshalb sollten seiner Meinung nach bis zum Ende des Schuljahres Konzepte erarbeitet werden, wie die Schüler individuell gefördert und Defizite aufgeholt werden können - auch noch im kommenden Schuljahr. Dabei müsse auch das Personal mitgedacht werden: Welche Lehrer können an den Schulen unterrichten, welche aus dem Homeoffice? Die Vorgaben des Bildungsministeriums für den Unterricht müssten realistisch und umsetzbar sein, sagte Fuchs.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte zuletzt angekündigt, dass jeder Schüler vor den Sommerferien nochmal an die Schule kommen soll. Ab Montag sollen in Brandenburg die fünften Klassen in den Präsenzunterricht zurückkehren. Bereits seit Ende April sind die Abschlussklassen wieder an den Schulen, seit Montag die Klassen, die im kommenden Jahr einen Schulwechsel oder Abschluss planen.

Coronavirus - Lehrer in Sachsen können sich testen lassen

Sächsische Lehrer, die wieder an einer Schule unterrichten, können sich vom 1. Juni an freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Die Kosten übernimmt der Freistaat, falls die Krankenkassen nicht dafür aufkommen, wie das Kultusministerium am Freitag mitteilte. Die Tests können beim Hausarzt durchgeführt werden. Perspektivisch werde auch daran gedacht, das Angebot für freiwillige Tests auf den Kita-Bereich zu erweitern, hieß es.

Laut Ministerium können mit den Tests auch Infizierte erfasst werden, die noch keine Krankheitssymptome aufweisen, aber dennoch das Virus übertragen könnten. Das sei für die Durchbrechung von Infektionsketten an den Schulen von Bedeutung.

Die Universität Leipzig, die TU Dresden und das Uniklinikum planen zudem zwei Studien an ausgewählten Schulen, um nähere Informationen über die Weiterverbreitung von Infektionen zu bekommen.

Linksfraktionschef Bartsch fordert «Kindergipfel» im Kanzleramt

Wegen der weiterhin ungewissen Lage für Schulen und Kitas in der Corona-Krise hat Linksfraktionschef Dietmar Bartsch einen «Kindergipfel» im Kanzleramt gefordert. Kinder, Frauen und Familien seien die Verlierer der Krise, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Es kann nicht sein, dass Autos höchste Priorität erhalten und unsere Jüngsten aus dem Raster fallen», fügte er mit Blick auf den jüngsten «Autogipfel» im Kanzleramt hinzu. Das Recht auf Schule, Bildung und Betreuung dürfe nicht länger ausgesetzt werden. Die bildungspolitischen Lockerungen müssten mit denen der Wirtschaft Schritt halten.

Nach wochenlangen Komplettschließungen ist der Unterricht an vielen Schulen inzwischen eingeschränkt wieder angelaufen. Bis zum Sommer soll der Betrieb auf immer mehr Klassen ausgeweitet werden, allerdings wird es wegen des Abstandsgebotes auf absehbare Zeit keinen Normalbetrieb geben können. In «Schichtmodellen» werden Schüler abwechselnd an der Schule und zu Hause lernen. In den Kitas wird zwar schrittweise die Notbetreuung ausgeweitet, aber in den meisten Bundesländern ist noch unklar, wann wieder alle Kinder betreut werden können. «Die bisherigen Maßnahmen, den Kita- und Schulbetrieb nur mit Handbremse aufzunehmen, werden den Erfordernissen und Bedürfnissen von Kindern und Eltern in keiner Weise gerecht», sagte Bartsch.

 

07.05.2020 21.30 Uhr

Prüfungsstart an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern

Mit der Abschlussklausur im Pflichtfach Deutsch beginnen am Freitag in Mecklenburg-Vorpommern die Abiturprüfungen. Nach Angaben des Bildungsministeriums folgen für die landesweit rund 6100 Abiturienten in der kommenden Woche dann Prüfungen unter anderem in den Fächern Kunst, Englisch und Mathematik. Die bis zum 30. Mai anberaumten Prüfungen sind wegen der wochenlangen Schulschließungen umstritten. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) räumte ein, dass sie angesichts der Corona-Pandemie unter besonderen Vorzeichen stehen. Doch sei der für den Abiturjahrgang notwendige Unterrichtsstoff bis zur coronabedingten Schulschließung Mitte März behandelt gewesen. Der Landesschülerrat hatte den Verzicht auf die Abschlussprüfungen in diesem Jahr gefordert.

Viertklässler wieder in der Schule - Rektoren erleichtert

Es war ein bisschen wie bei der Einschulung: Eltern bringen ihre aufgeregten Kinder zum Schultor; nach wenigen Stunden ist alles vorbei. Nach langer Corona-Pause machten an den Grundschulen die «Viertis» den Anfang. Schulleiter sind erleichtert.

Nach knapp acht Wochen coronabedingter Zwangspause wird in den Grundschulen Nordrhein-Westfalens wieder teilweise unterrichtet. Die landesweit rund 160 000 Schüler der vierten Klasse kehrten am Donnerstag unter besonderen Hygienevorgaben wie Abstandsregeln in ihre Schulen zurück. Die höchste Klassenstufe machte den Anfang, weil die Kinder vor einem Schulwechsel stehen. Viele Schüler sahen zum ersten Mal seit langem ihre Freunde wieder.

Grundschulleiterinnen äußerten sich am Mittag erleichtert über den ersten Schultag nach langer Zeit. «Es hat besser geklappt, als wir gedacht haben», sagte die Vorsitzende des Grundschulverbandes NRW, Christiane Mika. Sie ist Rektorin an der Libellen-Grundschule in Dortmund. Die Kinder hätten einen «unglaublichen Redebedarf» gehabt. «Sie haben erzählt, womit sie die vergangene Zeit verbracht haben und was sie am meisten vermisst haben.» Die Kinder hätten gesagt, es sei schön gewesen, «wieder hier zu sein und die anderen zu sehen». Trotzdem sei es eine Ausnahmesituation, «wo es keine wirklich guten Lösungen gibt», sagte Mika weiter.

Um die rasche Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, war der Schulbetrieb in NRW ab dem 16. März unterbrochen worden. Nach dem Start der Viertklässler sollen die Klassen eins bis drei nächste Woche folgen. Pro Tag soll bis zu den Sommerferien jeweils nur eine Jahrgangsstufe in die Schule kommen.

Wie die Grundschulen das vor Ort organisieren - etwa Erstklässler montags, Zweitklässler dienstags - bleibe ihnen überlassen, hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärt. Auch zwei aufeinanderfolgende Tage pro Jahrgang seien möglich, hieß es ergänzend in einer Mail an die Schulen vom Donnerstag. Möglichst alle Jahrgänge sollten in gleichem Umfang Präsenzunterricht erhalten.

Auch für weiterführende Schulen gibt es einen Rückkehrfahrplan nach der wochenlangen coronabedingten Zwangspause: Am kommenden Montag kehren zunächst die Jugendlichen an die Gymnasien und Gesamtschulen zurück, die im nächsten Schuljahr 2020/21 ihr Abitur ablegen. An den Haupt-, Real- und Sekundarschulen sollen nach und nach rollierend auch die Jahrgänge 5 bis 9 schon am kommenden Montag wieder tageweise Präsenzunterricht bekommen.

Noch Geduld brauchen Gesamtschüler und Gymnasiasten, die noch nicht 2021 Abi machen. Nach Planung der Landesregierung sollen die Stufen 5 bis 10 an den Gymnasien und die Stufen 5 bis 11 in den Gesamtschulen spätestens ab 26. Mai wieder tageweise Präsenzunterricht bekommen. Der Grund: Ende Mai wird die Hauptphase der Abiturprüfungen vorbei sein. Als erstes waren am 23. April nur diejenigen Schüler wieder in die Klassenräume gekommen, die aktuell ihren Abschluss machen.

Einen regulären Schulbetrieb für die 2,5 Millionen Kinder und Jugendlichen in NRW wird es vor den Sommerferien - sie beginnen am 29. Juni - aber nicht geben, hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch erklärt.

 

07.05.2020 13.30 Uhr

Schülerverkehr wird wieder hochgefahren – Hilfen gefordert

Nachdem die Abiturjahrgänge bereits an die Thüringer Schulen zurückgekehrt sind, sollen in demnächst immer mehr Schüler wieder in Klassenzimmern statt am Esstisch lernen. Deshalb muss auch der Schülerverkehr wieder hochgefahren werden – trotz Corona. Die Busunternehmen sehen sich gerüstet.

Die Busunternehmen in Thüringen sind nach Einschätzung ihrer Verbände gut darauf vorbereitet, trotz der Corona-Krise den Schülerverkehr ab Montag wieder vollständig aufzunehmen. Damit würden die Unternehmen im Freistaat auch grundsätzlich wieder nach dem Normalfahrplan verkehren, sagte der Vorsitzende des Verbandes Mitteldeutscher Omnibusunternehmer, Mario König, am Donnerstag in Erfurt. Wegen der coronabedingten Schulschließungen war der Schülerverkehr eingestellt worden. Dass in den Bussen nun wieder zunehmend junge Menschen unterwegs seien, sei ein Grund zur Freude für die Unternehmen, die zuletzt massive Umsatzeinbußen zu verzeichnen gehabt hätten.

Wie auch der Vorsitzende des Vereins Bus & Bahn Thüringen, Bert Hamm, zeigte sich König optimistisch, dass die Schüler wie auch andere Fahrgäste die Hygieneregeln einhalten werden, die im öffentlichen Nahverkehr gelten. Dazu gehört unter anderem die grundsätzlich Pflicht, im Bus einen Mundschutz zu tragen und den größtmöglichen Abstand zu anderen Fahrgästen zu halten.

Auch für die Schüler sei das Tragen eines Mundschutzes inzwischen Alltag, sagte König. «Man sieht ja in den Geschäften, dass das funktioniert.» Hamm sagte, auch die Erfahrungen mit Menschen, die in den vergangenen Tagen Bus und Bahn gefahren seien, zeige, dass die Mundschutzpflicht von der übergroßen Mehrzahl von ihnen ohne Probleme akzeptiert und umgesetzt werden. «Bei 90 Prozent ist das gar kein Thema.»

Um auch die Busfahrer vor einer möglichen Ansteckung mit dem neuartigen Corona-Virus zu schützen, sind viele Busse in Thüringen bereits mit einem Spuckschutz ausgerüstet worden, der den Platz des Fahrers abschirmt. Bei den übrigen Bussen laufe die Umrüstung gerade noch, sagte König. Die Kosten dafür seien allerdings erheblich. Je nach Schutztyp koste die Installation eines solchen Systems zwischen 500 und 2000 Euro.

Von der Landespolitik forderten Hamm und König weitere Unterstützung für die Verkehrsunternehmen – auch wenn sie nicht näher beziffern konnten, wie hoch der Schaden ist, der den Unternehmen durch die Corona-Krise entstanden ist oder auf absehbare Zeit noch entstehen wird. Hamm sagte, die Schadenshöhe hänge maßgeblich davon aus, wie sehr die Menschen in den nächsten Wochen und Monaten wieder dazu übergehen würden, mit dem Bus zu fahren. Bislang zeige sich aber, dass die Umsatzeinbußen in den ländlichen Regionen deutlich stärker seien als in den Städten, sagte König.

In Thüringen werden wie in anderen Bundesländern die Schulen wieder stufenweise geöffnet. Zunächst waren Ende April die Schüler in ihre Schulen zurückgekehrt, die in diesem Jahr ihr Abitur ablegen wollen. Anschließend folgten unter anderem die Schüler, die einen Haupt- oder Realschulabschluss in diesem Jahr machen wollen. Im aktuellen Stufenplan des Bildungsministeriums zu Schulöffnung heißt es, ab Montag würden nun unter anderem auch die Viertklässler wieder in die Schulen gehen. «Spätestens am 2. Juni 2020 muss jede Schülerin, jeder Schüler wieder am Präsenzunterricht in modifizierter Form teilnehmen.»

Musikschulen noch ohne Abmeldungen - Wiedereröffnung im Blick

Für Brandenburgs Musikschulen ist die Corona-Krise bisher mehr oder weniger glimpflich verlaufen. Noch gebe es keine Abmeldungen von Schülern, sagte die Sprecherin des Verbandes der Musik- und Kunstschulen Brandenburgs, Katja Bobsin, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Gebühren, insbesondere für Kleinkinder, würden erstattet. Es bestehe auch das Angebot, Stunden später nachzuholen.

«Wir warten aber nun täglich, dass durch die Lockerung der Corona-Auflagen auch die Musikschulen wieder öffnen können», sagte Bobsin. Der Musikunterricht konnte in den vergangenen Wochen teilweise online fortgeführt werden, ein richtiger Ersatz sei das jedoch nicht.

In die am Mittwoch vorgestellte neue Lockerungsverordnung hatte die Landesregierung auch aufgenommen, dass Einzelunterricht an Musikschulen einschließlich des Einzelunterrichts selbstständiger Musikpädagogen in Wohn- und Arbeitsräumen wieder möglich sein soll. Ein Termin wurde jedoch nicht genannt.

In Brandenburg zählt der Verband nach eigenen Angaben 35 Musik- und Kunstschulen, davon 7 reine Kunsteinrichtungen. Rund 1500 Fachlehrer - meist Freiberufler - betreuen rund 50 000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Elternvertreter fürchten Probleme bei weiterer Schulöffnung

Die weitere Schulöffnung ab Montag ist nach Einschätzung der Berliner Elternvertreter für Schulen und Schüler eine echte Herausforderung. «Dass die fünften Klassen kommen sollten, war bekannt», sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Dass jetzt aber auch die ersten Klassen mit dabei sind, das hat vielen den Boden unter den Füßen weggerissen.»

Wie das machbar sei, müssten jetzt die Schulen organisieren. «Natürlich sehen wir da Schwierigkeiten, vor allem vor dem Hintergrund der personellen und räumlichen Ressourcen.» Wie viele Lehrer überhaupt unterrichten können oder zur Risikogruppe gehören und das nicht dürfen, sei sehr unterschiedlich, sagte Heise.

«Das ist in der Kürze der Zeit eine riesengroße Herausforderung für die Schulen», sagte er. Er gehe davon aus, dass die Kinder der ersten Klassen erst im Laufe der Woche dazu kommen werden. «Es ist den Schulen auch nicht zumutbar, innerhalb des heutigen Tages - morgen ist ein Feiertag - das zu organisieren mit allem, was dazu gehört.» Auch für die Eltern sei es schwierig, von den Entscheidungen so kurzfristig zu erfahren.

Viele Eltern habe die Entscheidung, die Schulen weiter zu öffnen, aber gefreut, sagte Heise. «Mit Sicherheit die, die sagen: "Mein Kind muss mal wieder zur Schule und ich brauche mal wieder Raum zum kurz durchatmen." Denn diese letzten Wochen waren für viele sehr aufreibend, die Doppelbelastung, Homeoffice und Homeschooling zu machen und den Alltag in der Familie auf die Beine zu stellen.»

Wenn die übrigen Klassen ab dem 29. Mai dazukommen, wird es nach Heises Ansicht sehr unterschiedliche Unterrichtsmodelle und Schichtsysteme geben. Das könne zum Beispiel so aussehen, dass einige Gruppen nur jeden zweiten oder jeden dritten Tag kommen oder auch nur einmal die Woche. «Ich glaube, es ist vernünftig, den Schulen diese Entscheidung zu überlassen.» Mit Schule im Regelbetrieb wie vor den Schulschließungen im März sei jedenfalls noch nicht zu rechnen.

Bildungsgewerkschaft GEW befürchtet Überlastung von Schulen

Die Gewerkschaft GEW zeigt sich besorgt, dass die weitere Öffnung der Schulen unter strengen Hygiene-Vorkehrungen zu einer Überlastung von Lehrkräften führen könnte. Die Entscheidung des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums sei zwar nachvollziehbar, aber «sehr ambitioniert», erklärte die Gewerkschaft am Donnerstag in Mainz.

«So sehr wir uns alle wünschen, dass wir bald zu einer Normalität des Schulbetriebes kommen, so sehr dürfen wir hierbei die Beachtung der Hygienevorgaben, die Arbeitsbelastung der Kolleginnen und Kollegen und den Arbeits- und Gesundheitsschutz nicht aus dem Blick verlieren», erklärte der Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer. Es sei zu befürchten, dass die Schulen die anstehenden Anforderungen nicht bewältigen könnten. Schon jetzt arbeiteten Schulleitungen und Lehrkräfte an der Belastungsgrenze.

Bildungsministerin Stefanie Hubig hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass die Schulen in Rheinland-Pfalz für weitere Klassen geöffnet werden. Alle Kinder und Jugendlichen sollten bis zu den Sommerferien zumindest tageweise wieder zur Schule zurückkehren können, sagte die Ministerin, die auch den Vorsitz in der Kultusministerkonferenz (KMK) führt. Nach jetzigem Stand könnten gleichzeitig bis zu 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler maximal im Schulgebäude sein.

Bereits am 18. Mai sollen die Berufsbildenden Schulen den Unterricht aufnehmen. Am 25. Mai folgen die dritten Klassen der Grundschulen sowie die 5. und 6. Klassen der Orientierungsstufe der weiterführenden Schulen. Im Anschluss soll es in Zwei-Wochen-Schritten zu weiteren Öffnungen kommen. Am 8. Juni beginnt dann der Unterricht für die achten Klassen. Bis Mitte Juni könnten somit alle Schülerinnen und Schüler wieder in den Schulen sein, wenn es das Infektionsgeschehen zulässt.

06.05.2020 22.00 Uhr

Öffnung von Schulen geht am 11. Mai weiter

Die Öffnung von Schulen in Berlin geht trotz der Corona-Pandemie weiter. Spätestens in der Woche ab dem 11. Mai sollen Schülerinnen und Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf zurück in die Schule kommen, wie die Senatsverwaltung für Bildung am Mittwochabend mitteilte. Das ist unabhängig davon, in welcher Klasse sie sind. Dabei geht es zum Beispiel um Schüler, bei denen die Lehrkräfte davon ausgehen, dass sie während der Phase des Lernens zu Hause nicht genügend gefördert wurden. Gründe dafür können Sprachförderbedarf, ein sonderpädagogischer Förderbedarf der Kinder oder eine schlechte technische Ausstattung zu Hause sein.

Ab dem 11. Mai sollen außerdem die Schülerinnen und Schüler der 1. und 5. Klasse der Grundschulen und Primarstufen an Integrierten Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen zurück in der Schule sein sowie der Schulen mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt. An den infrage kommenden Schultypen gilt das auch für die 7. Klassen.

Das Ziel ist es laut der Senatsverwaltung, allen Schülerinnen und Schülern bis spätestens zum 29. Mai Unterricht mit verringerter Stundenzahl zu ermöglichen. Der Präsenzunterricht soll bis zu den Sommerferien stattfinden.

«Wir öffnen die Schulen wieder behutsam», so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). «Uns war es dabei wichtig, eine Balance zu finden, zwischen dem absolut notwendigen Infektionsschutz der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte und dem Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen.»

Schüler in NRW sollen vor den Sommerferien wieder in die Klassen

Alle Schüler in NRW sollen in diesem Schuljahr zumindest wieder für einige Tage in die Klassenräume zurückkehren. Klar ist: Es wird ein Schulbetrieb im Ausnahmemodus - auf unbestimmte Zeit.

Alle Schüler in NRW sollen vor den Sommerferien zumindest tageweise in die Klassenräume zurückkehren. Nach der bereits beschlossenen Rückkehr der Viertklässler an diesem Donnerstag (7. Mai) sollen die Klassen 1 bis 3 ab dem kommenden Montag folgen. Das kündigten Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) und Regierungschef Armin Laschet (CDU) am Mittwoch in Düsseldorf an, nachdem sich Bund und Länder zur weiteren Schulöffnung beraten hatten.

Geplant ist an den NRW-Grundschulen ein rollierendes System. Wie die Grundschulen das vor Ort organisieren - etwa Erstklässler montags, Zweitklässler dienstags - bleibe ihnen überlassen, sagte Gebauer.

Auch für die weiterführenden Schulen gibt es einen Rückkehrfahrplan nach wochenlanger coronabedingter Zwangspause: Am kommenden Montag kehren zunächst die Jugendlichen an die Gymnasien und Gesamtschulen zurück, die im nächsten Schuljahr 2020/21 ihr Abitur ablegen. An den Haupt-, Real- und Sekundarschulen sollen die Jahrgänge 5 bis 9 auch schon am Montag wieder tageweise Präsenzunterricht bekommen.

Noch etwas Geduld brauchen dagegen Gesamtschüler und Gymnasiasten, die noch nicht 2021 Abi machen. Nach Planung der Landesregierung sollen die Jahrgangsstufen 5 bis 10 an den Gymnasien und die Stufen 5 bis 11 in den Gesamtschulen spätestens ab 26. Mai wieder tageweise Präsenzunterricht erhalten. Der Grund: Ende Mai wird die Hauptphase der Abiturprüfungen vorbei sein.

Auch für Jungen und Mädchen an den Förderschulen gelten die Zeitpläne für die Klassen 1 bis 9 - mit einigen Ausnahmen - wie Gebauer schilderte.

Einen regulären Schulbetrieb für die 2,5 Millionen Kinder und Jugendlichen in NRW wird es vor den Sommerferien - sie beginnen am 29. Juni - aber nicht geben, stellten Laschet und Gebauer klar. Es gelten strenge Hygienestandards und Maßnahmen des Infektionsschutzes wie das Abstandsgebot im Klassenraum. Gesundheit habe oberste Priorität, unterstrich die Schulministerin. Die Lerngruppen müssten verkleinert, mindestens halbiert werden. Lehrer, die zu den Corona-Risikogruppen gehören, sollen keinen Unterricht in den Klassenzimmern erteilen, sagte Gebauer. Als Risikogruppe gelten vorerkrankte Menschen und Personen über 60 Jahre.

Als erstes waren am 23. April zunächst nur diejenigen Schüler wieder in die Klassenräume gekommen, die aktuell ihren Abschluss machen. Nun werde auch den anderen Schülern eine Perspektive zunächst für die sieben Wochen bis zu den Ferien gegeben. In diesem «besonderen Corona-Jahr» würden alle Schüler versetzt. Es werde bei einer Mischung aus Präsenz- und Distanzunterricht bleiben, betonte Gebauer.

Einen «Schichtbetrieb», dass also unterschiedliche Jahrgänge an ein und demselben Tag zu verschiedenen Uhrzeiten in die Klassenräume kommen, soll es im bevölkerungsreichsten Bundesland nicht geben. Auch auf Unterricht am Samstag müsse sich niemand einstellen. Und auch an den Sommerferien wird Gebauer zufolge nicht gerüttelt. Es solle aber Ferienangebote für Schüler geben, die per Homescooling nicht erreicht werden konnten.

Bei der Rückkehr der Grundschulkinder hatte es zuletzt Unstimmigkeiten in der schwarz-gelben Landesregierung gegeben. Laschet sagte auf die Frage, warum er Gebauer erst mit dem genannten Starttermin 11. Mai für alle Grundschüler zurückgepfiffen habe und genau dieser Termin nun doch komme: «Wir wollten abwarten, was heute passiert.» Kurz zuvor hatten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder auch über die weiteren Schulöffnungen beraten. Nun gebe es einen Bundeskonsens. Es handele sich nicht um eine «Wertschätzungs- und Vertrauensfrage», betonte er in Richtung Gebauer.

Die SPD-Fraktion kritisierte, die Öffnung der Schulen sei bisher «chaotisch» verlaufen. Gebauer sprach dagegen von einem reibungslosen Verlauf. Vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster sind noch zwei Eilanträge von Viertklässlern anhängig. Beide Schülerinnen wollen an diesem Donnerstag nicht in die Klassenräume zurückkehren und hatten argumentiert, es liege gegenüber anderen Grundschuljahrgängen eine Ungleichbehandlung vor. Ein weiterer Schüler - ein Viertklässler aus Arnsberg - hatte seine Klage zurückgezogen. Ob die beiden Schülerinnen seinem Beispiel angesichts der nun geänderten Sachlage folgen, war zunächst offen.

Der Verband Lehrer NRW mahnte, die Schulen dürften nicht überfordert werden. «An den Schulen der Sekundarstufe I, an denen am 23. April der Unterricht für die Zehntklässler angelaufen ist, zeigt sich bereits jetzt, dass die schulorganisatorischen Konzepte vor allem räumlich und personell schnell an Grenzen stoßen», erklärte die Vorsitzende Brigitte Balbach. Der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau erklärte: «Der Mix aus Präsenz- und Distanzunterricht wird zur Herausforderung für alle Seiten. Wir werden vorerst keine Normalität, sondern viele individuelle Lösungen erleben.»

Schulen werden am 25. Mai für weitere Klassen geöffnet

Die Schulen in Rheinland-Pfalz werden zum 25. Mai für weitere Klassen geöffnet. Dazu gehören auch die dritten Klassen der Grundschulen sowie Klassen der Sekundarstufe I in den weiterführenden Schulen, wie Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch nach einer Bund-Länder-Konferenz mitteilte. Bereits zum 18. Mai sei für weitere Klassen der Berufsbildenden Schulen eine Rückkehr zum Präsenzunterricht vorgesehen.

Alle Kinder und Jugendlichen sollten bis zu den Sommerferien zumindest tageweise wieder zur Schule zurückkehren können, sagte die Ministerin, die auch den Vorsitz in der Kultusministerkonferenz (KMK) führt. Nach jetzigem Stand könnten gleichzeitig bis zu 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler maximal im Schulgebäude sein. In einzelnen Fällen seien Abweichungen möglich, falls die räumliche oder personelle Situation vor Ort dies nicht zulasse. Wichtig sei Spielraum für regionale und lokale Gegebenheiten. An den Förderschulen sei besondere Rücksicht zu nehmen auf die individuelle Situation der einzelnen Schülerinnen und Schüler.

Schulunterricht für alle Hamburger Schüler nach Maiferien

Angesichts positiver Zahlen verabreden Bund und Länder weitere Lockerungen im Kampf gegen Corona. Hamburgs Schüler sollen bald alle wieder in die Schulen dürfen - aber nur eingeschränkt. Bürgermeister Tschentscher appelliert an die Verantwortung der Länder.

Nach den Maiferien sollen alle Hamburger Schülerinnen und Schüler zumindest einmal pro Woche wieder in ihren Schulen unterrichtet werden. Das kündigte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Mittwoch nach einer Schaltkonferenz der Regierungschefs der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Dabei wurden auch weitere Lockerungen im Kampf die Corona-Krise verabredet. So sollen sich künftig Angehörige von zwei Haushalten treffen dürfen - also etwa zwei Familien oder zwei Paare. Auch große Geschäfte sollen unter Auflagen wieder öffnen dürfen und der Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel erlaubt sein. Wenn es regional zu viele neue Infektionen gibt, sollen die Regeln dort aber wieder strenger werden.

Zudem verständigten sich die Regierungschefs darauf, die Beschlüsse über weitere Lockerungen künftig in die Hände der Länder zu geben. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) betonte, dass es aber auch weiterhin darauf ankommen müsse, einen erneuten Anstieg der Infektionen zu verhindern. «Deswegen übernehmen die Länder jetzt eine sehr, sehr große Verantwortung.» Dieses Vorgehen werde jedoch auch dazu führen, «dass die Maßnahmen regional sehr unterschiedlich ausgestaltet sind», sagte Tschentscher. «Das steckt in dieser Vereinbarung drin, dass wir den Ländern jetzt diese Verantwortung übergeben.»

Schulsenator Rabe begrüßte die weiteren Lockerungsbeschlüsse. «Nach den Maiferien ab dem 25. Mai sollen jetzt auch die Schüler der bislang fehlenden Klassenstufen wenigstens einmal pro Woche mindestens fünf oder sechs Unterrichtsstunden in der Schule bekommen», sagte er. «Der Unterricht soll unter anderem dafür genutzt werden, das Lernen zu Hause besser vor- und nachzubereiten.»

In dieser Woche hat in Hamburg der schulische Präsenzunterricht für die Klassenstufen 6, 10, 11 und 12 der Gymnasien, für die Klassenstufen 9, 10, 12 und 13 der Stadtteilschulen, für alle vierten Klassen der Grundschulen sowie für Schülerinnen und Schüler der Sonderschulen und Berufsschulen begonnen. Die Schülerinnen und Schüler lernen in kleinen Lerngruppen abwechselnd in der Schule und zu Hause.

Bildungsminister nehmen nächstes Schuljahr in den Blick

Die Bildungsminister der Bundesländer haben Überlegungen zur Regelung des Unterrichts im nächsten Schuljahr aufgenommen. Dazu habe die Kultusministerkonferenz (KMK) eine Arbeitsgruppe eingerichtet, teilte die KMK-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch im Bildungsausschuss des Landtags mit. Falls weiter eine Abstandsregelung erforderlich sei, werde an einen Wechsel von Präsenz- und Heimunterricht gedacht, sagte Hubig.

Vor den Sommerferien sollten alle Schülerinnen und Schüler zumindest tageweise noch einmal in die Schule kommen, erklärte die Ministerin. Dies sei unabhängig von der Notenbildung auch aus sozialen Gründen sinnvoll. Der Unterricht könne noch nicht im vertrauten Klassenverband, aber in kleineren Einheiten stattfinden, sagte Hubig in einer Videokonferenz des Bildungsausschusses. Wegen des Infektionsschutzes könne maximal nur die Hälfte der Schüler gleichzeitig im Schulgebäude sein.

Zur Vereinbarung der Regierungskoalition im Bund, für die Anschaffung von digitalen Endgeräten für Schüler 500 Millionen Euro bereitzustellen, sagte Hubig, das Bundesbildungsministerium stimme die Einzelheiten noch mit dem Finanzministerium ab. Es sei vereinbart, dass die Mittel nach dem Königsteiner Schlüssel an die Bundesländer verteilt werden sollten. Rheinland-Pfalz werde dazu eine Förderrichtlinie aufstellen. «Ziel ist natürlich, dass wir möglichst schnell Endgeräte besorgen und zur Verfügung stellen.»

Der Bildungsföderalismus in Deutschland habe sich in der Krise bewährt, sagte die Ministerin. Angesichts der neuen Herausforderungen habe sich die Kultusministerkonferenz (KMK) mit einer Vielzahl von telefonischen Abstimmungen eine völlig neue Arbeitsweise zugelegt.

Baden-Württemberg öffnet schrittweise Schulen und Kitas

Nach und nach sollen Kinder in die Schulen und Kitas zurückkehren - trotz der Corona-Krise. Das hat das Land angekündigt. Normalität wird es allerdings erst einmal nicht geben.

Baden-Württemberg öffnet schrittweise wieder alle Schulen und Kitas. Nach einer siebenwöchigen Corona-Schließung gehen bereits seit Montag die Schüler, die vor Abschlussprüfungen stehen, wieder in die Klassenzimmer. Ab 18. Mai sollen Grundschüler der vierten Klasse wieder zeitweise Präsenzunterricht erhalten, um auf weiterführende Schulen vorbereitet zu werden. Ebenfalls am 18. Mai sollen die Kitas für bis zu 50 Prozent der Kinder geöffnet werden. Das teilte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Mittwoch mit.

Sie plant, dass nach den Pfingstferien Mitte Juni alle Schüler zumindest zeitweise wieder zur Schule gehen. Der Präsenzunterricht werde dann mit dem Lernen zu Hause kombiniert. Die Jahrgangsstufen sollen zu unterschiedlichen Zeiten in die Schulen kommen - die Klassen werden verkleinert, um Abstandsgebote einhalten zu können.

Ein normaler Betrieb sei aber erst wieder möglich, wenn keine Abstandsregeln mehr eingehalten werden müssen. Wann das sei, könne man heute noch nicht sagen, sagte die Ministerin und dämpfte damit Hoffnungen auf einen zügigen Rückgang zur Normalität.

Nach den Pfingstferien soll an den Grundschulen, Gymnasien, Realschulen, Haupt- und Werkrealschulen sowie Gemeinschaftsschulen alle Klassenstufen im wöchentlichen Wechsel in den Schulen unterrichtet werden. Dauerhaften Präsenzunterricht solle es für Schüler geben, die vor dem Abschluss stehen.

Auch die beruflichen Schulen sollen nach den Pfingstferien in den zeitweisen Präsenzunterricht einbezogen werden. Für Schüler, die in den vergangenen Wochen regelrecht abgetaucht sind, werden jetzt Lerngruppen an den Schulen eingerichtet. In den Sommerferien soll es laut Eisenmann freiwillige Lernangebote geben, damit Schüler den Lernstoff vertiefen können.

Die Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, bezeichnete die schrittweise Öffnung der Schulen als richtig. Moritz forderte aber, nicht nur die Kernfächer zu unterrichten: «Nach der langen Quarantäne sind gerade auch Fächer wie Kunst und Musik wichtig. Auch Bewegung und Sport müssen ihren Platz unter Berücksichtigung der Hygieneregeln finden.»

Grüne fordern wegen Corona überarbeitete Konzepte für die Schule

Vor der Corona-Pandemie war er für Kinder, Eltern und Lehrer absolut berechenbar: der Schulbetrieb. Nun aber ist alles anders, vieles problematisch. Die Grünen fordern deshalb Änderungen am Status quo.

Eine stabile digitale Infrastruktur für das Lernen zu Hause, Unterstützung für benachteiligte Schüler auch in Zeiten von Corona und genügend Schutz für Lehrer und Schüler - das fordern die Landtags-Grünen in insgesamt acht Anträgen. Die Corona-Krise zeige «wie durch ein Brennglas, wo es überall in der Bildungspolitik in Bayern hakt», sagte die Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze am Mittwoch.

Die sogenannte Bildungsschere habe sich in der Corona-Krise vergrößert, hieß es. Daher müssten Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen vorrangig berücksichtigt werden, damit sie bei Bedarf an die Schulen zurückkehren können.

Auch eine reibungslose Funktion der Lernplattform Mebis und vor allem die Bereitstellung von digitalen Endgeräten seien für eine stabile digitale Infrastruktur wichtig. Zwar habe die Bundesregierung angekündigt, 500 Millionen Euro für die Anschaffung der Arbeitsgeräte bereitzustellen. Die Grünen gehen aber davon aus, dass das Geld nicht ausreichen wird.

In weiteren Anträge fordern sie unter anderem die Erarbeitung eines Sommerschulkonzepts, Corona-bedingte Ausnahmeregelungen etwa zum Übertritt, eine Schulbegleitung für das Lernen zu Hause und die Möglichkeit für Lehrer und Schüler, sich auch nach Pfingsten noch vom Unterricht befreien zu lassen, wenn sie oder Angehörige einer Risikogruppe angehören.

Am kommenden Montag sollen den Abschlussjahrgängen, die seit dem 27. April wieder in der Schule sind, jene Klassen folgen, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen. Auch die Viertklässler dürfen dann wieder in ihre Klassenräume zurück. Stück für Stück soll es dann auch für die anderen Stufen weitergehen, angefangen mit den unteren Klassen. Erst nach den Pfingstferien soll es wieder Präsenzunterricht für alle Schüler geben - voraussichtlich im wöchentlichen Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Unterricht zu Hause.


06.05.2020 7.00 Uhr

Kultusminister-Chefin lehnt Unterricht am Abend oder an Samstagen ab

Für die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Stefanie Hubig, steht trotz Corona-Pandemie ein Schulunterricht an Samstagen oder in den Abendstunden nicht zur Debatte. «Wir müssen auch die Belastung unserer Lehrkräfte, aber auch die der Schülerinnen und Schüler wie der Eltern im Blick behalten», sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch). Auch eine Verkürzung oder Verschiebung der Sommerferien halte sie für falsch.

Von den Bund-Länder-Gesprächen zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten am Mittwoch erwarte sie sich «Leitplanken» für die Schulöffnungen. Allerdings hätten die Länder unterschiedliche Voraussetzungen. «Wir müssen deshalb auch auf
regionale Unterschiede und solche zwischen einzelnen Schulen
eingehen können», so die SPD-Politikerin.

Laut der Beschlussvorlage für das Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten will der Bund allen Schülern schrittweise unter Auflagen bis zu den Sommerferien eine Rückkehr an die Schulen ermöglichen.

Mehr Schüler kehren an Sachsens Schulen zurück

Sachsens Schulen kehren an diesem Mittwoch mit einem weiteren Schritt zurück zur Nomalität: Für die Schüler aller Vorabschlussklassen der Gymnasien, Berufsbildender Schulen, Oberschulen und Förderschulen beginnt unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln wieder der Unterricht. In Grund- und Förderschulen darf die Klassenstufe 4 zurück. Den Anfang machten am 20. April die Abiturienten, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten.

Das Kultusministerium hatte angekündigt, den Schulen bei der Gestaltung des Unterrichts in Corona-Zeiten weitgehend freie Hand zu lassen. Unter anderem spielten Anzahl und Größe der Räume eine Rolle, die von Schule zu Schule unterschiedlich seien, hieß es. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte jüngst in Aussicht gestellt, dass ab dem 25. Mai eine weitere Öffnung erfolgen könnte - bisher gibt es aber noch keinen genauen Zeitpunkt.

Schleswig-Holstein: Weitere Schüler dürfen wieder in die Schule

Schleswig-Holstein öffnet die Schulen am Mittwoch für weitere Jahrgänge. Dann werden die 4. Klassen an Grundschulen wieder in ihren Klassenzimmern unterrichtet. Ebenso die 6. Klassen an den Gymnasien. Zudem werden die Berufsschulen geöffnet.

Vor zwei Wochen hatten im nördlichsten Bundesland schriftliche Abiturprüfungen und Prüfungsvorbereitungen an Gemeinschaftsschulen begonnen. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte als Ziel genannt, dass trotz der Corona-Pandemie alle Schüler «zumindest tageweise in die Schule kommen» dürfen. Wann das geschehen kann, ist noch offen.

Die Ministerin hatte zudem darauf hingewiesen, dass in den Schulen strikte Hygienevorschriften wie das Abstandhalten, Händewaschen und die «Niesetikette» einzuhalten sind. Ihr Ministerium empfahl darüber hinaus zusätzlich das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in den Schulen auf Laufwegen, Fluren und in den Pausen. Wer auch im Klassenzimmer eine Maske tragen wolle, könne das tun. In Schulbussen sei das von Mittwoch an Pflicht.

NRW erwartet Laschets Corona-Plan für Kitas und Schulen

Nächste Folge im Corona-Krimi: Kitas, Schulen, Sport, Gastronomie - wer darf auf weitere Lockerungen hoffen? Nach einer Bund-Länder-Schalte am Mittwoch stehen auch in NRW maßgebliche Entscheidungen an.

Mit Spannung erwarten Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen neue Beschlüsse zur Rückkehr aus der Corona-Krise in die Normalität. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will am Mittwoch im Anschluss an eine Videokonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs den Fahrplan für NRW vorstellen.

Nach Kommunikationswirrwarr in der vergangenen Woche wollen Schüler, Lehrer und Eltern endlich Klarheit, wie es nun tatsächlich mit der Öffnung der Schulen weitergeht. Diese Entscheidung ist Ländersache.

Auf jeden Fall sollen Viertklässler von diesem Donnerstag an wieder in die Grundschulen zurückkehren. In NRW gibt es aktuell rund 160 000 Grundschüler in der vierten Jahrgangsstufe. Jugendliche, die in den Stufen 10, 12 oder 13 gerade vor Abschlussprüfungen stehen, sind bereits wieder in der Schule. Wann und wie es konkret mit den Grundschulklassen 1 bis 3 weitergeht, ist noch nicht definitiv entschieden.

Es wird damit gerechnet, dass Bund und Länder sich hinter ein Konzept der 16 Jugendminister zur schrittweisen Wiederbelebung des Kitabetriebs stellen werden. Damit dürfte dann der Weg für NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) frei sein, die derzeitigen Notbetreuungen noch stärker auszuweiten. Ziel des Schul- und des Familienministeriums ist es, dass alle Kinder vor den Sommerferien zumindest zeitweise wieder in ihre Kita oder Schule zurückkehren können.

Die Grünen fordern konkrete Angaben zu personellen und räumlichen Ressourcen in den Kitas sowie zu Hygienestandards. «Die aktuelle Situation ist für Kinder, Jugendliche und Familien kaum noch tragbar, die unklaren Perspektiven für die Zukunft verunsichern und bedrücken», schrieb die Vizevorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Josefine Paul, in einem Brief an Stamp.

Der Minister unterstrich seine Forderung nach mehr Gestaltungsspielräumen für die Bundesländer. «Ich wünsche mir maximale Freiheit für die Länder, selbst zu entscheiden», sagte er dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel». Die Bund-Länder-Runde solle sich auf Bereiche konzentrieren, die übergeordnet geregelt werden müssten, wie Großveranstaltungen oder die Fußball-Bundesliga. «Jetzt ist aber der Zeitpunkt, regional stärker zu differenzieren.»

Kinderärzte: Schulen und Kitas schneller öffnen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat vor den Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten mehr Tempo bei der Kita- und Schulöffnung gefordert. «Kitas und Grundschulen müssen - bei klugen Maßnahmen zum Infektionsschutz - schneller wieder geöffnet werden», sagte Präsident Thomas Fischbach der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Mittwoch). «Das mag Lehrern und Erziehern einiges abverlangen. Aber es ist allemal besser, als die Kinder in ihren vier Wänden verkümmern zu lassen. Und das würde passieren.»

Kritik übte Fischbach an den bundesweit unterschiedlichen Regelungen: «Es streiten nicht nur die Länderchefs untereinander, auch jeder Landrat und Bürgermeister bastelt sich eigene Regeln. Dadurch verlieren wir wertvolle Zeit zum Schaden der Kinder und Jugendlichen und ohne jeden epidemiologischen Sinn.»

«Seit Mitte März sind Millionen von Kindern von sozialen Kontakten ausgesperrt. Da muss man doch den Beweis antreten, dass das notwendig und sinnvoll ist», sagte Fischbach. Inzwischen sei nachgewiesen, dass Kinder deutlich seltener krank würden als Erwachsene.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey appellierte an die Bundesländer, sich auf einen Zeitplan zur Öffnung der Kitas zu einigen. «Ich hoffe, dass sich die Länder auf konkrete Zeitpunkte für die nächsten Stufen verständigen - die erweiterte Notbetreuung und auch den eingeschränkten Regelbetrieb in den Kitas und in der Kindertagespflege», sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). «Aus meiner Sicht müssen konkrete Schritte noch im Mai erfolgen.»

Bayern lockert Corona-Beschränkungen deutlich, aber schrittweise

Seit Wochen sind weite Teile des öffentlichen Lebens in Bayern wegen des Coronavirus lahmgelegt. Weil die Infektionszahlen sinken, hat die Staatsregierung nun einen Exit-Fahrplan vorgelegt. Viele Kinder und ihre Familien brauchen aber noch mindestens mehrere Wochen Geduld.

Nach wochenlangen Verboten und Beschränkungen lockert Bayern die Anti-Corona-Maßnahmen deutlich - aber weiterhin nur schrittweise. Ab kommenden Montag dürfen wieder alle Geschäfte öffnen, noch vor Pfingsten auch Gaststätten und Hotels. Zudem beschloss das Kabinett am Dienstag einen Stufenplan zur Rückkehr aller Schüler an die Schulen - das wird aber bis nach Pfingsten dauern. Auch viele Kindergarten- und Kita-Kinder brauchen Geduld.

Die Schulen sollen ab Montag schrittweise für immer mehr Jahrgänge wieder öffnen - aber nur langsam. Am 11. Mai sollen zunächst die Jahrgänge zurück an die Schulen dürfen, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen, sowie die Viertklässler an den Grundschulen. Am 18. Mai sollen die 1. Klassen folgen, die 5. Klassen der Mittelschulen sowie die 5. und 6. Klassen der Realschulen und Gymnasien. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) deutete zudem ein «schmales Angebot» auch für Zweit- und Drittklässler noch vor den Pfingstferien an - alle weiteren kommen erst danach dran.

Erst nach den Pfingstferien Mitte Juni wird es also demnach wieder Präsenzunterricht für alle Schüler und alle Altersklassen geben - in kleineren Gruppen und in der Regel im wöchentlichen Wechsel. Abschlussklassen dürfen seit Ende April wieder die Schule besuchen.

Schüler müssen künftig nun ebenfalls Masken tragen - allerdings nicht im Unterricht. Es solle «keine Maskenpflicht im Unterricht» geben, die Schüler sollten aber «an der Schule» - also beispielsweise auf dem Schulhof - Masken tragen, sagte Söder. Piazolo nannte dafür die Bereiche einer Schule, in denen sich viele Menschen begegnen.

Wann wieder alle Kindergärten und Kitas öffnen dürfen, ist offen. Ab kommenden Montag dürfen bestimmte Kinderbetreuungseinrichtungen wieder öffnen, unter anderem Tagespflegeeinrichtungen mit bis zu fünf Kindern. Zudem wird wechselseitige private Kinderbetreuung in festen Kleingruppen von bis zu drei Familien erlaubt. Vorschulkinder sollen nach Angaben von Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) ab 25. Mai wieder den Kindergarten besuchen können - sie seien schon ein Stück weit älter und könnten die Hygienemaßnahmen besser verstehen.

Schon an diesem Mittwoch dürfen Spielplätze in Bayern wieder freigegeben werden. Ab kommenden Montag können dann Zoos, botanische Gärten, Museen, Bibliotheken, Galerien, Ausstellungen und Gedenkstätten wieder öffnen. Damit setzt der Freistaat eine Bund-Länder-Vereinbarung aus der vergangenen Woche um. Im Bereich Theater gebe es dagegen noch Klärungsbedarf und keine Entscheidung.

Bildungsministerium: Abiturprüfungen erfolgreich gelaufen

Die schriftlichen Abiturprüfungen in Brandenburg sind nach Angaben des Bildungsministeriums während der Corona-Pandemie erfolgreich verlaufen. Alle Schulen hätten einen ruhigen und geordneten Verlauf der Prüfungen gemeldet, teilte das Ministerium am Dienstag mit. 97,5 bis 100 Prozent der angemeldeten Schüler nahmen demnach an den Prüfungen teil. Am Dienstag wurden mit dem Fach Mathematik die letzten Prüfungen abgelegt.

Laut Bildungsministerium wurden die Schüler aufgrund der Hygieneregeln unter anderem gestaffelt in die Schulen gelassen. Auch in den Prüfungsräumen seien die Abstandsregeln eingehalten worden. Rund jede siebte Schule im Land hatte sich den Angaben nach entschieden, statt der regulären Termine die Nachschreibtermine für die Abiturprüfungen zu nutzen. Sie beginnen am 13. Mai.


05.05.2020 14.45 Uhr

Schrittweise Öffnung der Schulen soll am 18. Mai weitergehen

Hessen holt seine Schüler weiter schrittweise an die Schulen zurück. Nun gibt es einen Zeitplan dafür. Regulären Unterricht wie vor Beginn der Corona-Pandemie wird es aber nicht geben können. Gewerkschafter halten die Pläne für «undurchführbar».

Am 18. Mai soll an Hessens Schulen für zahlreiche weitere Kinder und Jugendliche wieder der Klassenunterricht in eingeschränkter Form beginnen. Darunter sind die Viertklässler und alle Schüler an weiterführenden Schulen. Die übrigen Grundschüler der Klassen eins bis drei sollen am 2. Juni in die Klassenräume zurückkehren, wie das Kultusministerium am Dienstag auf dpa-Anfrage in Wiesbaden mitteilte. Wegen der Corona-Pandemie gibt es in Hessen derzeit nur für die Abschlussjahrgänge der weiterführenden Schulen Präsenzunterricht.

Ab dem 18. Mai soll ein Schulbetrieb für die Sekundarstufe I, die Einführungsphase der Sekundarstufe II und die Intensivklassen für Schüler mit schlechten Deutschkenntnissen zumindest eingeschränkt anlaufen, erläuterte das Ministerium. Außerdem ist eine weitere Öffnung der Berufsschulen geplant.

«Damit bleiben wir in unserer Gesamtlogik, indem wir Schritt für Schritt von den älteren Schülern zu den jüngeren Schülern gehen», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Der Schulbetrieb in diesem Schuljahr werde sich weiter aus Präsenztagen in der Schule und Lernen von zuhause aus zusammensetzen.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, war am 16. März der Präsenzunterricht eingestellt worden. Für die Abschlussjahrgänge an den Schulen hatte dann am 27. April wieder der Unterricht begonnen. Das betrifft derzeit rund 110 000 Jugendliche, die sich beispielsweise auf den Haupt- oder Realschulabschluss vorbereiten. Eine geplante, zeitgleiche Öffnung auch für die vierten Klassen der Grundschulen war vom Verwaltungsgerichtshof gekippt worden.

Die vorgesehenen Öffnungen der Schulen für den Unterricht zum 18. Mai stünden im Einklang mit der in der Kultusministerkonferenz besprochenen Zeitplanung der anderen Länder, sagte Lorz. Er bekräftigte, dass man nun zunächst einen Beschluss der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abwarten wolle. Die Bund-Länder-Schalte ist für diesen Mittwoch geplant.

Mit den einzelnen Schritten berücksichtige das Land, dass die Schulen Zeit für die Vorbereitung bräuchten, erklärte Lorz. Das betrifft etwa den Hygieneplan, die Organisation des Unterrichts in Kleingruppen, die Raumverteilung und die Einsatzplanung für die Lehrkräfte. Die Schulträger sollen insbesondere bei Fragen der Schülerbeförderung intensiv eingebunden werden.

Noch sei nicht klar, wie viele Lehrer eingesetzt werden könnten, teilte Lorz mit. Gehören Lehrkräfte zur Risikogruppe - etwa wegen ihres Alters oder einer Vorerkrankung - dann müssen sie keinen Präsenzunterricht erteilen. Dies gilt auch für Lehrer, die mit Angehörigen einer Risikogruppe zusammenleben.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Birgit Koch, bezeichnete die Pläne des Landes als «unglaublich». «Das ist gar nicht lösbar», sagte sie und verwies auf die Corona-Abstandsregeln. Um diese einhalten zu können, müssten Klassen geteilt oder gedrittelt werden. «Das heißt wir brauchen die doppelte oder dreifache Menge an Räumen und an Kolleginnen und Kollegen», sagte Koch. Nach ihrer Einschätzung sind die geplanten Öffnungen «schier undurchführbar». Die Schulen benötigten außerdem eine Perspektive für das kommende Schuljahr: «Was es nun braucht, sind Pläne ab dem 1. August», sagte die GEW-Vorsitzende.

Der Landesschulsprecher Paul Harder sprach sich gegen einheitliche Rückkehrtermine aus. Die Schüler beziehungsweise deren Erziehungsberechtigte sollten selbst über eine Rückkehr an die Schule entscheiden können. Anderenfalls sollten die Schüler weiter von zuhause aus lernen dürfen. Schulöffnungen seien nach Einschätzungen der Schülervertretung zwar logisch, es bestehe aber auch weiterhin ein Infektionsrisiko, mahnte Harder. Der derzeitige Unterricht der Abschlussjahrgänge funktioniere zwar irgendwie. «Von einem optimalen Zustand kann man ganz und gar nicht reden.»

