Mittwoch, 12. Mai 2021

+++ Liveticker – Auswirkungen des Coronavirus auf deutsche Schulen +++ 12.05.2021

Im SCHULEN.DE-Liveticker zum Coronavirus finden Sie tagesaktuell alle Informationen zur Auswirkung des Coronavirus auf die deutschen Schulen.

12.05.2021

Auch neue Kultusministerin Schopper ist gegen kürzere Sommerferien

Auch die neue baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) ist gegen kürzere Sommerferien, um pandemiebedingte Wissenslücken im Unterricht aufzuholen. «Die Schulzeit war jetzt nicht so, dass man digital zu Hause war und hat da entspannt die Füße aufs Sofa gelegt», sagte sie am Mittwoch dem Südwestrundfunk (SWR). Die Zeit des Online- und Wechselunterrichts sei sogar sehr anstrengend für alle Beteiligten gewesen. Deshalb bräuchten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer und Eltern eine Zeit der Erholung.

Auch Unterricht an Samstagen erteilte sie eine Absage: «Es ist so, dass die Leute mehr oder weniger am Rande ihrer Kräfte sind», sagte Schopper, die zuletzt Staatsministerin und zuvor bayerische Grünen-Chefin war.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatten den Vorschlag ebenfalls kritisiert. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte eine Verkürzung dagegen Anfang März für durchaus denkbar gehalten. «Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen», hatte der Grünen-Regierungschef dem «Mannheimer Morgen» gesagt.

Abiturienten beginnen mit der ersten schriftlichen Prüfung

Jetzt wird es ernst: Am Mittwoch schreiben rund 35 000 Schülerinnen und Schüler in Bayern ihre erste schriftliche Abiturprüfung. Nach dem Test im Fach Deutsch folgen am 18. Mai Mathe und am 21. Mai ein weiteres Fach. Die mündlichen Prüfungen in zwei zusätzlichen Fächern stehen dann am 7. und 18. Juni an. Über allem hängt die Frage: Ist das Abitur auch heuer, mitten im zweiten Pandemie-Schuljahr, fair und gerecht?

Unter anderem Landesschülersprecher Moritz Meusel hatte kritisiert, dass manche Jugendliche vor den Prüfungen monatelang kein Schulgebäude mehr von innen gesehen hatten, während andere seit Februar im Wechsel- oder gar Präsenzunterricht waren. Auch seien Schüler aus ärmeren Familien zusätzlich benachteiligt, weil sie sich keine Nachhilfe leisten konnten.

Das Kultusministerium hingegen sieht faire und vergleichbare Rahmenbedingungen gegeben. Den besonderen Umständen sei unter anderem durch eine Eingrenzung der Prüfungsinhalte und der Verschiebung des Prüfungstermins um zwei Wochen Rechnung getragen worden.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zeigte sich zuversichtlich, dass auch die diesjährigen Abiturienten die Prüfungen meistern werden. «Dafür wünsche ich Ihnen den Mut, auf Ihre Fähigkeiten zu vertrauen, gute Nerven und das nötige Quäntchen Glück!»

11.05.2021 

Landesregierung lockert mehrere Corona-Einschränkungen

Bei der Ankündigung der Kita-Schließungen vor rund einem Monat, lag die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 150. In den vergangenen Wochen hat sich dieser Wert etwa halbiert. Nun soll unter anderem bei Kitas und Schulen im Nordosten wieder mehr möglich sein.

Die Corona-Regelungen in Kitas und Schulen in Mecklenburg-Vorpommern werden von kommendem Montag an gelockert. Das kündigte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstagabend in Schwerin an. Damit wird teils Präsenz-, teils Wechselunterricht möglich. Wer in die Schule geht, muss sich zweimal pro Woche testen. Am 21. Juni beginnen die Sommerferien. Von Montag an können ebenfalls Kitas landesweit wieder öffnen. Laut Bundesinfektionsschutzgesetz müssen Kitas und Schulen schließen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt bei mehr als 165 liegt. Das ist derzeit in keiner Region Mecklenburg-Vorpommerns der Fall.

Wegen deutlich gestiegener Corona-Infektionszahlen hatte die Landesregierung Kitas und Schulen im Bundesland vor rund einem Monat grundsätzlich geschlossen. Schwesig hatte stets betont, dass die Regelungen in Schulen und Kitas als erstes wieder gelockert werden sollen, wenn die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei weniger als 100 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche liegt. Am Dienstag lag dieser Wert bei 77,7, vor einer Woche bei 105,7. Bei einer Inzidenz unter 100 wird für Schüler der Klassen 1 bis 6 und Abschlussklassen Präsenzunterricht, für die anderen Jahrgänge Wechselunterricht möglich.

Die Außen- und Innengastronomie in Mecklenburg-Vorpommern kann von Pfingstsonntag an wieder öffnen. Zwei Tage danach sollen viele derzeit noch geschlossene Geschäfte im Bundesland wieder öffnen können. Am 25. Mai sollen ebenfalls weitere körpernahe Dienstleistungen wie Kosmetikstudios wieder ihren Betrieb aufnehmen dürfen.

Der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern wird am 7. Juni für Einwohner des Landes und am 14. Juni für Gäste aus den anderen Bundesländern geöffnet. Ab sofort könne gebucht werden, sagte Schwesig.

NRW-Grüne für flexiblen Start ins Ausbildungs- und Studienjahr 2021

Düsseldorf (dpa/lnw)Die Grünen in Nordrhein-Westfalen fordern, den Beginn des Ausbildungsjahres für Azubis sowie den Start des Wintersemesters für Studienanfänger in diesem Jahr zu verschieben. «Wir müssen jetzt den Druck aus dem Kessel nehmen und ihnen Zeit geben, Erfahrungen nachzuholen und Stoff nachzuarbeiten», sagte Landesparteichefin Mona Neubaur dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Mittwochausgabe). Coronabedingt sollte sowohl bei den Azubis als auch bei Studienanfängern Flexibilität und eine Verschiebung des Starts «eventuell um ein paar Monate» ermöglicht werden. 

Lehrer werden wegen Corona-Maßnahmen öfter beleidigt oder bedroht

Lehrkräfte und Schulleitungen sind laut einer Umfrage wegen ständiger Änderungen und zahlreicher Schutzmaßnahmen in der Corona-Pandemie nicht selten mit Angriffen konfrontiert. Etwa jeder fünften Lehrkraft - 21 Prozent - in NRW seien Beschimpfungen, Belästigungen, Bedrohungen oder Diffamierungen von Beschäftigten an der eigenen Schule bekannt geworden. Und 7 Prozent der befragten Pädagogen gaben an, selbst in einem direkten Kontakt Ziel einer solchen Form von psychischer Gewalt gewesen zu sein. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).

Bundesweit waren 1501 Lehrerinnen und Lehrer befragt worden, darunter 329 in NRW. Gefragt nach psychischer Gewalt über das Internet, gaben 25 Prozent an, dass diese an ihrer Schule aufgetreten seien. Und 5 Prozent waren selbst Ziel derartiger Attacken via Internet. Die NRW-Befunde weichen laut VBE kaum von den bundesweiten ab. Als Urheber der Angriffe nannten die Befragten überwiegend Eltern.

Schulleitungen haben den Angaben zufolge dabei etwa Briefe - in vielen Fällen Musterschreiben aus dem Internet - erhalten, in denen mit rechtlichen Konsequenzen gedroht werde. Es seien Plakate oder Schmierereien mit Aufschriften wie «Ihre Tage sind gezählt» an Schulgebäuden gemeldet worden.

Von sogar körperlicher Gewalt - etwa Tritte oder Stöße - berichteten drei Prozent der Befragten. Schulpersonal dürfe nicht zum Blitzableiter für angestauten Ärger werden, mahnte der Verband. Die Lage für die Schulen sei schwierig. Jede vierte Lehrkraft in NRW sehe fehlende Planbarkeit und einen ständigen, kurzfristigen Politikwechsel als das derzeit größte Problem an.

10.05.2021 

Gymnasien bieten Schnelltests vor Abiturprüfungen an

Um die Abiturprüfungen ihrer Gymnasiasten sicherzustellen, bieten die Städte Nürnberg und Würzburg nach eigenen Angaben Schnelltests an. Demnach können Schüler am Tag vor ihrer jeweiligen Prüfung einen Schnelltest machen lassen. Sollte dieser positiv ausfallen, folge ein PCR-Test, der mit Priorität ausgewertet werden soll, so dass der Betreffende im Falle eines falsch positiven Schnelltests doch am nächsten Tag zur Prüfung antreten kann.

Das Angebot werde - je nach Infektionslage und kultusministeriellen Vorgaben - bei Bedarf auch für die Abschlussprüfungen von FOS/BOS, Real- und Mittelschulen gelten, hieß es am Montag aus Nürnberg.

Sommerkurse für Schüler geplant

Thüringer Schüler sollen in den Sommerferien Kurse besuchen können, um Lernrückstände aufzuholen. Die Kurse sollen von «externen Partnern» angeboten werden, wie das Thüringer Bildungsministerium mitteilte. Details zu den Plänen will Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Dienstag (ab 12.30 Uhr) bekannt geben. Zuvor hatten mehrere Bildungspolitiker ein Konzept gefordert, wie Lernrückstände bei Kindern und Jugendlichen, die durch Unterrichtsausfall oder das Distanzlernen während der Corona-Pandemie entstanden sind, aufgeholt werden sollen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte bereits im März ein großes Nachholprogramm für Schülerinnen und Schüler angekündigt und eine «nationale Kraftanstrengung» gefordert. Vergangene Woche brachte das Bundeskabinett ein solches zwei Milliarden Euro schweres Programm auf den Weg. Karliczek forderte aber am Sonntag die Länder auf, dieses Programm noch aufzustocken.

Thüringens Finanzämter nahmen im vergangenen Jahr rund 7,4 Milliarden Euro an Steuern ein - und damit 267 Millionen Euro weniger als noch im Jahr zuvor. Der Rückgang beträgt nach Zahlen des Finanzministeriums 3,48 Prozent. Details dazu will Finanzministerin Heike Taubert (SPD) am Dienstag in einer Bilanz vortragen.

Für viele Schüler in Bayern dieses Schuljahr keine Schulaufgaben mehr

Diese Nachricht dürfte in vielen Kinderzimmern - und auch bei vielen Eltern und Lehrern - Jubel auslösen: Keine Schulaufgaben mehr in diesem Schuljahr. Priorität hat nun erst einmal etwas anderes.

An Realschulen, Gymnasien und Wirtschaftsschulen in Bayern werden in diesem Schuljahr keine Schulaufgaben mehr geschrieben - die sogenannten großen Leistungsnachweise entfallen. Ausgenommen davon sind lediglich Abschlussklassen, die elfte Klasse an Gymnasien und die Oberstufe der Beruflichen Oberschulen - dort kann es theoretisch noch Schulaufgaben geben. Das teilte das Kultusministerium am Montag in München mit.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) begründete die Entscheidung damit, dass viele Schülerinnen und Schüler erst jetzt in den Präsenz- beziehungsweise Wechselunterricht zurückkehrten, dank sinkender Inzidenzwerte und des neuen Grenzwerts 165. Deshalb betonte er: «Der Fokus wird hier in den kommenden Wochen ganz klar auf der Sicherung von Basiswissen und grundlegenden Kompetenzen liegen. Unsere Schülerinnen und Schüler müssen sich erst wieder einfinden. Zeitdruck und übermäßigen Leistungsdruck wollen wir dabei vermeiden.»

An den Schulen, an denen die Zahl der großen Leistungsnachweise vorgegeben sei, fänden deshalb in diesem Jahr keine Schulaufgaben mehr statt. «Wir wollen auch heuer am Schuljahresende ein aussagekräftiges Feedback zum Leistungsstand - aber keinen übermäßigen Druck durch zu viele Leistungsnachweise», sagte Piazolo. «Selbst wenn nur noch eine Schulaufgabe pro Fach geschrieben würde, käme es vielfach zu einer Ballung - und die wollen wir verhindern.» Sogenannte kleine Leistungsnachweise könne es aber überall noch geben, schriftlich und mündlich, «freilich auch hier mit Augenmaß». An anderen Schularten, beispielsweise der Mittelschule, haben die Lehrkräfte laut Kultusministerium ohnehin größere Spielräume.

Piazolo begrüßte die Schulöffnungen auf breiter Front. «Ich freue mich, dass damit ein Stück Alltag in unsere Familien zurückkehrt», sagte er und räumte ein: «Mehr als fünf Monate ohne regelmäßigen Schulbesuch waren und sind für viele eine große Herausforderung.»

Piazolo kündigte zudem weitere Anpassungen an, Richtung Schuljahresende und auch mit Blick auf das kommende Schuljahr. «Die Corona-Auswirkungen werden den Schulbetrieb noch länger prägen», sagte er. «Wir werden daher auch heuer beim Vorrücken auf Probe großzügig sein, ein Wiederholen nicht auf die Höchstausbildungsdauer anrechnen und weiterhin Schwerpunkte im Lehrplan setzen.» Sein oberstes Ziel sei es aber, die Schülerinnen und Schüler so rasch wie möglich in einen normalen Schulalltag zurückzubringen, «am besten so bald wie möglich mit vollem täglichem Präsenzunterricht für alle».

Kurz vor Abitur - Schülersprecher kritisiert Prüfungsbedingungen

Kurz vor Beginn der Abiturprüfungen hat Bayerns Landesschülersprecher Moritz Meusel die schwierigen Prüfungsbedingungen kritisiert. So müssten die Schulen bei den schriftlichen Prüfungen Räume für Getestete, Ungeteste und Abiturienten in Quarantäne vorhalten, sagte Meusel im Interview mit dem Sender Bayern 2. Der organisatorische Aufwand für Lehrer und Schüler sei gewaltig.

Auch bemängelte der 18-Jährige in dem Interview, dass Schülerinnen und Schüler, die aufgrund hoher Inzidenzwerte monatelang im Fernunterricht waren, wesentlich schlechter auf das Abitur vorbereitet worden seien als diejenigen, die lange in die Schule gehen konnten. Schüler aus ärmeren Familien seien zusätzlich benachteiligt gewesen, weil sie sich keine Nachhilfe leisten konnten.

Außerdem kritisierte der aus dem Landkreis Bamberg stammende Moritz Meusel, dass der Lernstoff für das Abitur trotz der schwierigen Situation kaum reduziert worden sei: «Es gab ein bisschen Zeit on top, es wurde insgesamt ein bisschen Stoff gestrichen, aber für uns ist es deutlich zu wenig.»

Lolli-Testungen an Grund- und Förderschulen in NRW begonnen

Grund- und Förderschüler in ganz Nordrhein-Westfalen mussten am Montagmorgen ihre Test-Wattestäbchen nicht mehr in die Nase stecken, sondern in den Mund. Die sogenannten Lolli-Tests sind leichter zu handhaben und empfindlicher als die bisherigen Schnelltests.

In den Grund- und Förderschulen Nordrhein-Westfalens haben am Montag flächendeckende Corona-Tests mit der Lolli-Methode begonnen. Die Tests werden Lolli-Tests genannt, weil die Schülerinnen und Schüler dabei 30 Sekunden lang auf einem Teststäbchen wie auf einem Lolli herumlutschen. Die Testung geschieht zunächst gruppenweise. Die Proben werden in landesweit zwölf Laboren nach dem PCR-Verfahren ausgewertet. Erst wenn eine Gruppe positiv getestet wurde, werden Einzeltests der Gruppenmitglieder vorgenommen. Die Testergebnisse sollen bis spätestens 06.00 Uhr am Folgetag vorliegen.

Mit dem Test sollen alle mehr als 730 000 Schülerinnen und Schüler der knapp 3800 Grund- und Förderschulen zwei Mal pro Woche in ihrer jeweiligen Lerngruppe auf das Coronavirus getestet werden. Die Anwendung der Tests gilt als leichter für Schüler. Außerdem sind sie empfindlicher als die bisherigen Schnelltests. «Die Lolli-Tests werden uns dabei helfen, Infektionen frühzeitiger als mit Selbsttests zu entdecken und Infektionsketten von vornherein in Schulen zu unterbrechen», hatte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gesagt.

«Grundsätzlich ist diese Testung viel einfacher als die andere», sagte die Klassenlehrerin Kamuran Turan (34) von der Maria-Kunigunda-Grundschule der Deutschen Presse-Agentur in Essen am Montagmorgen. Die Schnelltests hätten Kinder teilweise nicht hinbekommen. «Hier können sie nicht viel falsch machen.»

 

 

09.05.2021 

Erste Millionen für «Extra-Zeit zum Lernen» bewilligt

Damit Schüler Lernrückstände durch Corona ausgleichen können, haben die Bezirksregierungen in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen beiden Monaten 3,3 Millionen Euro für außerschulische Bildungs- und Betreuungsangebote bewilligt. Das Geld fließe in rund 1500 Maßnahmen, teilte das Schulministerium am Sonntag mit. Es hatte für das Programm «Extra-Zeit zum Lernen», das von März 2021 bis Sommer 2022 laufen soll, insgesamt 36 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

«Unser Ziel ist, dass keiner Schülerin und keinem Schüler durch die Pandemie Nachteile für den weiteren Bildungsweg entstehen dürfen», sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) laut Mitteilung. Die Zahlen für März und April zeigten, dass das Angebot auf großes Interesse stoße.

08.05.2021 

Karliczek fordert finanzielle Länder-Beteiligung an «Aufholprogramm»

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat die Länder aufgefordert, eigenes Geld zum «Aufholprogramm» des Bundes für Kinder in der Corona-Krise beizusteuern. Das Bundesgeld sei nur der erste Schritt, um gerade die Lernrückstände abzubauen, sagte Karliczek der «Rheinischen Post» (Samstag). «Da Bildung in der Verantwortung der Länder liegt, vertraue ich darauf, dass die Länder ebenfalls erhebliche eigene Anstrengungen unternehmen werden.»

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch ein zwei Milliarden Euro schweres Corona-«Aufholprogramm» für Kinder und Jugendliche beschlossen. Das Programm besteht aus zwei Säulen: Rund eine Milliarde Euro sollen in Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler gesteckt werden. Eine weitere Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Projekte vorgesehen, die Kinder, Jugendliche und Familien unterstützen, um auch in diesem Bereich Krisenfolgen abzufedern. Das Geld soll in diesem und im nächsten Jahr fließen und die Folgen der Corona-Maßnahmen bestmöglich abfedern.

Wenn nach den Sommerferien mit dem Programm begonnen werden soll, müssen die Vorbereitungen der Ministerin zufolge jetzt rasch starten. Die Länder seien nun gefragt. «Idealerweise sollten auch bereits die kommenden Sommerferien genutzt werden», so Karliczek.

07.05.2021 

Senat will Hamburgs Schulen für alle Schüler öffnen

Seit gut fünf Monaten dürfen viele Schüler coronabedingt gar nicht mehr in ihre Klassen. Doch das soll nun ein Ende haben. Bleibt die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100, kommt nach den Mai-Ferien die Wende.

Hamburgs rot-grüner Senat will die Schulen der Hansestadt nach Ende der Mai-Ferien wieder für alle Schüler öffnen. Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen sollen vom 17. Mai an im Wechselunterricht in die Schule dürfen. Voraussetzung sei jedoch, dass die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen fünf Werktage hintereinander unter 100 bleibe, teilte die Schulbehörde am Freitag im Anschluss an eine Sondersitzung des Senats mit.

Bereits Ende April hatte die Hansestadt angekündigt, dass Hamburgs Fünft- und Sechstklässler nach den Mai-Ferien wieder im Wechselunterricht in die Schulen dürfen. Begründet wurde das damit, dass mit Beginn der Abiturprüfungen Spielraum für eine weitere vorsichtige Öffnung sei.

Seit Mitte März sind bereits die Grund- und Sonderschüler sowie die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen im Wechselunterricht. Das heißt, dass die Schülerinnen und Schüler die Hälfte aller Unterrichtsstunden in einer halbierten Klassengruppe in der Schule lernen, die andere Hälfte zu Hause im Distanzunterricht. Der neue Öffnungsschritt soll nun ausdrücklich auch für die Jahrgangsstufen gelten, die bislang vom Präsenzunterricht ausgeschlossen waren.

Derzeit dürfen nach Angaben der Schulbehörde rund 60 Prozent der
rund 200 000 Schüler der allgemeinbildenden Schulen im Wechselunterricht lernen, rund 40 Prozent lernen dagegen ausschließlich zu Hause. «Ich freue mich, dass wir die jetzt entstehenden Spielräume nutzen und Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler in allen Jahrgangsstufen ermöglichen können», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD).

Gerade jüngere Schülerinnen und Schüler seien auf die Begleitung und Anleitung durch Lehrkräfte und Pädagogen angewiesen und brauchten die Schule «als Ort des sozialen Lernens, als Begegnungsstätte mit Gleichaltrigen und als Struktur für ihren Tagesrhythmus», betonte Rabe. In Hamburgs Schulen gelten strenge Sicherheitsregeln. Schüler müssen zwei Mal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen, Lehrer und andere Schulbeschäftigte sogar drei Mal pro Woche. Außerdem herrscht auch im Unterricht Maskenpflicht.

Die Präsenzpflicht bleibt weiterhin aufgehoben. Sollten Eltern beispielsweise aufgrund erheblicher gesundheitlicher Risiken im Familienkreis Bedenken gegen den Wechselunterricht haben, können ihre Kinder auch weiterhin im reinen Distanzunterricht zu Hause lernen. «Die Erfahrungen zeigen allerdings, dass weniger als zwei Prozent aller Eltern von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen», berichtete die Schulbehörde.

Ministerin Ernst: Sitzenbleiben trotz Pandemie-Bedingungen möglich

Das Sitzenbleiben in der Schule ist laut Brandenburger Bildungsministerium in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie nicht ausgeschlossen. Inzwischen gebe es eine andere Regelung als im vergangenen Jahr, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Freitag im Bildungsausschuss des Landtages, daher könnten Leistungen im Distanzunterricht bewertet werden.

In den ersten Monaten der Pandemie im vergangenen Jahr sei der Distanzunterricht der Schüler nicht bewertet worden, da es keine rechtliche Regelung gegeben habe. Das habe zu großer Kritik geführt, sagte Ernst. Gerechterweise wollten die Schüler, dass ihre Leistungen anerkannt werden. Deshalb sei das Verfahren umgestellt worden.

«Es ist schwieriger, im Wechselunterricht oder im monatelangen Distanzunterricht Schülerleistungen zu bewerten», sagte sie. «Nur im Umkehrschluss zu sagen, wir verzichten in einem Jahr komplett auf eine Leistungsbewertung, halte ich für falsch», sagte die Ministerin.

Die Linken-Landtagsabgeordnete Kathrin Dannenberg hatte zuvor gefordert, dass alle Kinder versetzt werden. Bewertungen in Form von Noten solle es bis zu den Sommerferien nicht geben, mit Ausnahme der Abschlussklassen. Die Lehrkräfte sollten in den Zeugnissen auf die Kompetenzen der Kinder eingehen und deren positive Entwicklung deutlich machen. Sie sei überzeugt, dass eine Vergleichbarkeit derzeit überhaupt nicht möglich sei, sagte Dannenberg. «Da sind Bewertungen in Form von Zensuren nicht angebracht», sagte sie.

Keine Kraft mehr: So überleben Familien das Homeschooling

Bei den einen läuft es ganz okay, bei anderen gar nicht. Richtig Lust auf Homeschooling hat aber keiner mehr. Was Familien jetzt noch retten kann.

Seit Monaten mühen sich Familien jetzt durchs Homeschooling. Motivation? In vielen Haushalten nicht mehr vorhanden. Was also tun?

Familiencoach Kira Liebmann rät dazu, sich nicht so sehr auf die Lernsituation zu konzentrieren, sondern vor allem aufs Drumherum. «Wenn man es schafft, außerhalb des Schulkontextes eine entspannte Atmosphäre entstehen zu lassen, ist viel gewonnen.» Am wichtigsten sei dabei, dass Jugendliche genügend Ausgleich neben dem Lernen vor dem Bildschirm haben.

Konkret heißt das: eine Pausenstruktur schaffen. «Timer stellen, maximal 25 Minuten lernen, dann 5 Minuten Pause einlegen.» Kinder können sich etwa doppelt so lange konzentrieren, wie sie alt sind - ein 15-Jähriger somit 30 Minuten.

Was außerdem den Alltag erleichtert: bestimmte Zeiten am Tag festlegen, an denen man mit seinem Kind über Schulthemen spricht - und wann eben nicht mehr. «Ab 16 Uhr geht es dann meinetwegen um nichts Schulisches mehr.»

Kira Liebmann hat für Eltern einen weiteren Tipp: Oft kriegen wir Erwachsenen jetzt viel unmittelbarer mit, wie sich das Kind im Unterricht verhält. Ob es aufmerksam zuhört zum Beispiel, oder ob es sich meldet. «Das verleitet dann dazu, sich aus dem Hintergrund einzumischen: 'Du musst mehr mitmachen.'» Das sorge aber oft für Spannungen. Besser sei deshalb, Augen und Ohren zuzuklappen und seinen Kindern die Schule zu überlassen.

Und selbst, wenn Jugendliche in einer ausgeprägten «Das ganze Homeschooling interessiert mich überhaupt nicht»-Phase stecken: Was ist das Schlimmste, was jetzt passieren kann? «Im Zweifel wiederholen sie das Jahr eben noch mal, da müssen sie dann durch», sagt Liebmann.

06.05.2021

Gericht: Pflicht von Lehrern zur Aufsicht von Selbsttests rechtens

Lehrerinnen und Lehrer dürfen verpflichtet werden, an Schulen Corona-Tests zu beaufsichtigen. Dies hat das Verwaltungsgericht Münster in einem Donnerstag veröffentlichten Eilbeschluss entschieden (Az.: 5 L 276/21 vom 3. Mai). Geklagt hatte eine im Kreis Coesfeld tätige Lehrerin. Sie hatte sich gegen ihre Verpflichtung gewehrt, die Schülerinnen und Schüler an ihrer Schule bei der Anwendung von Selbsttests anzuleiten und zu beaufsichtigen.

Sie hatte laut Gericht argumentiert, damit zu einer Tätigkeit verpflichtet zu werden, die außerhalb ihrer Ausbildung, ihres Berufsbildes und ihrer Qualifikation liege. Vielmehr sei dies als Tätigkeit auf dem allgemeinen staatlichen Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege anzusehen. Auch sei sie nicht geimpft und deshalb bei der Aufsicht einer ihr nicht zumutbaren Gesundheitsgefährdung ausgesetzt.

Das Gericht sah das anders. Die Anweisung zur Beaufsichtigung der Schüler verletze die Lehrerin nicht in ihren Rechten. Aus dem beamtenrechtlichen Anspruch auf Fürsorge durch den Dienstherrn ergebe sich kein Anspruch darauf, an der Schule eine «Nullrisiko-Situation» anzutreffen. Ein allumfassender Gesundheitsschutz während einer pandemischen Lage könne nicht sichergestellt werden.

Die Lehrerin habe außerdem nicht glaubhaft gemacht, dass sie bei der Aufsicht einer ihr nicht zumutbaren Gesundheitsgefährdung ausgesetzt sei. Die konkrete Ausgestaltung der Aufsicht reduziere das Risiko einer Erkrankung auf ein für die Antragstellerin hinnehmbares Maß. Auch die Beratungs-, Betreuungs- und Aufsichtspflicht von Lehrern umfasse die Durchführung von Selbsttests. Von einer Tätigkeit im Bereich der allgemeinen Gesundheitspflege könne keine Rede sein.

Der Beschluss ist nicht rechtskräftig. Die Lehrerin kann dagegen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen.

Kritik und Verteidigung - Übertrittszeugnisse spalten Meinung

Einen Tag vor Verleihung der Übertrittszeugnisse im Freistaat hat das für die weitere Schullaufbahn von Viertklässlern richtungsweisende Verfahren für Kritik gesorgt. «Das sogenannte Grundschulabitur terrorisiert in Bayern seit Jahren Kinder, Eltern und Lehrpersonen. Es gehört endlich abgeschafft», forderte etwa die SPD-Landtagsfraktion. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband betonte am Donnerstag: «Von einer fairen und vergleichbaren Ermittlung der immer noch notwendigen Notendurchschnitte kann in diesen Zeiten beim besten Willen nicht mehr die Rede sein.»

In Bayern wird ein bestimmter Durchschnitt der Noten in den drei Hauptfächern benötigt, um nach der Grundschule auf das Gymnasium oder die Realschule gehen zu dürfen. Dies führe zu einem enormen Notendruck, bemängelten die Kritiker. Nach vielen Wochen mit Distanz- und Wechselunterricht sowie völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in den einzelnen Schulen und Familien seien eine Vergleichbarkeit und eine faire Beurteilung gar nicht möglich.

Der bayerische Philologenverband, Vertreter der Gymnasiallehrkräfte, hält hingegen das Festhalten am Übertrittszeugnis auch im Corona-Ausnahmeschuljahr für «sinnvoll und pädagogisch». Die Lehrkräfte an den Grundschulen wüssten sehr genau, wer für welche weiterführende Schule infrage komme. «Und diese Beurteilung muss auf validen Noten basieren, diese sind der beste und sicherste Indikator für den späteren schulischen Erfolg», erläuterte der Vorsitzende Michael Schwägerl.

Ernst hofft zum neuen Schuljahr auf Impfung für Schulkinder

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) setzt für das kommende Schuljahr auf Corona-Impfungen für Schulkinder. «Wir werden nach dem Sommer, so hoffe ich, auch Kinder ab zwölf Jahren impfen können», sagte Ernst der «Märkischen Oderzeitung» (Donnerstag). «Mit der Impfung der Lehrkräfte und der verpflichtenden Teststrategie macht das die Schulen noch sicherer.» Die geplanten Nachhilfeprogramme zum Aufholen der Lernrückstände wegen der Schulschließungen könnten nur im Präsenzunterricht greifen.

Zur Frage, ob Kinder Klassen wiederholen sollten, riet Ernst den Eltern, dies sorgfältig abzuwägen. «Ich empfehle den Eltern dort, wo die gesamte Lerngruppe vielleicht nicht ganz so weit ist, die Kinder und Jugendlichen nicht aus ihren vertrauten sozialen Zusammenhängen zu reißen», sagte die Ministerin. Die Schulen seien darauf eingestellt, ab dem kommenden Schuljahr die Lernrückstände aufzuholen. «Wenn Eltern den Eindruck haben, dass ihr Kind von der Lerngruppe komplett abgehängt ist, dann würde ich das Gespräch mit der Schule suchen, um eine Wiederholung zu erwägen», sagte Ernst.

Tausende starten trotz Corona Auslandsstudium

Trotz weltweiter Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind tausende junge Menschen aus Deutschland auch in diesem Jahr für einen Studienaufenthalt ins Ausland gegangen. Wie der Deutsche Akademische Austauschdienst am Donnerstag mitteilte, haben seit Jahresbeginn rund 9000 Studenten über das europäische Austauschprogramm Erasmus einen Auslandsaufenthalt begonnen.

Zum Stichtag Ende April seien es trotz Corona rund 75 Prozent der Erasmus-Auslandsaufenthalte im Vergleich zu diesem Zeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019 gewesen. «Das Interesse an einem Auslandsaufenthalt im europäischen Ausland ist ungebrochen groß. Unsere Mitgliedshochschulen und die Studierenden haben sich dabei schnell und verantwortungsvoll an die äußerst herausfordernde Pandemiesituation angepasst», sagte DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee.

Bislang 284 positive Corona-Schnelltests an Schulen in MV

Seit Beginn der Corona-Schnelltests an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns sind 284 Ergebnisse positiv ausgefallen. Darunter sind 227 Schülerinnen und Schüler sowie 57 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Donnerstag im Landtag in Schwerin sagte.

Bislang seien 411 794 Tests genommen worden, darunter 343 714 von Schülern und 68 080 von Beschäftigten. Wie viele der positiven Schnelltests durch den notwendigen PCR-Test bestätigt worden sind, war zunächst nicht bekannt.

Laut Bildungsministerin werden seit dem 17. März im Nordosten Corona-Schnelltests an den Schulen genommen, eine Testpflicht besteht seit Ende April. Wer in die Schule geht, muss sich zweimal die Woche testen.

Elternräte der Gymnasien fordern baldige Rückkehr zu Regelbetrieb

Die Elternräte der niedersächsischen Gymnasien fordern eine baldige Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen. Die Wochen mit Corona-Schnelltests hätten gezeigt, dass Schulen keine Hotspots für Infektionen seien, schrieb der Verband der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens in einer Mitteilung.

Das Kultusministerium solle anordnen, nach einer kurzen Übergangsphase im Szenario B mit Wechselunterricht wieder zu Szenario A mit Präsenzunterricht überzugehen. Die Schülerinnen und Schüler seien mehrere Monate nicht mehr in den Schulen gewesen; es werde sonst schwer, die negativen Folgen auszugleichen.

Die Elternräte regten an, die fünften und sechsten Klassen genau wie die Abschlussklassen schneller wieder vollständig in den Schulen zu unterrichten. Diese Jahrgänge hätten nach dem Wechsel auf die weiterführenden Schulen bislang kaum Gelegenheit gehabt, sich in ihre Schulen und Klassengemeinschaften einzufinden.

Bisher keine Fördermittel für Schul-Luftfilter abgerufen

Die Schulträger in Thüringen haben nach Angaben des Bauministeriums noch keine Landesmittel für die Beschaffung von Luftfilteranlagen für Schulen abgerufen. Die entsprechenden Bescheide liegen den staatlichen Schulträgern allerdings vor, so dass man zeitnah mit Mittelabrufen rechne, erklärte das Ministerium auf Anfrage. Dafür haben die Träger noch bis 31. Oktober Zeit.

Insgesamt stellt das Land rund fünf Millionen Euro zur Verfügung. 4,5 Millionen Euro können davon für Luftfilteranlagen und andere Ausstattung im Kampf gegen die Corona-Pandemie abgerufen werden - etwa für Trennwände oder Co2-Sensoren. Gut 500 000 Euro sind für eine wissenschaftliche Begleitung zu Raumluftanlagen an Schulen vorgesehen.

Wechselunterricht auch für Klassen sieben bis elf in Hessen

Hessens Schulen können ab Donnerstag auch in den Klassen sieben bis elf wieder Wechselunterricht anbieten. Voraussetzung ist, dass in dem Landkreis oder der kreisfreien Stadt ihrer Schule die Corona-Inzidenz niedrig geblieben ist. Konkret muss die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen (Inzidenz) an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen - Sonn- und Feiertage nicht mitgezählt - unter 165 bleiben.

Bislang dürfen nur die Kinder der Jahrgangsstufen eins bis sechs im Wechselunterricht in ihre Klassen. Die Jahrgänge ab Klasse sieben wurden seit Mitte Dezember im Distanzunterricht mit Homeschooling unterrichtet. Die Abschlussklassen erhielten Präsenzunterricht.

«Es ist sehr positiv, dass nun beginnend mit dem heutigen Tag in immer mehr Regionen Hessens insbesondere die Schülerinnen und Schüler wieder regelmäßig in die Schule gehen können, die seit Mitte Dezember ausschließlich Distanzunterricht erhalten haben», erklärte Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Er sei sehr optimistisch, dass der Wechselunterricht dazu beiträgt, dass schon bald alle Schülerinnen und Schüler in Hessen wieder in die Schule gehen werden. «Das Licht am Ende des Tunnels wird von Tag zu Tag heller.»

05.05.2021

Kabinett berät über 100 Euro Freizeitbonus und Nachhilfe-Milliarde

Die Corona-Maßnahmen haben Kinder und Jugendliche überall ausgebremst: In der Schule, bei der Zukunftsplanung, in der Freizeit. Mit einem Aufholprogramm soll nun der Schaden begrenzt werden. Das Kabinett berät zudem über den Rechtsanspruch auf Ganztag an Grundschulen.

Das Bundeskabinett will an diesem Mittwoch zwei große Vorhaben in der Familien- und Bildungspolitik auf den Weg bringen. Um die Corona-Folgen für Kinder und Jugendliche abzufedern, soll ein rund zwei Milliarden Euro schweres sogenanntes Corona-Aufholprogramm für Kinder und Jugendliche beschlossen werden. Außerdem haben Familien- und Bildungsministerium einen gemeinsamen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler, der im Koalitionsvertrag verabredet wurde, umgesetzt werden soll.

Das geplante Corona-Aufholprogramm soll aus zwei Säulen bestehen: Mit rund einer Milliarde Euro sollen Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler in den Bundesländern unterstützt werden. Es wird davon ausgegangen, dass jeder vierte Schüler Lernrückstände aufzuholen hat. Mit dem Fördergeld sollen die Länder bestehende Programme ausbauen können, etwa Sommercamps und Nachhilfekurse während des Schuljahrs. Die Kurse könnten von Stiftungen, Vereinen, Initiativen, Volkshochschulen, pensionierten Lehrkräfte, Lehramtsstudenten und auch kommerziellen Nachhilfeanbietern übernommen werden.

Eine weitere Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Geplant ist unter anderem eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. Das Geld soll je nach Bedarf für Ferien-, Sport- und Freizeitaktivitäten eingesetzt werden können. Mehr Geld soll zudem für Sprachförderung an Kitas in sogenannten sozialen Brennpunkten zur Verfügung gestellt werden, weil viele Kinder die Einrichtungen nicht besuchen konnten. Auch eine stärkere Förderung von Schulsozialarbeit, Freizeitangeboten und kostengünstigen Ferienfahrten ist geplant.

Der Deutsche Städtetag forderte eine schnelle Umsetzung des Aufholprogramms. «Wir müssen Kindern und Jugendlichen unmittelbar helfen, damit sie soziale und psychische Folgen durch die Lockdowns bewältigen können», sagte Vizepräsident Markus Lewe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es dürfe keine Zeit und Kraft mit komplizierten Antragsverfahren verplempert werden. Lewe, der auch Oberbürgermeister von Münster ist, rief die Länder zudem dazu auf, das Bundesgeld durch eigene Mittel «spürbar» zu ergänzen.

Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz (CDU) sprach sich dafür aus, Kinder und Jugendliche aus Flüchtlings- und Einwandererfamilien besonders in den Blick zu nehmen und Sprach- und Freizeitangebote für sie zu verstärken. Ihre Familien seien von
den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen, sagte sie dem RND. Viele arbeiteten in Berufen, in denen Homeoffice nicht möglich sei, etwa in der Pflege oder im Einzelhandel oder im Gastgewerbe, das stärker von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen sei.

Das Kabinett will außerdem an diesem Mittwoch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule auf den Weg bringen. Damit versucht die große Koalition kurz vor dem Ende der Legislaturperiode noch eines ihrer zentralen Vorhaben im Bildungs- und Familienbereich umzusetzen. Kinder, die ab dem Schuljahr 2025/2026 eingeschult werden, sollen laut dem Gesetzentwurf von Bundesfamilien- und Bundesbildungsministerium in den ersten vier Schuljahren einen Anspruch auf ganztägige Betreuung bekommen - für mindestens acht Stunden an Wochentagen und auch in den Ferien.

Einige Bundesländer, vor allem im Osten, haben schon eine gut ausgebaute Ganztagsbetreuung, entweder in Form von Ganztagsschulen oder als Kombination aus Schule und Hort. In anderen Ländern müsste noch viel investiert werden, um den Rechtsanspruch ab 2025 erfüllen zu können. Wegen der immensen Kosten für den laufenden Betrieb, für Personal und Investitionen an den Grundschulen gibt es bis heute Streit. Die Länder fordern eine stärkere finanzielle Beteiligung des Bundes. Eine Zustimmung im Bundesrat und eine Umsetzung des Vorhabens bis zur Bundestagswahl sind daher offen.

Bereits zugesagt hatte die Regierung 3,5 Milliarden Euro für Investitionen und eine laufende Beteiligung an den Betriebskosten. Im Gesetzentwurf werden dafür jährlich dreistellige Millionenbeträge von Bundesseite genannt.

Skeptisch zeigte sich der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Angesichts des bereits jetzt bestehenden Fachkräftemangels bei erzieherischen Berufen «wird es nicht gelingen können, bis 2030 rund 800 000 zusätzliche Ganztagsplätze zu schaffen», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele Betreuungskräfte erreichten in den nächsten Jahren außerdem das Rentenalter. Landsberg forderte Bund und Länder zu einer Ausbildungsinitiative für Erziehungsberufe auf und sprach sich für eine deutlich höhere Beteiligung des Bundes an den Betriebskosten aus.

04.05.2021

Keine Beschwerden: Reibungsloser Start ins Ausnahme-Abitur

Es ist ein Abitur im Ausnahmezustand: Nach der Vorbereitung unter Pandemie-Bedingungen starten die Abschlussklassen in Baden-Württemberg mit dem Fach Deutsch in die Prüfungen. Wegen der besonderen Umstände gelten dafür einige Sonderregeln.

Für rund 46 500 Schüler der Abschlussklassen in Baden-Württemberg haben am Dienstag die schriftlichen Abiturprüfungen begonnen. Los ging es von 9.00 Uhr bis 14.45 Uhr mit dem Fach Deutsch. Nach Angaben des Kultusministeriums bekamen die Schüler damit wie im vergangenen Jahr eine halbe Stunde mehr Zeit als üblich, um eine der Prüfungsaufgaben zu bearbeiten - so soll der Pandemie-Situation Rechnung getragen werden. Die Lehrer konnten zudem wieder aus einem größeren Aufgaben-Pool Prüfungsfragen für ihre Klassen auswählen.

Berichte über Probleme beim Prüfungsauftakt seien nicht eingegangen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Dienstag. «Der Start in das diesjährige Abitur ist demnach reibungslos verlaufen.» Die Aufgabenverteilung habe problemlos funktioniert, auch die Einhaltung der strengen Hygieneregeln habe «reibungslos» geklappt.

Um Corona-Infektionen zu verhindern, gilt beim Prüfungsmarathon bis zum 20. beziehungsweise 21. Mai (berufliche Gymnasien) in den Schulen Maskenpflicht. Getestete und nicht getestete Schüler sollen währenddessen räumlich voneinander getrennt werden.

Der Vorsitzende des Landesschülerbeirats, David Jung, sagte, der Start in die Prüfungen sei gut gelaufen. «Ich habe heute auch Deutsch geschrieben und kam gut durch», so Jung. Die Aufgaben seien angemessen und «in allen Rubriken fair» gewesen.

Zur Vorbereitung in Zeiten von Corona waren die Lerninhalte in allen Fächern auf das sogenannte Kerncurriculum reduziert worden - dafür sind 75 Prozent der Unterrichtszeit ausgelegt. So sollte den Schülern Zeit für Wiederholung und Vertiefung gegeben werden. Die Prüfungen wurden zudem zeitlich nach hinten verschoben, die Schüler konnten darüber hinaus zwischen einem Haupt- und einem Nachtermin wählen.

In diesem Jahr werden nach Angaben des Kultusministeriums an den allgemeinbildenden Gymnasien etwa 30 100 Schüler schriftlich in Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache und einem weiteren Kernfach geprüft. Weitere rund 16 400 Schüler legen ihre Abiturprüfungen an beruflichen Gymnasien ab. Im Jahr 2020 bestanden 98,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Prüfungen.

Bayern sperrt auf - Lockerungen für Biergärten, Tourismus, Schulen

Eine «gute Mischung aus Vorsicht und Optimismus»: So beschreibt Ministerpräsident Söder die geplanten stufenweisen Lockerungen in Bayern. Entscheidend sind dabei immer die regionalen Corona-Zahlen.

Nach teils monatelanger Zwangspause heißt es in Regionen mit niedrigen Corona-Zahlen am kommenden Montag (10. Mai): Biergärten auf, Kinos auf, Theater auf - wenn auch unter Auflagen. Pünktlich zu den Pfingstferien soll auch der Tourismus wieder langsam anlaufen. Zudem dürfen schon am Montag in weiten Teilen Bayerns die Grundschulen wieder für alle aufsperren, lediglich für weiterführende Schulen bleibt es zunächst bei strikteren Grenzwerten. Und: Vollständige Geimpfte und Genesene werden schon ab Donnerstag von vielen Corona-Beschränkungen befreit. Dies und mehr hat das Kabinett am Dienstag beschlossen. Ein Überblick über zentrale Punkte:

BIERGÄRTEN: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 darf bereits ab kommenden Montag (10. Mai) die Außengastronomie wieder öffnen, allen voran die Biergärten. Eine Einschränkung aber: Um 22.00 Uhr muss Schluss sein. Stabile Corona-Zahlen heißt nach Worten von Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), dass es etwa für einen Wochen-Zeitraum keine großen Ausschläge bei der Sieben-Tage-Inzidenz geben dürfe und die Tendenz eher fallend sein müsse. Formal muss das Ministerium den regionalen Öffnungen jeweils zustimmen - es ist laut Kabinettsbeschluss allerdings «gebeten, das hierfür nötige Einvernehmen zu erteilen». Bei regionalen Inzidenz-Werten zwischen 50 und 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche soll unter anderem eine Corona-Testpflicht gelten, unter 50 soll diese dann entfallen.

THEATER UND KINOS: Unter denselben Bedingungen und Voraussetzungen dürfen am Montag auch Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos öffnen - wenn die Corona-Zahlen in der jeweiligen Region stabil sind.

SPORT: In Regionen mit stabilen Corona-Zahlen unter 100 ist ab Montag auch kontaktfreier Sport in Gebäuden sowie Kontaktsport unter freiem Himmel wieder erlaubt - ebenfalls verbunden mit einer Testpflicht, die bei einer Inzidenz unter 50 wieder entfallen soll.

TOURISMUS: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 werden ab Freitag, 21. Mai, wieder touristische Angebote zugelassen. Dazu zählen Hotels, Ferienwohnungen und -häuser sowie Campingplätze. Die konkreten Auflagen für inzidenzabhängige Öffnungen, wie Testpflichten und Hygienekonzepte, sollen bis zur kommenden Woche von den Ministerien erarbeitet werden. Ein Kernpunkt ist auch: Sollten die Corona-Zahlen regional wieder steigen, müssten die Öffnungen auch wieder zurückgenommen werden. Öffnungsmöglichkeiten soll es unter diesen Bedingungen auch für «spezielle touristische Infrastrukturen» geben. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) nannte dabei als denkbare Beispiele «Freizeiteinrichtungen von der Seilbahn bis zum Reisebus».

SCHULEN: An den weiterführenden Schulen bleibt es bis zu den Pfingstferien beim bisherigen strikteren Grenzwert 100 für Distanzunterricht. Lediglich Grundschulen dürfen ab nächsten Montag (10. Mai) bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 Wechselunterricht in allen Klassen anbieten. Gleiches gilt für die 5. und 6. Klasse an Förderschulen. Erst nach den Pfingstferien - also ab dem 7. Juni - soll dann auch an weiterführenden Schulen der Grenzwert 165 gelten, wie in der Bundes-Notbremse vorgesehen. Ausnahmen gelten weiterhin unter anderem für Abschlussklassen und Viertklässler, die auch bei höheren Corona-Zahlen weiterhin überall Wechselunterricht haben.