Bis Mitte Juni alle Schüler wieder in die Schulen in Bayern

Mitte Juni sollen alle bayerischen Schüler wieder in die Schule gehen können - «wenn das Infektionsgeschehen es zulässt», sagte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Dienstag nach der Kabinettssitzung in Bayern. Es solle geteilte Klassen und kleine Gruppen geben mit höchstens 15 Schülern. Außerdem sollen sich Präsenzphasen mit Lernen zu Hause abwechseln, damit Klassen im Wechsel in der Schule sind. Es soll aber «soviel Schule wie möglich» geben. Außerdem soll es eine Maskenpflicht auf den Fluren und dem Schulhof, nicht aber im Unterricht geben. An den Ferienzeiten soll sich nach Angaben Piazolos nichts ändern. «Die Ferien bleiben.»

Die weitere schrittweise Öffnung der Schulen soll am 11. Mai zunächst mit den Jahrgängen weitergehen, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen, sowie mit den Viertklässlern der Grundschulen. Am 18. Mai sollen die 1. Klassen folgen, die 5. Klassen der Mittelschulen sowie die 5. und 6. Klassen der Realschulen und Gymnasien. Alle weiteren kommen dann nach den Pfingstferien.

 

05.05.2020 10.00 Uhr

Schulen, Spielplätze, Handel, Gastro: Bayern plant Corona-Lockerungen

Von außen wirken die unterschiedlichen Fahrpläne der Länder zur Rücknahme der Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie wie ein Wettbewerb. Nun fragen sich alle, wie geht der vorsichtige Freistaat weiter vor.

Kurz vor der mit Spannung erwarteten erneuten Schalte von Bund und Ländern zu Lockerungen in der Corona-Krise will auch das bayerische Kabinett seine Strategien voranbringen. Beim Treffen des Ministerrates (09.00 Uhr) in der Staatskanzlei wird es dabei sowohl um die Umsetzung der Beschlüsse der vergangenen Woche gehen als auch um die eigene Position in der bundesweiten Debatte um weitere Exit-Pläne für Schulen, Kindertagesstätten, Handel und Gastronomie. Einige Bundesländer, darunter Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, haben bereits eigene Vorstellungen für Lockerungen bekannt gegeben. Dazu hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erklärt, dass Bayern seinen vorsichtigen Weg weiter verfolge.

Mit Spannung erwartet wird insbesondere, wann weitere Schuljahrgänge zurück an die Schulen dürfen und wann auch in Kindergärten und Kitas langsam der Betrieb wieder starten kann. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte in der vergangenen Woche erklärt, das Kabinett habe «als Zielvorstellung mal Pfingsten ins Auge» gefasst. Möglichst alle Kinder und Jugendliche sollten dann - zumindest in eingeschränktem Umfang - wieder Unterricht vor Ort erhalten.

Unklar ist bislang auch, wann und wie Hotels und Gaststätten und wann auch große Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche wieder öffnen dürfen. Ein Zeitplan erwartet wird auch zur Öffnung von Spielplätzen, Museen und Zoos. Darauf hatten sich die Länder in der vergangenen Woche bereits geeinigt, in Bayern wurde dies aber bisher noch nicht konkretisiert. In einigen Bundesländern sind etwa Spielplätze längt wieder geöffnet.

Für Aufsehen hatte jüngst vor allem Sachsen-Anhalt gesorgt. Dort ist am Montag eine neue Verordnung in Kraft getreten, wonach sich Menschen nun wieder zu fünft abseits des eigenen Haushalts aufhalten dürfen. Niedersachsen zog am Montag nach und legte - vorbehaltlich der Konferenz am Mittwoch - einen Plan zur Öffnung der Schulen ab dem 25. Mai vor. Auch Restaurants sollen hier ab dem 11. Mai wieder unter Auflagen öffnen können. Insbesondere zur Gastronomie hatte Bayern sich immer wieder sehr zurückhaltend geäußert und dies unter anderem mit Sorgen zu praktikablen Hygieneauflagen wie Mundschutz und infolge von Alkoholkonsum begründet.

Söder - derzeit auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz - hatte sich daraufhin zurückhaltend zum nicht abgestimmten Vorgehen der Länder geäußert: «Wir können keinen verpflichten, etwas genau so zu tun wie der andere», sagte er am Montag. Es sei aber wohl nun besser, Bewertungsmaßstäbe zu setzen, Zahlenmaterial mit «Ampeln von Grün bis Rot», und dann müsse jedes Land selber entscheiden.

«Das wäre das jetzt effizientere Verfahren, als kleinste Fragen jede Woche zu entscheiden, die sich dann zwei Tage später wieder überholt haben», sagte Söder. Man müsse sich über «die Bandbreiten» in Deutschland einigen: «Ministerpräsidentenkonferenzen machen wenig Sinn, wenn wir im Stundenrhythmus uns danach korrigieren.»

Auch im Landtag wird am Nachmittag (14.00 Uhr) die Corona-Krise einmal mehr im Fokus der Debatten stehen. Unter anderem beraten die Abgeordneten dann über einen Plan der Grünen, wie der Klimaschutz beim Weg aus der Corona-Krise vorangetrieben werden soll.

Lehrerverband zufrieden mit Schulstart für Hunderttausende Schüler

Der Deutsche Lehrerverband ist zufrieden mit dem am Montag erfolgten Schulstart für Hunderttausende Kinder und Jugendliche. «Das hat gestern an den meisten Grundschulen sehr gut geklappt, was zeigt, dass auch Zehnjährige sehr wohl in der Lage sind, solche Regeln einzuhalten, wenn sie von der Notwendigkeit überzeugt sind», sagte Verbandspräsident Hans-Peter Meidinger der «Passauer Neuen Presse» (Dienstag). In einigen Bundesländern waren nach den Abschlussklassen jetzt die letzten Klassen der Grundschulen und die Schüler zurückgekommen, für die im nächsten Schuljahr Abschlussprüfungen anstehen. Über weitere Maßnahmen wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch in einer weiteren Telefonkonferenz beraten.

Das Schuljahr ist nach Ansicht Meidingers noch nicht gelaufen, man wolle «in allen Jahrgangsstufen noch einen ordentlichen Jahresabschluss mit Zeugnissen hinkriegen», sagte der Verbandspräsident. Es werde aber mit Sicherheit nicht mehr gelingen, den versäumten Stoff in den verbleibenden Wochen noch komplett zu vermitteln und die ausstehenden Prüfungen zu schreiben. «Das Aufholen der aufgelaufenen Defizite wird sich weit ins nächste Schuljahr hinein erstrecken.»

Derweil stimmt die SPD-Vorsitzende Saskia Esken Eltern mit Schulkindern auf eine lange Phase ohne regulären Schulbetrieb ein. «Ein "normaler" Unterricht ist derzeit undenkbar, auch nicht im neuen Schuljahr», sagte sie der «Süddeutschen Zeitung» (Dienstag). Wegen des Abstandsgebotes werde auch nach den Sommerferien lediglich ein Schichtunterricht in kontrollierbaren kleinen Gruppen angeboten werden können, begleitet von digital gestützten Lernangeboten für zu Hause. «Wie lange das so bleibt, hängt womöglich davon ab, wann ein Impfstoff kommt.» Schulen müssten nun ein System aus Präsenz- und Fernunterricht aufbauen, das im neuen Schuljahr Bestand habe. Damit das Schichtmodell gelinge, könne sie sich auch Samstagsunterricht vorstellen.

 

04.05.2020 20.00 Uhr

Nach Wirrwarr: Viertklässler starten Donnerstag in NRW

Wann öffnen welche Schulen in NRW? Nach dem kritisierten Wirrwarr innerhalb der Landesregierung heißt es nun definitiv: Die Viertklässler kommen am Donnerstag wieder in den Klassenraum. Ansonsten ist fast alles offen.

Ungeachtet der jüngsten Verwirrung: Viertklässler sollen ab diesem Donnerstag definitiv wieder in die Grundschulen zurückkehren. Das stellte das nordrhein-westfälische Schulministerium am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur klar. In NRW gibt es aktuell rund 160 000 Grundschüler in der vierten Jahrgangsstufe. Auch für einige Viertklässler der Förderschulen läuft der Präsenzunterricht am 7. Mai wieder an. Rechtsgrundlage für diesen Schritt ab Donnerstag sei die «Corona-Betreuungsverordnung» des Gesundheitsministeriums, die «rechtzeitig angepasst und veröffentlicht» werde.

Wie nach wochenlanger Corona-Zwangspause für weitere Schüler schrittweise die Rückkehr in die Klassenräume ablaufen soll, ist noch ungewiss. Die Ankündigung des Schulministeriums vom vergangenen Donnerstag, ab dem 11. Mai 2020 jeweils an einem Wochentag auch die Klassen 1 bis 3 in einem rollierenden System in den Präsenzunterricht zu holen, war von Regierungschef Armin Laschet (CDU) kurz darauf öffentlich «einkassiert» worden. Das Ministerium musste eine Infomail an die Schulen korrigieren.

Auf die Frage, ob die Planung für die Klassen 1 bis 3 dennoch eine Chance auf Umsetzung habe, hieß es am Montag aus dem Schulministerium nur allgemein: «Das Konzept zur Ausweitung der Schulöffnungen für weitere Jahrgangsstufen wird die Landesregierung im Nachgang der Beratungen am 6. Mai 2020 vorstellen.» An dem Tag - dem kommenden Mittwoch - beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten auch über die Schulen.

Die Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) forderte einen klaren Plan für die weitere Wiedereröffnung der Schulen im Land. «Die Zeit der Unklarheiten, der Eitelkeiten, der kurzfristigen Information und der Alleingänge muss ein Ende finden», hieß es in einem offenen Brief an Laschet und Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Die «chaotische Kommunikation der letzten Tage» hat dem VBE zufolge für Unruhe und Empörung unter Schulleitungen und Lehrern gesorgt. Auch die Gewerkschaft GEW verlangte mehr Verlässlichkeit und eine bessere Planung. Die Grünen im Düsseldorfer Landtag mahnten einen Runden Tisch mit allem Akteuren an, um ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten.

Am 23. April waren in NRW die ersten Schüler in die Klassenräume zurückgekehrt - allerdings nur Jahrgänge, die aktuell vor ihren Abschlussprüfungen stehen. In weniger als zehn Fällen musste der Schulbetrieb aber vorübergehend coronabedingt wieder ausgesetzt oder reduziert werden, hieß es aus dem Ministerium. Grund sei vor allem, dass im Umfeld von Schülern Infektionen mit dem Coronavirus aufgetreten seien.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder hatte in der vergangenen Woche ein Konzept vereinbart, in dem es heißt: «Ab dem 4. Mai kann schrittweise in der Grundschule auch das Präsenzangebot für die letzte Klasse der Grundschule wieder aufgenommen werden.» Das gelte auch für diejenigen Schüler, die im nächsten Schuljahr ihre Abschlussprüfungen ablegen wollten. Für diese ältere Schülergruppe gibt es laut Düsseldorfer Ministerium aber in NRW keine Pläne für eine Rückkehr bereits am 7. Mai - auch nach Beratungen darüber mit Schulträgern und Verbänden.

Zwei Schüler aus NRW hatten gegen die geplante Rückkehr von zunächst nur Viertklässlern in die Grundschulen Klage beim Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster eingereicht. Wann darüber entschieden werde, sei noch offen, sagte eine OVG-Sprecherin am Montag. In den beiden Eilanträgen argumentieren die Viertklässler, es liege eine Ungleichbehandlung vor, wenn man nur ihre Jahrgangsstufe zurück in die Schulen hole. Sie wollen wegen der Pandemie noch nicht in die Klassen zurück.

Ein Drittel der Schüler wieder in Schule - Kind zieht vor Gericht

Drei weitere Klassenstufen sind am Montag zum Präsenzunterricht an die Schulen zurückgekehrt. Ein Mädchen, dessen Klasse nicht dabei ist, zog vor Gericht.

Mecklenburg-Vorpommerns Schulen füllen sich langsam wieder: Eine Woche nach den Prüfungsklassen kehrten am Montag die Viertklässler an die Grundschulen, die neunten Klassen an die Regionalen und Förderschulen sowie die elften Klassen an die Gymnasien zurück. Damit sind nach Angaben des Bildungsministeriums rund 54 000 Schüler wieder in den Klassenräumen - etwa ein Drittel aller Schüler. Die Klassen werden geteilt, um die geforderten Mindestabstände für den Infektionsschutz einhalten zu können.

Eine Sechstklässlerin aus Neustrelitz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) scheiterte vor Gericht mit dem Versuch, die sofortige Rückkehr auch ihrer Klasse an die Schule zu erzwingen. Das Mädchen könne nur eigene Rechte geltend machen, habe aber die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts für die gesamte sechste Jahrgangsstufe verlangt, teilte das Gericht am Montag zu seiner Ablehnung des Antrags mit. Damit mache die Antragstellerin fremde Rechte geltend. Außerdem habe sich das Mädchen vor der Anrufung des Gerichtes nicht an die zuständige Verwaltungsbehörde gewandt und einen entsprechenden Antrag gestellt. Das Mädchen wollte ab Montag (4. Mai) zurück in die Schule.

Die Linke forderte die schnellstmögliche Rückkehr für Schüler, die in einem freiwilligen zehnten Schuljahr die Berufsreife anstreben. Sie müssten spätestens vom kommenden Montag (11. Mai) an wieder Präsenzunterricht erhalten, verlangte die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Simone Oldenburg. Es sei widersinnig, den neunten Klassen an den Förder- und Regionalen Schulen die Klassenzimmer zu öffnen, während den freiwilligen 10. Klassen dies verwehrt werde. Ein Sprecher des Bildungsministeriums sagte dazu, die Förderschüler im freiwilligen zehnten Schuljahr müssten keine Prüfung für die Berufsreife absolvieren. Sie erhielten ihren Abschluss auf Grundlage des Notendurchschnitts.

Nicht alle und gerade jüngere Kinder stecken die Corona-Krise mental problemlos weg. Einige hätten die letzten Wochen als furchtbar beängstigend erlebt, sagte die Leiterin der Evangelischen Landschule Walkendorf (Landkreis Rostock) in einem Podcast der Nordkirche. Sie halte eine psychologische Betreuung der Kinder am Anfang für besonders wichtig.

In der Notbetreuung habe sie gesehen, dass Kinder Angst hatten, dass sich ihre Eltern mit dem Coronavirus anstecken und sterben könnten, sagte Borchert. Die Bilder in den Nachrichten seien sehr von Menschen in Masken und Monturen sowie von Bildern von Särgen getragen gewesen. Das sei an den Kindern nicht spurlos vorbeigegangen. Deshalb sollten am ersten Tag in Walkendorf ausschließlich Gespräche in kleinen Gruppen stattfinden, um herauszufinden, wie es den Kindern geht und welche Hilfe sie brauchen.

 

 

 

03.05.2020 10.45 Uhr

Schulgebäude füllen sich schrittweise wieder - Ungewissheit bleibt

In dieser Woche werden in allen Bundesländern wieder Schüler in den Klassenräumen sitzen. Die meisten Jahrgänge müssen aber weiter zuhause bleiben - eine Belastungsprobe für Kinder und Eltern. Den einen fehlen Lehrer und Freunde, die anderen vermissen die Ruhe zum Arbeiten.

Hunderttausende Kinder und Jugendliche in Deutschland gehen an diesem Montag zum ersten Mal seit Wochen wieder in die Schule. Wie es für die restlichen Schüler weitergeht, bleibt in den meisten Bundesländern aber noch offen. Ein Präsenzunterricht im Schulgebäude ist erst einmal nur für einzelne Jahrgänge vorgesehen.

In einigen Ländern kommen nach den Abschlussklassen jetzt auch die letzten Klassen der Grundschule und die Schüler zurück, für die im nächsten Schuljahr Abschlussprüfungen anstehen. Außerdem gelten überall Abstandsregelungen und Hygieneauflagen. Damit soll ein sprunghafter Anstieg der Corona-Infektionszahlen vermieden werden.

Die Kinder aus den Jahrgangsstufen 1 bis 3 sowie die Schüler der 5. bis 8. Klasse bleiben laut einer bundesweiten Umfrage der Deutschen Presse-Agentur erst einmal zuhause. Wie es für diese Altersgruppen weitergehen wird, soll erst bei den nächsten Beratungen von Bund und Ländern am kommenden Mittwoch besprochen werden.

Sachsen-Anhalt hat sein Konzept allerdings schon fertig. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) begründet das mit Planungssicherheit für alle Beteiligten - sollte das Infektionsgeschehen keine Anpassungen nötig machen. Für alle Klassenstufen, in denen keine Abschlussprüfungen anstehen, ist vorgesehen, dass sie ab dem 2. Juni abwechselnd zum Unterricht in die Schule kommen und zuhause lernen. Damit soll verhindert werden, dass es in den Schulen zu voll wird.

In Bayern, wo der Anteil der Corona-Infizierten höher ist als in allen anderen Bundesländern, ändert sich an den allgemeinbildenden Schulen an diesem Montag erst einmal nichts. Hier gibt es weiterhin nur Unterricht für die gut 224 000 Schüler der Abschlussklassen. Am 11. Mai sollen dann voraussichtlich die Schüler, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen, folgen. Ob die bayerischen Viertklässler dann auch wieder in die Schulen zurückkehren, ist noch unklar.

In Baden-Württemberg und dem Saarland, ebenfalls stark vom Coronavirus betroffen, findet ab Montag erstmals seit sieben Wochen überhaupt wieder Präsenzunterricht statt. Hier hatte es bisher nur die Notbetreuung für Kinder von Arbeitnehmern in sogenannten systemrelevanten Berufen gegeben, die bundesweit angeboten wird. Anders als in anderen Regionen Deutschlands gab es im Südwesten auch für die Abschlussklassen bisher weder Präsenzunterricht noch Prüfungen.

Am Donnerstag beginnen in Nordrhein-Westfalen zusätzlich die Viertklässler mit dem Unterricht. Alle weiteren Schritte stünden unter dem Vorbehalt der Beratungen zwischen Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin am Mittwoch, hieß es in Düsseldorf.

Eine Maskenpflicht gibt es bundesweit nur in wenigen Schulen. Im Schulbus ist das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes dagegen vorgeschrieben, in einigen Bundesländern auch während der Pausen und im Schulgebäude außerhalb des Klassenzimmers. In den meisten Bundesländern gibt es für Lehrer ab 60 Jahre eine Sonderregelung. Sie halten, weil sie zur Corona-Risikogruppe zählen, keinen Präsenzunterricht ab, es sei denn, sie melden sich freiwillig.

Die Hygienepläne sehen überall etwas anders aus, folgen aber im Prinzip dem gleichen Muster: weniger Schüler im Klassenraum, Desinfektion und ganz viel Händewaschen. Die Berliner Bildungsverwaltung hat den Schulen einen «Musterhygieneplan» mit Abstands- und Hygieneregeln an die Hand gegeben. Danach sollen zum Beispiel Türklinken und Fenstergriffe, Tische, Treppen- und Handläufe sowie Lichtschalter in stark frequentierten Bereichen mehr als einmal täglich gereinigt werden. Schüler sollen sich häufiger die Hände waschen, auch wenn es vielerorts nur wenige Waschbecken und ausschließlich kaltes Wasser gibt.

Um das Infektionsrisiko weiter zu senken, fallen Turnen, Ballspiele und andere sportliche Aktivitäten im Unterricht erst einmal genauso flach wie gemeinschaftliches Singen in geschlossenen Räumen.

Schulen öffnen für weitere Klassen - Lehrer fürchten Personalengpass

Eine Woche nach den Schülern der zehnten Jahrgangsstufe sind auch weitere Klassen in Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien zurück im Unterricht. Der Lehrerverband sieht aber noch zahlreiche Probleme.

In den Brandenburger Schulen wird es trotz der Corona-Krise wieder voller: Am Montag kehrten die sechsten Klassen der Grundschulen, die neunten und zwölften Klassen der Gesamtschulen und die elften Klassen der Gymnasien zum Unterricht zurück, insgesamt 54 700 Schuler. Während Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) die Schulen gut vorbereitet sieht, befürchtet der Brandenburgische Pädagogen-Verband personelle Engpässe, weil Gruppen geteilt werden, und sieht weitere Risiken. Vor eineinhalb Monaten waren die Schulen geschlossen worden.

«Wir kommen uns vor wie so eine Art Operation am offenen Herzen», sagte Verbandspräsident Hartmut Stäker. Er warnte vor einer personellen Überlastung der Lehrer, wenn die Klassen in Grundschulen auf zwei Räume aufgeteilt würden und an den anderen Schulen Klassen tageweise wechselten. «Ich brauche dann doppelt so viele Lehrer, wenn ich alle unterrichten will, und doppelt so viele Räume, die ich nicht habe», sagte Stäker dem RBB-Inforadio. Die andere Hälfte der Schüler müsse noch zuhause unterrichtet werden.

Der Lübbener Physiklehrer sieht auch Risiken, weil nicht klar sei, welche Schüler Kontakt zu Corona-Infizierten gehabt hätten. Wenn Schüler Symptome zeigten, sollten sie zuhause bleiben. «Das ist zu spät», sagte Stäker. Er wies auch darauf hin, dass es zunächst den Plan gegeben habe, die Tische in den Klassenräumen mehrfach am Tag regelmäßig zu desinfizieren, nun solle Seife genügen.

«Die heute erfolgte weitere Öffnung unserer Schulen ist insgesamt gut angelaufen - weitgehend ohne Probleme und unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen», betonte Bildungsministerin Ernst. Schülerinnen und Schüler, die die Schulen noch nicht besuchen könnten, würden von den Lehrkräften weiterhin auf unterschiedlichen Wegen pädagogisch betreut und mit Aufgaben versorgt. Zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern solle es ein regelmäßiges Feedback über die an der Schule vorhandenen Lernmanagementsysteme geben, betonte sie.

Das Bildungsministerium habe den staatlichen Schulämtern und -trägern, Schulen, Eltern und Schülern umfangreiche Hinweise übermittelt. So sollen Abstände von mindestens 1,5 Meter zu anderen Personen eingehalten werden. Auf korrekte Husten- und Niesetikette solle geachtet werden. Eine Lerngruppe müsse danach möglichst in demselben Raum unterrichtet werden. Jeder Schüler solle seinen eigenen festen Arbeitsplatz haben, den er nur allein benutzt.

An den weiterführenden Schulen soll die eine Hälfte der Schüler in der Regel montags, mittwochs und freitags zum Unterricht kommen, dienstags und donnerstags die andere Hälfte - nach einer Woche wird getauscht. Vor einer Woche waren Zehntklässler wieder zum Unterricht gekommen. Ab der nächsten Woche können die Fünftklässler in Grund- und Förderschulen wieder kommen.

Seit Montag sollen Schüler statt des gestrichenen Sportunterrichts einmal pro Woche alternative Bewegungsangebote wahrnehmen können. Dazu gehört Ausdauersport wie Radfahren oder Laufen im Freien und Krafttraining, um gegen Stress vorzugehen und Abwehrkräfte aufzubauen.

Jede neunte Lehrkraft mindestens 60 - Unterschiede bei Schulformen

In Nordrhein-Westfalen ist im laufenden Schuljahr jede neunte Lehrkraft 60 Jahre alt oder älter. Der Anteil der älteren Lehrkräfte variiert je nach Schulform stark, wie das Statistische Landesamt am Montag mitteilte. Den höchsten Anteil haben die älteren Lehrkräfte an den Freien Waldorfschulen mit 27,8 Prozent. Gefolgt von den Hauptschulen mit 22,1 Prozent.

An anderen Schulformen ist der Anteil der älteren Lehrkräfte viel niedriger. Die Gemeinschaftsschulen mit 7,8 Prozent und Grundschulen mit 7,9 Prozent haben eine insgesamt jüngere Lehrerschaft. Insgesamt sind derzeit etwa 19 300 Lehrerinnen und Lehrer mit einem Alter von mindestens 60 Jahren an nordrhein-westfälischen Schulen beschäftigt.

Das Alter der Lehrkräfte war zuletzt bei der schrittweisen Öffnung der Schulen in NRW nach den Corona-Maßnahmen ein Thema gewesen. Landes-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte vor eineinhalb Wochen im Landtag versichert, dass Lehrkräfte mit gesundheitlichen Gefährdungen ausgeschlossen seien. Über 60-Jährige kämen dafür grundsätzlich nicht in Betracht. Sie könnten freiwillig tätig werden.

Den Statistikern zufolge liegt das Durchschnittsalter der insgesamt rund 166 800 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in NRW im aktuellen Schuljahr bei 44,3 Jahren. Auch hier zeigt sich, dass das Durchschnittsalter an Freien Waldorfschulen (50,8) und Hauptschulen (48,2) über dem allgemeinen Durchschnitt liegt. Vor zehn Jahren lag das Durchschnittsalter aller Lehrkräfte höher bei 47,5 Jahren.

Weitere Schüler in Hamburg starten Unterricht - Brief der Schulleiter

Rückkehr an die Schulen: Immer mehr Klassen starten ihren Unterricht an den Hamburger Schulen. Auch die Viertklässler kehrten zurück - fast alle wurden von ihren Eltern gebracht, wie ein Schulleiter berichtet. Richtig glücklich sind die Rektoren nicht.

Es herrscht wieder ein wenig mehr Trubel an den Hamburger Schulen. Am Montag haben die Schulen in Hamburg für weitere Klassen geöffnet. Mädchen und Jungen der 4. Klassen können nun wieder an den Grundschulen am Unterricht teilnehmen. Auch die Klassenstufen 6 und 11 der Gymnasien sowie die Klassenstufe 12 der Stadtteilschulen durften am Montag zurückkehren. Für Schüler der Abschlussklassen hatte bereits Anfang vergangener Woche die Schule nach wochenlangem coronabedingtem Fernunterricht wieder begonnen.

An der Goldbek-Schule in Hamburg-Winterhude kamen am Montagmorgen fast alle Kinder zusammen mit ihren Eltern für ihren ersten Schultag seit Wochen an, wie Schulleiter Martin Meisenburg der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Kinder seien aufgeregt, aber auch sehr vorsichtig gewesen. Um das Risiko einer Ansteckung zu verringern, sind die vier vierten Klassen an der Schule aufgeteilt worden. Eine Gruppe begann am Montag, die andere folgt am Dienstag. Und auch am Montag wurde der Beginn der Schule entzerrt, zwei Klassen begannen um 8.00 Uhr, zwei um 8.30 Uhr, wie der Schulleiter sagte. An der Schule werden 360 Kinder unterrichtet, etwa 10 waren in der Notbetreuung.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte im «Hamburger Abendblatt» (Montagausgabe), die Schulen hätten unterschiedliche Modelle entwickelt, um die Anforderungen zu erfüllen, dass die Kinder nur in kleinen Gruppen von höchstens 15 Schülern und abwechselnd unterrichtet werden. Die einen Schulen machten es so, dass eine Gruppe montags und dienstags, die andere donnerstags und freitags in der Schule ist. Am Mittwoch werde abwechselnd eine der beiden Gruppen unterrichtet.

Die Abstandsregeln ließen sich in den Klassenräumen gut einhalten, aber in den Pausen und auf den Fluren sei das schwieriger. «Hier braucht es kluge Regeln und gestaffelte Zeiten», sagte der Senator. Ein zweites Problem sei, dass ältere Schulen zum Teil sehr kleine Klassenräume hätten.

Die Schulleiter der Hamburger Gymnasien haben unterdessen einen Brief an Schulsenator Rabe geschrieben und vor überstürzten Schulöffnungen gewarnt. «Bei allen behördlichen Maßnahmen ist zu bedenken, dass die Kollegien am Rande ihrer Kräfte arbeiten», hieß es in dem am Montag veröffentlichten Schreiben der Vereinigung der Leitungen Hamburger Gymnasien und Studienseminare.

Statt die Öffnung der Schulen zu schnell und zu bürokratisch umzusetzen, solle die Behörde «unbedingt Zeitdruck aus allen Vorhaben nehmen und mehr Flexibilität vor Ort ermöglichen». Zudem hielten die Lehrer ein Plädoyer für mehr Fern- als Präsenzunterricht und die Fokussierung auf sozial benachteiligte Schüler, wie der erste Vorsitzende, Christian Gefert, am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg sagte.

 

02.05.2020 9.30 Uhr

FDP: Lehrern muss Unterricht per Videokonferenz ermöglicht werden

Als Konsequenz aus der Corona-Krise und den damit verbundenen Unterrichtsausfällen fordert die FDP im Bundestag einen Zugang für alle Lehrkräfte zu einem Videokonferenz-Anbieter. Die Kosten müssten aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christian Dürr der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Viele Kinder und Jugendliche werden auch auf absehbare Zeit nicht in die Schule zurückkehren können. Darum sollte der Unterricht während der Corona-Krise schnellstmöglich vollständig digitalisiert werden.»

Über ein Videokonferenzsystem könnten die Schüler unterrichtet werden, wobei sie noch nicht einmal einen eigenen Computer brauchten, weil man sich bei den meisten Anbietern per Telefon einwählen könne. Dies würde zugleich die Eltern entlasten, die sich derzeit nämlich während ihrer Arbeit zuhause auch noch um den Unterricht für ihre Kinder kümmern müssten.

Dürr rechnete vor, dass sich die Kosten bei 720 000 Lehrern in Deutschland auf rund zehn Millionen Euro pro Monat belaufen würden. «Das ist gerade mal ein Bruchteil des Etats, über den das Bildungsministerium von Anja Karliczek verfügt. Sie sollte den Schulen, die daran Interesse haben, einen Zugang pro Lehrer unbürokratisch und schnell ermöglichen, um die Zeit bis zur vollständigen Öffnung der Schulen zu überbrücken.»

Verband: Lehrer irritiert durch «das ewige Hin und Her»

Der Präsident des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbands (NRWL), Andreas Bartsch, hat die Landesregierung kritisiert. «Die Irritationen in der Lehrerschaft sind inzwischen gewaltig», sagte Bartsch der «Rheinischen Post» (Samstag). «Wir benötigen eine gute, klare Planung und nicht das ewige Hin und Her der vergangenen Tage.» Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) müsse sich besser mit Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) abstimmen. Laschet hatte zuvor die Ankündigung des Schulministeriums relativiert, dass die Grundschulen in einem rollierenden System für alle vier Jahrgangsstufen öffnen sollten.

Bartsch forderte zudem vom Land Klarheit mit Blick auf das Abitur 2021: «Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass das ein Not-Abi wird. Der Jahrgang 2020 hatte ja immerhin 2/3 des Unterrichts absolviert. Aber schon jetzt ist doch klar, dass für den nächsten Jahrgang eine Mischung aus Präsenzunterricht und digitalem Lernen stattfinden muss.»

Schule bereitet sich mit Hygieneschleuse auf Wiedereröffnung vor

Mit einer Hygieneschleuse am Eingang hat sich eine Schule bei Ravensburg auf den Unterrichtsstart an diesem Montag vorbereitet. In einem Container seien vier separate Handwaschbecken sowie Desinfektionsmittel aufgestellt worden, sagte der Rektor der Achtalschule in Baienfurt, Andreas Lehle. Auch Distanz-Fieberthermometer seien angeschafft worden, sollen aber eher zurückhaltend zum Einsatz kommen. «Wir wollen bei den Schülern damit nicht für Verunsicherung sorgen», so Lehle.

Für rund hundert Acht- und Neuntklässler der Gemeinschaftsschule startet am Montag nach wochenlanger Corona-Zwangspause wieder der Unterricht. «Los geht es um 7.45 Uhr mit Englisch», so Lehle. Die Schüler sollen in unterschiedlicher Taktung starten, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können. Einen Mundschutz müssen sie im Unterricht laut dem Schulleiter nicht tragen. In Pausen und auf den Fluren der Schule dagegen sind sie Pflicht.

Abiturprüfungen starten - Großteil wählt erste Prüfungsrunde

Wochenlang waren die Schulen geschlossen, jetzt kehren immer mehr Schülerinnen und Schüler zurück. Für tausende Jugendliche an den Gymnasien beginnt die entscheidende Prüfungsphase.

Tausende Jugendliche in Sachsen-Anhalt legen nächste Woche ihre Abiturprüfungen ab. Die meisten der 6400 Schülerinnen und Schüler entschieden sich, den ersten von zwei angebotenen Prüfungszeiträumen zu nutzen, wie das Bildungsministerium in Magdeburg mitteilte. Demnach wollen 89 Prozent der Abiturienten ihre Prüfungen im Mai ablegen. Die restlichen elf Prozent machen von der einmaligen Möglichkeit Gebrauch, wegen der Corona-Pandemie erst im Juni in die Abschlussprüfungen zu starten.

Die erste Runde beginnt am Montag (4. Mai) mit dem Fach Russisch und endet am 15. Mai, wie das Ministerium weiter mitteilte. Die zweite Phase startet am 2. Juni und damit direkt nach den Pfingstferien. «Mit zwei Prüfungsdurchläufen haben wie allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gegeben, der aktuellen krisenbedingten Situation Rechnung zu tragen», sagte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) laut Mitteilung.

In Sachsen-Anhalt sind die Schulen - wie in ganz Deutschland - seit Mitte März geschlossen, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Die Abschlussjahrgänge durften am 23. Mai als erste Schülerinnen und Schüler in die Klassenzimmer zurückkehren, um sich im direkten Austausch mit ihren Lehrkräften auf die Prüfungen vorzubereiten. Ab 11. Mai sollen in Sachsen-Anhalt auch die Realschulprüfungen starten.

Die Bildungsminister der Länder hatten sich nach langen Beratungen darauf geeinigt, an regulären Abiturprüfungen festzuhalten. «Unser Ziel war es, ein reguläres Abitur zu ermöglichen, um Zukunftschancen von Schülerinnen und Schülern nicht zu gefährden», so Tullner weiter. «In einer gemeinsamen Kraftanstrengung gelingt uns das.»

Für die Prüfungen gelten ebenso wie für alle anderen Präsenzstunden an Sachsen-Anhalts Schulen strenge Vorgaben zu Mindestabstand, Lüften und Reinigungsplänen. Von Montag an sollen mit den Viertklässlern und den Prüflingen des nächsten Schuljahres weitere Jahrgänge an die Schulen zurückkehren.

Tullner dankte allen Lehrerinnen und Lehrern für die Vorbereitungen der vergangenen Wochen. «Es wird das Mögliche getan, um die Infektionsschutzstandards zu gewährleisten. Ich wünsche allen, die nun in eine entscheidende Phase eintreten, viel Erfolg und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.»

 

01.05.2020 16.00 Uhr

Eisenmann für verpflichtende Impfung gegen Coronavirus

Die CDU-Spitzenkandidatin in Baden-Württemberg, Susanne Eisenmann, ist für eine verpflichtende Impfung gegen das Coronavirus, wenn es einen Impfstoff gibt. «Für den Fall, dass ein verträglicher und wirksamer Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht, würde ich eine generelle Impfpflicht gegen das Coronavirus befürworten», sagte die Kultusministerin der «Heilbronner Stimme» und dem «Mannheimer Morgen» (Samstag).

«Ich gehe zwar davon aus, dass sich viele Bürger freiwillig impfen würden. Aber um unsere Mitmenschen und unser Gesundheitswesen zu schützen und sämtliche derzeit geltenden Einschränkungen aufheben zu können, wäre die Einführung einer Impfpflicht zur zügigen Immunisierung der Bevölkerung sicher hilfreich.»

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Rainer Hinderer, forderte von der grün-schwarzen Landesregierung, bereits jetzt einen stufenweisen Corona-Impfplan vorzubereiten. Er sprach sich ebenfalls dafür aus, Herdenimmunität in der Bevölkerung zur Not durch eine Impfpflicht gegen das Coronavirus zu erreichen.

Schüler aus Frankreich dürfen wieder über die Grenze

An den Grenzen wird zum Schutz vor dem Coronavirus weiter kontrolliert. Innenminister Thomas Strobl (CDU) hält dies für angemessen. Über Lockerungen können sich nun Schüler freuen.

Schüler aus dem Elsass dürfen von Montag an für den Schulbesuch in Deutschland wieder über die Grenze. Von den elsässischen Behörden habe es für diesen Plan grünes Licht gegeben, teilte das Regierungspräsidium Freiburg am Donnerstag mit. An den deutsch-französischen Grenzübergängen könnten Schüler aus- und einreisen, Schulbusse dürften die Grenze überqueren.

Dies sei wichtig, da im Mai in Baden-Württemberg erste Schulen ihren Betrieb wieder aufnehmen sollen. Von der Regelung profitieren demnach in erster Linie Schüler aus Frankreich, die in Freiburg das deutsch-französische Gymnasium (DFG) besuchen und dort Ende Mai die schriftliche Abiturprüfung haben.

Seit dem Beginn der Grenzkontrollen wegen des Coronavirus im März war Schülern das Reisen über die Grenze nicht mehr möglich. Für den Grenzübertritt benötigen sie den Angaben zufolge nun einen Passierschein, wie ihn zum Beispiel auch Berufspendler erhalten.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Mittwoch angekündigt, die in der Corona-Krise eingeführten Kontrollen an deutschen Grenzen bis zum 15. Mai zu verlängern. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) unterstützt den Plan.

«Noch benötigen wir die Grenzkontrollen. Sie tragen effektiv dazu bei, die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Und das rettet Menschenleben», sagte der Minister in Stuttgart. Die Grenzkontrollen seien ein wichtiger Baustein, um die Pandemie zu bekämpfen. Für Baden-Württemberg mit Grenzen zu Frankreich und der Schweiz seien Kontrollen zum Schutz der Gesundheit besonders wichtig. Wenn sich die Infektionslage verbessere, könnten sie schrittweise gelockert werden.

Der SPD-Landesvorsitzender Andreas Stoch kritisierte zusammen mit Landes- und Bundespolitikern seiner Partei die Situation an der deutsch-schweizerischen Grenze. Sie warfen Strobl und Seehofer am Freitag vor, die Bundespolizei im Regen stehen zu lassen. So gebe es keine klare Dienstanweisung aus dem Bundesinnenministerium zu der «unerträglichen Situation» für Familien oder Paare ohne Trauschein, die sich seit Wochen nicht begegnen könnten, monierte die südbadische SPD-Bundestagsabgeordnete und Umweltstaatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter.

Schulen im Südwesten rüsten sich für den Unterricht in Corona-Zeiten

Seit sieben Wochen sind die Türen der Schulen in Baden-Württemberg geschlossen. Jetzt soll der Unterricht langsam wieder starten. Nicht für alle und unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen.

Warnschilder anbringen, Pfeile für die Laufrichtung auf den Boden kleben, Tische auseinanderrücken, Desinfektionsmittel und Seife verteilen: Schulen im Land bereiten sich auf die Rückkehr von rund 330 000 Schülern in den Unterricht ab kommenden Montag vor. Dabei gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden. Eine Maskenpflicht wie in Bussen, Bahnen und Läden soll es im Unterricht aber nicht geben.

Nach siebenwöchigen Schulschließungen kehren am Montag zunächst die Schüler, die in diesem oder im kommenden Jahr ihren Abschluss machen, wieder in ihre Klassenzimmer zurück. «Unser Versprechen gilt, dass wir bei den Prüfungen die aktuelle Sondersituation berücksichtigen», sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). «Ich wünsche allen Schülerinnen und Schülern viel Erfolg bei der Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen, aber auch die nötige Portion Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.»

Im nächsten Schritt sollen dann - möglichst noch vor den Pfingstferien - die Viertklässler wieder an die Schulen zurückkommen. Ziel des Kultusministeriums ist es, dass alle Schüler in diesem Schuljahr zumindest noch zeitweise Präsenzunterricht erhalten.

Eine Ausweitung des Schulbetriebs stehe grundsätzlich unter dem Vorbehalt der weiteren Entwicklung der Pandemie. «Uns allen ist klar, dass wir Schritt für Schritt und unter Einhaltung des Abstandsgebots auch im weiteren Schulbetrieb zu Lockerungen kommen müssen, sofern sich die Infektionszahlen weiter auf einem niedrigen Niveau bewegen», teilte Eisenmann mit. Ein regulärer Unterricht wie vor der Corona-Krise sei in diesem Schuljahr aber unrealistisch. «Es wird weiterhin eine Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht geben.»

Nach Verwirrung um Schulöffnung: NRW-Ministerium korrigiert Mail

Nach der Verwirrung um die Öffnung der Grundschulen in Nordrhein-Westfalen hat das Landesschulministerium eine Mail an die Schulen zu dem Thema korrigiert. Sämtliche «weiteren Schritte der Schulöffnung für die Klassen 1 bis 3, die frühestens ab dem 11. Mai 2020 realisiert würden, stehen unter dem Vorbehalt der noch ausstehenden Beratungen zwischen den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am 6. Mai 2020», heißt es in der auf der Homepage des Ministeriums veröffentlichten Mail vom Donnerstagabend. Die Viertklässler sollen bereits ab dem 7. Mai an die Schulen zurückkehren.

Zuvor hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) das Ministerium nach einer anders lautenden Mail öffentlich zurückgepfiffen und eine Korrektur angekündigt. In der Ursprungsmail hatte der Staatssekretär im Schulministerium, Mathias Richter (FDP), am Donnerstag an die Schulen geschrieben: «Ab dem 11. Mai 2020 sollen in einem tageweise "rollierenden" System die Kinder aller Jahrgangsstufen wieder in "ihre" Schulen gehen können.» Demnach hätte ab dem 11. Mai an jedem Werktag ein anderer Jahrgang in die Schule gehen können - nach wochenlanger coronabedingter Zwangspause.

In der korrigierten Version schreibt Richter nun: «Bund und Länder müssen im Rahmen der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz Mitte nächster Woche zuerst die Grundlagen für weitere Schritte schaffen, um ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen sicherzustellen.» Die ursprüngliche Schulmail beschreibe «einen für NRW denkbaren Plan, sofern ein solcher Öffnungsbeschluss von Bund und Ländern am 6. Mai 2020 getroffen wird». Dies wolle er «im Interesse einer eindeutigen und unmissverständlichen Kommunikation» klarstellen.

Laschet trifft Vertreter der Kommunen - Schulen sind Thema

Seine Kritik an der Vorbereitung der Schulöffnungen der Kommunen hatte Anfang der Woche für viel Ärger gesorgt - nun trifft sich Ministerpräsident Armin Laschet mit den kommunalen Spitzenverbänden. Thema ist neben der Schule auch die Kinderbetreuung.

Nach zuletzt reichlich Ärger um die Schulöffnungen in der Corona-Krise trifft sich Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag (12.00 Uhr) mit Vertretern der kommunalen Spitzenverbände. Im Mittelpunkt der Videoschalte sollen die Konzepte der Kultusministerkonferenz für die Schulen sowie der Familienministerkonferenz für die Kinderbetreuung stehen.

Anfang der Woche hatte Laschets Kritik an der Krisenbewältigung der Kommunen für viel Unmut gesorgt. Schuldzuweisungen, die Kommunen hätte sich auf eine erste Öffnung der Schulen nicht rechtzeitig vorbereitet, belasteten das Vertrauensverhältnis der Kommunen zur Landesregierung. Das hatten Städtetag NRW, Städte- und Gemeindebund (StGB) und Landkreistag NRW in einer gemeinsamen Erklärung betont.

Laschet hatte in der TV-Talkshow «Anne Will» am Sonntagabend angedeutet, die Kommunen in Nordrhein-Westfalen seien auf die Schulöffnung nicht ausreichend vorbereitet gewesen und hätten etwa nicht rechtzeitig Desinfektionsmittel beschafft. Derartige Kritik entbehre «jeglicher sachlicher Grundlage», meinten die Verbände.

An den Gesprächen am Freitag nehmen auch Familienminister Joachim Stamp und Schulministerin Yvonne Gebauer (beide FDP) sowie Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) teil. Die Kommunen sind mit Städte- und Gemeindebund und dem Städtetag NRW vertreten.

Laschet hatte am Donnerstag weitere Lockerungen für das bevölkerungsreichste Bundesland angekündigt. So sollen etwa Spielplätze wieder öffnen. Allerdings sei noch nicht klar, wann das sein werde, sagte Laschet. Unklarheit gibt es auch noch, wie es mit den schrittweisen Öffnungen der Schulen und Kitas weitergeht. Dies werde erst bei den nächsten Bund-Länder-Beratungen am 6. Mai entschieden, sagte Laschet nach einer Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Mit einem Machtwort relativierte Laschet am Donnerstag die Pläne des FDP-geführten Schulministeriums, am 11. Mai die Grundschulen in NRW für alle Schüler in einem rollierenden System wieder zu öffnen. Eine entsprechende Mail an die Schulen werde «korrigiert», betonte er.

Der Staatssekretär im Schulministerium, Mathias Richter (FDP), hatte in der Mail geschrieben, dass zunächst die Viertklässler schon am 7. Mai in die Schulen zurückkehren sollten. Neu war, dass ab dem 11. Mai demnach an jedem Werktag ein anderer Jahrgang in die Schule gehen könne - nach wochenlanger coronabedingter Zwangspause.

Das Gezerre unter den Koalitionspartnern CDU und FDP dürfte für weitere Unruhe bei Schulen, Schulträgern, Lehrern, Eltern und Schülern sorgen. Auf die Journalisten-Frage, was denn nun die Schulen denken sollten, sagte Laschet: «Die Schulen können das denken, was der Ministerpräsident ihnen jetzt sagt: Nämlich dass am 6. Mai der nächste Beschluss fällt. Und diese Schulmail wird auch korrigiert.» Er fügte aber hinzu: «Gedanklich ist es einem Schulministerium ja auch nicht zu verübeln, schonmal über den nächsten Schritt zumindest Vorbereitungen zu treffen und nachzudenken.» Verbindlich und bundesweiter Konsens sei aber, dass ab der kommenden Woche (4. Mai) vorerst die Viertklässler in die Schulen kommen sollten.

Merkel: Entscheidung über weitere Schulöffnungen kommende Woche

Büffeln im Wohnzimmer, vielleicht mit Eltern im Home Office oder tobenden Geschwistern drumherum: Das Lernen in der Corona-Krise ist auch manchen Schüler eine besondere Herausforderung. Eigentlich wollten die Länder sich nun auf weitere Schritte einigen.

In der Coronakrise vertagen Bund und Länder die Entscheidung über weitere Öffnungen von Schulen und Kitas auf den 6. Mai. Dann sollten «sehr klare Entscheidungen» fallen, «in welcher Folge und in welcher Art und Weise Schule, Kita wieder möglich sind», kündigte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in Berlin nach einer Schaltkonferenz mit den Ministerpräsidenten an. Für den kommenden Mittwoch ist die nächste Beratungsrunde von Bund und Ländern geplant.

Sie gehe bei der Rückkehr nicht von einem «Entweder-Oder» aus, «nur die großen Schüler oder nur die kleinen», sagte Merkel. Sie denke eher an einen «parallelen Prozess der verschiedenen Altersgruppen», bei dem zunächst aber keine Gruppe komplett zurückkehre.

Länder wie Sachsen-Anhalt, das Saarland oder Bremen planen bislang für den Montag die Rückkehr bestimmter Schülergruppen. In den meisten Bundesländern sind die Schulen seit Mitte März bis auf eine Notbetreuung geschlossen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) betonte, am kommenden Mittwoch weitere Schritte absprechen zu wollen. Damit relativierte er eine Ankündigung seines Schulministeriums, dass alle Grundschüler ab dem 11. Mai tageweise «in einem rollierenden System» wieder die Schule besuchen würden.

Eine Forschergruppe um den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité warnt in einer vorab veröffentlichten Studie vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland. Kinder sind laut der noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Analyse in der Corona-Pandemie vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Zahl der Viren, die sich in den Atemwegen nachweisen lässt, unterscheide sich bei verschiedenen Altersgruppen nicht, berichteten die Wissenschaftler.

Merkel verwies auch auf eine Vereinbarung der Kultusminister der Länder vom Dienstag, wonach ab dem 4. Mai schrittweise die letzten Klassen der Grundschulen wieder in die Schulen zurückkehren könnten sowie Schüler, die 2021 ihren Abschluss machen wollen.

Nach dem Beschluss der Kultusminister soll jede Schülerin und jeder Schüler vor den Sommerferien zumindest tage- oder wochenweise die Schule besuchen können. Die konkreten Entscheidungen blieben aber am Ende Ländersache. Den Kultusministern zufolge wird es für die rund elf Millionen Schüler in Deutschland vor den Sommerferien aber keine richtige Rückkehr in den Schulalltag mehr geben. Geplant ist eine Mischung aus Präsenzunterricht und Lernen daheim.

Bereits in der vergangenen Woche kehrten Tausende Jugendliche in vielen Bundesländern zurück, allerdings nur die Abschlussklassen - für Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen. Am Montag waren in weiteren Ländern Abiturienten, Berufsschüler und Schüler gefolgt, die vor dem mittleren Schulabschluss stehen.

Die Familienminister von Bund und Ländern hatten zuletzt vorgeschlagen, dass die Kitas vorsichtig und schrittweise wieder aufmachen sollten - aber ebenfalls keinen konkreten Zeitplan genannt. Sie gaben lediglich die Empfehlung, «in den kommenden Wochen und Monaten aus bildungs- und entwicklungspsychologischen Gründen» einen Wiedereinstieg zu ermöglichen. Der solle stufenweise mit immer mehr Kindern erfolgen, nach jeder Stufe solle abgewartet werden, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Klar sei aber, dass Erzieherinnen und Erzieher die vorgegebenen 1,5 Meter Abstand bei der Arbeit mit Kindern unter sechs Jahren nicht einhalten könnten, betonten die Minister.

Kanzleramtschef Helge Braun äußerte am Donnerstag die Hoffnung, dass alle Kita-Kinder vor den Sommerferien noch einmal in den Betreuung könnten. Letztlich hänge das aber von der Entwicklung der Infektionszahlen ab, sagte er dem Sender Hit Radio FFH.

Viele Eltern kleiner Kinder fühlen sich von der Politik alleine gelassen, weil zwar Geschäfte und Schulen nach und nach wieder öffnen, es aber bei Kitas noch keine Perspektive gibt. Notbetreut werden vor allem Kinder, deren Eltern dringend am Arbeitsplatz gebraucht werden, etwa im Gesundheitswesen. Die Notbetreuung war zuletzt erweitert worden, in vielen Ländern zum Beispiel auf Alleinerziehende.



30.04.2020 12.00 Uhr

Merkel und Länderchefs beraten über Corona-Lockerungen

Hamburgs Bürgermeister Tschentscher hat bereits klargemacht, dass ihm Lockerungen der Corona-Auflagen bei den Kitas und Spielplätzen sehr wichtig sind. Die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Merkel wollen in ihrer Telefonkonferenz wohl aber auch über andere Themen reden.