BILDUNGSMONITORING: Das Kultusministerium soll dem Kabinett in Kürze berichten, wie es um den Lernstand der Schülerinnen und Schüler angesichts der langen Corona-Einschränkungen bestellt ist und wie die Unterstützungsangebote und der weitere Zeitplan nun aussehen.

AUSGANGSBESCHRÄNKUNGEN: Bayern bleibt bis zum Ende der Pfingstferien am 6. Juni bei seiner im Länder-Vergleich strikteren nächtlichen Ausgangssperre - damit bleibt in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 Joggen und Spazierengehen zwischen 22.00 Uhr und Mitternacht verboten. Erst ab 7. Juni sollen dann die Ausnahmen gelten, wie sie in der Bundes-Notbremse vorgesehen sind.

GEIMPFTE UND GENESENE: Bereits von diesem Donnerstag an wird Bayern vollständig Geimpfte und Genesene negativ Getesteten gleichstellen. Das bedeutet: Test- und Quarantänepflichten entfallen, die nächtliche Ausgangssperre in Hotspots gilt für vollständig Geimpfte nicht mehr, und bei regionalen Kontaktbeschränkungen gilt dann: Bei der Zahl der maximal erlaubten Kontakte zählen vollständig Geimpfte nicht mit. Bayern setzt damit bundesweit geplante Regelungen etwas früher um. Auflagen etwa beim Besuch von Alten- und Pflegeheimen gelten aber weiterhin für alle, ebenso wie Maskenpflicht und Hygieneregeln.

KÖRPERNAHE DIENSTLEISTUNGEN: In Regionen mit Sieben-Tage-Inzidenzen unter 100 können ab Montag (10. Mai) alle bisher noch geschlossenen körpernahen Dienstleistungen wieder starten - unter den Bedingungen, wie sie für Friseure und Fußpfleger gelten (etwa FFP2-Maskenpflicht).

HUNDESCHULEN: In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 165 können ab kommenden Montag auch Hundeschulen wieder öffnen.

MUSIKGRUPPEN: Musikensembles, Amateurtheater und ähnliches sollen in Kürze in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 wieder starten dürfen. Ein Datum dafür gibt es aber noch nicht. Wissenschafts- und Gesundheitsressort sollen ein Konzept vorlegen.

CORONA-VERORDNUNG: Die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung wird mit diesen Änderungen nun bis einschließlich 6. Juni verlängert.

CORONA-ZAHLEN: In Bayern liegen aktuell (Stand Dienstag) nach Angaben des Robert Koch-Instituts 19 Regionen unterhalb einer Inzidenz von 100, 38 im Bereich zwischen 100 und 150 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Es folgen 10 weitere Landkreise beziehungsweise kreisfreie Städte unter 165. Die restlichen 29 liegen oberhalb von 165 - wobei sich 19 sogar noch über einer Inzidenz von 200 befinden. In Bayern gibt es 71 Landkreise und 25 kreisfreie Städte.

Wechselunterricht in fast jedem zweiten Stadt- und Landkreis in Sicht

Sinken die Corona-Infektionszahlen weiter, könnte in vielen Städten und Kreisen Baden-Württembergs bereits bald wieder Wechselunterricht an den Schulen angeboten werden. Die Schulen könnten zu diesem Modell aus Präsenz- und Fernunterricht zurückkehren, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in ihrem Stadt- oder Landkreis an fünf Werktagen in Folge unter dem Inzidenzwert von 165 liegt, wie das Kultusministerium am Dienstag mitteilte. Schulen hätten dann zudem eine Übergangsfrist von bis zu drei Tagen. «Diese können sie nutzen, wenn die Rückkehr zum Wechselunterricht nach dem Ablauf der Frist aus organisatorischen Gründen nicht unmittelbar möglich ist», heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Laut Bundesrecht ist Präsenzunterricht in der Regel nur noch im Wechsel möglich, wenn die Inzidenz drei Tage in Folge den Wert von 100 überschreitet. Ein durchgängiger Präsenzunterricht für einzelne Klassen oder Lerngruppen ist nach Angaben des Kultusministeriums nicht möglich. Es ist aber weder der Anteil des Fernunterrichts noch die Häufigkeit vorgegeben, in der zwischen Fern- und Präsenzunterricht gewechselt werden muss. Ziel sei es, soviel Präsenzunterricht wie möglich anzubieten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist zuletzt zwar sowohl bundesweit als auch in Baden-Württemberg gesunken. Sie lag am Dienstag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (Stand 5.08 Uhr) aber noch bei 141,4, in Baden-Württemberg nach Angaben des Landesgesundheitsamtes sogar bei 173,1 (Stand Montag, 16.00 Uhr). Am Montag überschritten noch mehr als die Hälfte der Kreise und Städte den Wert von 165. Wenn dieser Schwellenwert drei Tage hintereinander überschritten ist, müssen gemäß der Bundes-Notbremse die Schulen schließen.

Berichte: Wechselunterricht in Schulen bis Inzidenz von 165 geplant

Die niedersächsische Landesregierung will Medienberichten zufolge angesichts sinkender Infektionszahlen die Corona-Regeln für Schulen lockern. Wie die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» (HAZ) und die «Nordwest-Zeitung» am Dienstag berichten, soll es für Schülerinnen und Schüler bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 Wechselunterricht geben. Das bedeutet, dass eine Hälfte der Schüler in der Schule unterrichtet wird, während die andere Hälfte zu Hause lernt. Mit Ausnahme von Abschlussklassen sowie Grund- und Förderschulen ist bislang Distanzunterricht ab einer Inzidenz von 100 vorgeschrieben.

Eine entsprechende Regelung soll nach Informationen der Zeitungen Teil einer neuen Corona-Verordnung sein, die ab kommender Woche gilt. Einzelheiten will die Landesregierung an diesem Dienstag vorstellen. Bereits am Montag hatte die Staatskanzlei in Hannover vorsichtige Lockerungen angekündigt, die in Kreisen und Städten gelten sollen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz belastbar unter 100 liegt. Lockerungen könnten demnach auch für den Einzelhandel, die Gastronomie und den Tourismus in Aussicht stehen.

Wie die HAZ berichtet, sollen von Mitte Mai an auch die Regelungen beim Freizeitsport gelockert werden. Wie im Stufenplan vorgesehen, soll bei einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 Kontaktsport im Freien wieder mit bis zu 30 Personen betrieben werden können. «Bei Erwachsenen gilt dies nur bei Vorlage eines negativen Testnachweises», sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) der Zeitung. Der Minister verwies demnach auf Aussagen von Aerosolforschern, wonach beim Sport im Freien unter Corona-Gesichtspunkten nur ein geringes Infektionsrisiko bestehe.

Abitur im Ausnahmezustand - rund 45 000 Jungen und Mädchen legen los

Es ist ein Abitur im Ausnahmezustand. Die Abschlussklassen lernen schon seit Monaten unter ganz besonderen Bedingungen. Für die Prüfungen gelten wegen den Pandemie strenge Corona-Vorschriften. Nach viel Büffelei mit Masken und Tests geht es nun endlich los.

Für insgesamt rund 45 000 Jungen und Mädchen der Abschlussklassen in Baden-Württemberg wird es ernst: Das Abi 2021 beginnt an den Gymnasien - und es steht ganz im Zeichen des Coronavirus. Beim Prüfungsmarathon von diesem Dienstag (4. Mai) bis zum 20. Mai beziehungsweise 21. Mai (berufliche Gymnasien) geht es natürlich vor allem ums Wissen, aber besonders groß geschrieben wird auch der Infektionsschutz. In den Schulen gilt Maskenpflicht, die getesteten und nicht getesteten Schüler sollen räumlich voneinander getrennt werden.

Unter diesen Umständen kann von einem normalen Abitur eigentlich keine Rede mehr sein. Die Bildungsinhalte wurden bereits in allen Fächern auf das sogenannte Kerncurriculum reduziert - dafür sind 75 Prozent der Unterrichtszeit ausgelegt. So soll und sollte den Schülern Zeit fürs Wiederholen und Vertiefen gegeben werden. Die Abschlussprüfungen wurden zudem um zwei bis drei Wochen nach hinten verschoben. Zum Abitur konnten die Schüler zudem zwischen einem Haupt- und einem Nachtermin wählen, die schriftlichen Prüfungen wurden um 30 Minuten verlängert. Außerdem hatten und haben die Lehrer in der schriftlichen Prüfung weitere Aufgaben zur Vorauswahl. So können sie Aufgaben auswählen, die am besten zum erteilten Unterricht passen.

In diesem Jahr werden an den allgemeinbildenden Gymnasien knapp 28 600 Schülerinnen und Schüler in den schriftlichen Prüfungsfragen in Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache und einem weiteren Kernfach geprüft. Die weitaus meisten von ihnen dürften ihr Abi auch erfolgreich meistern, geht man von den Quoten des vergangenen Jahres aus: Im Jahr 2020 bestanden 98,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Prüfungen. Die Durchschnittsnote lag bei 2,31, und die am häufigsten vergebene Durchschnittsnote war die 2,6. Die Bestnote 1,0 erhielten 2,9 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten, wie das Statistische Landesamt errechnet hat. Eine 1 vor dem Komma stand in 31 Prozent der vergebenen Abiturzeugnisse, eine 2 in jedem zweiten Zeugnis und eine 3 in fast 19 Prozent von ihnen.

Insgesamt haben im vergangenen Sommer rund 44 800 Jugendliche ein allgemeinbildendes oder berufliches Gymnasium mit der allgemeinen Hochschulreife in der Tasche verlassen - 63 Prozent von ihnen ein allgemeinbildendes, 37 Prozent ein berufliches Gymnasium.

03.05.2021

Corona-Impfangebote für alle bayerischen Lehrer im Präsenzunterricht

Ab sofort können auch alle Lehrer an den weiterführenden und den beruflichen Schulen in Bayern auf eine zeitnahe Corona-Schutzimpfung hoffen. «Wir können jetzt allen Lehrerinnen und Lehrern in Bayern, die im Präsenzunterricht im Einsatz für die Bildung sind, ein Impfangebot machen», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Montag in München. Bislang hatten nur die Lehrerinnen und Lehrer an den Grund- und Förderschulen die Möglichkeit einer bevorzugten Impfung.

Das Angebot richte sich explizit primär an die Lehrkräfte, die regelmäßig in Präsenz unterrichteten, in der Notbetreuung tätig seien oder bei den Abschlussprüfungen beispielsweise als Aufsicht in der Schule eingesetzt würden, teilte das Kultusministerium mit. Die Schulleitungen würden den betreffenden Lehrern eine entsprechende Bestätigung zum Nachweis der vorrangigen Impfberechtigung für das Impfzentrum ausstellen. «Mit den neuen Impfangeboten für die Lehrkräfte an Mittelschulen, Realschulen, Gymnasien und beruflichen Schulen machen wir jetzt einen weiteren wichtigen Schritt für mehr Sicherheit», betonte Piazolo.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer-und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, sagte, die Entscheidung sei nicht nur ein wichtiges Signal, sondern zwingend notwendig. «Jede Lehrerin und jeder Lehrer, der seinen Fuß in die Schule setzen soll, braucht ein Impfangebot», habe der BLLV gefordert - dies sei nun erfüllt.

Niedersachsen will Corona-Beschränkungen vorsichtig lockern

Tourismus, Gastronomie und Handel drängen auf Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Einen Weg aus dem monatelangen Lockdown will die Landesregierung am Dienstag abstecken. Erste Erleichterungen sollen vom kommenden Wochenende an greifen.

Nach monatelangem Lockdown will Niedersachsen die Corona-Beschränkungen angesichts rückläufiger Zahlen vorsichtig lockern. Dies soll in Kreisen und Städten der Fall sein, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz belastbar unter 100 liegt, kündigte die Staatskanzlei in Hannover am Montag an.

Die mit der neuen Corona-Verordnung des Landes ab kommendem Wochenende ins Auge gefassten Lockerungen wollen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) nach einer Kabinettssitzung am Dienstag vorstellen. Unter anderem geht es um Tourismus und Gastronomie sowie den Einzelhandel.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will verbesserte Möglichkeiten für den Schulunterricht präsentieren. Bislang hat das Land an seinem restriktiven Kurs festgehalten, dass Schulen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 größtenteils in den Distanzunterricht wechseln. Vielversprechend angelaufen sind inzwischen regelmäßige Schnelltests aller Schülerinnen- und Schüler vor dem Schulbesuch. Auch daran wollte der Kultusminister mögliche Lockerungen koppeln.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sank die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Montag von 101,7 auf 99,5. In 16 der 45 Kreise und Großstädte liegt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen noch über 100.

Mehrere Tourismusregionen, Verbände und das Gastgewerbe verlangen unterdessen von der Landesregierung gemeinsam eine rasche Antwort auf ihre Vorschläge für vorsichtige Öffnungen. Der finanzielle Druck auf die Betriebe sei mittlerweile so hoch, dass man jetzt endlich handeln müsse, erklärte der Harzer Tourismusverband am Montag auch stellvertretend für weitere Organisationen und Firmen aus der niedersächsischen Branche: «Viele Existenzen sind bedroht, wichtige Leistungsträger können nicht auf Überbrückungshilfen des Bundes zugreifen - flankierende Dienstleistungs- und Servicebereiche leiden ebenfalls massiv unter dem ausbleibenden Gästeaufkommen.»

Der Harz-Verband schloss sich mit Kollegen aus weiteren Regionen, den Landesablegern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sowie des Bundesverbands der Campingwirtschaft und mit den niedersächsischen Heilbädern zusammen. Sie wollen an diesem Donnerstag (6. Mai) Details ihrer Forderungen bekanntgeben. «Seit nunmehr sechs Monaten befindet sich die Tourismusbranche deutschlandweit im Lockdown», hieß es vorab. «Öffnungsperspektiven sind nicht in Sicht. So kann es nicht bleiben.» Auch Touristiker aus Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen sich demnach beteiligen.

Auch die Ostfriesischen Inseln warten auf Öffnungssignale für Tourismus und Gastgewerbe. Doch das von den Inseln vorgelegte Pilotprojekt zur Öffnung des Tourismus wird dagegen in seiner zunächst geplanten Form nicht kommen, wie Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn (parteilos) am Montag mitteilte. «Es wird eine Pandemieverordnung geben, die für ganz Niedersachsen gilt, bei der es für die Inseln keine Ausnahmeregelung geben wird», sagte Horn nach einem Gespräch mit Gesundheitsministerin Daniela Behrens und Umweltminister Olaf Lies (beide SPD) und den Inselbürgermeistern.

Auf zentrale Punkte des Konzeptes wie etwa eine umfassende Teststrategie solle aber bei künftigen Öffnungen zurückgegriffen werde, sagte Horn. Umweltminister Lies sagte mit Blick auf die Bestandteile des Öffnungs-Konzept der Inseln im Anschluss an das Gespräch: «Ich bin überzeugt, dass sich ein ganz großer Teil davon, auch in der nächsten Verordnung schon wiederfindet und sicherlich auch in folgenden Verordnungen, die wir noch erarbeiten.»

Söder kündigt Öffnung von Grundschulen bis Inzidenz 165 an

Die meisten Schüler in Bayern haben ihre Schule schon länger nicht mehr von innen gesehen. Zumindest für Grundschüler soll sich das nun ändern, wenn auch nicht überall. Den Freien Wählern reicht das nicht.

Grundschulen in Bayern dürfen ab nächsten Montag auf breiter Front wieder für alle Klassenstufen im Wechselunterricht öffnen - nämlich schon bei einer regionalen Sieben-Tage-Inzidenz bis 165. Das kündigte Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder am Montag nach einer Videokonferenz des CSU-Vorstands an. Indem er für Grundschulen vom Grenzwert 100 abrückt und auf den Wert 165 aus der Bundes-Notbremse einschwenkt, kommt er seinem Koalitionspartner, den Freien Wählern, ein Stück weit entgegen. An weiterführenden Schulen will Söder dagegen bis auf Weiteres beim Grenzwert 100 bleiben. Den Freien Wählern reichte das Angebot deshalb zunächst jedenfalls nicht.

Zugleich stellte Söder Öffnungsmöglichkeiten ab der kommenden Woche für die Außengastronomie, für Theater und Kinos in Aussicht, wenn die regionale Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt, und mit Tests und Termin. Ebenso deutete er an, in den Pfingstferien könnten Ferienwohnungen und Hotels öffnen, mit Tests und Hygienekonzepten.

Die Lockerungen für Grundschulen begründete Söder damit, dass dort Distanzunterricht zum Teil mit Schwierigkeiten verbunden sei. Bei den weiterführenden Schulen dagegen sei dies anders: «Das funktioniert.» Zudem verwies Söder auf höhere Corona-Zahlen unter Jugendlichen. Man gehe aber davon aus, dass es nun immer mehr Regionen unter 100 gebe, die Lage werde sich also bis nach Pfingsten sukzessive verbessern.

Zudem sollen nun alle Lehrer im Präsenzunterricht auch an den weiterführenden und den beruflichen Schulen ein Impfangebot bekommen. Bislang hatten nur Lehrer an Grund- und Förderschulen die Möglichkeit einer bevorzugten Impfung.

Am Montag lag knapp ein Drittel der Landkreise und kreisfreien Städte in Bayern über dem Wert 165. Voraussetzung für eine Rückkehr vom Distanz- zum Wechselunterricht ist aber, dass der Wert an fünf Tagen hintereinander stabil darunter liegt - dann sind die entsprechenden Lockerungen ab dem übernächsten Tag möglich.

Die Freien Wähler allerdings fordern den höheren Grenzwert für Distanzunterricht für alle Schularten und Klassen. Die Grundschulen bis zum Wert 165 zu öffnen, sei ein Schritt in die richtige Richtung, sagte Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. «Das darf aber nicht reichen.» Die Schulen für alle bis zum Grenzwert 165 zu öffnen, sei wichtig für die Bildung und zur Infektionsbekämpfung, «weil nur mit Tests in der Schule die Infizierten erkannt werden». Die aktuell relativ hohen Corona-Zahlen der Jugendlichen kämen aus dem Privaten. «Es wäre also kontraproduktiv, die Altersgruppe der Jugendlichen ungetestet in die Pfingstferien zu schicken, wo sie vermehrt ihre Freunde treffen und Infektionen weitertragen. Besser, sie vorher in die Schule zu holen und mehrmals testen», sagte Aiwanger.

Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Freie-Wähler-Fraktion, Fabian Mehring, bekräftigte die Forderung nach weiteren Lockerungen. Am Dienstag soll darüber im Kabinett beraten und entschieden werden.

Söder rief die Freien Wähler vorab zu einem gemeinsamen und einheitlichen Vorgehen auf und warnte: «Wer blockiert, verliert.» Auch der Bayerische Elternverband forderte Öffnungen für weiterführende Schulen und mehr Unterricht im Freien.

Was Söder darüber hinaus bereits ankündigte: Für vollständig Corona-Geimpfte sowie Genesene sollen so schnell wie möglich mehrere Einschränkungen wegfallen. Die geplante Bundes-Verordnung werde der Freistaat sofort umsetzen. Bei coronabedingten Kontaktbeschränkungen sollten vollständig Geimpfte und Genese nicht mehr dazugerechnet werden. Er verwies etwa auf anstehende Konfirmationen, bei denen dies dann schon gelten könnte. Und auch bei den Ausgangsbeschränkungen soll es nach Söders Worten Ausnahmen für Geimpfte und Genesene geben.

Die von Söder in Aussicht gestellten Öffnungsmöglichkeiten etwa für die Außengastronomie, für Theater und Kinos sind derweil keine neue Erfindung. Darauf hatten sich Bund und Länder als möglichen weiteren Öffnungsschritt schon Anfang März verständigt. Und auch in der bayerischen Corona-Verordnung sind die Öffnungsmöglichkeiten schon enthalten - unter der zusätzlichen Voraussetzung, dass die Entwicklung des Infektionsgeschehens «stabil oder rückläufig» erscheint. Weil dies vor einigen Wochen noch nicht der Fall war, hatte das Kabinett solche neuen Lockerungen aber auf Eis gelegt.

Jugendring für Öffnung von Angeboten für Kinder und Jugendliche

Der Bayerische Jugendring (BJR) fordert die Öffnung von Angeboten für Kinder und Jugendliche unabhängig von den Corona-Inzidenzwerten. Kinder und Jugendliche müssten jetzt wieder ins Leben zurückgeholt werden, da Studien immer deutlicher ein besorgniserregendes Bild ihrer psychischen Situation ans Licht brächten, sagte BJR-Präsident Matthias Fack am Montag in München. «Für mich heißt das: Angebote müssen inzidenzunabhängig in Präsenz möglich sein.»

Laut BJR sind momentan Angebote der Jugendarbeit in Präsenz verboten, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche über 100 liegt. Die Pandemie und die strengen Kontaktbeschränkungen seien für Kinder, Jugendliche und Familien eine enorme psychische Belastung. Hier könnte die Jugendarbeit vorbeugen und helfen, dass psychische Störungen erst gar nicht entstehen.

«Der Blick von Gesellschaft und Politik muss sich jetzt noch fokussierter als vor Corona auf Kinder und Jugendliche richten», sagte Fack. Insbesondere Jugendliche könnten wohl je nach Alter frühestens im Sommer mit einem Impftermin rechnen. Sie dürften aber im weiteren Verlauf und erst recht nach der Pandemie auf keinen Fall vergessen werden. Der BJR ist eine Arbeitsgemeinschaft von landesweit und regional tätigen Jugendverbänden sowie örtlichen Jugendgruppen in Bayern. Dem Verband zufolge erreichen sie mit ihren Angeboten mehr als zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen.

Niedersachsen will Corona-Beschränkungen vorsichtig lockern

Nach monatelangem Lockdown will Niedersachsen die Corona-Beschränkungen angesichts rückläufiger Zahlen vorsichtig lockern. Dies soll in Kreisen und Städten der Fall sein, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz belastbar unter 100 liegt, kündigte die Staatskanzlei in Hannover am Montag an.

Die mit der neuen Corona-Verordnung des Landes ab kommendem Wochenende ins Auge gefassten Lockerungen wollen Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) nach einer Kabinettssitzung am Dienstag vorstellen. Unter anderem geht es um Tourismus und Gastronomie. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will verbesserte Möglichkeiten für den Schulunterricht präsentieren. Bislang hat das Land an seinem restriktiven Kurs festgehalten, dass Schulen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 größtenteils in den Distanzunterricht wechseln.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sank die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Montag von 101,7 auf 99,5. In 16 der 45 Kreise und Großstädte liegt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen noch über 100.

OVG: Test-Pflicht für Teilnahme am Präsenzunterricht rechtens

Die Verpflichtung, vor Teilnahme am Präsenzunterricht in Schulen ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen zu müssen, ist nach Entscheidungen des Oberverwaltungsgerichts in Schleswig rechtmäßig. Die Auflage, den Schulbesuch vom Testergebnis abhängig zu machen, sei zulässig und verhältnismäßig, teilte das Gericht am Montag mit. Sie diene dem legitimen Zweck, Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen. Die Zugangsbeschränkung sei erforderlich, um Schulschließungen zu vermeiden und den verfassungsrechtlichen Bildungsauftrag umzusetzen.

Der für Infektionsschutz zuständige 3. Senat hatte in der vergangenen Woche in zwei Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes entschieden. Um am Präsenzunterricht in Schleswig-Holstein teilnehmen zu können, müssen sich alle Schüler seit dem Ende der Osterferien zweimal wöchentlich testen. Dagegen hatten sich sieben Schülerinnen und Schüler aus Grund- und weiterführenden Schulen in Kiel und Kronshagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) in zwei Eilanträgen im Normenkontrollverfahren gewendet. Die Beschlüsse sind unanfechtbar (Az. 3 MB 23/21 und 3 MB 25/21).

Zahl der befristeten Stellen bei Lehrern steigt in Corona-Pandemie

Nicht jeder Lehrer bekommt automatisch den Beamtenstatus. In Hessen arbeiten Tausende hinter dem Lehrerpult nur mit befristeten Verträgen. In der Corona-Pandemie ist ihre Zahl noch gestiegen

Im hessischen Schuldienst arbeiten immer mehr befristete Lehrer, ihr Zuwachs hat sich in der Corona-Pandemie noch beschleunigt. Von Oktober 2019 bis Oktober 2020 sei die Zahl derer mit befristeten Verträgen von 5765 auf 6713 gestiegen, teilte das Kultusministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. In Vollzeitstellen umgerechnet sei dies ein Anstieg von 3427 auf 4106.

11 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer oder 7,9 Prozent der Vollzeitstellen seien somit zum Stichtag 1. Oktober 2020 über befristete Verträge gelaufen, teilte das Ministerium mit. Der zentrale Grund hierfür sei die Kompensation der Lehrer, die durch ein Attest in der Pandemie vom Präsenzunterricht befreit seien.

Diesen Anstieg sieht auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Im vergangenen Jahr sei der Prozentsatz von 6,8 auf 8 Prozent der rund 60 000 Lehrkräfte gestiegen, teilte die GEW mit. Der Anteil steige aber bereits seit 2015.

Bei den befristeten Verträgen handelt es sich nach Angaben der Gewerkschaft voraussichtlich um nicht oder nicht voll ausgebildete Lehrkräfte, also ohne zweites Staatsexamen. Voll ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer würden in den meisten Fächern sehr schnell ein Einstellungsangebot bekommen.

Durch die Pandemie sei der Vertretungsbedarf in den Schulen gewachsen. Lehrkräfte, die ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, könnten sich via Attest vom Präsenzunterricht freistellen lassen. Dies ist laut GEW im April 2021 bei rund 2800 Lehrerinnen und Lehrern der Fall gewesen. Für diese seien aber nur 800 Vertretungskräfte eingestellt worden. Dies hängt nach Auffassung der Gewerkschaft unter anderem mit der viel zu bürokratischen Vergabe bereitgestellter Mittel zusammen. Zudem sei wegen der sich ständig veränderten Unterrichtsorganisation und dem unzureichendem Gesundheitsschutz eine solche Stelle nicht gerade attraktiv, und Lehrer im Ruhestand könnten wegen des erhöhten Risikos eines schweren Krankheitsverlaufes nicht mehr angesprochen werden.

Nach Auskunft des Ministeriums können alle Lehrkräfte, auch die mit befristeten Verträgen, im Einverständnis mit den Schulleitungen Fortbildungen zum Einsatz digitaler Medien in den Schulen beantragen. Der Gewerkschaft zufolge hat es bislang aber keine technische Ausstattung für den digitalen Unterricht und andere Aufgaben gegeben. Allenfalls gebe es einzelne Computerarbeitsplätze in den Schulen. «Viele haben sich daher in den vergangenen Monaten privat leistungsfähige Endgeräte angeschafft, wie sie etwa für Videokonferenzen erforderlich sind», teilte die GEW mit. Inzwischen sei zwar die Anschaffung solcher Geräte angekündigt, diese seien jedoch noch nicht in den Kollegien angekommen.

Befristete Verträge können der GEW zufolge auch eine berufliche Sackgasse für Vertretungslehrer werden. Die Verträge dürften nämlich nicht nach Belieben verlängert werden. Je nach Einzelfall werde es nach rund fünf Jahren problematisch. Das Land biete nicht automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis an.

Gut 400 positive Corona-Tests bei Schülern

Nach Einführung der verpflichtenden Corona-Tests an Thüringer Schulen sind binnen einer Woche 416 Schüler positiv auf eine Infektion getestet worden. Das geht aus aktuellen Zahlen des Thüringer Bildungsministeriums vom Montag hervor. Demnach wurden in der vergangenen Woche mindestens 174 499 Selbsttests an Schulen durchgeführt. Der Anteil positiv ausgefallener Ergebnisse beträgt damit nur 0,24 Prozent.

Seit Anfang vergangener Woche müssen Lehrer und Schüler zwei Mal pro Woche Corona-Selbsttests durchführen. Wer nicht mitmacht, darf die Schule nicht betreten.

Beim Personal an Schulen wurden in dem Zeitraum 42 373 Tests gemacht - 49 davon fielen positiv aus. Die Positiv-Rate lag damit bei 0,12 Prozent.

Hinter wie vielen positiven Testergebnissen auch tatsächlich eine Corona-Infektion steckte, ist unklar - die Daten werden vom Bildungsministerium nicht erhoben. Hintergrund ist, dass nach einem positiven Selbsttest noch ein empfindlicherer PCR-Test nötig ist, um eine Infektion zu bestätigen.

02.05.2021

Distanzunterricht bleibt die Regel

Viele Eltern stellen in der Corona-Krise fest, dass ihre Kinder die Schule vermissen - vor der Pandemie undenkbar. Doch von einer Rückkehr zur Normalität sind die Schulen weit entfernt.

Trotz leicht sinkender Coronazahlen bleibt es nahezu in ganz Bayern vorerst beim Distanzunterricht an den Schulen - Abschlussklassen und Viertklässler ausgenommen. Lediglich in etwa einer Handvoll Landkreise und kreisfreien Städte ist von Montag an Wechselunterricht in allen Klassenstufen möglich.

Im Laufe der Woche könnten bei stabilen oder sinkenden Sieben-Tage-Inzidenzen aber weitere Kommunen mit Wechselunterricht hinzukommen. Am Sonntag lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Robert Koch-Institut in 18 bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten unter 100.

Die Staatsregierung hat die Vorschriften für den Schulunterricht mittlerweile zum Teil der neuen bundesweiten Notbremse angepasst. Unterschreitet ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt den Sieben-Tage-Inzidenzwert 100 an fünf aufeinander folgenden Tagen, kann ab dem übernächsten Tag auf Wechselunterricht umgestellt werden.

Umgekehrt gilt: Überschreitet ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt den Wert 100 an drei aufeinander folgenden Tagen, gibt es ab dem übernächsten Tag wieder Distanzunterricht. Ausgenommen sind Abschlussklassen und Viertklässler an Grundschulen. In der Bundes-Notbremse ist allerdings der höhere Grenzwert 165 vorgesehen, in Bayern ist es bei 100 geblieben. Die Freien Wähler wollen das ändern.

01.05.2021 

Arbeitgeber fordern Schulöffnungen ab Pfingsten

Die Zeit ohne Unterricht in der Schule war lang genug, finden mehrere Arbeitgeberverbände. Sie fordern eine schnelle Rückkehr in die Klassenräume. Bei der Bildungsgewerkschaft GEW stößt das auf Kritik.

Mehrere Arbeitgeberverbände in Niedersachsen fordern, dass die Schulen spätestens ab Pfingsten wieder öffnen und mindestens im Wechselmodell unterrichten. Ansonsten drohe den Kindern, dass sie bis nach den Sommerferien über 44 Wochen nicht im Klassenraum gesessen haben. «Die Kollateralschäden der Corona-Politik für die Bildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind jetzt schon enorm, aber diese Aussicht ist schlichtweg eine Katastrophe», sagte der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände im Haus der Industrie, Volker Schmidt. An einen Inzidenzwert oder die weitere Entwicklung der Fallzahlen knüpfte er die Forderung nicht.

Schmidt betonte, gerade für Kinder aus «sozial schwächeren» Familien, deren Eltern es schwerfalle, für eine vernünftige technische Ausstattung zu sorgen und beim Lernen zu helfen, sei das Homeschooling schwierig. Viele Kinder hätten ohne Schule zudem kaum Kontakt zu Gleichaltrigen und bewegten sich zu wenig.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte zuletzt die Hoffnung geäußert, dass der Präsenzunterricht ab Mitte Mai bis zu einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 ermöglicht werden könnte. So sieht es auch die sogenannte Bundes-Notbremse vor. Bisher müssen die Schulen in Niedersachsen aber bereits ab einer Inzidenz von 100 in den Distanzunterricht wechseln. Das werde auch absehbar so bleiben, hatte eine Sprecherin von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) nach Tonnes Äußerungen erklärt.

Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte den uneingeschränkten Ruf der Arbeitgeber nach schnellen Schulöffnungen. «Der Inzidenzwert ist zwar nicht der alleinige Maßstab, aber ihn plötzlich völlig zu ignorieren, wäre absolut unverständlich», sagte Landeschefin Laura Pooth. Das gelte jedenfalls so lange, wie Hygiene, Testungen und Impfangebote noch nicht vollständig umgesetzt seien.

«Schule ist weit mehr als eine Aufbewahrung für Kinder, damit die Eltern arbeiten gehen können», betonte Pooth. «Ein andauerndes Hin und Her von alten und neuen Regelungen hilft niemandem, das muss endlich aufhören.» Die Krise habe außerdem gezeigt, wie notwendig weitere Investitionen in die Schulen seien.

Im Haus der Industrie sind insgesamt 14 Arbeitgeberverbände vertreten, darunter Niedersachsenmetall.

30.04.2021

Bildungsforscher: Keine Nachteile für Abiturienten bei Berufswahl

Trotz der anhaltenden Ausfälle im Pandemie-Schuljahr rechnet der Tübinger Bildungsforscher Richard Göllner nicht mit Nachteilen für angehende Abiturienten in der Arbeitswelt. «Ich glaube nicht, dass Arbeitgeber systematische Defizite der diesjährigen Absolventen ausmachen werden», sagte er der «Stuttgarter Zeitung» (Freitag). «Die Prüfungen sind in der Tiefe genauso anspruchsvoll wie sonst.»

Unter Umständen könnten die schwierigen Umstände durch die Corona-Einschränkungen sogar ein Vorteil auf der Karriereleiter werden. «Möglich ist es», sagte der Göllner, der als Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen forscht. «Denn diese Generation konnte ihre Selbstlernfähigkeiten, die auch für den weiteren Ausbildungserfolg von zentraler Bedeutung sind, besonders gut einüben.» Außerdem gebe es Selbstvertrauen, in schwieriger Lage die bisher wichtigste Prüfung des Lebens erfolgreich zu bestehen.

Göllner zeigte sich zwar überzeugt, dass den Schülern die Vorbereitung für die Abiturprüfungen gelungen sei. Er bedauere die Abiturienten allerdings wegen der sozialen Ausfälle durch die Corona-Einschränkungen. «Es gab keine Studienfahrten, es gibt keinen letzten Schultag, keine Abifeier. Die Absolventen können nicht einfach ein Jahr ins Ausland gehen. Da wird dieser Generation tatsächlich etwas fehlen», sagte er.

Die Abitur- und Zwischenprüfungen für rund 46 000 baden-württembergische Schülerinnen und Schüler beginnen am 4. Mai.

Testpflicht an Schulen: Wie gehen Eltern damit um?

Die Testpflicht an Schulen ist da. Bei Eltern wirft das viele Fragen auf. Doch egal, wie die Antworten darauf ausfallen: Eltern tun gut daran, sich mit ihrer Meinung zurückzuhalten.

Zweimal pro Woche in der Schule einen Corona-Test machen: Ein Thema, das Familien spaltet. Die einen befürworten die zusätzliche Sicherheit, andere sehen darin einen Eingriff in die Privatsphäre ihrer Kinder.

Egal, wie Eltern zum Thema Testpflicht stehen: Ihre Ansichten dazu färben direkt auf die Jugendlichen ab - darüber sollten wir Erwachsenen uns bewusst werden, sagt Familiencoach Kira Liebmann. «Wer sagt: «Du muss nicht in die Schule gehen, ich will nicht, dass du getestet wirst»», lebt seinen Kindern eine Verweigerungshaltung vor, die sich höchstwahrscheinlich übertragen wird oder einem bei anderen Themen wieder von seinem Kind serviert wird.

Tests nicht übermäßig thematisieren

Kira Liebmann rät Eltern, Schnelltests in Schulen nicht übermäßig zu thematisieren. «Ich kann da natürlich meine Meinung zu haben. Aber die Jugendlichen dürfen sich auch ihr eigenes Bild dazu machen.» Außerdem solle man im Hinterkopf behalten, dass Kinder ausgegrenzt werden können, wenn Eltern sie wegen der Testpflicht zu Hause behalten wollen.

Und was ist, wenn sich die Jugendlichen gegen die Tests in der Schule sperren? «Dann müssen Eltern herausfinden, um was es wirklich geht: Haben sie Angst davor, bloßgestellt zu werden, wenn sie positiv sein sollten? Oder wird verweigert, weil die Teenager sowieso gerade in einer Null-Bock-Phase stecken?»

Positiv-Ergebnis? Schon im Vorfeld Plan machen

Wenn es um die Angst vor einem positiven Corona-Testergebnis geht, sollten Eltern mit ihren Kindern einen genauen Plan entwickeln, etwa: «Wenn der Schnelltest positiv ausfällt, passiert erstmal gar nichts. Wir holen dich sofort ab und lassen einen PCR-Test machen. Und wenn der positiv ausfällt, entscheiden wir weiter.» Genau zu wissen, was passiert, gebe Kindern Sicherheit.

29.04.2021

Schulen sollen im Kampf gegen Corona-Bildungslücke mehr Geld bekommen

Schüler brauchen Unterstützung, um verpassten Schulstoff aus der Coronazeit nachzuholen. Darin sind sich die Abgeordneten im hessischen Landtag einig. Nur über das Wann und Wie herrscht Uneinigkeit. Der Kultusminister stellt einen «Königsweg» vor.

Um Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler aus der Corona-Pandemie zu kompensieren, sollen Hessens Schulen mehr Geld vom Land bekommen. Das kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Donnerstag im Landtag in Wiesbaden an. «Wir werden allen Schulen Mittel zur Aufstockung ihrer Schulbudgets zur Verfügung stellen», sagte er. «Denn das ist für mich der Königsweg.» Damit könnten die Schulen vor Ort die Maßnahmen ergreifen und finanzieren, die sie für sinnvoll und erforderlich hielten. Dies könnten beispielsweise zusätzliche Förderkurse oder Hausaufgabenhilfen sein.

Die Pandemie habe zu einer hohen Belastung gerade von Kindern und Jugendlichen geführt, betonte Lorz. Umso wichtiger sei es, die Schulen in den Blick zu nehmen. Dabei gehe es nicht nur um Lernrückstände, sondern auch der Mangel etwa an sozialen Kontakten und Bewegung mache den Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Dies auszugleichen sei eine «gesamtgesellschaftliche Aufgabe», sagte der Minister. Das Problem müsse sehr grundsätzlich und mit langem Atem angegangen werden.

Die Abgeordneten waren sich fraktionsübergreifend einig, dass Schülerinnen und Schüler bei der Kompensation von Corona-Lernrückständen unterstützt werden müssen. Die Opposition warf der Landesregierung jedoch vor, das Problem nicht konsequent anzugehen.

243 000 Jugendliche ab Klasse sieben seien seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen, sagte der SPD-Bildungsexperte Christoph Degen. «Das Coronavirus hat psychische Spuren bei so vielen hinterlassen, die man mit ein paar Lerncamps sicher nicht wegwischen kann.» Es dürfe nicht nur darum gehen, Lernrückstände aufzuarbeiten, sondern man müsse auch psychische und soziale Probleme in den Blick nehmen, sagte Degen. Im Land werde jedoch beim dringend nötigen Corona-Aufholprogramm gezaudert und gezögert.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elisabeth Kula, sagte: «Die Vereinbarung von Bund und Ländern, eine Milliarde Euro für Nachhilfe zur Verfügung zu stellen, greift viel zu kurz und wird diejenigen, die am dringendsten Unterstützung benötigen, kaum erreichen.» Längst hätten Konzepte zur individuellen Förderung und Angebote für psychosoziale Probleme entwickelt werden müssen.

Der AfD-Abgeordnete Dimitri Schulz schlug einen schulspezifischen Ergänzungsunterricht vor. Dabei müsse Präsenzunterrichts erste Wahl sein. Nach sechs Monaten sollte die Qualität des Ergänzungsunterricht mit Tests überprüft werden, sagte Schulz.

«Die Schulen sind im Ausnahmezustand, die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes haben im Kern zu einem Lockdown für Kinder geführt, und Kinder- und Jugendpsychologen schlagen seit Monaten Alarm», sagte der FDP-Bildungsexperte Moritz Promny. Die Liberalen schlagen unter anderem das «Konzept der offenen Schule» vor. Dann erhielten Schülerinnen und Schüler, die nach Einschätzung ihrer Lehrkraft besonders unter den Schließungen leiden, in der Schule einen Arbeitsplatz sowie die notwendige Infrastruktur und Ansprechpartner.

Außerdem sollten «digitale Schuljahre» im Netz bereitgestellt werden, damit Schüler versäumten Stoff gut nachholen könnten. Unterstützung könnte es auch von Studenten geben, die als «Lernbuddys» schwächeren Schülern zur Seite stehen - und dann diese Leistung auf das Studium angerechnet bekommen.

«Seit Monaten wird über Lernrückstände diskutiert, aber die Landesregierung hat nicht entschlossen genug gehandelt», sagte Promny. Die Rückstände seien noch nicht mal erhoben.

Bremen startet Impfungen für Lehrer an weiterführenden Schulen

In Bremen haben die ersten Berechtigten der Priorisierungsgruppe drei Einladungen für eine Corona-Impfung erhalten. Die betreffe zwar vor allem die Personengruppe der 60- bis 69-Jährigen. Zur Priogruppe drei zählten in Bremen aber auch 6000 Beschäftigte an weiterführenden Schulen sowie rund 4000 Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe, teilte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) mit. Die ersten Schulbeschäftigten könnten bereits am Wochenende geimpft werden.

«Leider können wir aber noch nicht allen Beschäftigten kurzfristig Termine ermöglichen», so Bernhard. Der Impfstoff sei weiter sehr knapp und bremse die Impfgeschwindigkeit. Es werde daher noch weitere Wochen dauern, bis allen Impfberechtigten der Priogruppe drei und danach allen Bremerinnen und Bremern ein Impfangebot gemacht werden könne.

In Bundesland Bremen hat bereits mehr als jeder Vierte mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Zurzeit sind laut Gesundheitsbehörden alle Impftermine bis Ende Mai ausgebucht. Weitere priorisierte Gruppen aus der Priogruppe 3 würden im Anschluss daran ein Impfangebot bekommen. Es könne sich nicht im Impfzentrum registriert oder vorangemeldet werden.

Bernhard verwies auf die Ankündigungen des Bundesministeriums für Gesundheit, wonach im Juni die Priorisierung aufgehoben werden solle. Im Juni stehe darüber hinaus den Ärzten in sehr großem Umfang Impfstoff zur Verfügung, so dass die gemeinsame Impfkampagne dann rasch alle Bevölkerungskreise erreichen könne.

Verpackung fehlerhaft: Rückruf von Schul-Schnelltests

Wegen fehlerhafter Angaben auf der Verpackung sind Corona-Schnelltests zurückgerufen worden, die auch an Thüringer Schulen geliefert worden sind. Allerdings sei nicht die Funktionsweise der Tests selbst beeinträchtigt, sondern nur Angaben auf Verpackung und Beipackzettel fehlerhaft, wie das Thüringer Bildungsministerium am Donnerstag mitteilte.

Betroffen seien die Schnelltests «2019-nCoV Ag Saliva Rapid Test Card» des Herstellers Guangzhou Decheng Biotechnology Co., LTD - und dabei die Chargen mit den Nummern 05821002C und 05821003C. Der Rückruf wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte veröffentlicht.

Nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums sei bislang unklar, wie viele Tests genau betroffen seien. Außerdem gehe man davon aus, dass ein Teil davon bereits verbraucht wurde. Das Ministerium forderte alle Schulen auf, die Chargennummern der gelieferten Tests zu vergleichen.

Schulen, die betroffene Tests finden, könnten sie entweder aussortieren und neue Tests bestellen oder sich vom Deutschen Roten Kreuz schulen lassen und die betroffenen Tests anschließend weiter nutzen.

Hamburgs Fünft- und Sechstklässler dürfen wieder zur Schule

Seit fünf Monaten durften sie coronabedingt gar nicht mehr in ihre Klassen. Nun können die Fünft- und Sechstklässler zumindest wieder im Wechsel die alte Schulbank drücken.

Nach Ende der Mai-Ferien dürfen Hamburgs rund 21 000 Fünft- und Sechstklässler wieder im Wechselunterricht in die Schulen. Da die Abiturienten mit Beginn der Prüfungen nun keinen Unterricht mehr hätten, wolle man den Spielraum für eine weitere vorsichtige Öffnung nutzen, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Donnerstag. «Diese Kinder und Jugendlichen haben seit März letzten Jahres fast ein dreiviertel Jahr lang keinen Unterricht in der Schule gehabt und konnten in den letzten fünf Monaten nicht mehr in der Schule lernen.» Dabei seien gerade jüngere Schüler auf die Begleitung und Anleitung durch Lehrkräfte und Pädagogen angewiesen, sagte er.

Schule sei für diese Mädchen und Jungen Ort des sozialen Lernens, Begegnungsstätte mit Gleichaltrigen und Struktur für ihren Tagesrhythmus. «Ich freue mich, dass wir die jetzt entstehenden Spielräume nutzen können und hoffe darauf, dass die sinkenden Infektionszahlen in Hamburg vor den Sommerferien weitere Möglichkeiten eröffnen», sagte Rabe. Die Schulen würden die Zeit bis zum 17. Mai nutzen, um sich auf den weiteren Öffnungsschritt vorzubereiten. Die Schüler und ihre Sorgeberechtigten sollen in den nächsten Tagen von den Schulleitungen direkt informiert werden.

Seit Mitte März sind bereits die Grund- und Sonderschüler sowie die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen in Hamburg im Wechselunterricht. Das heißt, dass die Schülerinnen und Schüler die Hälfte aller Unterrichtsstunden in einer halbierten Klassengruppe in der Schule lernen, die andere Hälfte zu Hause im Distanzunterricht.

Die Präsenzpflicht bleibt laut Schulbehörde weiter aufgehoben. Eltern und volljährige Schüler können selbst entscheiden, ob sie am Wechselunterricht teilnehmen oder im Distanzunterricht bleiben. Die Erfahrungen hätten aber gezeigt, dass weniger als zwei Prozent von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen, hieß es.

In Hamburgs Schulen gelten strenge Sicherheitsregeln. Schüler müssen zwei Mal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen, Lehrer und andere Schulbeschäftigte sogar drei Mal pro Woche. Außerdem herrscht auch im Unterricht Maskenpflicht.

Kinder- und Jugendärzte fordern mehr Hilfen für junge Menschen

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert wegen Folgen der Corona-Pandemie deutlich mehr Hilfen für junge Menschen. Verbandspräsident Thomas Fischbach bezeichnete die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung für ein «Aufholpaket» für junge Menschen als nicht ausreichend. Der «Rheinischen Post» (Donnerstag) sagte er: «Die Bundesregierung droht mit dem Aufholpaket die Chance zu verpassen, auch die psychische Entwicklung von Kindern außerhalb der Schulen zu fördern. Der Fokus liegt zu stark auf der Bekämpfung von Leistungsdefiziten.»

Er erklärte: «Wir Kinder- und Jugendärzte beobachten sehr häufig Entwicklungsstörungen und psychische sowie körperliche Erkrankungen, die direkt auf die Auswirkungen der Pandemie zurückzuführen sind.» Insbesondere Kinder aus Familien, in denen die Eltern zu wenig Abwechslung böten oder sich nicht ausreichend kümmern könnten, blieben auf der Strecke.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) verteidigte hingegen die Pläne der Bundesregierung. «Wir achten darauf, gerade auch die Kinder, Jugendlichen und Familien zu erreichen und zu unterstützen, die es besonders schwer haben.»

Die große Koalition verhandelt derzeit über ein Förderprogramm in Höhe von rund zwei Milliarden Euro für Kinder und Jugendliche. Ursprünglich war geplant, das Programm am Dienstag im Kabinett auf den Weg zu bringen. Weil es noch Abstimmungsbedarf zwischen Union und SPD gibt, wurde der Beschluss auf voraussichtlich nächsten Mittwoch verschoben. Mit dem Geld sollen zur Hälfte Nachhilfe- und Förderprogramme für Schüler in den Ländern unterstützt werden. Die zweite Milliarde ist für die Aufstockung verschiedener sozialer Programme vorgesehen, um die sozialen und psychischen Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Geplant ist nach SPD-Angaben auch eine Einmalzahlung von 100 Euro für Kinder aus Familien, die auf Hartz IV angewiesen sind oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. 

28.04.2021

Vier Wochen zum Aufholen des Schulstoffs im neuen Schuljahr

Die ersten vier Wochen im kommenden Schuljahr sollen zum Nachholen von coronabedingt versäumtem Unterrichtsstoff dienen. Das kündigte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Mittwoch im Bildungsausschuss des Landtags an. «Diese Zeit soll dazu dienen, die Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, nach der langen Zeit der Einschränkungen wieder in einen geregelten Schulalltag zurückzufinden, Wissensstände festzustellen und den Blick auf die kommenden Wochen und Monate zu legen», sagte die Ministerin. Allen sei klar, dass die Bewältigung der Folgen der Corona-Krise in der Schule längerfristig angelegt sein müsse.

Es gebe ein ganzes Maßnahmenpaket. Bereits aufgelegte Förderprogramme sollen verlängert werden. So könnten Lehramtsstudenten auch weiterhin gegen Bezahlung zusätzlich in den Schulen helfen. Auch werde es wieder zusätzliche Förderung bei privaten Bildungsanbietern geben, «dies sowohl schulbegleitend als auch in den Ferien».

Ein zusätzliches Programm soll es für Schüler geben, die im Lockdown den Anschluss an die Schule komplett verloren haben. «Dabei wird auch die Jugendhilfe eine wichtige Rolle spielen», betonte die Ministerin.

Der oppositionellen Linken ist das alles zu wenig. Die geplanten vier Wochen zum Beginn des nächsten Schuljahrs reichten «hinten und vorne» nicht aus. «Meine Fraktion erneuert ihren Vorschlag, das Schuljahr nach den Sommerferien bis zum Oktober zu verlängern, um den versäumten Unterricht wenigstens in Teilen nachzuholen», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg.

Keine Blauen Briefe - Landtag billigt Gesetz zu Corona-Schuljahr

Keine Blauen Briefe und freiwilliges Sitzenbleiben - der Landtag hat am Mittwoch ein Gesetz verabschiedet, das Schülern in diesem Corona-Schuljahr faire Bedingungen ermöglichen soll. So müssen Schüler in NRW laut Bildungssicherungsgesetz am Ende dieses Schuljahres keine Blauen Briefe fürchten. Anders als im vergangenen Jahr können leistungsschwache Schüler aber trotzdem sitzenbleiben. Sie können eine Klasse auch freiwillig wiederholen, ohne dass das auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet wird.

Für die zentralen Prüfungen in Klasse zehn (ZP 10) an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen werden in diesem Schuljahr wieder landeseinheitliche Aufgaben gestellt. Vergangenes Jahr war wegen der Pandemie auf zentrale ZP 10-Prüfungen verzichtet worden. Stattdessen hatten Lehrkräfte Klassenarbeiten schreiben lassen. An den Gymnasien wird es wie schon vergangenes Jahr am Ende der zehnten Klasse erneut keine zentralen schriftlichen Prüfungen geben.

Die Opposition aus SPD, Grünen und AfD stimmte gegen das Gesetz. Der SPD-Schulpolitiker Jochen Ott kritisierte das Festhalten an Noten und Abschlussprüfungen. Es müssten auch dieses Jahr wieder dezentrale Klassenarbeiten in Klasse zehn erlaubt werden. Für Abiturienten wäre ein «Freischuss» ein «wichtiges psychologisches Signal» gewesen. «Wir blicken auf ein desaströses Schuljahr zurück, ein Schuljahr unter Pandemie-Bedingungen, in dem das Schulministerium ziellos umherirrte.»

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte, das Gesetz bringe Schülern und Lehrkräften «Sicherheit, Klarheit und Verlässlichkeit». «Es ist ein besonderer und kein normaler Jahrgang.» Haupt- und Realschulprüfungen könnten flexibler gestaltet werden, ohne ihre Anerkennung in Frage zu stellen. Schulabschlüsse müssten auch national vergleichbar bleiben.

Grünen-Schulpolitikerin Sigrid Beer sagte, das Gesetz tauge nicht dazu, die Nachteile des wochenlangen Distanz- und Wechselunterrichts zu kompensieren. AfD-Politiker Helmut Seifen nannte die coronabedingten Schulschließungen eine «Katastrophe». Schüler hätten wenig Gelegenheit gehabt, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Wieder mehr Präsenzunterricht an Schleswig-Holsteins Schulen geplant

Strenger als die Bundesnotbremse, aber mehr Präsenzangebote für Schüler: Die Landesregierung will die Regeln für den Schulunterricht in der Corona-Pandemie transparenter gestalten. Bildungsministerin Prien will vor allem eine Gruppe stärker ins Blickfeld rücken.

Die Landesregierung will die Präsenzangebote an Schleswig-Holsteins Schulen vorsichtig erweitern. Bei weniger als 100 Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen sollen künftig alle Jahrgänge zumindest Wechselunterricht haben, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch. Das soll mehr Planungssicherheit für Eltern und Schulen bringen.

Bei einer Inzidenz in den Kreisen und kreisfreien Städten zwischen 50 und 100 soll es an Jahrgangsstufen 1 bis 6 Präsenz- und ab Jahrgangsstufe 7 Wechselunterricht geben. In Einzelfällen kann in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt aber auch an den Grundschulen Wechselunterricht erfolgen. Bei einer Inzidenz von unter 50 soll überall Präsenzunterricht möglich sein.

Der von der Regierung beschlossene neue Reaktionsplan sieht vor, dass nach drei Tagen über einer 50er oder 100er Inzidenz zum übernächsten Tag entsprechend zwischen den Unterrichtsmodellen gewechselt werden soll. Sinkt die Inzidenz, wird nach fünf Tagen unterhalb des Grenzwerts entsprechend gewechselt.

Bislang seien in einzelnen Kreisen weiterhin nicht alle Jahrgänge wieder im Präsenzunterricht, sagte Prien. «Das bedeutet für diese Kinder und Jugendlichen und deren Eltern eine besondere Härte.» Sie will vor allem Schülern der Mittelstufen auch aufgrund der mittlerweile vorhandenen Selbsttests an den Schulen künftig mehr Präsenzunterricht ermöglichen.

Im Gegensatz zu den Vorgaben der Bundesnotbremse, die Distanzunterricht erst ab einer Inzidenz von 165 zwingend vorschreibt, hält die Landesgrenze in diesem Bereich an ihrem Grenzwert von 100 fest. «Wir haben in Schleswig-Holstein mit der strengeren Regelung gute Erfahrungen gemacht», sagte Prien.

Für die kommende Woche bedeutet das konkret: In Flensburg, Nordfriesland, Plön und Schleswig-Flensburg findet für alle Schüler Präsenzunterricht statt. In Kiel, Lübeck, Neumünster, Dithmarschen, Steinburg, Ostholstein und Rendsburg-Eckernförde gibt es in den Stufen 1 bis 6 Präsenz- und in den Stufen 7 bis 13 Wechselunterricht. In Segeberg sind alle Stufen im Wechselunterricht. In den Kreisen Stormarn und Pinneberg erfolgt Distanzlernen, für die Stufen 1 bis 6 auch eine Notbetreuung. Für die Abschlussklassen gibt es jeweils Präsenzangebote. Für den Kreis Herzogtum Lauenburg soll die Entscheidung am Freitag fallen.

Unterdessen hat der Philologenverband ein Impfangebot für Lehrer gefordert, die Aufsicht bei Coronatests von Schülern führen. Nach Angaben der Landesregierung sollen ab der kommenden Woche alle Lehrer und Schulbeschäftigten ein Impfangebot bekommen sollen. «Ab dem 6. Mai können sich in Schleswig-Holstein jetzt alle Lehrkräfte zur Impfung anmelden und ab dem 10. Mai nach und nach geimpft werden», sagte Prien.

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat begrüßte zwar, dass bei einer Inzidenz unter 100 Präsenzangebote für alle Schüler geplant sind. Der Oppositionspolitiker warf Prien aber vor, bislang noch kein Konzept für zusätzliche Lernangebote während der Sommerferien vorgelegt zu haben. «Nach dem Lernsommer 2020 hatten Ministerium und Schulen ein Jahr Zeit, sich auf den Lernsommer 2021 vorzubereiten.» Er habe in den am Mittwoch erfolgten Ankündigungen auch Informationen zu Aufholstrategien im kommenden Schuljahr oder zur Beruhigung der Schüler vermisst, die über eine freiwillige Wiederholung des Schuljahres nachdenken.

Kinder- und Jugendbeauftragter fordert Sonderprogramm für Sport

Der Kinder- und Jugendbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalts, Holger Paech, hat ein Sonderprogramm gefordert, damit Jugendsport und Jugendfreizeiten trotz der Pandemie wieder in nennenswertem Umfang stattfinden können. Wenn der Staat den noch nicht 16-Jährigen aktuell kein Impfangebot machen könne, so müsse er anderweitig umso aktiver werden, sagte Paech am Mittwoch in Magdeburg. Kinder und Jugendliche dürften in der aktuellen Debatte um Lockerungen von Corona-Maßnahmen nicht aus dem Blick verloren werden.

Es sei völlig richtig, geimpften Personen Grundrechte zurückzugeben, betonte Paech. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kinder und Jugendliche aktuell gar keine Chance hätten, sich impfen zu lassen, weil es für sie keinen zugelassenen Impfstoff gebe. Aber auch sie bräuchten eine verlässliche Perspektive hin zu mehr Normalität. «Zumindest an der frischen Luft oder in großen Hallen muss da deutlich mehr möglich sein - etwa im Sport, Fitnessbereich, in der Kultur oder bei Jugendfreizeiten.» Kinder und Jugendliche dürften sich nicht als Verlierer der Corona-Lage fühlen.

Barmer: Mehr Kinder und Jugendliche seelisch überlastet

Magdeburg (dpa/sa)Immer mehr Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt eine Psychotherapie in Anspruch genommen. Binnen elf Jahren habe sich die Zahl der Therapien bei den bis zu 24-Jährigen mehr als verdoppelt, teilte die Barmer in Magdeburg mit. Die Corona-Pandemie mit dem Wechsel von strikten Kontaktbeschränkungen und sporadischen Schulbesuchen habe die Situation verschärft. Am Mittwoch (10.00 Uhr) stellt die Krankenkasse ihren aktuellen Arztreport vor und erklärt, welche Anlässe zu psychotherapeutischen Behandlungen führen und welche Verläufe es gibt. Es geht auch darum, welche Altersgruppen besonders betroffen sind und welche Hilfen es gibt.

27.04.2021

Nach der Bundes-Notbremse: Berlin beschließt neue Regeln für Schulen

Die Regeln der Bundes-Notbremse gelten auch für die Berliner Schulen. Details dazu hat der Senat am Dienstag beschlossen. Grundsätzlich gilt: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in der Hauptstadt drei Tage hintereinander über einem Wert von 165 pro 100 000 Einwohner, findet kein Präsenzunterricht mehr statt. Die Schülerinnen und Schüler wechseln dann zum «schulisch angeleiteten Lernen zu Hause». Allerdings gibt es in Berlin Ausnahmen zum Beispiel für die Jahrgangsstufe 6, die beim Wechselunterricht bleibt und so auf den Übergang in die weiterführenden Schulen vorbereiten soll. Das teilte die Senatsverwaltung für Bildung am Dienstag mit. Das gilt auch für die Jahrgangsstufen, die mit einem Abschluss enden können.

Für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 wird eine Notbetreuung angeboten. Sie gibt es für Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen ohne andere Betreuungsmöglichkeit, für Kinder von Alleinerziehenden und für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler sowie solche, bei denen das Erreichen der Bildungsziele gefährdet ist.

Eine etwas andere Regelung als im Infektionsschutzgesetz des Bundes gilt in Berlin der Bildungsverwaltung zufolge auch bei der Testpflicht: Sie beschränkt sich nicht auf Lehrkräfte, sondern wird auf alle Personen in Schulen ausgeweitet, die in regelmäßigem Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern sind. Sie gilt auch für Personal, das in der Notbetreuung eingesetzt wird. Die Tests sollen zweimal wöchentlich durchgeführt werden, in der Schule oder zu Hause mit anschließender Vorlage einer entsprechenden Erklärung bei der Schulleitung.

Geld für Luftreiniger in Schulen im Saarland nicht komplett abgerufen

Im Saarland steht noch immer Geld für CO2-Melder und Luftreinigungsgeräte an Schulen und Kitas zur Verfügung, das von den Städten nicht abgerufen wurde. «Ich kann nur alle Träger ermuntern, Anträge zu stellen», sagte Innen- und Bauminister Klaus Bouillon (CDU) am Dienstag. Er werbe auch deshalb darum, weil mittlerweile feststehe, was noch vor Monaten bestritten worden sei: «nämlich dass hohe Infektionsherde in den Schulen existieren, teilweise mit Inzidenzen in Richtung 300».

Zur Unterstützung der Kommunen habe das Innenministerium Pandemie-Leistungen in Höhe von rund acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt, doch etwa 2 bis 2,5 Millionen Euro lägen dafür noch immer bereit. Bislang habe das Land rund 450 Luftreiniger in zwölf Kommunen und 4090 CO2-Messgeräte finanziert.

Zusätzliches Geld will Bouillon den Kommunen nun auch für Kontrollen bei der Einhaltung der Corona-Maßnahmen geben. Der bisherige Betrag von 2,3 Millionen Euro für Landkreise werde um eine Million Euro aufgestockt. Das Geld sei zur Verstärkung des Personals gedacht, auch was private Sicherheitsdienste angehe. Nach Ansicht des Ministers sei dies eine weitere wichtige Maßnahme in der derzeitigen Pandemiesituation. «Weil ohne Kontrollen kommen wir leider Gottes, das hat die Erfahrung gezeigt, nicht weiter.» 

Englische Schulen sehen nach Lockdown Sprachschwächen bei Kindern

Nach etlichen Monaten der Kontaktbeschränkungen erleben viele Schulen in England deutlich mehr sprachliche Schwächen bei Erstklässlern. Das ist das zentrale Zwischenergebnis einer Studie, die Forscher der Universität York in Kooperation mit mehreren Bildungsorganisationen durchgeführt haben und die von der Education Endowment Foundation veröffentlicht wurde.

96 Prozent der Verantwortlichen an 58 befragten Schulen in England gaben in der Umfrage im vergangenen Herbst an, «sehr besorgt» oder «ziemlich besorgt» über die Sprachentwicklung und Kommunikation ihrer Schulanfänger zu sein. Dabei ging es um den Schulstart nach der ersten Corona-Welle im vergangenen Jahr.

Ein Großteil der Befragten machte sich außerdem Sorgen über die emotionale und soziale Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Die Beteiligten führen das unter anderem darauf zurück, dass der soziale Kreis während der Corona-Monate extrem eingeschränkt wurde - so fehlten nicht nur Spielplatz-Verabredungen mit Gleichaltrigen, sondern auch Treffen mit den Großeltern oder anderen Kontaktpersonen.

Rund drei Viertel der Schulen berichteten, dass die Kinder, die im Herbst 2020 ihre Schullaufbahn begannen, mehr Unterstützung benötigten als vorherige Jahrgänge. Unter den befragten Eltern gaben viele an, sich vor dem Schulstart ihrer Kinder Sorgen gemacht zu haben - allerdings vor allem um das emotionale Wohlergehen ihrer Kinder, weniger um deren sprachlichen Fähigkeiten.

Gericht: Keine Testpflicht bei schulischen Abschlussprüfungen

Schüler in Nordrhein-Westfalen dürfen auch ohne die Vorlage eines negativen Corona-Tests an den Abschlussprüfungen teilnehmen. Das hat das Verwaltungsgericht Münster in einem Beschluss vom 26. April klargestellt. Laut Mitteilung von Dienstag betrifft diese Entscheidung sowohl Prüfungen an Schulen als auch Berufsabschlussprüfungen. Der Antragsteller wollte per einstweiliger Anordnung sicherstellen, dass er seine Abschlussprüfung als Gärtner im Garten- und Landschaftsbau am Mittwoch (28.4.) auch ohne Test absolvieren kann. Dem kam das Gericht nach. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster bestätigte am Dienstag den Eingang einer Beschwerde der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. (Az.: 5 L 268/21).

Der Anspruch des Schülers auf Teilnahme an der Berufsabschlussprüfung sei grundrechtlich fundiert, teilte das Gericht zur Begründung mit. Die Landwirtschaftskammer habe keine Ermächtigungsgrundlage, für die Teilnahme an der Prüfung einen negativen Test zu verlangen. Die Coronabetreuungsverordnung des Landes schreibe getrennte Prüfungen für getestete und nicht getestete Schüler vor, heißt es in der Mitteilung des Gerichts.

Berliner Schulen müssen auf Klassenfahrten verzichten

Klassenfahrten für Berliner Schülerinnen und Schüler gibt es zunächst weiter nicht. Wegen des hohen Infektionsgeschehens werden sie bis zum Ende der Sommerferien in der ersten Augustwoche untersagt, heißt es in einem Schreiben der Senatsverwaltung für Bildung an die Leitungen der Berliner Schulen von Montag. Die Schülerfahrten waren bisher bereits bis zum 21. Mai ausgesetzt, so ein Sprecher der Bildungsverwaltung am Dienstag. Schülerfahrten für das Schuljahr 2021/2022 sollen dagegen noch nicht abgesagt werden. Zuvor hatte die «Berliner Zeitung» (online) darüber berichtet.

«Es war eine Entscheidung, die man schweren Herzens treffen musste», so der Sprecher weiter. «Aber aufgrund der Pandemielage war das nicht anders zu verantworten.» In dem Schreiben heißt es zu möglichen Klassenreisen bis zum neuen Schuljahr: «Ist eine kostenfreie Stornierung nicht möglich, versuchen Sie bitte die Schülerfahrt auf das Schuljahr 2021/22 umzubuchen.» Falls Umbuchungen nicht möglich seien, sollen die Schülerfahrten möglichst schnell storniert werden.

 

Studie zu Gurgeltests: Immer mehr Schulen beteiligen sich

Hunderte Schüler in Bayern gurgeln regelmäßig mit Leitungswasser, um sich auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen zu lassen. Eine einfachere und schnellere Methode als die Stäbchentests, wie der Leiter des Projektes sagt. Immer mehr Schulen beteiligen sich.

Corona-Tests zum Gurgeln sollen in Schulen möglichst bald die Tests mit Stäbchen ersetzen - darauf setzen die Verantwortlichen der Studie Wicovir. Die Abkürzung steht für «Wo ist das Coronavirus». An der Studie beteiligen sich seit März immer mehr Schulen in Bayern. Die Test brächten bei geringerem Aufwand ein schnelleres Ergebnis als die Stäbchentests, sagt Studienleiter Michael Kabesch, ärztlicher Direktor an der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg.

Zweimal wöchentlich müssen sich die teilnehmenden Schulklassen testen. Das heißt: Morgens nach dem Aufstehen Leitungswasser gurgeln, die Flüssigkeit in zwei Röhrchen füllen, fertig. In der Schule schütten sie den Inhalt eines der beiden Röhrchen in einen «Pool». Die gesammelte Flüssigkeit der Gruppe wird getestet. Wenn sich dabei Hinweise auf eine Corona-Infektion ergeben, müssen die Kinder und Jugendlichen ihr zweites Röhrchen für Einzeltests abgeben, so dass der oder die infektiösen Schüler herausgefiltert werden können - das Ergebnis gibt es am selben Tag.

Der Test sei ungefährlich und auch für Schüler in unteren Jahrgangsstufen einfach zu machen, sagt Kabesch. «Das tut nicht weh und ist nicht schlimmer als Zähneputzen.» Infizierte Kinder würden in einer sehr frühen Infektionsphase erkannt, noch ehe sie Mitschüler anstecken können.

Schulen in knapp 20 Landkreisen und kreisfreie Städte beteiligen sich bereits an dem Projekt, das zunächst bis zum Ende des Schuljahres angelegt ist. Kabesch hofft aber, dass schon früher flächendeckend in Schulen gegurgelt werden kann. Die Laborkapazitäten für die Durchführung der Tests würden zurzeit ausgebaut.

Der Studienleiter sieht Eile geboten: «Wir müssen endlich in die Pötte kommen. Wir haben Druck. Kinder werden noch nicht geimpft.» Und sie sollen nicht immer wieder in den Distanzunterricht gehen müssen.

Im Falle eines positiven Tests wird das Gesundheitsamt informiert und das infizierte Kind nach Hause geschickt. Weil die Tests in einem sehr frühen Stadium positiv anzeigten, müsse nicht zwangsläufig die gesamte Klasse in Quarantäne, so Kabesch. Hier könnten die Behörden präzise auf die jeweiligen Fälle eingehen. Im Schnitt wird der Studie nach bei 1 von 150 «Pools» ein positives Ergebnis festgestellt.

Seit dem Ende der Osterferien sind für alle Schüler in Bayern, die sich in den Schulgebäuden aufhalten, wöchentlich mindestens zwei Tests verpflichtend. Für die Gurgeltests können die Schulen Ausnahmegenehmigungen der Kreisverwaltungsbehörden und der Bezirksregierungen bekommen. Die Testpflicht sieht vor, dass die Tests in der Schule vorgenommen werden müssen, was bei den Gurgeltests nicht der Fall ist.

Kabesch zufolge bedeutet das einen enormen Verwaltungsaufwand dafür, dass sie «den Rolls Royce unter den Testungen, nämlich die PCR-Pool-Testung, begleiten mit dem Fahrrad, der Antigen-Testung». Tests von Gruppen, die nun sowohl Gurgel- wie auch Stäbchentests machen, zeigten, dass die Gurgeltests bereits anschlagen, wenn die Stäbchentests noch negativ anzeigen.

Die Studie findet mit Unterstützung des Gesundheits- und Kultusministeriums statt. Federführend umgesetzt wird sie von Kabesch und dessen Team in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Erlangen und Wien. Die Studie findet den Angaben nach anonymisiert statt. Die Proben, die in die Labors gehen, sind lediglich nummeriert. Die Namen dazu liegen nur den jeweiligen Schulen vor.

26.04.2021

Mehr als 700 positive Nachweise bei Corona-Tests an Schulen

Die Corona-Selbsttests von Schülern und Lehrern an Sachsens Schulen haben vorige Woche 721 positive Ergebnisse erbracht. Die Infektionsrate habe 0,1 Prozent bei Schülern und 0,24 Prozent bei Lehrern betragen, teilte das Kultusministerium am Montag mit. Demnach wurden knapp 525 600 Tests bei Schülern und fast 75 600 bei Lehrern vorgenommen. Zusätzlich wurden mehr als 32 100 negative Nachweise vorgelegt.

Laut Corona-Schutz-Verordnung darf nur die Schule betreten, wer sich testen lässt oder einen negativen Nachweis vorlegt. Seit dieser Woche sind jedoch die Schulen in weiten Teilen Sachsens wieder geschlossen. Hintergrund sind neue Bundesregeln zum Infektionsschutz.

Bayern-Koalition streitet um Corona-Grenzwert für Distanzunterricht

Die Öffnungsperspektiven für Schulen in bayerischen Corona-Hotspots sorgt für neuen Streit in der Koalition von CSU und Freien Wählern. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach sich am Montag erneut für eine Anhebung des Inzidenzwertes, ab dem Schüler in den Distanzunterricht wechseln müssen, entsprechend der Bundesnotbremse von 100 auf 165 aus.

«Das ist das Ziel der Freien Wähler, wenn die bayerische Regelung am 9. Mai ausläuft», sagte er der Deutschen Presse-Agentur in München mit Blick auf die bis dato befristete bayerische Corona-Verordnung. Er gehe davon aus, dass der Koalitionspartner dies auch möchte, «denn die CSU hat der Bundesnotbremse ja zugestimmt».

Die CSU geführte Staatsregierung wies den Vorschlag aber umgehend zurück: «Ab einer Inzidenz von 100 gilt in Bayern der Distanzunterricht – und daran halten wir auch fest», sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann der dpa. Die Staatsregierung bleibe bei der bewährten Regelung, die Schüler, Lehrer und Familien besser schütze. «Der Kurs der Umsicht und Vorsicht lässt derzeit auch nichts anderes zu.»

Piazolo sieht dies anders. «Durch die Testverpflichtung an den Schulen schaffen wir ja ein Mehr an Sicherheit», betonte er. Zuvor hatte Piazolo dem «Münchner Merkur» (Dienstag) zudem gesagt: «Wir haben mehr Masken, wir haben Tests, nun geht es darum, weitere Klassen in die Schulen hineinzubringen.» Wenn Schüler in die Schulen gingen, würden sie auch getestet, «bleiben sie zu Hause, bleiben auch Infektionen unerkannt». Beispielsweise die 5., 6. und 7. Klassen müssten dringend wieder in die Schule.

Amtsärzte: Wechselunterricht in Berliner Schulen weiter möglich

Aus Sicht der Berliner Amtsärzte ist in den Berliner Schulen weiterhin Wechselunterricht möglich. «Derzeit gibt es keinen Hinweis dafür, dass Schulen Pandemietreiber sind», heißt es in einem am Freitag verschickten Schreiben der Amtsärzte an die Senatsverwaltung für Bildung, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Häufigstes Infektionsumfeld seien die privaten Haushalte.

Das Hygienekonzept in den Schulen, zu dem halbierte Lerngruppen, Unterricht im Wechsel zu Hause und in der Schule sowie Maskenpflicht zählen, reduziere die Zahl der Infektionsübertragungen in den Schulen erheblich. Die Schließung der Schulen könne den Inzidenz-Wert für ganz Berlin dagegen nur wenig beeinflussen, heißt es in dem Schreiben mit Antworten der Amtsärzte auf Fragen der Bildungsverwaltung. «Die Einführung der Schnelltests in den Schulen ist ein zusätzlicher Baustein, um Infektionsketten rasch zu erkennen. Auch die Impfung für die Lehrkräfte sollte dazu beitragen, Infektionsübertragungen zu verhindern.»

Die Amtsärzte haben außerdem auf die Folgen von Schulschließungen aus Sicht der Kinder- und Jugendpsychiatrie hingewiesen. Bei Familien mit Erziehungsschwierigkeiten gebe es dann keine Ausgleichsmöglichkeit durch die Schule. Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher als Bezugspersonen fielen weg. In manchen Familien falle auch die Tagesstruktur weg, wenn es keinen Unterricht in der Schule mehr gebe. Viele Eltern seien außerdem damit überfordert, wenn etwa Jugendliche wenig motiviert zum Lernen seien.

Bundesnotbremse greift in NRW in vielen Schulen und Kitas

Die bundeseinheitliche Notbremse gegen steigende Corona-Zahlen betrifft nicht nur Ausgangsbeschränkungen oder das Einkaufen. Auch in den Schulen und Kitas hat sie vielerorts Einschränkungen zur Folge.

In vielen Schulen Nordrhein-Westfalens ist wieder ausschließlich Distanzunterricht angesagt. Zugleich wird in vielen Kitas nur noch Notbetreuung angeboten. Die bundeseinheitliche Notbremse greift in diesen Bereichen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 und das schon ab Montag. Zwar muss der Grenzwert von 165 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen 7 Tagen in einem Kreisen oder einer kreisfreien Stadt an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten sein, damit Unterricht und die Kita-Betreuung am übernächsten Tag eingeschränkt werden. Diese Zeitspanne ist aber bei einer Reihe von Regionen bereits erfüllt.

Für viele Schulkinder bedeutet das ab Montag wieder ausschließlich Lernen auf Distanz von zu Hause. Eine Ausnahme gilt für die Abschlussklassen und Förderschulen in den Regionen mit Werten über der Marke von 165, die ihre bisherigen Modelle von Wechselunterricht oder Präsenzunterricht zur Klausurvorbereitung dennoch fortführen könnten, hatte das Schulministerium am Freitag erklärt. Alle Abschlussprüfungen - auch die am Freitag gerade angelaufenen Abiturprüfungen - könnten planmäßig im Präsenzbetrieb stattfinden. Außerdem werde wieder eine pädagogische Notbetreuung eingerichtet.

Am Sonntag lagen 35 Kreise und kreisfreie Städte - mehr als die Hälfte in NRW - über dem neuen Schwellenwert von 165 der bundesweit geltenden Notbremse, der für die Einschränkungen bei Schulen und Kitas relevant ist. Am Sonntag kündigte das NRW-Gesundheitsministerium für zwei weitere Kommunen ein Greifen der Regelung an, weil sie den Schwellenwert überschreiten. Von Dienstag an seien nun auch in Bielefeld und im Kreis Herford Bildung und Kinderbetreuung strenger geregelt.

In Kreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 165 bleibt es beim bisherigen Wechselmodus aus Präsenz- und Distanzunterricht. Für die Schüler besteht in den Schulen eine Testpflicht. Dabei geht es um zwei Selbsttests pro Woche. Die Lerngruppen sind geteilt. So gibt es in zahlreichen Schulen das Modell von einem täglichen Wechsel Lernen in der Schule und zuhause.

Auch für viele Kitas zeichnet sich mit den Infektionszahlen ein eingeschränktes Angebot ab. Für die Notbetreuung machte die Landesregierung diesmal eine schärfere Vorgabe. Eltern, die die Betreuung ihrer Kinder nicht anderweitig sicherstellen können und die Notbetreuung deshalb in Anspruch nehmen wollen, müssen eine schriftliche Erklärung abgeben. Allerdings gibt es auch zahlreiche weitere Gründe wie das Kindeswohl oder eine Behinderung für die Notbetreuung von Kindern in der Kita. Kinder, die im letzten Kita-Jahr vor der Einschulung stehen, können analog zum Vorgehen bei den Abschlussklassen in den Schulen ebenfalls in ihre Kitas gehen.

Bis Ende Februar hatte es in Nordrhein-Westfalen zuletzt einen eingeschränkten Kita-Betrieb gegeben, bei dem an die Eltern aber lediglich von der Landesregierung appelliert worden war, die Kinder zu Hause zu betreuen. Außerdem wurde die Betreuungszeit gekürzt. Danach wurden alle Kinder wieder in die Einrichtungen gelassen - bei weiter gekürzter Betreuungsstundenzahl, wenn die Kitas das wollten.

5900 Schüler in Sachsen-Anhalt starten in schriftliche Abiturprüfung

In Sachsen-Anhalt beginnen am Montag für fast 6000 Schüler an rund 60 Schulen die schriftlichen Abiturprüfungen. Die ersten Prüfungen fänden in dem Fach Geschichte statt, teilte eine Sprecherin des Bildungsministeriums mit.

Durch die coronabedingten Widrigkeiten gebe es für die Schüler in diesem Jahr Anpassungen: So werde unter anderem die Bearbeitungszeit in allen schriftlichen Prüfungen um 30 Minuten pro Fach verlängert. Die Schüler, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfungen ablegten, seien bereits im vergangenen Schuljahr in ihrer Vorbereitung auf ihre Abschlüsse eingeschränkt worden, hieß es zur Begründung.

Im vergangenen Jahr hatten trotz der coronabedingten Einschränkungen knapp 5300 Schüler das Abitur abgelegt. Damals lag der Notendurchschnitt bei 2,3. 137 Schüler erreichten das Bestergebnis von 1,0. Fast 300 Schüler konnten die Prüfungen nicht erfolgreich ablegen.

25.04.2021

Neue Vorgaben für Hessens Schulen - Hin und Her in Frankfurt

Montag ist der erste Unterrichtstag an Hessens Schulen, an dem Vorgaben der Bundes-Notbremse gelten. In Frankfurt soll es nach längerem Hin und Her nun doch keine Übergangsregelung geben.

In der kommenden Woche ändern sich aufgrund der neuen Bundes-Notbremse im Kampf gegen Corona auch die Regeln für Hessens Schulen. Übersteigt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen in einer kreisfreien Stadt oder einem Kreis an drei aufeinander folgenden Tagen den Wert von 165, werden die Schulen ab dem übernächsten Tag geschlossen, alle Schülerinnen und Schüler haben dann Distanzunterricht. Eine Ausnahme gibt es für die Abschlussklassen und die Förderschulen, die weiterhin im Wechselbetrieb bleiben. Es soll dann eine Notbetreuung für die Klassen 1. bis 6. eingerichtet werden.

Obwohl die Regeln formal bereits am Montag greifen, hatten Ministerpräsident Volker Bouffier und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) angekündigt, den Schulen Zeit für die nötigen Umstellungen zu geben. Es reiche, wenn die neuen Regeln im Laufe der Woche eingeführt werden.

Auch in Frankfurt sollen die Schüler von Montag an in den Distanzunterricht gehen, nachdem es zunächst viel Unklarheit gegeben hatte. Noch am Samstag hatte die Stadt eine Übergangsregelung in der kommenden Woche für Schulen und Kitas angekündigt. Am Sonntagvormittag ruderte das Schulamt dann zurück. So soll es nun allenfalls eine Notbetreuung geben.

«Eltern brauchen Zeit, um sich auf die neue Situation einstellen zu können», hatte Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) noch am Samstagabend erklärt. Beim Kultusministerium in Wiesbaden kam das nicht gut an. Dort hieß es auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: «Die Schulgemeinde braucht in dieser für alle herausfordernden Zeit nicht Verunsicherung, sondern Klarheit - und das selbstverständlich auch auf Grundlage der neu beschlossenen Regelungen. Dafür sollten sich alle weiterhin nach Kräften einsetzen.»

Das Abitur soll planmäßig stattfinden. Jedoch hat die Aufhebung der Maskenpflicht während der Abiturprüfungen für zuvor auf Corona getestete Schüler für Unverständnis gesorgt. «Überall sonst entbindet ein negativer Schnelltest nicht vom Einhalten der AHA-L-Regeln. Es gibt keinen sinnvollen Grund, das im Abitur anders zu halten», kritisierte die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW Frankfurt, Laura Preusker.

Die weiteren Regeln besagen, dass Schulen wieder im Wechselmodell arbeiten können, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 165 bleibt.

Für die Betreuung in den Kitas gilt bis zu einer Inzidenz von 165 wie bisher der Appell an die Eltern, ihre Kinder – wenn möglich – zu Hause zu betreuen. Ab diesem Wert wird es nur noch eine Notbetreuung geben. Wenn die zuständigen Kita-Träger sich entschließen, Kinder regelmäßig vor dem Kita-Besuch zu testen, übernimmt das Land die Hälfte der Kosten für die Schnelltests.

Die landesweite Inzidenz lag am Sonntag (Stand 3.09 Uhr) in Hessen dem Robert Koch-Institut zufolge bei 177,1, in Frankfurt bei 174,5.

Größere Verstöße gegen die Corona-Auflagen und die nun vielerorts geltenden Ausgangsbeschränkungen hat es nach Angaben der Polizei in Hessen an diesem Wochenende nicht gegeben. Die Präsidien sprachen am Sonntag von einer ruhigen Lage. In Frankfurt und Kassel protestierten am Samstagabend insgesamt einige Hundert Menschen letztlich friedlich gegen die Ausgangsbeschränkungen.

In Hanau gab es am Sonntag Polizeiangaben zufolge eine Kundgebung gegen Corona-Maßnahmen mit rund 250 Teilnehmern. Bei einer Gegendemo seien in der Spitze 100 Menschen zusammengekommen. Es sei bei «verbalen Meinungsverschiedenheiten» geblieben, vereinzelt habe es Verstöße gegen die Maskenpflicht gegeben, sagte ein Polizeisprecher in Offenbach.

NRW will an allen Grund- und Förderschulen «Lolli-Tests» anbieten

Nordrhein-Westfalen will bis Mitte Mai an allen Grund- und Förderschulen im Land sogenannte Lolli-Tests zum Erkennen von Corona-Infektionen anbieten. Das sagte Schul-Staatssekretär Mathias Richter der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» (WAZ, Montagsausgabe). Der Umfang sei gewaltig. «Wir reden hier über fast 735 000 Kinder, dafür benötigen wir derzeit Laborkapazitäten für rund 35 000 Tests am Tag», erklärte er.

Bei der sogenannten Lolli-Methode muss kein Stäbchen in die Nase oder tiefer in den Rachen geführt werden. Kinder lutschen stattdessen 30 Sekunden lang an einem Abstrichtupfer - dem «Lolli». Die Tupfer werden danach in einem Labor ausgewertet. Es handelt sich um PCR-Tests, die beim Erkennen von Infektionen mit dem Coronavirus als sehr genau gelten. In Köln sind die Tests bereits in Kitas und Schulen im Einsatz.

Nordrhein-Westfalen sei nun das erste Bundesland, das damit beginne. Dass sie bislang noch nicht in ganz NRW verfügbar sind, hänge mit der komplexen Logistik zusammen, erklärte Staatssekretär Richter. Man brauche dafür etwa ein Dutzend geeignete Labore, ein sicheres Logistikkonzept und eine verlässliche Materialbeschaffung. «Über 400 Routen müssen täglich abgefahren, Proben eingesammelt, in die Labore gebracht und ausgewertet werden», erläuterte er der «WAZ».

24.04.2021

Aufhebung der Maskenpflicht bei Abitur sorgt für Unverständnis

Die Aufhebung der Maskenpflicht während der Abiturprüfungen für zuvor auf Corona getestete Schüler hat bei Lehrern, Eltern und Schülern für Unverständnis gesorgt. «Überall sonst entbindet ein negativer Schnelltest nicht vom Einhalten der AHA-L-Regeln. Es gibt keinen sinnvollen Grund, das im Abitur anders zu halten», kritisierte die Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW Frankfurt, Laura Preusker, am Samstag.

Schnelltests seien zwar ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor, ersetzten aber nicht den Schutz durch eine Mund-Nasen-Bedeckung, sagte Rafaela Hartenstein vom Frankfurter Stadtelternbeirat. Deshalb halte man die Aufhebung der Maskenpflicht für «höchst bedenklich». Der Frankfurter Stadtschülerrat mahnte weiterhin zur Vorsicht. «Da die Prüfungszeit der Schüler verlängert wurde, halten wir eine Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung für vertretbar», sagte Mitglied Harrison Krampe.

Das Wiesbadener Kultusministerium hatte am Montag erlassen, dass Abiturienten während der Prüfungen von der Maskenpflicht befreit werden - sofern sie einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorlegen. Für etwa 23 500 Schüler begannen am Mittwoch die schriftlichen Abiturprüfungen in Hessen.

Karliczek fordert von Ländern Aufstockung des Nachhilfeprogramms

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat die Länder aufgefordert, sich an dem angekündigten Nachhilfeprogramm für Schüler in der Corona-Krise finanziell kräftig zu beteiligen. «Ich sehe die Länder in der Verantwortung, die vom Bund angebotene eine Milliarde Euro für das Nachhilfeprogramm substanziell aufzustocken», sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). «Bildung ist Ländersache. Dieses Aktionsprogramm sollte eine nationale Kraftanstrengung sein.»

Die Bundesregierung will insgesamt bis zu zwei Milliarden Euro für ein Aktionsprogramm zur Verfügung stellen, mit dem die Folgen von Schul- und Kitaschließungen in der Corona-Krise abgemildert werden sollen. Die eine Säule soll dabei das mit einer Milliarde durch den Bund geförderte Nachhilfeprogramm sein.

«Zudem wird der Bund eine Fülle an Maßnahmen ergreifen, um die Kinder und Jugendlichen wieder in ihrer Entwicklung insgesamt zu stärken», sagte Karliczek. Dabei gehe es um Kulturprogramme, aber auch um die Schulsozialarbeit. «Auch für diese zweite Säule denken wir an einen ähnlichen Betrag wie beim Nachhilfeprogramm.» Der Bund will das Programm nach ihren Angaben voraussichtlich nächste Woche auflegen.

Die Ministerin wies darauf hin, dass nach Einschätzung des Lehrerverbandes 20 bis 25 Prozent der Schüler und Schülerinnen größere Lücken hätten. «Diese Schüler wollen wir mit der Hilfe erreichen», sagte Karliczek. «Starten soll das Nachhilfeprogramm unmittelbar mit Beginn des kommenden Schuljahres. Damit das klappt, müssen Nachhilfeinstitute, pensionierte Lehrer und auch Lehramtsstudenten einbezogen werden.»

23.04.2021 

Bildungsverbände machen Front gegen Microsoft-Lernplattform

Die Initiatoren sprechen von einem «historischen» Bündnis der gesamten Schulgemeinschaft. Der Schulterschluss gilt einem mächtigen Gegner, dem US-Konzern Microsoft und seiner Lernsoftware.

Zwei Dutzend Bildungsverbände warnen das Kultusministerium vor der Einführung der Bildungsplattform MS 365. Die Software des US-Konzerns Microsoft stelle eine Gefahr für den Datenschutz, den Schulfrieden und die Rechtssicherheit dar, kritisieren Schüler, Eltern und Lehrerverbände in einem gemeinsamen Positionspapier, das am Freitag veröffentlicht wurde. Das Vorhaben des Ministeriums sei überflüssig. Denn es existierten bewährte datenschutzkonformer Lösungen wie die vom Land bereitgestellte Lernplattform Moodle sowie BigBlueButton (Videokonferenzsystem), LibreOffice (Bürosoftware) und Thunderbird (Mailprogramm).

Die GEW, Landesschüler- und Elternbeirat, Philologenverband und andere Organisationen mahnten die Unterhändler der Koalitionsverhandlungen von Grünen und CDU, diese Bedenken in den Koalitionsvertrag einfließen zu lassen.

Nach Überzeugung der Unterzeichner darf sich ein Bundesland nicht von einem Cloud-Angebot wie MS 365 abhängig machen, das jederzeit vom Anbieter oder auf Anweisung der Regierung des Landes des Firmensitzes in der Nutzung eingeschränkt oder abgeschaltet werden kann.

Der für sensible Schülerdaten unverzichtbare Datenschutz sei bei dem Microsoft-Produkt nicht überprüfbar. Deshalb könne es zu Kontroversen in der Schulgemeinschaft führen, wenn sich Schüler, Eltern und Lehrkräfte gegen die Nutzung solcher Software wehrten. Das Ministerium liege falsch, wenn es meine, durch MS 365 die Schulen von Auswahl und Administration zu entlasten. Denn die datenschutzrechtlich verantwortliche Stelle bleibe die einzelne Schule. «Für Rechtsunsicherheiten steht also nicht das Kultusministerium gerade, sondern die jeweilige Schulleitung vor Ort», heißt es in dem Papier. Diese datenschutzrechtliche Verantwortung könnten Schulleitungen bei MS 365 wegen fehlender Fachkenntnisse und Analysemöglichkeiten nicht übernehmen.

Auch aus wirtschaftlichen Gründen sei auf das Produkt des US-Konzerns zu verzichten: «Wer in Baden-Württemberg Arbeitsplätze und Know-How sichern will, sollte vorrangig heimische Unternehmen einbinden und deren Produkte bei der Bildungsplattform einsetzen.»

Startschuss für schriftliche Abiturprüfungen in Sachsen

In Sachsen beginnen an diesem Freitag die schriftlichen Abitur-Prüfungen unter Corona-Bedingungen. Die ersten Schüler schreiben ihre Abschlussarbeit im Fach Religion. Später folgen Fächer wie Deutsch (30.4.) und Mathematik (4.5.). Laut Kultusministerium muss jeder Abiturient fünf Prüfungen ablegen - davon drei schriftliche und zwei mündliche. Die mündlichen Prüfungen beginnen ab dem 17. Mai. Die Termine setzen die Schulen selbst fest.

Insgesamt legen in diesem Jahr 10 667 Abiturienten die Prüfungen ab. Um Nachteile in der Corona-Krise auszugleichen, bekommen sie unter anderem in den schriftlichen Prüfungen jeweils eine halbe Stunde mehr Zeit, zudem können sie auf einen Zweittermin ausweichen.

22.04.2021 

Abi-Prüfungen beginnen - Mehr Zeit als üblich

Die Abschlussprüfungen starten in Mecklenburg-Vorpommern mit dem schriftlichen Abi in Englisch. Auf Wunsch des Landesschülerrates bekommen die Prüflinge mehr Zeit als sonst für die Aufgaben. Dafür müssen sie die ganze Zeit Maske tragen.

Für die rund 5500 Abiturienten in Mecklenburg-Vorpommern beginnen an diesem Freitag (8.00 Uhr) die schriftlichen Prüfungen mit dem Fach Englisch. Eine Corona-Testpflicht vor Prüfungsbeginn gibt es nicht. Die Schüler müssen während der mehrstündigen schriftlichen Prüfungsarbeiten aber eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Sie bekommen zur Bearbeitung der Aufgaben eine halbe Stunde mehr Zeit als üblich. Damit sei man einer Bitte des Landesschülerrates nachgekommen, erklärte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). Die Tische stehen zur Einhaltung des Corona-Mindestabstandes mindestens 1,50 Meter auseinander. Nächste Woche beginnen dann für rund 6100 Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern die zentralen schriftlichen Prüfungen zur Mittleren Reife.

Neue Notbremse: Mehr Schulen müssen schließen und Tests sind Pflicht

An den Schulen gilt mit der Bundes-Notbremse ein neuer Schwellenwert: Überschreitet die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen 165, wird der Präsenzunterricht verboten. Zudem sind Tests jetzt Pflicht - zwei Mal pro Woche.

Mit Inkrafttreten der Bundes-Notbremse müssen auch in Rheinland-Pfalz von Montag an Schulen schließen - wenn die Inzidenz schon 3 Tage über 165 liegt. Dazu gehörten etwa Grundschulen in Mainz, Schulen in Speyer und berufsbildende Schulen im Donnersbergkreis, sagte der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), Thomas Linnertz, am Donnerstag in Mainz. Es werde aber eine Notbetreuung für die Klassen eins bis sieben sowie Ausnahmen für Abschlussklassen und Prüfungen geben, ergänzte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD).