Die Ministerpräsidenten der Länder und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beraten am Donnerstag bei einer mit Spannung erwarteten Telefonkonferenz über Lockerungen der Corona-Auflagen. Themen könnten Perspektiven für die Kitas, das Vorgehen in den Schulen nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz und die Zukunft der Gottesdienste sein. Zudem könnten sich die Gespräche um den Breitensport und die Fußball-Bundesliga sowie um die Zukunft der bislang bis Ende August verbotenen Großveranstaltungen drehen. Auch eine Verlängerung der Kontaktbeschränkungen könnte zur Debatte stehen.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat bereits klargemacht, dass für ihn vor allem Erleichterungen in Schulen, Kitas und auf Spielplätzen wichtig sind. «Wir sind, was die Kita- und die Spielplatzfrage angeht, sehr da hinterher, dass wir dort Regelungen finden, um dort mehr Öffnungen zu ermöglichen - während andere Bundesländer sehr viel restriktiver mit dieser Frage umgehen», sagte Tschentscher. Aber auch die Bereiche Sport, Kultur und die Gastronomie stünden auf der Prioritätenliste des Senats ganz oben.

Ebenfalls am Donnerstag konstituiert sich der Sonderausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft zur Bewältigung der Corona-Krise. Bei der ersten Sitzung im Großen Festsaal des Rathauses stehen gleich mehrere Anträge auf der Tagesordnung. Sie befassen sich unter anderem mit der aktuellen Entwicklung der Corona-Krise, mit der Versammlungsfreiheit oder mit Tilgungsvorgaben. Der am 22. April von der Bürgerschaft eingesetzte Sonderausschuss besteht aus 20 Mitgliedern und tagt in der Regel alle zwei Wochen.

Die Zahl der positiv auf das neue Sars-Cov-2-Virus getesteten Hamburgerinnen und Hamburger stieg seit Dienstag um 42 auf 4724. Laut Robert Koch-Institut (RKI) könnten davon 3400 inzwischen als genesen angesehen werden, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Sie gehe aktuell von rund 1200 mit dem Coronavirus infizierten Hamburgern aus.

Die Zahl der an einer Covid-19-Infektion gestorbenen Hamburger stieg nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) um drei auf 145. Nach RKI-Angaben sind in Hamburg 153 Personen mit einer Covid-19-Infektion gestorben - elf mehr als am Vortag.

Insgesamt befinden sich nach Behördenangaben 174 Hamburger wegen Covid-19 in stationärer Behandlung - sieben weniger als am Vortag. Die Zahl der Covid-19-Patienten auf einer Intensivstation stieg um eins auf 62.

Karliczek: Noch lange Corona-Beschränkungen an Schulen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek rechnet für den Schulbetrieb mit Beschränkungen bis in das nächste Schuljahr hinein. «Die Ausnahmesituation wird bis weit in das nächste Schuljahr andauern», sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). «Erst wenn große Bevölkerungsgruppen geimpft sind, werden wir zum gewohnten Unterricht zurückkehren», betonte die Ministerin. So lange werde es eine Mischform von Präsenzunterricht und digitalem Unterricht geben.

Um versäumten Stoff nachzuholen, seien «Sommercamps in den Ferien» auf freiwilliger Basis denkbar, sagte Karliczek. Vielleicht ließe sich durch engagierte Bürger auch eine begleitende Unterstützung außerhalb des regulären Unterrichts organisieren - etwa samstags am Vormittag. Die Ministerin zeigte sich offen für eine generelle Anhebung der Abiturnoten, sollten die Prüfungsleistungen wegen der Pandemie sinken.

Das weitere Vorgehen in den Schulen ist auch ein Thema der Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder an diesem Donnerstag. Karliczek äußerte Verständnis für regionale Abweichungen bei der Pandemie-Bekämpfung. «Im Einzelnen müssen die Länder, aber selbst die einzelnen Schulen die Möglichkeit haben, unterschiedlich vorzugehen», sagte sie. Die Gegebenheiten vor Ort wie etwa die unterschiedlich großen Klassenräume an Schulen müssten berücksichtigt werden können. Der rote Faden sei aber das von den Kultusministern der Länder erarbeitete Konzept. «Jede Schülerin und jeder Schüler soll bis zu dem Beginn der Sommerferien tage- oder wochenweise die Schule besuchen können», heißt es in dem KMK-Papier.

Eilantrag gegen Schulbeginn in der vierten Klasse zurückgezogen

Dem Schulbeginn der Viertklässler an den Grundschulen in Rheinland-Pfalz zum kommenden Montag steht nichts mehr entgegen: Ein von einem Vater gestellter Eilantrag bei den Verwaltungsgerichten Mainz und Koblenz sei ohne Begründung wieder zurückgezogen worden, sagte eine Gerichtssprecherin am Mittwoch. Der Antragsteller habe sich vermutlich aus Unsicherheit über die genaue Zuständigkeit an beide Verwaltungsgerichte gewandt. Zuvor hatte der SWR darüber berichtet.

In Hessen war der Verwaltungsgerichtshof in Kassel am vergangenen Freitag dem Eilantrag einer Schülerin aus Frankfurt gefolgt. Die Viertklässler würden im Vergleich zu Schülern, denen aus Gründen des Infektionsschutzes der Schulbesuch bis zum 3. Mai weiter untersagt werde, ohne hinreichenden Grund ungleich behandelt und in ihrem Grundrecht verletzt, hieß es. Das Bildungsministerium in Mainz erklärte danach, die Regelung für die behutsame Öffnung der Schulen nach der Schließung aufgrund der Corona-Pandemie sei in Rheinland-Pfalz anders als in Hessen. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte dem SWR gesagt, sie hoffe, dass der Eilantrag keinen Erfolg haben werde. Viele Schülerinnen und Schüler freuten sich, wenn sie am Montag wieder in die Schule gehen könnten. Dafür wurden detaillierte Hygiene-Bestimmungen vorgegeben.

29.04.2020 8.30 Uhr

Streit um Prüfungen für Lehramtsstudenten in der Corona-Krise

Lehramtsstudenten aus ganz Baden-Württemberg laufen Sturm, weil das Kultusministerium mitten in der Corona-Krise Prüfungstermine und Fristen veröffentlicht hat. «Es lässt sich kaum mit Worten beschreiben, welche Unsicherheit, Angst bis hin zu Panik diese Mitteilung des Kultusministeriums unter Studierenden verursacht hat», heißt es bei der Landesastenkonferenz als Studierendenvertretung. Laut Ministerium müssen sich Lehramtsstudierende bis zum 6. Mai zu den Abschlussprüfungen anmelden, der zweimonatige Prüfungszeitraum wurde ab Mitte Mai festgelegt. Als Alternative sei auch die Herbstprüfung möglich.

«Niemand wird zur Abschlussprüfung gezwungen», sagte eine Ministeriumssprecherin. Aber Studierende hätten darum gebeten, ihre Prüfungen unter anderem wegen Bewerbungsfristen in anderen Ländern rasch ablegen zu dürfen. Man habe verschiedensten Wünschen Rechnung getragen, indem man die Wahl lasse, Prüfungen jetzt oder im Herbst abzulegen. Das Kultusministerium betonte zudem: «Lehramtsstudierenden sollen keine Nachteile aus der derzeitigen Situation entstehen.»

Das sehen die Studenten anders. In einem unabhängig von der Landesastenkonferenz aufgesetzten Schreiben fordern Lehramtsanwärter aus mehreren Hochschulen optional zur Examensnote auch die Möglichkeit, eine Durchschnittsnote aus den bisher erbrachten Leistungen der Ersten Staatsprüfung zu erheben. «Wir haben uns in den letzten Wochen von den Entscheidungsträgern im Stich gelassen gefühlt», heißt es unter anderem in dem offenen Brief. Das Kultusministerium hat bereits abgewunken: «Ein solcher Schritt würde dazu führen, dass der Grundsatz der Chancengleichheit nicht vorliegen würde», sagte eine Sprecherin.

Ministerin: Normaler Unterricht vor den Sommerferien nicht realistisch

Einen regulären, uneingeschränkten Unterricht wie vor der Corona-Pandemie hält Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vor den Sommerferien nicht für realistisch. «Es wird eine Mischung aus Präsenz- und Fernunterricht sein», sagte sie der «Schwäbischen Zeitung» (Mittwoch/Ravensburg). Die Kultusministerkonferenz hatte am Dienstag vorgeschlagen, dass alle Schüler vor den Sommerferien tageweise wieder die Schule besuchen sollen.

Der Schulbetrieb im Südwesten soll ab 4. Mai stark eingeschränkt und schrittweise mit etwa 330 000 Schülern wieder starten. Begonnen werden soll mit den Schülern, bei denen in diesem oder im nächsten Jahr die Abschlussprüfungen anstehen. Vor den Abschlussprüfungen sollen aber keine weiteren Klausuren geschrieben werden, wie Eisenmann am Dienstag sagte.

Über den Fernunterricht sagte sie in dem Interview, manches laufe nicht so, «wie wir uns das wünschen.» Der Bund habe nun 500 Millionen Euro zusätzlich angekündigt, um Kindern Laptops zu geben, die sich keinen eigenen leisten könnten. «Andere Kinder haben gar keinen Internetanschluss oder wohnen im Funkloch. Wir haben da Nachholbedarf, das bestreite ich nicht», so die Ministerin. «Auch Lehrer arbeiten zum Teil über Telefon und über die gute alte Post.»

Schulämter und Regierungspräsidien seien beauftragt, sich einen Überblick zu verschaffen, wo Homeschooling klappe und wo nicht. «Und dann möchte ich betonen: Es gibt sehr viele Lehrer, die Fernunterricht mit großem Engagement gestalten und ihre Schüler unterstützen. Aber zur Wahrheit gehört, dass es leider auch andere gibt», sagte Eisenmann.

Kultusminister legen Plan für Rückkehr in die Schulen vor

Schüler, Eltern, Lehrer - sie alle haben sich gefragt, wie es in den coronabedingt geschlossenen Schulen weitergehen soll. Jetzt haben die Kultusminister der 16 Länder einen Plan vorgelegt.

An einen geordneten Schulunterricht wie vor Ausbruch der Corona-Pandemie ist weiterhin nicht zu denken. Doch die Kultusminister der Länder wollen erreichen, dass vor den Sommerferien alle Schüler in Deutschland zumindest tage- oder wochenweise in die Schulen zurückkehren. Infektions-und Gesundheitsschutz hätten «höchste Priorität», heißt es in ihrem Beschluss vom Dienstag. Dies sei «Maßgabe für alle weiteren Schritte». Mit den vorgelegten Eckpunkten - darunter strenge Hygieneregeln und Abstandsgebote - sei aber eine allmähliche Rückkehr zu einem «geordneten Schulbetrieb» möglich. Kritik kam umgehend. Am Donnerstag wollen Bund und Länder über das Konzept beraten.

KULTUSMINISTER WOLLEN VOR FERIEN JEDEN SCHÜLER IN SCHULE SCHICKEN

Trotz Corona-Krise sollen alle Schüler vor den Sommerferien zumindest tageweise die Schule besuchen können. Das schlagen die Kultusminister der Länder den Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem am Dienstag beschlossenen Konzept vor. «Jede Schülerin und jeder Schüler soll bis zu dem Beginn der Sommerferien tage- oder wochenweise die Schule besuchen können», heißt es darin. Einen regulären Schulbetrieb für die rund elf Millionen Schüler in Deutschland wird es vor den Sommerferien laut Kultusministerkonferenz aber nicht mehr geben. Nach dem jetzigen Stand sei dies aufgrund des Abstandsgebots von mindestens 1,50 Meter nicht möglich, hieß es in dem «Rahmenkonzept». Ein Mix aus Präsenzunterricht und Lernen daheim solle ausgebaut, digitales Lehren und Lernen weiterentwickelt werden.

Gebauer: Weitere Schüler kehren bald in Klassen zurück

Auch in NRW sollen in der nächsten Woche weitere Schüler in die Klassenräume zurückkehren. Ein regulärer Schulbetrieb ist aber deutschlandweit nicht in Sicht, sagen die Länder in der Kultusministerkonferenz.

In Nordrhein-Westfalen steht laut Schulministerium die Rückkehr weiterer Schüler in die Klassenräume an. Ab dem 7. Mai könnten Viertklässler und Schüler, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen wollen, als nächste Jahrgänge nach wochenlanger Pause zum Präsenzunterricht kommen, kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Dienstag an. Zuvor hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) ein Rahmenkonzept zur weiteren Schulöffnung in der Corona-Krise beschlossen.

Auch gemäß diesem KMK-Beschluss sei eine weitere Öffnung in der kommenden Woche möglich. Ab 4. Mai 2020 soll Gebauer zufolge die Wiederaufnahme des Schulbetriebs vorbereitet werden. Damit sei Schulen und Schulleitungen ausreichend Vorlauf gegeben, um frühestens ab 7. Mai die Viertklässler und Abschlussjahrgänge für 2021 dann in die Klassen kommen zu lassen. Auch Kommunen und Gemeinden als Schulträger hätten damit weitere Tage Zeit, um die Schulen unter Berücksichtigung des Infektionsschutzes vorzubereiten. «Über die konkrete Ausgestaltung weiterer Schritte finden noch in dieser Woche Abstimmungsgespräche mit betroffenen Akteuren aus dem Bildungsbereich statt.»

Alle KMK-Vorgaben wie Hygieneschutzmaßnahmen, räumliche Trennung, Schülerbeförderung oder Abstandsregelungen werden in NRW laut Ministerin bereits eingehalten. Der Schulbetrieb sei am vergangenen Donnerstag für die erste Gruppe «ohne größere Probleme angelaufen». Der Beschluss der Kultusminister räume den Schulen eine Übergangszeit ein, um das Angebot sorgfältig weiter aufbauen zu können. Es wird demnach bis auf weiteres bei einem Mix aus Präsenzunterricht und Lernen daheim bleiben.

Die Länderminister wollen alle Schüler aber möglichst bis vor Beginn der Sommerferien zumindest tage- oder wochenweise wieder in die Schulen zurückkehren lassen. Dabei setzen sie auf eine vorsichtige Rückkehr in verkleinerten Lerngruppen, strengen Hygienevorgaben oder zeitliche Abstufung. Eine Maskenpflicht ist nicht vorgesehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten beraten über das KMK-Konzept am kommenden Donnerstag.

Auf feste Zeitpläne, welche Jahrgänge wann wieder in die Schulen kommen sollen, verzichten die Minister in ihrer Vorlage. Nur das Datum 4. Mai ist aufgeführt. Die Bundesländer sollen je nach Gegebenheiten vor Ort und nach Infektionsgeschehen entscheiden, wie sie weiter hochfahren.

NRW-Städtetag, Städte- und Gemeindebund sowie der Landkreis NRW forderten vom Land ausreichend Zeit für die weiteren Vorbereitungen. Wegen der Abstandsregelung von mindestens 1,50 Metern passe nur ein Bruchteil der Kinder in die Klassenräume. «Bis heute wissen wir nicht, wie eine zeitliche Staffelung des Unterrichts aussehen soll.»

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW sprach von einer Mammutaufgabe. Das sei «nur gemeinsam, in enger Absprache und mit vielen individuellen Lösungen denkbar», betonte Stefan Behlau, Landeschef der Bildungsgewerkschaft. «Standortspezifische und sehr kreative Wege werden nötig sein, denn die Schulen sind völlig unterschiedlich ausgestattet.» Sicherheit und Schutz müsse weiter Vorrang haben. Der Deutsche Lehrerverband bemängelte, dass keine Maskenpflicht beschlossen wurde.

Die Landeselternschaft der Gymnasien kritisierte, dass noch viele Fragen offen seien. Etwa, ob in NRW ein Schichtbetrieb eingeführt werde. Auch bleibe unklar, wie Kinder ohne Smartphones, Tablets oder PC am Online-Unterricht teilnehmen sollten.

In NRW waren die ersten Schüler am vergangenen Donnerstag zurückgekehrt, zunächst nur Abschlussklassen vor anstehenden Prüfungen. Dabei gab es auch Rückschläge: So musste ein Gymnasium nach zwei Tagen Schulbetrieb schon wieder schließen. Die Mutter eines Schülers war positiv auf das Corona-Virus getestet worden.

Bildungsverband: Rückkehr der Schüler «Mammutaufgabe»

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in NRW hat eine weitere schrittweise Rückkehr der Schüler in die Klassenräume als Mammutaufgabe bezeichnet. Die Kultusministerkonferenz (KMK) will deutschlandweit jeden Schüler möglichst bis vor Beginn der Sommerferien zumindest tageweise wieder in die Schulen zurückkehren lassen. Das sei in Nordrhein-Westfalen «nur gemeinsam, in enger Absprache und mit vielen individuellen Lösungen denkbar», sagte der Landeschef der Bildungsgewerkschaft, Stefan Behlau, nach dem KMK-Vorschlag am Dienstag.

«Standortspezifische und sehr kreative Wege werden nötig sein, denn die Schulen sind völlig unterschiedlich ausgestattet.» Der VBE betonte zudem, Sicherheit und Schutz müssten in der Corona-Krise weiter Vorrang haben. Landesregierung und Schulträger sollten auf Schuldzuweisungen verzichten und gemeinsam die Schulen unterstützen. In NRW waren die ersten Schüler am vergangenen Donnerstag zurückgekehrt, allerdings nur Abschlussklassen vor Prüfungen.

Das KMK-Rahmenkonzept soll den Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag zur Beratung vorgelegt werden.

Piazolo zur Rückkehr in die Schulen: «Zielvorstellung Pfingsten»

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) will möglichst allen Schülern rasch wieder Unterricht in den Schulgebäuden ermöglichen. Es gebe zwar noch Abstimmungsbedarf, doch das Kabinett habe «als Zielvorstellung mal Pfingsten ins Auge» gefasst, sagte Piazolo im Anschluss an die Kabinettssitzung am Dienstag in München. Zumindest in eingeschränktem Umfang sollten möglichst alle Kinder und Jugendliche dann wieder Unterricht vor Ort erhalten.

Nach den Abschlussklassen, die bereits seit dieser Woche wieder auch in ihren Klassenzimmern lernen, sollen übernächsten Montag (11. Mai) die Abschlussklassen des kommenden Jahres folgen. Auch die Viertklässler sollten dann möglichst schon in ihre Schulen zurückkehren, sagte Piazolo.

Der Minister betonte aber: «Es wird auch bis zum Sommer keine Normalität an den Schulen geben, wie wir sie kennen.» Stattdessen werde es einen «aufeinander abgestimmten» Dreiklang aus Präsenzunterricht in den Schulen, Lernen zu Hause und Notfallbetreuung geben.

Nach den sechswöchigen Schulschließungen würden die Kinder und Jugendlichen nicht nur gestaffelt an die Schulen zurückkehren, sondern dort auch zeitversetzt, also in Schichten, lernen. «Wir werden auch nicht den ganzen Lehr- und Lernstoff vermitteln können», betonte Piazolo.

Heidelberg weitet Maskenpflicht auf Schulen aus

Heidelberg weitet die Maskenpflicht auch auf Schulen aus. Seit dem 27. April werden die bereits für den Aufenthalt in öffentlichen Gebäuden in Heidelberg vorgeschriebenen Masken an die Schulen verteilt. Die Pflicht besteht für alle Schüler, Lehrer und sonstiges Personal, wie die Stadt weiter mitteilte. Der Schutz muss auf dem Schulhof, auf den Fluren, Gängen oder Toiletten getragen werden. Grundsätzlich muss die Regel auch in den Klassen- und Fachräumen befolgt werden; Ausnahmen hiervon seien aber zulässig, wenn es aus pädagogischen Gründen notwendig und unter hygienischen Gesichtspunkten vertretbar sei. Die «Rhein-Neckar-Zeitung» hatte am Dienstag darüber berichtet.

In Heidelberg bereiten sich 54 allgemeinbildende und berufliche Schulen auf den Wiedereinstieg in den Schulbetrieb vor. Die Schüler, die in diesem oder dem kommenden Jahr ihren Abschluss anstreben, machen ab 4. Mai den Anfang. Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) betonte: «Gerade jetzt, wenn der Betrieb in den Schulen stufenweise anläuft, ist es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler und das gesamte Schulpersonal von Anfang an strikt die Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen befolgen.»

 

28.04.2020 8.00 Uhr

Kultusminister erarbeiten Plan für weitere Schulöffnung

Unter welchen Voraussetzungen kann der Schulbetrieb wieder hochgefahren werden? Und in welcher Reihenfolge? Dafür soll es jetzt ein Rahmenkonzept geben.

Die Kultusminister der Länder wollen sich an diesem Dienstag auf ein Konzept für die weitere Öffnung der Schulen in der Corona-Krise verständigen. Dabei geht es unter anderem darum, wie der Unterricht unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen für weitere Jahrgänge wieder aufgenommen werden kann. Am Mittag (13.45 Uhr) will sich die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), in Mainz zu dem Konzept äußern.

Die meisten Bundesländer planen eine weitere teilweise Schulöffnung für den 4. Mai. Dabei sollen zunächst die Jahrgänge in die Kurs- und Klassenräume zurückkehren, die im kommenden Schuljahr vor Prüfungen stehen. Auch für die ältesten Grundschüler soll es den Planungen zufolge in den meisten Ländern dann wieder losgehen. In nahezu allen Bundesländern sind seit Anfang der vergangenen Woche die ersten Schüler wieder in die Klassenräume zurückgekehrt, allerdings nur die Abschlussklassen - für Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen.

Bei einer Telefonkonferenz hatten die Kultusminister am Montag rund zwei Stunden lang über ein «Rahmenkonzept für die Wiederaufnahme von Unterricht in den Schulen» in der Corona-Krise gesprochen. Der Entwurf sollte danach noch in einzelnen Punkten überarbeitet werden. Das Konzept soll der Ministerpräsidentenkonferenz für die nächste Beratung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugeleitet werden, die für Donnerstag geplant ist.

Kultusministerin Eisenmann bleibt bei Abschlussprüfungen hart

Trotz drohender Klagen von Schülervertretern sieht Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) eine Absage der bevorstehenden Abschlussprüfungen wegen der Corona-Pandemie in Baden-Württemberg nicht als Option. «Wir haben die Prüfungen verschoben und wir werden berücksichtigen, dass die Prüfungen in ungewöhnlichen Zeiten stattfinden», sagte Eisenmann in einem Interview der «Pforzheimer Zeitung» (Dienstag). Die Abschlussprüfungen im Land sollen nun ab dem 18. Mai beginnen.

Besondere Umstände würden dennoch in Betracht gezogen. «Wer sich nicht in der Lage sieht, die Abschlussprüfung zu schreiben, kann auf einen Nachschreibetermin ausweichen», sagte die CDU-Politikerin weiter. Niemand solle wegen der Pandemie einen Nachteil haben.

Mehr als 65 Schülersprecher hatten am Montag gefordert, die Abschlussnoten aus den vor Beginn der Pandemie erbrachten Leistungen zu bilden. In einer Mitteilung hatten sie mit Klagen gegen das Land gedroht, sollten die bevorstehenden Abschlussprüfungen nicht abgesagt werden. Nur so könnten Gesundheit und Gerechtigkeit im Schulsystem gewährleistet werden.

Die Schülervertreter wiesen darauf hin, dass etliche Schüler wegen finanzieller Notlagen ihrer Familien und aus Sorge um Angehörige aus Risikogruppen unter Schlaf- und Konzentrationsproblemen litten. Fernunterricht benachteilige indes Schüler aus einkommensschwachen Familien, weil ihnen die technische Ausrüstung und ein geeignetes Lernumfeld fehlten.


27.04.2020 21.45 Uhr

Bildungssenatorin Scheeres verteidigt Festhalten an Abiturprüfungen

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat ihre Entscheidung verteidigt, an den Abiturprüfungen festzuhalten und zunächst die 10. Klassen zurück in die Schule kommen zu lassen. Das Ziel sei zu verhindern, dass Berlins Schülerinnen und Schüler Nachteile dadurch bekämen, dass sie wegen der Corona-Pandemie zu Hause bleiben mussten, sagte die SPD-Politikerin am Montag in der RBB-«Abendschau». «Darum geht es, dass sie die Möglichkeit haben, sich zu verbessern und dass sie keine Nachteile haben. Deswegen sind wir so vorgegangen, dass wir die 10. Klassen als erstes wieder in die Schule holen, weil die 10. Klassen ihren den MSA-Abschluss machen.»

Zur Frage, ob denn die Bewertungen und Schulnoten bundesweit vergleichbar seien, sagte die Senatorin: «Wir gehen einheitlich vor in den Bundesländern, wir sind ständig in Kontakt in der Kultusministerkonferenz, wir hatten heute auch eine Schalte dazu.» Das sei für die Vergleichbarkeit auch von großer Bedeutung. «Ein Punkt war ja, dass wir gesagt haben, das Abitur muss stattfinden, damit es auch in allen Bundesländern anerkannt wird. Und das ist uns sehr, sehr wichtig.»

Die Berliner Schulen haben seit Montag wieder geöffnet. Rund 30 000 Jugendliche aus der 10. Klasse werden in dieser Woche schon wieder unterrichtet. In der Woche darauf sollen dann weitere Schülerinnen und Schüler, etwa die der 6. und 11. Klassen, wieder zurückkommen. Die Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss (MSA), mit dem die 10. Klasse endet, wurden weitgehend abgesagt, den Abschluss bekommen die Schüler aber dennoch.

Kultusminister planen Schulkonzept für Bund-Länder-Runde

Die Kultusminister der Länder wollen sich am Dienstag auf ein gemeinsames Konzept zur schrittweisen weiteren Öffnung der Schulen verständigen. Das Konzept soll der Ministerpräsidentenkonferenz für die nächste Beratung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugeleitet werden. Diese Besprechung zu weiteren Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist für Donnerstag geplant.

Am Montagnachmittag hatten die Länderminister etwa zwei Stunden lang über ein «Rahmenkonzept für die Wiederaufnahme von Unterricht in den Schulen» beraten. Der Entwurf sollte noch in einzelnen Punkten überarbeitet werden. Über den Inhalt machte die Kultusministerkonferenz (KMK) keine Angaben. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) führt zurzeit den KMK-Vorsitz. Die meisten Bundesländer planen eine weitere teilweise Schulöffnung für den 4. Mai.

Söder kündigt Lockerungen für Schulen, Kitas und Pflegeheime an

Wochenlang war Bayern im Corona-Stillstand. Nun geht es an den Schulen und im Einzelhandel wieder los, wenn auch nur langsam. Ministerpräsident Söder drückt aber etwas mehr aufs Tempo als bisher.

Nach dem Ende der Corona-Zwangspause für die Schulen und den Einzelhandel in Bayern stellt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) weitere Lockerungen in Aussicht: für Schulen, Kindergärten, Pflegeheime, Handel und Gastronomie. Söder nannte am Montag noch keine genauen Zeitpunkte, kündigte aber Konzepte zur Lockerung der Corona-Beschränkungen bis zur kommenden Woche an. Das Kabinett will an diesem Dienstag zunächst die Aufhebung des Gottesdienstverbots ab dem 4. Mai und neue Regelungen für Demonstrationen beschließen.

Sofort gelockert werden nach einer scharfen Rüge des Verwaltungsgerichtshofs die Einschränkungen für den Einzelhandel: Auch große Geschäfte dürfen ab sofort wieder ihre Pforten öffnen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter beschränken. Das Gesundheitsministerium änderte am Montag die bisherige Linie, der zufolge diese Läden mit wenigen Ausnahmen gar nicht öffnen durften.

«Wenn derartige Geschäfte öffnen, nachdem sie - zum Beispiel durch Absperrungen - die tatsächlich für Kunden zugängliche Verkaufsfläche auf maximal 800 Quadratmeter begrenzt haben, wird dies ab sofort nicht mehr beanstandet», sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) auf Anfrage.

Zuvor hatte das höchste bayerische Verwaltungsgericht die Vorschrift als verfassungswidrig kritisiert, weil die Geschäfte in bestimmten Branchen wie dem Buchhandel auch mit mehr als 800 Quadratmeter Fläche öffnen durften. Darin sehen die Richter einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Außerdem will die Staatsregierung die Schüler wieder in die Schulen bringen. Nach dem Neustart des Präsenzunterrichts für die Abschlussklassen an diesem Montag sagte Söder: «Eigentlich sollte das Ziel sein, dass vor Pfingsten jeder Schüler zumindest einmal wieder in der Schule war.» Er reagierte damit auf die wachsende Kritik von Bildungsexperten und -verbänden.

Bislang hatten Söder und die Staatsregierung lediglich in Aussicht gestellt, dass ab 11. Mai auch diejenigen Jahrgänge wieder in die Schulgebäude zurückkehren dürfen, die 2021 ihren Abschluss machen. Für alle anderen Jahrgangsstufen einschließlich der Grundschulklassen waren bisher noch keine Zeitpunkte genannt worden. Auch für Kitas und Kindergärten sind keinerlei Pläne bekannt.

Handlungsbedarf gebe es auch bei Kitas, sagte Söder nun. Es müsse vom Robert Koch-Institut eine Einschätzung erteilt werden, welche Rolle die Kleinsten bei der Übertragung des Virus einnehmen. Sollte sich bestätigen, dass sie «nicht so stark davon betroffen sind», dann seien schnellere Öffnungen denkbar. «Mir ist zum Beispiel wichtig, flexible Konzepte zu entwickeln.» Denkbar sei, dass Eltern von zwei Familien gegenseitig ihre Kinder betreuen, sagte der Regierungschef.

Für Alten- und Pflegeheime kündigte Söder ein «weiterentwickeltes Schutzkonzept» an, um etwa gegen Einsamkeit vorzugehen. Denkbar seien einzelne Besuche von einer festen Kontaktperson - derzeit gilt überall ein striktes Besuchsverbot. Söder betonte aber, der Schutz der älteren Generation habe weiter absolute Priorität.

Seit Montag dürfen viele der bisher geschlossenen Geschäfte wieder ihre Türen öffnen. Allerdings gelten eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht in den Läden sowie weitere Sicherheitsmaßnahmen. Verstöße werden teuer: Kunden ohne Mund-Nasen-Schutz wie Maske oder Schal drohen 150 Euro Bußgeld. Ladeninhaber, die nicht auf die Einhaltung achten, können sogar mit 5000 Euro Bußgeld zur Kasse gebeten werden.

Bislang hatten in Bayern vor allem Läden des täglichen Bedarfs wie Supermärkte und Bäckereien sowie seit vergangenem Montag auch Baumärkte und Gartencenter geöffnet. Jetzt dürfen auch wieder Geschäfte anderer Branchen Kunden empfangen.

Doch viele Kunden blieben dennoch fern. Bis zum frühen Nachmittag zählten viele Geschäfte nur halb so viele Besucher wie üblich, wie der Handelsverband Bayern mitteilte. «Es gab - wie erwartet - keinen großen Ansturm», hieß es.

Söder verteidigte den bisherigen Kurs im Kampf gegen das Coronavirus und mahnte weiterhin zu nur vorsichtigen Lockerungen. Man müsse weiterhin langsam und vorsichtig agieren - aber mit Perspektiven. Es dürfe bei den Lockerungen aber keinen Überbietungswettbewerb geben.

Die CSU-Spitze ging in einer Videoschalte deutlich auf Distanz zum nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU). Dieser hatte am Sonntagabend in der ARD beklagt, dass Virologen alle paar Tage ihre Meinung änderten.

Söder sagte ganz grundsätzlich, ohne Laschet namentlich zu nennen: «Es wäre falsch, nicht auf Virologen zu hören, denn sie haben uns bisher gut beraten.» CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt ging Laschet dagegen frontal an: Was Laschet mache, könne schädlich sein.

Schülervertreter drohen wegen Abschlussprüfungen mit Klagen

Sind Abschlussprüfungen an Schulen mit weniger Vorbereitung, Begleitung und Sicherheit als sonst überhaupt juristisch wasserdicht? Diese Frage könnten Richter bald beantworten müssen.

Schülervertreter aus zahlreichen Städten Baden-Württembergs drohen mit Klagen gegen das Land, sollten die bevorstehenden Abschlussprüfungen nicht abgesagt werden. Abschlussnoten sollten stattdessen aus den vor Beginn der Pandemie erbrachten Leistungen gebildet werden, schlugen mehr als 65 Schülersprecher am Montag in einer Mitteilung vor. Nur so könnten Gesundheit und Gerechtigkeit im Schulsystem gewährleistet werden. Ein Schulleiter befürchtet aber bei einem «Not-Abschluss» Nachteile für die Schüler.

Der Stuttgarter Rechtsanwalt Engin Sanli unterstützt die Initiative «Abschluss umdenken!» und erläuterte, Schüler könnten wegen beeinträchtigter Vorbereitungsmöglichkeiten oder mangelhaften Infektionsschutzes vor und während der Prüfungen Rügen aussprechen. Deshalb könne es zu Klageverfahren kommen. Die Richter müssten dann entscheiden, ob die Prüflinge zum Beispiel ihr normales Leistungspotenzial wegen Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus nicht abrufen konnten.

Die Schülervertreter wiesen darauf hin, dass etliche Schüler wegen finanzieller Notlagen ihrer Familien und aus Sorge um Angehörige aus Risikogruppen unter Schlaf- und Konzentrationsproblemen litten. Fernunterricht benachteilige Schüler aus einkommensschwachen Familien, weil ihnen die technische Ausrüstung und ein geeignetes Lernumfeld fehlten. Die Zusicherung von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), die Pandemie werde für die Schüler keine Nachteile bringen, sei eine Farce.

Der Leiter des Alexander-Fleming-Gymnasiums in Stuttgart, Anton Metz, hält die Forderung der Schülervertreter seiner Schule für «keine gute Idee». Das wäre der erste Jahrgang seit dem Zweiten Weltkrieg mit einem «Not-Abschluss», sagte er am Montag. «Das würde die jungen Menschen in den ersten Jahren nach dem Abschluss stigmatisieren.»

Er zeigte sich überzeugt, dass die Prüfungen inhaltlich und hinsichtlich des Infektionsschutzes machbar seien. Die Abstandsregeln seien dank ausreichender Räumlichkeiten in seiner recht modernen Schule ebenso einzuhalten wie die Hygienevorgaben. Inhaltlich gebe es für die Korrektur Spielräume bei der Punktevergabe.

Zwar habe man die Schüler während der fünf Wochen ohne Präsenzunterricht online betreut. Doch sei dies nicht für alle Schüler die geeignete Methode, weil sie ein hohes Maß an Disziplin verlange, sagte Metz.

Gymnasium in Dormagen schließt nach nur zwei Tagen wieder

Nach nur zwei Tagen Schulbetrieb schließt ein Gymnasium in Dormagen wieder. Der Grund: die Mutter eines Schülers sei am Freitag positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das sagte ein Sprecher des Rhein-Kreises Neuss am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die «Rheinische Post» berichtet. Bei dem Schüler selbst sei der Test aber negativ ausgefallen.

Wie der Sprecher weiter sagte, habe sich die Schulleitung dennoch mit dem privaten Träger des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden in Dormagen auf den Schritt geeinigt. Da der Test beim Schüler negativ war, sei es nicht notwendig, die übrigen Mitschüler zu testen.

Seit Donnerstag sollte der Abiturjahrgang der Schule nach der wochenlangen Pause wegen der Coronavirus-Pandemie eigentlich wieder in der Schule unterrichtet werden. Dies geschehe nun digital. Wie lange das Gymnasium geschlossen bleibt, ist noch nicht bekannt.


27.04.2020 8.00 Uhr

Anwältin rät: Rügen gegen Abitur-Prüfungen bereits vorher einlegen

Rügen und Einsprüche gegen Abitur-Prüfungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sollten bereits vor den schriftlichen Prüfungen beziehungsweise während der Prüfungen aktenkundig bei der Aufsicht eingelegt werden. Dazu rät die Dresdner Fachanwältin für Verwaltungsrecht mit Schwerpunkt Schul- und Prüfungsrecht, Veronika Wiederhold. Anlaufstellen sind die Schulen selbst oder, wie in Sachsen, das Landesamt für Schule und Bildung, wo extra eine Vermittlungsstelle eingerichtet wurde.

Eine generelle Prüfungsverweigerung geschehe mit sehr großem Risiko. Wenn im Vorfeld das Absolvieren der Prüfung allerdings nachweisbar gegenüber der zuständigen Prüfungsbehörde gerügt und die Prüfung ausdrücklich nur unter Vorbehalt absolviert wurde, könne dann die Frage im Rahmen einer Prüfungsanfechtung geklärt werden.

Im Fall einer Maskenpflicht sollte diese nach Meinung von Wiederhold im besten Fall noch vor der Prüfung nachweisbar moniert werden. Schüler mit Vorerkrankungen wie Asthmatiker sollten auch über die Beantragung eines Nachteilsausgleichs nachdenken.

Die Schule für Abschlussklassen startet wieder

Es geht wieder los: In Bayern dürfen die Abschlussklassen wieder zur Schule gehen. Mindestabstand und kleine Klassen werden den Alltag prägen. Normalität ist noch lange nicht in Sicht.

Nach der Zwangspause wegen der Corona-Krise, beginnt für einige Klassen am Montag wieder die Schule mit Präsenzunterricht. Los geht es im Freistaat zunächst für die Schüler, bei denen ein Abschluss ansteht - also Abitur, Mittlere Reife, Qualifikation oder ein berufsbildender Abschluss. Laut Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) kehren damit 14 Prozent der Schüler wieder in die Schule zurück.

Trotz der schrittweisen Öffnung wird es aber wohl erstmal keinen regulären Unterricht geben. Spezielle Stundenpläne, kleine Klassen, Hygiene- und Abstandsregeln - all das wird die Lern- und Lehratmosphäre ab Montag beeinflussen. Der Fokus liegt außerdem klar auf den Kern- und Prüfungsfächern, alles andere soll nur nach Möglichkeit unterrichtet werden. Klassischer Sportunterricht? Fehlanzeige! Für Schüler, die etwa Sport im Abitur haben, gibt es laut Kultusministerium zunächst nur Theorieunterricht.

Vor maximal 15 Schülern pro Klasse soll der Unterricht stattfinden. So könne in den Klassenzimmern einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Schülern gewährleisten werden, sagte Piazolo, als die Maßnahmen beschlossen wurden. Eine Maskenpflicht besteht nicht. Dennoch empfiehlt der Minister, Masken in bestimmten Situationen zu tragen - etwa bei der Ankunft im Schulgebäude oder dem Toilettengang. Dafür will das Kultusministerium Lehrern und nach Möglichkeit auch Schülern entsprechende Mund-Nasen-Masken stellen.

Frühestens am 11. Mai sollen dann diejenigen Jahrgänge wieder in die Schulgebäude zurückkehren, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen. Alle anderen Jahrgangsstufen einschließlich der Grundschulklassen müssen zunächst zuhause bleiben.

Lernen mit «Hygieneplan Corona» - Schulen öffnen wieder

Neben dem Stundenplan gelten an Hessens Schulen von Montag an vor allem der «Hygieneplan Corona» und seine strengen Regeln im Kampf gegen das Virus.

Sechs Wochen nach den Corona-bedingten Schulschließungen in Hessen läuft der Unterricht ab heute (Montag) wieder an. Zunächst sollen rund 110 000 Schüler der Abschlussjahrgänge zurück in die Klassen kommen. Eine geplante Öffnung der Schulen auch für die 4. Klassen der Grundschulen war am Freitag kurzfristig vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel gekippt worden. Die Rückkehr der ersten Jungen und Mädchen stellt die Schulen vor große Herausforderungen, denn es gelten strenge Regeln.

DER HYGIENEPLAN CORONA

Neun Seiten umfasst der «Hygieneplan Corona», den das Kultusministerium in Wiesbaden herausgegeben hat - plus ein Anhang zum Tragen von Masken. Das Ministerium hatte rund 750 000 Schutzmasken zum Schulstart beschafft. Da auch in der Schule die Abstandsregel von eineinhalb Metern gilt, sei das Tragen von Masken zwar nicht erforderlich, werde aber selbstverständlich zugelassen, hatte Lorz erklärt.

HYGIENE-UNTERRICHT

Laut Hygieneplan werden die Lehrer aufgefordert, das Thema Corona umfangreich im Unterricht zu behandeln und alle Regeln genau zu erklären. Dabei sollte es auch um das richtige Händewaschen und um die Nies- und Husten-Etikette gehen. Sollte ein Schüler in der Schule Krankheitssymptome zeigen, dann muss er sofort in einem Raum abgesondert und von den Eltern abgeholt werden.

KEIN SPORTUNTERRICHT WEGEN CORONA

Wegen der Ansteckungsgefahr darf es derzeit keinen Sportunterricht geben. Davon unberührt bleiben jedoch die praktischen Abiturprüfungen in dem Fach. Im Musikunterricht darf nicht gesungen werden. Fachunterricht darf in den dafür vorgesehenen Räumen und Werkstätten stattfinden - solange dies keine Küchen sind.

SICHERE PAUSEN

Die Abstandsregeln gelten nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch in den Pausen. Das Kultusministerium hatte versetzte Pausenzeiten angeregt, damit nicht alle gleichzeitig auf dem Schulhof sind. Außerdem sollen die Lehrkräfte die Zugänge zu den Toilettenanlagen kontrollieren und die Zahl der gleichzeitigen Besucher beschränken.

SICHER IM LEHRERZIMMER

Der Hygieneplan weist darauf hin, dass die Abstandsregeln selbstverständlich auch im Lehrerzimmer und in der Teeküche gelten. Konferenzen sollten auf das notwendige Maß begrenzt werden. Wenn möglich, sollte alles per Video- oder Telefonschalte besprochen werden. Elternabende dürfen nur abgehalten werden, wenn sie unabdingbar sind.

 

26.04.2020 22.45 Uhr

Kultusminister beraten über Schulöffnungen - Maskenpflicht startet

Die Kultusminister der Bundesländer beraten an diesem Montag (16.00 Uhr) über das weitere Vorgehen bei der Öffnung von Schulen in der Corona-Pandemie. Sie stimmen sich abschließend über ein gemeinsames Konzept ab. Unklar ist, ob die Minister einen Plan vorlegen, wie es für diejenigen Klassenstufen weitergeht, für die es bisher noch keine Rückkehrperspektive an die Schulen gibt. Bereits vergangene Woche kehrten Tausende Jugendliche in vielen Bundesländern für Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen an die Schulen zurück - an diesem Montag kommt der nächste Schwung. Ab dem 4. Mai geht es in den meisten Ländern auch für die ältesten Grundschüler wieder los und für Schüler, die im nächsten Schuljahr ihren Abschluss machen.

Schulen öffnen in MV - Martin: Noch kein «ganz normaler Unterricht»

Der normale Schulalltag ist noch in weiter Ferne. Doch macht Mecklenburg-Vorpommern einen ersten Schritt dorthin. Am Montag öffnen die Schulen für Zehnt- und Zwölftklässler. Sie haben Abschlussprüfungen vor der Brust.

Mit der Rückkehr der Abschlussklassen leitet Mecklenburg-Vorpommern die Wiederöffnung der Schulen im Land ein. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) rief vor dem Schulstart am Montag zu Geduld und Rücksichtnahme auf. Wegen der anhaltenden Corona-Epidemie seien strenge Hygieneregeln zu befolgen und unter den neuen Bedingungen müsse sich der Schulbetrieb auch erst einspielen. «Keiner erwartet, dass der ganz normale Unterricht am Montag losgeht. Alle sollen die Gelegenheit haben, sich auf die neue Situation einzustellen», erklärte Martin. Wichtig sei, dass alle das Abstandsgebot und die Hygieneregeln einhielten.

Um die Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus einzudämmen, waren Mitte März im Nordosten neben Geschäften, Hotels, Gaststätten und Kitas auch die Schulen geschlossen worden. Unterricht wurde weitgehend über das Internet erteilt. Nun können erstmals wieder Schüler in ihre Schulen zurückkehren. Dies trifft laut Martin auf rund 20 480 Jugendliche zu, die die Mittlere Reife, das Abitur oder einen beruflichen Abschluss anstreben. Ihnen werde die Möglichkeit gegeben, sich in der Schule mit Hilfe der Lehrer auf ihre Prüfungen vorzubereiten.

Die Teilnahme an diesem Unterricht sei freiwillig. Lehrer müssen hingegen zum Dienst erscheinen, selbst wenn ein Familienmitglied zu Hause zur Corona-Risikogruppe zählt. Für die Klassenstufe 11 an Gymnasien und Gesamtschulen sowie die Klasse 12 an Abendgymnasien würden Konsultationen ermöglicht, hieß es. Später sollen auch andere Klassenstufen wieder zurückkehren. «Wir öffnen unsere Schulen schrittweise und behutsam», betonte Martin.

Lehrer-, Eltern- und Schülervertretungen hatten sich in der Vergangenheit auch kritisch zu Konzept und Umständen der Wiederöffnung der Schulen geäußert. Umstritten ist unter anderem, wann welche Klassenstufen wieder in den Schulalltag integriert werden sollen, ob unter den gegebenen Umständen Abschlussprüfungen überhaupt sinnvoll und nötig sind - und ob der Gesundheitsschutz ausreicht.

So sieht der Hygieneplan des Ministeriums nicht vor, die Schultoiletten mit Handdesinfektionsmitteln auszustatten. «Das hat uns überrascht. Das sieht in anderen Bundesländern anders aus», sagte der Vorsitzende des Landesverbandes Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck. «Sicherheit geht vor Eile», mahnte er. Die Bildungsgewerkschaft GEW zog in Zweifel, dass angesichts der personellen und baulichen Situation die Schulen in der Lage sein werden, wie angestrebt die Lerngruppen zu verkleinern, um so die Ansteckungsgefahr gering zu halten.

Laut Martin hat das Bildungsministerium in einem Schülerbrief an die Jugendlichen, für die am Montag die Schule startet, die geltenden Verhaltensregeln für den Schulbesuch während der Corona-Pandemie aufgelistet. Dazu gehören regelmäßiges Händewaschen, das Einhalten des Mindestabstandes von 1,5 Metern und der Verzicht auf Umarmungen. «Bei Atemwegserkrankungen und Fieber bleiben Sie bitte zu Hause und konsultieren möglichst einen Arzt», heißt es in dem Brief zudem.

Martin forderte Schülerinnen und Schüler auf, sich einen Mund-Nasen-Schutz zu besorgen. «Alle brauchen einen Mund-Nasen-Schutz. Im Schulbus ist er Pflicht», erinnerte die Ministerin an die ab Montag landesweit geltende Maskenpflicht im Nahverkehr und beim Einkaufen. Der Schülerverkehr läuft den Angaben zufolge dann zumeist wieder nach den alten Plänen. Im Schulgebäude sollen Schutzmasken oder Tücher aber nur in den Pausen getragen werden, wenn sich viele Schüler auf den Fluren aufhalten.

Nach Angaben der Ministerin gilt ebenfalls ab Montag auch eine erweiterte Notfallbetreuung für Kinder. Wie in den Kitas würden auch an den Schulen Kinder aufgenommen, wenn ein Elternteil in einem Bereich der kritischen Infrastruktur tätig ist. Bisher gab es einen Betreuungsanspruch nur, wenn beide Eltern in einem solchen Bereich tätig sind.

26.04.2020 11.00 Uhr

Nach ersten Öffnungen - der weitere Fahrplan für die Schulen

Tausende Schüler sind vergangene Woche für Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen in die Schulen zurückgekehrt. Am Montag kommt der nächste Schwung. Die Kultusminister der Länder beraten, wie ein halbwegs geregelter Schulbetrieb mittelfristig wieder gelingen kann.

Ganz vorsichtig versuchen auch die Schulen in Deutschland nach wochenlangem Corona-Stillstand wieder zurück in eine Art Regelbetrieb zu finden. Doch allen ist klar: Vor den Sommerferien wird es für die elf Millionen Kinder und Jugendlichen keinen normalen Schulalltag wie vor der Krise mehr geben. Die für die Bildung zuständigen Kultusminister der Länder beraten an diesem Montag in einer Schaltkonferenz über das weitere Vorgehen. Der Präsident des Lehrerverbandes macht derweil einen Vorschlag, wie der neue Schulalltag aussehen könnte.

WIE IST DER STAND DER DINGE?

Es gibt einen groben gemeinsamen Fahrplan für die Schulen, aber naturgemäß verfahren die Bundesländer unterschiedlich, weil Bildung Ländersache ist. In der vergangenen Woche sind in rund der Hälfte der Länder die ersten Schüler in die Schulen zurückgekehrt, allerdings nur Abschlussklassen für Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen. Dem schließen sich ab diesem Montag weitere Abiturienten, Berufsschüler und Schüler an, die vor dem mittleren Schulabschluss stehen in so gut wie allen anderen Bundesländern.

Eine wichtige Wegmarke ist dann noch einmal der Montag in einer Woche: Ab dem 4. Mai geht es in den meisten Ländern auch für die ältesten Grundschüler wieder los und für Schüler, die im nächsten Schuljahr ihren Abschluss machen. Komplett still stand der Schulbetrieb auch im März nicht: In Hessen und Rheinland-Pfalz fanden während der Schulschließungen Abi-Prüfungen statt.

WIE WIRD DER SCHULBETRIEB PRAKTISCH ORGANISIERT? 

Dafür haben die Bundesländer ähnliche Hygienepläne erstellt. Vorgeschrieben sind unter anderem markierte Wegführungen und «Einbahnstraßen» auf den Schulfluren, geteilte Klassen, gestaffelte Pausen, zeitversetzter Unterricht und ein größerer Abstand zwischen den Tischen im Klassenraum. Zudem gibt es Einlasskontrollen an Schulklos, damit nicht zu viele Schüler auf einmal dort sind, verschärfte Putzvorgaben für Türklinken, Treppengeländer, Lichtschalter, Tische und Computertastaturen. Das Tragen von «Masken» bzw. eines einfachen Mund-Nase-Schutzes wird auf den Schulfluren und in den Pausen empfohlen, ist aber im Unterricht nicht Pflicht. Im Schulbus und in öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Weg zur Schule muss die Maske aber aufgesetzt werden.

WORÜBER BERATEN JETZT DIE KULTUSMINISTER DER LÄNDER?

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer hatten ihnen aufgetragen, bis zum 29. April ein Konzept vorzulegen, wie es an den Schulen weitergehen kann. Darüber stimmen sich die Kultusminister jetzt abschließend ab. Nach dpa-Informationen wollen sie sich am «Hygieneplan Corona für die Schulen in Rheinland-Pfalz» orientieren. In diesem Punkt ist also nicht viel Neues zu erwarten. Spannender ist die Frage, ob die Minister einen Plan vorlegen, wie es für diejenigen Klassenstufen weitergeht, für die es bisher noch keine Rückkehrperspektive an die Schulen gibt.

BESTEHT DIE GEFAHR, DASS EINIGE SCHÜLER FÜR DEN REST DES SCHULJAHRES ZU HAUSE BLEIBEN MÜSSEN? 