An allen Schulen, die nicht auf Fernunterricht umstellen müssen, werde der Wechselunterricht bis zu den Pfingstferien (25. Mai bis 2. Juni) fortgesetzt. «Da sind wir strenger als der Bund», sagte Hubig.

Neu ist von Montag an auch die Testpflicht für Schüler und Lehrer im Präsenzunterricht - zweimal pro Woche. «Die meisten Schulen setzen das schon um», sagte Hubig. Grundsätzlich sollten das Selbsttests an Schulen sein. Möglich sei aber auch ein negativer Test aus einem Testzentrum oder vom Arzt, der nicht älter als 24 Stunden ist. Tests zu Hause würden nur anerkannt, wenn das die Schulgemeinde für die ganze Schule entscheide. Wenn Schüler sich nicht testen lassen wollten, würde ihnen ein abgespecktes Fernunterricht-Angebot gemacht. Vor Prüfungen gebe es keine Testpflicht.

Kitas müssen künftig ebenfalls bei einer Inzidenz von 165 schließen. Es gilt wieder - wie während des ersten Lockdowns in der Pandemie - eine Notbetreuung. Diese werde in den Kitas und Schulen allen angeboten, die ihre Kinder nicht selbst betreuen oder betreuen lassen könnten sowie für die Kinder, für die es besonders wichtig sei, in die Kita oder die Schule zu kommen. Es gibt keine Testpflicht.

«Das ist eine große Herausforderung für die Eltern», sagte Hubig. «Ich weiß, dass viele am Limit sind.» Kinder und Jugendliche litten unter den Folgen des Schulausfalls körperlich und seelisch, wie Studien belegten. Das Land werde auch in den kommenden Sommerferien wieder eine Sommerschule und zudem Nachhilfe anbieten, dazu werde ein Programm vom Bund für Nachhilfe und Schulsozialarbeit kommen.

Der Chef der CDU-Landtagsfraktion, Christian Baldauf, forderte Unterstützung beim Aufbau der Test-Infrastruktur. Die Landesregierung verweigere jedoch bislang finanzielle Mittel, um ehrenamtlichen Helfern eine kleine finanzielle Anerkennung zu Teil werden zu lassen. Angesichts von zwei Tests pro Kind und Woche bräuchten die Schulen auch Handreichungen, wie sie das am besten umsetzen könnten. «Notwendige Freiräume bei der Umsetzung, angepasst an die örtlichen Verhältnisse, müssen einhergehen mit durchdachten allgemeingültigen Konzepten.»

Abi-Prüfungen beginnen ohne Corona-Testpflicht

Die Abschlussprüfungen beginnen in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Corona-Testpflicht gibt es nicht.

Für rund 5500 Oberschüler beginnen an diesem Freitag die schriftlichen Abiturprüfungen mit dem Fach Englisch. Eine Corona-Testpflicht vor Prüfungsbeginn gebe es nicht, stellte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) am Donnerstag klar. Das neue Bundesinfektionsschutzgesetz sehe das nicht vor. Die Schülerinnen und Schüler seien aber aufgerufen, vor den Prüfungen einen freiwilligen Selbsttest durchzuführen, die an allen Schulen zur Verfügung stünden. Fällt ein solcher Test positiv aus, dürfe der Betroffene an dem Tag nicht an der Prüfung teilnehmen und müsse das Ergebnis mit einem PCR-Test abklären lassen. Die Prüfung müsste der Ministerin zufolge dann an einem Nachschreibetermin absolviert werden.

Die Schüler müssen während der mehrstündigen schriftlichen Prüfungen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Sie bekommen zur Bearbeitung der Aufgabe eine halbe Stunde mehr Zeit als üblich. Damit sei man einer Bitte des Landesschülerrates nachgekommen, erklärte Ministerin Martin. Die Tische stehen zur Einhaltung des Corona-Mindestabstandes wenigstens 1,50 Meter auseinander.

In der kommenden Woche folgen weitere schriftliche, länderübergreifende Abi-Prüfungen in Französisch (Mittwoch) und Deutsch (Freitag). Der Beginn der Abiturprüfungen war um zehn Tage nach hinten geschoben worden, um den Schülern in der Corona-Pandemie mehr Zeit zur Vorbereitung zu geben. Nächste Woche beginnen zudem für rund 6100 Schülerinnen und Schüler die zentralen schriftlichen Prüfungen zur Mittleren Reife.

Den Abschlussklassen war auch während der coronabedingten Schulschließungen Präsenzunterricht angeboten worden, um die Prüfungen vorzubereiten. Martin betonte: «Die Abschlussklassen hatten - anders als andere Klassenstufen - in diesem Schuljahr bis auf drei Tage vor und fünf Tage nach den Weihnachtsferien durchgängig Präsenzunterricht.»

Land NRW: Medizinische Maske auch bei Abiklausuren tragen

Wenn zum Start der Abiprüfungen an diesem Freitag die ersten Klausuren geschrieben werden, müssen Schüler medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen. Nach der NRW-Coronabetreuungsverordnung «ist eine medizinische Maske am festen Sitzplatz im Prüfungsraum zu tragen», hieß es am Donnerstag aus dem Schulministerium in Düsseldorf. Für die ersten der 90 000 Abiturienten beginnen die Prüfungen am Freitag landesweit mit dem Fach Englisch.

Die Abiturienten dürfen ihre Schule nur betreten, wenn sie zuvor am schulischen Corona-Selbsttest mit negativem Ergebnis teilgenommen haben oder einen höchstens 48 Stunden alten negativen Bürgertest vorlegen, wie das Ministerium weiter erläuterte. Auch ohne einen Testnachweis dürften sie aber nicht von der Prüfung ausgeschlossen werden. Die Klausuren schreiben sie dann - gegebenenfalls zusammen mit anderen Schülern ohne Corona-Test - in einem getrennten Raum.

Die Landesschülervertretung (LSV) geht davon aus, dass sehr viele keinen Corona-Test machen wollen. «Das erzeugt wieder Stress und Wirrwarr. Viele haben Angst, dass der Selbsttest kurz vor der Prüfung falsch positiv ausfällt», schilderte LSV-Vorstand Thomas Niebuer. Vor dem «Abi 2021» stehen 79 000 Schüler von Gymnasien, Gesamtschulen, Weiterbildungskollegs und Waldorf-Schulen sowie die 11 000 Prüflinge an den Berufskollegs. Die oppositionelle SPD plädierte angesichts der widrigen Umstände für einen «Freischuss», dass Abiturienten also nicht bestandene Prüfungen wiederholen dürfen.

21.04.2021  

Gericht hebt Maskenpflicht an Grundschulen vorläufig auf

Das Oberverwaltungsgericht Bremen hat die bei einem Inzidenzwert von 100 geltende Maskenpflicht für Grundschüler vorläufig außer Vollzug gesetzt. Die Regelung, ab wann diese Pflicht gelte, sei zu unbestimmt. Es sei für Grundschüler und Eltern nicht feststellbar, wann die Voraussetzung erfüllt sei, befand das Gericht in einer Entscheidung über einen Eilantrag. Dies lasse sich auch nicht durch Auslegung ermitteln. (AZ 1 B 178/21)

Die Außervollzugsetzung gelte nicht nur für die Antragsteller, sondern sei allgemeinverbindlich. Zugleich wies das OVG am Mittwoch darauf hin, dass die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung grundsätzlich auch für Grundschüler eine «geeignete, erforderliche und angemessene Maßnahme» sei, im Schulbetrieb das Infektionsschutzgeschehen zu reduzieren und zu kontrollieren.

In einer zweiten Entscheidung bestätigte das OVG die Regelung, dass eine Teilnahme am Präsenzunterricht nur bei Vorlage eines negativen Corona-Tests möglich ist. Zugrunde lag auch hier ein Eilantrag. Aus Sicht der Antragsteller greift die Testpflicht schwer in die Grundrechte der Schüler ein. Es drohe zudem ein Verletzungsrisiko.

Das Gericht argumentierte dagegen, selbst bei der Annahme, dass die Testung in die körperliche Unversehrtheit der Schüler eingreife, sei der Eingriff bei der zu unterstellenden sachgemäßen Anwendung als gering anzusehen (AZ 1 B 180/21). Beide Beschlüsse sind nicht anfechtbar.

Abiturprüfungen in Brandenburg starten - mit kleinen Erleichterungen

Beschränkte Kontakte und viel Arbeit vor dem Computer: Es war kein leichtes Jahr für die Abschlussklassen unter Corona-Bedingungen. Nun wird es ernst - die Abiturienten sitzen vor ihren Prüfungsblättern.

An diesem Mittwoch starten in Brandenburg die Abiturprüfungen - mit kleinen Erleichterungen für die Schülerinnen und Schüler. Nach Angaben des Pädagogenverbandes gibt es wegen der pandemiebedingt häufig kürzeren Lernzeit Zugeständnisse wie etwa 30 Minuten zusätzliche Arbeitszeit während der Prüfungen. Die nutze den Schülerinnen und Schülern aber nur, wenn sie vorher auch wirklich gelernt haben, sagte Verbandspräsident Hartmut Stäker der Deutschen Presse-Agentur. Er ist selbst Lehrer für die Oberstufe.

Zudem gebe es zum Haupttermin der Prüfungen einen Nachschreibetermin, der genutzt werden könne. Stäker zufolge haben aber fast alle der rund 10 000 Prüflinge im Land den Haupttermin gewählt. «Ich habe das Gefühl, die wollen das hinter sich haben», sagte der Verbandspräsident.

Das diesjährige Abitur sei im Ganzen nicht leichter und kein «Corona-Abitur», erklärte Stäker. Er habe sich die Anforderungen an angeschaut. Das Abi sei gleichwertig und wie jedes andere Abitur auch. Der Verbandspräsident hatte zuvor vor einem «Notabitur» gewarnt. Das Bildungsministerium hatte versichert, dass das Abitur anspruchsvoll sein werde und vergleichbar.

Bei den Hygieneschutzmaßnahmen nutzen die Schulen laut Stäker die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr. Masken müssten getragen werden, könnten aber am Platz im Raum während der Prüfungen abgenommen werden. Zudem müssen sich die Schüler vorher testen lassen. Das sieht die Eindämmungsverordnung des Landes vor. Danach müssen Schüler im Präsenzunterricht und die Lehrkräfte von diesem Montag an zweimal pro Woche einen negativen Schnelltest vorlegen, bevor sie die Schule betreten dürfen.

In den vergangenen Monaten seien die Abschlussklassen im Präsenzunterricht geteilt unterrichtet worden, erzählte er. Sie wurden von den Lehrkräften in verschiedenen Räumen in kleineren Gruppen betreut. Dadurch hätten die Schüler weniger durchgängig mit den Lehrern kommunizieren können. Jeder Schüler, der glaube, das Abitur nicht zu schaffen, habe davon zurücktreten können, sagte Stäker. Das Schuljahr könne wiederholt werden, ohne das dieser Anlauf angerechnet werde. Das bedeute: Wer das Schuljahr schon einmal wiederholt habe, könne das coronabedingt dann ein weiteres Mal tun.

Landtag beschäftigt sich mit drohenden Schulschließungen

Mit den Auswirkungen der Bundes-Notbremse im neuen Infektionsschutzgesetz auf die Schulen beschäftigt sich der Thüringer Landtag am Mittwoch (14.00 Uhr) in Erfurt. Kindergarten- und Schulschließungen seien bei dem hohen regionalen Infektionsgeschehen offenbar derzeit unvermeidbar, erklärte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Astrid Rothe-Beinlich. Ihre Fraktion hat die Aktuelle Stunde beantragt. Dazu will sich nach Angaben der Landesregierung auch Bildungsminister Helmut Holter (Linke) äußern.

Die Grünen sprachen sich wie die CDU-Fraktion dafür aus, auch Eltern von Kita-und Schulkindern möglichst schnell zu impfen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Rothe-Beinlich begrüßt zudem die Einführung einer verbindlichen Testpflicht. Kinder und Jugendliche dürften aber nicht zum Test gezwungen werden. Ungetestete Schüler müssten «jedoch das häusliche Lernen nutzen, um an den Unterricht angeschlossen zu sein». Der Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetz des Bundes sieht Kita- und Schulschließungen vor, wenn an drei Tagen die Sieben-Tages-Inzidenz in einem Landkreis den Wert von 165 überschreitet.

Weitere Themen im Landtag sind Regeln gegen Lobbyismus, die Situation des sozialen Wohnungsbaus, politisch motivierte Kriminalität sowie die Maskenurteile aus Weimar.

Die schriftlichen Abiprüfungen starten in Hessen

Für 23 500 Schülerinnen und Schüler beginnen an diesem Mittwoch die schriftlichen Abiturprüfungen in Hessen. An insgesamt 269 Schulen im Land werden die Prüfungen für das Landesabitur 2021 abgelegt.

Alle Prüfungen finden unter den besonderen Corona-Bedingungen mit Abstand- und Schutzmaßnahmen statt. Wegen der besonderen Bedingungen erhalten die Prüflinge nach Angaben des Kultusministeriums in diesem Jahr auch zusätzliche Zeit, die sie im Rahmen der Prüfung individuell nutzen können.

Mit den Leistungs- und Grundkursen im Fach Chemie beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen am Mittwoch. Am folgenden Tag geht es unter anderem mit den Fächern Kunst, Musik, Politik und Wirtschaft sowie Sport und Religion weiter. Der Zeitraum für die schriftlichen Prüfungen ist bis 5. Mai angesetzt. Die Termine für die Nachprüfungen sind vom 18. Mai bis 2. Juni.

 

20.04.2021 

Elternverband: Langfristig fürs kommende Schuljahr planen

Die Unruhe in der Schullandschaft wächst. Viele wollen das «Rein und Raus» im Schulbetrieb nicht mehr mittragen, heißt es von Elternseite. Das Kreisen um Wocheninzidenzen stört viele - aus unterschiedlichen Gründen.

Nach viel Unruhe im Schulbetrieb mit oft extrem kurzfristigen Öffnungen und Schließungen hat der Elternverband LEK schon jetzt Planungen für das nächste Schuljahr verlangt. Das monatelange Hin und Her und die starre Ausrichtung an der Wocheninzidenz sei «unsinnig», kritisierte die Landeselternkonferenz (LEK) in NRW. «Die Schulen ersticken in dem Rein und Raus», sagte die LEK-Vorsitzende Anke Staar am Dienstag. Die Bedürfnisse von Schülern und ihren Familien würden ausgeblendet.

«Schulen müssen jetzt unbedingt in Ruhe langfristig ihr Konzept entwickeln können.» Es sei davon auszugehen, dass auch im kommenden Schuljahr ab Sommer kein Normalbetrieb möglich sein werde. Die LEK halte pauschale Vorgaben des Landes «von oben herab» für falsch. Schulleitungen und Kommunen als Träger sollten mehr Spielraum erhalten, um eigene Konzepte zu entwickeln - konkret angepasst an die individuellen Gegebenheiten vor Ort und Bedürfnisse der Schüler. Das Land solle für Bildungsqualität sorgen - also für genug Personal und Räumlichkeiten, aber keine «minutiösen» Vorschriften machen, verlangte Staar.

Der aktuell im Entwurf für ein geändertes Infektionsschutzgesetz des Bundes vorgesehene Wert für Schulschließungen sei noch zu hoch, betonte die Landeselternschaft der Gymnasien NRW. In dem Entwurf wird als Schwelle eine Wocheninzidenz von 165 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche genannt. Es brauche eine eigene Altersgruppen-Inzidenz für Schüler, teilte der NRW-Verband mit. Stehe der Wert einmal in einem Bundesgesetz, sei «eine falsche Orientierung zementiert». Über die Novelle wird noch in Bundestag und Bundesrat beraten.

In den letzten Wochen habe es steigende Infektionszahlen mit ernsthafteren Erkrankungen auch in der Altersgruppe der Schüler gegeben, mahnte die Landeselternschaft. «Sie müssen aber jetzt und längerfristig besonders geschützt werden, weil für die unter 16-Jährigen in absehbarer Zeit kein Impfstoff zur Verfügung steht.» Die Gewerkschaft Erziehung und Bildung nannte erneut eine Wocheninzidenz von 100 als geeigneten Maßstab. «Wir halten die neue 165er Inzidenz für Schulschließungen für aus der Luft gegriffen», hieß es bei der GEW.

Die LEK-Vorsitzende Staar meinte, um das «Maximum an Angebot» zu ermöglichen, sei ein täglicher, aber kürzerer Unterricht in den Klassen denkbar - etwa an Grundschulen drei Stunden vormittags für eine Klassenhälfte und drei Stunden nachmittags für die andere. Man müsse sich etwas vom Stundenplan lösen und solle auch nicht an der Zahl der Klassenarbeiten festhalten.

Nach einer Woche Unterricht daheim waren am Montag viele Schüler wieder in ihre Klassenzimmer zurückgekehrt, aber nur tageweise und im Wechselmodus. Und längst nicht alle, weil mehr als 20 der insgesamt 53 Städte und Kreise drei Tage zuvor über der von NRW aktuell bestimmten Wocheninzidenz von 200 lagen, ab der das Land Distanzunterricht anordnet. Einige Kommunen hatten zudem auf Basis eigener Verfügungen am Distanzmodus festgehalten. Laut GEW sind landesweit in rund 40 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte die Schulen derzeit im Homeschooling-Betrieb.

«Jahrgang mit Stempel» - Abiturprüfungen im Zeichen von Corona

Pauken ist in diesen Tagen angesagt. Am Freitag stehen für die Abschlussklassen die ersten Abiturprüfungen an. Vieles ist in der Corona-Krise anders. Wie gehen die Schüler damit um?

Abitur in Pandemie-Zeiten: Bücher wälzen, Stoff wiederholen, lesen - die Prüfungsvorbereitung von Joanna Kesicka sieht nicht anders aus als die von Abiturienten in den vergangen Jahren. Und dennoch ist in diesem Jahr einiges anders. «Wir mussten uns zum Großteil selber kümmern», sagt die 19-Jährige aus Löbau. Im Dezember seien die Abiturienten mehrere Wochen zu Hause gewesen, auch danach mussten viele wegen Quarantäne am heimischen Schreibtisch lernen. «Das ist gerade für Prüflinge und Abiturienten tragisch.»

Am Freitag stehen für tausende Abiturienten in Sachsen die ersten Prüfungen im Fach Religion an - später folgen Fächer wie Deutsch (30. April) und Mathe (4. Mai).

Das selbstständige Lernen ist vielleicht das Wichtigste, was die Abiturienten in der Corona-Krise gelernt haben, sagt Kesicka. Fragen wurden über Videos im Internet oder durch den Austausch mit Mitschülern geklärt, auch über Videokonferenzen mit Lehrern. «Das war gerade auf dem ländlichen Raum aber nicht immer an der Tagesordnung», sagt Kesicka, die auch Vorsitzende des Landesschülerrates ist.

Schulen und Kultusministerium wirft sie Versäumnisse bei der Digitalisierung vor. Im Sommer 2020 habe man es versäumt, sich auf die zweite Welle vorzubereiten. «Wir haben es uns nicht ausgesucht, in der Pandemie Abitur zu machen. Dafür haben wir es gut gemeistert.»

Der sächsische Lehrerverband sieht den Abiturjahrgang auch in Corona-Zeiten für die Prüfungen gerüstet. Es habe genügend Gelegenheiten zum Austausch mit den Lehrern über verschiedene Kanäle gegeben, sagt Verbandsvorsitzender Jens Weichelt. Die Abschlussklassen hätten bis auf wenige Wochen Präsenzunterricht gehabt. «Sie hatten eigentlich am wenigsten unter den Schulschließungen zu leiden.» Das Abitur sei «absolut vollwertig und anspruchsvoll» und werde entsprechende Anerkennung bei Universitäten und Unternehmen finden, so Weichelt. Er verwies zudem auf verschiedene Maßnahmen, die helfen sollen, die Nachteile und Schwierigkeiten für diesen Jahrgang auszugleichen.

So sieht das Kultusministerium für Abiturienten 30 Minuten mehr Zeit für sämtliche Prüfungen sowie das mögliche Ausweichen auf einen Zweittermin vor. Die Zweit- und Drittkorrekturen finden an der jeweiligen Schule statt. Das soll eine faire Benotung sichern, falls Inhalte coronabedingt nicht ausreichend behandelt werden konnten.

«Keine Frage, die Abiturienten hatten schwierige Lernbedingungen», sagte der Vorsitzende des sächsischen Philologenverbandes, Thomas Langer. Einen Grund, von einem «Corona-Jahrgang» zu reden, sieht er aber nicht. «Die Prüfungen finden alle statt, sind bundesweit anerkannt.» In den vergangenen Monaten hätten Schüler und Lehrer schon Erfahrungen mit Prüfungen unter Corona-Bedingungen sammeln können - mit Abstand, Desinfektion und Hygienekonzepten. Darauf könne nun im Abitur zurückgegriffen werden. Wenn die Tische weit genug auseinanderstehen, müssten die Abiturienten auch keine Maske während der Prüfung tragen, betonte Langer.

Trotz allem: «Ungewissheit ist ein stetiger Begleiter dieses Abi-Jahrgangs», sagt etwa Abiturient Arthur Tritschel von der Dresdner Waldorfschule. Ungewissheit, unter welchen Bedingungen das Abitur stattfinde oder was etwa passiere, wenn man in der Prüfungszeit in Quarantäne gehen müsse. Auch die Frage, was danach passiere, treibe viele Abiturienten um. «Da geht auch der Ansporn etwas verloren, da viele kein Ziel haben, auf das sie hinarbeiten können», so der 19-Jährige.

Auch Joanna Kesicka ist ein wenig nervös, wenn sie an ihre erste Prüfung Ende April im Fach Deutsch denkt. Das Schlimmste wäre, sagt Kesicka, wenn die Prüfungen kurzfristig ausfielen. «Das darf nicht passieren.» Das Abitur wird in diesem Jahr anders sein, so Kesicka. «Wir sind ein Jahrgang, der einen Stempel bekommt, ein Corona-Jahrgang.» Dennoch ist es ein Abitur und ein Abschluss. Damit, sagt die 19-Jährige, fühlt sie sich gerüstet für Zukunft.

Lehrerverband beklagt zu hohe Grenzwerte für Schulschließungen

Die Pläne für die Corona-Notbremse des Bundes sind noch einmal nachgebessert worden. Ein wichtiger Punkt: Schulen sollen früher als bisher geplant auf Distanzunterricht umschalten. Für viele wird das Folgen haben. Doch nicht allen geht das weit genug.

Der deutsche Lehrerverband fordert, die geplante Corona-Notbremse des Bundes noch einmal nachzuschärfen und Schüler früher in den Distanzunterricht zu schicken als bisher vorgesehen. Es sei zwar ein Fortschritt, dass der maßgebliche Inzidenzwert für Schulschließungen von 200 auf 165 gesenkt worden sei, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). «Doch auch eine Inzidenz von 165 ist noch deutlich zu hoch.»

Bund und Länder wollen mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes einheitliche Regelungen im Kampf gegen die dritte Corona-Welle festschreiben. In einem ersten Entwurf des Bundes war unter anderem vorgesehen, dass Schulen in den Distanzunterricht wechseln müssen, wenn binnen einer Woche mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner registriert werden.

Dieser Schwellenwert soll nun aber gesenkt werden. Nach der Beschlussempfehlung des maßgeblichen Gesundheitsausschusses, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sollen Schulen schon bei einer Inzidenz von 165 keinen Präsenzunterricht mehr anbieten dürfen. In vielen Regionen liegt die Inzidenz zurzeit deutlich höher. Abschlussklassen und Förderschulen sollen vom Stopp des Schulbesuchs ausgenommen werden können.

Meidinger betonte, er habe kein Verständnis dafür, warum man bei Schulen einen anderen, gröberen Maßstab anlege als in anderen Bereichen der Gesellschaft. Man dürfe nicht vergessen, dass die bundesweite Inzidenz in der Altersgruppe zwischen 10 und 19 Jahren bereits jetzt deutlich höher liege. «Um eine Ausbreitung des Virus in den Schulen wirksam zu stoppen, muss der Präsenzunterricht bereits ab einer Inzidenz von 100 beendet werden», forderte Meidinger.

Daneben sieht die Neuregelung nun Ausgangsbeschränkungen von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr in Regionen mit hohen Corona-Zahlen vor. Nach dem ursprünglichen Plan sollten sie schon um 21.00 Uhr beginnen. Joggen und Spaziergänge sollen bis Mitternacht erlaubt bleiben, allerdings nur alleine. Die Notbremse soll am Mittwoch vom Bundestag beschlossen werden und nach einer Befassung der Länderkammer rasch in Kraft treten. Die Regeln sollen gelten, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Stadt oder einem Landkreis drei Tage hintereinander über 100 liegt.

Die Kommunen begrüßten die Änderungen. «Es ist richtig, die Ausgangsbeschränkungen erst ab 22.00 Uhr vorzusehen. Andernfalls wären die Menschen alle zur selben Zeit abends noch in die Lebensmittelgeschäfte geströmt», sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der «Rheinischen Post». Es sei auch richtig, die Schulen bereits ab Inzidenzwerten von 165 zu schließen. «Wenn wir auf die aktuellen Werte schauen, bedeutet das Gesetz, dass die Schulen in Deutschland kommende Woche weitgehend wieder schließen müssen.»

Der Deutsche Städtetag sieht in der Notbremse die Chance, verloren gegangenes Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. «Das Durcheinander mit unterschiedlichen Lösungen in den Ländern bei der Notbremse hat in den vergangenen Wochen Vertrauen gekostet», sagte der Leipziger Oberbürgermeister der Deutschen Presse-Agentur. «Wir brauchen jetzt vorübergehend einen gemeinsamen bundeseinheitlichen Rahmen, um dieses Vertrauen zurückzugewinnen. Dabei ist es gut, dass die bundeseinheitliche Notbremse bis Ende Juni befristet werden soll.»

Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte, neben dem Inzidenzwert noch weitere Kriterien für die Aktivierung der Notbremse heranzuziehen. «Dazu zählt beispielsweise die Zahl der täglichen Neuaufnahmen von Corona-Intensivpatienten sowie die Anzahl intensivpflichtiger und invasiv beatmeter Patienten der letzten sieben Tage», sagte er der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Dienstag).

 

19.04.2021 

Bisher wenige positive Corona-Schultests

In der ersten Woche mit flächendeckenden Corona-Tests an Thüringer Schulen sind 375 Schüler positiv auf eine Coronavirus-Infektion getestet worden. Das geht aus einer Statistik des Bildungsministeriums vom Montag hervor. Demnach erfolgten in der vergangenen Woche insgesamt 157 472 Tests bei Schülern und 26 401 Tests beim Personal an den Schulen. Nur 27 Tests beim Personal fielen positiv aus. Die Positivrate bei den Schülern lag nach Ministeriumsangaben bei 0,24 Prozent, beim Personal bei 0,1 Prozent.

Unklar ist, ob tatsächlich jeder positive Test korrekt eine Coronavirus-Infektion angezeigt hat. Bei den verwendeten Schnell- und Selbsttests kann es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen, weshalb bei einem positiven Ergebnis ein weiterer PCR-Test nötig ist. In den Daten des Bildungsministeriums wurden Angaben von 941 Schulen berücksichtigt, von 33 fehlen sie bislang noch.

Testpflicht und Schulschließungen ab 200-Inzidenz - Kritik der Eltern

Angesichts der Corona-Testpflicht für die Schüler in Brandenburg hat der Landeskitaelternbeirat kritisiert, dass trotzdem ab einem Inzidenzwert von 200 in Landkreisen Schulen geschlossen werden sollen. Dass das flächendeckende Schließen von Schulen und Kitas immer noch eine Maßnahme der Politik sei, sei «ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen», teilte der Landeskitaelternbeirat am Sonntagabend mit. Viel sinnvoller sei eine flächendeckende Strategie mit regelmäßiger Testung. Das sei an Schulen und Kitas gut möglich.

«Ein Schul- und Kitabesuch auf Basis einer guten Teststrategie erscheint derzeit effektiver als jedes Kontakttagebuch oder jede Corona- oder Luca-App», so die Elternvertreter. «Wenn wir die Schulen und Kitas jetzt schließen, verlieren nicht nur die Kinder weitere Wochen oder Monate notwendige Bildungs- und Betreuungsangebote - nein, wir verlieren auch die Kontrolle über mögliche Infektionen bei den Kindern, ihren Familien und den Pädagogen.»

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche stieg zuletzt von 119 auf 142. Ab dem Wert von 200 in Landkreisen oder kreisfreien Städten müssen von Mittwoch an Schulen geschlossen werden. Der Landkreis Spree-Neiße liegt schon seit längerem deutlich über dieser kritischen Marke.

In den Brandenburger Schulen gilt seit Montag eine Testpflicht für die Schüler im Präsenzunterricht und alle Beschäftigten. Der Zutritt in die Schulen ist dann nur noch Menschen gestattet, die an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche jeweils ein negatives Testergebnis vorlegen. Die Testungen sollen grundsätzlich zu Hause durchgeführt werden. Sollten Schüler die Testbescheinigung vergessen haben, könnten die Tests auch an den Schulen durchgeführt werden, erklärte das Bildungsministerium. Auch das Personal in den Kitas muss sich testen lassen.

Seit dem Ende der Osterferien haben nur die Grundschüler und die Abschlussklassen Wechselunterricht. Die mittleren Jahrgänge der weiterführenden Schulen bleiben vorerst im Distanzunterricht.

Testpflicht in Brandenburger Schulen - auch für Kita-Beschäftigte

In den Brandenburger Schulen gilt von Montag an eine Corona-Testpflicht für die Schüler im Präsenzunterricht und alle Beschäftigten. Der Zutritt in die Schulen ist dann nur noch Personen gestattet, die an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche jeweils ein negatives Testergebnis vorlegen. Die Testungen sollen grundsätzlich zu Hause durchgeführt werden. Sollten Schüler die Testbescheinigung vergessen haben, könnten die Tests auch an den Schulen durchgeführt werden, erklärte das Bildungsministerium. Auch das Personal in den Kitas muss sich testen lassen.

Seit dem Ende der Osterferien haben nur die Grundschüler und die Abschlussklassen Wechselunterricht in der Schule und zuhause. Die Förderschulen für geistige Entwicklung haben durchgehend Präsenzunterricht. Die mittleren Jahrgänge der weiterführenden Schulen bleiben vorerst im Distanzunterricht.

Allerdings müssen ab 200 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche in Landkreisen oder kreisfreien Städten von Mittwoch an alle Schulen geschlossen werden, mit Ausnahme der Abschlussklassen und der Förderschulen. Der Landkreis Spree-Neiße liegt schon seit längerem deutlich über dieser kritischen Marke.

18.04.2021

Rückkehr ins Klassenzimmer - aber längst nicht überall im Südwesten

Monatelang haben viele ihre Lehrer nur per Video gesehen: Nun soll es eigentlich wieder losgehen mit der richtigen Schule. Doch die Öffnung könnte vielerorts nur eine kurze Freude sein.

In Baden-Württemberg kehren in dieser Woche hunderttausende Schülerinnen und Schüler nach über vier Monaten im Lockdown in ihre Klassenzimmer zurück - allerdings nur mit Maske, Abstand und einem negativen Testergebnis. Die Maßnahme der grün-schwarzen Landesregierung ist hochumstritten, weil das Land mitten in der dritten Corona-Welle mit stark steigenden Infektionszahlen steckt.

Von Montag an sollen nach Plänen des Kultusministeriums alle Jahrgangsstufen aller Schularten wieder in Präsenz unterrichtet werden können - allerdings meistens im Wechsel, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Wer mehr als drei Tage in Folge an der Schule ist, muss sich zweimal pro Woche testen lassen.

Doch längst nicht alle Kinder und Jugendlichen im Südwesten können sich auf eine Rückkehr an ihre Schulen freuen: In 11 von 44 Stadt- und Landkreisen werden die Schulen größtenteils geschlossen bleiben, weil sie entweder schon drei Tage über der Inzidenz von 200 lagen oder kurz davor stehen. Darunter sind auch Stuttgart und Ulm. Etwa sechs weitere Kreise liegen nur knapp unter dem Schwellenwert.

In Corona-Hotspots mit über 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in der Woche soll es grundsätzlich nur Fernunterricht geben, auch Kitas sollen dann geschlossen werden. Ausnahmen gibt es für die Notbetreuung, Abschlussklassen sowie die sonderpädagogischen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen (SBBZ).

Die Lehrerverbände halten den Grenzwert 200 für die Öffnung der Schulen für viel zu hoch gegriffen. Sie hatten vorgeschlagen, ab einer Inzidenz von 100 nur Fernunterricht anzubieten. Hintergrund der Bedenken ist die britische Corona-Mutante, mit der sich auch Kinder und Jugendliche leicht anstecken können. Im Südwesten gibt es rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie 130 000 Lehrkräfte.

Zuerst Geschichte: Abiturprüfungen in Niedersachsen starten

Mit der schriftlichen Klausur im Fach Geschichte beginnt an diesem Montag das Abitur in Niedersachsen. Rund 32 000 Schülerinnen und Schüler an etwa 450 Schulen nehmen in diesem Jahr an den Abi-Prüfungen teil. Mit den möglichen mündlichen Nachprüfungen zieht sich die Abi-Phase bis Ende Juni.

Bereits zum zweiten Mal sind die Prüfungen von der Corona-Krise geprägt, und es gelten strenge Hygieneregeln. Eine Testpflicht soll es zwar nicht geben, das zuständige Ministerium appellierte aber dringend an die Schüler, das Testangebot an Klausurtagen zu nutzen. In vergangenen Jahr waren die Abschlussprüfungen an Niedersachsens Schulen wegen der Pandemie um rund drei Wochen verschoben worden.

17.04.2021

Auch Kinder und Jugendliche von Long-Covid-Erkrankung betroffen

Zu Beginn der Corona-Krise ging man davon aus, dass Kinder und Jugendliche weitgehend unbeschadet eine Infektion mit Sars-CoV-2 überstehen. Mit der Corona-Variante B.1.1.7 stimmt das nicht mehr.

In der auf die Behandlung von sogenannten Long-Covid-Erkrankungen spezialisierten Median-Klinik in Heiligendamm werden die Patienten immer jünger. Wie Chefärztin Jördis Frommhold der Deutschen Presse-Agentur berichtete, werden zunehmend 20- bis 30-Jährige stationär aufgenommen und im letzten Monat auch zwei 18-Jährige. Die Anfragen nach Reha-Angeboten für pädiatrische Patienten häuften sich. Die Klinik stünde auch bereit, Jugendliche ab 14 Jahren in Begleitung eines Erziehungsberechtigten aufzunehmen.

Kinder und Jugendliche haben in der Regel nicht so schwere Krankheitssymptome nach einer Corona-Infektion wie Erwachsene, sie können aber an unterschiedlichen Folgeerkrankungen leiden. Dazu gehören beispielsweise Leistungsminderungen, Atembeschwerden und kognitive Einschränkungen, sagte Frommhold. Die Expertin berichtete von einer zunehmenden Zahl von Hilferufen besorgter Eltern.

Man müsse insgesamt von der Vorstellung Abschied nehmen, dass junge Menschen nicht erkranken können, sagte Frommhold. Dies habe sich mit der Virusvariante B.1.1.7 geändert. Aber auch schwache Symptome könnten höchst problematisch werden. So könnten beispielsweise auf Konzentrationsprobleme bei Schülern schlechte Schulleistungen folgen, die wiederum die Wahl des Studiums oder des Berufs beeinflussen.

Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor dem Glauben, dass Kinder und Jugendliche bei einer Corona-Infektion nur mit grippeähnlichen Symptomen zu kämpfen haben. «Auch bei ihnen kann es eine Multi-Organ-Erkrankung werden.» Die gefürchtete Entzündung der kleinen Gefäße könnte auftreten. Lauterbach kritisiert schon seit längerem, dass die Bedeutung von Long-Covid auch bei Erwachsenen dramatisch unterschätzt wird.

Er berichtete von einer britischen Studie, nach der 7 Prozent der Jugendlichen Long-Covid entwickeln, bei Erwachsenen liege das Risiko bei 14 Prozent. Dies sei insbesondere unter dem Gesichtspunkt gefährlich, dass versucht werde, die Schulen weitestmöglich zu öffnen. Er forderte Wechselunterricht für die Schüler und deren Testung zwei Mal die Woche. «Wenn Eltern das nicht erlauben, dürfen die Schüler nicht in die Schule.» Gleichzeitig appellierte er an Jugendliche, vor allem sich selbst zu schützen. Die Folgen könnten fatal sein.

Für die Gesellschaft sei es problematisch, dass es bisher keinen Impfstoff für Kinder und Jugendliche gebe, sagte Frommhold. Denn selbst wenn alle Erwachsenen durchgeimpft seien, könnten sich die jungen Menschen immer noch anstecken, erkranken und dann möglicherweise auch an Long-Covid leiden. «Wir können deshalb nicht zur Alltagsordnung übergehen.»

Die Firmen Biontech und Pfizer hatten Ende März berichtet, dass sie mit Studien zu Wirkung und Sicherheit ihres Corona-Impfstoffs bei Kindern bis einschließlich elf Jahren begonnen haben. Das aktuelle Vakzin der beiden Firmen ist für Jugendliche ab 16 Jahren bedingt zugelassen. Studien für die Altersgruppe 12 bis 16 laufen bereits. Nun werden auch Kinder ab sechs Monaten in die Studien einbezogen.

16.04.2021

Lehrer wehren sich gegen Schüleraufsicht bei Selbsttests

Quer aus Rheinland-Pfalz sind Einwendungen von Lehrern gegen die Beaufsichtigung von Corona-Selbsttests der Schüler bei Schulaufsicht und Ministerium eingegangen. Lehrer fürchten um ihre Gesundheit.

Dass sich Schüler regelmäßig vor dem Unterricht auf Corona selbst testen, findet Schulleiter Armin Huber gut und richtig. Dass sie das unter Anleitung und Aufsicht von Lehrern tun sollen, aber gar nicht. Daher hat er im Namen seiner Schule, dem Max-Planck-Gymnasium (MPG) Trier, eine sogenannte Remonstration - also eine Art beamtenrechtliche Einwendung gegen eine Weisung des Vorgesetzten - bei der Schulaufsicht eingelegt.

Warum? «Der Gesundheitsschutz der Lehrer ist meines Erachtens nach bei dieser Form der Selbsttestung nicht garantiert», sagt Huber. «Wir haben kaum Lehrer, die geimpft sind, wir haben keine Schutzausrüstung, und wir sollen im Fall eines positiven Tests den Schüler pädagogisch betreuen.» Verständlich, dass da Lehrer Angst hätten und nicht bereit dazu seien. Daher bieten derzeit am MPG geschulte Mitarbeiter der Hilfsorganisation Johanniter-Unfall-Hilfe Schnelltests an.

Seit den Osterferien können sich auch Schüler in Rheinland-Pfalz zwei Mal pro Woche kostenfrei mit Schnelltests selbst auf das Coronavirus testen. Das Land hat die Schulen bereits mit rund sechs Millionen Testkits beliefert, wie das Bildungsministerium in Mainz mitteilte. Tausende Testungen sind bereits gelaufen - das Einverständnis der Eltern für die Tests sei groß. Und: Über alle Schularten hinweg gebe es «auch sehr viel Zustimmung von Lehrkräften, die die Möglichkeit der Selbsttests sehr begrüßen».

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) als landesweite Schulaufsicht räumt ein: «Es ist richtig, dass vereinzelt Schulen die Beaufsichtigung von Selbsttest der Schüler nicht als ihre Aufgabe wahrnehmen.» Auch anderswo als in Trier hätten vereinzelt Lehrkräfte dagegen Einwände erhoben. Aus allen drei Aufsichtsbezirken der ADD in Rheinland-Pfalz lägen Remonstrationen vor. «Die überwiegende Anzahl der Remonstrationen kommt aus dem Bereich der weiterführenden Schulen», teilt eine Sprecherin in Trier mit.

Nach Ansicht der Schulbehörde ist für Tests die Hilfe externer Partner «grundsätzlich nicht erforderlich». «Lehrkräfte haben die Schülerinnen und Schüler lediglich anzuleiten und sie bei der Durchführung der Selbsttests zu beaufsichtigen. Lehrkräfte führen also keine Testungen bei Schülerinnen und Schülern durch», hieß es. Aufsicht und pädagogische Begleitung stellten «eine schulbezogene Aufgabe dar», die im Rahmen des Dienstverhältnisses von einer Lehrkraft geleistet werden könnten.

Fakt ist aber, dass viele Schulen Hilfe von externen Partnern suchen. «Wir haben so viele Anfragen. Wir können dem Andrang kaum mehr gerecht werden», sagt die Sprecherin des Johanniter Regionalverband Trier-Mosel, Regina Lüders. Mitarbeiter der Johanniter seien im Raum Trier bereits in gut einem halben Dutzend Schulen bei Schnelltests mit im Boot. Hinzu kämen auch Anfragen von Firmen. «Das überschreitet das, was wir leisten können.» Sie bedauere, dass viele kleine Grundschulen, die anfragten, nicht bedient werden könnten.

Nach Angaben des Landesverbandes Hessen/Rheinland-Pfalz/Saar der Johanniter-Unfall-Hilfe gehen bei allen Regionalverbänden derzeit Anfragen zur Unterstützung bei Tests in Schulen ein. Sprecherin Saskia Schimpf sagte, die Corona-Antigen-Schnelltests, die sie anböten, seien keine Selbsttests und als Unterstützung im Rahmen der Teststrategie des Bundes zu sehen.

Die Tests am Trierer Gymnasium MPG liefen gut, sagt Huber. Zwei Mal die Woche seien die Johanniter als mobiles Testteam nun vor Ort, um zu testen. Sie trügen Schutzkleidung, die Schüler würden nacheinander in einen Raum gerufen. Jene Tests im Rahmen des «Testens für alle» von Externen werden nach Angaben des Ministeriums vom Bund bezahlt. Die Selbsttests in den Schulen würden durch das Land finanziert - mit rund 40 Millionen Euro, hieß es.

Nach Einschätzung Schulleiter Huber ist auch denkbar, dass sich Schüler nach Einweisung in der Schule zu Hause testen. Die Testkits könnten Ende der Woche verteilt werden. Aber: Laut Dienstherrn dürfe die Schule die Tests nicht an Schüler geben.

Laut der ADD sollen Selbsttests nicht zu Hause gemacht werden: «In einem überwachten Setting in der Schule können die Tests sicher und richtig durchgeführt werden.» Zudem sei gewährleistet, «dass im Falle einer positiven Testung unmittelbar entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden». Und: Testkits seien in größeren Chargen gekommen und könnten nicht einzeln verpackt verteilt werden.

Ob das Ministerium Verständnis für die Sorgen der Lehrer hat? «Es ist vollkommen verständlich, dass neue Aufgaben auch erst einmal Fragen und Ängste aufwerfen. Und das nehmen wir selbstverständlich ernst», teilt eine Sprecherin mit. «Wir sehen allerdings auch, dass viele Schulen schon sehr souverän und gut mit den Selbsttests umgehen. Wie das Tragen der Maske sind die Selbsttests eine wirkungsvolle Maßnahme, um den Schulbetrieb noch sicherer zu gestalten.»

Jugendämter: Zahl der Schulabbrecher könnte sich verdoppeln

(dpa)Die Jugendämter in Deutschland warnen vor einer höheren Zahl an Schulabbrechern aufgrund der Corona-Krise. «Mit Blick auf die beiden Abschlussjahrgänge droht sich die Zahl der Schulabbrecher zu verdoppeln», sagte Lorenz Bahr, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag). Normalerweise verlassen pro Jahr rund 104 000 junge Menschen ohne Abschluss die Schule. «Wir rechnen nun mindestens mit einer Verdopplung: 210 000 Schulabbrecher in 2020 und genau so viele noch einmal in diesem Jahr.» Diese Entwicklung werde sich durch viele Schichten ziehen, auch Kinder aus der Mittelschicht würden einen «früheren Karriereknick» erleben.

In mindestens 13 Kommunen bleiben Schüler im Distanzunterricht

Die Opposition spricht von Chaos, viele Städte und Kommunen fühlten sich im Stich gelassen. Am Abend teilt die Landesregierung mit, wo es auch am Montag noch beim Distanzunterricht bleibt - und welche Regeln gelten.

In 13 Kommunen mit einer hohen Sieben-Tage-Inzidenz bleiben die Schüler wegen einer Landesverordnung auch in der kommenden Woche im Distanzunterricht. Lediglich die Abschlussklassen dürften zum Präsenzunterricht in die Schulen, teilte die Landesregierung am Freitagabend mit. Das Land habe nun für die betroffenen Kommunen mit einem 7-Tage-Inzidenzwert von über 200 per Landesverordnung eine Vorgabe geschaffen, die den noch ausstehenden geplanten bundeseinheitlichen Regelungen entspricht, heißt es in der Mitteilung.

Nach Ministeriumsangaben bleiben in folgenden Städten und Kreisen die Schulen weiterhin geschlossen: Duisburg, Gelsenkirchen, Hagen, Krefeld, Märkischer Kreis, Mülheim an der Ruhr, Oberbergischer Kreis, Rheinisch-Bergischer Kreis, Stadt Remscheid, Kreis Siegen-Wittgenstein, Stadt Solingen, Kreis Unna und Stadt Wuppertal.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte für die Woche nach den Osterferien zunächst überraschend mitgeteilt, dass die Schulen wieder in den Distanzunterricht gehen sollen. Vom kommenden Montag an sollen die Schulen wieder in den Wechselmodus mit Distanz- und Präsenztagen gehen, sofern die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche unter 200 liegt.

Das konkrete Verfahren werde laut Mitteilung durch eine Ergänzung der Coronabetreuungsverordnung geregelt: «Überschreitet ein Kreis oder eine kreisfreie Stadt künftig die Grenze einer 7-Tages-Inzidenz von 200 an drei aufeinanderfolgenden Tagen, stellt das Gesundheitsministerium dies durch eine Allgemeinverfügung fest und bestimmt darin den Tag, ab dem Distanzunterricht stattfindet.» Dies sei im Regelfall ab dem zweiten Tag nach Feststellung der Fall. Sinkt der Inzidenzwert an mindestens drei Tagen unter 200, wird der Wechselunterricht zum nächsten Wochenbeginn wieder aufgenommen.

Die Opposition hatte Gebauer vor der Entscheidung noch Chaos vorgeworfen. Die unklare Lage zum Thema Distanzunterricht ab Montag in Kommunen, die über oder nahe einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 liegen, sei «eine Zumutung für alle Beteiligten», sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer. «Dass Kommunen und Kreise in kürzester Zeit die 200er Inzidenzschwelle überschreiten werden, war absehbar.»