Ja, denn wegen der Abstandsregeln sind vollbesetzte Schulen wie vor Corona-Zeiten in diesem Schuljahr nicht mehr realistisch. Der Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, schlägt deshalb ein alternatives Vorgehen vor: Statt wie bisher geplant schrittweise komplette Klassenstufen zurück in die Schulen zu bringen, mit dem Risiko, dass einige Klassen das Nachsehen haben und nicht zum Zuge kommen, sollte es seiner Meinung nach ein «Schichtmodell» geben: Die Klassen werden geteilt und kommen abwechselnd für je eine Woche in die Schule und erhalten für die jeweils andere Woche Aufgaben für zu Hause. So könnten trotz Corona-Pandemie alle Schüler noch vor den Sommerferien wieder in die Schulen zurück.

Eltern könnten so auch Betreuungs- und Arbeitszeiten besser planen, Raum- und Stundenpläne müssten kaum geändert und Fächer nicht gestrichen werden, sagt Meidinger. Zudem würde die Gefahr gemindert, dass «sozial benachteiligte und leistungsschwache Kinder und Jugendliche sowie Schüler mit besonderem Förderbedarf» durch dauerhafte Abwesenheit abgehängt würden.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) kann sich auch vorstellen, dass es einen «Schichtwechsel» in dreitägigem Rhythmus gibt und dass dafür auch der Samstag als Unterrichtstag mit einbezogen wird. Man dürfe «keine Option ausschließen», sagte sie dem «Spiegel». Wenn Kinder abwechselnd zur Schule gingen, werde man womöglich den Samstag brauchen, um alle dreimal pro Woche zu unterrichten.

GIBT ES IM NÄCHSTEN SCHULJAHR WIEDER EINEN NORMALEN SCHULALLTAG?

Das erscheint im Moment unwahrscheinlich. Die Ausnahmesituation könnte noch monatelang bis ins nächste Schuljahr hinein anhalten. Deshalb will der Bund auch noch einmal 500 Millionen Euro bereitstellen. Das Geld sollen die Schulen in die Erstellung von Online-Lehrangeboten investieren und bedürftige Schüler sollen daraus einen 150-Euro-Zuschuss für den Kauf eines Laptops oder Tablets erhalten. «Dass der Regelbetrieb noch länger nicht wieder stattfinden kann, ist mittlerweile allen sehr bewusst», sagt Karliczek. Digitales Lernen werde in den nächsten Monaten immer wichtiger.

SIND SCHULEN EINE VIRENSCHLEUDER?

Im Internet hatten Nutzer unter dem Hashtag «Schulboykott» ihre Sorgen über die Gesundheit von Schülern und Lehrern und eine Weiterverbreitung des Virus auch an Familienmitglieder deutlich gemacht. Laut Robert Koch-Institut sprechen mehrere Faktoren dafür, «dass Kinder - wie bei anderen respiratorisch übertragbaren Erkrankungen - relevant zu einer Verbreitung von Covid-19 beitragen». In einem RKI-Bericht heißt es: «Auf Grund der verschiedenen und engen außerschulischen Kontakte ist zudem von einem Multiplikatoreffekt mit Ausbreitung in den Familien und nachfolgend in der Bevölkerung auszugehen.» Die schrittweise und ans Alter der Kinder angepasste Öffnung von Betreuungs- und Bildungseinrichtungen sei dennoch derzeit aus fachlicher Sicht vertretbar, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Freitag in Berlin.

Lehrerverbandspräsident: Rückkehr aller Schüler bis Sommer möglich

Trotz Corona-Pandemie könnten nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, alle Schüler noch vor den Sommerferien wieder in die Schulen zurückkehren. Meidinger schlägt dafür ein «Schichtmodell» vor: Die Klassen werden geteilt und kommen abwechselnd für je eine Woche in die Schule und erhalten für die jeweils andere Woche Aufgaben für zu Hause. Das wäre nach Meidingers Ansicht ein praktikables Modell, das auf der einen Seite die geltenden Abstandsregelungen berücksichtigt und auf der anderen Seite verhindert, dass ganze Klassenstufen auf absehbare Zeit zu Hause bleiben müssten.

«Die Politik wäre auf der Grundlage dieses Modells in der Lage, einen schrittweisen, nach Klassenstufen gestaffelten Zeitplan der Rückkehr von Schülern in den Präsenzunterricht vorzulegen, der es vermutlich allen Schülern ermöglicht, noch in diesem Schuljahr in die Schulen zurückzukehren», sagte Meidinger der Deutschen Presse-Agentur.

Ein solches Vorgehen hätte seiner Ansicht nach mehrere Vorteile: Eltern könnten Betreuungs- und Arbeitszeiten besser planen, Raum- und Stundenpläne müssten kaum geändert und Fächer nicht gestrichen werden. Zudem würde die Gefahr gemindert, dass «sozial benachteiligte und leistungsschwache Kinder und Jugendliche sowie Schüler mit besonderem Förderbedarf» durch dauerhafte Abwesenheit abgehängt würden.

Die bisherigen Pläne der Länder sehen anders aus: In Phase eins - die bereits läuft - kehren zuerst die Abschlussklassen in die Schulen für Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen zurück. In Phase zwei - ab 4. Mai - folgen diejenigen Klassen, die im kommenden Schuljahr Prüfungen ablegen und der oberste Jahrgang der Grundschulen. Was mit den anderen Klassenstufen passiert, ist bisher weitgehend unklar. Die für die Bildung zuständigen Kultusminister der Länder wollen am Montag in einer Schaltkonferenz über das weitere Vorgehen beraten.

Knapp tausend Schulen bei Lernplattform «Schulportal» dabei

Während für rund 110 000 Kinder und Jugendliche in Hessen am Montag (27. April) wieder die Schule beginnt, muss die überwiegende Zahl weiter von zu Hause aus lernen. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kündigte dazu für die Lehrer eine «Handreichung mit Empfehlungen» an. Darin soll es auch um die rechtliche Einordnung der «unterrichtsersetzenden Lernsituationen» gehen. So lautet die offizielle Bezeichnung, wenn Schüler wegen der Corona-Pandemie von ihren Lehrern Aufgaben geschickt bekommen, die sie von zu Hause aus bearbeiten sollen. Das betrifft zunächst noch rund 650 000 Schüler.

Helfen kann dabei das hessische Schulportal des Kultusministeriums, eine Lern- und Arbeitsplattform im Internet. Die Nutzung sei in den vergangenen Wochen bereits von 650 angebundenen Schulen - vor der Krise - auf aktuell 850 ausgeweitet worden, teilte ein Ministeriumssprecher in Wiesbaden mit. «Bis zur kommenden Woche werden 120 weitere Schulen angebunden, so dass dann 970 Schulen hessenweit mit Anwendungen des Schulportals arbeiten können.» Das Kultusministerium will bis zum Beginn des kommenden Schuljahres alle Schulen ans Schulportal anschließen - rund ein Jahr früher als geplant.

Seit Beginn der Krise werde die Plattform stark genutzt - dies sei in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar gewesen, erklärte der Sprecher. Dadurch sei das System zeitweise überlastet. Über das Schulportal bestehe aktuell noch keine Möglichkeit für Videokonferenzen. Teilweise stellten die Schulträger aber andere Hard- und Software zur Verfügung, die dies ermöglichten.


25.04.2020 18.30 Uhr

Hamburger Familiensenatorin: Fahrplan für Kita-Öffnung bis 30. April

Eltern hoffen auf die Öffnung der Kitas. Doch bis mindestens 6. Mai wird es bundesweit lediglich Notbetreuung in den Kindergärten und Krippen geben. Die Minister arbeiten an einem Beschluss für die Zeit danach. Dabei spielen auch wissenschaftliche Erkenntnisse eine Rolle.

Eine schrittweise Öffnung der Kindertagesstätten ist bis Anfang Mai bundesweit nicht absehbar. Dennoch erarbeiten die Familienminister der Länder bereits jetzt einen Fahrplan dafür. «Wir arbeiten das in diesen Tagen in den Ländern aus und werden den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten bis zum 30. April einen Beschlussvorschlag der Familienminister vorlegen», sagte Hamburgs Familiensenatorin Melanie Leonhard (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Die Politikerin ist bei den Planungen gemeinsam mit ihrem Amtskollegen aus Nordrhein-Westfalen federführend. «Wenn wir nicht wollen, dass die Eltern aus Verzweiflung irgendwann wieder die Kinder durch Großeltern und andere betreuen lassen, dann müssen wir dieses Thema jetzt intensiv abwägen.»

Auf ein konkretes Datum für eine Öffnung konnte und wollte Leonhard sich dabei noch nicht festlegen. «Mein Wunsch ist, dass es nicht mehr so lange dauert. Prävention hat im Moment Vorrang. Jede künftige Entscheidung muss aber am Wohl der Kinder Maß nehmen. Es geht darum, die Rechte von Kindern, die Bedürfnisse von Eltern und den Schutz der Gesundheit, auch von Erzieherinnen und Erziehern, in Einklang zu bringen.»

Das müsse auf einem Niveau passieren, «bei dem die Länder natürlich noch Möglichkeiten haben, das individuell auszugestalten.» Das sei wichtig, weil die Situation nicht nur in den Kitas einer Stadt, sondern auch in den Kommunen sehr unterschiedlich ist. Eine für alle Kitas gleichermaßen gültige starre Regel könne es deshalb nicht geben.

Bei den Absprachen für einen bundesweiten Beschluss spielt Leonhard zufolge auch die wissenschaftliche Debatte eine Rolle. So würden Kinder das neuartige Coronavirus möglicherweise nicht so stark übertragen wie zunächst angenommen. «Entscheidungen werden im Kontext ihrer Zeit getroffen. Seit wir die Einstellung der Kita-Regelbetreuung verfügt haben, hat sich die Erkenntnislage verändert und die getroffenen Entscheidungen müssen neu bewertet werden.» Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen sei es aber auch wesentlich, die Entwicklungschancen von Kindern und den Zugang zu früher Bildung zu berücksichtigen.

NRW-Familienminister Joachim Stamp forderte am Samstag ein «Signal, dass Kitas über die Notbetreuung hinaus schrittweise wieder öffnen können». Es gehe nicht nur um die Frage von Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern um die Vermeidung erheblicher Folgeschäden für die Kinder, sagte der FDP-Politiker der dpa. «Wir dürfen ihnen nicht dauerhaft den
Kontakt zu Gleichaltrigen und frühkindlicher Förderung
untersagen», mahnte Stamp. In den bisherigen Beratungen habe die Wirkung des Lockdown auf die Kinder eine völlig untergeordnete Rolle gespielt, beklagte der NRW-Minister.

Angesichts von regional völlig unterschiedlichen Verläufen der Virusinfektion müssten die Länder mehr eigene Gestaltungsmöglichkeiten für einen stufenweisen Aufbau der Wiedereröffnung der Kitas erhalten, forderte Stamp. «Dieser Weg muss verantwortungsvoll, mit vielen kleinen Schritten und Improvisation gegangen werden.» Der Start dazu müsse bei der nächsten Konferenz der Kanzlerin und der Ministerpräsidenten der Länder bereits am 30. April stattfinden und dürfe nicht weiter verschoben werden.

25.04.2020 10.45 Uhr

Kultusminister der Länder stimmen Hygiene-Anforderungen ab

Bei der schrittweisen Öffnung der Schulen streben die Bundesländer möglichst einheitliche Vorkehrungen für den Gesundheitsschutz an. Vor einer Telefonkonferenz der Kultusministerkonferenz (KMK) am kommenden Montag sagte die KMK-Vorsitzende Stefanie Hubig (SPD), der Gesundheitsschutz habe «selbstverständlich oberste Priorität». Die KMK werde die Endabstimmung eines Konzepts herbeiführen, das Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs für die weiteren Beratungen zur Verfügung gestellt werde. «Darin machen wir Empfehlungen von der Schülerbeförderung, über die einzuhaltenden Hygiene- und Abstandsregelungen, der Pausenorganisation bis hin zur Gruppengröße und den Unterrichtszeiten.»

Es sei das gemeinsame Ziel, ein möglichst einheitliches Vorgehen bei den Schulöffnungen zu erreichen, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin der Deutschen Presse-Agentur. Dabei müsse auch auf regionale Besonderheiten Rücksicht genommen werden. «Uns allen ist jetzt wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler sowie unser pädagogisches wie nicht-pädagogisches Personal unter sehr guten Bedingungen an die Schulen zurückkehren können.»

Am Montag startet die Schule - Probleme sind absehbar

In dieser Woche mussten schon die Abiturienten ran. Ab Montag startet der Schulalltag dann auch wieder für andere. Allerdings unter ungewohnten Voraussetzungen: Umarmungen sind tabu, Händewaschen ist Pflicht.

Am Montag öffnen Berlins Schulen wieder, Normalität in den Klassenzimmern ist aber noch nicht in Sicht. Zum einen geht es zunächst nur für die Zehntklässler an den Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen sowie für einen Teil der Schüler an beruflichen Schulen und Oberstufenzentren wieder los. Zum anderen gelten in Zeiten der Corona-Pandemie erschwerte Bedingungen für den Schulalltag.

Klassen werden geteilt unterrichtet, Schülerinnen und Schüler müssen Abstandsregeln einhalten - auf dem Pausenhof genau wie im Klassenzimmer. Vieles, was vor der Schulschließung vor rund fünf Wochen selbstverständlich war, geht jetzt nicht mehr: keine Umarmung zur Begrüßung, kein enges Zusammenstehen im Flur, kein direktes Nebeneinandersitzen.

Dafür gibt es deutlich mehr leere Stühle - Abschreiben wird schwierig, Unterricht im Schichtsystem zum Normalfall. An der Schule an der Jungfernheide in Spandau sollen die Lerngruppen aufgeteilt werden - notfalls auch so, dass eine Lehrkraft zwei Gruppen in zwei Räumen betreut, wie Schulleiterin Karin Stolle ihr Konzept am Donnerstag in der RBB-«Abschau» erklärte. Manche Schulen verteilen Klassen sogar auf drei verschiedene Räume. Das heißt, der Raumbedarf wird erheblich größer.

Richtig schwierig wird es, wenn in den Folgewochen die Schüler anderer Klassenstufen hinzukommen. «Dann müssen wir ganz neue Wege gehen», sagte Stolle. «Dann werden auch die Neunt- oder Zehntklässler nur ein- oder zweimal in der Woche hier sein können, weil wir nur 17 Klassenräume haben.» Schule wie gewohnt wird es noch lange nicht geben, dafür aber viel Unsicherheit, auch wenn die Absage der Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss aus Sicht vieler Schüler und Lehrkräfte eine große Erleichterung ist.

Auch um die Hygienestandards muss sich die Schulleiterin kümmern: Flüssigseife ist bereits in den Spendern, Desinfektionsmittel schon bestellt, aber noch nicht da. «Ich hätte auch erwartet, dass das Schulamt die Schulen in Spandau damit versorgt», kritisierte Stolle.

Für den Schulstart erwartet der Berliner Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Tom Erdmann, eine Reihe praktischer Probleme. Schrittweise wieder mit der Schule zu beginnen, sei sicher möglich, auch wenn es nach der weitgehenden Absage der Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss (MSA) keinen Grund mehr dafür gebe, mit dem Unterricht für alle zehnten Klassen zu starten, sagte Erdmann. «Ich hätte mir gewünscht, dass die Schulen selbst entscheiden, welche Schülerinnen und Schüler mit der Schule beginnen.»

Er gehe nicht davon aus, dass die Schulöffnung problemlos funktioniere. Es werde regelmäßig Verstöße gegen das Abstandsgebot geben. «Das muss man einkalkulieren. Und damit steigt auch das Infektionsrisiko. Und entsprechend wird man die Schulöffnungen nur sehr langsam vollziehen können, um die Chance zu haben gegenzusteuern.»

Die Senatsbildungsverwaltung hat inzwischen einen «Musterhygieneplan» mit einer Reihe von Regeln vorgelegt, die helfen sollen, die Infektionsgefahr einzudämmen. So soll es Sportunterricht nur noch in sehr eingeschränkter Form geben, Theaterproben gar nicht mehr und auch Singen im Chor ist tabu. «Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler so gut wie möglich schützen», sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Freitag - und die Lehrkräfte ebenfalls.

Der Hygieneplan macht detaillierte Angaben zum Thema Sauberkeit in Zeiten der Corona-Krise: So sollen die Reinigungskräfte zum Beispiel Türklinken und Fenstergriffe, Tische, Treppen- und Handläufe sowie Lichtschalter in stark frequentierten Bereichen mehr als einmal täglich säubern.

Schülerinnen und Schüler sollen sich regelmäßig die Hände mit Seife waschen, etwa vor und nach dem Essen, vor dem Aufsetzen und nach dem Abnehmen einer Schutzmaske, nach der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder nach Kontakt mit Treppengeländern und Türgriffen.

Außerdem hat die Senatsbildungsverwaltung nach eigenen Angaben über die Schulaufsicht weitere 5000 Liter Desinfektionsmittel beschafft, von denen 4000 Liter über die Bezirke verteilt werden und 1000 Liter für die Schulen in freier Trägerschaft zur Verfügung stehen. Bereits zugesagt waren 650 Liter.

Das Thema Hygiene ist auch aus Sicht von GEW-Chef Erdmann entscheidend: «Wir ermutigen Schulleiter, in deren Schulen die Reinigung nicht erfolgt und nicht genügend Seife vorhanden ist, die Schule nicht zu öffnen.»

 

24.04.2020 20.30 Uhr

Auch wenn Familienmitglied Corona-Risiko hat: Lehrer müssen in Schule

Die Wiederöffnung der Schulen in Mecklenburg-Vorpommern wirft viele Fragen auf. Jetzt stellte das Bildungsministerium klar, dass auch Lehrer mit Angehörigen zu Hause aus der Corona-Risikogruppe unterrichten müssen. Dennoch bleibt das Personal knapp.

Im Unterschied zu Schülern müssen Lehrer auch dann in die Schule, wenn ein Familienmitglied zu Hause zur Corona-Risikogruppe zählt. Das hat das Bildungsministerium am Freitag klargestellt. Die Beschäftigten seien aus eigener Veranlassung ein Dienstverhältnis eingegangen, hieß es. Bei Schülern sehe das anders aus. Deren Schulpflicht stehe in einem stetigen Spannungsverhältnis zum Erziehungsrecht der Eltern. Schülern können nach der Möglichkeit zur Rückkehr in die Schule auf Antrag weiter zu Hause Fernunterricht erhalten, wenn ein Haushaltsangehöriger zur Corona-Risikogruppe gehört.

Lehrer hingegen sollen laut dem Hygieneplan des Bildungsministeriums nur dann bis Schuljahresende nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden, wenn sie selbst Vorerkrankungen haben, die einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Krebs, Diabetes und Herzleiden. Über 60-Jährige und Schwangere können freiwillig im Präsenzunterricht arbeiten.

Wie der NDR unter Berufung auf das Bildungsministerium berichtete, gehört etwa ein Drittel aller Lehrer aufgrund des Alters oder wegen Vorerkrankungen zur Corona-Risikogruppe. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) sprach in diesem Zusammenhang von einer großen Herausforderung. «Wir haben weniger Lehrkräfte vor Ort. Wir brauchen mehr Räume, weil wir Lerngruppen trennen - das bedeutet, wir brauchen für eine Klasse vielleicht zwei Lehrer, manchmal sogar mehr», sagte sie dem NDR. Daher könnten nicht alle Schüler zu allen Zeiten in den Schulen sein und der Unterricht werde auch nicht in der gewohnten Weise stattfinden können.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte unterdessen, den freiwilligen Einsatz von Lehrkräften eindeutig zu regeln und verwies auf eine Vielzahl von Anfragen dazu. «Wir befürchten, dass es hier zu einem hohen Druck bei den Betroffenen kommt und diese sich, trotz berechtigter Sorge um ihre Gesundheit, zum Präsenzdienst melden», heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Der zwischenzeitlich zurückgezogene Vordruck des Ministeriums habe keine Einschränkungen von Tätigkeiten und auch keine Widerrufsmöglichkeit zur Freiwilligkeit vorgesehen. Beides aber müsse möglich sein, wenn sich jemand freiwillig zum Präsenzdienst meldet, betonte der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm. Die GEW empfahl Angehörigen von Risikogruppen ausdrücklich, sich mit dem Hausarzt oder einem Facharzt über einen freiwilligen Einsatz in der Schule zu beraten.

Schulen dürfen die Zahl der Klassenarbeiten verringern

Berlins Schüler müssen bis zu den Sommerferien wegen der Coronakrise weniger Arbeiten schreiben als ursprünglich vorgesehen. Das geht aus einem Schreiben der Senatsbildungsverwaltung an die Schulleitungen zum Thema «Leistungsbewertungen in der Zeit nach den Schulschließungen» hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

So soll zum Beispiel in den siebten bis zehnten Klassen in jedem Unterrichtsfach eine Klassenarbeit weniger geschrieben werden als bisher verpflichtend war. Wenn es zwingende organisatorische Gründe dafür gibt, kann auf die noch zu schreibenden Klassenarbeiten auch komplett verzichtet werden. Die Entscheidung darüber soll die Schulleitung treffen.

Die beim Lernen zu Hause in den vergangenen Wochen erbrachten Leistungen können die Lehrkräfte als Hausaufgaben oder als schriftliche Teile von Projektarbeiten werten und somit in die Benotung einbeziehen. Berlins Schulen sind seit dem 23. März geschlossen und sollen ab Montag schrittweise wieder öffnen.

Weiter heißt es in dem Schreiben: «Hinsichtlich der Leistungsbewertung muss der Grundsatz gelten, dass sich Kinder durch die Bewertung der beim Lernen zu Hause erbrachten Leistungen gegenüber dem ersten Halbjahr 2019/2020 nur verbessern und keinesfalls verschlechtern dürfen.» Das sei notwendig, um eine Benachteiligung von Schülern durch die unterschiedlichen Lebensumstände der Kinder zu vermeiden.

Ähnliche Regeln gibt es auch für die Grundschulen. Dort soll beispielsweise in jedem Fach, in dem Klassenarbeiten vorgesehen sind, im zweiten Schulhalbjahr nur eine Arbeit pro Fach geschrieben werden.

Lehrerverband kritisiert mangelnde Hygiene an Schulen

Der Verband niedersächsischer Lehrkräfte hat den Hygieneplan des Kultusministeriums zur Wiederaufnahme des Unterrichts an den Schulen kritisiert. Ein sicherer Schulstart am Montag sei damit nicht zu gewährleisten, sagte der Vorsitzende des Verbands VNL/VDR, Torsten Neumann, am Freitag. An zahlreichen Schulen seien die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus «beim besten Willen in dieser kurzen Zeit» nicht umsetzbar gewesen.

«Es gibt Schulen, die in den Klassenzimmern gar keine Waschbecken mehr haben», sagte Neumann. «Von warmem Wasser selbst auf Toiletten können die meisten Schulen nur träumen.» Den Verzicht auf Mund-und-Nasen-Bedeckungen für Schüler und Lehrer im Hygieneplan bezeichnete er als «nicht durchdacht».

Das Kultusministerium hat eigene Hygienepläne der Schulen mit einem landesweiten Rahmenplan zur Eindämmung des Virus ergänzt. Eine Maskenpflicht ist nicht vorgesehen und kann dem Ministerium zufolge auch nicht eigenverantwortlich von den Schulen angeordnet werden.

Viertklässler dürfen doch nicht zurück an die Schulen

Ab Montag sollte Hessen einen weiteren Schritt Richtung Normalität machen - aber die Teilöffnung der Schulen läuft alles andere als rund.

Kurz vor knapp stoppte ein Gericht die geplante Rückkehr der vierten Kassen ab dem kommenden Montag. Medizin-Studenten sollen helfen, die Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen. Die letzten Urlaubsrückkehrer sind in Frankfurt gelandet. Und leere Stühle stehen für die Umsatzeinbußen in der Gastronomie. Was wichtig war beim Thema Corona im Überblick.

SCHULEN

Am Montag (27. April) beginnt schrittweise wieder der Unterricht an Hessens Schulen. Die Vorbereitungen laufen seit Tagen auf Hochtouren. Viele Eltern, Schüler und Lehrer fühlen sich von der Landesregierung schlecht informiert und allein gelassen. Zunächst sollen die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen zurückkehren. Doch für die Schüler an den vierten Klassen in Hessen wird der Unterricht nicht wie ursprünglich geplant am Montag wieder aufgenommen, wie das hessische Kultusministerium am Freitag mitteilte. Zuvor hatte der Verwaltungsgerichtshof des Landes die Schulpflicht für Viertklässler an Grundschulen in der Corona-Pandemie vorläufig außer Kraft gesetzt.

INFEKTIONEN

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen hat sich am Freitag in Hessen auf 7796 erhöht. Das waren 157 Fälle mehr als am Vortag. Die Zahl der Todesfälle stieg um 13 auf 301. 865 Covid-19-Patienten lagen zuletzt in hessischen Krankenhäusern (Stand Donnerstag). 225 von ihnen waren Klose zufolge beatmungs- und intensivüberwachungspflichtig. Derzeit gibt es laut Sozialministerium 889 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern.

LEHRER

Jede fünfte Lehrkraft an hessischen Grundschulen kann in der Corona-Pandemie voraussichtlich nicht im Präsenzunterricht an den Schulen eingesetzt werden. Diese Lehrerinnen und Lehrer gehörten entweder selbst zu einer Risikogruppe oder lebten mit Menschen aus einer Risikogruppe zusammen, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Die Notbetreuung an Schulen und Kitas darf künftig auch für Kinder von Lehrern in Anspruch genommen werden.

KINOS

Die hessische Filmförderung stellt für die Kinos 500 000 Euro zusätzliche Soforthilfe bereit. «Durch die Pandemie werden die Kinos vor ganz besondere Herausforderungen gestellt», sagte Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Grüne). «Wir alle merken, wie uns das vielfältige Kulturangebot in diesen Zeiten fehlt und wünschen uns, dass wir bald wieder Museen, Theater, Konzerte und auch Kinos besuchen können.»

GASTRONOMIE

Mit leeren Stühlen haben Gastwirte auf die kritische Lage von Gaststätten und Hotels in der Corona-Krise aufmerksam gemacht. An der bundesweiten Aktion am Freitag beteiligten sich nach Kenntnis des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Betriebe in Frankfurt und Rüdesheim. «Wir müssen leider davon ausgehen, dass nicht alle Betriebe die Krise überstehen werden», sagte die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Dehoga Hessen, Kerstin Junghans.

MASKEN

In Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr muss in ganz Hessen von Montag an eine sogenannte Alltagsmaske getragen werden. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) stellt ab Montag mehrere hunderttausend Einwegmasken. Sie sollen an rund zwei Dutzend Standorten ausgegeben werden. Die Stadt Bad Homburg kippte nach Protesten aber die geplante Maskenpflicht für die Fußgängerzone in der Innenstadt.

HILFEN

Bei kleineren hessischen Unternehmen bestehen Informationslücken zu den verschiedenen Hilfen in der Corona-Krise. Einer Umfrage der hessischen Industrie- und Handelskammern zufolge kannte jede vierte Firma nur den Soforthilfe-Topf, nicht aber weitere Unterstützungsmöglichkeiten. 81 Prozent haben bereits Soforthilfe beantragt oder haben dies vor, teilte der Hessische Industrie- und Handelskammertag (HIHK) mit.

URLAUBER

Gut fünf Wochen nach Beginn der Rückholaktion der Bundesregierung ist die vorerst letzte Maschine der «Corona-Luftbrücke» in Frankfurt gelandet. Der vom Auswärtigen Amt gecharterte Flieger kehrte am Freitagmorgen aus dem südafrikanischen Kapstadt zurück. Insgesamt waren um die 240 000 Menschen aus verschiedenen Ländern zurückgekehrt.

GESUNDHEITSÄMTER

Die Gesundheitsämter in Hessen bekommen mehr Personal, um die Kontaktpersonen von Corona-Patienten zu ermitteln. Infektionsketten nachzuverfolgen bleibe «ein wichtiger Baustein zur Minimierung der Neuinfektionen», sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Freitag in Wiesbaden. 40 sogenannte Containment-Scouts sind für Hessen vorgesehen. Sie sollen voraussichtlich ab Mitte Mai beginnen.

BUSSE UND BAHNEN

Busse und Bahnen in Hessen fahren langsam ihr Angebot wieder hoch. Die Verkehrsunternehmen kehrten «nach und nach zum regulären Fahrtenangebot zurück», berichtete der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) am Freitag. Wegen der Corona-Pandemie hatten viele Anbieter die Zahl der Fahrten reduziert.

Appell an Abiturienten: Hygieneregeln einhalten

Die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) hat angesichts der kommenden Abiturprüfungen an das Verantwortungsbewusstsein der Prüflinge appelliert. Diese trügen die Verantwortung dafür, die notwendigen Hygieneregeln einzuhalten, schrieb sie in einem am Freitag veröffentlichten Offenen Brief. «Nach allem, was wir jetzt wissen und geplant haben, können wir die Durchführung der Abiturprüfungen verantworten.» Ein Verzicht auf die Prüfungen wäre ungerecht gegenüber etwa denjenigen gewesen, die sich vorbereitet hätten. Die Abiturprüfungen beginnen am 20. Mai.

Gewerkschaft warnt vor Gefahr von Infektionen an Schulen

Die Schulen in Brandenburg müssen nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) besonders strikt auf die Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus achten. GEW-Landeschef Günther Fuchs sprach am Freitag von einer Gratwanderung, die Schulen schrittweise wieder zu öffnen. «Der Schutz der Gesundheit muss weiterhin absoluten Vorrang vor der schnellen Wiedereröffnung der Bildungseinrichtungen haben.»

«Es muss verhindert werden, dass unsere Schulen, Kitas und Horte zu neuen Hotspots der Pandemie werden.» Die Abstands- und Hygieneregeln müssten konsequent eingehalten werden, unterstrich Fuchs.

Am kommenden Montag (27.4.) können Schüler, die die Fachoberschulreife oder Erweiterte Berufsbildungsreife machen wollen, wieder zum Unterricht kommen. Das gilt für die zehnten Klassen an Ober- und Gesamtschulen, Gymnasien und bestimmten Förderschulen. Ab 4. Mai beginnen die sechsten Klassen der Grund- und Förderschulen, die neunten Klassen von Ober- und Gesamtschulen, Gymnasien und Förderschulen, die elften der Gymnasien und die zwölften Klassen der Gesamtschulen.

Wenn der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann etwa im Schülerverkehr, soll Mund- und Nasenschutz getragen werden wie Stoffmasken oder Tücher. In Grundschulen werden Klassen in der Regel auf zwei Räume verteilt, an weiterführenden Schulen soll tageweise gewechselt werden.

Schulsenator Rabe will Hamburgs Schulen behutsam öffnen

Ab Montag dürfen Schüler, die vor Prüfungen stehen, wieder in die Schule. Schulsenator Ties Rabe sieht die Schulen gut vorbereitet. Er hofft, dass bald auch andere Klassenstufen folgen können.

Schulsenator Ties Rabe (SPD) will Hamburgs Schulen behutsam wieder öffnen. «Meine Sorge ist schon, dass wir viele Schülerinnen und Schüler zuhause überfordern», sagte Rabe am Freitag dem Sender NDR 90,3. «Und dass wir auch nicht verlangen können von Eltern, dass sie jetzt alle plötzlich zum Chemielehrer oder zur Französischlehrerin geworden sind, die das alles begleiten können.» Er sei schon angetan davon, wie engagiert sich Hamburgs Eltern dieser Aufgabe stellen und wie Lehrer und Schüler offen mit den neuen Techniken umgehen. «Aber machen wir uns nichts vor: Das alles zusammen ist zwar ein großer Schritt, aber es wird das Lernen in einem Klassenverbund nicht ersetzen.»

Daher müsse man jetzt die Daumen drücken, dass die Krankheit nicht weiter eskaliert, «sondern wir die Chance haben, Schritt für Schritt auch andere Klassenstufen wieder in die Schule zu lassen». Sein Wunsch wäre es, dass nicht nur die Schüler der Abschlussklassen, sondern zumindest einen Tag in der Woche auch die anderen Schüler demnächst wieder an die Schule gehen können.

Der Schulbetrieb in Hamburg wird ab Montag (27. April) langsam wieder hochgefahren. Damit folgt Hamburg dem Beschluss der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin, zunächst die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen auf ihren Schulabschluss vorzubereiten. Ab dem 4. Mai sollen die 4. Klassen der Grundschulen, die 6. Klassen der Gymnasien sowie die Oberstufen von Stadtteilschule und Gymnasium folgen. Die Klassen werden in kleinere Lerngruppen aufgeteilt, die einen reduzierten Unterricht bekommen, der durch Fernunterricht zu Hause ergänzt wird.

Hamburg ist laut Schulsenator Ties Rabe gut auf die Öffnung der Schulen vorbereitet. «Ich habe schon den Eindruck, im Moment läuft das recht anständig», sagte Rabe mit Blick auf die Abiturprüfungen, die bereits in dieser Woche begonnen haben. Eine Maskenpflicht gibt es für Schüler nicht, das Tragen von Masken werde lediglich für den Schulweg und die Pausen empfohlen. «Wenn wir jetzt in den Schulen die Klassen halbieren und dann in einem Klassenraum zehn, elf Schüler sitzen, dann ist der Abstand so groß, dass die Maske hier nicht notwendig ist», sagte Rabe.

Für Kinder, die zu Hause keinen Laptop oder Zugang zum Internet haben, hofft Rabe bis zum Ende der Sommerferien 10 000 bis 15 000 Laptops zur Verfügung zu stellen. «Die Schritte sind eingeleitet», sagte Rabe. «Das Geld liegt schon in der Schulkasse.» Außerdem habe Hamburg die Schulen für die Kinder geöffnet, die zuhause keine Möglichkeiten haben, sich gut auf den Unterricht vorzubereiten. «Diese Kinder dürfen im Ausnahmefall auch an die Schulen kommen, um dort besser lernen zu können.» Das sei eine besondere Regelung, die jetzt auch verstärkt von den Schülern nachgefragt werde.

24.04.2020 7.45 Uhr

Umfrage: Fernunterricht setzt Eltern massiv unter Druck

Die Mehrheit der Eltern in Deutschland fühlt sich dem Fernunterricht ihrer Kinder in der Coronakrise auf Dauer nicht gewachsen. Das ist die zentrale Aussage einer am Freitag in Berlin veröffentlichten repräsentativen Umfrage von Infratest dimap, die von der gemeinnützigen Vodafone Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Fast drei Viertel (73 Prozent) der Eltern sehen es demnach kritisch, die Lernunterstützung zu Hause über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Fast die Hälfte (43 Prozent) meint, dass es für sie aktuell schwierig sei, die nötige Zeit zur Unterstützung des Lernens ihrer Kinder aufzubringen.

Die Schulen in Deutschland waren vor sechs Wochen geschlossen worden, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Nach den Osterferien durften in den meisten Bundesländern nur Schülerinnen und Schüler zu Abschlussprüfungen zur Schule kommen. Eine generelle Öffnung aller Schulen für sämtliche Kinder und Jugendliche ist derzeit noch nicht absehbar.

Die Umfrage ergab, dass die Eltern nicht nur mit den Belastungen im Alltag kämpfen müssen, sondern auch unter einem erhöhtem psychischen Druck stehen: So macht sich ein Großteil von ihnen (56 Prozent) Sorgen um die Bildungszukunft ihrer Kinder.

Unzufrieden ist die Mehrheit der Befragten, wie das Ersatzangebot gestaltet wird. Viele Schulen versendeten nur Lernstoff, böten aber wenig interaktive Lernformate an. «Digitalen Unterricht gibt es kaum in Deutschland: Nur 7 Prozent der Kinder nehmen täglich an digitalem Unterricht teil.» Zwar versorgten die meisten Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler per Mail, Homepage oder Lernplattform mit Unterrichtsmaterialien - bei der Bearbeitung sind diese mit ihren Eltern aber weitgehend auf sich alleine gestellt.

In der Befragung stellte sich heraus, dass sich besonders Eltern aus sozioökonomisch schwachen Haushalten Sorgen um Gesundheit, wirtschaftliche Lage und die Bildungszukunft ihrer Kinder machen: 63 Prozent der Eltern mit formal niedriger Bildung und 68 Prozent derer mit niedrigem Haushaltseinkommen äußern die Befürchtung, dass ihre Kinder den Anschluss an den Schulstoff verlieren.

Große Unterschiede gibt es auch bei der Einschätzung der eigenen Gefährdung: Ein Drittel aller Eltern mit formal niedriger Bildung äußert sehr große Angst vor einer Ansteckung durch Covid-19. Von den sozial besser gestellten Eltern mit formal hoher Bildung befürchten dagegen nur zwölf Prozent, dass sie an Covid-19 erkranken werden.

Schüler, Eltern und Lehrer blicken kritisch auf Schulöffnungen

Es soll ein Schritt zurück in die Normalität werden, aber an Hessens Schulen wird am Montag vieles anders sein als vor der Corona-Pandemie. Am Krisenmanagement des Kultusministeriums gibt es teils deutliche Kritik.

Unter strengen Hygieneregeln beginnt am kommenden Montag (27. April) schrittweise wieder der Unterricht an Hessens Schulen. Zunächst sollen die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen und die 4. Klassen der Grundschulen zurückkehren. In den Schulen laufen die Vorbereitungen seit Tagen auf Hochtouren. Viele Eltern, Schüler und Lehrer fühlen sich von der Landesregierung schlecht informiert und allein gelassen. Erst rund eine Woche nach der Ankündigung einer schrittweisen Öffnung verschickte das Kultusministerium ein Hygieneplan «Corona», es blieb ein Wochentag zur konkreten Vorbereitung. Wegen der Corona-Pandemie gab es seit 16. März keinen Präsenzunterricht mehr.

WELCHE CORONA-REGELN GELTEN?

Auch an den Schulen muss ein Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden. Das bedeutet unter anderem: Die Tische in den Klassenräumen werden auseinandergestellt, es sind deutlich weniger Schüler pro Raum zugelassen als sonst - höchstens 15. «Unter Beachtung dieser Regeln ist im Unterricht das Tragen von Masken daher nicht erforderlich, gleichwohl selbstverständlich zugelassen», teilte das Kultusministerium mit.

Mehrmals täglich muss laut Hygieneplan ausgiebig gelüftet werden. In allen Toilettenräumen sollen Flüssigseife und Einmalhandtücher bereitstehen. Lehrer, die älter als 60 Jahre sind, werden nur auf freiwilliger Basis für den Präsenzunterricht eingeteilt. Das gleiche gilt für Lehrkräfte aus Risikogruppen. Schüler mit bestimmten Vorerkrankungen oder mit engem Kontakt zu Menschen, die einer Risikogruppe angehören, sind nach ärztlichem Attest vom Schulbetrieb befreit.

Sofern es im unmittelbaren Umkreis der Schule Haltestellen für Schulbusse oder den ÖPNV gibt, sollen die Schulen dort für eine Aufsicht sorgen, damit Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. In Bussen und Bahnen gilt ab Montag in Hessen eine Maskenpflicht.

WAS SAGEN DIE ELTERN?

«Es ist eine Katastrophe», fasst der Vorstandsvorsitzende des Landeselternbeirates, Korhan Ekinci, die Situation zusammen. Die Schulen stünden vor einer Vielzahl von Problemen, etwa was die Hygiene- und Abstandsregeln angeht. Die mögliche Klassengröße von maximal 15 Schülern sei mit dem geforderten Abstand von eineinhalb Metern nicht vereinbar - «es sei denn, der Klassenraum ist 140 Quadratmeter groß». In der Praxis könnten meist nur sieben bis acht Schüler in einem Raum sitzen. Dadurch müssten jedoch zusätzliche Lehrer in der Betreuung eingesetzt werden, die allerdings die Klasse nicht kennen. «Außerdem zählen viele Kollegen zur Risikogruppe.»

Die Schulen hatten nach den Worten von Ekinci viel zu wenig Zeit, sich auf die Öffnung ab dem 27. April vorzubereiten. Mit Blick auf die 4. Klassen der Grundschulen sei diese Öffnung auch völlig sinnlos, da der relevante Stoff ohnehin an der weiterführenden Schule wiederholt werde. Der Beschluss der Landesregierung zur Schulöffnung sei «ganz weit weg von der Wirklichkeit», die Entscheidung sei ohne Rücksprache mit den Eltern und Praktikern vor Ort gefallen. Auch bei der Anfahrt mit dem Schulbus seien viele Fragen offen - etwa, wie die Abstandsregeln im Bus eingehalten werden können und ob ausreichend Busse auch zu verschiedenen Zeiten unterwegs sind, falls eine Schule im Schichtsystem unterrichten sollte.

WAS SAGEN DIE SCHÜLER?

Die Meinung in der Schülerschaft zu den Öffnungen ist nach den Worten des Landesschulsprechers Paul Harder gespalten. Viele hätten die Infektionsrisiken im Blick, etwa wenn sie selbst zu einer Risikogruppe gehörten oder mit besonders gefährdeten Menschen zusammen lebten. Auf der anderen Seite habe er schon von wachsenden Spannungen und auch Gewalt in Familien gehört, sagte Harder. Daher könne es auch gut sein, wenn es wieder mehr Abstand zwischen Eltern und Kindern gebe. Die Schüler hätten sich gewünscht, dass es schneller konkrete Vorgaben vom Land gegeben hätte. «Viele Schulen sind überfordert», sagte Harder. Es fehle an Personal, um in der kurzen Zeit alles umzusetzen. «Es kann sein, dass die Schulöffnungen voreilig waren», sagte der Schülersprecher. Lehrer und Schüler würden womöglich «als Testobjekte missbraucht», um die Auswirkungen einer Lockerung der Corona-Regeln betrachten zu können.

WAS SAGEN DIE LEHRER?

Viele Schulen halten nach Einschätzung der Lehrergewerkschaft GEW die Öffnung ab 27. April weder für sinnvoll noch zulässig. Es habe viel zu lange an konkreten Vorgaben von Seiten des Kultusministeriums und damit an Vorbereitungszeit gemangelt, kritisierte der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Tony Schwarz. Speziell die Grundschulen stünden unter einem enormen Druck. Vielerorts seien nur rund ein Drittel bis die Hälfte der Lehrerkräfte einsetzbar, da viele Kollegen und Kolleginnen etwa aus Altersgründen zur Risikogruppe zählten. Besonders prekär sehe es auch an den Berufsschulen aus: Hier besuchten bis zu 80 Prozent der Schüler eine Abschlussklasse. «Die Abstandsregeln sind dort nicht einhaltbar.»

Stühlerücken am Gymnasium - Schulstart in Corona-Zeiten

Den Anfang machen am Montag die Abschlussklassen an G8-Gymnasien und Berufsschulen. Eine Woche später geht es unter anderem auch für die Viertklässler an den Grundschulen wieder los.

Nach sechswöchiger Schließung fängt am kommenden Montag für zunächst 35 000 Jugendliche in Rheinland-Pfalz der Schulunterricht wieder an. Um die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu begrenzen, gelten dabei strenge Hygiene-Auflagen.

«Der Infektionsschutz und die Hygiene stehen an allererster Stelle», sagte der Schulleiter des Mainzer Frauenlob-Gymnasiums, Stefan Moos. Bis zur schriftlichen Abiturprüfung gibt es zwei oder drei Unterrichtstage. «Da können noch Fragen beantwortet und die Schülerinnen und Schüler so vorbereitet werden, dass sie beruhigt in die Prüfung gehen», erklärte Moos. Und für die weiteren Jahrgangsstufen gehe das «Home Schooling» weiter - «das ist auch eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe.»

Der Schulstart am kommenden Montag betrifft am Frauenlob-Gymnasium 70 Schülerinnen und Schüler der Abiturklassen. Zur Vorbereitung wurden Tische und Stühle in den Klassenräumen verschoben, um einen Abstand von mindestens 1,50 Metern sicherzustellen. So können in den Räumen bis zu zehn Schülerinnen und Schülern unterrichtet werden.

«Es ist jetzt Zeit, dass wir anpacken, dass wir gemeinsam diesen Schulstart gut gestalten», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Dieser stehe unter der großen Prämisse des Infektions- und Gesundheitsschutzes. Schule sei nicht nur Ort des Lernens und der Bildung, sondern auch Ort der Begegnung und des Miteinanders. Daher sei es auch «für diejenige Schülerinnen und Schüler, die jetzt noch nicht in die Schule kommen, ein bisschen bitter.»

Etwa 30 Prozent der Schüler werden zum 4. Mai wieder in der Schule sein. Am kommenden Montag starten nach Angaben des Bildungsministeriums rund 35 000 Jugendliche - zumeist Berufsschüler, die vor einer Prüfung stehen, und Abiturienten der Gymnasien mit achtjähriger Schulzeit (G8). Am 4. Mai folgen rund 130 000 Schülerinnen und Schüler, darunter 34 000 in den vierten Grundschulklassen, 26 000 an den Realschulen plus, 18 500 in Integrierten Gesamtschulen und 40 000 an Gymnasien. Bei den weiterführenden Schulen sind dies im wesentlichen die Jugendlichen ab der 9., 10. oder 11. Klasse.

Bei der Öffnung der Schulen sollen Klassen und Kurse in zwei Gruppen geteilt werden, die im Wochenrhythmus jeweils abwechselnd in der Schule und zuhause lernen. Damit werde die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude zusätzlich reduziert, sagte Hubig. Die genaue Aufteilung müsse sich nach den Gegebenheiten vor Ort richten, etwa nach der Größe von Klassenräumen.

«Es gibt Standards und die sind wichtig», sagte Hubig mit Blick auf den Hygieneplan für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs. Der Plan sieht etwa vor, dass in den Unterrichtspausen und im Schulbus eine Mund-Nasen-Maske getragen werden soll. «Im Unterricht ist das Tragen von Masken bei gewährleistetem Sicherheitsabstand nicht erforderlich», heißt es in dem Plan, der mit dem Gesundheitsministerium und den kommunalen Schulträgern abgestimmt wurde. Jede Schülerin und jeder Schüler erhält vom Land eine wiederverwendbare Maske, so hat es Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) versprochen. Auf den Masken ist der Hashtag «#wefightcorona» und das Landeswappen von Rheinland-Pfalz aufgedruckt.

Lehrer können abgehängte Kinder in die Schule bestellen

Abgehängte und schlecht erreichbare Schüler können ab dem 4. Mai in die Schule zur Betreuung in kleinen Lerngruppen bestellt werden. Es gebe einen ordentlichen Teil an Schülern, die man weder digital noch analog erreiche, erklärte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Donnerstag bei einer Sitzung des Bildungsausschusses in Stuttgart. «Da gibt es zum Teil noch nicht mal ein Handy.» Lehrer könnten Schüler, die sich schwer tun mit dem selbstständigen Lernen, ab Montag in die Schule bestellen. Für sie gelte die Schulpflicht - außer es handle sich um Schüler, die zur Risikogruppe gehörten.

Der Schulbetrieb im Südwesten soll ab dem 4. Mai stark eingeschränkt und schrittweise wieder aufgenommen werden. Begonnen werden soll mit Schülern, bei denen in diesem oder im nächsten Jahr die Abschlussprüfungen anstehen. Parallel dazu sollen kleine Lerngruppen eröffnet werden, kündigte Eisenmann an.

Ministerium: MSA-Prüfungen finden in Brandenburg statt

Anders als in Berlin werden in Brandenburg nach Angaben des Bildungsministeriums die Prüfungen der Zehntklässler für den Mittleren Schulabschluss (MSA) durchgeführt. Die schriftlichen Prüfungen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch erfolgten als zentrale Prüfungen. Damit werde der Beschluss der Kultusministerkonferenz umgesetzt, teilte das Ministerium am Donnerstag mit.

Zur Vorbereitung auf die Prüfungen sollen die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse am kommenden Montag (27. April) wieder mit dem Präsenzunterricht in der Schule beginnen. Die Schulen seien vom Ministerium mit einem Schreiben und Handlungsempfehlungen darauf vorbereitet worden.

In Berlin fallen die Prüfungen der Zehntklässler für den Mittleren Schulabschluss (MSA) hingegen in diesem Jahr weitgehend aus. So sollen die drei schriftlichen MSA-Prüfungen und die mündliche Prüfung aufgrund der besonders angespannten Situation an den Schulen abgesagt werden. Die ausstehenden Präsentationsprüfungen sollen aber stattfinden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Brandenburg hatte die Landesregierung davor gewarnt, die Schulen im Land zu schnell wieder zu öffnen. Sie sieht die Schulen aktuell nicht in der Lage, notwendige Maßnahmen des Gesundheits- und Infektionsschutzes umzusetzen. Der Brandenburgische Pädagogen-Verband sieht nach eigenen Angaben die Abiprüfungen als Gradmesser, ob Präsenzunterricht möglich ist.

Studie: Schüler arbeiten in Corona-Krise zu Hause eher wenig

Deutschlands obere Schul-Jahrgänge arbeiten in der Corona-Krise nach einer neuen Studie zu Hause eher wenig. Viele Schüler verbrächten nur wenig Zeit mit Aufgaben für die Schule, fand das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in einer Befragung von Jugendlichen der Sekundarstufe II heraus. Gleichzeitig machten sich viele Sorgen um ihre Leistungen. Die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit hatte 1000 Jugendliche aus acht Bundesländern online befragt.

Unter der Woche verbringt der Untersuchung zufolge mit 27 Prozent nur etwa jeder vierte Jugendliche täglich vier oder mehr Stunden mit schulischen Aktivitäten wie beispielsweise Hausaufgaben oder digitalem Unterricht. 35 Prozent wenden dafür zwei bis unter vier Stunden täglich auf. Bei 37 Prozent sind es weniger als zwei Stunden.

Die Befragten des Abiturjahrgangs geben mit 46 Prozent sogar noch häufiger an, weniger als zwei Stunden täglich für die Schule aufzuwenden. Dies könne allerdings daran liegen, dass durch Abitur-Verschiebung eine Unterbrechung der Vorbereitungen erfolgte, hieß es.

Der allergrößte Teil der befragten Jugendlichen empfängt der Studie zufolge mindestens einmal wöchentlich Lehrmaterialien von der jeweiligen Schule. Bei 47 Prozent der Befragten geschieht dies täglich, bei weiteren 47 Prozent zumindest einmal wöchentlich.

Der Kontakt zwischen Lehrern und den Jugendlichen finde über verschiedene Kanäle statt, die teils parallel eingesetzt werden. Vor allem Onlineplattformen und E-Mails werden von Seiten der Schulen genutzt. 45 Prozent der Schüler machen sich große oder sehr große Sorgen, dass sich die Schulschließungen negativ auf ihre Leistungen auswirken - Mädchen sind besorgter als Jungen.

500 Millionen Euro Corona-Hilfen für Schulen und Schüler

Die große Koalition will verhindern, dass bestimmte Schüler in Zeiten geschlossener Schulen und Homeschooling abgehängt werden. Helfen soll nun eine Art Laptop-Zuschuss. Die Schulen sollen zudem in Online-Lerninhalte investieren.

Die von Union und SPD vereinbarten 500 Millionen Euro Extra-Hilfsgelder für bedürftige Schüler und Schulen in der Corona-Krise sollen schnell fließen. Es liefen bereits Gespräche mit den Ländern darüber, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Donnerstag in Berlin.

Die Koalitionsparteien hatten in der Nacht zum Donnerstag bei einem Spitzentreffen vereinbart, ein «Sofortausstattungsprogramm» über eine halbe Milliarde Euro aufzulegen. Das Geld sollen die Schulen für die Erstellung von Online-Lehrangeboten nutzen. Außerdem sollen bedürftige Schüler einen Zuschuss von 150 Euro bekommen, für den Kauf eines Laptops oder eines anderen Gerätes für den Unterricht zu Hause.

Bildungsexperten und Lehrerverbände hatten seit Beginn der Schulschließungen davor gewarnt, dass bestimmte Schüler abgehängt werden könnten, wenn zu Hause keine Geräte wie Laptops, PCs oder Tablets vorhanden seien oder wenn Eltern sie nicht genügend in der außergewöhnlichen Lernsituation unterstützten.

Zwar wird in den Schulen jetzt allmählich der Lehrbetrieb wieder aufgenommen, an einen normalen Schulalltag mit allen Schülern ist wegen strenger Abstands- und Hygieneregeln aber voraussichtlich noch monatelang nicht zu denken. Digitales Lernen werde deshalb in den nächsten Monaten immer wichtiger, sagte Karliczek. «Dass der Regelbetrieb noch länger nicht wieder stattfinden kann, ist mittlerweile allen sehr bewusst.»

WER DIE 150 EURO ZUSCHUSS BEKOMMT, IST NOCH OFFEN

Für Schulpolitik sind in Deutschland die Bundesländer selbst zuständig. Über die Verteilung der Hilfsgelder kann der Bund daher nicht allein entscheiden. In Gesprächen mit den Ländern muss erst noch geklärt werden, welche Schüler Anspruch auf die 150 Euro erhalten sollen und wann und wie das Geld ausgegeben wird. «Wir müssen einen schnellen Weg finden, (...) dass wir recht zügig gewährleisten können, dass alle Kinder gut ausgestattet sind mit der Technik, die sie brauchen», sagte Karliczek.

KRITIK AN HÖHE DER ZUSCHÜSSE

Grundsätzlich wird das Corona-Hilfspaket für Schulen und Schüler zwar begrüßt, an der Höhe des geplanten Laptop-Zuschusses gibt es aber Kritik. Es sei blanker Hohn, anzunehmen, dass Eltern und Jugendliche, die sich bisher die Anschaffung eines digitalen Endgerätes nicht leisten konnten, dies mit 150 Euro könnten, sagte der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Ähnliche Kritik kam von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die baden-württembergische GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz sagte im SWR, 150 Euro reichten für den Kauf eines Tablets nicht, Eltern müssten etwas zuzahlen. In der gegenwärtigen Situation mit Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit sei aber meist kein Geld da. Moritz schlug stattdessen vor, dass die Schulen Leihgeräte ausgeben.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Margit Stumpp, sagte am Donnerstag: «Es ist zu begrüßen, dass nun auch die Bundesregierung anerkennt, dass das Homeschooling zu sozialen Verwerfungen führen kann und auch der Bund in der Verantwortung ist, für Chancengerechtigkeit zu sorgen». Die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen ohne digitale Endgeräte sei richtig, dürfe aber nicht alles sein. Auch Lehrkräfte müssten entsprechend fort- und weitergebildet werden.

DIE MEISTEN LEHRER NUTZEN KLASSISCHE ARBEITSBLÄTTER 

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung hatte kürzlich gezeigt, dass die meisten Lehrer während Schulschließungen vor allem auf klassische Arbeitsmaterialien statt auf neue digitale Formate setzen. Die große Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer von der Grundschule (79 Prozent) bis zum Gymnasium (90 Prozent) gab an, Aufgabenblätter zu nutzen.

Video-, Audio- oder Schreibkonferenzen im Netz wurden im Vergleich dazu nur von einem kleinen Teil der Lehrkräfte genutzt. Etwas populärer sind Erklärvideos, die bei gut jedem dritten Lehrer zum Einsatz kamen. Die meisten Lehrkräfte (69 Prozent) sehen Verbesserungsbedarf bei sich selbst, was den Umgang mit digitalen Lernformaten betrifft. Fast genauso viele (64 Prozent) sind der Ansicht, ihre Schule benötige eine bessere technische Ausstattung.

Unterricht geht ohne Maskenpflicht weiter - Prüfungen finden statt

Schüler und Lehrer können auch ohne einen Mundschutz zurück in die Schulen. Auch Desinfektionsmittel hält das Kultusministerium nur in Ausnahmefällen für ratsam. Für die Hygiene sei etwas anderes wichtig.

Der Schulunterricht in Niedersachsen wird in der kommenden Woche ohne eine Maskenpflicht für Schüler und Lehrer wieder aufgenommen. In den Pausen könne zwar ein Mund-Nase-Schutz getragen werden, dieser müsse aber selbst mitgebracht werden und werde nicht von der Schule gestellt, heißt es in einem Hygieneplan des Kultusministeriums vom Donnerstag. Das zehnseitige Papier zum Umgang mit dem Coronavirus soll schuleigene Hygienepläne ergänzen.

Im Unterricht ist das Tragen von Masken demnach nicht erforderlich, da der Sicherheitsabstand gewährleistet sei. Sicherstellen soll das unter anderem die Vorgabe, dass maximal 16 Schüler gleichzeitig in einen Klassenraum dürfen. Eine Ausnahme ist die Schülerbeförderung: Dort ist wie im gesamten Nahverkehr von Montag an eine Alltagsmaske Pflicht.

Neben dem Mindestabstand soll insbesondere gründliches Händewaschen Infektionen verhindern. Händedesinfektion ist hingegen nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Der Sportunterricht fällt weiter aus, da es derzeit keine Regelungen gebe, die den Infektionsschutz gewährleisteten.

«Mit dem Rahmenhygieneplan geben wir den Schulleitungen ein praxistaugliches Werkzeug beim schrittweisen Wiederhochfahren an die Hand», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. «Er ist die Grundlage für das Durchführen von Prüfungen und Unterricht unter Corona-Bedingungen.»

Tonne machte zudem deutlich, dass er trotz Kritik an der Durchführung der Abschlussprüfungen festhält. «Die Prüfungen werden unter strengen Hygienebedingungen stattfinden: In kleineren Gruppen und in größeren Räumen sowie in ausreichendem Abstand der Schüler untereinander», sagte er der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Donnerstag). Nach einer intensiven Vorbereitung sollten die Schülerinnen und Schüler auch die Chance haben, ihre Leistungen zu zeigen. Die Abiturklausuren werden vom 11. bis 30. Mai geschrieben, die Abschlussarbeiten der 9. und 10. Klassen beginnen am 20. Mai.

Am kommenden Montag kehren die Abschlussklassen in die Schulen zurück. Grundsätzlich gehe er davon aus, dass der Hygieneschutz eingehalten werden könne, betonte Tonne im Landtag, sagte aber auch: «Dass wir seitens der Schülerinnen und Schüler eine Debatte haben, dass sie besorgt sind, das gilt es ernst zu nehmen.» Absolventen, die zur Risikogruppe gehören, sollten die Prüfungen ablegen können, ohne mit anderen in Kontakt zu kommen.

Zuvor hatten Schüler und Schulleiter gefordert, die Prüfungen nur auf freiwilliger Basis anzubieten. Wer nicht zur Prüfung wolle, für den solle die bisherige Durchschnittsnote gelten. Tonne bezeichnete es hingegen als «merkwürdiges Signal, wenn Niedersachsen als einziges von 16 Bundesländern erklären würde, wir sehen uns nicht in der Lage, unter diesen herausfordernden Bedingungen ein Abitur zu schreiben».

23.04.2020 12.00 Uhr

Schulbeginn im Ausnahme-Modus: Erste Schüler wieder im Unterricht

Mundschutz, Desinfektionsmittel, Abstand - in NRW haben die ersten Schulen geöffnet: Etwas Alltag in der Corona-Krise. Es gibt aber viele Fragen, wie es weitergehen kann.

Der Ausnahme-Modus wird erst auf dem zweiten Blick sichtbar: Sechs Schüler und Schülerinnen in einem Klassenraum - sehr luftig an den Tischen im Raum verteilt. Auf dem Lehrerpult eine auffallend blaue Plastikflasche mit dem Sprühkopf - abgefülltes Desinfektionsmittel. Dazu eine Schachtel mit Einwegtüchern. Vor dem Unterricht hat jeder Schüler sein Pult mit Desinfektionsmittel gereinigt. Informatik-Lehrerin Sabrina Weiß hat aufgeschrieben, wer an welchem Tisch sitzt - damit im Ernstfall Infektionsketten nachvollziehbar sind. Dieser Donnerstag ist kein normaler Schultag in Nordrhein-Westfalen.

Fast sechs Wochen nach der landesweiten Schließung wegen der Corona-Pandemie hat für Tausende Prüflinge in NRW die Schule wieder begonnen - auch am Carolus-Magnus-Gymnasium (CMG) im Kreis Heinsberg. Die landesweit 90 000 angehenden Abiturienten können selbst entscheiden, ob sie wieder zur Schule zu kommen, weil sie nach den Osterferien ohnehin keinen Unterricht mehr gehabt hätten. Für Schüler, die vor anderen Abschlussprüfungen stehen, gilt dagegen Schulpflicht. An dem Gymnasium in Übach-Palenberg wollen etwa 70 von 80 Abiturienten am Unterricht teilnehmen. Ab dem 12. Mai stehen landesweit die Abiprüfungen an.

Tobias ist in dem Informatik-Kurs von Lehrerin Weiß der einzige, der einen Mund-Nasenschutz trägt. «Mein Vater und mein Bruder haben Asthma», sagt er. Für den 18-Jährigen ist es jetzt wichtig, vor den Prüfungen in den Unterricht zu kommen - das gibt ihm mehr Sicherheit, zumal der bisherige Online-Unterricht für die Abiturienten jetzt wegfällt. Sie haben zuhause in der Familie diskutiert, dann war klar, dass er in die Schule geht - allerdings mit aller Vorsicht.

Auch beispielsweise am Joseph-König-Gymnasium in Haltern nehmen am Morgen Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs an weit auseinandergestellten Tischen in den Kursräumen Platz. Im Gegensatz zu ihren Schüler-Kollegen in Übach-Palenberg tragen sie freiwillig Mund- und Nasenschutz. Das Schulministerium hatte im Vorfeld mit maximal 250 000 von insgesamt 2,5 Millionen Schülern gerechnet, die an diesem Donnerstag wieder in die Klassen kommen.

Und wenn es trotz aller Vorsicht den ersten Corona-Fall unter den Schülern am CMG im Kreis Heinsberg geben sollte? «Beim geringsten Zweifel mach ich den ganzen Laden dicht», lässt Schulleiter Hans Münstermann keinen Zweifel, was dann passiert - er würde jedenfalls bei der Bezirksregierung darauf dringen. Schließlich habe er die Verantwortung für die Gesundheit der Schüler. Letztlich auch für sich selbst: Münstermann ist 60 Jahre und gehört zur einer Corona-Risikogruppe. Zum Schulstart sind 20 Prozent seines Kollegiums nicht da. Unterrichten soll laut Schulministerium nur, wer nicht zu einer Risikogruppe gehört.

Kein Gewimmel von Kindern, keine Schüler, die bei dem schönen Wetter in der Pause nach draußen strömen: Noch wirkt das Schulgebäude in Übach-Palenberg recht verlassen. Wie der Betrieb laufen soll, wenn alle 650 Schüler während der Corona-Epidemie zurückkehren sollten - der Schulleiter hat noch keine Idee: Wegen der kleinen Gruppen würden die Klassenräume vorne und hinten nicht reichen. Genau so wenig das Personal: «Schichtbetrieb ist nicht drin», schließt er diese Option aus. Die beste Lösung in dieser Pandemie-Situation wäre für ihn die Fortsetzung des Online-Unterrichts: «Da haben wir viel Energie reingesteckt.» Das läuft aus seiner Sicht jetzt sehr gut.

Schülerin Annika Einerhand ist froh, dass nach den langen Diskussionen die Abiprüfungen stattfinden sollen - anders als etwa das Aktionsbündnis «Schulboykott NRW» fordert, das auf ein Abitur 2020 nach Durchschnittsnoten dringt. Annika will Medizin studieren und braucht dafür ein sehr gutes Abi. Bei den Prüfungen will sie jetzt noch ein paar zusätzliche Punkte rausholen. Gleich wird sie aus der Bibliothek rüber in den Leistungskurs gehen - nach sehr vielen Wochen.

«Erstaunlich ruhig und relaxed» - Erstmals wieder Schüler in Schulen

In Sachsen-Anhalt haben erstmals seit fast sechs Wochen die Schulen wieder für den Unterricht geöffnet. Zum Start am Donnerstag kehrten zunächst nur die Abschlussjahrgänge zurück. Sie sollen so die Möglichkeit bekommen, sich im direkten Austausch mit ihren Lehrkräften auf die anstehenden Prüfungen vorzubereiten, wie die Landesregierung argumentierte. Für die Rückkehr gelten wegen der Coronavirus-Pandemie viele Auflagen zu Abstand und Hygiene.

Im Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium in Wolmirstedt bei Magdeburg wurden die Schüler beispielsweise nur in kleinen Gruppen eingelassen. In einem Klassenraum saßen maximal acht Schülerinnen und Schüler, wie Schulleiter Carsten Koslowski sagte. «Wir haben diesen Tag von langer Hand vorbereitet.» Der Start sei «erstaunlich ruhig und relaxed» abgelaufen, berichtete Koslowski.

Das Gymnasium habe Pläne gemacht, damit jeder Lehrer jeden seiner Prüflinge bis Ende kommender Woche ein Mal unterrichtet. «Wir nennen das Kontaktwoche.» Die Schule hat auch schon Konzepte vorbereitet für den Fall, dass weitere Klassenstufen zurückkehren. «Ein Drittel des Unterrichts wäre in der Schule und zwei Drittel weiterhin zuhause», sagte Koslowski. So könnten alle Schüler in einem durchwechselnden System tageweise in der Schule sein.

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) will nach und nach mehr Klassenstufen in die Schulen zurückholen, wenn die Entwicklung der Infektionszahlen es erlaubt. Derzeit ist vorgesehen, dass ab 4. Mai die Viertklässler zurückkehren sowie die Jahrgänge, die nächstes Jahr ihren Abschluss machen.

Schutzmaßnahmen an Schulen - Landesschülerrat fordert Kontrollen

Der Landesschülerrat (LSR) Sachsen hat Kontrollen an Schulen gefordert, um zu prüfen, ob Corona-Schutzmaßnahmen ordnungsgemäß umgesetzt werden. Laut LSR werden die Hygienemaßnahmen und Schutzregelungen nicht überall umgesetzt. «Diese Inkonsequenz ist inakzeptabel», teilte Landesschülersprecherin Joanna Kesicka am Donnerstag mit. Gerade Abstandseinhaltung und Hygienevorschriften müssten unbedingt beachtet werden - und gegebenenfalls von Schulaufsichtsbehörden kontrolliert werden. «Sollten einzelne Schulen es partout nicht leisten können, die Vorgaben einzuhalten, braucht es für sie einen Sonderweg – bis hin zu einer Verlängerung der Schließung dieser Schule», sagte Kesicka weiter.

Seit Montag bereiten sich Abiturienten in Sachsens Schulen auf ihre Prüfungen vor, am Mittwoch öffneten die Schulen für Abschlussklassen anderer Schularten.

Kritik an Versetzung mit Fünfen und Sechsen auf dem Zeugnis

An der Versetzung der Schüler ungeachtet ihrer Zensuren in diesem Schuljahr gibt es Kritik aus der Opposition des Landtags. Wer mangelhafte Leistungen in mehreren Fächern habe, dürfe trotz Corona nicht automatisch versetzt werden, forderte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Simone Oldenburg, am Donnerstag. «Eine Versetzung muss immer begründet, nachvollziehbar und vergleichbar sein», betonte die Bildungspolitikerin.

Zuvor hatte bereits die AfD als größte Oppositionsfraktion die automatische Versetzung wegen der Corona-Krise kritisiert. Dies würde reihenweise Schulabbrecher und Schüler produzieren, welche die Klasse im nächsten Jahr wiederholen müssten, sagte der bildungspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Jörg Kröger. Das sei unverantwortlich. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) hatte die automatische Versetzung damit begründet, dass die Schüler aktuell kaum die Chance hätten, ihre Zensuren zu verbessern.

Für die von Martin angekündigte freiwillige Wiederholung des Schuljahrs 2019/2020 ist aus Sicht Oldenburgs eine Änderung des Schulgesetzes nötig. Laut Gesetz darf ein Schüler eine Klassenstufe nur einmal wiederholen. Das heißt, wenn er das aktuelle Schuljahr bereits zum zweiten Mal durchläuft, darf er es nicht ein drittes Mal. Auch wenn er die vorherige Klassenstufe schon wiederholt hat, darf er laut Gesetz nicht noch einmal sitzenbleiben. Er müsste dann die Schule verlassen und in einen anderen Bildungsgang wechseln, zum Beispiel vom Gymnasium auf die Regionale Schule.

Kultusminister Tonne hält an Abi-Prüfungen in Niedersachsen fest

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hält trotz Kritik an der Durchführung des Abiturs während der Corona-Krise in Niedersachsen fest. «Die Prüfungen werden unter strengen Hygienebedingungen stattfinden: In kleineren Gruppen und in größeren Räumen sowie in ausreichendem Abstand der Schüler untereinander», sagte der SPD-Politiker der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Donnerstag). Nach einer intensiven Vorbereitung sollten die Schülerinnen und Schüler auch die Chance haben, ihre Leistungen zu zeigen. Die Abiturklausuren werden vom 11. bis 30. Mai geschrieben und damit rund drei Wochen später als geplant. Die Abschlussarbeiten der 9. und 10. Klassen beginnen am 20. Mai.

Tonne reagierte damit auf die Forderung nach einer Absage der Prüfungen. «Ich fände es auch ein merkwürdiges Signal, wenn Niedersachsen als einziges von 16 Bundesländern erklären würde, wir sehen uns nicht in der Lage, unter diesen herausfordernden Bedingungen ein Abitur zu schreiben», sagte der Minister.

NRW öffnet in der Corona-Krise trotz Widerständen erste Schulen

Ein kleiner Schritt zurück in eine Normalität, die eigentlich keine ist: In NRW öffnen die ersten Schulen unter starken Corona-Sicherheitsvorkehrungen mit einem Teil der Schüler. Viele haben dagegen erhebliche Gesundheitsbedenken.

Fast sechs Wochen nach der Schließung der Schulen in Nordrhein-Westfalen wegen der Corona-Krise öffnen viele am Donnerstag erstmals wieder ihre Pforten für Tausende Prüflinge. Das Schulministerium rechnet mit maximal 250 000 von insgesamt 2,5 Millionen Schülern in NRW.

Den knapp 90 000 Abiturienten ist es freigestellt, wieder zur Schule zu kommen, weil sie nach den Osterferien ohnehin keinen regulären Unterricht mehr gehabt hätten. Für Schüler, die vor anderen Abschlussprüfungen stehen, gilt dagegen Schulpflicht.

Die CDU/FDP-Koalition in NRW nutzt mit der Entscheidung die früheste Option einer Bund-Länder-Vereinbarung zur Schulöffnung. Oppositionsparteien sowie Schüler- und Lehrervereinigungen haben erhebliche Bedenken wegen gesundheitlicher Risiken für Schüler, Lehrer und deren Angehörige.

Das Aktionsbündnis «Schulboykott NRW» will sich am Donnerstag (10 Uhr) vor der Düsseldorfer Staatskanzlei zu einer zweiten kleinen Kundgebung in dieser Woche treffen. Die Aktivisten fordern, das Abitur 2020 nach Durchschnittsnoten zu vergeben statt nach Abschlussprüfungen. Wegen hoher Sicherheitsauflagen ist die Protestaktion nach Angaben der Veranstalter mit nur 25 Teilnehmern vor Ort geplant.

Laut einer Umfrage für die FDP-Landtagsfraktion befürworten fast 57 Prozent von 2002 repräsentativ befragten Bürgern in NRW eindeutig oder eher Abiturprüfungen unter Schutzmaßnahmen. Nur ein Drittel der Befragten wollen eindeutig oder eher die bisherigen schulischen Leistungen zur Grundlage der Abiturnote machen, wie die «WAZ» erfuhr. Die Grünen forderten hingegen in einem Brief an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), sich zu besinnen und den Schulstart auf den letzten Drücker noch zu stoppen, wie die «Rheinische Post» berichtete (beide Donnerstagsausgabe).

Erst am Mittwoch hatte die Landesregierung Empfehlungen mit Verhaltensregeln zur Schülerbeförderung veröffentlicht. Dort wird unter anderem die «Bitte» geäußert, lieber zu Fuß oder per Fahrrad zur Schule zu kommen als mit Bus und Bahn. Außerdem sollten die Schüler ihre Handy-Displays regelmäßig reinigen und in Bus und Bahn weder Gespräche führen noch essen oder trinken.

Kritiker der Schulöffnung sehen die Corona-Hygienestandards an den Bildungseinrichtungen nicht gewährleistet. Die Landesregierung garantierte hingegen allen Schulen, die akute Probleme bei der Beschaffung von Desinfektionsmitteln oder Schutzmaterial haben, Unterstützung. Nach Angaben des Schulministeriums hatten bis zum Mittwoch rund zehn Prozent der Schulen das Hilfsangebot in Anspruch genommen.

Im Landtag hatte Gebauer am Mittwoch deutliche Kritik an Versäumnissen der kommunalen Schulträger geübt, die für die Hygiene in den Einrichtungen verantwortlich seien. Trotz üppig ausgestatteter staatlicher Hilfsprogramme seien die Gelder vielerorts nicht zur nötigen Sanierung und Ausstattung der Schulen abgerufen und verwendet worden. «Da gibt es manchen Offenbarungseid», stellte die Ministerin im Schulausschuss fest.

22.04.2020 15.45 Uhr

Keine Maskenpflicht an Schulen und kein Präsenzunterricht für Kranke

Nach wochenlangem Heimunterricht kehren am Montag die ersten Schüler in die Klassenräume zurück. Für sie gelten dann strenge Hygieneregeln. Masken müssen die Jugendlichen aber nicht tragen. Das hat Folgen.

Beim schrittweisen Unterrichtsbeginn nach der Corona-Pause müssen Bayerns Schüler in den Klassenzimmern keine Masken tragen - aus Sicherheitsgründen dürfen Lehrer über 60 Jahren aber zu Hause bleiben. Dies gilt auch für Schwangere sowie chronisch Kranke und Betroffene mit Vorerkrankungen. «Es gibt Risikogruppen, besonders gefährdete Menschen, sowohl bei den Schülerinnen und Schülern als auch bei den Lehrkräften», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Mittwoch in München. «Da ist selbstverständlich die Teilnahme am Präsenzunterricht bei einem entsprechend fachärztlichem Attest nicht notwendig.»

Lehrkräfte über 60 Jahre dürften freiwillig vor den verkleinerten Klassen unterrichten, kündigte Piazolo an. Das Ministerium werde nicht nur allen Lehrern, sondern möglichst auch allen Schülern Alltagsmasken zur Verfügung zu stellen, sofern diese keine haben. Auch wenn es keine generelle Pflicht gebe, halte er Masken in bestimmten Situationen für angemessen, sagte Piazolo - etwa beim Ankommen im Schulgebäude oder dem Toilettengang. Auf dem Schulweg mit Bus und Bahn seien die Behelfsmasken ohnehin Pflicht.

Ein Unterricht mit Masken sei aber kaum durchführbar, betonte Piazolo. Und auch nicht nötig: «Wir haben in den Schulen nun bewusst Bedingungen geschaffen, unter denen der Abstand eingehalten werden kann und soll und muss.» Die Landtags-Grünen kritisierten die fehlende Maskenpflicht und sehen dadurch die Gesundheit von Schülern, Lehrern und deren Familien gefährdet.

Mit den Abschlussklassen kehren am kommenden Montag die ersten Jugendlichen in die Schulen zurück - in verkleinerten Klassen von maximal 15 Schülern und klaren Vorgaben zum Hygieneschutz. «Es gibt Regeln für den Schulweg, die Pause, den Toilettengang», betonte Piazolo. So brächten die Schulbusse ihre Passagiere gegebenenfalls gestaffelt zu den Schulen, wo die Jugendlichen dann an frontal ausgerichteten Einzeltischen mit jeweils 1,5 Metern Abstand rundherum ohne Gruppenarbeit lernen und möglichst auch die Pausen in ihrem Klassenzimmer verbringen werden. Nach jeder Schulstunde muss mindestens fünf Minuten gelüftet werden.

Darüber hinaus bekommen die Abiturienten nur in ihren fünf Prüfungsfächern gemeinsamen Unterricht. Klausuren gibt es keine mehr - sie können aber nach der Abschlussprüfung auf freiwilliger Basis noch geschrieben werden, um die Note zu verbessern. Die Zensuren für das laufende Halbjahr werden entweder auf den schon erbrachten Leistungen beruhen oder aus den Ergebnissen der 11. und 12. Klasse hochgerechnet - je nachdem, was für den jeweiligen Schüler günstiger ist. «Das Abitur wird ab dem 20. Mai starten, die Prüfungen an der Mittelschule ab dem 6. Juni, Realschule ab dem 30. Juni, FOS/BOS ab dem 18. Juni», gab Piazolo den Fahrplan vor.

Frühestens am 11. Mai sollen dann die Abschlussklassen des nächsten Jahres und die vierten Klassen der Grundschulen in die Klassenzimmer zurückkehren. Alle anderen müssen weiter zu Hause lernen. «Mir ist wohl bewusst, dass viele Eltern unter der jetzigen Situation leiden, an Grenzen stoßen und dass es ihnen sehr wichtig ist, dass die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schulen kommen», sagte Piazolo. Trotz der Sorge, dass ihre Kinder nicht gut mitkämen, sollten sie den Druck nicht zu sehr erhöhen. «Lernen zu Hause ist kein Ersatzunterricht. Die Eltern sind auch keine Ersatzlehrer.»

Die SPD im Landtag fordert für alle bayerischen Schüler eine Ausstattung mit Computern und Internetanschlüssen. «Die Corona-Pandemie wird den Schulalltag noch bis weit in das nächste Schuljahr hinein beeinträchtigen. Viele Kinder besitzen aber kein digitales Endgerät, mit dem sie lernen können», sagte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Simone Strohmayr, am Mittwoch in München. Sollten die Schulen nicht genügend Verleihgeräte haben, müsse der Freistaat für eine entsprechende Ausstattung sorgen.

Computersimulation: Mit Schulstart steigt die Gefahr von Infektionen

Mit der geplanten Schulöffnung in Rheinland-Pfalz steigt laut den Simulationen eines Teams von Wissenschaftlern die Gefahr von Infektionen mit dem Coronavirus. «Auf Basis unserer vorläufigen Simulationen müssen wir das kritisch sehen», sagte Thomas Götz, Professor für Angewandte Mathematik an der Universität Koblenz-Landau, am Mittwoch. «Bei einer Öffnung der Schulen besteht die Gefahr, dass die Zahl der Infektionen wieder stark ansteigt.»

Das Forscherteam, bestehend aus Thomas Götz, Wolfgang Bock (Technische Universität Kaiserslautern) und Jan Pablo Burgard (Universität Trier), hatte mit mathematischen Computersimulationen hochgerechnet, wie sich die Schulöffnung auf die Zahl der Infektionen auswirken könnte. Auf Basis ihrer Ergebnisse kritisierten die Experten die geplante Schulöffnung am kommenden Montag. Das sei verfrüht.

Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Schulen in Rheinland-Pfalz seit dem 16. März geschlossen. Das Virus ist hochansteckend. Von Montag an soll der Unterricht im Bundesland für einige Abschlussklassen wieder beginnen. Später sollen weitere Schülergruppen folgen. Zuvor hatten «Rhein-Zeitung» und «Rheinpfalz» über die Simulationen berichtet.

Gebauer verteidigt Schulöffnung: «Möglich und erlaubt»

Es bleibt dabei: NRW öffnet ab Donnerstag schrittweise die Schulen. «Fahrlässig» finden das die Grünen. Die SPD schreibt den Frühstart «Laschets Ego-Trip» zu. Die Schulministerin hingegen sieht in der Ausnahmesituation «weder ein Richtig noch ein Falsch».

Trotz Bedenken von Oppositionsparteien sowie Schüler- und Lehrervereinigungen bleibt es in Nordrhein-Westfalen bei der schrittweisen Öffnung der Schulen schon ab diesem Donnerstag. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) verteidigte die Wiederaufnahme des Schulbetriebs für Prüflinge als «möglich und erlaubt». Sie folge bei der Umsetzung einem Hygiene-Gutachten von drei Fachgesellschaften für die Landesregierung und Empfehlungen des Robert Koch-Instituts, sagte Gebauer am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags.

SPD und Grüne kritisierten die Entscheidung. Sie befürchten Gefahren für Schüler, Lehrer und deren Angehörige durch eine verfrühte Öffnung und sehen wesentliche Fragen zum Gesundheitsschutz unbeantwortet. Auch der Lehrerverband Bildung und Erziehung mahnte, die Rückkehr zur Normalität dürfe nicht durch Zeitdruck gefährdet werden.

Die AfD mahnte hingegen einen Schulterschluss für eine Rückkehr zur Normalität an. Ihr Abgeordneter Helmut Seifen warf den anderen beiden Oppositionsfraktionen vor, bei Schülern Ängste zu schüren «bis zur Hysterie».

Gebauer versicherte in der fast vierstündigen Debatte, Lehrer mit gesundheitlichen Gefährdungen seien vom Präsenzunterricht ausgeschlossen. Über 60-Jährige kämen dafür grundsätzlich nicht in Betracht. Allerdings können sie freiwillig tätig werden. SPD-Fraktionsvize Jochen Ott warf die Frage auf, inwieweit diese Regelung «sie moralisch unter Druck setzt».

Die Schulexpertin der Grünen, Sigrid Beer, kritisierte, dass es keine klare Regelung für Lehrkräfte und Schüler mit schwer kranken Angehörigen im Haushalt gebe - lediglich eine Freistellung vom Präsenzunterricht für Lehrer mit pflegebedürftigen Angehörigen mit Vorerkrankung. Schulstaatssekretär Mathias Richter (FDP) erwiderte, solche Einzelfälle seien nicht grundsätzlich, sondern nur im Zusammenwirken mit Ärzten und örtlichen Gesundheitsämtern zu entscheiden.

Schüler, die selbst zur Risikogruppe zählten, könnten sich durch eine schriftliche Mitteilung ihrer Eltern an die Schule vom Präsenzunterricht befreien lassen, erklärte Gebauer. Allerdings müssten sie unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen dennoch an Prüfungen teilnehmen.

Den knapp 90 000 Abiturienten ist freigestellt, wieder zur Schule zu kommen. Für Schüler, die vor anderen Abschlussprüfungen stehen, gilt allerdings Schulpflicht. In den Klassenräumen müssen feste Sitzplätze namentlich vergeben werden, um Infektionsketten nachverfolgen zu können.

Die Landesregierung rechnet damit, dass ab dieser Woche zwischen 65 und 90 Prozent der Lehrer an den wieder öffnenden Schulen zur Verfügung stehen. Je nach Standort variierten die Quoten etwas, sagte Richter. Da nur mit maximal zehn Prozent der 2,5 Millionen Schüler in NRW zu rechnen sei, sei die Öffnung ab Donnerstag unter Berücksichtigung der Corona-Schutzanforderungen machbar.

NRW halte an dem Ziel fest, dass auch der Abschlussjahrgang 2020 mit einer ordentlichen Prüfung die Schule verlasse, bekräftigte der Staatssekretär. Auf Abschlussprüfungen zu verzichten, wie von Teilen der Schülerschaft gefordert, bringe für NRW-Absolventen ein Anerkennungsproblem in anderen Bundesländern.

Das Aktionsbündnis «Schulboykott NRW» will sich dagegen am Donnerstag vor der Staatskanzlei zu einer zweiten kleinen Kundgebung in dieser Woche treffen. Die Aktivisten fordern, das Abitur 2020 nach Durchschnittsnoten zu vergeben statt nach Abschlussprüfungen.

Zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs seien gemeinsam mit Spitzenvertretern der Kommunen und Verkehrsunternehmen Hinweise und Verhaltensregeln für die Schülerbeförderung beschlossen worden, sagte Gebauer. Empfohlen werde unter anderem, lieber zu Fuß oder per Fahrrad zur Schule zu kommen als mit Bus und Bahn. Außerdem sollten die Schüler ihre Handy-Displays regelmäßig reinigen und in Bus und Bahn keine Gespräche führen. «Das ist eine Bitte, keine Verpflichtung.» Viele Kommunen kehrten in diesen Tagen zum Regelfahrplan zurück.

«Mit dem morgigen Unterrichtsbeginn wollen wir auch ein Signal geben in Richtung Normalität», betonte die FDP-Politikerin. «Unterricht in gewohnter Form, wie es ihn bis zum 13. März gegeben hat, werden wir in dieser Form bis Ende des Schuljahres so nicht durchführen können.» Ziel sei es aber, allen Schülern bis dahin wenigstens eine teilweise Rückkehr zu ermöglichen.

Die Landesregierung arbeite auch an Plänen, ob und wie es ab dem 4. Mai mit der Öffnung der Schulen für den nächsten Prüfungsjahrgang und die 4. Grundschulklasse weitergehen könnte, sagte Gebauer. Zu den Überlegungen gehörten auch Samstagsunterricht und rollierende, tageweise Verfahren. «Eine Sommerferienkürzung kommt für uns nicht in Betracht», bekräftigte die Ministerin.

Die SPD forderte Gebauer auf, Anfang der Woche einen ausführlichen Bericht vorzulegen, wie die Schulöffnung angelaufen sei. «Sie haben Schnelligkeit vor Gründlichkeit gewollt», warf Ott der CDU/FDP-Koalition vor. Dies sei dem «Ego-Trip» von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) zuzuschreiben. «Unser Beamtenapparat ist nicht flexibel genug, Dinge in wenigen Tagen umzusetzen.»

Gebauer hielt dagegen: «Wir sind alle noch nie mit einer solchen Ausnahmesituation konfrontiert worden. Es gibt weder ein Falsch noch ein Richtig in einer solchen Situation, sondern es gibt Einschätzungen. Und die sind unterschiedlich.»

Tullner: Viertklässler sollen ab Mai wieder in die Schule gehen

Bei der schrittweisen Aufhebung der wochenlangen Schulschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen bald auch die ersten Grundschüler zurückkehren. Es sei vorgesehen, dass die vierten Klassen am 4. Mai wieder starten werden, kündigte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) am Mittwoch bei einer Online-Fragestunde der «Mitteldeutschen Zeitung» an. Das werde derzeit mit den Grundschulen vorbereitet.

Für die Viertklässler stehe ein Wechsel auf eine weiterführende Schule an, begründete Tullner die Entscheidung. Sollten die Infektionszahlen nicht wieder steigen, werde es im Mai wahrscheinlich weitere Schritte geben, um mehr Schüler an die Schulen zurückzuholen.

In Sachsen-Anhalt sind Schulen und Kitas seit dem 16. März geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Stattdessen gibt es Hausaufgaben und Online-Angebote für die Kinder und Jugendlichen. Am Donnerstag sollen die ersten Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule gehen.

Mehr als 10 000 Jugendliche, die in diesem Jahr ihren Realschulabschluss oder ihr Abitur machen oder die Berufsschule beenden, sollen so die Möglichkeit bekommen, sich direkt mit ihren Lehrkräften auf die Prüfungen vorzubereiten. Ab 4. Mai sollen nach jetzigem Stand auch die Jugendlichen in die Schulen zurückkehren, die im kommenden Jahr einen Abschluss machen.

22.04.2020 8.15 Uhr

Zurück in die Schulen - Wie Unterricht trotz Corona-Regeln gehen soll

Seit Wochen müssen Lehrkräfte, Eltern und Schüler Unterricht so organisieren, dass er von zuhause aus mit Aufgaben, Telefonaten und Online-Angeboten funktioniert. Jetzt öffnen die ersten Schulen wieder - doch wie funktioniert die Rückkehr mitten in der Corona-Pandemie?

Nach 37 Tagen ist es soweit: Am Donnerstag kehren die ersten Lehrkräfte und Schüler in die wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Schulen in Sachsen-Anhalt zurück. Rund 10 000 Jugendliche sollen mit direktem Unterricht die Möglichkeit bekommen, sich auf ihre anstehenden Abschlussprüfungen vorzubereiten, wie die schwarz-rot-grüne Landesregierung argumentiert.

Für den Großteil der gut 197 000 Schülerinnen und Schüler bleiben die Einrichtungen gesperrt. Wie bereiten sich alle Beteiligten darauf vor, mit strengen Abstands- und Hygieneregeln Schule zu organisieren?

Frage: Wie ist der Zeitplan?

Antwort: Ab Donnerstag dürfen zunächst nur die Abschlussjahrgänge in die Schulen zurück, um sich im direkten Austausch mit ihren Lehrerinnen und Lehrern vorzubereiten. Die Jugendlichen sollen trotz der geltenden Schutzmaßnahmen regulär ihre Prüfungen ablegen können, wie Bildungsminister Marco Tullner (CDU) zuletzt mehrfach betonte. Nur so könne es in ungewöhnlichen Zeiten ein normales Abitur geben.

Schon vor einigen Wochen hatte Tullner die regulären Termine für Abschlussprüfungen nach hinten verschoben: Die Abiturprüfungen starten am 4. Mai statt bereits am 27. April. Zudem können die Jugendlichen frei wählen, ob sie erst im Juni die Tests ablegen. Die Prüfungen für den Realschulabschluss sollen am 11. Mai beginnen und damit drei Wochen später als ursprünglich geplant.

Frage: Wann kehren die anderen Schülerinnen und Schüler zurück?

Antwort: Darauf will sich derzeit niemand so recht festlegen. Die Spitzen von Bund und Ländern haben verabredet, schrittweise die strengen Schließungs- und Kontaktsperren zu lockern und zu beobachten, ob es zu einem Rückfall und einer neuerlichen schnellen Ausbreitung des neuartigen Coronavirus kommt. Bleibt die Zahl der Neuinfektionen niedrig, ist derzeit geplant, dass ab 4. Mai die Kinder und Jugendlichen zurückkehren, die nächstes Jahr ihren Abschluss machen sollen. Für alle anderen Klassenstufen soll die Kultusministerkonferenz bis Ende April ein Konzept erarbeiten.

Am Dienstag deutete die Landesregierung an, dass auch jüngere Schüler noch vor den Sommerferien zurück in die Schulen gehen könnten. Wenn die Infektionszahlen dies zuließen, sei es vorstellbar, «dass wir jede Klassenstufe, wenigstens ein mal rollierend, ins System wieder rein kriegen», sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Frage: Wie bewerten Schüler und Eltern die Pläne?

Antwort: Die Reaktionen sind gemischt, was auch daran liegt, dass es in der wochenlangen Homeschooling-Phase unterschiedlich gute Lernbedingungen gab. «Einige fühlen sich gut vorbereitet, anderen fehlt Material für die Vorbereitung oder sie konnten zu Hause nicht richtig lernen», sagte der Vorsitzende des Landesschüllerrats, Felix Schopf, der Deutschen Presse-Agentur. «Die familiären Umstände zu Hause sind auch sehr unterschiedlich, einige müssen dort für ihre Geschwister sorgen».

Eine Online-Umfrage des Gremiums unter 5000 Schülerinnen und Schülern ergab, dass eine klare Mehrheit die geplanten Schutzmaßnahmen an den Schulen für ausreichend hält. Auch der Chef des Landeselternrats, Matthias Rose, begrüßte zuletzt, dass es reguläre Abschlussprüfungen geben wird. Auch er bezweifelt, dass sich alle Schüler während der wochenlangen Schulschließungen gleich gut darauf vorbereiten konnten.

Frage: Wie werden Lehrkräfte und Schüler vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt?

Antwort: Bei den Prüfungsvorbereitungen müssen die Schulen besondere Reinigungs- und Hygienepläne einhalten. Die Verantwortung für die Hygiene an Schulen liege wie sonst auch bei den Trägern, sagte Regierungschef Haseloff. In der aktuellen Pandemiezeit bedeute das auch, dass Kommunen und private Träger Seife, Handtücher und ähnliches bereitstellen müssten. Das Land will bei der Ausstattung mithelfen und einfachen Mundschutz sowie Desinfektionsmittel bereitstellen, wie Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) ankündigte. «Das beginnt aber noch nicht am Donnerstag, sondern erst zum Start der Prüfungen.» Rund 40 000 Masken will sie bereitstellen, das sind rechnerisch vier pro Prüfungskandidaten.

Frage: Wie bereiten sich die Kommunen auf die Schulöffnung vor?

Antwort: Magdeburg rüstet bei den Waschgelegenheiten auf. «Wir haben in den Schulen bisher die Philosophie gehabt, dass im Klassenraum das Waschbecken dazu da ist, den Lappen sauber zu machen, um die Tafel abzuwischen», sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Es werde an allen Waschbecken in den Klassenräumen Papierhandtücher und Seifenspender geben, um sich dort die Hände zu waschen. So solle Andrang auf den Schultoiletten vermieden werden. Halle stattet seine Schulen zusätzlich mit Desinfektionsmittel aus, wie der parteilose Stadtchef Bernd Wiegand ankündigte. Darüber hinaus seien Land und Eltern gefordert, weitere Schutzausrüstung bereitzustellen.

Frage: Welche Vorgaben machen die Gesundheitsbehörden vor Ort?

Antwort: Ein Abstand von 1,5 Metern zwischen Schülern und Lehrern müsse gegeben sein, «und zwar nach vorne, nach hinten, nach links und nach rechts», sagt der Chef des Magdeburger Gesundheitsamts, Eike Hennig. Dafür müssten große Klassen von bis zu 30 Schülern in drei bis vier Gruppen aufgeteilt werden. «Das ist problematisch, das weiß ich. Das muss organisiert werden.» Auch Lüften wird laut Hennig zu einer wichtigen Pflicht. «Damit vertreiben wir die Viren, die über eine gewisse Zeit in kleinen Luft- und Feuchtigkeitsbläschen verharren, aus der Ausatemluft.»

Frage: Was ist, wenn in einer Schule ein Corona-Fall auftaucht?

Antwort: Darüber entscheidet das jeweilige Gesundheitsamt. Aus Sicht des Magdeburger Amtsarzt Hennig müsste in einem solchen Fall nicht die ganze Schule gesperrt werden. «Ein Positiver während des Abiturs und ich sperre die Schule und das ganze Abitur geht dann daneben bei allen Schülern, das ist nicht unser Plan im Moment.» Es müsse im Einzelfall das Risiko abgeschätzt werden. Es sei durchaus möglich, dass jemand, der mit einem nachweislich Infizierten Kontakt hatte, mit einem Mundschutz seinen Abschlusstest schreiben könnte. «Dann sitzt diese Kontaktperson aber weit und breit allein. Das geht.»

Ministerin informiert über Rückkehr zum Schulbetrieb in NRW

NRW öffnet die Schulen in einem ersten Schritt für etwa eine Viertel Million Prüflinge - mitten in der Corona-Pandemie. Kann das gut gehen? Dazu muss die Schulministerin im Landtag Rede und Antwort stehen.

Knapp sechs Wochen nach der Schließung von Kitas und Schulen wegen der Corona-Infektionen in Nordrhein-Westfalen werden die Schulen am Donnerstag für Prüflinge wieder öffnen. Am heutigen Mittwoch (10 Uhr) soll Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) im Fachausschuss des Landtags erklären, wie gut die Bildungsstätten darauf vorbereitet sind.

SPD, Grüne, Bildungsgewerkschaften und Schülervertreter haben erhebliche Zweifel, dass die Schulen ausreichend gerüstet sind. Sie sehen Defizite bei den nötigen Hygiene-Voraussetzungen, Räumlichkeiten und Personalkapazitäten. Schüler befürchten zudem Gesundheitsrisiken für sich und ihre Familien.

Die Landesregierung will ab Donnerstag wieder Prüflinge an den Schulen zulassen - für die knapp 90 000 angehenden Abiturienten auf freiwilliger Basis. Für Schüler, die vor anderen Abschlussprüfungen stehen, gilt dagegen wieder die Schulpflicht. Die Landesregierung rechnet zunächst mit maximal 250 000 Schulpflichtigen. Bei der Versorgung mit Hygiene-Material und Schutzausrüstungen hat sie den

21.04.2020 17.30 Uhr

Norwegische Schüler müssen keine Abiturprüfung ablegen

Die norwegische Regierung hat aufgrund des Corona-Ausbruchs alle schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen für Schüler der Oberstufenklassen abgesagt. Bildungsministerin Guri Melby sagte am Dienstag bei einer Pressekonferenz, die Zeugnisse der Schüler würden auf Basis ihrer bisherigen Leistungen ausgestellt. Der Fernunterricht würde bis zu den Sommerferien weiterlaufen. Die Prüfungen für sogenannte Privatisten - also Schüler, die sich auf eine Abschlussprüfung vorbereiten, ohne die Schule zu besuchen - wurden nicht abgesagt. Nach der Schließung aller Schulen im März können die ersten vier Jahrgänge ab Montag wieder in die Schule gehen. Für die älteren Schüler läuft der Heimunterricht weiter. 

Schüler sollen in Pausen Masken tragen - Fahrplan für Unterricht

Kleine Lerngruppen, strenge Hygieneregeln und Unterricht zu Hause: Bildungsminister Holter hat seinen Plan vorgestellt, wie Bildung in Zeiten von Corona funktionieren soll. Eine Herausforderung, sagt der Minister - auch weil das Personal knapp ist.

Mit strengen Hygienevorschriften und Abstandsregeln fährt die Thüringer Landesregierung den Bildungssektor schrittweise wieder hoch. Schüler sollen in den Pausen einen Nasen- und Mundschutz tragen, Unterricht soll es nur in kleinen Gruppen geben. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) präsentierte dazu am Dienstag nach einer Schalte des Regierungskabinetts einen Fahrplan. Es sei aber weiter zu beachten, wie sich die Infektionszahlen in Thüringen und in Deutschland entwickeln, machte Holter klar.

Sowohl der Thüringer Lehrerverband als auch die CDU-Fraktion kritisierten, dass viele Fragen noch ungeklärt seien. Holters Plan enthält etwa noch keine Ansatzpunkte, wie der Schülerverkehr geregelt werden kann - der Minister verwies aber darauf, dass sein Ministerium mit den Schulträgern, die dafür zuständig sind, in Kontakt sei.

ZEITPLAN

Ab dem 27. April sollen die Abiturklassen wieder zur Schule gehen können, am 4. Mai folgen dann die Abschlussklassen für den Hauptschul- und den Realschulabschluss. Auch jene Schüler, die eine Besondere Leistungsfeststellung absolvieren müssen (Gymnasium, zehnte Klasse), sollen wieder zur Schulen gehen. Ab dem 7. Mai beginnt der Präsenzunterricht für Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf.

Holter wies darauf hin, dass nicht alle Kinder und Jugendliche Zuhause die gleichen Bedingungen haben. Manch einer Familie fehle es zum Beispiel an einem Internetanschluss. «Unter den Corona-Bedingungen ist es besonders schwer, Bildungsgerechtigkeit umzusetzen», sagte Holter.

Ab dem 11. Mai stehen die Schulen Viertklässlern wieder offen. Bis spätestens 2. Juni sollen dann alle Schüler wieder zur Schule gehen können. Allerdings betonte Holter, dass es wegen der Corona-Pandemie keinen normalen Unterricht geben werde.

UNTERRICHT

Die neuen Regeln sehen deutlich kleinere Gruppen vor. «Maximal zehn Schülerinnen und Schüler oder im Kindergarten zehn Kinder dürfen in einer Gruppe sein», sagte Holter. Bei einer Klasse mit normalerweise 30 Schülern müssten also drei Lerngruppen gebildet werden. «Wir brauchen entsprechend mehr Lehrer, um den Unterricht abzudecken», sagte Holter.

Wenn ab Anfang Juni dann alle Schüler wieder in die Schulen gehen können, soll es eine Rotation geben: Denkbar sei, dass die Schüler beispielsweise erst zwei Tage in der Schule sind, dann zu Hause lernen und dann wieder in die Schule gehen. «Was mit dem fünften Tag passiert, das müssen wir noch entscheiden», sagte Holter.

NASEN- UND MUNDSCHUTZ

Schüler sollen in den Pausen und wenn sie den Raum wechseln einen Nasen- und Mundschutz tragen. Auch in den Schulbussen sollen die Kinder und Jugendlichen etwas vor dem Gesicht tragen, um das Ansteckungsrisiko zu vermindern. Während des Unterrichts soll eine Maske aber nicht nötig sein.

SITZENBLEIBEN

Wegen der Corona-Krise sollen Schüler in Thüringen automatisch in die nächsthöhere Klassenstufe versetzt werden - mit Ausnahme der Klassen neun und zehn. In diesen beiden Jahrgangsstufen sei die Versetzung auch ein Verwaltungsakt, weil die Schüler in der neunten und zehnten Klasse Abschlusszeugnisse bekommen können, wie Holter sagte. «Für alle anderen Klassen wird es ein Aufrücken in die nächsthöhere Klasse geben», sagte Holter. Er betonte, dass die Schüler aber freiwillig eine Klassenstufe wiederholen könnten. Diese Wiederholung werde nicht auf die Wiederholungshäufigkeit oder die Höchstverweildauer in der Oberstufe angerechnet.

PRÜFUNGEN

Zehntklässler an Gymnasien sollen in diesem Jahr nur in Themen geprüft werden, die auch tatsächlich unterrichtet wurden. Die sogenannte Besondere Leistungsfeststellung soll aber anders als von einigen Politikern gefordert nicht ausfallen. Holter verwies unter anderem auf das geltende Schulgesetz, das diese Prüfung für Zehntklässler an Gymnasien vorsieht.

Die Prüfung soll in diesem Jahr jedoch in veränderter Form stattfinden. So ist geplant, dass schriftlich in Deutsch geprüft wird sowie in einer Naturwissenschaft, die die Schüler wählen dürfen. Für das Fach Deutsch soll es eine zentrale Aufgabe geben. In der Naturwissenschaft können die Schulen Zeit und Aufgabe selbst festlegen. Die Abiturprüfungen starten in diesem Jahr am 18. Mai.