Auch der SPD-Abgeordnete Jochen Ott übte scharfe Kritik. «Entgegen der Ankündigungen von Schulministerin Gebauer handelte es sich eben nicht um eine automatische Notbremse, die bei einem entsprechenden Überschreiten der 200er-Grenze gezogen werden muss. Das hat erneut für viel Verwirrung und Unruhe im Schulbetrieb gesorgt», sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion laut Mitteilung.

Nach Angaben eines Sprechers laufen - unabhängig von der jetzt veröffentlichten Allgemeinverfügung - weiterhin die üblichen Abstimmungen zwischen dem NRW-Gesundheitsministerium und den Kreisen und kreisfreien Städten, die Distanzunterricht auf eigenen Wunsch beabsichtigen. So kündigte Dortmund am Freitagabend an, dass ab Montag in der Stadt kein Präsenzunterricht an Schulen stattfindet. Ausgenommen seien Abschlussklassen.

Schulöffnung ade - Stuttgart und Ulm ziehen vorauseilend Notbremse

«Wozu der ganze Zirkus?», fragt ein Lehrerverband. Mitten in die dritte Corona-Welle hinein sollen Schulen auf breiter Front öffnen. Doch manchen Kommunen im Land ist das zu riskant: Sie ziehen vorauseilend die Notbremse.

Die für Montag geplante Rückkehr aller Kinder und Jugendlichen in die Schulen nach vier Monaten im Lockdown wird nur in Teilen Baden-Württembergs klappen. Die Großstädte Stuttgart und Ulm zogen am Freitag angesichts hoher Infektionszahlen in letzter Minute die Notbremse und verschoben den Start des Präsenz- und Wechselunterrichts vorerst.

Beide Städte sind Corona-Hotspots. Ulm rangierte am Freitag bei 183,0 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche und damit noch unter dem Grenzwert 200, ab dem es nur Fernunterricht geben soll. Stuttgart lag mit 207,6 darüber. Daneben gibt es einige Landkreise, die schon länger über dieser kritischen Schwelle liegen. Dazu gehören die Kreise Heilbronn, Schwäbisch Hall, der Hohenlohekreis, Göppingen und Heidenheim. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Kommunen, die ähnlich wie Ulm nah an die Inzidenz 200 heranrücken.

Ministerium will «pragmatische Lösung» für Grenzfälle

Wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr, will das Kultusministerium «pragmatische Lösungen» für diese Grenzfälle ermöglichen. Demnach sollen die Schulleitungen einen Ermessensspielraum bekommen, wenn in ihrem Kreis am Donnerstag oder an diesem Freitag die Inzidenz von 200 erstmalig überschritten wurde und die Tendenz weiter so bleibt. Dann können sie die Schule - außer für Abschlussklassen und Notbetreuung - geschlossen lassen. Das hat Amtschef Michael Föll in einer Runde mit Lehrervertretern am Freitag erklärt. Ein Ministeriumssprecher bestätigte diese Regelung. Die GEW und der Philologenverband gingen das Land hart dafür an, dass es überhaupt an Schulöffnungen bis zu einer Inzidenz von 200 denkt.

Stuttgart macht auch Kitas dicht

Die Stadt Stuttgart will auch die Kitas schließen. «Wir empfehlen, Schulen ab Montag nicht zu öffnen und Kitakinder zu Hause zu betreuen», teilte die Bürgermeisterin für Jugend und Bildung, Isabel Fezer, mit. «Wenn wir dieser Pandemie Einhalt gebieten wollen, zählt jeder Tag. Wir müssen und wollen die Kontakte weiter reduzieren und in Schulen und Kitas kommen – trotz guter Hygienekonzepte – Tausende Menschen ganz unterschiedlicher Altersgruppen und aus allen gesellschaftlichen Schichten zusammen. Dies macht sich das Virus zunutze.»

Bisher gibt es nur dringende Empfehlungen

Auch die Stadt Ulm hatte bereits eine ähnliche Empfehlung für die Schulen herausgegeben. Die Städte können bisher nur Empfehlungen aussprechen, weil die rechtliche Grundlage für ein Verbot des Präsenzunterrichts ab einer Inzidenz von 200 noch fehlt. Die Landesregierung in Stuttgart will ihre Corona-Verordnung und die Schulbestimmungen aber am Wochenende aktualisieren und dann die vom Bund verlangte Notbremse einarbeiten. Demnach ist die Voraussetzung für eine fortgesetzte Schließung, dass ein Kreis an drei Tagen hintereinander den Schwellenwert von 200 überschreitet - dann muss am übernächsten Tag der Präsenzunterricht untersagt werden.

In Stuttgart sind gut 230 Schulen und 600 Kitas betroffen. In Ulm sollen die 53 Schulen zunächst größtenteils geschlossen bleiben. Die Stadt Mannheim mit einer Inzidenz von fast 190 will nach eigenen Angeben am Montag wie geplant öffnen. Im Südwesten gibt es rund 4500 Schulen.

Lehrer halten Regierung vor: Nur Koalitionsverhandlungen im Kopf

Der Verband der Gymnasiallehrer kritisierte, die Schulöffnungen in Kreisen mit mehr als 160 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche seien «sinnfrei». «Dort ist ja absehbar innerhalb einer Woche mit erneutem Rückwechsel in den Fernunterricht zu rechnen. Wozu also der ganze Zirkus?», sagte Ralf Scholl, Landeschef des Philologenverbands. «Mein Eindruck ist, die Politiker von Grünen und CDU sind gerade mit den Koalitionsverhandlungen so beschäftigt, dass das Landeswohl und Corona nur noch Nebensache sind.» Es könne auch nicht angehen, dass Öffnungen mit Hinweis auf die Tests durchgedrückt würden. «Ein Corona-Test schützt genauso stark vor Corona wie ein Schwangerschaftstest vor einer Schwangerschaft.»

Sozialministerium: Schnelltests sind ausgeliefert

Das Land setzt beim Neustart für viele Schülerinnen und Schüler vor allem auf die Testpflicht, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Wer mehr als drei Tage in Folge an der Schule ist, muss sich zweimal pro Woche testen lassen. Sind es im Zuge des Wechselunterrichts weniger Tage, reicht auch ein Test pro Woche. Geimpfte und genesene Menschen sind von der Testpflicht befreit. Nach Auskunft des Sozialministeriums sind die übrigen Testkits nach einer zwischenzeitlichen Verzögerung nun ausgeliefert worden. Es hätten alle Landkreise zumindest so viele Selbsttests bekommen, dass am Montag der Schulbetrieb starten kann und nicht eine Schließung erforderlich wird, weil Tests fehlen, erklärte eine Sprecherin. Der Berufsschullehrerverband hatte am Freitag moniert: «Leider sind noch nicht alle Schulen mit Tests ausgestattet.»

Philologenverband kritisiert Aussetzung der Testpflicht beim Abitur

Die Aussetzung der Corona-Testpflicht für Abiturienten stößt auf Kritik des Philologenverbandes Niedersachsen. Der Infektionsschutz an den Schulen habe dadurch über Nacht eine empfindliche Delle erfahren, sagte der Verbandsvorsitzende Horst Audritz in Hannover. Damit werde große Unruhe in die Schulen getragen. «Strukturiertes Krisenmanagement sieht anders aus», sagte Audritz. Sein Verband erwarte, dass die Aussetzung der Testpflicht umgehend zurückgenommen werde und Prüfungen ohne erhöhtes Infektionsrisiko stattfinden können.

Er appellierte an die Fürsorgepflicht des Dienstherrn. Angesichts der Prüfungssituationen, wo größere Gruppen ohne Trennwände und Luftreinigungsgeräte bis zu sechs Stunden Prüfungsarbeiten schreiben, nehme die Verunsicherung zu und belaste die Prüfungen zusätzlich.

70 Prozent von Bayerns Schülern nächste Woche im Distanzunterricht

Die Infektionszahlen steigen, der Lockdown in Bayern wird wieder härter. Zwei von drei Schülerinnen und Schülern müssen nächste Woche von zu Hause lernen. Zumindest der frühere Hotspot Tirschenreuth bietet einen Lichtblick.

Der Freistaat Bayern steuert in der nächsten Woche wegen weiter steigender Corona-Infektionszahlen auf einen härteren Lockdown in Schulen und Einzelhandel zu. Am Freitag waren nur noch die drei Landkreise Miltenberg, Tirschenreuth und Lindau sowie die kreisfreie Stadt Bamberg unterhalb einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner, wie aus der Statistik des Robert-Koch-Instituts hervorgeht.

Bei einer Inzidenz von mehr als 100 am Freitag müssen Schulen in der Folgewoche weitgehend in den Distanzunterricht wechseln. Nach Angaben des Kultusministeriums betrifft das in der kommenden Woche 70 Prozent der eine Million Schülerinnen und Schüler in Bayern. Rund 30 Prozent könnten noch im Präsenz- und Wechselunterricht bleiben, sagte ein Ministeriumssprecher.

Im Landesdurchschnitt lag die Inzidenz am Freitag bei knapp über 180, klar über dem Bundesdurchschnitt von 160. Der nordbayerische Landkreis Hof hält allerdings nicht mehr die Rote Laterne in Deutschland, sondern wurde vom Thüringer Landkreis Greiz als Top-Corona-Hotspot in Deutschland abgelöst.

Eindeutiger Lichtblick aus bayerischer Sicht ist der Oberpfälzer Landkreis Tirschenreuth, wochenlang einer der absoluten Corona-Hotspots selbst im bundesweiten Maßstab. Inzwischen ist Tirschenreuth, an der Grenze zu Tschechien gelegen, mit einer Inzidenz von 75 das Aushängeschild in Bayern und liegt den dritten Tag in Folge unter 100.

«Es ist jetzt natürlich ein besseres Gefühl, als in die andere Richtung der Spitzenreiter zu sein», sagte Landrat Roland Grillmeier (CSU). Ab Montag soll es wieder Präsenzunterricht geben und in den Geschäften werde Einkaufen mit Termin und Test möglich sein.

Dem Landratsamt zufolge spielen die Testpflicht für Grenzpendler aus Tschechien und die vorübergehenden Grenzkontrollen eine Rolle, ebenso die Test- und Hygienekonzepte in Betrieben, die Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsamt, die Impfungen, die sinkenden Inzidenzen in den umliegenden Landkreisen und in Tschechien, sowie die Disziplin der Menschen.

Hier appelliert der Landrat an die Bürger, nicht nachzulassen. Bei Lockerungen bestehe immer das Risiko, dass die Zahlen schlechter werden. «Dann sind die Lockerungen schnell wieder zu Ende und die Freude ist dahin.»

Für die allermeisten Landkreise und kreisfreien Städte sind allerdings die Bedingungen erfüllt, dass von Montag an im Zuge der Notbremsen-Regelung die Schulen weitgehend auf Distanzunterricht umstellen müssen. Ausnahmen sind lediglich Abschlussklassen, die vierten Klassen der Grundschulen und die 11. Klassen am Gymnasium.

Die Landeshauptstadt München hatte eine entsprechende Regelung bereits am Freitagmorgen angekündigt. Unabhängig von der noch nicht beendeten Diskussion über Schulöffnungen bis zu einer Inzidenz von 200 auf Bundesebene gilt in Bayern derzeit die 100-er-Grenze, von welcher an die Notbremse bei den Schulen gezogen wird.

Im Einzelhandel erfüllten am Freitag 23 Kreise die Bedingungen für eine komplette Schließung in der nächsten Woche mit Ausnahme des Verfahrens «Click and Collect» - also eine Sieben-Tage-Inzidenz über 200 für mindestens drei Tage am Stück. Drei Kreise - Starnberg, Miltenberg und Tirschenreuth - erfüllten am Freitag die Bedingungen für eine Öffnung des Einzelhandels mit Terminvereinbarung («Click and Meet»).

Über das Wochenende können sich hierbei aber noch Änderungen ergeben, so dass sich spätestens Dienstag wieder ein anderes Bild ergeben könnte. Sollte es zu einer bundesweiten Notbremse-Regelung kommen, könnten die Regelungen nochmals deutlich verschärft werden. So wäre möglicherweise das Verfahren «Click and Collect» schon bei Inzidenzen über 100 nicht mehr möglich.

Gericht: Tragen von Mund-Nasen-Schutz in Schulen rechtens

Das Oberverwaltungsgericht Greifswald hat Anträge von Schülern gegen die Tragepflicht von Mund-Nasen-Bedeckungen in Schulen oder auf schulischen Anlagen als unbegründet abgelehnt. Selbst wenn mit dieser Verpflichtung in die Grundrechte der allgemeinen Handlungsfreiheit, Freiheit der Person oder körperlichen Unversehrtheit eingriffen werde, sei dieser Eingriff in Abwägung mit den Grundrechten Dritter gerechtfertigt, entschied das Gericht am Freitag. Die Regelung diene dem Schutz von Leben und Gesundheit der von der Covid-19-Erkrankung bedrohten Bevölkerung, zu dem der Staat verpflichtet sei. Die Beschlüsse seien unanfechtbar. (Az.: 1 KM 159/21 OVG und 1 KM 199/21 OVG)

Die Schüler seien in ihren Anträgen der Meinung gewesen, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nicht von den Regelungen des Infektionsschutzgesetzes erfasst sei. Studien hätten nach Meinung der Antragsteller zudem ergeben, dass das Tragen von Masken für Kinder gesundheitsgefährdend sei.

Neues Programm für Videokonferenzen an Schulen

Mit einem neuen Programm sollen Schulen künftig Videokonferenzen ausrichten können. Die Software mit dem Namen Visavid eigne sich auch für Grundschulen, teilte das Kultusministerium am Freitag in einer Pressemitteilung mit. Sie soll das Lernen in der Pandemie daheim erleichtern.

Visavid ist nach Angaben des Ministeriums ein maßgeschneidertes Programm für Schulen. Die Daten würden nur in großen Rechenzentren der EU verarbeitet, hieß es weiter. Die Software könne auf jedem Gerät mit Internetanbindung via Browser genutzt werden und müsse nicht installiert werden.

Das System Mebis, das wegen technischer Probleme Ende vergangenen Jahres in der Kritik stand, soll unabhängig davon weiter genutzt werden. Bei der Lernplattform können Lehrer und Schüler Inhalte hochladen, aber keine Videokonferenzen durchführen. Bisher kommunizieren viele Schulen per Video mit der Software Microsoft Teams, die noch bis Ende des Schuljahres zur Verfügung steht.

Niedersachsen vor dem Abi: Niemand soll Corona-Nachteile fürchten

Absagen oder Durchziehen? Über das Abitur wurde angesichts der Corona-Krise heftig gestritten. In Niedersachsen starten die Prüfungen am Montag und sind für Minister Tonne ohne Makel möglich. Andere blicken voller Sorge auf die kommenden Wochen.

Die Abiturprüfungen in Niedersachsen starten in der kommenden Woche zum zweiten Mal unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Krise. Für rund 32 000 Prüflinge an mehr als 450 Schulen sind die Abläufe aber an die Auswirkungen der Pandemie angepasst, eine Testpflicht an Klausurtagen gibt es aber nicht, wie es aus dem Kultusministerium in Hannover heißt. «Wir sichern faire Prüfungen zu, keiner muss Nachteile wegen Corona befürchten», hatte Minister Grant Hendrik Tonne (SPD) betont. Trotz einiger Forderungen nach einer Abi-Absage geht es am Montag mit dem Fach Geschichte los.

Am Tag der Prüfung müssen die Schülerinnen und Schüler kein negatives Testergebnis vorweisen. Damit soll das Abi auch für alle möglich sein, die sich nicht testen lassen wollen, begründete das zuständige Kultusministerium. Es gibt aber den dringenden Appell, an Klausurtagen das Testangebot wahrzunehmen. Denn auch für die Verantwortlichen in den Schulen spielen die Corona-Tests eine zentrale Rolle.

«Wir bitten unsere Schüler, dass sie vor den Abitur-Prüfungen sich selbst zu Hause testen und uns dann bestätigen, dass dieser Test negativ war», sagte Katrin Meinen, Schulleiterin an einem Gymnasium in Mellendorf. Bei einem positiven Ergebnis werde um einen zweiten Test gebeten. Fällt der auch positiv aus, sollen die Schüler zu Hause bleiben und einen der Termine zum Nachschreiben nutzen.

«Wir werden also gezwungen, in den sauren Apfel zu beißen», sagte der Schülerratsvorsitzende Florian Reetz, der in diesem Jahr selbst in Braunschweig das Abi schreibt. Vehement hatte sich der Schülerrat zuvor für eine Absage eingesetzt. «Die Prüflinge waren wohl noch nie so unterschiedlich vorbereitet wie 2021», begründete Reetz. Für eine Absage sei es nun zwar zu spät, sollten die Ergebnisse aber regional unterschiedlich oder möglicherweise deutlich schlechter ausfallen, müsse darauf reagiert werden, forderte er.

Die Kultusministerkonferenz hatte vor wenigen Tagen beschlossen, dass die Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland ihre Prüfungen in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie ablegen sollen. Die vorbereitenden Maßnahmen ermöglichen aus Sicht von Minister Tonne anspruchsvolle und zugleich faire Prüfungen. Er sprach von einem «möglichst normalen Weg des Endes der Schulkarriere», der auch der beste Weg sei, um einen Corona-Makel zu verhindern.

Die Gefahr eines Makels sieht der Schulleitungsverband Niedersachsen (SLVN) aber sehr wohl. Das Gremium hatte auch gefordert, auf die Abi-Prüfungen und die Abschlussprüfungen der Jahrgänge 9 und 10 zu verzichten. «Jetzt sind die Schüler Spielball der Pandemie und wir blicken mit Sorge auf die Entwicklung», sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Rene Mounajed. Sollten in der Prüfungsphase Fälle auftreten, drohe ein inhaltlicher und juristischer Rattenschwanz, warnte er.

Von vielen Eltern wird zumindest begrüßt, dass mehr Auswahlmöglichkeiten für Prüfungsaufgaben verfügt wurden, wie der Landeselternrat mitteilte. Aber: «Die Gefährdungslage an den Schulen ist durch die ansteckenderen Virusvarianten massiv angestiegen und hat dem Infektionsgeschehen eine neue Dynamik verliehen», sagte die Vorsitzende Cindy-Patricia Heine. Auch für die Bildungsgewerkschaft GEW stellen die Prüfungen eine riesige Herausforderung dar. «Die Profis in unseren Schulen werden die Prüfungsvorbereitung und -durchführung jedoch trotz der enormen Belastung meistern», sagte die GEW-Vorsitzende Laura Pooth.

Göring-Eckardt fordert früheren Stopp von Präsenzunterricht

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat mehr Schutz vor Corona-Infektionen an Schulen gefordert als mit der geplanten «Bundes-Notbremse» vorgesehen. «Erst ab einer Inzidenz von 200 zu handeln, ist zu spät - das ist kein Schutz für Schüler*innen, und das ist kein Schutz für Eltern», sagte Göring-Eckardt am Freitag bei der Beratung der geplante «Bundes-Notbremse» im Bundestag.

Mit der geplanten Veränderung des Infektionsschutzgesetzes sollen Schulen in Kreisen und Städten mit über 200 Corona-Neuinfektionen pro Woche und 100 000 Einwohnern keinen Präsenzunterricht mehr anbieten. Ab einer Inzidenz vom 100 soll es bei Präsenzunterricht zwei Corona-Tests pro Woche geben. Göring-Eckardt forderte Tests schon bei niedrigeren Inzidenzen.

 

«Wir wissen, dass die Mutation jetzt sehr stark Kinder betrifft, dass die Kinder ihre Eltern anstecken, das wissen wir aus dem Ausland», sagte Göring-Eckardt. Sie machte deutlich, dass die Grünen entsprechende Nachbesserungen am Gesetz wollen. Zugleich forderte sie aber Tempo und kritisierte, dass es nicht schneller als geplant auf den Weg gebracht werden soll.

15.04.2021

Vergleichsweise wenig Schnelltests an Hamburgs Schulen positiv

Die Zahl der positiven Corona-Schnelltests an Hamburgs Schulen ist in den ersten drei Wochen der flächendeckenden Testungen gesunken. Bis einschließlich 8. April seien insgesamt 532 405 Schnell-Selbsttests durchgeführt worden - mehr als 410 000 von Schülern, knapp 120 000 von den Schulbeschäftigten, teilte die Schulbehörde am Donnerstag mit. 613 oder 0,1 Prozent davon seien positiv ausgefallen. Bei den Schülern betrug der Positiv-Anteil 0,13, beim Personal 0,06 Prozent. Während der Anteil der positiven Tests bei den Schülern leicht rückläufig sei, habe er sich bei den Schulbeschäftigen innerhalb der drei Wochen mehr als halbiert, sagte ein Sprecher. Zuvor hatte der NDR darüber berichtet.

Positiv Getestete müssten die Schulen umgehend verlassen und einen PCR-Test machen. Erst wenn dabei eine Infektion bestätigt werde, würden die Zahlen in die Gesamtstatistik zu den Infektionen an den Schulen einfließen. «Durch die Schnellteststrategie ist Schule deutlich sicherer geworden, die Infektionsgefahr konnte erheblich verringert werden», sagte der Sprecher.

Insgesamt seien für die letzten 10 Tage von 143 Schulen 318 Infektionen von Schulbeteiligten gemeldet worden, darunter seien 296 Schülerinnen und Schüler und 22 Schulbeschäftigte. Für 17 Klassen hätten die Gesundheitsämter Quarantänemaßnahmen angeordnet. 714 Schülerinnen und Schüler sowie 72 Schulbeschäftigte seien vorsorglich in Quarantäne. Damit liege der Anteil der infizierten Schulbeteiligten deutlich unter dem Anteil der Schulbeteiligten an der Hamburgischen Gesamtbevölkerung.

Ab kommenden Montag sollen auch die Schülerinnen und Schüler der Vorschulklassen zweimal wöchentlich in der Schule einen Schnelltest machen können. Um die nötigen Erfahrungen zu sammeln, seien die Tests zunächst freiwillig, hieß es.

Eltern können planen: Wechselunterricht mit Tests für die Schulen

In dieser Woche ist für die Schülerinnen und Schüler wieder Homeschooling angesagt. Das soll sich aber in der kommenden Woche ändern - denn die jüngsten Vorgaben des Bundes bremsen die Planungen des Landes kaum aus. Mehr noch: Der Südwesten geht in Vorleistung.

Nach langer Unsicherheit angesichts der steigenden Infektionszahlen schafft das Land Fakten für Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Eltern. Jungen und Mädchen können in den meisten Regionen des Landes von der kommenden Woche an zumindest teilweise auch wieder regulär zur Schule gehen.

Nach Angaben des Kultusministeriums sollen die Schulen wie geplant vom 19. April an in den sogenannten Wechselbetrieb aus Präsenz- und Fernunterricht oder in einen reinen Präsenzunterricht übergehen. Eine Änderung gibt es allerdings bei der Testpflicht: Sie gilt ab Montag unabhängig von der Corona-Belastung einer Region und nicht erst ab der Schwelle von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche.

Das Land setzt damit bereits etwas von der geplanten Neufassung des Bundesgesetzes um, das noch durch den Bundestag und den Bundesrat muss. «Auch wenn nicht auszuschließen ist, dass der Gesetzentwurf des Bundes im Verlauf des Verfahrens noch Änderungen erfährt, wollen wir die Regelung für die Schulen in Baden-Württemberg bereits möglichst passend zur Bundesregelung ausgestalten», heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Schulleitungen. Geimpfte und von Corona genesene Menschen sind von dieser Testpflicht befreit.

Der Wechselunterricht sei möglich für alle Jahrgangsstufen in sämtlichen Schularten und in einem Umfang, in dem die Einhaltung von Abständen und der übrigen Hygienevorgaben sowie die zur Verfügung stehenden Testangebote dies ermöglichten. Im Schreiben an die Schulleitungen macht das Land einige Vorgaben: «Möglich ist zum Beispiel eine Wechselunterrichtsregelung mit mindestens zwei (optional drei) aufeinanderfolgenden Präsenztagen pro Schülergruppe sowie ein Wechselbetrieb im Wochenturnus», heißt es. Könnten die Kommune oder der Schulträger mehr Testkits zur Verfügung stellen, seien auch häufigere Wechsel der Gruppen machbar.

Sonderregelungen sind zudem vorgesehen in Stadt- und Landkreisen mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von über 200. Hier müssen die Schulen verpflichtend auf Fernunterricht umstellen. Am Mittwoch lagen sieben baden-württembergische Kreise über dieser Schwelle. Die Notbetreuung in den Jahrgangsstufen 1 bis 7 soll aber auch in diesen Hochinzidenzgebieten weiter angeboten werden.

Weil die Länder vereinbarte Maßnahmen gegen die dritte Infektionswelle uneinheitlich umgesetzt hatten und die Corona-Lage zugleich mehr und mehr außer Kontrolle gerät, hatte der Bund entschieden, die «Notbremse» in einem Bundesgesetz zu verankern. In Landkreisen mit mehr als 100 wöchentlichen Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern müssen Lockerungen wahrscheinlich vom kommenden Montag an verpflichtend zurückgenommen werden. Das betrifft aktuell mehr als die Hälfte der Landkreise in Deutschland und allein 40 der 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg.

Wegen der weiter steigenden Corona-Infektionszahlen hatte die Schule für viele Kinder und Jugendliche zwischen Mannheim und dem Bodensee am Montag nach den Osterferien zunächst wieder nur im Fernunterricht begonnen. Abgesehen von den Abschlussklassen und den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren legten die Schulen meistens digital los, wenngleich vor allem in den Grundschulen auch noch auf rein analoges Material, also Papier, gesetzt wird.

14.04.2021

Schüler kehren wieder im Wechselmodus in Klassen zurück

Überraschung in NRW: Trotz steigender Corona-Zahlen dürfen alle Schüler abwechselnd wieder zurück in die Klassen kommen. Ab Montag gilt Distanz-Präsenz-Wechselmodus. Die Schulministerin richtet einen Appell an die Eltern.

Die Schüler in Nordrhein-Westfalen sollen ab nächsten Montag wieder wechselweise in die Klassenzimmer zurückkommen. Es sei verantwortbar, zu einem Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzunterricht zurückzukehren, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch in Düsseldorf. Es werde ab der kommenden Woche umgesetzt in den Kreisen und kreisfreien Städten, in denen die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche unter 200 Fällen liege.

In der laufenden Woche lernen die meisten der landesweit 2,5 Millionen Schüler wegen steigender Corona-Zahlen im Distanzunterricht - mit Ausnahme der Abschlussklassen. Zudem ist derzeit Notbetreuung für die Klassen eins bis sechs an Grund- und Förderschulen vorgesehen. Von diesem Homeschooling-Modus kehrt NRW vom Prinzip her wieder zu dem Modell zurück, das vor den Osterferien praktiziert worden war.

Im Präsenzbetrieb gelte eine Pflicht zum Selbsttest für die Schüler - zweimal pro Woche, betonte Gebauer. Das schaffe Sicherheit. Mit dem Wechsel aus Distanz- und Präsenzunterricht gebe man Kindern und Jugendlichen «ein Stück schulischer Normalität zurück». Das Modell solle «für eine längere Zeit» gelten und sei derzeit die «beste Option». Schüler bräuchten Begegnung und soziale Kontakte, aber auch pädagogische Betreuung.

Am Mittwoch lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Inzidenz) laut Robert Koch-Institut in NRW bei 148,4. In sechs Städten und Kreisen lag diese Kennziffer über 200. Nach der aktuellen «Woche der Vorsicht» werde man auch ab nächstem Montag vorsichtig bleiben und zugleich «Gesundheitsschutz und Bildungsauftrag in Einklang bringen», sagte Gebauer. Bei den Abschlussjahrgängen bleibe es bei der aktuellen Regelung.

Deutlich appellierte Gebauer an die Eltern: «Lassen Sie Ihr Kind an den Testungen in den Schulen teilnehmen!» Wenn Kinder oder Jugendliche den Test verweigerten, könnten sie an dem Tag nicht am Unterricht teilnehmen und hätten auch keinen Anspruch auf zusätzlichen Distanzunterricht.

Nach früheren Angaben des Schulministeriums wollen sich 10 bis 20 Prozent der Schüler - 250 000 bis 500 000 Kinder und Jugendliche - nicht selbst in der Schule testen. Auch von Eltern- und Lehrerverbänden war Kritik an der Test-Handhabung gekommen. Gebauer zufolge hat das RKI dringend davon abgeraten, die vielfach geforderten Spucktestes in den Schulen einzusetzen.

Die Opposition in NRW hatte die Vermutung geäußert, dass die Schüler nach den Osterferien zurück ins Homeschooling geschickt wurden, weil nicht genügend Tests für die Schulen vorhanden gewesen seien. Die Schulministerin hatte das zurückgewiesen. Auch für die kommende Woche gebe es ausreichend viele Selbsttests. Nach anfänglichen Lieferverzögerungen laufe es planmäßig. Auf die Frage, ob es sicher sei, dass nächste Woche ausreichend Tests für alle Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stünden, sagte Gebauer am Mittwoch: «Laut Auskunft des Logistikunternehmens (...) ist das sichergestellt.»

Auch das Schulpersonal muss getestet werden, betonte die Ministerin. Die Impfung der Lehrer sei «in vollem Gang». Sie habe aber keine Zahlen, wie viele Lehrkräfte der Grund- und Förderschulen bereits immunisiert worden seien. Gebauer sprach sich dafür aus, auch Lehrerinnen und Lehrer an weiterführenden Schulen beim Impfen vorzuziehen, «weil wir natürlich auch darüber den Unterrichtsbetrieb sicherer gestalten können».

Die Opposition kritisierte Gebauer, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Die SPD begrüßte zwar, dass die Kinder und Jugendlichen ab kommender Woche wieder zur Schule gehen könnten. Es sei aber falsch gewesen, nach den Osterferien wieder in den Distanzunterricht zurückzukehren, meinte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Jochen Ott. Der wahre Grund dafür sei nicht das Infektionsgeschehen gewesen, sondern mangelnde Vorbereitung für die Testungen an den Schulen: «Wir hoffen daher sehr, dass die Schulministerin die Lage in den Griff bekommen hat», so Ott.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer, bezeichnete es dagegen als «verantwortungslos», die Schülerinnen und Schüler in der kommenden Woche wieder in den Wechselunterricht zu schicken. «Denn wir galoppieren in Richtung einer 200er Inzidenz», warnte sie.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält die Entscheidung für nicht nachvollziehbar: Vergangene Woche sei Gebauer noch auf Nummer sicher gegangen, jetzt gehe sie bei steigenden Zahlen ins Risiko. Die Lehrergewerkschaft VBE kritisierte: «Einfach zu sagen, dass die Erfahrungen mit den Testungen gut gewesen sind, gleicht der Vortäuschung falscher Tatsachen.»

Infektionszahlen in Sachsen steigen - Sondersitzung im Landtag

Der Freistaat ist nach Thüringen bundesweit das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Bundesland. Mit der «Bundes-Notbremse» drohen vielerorts Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen. Die Maßnahmen werden auch im Landtag diskutiert.

In Sachsen steigt die Zahl der Neuansteckungen mit dem Corona-Virus weiter. Am Mittwochnachmittag meldete das Gesundheitsministerium in Dresden mehr als registrierte 2400 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Damit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch bei 227,8 - am Tag zuvor waren es noch 212. Bundesweit weist damit nur noch Thüringen mehr Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche auf (254). Deutschlandweit betrug die Inzidenz am Mittwoch 153,2.

In drei sächsischen Landkreisen kletterte die Inzidenz mittlerweile über die 300er-Marke: Im Vogtland, dem Landkreis Zwickau sowie im Erzgebirge. Am niedrigsten ist die Ansteckungsquote derzeit in Leipzig (143) und in Dresden (147).

Am Mittwochabend wollen die zuständigen Landtagsausschüsse zu einer nichtöffentlichen Sitzung zusammenkommen, um über die aktuellen und geplanten Corona-Schutzmaßnahmen der sächsischen Staatsregierung sowie die Maßnahmen im Bund zu beraten.

Das Kabinett hatte am Dienstag die Landesverordnung und damit die bestehen Corona-Regeln bis zum 9. Mai verlängert, um die Neufassung des Bundes zum Infektionsschutzgesetz abzuwarten. Die sogenannte Bundes-Notbremse sieht einheitliche Regelungen für Regionen mit einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100 000 Einwohner vor - dann drohen unter anderem strenge Ausgangsbeschränkungen zwischen 21.00 und 5.00 Uhr sowie die Schließung von Schulen und Kitas. Auch Zoos, botanische Gärten und die meisten Läden müssten dann dichtmachen. Sachsen hatte Nachbesserungen gefordert und Kritik geäußert. So sollte etwa beim Thema Schulen die Länderhoheit gewahrt bleiben, so Minister Oliver Schenk (CDU).

Die Linke im sächsischen Landtag begrüßte zwar ein bundesweit einheitliches Vorgehen, kritisierte aber pauschale Schulschließungen. Der Preis dürfe nicht sein, dass Präsenzunterricht dort entfalle, wo er ermöglicht werden könnte, so die Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg. Die Linke forderte, den Infektionsschutz zu verbessern - etwa durch kostenlose Masken, noch mehr Tests und Lüftungsanlagen.

Nach den Osterferien hatte für Sachsens Schüler der Unterricht mit verschärften Corona-Schutzmaßnahmen und einer Ausweitung der Testpflicht begonnen. Alle Schülerinnen und Schüler müssen sich künftig zwei Mal statt ein Mal pro Woche selbst testen - anders als bisher gilt das nun auch für Grund- und Förderschüler. Ab der fünften Klasse müssen zudem im Unterricht Masken getragen werden.

Weil in der Corona-Krise durch Schulschließungen, Quarantäne, Home-Schooling oder Wechselunterricht der Unterricht an den Schulen nicht wie gewohnt stattfinden konnte, will Sachsen zudem die Lehrpläne anpassen und Inhalte streichen. Dazu gebe es derzeit Gespräche mit Schulleitern, Lehrerverbänden, Schüler- und Elternvertretern sowie Gewerkschaften, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums auf Anfrage am Mittwoch. Eine erste Runde ist für Mittwoch angesetzt, eine zweite für Donnerstag. Zuvor hatte die «Leipziger Volkszeitung» berichtet.

Laut Ministerium soll im Juli eine Entscheidung getroffen werden, wo Abstriche in den Lehrplänen gemacht werden. Streichungen soll es den Angaben zufolge in allen Fächern geben - wegfallen sollen aber keine.

Schule in Corona-Zeiten: Defizite offenbart

Viele Schüler leiden unter den Einschränkungen durch die Corona-Krise. Experten wünschen sich pragmatischere Lösungen. Vor allem beim Thema Digitalisierung gibt es Nachbesserungsbedarf.

Die Corona-Pandemie hat weltweit massive Auswirkungen auf die Lernergebnisse und Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen. Wie gut die Länder mit der Situation klar gekommen sind, hängt meist mit dem Gestaltungsspielraum der Lehrer zusammen. «Bildungssysteme, in denen die Lehrkräfte gewohnt sind, eine innovative Lernumgebung zu schaffen, sind auch in schwierigen Infektionslagen ganz gut und ohne lange Schulschließung durch diese Krise gekommen», sagte der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, am Mittwoch bei der Vorstellung einer Umfrage unter den OECD-Mitgliedstaaten.

In vielen Ländern wurden demnach Präsenz- und Fernunterricht abgewechselt oder die Schüler in Schichten eingeteilt. Auch besondere Förderangebote für benachteiligte Schüler oder Schüler, die keinen Zugang zu digitalen Lernangeboten hatten, waren häufig. Um die Unterrichtszeiten anzupassen, wurde etwa in Portugal und Brasilien das Schuljahr in die Ferien verlängert. Einige Länder setzten im Lehrplan schwerpunktmäßig auf die wichtigsten Fächer. «Da haben viele Länder relativ schnell reagiert», sagte Schleicher. Deutschland sei das nicht so gut gelungen.

Die Studie zeigt aus Sicht von FDP-Fraktionsvize Katja Suding ein altbekanntes Problem: «Unser Bildungssystem ist an vielen Stellen behäbig und langsam», sagte sie. Länder, in denen die Lehrkräfte mehr Gestaltungsspielraum hätten, konnten wesentlich schneller auf die Corona-Krise reagieren und Schüler auch unter den erschwerten Bedingungen deutlich zuverlässiger unterrichten.

In rund 80 Prozent der Länder unterstützt die Regierung laut OECD-Studie den Kauf von technischen Endgeräten für Schüler und Lehrer. Auch in die Infrastruktur ländlicher Gebiete investierten die meisten (80 Prozent). Staaten wie Estland oder Tschechien hätten einen enormen Vorteil gehabt, da sie schon lange vor der Pandemie die digitale Infrastruktur ausgebaut hätten, betonte OECD-Bildungsdirektor Schleicher. Hierzulande habe man zehn Jahre zu spät angefangen. «Deutschland ist von dieser Pandemie im Bereich Digitalisierung kalt erwischt worden.»

In Deutschland beraten Bund und Länder seit einiger Zeit über ein milliardenschweres Nachhilfe-Programm. Das soll allerdings erst im Herbst starten. Man wolle ganz bewusst erst in das neue Schuljahr damit gehen, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Mittwoch im Bundestag mit Blick auf die Belastungen für Familien und Schüler im laufenden Jahr. «Deswegen sollten wir ihnen jetzt nicht noch zusätzliche Aufgaben geben, sondern ab dem Herbst das Nachholprogramm starten.» Sie forderte die Länder - die für Schule selbst zuständig sind - auf, jetzt Lernstände bei den Schülern zu erheben, weil sie nur dann gezielt nachsteuern könnten.

Eine wichtige Lektion aus der Corona-Pandemie ist laut OECD, dass digitale Alternativen für jüngere Schüler kaum funktionieren. «Der Präsenzunterricht ist gerade für jüngere Schüler durch nichts zu ersetzen», sagte der OECD-Experte. Das hätten die meisten Länder auch verstanden, weshalb die Grundschulen oft offen waren, selbst wenn die weiterführenden Schulen geschlossen hatten.

In Deutschland waren Grundschüler nach den Schulschließungen im Winter im Februar als erste wieder in ihre Einrichtungen zurückgekehrt. Nach und nach kamen seit März auch ältere Schüler im Wechselunterricht zurück. Einige Klassen sind aber seit Dezember bis heute nicht wieder in der Schule gewesen und durch die dritte Welle wackelt der ganze Rückkehrprozess.

So hatte etwa Nordrhein-Westfalen an die Osterferien noch eine Woche Distanzunterricht angehängt. Ab nächsten Montag sollen die Schüler nun wieder wechselweise in die Klassenzimmer zurückkommen, sofern der Inzidenzwert jeweils regional unter 200 liegt. In vielen anderen Ländern läuft der Präsenzunterricht bereits wieder, aber die Ungewissheit ist groß, wie lange noch.

Bisher haben die Länder unterschiedliche Regeln: Manche schicken ihre Schüler zurück in den sogenannten Distanzunterricht, wenn die Inzidenz in einer Stadt oder einem Landkreis bei 100 liegt, manche haben höhere Werte, oder gar keinen Grenzwert, wie Sachsen.

Mit der vom Kabinett am Dienstag auf den Weg gebrachten «Bundes-Notbremse», die noch Bundestag und Bundesrat passieren muss, soll es künftig aber bundeseinheitliche Regeln auch bei Schulschließungen geben. Überschreitet in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinander folgenden Tagen die 7-Tage-Inzidenz 200, soll Präsenzunterricht an Schulen untersagt werden.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) begrüßte das Vorhaben. Mit Blick auf das bisherige Verfahren mit Ministerpräsidentenkonferenzen, anschließenden Änderungen der jeweiligen Corona-Landesregelungen und schließlich oft sehr kurzfristigen Informationen für Schulen sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch bei einer Online-Diskussion des Beamtenbundes dbb: «Wenn dieses Bundesgesetz allein dafür schon helfen würde, wäre es glaube ich ein guter Schritt, weil das hat alle Nerven strapaziert.»

Präsenzunterricht und Testpflicht an Schulen im Norden

Wer nach den Osterferien in der Schule am Unterricht teilnehmen will, muss sich in Schleswig-Holstein ab Montag verpflichtend auf Corona testen. Einige Schülergruppen sind davon jedoch ausgenommen.

In den meisten Regionen Schleswig-Holsteins beginnt für die Schüler der Klassen 1 bis 6 am Montag wieder Präsenzunterricht. In den übrigen Stufen werde in elf Kreisen und kreisfreien Städten Wechselunterricht erteilt, sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch in Kiel. Für die Abschlussklassen gibt es weiter überall Präsenzangebote.

In den Kreisen Segeberg, Herzogtum Lauenburg und in Neumünster lernen vorerst alle Jahrgänge in Distanz; für die Schulklassen 1 bis 6 ist Notbetreuung geplant. Das Infektionsgeschehen in Neumünster soll am Donnerstag neu bewertet werden. Im Kreis Pinneberg gibt es - mit Ausnahme der Insel Helgoland - in den Stufen 1 bis 6 Wechselunterricht, in den übrigen findet Distanzlernen statt. «Alle Prüflinge an unseren Schulen - an den allgemeinbildenden wie an den berufsbildenden - werden weiter in den nächsten Wochen wie geplant in aller Ruhe ihre Abschlussprüfungen absolvieren», sagte Prien.

Landesweit brauchen Schüler und Lehrer für die Teilnahme am Unterricht von Montag an zweimal wöchentlich einen Corona-Test. Das Land stelle zwei Selbsttests pro Woche zur Verfügung, die in der Regel in der Schule gemacht werden sollen, erläuterte Prien. Es ist aber möglich, ärztliche Testbescheinigungen oder eine Bescheinigung aus einem Bürgertestzentrum oder einer Apotheke vorzulegen. «Das ist Voraussetzung, um das Schulgebäude betreten zu dürfen.»

Auch Selbsttests zu Hause sind künftig möglich. Dafür sind qualifizierte Selbstauskünfte nötig. «Mit dieser Möglichkeit möchten wir den Eltern entgegenkommen, die zwar grundsätzlich die Testpflicht positiv bewerten, aber Bedenken gegenüber einer Testung in der Schule haben», sagte Prien. Falsche Auskünfte sollen künftig als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Ausgenommen von der Testpflicht sind neben Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf Prüfungskandidaten. Dazu bemerkte die Ministerin: «Wir wollen die Schüler, die seit Jahren auf die Abschlussprüfungen hinarbeiten, nicht durch ein unsicheres Schnelltestergebnis verunsichern.»

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat sagte zum Schulstart nach den Osterferien, die Herausforderungen für die Schulen würden nicht kleiner. «Die Ministerin ist - wieder mal - auf das Verfahren anderer Länder umgeschwenkt und ermöglicht jetzt doch, den Test zuhause durchzuführen, wenn die Eltern darüber eine schriftliche Erklärung unter Wahrheitspflicht abgeben.»

Vor den Osterferien hatte es in den Schulen im Norden bereits Corona-Selbsttests für die Schüler gegeben. An den Schulen wurden früheren Ministeriumsangaben zufolge mehr als 127 000 Tests genutzt. In 78 Fällen habe es ein positives Ergebnis gegeben - das seien 0,06 Prozent der Tests gewesen.

Debatte über Impfpriorisierung - Öffnung für alle Lehrer

In Thüringen können sich nun alle Beschäftigten an Schulen impfen lassen. Doch Termine sind rar und im April praktisch nicht mehr zu bekommen. Unterdessen fordert die Grünen-Fraktionschefin, die Priorisierung ganz aufzugeben. Die CDU hält das für zu früh.

In Thüringen können sich künftig alle Lehrer gegen das Coronavirus impfen lassen. Das gaben die Ministerien für Gesundheit und Bildung am Mittwoch bekannt. Damit kommen nun auch die Pädagogen weiterführender Schulen und von Berufsschulen zum Zuge. Bisher hatte nur das Personal an Grund- und Förderschulen sowie von Kitas die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Bildungsminister Helmut Holter bezeichnete den Schritt als «wichtigen Meilenstein». Gesundheitsministerin Heike Werner (beide Linke) sagte: «Bildung hat Vorrang. Schule muss sicher stattfinden können.»

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Astrid Rothe-Beinlich, hatte sich am Mittwoch für eine generelle Aufhebung der Impfpriorisierung ausgesprochen, damit auch jüngere Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden können. Es sei richtig gewesen, zuerst die Älteren zu schützen, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Jetzt muss es aber darum gehen, auch in die Breite zu impfen.»

Es habe sich gezeigt, dass die Corona-Mutationen vor allem auch Kinder ansteckten und damit auch deren Eltern stärker gefährdet würden. «Deshalb müssen wir jetzt neu nachdenken und auch mobile Gruppen impfen», verlangte Rothe-Beinlich. Werner betonte, man wolle so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich impfen. «Es gibt noch nicht genügend Impfstoff, um die Priorisierung aufheben zu können. Der Ansturm auf die Terminvergabe ist dazu zu groß. Sobald wir Termine freischalten, sind diese in kürzester Zeit vergeben.»

CDU-Fraktionschef Mario Voigt hält die Debatte über eine Aufhebung der Impfpriorisierung für «richtig und sinnvoll», wie er erklärte. «Aber noch sind viele über 70-Jährige und Risikogruppen nicht geimpft. Deswegen müssen wir mit Hilfe der Hausarztpraxen weiter Tempo beim Impfen der Älteren machen.»

In Thüringen werden derzeit hauptsächlich Menschen aus den Prioritätsgruppen eins und zwei geimpft. Dazu zählen unter anderem Menschen über 80 und mit bestimmten Vorerkrankungen sowie beispielsweise Grundschullehrer und Erzieher. Der Freistaat weicht stellenweise von der Bundesimpfverordnung ab und lässt beispielsweise alle Polizisten impfen - auch solche mit Bürojobs.

In einigen Landkreisen mit besonders hoher Inzidenz werden auch schon Menschen der Priorisierungsgruppe drei geimpft. Lehrer weiterführender Schulen gehören eigentlich ebenfalls in die Priorisierungsgruppe drei, sollen nun aber schon vorzeitig geimpft werden können. Holter sagte, er gehe von einer hohen Impfbereitschaft bei den Lehrern aus, «weil ich weiß, wie ungeduldig viele auf diesen Fortschritt gewartet haben».

Um eine Impfung zu bekommen, brauchen Lehrer eine Bescheinigung, die sie im Impfzentrum oder beim Hausarzt vorzeigen müssen. Nach Angaben des Bildungsministeriums sollen diese Bescheinigungen als Formulare an die Schulen geschickt und dort von den Schulleitungen ausgestellt werden. Allerdings sind in Thüringen derzeit alle Impftermine bis Ende April vergeben. Chancen darauf haben Lehrer möglicherweise im Mai oder früher bei einem Hausarzt.

«Ich hoffe, dass sich die Impfstoffmenge, die vom Bund nach Thüringen kommt, in den kommenden Wochen nochmals spürbar erhöht, damit auch genügend Termine zur Verfügung gestellt werden können», sagte der Bildungsminister. Sein Ressort werde die Schulen schnellstmöglich mit den entsprechenden Formularen und Hinweisen versorgen, damit die Berechtigungsnachweise ausgestellt werden können.

KMK-Präsidentin begrüßt «Bundes-Notbremse» für Schulen

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst hat die Pläne für eine bundeseinheitliche Regelung im Umgang mit Schulschließungen grundsätzlich begrüßt. Mit Blick auf das bisherige Verfahren mit Ministerpräsidentenkonferenzen, anschließenden Änderungen der jeweiligen Corona-Landesregelungen und schließlich oft sehr kurzfristigen Informationen für Schulen sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch bei einer Online-Diskussion des Beamtenbundes dbb: «Wenn dieses Bundesgesetz allein dafür schon helfen würde, wäre es glaube ich ein guter Schritt, weil das hat alle Nerven strapaziert.»

Ernst verwies darauf, dass die Schulen oft erst am Freitag nach Beschlüssen im jeweiligen Bundesland informiert werden konnten, was sie am Montag zu tun hätten. «Insofern ist es dann eine Klarheit, dass ab 200 die Schulen im Distanzunterricht sind.» Unterhalb einer Inzidenz von 200 hätten die Länder nach wie vor die Hoheit.

Das Bundeskabinett hatte am Dienstag entsprechende Änderungen des Infektionsschutzgesetzes auf den Weg gebracht. Mit der «Bundes-Notbremse», die noch Bundestag und Bundesrat passieren muss, soll es künftig bundeseinheitliche Regeln im Umgang mit Corona geben. So sind feste Vorgaben für Ausgangsbeschränkungen, Geschäfts- oder Schulschließungen gekoppelt an bestimmte Ansteckungszahlen vorgesehen. Überschreitet in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinander folgenden Tagen die 7-Tage-Inzidenz 200, soll zum Beispiel Präsenzunterricht an Schulen untersagt werden.

Schüler in NRW kehren im Wechselmodell in Klassenzimmer zurück

Die Schüler in Nordrhein-Westfalen sollen ab Montag wieder in die Klassenzimmer zurückkehren dürfen - in einem Wechselmodell. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Düsseldorf am Mittwoch aus Koalitionskreisen. In dieser Woche waren die meisten Schüler direkt nach Ende der Osterferien wegen ansteigender Corona-Zahlen wieder im Distanzunterricht zu Hause. Details der Neuregelung wollte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Nachmittag (15.00 Uhr) vorstellen.

Die Möglichkeit, abwechselnd wieder in den Unterricht zurückzukehren, wird nach dpa-Informationen gedeckelt: Wo die Schwelle von 200 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten wird, darf es keinen Präsenzunterricht mehr geben. Damit nimmt NRW die Regelung der geplanten «Corona-Notbremse» des Bundes vorweg.

Neun Schüler klagen am OVG gegen Testpflicht an Schulen

Am nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht in Münster sind weitere Klagen zur Testpflicht an Schulen eingegangen. Nachdem sich Anfang der Woche bereits ein Schulträger in freier Trägerschaft aus dem Kreis Euskirchen an das OVG gewandt hatte, sind jetzt neun Klagen von Schülern in Münster eingegangen. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin kommen die Schüler, die von ihren Eltern vertreten werden, aus Löhne, Paderborn, Lippstadt, Herford, Bad Oeynhausen (alle Ostwestfalen) sowie Solingen im Bergischen Land und drei aus Würselen bei Aachen.

Schüler, die keinen negativen Nachweis vorweisen können und einen Corona-Test verweigern, müssen nach Vorgaben des Landes vom Unterricht ausgeschlossen werden. Derzeit gibt es in NRW mit Ausnahmen der Abschlussklassen seit den Osterferien allerdings keinen Präsenzunterricht.

Das OVG wird nach Angaben einer Sprecherin frühestens in der kommenden Woche über die Frage entscheiden.


13.04.2021

Noch offene Fragen bei Corona-Testpflicht für Schulen

Bildungsverbände und Gewerkschaften sehen die Corona-Testpflicht an Hessens Schulen als sinnvolles Instrument. Für die Praxis bleiben nach Einschätzung der Experten aber noch offene Fragen.

Die Gewerkschaft GEW spricht sich dafür aus, die verpflichtenden Corona-Tests für Schulkinder in Hessen zu Hause und nicht in der Schule zu machen. Damit wäre gewährleistet, dass mit dem Coronavirus infizierte Kinder gar nicht erst in die Schule kommen, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Wiedwald, am Dienstag in Frankfurt. Zudem wären die Kinder bei einem positiven Corona-Test dann gleich zu Hause bei ihren Eltern.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat die Testpflicht für die Schulen für nach den Osterferien - also ab nächster Woche (19. April) - angeordnet. Die Testverpflichtung zweimal pro Woche für Lehrer und Schüler sei derzeit unerlässlich für einen sicheren Schulbetrieb, hatte der Minister die Maßnahme gegründet.

Für den Testnachweis können Schüler und Lehrer zwischen zwei Varianten wählen: Dem kostenfreien Bürgertest außerhalb der Schule oder den ebenfalls kostenfreien Selbsttest, der den Schulen vom Land zur Verfügung gestellt wird. Akzeptiert werden auch Nachweise, die mit zeitlichem Bezug auf den Beginn des jeweiligen Schultages nicht älter als 72 Stunden sind. Alle Schüler, die keinen Test vorweisen können oder diesen nicht in der Schule machen, müssen zu Hause im Distanzunterricht lernen.

Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann, begrüßte die Entscheidung, dass auch außerhalb der Schule gemachte Corona-Tests akzeptiert werden. Die Lehrer seien kein medizinisches Hilfspersonal, sondern Pädagogen. Grundsätzlich seien die Tests wegen der aktuellen Corona-Zahlen die richtige Entscheidung.

Auch der Lehrerverband Hessen nannte es eine gute Alternative, dass es die Möglichkeit für einen Bürgertest in einem Testzentrum geben wird. Das sei ein gutes Angebot für allen Eltern, die ihre Kinder nicht in der Schule testen lassen wollen und entlaste auch die Schulen. Das Kultusministerium müsse jedoch verbindlich regeln, wie die Tests vor dem Unterricht ablaufen sollen. Dabei gehe es auch um Fragen der Arbeitszeit, der Haftungspflicht sowie der Gesundheit.

Für die Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 bleibt es in Hessen nach den Osterferien grundsätzlich bei Wechselunterricht. Die Jahrgänge ab Klasse 7 werden wie schon vor den Ferien im Distanzunterricht und die Abschlussklassen im Präsenzunterricht bleiben.

Die GEW-Vorsitzende äußerte Verständnis dafür, dass die Landesregierung damit auf die aktuellen Corona-Zahlen reagiert. Die Kinder im Homeschooling benötigten aber mehr Ansprache und Unterstützung. Dafür sei zusätzliches Personal nötig. Unbürokratisch könnten für diese Hilfestellungen für die Kinder etwa auch Studenten eingesetzt werden, schlug Wiedwald

Studie: Corona-Schulschließungen in sozialen Brennpunkten häufiger

Nordrhein-westfälische Schulen an Orten mit sozialen Problemen mussten in der zweiten Jahreshälfte 2020 einer aktuellen Studie zufolge im Schnitt häufiger coronabedingt schließen als andere. Wissenschaftler der Universitäten in Bochum und Osnabrück sehen darin einen Beleg für die von vielen Experten befürchtete Verschärfung von Bildungsungleichheit in der Pandemie. Teilschließungen der Schulen waren etwa dort überproportional häufig, wo Kinderarmut verbreitet ist.

«Wir sehen, dass soziale Faktoren die Wirkung von Corona auf das Bildungsgeschehen beeinflussen. Die Schwächsten zeigen eine größere Vulnerabilität», sagte der Osnabrücker Bildungsforscher Christian Reintjes laut Mitteilung der Ruhruniversität Bochum von Dienstag. Schulen, die schwierige Ausgangslagen haben, müssten daher mehr Ressourcen zur Umsetzung von Förderunterricht oder für kleinere Klassen erhalten, forderten die Forscher. «Sonst wird Bildungsungleichheit noch größer werden.»

In der in einem Sammelband veröffentlichten statistischen Analyse stellen die Forscher neben Faktoren wie Schulgröße oder allgemeinem Infektionsgeschehen einen deutlichen Zusammenhang zu sozialen Problemen im Umfeld der Schulen fest. So mussten im Zeitraum nach den Sommerferien 2020 bis kurz vor Weihnachten, als Schulen nach vorangegangner Corona-Zwangspause landesweit grundsätzlich in den Regelbetrieb zurückkehren sollten, solche Schüler und Schülerinnen besonders häufig in den Distanzunterricht zurückkehren, deren soziale, familiäre, wohnliche oder technische Voraussetzungen genau dafür besonders ungünstig seien, so das Fazit der Autoren.

Impfportal in Sachsen ab Freitag für alle Lehrer freigeschaltet

In Sachsen können sich ab Ende der Woche mehr Lehrer als bisher impfen lassen. Das Impfportal werde für alle Lehrerinnen und Lehrer freigeschaltet, kündigte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts an. Bisher galt das Angebot für Lehrer an Förder- und Grundschulen, künftig sollen auch Lehrer an Oberschulen und Gymnasien sowie das Personal an den Schulen entsprechende Angebote wahrnehmen können.

Schulen im Saarland gehen doch nicht zurück in Vollpräsenz-Unterricht

Schulklassen im Saarland sollen anders als geplant nicht vom 19. April wieder vollständig in den Präsenzunterricht zurückkehren. Es bleibe zunächst zwei weitere Wochen beim Wechselbetrieb zwischen Lernen von zuhause und Unterricht im Klassenraum, teilte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) nach der Entscheidung im Kabinett am Dienstag mit. «Den Wechsel in die Vollpräsenz werde ich nicht im Blindflug vollziehen.» Vor dem Hintergrund «einer leider nicht ausreichend klaren Infektionslage im Land» wolle man «kein unnötiges Risiko» eingehen, hieß es aus Kreisen.

Die Rückkehr zur Vollpräsenz ist ein großes Anliegen der Ministerin. Es gebe derzeit aber ein sehr diffuses Infektionsgeschehen, die Lage sei nach den Öffnungsschritten im Rahmen des «Saarland-Modells» sehr unübersichtlich, hieß es. «Die Stabilität und die Ruhe im System», die derzeit herrsche, sei nun wichtiger - auch mit Blick auf die schriftlichen Abiturarbeiten, die am 23. April beginnen. Mit einer Rückkehr in den Präsenzunterricht war eine Testpflicht an den weiterführenden Schulen geplant.

Im Zuge der Entscheidung gegen Vollpräsenz an Schulen habe der Koalitionspartner SPD kritisiert, dass das Monitoring des «Saarland-Modells» unzureichend sei, hieß es weiter aus Kreisen. Die Entwicklung der Lage müsse von Experten genau und nachvollziehbar beobachtet und bewertet werden, um Entscheidungen begründet treffen zu können. Es dürfe nicht sein, dass politisch entschieden werde, ob etwa die Ampel im Modell auf Rot gehe oder nicht - dies müsse stattdessen aufgrund von fachlicher Empfehlung geschehen.

Im bundesweit beachteten Öffnungsmodell im Saarland war die Ampel am Montag wegen einer Inzidenz über 100 an drei Tagen in Folge auf Gelb gesprungen. Es gilt nun eine erweiterte Testpflicht, auch in weiten Teilen des Einzelhandels.

Nach Maskenpflicht-Urteil: Anzeigen gegen Amtsrichter von Weimar

Der Richter des Amtsgerichts Weimar, der ein umstrittenes Urteil zur Maskenpflicht an zwei Thüringer Schulen gefällt hat, steht nun selbst im Fokus der Justiz. Bei der Staatsanwaltschaft Erfurt seien mehrere Strafanzeigen gegen den Mann eingegangen, sagte der Sprecher der Behörde, Hannes Grünseisen, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Darin werde dem Mann vorgeworfen, sich mit seiner Entscheidung der Rechtsbeugung schuldig gemacht zu haben. «Wir haben daher einen Prüfvorgang angelegt», sagte Grünseisen. Wie lange diese Prüfung dauern werde, lasse sich noch nicht sagen. Zuvor berichtete MDR Thüringen.

Der Richter hatte in einem von ihm verfassten Beschluss im Wege einer einstweiligen Anordnung verfügt, dass Kinder an zwei Schulen in Weimar entgegen des geltenden Hygienekonzepts des Bildungsministeriums keine Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht tragen müssten. Das Bildungsministerium geht inzwischen gegen den Beschluss vor. Es hält ihn aus mehreren Gründen für unzulässig. Unter anderem habe der Richter seine Kompetenz überschritten, weil für Entscheidungen zu Hygienekonzepten die Verwaltungsgerichte zuständig seien, argumentiert das Ministerium.

Elternumfrage: Unterschiede beim Homeschooling enorm

Beim Distanzunterricht sind die Unterschiede zwischen den Schulen einer Eltern-Befragung zufolge erheblich. Die Homeschooling-Situation habe sich im zweiten Lockdown der Schulen in Deutschland im Vergleich zum ersten insgesamt verbessert - etwa bei Anschaffung digitaler Endgeräte und Lernplattformen, bilanzierte eine am Dienstag vorgestellte Studie von Professorinnen der TU Dortmund und Uni Marburg. Zwischen dem 3. Februar und 26. März 2021 waren dafür bundesweit rund 3480 Eltern zur Qualität des Distanzunterrichts befragt worden.

Es seien große Unterschiede zwischen Grund- und weiterführenden Schulen, aber auch in Einrichtungen der gleichen Schulform deutlich geworden. Während es mancherorts weiter keinen Unterricht per Video gebe, werde an anderen Schulen über Lernplattformen umfänglich online nach Stundenplan unterrichtet, schilderte die Dortmunder Forscherin Ricarda Steinmayr. Zum Zeitpunkt der Befragung lernten die Kinder im Mittel seit sieben Wochen daheim. Häufig seien Kinder durch die Schließungen belastet, weil soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten fehlen. Das gelte vor allem bei Grundschülern und jüngeren Kindern der weiterführenden Schulen. Es sei zu befürchten, dass Leistungsunterschiede zwischen den Schülern weiter zunehmen.

Lediglich 30 Prozent der befragten Eltern berichteten, dass ihre Kinder mindestens zweimal pro Woche in Deutsch und Mathematik Unterricht erhielten. Viele wünschten sich auch mehr Feedback und Austausch mit den Lehrkräften. Die Umfrage gilt nicht als repräsentativ, weil drei Viertel der Eltern über ein (Fach-)Abitur verfügten - und die Stichprobe damit ein weit höheres Bildungsniveau spiegele als in der durchschnittlichen Bevölkerung gegeben sei.

Guter Distanzunterricht wirke sich positiv auf Motivation und Lernfortschritt der Schüler aus. Es sei aber nicht gelungen, bei der Quantität zu vergleichbaren Angeboten zu kommen. Die Wissenschaftlerin riet dazu, «alle Möglichkeiten für den Präsenzunterricht während der Pandemie auszuschöpfen und Distanzunterricht lediglich als Ultima Ratio zu betrachten.» In NRW wird seit Montag wieder im Homeschooling-Modus gelernt, nur für die Abschlussklassen erfolgt Präsenzunterricht.

CDU fordert Präsenzunterricht unabhängig von der Inzidenz

In einem Fünf-Punkte-Plan macht die Thüringer CDU Vorschläge wie Präsenzunterricht auch bei einer hohen Corona-Inzidenz funktionieren soll. Doch auf Bundesebene wird längst eine Notbremse auch für Schulen diskutiert. Ob sie kommt, ist aber völlig unklar.

Testpflicht, Wechselunterricht und feste Klassen: Die Thüringer CDU wirbt für eine Rückkehr zum Präsenzunterricht an den Schulen - unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz. «Alle Jahrgangsstufen müssen endlich zurück in den Präsenzunterricht», erklärte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Tischner. Zudem forderte er, auch Lehrern von weiterführenden Schulen «endlich ein Impfangebot zu unterbreiten». Bisher darf sich nur das Personal von Grund- und Förderschulen impfen lassen.

In einem Positionspapier spricht sich die CDU-Fraktion für eine Corona-Testpflicht zweimal pro Woche für alle Schüler und Lehrer aus. Wer sich nicht in der Schule testen will, solle dies auch zu Hause machen können.

Außerdem sollte nach Meinung der CDU eine Maskenpflicht im Unterricht nur für Schüler ab der fünften Klasse eingeführt werden - statt für alle Klassenstufen, wie dies seit Montag in Thüringen gilt. Die Regelung des Bildungsministeriums hatte für Kritik gesorgt. Das Amtsgericht in Weimar hob die Maskenpflicht per Beschluss an zwei Schulen in Weimar teils auf. «Wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo sich die Landesregierung die Frage gefallen lassen muss, wer die Verantwortung für dieses permanente Schulchaos übernimmt», erklärte Thüringens CDU-Fraktionschef Mario Voigt.

An weiterführenden Schulen soll es nach CDU-Vorstellungen Wechselunterricht in den Klassen geben, das bedeutet: Ein Teil der Klasse lernt zu Hause, ein anderer Teil in der Schule im Präsenzunterricht. Ausgenommen sein sollen davon etwa Abschlussklassen. In Grund- und Förderschulen sollte es nach Ansicht der CDU-Fraktion strikt getrennte Klassen geben.

Oberste Priorität habe «die Öffnung aller Thüringer Schulen unabhängig von einem Inzidenzwert», heißt es in dem CDU-Papier. Über eine Schließung von einzelnen Schulen soll demnach das jeweilige Gesundheitsamt entscheiden.

Allerdings könnten die Thüringer CDU-Vorstellungen schon bald von der geplanten Änderung des Infektionsschutzgesetzes auf Bundesebene überdeckt werden. Ein erster Entwurf sieht vor, dass Schulen geschlossen werden, wenn die Inzidenz über den Wert von 200 steigt. Ob diese Regelung auch vom Bundestag beschlossen wird, ist ungewiss.

12.04.2021

Elternverbände gegen Corona-Tests in Klassenzimmern

Zwei Elternverbände haben gefordert, Corona-Tests für Schüler in Klassenzimmern zu stoppen. «Testungen sollen in Eigenverantwortung vor Antritt des Schulweges zuhause oder extern von geschultem Personal vor der Schule durchgeführt werden», heißt es in einem Offenen Brief des Landeselternverband Bayerischer Realschulen und des Bayerischen Elternverbandes an Ministerpräsident Markus Söder (CSU). «Klassenzimmer sind keine Testzentren.»

Seit Montag ist im Freistaat für die Teilnahme am Unterricht in den Klassenräumen ein Corona-Test verpflichtend. Alle Schülerinnen und Schüler, die sich in den Schulgebäuden aufhalten - sei es im Präsenzunterricht, im Wechselmodell oder in der Notbetreuung - müssen künftig zwei Mal pro Woche in der Schule einen Selbsttest machen oder einen aktuellen negativen PCR- oder Schnelltest vorlegen. Bei einer Inzidenz von über 100 kann dies je nach Unterrichtsmodell sogar noch häufiger der Fall sei.

Die Elternverbände argumentierten, Ansteckungen müssten bereits auf dem Schulweg vermieden werden. Zudem müssten auch Lehrkräfte geschützt «und nicht als medizinisches Personal missbraucht werden».

Hessen führt Corona-Testpflicht für Schulen ein

Nach den Osterferien soll es erst erstmal keine weiteren Öffnungen an Hessens Schulen geben. Die Corona-Pandemie lasse dies derzeit nicht zu, erklärte Kultusminister Lorz. Für die Teilnahme am Präsenzunterricht soll es eine neue Hürde geben.

Hessen will eine Corona-Testpflicht für die Schulen im Land einführen. Das kündigten Ministerpräsident Volker Bouffier und Kultusminister Alexander Lorz (beide CDU) am Montag in Wiesbaden nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts an. Die Regelung soll nach den Osterferien ab nächster Woche (19. April) gelten. Die Testverpflichtung zweimal pro Woche für Lehrer und Schüler sei derzeit unerlässlich für einen sicheren Schulbetrieb, betonte Lorz.

Für den Testnachweis könne zwischen zwei Varianten gewählt werden: Dem kostenfreien Bürgertest außerhalb der Schule oder den ebenfalls kostenfreien Selbsttest, der den Schulen vom Land zur Verfügung gestellt werde. Akzeptiert werden nach Angaben von Lorz auch Nachweise, die mit zeitlichem Bezug auf den Beginn des jeweiligen Schultages nicht älter als 72 Stunden sind.

Alle Schüler, die keinen Test vorweisen können oder diesen nicht in der Schule machen, müssen zu Hause im Distanzunterricht lernen, erklärte der Kultusministers. Schüler können durch ihre Eltern schriftlich von der Teilnahme am Unterricht an der Schule abgemeldet werden. Volljährige Schüler könnten diesen Schritt auch selber machen.

Weitere Öffnungen an den Schulen könne es zunächst nicht geben, sagte Lorz mit Blick auf die Infektionszahlen. Für die Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 bleibe es nach den Osterferien grundsätzlich bei Wechselunterricht. Die Jahrgänge ab Klasse 7 werden wie schon vor den Ferien im Distanzunterricht und die Abschlussklassen im Präsenzunterricht bleiben. Die Corona-Zahlen seien weiter zu hoch. Deshalb sei nun nicht die Zeit für Lockerungen, erklärten beide Politiker.

Die Abiturprüfungen sollen wie geplant ab dem 21. April an Hessens Schulen geschrieben werden, kündigte Lorz an. Alle Prüflinge erhielten vor jeder Prüfung die Möglichkeit eines freiwilligen Selbsttests. Schüler, die diesen nicht machen möchten, können auch an der Prüfung teilnehmen. Sie müssten dann jedoch eine medizinische Maske tragen.

Auch in den Kitas werde es weiterhin ein regelmäßiges Testangebot für die Erzieherinnen geben. Die kleinen Kinder sollen aber von Testungen weiter ausgenommen werden, erklärte der Ministerpräsident. Es werde kein sogenanntes Betretungsverbot für die Kitas geben. Er appelliere jedoch an die Eltern, ihre Kinder möglichst zuhause zu betreuen, sagte Bouffier.

Das Corona-Kabinett passte wegen der aktuell Corona-Lage zudem das Eskalationskonzept in Hessen nochmals an. Demnach sei es bereits ab einer Inzidenz von 100 möglich, weitere Maßnahmen wie eine Ausgangsbeschränkung als «Ultima Ratio» vorzunehmen, erklärte der Regierungschef. Die neuen hessischen Verordnungen sollen vom 19. April bis 9. Mai gelten.

Präsenzpflicht im Wechselmodell an Grundschulen ab kommenden Montag

In den Brandenburger Grundschulen soll ab der kommenden Woche im Rahmen des Wechselunterrichts wieder die Präsenzpflicht gelten. Nach Angaben des Landeselternrates hat Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) die Eltern darüber in einem Brief informiert. Zunächst berichteten die «Potsdamer Neuesten Nachrichten» darüber. Schülerinnen und Schüler müssen sich demnach ab 19. April zwei mal wöchentlich testen lassen, um am Unterricht teilnehmen zu dürfen. Die Bildungsministerin hält die Schulen damit für sicher. Tests seien ausreichend vorhanden. Mit der Testpflicht blieben die Hygieneregeln - etwa Abstandsgebot und Maske tragen - bestehen. «Es ist kein Test mit dem man sich irgendwie freitestet», hatte Ernst vergangene Woche im Gesundheitsausschuss betont.

Seit diesem Montag lernen Schülerinnen und Schüler der Grundschulen wieder im Wechselunterricht. Das gilt auch für Abschlussklassen und Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung. Weiterführende Schulen sind dagegen vorerst wieder geschlossen. Schülerinnen und Schüler von Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien müssen zum Schutz vor dem Coronavirus zuhause lernen.

Landesschülerrat fordert Planungssicherheit für Lernende und Schulen

Der Landesschülerrat in Brandenburg hat die Kommunikation des Bildungsministeriums bei der Öffnungsstrategie für die Schulen unter anderem mit Selbsttests kritisiert. «Derzeit passieren sehr viele Dinge adhoc und oftmals ungeplant, wie es scheint», sagte die Vorsitzende Katharina Swinka der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Es fehle Planungssicherheit für die Schulen und die Lernenden. Die Kommunikation mit den Schulen habe viel zu spät stattgefunden, schätzte sie es ein.

Seit diesem Montag lernen Schülerinnen und Schüler der Grundschulen wieder im Wechselunterricht. Das gilt auch für Abschlussklassen und Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung. Weiterführende Schulen sind in Brandenburg dagegen vorerst wieder geschlossen. Schülerinnen und Schüler von Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien müssen zum Schutz vor dem Coronavirus zuhause lernen. Ab 19. April sind zweimal pro Woche Corona-Tests Pflicht - sie sind die Voraussetzung, um die Schulen zu betreten. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hält die Schulen damit für sicher.

Der Landesschülerrat sei an der der Corona- Teststrategie für die Schulen mit beteiligt gewesen, wie Swinka berichtete. Zuhause zu testen sei flexibler, da Brandenburg ein Flächenland sei und nicht alle Schüler schnell zu ihrer Schule kämen, erläuterte sie. Zum Distanzunterricht für die weiterführenden Schulen sieht Swinka, die Schülerin der 12. Klasse einer Gesamtschule in Potsdam ist, derzeit keine Alternative. Es gebe in den oberen Klassen mehr Corona-Infektionen als an den Grundschulen. Die Erfahrungen der letzten Monate hätten auch gezeigt, dass die Umsetzung des Präsenzunterrichts an den weiterführenden Schulen etwa mit Klassenteilungen «unglaublich schwierig» war.

Die Vorsitzende des Landeselternrates forderte zudem, dass bereits jetzt auf die Abschlussklassen des kommenden Jahres geschaut werden muss und nicht erst in zwei bis Monaten. «Sonst stehen wir vor dem gleichen Problem wie dieses Jahr, das hilft uns allen nicht.»

Schulstart auf Distanz - Tests noch nicht überall angekommen

Für die große Mehrheit der Schüler hat der Unterricht nach Ostern zunächst als Homeschooling begonnen. Die Abiturienten sollen in die Klassenräume kommen, manche blieben aber daheim. Bei den Selbsttests sind noch einige unversorgt.

Zum Unterrichtsbeginn nach den Osterferien am Montag haben noch nicht alle Schulen lückenlos die zugesagten Selbsttest-Lieferungen erhalten. Es gebe in NRW einzelne Ausnahmen, «bei denen eine Erreichbarkeit vor Ort nicht sichergestellt werden konnte», ansonsten seien alle Schulen versorgt, hieß es aus dem Schulministerium in Düsseldorf. Es könne planmäßig im Laufe dieser Woche zwei Mal getestet werden. Das gilt zunächst für Schüler der Abschlussklassen und Kinder bis zu sechsten Klasse, für die eine Notbetreuung sichergestellt ist. Alle anderen Kinder und Jugendliche starteten im Homeschooling-Modus.

Wie es danach weitergeht, sei noch offen, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) im WDR. Das Infektionsgeschehen habe sich in den vergangenen Tagen nochmals dramatisch verändert. Laut Philologenverband NRW meldeten sich einige Abiturienten vom Präsenzunterricht ab, weil sie nicht riskieren wollten, sich anzustecken oder während der Prüfungen in Quarantäne gehen zu müssen. Die Tests seien noch nicht an allen Schulen angekommen.

Und auch dort, wo es sie gibt, sind nicht alle glücklich: «Die Lehrkräfte haben während der Beaufsichtigung der Tests ein sehr ungutes Gefühl, fühlen sich im Rahmen des Gesundheitsschutzes nicht sicher», schilderte die Verbandsvorsitzende Sabine Mistler. Das treffe auch auf viele Schüler zu. Es sei ärgerlich, dass die Tests noch von der wertvollen Unterrichtszeit abgeknapst würden, sie sollten besser vorher und von geschulte Personen durchgeführt werden.

Das Schulministerium verwies darauf, dass die Schulen bei Organisation und Gestaltung des Distanzunterrichts bereits auf einige Erfahrungen zurückgreifen könnten. Das Testen an den weiterführenden Schulen stelle sicher, dass Abschlussjahrgängen eine intensive Vorbereitung auf die anstehenden Prüfungen ermöglicht werde. Die Landesschülervertretung forderte angesichts enormer auch psychischer Belastungen einen «Freiversuch» bei allen Abschlüssen. «Das bedeutet konkret, dass die Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit haben, die Prüfung noch einmal abzulegen.»

In NRW müssen seit Montag im Grundsatz alle Schüler zwei Mal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen. Wer das verweigert, darf nicht in die Klassenräume kommen. Das gilt auch für die Schüler in der Notbetreuung. Eine Ausnahme wird aber für die aktuellen Prüflinge gemacht: Diese können auch ohne Selbsttest im Präsenzmodus lernen, werden dann von den getesteten Mitschülern separiert.

Viele hatten damit gerechnet, dass es nach Ostern für alle rund 2,5 Millionen Schüler mit dem Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzunterricht weitergehen würde. Die kurzfristig mitgeteilte Planänderung hatte auch Kritik und Enttäuschung ausgelöst.

Die Landeselternschaft der integrierten Schulen hält zwar eine Einschränkung des Präsenzunterrichts für dringend geboten, wie sie am Montag mitteilte. Die erneute kurzfristige Einführung des Distanzunterrichts schaffe aber mehr Probleme als sie löse, die vorgesehenen Ausnahmen seien «fehlerhaft gesetzt». Eltern bräuchten nun schnell klare Perspektiven zur weiteren Planung bis zu den Sommerferien.

Bildungssenatorin Scheeres verteidigt Schulöffnungen in Berlin

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat mit Blick auf das Kindeswohl die Öffnung der Schulen an diesem Montag verteidigt. «Die 7. bis 9. Klassen waren insgesamt vier Monate nicht in der Schule», sagte Scheeres am Montagmorgen im RBB-Inforadio. «Sie haben ja auch mitbekommen, dass es den Kindern einfach nicht gut geht, wenn sie über einen langen Zeitraum ihre Freunde und ihre Lehrkräfte nicht sehen und über einen langen Zeitraum zu Hause sind.» Es sei keine einfache Situation: «Auf der einen Seite das Recht auf Bildung und auf der anderen Seite natürlich auch der Gesundheitsschutz.»

Sie verstehe die Bedenken von Eltern und Lehrern, sagte Scheeres. Es gebe keine Präsenzpflicht. Die Eltern könnten also selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schickten oder nicht. Für die Lehrer stünden umfangreiche Testkapazitäten bereit. Ab nächster Woche sollen auch die Schüler zwei Mal pro Woche in der Schule getestet werden. Zudem würden derzeit weitere 800 000 FFP2-Masken an die Einrichtungen ausgeliefert. «Das sind alles Maßnahmen, die begleitend sind, um hier den Gesundheitsschutz zu gewährleisten», sagte Scheeres.

Nach dem Ende der zweiwöchigen Osterferien öffnen Berlins Schulen am Montag wieder. Obwohl das Corona-Infektionsgeschehen auch vor den Schulen nicht halt macht, sollen die meisten Schüler wie schon seit geraumer Zeit Wechselunterricht bekommen. Sie lernen dabei in halben Klassen abwechselnd in der Schule und mit Hilfe digitaler Lösungen zu Hause. Eine Ausnahme bilden Schüler der 7. bis 9. Klassen, aber nur noch eine Woche. Sie sollen nach vier Monaten Homeschooling am 19. April mit dem Wechselunterricht starten.

Testpflicht an Schulen in Niedersachsen und Bremen beginnt

Verpflichtende Corona-Tests für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sollen den Unterricht in Niedersachsen und Bremen sicherer machen. Wer sich nicht testen lässt, muss künftig zuhause lernen.

Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen und Bremen müssen sich von diesem Montag an zwei Mal pro Woche selbst auf das Coronavirus testen. Auch für das Personal gilt eine Testpflicht. «Zwei Tests in einer Woche sind geeignet, um effektiv Verdachtsfälle herauszufiltern», sagte der Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums, Sebastian Schumacher, mit Verweis auf eine wissenschaftliche Empfehlung. Die Schulen verteilen sogenannte Laientests für den vorderen Nasenbereich, die das Ergebnis nach rund 15 Minuten anzeigen.

In Niedersachsen müssen sich Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte zuhause vor Unterrichtsbeginn testen. Eltern und Erziehungsberechtigte müssen das negative Testergebnis schriftlich bestätigen. Schulen können auch verlangen, dass die benutzten Testkits gezeigt oder abgegeben werden. Wer ein positives Test-Ergebnis hat, muss die Schule informieren und einen noch zuverlässigeren PCR-Test machen lassen. Dieser klärt, ob der oder die Betroffene tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert ist. Im Bundesland Bremen testen sich die Jungen und Mädchen in der Schule. Auch dort muss ein positiver Schnelltest durch einen PCR-Test abgeklärt werden.

Die Präsenzpflicht ist in beiden Bundesländern aufgehoben. Eltern und Erziehungsberechtigte können ihre Kinder ohne Angabe von Gründen abmelden. Diese Schülerinnen und Schüler müssen zuhause lernen und erhalten dafür Arbeitsmaterial. An den strengen Corona-Regeln für den Schulalltag ändert sich durch die Testpflicht vorerst nichts. Abstands- und Hygieneregeln, Lüftkonzepte und die Pflicht zum Tragen einer Maske außerhalb und zum Teil im Unterricht bleiben bestehen. In Niedersachsen werden die Klassen weiter in kleinen Gruppen abwechselnd zuhause und in der Schule unterrichtet. In Bremen kommen Kinder der Grundschulen in voller Klassenstärke zusammen, in den weiterführenden Schulen gilt wie in Niedersachsen das Wechselmodell.

Die Öffnung der Schulen ist in Niedersachsen abhängig von der Inzidenz im Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Diese zeigt, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohner sich in den vergangenen 7 Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Oberhalb von einer Inzidenz von 100 wechseln alle Schülerinnen und Schüler in den Distanzunterricht - außer Grundschulen und Abschlussklassen.

Das Land Niedersachsen hatte bis Anfang April rund 13 Millionen Testkits bei verschiedenen Anbietern für Landesbedienstete und für Schulen gekauft. Die Preise lagen dabei zwischen 3,42 Euro und 5,35 Euro pro Selbsttest inklusive Mehrwertsteuer, wie der Sprecher des für die Beschaffung zuständigen Innenministeriums, Pascal Kübler, mitteilte. Weitere Beschaffungen von Selbsttests seien im Vergabeverfahren geplant. Die Liefermengen belaufen sich demnach im Durchschnitt auf zwei bis drei Millionen Tests. «Damit sollte gewährleistet werden, dass Lieferausfälle und mangelnde Termintreue bei einzelnen Lieferanten kompensiert werden können.» 

11.04.2021 

Lehrerverband kritisiert Corona-Schulpolitik als «Trauerspiel»

Mainz (dpa/lrs)Mangelnde digitale Ausstattung und fehlende Corona-Tests: Der Philologenverband in Rheinland-Pfalz hat den Umgang der Landesregierung mit der Corona-Krise in Bezug auf die Schulen heftig kritisiert. Die Politik sei «in essenziellen Teilen ein Trauerspiel», sagte die Vorsitzende des Landesverbands, Cornelia Schwartz, einer Mitteilung von Sonntag zufolge. Die «erwiesenermaßen falsche Corona-Schulpolitik» habe fatale Folgen für die Gesundheit von Lehrern, Schülern und Familien. Dem Bildungsministerium in Mainz warf Schwartz vor, Warnungen des Verbands in den Wind geschlagen zu haben.  

Thüringer Ministerium: Maskenpflicht nach Ferienbeginn bleibt

Thüringens Schüler müssen mit Schulbeginn nach den Osterferien am Montag eine Schutzmaske tragen. Daran ändere auch ein Urteil des Amtsgerichts Weimar in einer Familiensache nichts, teilte das Thüringer Bildungsministerium am Sonntag in Erfurt mit. Das Urteil, das in vielen Internetgruppen geteilt wurde, könnte «rechtliche Wirkung allein für die am Verfahren Beteiligten» haben. Es habe damit keine Auswirkungen auf die Infektionsschutzregeln an Thüringens Schulen insgesamt, erklärte das Ministerium.

Das Urteil (Az.: 9 F 148/21), das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, betrifft zwei Kinder einer Familie, die eine staatliche Grund- und Regelschule in Weimar besuchen. Nach dem Beschluss des Amtsgerichts wird den «Leitungen und Lehrern» der beiden Schulen, an die die Jungs gehen, untersagt anzuordnen, «im Unterricht und auf dem Schulgelände Gesichtsmasken aller Art, insbesondere Mund-Nasen-Bedeckungen, sogenannte qualifizierte Masken (OP-Maske oder FFP2-Maske) oder andere, zu tragen».

Auch Mindestabstände sowie die Teilnahme an Corona-Schnelltests sollen danach nicht angeordnet werden dürfen. Offen blieb zunächst, warum sich ein Amts- und nicht wie sonst üblich ein Verwaltungsgericht mit einer Klage zu erlassenen Corona-Regeln beschäftigt hat.

Laut Ministerium erfolgte bisher keine ordnungsgemäße Bekanntgabe des Beschlusses durch das Gericht. Er habe keine Auswirkungen auf die Infektionsschutzmaßnahmen, die für die Thüringer Schulen insgesamt angeordnet wurden. «Sie bleiben rechtmäßig in Kraft. Gleiches gilt für zusätzlich verfügte Infektionsschutzmaßnahmen in Kreisen mit hohen Infektionszahlen», heißt es in der Mitteilung des Bildungsministeriums. Zudem werfe die Entscheidung «gravierende verfahrensrechtliche Zweifel auf».

Die Überprüfung von Infektionsschutzmaßnahmen oder Rechtsverordnungen der Landesregierung obliege den Verwaltungsgerichten. Ob die Entscheidung überhaupt rechtliche Wirkung entfalte, müsse «obergerichtlich überprüft werden». Diese Überprüfung werde das Bildungsministerium anstrengen.

Neue Verordnung: Abschlussprüfung auch für Schüler ohne Corona-Test

Die Debatte um die Selbsttests an Schulen geht weiter. Während es laut einer neuen Verordnung Ausnahmen für Prüflinge gibt, kritisiert die Gewerkschaft das Regelwerk. Es sieht weiter vor, dass Lehrer die Schüler beim Selbsttest beaufsichtigen.

Bei den anstehenden Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen werden auch nicht auf Corona getestete Schülerinnen und Schüler teilnehmen können. Das geht aus der neuen Coronabetreuungsverordnung hervor, die ab Montag (12. April) gültig ist.

Die neue Verordnung sieht für alle, die in Präsenz am Schulleben teilnehmen, grundsätzlich zwei Corona-Selbsttests pro Woche vor. Für Schüler müssen die auch in der Schule selbst unter Aufsicht vorgenommen werden. Nur Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf dürfen die Tests bei ihren Eltern machen, die das entsprechend schriftlich versichern müssen.

Eine Ausnahme von der allgemeinen Testpflicht gibt es für Abschlussprüfungen und Berufsabschlussprüfungen. Die Prüfungen ungetesteter Personen «werden räumlich getrennt von den Prüfungen getesteter Schülerinnen und Schüler durchgeführt», heißt es in der Verordnung. Der Hintergrund ist wohl rechtlicher Natur: So kann man Schüler nicht von Prüfungen ausschließen. Das Schulministerium war dazu am Sonntag nicht zu erreichen.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, kritisierte am Sonntag den Ablauf der Selbsttests in den Schulen. Denn laut der Verordnung liegt die besagte Aufsicht beim schulischen Personal - also den Lehrern. Die seien aber weder dafür ausgebildet, noch geschützt, so Finnern. Wenn ein Schüler beim Einführen des Stäbchens niesen muss, sei die Lehrkraft die Leidtragende. «Wir sind für eine Testpflicht - aber so nicht», betonte Finnern. Geschultes Personal solle die Tests vornehmen, die Lehrer weiterführender Schulen in der Impfpriorität endlich nach vorne gezogen werden.

Auch wenn die Osterferien an diesem Montag zu Ende gehen, werden die Schulen unterdessen überwiegend leer bleiben. Für alle Schüler - außer den Abschlussklassen - ist zumindest für diese Woche wieder Homeschooling angesagt. Als Grund hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) das «diffuse Infektionsgeschehen» genannt, das eine Anpassung des Schulbetriebs erfordere. Die Kitas bleiben im eingeschränkten Regelbetrieb mit reduzierter Wochenstundenzahl geöffnet.

Schulleiter, Lehrer, Schüler und Eltern waren mit der Erwartung in die Osterferien gegangen, dass es danach mit dem Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzunterricht weitergehen solle - so hatte es Gebauer damals angekündigt. Die am vergangenen Donnerstag kurzfristig mitgeteilte Planänderung hatte viel Kritik und enttäuschte Reaktionen ausgelöst.

«Wir alle hätten uns sehr gewünscht, die Kinder nach den Ferien wieder «live» zu sehen, leider ist es wieder einmal anders», schrieb etwa eine Kölner Grundschulleiterin in einer Rundmail an die Eltern. Die Landeselternschaft der Gymnasien meinte, für die Kinder sei die Nachricht vom Distanzunterricht «ein echter Dämpfer», denn bei vielen sei die Luft raus und die Motivation am Boden. Das einzig Positive sei, dass die Abiturienten wie geplant ihre Prüfungen ablegen könnten.

SPD-Landtagsfraktionsvize Jochen Ott sprach von einer nicht nachvollziehbaren «plötzlichen Kehrtwende der Schulministerin» und vermutet den Grund dafür «in den mangelnden Vorbereitungen für die Testungen an den Schulen». Das Schulministerium hatte dies zurückgewiesen.

Landeselternrat bedauert Schließung weiterführender Schulen

Die weiterführenden Schulen in Brandenburg sind ab Montag erstmal wieder zu - dann gilt wieder das Lernen zuhause. Wer weiter in Präsenzunterricht gehen kann, muss ab 19. April Corona-Tests machen. Der Landeselternrat sagt, wie er diese Strategie beurteilt.

Der Landesrat der Eltern in Brandenburg hat die Schließung von Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien für den Unterricht in Präsenz ab Montag bedauert. «Ich hätte mir gewünscht, dass wir alle Schüler zurück ins System kriegen», sagte der Sprecher des Landeselternrats, René Mertens, der Deutschen Presse-Agentur. Er hält mit Hilfe der kommenden Corona-Testpflicht auch die Öffnung der weiterführenden Schulen in Brandenburg für möglich.

Ab Montag (12. April) müssen Schülerinnen und Schüler von Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien zum Schutz vor dem Coronavirus wieder zuhause lernen. Grundschulen, Abschlussklassen und Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung bleiben offen für den Wechselunterricht zwischen Schule und Zuhause. Die Pflicht zum Aufenthalt in der Schule bleibt zunächst aufgehoben. Ab 19. April gelten in Brandenburg eine Corona-Testpflicht und ein negativer Test als Voraussetzung für das Betreten der Schule.

Der Elternratssprecher sieht in den verpflichtenden zwei Selbsttests pro Woche für Schülerinnen und Schüler ein deutlich minimiertes Risiko für eine Ansteckung mit dem Coronavirus. «Wenn wir jetzt wirklich nur noch negativ getestete Kinder in die Schulen kriegen, haben wir eine relativ hohe Sicherheit», sagte Mertens. «Bis jetzt ist es immer nur Stochern im Nebel.» Er hoffe allerdings, dass die Tests leicht anzuwenden seien.

Die Kultusminister der Länder wollen - begleitet von einer umfassenden Test- und Impfstrategie - so viel Präsenzunterricht wie möglich anbieten. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), die derzeit den Vorsitz der Kultusministerkonferenz hat, kündigte vor den Osterferien die Lieferung von 2,3 Millionen Tests an die Brandenburger Schulen an. Bis zu den Sommerferien sollen es rund sechs Millionen Tests sein. Das Personal an Kitas und Schulen hat nach Angaben des Ministeriums seit mehreren Monaten die Möglichkeit, sich ohne Anlass auf das Coronavirus testen zu lassen.

Schulstart löst bei Berlins Schülervertretern gemischte Gefühle aus

Berlins Schülervertreter sehen dem ersten Schultag nach den Osterferien mit gemischten Gefühlen entgegen. «Ich bin einerseits sehr froh, dass ich meine Freunde wiedersehen kann», sagte Landesschülerausschuss-Sprecherin Luisa Regel. «Andererseits mache ich mir schon Gedanken, weil jetzt sehr viele Klassen zurückkommen werden und viele Lehrer immer noch nicht geimpft sind. Und das macht mir schon ein unwohles Gefühl», so die Abiturientin aus dem 13. Jahrgang der Kurt-Schwitters-Schule im Bezirk Pankow. Schließlich habe die dritte Welle der Corona-Pandemie begonnen.

«Und wenn die Zahlen weiter ansteigen, kann man es nicht zulassen, dass Schülerinnen und Schüler gefährdet werden durch den Besuch der Schule», sagte Regel. Es sei absolut verständlich, dass viele wieder Präsenzunterricht haben wollten, weil der deutlich effektiver sei als Online-Unterricht. «Aber man muss ganz klar auf die Zahlen schauen, wie sich das entwickelt», so die Sprecherin der Schülervertreter.

Es sei gut, dass die 7. bis 9. Klassen noch nicht gleich zurück in die Schulen kämen, sondern erst am 19. April. «Wenn man dann sieht, dass es sehr voll wird und sich die Zahlen weiter entwickeln, dann ist es aber schwierig, an diesem Plan festzuhalten», warnte die Abiturientin.

Richtig sei auf jeden Fall gewesen, die Tests in den Schulen verpflichtend zu machen. «Man muss halt aufpassen, wie man es angeht, ob man die Kapazitäten hat, in der Schule zu testen, den Abstand einhalten kann, dass alles gut desinfiziert werden kann. Und man muss schauen, dass es überall genügend Tests gibt», sagte Regel. Vor den Ferien sei das noch nicht so gewesen.

Skeptisch ist die Schülervertreterin, was die Organisation der Tests in den Schulen angeht, auch mit Blick darauf, dass vom ohnehin eingeschränkten Unterricht dann auch noch Zeit dafür abgehe. «Wahrscheinlich ist es am sinnvollsten, das direkt morgens zu machen mit sehr großen Abständen in gut durchgelüfteten Räumen, damit es keine Ansteckungsgefahr gibt», sagte Regel. «Und dann zum Beispiel in den Klassenleiterstunden, wo man die Lehrkräfte etwas besser kennt und vertrauter mit ihnen umgehen kann.»

Esken kritisiert Abhalten der Abiturprüfungen in Pandemie-Jahr

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat die Entscheidung der Kultusministerkonferenz zum Abhalten der Abiturprüfungen in diesem Jahr kritisiert. «Anders als die Kultusministerkonferenz wäre ich dafür, das Gesamtjahr zu benoten und keine Abiturprüfungen abzuhalten, weil diese ohnehin kaum vergleichbar wären mit früheren Jahrgängen», sagte Esken der «Rheinischen Post» (Samstag). «Allerdings müsste das dann auch für die anderen Schulabschlüsse gelten, also für Real- und Hauptschulabschlüsse.» Sie wundere sich darüber, dass bei der Debatte alle anderen Abschlüsse unter den Tisch fallen, sagte die SPD-Chefin.