NOTBETREUUNG

Man wolle parallel zum beginnenden Schulbetrieb auch die Notbetreuung fortsetzen, sagte Holter. «Das ist eine Herausforderung, die seinesgleichen sucht.» Einen regulären Hortbetrieb werde es nicht geben. In den Kindergärten soll die Notbetreuung ab dem 27. April auf die Kinder von berufstätigen Alleinerziehenden ausgeweitet werden. Der Freistaat hatte die Notbetreuung bislang eher streng reglementiert und Plätze nur an Kinder von Eltern vergeben, die in sogenannten kritischen Infrastrukturbereichen arbeiten. In der zweiten Osterferienwoche waren in Thüringen insgesamt 5678 Kinder in einer Notbetreuung.

Nach den neuen Regeln sollen auch Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit, der Jobcenter und der Sozialämter sowie der Thüringer Landesaufbaubank ihre Kinder in die Notbetreuung geben können, sofern diese Mitarbeiter für die Bewältigung der Corona-Krise gebraucht werden. Auch die Kinder von Lehrern und Erziehern können in die Notbetreuung sowie Kinder von Auszubildenden und Schülern, die vor einer Prüfung stehen.

Die Notbetreuung an Schulen könnte dagegen erst ab dem 11. Mai ausgeweitet werden. Dies hänge von der nächsten Schalte der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin ab, sagte Holter.

LEHRER

Wegen der Corona-Krise scheint sich die personelle Situation an Thüringens Schulen zu verschärfen. Seit Jahren schon kämpft Thüringen mit einem Lehrermangel. Nun geht Holter davon aus, dass etwa 25 Prozent der Lehrer nicht in den Schulen präsent sein können, sondern von zu Hause aus arbeiten werden, weil sie zum Beispiel zu einer Risikogruppe gehören. «Wobei ich bei den Über-60-Jährigen auf Freiwilligkeit setze», sagte Holter.

Außerdem gebe es Lehrer in der Landesverwaltung, die zum Beispiel im Ministerium beschäftigt seien oder im Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, und nun wieder in den Unterricht geschickt werden könnten. «Wir werden auch, wenn notwendig, diese Lehrerinnen und Lehrer aus der Landesverwaltung herausnehmen und in den Schulen zum Einsatz bringen müssen», sagte Holter.

Der Minister kündigte zudem an, dass angehende Lehrer im Vorbereitungsdienst auch ohne die zweite Lehrprobe das zweite Staatsexamen ablegen können. Auch auf Studierende wolle man zurückgreifen, um den Unterricht abzudecken.

Mit Schutzmasken und Abstand: Abiturprüfungen in Hamburg

Coronabedingt mit einigen Tagen Verspätung sind Hamburgs angehende Abiturienten in ihre schriftlichen Prüfungen gestartet. Den Anfang machten sie im Fach PGW (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft).

Unter strengen Hygieneregeln haben am Dienstag an Hamburgs Gymnasien und Stadtteilschulen die schriftlichen Abiturprüfungen begonnen. Am ersten Tag schrieben rund 2300 Schülerinnen und Schüler ihre Klausuren im Fach PGW (Politik, Gesellschaft, Wirtschaft). Am Mittwoch geht es weiter mit Geschichte und dann folgen die verschiedenen Fächer bis zum geplanten Abschluss der Abiturprüfungen am 6. Mai. Insgesamt gibt es in Hamburg nach Angaben der Schulbehörde rund 9800 Abitur-Prüflinge. Wegen der Corona-Krise war der ursprünglich am 16. April geplante Beginn der Prüfungen verschoben worden.

«Wir sind mit dem Ablauf der Prüfungen sehr zufrieden», sagte Maike Languth, Schulleiterin am Gymnasium Eppendorf, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, die Schüler und Schülerinnen nicht in einer großen Aula wie sonst, sondern in den normalen Klassenräumen - höchstens zu acht - ihre Prüfungen schreiben zu lassen. «Die Schüler haben sich an die Abstandsregeln gehalten, alle waren ein bisschen aufgeregt», sagte die Direktorin. Wenn sie wollten, konnten die Schüler Schutzmasken tragen. Am Morgen hätten die Schüler das Schulgebäude durch drei unterschiedliche Eingänge und zu zwei unterschiedlichen Zeiten betreten.

Während der Prüfung durften in einem normalen Klassenraum höchstens zehn Schülerinnen und Schüler die Klausuren bearbeiten. Es lagen Schutzmasken bereit für die Schüler, die eine Maske tragen wollten. Schüler mit Vorerkrankungen können die Klausuren auf Antrag in einem eigenen Raum schreiben. Mutmaßlich infizierte Schüler dürfen nicht teilnehmen, auch wenn sie keine Covid-19-Symptome zeigen. Lehrkräfte, die zu den Risikogruppen gehören und zum Beispiel Diabetiker oder älter als 60 Jahre sind, sollen nach Möglichkeit nicht eingesetzt werden.

«Wir gehen davon aus, dass alles reibungslos geklappt hat», sagte ein Sprecher der Hamburger Schulbehörde. Der Schulbehörde seien keinerlei Zwischenfälle gemeldet worden. Bereits in der vergangenen Woche hätten die Schüler an Berufsschulen ihre Abschlussprüfungen begonnen, auch dort sei alles reibungslos verlaufen. Die Schüler der 9. und 10. Klassen hätten bereits in der vergangenen Woche mit ihren mündlichen Prüfungen begonnen, die schriftlichen Arbeiten sollen ab dem 5. und 6. Mai folgen. Auch hier sei alles so weit unter den neuen Hygieneregeln ohne Probleme abgelaufen.

Alle Schüler werden dieses Jahr versetzt - wenn sie es wollen

Angesichts der Corona-Krise werden in diesem Schuljahr alle Schüler ungeachtet ihrer Noten in die nächste Klasse versetzt. Möglich sei aber, das Schuljahr freiwillig zu wiederholen, teilte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Dienstag mit.

Gerade Schüler, die versetzungsgefährdet sind, hätten angesichts der Umstände keine gute Möglichkeit, ihre Leistungen in diesem Schuljahr noch ausgleichen zu können, erklärte sie. Alle Schulleiter seien in einem Schreiben über die Regelung informiert worden.

Schüler, bei denen aufgrund von Wissenslücken eine erfolgreiche Mitarbeit in der nächsthöheren Klasse fraglich erscheint, könnten das Schuljahr freiwillig wiederholen. In einem solchen Fall sollten die Eltern Kontakt mit der Schule aufnehmen, empfahl die Ministerin.

Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern sind wegen des neuartigen Coronavirus seit Mitte März geschlossen. Am 27. April sollen zunächst die Abschlussklassen zurückkehren, am 4. Mai dann weitere einzelne Klassenstufen.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßte die grundsätzliche Versetzung aller Schüler. Damit hätten Schüler, Eltern und Lehrkräfte Gewissheit, erklärte der Landesvorsitzende Michael Blanck. Auch der Zeitpunkt der Entscheidung ist richtig. «Schulen hätten sonst in den nächsten Tagen die sogenannten blauen Briefe verschicken müssen und Elternhäuser beunruhigt.» Die AfD hingegen übte Kritik. Die pauschale Versetzung würde reihenweise Schulabbrecher und Schüler produzieren, welche die Klasse im nächsten Jahr wiederholen müssten, sagte der bildungspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Jörg Kröger. Das sei unverantwortlich.

Die Linke stellte sich hinter Bettina Martin. «Die Entscheidung der Bildungsministerin, alle Schülerinnen und Schüler in diesem Schuljahr grundsätzlich zu versetzen, ist angesichts der besonderen Situation folgerichtig», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. «In dieser Phase dürfen die Kinder und Jugendlichen, die keine Möglichkeit hatten, ihre Leistungen durch Klausuren und Tests zu verbessern, keine Nachteile erleiden.»

Zwischen Hygienestreit und Schulboykott: Zweifel am Schulstart in NRW

Es gibt keine Blaupause für die Rückkehr zur Normalität mitten in der Corona-Pandemie. Das gilt in besonderem Maße auch für die Schulen mit Hunderttausenden betroffenen Schülern, Eltern und Lehrern in NRW. Kurz vor der Öffnung befürchten viele Chaos und Gesundheitsrisiken.

Die nordrhein-westfälischen Schulen sind aus Sicht der SPD-Opposition und der Bildungsgewerkschaften für die Rückkehr der ersten Schüler an diesem Donnerstag nicht gerüstet. Klare Vorgaben der Landesregierung fehlten nach wie vor an vielen wesentlichen Stellen, kritisierte SPD-Fraktionsvize Jochen Ott am Dienstag in Düsseldorf. «Die Umsetzung ist chaotisch.» Auch die Grünen fordern Nachbesserungen.

Wegen zu später und teils widersprüchlicher Kommunikation des Schulministeriums hätten die Schüler immer noch keine Klarheit, wer nun am Donnerstag in die Schulen kommen müsse und wer - wegen der eingeschränkten Kapazitäten in der Corona-Krise - überhaupt kommen könne, bemängelte Ott. Die Schulen wiederum wüssten nicht, wie viele Lehrer erscheinen werden oder wegen Vorerkrankungen nicht für den Unterricht infrage kämen. «Man hatte ein PR-Ziel: Das war der Exit», warf Ott der CDU/FDP-Koalition vor. «Seitdem versucht man ständig nachzubessern.»

Die Landesregierung will ab diesem Donnerstag wieder Prüflinge an den Schulen zulassen - für die knapp 90 000 angehenden Abiturienten auf freiwilliger Basis. Für Schüler, die vor anderen Abschlussprüfungen stehen, gilt dagegen wieder die Schulpflicht.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht von einem «verfrühten Schulstart» aus. Ihre Landesvorsitzende Maike Finnern monierte in einer Mitteilung: «Weder die personellen noch die gesundheitlich erforderlichen Voraussetzungen sind gegeben.»

Unterdessen sicherte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) den Schulen Unterstützung bei der Versorgung mit Hygiene-Material und Schutzausrüstung zu. «Die Schulträger können über eine Vermittlung der Bezirksregierung Münster bei Lieferanten eine Million Schutzmasken und mindestens 20 000 Liter Desinfektionsmittel kostenpflichtig bestellen», teilte das Ministerium mit. Das Angebot gelte für Schulen mit Engpässen. Sie könnten so auch mobile Hygienestationen mit Handwaschmöglichkeiten beziehen.

«Das Land gibt damit eine Garantie, dass die Schulen und Schulträger, bei denen entsprechende Materialien wie Desinfektionsmittel und einfache Schutzmasken noch nicht in ausreichendem Maße für die nächsten Tage vorhanden sind, diese versorgt werden können», betonte Gebauer. An diesem Mittwoch muss sie im Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags Rede und Antwort stehen, wie es mit dem Schulbetrieb weitergehen soll.

Die Ministerin müsse dort auch ein klares Konzept vorlegen, was nach dem 4. Mai geschehen solle, forderte Ott. Bund und Länder hatten sich darauf geeinigt, ab diesem Datum grundsätzlich schrittweise und stark eingeschränkt zum Unterricht zurückzukehren - mit Spielraum für die einzelnen Bundesländer.

Nach Angaben des Schulministeriums gilt ab Donnerstag für maximal zehn Prozent der rund 2,5 Millionen Schüler in NRW wieder verpflichtender Unterricht. Für sie seien genügend Räume vorhanden, um unter Einhaltung des Infektionsschutzes in geteilten Gruppen zu starten.

Die SPD monierte dagegen, neben der Vorgabe, 1,5 Meter Abstand zwischen einzelnen Personen zu halten, fehle jede Vorgabe über eine maximale Gruppengröße im Raum. Auch die Beförderung von zigtausend Schülern unter Corona-Hygiene-Standards sei völlig ungeklärt. Der Verband Bildung und Erziehung mahnte ebenfalls: «Schülerschaft und Lehrpersonal sind keine Versuchskaninchen.»

SPD und Grüne bezweifeln, wie das Schulsystem über 200 000 Prüflinge allein aus den Berufskollegs verkraften soll. Da viele nur zwei Tage pro Woche an der Berufsschule seien, werde es nicht so viele Rückkehrer geben, hält das Schulministerium dagegen. Zudem werde der Zugang an die Kapazitäten angepasst: Vorrang haben Berufsschüler, die noch Vorabiturklausuren schreiben müssen, danach Fachklassen vor anderen Abschlussprüfungen. Falls die Kapazitäten und Schutzvorrichtungen nicht für alle Prüflinge ausreichen sollten, werden demnach nicht alle schon am Donnerstag zurückkehren können.

Wichtige Information für Risiko-Gruppen: Bei Schülern mit Vorerkrankungen, für die das Coronavirus lebensgefährlich werden könnte, entscheiden die Eltern über den Schulbesuch und informieren die Schulen schriftlich. «In der Folge entfällt die Pflicht zur Teilnahme am Präsenzunterricht», erklärte das Ministerium. Diese Schüler sollten spezielle Lern- und Prüfungsangebote erhalten.

Der Landesschülervertretung und dem Aktionsbündnis «Schulboykott NRW» reicht das nicht. Die Boykott-Aktivisten fordern für 2020 ein Abi nach Durchschnittsnoten ohne Abschlussprüfungen; die Schülervertretung ist für eine Wahlmöglichkeit. Ein offener Protestbrief erreichte nach Angaben der Aktivisten 6000 Unterstützer. Eine von der Polizei genehmigte «Stellvertreterdemonstration» von 15 Schülern mit Mundschutz vor der Düsseldorfer Staatskanzlei habe in dieser Woche 1300 weitere virtuelle Teilnehmer im Netz gehabt.

Der Landeschef der Grünen, Felix Banaszak sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wir Grüne sind nicht Teil der Bewegung zum Schulboykott und rufen auch nicht zum Boykott von Unterricht auf. Die Schülerinnen und Schüler haben getan, was sie tun konnten, um dieses Chaos zu stoppen.» Jetzt sei es aber Aufgabe der Politik, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Im Internet hat die Partei unter dem Mott «Abschlusschaos in NRW» eine Plattform geschaltet für persönliche Erfahrungsberichte von Schülern und Lehrern.

Grünen-Fraktionschefin Monika Düker legte einen Antrag an den Landtag vor. Die Grünen fordern unter anderem eine «Taskforce Pandemie», um in Kooperation mit Unternehmern und Verbänden die Produktion von Schutzmaterial zu steigern.

Alle Schüler in Rheinland-Pfalz sollen Mund-Nasen-Maske bekommen

Für die gestaffelte Schulöffnung in Rheinland-Pfalz will die Landesregierung allen Schülerinnen und Schülern eine Mund-Nasen-Maske zur Verfügung stellen. «Das ist ein wichtiger Beitrag für mehr Hygienesicherheit in der Schule», erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Dienstag in Mainz. Dies entspreche der dringenden Empfehlung, eine solche Alltagsmaske in Situationen zu tragen, in denen der Mindestabstand nicht zu jeder Zeit sichergestellt werden könne. Die Schulen wurden am 16. März geschlossen, um der Ausbreitung desr Corona-Pandemie entgegenzuwirken.

Die meist kommunalen Schulträger sollen auch ein Startpaket zur Unterstützung der Hygiene zum Schulstart erhalten. Dazu gehören nach Angaben der Landesregierung 70 000 Liter Desinfektionsmittel und 430 000 Stück einfache Mund-Nasen-Masken, falls Kinder und Jugendliche ihre Masken mitzubringen vergessen. Für beide Maßnahmen zusammen will die Landesregierung 2,5 Millionen Euro bereitstellen. Die Verteilung von Masken und Desinfektionsmitteln an die Schulträger soll über das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung erfolgen.

Der Präsenzunterricht in Rheinland-Pfalz wird Ende April und Anfang Mai in zwei Phasen wiederaufgenommen und rund 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen einschließen. In der Öffnungsphase 1 zum 27. April starten nach Angaben des Bildungsministeriums rund 35 000 Jugendliche - zumeist Berufsschüler, die vor einer Prüfung stehen, und Abiturienten der Gymnasien mit achtjähriger Schulzeit (G8). In der Öffnungsphase 2 ab 4. Mai folgen rund 130 000 Schülerinnen und Schüler, darunter 34 000 in den vierten Grundschulklassen, 26 000 an den Realschulen plus, 18 500 in Integrierten Gesamtschulen und 40 000 an Gymnasien. Bei den weiterführenden Schulen sind dies im Wesentlichen die Jugendlichen ab der 9., 10. oder 11. Klasse.

9500 Tablets für Schüler aus bedürftigen Familien

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will in der Corona-Krise besonders sozial benachteiligten Schülern in Berlin 9500 Tablets zur Verfügung stellen. Bis morgen sollen Schulen angeben, wie hoch der Bedarf unter den Kindern und Jugendlichen ist und dabei jeweils Prioritäten angeben, bestätigte ein Sprecher der Bildungssenatsverwaltung am Dienstag.

Wie Scheeres bereits angekündigt hatte, sollen die mobilen Endgeräte als Leihgabe an Schüler gehen, die nicht ausreichend mit Technik ausgestattet sind, um zuhause am digitalen Unterricht teilzunehmen. «Digitale Schuldinstanz wollen wir auf diese Weise vermeiden», sagte Scheeres.

Schülerin wollte Abitur wegen Corona verschieben - Gericht lehnt ab

Dass die Angst vor Ansteckung kein Grund ist, das Abitur zu verschieben, machte schon vor Tagen ein Gericht klar. Nun ist auch klar: Erschwertes Lernen in einer zu kleinen Wohnung reicht ebenfalls nicht aus, den Prüfungen zu entgehen.

Erneut ist der Eilantrag einer Berliner Schülerin gegen ihre anstehenden Abiturprüfungen von einem Gericht abgewiesen worden. Die Schülerin eines Gymnasiums hat demnach kein Recht auf eine Verschiebung des Abiturs, nur weil in der Corona-Krise ihre Lernbedingungen zu Hause besonders ungünstig sind. Das entschied das Verwaltungsgericht Berlin, wie am Dienstag mitgeteilt wurde. Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.

Die erste schriftliche Prüfung der Schülerin ist demnach für diesen Freitag angesetzt. Sie lebt mit ihren Eltern und einem Bruder in einer 2,5-Zimmer-Wohnung und argumentierte, ihre Konzentrationsfähigkeit sei wegen der Geräuschbelastung durch ihre Familie deutlich gestört. Sie habe nicht wie geplant in einer Bibliothek lernen können, verfüge über keinen eigenen Computer und habe sich auch nicht mit Mitschülern austauschen können. Daher habe sie nicht die gleichen Chancen und Voraussetzungen wie ihre Mitschüler.

Das Gericht betonte in seiner Ablehnung, die Situation der Schülerin sei kein besonderer Ausnahmefall. Die strengen Corona-Regelungen stellten viele Familien vor schwierige Herausforderungen. Wie auch in anderen Lebensbereichen könnten jedoch keine identischen Bedingungen gewährleistet werden. Dazu zähle auch das Problem, dass Schüler mit einem eigenen Zimmer oder einem eigenen Computer bessere Bedingungen zur Prüfungsvorbereitung hätten. Vorbereitungstreffen und das Lernen außerhalb der Wohnung seien für alle Abiturienten nicht erlaubt. Auch der Verweis auf die «pandemiebedingte Stresssituation» reiche nicht aus, um das Abitur zu verschieben, weil Stress und Ängste vor Prüfungen zum individuellen Risiko gehörten.

Nach fünf Wochen Schließung waren die 14 600 Berliner Abiturienten die ersten Schüler, die in dieser Woche nach und nach wieder in ihre Schulen zurückkehrten. Die Abiturprüfungen werden in etwa 150 Schulen abgehalten. Um eine Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu minimieren, müssen sich alle Beteiligten an zahlreiche Abstands- und Hygieneregeln halten.

Die Durchführung der Abitur-Prüfungen war zuletzt heftig umstritten. Der Landesschülerausschuss machte wochenlang Front und forderte ein Abitur ohne Abschlusstests. Viele Schüler seien in der Corona-Krise verunsichert und hätten sich zu Hause nicht richtig vorbereiten können. Andere hätten gesundheitliche Bedenken. Etwa 220 Schüler sollen auf juristischem Wege gegen die Prüfungen vorgehen.

Am vergangenen Freitag hatte das Verwaltungsgericht die Klage einer Schülerin abgewiesen und festgestellt, dass die Prüfungen mit den Abstands- und Hygieneauflagen durchgeführt werden könnten.

21.04.2020 07.30 Uhr

Lehrerverband: Sechste Klassen so schnell wie möglich zur Schule

Nach den sollen ab 4. Mai als nächstes die Viertklässler wieder in die Schule. Der Grund: Sie wechseln nach den Ferien auf eine weiterführende Schule. Die Sechstklässler sollten ebenso behandelt werden, meint die Lehrergewerkschaft VBE.

Die Sechstklässler sollen nach Auffassung der Lehrergewerkschaft VBE am 4. Mai zusammen mit den Viertklässlern in die Schulen zurückkehren. Nicht nur für die Viertklässler stehe nach dem Sommer ein Schulwechsel an, sondern auch für viele Sechstklässler, sagte der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Michael Blanck. Möglicherweise sei das übersehen worden.

In Mecklenburg-Vorpommern gehen die Kinder nach der vierten Klasse zunächst für zwei Jahre auf eine Regionale Schule, um eine für alle gleiche Orientierungsstufe zu absolvieren. Danach wechseln nach Blancks Worten mehr als 30 Prozent des Jahrgangs auf die Gymnasien.

Dort müssen ein neuer Lernstil vermittelt und auch teils erhebliche Unterschiede im Wissensstand der Schüler ausgeglichen werden. Könnten die Sechstklässler nicht schnell in die Schulen zurückkehren, würden die Abstände zwischen den Kindern noch weiter auseinanderklaffen, sagte Blanck. Das sei eine große Herausforderung.

«Die Kinder werden mit sehr unterschiedlichen Wissensständen zurückkommen», sagte Blanck. Der Zugang zu den für den Fernunterricht nötigen digitalen Medien und die Unterstützung durch die Eltern seien sehr unterschiedlich. Es sei zu befürchten, dass einzelne Schüler mit demselben Wissen in die Schule zurückkehren, den sie zum Zeitpunkt der Schulschließungen Mitte März hatten.

Abiturprüfungen beginnen im Norden unter strengen Auflagen

Schriftliche Prüfung in der Corona-Krise: Die Abiturienten schwitzen am Dienstag unter besonderen Umständen. Aus Sicht der Kieler Ministerin sind Schulen und Schüler gut vorbereitet

Für 14 000 Schüler in Schleswig-Holstein wird es von Dienstag an richtig ernst. Sie beginnen unter strengen Auflagen an 160 Schulen im Land ihre schriftlichen Abiturprüfungen. Nach Einschätzung von Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sind die Schulen unter den gegebenen Corona-Umständen gut gerüstet für die Prüfungszeit. Darauf könnten Schüler und Lehrer vertrauen. Die Schüler seien ebenfalls gut vorbereitet.

Es gelten strenge Hygiene- und Abstandsvorgaben. Die Tische der Schüler müssen zur Prüfung zwei Meter voneinander entfernt stehen. Begleitet wird der Prüfungsbeginn von einer Debatte über einen Vorstoß von Prien für Unterricht bis zum Sommer auch am Sonnabend. Sie begründete ihre Idee mit der Notwendigkeit, den Schulbetrieb zu entzerren und dem Ziel, dass Schüler zumindest einmal in der Woche in der Schule lernen können sollten.

Der Dienstag ist auch der zweite Tag, an dem Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche ebenfalls unter strengen Auflagen wieder öffnen dürfen. Zum Start am Montag war die Resonanz der Kunden eher verhalten.

Unterdessen ist die Zahl der in Schleswig-Holstein gemeldeten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus auf 2426 gestiegen. Laut Landesregierung waren dies bis Sonntagabend 9 Fälle mehr als nach der Meldung des Vortags. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich um 5 auf 67. In klinischer Behandlung waren zuletzt 128 Menschen und damit einer weniger als nach der Vortagsmeldung. 1700 Corona-Infizierte sind mittlerweile genesen.

Gymnasiallehrer kritisieren grundsätzliche Versetzung

Wegen der außergewöhnlichen Lage durch das Coronavirus will das Kultusministerium alle Schüler im Südwesten ins nächste Schuljahr versetzen lassen. Die Gymnasiallehrer halten nichts von dem Vorstoß.

Die Gymnasiallehrer im Südwesten sehen eine grundsätzliche Versetzung von Schülern in das nächste Schuljahr kritisch. «Wenn alle Schüler versetzt werden, kommt das dicke Ende eben im nächsten Jahr», sagte Ralf Scholl, der Vorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg. Keinem Schüler dürften wegen der aktuellen Situation Nachteile entstehen. «Aber von vornherein zu sagen, dass kein Schüler sitzenbleiben dürfe, finde ich nicht angemessen. Jedenfalls nicht im Gymnasium.»

Das Kultusministerium hatte am Montag mitgeteilt, dass alle Schüler grundsätzlich in das nächste Schuljahr versetzt werden sollen. Grund sei, dass die Versetzungsentscheidung auf Grundlage der Noten im Jahreszeugnis getroffen würden. Die Bewertung von Schülerleistungen sei in den vergangenen Wochen aber ausgesetzt gewesen und auch in der kommenden Zeit nur sehr stark eingeschränkt möglich. 

Der Landeselternbeirat begrüßte die Entscheidung. «Schülerinnen und Schüler sollen durch die aktuelle Situation keine Nachteile haben», sagte Verbandschef Carsten Rees. Es sei nicht zu verantworten, Schüler ohne solide Leistungsbewertung sitzenzulassen. «Man kann sich doch nicht ehrlich hinstellen und Bewertungen abgeben wollen über Unterricht, der nicht stattgefunden hat.»

Brandenburgische Pädagogen fordern klare Regeln vor Schulöffnung

20.04.2020 20.30 Uhr

Saarland verlegt seine Abiturprüfungen erneut

Wegen der Corona-Krise werden die schriftlichen Abiturprüfungen im Saarland erneut verlegt. Sie sollten nun zwischen dem 20. Mai - also fünf Tage früher als bisher geplant - und dem 4. Juni stattfinden, teilte das saarländische Bildungsministerium am Montag in Saarbrücken mit. Für die Abiturienten habe dies auch den Vorteil, dass die Prüfungen in Mathematik, Englisch und Deutsch auf zwei Wochen verteilt würden, so wie es auch in dem ursprünglichen Zeitplan vorgesehen war.

Die fachpraktischen Prüfungen in den Fächern Musik, Bildende Kunst und Sport werden laut Ministerium zwischen dem 5. Juni und dem 12. Juni durchgeführt. Die mündlichen Prüfungen sind für die Zeit zwischen dem 29. Juni und dem 3. Juli geplant.

Ab dem 4. Mai sollen die Schulen im Saarland unter den Maßgaben des Infektionsschutzes schrittweise wieder geöffnet werden. Im März hatte das Saarland die Abiturprüfungen schon einmal verschoben. Sie sollten ab dem 25. Mai stattfinden, hieß es damals.

Schulen in NRW bereiten sich auf Öffnung vor

Namensschilder, Markierungen für Tische und Desinfektionsspender - die Schulen in NRW bereiten sich auf die Öffnung vor. Am Donnerstag sollen die Abschlussklassen wieder zur Schule gehen. Doch es gibt auch Kritik aus den eigenen Reihen.

Zwei Lehrerinnen schreiten die Wege ab. Wo werden Türen berührt? Welche Wege werden die Schüler gehen? Wo könnten sich Gruppen bilden? In der Geschwister-Scholl-Schule in Gütersloh ist am Montag alles in Bewegung. Klassenzimmer werden umgestellt, Namensschilder auf Tische geklebt und Desinfektionsspender angebracht. In ganz Nordrhein-Westfalen bereiten sich die Schulen auf die schrittweise Öffnung vor. Bis Mittwoch soll alles so bereitstehen, dass Prüflinge der Abschlussklassen ausreichende Schutzmaßnahmen vorfinden, um wieder in die Einrichtungen kommen zu können.

In der Realschule in Gütersloh laufen die Vorbereitungen zwischen Schulleitung, Hausmeistern und Kollegium schon seit einigen Tagen. Insgesamt 150 Jugendliche der zehnten Klassen sollen dort am Donnerstag wieder zur Schule gehen. «Jede Klasse ist in drei Gruppen eingeteilt, so dass wir maximal zehn Kinder in einem Raum haben», sagt Schulleiterin Christiane Piepenbrock. «Wir haben zum Glück drei verschiedene Eingänge zur Schule.» Am Donnerstagmorgen werden dort Lehrer warten, um die Schüler zu ihren Räumen zu bringen. Da klebt dann an jedem Tisch ein Namensschild, damit die Jugendlichen immer am gleichen Platz sitzen. Auf dem Boden sind Markierungen, in denen die Tische stehen müssen. «Wenn einer den Stuhl und Tisch zu weit verschiebt, stimmen die Abstände ja wieder nicht», sagt Konrektor Marcus Indenkämpen.

Das Schulministerium hat für die Rückkehr in die Schulen die zentrale Regel vorgegeben: Abstand halten. Die Lerngruppen etwa müssen so aufgebaut werden, dass zwischen den Schülern untereinander und den Lehrern der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Eine Maskenpflicht in den Schulen soll es nicht geben.

Die Schulleitung der Realschule in Gütersloh ist dennoch mit Masken unterwegs und empfiehlt dies auch. «Wir sind doch Rollenvorbilder. Wenn wir das unseren Schülern nicht demonstrieren, ist das ganz schlecht», so Piepenbrock. Die Schulleiterin hat auch die Schüler im Blick, die weiter zu Hause bleiben müssen. «Das ist alles ganz wunderbar, wenn eine Familie gut ausgestattet ist, aber wir müssen auch die Bildungsgerechtigkeit bei all den Kindern walten lassen, die das nicht haben.» Sie kenne Familien, bei denen es keinen Computer oder Drucker gebe. Außerdem müssten einige Jugendliche zu Hause stark mithelfen und kleinere Geschwister betreuen, weil die Eltern arbeiten und keine Betreuung haben.

Das Problem kennt auch Sophie Halley von der Landesschülervertretung. «Es gibt Schüler*innen, die ihre Eltern im Moment unterstützen und nun vor der Entscheidung stehen, unterstütze ich die Familie oder gehe ich zur Schule und infiziere mich und andere vielleicht», erklärt die 18-Jährige. Die Landesschülervertretung sieht die Öffnung der Schulen kritisch: «Die Gesundheit sollte immer an erster Stelle stehen und die Schulen nun so alleine zu lassen mit der Einhaltung der Vorgaben, spricht nicht von Solidarität.»

Auch die Schulleitungsvereinigung (SLV) NRW warnte am Montag in einem offenen Brief, dass an den meisten Standorten weder die räumlichen noch die personellen Voraussetzungen für eine Schulöffnung gegeben seien. Der Verband Deutscher Privatschulen (VDP) in NRW erklärte, er lehne «eine verfrühte Schulöffnung, ohne Sicherheitsstandards zu gewährleisten», ab. In einer am Montag eingereichten Petition an den Landtag heißt es: «Stoppen Sie die Umsetzung des überhasteten Beschlusses der Landesregierung zum Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht [...].»

Die Leitung der Realschule in Gütersloh sieht der Öffnung der Schulen zwiegespalten entgegen. «Es ist einem schon mulmig, wenn man an Donnerstagmorgen denkt und die über 100 Schüler, die hier auflaufen», so Konrektor Marcus Indenkämpen. Christiane Piepenbrock nickt, fügt aber auch hinzu: «Ich freue mich immer, wenn die Schule voller Kinder ist. Es ist traurig, wenn man seine Schüler so vermisst.»

Ministerin sieht Schulen gut gerüstet - Zoff um Samstagsunterricht

Sollen Schüler bis zum Sommer auch samstags zur Schule gehen? Die Kieler Bildungsministerin Prien befürwortet das - und handelt sich heftige Kritik ein. Auf die anstehenden Prüfungen sind die Schulen nach Priens Überzeugung gut vorbereitet.

Es ist alles vorbereitet: 50 kleine Tische stehen im Zwei-Meter-Abstand voneinander in der hellen, modernen Turnhalle der Goethe Gemeinschaftsschule in Kiel. An einem Tisch sitzt Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU), gibt am Montagnachmittag ein Statement ab zum Stand der Vorbereitungen auf die Abschlussprüfungen und beantwortet Journalistenfragen - begleitet von handfestem Zoff um möglichen Unterricht am Sonnabend.

Die Schulen seien unter den gegebenen Corona-Umständen gut vorbereitet auf die Prüfungszeit, sagt die CDU-Politikerin. Darauf könnten Schüler und Lehrer vertrauen. Im Norden starten am Dienstag die Abiturprüfungen, die Prüfungen zum ersten und mittleren Schulabschluss folgen im Mai.

Auf die Frage nach einem «Corona»-Bonus bei der Notenvergabe sagt Prien: «Natürlich sind die Gesamtumstände zu berücksichtigen.» Ein guter Pädagoge werde das auch tun. Zu Forderungen, jetzt ganz auf Nichtversetzungen zu verzichten, meint die Ministerin, anders als in anderen Ländern sei Sitzenbleiben in Schleswig-Holstein jetzt schon die absoluten Ausnahme. Vielleicht sollten eher weitere Möglichkeiten geschaffen werden, freiwillig ein Jahr zu wiederholen.

Prien überzeugte sich an der Kieler Schule vom Vorbereitungsstand, samt Hygiene- und Abstandsvorgaben. Hier beginnen die Prüfungen für den 9. und 10. Jahrgang im Mai. Prien bekräftigt in der Turnhalle ihre Überlegung, auch samstags unterrichten zu lassen - um zu vermeiden, dass einzelne Jahrgänge in diesem Schuljahr gar nicht mehr in die Schule kommen. Nach ihrem Eindruck auch aus Gesprächen mit Schülern sei es wichtig, zumindest eine Präsenzphase in der Schule zu haben. Dies sei nur bei Entzerrungen leistbar. Sie wolle Unterricht zumindest an einem Tag in der Woche ermöglichen und dafür könne sie sich eine Schulöffnung samstags bis zum Sommer vorstellen.

Mit ihrem Vorstoß, den sie zunächst über den Deutschlandfunk gemacht hatte, löste Prien heftigen Widerspruch aus. Prien mache Politik von oben herab, sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft GEW, Astrid Henke. «Die Einführung von Sonnabendunterricht geht klar zu Lasten der Lehrkräfte.» Statt mit der GEW Lösungen für die Wiederaufnahme des Unterrichts suchen, scheine die Ministerin lieber Schlagzeilen zu produzieren. «Sonnabendunterricht jedenfalls lehnen wir entschieden ab.»

In der Krise rächten sich Versäumnisse der Politik, sagte Henke. Die Sparpolitik vergangener Jahrzehnte falle nun Lehrern Schülern auf die Füße. Henke listete auf: «Warmwasser in Schultoiletten zum Händewaschen Fehlanzeige, Papierhandtücher Luxus, Wlan nicht flächendeckend, dienstliche E-Mail-Adressen für Lehrkräfte noch nicht eingerichtet, Dienst-Laptops für Lehrkräfte auch nicht da.»

Die SPD schloss sich der Kritik an. «Wenn nun die Antwort der obersten Dienstherrin auf das Engagement der Lehrkräfte in der Corona-Krise die Wiedereinführung der Sechstage-Woche ist, muss man sich über Lehrermangel nicht mehr wundern», sagte der Schulpolitiker Kai Vogel. Prien sollte ihre «Geistesblitze» erst mit den Betroffenen erörtern und nur nach einer Verständigung «ins Mikrofon beißen».

Als extrem ungewöhnlich für die Schulen bezeichnete der Prüfungskoordinator der Goethe Gemeinschaftsschule, Markus Michalski, die Situation. «Doppelt aufregend ist es für die Schüler.» Die Ministerin versuchte, den Schülern die Aufregung zu nehmen: «Sie sind gut vorbereitet», sagt Prien in der Turnhalle. Auch seien die Umstände so geregelt worden, dass die Prüfungen gut geschrieben werden können.

An 160 Schulen im Land stehen die Abi-Prüfungen für 14 000 Schülerinnen und Schüler an. Die Regeln sind überall gleich: Die Tische müssen zwei Meter voneinander entfernt stehen, Wege sind zu kennzeichnen, Desinfektionsmittel steht bereit. Schüler mit Vorerkrankungen schreiben in separaten Räumen.

Von Mittwoch an beginnen die Vorbereitungen auf Abschlussprüfungen zum Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA - 10 500 Schüler) und Mittleren Schulabschluss (MSA - 12 000). Am 4. Mai soll in den vierten Grundschulklassen und den Abschluss-Jahrgängen des kommenden Schuljahres der Unterricht wieder beginnen.

Prien kündigt für die nächsten Monate einen Sprung in Sachen Digitalisierung an. Mit Hochdruck werde daran gearbeitet, jene Schüler mit digitalen Endgeräten auszustatten, die zu Hause keine solchen haben.

 

20.04.2020 16.00 Uhr

Kein Schüler im Südwesten soll dieses Jahr sitzenbleiben

Schüler in Baden-Württemberg müssen wegen der Corona-Krise nicht um ihre Versetzung in das nächste Schuljahr bangen. Grundsätzlich werden die Versetzungsentscheidungen auf der Grundlage der Noten im Jahreszeugnis getroffen, teilte das Kultusministerium. «Da die Leistungsbewertung allerdings in den letzten Wochen ausgesetzt wurde und auch in der kommenden Zeit nur sehr stark eingeschränkt möglich sein wird, werden alle Schülerinnen und Schüler grundsätzlich ins nächste Schuljahr versetzt», betonte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Montag. «Keine Schülerin und kein Schüler darf einen Nachteil aus der aktuellen Situation haben, das hat absolut Vorrang.» Über die konkrete Ausgestaltung dieser Entscheidung und Möglichkeiten zur Umsetzung werde das Ministerium noch informieren.

Mit Mundschutz und Abstand - Erste Schüler zurück an den Schulen

Nach einer mehrwöchigen Corona-Zwangspause lernen zumindest die Abschlussklassen nun wieder an den Schulen für ihre Prüfungen. Der erste Schultag ist alles andere als gewöhnlich.

In zwei Reihen stehen die Zwölftklässler bis hinaus vor das Schulgebäude am Campus in Dresden-Pieschen, die meisten tragen freiwillig eine Maske - viele davon bunt und selbstgenäht. Jana Graumann geht von Schüler zu Schüler, verteilt Schutzmasken, spricht über Hygiene- und Abstandsregeln und scheucht kleinere Grüppchen auseinander. «Den Mindestabstand einzuhalten ist schon schwierig», sagt die Lehrerin - zuständig für die Einhaltung der Hygieneregeln an diesem außergewöhnlichen Schultag. Die Masken nehmen die meisten aber bereitwillig an. Auch Paul hat Mund und Nase mit einer Stoffmaske bedeckt. «Ich finde das schon sinnvoll, man sollte auch als junger Mensch Rücksicht nehmen», so der Schüler.

Für gut 100 Jungen und Mädchen des Gymnasiums Klotzsche, das derzeit auf dem Campus in Pieschen untergebracht ist, haben am Montag nach einer mehrwöchigen Zwangspause in der Corona-Krise die Vorbereitungen für das Abitur begonnen. Regulären Unterricht aber gibt es nicht: Die Schüler sitzen zur Konsultation einzeln an den Tischen im Klassenraum, vor dem Betreten werden die Hände desinfiziert.

Die Abiturienten sind die ersten, die am Montag an die Schulen in Sachsen zurückgekehrt sind. Rund 13 000 sind es laut Kultusministerium insgesamt. Die stufenweise Öffnung gehört zu den Lockerungen der Corona-Beschränkungen, die von Montag an in Sachsen gelten. Am Mittwoch folgen die Abschlussklassen an Oberschulen, Berufs- und Förderschulen. Dann bereiten sich rund 60 000 Schüler in kleinen Gruppen auf die anstehenden Prüfungen vor. Die anderen Schüler sollen voraussichtlich ab Mai stufenweise zurückkehren.

Gewerkschaften und der Sächsische Flüchtlingsrat fürchten, dass es nach wochenlangem Hausunterricht vor allem bei Familien mit mehreren ‎Kindern, Alleinerziehenden, bei Flüchtlingsfamilien und in Familien, die auf Grundsicherung ‎angewiesen sind, «massive Benachteiligungen» gibt. So müssten etwa Prüfungen angepasst oder Schulen in benachteiligten sozialen Lagen digitale Endgeräten zu Ausleihen bekommen, um die Defizite besser auszugleichen.

Die Linksfraktion forderte gemeinsame Regelungen und Vorgaben für die Schule in den nächsten Wochen und Monaten. Nötig seien etwa kleinere Lerngruppen sowie eine starke Reduzierung des Unterrichts, hieß es. Zudem müsse der Gesundheitsschutz an den Schulen geklärt werden.

Um Schüler und Lehrer vor einer Infektion zu schützen, hatte das Landesamt für Schule und Bildung sogenannte Hygiene-Starterpakete für zunächst rund 50 000 Schüler und 20 000 Lehrer bereitgestellt, für die der Schulalltag nun wieder beginnt.

Der Schulleiter des Gymnasiums Klotzsche, Frank Haubitz, rief die Abiturienten auf, Abstand zu halten und sich an die Regeln zu halten. «Das Wichtigste ist euer Abitur und das wollen wir so gut wie möglich schaffen», sagte er am Montagmorgen. Die vergangenen Wochen in einem leeren Schulgebäude seien schwer gewesen, so Haubitz. «Ich bin froh, dass die ersten wieder da sind und hoffe, dass in den nächsten Wochen noch viele meiner Schüler zurückkehren.»

Los geht's mit dem Abi in Brandenburg - trotz der Corona-Krise

Die Brandenburger Schulen öffnen allmählich wieder - die ersten sind die Abiturienten. Nicht alle Schüler wollen Abiprüfungen, der Landesschülerrat ist aber dafür. Der Lehrerverband sieht den Start als Test.

Die Abiturprüfungen in Brandenburg haben begonnen - trotz Corona-Krise. Den Anfang machten am Montag fast 2700 Schüler an 98 Schulen, die bei mindestens 1,50 Meter Abstand und unter strengen Hygieneregeln Arbeiten in Geografie, Geschichte und Politische Bildung schreiben sollten. Prüfungstermine in Fächern wie Kunst oder Gestaltungs- und Medientechnik legen die Schulen selbst fest. Am 5. Mai, dem letzten Haupttermin für die schriftliche Prüfung, steht Mathematik an. Nachschreibetermine sind bis in den Juni geplant - wer sich psychisch belastet oder krank fühlt, soll darauf ausweichen. Rund 85 Prozent der Schulen haben sich bei einer Umfrage dafür entscheiden, bei den Hauptterminen mitzumachen. Auch in Berlin ging das Abi los, allerdings mit Latein.

Der Brandenburgische Pädagogen-Verband hält den Start für einen Test für die weitere Öffnung der Schulen. «Es ist zu schaffen», sagte Präsident Hartmut Stäker der Deutschen Presse-Agentur. «Die Bedingungen waren klar.» Das versuchten die Schulen umzusetzen. Er verwies auf Mindestabstand und Händewaschen. An seiner Schule, dem Oberstufenzentrum Lübben, geht die erste Prüfung erst am Freitag los. Stäker hält es für richtig, dass die Schüler kein Abitur auf der Grundlage von Durchschnittsnoten ohne Prüfungen machen. Die Schüler, die ein solches Durchschnittsabitur machten, hätten ihr Leben lang «damit zu tun, dass sie ein Notabitur gemacht haben».

Der Landesschülerrat Brandenburg zeigte sich «relativ glücklich», dass die Abiturprüfungen stattfinden. «Wir (...) wollten schon immer eigentlich den Schülerinnen und Schülern die Chance geben, diese Prüfungen schreiben zu können», sagte Sprecherin Nele Dreizehner im Radio eins vom RBB. «Allerdings können wir vollkommen verstehen, wenn sich Schülerinnen und Schüler für ein Durchschnittsabitur entschieden haben, was jetzt natürlich nicht umgesetzt werden kann.» Sie betonte: «Wir konnten nicht garantieren, dass jede Uni diesen 2020er-Jahrgang einfach so akzeptiert wie ein ganz normales Abitur.»

Die Mehrheit von 1701 befragten Schülern sprach sich in einer Umfrage des Landesschülerrats für ein Durchschnittsabitur aus, wenn es sehr lange nicht möglich sein sollte, Abiturprüfungen zu schreiben. Ebenfalls eine Mehrheit sah keine Verbesserung des Abi-Schnitts durch die Prüfungen. Die Sprecherin des Schülerrats wies darauf hin, dass die Umfrage nicht repräsentativ sei.

Am kommenden Montag beginnen Schüler mit Unterricht, die in diesem Jahr die Fachoberschulreife oder Erweiterte Berufsbildungsreife machen wollen. Das gilt für die 10. Klasse an Oberschulen, Gesamtschulen, Gymnasien und bestimmten Förderschulen. Am 4. Mai sollen die Schulen für die Klassen öffnen, die im nächsten Jahr einen Abschluss planen - die Jahrgangsstufen 9 in Oberschulen, Gymnasien und Gesamtschulen, die Stufen 11 an Gymnasien und 12 an Gesamtschulen und beruflichen Gymnasien. Die sechsten Klassen werden dann ebenfalls wieder unterrichtet.

Kritik an fehlenden Desinfektionsmitteln in Schulen

Der Hygiene-Erlass des Bildungsministeriums sieht keine Handdesinfektionsmittel auf den Schultoiletten in Mecklenburg-Vorpommern vor. Das ruft Kritik hervor. Für Schulbusse werden Begleiter gefordert.

Der Hygieneplan des Bildungsministeriums für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern ist nach Auffassung der Lehrergewerkschaft VBE lückenhaft. So sollen die Schulen nicht mit Handdesinfektionsmitteln für die Schultoiletten versorgt werden, wie der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck, am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Schwerin sagte. «Das hat uns überrascht. Das sieht in anderen Bundesländern anders aus.»

Das Bildungsministerium hält - nach Konsultation mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales sowie Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Rostock - eine Hände-Desinfektion in der Schule nicht für notwendig. Die Experten hätten erklärt, dass die Gefahren die Vorteile überwiegen würden, sagte Ministeriumssprecher Henning Lipski. «Am wichtigsten ist, die Hände regelmäßig und gründlich mit Seife zu waschen.»

Der Hygieneplan des Ministeriums sieht unter anderem vor, dass die Pausen der einzelnen Klassen versetzt stattfinden sollen und dass Lehrer den Zugang zur Toilette kontrollieren. So soll vermieden werden, dass sich zu viele Schüler in den Toilettenräumen aufhalten. Vorgeschrieben sind Spender mit Flüssigseife und Einmalhandtücher. Blanck wundert sich: «Wenn Ladengeschäfte Handdesinfektionsmittel für ihre Kunden bereitstellen, muss das ja einen Sinn haben», sagte er.

Für die Schulbusse forderte Blanck Begleitpersonen. Sie müssten darauf achten, dass die Schüler den geforderten Mindestabstand zueinander einhalten. Das könne man dem Busfahrer nicht aufbürden, der auf den Verkehr achten müsse.

Dieser Forderung schloss sich die Linke im Landtag an. «Es kann nicht Aufgabe des Busfahrers oder der Busfahrerin sein, darauf zu achten, dass sich alle Gäste an die Vorschriften, zum Beispiel an das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes halten», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Lehrer sollten die Aufgabe aber nicht noch zusätzlich übernehmen. Oldenburg forderte die Landesregierung auf, die Schulwegbegleitung a

NRW-Schulleiter warnen vor Öffnung: Nichts «Unmögliches» umsetzen

Die schrittweise Öffnung der nordrhein-westfälischen Schulen schon ab dieser Woche stößt im Kreis der Rektoren und Direktoren auf große Skepsis. In einem am Montag veröffentlichten Offenen Brief warnt die Schulleitungsvereinigung (SLV) NRW, an den meisten Standorten seien weder die räumlichen noch die personellen Voraussetzungen für eine Schulöffnung gegeben. Die Schulen haben bis Mittwoch Zeit, alles so vorzubereiten, dass Prüflinge der Abschlussklassen ausreichende Schutzmaßnahmen vorfinden, um wieder in die Bildungseinrichtungen kommen zu können.

«Es entsteht jetzt eine kurze Galgenfrist für die Schulträger, umgehend alle Schulstandorte mit den entsprechenden Ressourcen - Mundschutz, Desinfektionsmittel, Reinigungspersonal - auszustatten», kritisiert die Vereinigung. «Viele von uns aber befürchten aus der Erfahrung, dass dies nicht ohne Komplikationen vonstatten gehen wird. Schließlich handelt es sich um dieselben Schulträger, die schon unter normalen Alltagsbedingungen mit den Rahmenbedingungen für Sauberkeit und Hygiene ihre Schwierigkeiten haben.»

Die SLV rät allen Schulleitern, «im Zweifelsfall keine Maßnahmen zu vertreten und umzusetzen, die nicht zu 100 Prozent den Vorgaben entsprechen». Infektionsschutz müsse an erster Stelle stehen. Schulleiter müssten aufpassen, dass sie am Ende nicht «sich für etwas rechtfertigen müssen, das sie in bester Absicht gemacht haben und so "das Unmögliche" möglich gemacht haben». Die Vereinigung organisiert nach eigenen Angaben an den insgesamt etwa 5500 Schulen in NRW schulformübergreifend rund 800 Leiter.

Das Schulministerium hat für die Rückkehr in die Schulen die zentrale Regel vorgegeben: Abstand halten. So müssen die Lerngruppen etwa so aufgebaut werden, dass zwischen den Schülern untereinander und den Lehrern der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Eine Maskenpflicht in den Schulen soll es nicht geben.

 

20.04.2020 8.15 Uhr

Auf dem Weg zu neuer Normalität: Mehr Läden und erste Schulen öffnen

Ikea bleibt noch zu, aber kleine und mittlere Geschäfte dürfen wieder öffnen. Im ersten Bundesland werden auch die Schulen für einige Klassen wieder geöffnet. Erste Schritte auf dem Weg zu einer neuen Art von Normalität. Ob die alte wiederkehren wird, ist ungewiss.

Deutschland beginnt an diesem Montag mit der vorsichtigen Lockerung von Einschränkungen in der Corona-Krise. Nach einem Monat Zwangspause dürfen Geschäfte unter einer Fläche von 800 Quadratmetern wieder aufmachen. Die Details hängen von Branche und Bundesland ab. In den ersten Ländern geht für die Abschlussklassen die Schule wieder los. Die strikten Kontakt- und Abstandsregeln gelten jedoch weiter. Und Sachsen führt sogar eine Maskenpflicht ein.

WER ÖFFNEN DARF: Nach dem jüngsten Beschluss von Bund und Ländern dürfen kleine und mittelgroße Geschäfte an diesem Montag wieder öffnen. Autohäuser, Fahrradhändler und Buchhandlungen dürfen sogar alle wieder aufmachen. Allerdings müssen sich die Kunden in manchen Bundesländern länger gedulden als anderswo.

DIE DISKUSSION DARÜBER: Der Einzelhandelsverband HDE forderte eine faire Lösung für die gesamte Branche. «Vielen Händlern helfen die getroffenen Beschlüsse nicht weiter», sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der Deutschen Presse-Agentur. Nötig sei eine faire Regelung, die auf den ersten Blick für alle transparent sei. Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann (CDU) plädierte in der «Rheinischen Post» (Montag) für verkaufsoffene Sonntage, um den Einzelhandel zu stärken.

WAS NOCH GELOCKERT WIRD: In Sachsen kehren die ersten Abschlussklassen an die Schule zurück, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten, am Donnerstag folgt Nordrhein-Westfalen. Berlin und Brandenburg beginnen mit den verschobenen Prüfungen, sie sind aber nicht die ersten: Hessen und Rheinland-Pfalz hatten an ihren regulären Prüfungsterminen festgehalten und bereits früher damit begonnen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, der bayerische Gymnasiumsdirektor Heinz-Peter Meidinger, wünscht sich, dass «Kommunen und Landkreise für die jetzt ja noch überschaubare Anzahl an Abschlussschülern und deren Lehrkräfte einen einfachen Mundschutz zur Verfügung stellen», wie er der «Passauer Neuen Presse» (Montag) sagte.

Zudem öffnen in einigen Regionen auch die Zoos wieder. Sachsen ermöglicht als erstes Bundesland wieder Gottesdienste, mit maximal 15 Gläubigen. Und nicht nur dort dürfen an Hochschulen Labore, Bibliotheken und Archive unter strengen Auflagen wieder öffnen.

Am Montag berät außerdem erstmals eine Arbeitsgruppe, wie eine schrittweise Wiederöffnung der Kitas aussehen kann. Viele Eltern arbeiten derzeit nicht nur zuhause, sondern müssen sich dort auch noch um die Kinder kümmern.

WO NICHT GELOCKERT WIRD: In den meisten Bundesländern startet das Hochschulsemester - allerdings nicht mit herkömmlichen Vorlesungen und Seminaren, sondern nur mit digitalen Lehrveranstaltungen. Und Restaurants dürfen weiterhin nur liefern, andere wie Kosmetikstudios, Massagepraxen, Theater, Schwimmbäder und Spielplätze bleiben ganz zu.

WO VERSCHÄRFT WIRD: Quasi als Absicherung zu seinen sehr weit gehenden Lockerungen führt Sachsen als erstes Bundesland eine Maskenpflicht ein: Beim Einkauf und im Nahverkehr ist dort ab Montag ein Mund-Nasen-Schutz oder Schal zu tragen. Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten hatten dies bei der Festlegung des Kurses für die nächsten Wochen lediglich «dringend empfohlen».

WAS DIE LOCKERUNGEN BEDEUTEN: Sie gingen «an die Grenze dessen, was vertretbar ist», sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Sonntagabend in der ARD-Sendung «Anne Will». «Wir werden auf jeden Fall eine Zunahme von Infektionen erleben.» In drei Wochen werde man sehen, ob die Lockerungen zu weitgehend gewesen seien. Bis Sonntagabend waren nach einer dpa-Auswertung mehr als 142 300 Infektionen und mindestens 4415 infizierte Tote registriert.

WIE LANGE DAS NOCH GEHEN WIRD: Die strikten Kontaktbeschränkungen gelten bislang bis zum 3. Mai. Am 30. April wollen Merkel und die Ministerpräsidenten erneut beraten. Die Abstandsgebote und verschärften Hygieneregeln werden nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aber noch lange gelten. Er rechne noch «über Monate» damit, sagte er am Sonntagabend im ZDF. «Bis es einen Impfstoff gibt, werden wir miteinander und aufeinander aufpassen müssen.» Nach Einschätzung von Experten ist mit einem Impfstoff nicht vor dem nächsten Frühjahr zu rechnen.

19.04.2020 19.45 Uhr

Abiturprüfungen in Corona-Zeiten beginnen an Berliner Schulen

Trotz zuletzt heftiger Kritik von Schüler- und Elternvertretern beginnen am Montag in Berlin die Abiturprüfungen. Zunächst stehen vor allem die schriftlichen Arbeiten in Latein an, teils aber auch in anderen Fächern. Nach fünf Wochen Schließung sind die 14 600 Abiturienten die ersten, die wieder in ihre Schulen zurückkehren. Die Abiturprüfungen werden in etwa 150 staatlichen Schulen und einigen weiteren Einrichtungen freier Träger abgehalten - unter bislang nie da gewesenen Umständen. Um eine Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu minimieren, gelten dort zahlreiche Abstands- und Hygieneregeln.

Der Landesschülerausschuss machte wochenlang gegen die Prüfungen Front und forderte ein Abi ohne Abschlusstests. Viele Schüler seien in der Corona-Krise verunsichert und hätten sich zu Hause nicht richtig vorbereiten können. Etliche hätten gesundheitliche Bedenken. Auch die Elternvertretung äußerte sich kritisch. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte dagegen wiederholt auf die Abstandsregeln verwiesen und unterstrichen, dass Berlin die Prüfungen nicht im Alleingang absagen könne. Im Sinne einer bundesweiten Anerkennung des Berliner Abiturs sei ein gemeinsames Vorgehen der Länder nötig.

Sachsens Abiturienten kehren nach vier Wochen an Schulen zurück

Nach vier Wochen kehren die ersten Schüler in Sachsen an ihre Schulen zurück. Los geht es am Montag mit den Prüfungsvorbereitungen für die Abiturienten, am Mittwoch folgen dann die Abschlussklassen an Oberschulen, Berufs- und Förderschulen. Regulären Unterricht gibt es nach Angaben des Kultusministeriums jedoch vorerst nicht. Die Jungen und Mädchen, die demnächst ihr Abitur ablegen, sollen in kleinen Gruppen lernen, in denen die Hygiene- und Abstandsregeln entsprechend eingehalten werden können. Auch für die anderen Abschlussklassen geht es vor allem um die Prüfungsvorbereitungen.

Um die Schüler vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, werden die Schulen mit Hygiene-Starterpaketen ausgerüstet. Sie beinhalten Handdesinfektionsmittel und textile Schutzmasken.

 

19.04.2020 16.00 Uhr

Abi am Dienstag in Schleswig-Holstein - Schulen öffnen langsam

Die schriftlichen Abiturprüfungen starten in Schleswig-Holstein wie geplant am Dienstag, andere Schüler dürfen wegen der Corona-Gefahr erst nach und nach die Schulen betreten. Darauf wies die Landesregierung in Kiel am Sonntag hin. Von Mittwoch an beginnen die Vorbereitungen auf Abschlussprüfungen zum Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA) und Mittleren Schulabschluss (MSA). Die Teilnahme an den Vorbereitungen für die Abschlussprüfungen sind für alle Schülerinnen und Schüler in den Räumen der Schule verpflichtend, sofern sie nicht zur Risikogruppe gehören. Inwiefern Lehrerinnen und Lehrer ab Montag in der Schule oder im Homeoffice arbeiten, erfahren diese durch ihre Schulleitungen.

Die Notbetreuung wird zudem ausgeweitet. Unter anderen berufstätige Alleinerziehende, die keine Alternativbetreuung organisieren können, sind nun auch berücksichtigt. Das Bildungsministerium wies besonders darauf hin, dass Eltern sich melden, bevor sie ihr Kind zur Notbetreuung bringen. Zur Organisation der Hygieneregeln sei es wichtig, dass Kinder nicht unangekündigt gebracht werden. «Wichtig ist, dass die Notfallbetreuung auch weiterhin eine Betreuung nur für den Notfall ist», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). «Für die Lehrkräfte im Land ist der Hinweis wichtig, dass sie auch einen Anspruch auf Notfallbetreuung für ihre Kinder haben, sofern sie in den Schulen gebraucht werden.»

Erst am 4. Mai soll in den vierten Grundschulklassen und den Abschluss-Jahrgängen des kommenden Schuljahres der Unterricht wieder beginnen. Ein entsprechender Erlass steht noch unter dem Vorbehalt der Kultusministerkonferenz am 29. April. Stattfinden sollen von Montag an die Prüfungen an den Hochschulen.

 

19.04.2020 09.30 Uhr

Schulen sollen wieder öffnen - Geteiltes Echo bei Eltern und Schülern

Angehende Schulabsolventen sollen ab kommender Woche wieder zum Unterricht in die Schule kommen. Der Landeselternrat kann sich nicht vorstellen, wie dabei die Abstandsregeln eingehalten werden sollen. Ein Schülerverband fordert weitere Schutzmaßnahmen.

Ab Donnerstag sollen die Schulen in Sachsen-Anhalt wieder öffnen - zunächst aber nur für Schüler, die noch in diesem Jahr ihren Abschluss machen sollen. Eltern und Schüler reagierten unterschiedlich auf den Fahrplan der Landesregierung. Der Landeselternrat Sachsen-Anhalt bezweifelt, dass der Plan zur schrittweisen Wiederaufnahme des Schulbetriebs aufgeht. «Wie das funktionieren soll, ist mir noch nicht klar», sagte der Vorsitzende Matthias Rose der Deutschen Presse-Agentur. «Ich sehe nicht, wie etwa die Abstandsregeln in den Klassenräumen, auf dem Pausenhof oder in Schulen eingehalten werden sollen.»

Am Freitag hatte Bildungsminister Marco Tullner (CDU) seinen Zeitplan für die schrittweise Wiederöffnung der Schulen vorgestellt. Zuerst sollen demnach Schüler, die in diesem Schuljahr ihren Abschluss machen, wieder zum Unterricht erscheinen. Ab kommendem Donnerstag dürfen Prüfungsvorbereitungen an den Schulen stattfinden. Ab 4. Mai starten dann die schriftlichen Abiprüfungen, eine Woche später die Realschulprüfungen. Ebenfalls ab 4. Mai soll der Unterricht in den Schulen wieder für Schüler beginnen, die im kommenden Schuljahr ihren Abschluss machen sollen.

Elternrat Rose begrüßt zwar, dass die Abschlussprüfungen wie geplant stattfinden können, bezweifelt aber, dass sich in der Zeit der Schulschließungen alle Schüler gleich gut darauf vorbereiten konnten. Das habe viel mit dem sozialen und familiären Umfeld der Schüler zutun. Auch seien die wenigstens Lehrer dafür geschult gewesen, auf Formen des digitalen Unterrichts auszuweichen. «Das Glück hatten nur wenige», sagte Rose.

Die Schüler Union (SU) in Sachsen-Anhalt hat die schrittweise Öffnung der Schulen begrüßt, fordert aber weitergehende Sicherheitsregeln. «Die Maßnahmen, die Schüler möglichst weiträumig zu unterrichten, sind richtig und wichtig - reichen jedoch nicht», teilte der CDU-nahe Schülerverband mit. «Daher fordert die SU eine Pflicht zum Tragen von Mund- und Nasenschutz in Schulen.» Außerdem sollten die Klassen verkleinert und der Unterricht auf den Vor- und Nachmittag verteilt werden.

Noch bis Donnerstag haben die Schulen Zeit, die Vorgaben Tullners an den Schulen umzusetzen. Der Salzlandkreis traf bereits am Wochenende erste Vorkehrungen, um den Schülern eine möglichst reibungslose Rückkehr ins Klassenzimmer zu ermöglichen. «Wir sind gut aufgestellt und werden alles tun, was in dieser besonderen Situation notwendig ist, damit sich die Schülerinnen und Schüler auf ihre Abschlussprüfungen konzentrieren können», teilte Landrat Markus Bauer (SPD) mit.

So sollen die Busse im Landkreis ab kommendem Donnerstag, wenn die Prüfungsvorbereitungen für die Abschlussklassen in den Schulen starten, zu den Schulzeiten wieder normal verkehren. «Damit wollen wir es den Schülern und ihren Eltern nicht unnötig kompliziert machen», sagte Bauer. Der Sicherheitsabstand zwischen den Schülern könne in den Bussen gewährleistet werden. In den Schulen treten außerdem besondere Hygiene- und Reinigungspläne in Kraft: Auf den Toiletten sollen genügend Seife und Einmalhandtücher bereitgestellt werden, außerdem sollen Desinfektionsmittelspender an den Wänden angebracht werden.

NRW: Genügend Abstand in Schulen halten - aber keine Maskenpflicht

Vor der schrittweisen Öffnung der Schulen in der kommenden Woche hat das Schulministerium die Schulen in Nordrhein-Westfalen über die notwendigen Hygienevorgaben informiert. Die zentrale Regel dabei lautet: Abstand halten. So müssen die Lerngruppen etwa so aufgebaut werden, dass zwischen den Schülern untereinander und den Lehrern der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Außerdem sollen Namenslisten erstellt werden, um Kontakte im Fall einer Infektion nachverfolgen zu können.

«Die Einhaltung des Infektionsschutzes war, ist und bleibt die Grundvoraussetzung, um erste und vorsichtige Schritte aus der durch das Coronavirus bedingten Ausnahmesituation zu unternehmen», sagte der Staatssekretär für Schule und Bildung, Mathias Richter, der Deutschen Presse-Agentur. Eine Info-Mail mit den Vorgaben sei am Samstag an die Schulen verschickt worden, hieß es aus dem Ministerium.

Darin heißt es außerdem: Schüler oder Lehrer mit Symptomen sollen von Unterricht sowie Prüfungen ausgeschlossen werden. Es sei außerdem darauf zu achten, dass Trinkflaschen oder Gläser nicht gemeinsam genutzt würden. Außerdem sehen die Vorgaben ausreichende Waschbecken und Seifenspender vor, damit Hände regelmäßig gewaschen werden können. Darüber hinaus wird die generelle Corona-Etikette - also Niesen und Husten in den Ellbogen und aufs Händeschütteln verzichten - empfohlen. Auf eine generelle Maskenpflicht in Schulen verzichtet das Land. Als Grundlage hatte das Schulministerium ein Gutachtern von Wissenschaftlern unter anderem der Uni Bonn beauftragt.

Das Schulpersonal hat nun bis Mittwoch Zeit, die Maßnahmen umzusetzen. Ab Donnerstag sollen die ersten Schüler, bei denen Abschlussprüfungen anstehen, auf freiwilliger Basis wieder in die Schule kommen dürfen.

 

18.04.2020 14.00 Uhr

Piazolo: Termin für Abitur-Prüfungen bleibt - Lösung für Klausuren

Das Coronavirus wirbelt auch die Prüfungsvorbereitungen an den Schulen durcheinander, die Termine sowieso. Schüler sorgen sich um faire Bedingungen. Der Kultusminister aber beschwichtigt.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) will am coronabedingt verschobenen Start der Abiturprüfungen am 20. Mai nicht rütteln. Dafür gibt es nach seinen Worten aber bereits eine einvernehmliche Lösung, damit noch ausstehende Klausuren bis dahin nicht in der geplanten Form geschrieben werden müssen.

«Wir wollen am Termin für die Abiturprüfungen festhalten, das ist das Ziel», sagte Piazolo am Samstag der Deutschen Presse-Agentur in München. «Deshalb sind wir intensiv mit dem Landesschülerrat in Kontakt und haben auch schon eine einvernehmliche, gute Lösung gefunden. Klar ist: Noch ausstehende Klausuren müssen nicht in der eigentlich vorgesehenen Form geschrieben werden.» Die genauen Details will Piazolo erst Anfang der neuen Woche bekanntgeben. «Aber Fakt ist: Wir werden den Schülern sehr weit entgegenkommen», betonte er.

Piazolo reagierte mit seiner Klarstellung auf Kritik der Bezirksschülersprecher der Gymnasien aus Unterfranken, Niederbayern, Schwaben und der Oberpfalz. Diese hatten gefordert, die Prüfungen auf einen Termin nach den Pfingstferien zu verschieben. Viele Schüler befürchten offenbar, dass sie in verschiedenen Fächern noch Klausuren des laufenden Halbjahres nachschreiben müssen. In dieser Logik blieben am Ende nur vier freie Tage zur Vorbereitung der eigentlichen Prüfungen. Vor der Corona-Krise waren dafür mehr als drei Wochen vorgesehen.

Piazolo sagte zu der Kritik: «Auch der Landesschülerrat war eingebunden und ist einverstanden. Das konnte lediglich in der Eile offenbar noch nicht an alle Schülervertretungen kommuniziert werden.»

Die Bezirksschülersprecher hatten argumentiert, nur mit einer Verschiebung des Prüfungsbeginns könnten faire Bedingungen und eine Vergleichbarkeit der Abiturjahrgänge gewährleistet werden. Obwohl Fairness versprochen worden sei, führe der enge Zeitplan nun zu erheblichen Nachteilen, hieß es in einem offenen Brief an den Kultusminister, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

«An der Uni wird später niemand darauf Rücksicht nehmen, dass man im Corona-Jahrgang Abitur gemacht hat», sagte Pauline Behnke, Bezirksschülersprecherin der Gymnasien in Unterfranken. Gerade weil in den vergangenen Wochen nicht alle Schüler zu Hause die gleichen Lernbedingungen hatten, bräuchte es mehr Zeit, um den Prüfungsstoff zu wiederholen.

Nach wochenlangen coronabedingten Schulschließungen hatten Bund und Länder am vergangenen Mittwoch einen langsamen Neustart in Stufen beschlossen. Das bayerische Kabinett hatte daraufhin am Donnerstag entschieden, dass als erstes die Abschlussklassen an den verschiedenen Schularten wieder zurück an die Schulen sollten, und zwar im Freistaat am 27. April.

Schwache Schüler sollen nicht unter Corona-Nachteilen leiden

Schwache Schüler sollen nicht unter dem Unterrichtsausfall wegen der Corona-Krise leiden. Das Land habe an die Schulen die klare Botschaft gerichtet, dass es nicht «Business as usual» geben solle, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Samstag auf NDR 1 Niedersachsen. Normalerweise müssen im April bei versetzungsgefährdeten Schülern «Blaue Briefe» verschickt werden. Es gebe die Bitte an Lehrer und Schulen, bei der Leistungsbewertung die derzeit besondere Situation zu berücksichtigen. Schülerinnen und Schüler hätten auch Anspruch, mit Nachprüfungen und zusätzlichen Leistungen ihre Noten zu verbessern.

In Niedersachsen sind die Schulen seit Mitte März geschlossen. Vom kommenden Mittwoch an sollen Schüler Online-Unterricht erhalten. Ab 4. Mai sollen die Klassen schrittweise wieder in die Schulen zurückkehren. Für die Abschlussklassen der Jahrgänge 10 und 13 beginnt der Unterricht bereits am 27. April. 

18.04.2020 10.30 Uhr

Schülervertreter fordern Verschiebung der Abiturprüfungen

In der bayerischen Schülerschaft formiert sich Widerstand gegen die Abiturpläne der Staatsregierung. Die Bezirksschülersprecher der Gymnasien aus Unterfranken, Niederbayern, Schwaben und der Oberpfalz fordern, die Abiturprüfungen auf einen Termin nach den Pfingstferien - also um etwa dreieinhalb Wochen - zu verschieben. Nur so könnten faire Bedingungen und eine Vergleichbarkeit der Abiturjahrgänge gewährleistet werden.

Erst am Donnerstag betonte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler), dass für die Abiturienten der reguläre Unterricht Ende April wieder starten und die Prüfungen wie geplant am 20. Mai stattfinden sollen. Viele Schüler befürchten nun offenbar, dass sie zusätzlich bis zum Notenschluss am 15. Mai in verschiedenen Fächern noch Klausuren des laufenden Halbjahres nachschreiben müssen. In dieser Logik blieben am Ende nur vier freie Tage zur Vorbereitung der eigentlichen Abiturprüfungen. Vor Ausbruch des Coronavirus waren dafür mehr als drei Wochen vorgesehen. 

Obwohl Fairness versprochen wurde, führe der enge Zeitplan nun zu erheblichen Nachteilen, heißt es in einem offenen Brief an den Kultusminister, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «An der Uni wird später niemand darauf Rücksicht nehmen, dass man im Corona-Jahrgang Abitur gemacht hat», sagt Pauline Behnke, Bezirksschülersprecherin der Gymnasien in Unterfranken. Gerade weil in den vergangenen Wochen nicht alle Schüler zu Hause die gleichen Lernbedingungen hatten, bräuchte es mehr Zeit, um den Prüfungsstoff zu wiederholen. 

Das Ministerium äußerte sich auf Anfrage zurückhaltend. Eine endgültige Entscheidung hinsichtlich des Prüfungstermins sei noch nicht getroffen worden, teilte ein Sprecher mit. Kommende Woche soll zusammen mit Lehrern, Eltern und Schülern über die «Modalitäten der Abiturprüfungen» diskutiert werden. Da gehe es unter anderem auch um die Frage, wie das laufende Halbjahr gewertet wird und welche Klausuren nachgeschrieben werden müssen.

 

17.04.2020 20.00 Uhr

#SchulboykottNRW: Harsche Kritik an Wiedereröffnung bei Twitter

Das Vorhaben der nordrhein-westfälischen Landesregierung, kommende Woche den Schulbetrieb wieder anlaufen zu lassen, sorgt für Proteste im Internet. Unter dem Hashtag #SchulboykottNRW meldeten sich beim Internetdienst Twitter am Freitag Tausende Benutzer zu Wort, die sich um die Gesundheit von Schülern und Lehrern sorgten. In vielen sarkastischen Grafiken wurden zum Beispiel Friedhöfe oder ein Abiball voller Grabsteine gezeigt.

Die weiterführenden Schulen öffnen ab kommendem Donnerstag wieder die Pforten für Prüflinge der Jahrgangsstufen 10, 12 und 13. Sie sollen dort nicht nach klassischem Stundenplan unterrichtet werden, sondern gezielte Angebote zur Prüfungsvorbereitung auf das Abitur oder mittlere Abschlüsse erhalten.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte in dieser Woche betont, es sei den Schülern freigestellt, daran teilzunehmen oder zu Hause weiterzulernen. SPD und Grüne lehnen das ab. «Es ist unzumutbar, dass die Schülerinnen und Schüler sich jetzt zwischen Gesundheitsschutz für ihre Familie und Prüfungsvorbereitung in der Schule entscheiden müssen», beklagten die Grünen. Auch die SPD kritisierte «unnötigen Entscheidungsdruck» und Verunsicherung. Dagegen hatte die AfD im Schulausschuss davor gewarnt, sich von «einigen wenigen Schülern» vor den Karren spannen zu lassen, die einfach keine Prüfungen ablegen wollten. Die meisten wollten zur Schule, betonte die Fraktion.

Dagegen warnte der Lehrerverband NRW am Freitag vor einem Frühstart, der nicht einmal die Zeit lasse, die nötigsten Hygiene- und Schutzmaßnahmen sicherzustellen. «Die Landesregierung darf Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler nicht einem solchen Gesundheitsrisiko aussetzen», unterstrich der Vizevorsitzende Sven Christoffer in einer Mitteilung. Die Schulträger haben vom Ministerium von Montag bis Mittwoch Zeit für die Vorbereitungen eingeräumt bekommen.

Hamburger Schulen werden ab 27. April hochgefahren

In Hamburg wird der Schulbetrieb ab dem 27. April langsam wieder hochgefahren. Damit folge man dem Beschluss der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin, zunächst die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen auf ihren Schulabschluss vorzubereiten, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Freitag nach einer Senatssitzung zur Lockerung der Corona-Beschränkungen. Ab dem 4. Mai sollen die 4. Klassen der Grundschulen, die 6. Klassen der Gymnasien sowie die Oberstufen von Stadtteilschule und Gymnasium folgen.

Damit sich niemand infiziert, sollen alle Klassen in zwei Lerngruppen getrennt werden, die abwechselnd einen Klassenraum nutzen oder fernunterrichtet werden sollen. Die Schulen sollen die entsprechenden Angebote bis zu den Maiferien aufbauen, sagte Rabe. «Es ist ein vorsichtiger erster Schritt (...) hier gilt für uns Sorgfalt vor Geschwindigkeit.»

Abschlussprüfungen für Real- und Hauptschulen werden verschoben

Hessen verschiebt wegen der Corona-Pandemie die Abschlussprüfungen für Real und Hauptschulen. Die schriftlichen Examen seien nun vom 25. bis 29. Mai vorgesehen, teilte das Kultusministerium am Freitag mit. Ursprünglich waren sie zwei Wochen früher geplant gewesen. Auch für die Fachoberschulen wurden die Abschlussprüfungen verschoben und nun auf den Zeitraum zwischen dem 14. und 19. Mai terminiert. Entsprechend verschoben wurden auch die Termine für Nachzügler.

An Hessens Schulen wird vom 27. April an schrittweise wieder der Unterricht aufgenommen, beginnend zunächst mit den Abschlussjahrgängen und den vierten Klassen an Grundschulen.

Die Schülerinnen und Schüler in Hessen müssen zudem nicht damit rechnen, sitzenbleiben zu müssen. «Da die Leistungsbewertung in diesem Schulhalbjahr nur eingeschränkt möglich sein wird, soll in der Regel eine Versetzung erfolgen», erklärte das Ministerium. In Fällen, bei denen schon vor Schließung der Schulen wegen des Coronavirus die schulischen Leistungen womöglich nicht für eine Versetzung gereicht hätte, soll das Gespräch mit Schüler und Eltern gesucht werden, um auf die Möglichkeit der freiwilligen Wiederholung des Schuljahres hinzuweisen.

 

17.04.2020 13.00 Uhr

GEW-Vorsitzender: Abiprüfungen sind Lackmustest für den Schulstart

Bei den am Montag beginnenenden Abiturprüfungen muss laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) der Gesundheitsschutz aller Beteiligten im Vordergrund stehen. Den Sicherheitsabstand von 1,50 Meter in den Schulen durchgehend einzuhalten, könnte nach Einschätzung des Berliner GEW-Vorsitzenden Tom Erdmann schwierig werden. Das gelte insbesondere, wenn Prüfungen mit mehr Schülern anstehen als zunächst in Latein am nächsten Montag. «Die Abiprüfungen sind ein Lackmustest für den Schulstart», sagte Erdmann am Freitag. Daran lasse sich bereits absehen, wie realistisch die Pläne seien. Die Senatsbildungsverwaltung hat angekündigt, die Schulen ab dem 27. April schrittweise wieder zu öffnen.

Ein Problem bei den Abiturperüfungen dürfte nach Erdmanns Einschätzung außerdem sein, dass die Schulen noch nicht einschätzen könnten, wie viele Lehrkräfte dafür überhaupt zur Verfügung stehen: «Das wird man erst ab Montag sehen.» Denn die Schulleitungen wüssten nicht vollständig, wer alles zu einer Risikogruppe gehöre, etwa Kolleginnen und Kollegen mit Vorerkrankungen. Erdmann geht allerdings davon aus, dass die Abiprüfungen möglich sein werden.

Bei den Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss (MSA) fordert die GEW dagegen, die Notbremse zu ziehen und sie ausfallen zu lassen. Die zur Eindämmung der Corona-Pandemie geltenden Beschränkungen ermöglichten keine fairen und gleichwertigen Prüfungen, kritisierte Erdmann. Viele Jugendliche hätten sich nicht ausreichend vorbereiten können. Wenigstens die Prüfungen zum MSA sollten deshalb in Abstimmung mit der Kultusministerkonferenz abgesagt werden, forderte der Berliner GEW-Vorsitzende.

Elternausschuss blickt mit Skepsis auf Abiturprüfungen

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, blickt mit einer großen Portion Skepsis auf die ab Montag in Berlin anstehenden Abiturprüfungen. «Ich sehe keinen Nachweis, das die Sicherheit vor Ansteckung für Schüler und Lehrer gewährleistet ist und dass das alles wie geplant funktioniert», sagte er am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. «Es gibt keine Gefährdungsbewertung oder Sicherheitsanalyse.»

Heise forderte Ausnahmeregelungen beziehungsweise individuelle Lösungen für Schüler aus Risikogruppen, etwa solche mit Erkrankungen. Auch Eltern von Abiturienten, die ein erhöhtes Corona-Ansteckungsrisiko haben, müssten für den Fall besonders geschützt werden, dass Schüler das Virus aus der Schule mit nach Hause bringen.

Für die Abiturienten wie für die Schulen seien die Vorbereitungen auf die Prüfungen in den vergangenen Wochen «furchtbar schwierig» gewesen, meinte Heise. Für die Schüler sei der emotionale Stress enorm, da nicht jeder ein Zuhause habe, in dem er - mit guter technischer Ausstattung - in aller Ruhe lernen könne. «Vor diesem Hintergrund hätte ich mir gewünscht, dass die Teilnahme an den Prüfungen in diesem Jahr freiwillig gewesen wäre.»

SPD fordert früheren Schulstart - Kritik an Landesregierung

Die SPD dringt auf einen Start des Unterrichts für Schüler der Abschlussklassen im Südwesten noch im April. «Die Antworten der grün-schwarzen Landesregierung in Sachen Bildung und stufenweiser Einstieg in den Schulbesuch sind völlig unbefriedigend», sagte SPD-Fraktions- und Landeschef Andreas Stoch am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. «So ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar, dass die Abschlussklassen erst am 4. Mai wieder in den Präsenzunterricht an den Schulen einsteigen.» Andere Bundesländer wie Rheinland-Pfalz starteten bereits am 27. April. «Für die Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen zählt jeder Tag.»

Das Kultusministerium wies die Kritik zurück. Unterrichtsorganisation und Personalplanung seien in dieser Ausnahmesituation alles andere als trivial. «Auch die Vorbereitung und die Umsetzung der geltenden Hygienebestimmungen sind aufwändig. Der SPD scheint offenbar nicht bewusst zu sein, dass die Schulleitungen dafür ausreichend Zeit benötigen», sagte Ministerin Susanne Eisenmann (CDU).

Der Schulbetrieb im Südwesten soll ab 4. Mai stark eingeschränkt und schrittweise wieder aufgenommen werden. Begonnen werden soll mit Schülern, bei denen in diesem oder im nächsten Jahr die Abschlussprüfungen anstehen. Stoch forderte, die Landesregierung müsse umgehend einen Stufenplan vorzulegen, der aufzeige, wann die weiteren Klassenstufen wieder in die Schulen gehen können. Dann könne auch geprüft werden, ob in dieser außergewöhnlichen Situation die Sommerferien in vollem Umfang stattfinden sollen.

Mecklenburg-Vorpommern lehnt Verkürzung der Sommerferien ab

Der Vorschlag von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, wegen der Corona-Krise die Sommerferien zu verkürzen, kommt im Nordosten nicht gut an. Die Schüler hätten die Ferien nötig und der Tourismus brauche die Gäste, heißt es aus der Landesregierung.

Die von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble angeregte Verkürzung der Sommerferien trifft in der Urlaubsregion Mecklenburg-Vorpommern auf entschiedenen Widerspruch. «Wir sind Tourismusland. Eine - auch bundesweite - Verkürzung der Sommerferien hätte wirtschaftliche Folgen. Die schon jetzt gebeutelte Branche hätte ein noch kürzeres Zeitfenster, Umsätze zu generieren. Damit würde eine Erholung von der Corona-Krise nochmals erschwert», betonte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am Freitag in Schwerin.

Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) sagte, dieses Schulhalbjahr sei sehr anstrengend für alle Beteiligten. «Wir sollten das gut und geordnet zu Ende bringen, den Familien die Ferien gönnen und ein gutes und geordnetes neues Schuljahr am 1. August beginnen.» Auch eine Verschiebung der Sommerferien lehnte Martin in einem Live-Chat der «Schweriner Volkszeitung» am Freitag ab.

Die Landesregierung hatte zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie Mitte März die Schulen geschlossen, sämtliche Urlaubsreisen in den Nordosten unterbunden und die Schließung von Hotels, Pensionen und Campingplätzen verfügt. Selbst Tagesreisen zur Küste sind bis auf weiteres verboten. Nach Einschätzung Glawes haben die für den Gesundheitsschutz getroffenen Maßnahmen angesichts der geringen Infektionszahlen im Land Wirkung gezeigt. «Das macht zuversichtlich», sagte der Minister, ließ aber offen, wie er die Chancen auf eine reguläre Sommersaison an der Ostsee sieht. Zumindest bis Anfang Mai müssen Hotels und Gaststätten weiter geschlossen bleiben.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Schweriner Landtag, Torsten Renz, bezeichnete Schäubles Vorschlag als verfrüht. «Wir fahren in der Pandemie nach wie vor auf Sicht und Priorität hat erst mal, dass der Schulbetrieb wieder anfährt und die Schüler ihre Abschlüsse machen können», sagte Renz. Schulen sollten momentan nicht zusätzlich in Aufruhr versetzt werden, mahnte er.

Gericht: Schülerin darf Abiturprüfung nicht wegen Corona fernbleiben

Schüler dürfen den in der kommenden Woche beginnenden Abiturprüfungen nicht aus Angst vor dem Coronavirus fernbleiben. Das entschied das Berliner Verwaltungsgericht am Freitag und wies damit den Eilantrag einer Abiturientin ab. Die Durchführung der Prüfungen sei unter seuchenrechtlichen Gesichtspunkten zulässig, so die Richter in ihrem Beschluss (VG 14 L 59.20).

Laut Corona-Eindämmungsverordnung des Landes gelte ein Mindestabstand zwischen den anwesenden Personen von mindestens 1,5 Metern. Zudem habe die Berliner Bildungsverwaltung den Schulen viele zusätzliche Schutzmaßnahmen vorgeschrieben. Dazu zähle die Maximalzahl von acht, in Ausnahmefällen zehn Personen pro Prüfungsraum.

Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass diese Vorkehrungen während der Prüfungen am Gymnasium der Antragstellerin nicht eingehalten würden. Die Maßnahmen seien nach derzeitiger wissenschaftlicher Erkenntnislage auch hinreichend. Und: Die Antragstellerin könne durch «infektionsschutzgerechtes Eigenverhalten» selbst zu einer möglichst risikoarmen Teilnahme am Prüfungsgeschehen beitragen.

Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.

 

17.04.2020 10.30 Uhr

Bald wieder 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche in Schulen

Nach der Einigung von Bund und Ländern für eine eingeschränkte Öffnung der Schulen in der Corona-Krise werden nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes bald wieder 2,6 Millionen Kinder die Schulbank drücken. Dies seien rund 700 000 der insgesamt 2,9 Millionen Grundschüler, 1,1 Millionen Jugendliche in Abschlussklassen und 750 000 in Vorabschlussklassen, teilte das Bundesamt am Freitag mit.

Bund und Länder hatten am Mittwoch vereinbart, den in der Corona-Krise eingestellten Schulbetrieb in Deutschland schrittweise wieder aufzunehmen. Demnach sollen zuerst Abschlussklassen, Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen und die obersten Grundschulklassen wieder zurück in die Schulen kommen können. Anstehende Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen der Abschlussklassen dieses Schuljahres können aber auch vorher schon stattfinden.

Schülerrat bezweifelt Fairness der Abiprüfungen

Der niedersächsische Schülerrat sieht das Festhalten an den Schulabschlussprüfungen in der Corona-Krise kritisch. «Wir bezweifeln, dass eine wirklich faire Durchführung des Abiturs und anderer Abschlüsse möglich ist, respektieren jedoch die getroffenen Entscheidungen im Sinne eines bundesweiten Vorgehens», sagte der Vorsitzende Florian Reetz laut einer Mitteilung vom Donnerstagabend. Die Entscheidung, die Schulen am 27. April für die Abschlussjahrgänge zu öffnen, sei dann folgerichtig, um zumindest zwei Wochen Vorbereitungszeit zu bieten.

Die Abiturklausuren werden vom 11. Mai an geschrieben. Der Schülerrat hatte Anfang der Woche dafür geworben, dass dieses Jahr ein «Durchschnittsabschluss» der Standard sein solle. Die Abschlussnote hätte sich dann aus den Leistungen der letzten Halbjahre ergeben, die Abschlussprüfungen wären optional gewesen.

Kultusministerin Eisenmann: Lange Corona-Folgen für Schulen

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) rechnet nach den Schulschließungen in der Corona-Krise nicht mit einer schnellen Rückkehr zur Normalität in den Schulen. «Wir werden sicher auch noch im nächsten Schuljahr mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen haben», sagte die Ministerin dem Nachrichtenmagazin «Focus» (Freitag). Wegen der wohl langfristig notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln werde es «mutmaßlich noch längere Zeit keinen ganz normalen Schulbetrieb» geben.

Der Schulbetrieb im Südwesten soll ab 4. Mai schrittweise wieder aufgenommen werden. Um nach den Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie zu große Abstände zwischen lernstarken und lernschwachen Schülern zu verhindern, erwägt Eisenmann zusätzliche Förderangebote für die Sommerferien. «Dann soll es die Möglichkeit zu Sommerkursen geben», sagte die Ministerin.

Internetschule: Unterricht länger auf digital umstellen

Das Lernen daheim geht erst mal weiter. Die Leiterin der einzigen reinen Internetschule bundesweit rät zum Umstellen auf digitalen Unterricht. Bloß E-Mails mit Aufgaben zu verschicken, sei nicht sinnvoll.

Die Schulen in NRW sollten nach Ansicht der Leiterin der bundesweit einzigen reinen Internetschule für die nächsten Wochen verbindlich auf Online-Unterricht umgestellt werden. Da es wegen der Corona-Pandemie voraussichtlich noch länger dauern werde, bis es für eine größere Schülerzahl wieder schrittweise Präsenz-Unterricht gebe, sei ein flächendeckender funktionierender Unterricht wichtig, sagte Sarah Lichtenberger der Deutschen Presse-Agentur. Sie leitet die Web-Individualschule in Bochum.

Die drei Wochen Schulausfall vor den Osterferien seien eine «Katastrophe» gewesen: Lehrer hätten teilweise Dutzende Seiten in PDF-Dateien zur Bearbeitung per Mail verschickt - ohne Anleitung, ohne Lernvideos, ohne digitalen Unterricht oder Austausch. Dass Eltern oftmals einspringen sollten, sei nicht in Ordnung und für viele auch nicht leistbar gewesen. Lichtenberger riet: «Alle Schüler und Lehrer haben ihre weiter gültigen Stundenpläne und Unterrichtsmaterial. Mit dem Buch in der Hand können sich alle nach ihrem Stundenplan im digitalen Klassenzimmer treffen.»

Wichtig sei, dass man vor allem den Lehrer via Webcam sehe und dieser Fragen beantworte. «So könnte man in den weiterführenden Schulen ganz problemlos arbeiten.» Vor Ostern sei das nur lückenhaft gelungen. Vor allem Grundschüler bräuchten ihre Lehrer sichtbar vis-à-vis. Für die jüngeren Kinder sei digitaler Einzel-Unterricht mit der Lehrkraft oder auch in kleinen Gruppen mit zwei oder drei zugeschalteten Schülern geeignet, betonte Lichtenberger. Die Pädagogen könnten so auch beruhigend auf verunsicherte Kinder einwirken.

In der Bochumer Webschule werden Schüler via Skype unterrichtet, denen wegen psychischer oder körperlicher Erkrankung kein regulärer Schulbesuch möglich ist. Oder sie sind aus anderen Gründen von der Schulpflicht befreit. Auch Schauspieler, Sportler oder Jungstars wie Tom und Bill Kaulitz von der Band Tokio Hotel machten dort ihren Schulabschluss (2008). «Für unsere aktuell 150 Schüler ist keine einzige Stunde wegen Corona ausgefallen», betonte Lichtenberger.

Schäuble bringt Verkürzung der Sommerferien ins Spiel

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat eine Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch gebracht. «Bis auf Ausnahmen bleiben die Schulen noch einige Zeit geschlossen. Daher frage ich mich, ob die Verantwortlichen in den Ländern darüber nachdenken, die Schulferien in der Sommerzeit etwas zu verkürzen», sagte der CDU-Politiker der Zeitung «Augsburger Allgemeine» (Freitag). Ein solcher Schritt böte Schülern die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen.

«Im Moment ist ohnehin noch aus vielen Gründen unklar, wann und wie man im Sommer verreisen kann», sagte Schäuble. «Das Urlaubskonto vieler Eltern dürfte durch die Krise jetzt schon strapaziert sein.» Deshalb könne er die verstehen, «die sich fragen, wie sie da noch sechs Wochen Sommerferien organisieren sollen».

 

16.04.2020 20.00 Uhr

Schwesig: Schulpflicht gilt für Risikogruppen nicht

Bei der Rückkehr in die Schulen sollen Schüler, die einer Risikogruppe angehören oder bei denen ein Familienmitglied einer Risikogruppe angehört, von der Schulpflicht ausgenommen werden. Für diese Kinder und Jugendlichen werde es andere Lösungen geben, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstagabend in Schwerin. Es dürfe niemand gefährdet werden.

Spätestens vom 27. April an sollen die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern schrittweise wieder geöffnet werden, wie Schwesig sagte. Zunächst sollen die 10., 11. und 12. Klassen wieder in die Schule gehen. Dort stehen Abschlussprüfungen an. Elftklässler müssen ihre Leistungen in das Abitur einbringen.

Schüler der Abschlussklassen ab nächster Woche zurück in Schulen

Sachsens Schüler sollen in Etappen in die Schulen zurückkehren. Noch steht der Zeitplan nicht für alle Jahrgänge. Aber für die Abschlussklassen geht es jetzt ganz schnell.

Für die Schüler der Abschlussklassen steht in Sachsen ab nächster Woche wieder der Schulbesuch an. An den Gymnasien gehe die Prüfungsvorbereitung am Montag los, an den Oberschulen, Berufsschulen und Förderschulen am Mittwoch, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Donnerstag in einem Livestream. Für die Abschlussklassen gelte dann auch wieder die Pflicht zum Schulbesuch. «Wenn wir die Schulen wieder öffnen, besteht auch die Pflicht, diese wieder zu besuchen», sagte Piwarz. Unterricht solle es nur in prüfungsrelevanten Fächern geben. Seit 18. März waren die Schulen in Sachsen wegen der Corona-Krise geschlossen.

Die Schulen würden vom Land bis Anfang nächster Woche mit einer «Erstausstattung» an Masken und Desinfektionen ausgerüstet, sagte Piwarz. Für jeden Schüler solle eine wiederverwendbare Maske zur Verfügung stehen. Erste Lieferungen seien bereits im Kreis Zwickau und in Leipzig verteilt worden. Abstandsregeln könnten gewahrt werden, weil die wiedergeöffneten Schulen zu Beginn noch ziemlich leer seien. Die Kommunen werden ab Montag auch den Schülerverkehr wieder aufnehmen.

Wann die übrigen Schüler zurückkehren können, ist noch nicht entschieden. Es gebe noch «keinen ganz klaren Fahrplan», sagte Piwarz. Es sei angedacht, als nächstes die Vorabschlussklassen - also die elften Klassen des Gymnasiums, die achten und neunten Klassen der Oberschulen sowie die vierten Klassen der Grundschulen - wieder zuzulassen. Der nächste Stichtag ist der 4. Mai. Alles hänge aber von der Entwicklung der Infektionszahlen nach den ersten Corona-Lockerungen ab.

Schüler der Abschlussklassen ab nächster Woche zurück in Schulen

Sachsens Schüler sollen in Etappen in die Schulen zurückkehren. Noch steht der Zeitplan nicht für alle Jahrgänge. Aber für die Abschlussklassen geht es jetzt ganz schnell.

Für die Schüler der Abschlussklassen steht in Sachsen ab nächster Woche wieder der Schulbesuch an. An den Gymnasien gehe die Prüfungsvorbereitung am Montag los, an den Oberschulen, Berufsschulen und Förderschulen am Mittwoch, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Donnerstag in einem Livestream. Für die Abschlussklassen gelte dann auch wieder die Pflicht zum Schulbesuch. «Wenn wir die Schulen wieder öffnen, besteht auch die Pflicht, diese wieder zu besuchen», sagte Piwarz. Unterricht solle es nur in prüfungsrelevanten Fächern geben. Seit 18. März waren die Schulen in Sachsen wegen der Corona-Krise geschlossen.

Die Schulen würden vom Land bis Anfang nächster Woche mit einer «Erstausstattung» an Masken und Desinfektionen ausgerüstet, sagte Piwarz. Für jeden Schüler solle eine wiederverwendbare Maske zur Verfügung stehen. Erste Lieferungen seien bereits im Kreis Zwickau und in Leipzig verteilt worden. Abstandsregeln könnten gewahrt werden, weil die wiedergeöffneten Schulen zu Beginn noch ziemlich leer seien. Die Kommunen werden ab Montag auch den Schülerverkehr wieder aufnehmen.

Wann die übrigen Schüler zurückkehren können, ist noch nicht entschieden. Es gebe noch «keinen ganz klaren Fahrplan», sagte Piwarz. Es sei angedacht, als nächstes die Vorabschlussklassen - also die elften Klassen des Gymnasiums, die achten und neunten Klassen der Oberschulen sowie die vierten Klassen der Grundschulen - wieder zuzulassen. Der nächste Stichtag ist der 4. Mai. Alles hänge aber von der Entwicklung der Infektionszahlen nach den ersten Corona-Lockerungen ab.

Corona-Tests an Schulen seien nicht geplant, sagte Piwarz. Schulleiter und Lehrer seien aber sensibilisiert worden, dass Kinder und Jugendliche, die erkennbar an Atemwegserkrankungen litten, die Schule nicht betreten dürften. Piwarz appellierte auch an die Vernunft jedes Einzelnen, bei Krankheitssymptomen dem Unterricht auf jeden Fall fern zu bleiben.

Ziel der Landesregierung ist es, dass die Schüler auch in diesem Jahrgang ganz regulär ihren Abschluss machen können. Darum bleibt es auch bei den geplanten Prüfungsterminen. Wer sich von den angehenden Abiturienten nicht der Lage fühle, den ersten Termin wahrzunehmen, könne auf Zweittermine ab 13. Mai ausweichen. Es solle auch noch einen dritten Nachschreibetermin im Juli geben. «Grundsätzlich gilt: Die Schließzeit darf nicht zulasten der Schüler gehen», sagte der Kultusminister.

 

16.04.2020 17.30 Uhr

Abi-Prüfungen starten am 21. April in Schleswig-Holstein

Die Abiturprüfungen starten in Schleswig-Holstein wie geplant am 21. April. Darauf haben sich die Koalitionspartner am Donnerstag verständigt. Außerdem soll auch der Unterricht der entsprechenden Abschluss-Jahrgänge wieder stattfinden, wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Donnerstag nach Beratungen der Spitzen von CDU, Grünen und FDP sagte. Einig sei sich die Koalition auch darin, dass am 4. Mai in den vierten Grundschulklassen und den Abschluss-Jahrgängen des kommenden Schuljahres der Unterricht wieder beginnen soll. Ein entsprechender Erlass sei in Vorbereitung, stehe aber noch unter dem Vorbehalt der Kultusministerkonferenz am 29. April. Stattfinden sollen zudem bereits vom 20. April an Prüfungen an den Hochschulen.

Abitur-Prüfungen in Thüringen sollen am 18. Mai starten

Die wegen der Coronavirus-Pandemie verlegten Abiturprüfungen sollen in Thüringen ab dem 18. Mai nachgeholt werden. Damit gebe es für die Schüler genügend Zeit zur Vorbereitung, sagte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Kontroverse Meinungen zum Zeitplan für Schulstart

Ab Ende April sollen die Schulen in Thüringen wieder schrittweise geöffnet werden. Die Meinungen dazu, ob das ein guter Plan ist, gehen in der Landespolitik auseinander. Eltern und Lehrervertretungen fordern klare Regeln für den Neustart an den Schulen.

Die stufenweise Wiedereröffnung der Schulen in Thüringen ab Ende April sorgt bei Bildungspolitikern für unterschiedliche Reaktionen. Während der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, die Entscheidung als solide und vertretbar bewertete, kam Kritik aus der SPD-Fraktion. «Wir hätten gut daran getan, noch 14 Tage mit der Öffnung der Schulen zu warten», sagte der SPD-Bildungspolitiker Thomas Hartung der Deutschen Presse-Agentur.

Nachdem das öffentliche Leben in Deutschland wegen der Corona-Krise bereits für etwa fünf Wochen auf ein Minimum reduziert worden sei, komme es auf zwei oder drei Wochen mehr nicht an, so Hartung. Er befürchtet, dass die Corona-Infektionen durch die Öffnung der Schulen wieder steigen werden. Dann müssten die beschlossenen Lockerungen der virusbedingten Beschränkungen wieder zurückgenommen werden.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat am Mittwoch angekündigt, das ab dem 27. April die angehenden Abiturienten wieder die Schulen besuchen, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten. Ab dem 4. Mai sollen dann weitere Schüler von Abschlussklassen und dann schrittweise alle Schüler folgen.

Einig sind SPD-Politiker Hartung und CDU-Politiker Tischner darin, dass die Wiederöffnung der Bildungseinrichtungen für die Lehrer eine große Herausforderung werden wird. Weil die Pädagogen im Durchschnitt relativ alt seien und viele von ihnen auch bereits Vorerkrankungen hätten, gehörten viele von ihnen zu den Risikogruppen, die von Covid-19 besonders bedroht seien, erklärten sie. «Das kann ganz schnell zwanzig Prozent des Thüringer Lehrkörpers ausmachen», sagte Tischner.

Es sei offen, wie der Unterricht auch nur für die Abschlussjahrgänge organisiert werden könne, ohne diese Menschen großen gesundheitlichen Gefahren auszusetzen. Auch Hartung sagte, er wisse nicht, wie für die Abschlussklassen unter diesen Umständen ausreichend Lehrer zur Verfügung gestellt werden könnten.

Dass die Kindergärten in Thüringen noch mindestens bis Mai geschlossen bleiben werden, bezeichnet Hartung als richtig. Auch Umfragen würden zeigen, dass die Mehrheit der Eltern in Thüringen und Deutschland diese Maßnahme für richtig halte, auch wenn diese für sie eine enorme Belastung bedeute. Zwar gebe es vor allem in den sozialen Netzwerken eine laute Minderheit, die das anders sehe. «Ich würde den Eltern aber mehr zutrauen, als man gemeinhin denkt.»

CDU-Politiker Tischner sagte, aus den Finanzplanungen der Landesregierung ergebe sich bereits jetzt, dass der Freistaat davon ausgehe, dass die Kindergärten bis zum 30. Juni grundsätzlich geschlossen bleiben müssten. Auch wenn diese Entscheidung für viele Eltern große Probleme bedeute, verstehe er jeden, der sage, Gesundheitsschutz gehe vor. Er appelliere aber an die Kindertagesstätten, bei der Auswahl der Eltern, die ihre Kinder in die Notbetreuung geben könnten, möglichst flexibel zu sein.