Die Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland sollen ihre Prüfungen auf Beschluss der Kultusministerkonferenz von Donnerstagabend in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie ablegen.

10.04.2021

Esken kritisiert Abhalten der Abiturprüfungen in Pandemie-Jahr

Berlin (dpa) - Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken hat die Entscheidung der Kultusministerkonferenz zum Abhalten der Abiturprüfungen in diesem Jahr kritisiert. «Anders als die Kultusministerkonferenz wäre ich dafür, das Gesamtjahr zu benoten und keine Abiturprüfungen abzuhalten, weil diese ohnehin kaum vergleichbar wären mit früheren Jahrgängen», sagte Esken der «Rheinischen Post» (Samstag). «Allerdings müsste das dann auch für die anderen Schulabschlüsse gelten, also für Real- und Hauptschulabschlüsse.» Sie wundere sich darüber, dass bei der Debatte alle anderen Abschlüsse unter den Tisch fallen, sagte die SPD-Chefin.

Die Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland sollen ihre Prüfungen auf Beschluss der Kultusministerkonferenz von Donnerstagabend in diesem Jahr trotz der Corona-Pandemie ablegen.

09.04.2021 

Piazolo wirbt für Corona-Tests - Lehrerverbände kritisieren Umsetzung

Bayerns Schüler sollen sich selbst im Klassenzimmer auf Corona testen - wenn sie keinen frischen Test vorlegen können. Lehrerverbände und die SPD sehen darin eine Gefahr für gesunde Kinder.

In Bayern gibt es weiter Streit zwischen der Staatsregierung und den Lehrerverbänden über die richtige Corona-Strategie an den Schulen. Zum Ende der Osterferien hat Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Freitag für die ab Montag geltende Testpflicht an den Schulen geworben.

Sie sei angesichts steigender Corona-Infektionszahlen und ansteckenderer Mutationen «die Chance, Wechselunterricht und Präsenzunterricht aufrechterhalten zu können», sagte er in München. Doch die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände kritisierte unterdessen nochmals, dass die Corona-Tests erst in der Schule stattfinden sollen. «Klassenzimmer sind keine Testzentren», sagte Walburga Krefting, die Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG).

In der Arbeitsgemeinschaft sind neben der KEG der Bayerische Philologenverband (bpv), der Bayerische Realschullehrerverband sowie der Verband der Lehrkräfte an beruflichen Schulen zusammengeschlossen. Sie verlangen, dass die Corona-Tests außerhalb der Schulen - also zu Hause, in Testzentren, in Apotheken oder beim Arzt - durchgeführt werden. «Die Tests müssen von Fachpersonal oder den Eltern beaufsichtigt werden», sagte Krefting. Es sei sicherer, wenn nur negativ getestete Kinder in die Schulgebäude kämen.

Auch die SPD-Landtagsfraktion sprach sich gegen das Testen in den Klassenräumen aus. Sonst bestehe die Gefahr, dass bei einem positiven Testergebnis die ganze Klasse für zwei Wochen in Quarantäne müsse. «Es gilt, eine Massenquarantäne zu verhindern», sagte der SPD-Fraktionschef Horst Arnold.

Wenn der Unterricht am Montag wieder losgeht, müssen sich alle Schülerinnen und Schüler unabhängig von der Infektionslage mindestens zwei Mal pro Woche selbst in der Schule testen oder einen aktuellen PCR- oder Schnelltest vorlegen. Allerdings gibt es ab einer Inzidenz von 100 in der Regel Distanzunterricht.

Nachdem freitags der Stichtag ist, erfüllen laut Pizaolo für kommende Woche nur noch 25 Landkreise und Städte die Voraussetzung für Wechselunterricht. 71 Regionen, in denen 46 Prozent aller Schüler leben, verzeichnen über 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche und bekommen daher mit wenigen Ausnahmen Distanzunterricht.

Piazolo kündigte auch ein dreistufiges Verfahren an, um durch die Pandemie entstandene Lernrückstände auszugleichen. Spätestens nach den Pfingstferien sollen demnach Brückenkurse, Förderunterricht und Programme mit älteren Schülern als Tutoren starten.

In den Sommerferien soll es in Zusammenarbeit mit dem Landesjugendring wieder freizeitpädagogische Angebote geben. Außerdem sollen Referendare, Studierende und Volkshochschuldozenten zwei Wochen lang Lücken in Mathe, Deutsch und den Fremdsprachen schließen. Im nächsten Schuljahr gebe es dann stark individualisierte Förderungen, erläuterte Piazolo. Insgesamt seien für die Unterstützungsprogramme 20 Millionen Euro eingeplant.

«Bei über 1,6 Millionen Schülern in Bayern sind das maximal 12,50 Euro pro Schüler – also weniger als in der Regel eine professionelle Nachhilfestunde kosten würde», bemängelte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Matthias Fischbach. Seine Kollegin von den Grünen, Gabriele Triebel, warf Piazolo gar eine massive Kürzung der Mittel durch die Hintertür vor. Ursprünglich seien 55 Millionen Euro vorgesehen gewesen. «Klammheimlich wurde wieder einmal viel versprochen und dann radikal gekürzt.»

Kommt die Corona-Testpflicht an Hessens Schulen?

Wie viele Kinder nach den Osterferien in den Klassenzimmern in Hessen sitzen werden, ist wegen der Corona-Lage noch unklar. Die Rufe nach einer Corona-Testpflicht werden derweil lauter.

Hessens Landtagsopposition fordert von Kultusminister Alexander Lorz (CDU) eine klare Corona-Strategie für die Schulen nach den Osterferien. Die Verunsicherung sei enorm, und gerade deswegen sei ein klares Signal aus dem Kultusministerium erforderlich, mahnte am Freitag in Wiesbaden die Bildungsexpertin der Linke-Fraktion, Elisabeth Kula. Auch der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Degen, nahm Minister Lorz in die Pflicht. Ein Sprecher des Kultusministeriums kündigte noch vor Ablauf der Ferien eine grundsätzliche Entscheidung dazu an, wie es dann in den Schulen in Hessen weitergeht.

SPD-Politiker Degen erneuerte die Forderung nach einem strukturierten Wechselmodell an den hessischen Schulen nach den Osterferien. Die pandemische Lage sei nach wie vor mehr als ernst. «Spätestens jetzt muss ein verbindlicher und strukturierter Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht für alle Jahrgänge kommen.» Der Plan der Landesregierung, alle Grundschüler an fünf Tagen in der Woche in die Schule zu schicken, sei dagegen «fahrlässig und falsch».

Der Präsenzunterricht sowie die Abiturprüfungen müssten Hand in Hand mit Tests für alle in den Schulen zweimal in der Woche gehen, erklärte Degen. «Das funktioniert allerdings nur, wenn alle mitmachen. Deshalb fordern wir eine Testpflicht an den Schulen.» Die Tests sollten jedoch nicht im Unterricht durchgeführt, sondern etwa von externen Anbietern in Zelten oder in Turnhallen gemacht werden.

Es sei bereits vor den Ferien klar gewesen, in welche Richtung sich die Infektionszahlen entwickeln würden, kritisierte Kula. Der Kultusminister habe sich jedoch geweigert, die Anfang März getroffene Entscheidung zu revidieren, nach den Osterferien an den Grundschulen in den Präsenzunterricht zu gehen. «Dass nun auch noch die angekündigte Teststrategie für die Schulen nach den Ferien auf der Kippe stehen soll, setzt dem Ganzen die Krone auf.»

Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen, Stefan Wesselmann, sprach sich ebenfalls für verpflichtende Corona-Tests an den Schulen aus. Das wäre sicherlich sinnvoller als Tests auf freiwilliger Basis, sagte er. Wesselmann plädierte zudem für das Modell des Wechselunterrichts, statt die Präsenz in den Schulen ganz aufzuheben.

Erst seit dieser Woche lägen dem Kultusministerium die ausführlichen Rückmeldungen der 21 Pilot-Schulen vor, die in den beiden Wochen vor den Osterferien die Selbsttests erprobt haben, erklärte ein Ministeriumssprecher. Auf Basis dieses Feedbacks werde die Landesregierung im Zusammenhang mit der grundsätzlichen Entscheidung, wie es nach den Ferien in den Schulen weitergeht, auch beraten, inwieweit eine mögliche Testpflicht für einen möglichst sicheren Schulbetrieb notwendig sei.

Die Kultusministerkonferenz hatte beschlossen, dass begleitet durch eine umfassende Test- und Impfstrategie so viel Präsenzunterricht wie möglich angeboten wird. Die Testmöglichkeiten sollten so ausgebaut werden, dass allen Schülern sowie den Lehrkräften zweimal wöchentlich die Möglichkeit für einen Selbsttest angeboten werden kann. Die Abiturienten sollen ihre Prüfungen in diesem Jahr trotz Corona-Pandemie ablegen.

Distanzunterricht für Schüler ab Montag - Land weist Kritik zurück

Nach den Osterferien ist nun doch Homeschooling angesagt - außer für Abschlussjahrgänge. Zur Notbetreuung dürfen Kinder aber in die Schulen kommen. Kritiker fragen die Schulpolitik: Gut ein Jahr Pandemie - und nichts gelernt?

Das nordrhein-westfälische Schulministerium hat Kritik an der Entscheidung zurückgewiesen, die meisten Schüler ab kommender Woche wieder in den Distanzunterricht zu schicken. Das immer noch unsicher einzuschätzende und schwer zu bewertende Corona-Infektionsgeschehen nach Ostern mit diffusen Infektionsausbrüchen erfordere eine Anpassung des Schulbetriebes, hieß es am Freitag im Ministerium. Zugleich wehrte sich das Ministerium gegen Spekulationen, der Distanzunterricht sei aufgrund mangelnder Testmöglichkeiten in den Schulen angeordnet worden.

Mit Ausnahme der Abschlussklassen beginnt der Unterricht nach den Osterferien am Montag wieder als Homeschooling - zunächst für eine Woche. Das hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag mitgeteilt. Noch vor den Ferien hatte sie gesagt, die Schüler sollten möglichst im Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzlernen bleiben.

Die Corona-Testpflicht gilt ab der kommenden Woche auch für Schüler in der Notbetreuung, stellte das Ministerium klar. Getestet werden müssen demnach Schüler in den Jahrgängen eins bis sechs, die an pädagogischen Betreuungsangeboten der Schulen teilnehmen.

Auch Schüler der Abitur- und Abschlussklassen, die im Präsenzunterricht seien, müssten auf das Virus getestet werden, hieß es weiter. Für den Präsenzbetrieb gibt es ab Montag eine Testpflicht mit zwei Selbsttests pro Woche. Das gilt für Schüler, Lehrer und das weitere Schulpersonal. Im Falle der Schüler bleibe der Testort die Schule, so wie es vor den Ferien angelaufen war. Die Abiturprüfungen beginnen planmäßig am 23. April.

An der kurzfristig am Donnerstag bekanntgegebenen Entscheidung und einem andauernden politischen «Ad-Hoc-Modus» wurde Kritik laut. SPD-Landtagsfraktionsvize Jochen Ott sprach von einer nicht nachvollziehbaren «plötzlichen Kehrtwende der Schulministerin». Es dränge sich der Eindruck auf, dass die wahren Hintergründe verschleiert werden sollten. Diese liegen «allem Anschein nach auch in den mangelnden Vorbereitungen für die Testungen an den Schulen», so Ott. Die Regierung solle auf mobile Testteams an den Schulen setzen und prüfen, ob die Untersuchungen nicht besser extern in den gängigen Bürgerteststellen - wie Apotheken oder Teststationen - erfolgen könnten.

Das Schulministerium wies Vermutungen über mangelnde Testmöglichkeiten erneut zurück. Bereits vor den Osterferien seien an allen weiterführenden Schulen 1,5 Millionen Selbsttests für die ab Montag vorgesehenen Testungen versandt worden. Diese lägen «bereits seit Tagen einsatzbereit vor» und kämen für die Abschlussklassen ab Montag auch zum Einsatz.

«Schüler, die der Testpflicht nicht nachkommen, können nicht am Präsenzunterricht teilnehmen», hieß es weiter. Nur bei besonderem Förderbedarf seien Selbsttests zu Hause unter elterlicher Aufsicht denkbar. Einer Blitzumfrage des Ministeriums zufolge wollen bis zu 20 Prozent der Schüler keine Selbsttests machen - das wären 500 000 Kinder und Jugendliche in NRW. Die Auslieferung von mehreren Millionen Selbsttests an die Schulen hatte laut Ministerium verspätet erst am Donnerstag begonnen, das Problem liege beim Logistikunternehmen.

Der Philologen-Verband betonte, dass Schulleitungen, Lehrkräften und Familien weiterhin eine klare Perspektive fehle, was zunehmend an den Nerven zehre. «Nach über einem Jahr Pandemie müssen wir endlich aus dem Ad-Hoc-Modus rauskommen», forderte die Landesvorsitzende Sabine Mistler. Das Testkonzept überzeuge nicht: «Selbsttests sind nur dann sinnvoll, wenn sie vor dem Betreten des Klassenraums durchgeführt werden.»

Die Co-Vorsitzende der NRW-Grünen, Mona Neubaur, sagte, die Kommunikation in der Pandemie laufe schlecht. Es müsse endlich offen dargelegt werden, wie verlässliche Bildung und Betreuung der Kinder sichergestellt werden könnten, verlangte sie im WDR. «Das muss besser werden.»

«Ein Jahr Pandemie, ein Jahr fehlende Schulkonzepte», bilanzierte der Verein «Initiative Familie». Von der versprochenen Priorität für Kinder und Jugendliche sei nichts zu spüren, das Motto «Kitas und Schulen zuerst» habe man schnell wieder fallen lassen. Es gebe noch immer kein kinderfreundliches Testkonzept. Die Politik habe es in einem Jahr nicht geschafft, die Schulen pandemiesicher zu machen, kritisierte der Verein.

Pflicht für Corona-Tests auch bei Notbetreuung in Schulen

Die Corona-Testpflicht gilt ab der kommenden Woche auch für Schüler in der Notbetreuung in den nordrhein-westfälischen Schulen. Das stellte das Schulministerium am Freitag klar. Getestet werden müssen demnach Schüler in den Jahrgängen 1 bis 6, die an pädagogischen Betreuungsangeboten der Schulen teilnehmen.

Mit Ausnahme der Abschlussklassen müssen die meisten Schüler in NRW nach den Osterferien ab Montag zunächst von zu Hause aus lernen. Das Schulministerium hatte für zunächst eine Woche Distanzunterricht angeordnet.

Auch Schüler der Abitur- und Abschlussklassen, die im Präsenzunterricht seien, müssten auf das Virus getestet werden, hieß es weiter. Für den Präsenzbetrieb gibt es ab Montag eine Testpflicht mit zwei Selbsttests pro Woche. Das gilt für Schüler, Lehrer und das weitere Schulpersonal.

Das Schulministerium wies Spekulationen zurück, die Entscheidung für den Schulbetrieb im Distanzunterricht in der kommenden Woche sei aufgrund mangelnder Testmöglichkeiten in den Schulen getroffenen worden. Bereits vor den Osterferien seien an alle weiterführenden Schulen 1,5 Millionen Selbsttests für die ab Montag vorgesehenen Testungen versandt worden. Diese lägen «bereits seit Tagen einsatzbereit vor» und kämen für die Abschlussklassen ab Montag auch zum Einsatz.

Weitere 5,5 Millionen Tests insbesondere für die Grund- und Förderschulen seien oder würden versandt und erreichten die Schulen bis zum Ende dieser Woche. Die anfänglichen Logistikprobleme seien mittlerweile abgestellt.

Flickenteppich Schulbeginn - nach den Osterferien in Thüringen

Montag ist offizieller Schulbeginn nach den Osterferien. Doch nicht alle Thüringer Schulen werden öffnen. Auch die Debatte um Regelungen zu Schutzmasken, Corona-Schnelltests und Abiturprüfungen dauert an.

Kurz vor dem angedachten Schulbeginn nach den Osterferien am Montag ist klar: Nicht alle Thüringer Schulen werden öffnen. Viele Kinder und Jugendliche in Thüringen werden nach dem offiziellen Ferienende den Ranzen in der Ecke stehen lassen und zu Hause lernen müssen. In mehreren Thüringer Landkreisen sollen die Schulen wegen der Corona-Lage auch nach den Ferien am 12. April geschlossen bleiben. Das Bildungsministerium schaut optimistisch auf den nahenden ersten Schultag.

«Wir haben in den Osterferien alle Anstrengungen unternommen, um jede Schule mit den neuen Selbsttests zu versorgen. Heute kann ich sagen: Es ist gelungen», sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Freitag. Thüringen stattet derzeit Schulen mit Schnelltests für den Schulbetrieb aus. Diese Tests sollen Schülerinnen und Schülern sowie dem schulischen Personal nach den Osterferien kostenfrei und freiwillig zweimal wöchentlich zu Verfügung stehen.

Für Schülerinnen und Schüler über 11 Jahre stehen in Thüringen nach Angaben des Bildungsministeriums 297 000 Test bereit. Für Grundschulkinder soll ein so genannter Lolli-Test genutzt werden.
Davon sollen bereits 40 000 der bestellten 160 000 Tests eingetroffen sein. Der Teststart sei weitgehend abgesichert, hieß es. In Einzelfällen, in denen noch keine Masken angekommen seien, könnten Schulleitungen sich an die Staatlichen Schulämter wenden.

Angesichts weiterhin hoher Infektionszahlen in ganz Thüringen haben Bildungsministerium und Gesundheitsministerium zudem vereinbart, die Maskenpflicht im Unterricht für alle Klassenstufen einzuführen. Die Regelung soll ab Montag und zunächst bis zum 24. April gelten.

In mehreren Thüringer Landkreisen sollen die Schulen wegen der Corona-Lage jedoch auch nach den Ferien am 12. April komplett geschlossen bleiben. Über die Hälfte der 23 Landkreise und kreisfreien Städte verzeichneten Stand Freitag mehr als 150 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen - nach Weisung des Thüringer Gesundheitsamts muss ab dieser Inzidenz geprüft werden, ob die Einrichtungen zur Pandemiebekämpfung wieder zu schließen sind. Ob die Schulen zu bleiben, liegt aber im Ermessen der lokalen Behörden.

So entschieden etwa der Wartburgkreis und die Stadt Eisenach, dass Schulen und Kitas geschlossen bleiben sollen. In der Stadt Eisenach lag die Sieben-Tage-Inzidenz zwar nur ganz knapp über 150, im Wartburgkreis aber zuletzt bei 290. Da viele Kinder aus dem benachbarten Kreis Schulen in Eisenach besuchten, sei eine konsequente Schließung beider Standorte sinnvoll, sagte Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke).

Die Schulen im Saale-Holzland-Kreis, der am Freitag eine Inzidenz von 254,4 meldete, sollen dagegen nach den Osterferien am 12. April wieder öffnen. Auch in Schmalkalden-Meiningen (249) geht es am Montag in den Präsenzunterricht. Im Landkreis Gotha mit einer Inzidenz von 279,4 und dem Saale-Orla-Kreis (198) sollen die Schulen voraussichtlich erst eine Woche später, am 19. April, wieder für den Präsenzunterricht öffnen. Die einwöchige Verzögerung soll bei der Vorbereitung auf die Schnelltests, die das Land an die Schulen schicken will, helfen.

Im Saale-Orla-Kreis, der es Ende März kurzzeitig zum Corona-Hotspot Nummer eins unter den Landkreisen bundesweit brachte, sollen diese Tests nach dem Willen von Landrat Thomas Fügmann (CDU) - anders als im Rest Thüringens - verpflichtend sein. «Angesichts der hohen Viruslast im Landkreis können wir eine Öffnung nur dann verantworten, wenn wirklich nur diejenigen Zutritt erhalten, die negativ getestet wurden.» Eine verbindliche Aussage dazu solle am Mittwoch bei der Vorstellung des Schulöffnungskonzepts für den Kreis getroffen werden.

Auch deutschlandweit wird es weiter keine einheitliche Linie für Schulen nach den Osterferien geben, wie die Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstagabend mitteilte. Ob es eine Testpflicht für Schüler und Lehrer geben solle, sei unter den Kultusministern durchaus kontrovers diskutiert worden, sagte Bildungsminister Holter. «Thüringen setzt in den kommenden Tagen auf Freiwilligkeit.»

Einzige allgemeingültige Entscheidung: Abitur- und andere Abschlussprüfungen sollen trotz Corona-Pandemie stattfinden. «Wir haben beschlossen, dass die Abschlussprüfungen in allen Ländern stattfinden werden.»

Corona-Test vor dem Frühstück - Für Schulkinder gelten neue Regeln

Auf Eltern von Schulkindern kommen neue Aufgaben zu. Von Montag an müssen sie dafür sorgen, dass ihre Kinder zwei Mal pro Woche vor dem Unterricht einen Coronatest machen.

Mit verpflichtenden Corona-Tests geht das Schuljahr in Niedersachsen und Bremen nach den Osterferien am kommenden Montag weiter. Der Unterricht soll damit sicherer werden.

Wie ist das Testen organisiert?

Von Montag an müssen sich Kinder, Jugendliche und Schulpersonal zwei Mal pro Woche vor Unterrichtsbeginn zuhause auf Corona testen. Bei den Tests handelt es sich um sogenannte Corona-Laientests für den vorderen Nasenbereich. Das Ergebnis ist nach rund 15 Minuten klar. Die Testkits werden von den Schulen verteilt.

Was passiert bei einem positiven Ergebnis?

Betroffene müssen zuhause bleiben und die Schule informieren. Anschließend muss das Ergebnis durch einen noch zuverlässigeren PCR-Test in einer Arztpraxis oder einem Corona-Testzentrum abgeklärt werden. Weist der PCR-Test eine Corona-Infektion nach, gilt Isolation für den Betroffenen und Quarantäne für nahe Kontaktpersonen. Zeigt der PCR-Test keine Infektion, war der Schnelltest falsch positiv.

Wie kontrollieren die Schulen, dass tatsächlich getestet wurde?

An jedem Testtag müssen Eltern und Erziehungsberechtigte das negative Testergebnis schriftlich bestätigen. Schulen können auch verlangen, dass die benutzten Testkits gezeigt oder abgegeben werden.

Was passiert, wenn Eltern ihre Kinder nicht testen möchten?

Die Präsenzpflicht ist in allen Schuljahrgängen aufgehoben. Eltern und Erziehungsberechtigte können ihre Kinder ohne Angabe von Gründen vom Präsenzunterricht abmelden. Die Schülerinnen und Schüler müssen dann zuhause lernen und erhalten dafür Arbeitsmaterial.

Warum wird nicht in der Schule getestet wie im Bundesland Bremen?

Nach einer Testwoche vor den Osterferien hat das Kultusministerium Rückmeldungen von Verbänden, Eltern und Erziehungsberechtigten sowie aus der Schülerschaft ausgewertet. Demnach fühlten sich viele Schülerinnen und Schüler bei den Tests in der Klasse unwohl. Nach einem positiven Test muss der oder die Betroffene betreut und abgeholt werden, was aufwendig ist. Lehrkräfte kritisierten zudem, dass die Tests zeitaufwendig seien und ein Infektionsrisiko bestehe, da während des Tests die Maske abgenommen werden müsse.

Führt die Testpflicht zu Lockerungen an den Schulen?

Nein, an den bisherigen Regeln ändert sich nichts. Ziel der Tests ist mehr Gesundheitsschutz. Um das Risiko für eine Verbreitung des Virus zu minimieren, werden Kinder und Jugendliche weiter in kleinen Gruppen abwechselnd zuhause und in der Schule unterrichtet. Abstands- und Hygieneregeln, Lüftkonzepte und die Pflicht zum Tragen einer Maske außerhalb und zum Teil im Unterricht bleiben bestehen.

Wann gibt es keinen Präsenzunterricht?

Die Öffnung der Schulen ist weiter abhängig von der Inzidenz im Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Diese zeigt, wie viele Menschen pro 100 000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. Oberhalb von einer Inzidenz von 100 wechseln alle Schülerinnen und Schüler in den Distanzunterricht - außer Grundschulen und Abschlussklassen.

Wird es in diesem Jahr Abiturprüfungen geben?

Ja, die Prüfungen sollen stattfinden - unter hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards. Darauf haben sich die Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder geeinigt.

08.04.2021

Beamtenbund fordert Verzicht auf Präsenzunterricht ohne Corona-Test

Der Beamtenbund dbb hat die Kultusminister der Länder zu klaren Regeln gegen eine weitere Zuspitzung der Corona-Lage durch offene Schulen aufgefordert. «Von der Kultusministerkonferenz fordern wir klare Entscheidungen: Wenn die Schulen in der dritten Welle geöffnet sein sollen, müssen die Lehrkräfte auch geimpft und die Schülerinnen und Schüler getestet werden», sagte der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. An diesem Donnerstag beraten die Kultusminister der Länder über das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Osterferien.

Silberbach sagte: «Wer nicht getestet werden kann oder will, muss vom Präsenzunterricht ausgeschlossen werden. Andernfalls setzen wir alle Beteiligen einem zu großen Risiko aus, und die Infektionszahlen drohen nach den Osterferien zu explodieren.» Laut den jüngsten Lageberichten des Robert Koch-Instituts spielen die Schulen eine wachsende Rolle bei der Viruszirkulation in Deutschland.

In der Debatte um das anstehende Abitur mitten in der Corona-Pandemie rief Silberbach die Länder zu Flexibilität auf. «Schülerinnen und Schüler müssen die Möglichkeit haben, ihr Abitur abzulegen», sagte der dbb-Chef. «Sie dürfen nicht als Corona-Verlierer abgestempelt werden.» Silberbach sagte: «Die Lehrkräfte sind in der Lage, ihre Schülerinnen und Schüler auch ohne Präsenzunterricht zu beurteilen, wenn es anders nicht geht.» Die dbb-Gewerkschaften vertreten auch zahlreiche Beschäftigte im Bildungs- und Erziehungsbereich.

Silberbach betonte zugleich: «Wenn wir in der Lage wären, durchgängig gute digitale Bildung anzubieten, bräuchten wir Kunstgriffe wie Hybridunterricht nicht. Andere Länder haben auch Lernplattformen, die nicht immer wieder zusammenbrechen, und eingespielte Formen digitaler Schule für alle.»

Am Freitag hatte sich der CDU-Vorsitzende Armin Laschet für eine bundesweit einheitliche Regelung dazu ausgesprochen, wie es für die Schulen nach den Osterferien weitergeht. Viele Bundesländer haben für ihre Schulen aber bereits Pläne gemacht. Je nach Land sollen bestimmte Jahrgänge wieder zurück in den Fernunterricht geschickt oder es soll am sogenannten Wechselmodell festgehalten werden.

Die KMK hatte sich in diesem Jahr mehrfach für möglichst offene Schulen ausgesprochen. Zuletzt hatten die Schulministerinnen und -minister am 18. März gefordert, Schulen müssten im Vergleich zu allen anderen Lebensbereichen am längsten geöffnet bleiben.

Thüringer Schüler und Eltern wollen viel Präsenzunterricht

Thüringen ist der Corona-Hotspot unter den Bundesländern. Eltern- und Schülervertreter wollen trotzdem keine flächendeckenden Schulschließungen. Nach den Osterferien soll es wieder Unterricht geben.

Trotz der in großen Teilen Thüringens sehr hohen Corona-Infektionszahlen plädieren Schüler- und Elternvertreter gegen flächendeckende Schulschließungen nach dem Ende der Osterferien. «Das A und O muss sein, möglichst viel Präsenzangebote sicherzustellen», sagte der stellvertretende Landeselternsprecher für die Thüringer Gymnasien, Roul Rommeiß, der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar dürfe es Unterricht in den Schulen nicht um jeden Preis geben. Doch die Anwendung strenger Hygienekonzepte und Schulschließungen in den am schwersten von der Pandemie betroffenen Kreisen seien besser als landesweite Schulschließungen. Ähnlich äußerte sich der Landesschülersprecher für die Gymnasien, Leon Schwalbe. Beide forderten größere Anstrengungen beim Testen und mehr Kreativität bei der Suche nach Wegen, um Schulschließungen zu vermeiden.

Schwalbe sagte, besser als die Schulen in ganz Thüringen zu schließen, sei es, auf Wechselunterricht zu setzen und den Präsenzunterricht in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit besonders hohen Corona-Inzidenzen auszusetzen. «Das muss dann aber auch konsequent gemacht werden», sagte er. Dass zum Beispiel im Landkreis Schmalkalden-Meiningen Mitte März die Schulen zumindest für einige Klassenstufen wieder geöffnet worden waren, obwohl der Landkreis ein Corona-Hotspot ist, sei nicht verantwortbar gewesen.

Aus Sicht der Schülervertretung war es ein Fehler, die Entscheidungshoheit über lokale Schulschließungen wieder vom Land auf die Kommunen zu übertragen. Es sei besser, wenn der Freistaat über lokale Schulschließungen entscheide.

Rommeiß sagte dagegen, nach seiner Einschätzung habe es sich bewährt, dass die Kommunen in Thüringen nun wieder über Schulschließungen entscheiden. «Verantwortung vor Ort ist sicherlich der richtigere Weg.» An diesem Donnerstag wollen die Länder auf einer Kultusministerkonferenz über das Vorgehen an den Schulen unter Pandemiebedingungen in den nächsten Wochen beraten.

Um möglichst viel Präsenzunterricht nach dem Ende der Osterferien in dieser Woche sicherzustellen, sei es wichtig, an den Schulen konsequent zu testen, sagte Schwalbe. Bisher gebe es beim Testen noch zu große Unterschiede zwischen einzelnen Schulen. Das sei nicht hinnehmbar. Jeder, der am Anfang einer Woche eine Schule betrete, müsse auf eine mögliche Corona-Infektion getestet werden, «um sicherzustellen, dass keine Infizierten in den Klassenzimmern sitzen», sagte Schwalbe.

Rommeiß forderte, noch stärker als bislang auf Räume außerhalb von Schulgebäuden zu setzen, um ausreichend Platz für Präsenzunterricht und feste Gruppen zu schaffen. «Oft wird noch zu wenig flexibel vor Ort reagiert.»

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Thüringen lag nach jüngsten Zahlen der Staatskanzlei bei knapp 190 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen je 100 000 Einwohner. Im Bundesdurchschnitt lag der Wert bei etwa 110. Die Daten sind allerdings nur bedingt mit den noch höheren Zahlen von vor Ostern vergleichbar, weil durch die Feiertage weniger getestet wurde beziehungsweise Proben analysiert wurden.

Berliner Senat berät über Vorgehen bei den Schulen - Kitas dicht

Der Berliner Senat berät am Donnerstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Dabei spielt nicht zuletzt die Frage eine Rolle, wie es nach dem Ende der Osterferien ab Montag mit den Schulen weitergeht. Seit geraumer Zeit absolvieren die meisten Schüler Wechselunterricht in kleinen Gruppen - sie lernen abwechselnd in der Schule oder zu Hause. Lediglich Schüler der Klassen sieben bis neun sind noch komplett zu Hause. Ob sie nunmehr eine Rückkehrperspektive erhalten, ist offen. In der rot-rot-grünen Koalition gibt es dazu unterschiedliche Meinungen.

Denn das Infektionsgeschehen, das sich nicht zuletzt wegen Virus-Mutationen verschärft hat, macht auch vor den Schulen nicht halt. Und so fordern die Gewerkschaft GEW und der Deutsche Philologenverband, dass an den Schulen nur noch gegen Corona geimpfte Lehrkräfte unterrichten sollen. Zudem halten beide Verbände eine Fortführung des Präsenzunterrichts in der jetzigen Form wegen der dritten Corona-Welle für nicht mehr vertretbar.

Unterdessen sind wegen Corona die Berliner Kitas ab Donnerstag erneut formal geschlossen. Sie sollen aber eine Notbetreuung anbieten für Kinder aus Familien, die dringend darauf angewiesen sind und in denen mindestens ein Elternteil in einem besonders wichtigen, sogenannten systemrelevanten Beruf arbeitet.

Auch Alleinerziehende, die keine andere Betreuungsmöglichkeit organisieren können, und Eltern, bei deren Kindern aus besonderen pädagogischen Gründen eine Betreuung erforderlich ist, sollen das Angebot in Anspruch nehmen können. Eine ähnliche Regelung gab es schon einmal, bis die Kinderbetreuung im März wieder hochgefahren wurde.

Forderung nach einheitlichem Vorgehen an Schulen in Corona-Zeiten

Vor den Beratungen der Kultusminister an diesem Donnerstag haben Lehrerverbände und Schülervertreter einheitliche Regeln bei Schulöffnungen und Corona-Tests gefordert. «Der Ball liegt jetzt bei den Kultusministern», sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag). «Sie können jetzt zeigen, ob sie es schaffen, mehr als ein Jahr nach Beginn der Pandemie endlich bundeseinheitliche Vorgaben zum Thema Schule vorzulegen.»

Nötig sei etwa eine einheitliche Linie beim Thema Schulöffnungen. «Es kann nicht angehen, dass jedes Bundesland macht, was es will – und einzelne sagen, sie öffnen unabhängig von den Inzidenzen», meinte er. «Die generelle Grenze muss sein: Oberhalb einer Inzidenz von 100 müssen die Schulen geschlossen werden.» Wenn allerdings zusätzlich zu flächendeckenden Corona-Tests die Impfkampagne unter Lehrern weit fortgeschritten sei, sollten Schulträger und Gesundheitsbehörden abwägen dürfen, ob auch bei höherer Inzidenz mehr möglich sei.

Auch der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, forderte: «Die Kultusministerinnen und Kultusminister müssen sich auf eine einheitliche, für alle verbindliche Linie beim Thema
Schulöffnungen verständigen.» In Corona-Hotspots mit Inzidenzen von mehr als 100 müsse es verbindlich Distanzunterricht geben - mit Ausnahmen für Abiturjahrgänge und Abschlussklassen.

Die Kultusminister der Länder beraten an diesem Donnerstag über das weitere Vorgehen an den Schulen. In neun der 16 Bundesländer gehen am Sonntag die Osterferien zu Ende. Überraschende Entscheidungen zu einem bundeseinheitlichen Vorgehen zeichnen sich aber nicht ab, denn viele Bundesländer haben für ihre Schulen bereits Pläne gemacht. Je nach Bundesland werden bestimmte Jahrgänge nun vorsorglich wieder zurück in den «Fernunterricht» geschickt. Anderswo wird am sogenannten Wechselmodell festgehalten. Es gibt zudem entweder freiwillige Tests für Schüler und Lehrer oder eine Testpflicht.

07.04.2021

Mittwoch-Inzidenzwert Kriterium für Unterricht in Folge-Woche

Mit einem Zwei-Stufen-Plan soll künftig der Unterricht in Pandemie-Zeiten in Mecklenburg-Vorpommern geregelt werden. Besonders ins Blickfeld rücken künftig die Inzidenzwerte eines Wochentages. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den Corona-Schnelltests.

Vom kommenden Montag an kann es in ganz Mecklenburg-Vorpommern Präsenzunterricht für Schüler der Klassen eins bis sechs und aller Abschlussklassen geben. Die übrigen Klassen bekommen weiterhin sogenannten Wechselunterricht. Dies folgt aus einem neuen Zwei-Stufenplan, über den das Bildungsministerium am Mittwoch in Schwerin informierte.

Demnach bestimmt die Sieben-Tage-Inzidenz jeweils am Mittwoch, wie die Unterrichtsgestaltung in einem Landkreis oder in einer der beiden kreisfreien Städte in der darauffolgenden Woche aussieht. Liegt der Wert unter 150 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche, werden die unteren Klassenstufen und die Abschlussklassen regulär unterrichtet, die anderen abwechselnd in der Schule und zu Hause.

Wird die Marke von 150 am Stichtag Mittwoch aber überschritten, müssen in der betroffenen Region mit Ausnahme der Abschlussklassen wieder alle Schüler zu Hause lernen. Eine Notbetreuung für jüngere Schüler werde aber auch dann wieder gewährleistet, hieß es. Am Mittwoch dieser Woche war der Schwellenwert in keiner Region des Bundeslandes überschritten worden.

«Es wird künftig zwei Stufen geben. Damit ist gesichert, dass wir einen geregelten Schulbetrieb unter Pandemiebedingungen gewährleisten können, wenn die Infektionslage das zulässt», sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) laut einer Mitteilung. Je nach Infektionslage sollen die örtlichen Gesundheitsämter aber auch weiterhin die Möglichkeit haben, weiterreichende Maßnahmen zu ergreifen.

Eine Corona-Testpflicht für Schüler - wie sie etwa Berlin und Brandenburg planen - soll es nach Angaben des Ministeriums in Mecklenburg-Vorpommern nicht geben. Doch riefen, wie Martin, auch Vertreter von Schüler-, Eltern- und Lehrerverbänden des Landes zum Schulstart dazu auf, die Schnelltests umfassend zu nutzen. Mit deren Hilfe könnten Infektionen rasch erkannt, Ansteckungen unterbunden und Schulschließungen verhindert werden. Es sei wichtig, dass für möglichst viele Kinder und Jugendliche wieder Präsenzunterricht ermöglicht werde, sagte der Vorsitzende des Landeselternrats, Kai Czerwinskie.

Laut Bildungsministerin Martin können Schüler zwei Mal pro Woche freiwillig einen Test machen. «Je mehr Tests, desto mehr Präsenzunterricht wird es an den Schulen geben», betonte sie. Czerwinskie und Martin verwies darauf, dass die Tests auf Beschluss der Schulkonferenzen auch zu Hause vorgenommen werden können, um vor allem jüngeren Schülern die Angst zu nehmen.

Die Linke kritisierte die Pläne des Bildungsministeriums. «Den Inzidenzwert eines einzigen Tages als Grundlage dafür herzunehmen, ob die Schule geöffnet bleiben kann oder nicht, ist völlig unlogisch», sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Es handele sich dabei lediglich um eine Momentaufnahme, die keine Rückschlüsse auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens zulasse. Zudem bestehe bei solchen Einzeldaten die Gefahr eines verzerrten Bildes.

Am Donnerstag beginnt im Nordosten nach den Osterferien wieder die Schule. Der Unterricht soll laut Bildungsministerium dabei grundsätzlich wie an den Tagen vor den Osterferien stattfinden und wie er ab Montag wieder geplant ist. Wegen zuletzt hoher Corona-Infektionszahlen hatte der Kreis Ludwigslust-Parchim allerdings Einschränkungen beschlossen. Für alle Jahrgangsstufen - mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge - wird dort den Angaben zufolge zunächst für zwei Tage Distanzunterricht erteilt.

In der übernächsten Woche beginnen die Abiturprüfungen im Nordosten. Das Bildungsministerium hatte sie wegen der Corona-Pandemie verschoben; ursprünglich sollten sie kommenden Dienstag beginnen.

Bei den Kitas soll es laut Sozialministerium zunächst bei den bestehenden Regeln bleiben. In Regionen mit Inzidenzwerten von unter 100 ist ein Regelbetrieb vorgesehen, Einschränkungen bei der Betreuungszeit gibt es nicht. In Regionen mit Inzidenzwerten von 100 bis 150 gilt eine Art Schutzphase - dann wird an Eltern appelliert, ihre Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Bei Inzidenzwerten von mehr als 150 ist nur noch eine Notfallbetreuung sichergestellt. Diese können etwa Alleinerziehende in Anspruch nehmen.

Bund und Länder hatten sich darauf verständigt, bei Inzidenzwerten über 100 die Notbremse zu ziehen und Lockerungen zurückzunehmen, unberührt davon blieben auf Druck der Länder aber Kitas und Schulen.

Lieferungen der Corona-Tests an Schulen in NRW verzögern sich

Ab Montag müssen sich Schüler in NRW zweimal pro Woche auf Corona testen. Doch ob die Testpflicht klappt, könnte zur Zitterpartie werden. Die Lieferungen verzögern sich, und es gibt Zweifel, ob die Menge an Tests reicht.

Wenige Tage vor dem Ende der Osterferien verzögert sich die Auslieferung der Corona-Selbsttests an die Schulen in Nordrhein-Westfalen. Der Beginn der Lieferungen verschiebt sich auf Donnerstag und Freitag. Das geht aus einem am Mittwoch veröffentlichten Erlass der Ministerien für Schule und Kommunales an die Schulleitungen hervor.

Ursprünglich sollten bereits am Mittwoch die ersten rund 1000 Grund- und Förderschulen mit Selbsttests beliefert werden. An den folgenden Tagen sollten alle weiteren Schulen an die Reihe kommen, vorrangig die Grund- und Förderschulen.

Grund für die Verschiebung der Anlieferungen sei ein erhöhter Zeitbedarf bei der Zusammenstellung der Sendungsinhalte, heißt es in dem Erlass. Am Donnerstag solle nun mit der Belieferung von Grund- und Hauptschulen begonnen werden. Am Freitag sollen dann alle anderen Schulen folgen. Sollten sich weitere Verzögerungen im Logistikablauf ergeben, könne auch eine Auslieferung am Samstag nicht ausgeschlossen werden.

Am Montag enden in NRW die Osterferien. Ab dann gilt eine Testpflicht für Schülerinnen und Schüler. Kinder und Jugendliche aller Schulen sollen sich zwei Mal pro Woche selbst testen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte noch am Mittwoch betont, dass eine Öffnung der Schulen nur infrage komme, wenn dort «überall das Testen funktioniert». Das sei eine Bedingung für einen Unterricht im Präsenzmodus.

Die oppositionellen Grünen prognostizieren unterdessen, dass für die rund 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in NRW zu wenig Corona-Selbsttests da sein werden. Das Versprechen, alle Schüler zweimal pro Woche zu testen, könne die Landesregierung schon in der zweiten Woche nach den Osterferien ab dem 19. April nicht mehr einhalten, erklärte die Grünen-Bildungspolitikerin Sigrid Beer. Bei insgesamt etwa 2,5 Millionen Schülern in NRW über alle Schulformen hinweg müssten laut Beer rund fünf Millionen Tests pro Woche vor Ort sein.

Das Schulministerium wies Zweifel zurück und erklärte, dass allein schon in dieser Woche geplant sei, 5,5 Millionen Selbsttests an die Schulen zu versenden. Die Landesregierung gehe für den Schulbereich von einem wöchentlichen Bedarf von 5,5 Millionen Tests aus. Die entsprechende Kapazität für die nächsten Wochen sei bestellt worden und werde den Schulen zur Verfügung gestellt.

Der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags hatte zunächst Mittel für die Beschaffung von 3,3 Millionen Selbsttests freigegeben. Davon wurden 1,8 Millionen Tests vor den Osterferien für einmalige Selbsttestungen in Schulen verbraucht. Die verbleibenden 1,5 Millionen Tests wurden ebenfalls ausgeliefert.

Weitere 3,1 Millionen Selbsttests wurden laut einer späteren Vorlage des Ausschusses für die Woche nach den Ferien geordert. Diese Bestellung wurde dann auf 6,2 Millionen Tests pro Woche aufgestockt. Parallel dazu wurde ein Ausschreibungs- und Vergabeverfahren vorbereitet, so dass der gestiegene Bedarf bis zunächst Ende Juli gedeckt werden kann - mit Verlängerungsoption bis Ende des Jahres. Die Summe umfasst Selbsttests für Schüler und auch Bedienstete der Landesverwaltung, die nicht im Homeoffice arbeiten.

Nach Laschets Vorstoß für einen «Brücken-Lockdown» sieht die SPD-Opposition die Schulen im Zustand der Verunsicherung. Niemand könne sagen, was der Vorschlag für die Schulen konkret bedeute, erklärte der SPD-Landtagsfraktionsvize Jochen Ott. Schüler, Eltern und Lehrkräfte wollten aber wissen, ob es für sie nach den Ferien mit dem Wechselunterricht weitergehe oder ob erneut Distanzunterricht angeordnet werde.

Welche Auswirkungen die möglichen neuen Pläne auf den Prüfungsbetrieb hätten, sei ebenfalls unklar, sagte der SPD-Schulexperte. So sollten die schriftlichen Abiturprüfungen am 23. April starten. Laschet hatte einen zwei- bis dreiwöchigen harten Lockdown verlangt, um damit die Zeit zu überbrücken, bis viele Menschen gegen das Coronavirus geimpft seien.

Schulministerin Gebauer beriet am Mittwoch mit den Verbänden, wie es nach den Osterferien an den Schulen weitergehen soll. Am Donnerstag beraten auch die Kultusminister der Länder über das weitere Vorgehen an den Schulen.

So wird der erster Schultag in MV nach den Osterferien

Am Donnerstag starten die Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern wieder in den Schulalltag nach den Osterferien. Am Donnerstag und Freitag soll der Unterricht laut Bildungsministerium grundsätzlich wie an den Tagen vor den Osterferien stattfinden. Für die Klassen eins bis sechs sowie für die Abschlussklassen gibt es Präsenzunterricht, ab Klasse sieben Wechselunterricht.

Wegen hoher Corona-Infektionszahlen müssen sich Schülerinnen und Schüler im Landkreis Ludwigslust-Parchim hingegen mindestens an diesem Donnerstag und Freitag auf weitere Einschränkungen einstellen. Dann soll der Besuch von Schulen grundsätzlich untersagt sein. Für alle Jahrgangsstufen in allen Schularten - mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge - wird laut Landkreis Distanzunterricht erteilt. Wie es dort in der kommenden Woche weitergeht, soll demnach am Freitag entschieden werden.

Ernst: Abiturprüfungen starten in Brandenburg wie geplant

Zuletzt hatte die Bildungsgewerkschaft GEW Zweifel daran genährt, ob die Abiturprüfungen trotz der Corona-Pandemie in diesem Jahr stattfinden können. In Brandenburg soll daran aber nicht gerüttelt werden.

Trotz neuer Einschränkungen im Schulunterricht wegen der Corona-Pandemie hat Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) bekräftigt, dass die Abiturprüfungen in Brandenburg wie geplant am 21. April in den Schulen starten sollen. «Ich kann ganz deutlich sagen: Das Abitur wird stattfinden, es wird kein Notabitur sein. Es wird ein anspruchsvolles Abitur sein, das vergleichbar ist», sagte Ernst, die auch Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist, am Mittwoch dem Inforadio des rbb. Auch der Brandenburgische Pädagogenverband wehrte sich vehement gegen ein «Notabitur».