Die Chefin der Grünen-Fraktion, Astrid Rothe-Beinlich forderte ebenfalls flexiblere Möglichkeiten für die Notbetreuung in Kindergärten. «Gerade für die berufstätigen Alleinerziehenden, die nicht in der kritischen Infrastruktur tätig sind, aber auch für Familien, die aus welchen Gründen auch immer dringend eine Kinderbetreuung in Anspruch nehmen müssen, brauchen wir ebenfalls Angebote in den Kommunen und wenn es halbtägige oder anderweitig zeitlich begrenzte Angebote sind», erklärte Rothe-Beinlich am Donnerstag.

Das schrittweise Öffnen der Schulen begrüßte die Bildungspolitikerin. Zugleich mahnte sie aber, dass es nun Regeln für den schulischen Infektionsschutz brauche. Außerdem müsse es genügend zeitlichen Vorlauf für Kommunen geben, die Regeln umzusetzen und etwa den Schülertransport neu zu organisieren.

Ähnlich äußerte sich der Landeselternsprecher Roul Rommeiß. «Das Vorgehen ist nachvollziehbar und es ist richtig, mit einer überschaubaren Zahl von älteren Schülern zu beginnen», sagte Rommeiß der Deutschen Presse-Agentur. Viele Fragen seien aber noch nicht geklärt - etwa, wie mit Schülern umgegangen werde, die selbst Vorerkrankungen haben oder in deren Haushalt sich Menschen aus Risikogruppen befinden. Er sprach sich dafür aus, eine Maskenpflicht an Schulen zu prüfen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW und der Thüringer Lehrerverband (tlv) warnten vor einer schnellen Öffnung der Schulen zu Lasten der Beschäftigten und der Schüler. Es brauche klare Regeln, unter welchen Bedingungen eine solche Öffnung möglich sein könne, erklärten GEW und tlv in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Diskussion über «eine mögliche Rückkehr in den normalen Alltag sorgen für eine starke Verunsicherung in den Schulen», hieß es.

Lehrerverbände zurückhaltend zu Schulstart-Plänen ab 27. April

Die Plan der Landesregierung, die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern bereits vom 27. April an schrittweise wieder zu öffnen, geht dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) etwas zu schnell. «Sicherheit geht vor Eile», mahnte der Landesvorsitzende Michael Blanck am Donnerstag. Ansonsten seien Schulen schnell wieder geschlossen. Sie brauchten Vorlauf, um alles vorzubereiten. «Dazu gehören klare Vorgaben, die spätestens Montag in den Schulen sein müssen.»

So müssten die Landkreise für den Schülerverkehr neue Buslinien festlegen, um die Abstandsregelungen in den Bussen einhalten zu können. «Busfahrer dürfen dafür nicht verantwortlich gemacht werden», sagte Blanck. Zu klären sei, ob zusätzliches Begleitpersonal in den Bussen notwendig sei.

Um die Hygienevorschriften zu erfüllen, müssten in den Schulen alle Waschbecken mit Warmwasser funktionieren - das fehle aber vielerorts. Schulen benötigten außerdem Desinfektionsmittel. Es sei ein Raumkonzept zu erstellen, das die reale Größe der Räume berücksichtige. «Und es muss geklärt werden, ob Fiebermessungen und Testverfahren notwendig sind und wer dieses dann vornimmt.» Zu klären sei auch, welche Lehrkräfte überhaupt zur Verfügung stehen. «Eine deutliche Definition der Risikogruppen muss erfolgen», forderte Blanck.

Die Lehrergewerkschaft GEW geht nicht davon aus, dass in diesem Schuljahr noch einmal der reguläre Schulbetrieb für alle aufgenommen werden kann. «Wir wünschen uns vom Bildungsministerium einen klaren Kurs für diese Zeit bis zum Beginn der Sommerferien», sagte die Landesvorsitzenden Annett Lindner und Maik Walm.

Pläne, die Lerngruppen zu verkleinern, in Schichten zu unterrichten und das Pausengeschehen aufeinander abzustimmen, bewertete die GEW vorsichtig. Nicht alle Schulen hätten die baulichen Voraussetzungen, um genügend Abstand wahren zu können. Noch schwieriger werde es mit Blick auf die jeweilige Lehrkräfte-Ausstattung.

Schüler sollen tage- oder wochenweise abwechselnd in die Schule gehen

Beim Wiederanlauf des Schulunterrichts in Niedersachsen sollen die Klassen geteilt werden und die Schüler dann tage- oder wochenweise abwechselnd in die Schule kommen. «Wir werden eine Kombination des Lernens aus Präsenz im Klassenzimmer und Lernens zu Hause haben», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag in Hannover. Das entsprechende Verfahren könnten die Schulen selber wählen. Große Klassen müssten gegebenenfalls gedrittelt werden.

Sportunterricht und gruppenübergreifendes Lernen werde es vorerst nicht mehr geben. Auch die Pausen sollten zeitlich versetzt organisiert werden. Dabei müssten die Schüler den Sicherheitsabstand untereinander einhalten, betonte Tonne.

Für die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern im Rahmen des Online-Unterrichts sollen die Messengerdienste Skype und WhatsApp zur Nutzung freigegeben werden. Dieser startet verpflichtend für alle am kommenden Mittwoch. Die niedersächsische Bildungscloud geht ab Anfang Mai verfrüht an den Start.

Schüler sorgen sich um Hygiene in Schulgebäuden

Die Vertretung der Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz hat den Stufenplan zur allmählichen Öffnung der Schulen in der Corona-Krise begrüßt. «Gerade die Abschlussklassen werden so erstmal gut in der Vorbereitung auf ihre Prüfungen unterstützt», erklärte die Landesvertretung am Donnerstag. Schülerinnen und Schüler machten sich aber Sorgen, «dass die Hygienemaßnahmen an Schulen nicht umsetzbar sein werden». Die Einhaltung der Hygienebedingungen müsse regelmäßig kontrolliert werden.

In den vergangenen Wochen hätten die plötzlichen Schulschließungen das Problem einer mangelnden digitalen Infrastruktur aufgezeigt, erklärte die LSV. «Hier besteht dringender Nachholbedarf.» Der Umgang mit digitalen Medien müsse auf Seiten der Lernenden wie der Lehrkräfte besser eingeübt werden. «Landesweit einheitliche Systeme sollen Organisation und Kommunikation, auch zwischen Lehrkräften, verbessern, um Absprachen zu erleichtern und Stress und Chaos zu Hause zu vermeiden.»

Die Vertretung der Schülerinnen und Schüler kritisierte, dass «auch in der aktuellen Corona-Pandemie über unsere Köpfe hinweg entschieden» werde. Auch wenn sie keine Virologen seien, sollte ihr Standpunkt bei Entscheidungen mehr als bisher mit eingebracht werden.

Schülervertreter kündigen weitere Proteste gegen Abiprüfungen an

Die Berliner Schülervertreter kündigen weiteren Protest gegen die vom Senat beschlossenen Abiturprüfungen an. «Diese Entscheidung ist gesundheitsgefährdend und ungerecht», sagte Landesschülersprecher Miguel Góngora am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Die Senatorin muss zur Rechenschaft gezogen werden.» Der Senat hat am Donnerstag auf Vorschlag von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) beschlossen, die Schulen ab dem 27. April schrittweise wieder zu öffnen und die Abiturprüfungen bereits eine Woche zuvor starten zu lassen. «Wenn keine Umentscheidung bis Montag erfolgt, werden wir weitere Schritte gegen ihre Entscheidung einleiten», kündigte Góngora an.

Es stehe noch nicht fest, für welche Form von Protest sich die Schüler entscheiden würden. «Demonstrationen sind nicht geplant», so der Sprecher des Landesschülerausschusses. Möglich sei zum Beispiel, dass Schülerinnen und Schüler sich mit einem Protestschild vor ihrer Wohnung postierten, sagte Góngora.

Dem Regierenden Bürgermeister könne er nur sagen, dass Menschen wegen der Teilnahmen an den Prüfungen erkranken würden und Frau Scheeres die Verantwortung dafür trage. Außerdem rufe der Landesschülerausschuss alle Schüler dazu auf, rechtliche Schritte gegen die Senatorin einzuleiten, so der Schülersprecher. Der Landesschülerausschuss hatte bereits in den vergangenen Wochen gegen die Abiprüfungen mobil gemacht und unter anderem die Bildungssenatorin mit Protestmails «bombardiert».

Lehrerverband: Schulen brauchen «Corona-Hausordnungen»

Bevor die Schulen wieder geöffnet werden können, müssen die Kommunen nach Ansicht des Deutschen Lehrerverbandes die Hygienebedingungen in den Einrichtungen deutlich verbessern. Von den Schulträgern erwarte man die «Nachrüstung von Toiletten- und Waschanlagen, Desinfektionsspendern und enger getaktete Reinigungszyklen», sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur. Zudem forderte er zusätzliche Schulbuslinien und die Bereitstellung von Atemschutzmasken. Risikopersonen unter Lehrkräften und Schülern müssten identifiziert und weiterhin vom Präsenzunterricht ausgenommen werden.

Alle Schulen sollten nach Ansicht des Lehrerverbandes «Corona-Hausordnungen» aufstellen mit Regeln für den Schulbetrieb unter den neuen Bedingungen.

Die schrittweise Wiederöffnung der Schulen in Deutschland werde «eine sehr große Herausforderung», sagte Meidinger. Kleinere Gruppen seien zunächst räumlich und vom Lehrpersonal her möglich. «Je mehr Klassen zurückkehren, desto schwieriger wird es.» Dann müsse das Unterrichtsvolumen halbiert werden. «Die große Mehrzahl der Schüler wird noch lange darauf warten müssen, wieder in die Schule zu gehen», sagte Meidinger. Die Homeschoolingphase werde teilweise bis fast ans Schuljahresende reichen.

Schulunterricht in Niedersachsen startet nach Jahrgängen gestaffelt

Gestaffelt und unter besonderen Vorkehrungen soll der wegen der Corona-Epidemie unterbrochene Schulunterricht wieder anlaufen. Nach und nach kehren die Klassen wieder in die Schulen zurück. Ab nächste Woche gibt es bereits Online-Unterricht.

In Niedersachsen sollen die Schüler bereits ab kommendem Mittwoch Online-Unterricht erhalten, bevor die Klassen vom 4. Mai an schrittweise wieder in die Schulen zurückkehren. Lediglich für die Abschlussklassen der Jahrgänge 10 und 13 beginne der Unterricht bereits am 27. April, kündigte Kultusminister Grant-Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag in Hannover an. Alle Schüler, die zeitnah noch nicht wieder in die Schulen könnten oder aus Gesundheitsgründen zu Hause bleiben müssten, erhielten von ihren Lehrerkräften ab der kommenden Woche Aufgaben und Lernpläne für daheim, sagte der Minister. Angesichts der Corona-Epidemie waren alle Schulen im Land vor einem Monat geschlossen worden.

Für die 4. Klassen der Grundschule startet der Unterricht am 4. Mai und für die 12. Klasse am 11. Mai. Vom 18. Mai an sollen die 9., 10. und 3. Klassen wieder in die Schulen gehen. Zwischen Ende Mai und Mitte Juni folgen dann die übrigen Klassen. «Dies alles geschieht mit Blick auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens», sagte Tonne. «Der Schutz der Gesundheit muss an erster Stelle stehen.» Während der Anwesenheit in der Schule sollen die Klassen künftig in je zwei Gruppen aufgeteilt werden, um den nötigen Abstand zwischen den Schülern zu schaffen.

«Uns ist bewusst, dass das Home Learning den regulären schulischen Unterricht nicht vollwertig und vollumfänglich ersetzen kann», sagte Tonne zum Lernen zu Hause. «Gleichwohl besteht weiter die Schulpflicht und wir setzen uns das Ziel, dass Schülerinnen und Schüler auch unter den derzeitigen Bedingungen ihre Kompetenzen festigen und erweitern können und dabei Nachteile für einzelne Lernende ausgeschlossen werden.» Auf dem Niedersächsischen Bildungsserver werde derzeit das Angebot erweitert, um Schülern zusätzlich Selbstlernangebote und digitales Material zur Verfügung zu stellen.

Verkehrsbetriebe bereiten sich auf Schule vor - Masken erbeten

Mit der Rückkehr zu ihren normalen Fahrplänen bereiten sich zahlreiche Nahverkehrsbetriebe auf die Öffnung der Schulen in der Corona-Krise vor. So fahren die Regionalverkehrsunternehmen in den Landkreisen Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Bautzen ab Montag nach den gewohnten Fahrplänen für Schultage, wie der Verkehrsverbund Oberelbe am Donnerstag mitteilte. Die Busse von Müller Bus, der Regiobus Oberlausitz, dem Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Verkehrsgesellschaft Meißen würden damit die Linienfahrten zu den Schulen und wichtige Pendlerfahrten sicherstellen, hieß es.

Auch die S-Bahn-Linie verkehrt dann von montags bis freitags wieder planmäßig zwischen dem Dresdner Flughafen und Pirna. In Dresden und Hoyerswerda bleiben die sogenannten Grundfahrpläne in Kraft: In Dresden gilt auf den wichtigen Linien ein 15-Minuten-Takt, in Hoyerswerda ein Stundentakt, der zum morgendlichen Schulbeginn um eine zusätzliche Fahrt der Linie 1 verstärkt wird.

Dagegen bleiben die Schmalspurbahnen und die Kirnitzschtalbahn ebenso wie die Fahrradbusse, regionale Nachtbusse und Freizeitlinien zunächst außer Betrieb.

Die Chemnitzer Verkehrs-AG führt einen den Umständen angepassten Fahrplan ein, wie das Unternehmen mitteilte. Danach fahren dessen Fahrzeuge ab Betriebsbeginn bis 18.05 Uhr gemäß dem Normalfahrplan. Ab 18:05 Uhr beginnt der sogenannte Rendezvousverkehr alle 20 Minuten an der Zentralhaltestelle, ab 18.45 Uhr alle 30 Minuten. Die Nachtlinien verkehren planmäßig.

Auch im Landkreis Bautzen fährt der Linienverkehr ab Montag wieder nach Fahrplan an Schultagen.

Alle Unternehmen baten die Fahrgäste darum, zur weiteren Eindämmung des Coronavirus den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Gesundheitsbehörden zu notwendigen Hygienemaßnahmen und dem Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes zu folgen.

Schulprüfungen in Sachsen-Anhalt ab dem 23. April möglich

Vom kommenden Donnerstag an sollen an Schulen in Sachsen-Anhalt wieder Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen stattfinden können. «Der entsprechende Erlass wird den Schulen bis Freitag, 17. April, vorliegen», teilte die Staatskanzlei am Donnerstag mit. Der reguläre Betrieb an Schulen soll demnach ab dem 4. Mai schrittweise wieder aufgenommen werden. Damit folgt Sachsen-Anhalt der zwischen Bund und Ländern vereinbarten Linie. Dies geschehe unter Maßnahmen wie der Einhaltung der Abstandsregelungen.

Piazolo: Präsenzunterricht vielleicht teils erst nach Sommerferien

Durch die lediglich stufenweise Rückkehr in die Schulen haben manche Klassen im laufenden Schuljahr womöglich gar keinen Präsenzunterricht mehr. «Wir haben das Ziel, natürlich, dass die Schülerinnen und Schüler die Schule in diesem Schuljahr noch sehen, aber das ist nicht zu garantieren», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag in München nach einer Kabinettssitzung.

Selbst wenn der Unterricht vor Ort wieder stattfände, sei klar: «Es ist kein normaler Betrieb. Es ist nicht einfach Schule, wie es war, genau nach den Lehrplänen, genau die gleichen Gruppen.»

Man könne sich leicht ausrechnen, dass es «die ein oder andere logistische Herausforderung» gebe, wenn die Regeln des Infektionsschutzes beibehalten werden sollten. Am 27. April starten zunächst die Abschlussklassen an den weiterführenden und den beruflichen Schulen, das sind etwa 14 Prozent aller Schüler.

Gewerkschaft hat Zweifel an geplanter Wiedereröffnung der Schulen

In Brandenburger Schulen soll es voraussichtlich ab 4. Mai wieder losgehen - für einige Klassen. Vorher sind schon Prüfungen geplant. Sind die Schulen bereit dafür? Das ist umstritten.

Vor der geplanten Wiedereröffnung von Schulen für bestimmte Klassen in Brandenburg sieht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) noch offene Fragen. Der GEW-Landesvorsitzende Günther Fuchs sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur, er habe erhebliche Zweifel, dass die Standards bis Anfang Mai umgesetzt werden können. Vor allem müsse geklärt werden, wie die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden könnten. «Gesundheit hat Vorrang vor Bildung», sagte Fuchs. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sieht die Schulen dazu in der Lage. «Das ist aus heutiger Sicht (...) verantwortbar, es ist auch leistbar», sagte er am Mittwochabend.

Die Schulen in Brandenburg sollen schrittweise ab 4. Mai wieder öffnen. Die Abschlussklassen, die Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen sowie die letzten Grundschulklassen sollen den Anfang machen. Bereits ab 27. April sollen Prüfungen für Schüler der 10. Klasse an Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien laufen, die in diesem Jahr den Mittleren Abschluss erreichen wollen. Der genaue Fahrplan werde auf einer Kabinettssitzung an diesem Freitag besprochen, sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums.

Der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands, Hartmut Stäker, plädierte für pragmatische Lösungen. Schüler und Lehrer sollten Masken tragen, sagte Stäker. Wo es zu wenige Toiletten oder Waschbecken gebe, könnten mobile Toiletten oder Waschbecken-Stationen aufgestellt werden. Außerdem müsse bis Anfang Mai definiert werden, wer zu einer Risikogruppe zähle und wie betroffene Schüler unterrichtet werden können. Der Landeselternrat sieht Probleme. «Das wird ein Start mit Stolpern und Holpern», sagte Sprecher René Mertens. Aus seiner Sicht sind in Ballungsgebieten die Klassen teils zu groß, auf dem Land sei der Schülertransport problematisch.

Die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktregeln sollen nach einer Bund-Länder-Vereinbarung bis zum 3. Mai verlängert werden. Dafür sollen Läden von bis zu 800 Quadratmeter Verkaufsfläche sowie Autohäuser, Fahrradhändler und Buchhandlungen unter Auflagen wieder öffnen. Brandenburg plant hierfür den 27. April. Der Termin solle nach Möglichkeit zeitgleich mit Berlin erfolgen, sagte Regierungssprecher Florian Engels. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kündigte in den privaten Radiosendern Berliner Rundfunk 91,4., 94,3 rs2 und 98,8 Kiss fm. an, dass die Öffnung von Einzelhandelsgeschäften in Berlin größtenteils im Laufe der nächsten Woche wieder erlaubt werde.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus wertete die geplanten Lockerungen positiv. «Die fast völlige Stilllegung hat zahlreiche Unternehmen in eine existenzielle Notlage gebracht», sagte Hauptgeschäftsführer Marcus Tolle. Allerdings halte die IHK das Einhalten der Hygiene- und Abstandsregelungen für entscheidender für eine Öffnung als die Größe der Verkaufsfläche.

Das Kraftfahrzeuggewerbe in Berlin und Brandenburg sieht die geplante Öffnung der Geschäfte in Stufen vorsichtig optimistisch. «Das Wichtigste ist, dass die Autohäuser wieder arbeiten können», sagte der Präsident des Kfz-Gewerbes Berlin-Brandenburg, Hans-Peter Lange. Er beschrieb die Lage im Kfz-Gewerbe als prekär.

Die Brandenburger CDU-Bundestags- und Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig forderte schnelle Lockerungen für die Wirtschaft. «Ich plädiere dafür, dass wir ab dem 20. April die Möglichkeit für alle Unternehmen eröffnen, wieder wirtschaften zu können», sagte sie. «Umso länger sich diese Verbote hinziehen, umso mehr wird das Land und der Bund versuchen müssen, die Ausfälle finanziell zu kompensieren.»

Piazolo: Kein Schüler bleibt wegen Corona sitzen

Kein Schüler soll wegen coronabedingten Wissenslücken in diesem Schuljahr sitzenbleiben. Das versprach Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag in München nach einer Kabinettssitzung. «Wir werden großzügig ein Vorrücken auf Probe erlauben.»

Ihm sei sehr wohl bewusst, dass der Unterricht Zuhause für viele Schwierigkeiten mit sich bringe. Deshalb werde es für alle Schülerinnen und Schüler, die gestaffelt in den Unterricht in den Schulgebäuden zurückkehren werden, «auch eine Phase des Ankommens» geben. In dieser Zeit sollen Wissenslücken geschlossen und alle wieder auf den gleichen Stand gebracht werden.

 

Piazolo: Schulunterricht vorerst nur mit maximal bis zu 15 Schülern

In den Schritt für Schritt wieder eröffneten Schulen in Bayern sollen nach Angaben von Kultusminister Michael Piazolo wegen des Coronavirus strenge Infektionsschutzmaßnahmen gelten. «Der Unterricht soll in maximal halber Klassenstärke mit 10 bis 15 Schülern erfolgen. So werden wir in den Klassenzimmern einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Schülern gewährleisten», sagte der Freie-Wähler-Politiker am Donnerstag nach der Sitzung des Kabinetts in München.

Auch an den Schulen stehe der Infektionsschutz an der erste Stelle. Dafür brauche es besondere Rahmenbedingungen wie spezielle Sitzordnungen. «An bestimmten Schulen prüfen wir auch einen zeitlich versetzten Schulbeginn», sagte Piazolo. Zudem brauche es Sonderregelungen für das Verhalten im Schulhaus. Ein Mensabetrieb oder Pausenverkauf werde etwa nicht möglich sein - auch keine Schulhofbesuche.

Das Kabinett hatte zuvor beschlossen, dass in Bayern die Schulen schrittweise in den kommenden Wochen wieder ihren Betrieb aufnehmen sollen. Am 27. April starten zunächst die Abschlussklassen an den weiterführenden und den beruflichen Schulen, das seien etwa 14 Prozent aller Schüler, sagte Piazolo.

Für alle anderen Jahrgangsstufen einschließlich der Grundschulklassen bleibt es bei den Schulschließungen. Frühestens ab dem 11. Mai soll der Unterricht ausgeweitet werden, etwa auf die Jahrgangsstufe 4 der Grundschule oder auf Klassen, die im nächsten Jahr ihren Abschluss machen.

«Der Unterricht für die Abschlussklassen ab 27. April ist keine Rückkehr zur Normalität. Eine größere Zahl an Schülerinnen und Schülern an den Schulen ist derzeit noch nicht möglich», sagte Piazolo.

Er wisse, dass die Situation für alle Beteiligten nicht einfach sei. «Aber: Wir müssen das Coronavirus weiter eindämmen und unsere Mitmenschen schützen. Gemeinsam sind wir auf dem richtigen Weg – und dürfen jetzt nicht nachlassen.»

Große Sorge bei Eltern mit Blick auf Öffnung der Schulen

Eltern schulpflichtiger Kinder in Rheinland-Pfalz sind besorgt, dass die zum 27. April geplante Öffnung der ersten Schulen zu früh kommen könnte. «Ich hätte den 4. Mai als Starttermin vorgezogen», sagte der Landeselternsprecher Reiner Schladweiler am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist bei der Öffnung wie bei der Schließung - es muss schnell gehen, und keiner hat etwas geplant.»

Mit Blick auf die geplante Wiederöffnung von Schulen - zunächst für die vor einem Abschluss oder vor dem Übergang in die weiterführende Schule stehenden Klassen - gebe es viele Ängste, sagte Schladweiler. «Viele Eltern fragen sich: Steckt sich mein Kind in der Schule oder auf dem Weg zur Schule an und bringt das Virus in die Familie?»

Was sich in einem Schichtbetrieb im Klassenraum mit kleinen Gruppengrößen regeln lasse, sei in anderen schulischen Situation schwieriger in den Griff zu bekommen, sagte der Elternsprecher. So müsse es etwa auf dem Pausenhof eine verstärkte Aufsicht geben - eine Lehrkraft reiche da nicht aus. Auch am Eingang in den Klassenraum müsse es Vorkehrungen geben, damit es nicht zu einem Gedränge komme. Vor allem müssten auch die hygienischen Vorkehrungen sowie die Beförderung der Schülerinnen und Schüler geklärt werden.

Er bekomme in der Corona-Krise täglich 400 E-Mails besorgter Eltern, sagte Schladweiler. Vor allem Alleinerziehende und kinderreiche Familien seien teilweise in einer aussichtslosen Situation. «Da kommen einem die Tränen.»

Ministerium: Genauer Fahrplan für Schulen nach Kabinettssitzung

Der genaue Fahrplan für die allmählichen Schulöffnungen in Brandenburg soll auf einer Kabinettssitzung am Freitag besprochen werden. Das sagte eine Sprecherin des Bildungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Sie betonte, dass nur das Gesundheitsministerium über Öffnungen entscheiden könne, dies aber immer in enger Absprache geschehe. Das Kabinett will die am Mittwochabend angekündigten Lockerungen der Corona-Beschränkungen am Freitag formal beschließen.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte mitgeteilt, dass die Schulen ab dem 4. Mai allmählich wieder öffnen sollen. Den Anfang sollen demnach die Abschlussklassen machen und die Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen sowie die letzte Grundschulklasse. Schon ab 27. April sollen Prüfungen wieder stattfinden - das betrifft Schüler der 10. Klasse an Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien, die in diesem Jahr den Mittleren Abschluss erreichen wollen. Die Länderchefs hatten sich zuvor mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer Telefonkonferenz auf Lockerungen verständigt.

 

 

16.04.2020 11.30 Uhr

Bildungssenatorin: Abiturprüfungen in Berlin starten am Montag

In Berlin sollen die Abiturprüfungen am kommenden Montag starten. Das kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag an. Los gehe es zunächst mit dem Fach Latein, zwei weitere Prüfungen folgten dann im Lauf der Woche, sagte Scheeres im Interview mit dem RBB-Inforadio. Scheeres verteidigte die Entscheidung, an den Abiturprüfungen festzuhalten. Es gehe darum, dass die Berliner Jugendlichen an den Hochschulen in ganz Deutschland studieren könnten. Berlins Schulen sollen dann schrittweise ab der Woche darauf öffnen: «Wir in Berlin werden am 27. April in den 10. Klassen anfangen», erklärte die Senatorin.

«In den Grundschulen werden wir am 4. Mai mit der sechsten Klasse an den Start gehen», sagte Scheeres. Sie versicherte, in den Schulen werde auf die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie geachtet. So müssten beispielsweise die Tische der Schüler 1,50 Meter auseinander stehen, es müsse auch genügend Seife für regelmäßiges Händewaschen zur Verfügung stehen. «Und es ist wichtig, dass die Schulen sehr gut gereinigt sind. Das werden auch die Schulträger gewährleisten.»

Ministerpräsidentin Dreyer hofft auf Schulöffnungen bis Sommer

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hofft auf eine Wiederaufnahme des Unterrichts für alle Schüler noch in diesem Schuljahr. Dreyer verwies am Donnerstag im Deutschlandfunk auf die Kultusministerkonferenz der Länder, die bis Ende April ein Konzept zur stufenweisen Schulöffnung vorlegen soll. «Unser Ziel wäre es, wenn es irgendwie möglich ist, dass alle Schüler und Schülerinnen vor der Sommerpause auch noch mal in die Schule gehen können.» Gleichzeitig betonte sie: «Aber das wird natürlich abhängig sein vom Infektionsgeschehen. Wir müssen das betrachten, was passiert nach den Lockerungen.»

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich am Mittwoch darauf verständigt, dass die Schulen für die meisten Schüler in der Corona-Krise erst einmal dicht bleiben sollen. Nur für einige Jahrgänge soll es ab dem 4. Mai wieder Unterricht geben - einzelne Länder können vom Termin aber abweichen. Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen der Abschlussklassen können schon vorher stattfinden.

16.04.2020 07.00 Uhr

«Auf lange Sicht keine Rückkehr zum gewohnten Unterricht»

Wer beginnt wie schnell? Als Zeitmarke für die langsame Rückkehr zum Schulbetrieb haben Kanzlerin und Ministerpräsidenten den 4. Mai genannt. Doch die Länder handhaben das ganz unterschiedlich.

Trotz der prinzipiellen Übereinkunft von Bund und Ländern über eine behutsame Wiederöffnung der Schulen geht die SPD-Vorsitzende Saskia Esken von einem langen coronabedingten Notbetrieb aus. «Es wird auf lange Sicht keine Rückkehr zum gewohnten Unterrichtsgeschehen geben», sagte die frühere baden-württembergische Landeselternvertreterin dem «Handelsblatt» (Donnerstag). «Das Gebot der Stunde heißt also weiterhin digital gestütztes Lernen.» An diesem Donnerstag befassen sich mehrere Landeskabinette mit der praktischen Umsetzung der Beschlüsse.

Für die Wiederöffnung der Schulen sind nach Einschätzung der Lehrer-Gewerkschaft GEW zwei Wochen Vorlauf nötig. «Dafür braucht es eine sorgfältige Vorbereitung», erklärte die Vorsitzende Marlis Tepe in der «Passauer Neuen Presse» (Donnerstag). Die Schulen müssten Unterricht in Kleingruppen organisieren, damit der Abstand eingehalten werden könne. Die Gesundheitsämter müssten Gesundheitschecks vornehmen: «Es braucht ausreichend Seife und Einmalhandtücher. Die Toiletten müssen mehrmals am Tag gereinigt, Türgriffe desinfiziert werden.»

Der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, zweifelt an der Umsetzbarkeit in so kurzer Zeit. «Es ist ausgeschlossen, dass die Schulen ihre oft maroden sanitären Einrichtungen bis zum 4. Mai so in Ordnung bringen, wie es in dieser Pandemie-Situation nötig wäre», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). «Es fehlt oft schon an warmem Wasser in den Toilettenräumen - von Waschbecken in den Klassenräumen möchte ich gar nicht sprechen.»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte dem RND: «Es sind viele komplexe Fragen zu lösen, ohne eine Erhöhung der Infektionsrate zu riskieren.»

Pädagogisch hätte GEW-Chefin Teape ein altersmäßig umgekehrtes Vorgehen als nun geplant empfohlen: «Wir sollten eher mit dem Unterricht der Kleinen in Teilgruppen beginnen und mit den Grundschulen und den Klassen fünf und sechs starten. Die älteren Schüler können schon mehr im Fernunterricht daheim leisten.»

Vorgesehen ist jedoch etwas anderes. Die am Mittwoch von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder gefassten BESCHLÜSSE FÜR DIE SCHULEN IM ÜBERBLICK:

- Der Schulbetrieb soll ab dem 4. Mai schrittweise beginnen.

- Zuerst sollen Abschlussklassen, die Jahrgänge davor und die obersten Grundschulklassen wieder in die Schulen kommen.

- Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen der Abschlussklassen können schon vorher stattfinden. So will Nordrhein-Westfalen damit bereits nach einer kurzen Vorbereitungszeit nach dem 20. April beginnen, also wohl nächste Woche; andere Länder planen das in der Woche darauf.

- Andere beginnen später: Das von der Pandemie besonders betroffene Bayern will den Schulbetrieb erst ab 11. Mai schrittweise wieder aufnehmen. Allerdings dauert dort wegen des späten Sommerferienbeginns das Schuljahr auch noch länger, so dass der Zeitdruck weniger groß ist.

- Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) soll bis 29. April ein Konzept vorlegen, «wie der Unterricht unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, insbesondere unter Berücksichtigung des Abstandsgebots durch reduzierte Lerngruppengrößen, insgesamt wieder aufgenommen werden kann».

Die Bildungsminister einigten sich am Abend auf ein prinzipiell einheitliches Vorgehen. «Es gibt ein großes Bestreben, dass wir gleiche Rahmenbedingungen schaffen», sagte Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) nach einer Telefonkonferenz der Ressortchefs der Deutschen Presse-Agentur. «Dafür haben wir jetzt zwei Wochen Zeit».

Pläne zum Schulstart in Thüringen sorgen für Kontroverse

Die stufenweise Wiedereröffnung der Schulen in Thüringen ab Ende April sorgt bei Bildungspolitikern für unterschiedliche Reaktionen. Während der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Tischner, die Entscheidung als solide und vertretbar bewertete, kam Kritik aus der SPD-Fraktion. «Wir hätten gut daran getan, noch 14 Tage mit der Öffnung der Schulen zu warten», sagte der SPD-Bildungspolitiker Thomas Hartung der Deutschen Presse-Agentur.

Nachdem das öffentliche Leben in Deutschland wegen der Corona-Krise bereits für etwa fünf Wochen auf ein Minimum reduziert worden sei, komme es auf zwei oder drei Wochen mehr nicht an, so Hartung. Er befürchtet, dass die Corona-Infektionen durch die Öffnung der Schulen wieder steigen werden. Dann müssten die beschlossenen Lockerungen der virus-bedingten Beschränkungen wieder zurückgenommen werden.

Lehrervertreter begrüßen schrittweise Schulöffnung

Nun ist klar, wie es in der Corona-Krise an den Schulen weitergeht. Lehrervertreter beurteilen das grundsätzlich positiv. Insgesamt gelten zwei weitere Wochen Kontaktbeschränkungen. Einige Läden dürfen wieder öffnen.

Lehrervertreter in Rheinland-Pfalz haben grundsätzlich positiv auf die Pläne des Bildungsministeriums für eine schrittweise Wiedereröffnung der Schulen reagiert. Sie sei sehr erleichtert, dass das Ministerium in Mainz nicht den Empfehlungen der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina gefolgt sei, sagte Cornelia Schwarz, Vorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, der Deutschen Presse-Agentur. Die Leopoldina hatte vorgeschlagen, zuerst Grundschülen und die Sekundarstufe I schrittweise zu öffnen. Zurück auf die Schulbank geht es in Rheinland-Pfalz nun aber zunächst für ältere Schüler.

Konkret sollen die Schüler vom 27. April an wieder in die Schulen kommen, die noch in diesem Schuljahr ihren Abschluss etwa an Gymnasien oder beruflichen Gymnasien machen. Am 4. Mai kehren nach den Plänen des Ministeriums Schüler mit Abschlussprüfungen im kommenden Jahr sowie Schüler vierter Klassen zurück.

15.04.2020 22.00 Uhr

Günther hält an strengem Corona-Kurs für Schleswig-Holstein fest

Geschäfte öffnen, Schulen bleiben zu: Nach dem Treffen von Kanzlerin Merkel mit den Länderchefs verlängert Schleswig-Holstein die Kontaktbeschränkungen und auch das Einreiseverbot für Touristen und Zweitwohnungsbesitzer bis 3. Mai.

Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus werden die seit Wochen geltenden Kontaktbeschränkungen für die Menschen auch in Schleswig-Holstein bis mindestens 3. Mai verlängert. Zudem bleibe das nördlichste Bundesland auch weiterhin für Touristen und Zweitwohnungsbesitzer gesperrt, teilte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Mittwoch in Kiel nach einer Telefonkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs mit. «Wir haben uns zu dem gesamten Bereich Tourismus, Gastronomie und Restaurants und eben auch Reiseverkehr darauf verständigt, dass die bisherigen Regelungen genauso fortbestehen», sagte Günther.

«Wir haben uns die Entscheidungen, die wir heute getroffen haben, nicht leicht gemacht», betonte der Ministerpräsident. «Wichtig ist, wir haben erreicht in ganz Deutschland, dass sich die Infektionsgeschwindigkeit reduziert.» Es bleibe wichtig, insbesondere Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen zu schützen. Lockerungen könne die Regierung «nur in sehr dosiertem Maß vornehmen».

Als Lockerung werden auch in Schleswig-Holstein Einzelhandelsgeschäfte bis 800 Quadratmeter ab 20. April öffnen können. Die Beschränkung der Größe gelte nicht für Buchhandlungen, sagte Günther.

Schulen und Kitas bleiben bis 4. Mai grundsätzlich geschlossen. Wie geplant sollen aber die Abiturprüfungen ab 21. April in Schleswig-Holstein beginnen. In den prüfungsfreien Tagen werde es Unterricht geben für die Abschlussjahrgänge, sagte Günther.

Die Kultusminister der Länder streben nach Angaben von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) in der Corona-Krise einen schrittweisen Wiedereinstieg in den Schulunterricht an. Darin seien sich die Fachminister bei ihrer Telefonkonferenz am Mittwochabend einig gewesen, sagte Prien nach der Konferenz. «Die weiteren Schritte für Schleswig-Holstein stellen wir am Donnerstag nach Beratung in der Jamaika-Runde vor.»

Kultusminister Tonne lobt Plan für Hygienekonzepte vor Schulöffnung

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat die Entscheidung von Bund und Ländern begrüßt, vor einer möglichen Wiedereröffnung von Schulen in der Corona-Krise Hygienekonzepte zu entwickeln. «Die Wiedereröffnung der Schulen muss stets im Einklang mit dem Infektionsschutz und den Hygienevorschriften stehen», sagte der 43-Jährige SPD-Politiker laut einer Mitteilung des Kultusministeriums von Mittwochabend. Oberste Priorität habe der Gesundheitsschutz von Schülern und Lehrpersonal. Ein schrittweise Vorgehen sei «der einzig gangbare Weg, dies zu gewährleisten».

Die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten am Mittwoch bei einer Schaltkonferenz unter anderem einen Fahrplan zur schrittweisen Rückkehr in den Schulbetrieb skizziert, der nach Aussagen von Teilnehmern einzelnen Ländern auch Abweichungen ermöglicht.

Die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) soll bis zum 29. April ein Konzept vorlegen, «wie der Unterricht unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen, insbesondere unter Berücksichtigung des Abstandsgebots durch reduzierte Lerngruppengrößen, insgesamt wieder aufgenommen werden kann», heißt es in dem Beschluss. Dabei geht es konkret um Hygienepläne für die Schulen, um die Organisation von kleineren Lerngruppen, versetzte Pausen und den Betrieb der Schulbusse.

Kein NRW-Sonderweg aus der Corona-Krise, aber Eile für Schulbetrieb

Die NRW-Regierung hat sich in den vergangenen Tagen stark gemacht für Lockerungen der Corona-Einschränkungen. Jetzt bleiben die meisten doch bestehen. «Laschets Bauchlandung», höhnt die SPD. Der Ministerpräsident sieht sich dagegen am Ziel.

Beim vorsichtigen Ausstieg aus den corona-bedingten Einschränkungen schlägt Nordrhein-Westfalen keinen Sonderweg ein. Das bevölkerungsreichste Bundesland nutzt aber den schnellsten Korridor einer Bund-Länder-Vereinbarung, um nach den Osterferien schrittweise wieder die Schulen zu öffnen. Die Kitas hingegen blieben auch in NRW zunächst weiter geschlossen, sagte Ministerpräsident Armin Laschet am Mittwochabend in Düsseldorf.

In einem Gespräch der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten hatten sich Bund und Länder zuvor auf einige Lockerungen geeinigt, die insbesondere kleinen Geschäften zugutekommen sollen. Die meisten Beschränkungen werden allerdings verlängert.

Er sei froh, dass sich Bund und Länder nun erstmals auf den Weg gemacht hätten «hin zu einer verantwortungsvollen Normalität», sagte Laschet. Als Niederlage für NRW stufte der CDU-Politiker die gemeinsamen Beschlüsse nicht ein - obwohl seine beiden freidemokratischen Minister für Schule und für Familie, Yvonne Gebauer und Joachim Stamp, noch am Dienstag einen ambitionierteren Exit-Kurs für Kita und Schule signalisiert hatten.

Bundesweit soll es grundsätzlich nur für einige Jahrgänge ab dem 4. Mai wieder Unterricht geben - einzelne Länder können aber von dem Termin abweichen. Schließlich starteten ja auch in einigen Ländern schon im Juni die Sommerferien, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. In NRW beginnen die Sommerferien am 29. Juni.

Am Start der Abiturprüfungen zum 12. Mai werde festgehalten, bekräftigte Laschet. Gebauer erläuterte in einer Mitteilung: «Nach einer Vorbereitungszeit für Schulleitungen, Lehrkräfte und anderes Personal ab dem 20. April 2020 sollen die Schulen wenige Tage später für die Schülerinnen und Schüler wieder öffnen, für die Abschlussprüfungen anstehen.» Am diesem Donnerstag werde sie den Schulausschuss des Landtags über Details informieren.

Gebauer betonte: «Die Entscheidung der Ministerpräsidenten zusammen mit der Bundeskanzlerin bieten eine verlässliche Grundlage für unseren Fahrplan, die Schulen nach den Osterferien schrittweise wieder zu öffnen, um so insbesondere die Durchführung von Prüfungen, Prüfungsvorbereitungen und die Vergabe von Abschlüssen zu ermöglichen.» Eltern- und Lehrerverbände sowie Gewerkschaften in NRW fordern dagegen eine Absage der Abitur-Prüfungen.

Laschet erklärte: «Ab dem 4. Mai sollen dann auch Schüler der allgemeinbildenden und der berufsbildenden Schulen, die im nächsten Jahr ihre Prüfungen haben, wieder in die Schule gehen können.» Gleiches gelte für die letzte Grundschulklasse.

NRW-Familienminister Stamp hatte am Dienstag vorgeschlagen, die Kitas ab der übernächsten Woche wieder für den letzten Jahrgang vor der Einschulung zu öffnen. Daraus wird nun nichts. Wann die Kindergartenkinder wieder betreut und die übrigen Schulklassen wieder regulär unterrichtet werden könnten, werde von Bund und Ländern gesondert entschieden, sagte Laschet. Das hänge von der Entwicklung der Corona-Infektionszahlen ab. «Abstand und Schutz werden Maßstab und Regel unseres Alltags.»

Laut Bund-Länder-Beschluss wird die Notfallbetreuung in den Kitas «auf weitere Berufs- und Bedarfsgruppen ausgeweitet». Dies werde nun konkret analysiert, sagte Laschet.

Aus Sicht der SPD-Opposition ist die schwarz-gelbe Landesregierung im Vorfeld mit ihrem Exit-Kurs zu weit und eigenmächtig vorgeprescht. Die Ergebnisse könnten «nur als Laschets Bauchlandung verstanden werden», sagte SPD-Landeschef Sebastian Hartmann der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

15.04.2020 19.15 Uhr

Bremens Regierungschef: Schritte zurück ins normale Leben

Die Schulen in Bremen werden vom 4. Mai an schrittweise wieder ihren Betrieb aufnehmen. Priorität hätten dabei Abschlussklassen von allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen sowie die vierten Klassen der Grundschulen, wie Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) am Mittwoch mitteilte. Über die Einzelheiten würden nun die Kultusminister beraten. Zu den offenen Fragen gehörten unter anderem, unter welchen Hygienebedingungen der Unterricht stattfinden könne, ob er rotierend an abwechselnden Tagen abgehalten werde und wie groß die Schülergruppen sein dürften.

Mit Blick auf die Lockerung für den Einzelhandel will auch Bremen der Leitlinie folgen, eine Öffnung von Geschäften bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern zu ermöglichen. Ob dies bereits am Montag oder erst am Dienstag gelinge, müsse sich zeigen. Bis Freitag sollen die rechtlichen Bedingungen geschaffen werden.

Es gebe aber die dringende Empfehlung an die Menschen, Alltagsmasken beim Einkaufen oder der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu tragen. Die seien zwar keine medizinischen Masken, sie könnten aber sehr wohl die Verbreitung von Viren hemmen.

Bovenschulte sagte, in den Gesprächen zwischen den Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei ein insgesamt «guter Beschluss» zustande gekommen. Es sei eine ganze Reihe von Maßnahmen beschlossen worden, die den Weg zurück ins alltägliche Leben wiesen.

Abiturienten in Thüringen sollen am 27. April zurück

In Thüringen sollen Abiturienten bereits vom 27. April an wieder zurück in die Schulen. Dies kündigte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Mittwoch nach der Telefonkonferenz der Länder-Regierungschefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise an. Am 4. Mai sollen die Jahrgänge folgen, die in diesem Jahr andere Prüfungen ablegen müssen.

In Sachsen-Anhalt könnten die ersten Schulen nach Einschätzung von Bildungsminister Marco Tullner (CDU) in zwei Wochen wieder öffnen. «Wir haben jetzt das klare Signal, dass die Schulen in einem ersten sehr bedachtsamen Schritt in zwei Wochen öffnen.» Bund und Länder hatten sich zuvor darauf geeinigt, den Schulbetrieb vom 4. Mai an wieder langsam hochzufahren. Prüfungen und Vorbereitungen können die Schulen schon vorher in Angriff nehmen.

15.04.2020 19.00 Uhr

Tullner: Sachsen-Anhalts Schulen können in zwei Wochen wieder öffnen

Die Schulen in Sachsen-Anhalt können nach Einschätzung von Bildungsminister Marco Tullner (CDU) in zwei Wochen wieder öffnen. «Wir haben jetzt das klare Signal, dass die Schulen in einem ersten sehr bedachtsamen Schritt in zwei Wochen öffnen», teilte Tullner am Mittwoch nach einer Telefonkonferenz von Bund und Ländern mit. Die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten sich zuvor darauf geeinigt, den Schulbetrieb ab 4. Mai wieder langsam hochzufahren. Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen könnten die Schulen schon vorher in Angriff nehmen.

«Wir werden die Rahmenbedingungen im Land schaffen und Schulen und Schulträger bei der Organisation des anlaufenden Schulbetriebes unterstützen», so der Minister. Dazu sollen Schulen und Schüler noch in dieser Woche weitere Informationen bekommen.

Die Wiedereröffnung der Schulen, die in Sachsen-Anhalt wegen des neuartigen Coronavirus seit dem 16. März geschlossen sind, brauche zwar einen gewissen Vorlauf. Mit dem von Bund und Ländern vereinbarten Fahrplan könne Sachsen-Anhalt das aber schaffen. «Mit dem aktuellen Zeitplan können wir dies gewährleisten», sagte Tullner. Am Abend sollte die Kultusministerkonferenz noch in einer Schalte zusammenkommen und die Umsetzung des Plans beraten.

15.04.2020 18.30 Uhr

Hubig: Schulen und Kitas bleiben zunächst weiter geschlossen

Die Schulen und Kitas in Rheinland-Pfalz bleiben wegen der Corona-Krise zunächst auch nach den Osterferien dicht. Es solle weiter eine Notbetreuung geben, sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch in Mainz. Ab dem 27. April sollen dann erste Schüler wieder in die Schulen gehen, am 4. Mai sollen dann weitere Schülergruppen folgen.

Unterricht an Hessens Schulen soll schrittweise wieder beginnen

Der Unterricht an Hessens Schulen soll schrittweise wieder aufgenommen werden. Das kündigte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Mittwoch an. Ein Konzept dafür solle noch erarbeitet werden. Für Schüler in Abschlussklassen sei aber ein Unterrichtsbeginn Ende April denkbar.

Schulen im Südwesten starten wieder ab 4. Mai - Prüflinge zuerst

Der Schulbetrieb im Südwesten soll ab 4. Mai stark eingeschränkt und schrittweise wieder aufgenommen werden. Das teilte das Kultusministerium am Mittwoch nach Beratungen von Bund und Ländern zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise mit. «Wir beginnen dabei mit den Schülerinnen und Schülern aller allgemein bildenden Schulen, bei denen in diesem oder im nächsten Jahr die Abschlussprüfungen anstehen, sowie den Abschlussklassen der beruflichen Schulen», betonte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). «In einem nächsten Schritt sollen die Viertklässler an die Grundschulen zurückkehren, damit der Übergang auf die weiterführenden Schulen möglichst geordnet gestaltet werden kann.»

Die Schulen hätten durch die Entscheidung ausreichend Zeit, um sich organisatorisch wie auch für die unabdingbaren Hygiene- und Abstandsregelungen vorzubereiten, sagte Eisenmann. Lehrkräfte, die wegen ihres Alters, einer Vorerkrankung oder einer Schwangerschaft zur Risikogruppe gehörten, würden bis auf Weiteres nicht unterrichten. Gleiches gelte für Schüler, die vorerkrankt seien oder deren Eltern zur Risikogruppe gehörten.

Landesschülerrat MV fordert Verzicht auf Abschlussprüfungen

Der Landesschülerrat hat den Verzicht auf die Abschlussprüfungen an den Schulen in diesem Jahr gefordert. In einer Umfrage unter 18 000 Schülern, Eltern und Lehrern zum «Homeschooling» in den vergangenen Wochen hätten mehr als die Hälfte der teilnehmenden Absolventen ihre Vorbereitung auf die anstehenden Prüfungen mit den Schulnoten fünf oder sechs bewertet. «Dieser Anteil ist so hoch, dass man ihn nicht einfach ignorieren darf», sagte der Vorsitzende des Landesschülerrates, Jakob Liebich, am Mittwoch. In der Umfrage haben demnach rund 2100 Schüler angegeben, dieses Jahr Prüfungen zu schreiben.

Auch die psychische Belastung sei als hoch eingestuft worden. Besonders Schüler aus Risikogruppen hätten Angst, in der Prüfungssituation einem erhöhten Risiko ausgesetzt zu werden. «Wir haben schon einen verkürzten Zeitraum, in dem wir unsere Prüfungen ablegen, aber unter diesen Voraussetzungen der Vorbereitung ist es unverantwortlich und inakzeptabel», betonte Liebich.

Es liege an der Kultusministerkonferenz, eine Entscheidung zu fällen. «Die für uns einzig gerechte Lösung ist eine Absage der Prüfungen», sagte der Vorsitzende des Landesschülerrates MV. Die Abiturprüfungen sollen nach den bisherigen Plänen des Schweriner Bildungsministeriums am 8. Mai beginnen, die Prüfungen zur Mittleren Reife am 11. Mai.

 

15.04.2020 14.00 Uhr

Lehrerverband macht Vorschläge zur schrittweisen Unterrichtsaufnahme

Mit konkreten Vorschlägen zur Umsetzung hat der Sächsische Lehrerverband (SLV) auf die Ankündigung der Landesregierung für eine schrittweise Wiederaufnahme des Unterrichts reagiert. Da zunächst nur der Unterricht in den Abschlussklassen geplant sei, lasse sich das Abstandsgebot durch die Bildung von kleineren, aber stabilen Lerngruppen realisieren, erklärte SLV-Landesvorsitzender Jens Weichelt am Mittwoch in Radebeul. Dies sei abhängig von der Größe der zur Verfügung stehenden Räume.

«Um den Austausch auf dem Schulhof oder Fluren zu vermeiden, sind gestaffelte Pausenregelungen für die einzelnen Gruppen vorstellbar», so Weichelt weiter. Zudem müssten die Voraussetzungen für die notwendigen Hygienemaßnahmen geschaffen werden, insbesondere für das regelmäßige Händewaschen und das Abtrocknen mit Papierhandtüchern.

Auch der Schutz der Lehrkräfte müsse beachtet werden. Schulleitungen sollten deshalb gemeinsam mit den Personalvertretungen bei der Personalauswahl die individuelle Situation der Beschäftigten sorgfältig berücksichtigen. «Dazu zählen insbesondere der Gesundheitszustand beziehungsweise Vorerkrankungen, Alter und die familiäre Situation.&raq