Ernst und der BPV wandten sich damit gegen eine Äußerung der Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlies Tepe, die am Montag gefordert hatte, die Abiturprüfungen bei sehr hohen Infektionszahlen notfalls ausfallen zu lassen. «Ich bin wirklich fassungslos über diese Äußerung, die ja vor allem die Schülerinnen und Schüler verunsichert, die jetzt auf den letzten Metern der Abiturprüfung sind», sagte die Ministerin.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des BPV, Hartmut Stäker: «Das Schlimmste, was einem Absolventen jetzt noch auf dem letzten Meter passieren kann, ist, dass er ein Notabitur bekommt», sagte Stäker der Deutschen Presse-Agentur. Stäker sieht auch noch ein anderes ungeklärtes Problem - die Bewertung der Leistungen der elften Klassen, die im nächsten Jahr ihr Abitur absolvieren sollen.

Denn Leistungen aus diesem Jahrgang zählten auch schon ins Abitur mit rein, sagte der Präsident des Pädagogenverbandes. Drei Semester von vier in dieser Klassenstufe seien aber wegen der Corona-Pandemie nicht «anständig» bewertet worden, da es überwiegend Homeschooling gab. Der elften Klasse müsse deshalb dringend noch zu Präsenzunterricht verholfen werden, damit die Leistungen bewertbar werden. «Sonst haben die nächstes Jahr mit dem Abitur Probleme, auch, wenn Corona schon vorbei ist», warnte Stäker.

Die Landesregierung hatte am Dienstag beschlossen, die mittleren Jahrgänge, also die Stufen sieben, acht, neun und elf beziehungsweise zwölf an den Gesamtschulen, nach den Osterferien vorerst wieder in den Distanzunterricht zu schicken. Derzeit sei noch nicht absehbar, wann auch diese Schüler wie die Grundschüler und die Abschlussklassen wieder in den Wechselunterricht zwischen Schule und zuhause zurückkehren könnten, sagte Ernst. «Ich habe dennoch die große Hoffnung, dass wir mit unserer veränderten Teststrategie und einem Impfangebot an die Lehrkräfte der weiterführenden Schulen eine Perspektive haben, die Schülerinnen und Schüler vor den Sommerferien zurück zu holen.» Schüler im Präsenzunterricht und die Lehrkräfte müssen in Brandenburg vom 19. April an zwei Mal pro Woche einen negativen Schnelltest vorlegen, bevor sie die Schule betreten dürfen.

Testpflicht für Schüler in Hotspots ab 19. April

(dpa/lsw)Schüler und Lehrer im Südwesten müssen sich künftig in Regionen mit hohen Infektionszahlen testen lassen, um am Präsenzunterricht teilzunehmen. Wer in der Woche ab 12. April in die Schulen zurückkehrt, kann sich noch freiwillig testen lassen, wie das Kultusministerium am Mittwoch in einer Handreichung an die Schulen mitteilte. Vom 19. April an gilt dann eine Testpflicht für alle Schülerinnen und Schüler in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100. Das Ministerium spricht von einer «indirekten Testpflicht». Ein negatives Testergebnis sei «Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht und der Notbetreuung». Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, kehren alle Klassenstufen aller Schularten ab dem 19. April zu einem Wechselbetrieb aus Präsenz- und Fernunterricht zurück.

Corona-Selbsttests ab Montag für Schüler und Lehrer

Schüler und Lehrer an Schulen in Thüringen sollen sich von Montag an zwei Mal wöchentlich freiwillig kostenlos selbst auf das Coronavirus testen können. Bei Grundschülern soll dabei auf einfache Lutschtests gesetzt werden, wie das Bildungsministerium auf seiner Website und in einem Schreiben an Eltern von Schulkindern erklärte. Diese «Lollipop»-Tests können laut Hersteller unter die Zunge gelegt werden. Für ältere Schüler stellt das Ministerium dagegen Antigen-Tests bereit, die dem Produzenten zufolge über einen Abstrich im vorderen Nasenbereich funktionieren. Beide Tests sollen nach 15 bis 30 Minuten Ergebnisse liefern.

Im Laufe der Zeit könnten auch andere Selbsttests zum Einsatz kommen. Lehrerinnen und Lehrer sollen die Tests in den ersten Unterrichtsstunden im Klassenraum beaufsichtigen und dokumentieren. Auch Lehrer sollen sich in der Schule testen. Die Utensilien zum Testen sollen direkt an die Schulen geliefert werden.

Schüler wie Lehrer und andere pädagogische Mitarbeiter dürfen die Schulen auch betreten und am Präsenzunterricht teilnehmen, wenn sie sich nicht testen lassen, hieß es aus dem Ministerium. Eltern und volljährige Schüler können die Tests ablehnen. In dem Schreiben an die Eltern heißt es dazu aber auch: «Falls sich in den kommenden Wochen nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler beteiligen, müssen wir über Betretungsverbote oder eine Testpflicht nachdenken.»

«Jeder Schüler hat ein Recht auf Bildung und damit ein Recht auf die Teilnahme am Präsenzunterricht», kritisierte dazu der bildungspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, Denny Jankowski, am Mittwoch. Die AfD-Fraktion lehne eine Testpflicht ab.

Rekordzahl von Schülern in Bayern nur auf Probe vorgerückt

An den weiterführenden Schulen in Bayern sind im laufenden Schuljahr so viele Kinder und Jugendliche auf Probe vorgerückt wie nie zuvor. Zugleich gab es so wenige Wiederholer wie nie zuvor, wie das Kultusministerium in München am Mittwoch erläuterte. Demnach rückten an den Mittel- und Realschulen sowie den Gymnasien 8400 Kinder und Jugendliche mehr als im Vorjahr nur unter Vorbehalt eine Jahrgangsstufe vor. Zugleich drehten rund 12 600 Schüler weniger eine Ehrenrunde.

Als Konsequenz aus den Folgen der Corona-Pandemie mit Lockdown, Distanz- und Wechselunterricht hatte das Kultusministerium die Schulen angewiesen, das Vorrücken auf Probe großzügig zu handhaben. Unter dem Strich gleichen sich die Zahlen aus: «Insgesamt ist die Summe der Wiederholer sowie der auf Probe beziehungsweise nach Nachprüfung vorgerückten Schüler von 37 162 im Schuljahr 2019/20 auf 37 071 im Schuljahr 2020/21 sogar ganz leicht gesunken», erläuterte ein Ministeriumssprecher.

Zuvor hatte die SPD-Landtagsfraktion die Ergebnisse einer von ihr gestellten Anfrage veröffentlicht. Demnach durften an den Gymnasien 4517 Schülerinnen und Schüler nur unter Vorbehalt eine Klasse vorrücken. Im Schuljahr zuvor waren es noch 809 gewesen. An den Realschulen gab es einen Anstieg von 913 auf 5533 Betroffene. Wie viele Kandidatinnen und Kandidaten die Probezeit bestanden haben, ist derzeit noch unklar - diese Daten werden erst im Herbst erhoben.

Generelle Testpflicht an Schulen unabhängig von Inzidenzwert

Viele Lehrkräfte sind noch nicht geimpft, für Kinder und Jugendliche gibt es nicht einmal einen zugelassenen Impfstoff. Um die Sicherheit an den Schulen in Bayern dennoch zu erhöhen und perspektivisch mehr Präsenzunterricht zu ermöglichen, gilt nun überall eine Testpflicht.

Erst testen, dann büffeln: Für die Teilnahme am Präsenzunterricht in Bayerns Schulen ist nach den Osterferien ein Corona-Test verpflichtend - und zwar unabhängig vom jeweiligen Inzidenzwert. «Wir sehen, dass die Schulen ein sehr intensiver Teil des pandemischen Geschehens sind», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Deshalb müssten die Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Lehrkräfte künftig vor der Teilnahme am Unterricht im Schulgebäude mindestens zwei Mal in der Woche ein negatives Testergebnis vorlegen.

Bislang galt eine Testpflicht nur in Regionen mit einer Inzidenz von über 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohnern binnen einer Woche. Künftig jedoch sollen alle Schülerinnen und Schüler zwei Mal in der Woche direkt in der Schule einen PCR-, Schnell- oder Selbsttest machen. Bei einem Wert von über 100 könne dies je nach Unterrichtsmodell sogar noch häufiger der Fall sein, erläuterte Söder. Wer den Test verweigert oder in Quarantäne muss, erhält Distanzunterricht. Die Regelungen gelten analog auch für Lehrkräfte und anderes schulisches Personal.

Söder zeigte sich verärgert ob der Vielzahl von Vorschlägen, die von Interessensverbänden nahezu im Tagesabstand in der Öffentlichkeit platziert werden. «Die einen wollen die Impfreihenfolge ändern, die anderen wollen das Abi ausfallen lassen. Dritte wollen Bashing machen über Lehrer beispielsweise, andere wiederum wollen die Ferien verändern und verkürzen. Ich glaube, dass das alles falsch ist.» Die Schulgemeinschaft brauche in erster Linie Verlässlichkeit und nicht ständig neue Unruhe.

Dies sieht auch Kultusminister Michael Pizaolo (Freie Wähler) so. Er kündigte an, dass der Unterricht nach den Osterferien am nächsten Montag wieder losgehe und die Abschlussprüfungen wie geplant stattfänden.

«Es ist eine Riesenchance, dass wir in den Schulen testen können», betonte Pizaolo. Testkits halte der Freistaat in ausreichender Menge vor, aktuell hätten nur sehr wenige Schulen noch nicht genügend bekommen. Zusammen mit den Abstandsregeln und Hgyienemaßnahmen sowie 2,6 Millionen FFP2-Masken für die Lehrkräfte ergebe die Testpflicht «ein Paket, das Hoffnung gibt, das Sicherheit spendet». Damit verbunden sei auch eine gewisse Aussicht, dass mittelfristig wieder mehr Kinder und Jugendliche vor Ort unterrichtet werden könnten.

Derweil hat ein Forchheimer Jurist im Namen eines Viert- und eines Zwölftklässlers einen Eilantrag gegen die Testpflicht beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingereicht. Eine Entscheidung werde noch vor dem Ende der Osterferien erwartet, teilte Rechtsanwalt Mario Bögelein mit.

In einem unter anderem vom Bayerischen Elternverband unterschriebenen Offenen Brief forderte die Arbeitsgemeinschaft «Bildung in der Pandemie» unterdessen, dass die Tests freiwillig bleiben müssten. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband wiederholte wiederum seine Forderung, «wenn nicht absolut sicher getestet werden kann und die Impfangebote nicht da sind, dann müssen die Schulen zu bleiben».

Corona-Tests an Schulen in Rheinland-Pfalz planmäßig angelaufen

An den Schulen in Rheinland-Pfalz haben am Mittwoch regelmäßige Corona-Tests begonnen. «Das funktioniert sehr gut und reibungslos», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). In den im Wechselunterricht geteilten Klassen könne der Abstand dabei gut eingehalten werden. Ältere Schülerinnen und Schüler hätten keinerlei Probleme mit den Tests, «sie machen das sehr zügig». Aber auch an den Grundschulen seien die Tests reibungslos angelaufen.

Lehrergewerkschaften und -verbände haben kritisiert, dass die Selbsttests an den Schulen unter Anleitung und Aufsicht von Lehrkräften stattfinden sollen. Dafür zusätzliches Personal zur Verfügung zu stellen, sei organisatorisch nicht darstellbar, sagte Hubig und fügte hinzu: «Mir ist es wichtig, dass schnell in den Schulen getestet wird.» Sie sei sicher, dass dieser Weg von den Lehrerinnen und Lehrern mitgetragen werde.

Lehrer: Kommunen sollten selbst über Schulöffnungen entscheiden

Wegen Corona haben manche Schüler seit Wochen ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Wie es nach den Osterferien weitergeht, ist noch offen. Die Lehrer stellen Forderungen - und erwarten gerne den Flickenteppich, der dadurch entstehen könnte.

Nach den Osterferien sollten Kommunen, Gesundheitsämter und Schulträger nach Überzeugung des Deutschen Lehrerverbands am besten selbst entscheiden, ob sie den Fernunterricht beenden oder nicht. Für einen Präsenzunterricht müssten aber strenge Vorgaben gelten, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger den «Stuttgarter Nachrichten» und der «Stuttgarter Zeitung» (Mittwoch). «Wir müssen flexibel vorgehen und können nur dort, wo zusätzliche Maßnahmen des Gesundheitsschutzes möglich sind - etwa Lehrerimpfungen oder verpflichtende Schnelltests - die Schulen auch bei etwas höheren Inzidenzen offen halten. Das sollte vor Ort entschieden werden.» Bei sehr hohen Inzidenzen sei dies sicher nicht möglich.

Nach den Osterferien beginnt der Unterricht in Baden-Württemberg am kommenden Montag. Viele Schulen in den Bundesländern öffnen in der Woche nach Ostern, andere eine Woche später, wenn die Corona-Zahlen es zulassen. Im Südwesten wird es für die meisten Klassenstufen zunächst keinen Präsenz- sondern nur Fernunterricht geben. Ab dem 19. April soll ein Wechselbetrieb mit Präsenz- und Fernunterricht starten, sofern es das Infektionsgeschehen zulässt.

Nach Einschätzung Meidingers droht zwar bei strengen Vorgaben ein Flickenteppich von offenen und geschlossenen Schulen von Landkreis zu Landkreis. «Aber der beruht auf Vorgaben, die sich streng nach wissenschaftlichen Kriterien und vereinbarten Standards orientieren: Inzidenzzahlen, Impfquoten und der Anzahl obligatorischer Schnelltests», sagte der Verbandschef. «Das führt auch zu Ungerechtigkeiten, aber die Bildungsgerechtigkeit wird wegen Corona ohnehin auf eine harte Probe gestellt.»

In Berlin wollen die Kultusminister der Länder am Donnerstag über das weitere Vorgehen an den Schulen beraten. Für Baden-Württemberg wird die noch amtierende Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) an der Runde teilnehmen.

Niedersachsen hält weiter an Abiprüfungen fest

Niedersachsens Landesregierung sieht in der Corona-Krise weiterhin keinen Grund, die Abiturprüfungen abzusagen. Einen entsprechenden Vorstoß der Bildungsgewerkschaft GEW wies das Kultusministerium zurück. «Von dem Vorschlag halten wir nichts», teilte das Ministerium der «Nordwest-Zeitung» (Mittwoch) mit. Das sei eher ein Beitrag zur Verunsicherung. «Unsere Anstrengungen richten sich darauf aus, den Prüflingen auch in der gegenwärtig schwierigen Gesamtlage hochwertige Abschlüsse zuzusichern.»

Bereits Anfang März hatte das Kultusministerium die Abiturtermine in einem Erlass an die rund 450 betroffenen Schulen bestätigt. Der Zeitplan solle auch dann nicht geändert werden, wenn zum Zeitpunkt der Prüfungen einzelne oder alle Schulen im Wechsel- oder sogar im Distanzunterricht sind. Es werde jedoch nur der Lernstoff abgefragt, der auch tatsächlich behandelt wurde, versicherte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) den Schülern damals: «Wir sichern faire Prüfungen zu, keiner muss Nachteile wegen Corona befürchten.»

Die erste Abiturklausur soll demnach am 19. April im Fach Geschichte geschrieben werden, die letzte am 11. Mai im Fach Physik. Vom 17. Mai bis 9. Juni soll es Nachschreibtermine geben.

GEW-Chefin Marlis Tepe hatte die Länder zu Wochenbeginn aufgefordert, von Prüfungen abzusehen, sollten die Ansteckungen mit dem Coronavirus in der dritten Welle weiter dramatisch zunehmen. Alternativ könnten die Leistungen im Unterricht zur Notengebung herangezogen werden.

06.04.2021

Brandenburg zieht Notbremse weiter an - Testpflicht an Schulen

Nach den Osterferien greifen an Brandenburger Schulen und Kitas schärfere Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Es gilt wieder Distanzunterricht und ab 19. April heißt es: Ohne negativen Test ist das Betreten der Schule untersagt.

Brandenburg verschärft die Anordnungen zur Corona-Eindämmung: An den Schulen gibt ab den 7. Klassen - mit Ausnahme in den Abschlussklassen - nach den Osterferien wieder Distanzunterricht. Für Schüler der 1. bis 6. Klassen gilt das Wechselmodell. Kitas bleiben geöffnet, Eltern werden gebeten. Kinder möglichst zu Hause zu betreuen. Die Schule beginnt am kommenden Montag wieder.

«Wir haben uns entschieden, die Notbremse im Land Brandenburg weiter und damit noch fester anzuziehen», sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag in Potsdam nach der Kabinettssitzung.

«Angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens und der ansteckenden Virusvarianten müssen wir weiter vorsichtig sein», sagte Woidke. Er wies auf die wachsende Gefahr durch Mutanten des Coronavirus hin. Diese seien deutlich ansteckender und gefährlicher, warnte der Regierungschef. So sei die Zahl der Patienten auf Intensivstationen in Brandenburger Krankenhäusern von 86 am 15. März auf 136 am 5. April deutlich gestiegen. Es müsse sorgfältig abgewogen werden zwischen dem Recht auf gute Bildung und dem Gesundheitsschutz, sagte er.

Ab dem 19. April soll zudem eine Testpflicht für alle Schüler, Lehrer und weiteres Schulpersonal im Präsenz- beziehungsweise Wechselunterricht gelten - sie sollen sich dann zwei Mal pro Woche selbst testen. Ohne negatives Testergebnis gelte dann ein Betretungsverbot für die Schulen, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Die Pflicht zur Teilnahme am Präsenzunterricht ist nach den Angaben zunächst aufgehoben.

An Brandenburger Schulen sind nach ihren Angaben bereits zwei Millionen Corona-Tests ausgeliefert worden. 500 000 weitere sollen kommen, sagte die Ministerin. Die Tests sollen im Elternhaus vorgenommen werden. Volljährige Schüler könnten sie selbst mitnehmen. Eltern von Minderjährigen können sie abholen oder der Schule erlauben, sie ihren Kindern mitzugeben. Für den Nachweis des Selbsttests sollen die Eltern ein Formular ausfüllen. Damit werde es eine neue Stufe der Sicherheit und des Schutzes auch an den Schulen in Brandenburg geben.

Die Notbremse, die jetzt für weiterführende Schulen gezogen werden musste, mache sie betroffen. «Das sind für Kinder und Jugendliche sehr, sehr harte Entscheidungen», sagte Ernst. Es gehe nicht nur um verpasstes Lernen in Mathe und Deutsch, sondern auch um soziales Verhalten.

Holter nimmt sich Zeit für Entscheidung zu Abi-Prüfungen

Keine Abi-Prüfungen wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr? Die Debatte läuft - aber entschieden ist noch nichts.

Thüringens CDU-Landtagsfraktion hat Bildungsminister Helmut Holter (Linke) aufgefordert, die Entscheidung über Abiturprüfungen in diesem Jahr nicht auf die lange Bank zu schieben. Schüler, Eltern und Schulen dürften nicht länger im Ungewissen gelassen werden, erklärte Fraktionschef Mario Voigt am Dienstag in Erfurt. «Sie brauchen eine klare Perspektive, wie es mit Schnelltests und Prüfungen weitergeht.» Voigt reagierte damit auf die Ankündigung Holters, mit einer Entscheidung noch warten zu wollen.

Zunächst sollte die weitere Entwicklung des Corona-Infektionsgeschehens abgewartet werden, sagte der Minister MDR Aktuell. Zuvor hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verlangt, die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie notfalls ausfallen zu lassen.

Voigt warnte davor, «den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und die Abiturprüfungen einfach ausfallen zu lassen». Die Thüringer Schüler hätten das Recht auf einen vollwertigen und anerkannten Abschluss. Mehr Bearbeitungszeit, zusätzliche Wahlaufgaben oder klare Themenkomplexe seien gute Möglichkeiten, um die Prüfungen abzusichern, so der CDU-Politiker.

Der Vize-Landesvorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt, tendierte auch zur Beibehaltung der Abi-Prüfungen. Sie könnten in Hotels geschrieben werden. Das Land sollte so bald wie möglich mit dem Hotel- und Gaststättenverband einen entsprechenden Vertrag abschließen, so Witt. Das würde den Infektionsschutz erleichtern und gleichzeitig einer vorübergehenden Hotelnutzung dienen.

CDU-Politiker Voigt vertrat außerdem die Ansicht, dass noch vor Ende der Osterferien klar sein müsse, ob Schulen und Kindergärten wieder öffneten. Die Landesregierung müsste endlich ausreichend Tests beschaffen.

Holter sagte, die Diskussion um Abiturprüfungen sei auch im vergangenen Jahr geführt worden. Schließlich seien sie doch abgelegt worden und im Durchschnitt sogar besser ausgefallen als 2019. Die Prüfungen seien bereits von Anfang auf Ende Mai verschoben worden.

GEW-Chefin Marlis Tepe hatte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt, beim Ausfall von Prüfungen müssten die Länder flexibel reagieren. Dann könnten etwa die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden. Ein Abitur ohne Prüfungen müsste von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden.

Wieder mehr Distanzunterricht - Testpflicht an Brandenburger Schulen

Der Distanzunterricht an den Brandenburger Schulen soll nach den Osterferien wegen der hohen Zahl neuer Corona-Infektionen wieder ausgeweitet werden. Vom kommenden Montag an gebe es den Wechselunterricht zwischen Schule und zu Hause nur noch für Grundschulen und Abschlussklassen, kündigte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Potsdam an. Die mittleren Jahrgänge sollen vorerst komplett zum Distanzunterricht zurückkehren. Eine Pflicht zur Teilnahme am Unterricht gibt es weiter nicht.

Ab dem 19. April soll zudem eine Testpflicht für alle Schüler, Lehrer und weiteres Schulpersonal im Präsenzunterricht gelten - sie sollen sich dann zwei Mal pro Woche selbst testen. Ohne negatives Testergebnis gelte dann ein Betretungsverbot für die Schulen, sagte Woidke. Nach Möglichkeit solle auch in der kommenden Woche bereits zwei Mal getestet werden.

In Bremen Schulunterricht nur noch mit Corona-Schnelltest

Ohne negativen Corona-Schnelltest dürfen Schülerinnen und Schüler in Bremen nach den Osterferien nicht mehr am Präsenzunterricht teilnehmen. Das beschloss der Senat am Dienstag. «Im Präsenzschulbetrieb ist es notwendig, infizierte Kinder, Jugendliche und Beschäftigte möglichst früh zu identifizieren», sagte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). «Die Schnelltests bieten dafür eine sichere, niedrigschwellige und leicht zu handhabende Lösung.»

Zweimal in der Woche werde in den Schulen getestet. Nach der Erfahrung mit freiwilligen Tests vor den Ferien sei das Verfahren problemlos. Es hätten damals aber zu wenige Schüler teilgenommen, um wirklichen Schutz zu gewährleisten, teilte das Bildungsressort mit.

Außerdem wurde auch für Grundschülerinnen und Grundschüler das Tragen einer Maske im Schulgebäude beschlossen. Sie waren bislang anders als die höheren Jahrgänge ausgenommen. Die Maskenpflicht an den Grundschulen gelte ab einer Inzidenz von 100 Infektionen auf 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Eine knappe Woche vor Schulbeginn (12.4.) lag die Stadt Bremen bei einer Inzidenz knapp über 100, Bremerhaven etwas unter 200.

Kultusministerium: Abitur in Bayern findet statt

(dpa/lby) - Das bayerische Kultusministerium sieht trotz der coronabedingten Einschränkungen des Unterrichts keine Notwendigkeit, die Abiturprüfungen ausfallen zu lassen. «Das Abitur 2021 findet in Bayern wie angekündigt statt», betonte ein Sprecher am Dienstag in München. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war am Vortag bereits auf Bundesebene auf ablehnende Reaktionen gestoßen. GEW-Chefin Marlis Tepe hatte gesagt: «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen».

Landeselternbeirat gegen Testpflicht für Schüler

Der Landeselternbeirat der Grundschulen und Förderzentren hat die neue Corona-Testpflicht für Schüler in Schleswig-Holstein kritisiert. Testen sei ein wichtiges Instrument, teilte der Landeselternbeirat am Dienstag mit. Es sollte aber Freiwilligkeit gelten und die Möglichkeit zum Testen zu Hause geschaffen werden. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte vor Ostern gesagt, dass es nach den Osterferien keinen Präsenzunterricht ohne negativen Corona-Test mehr geben werde.

Es sollen zwei Selbsttests pro Woche an den Schulen angeboten werden. Wer daran nicht teilnehme, könne auch eine ärztliche Testbescheinigung oder eine Bescheinigung aus einem Bürgertestzentrum oder einer Apotheke vorlegen, hatte die Ministerin gesagt.

Der Landeselternbeirat führte unter anderem den Datenschutz und die informationelle Selbstbestimmung gegen die Testpflicht in den Schulen an. Außerdem dürfe es nicht zu einer Ausgrenzung kommen, wenn Eltern den Tests nicht zustimmen. Die Schulpflicht und der staatliche Bildungsauftrag seien hohe Güter von Verfassungsrang.

Sächsischer Lehrerverband will an Abiturprüfungen festhalten

Der Sächsische Lehrerverband spricht sich ausdrücklich für die Durchführung der Abiturprüfungen auf vergleichbarem Niveau zu den Vorjahren aus. Ein Aussetzen der schriftlichen Prüfungen würde die Abiturienten bei der Bewerbung um einen Studien- oder Ausbildungsplatz benachteiligen, erklärte Verbandsvorsitzender Jens Weichelt am Dienstag. Den Abiturienten dürften durch ein «Corona-Abitur» im Schuljahr 2020/2021 keine Nachteile entstehen.

Zuvor hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vorgeschlagen, Abi-Prüfungen notfalls ausfallen zu lassen und die zuletzt erreichten Schulnoten in die Prüfungszeugnisse aufzunehmen. «Das Ziel aller Abschlussprüfungen muss es sein, dass jeder Schüler eine optimale Chance erhält, einen anerkannten Schulabschluss zu erwerben», so Weichelt. Ein solcher Abschluss müsse vollständig anerkannt sein. Ein «Corona-Abitur» würde sehr bald als zweitklassig gelten.

Die Abiturprüfungen in Sachsen hätten im vergangenen Jahr trotz Corona-Pandemie weitestgehend problemlos und mit ähnlichen Ergebnissen wie in den Vorjahren stattgefunden, schätzte der SLV-Vorsitzende ein. In diesem Schuljahr seien die Voraussetzungen für Abiturienten nicht schlechter: Die Abschlussklassen seien seit dem 18. Januar 2021 wieder im Präsenzunterricht, die Schüler hätten insgesamt etwa drei Wochen mit häuslicher Lernzeit zugebracht. «Zudem hat das Sächsische Staatsministerium für Kultus Erleichterungen für die Abiturprüfungen in Aussicht gestellt», unterstrich Weichelt.

GEW gegen Betreuung von Schüler-Tests durch Lehrkräfte

Das Verfahren für die Corona-Tests an den Schulen in Rheinland-Pfalz stößt auf Kritik der Lehrergewerkschaft GEW. «Die GEW Rheinland-Pfalz lehnt entschieden ab, dass die Testungen der Schülerinnen und Schüler unter Beaufsichtigung der Lehrkräfte an den Schulen stattfinden sollen», erklärte der Landesvorsitzende Klaus-Peter Hammer am Dienstag in einem offenen Brief an Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Eine Verpflichtung dazu gehöre nicht zum Umfang der Dienstpflichten, auch habe es kein Mitbestimmungsverfahren der Personalräte dafür gegeben.

Die nach dem Ende der Osterferien ab diesem Mittwoch geplanten Tests sollten entweder daheim in den Familien oder von geschultem Personal in dafür geeigneten Räumen vorgenommen werden, forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die GEW erkenne das Engagement des Ministeriums für die Gesundheit an, könne das geplante Verfahren aber nicht unterstützen. Auch der Philologenverband, in dem vor allem Lehrkräfte an Gymnasien vertreten sind, hat das Verfahren kritisiert und gefordert, dass die Selbsttests «im geschützten Raum der Familie» stattfinden sollten.

Bildungsministerin Hubig nannte drei Gründe, warum die Selbsttests in der Schule und nicht zuhause stattfinden sollten. Den Kinder und Jugendlichen könne so am besten vermittelt werden, wie dieser Test richtig vorzunehmen sei. «Zum anderen ist es uns wichtig, einen Überblick zu erhalten, wie hoch die Teilnahmequote ist.» Und schließlich werde so sichergestellt, dass positive Fälle auch gemeldet würden. Bei einem positiven Test solle alles getan werden, um in der Lerngruppe sensibel damit umzugehen und eine Stigmatisierung zu vermeiden.

Ministerium: Verbindliche Corona-Tests für Schülerinnen und Schüler

Zwei Corona-Schnelltests pro Woche für alle Schülerinnen und Schüler sollen den Unterricht an Sachsen-Anhalts Schulen sicherer machen. Ab kommendem Montag (12. April) sollten sich alle testen lassen, teilte das Bildungsministerium am Dienstag in Magdeburg mit. In allen Schulen sollten dann ausreichend Laien-Selbsttests zur Verfügung stehen. Die Kinder und Jugendlichen könnten auch ein anderweitig erzieltes negatives Testergebnis nachweisen oder eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, dass keine Corona-Infektion bestehe. Die verbindliche Testung gelte für alle Schulformen, auch für Grundschulen.

Eine Woche später wird aus dem dringenden Appell eine verbindliche Regelung: In der neuen 12. Corona-Landesverordnung, die am 19. April in Kraft treten soll, würden die regelmäßigen nachvollziehbaren Schnelltests als Voraussetzung für das Betreten des Schulgeländes festgelegt, teilte das Ministerium weiter mit.

«Der regelmäßige, flächendeckende und verbindliche Einsatz von Laien-Selbsttests ist neben der Einhaltung der AHA-Maßnahmen ein wesentlicher und wichtiger Beitrag, um das Infektionsgeschehen zu beschränken», erklärten Bildungsminister Marco Tullner (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). «Die Selbsttests geben den in der Schule anwesenden Personen ein Stück weit Sicherheit während des Präsenzunterrichts.»

Sachsen-Anhalt unterbreite außerdem als eines von wenigen Bundesländern allen Lehrkräften ein Impfangebot. Die veränderten Vorgaben für die Anwendung des Impfstoffs von Astrazeneca hätten leider in mehreren Landkreisen zu einer Verzögerung bei der Impfkampagne geführt, erklärte Grimm-Benne. «Es werden aber schnellstmöglich Ersatztermine über die Impfzentren bereitgestellt werden.»

Lehrerverband: Bayerns Schulen nach Osterferien weiter schließen

Bayerns Schulen sollen nach den Osterferien eine weitere Woche lang geschlossen bleiben - das fordert der Bayerische Realschullehrerverband. Diese Zeit müsse genutzt werden, um die Schulen auf die kommenden Monate vorzubereiten, teilte der Verband am Dienstag in München mit. Demnach solle der Unterricht erst am 19. April wieder aufgenommen werden. Wichtig sei es vor allem, eine Teststrategie zu entwickeln, sagte Landesvorsitzender Jürgen Böhm laut einer Presseerklärung.

Es sei unsinnig, Schüler zunächst mit überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln in die Schule zu bringen, dort freiwillige Tests abzunehmen, um dann die positiv Getesteten zu isolieren und von ihren Eltern abholen zu lassen, so Böhm. «Die Tests müssen entweder verbindlich zu Hause oder aber von Experten außerhalb von Schulen durchgeführt werden.» Außerdem fordere der Realschullehrerverband schon seit Monaten, allen Lehrkräften ein Impfangebot zu machen.

Wie Böhm betonte, unterstützt der Realschullehrerverband angesichts der besonders ansteckenden Virusmutationen den Stufenplan, der derzeit für Bayerns Schulen gilt: Bei einer lokalen Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 findet Wechselunterricht mit geteilten Klassen statt, bei einem Wert von über 100 wird vollständig auf Distanzunterricht umgestellt.

Holter: Noch zu früh für Entscheidung über Abi-Prüfungen

Für Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) ist es für eine Entscheidung über die diesjährigen Abiturprüfungen während der Corona-Pandemie noch zu früh. «Wir sollten noch ein Stück abwarten, wie sich das Infektionsgeschehen insgesamt entwickelt», sagte Holter MDR Aktuell. Er reagierte damit auf eine Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen der Corona-Krise notfalls ausfallen zu lassen.

Holter verwies außerdem darauf, dass die gleiche Diskussion bereits im vergangenen Jahr geführt worden sei. Die Abiturprüfungen seien dann abgelegt worden und in Thüringen im Durchschnitt sogar besser gewesen als im Jahr zuvor. Daher habe er keine Sorge, dass das Abitur schlecht ausfalle, sagte Holter. Außerdem seien die Prüfungen bereits von Anfang auf Ende Mai verschoben worden.

GEW-Chefin Marlis Tepe sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag): «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen.» Dann könnten etwa die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden. Sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen, müsste das Abitur trotzdem von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden.

GEW hofft auf «Bremswirkung» während Osterferien

Das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Osterferien ist nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wegen der Corona-Lage offen. Gewerkschaftschefin Marlis Tepe äußerte die Hoffnung, dass die Ferien eine «gewisse Bremswirkung auf das Pandemiegeschehen haben». Man müsse die Entwicklung genau beobachten, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Je nach Infektionslage müssen die Schulen nach den Ferien wieder in den Wechselunterricht gehen und auf Abstand und Hygiene achten.»

Zu den Schnelltests, die bei vielen Schülern und Lehrern nun regelmäßig zum Einsatz kommen sollen, sagte sie, diese böten eine zusätzliche Möglichkeit, Infektionen zu erkennen und Infektionsketten zu unterbinden. Da sie nicht ganz sicher seien, müssten die anderen Schutzmaßnahmen - etwa die AHA+L-Regel (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske plus Lüften) - weiter eingehalten werden.

In verschiedenen Bundesländern ist nach den Osterferien eine Testpflicht für Schüler geplant. Nach wochenlangen Schließungen hatten im Februar zunächst die meisten Grundschulen schrittweise wieder ihren Betrieb aufgenommen, anschließend waren auch einige ältere Jahrgänge im sogenannten Wechselbetrieb zurückgekehrt. Manche Schüler haben aber seit Mitte Dezember ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Wegen der erneut steigenden Corona-Zahlen droht sich die Rückkehr in die Klassen nun weiter zu verzögern. Die Kultusminister der Länder wollen an diesem Donnerstag über die Lage beraten, wie dpa aus Kreisen der Minister erfuhr.

 

05.04.2021

Scheeres will Abiturprüfungen in Berlin nicht absagen

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres hat sich gegen eine Streichung der Abiturprüfungen in der Corona-Pandemie gewandt. «Unsere Berliner Abiturientinnen und Abiturienten haben noch eine Woche Unterricht, danach greifen bei den Abiturprüfungen die Anpassungen und Erleichterungen, die wir bereits beschlossen haben», sagte die SPD-Politikerin am Sonntag. «Es wäre nicht richtig, diese Abiturprüfungen abzusagen. Junge Menschen wollen ein Abitur, das in ganz Deutschland und im Ausland anerkannt wird.»

Scheeres reagierte damit auf einen Vorstoß der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen», sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Dann könnten zum Beispiel die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden.»

Sorge um Schulunterricht nach Ferien - keine Abi-Prüfungen?

Wegen Corona haben manche Schüler seit Wochen ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Wie es nach den Osterferien weitergeht, ist noch offen. Und was ist mit den Abiturprüfungen in Pandemiezeiten?

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie notfalls ausfallen zu lassen. Dafür erntete sie aber umgehend Widerspruch. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek blickt wegen der Pandemie mit großer Sorge auf den weiteren Schulbetrieb. «Es wird überall eine Gratwanderung sein und sehr vom regionalen Infektionsverlauf gerade auch unter den Kindern und Jugendlichen abhängen», sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.

GEW-Chefin Marlis Tepe sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag) zum Thema Abi-Prüfungen: «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen». Dann könnten etwa die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden. Sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen, müssten die Abiture trotzdem von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brandenburgs Ressortchefin Britta Ernst (SPD), äußerte sich zurückhaltend zur GEW-Forderung. Alle arbeiteten mit Hochdruck an sicheren Bedingungen für die Durchführung der Prüfungen. «Niemand sollte die Jugendlichen, die jetzt vor dem Abschluss stehen, zusätzlich zur normalen Prüfungsnervosität verunsichern.» Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, meinte, die Schüler hätten sich trotz Pandemie sehr intensiv auf die Prüfungen vorbereitet. «Das muss wertgeschätzt werden.» Er plädierte dafür, allenfalls die Verschiebung von Prüfungen zu erwägen, die Aufgabenpools zu erweitern und die Prüfungsräume coronasicher zu gestalten.

Der Deutsche Lehrerverband wandte sich klar gegen einen Ausfall von Abiturprüfungen. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger sagte der «Rheinischen Post» (Dienstag): «Bereits im letzten Jahr für das letztjährige Abitur hatte die GEW diese Forderung erhoben, und es war im Nachhinein gesehen absolut richtig, dass die Bundesländer dieser damals Forderung nicht gefolgt sind.» Viele Bundesländer
hätten dieses Jahr schon auf die steigenden Inzidenzen reagiert und die Abiturprüfungen auf Termine im Mai und Juni verschoben. Auch der Deutsche Philologenverband sprach sich in den Zeitungen der Funke Mediengruppe für reguläre Abiturprüfungen aus.

Nach dpa-Informationen aus Kultusministerkreisen werden die Ressortchefs am Donnerstag über die Lage beraten. Die Osterferien enden in vielen Bundesländern am kommenden Wochenende, mancherorts aber auch etwas früher oder später. Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet hatte kürzlich erklärte, er wolle eine bundesweit einheitliche Regelung erreichen, wie es für die Schulen in der Corona-Pandemie nach den Osterferien weitergeht. «Es kann einen Konsens der Kultusministerkonferenz geben, den wir alle verbindlich umsetzen.» Die Ministerpräsidenten beraten nach den bisherigen Planungen am 12. April wieder über die Corona-Lage und mögliche Maßnahmen.

Nach wochenlangen Schließungen hatten im Februar zunächst die meisten Grundschulen schrittweise wieder ihren Betrieb aufgenommen, danach waren auch einige ältere Jahrgänge im sogenannten Wechselbetrieb zurückgekehrt. Manche Schüler haben aber seit Mitte Dezember ihre Schule nicht mehr von innen gesehen. Wegen der erneut steigenden Corona-Zahlen droht sich die Rückkehr in die Klassen weiter zu verzögern. Debattiert wird zudem über eine Testpflicht für Kinder als Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht, wie manche Länder sie schon beschlossen haben. Der Städtetag Nordrhein-Westfalen bezweifelte etwa, dass genügend Corona-Tests zur Verfügung stehen, falls die Schulen nach den Osterferien wieder geöffnet werden.

Der Chef des Städte- und Gemeindebunds wünscht sich bei der Pandemiebekämpfung grundsätzlich mehr Einheitlichkeit zwischen den Bundesländern trotz regional angepasster Maßnahmen. Die Menschen könnten die unterschiedlichen Regelungen sonst kaum nachvollziehen, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag). Ein Bundesgesetz für einheitliche Maßnahmen, wie es Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vorgeschlagen hat, käme aus Landsbergs Sicht wegen des «erfahrungsgemäß» mehrwöchigen Gesetzgebungsverfahrens aber für die dritte Welle wohl zu spät.

Seehofer hatte der «Welt am Sonntag» gesagt, dass so ein Gesetz in kürzester Zeit beschlossen werden könnte. Auch ein Regierungssprecher hatte von Überlegungen zu einheitlichen Vorgaben zur Eindämmung der dritten Corona-Welle gesprochen - falls das Vorgehen der Länder nicht ausreiche. Landsberg meinte: «Bund und Länder könnten sich auch kurzfristig auf strengere gemeinsame Regeln verständigen. Das würde allerdings voraussetzen, dass sich dann auch alle wirklich an die getroffenen Vereinbarungen halten». Das Infektionsgeschehen sei dramatisch. «Die Notbremse muss jetzt konsequent umgesetzt werden.»

Unterdessen will das Saarland nach monatelangem Lockdown von Dienstag an Öffnungsschritte gehen: Unter anderem Theater, Kinos, Fitnessstudios und die Außengastronomie sollen wieder aufsperren - Voraussetzung für Gäste und Nutzer ist ein negativer Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Im Freien dürfen maximal zehn Personen zusammenkommen, wenn sie negativ getestet worden sind.

Genügend Corona-Tests für Schulen in NRW? - Städtetag zweifelt

In der letzten Osterferienwoche wachsen bei allen Betroffenen die Sorgen, wie es nun an Kitas und Schulen weitergeht. Auch die Städte verlangen von der Landesregierung klare Kriterien für Öffnen oder Schließen und mehr Schutz für Kinder und Lehrer und Erzieher.

Der Städtetag Nordrhein-Westfalen zweifelt, dass genügend Corona-Tests zur Verfügung stehen, falls die Schulen nach den Osterferien wieder geöffnet werden. Zwar habe die Landesregierung eine Testpflicht an Schulen angekündigt, sagte der Landesvorsitzende des Städtetags, Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen, der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Um die versprochenen zwei Selbsttests pro Schüler zur Verfügung zu stellen, seien wöchentlich aber etwa fünf Millionen Test-Sets nötig. «Diese Menge ist bisher bei weitem nicht vorhanden», sagte Clausen. «Das Land muss jetzt liefern.»

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte in der vergangenen Woche versichert, die Auslieferungen an die Schulen würden auch in den Ferien fortgesetzt. Damit sei «sichergestellt, dass bei einem Schulstart nach den Osterferien für alle Schülerinnen und Schüler zwei Selbsttests pro Woche bereitstehen».

Dann müssten die Test-Kits jetzt aber schnell und in großen Mengen ankommen, unterstrich Clausen. «Die Städte wollen, dass Schulunterricht nicht nur digital, sondern auch wieder mit Präsenz weitergehen kann, sobald es die Infektionslage zulässt.» Das sei aber nur verantwortbar, wenn die Tests tatsächlich vorhanden seien.

Zu prüfen sei, ob künftig nicht besser zu Hause getestet werden sollte. «Dann würden positiv Getestete gar nicht erst in die Schule kommen.» Diese Forderung hatten zuvor auch Lehrergewerkschaften und die SPD-Opposition erhoben. «Nur mit mehr Impfungen der Lehrkräfte und regelmäßigen Tests wird es gelingen, den Präsenzunterricht in den Schulen unter schwierigen Pandemiebedingungen aufrecht zu erhalten», mahnte Clausen.

Darüber hinaus müsse die Landesregierung rasch festlegen, ab welchem landesweiten Inzidenzwert Schulen in den Distanzunterricht und Kitas in die Notbetreuung wechseln sollten. Eltern, Lehrkräfte, Erzieher, aber auch die kommunalen Träger von Kitas und Schulen müssten wissen, welche Grundregeln nach den Osterferien gelten.

«Die Städte brauchen klare Kriterien für die lokale Notbremse ab dem Inzidenzwert 100», forderte Clausen. «Wir müssen in dieser Situation vor Ort über Schul- und Kitaschließungen entscheiden und auf Notbetreuung umstellen können.» Falls sich in einer Stadt Kinder und Jugendliche deutlich häufiger infizierten als Erwachsene, müsse möglicherweise schneller bei Schulen und Kitas gehandelt werden.

Gebauer hatte für diese Woche Gespräche mit Schulverbänden zur Wiederaufnahme des Unterrichts avisiert. Bereits in der vorletzten Woche hatte das Schulministerium angekündigt, dass es im bevölkerungsreichsten Bundesland nach den Osterferien zunächst keinen Regelbetrieb mit vollständigem Präsenzunterricht geben werde. Sofern es das Infektionsgeschehen zulasse, sollen die Schulen zunächst für die Dauer von zwei Wochen in den Wechselunterricht starten.

Auch für den Kitabereich werden Gespräche mit den beteiligten Verbänden erwartet.

GEW: Abiturprüfungen wegen Corona notfalls ausfallen lassen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, wegen der Corona-Pandemie die Abiturprüfungen in diesem Jahr notfalls ausfallen zu lassen. «Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen», sagte GEW-Chefin Marlis Tepe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). «Dann könnten zum Beispiel die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden.»

Tepe sagte, sollten Prüfungen pandemiebedingt ausfallen, müssten die Abiture trotzdem von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden. Das Abitur 2021 brauche die volle Anerkennung und Wertschätzung.

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte im RND-Podcast «Die Schulstunde», die Kultusministerkonferenz gehe davon aus, dass die Abiturprüfungen in diesem Jahr überall stattfänden. Eine Absage von Prüfungen wäre nach seinen Worten zum Nachteil der Schüler. «Sie würden den Jugendlichen fürs Leben einen Malus mitgeben. Das wären für immer diejenigen, die das Corona-Notabitur gemacht hätten.» Alle sollten später stolz sagen können: «Ich habe ein ganz reguläres Abitur geschrieben wie alle anderen auch – und das noch unter Pandemiebedingungen.»

04.04.2021

Wegen Corona: Erstklässler ohne Untersuchung vor Schulbeginn

Wegen der hohen Belastung der Gesundheitsämter in der Corona-Pandemie werden in Thüringen voraussichtlich Hunderte Kinder ohne ärztliche Untersuchung eingeschult. Die Amtsärzte gingen derzeit nicht davon aus, bis Ende Juli alle Schulanfänger begutachten zu können, berichtete MDR Thüringen nach einer Umfrage unter den Gesundheitsämtern in Thüringen. Grund dafür sei, dass in vielen Kreisen das gesamte Personal im Zuge der Corona-Pandemie eingespannt ist.

In Thüringen kommen in diesem Jahr etwa 17 000 Kinder in die Schule. In der Schuleingangsuntersuchung wird festgestellt, ob das Kind für den Besuch der ersten Klasse geeignet ist, es eine spezielle Förderung benötigt oder es gar zurückgestellt werden muss. Normalerweise sind die Untersuchungen spätestens Ende Mai beendet.

03.04.2021

Demonstrationen in Harzgerode gegen Testpflicht bei Kindern

Bei einer Demonstration unter dem Motto «Nein zur Testpflicht» sind am Karsamstag mehrere Menschen in Harzgerode (Harz) auf die Straße gegangen. Insgesamt seien etwa 73 Demonstranten vor Ort gewesen, teilte die Polizei mit. Die Teilnehmer hätten insbesondere gegen eine Corona-Testpflicht bei Kindern protestiert, berichtete ein dpa-Reporter. Die Veranstaltung blieb laut Polizei ohne weitere Zwischenfälle oder Verstöße gegen die Eindämmungsverordnung des Landes.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hatte zuletzt eine Testpflicht an Schulen ab dem 12. April angekündigt. Demnach wären die Testungen eine zwingende Voraussetzung an der Teilnahme zum Präsenzunterricht. Schüler und Lehrer sollen sich dann zwei mal wöchentlich testen lassen, oder das Schulgelände nicht mehr betreten dürfen. Die Tests stellt das Land bereit.

Mehr Schüler nutzen Nachhilfe in Corona-Pandemie

Im Distanzunterricht in der Corona-Zeit sind bei Schülern teils große Wissenslücken entstanden. Daher ist der Ansturm auf Nachhilfe derzeit groß. Mit der Pandemie sei die Nachfrage beispielsweise in Trier deutlich gestiegen, sagt der Geschäftsführer des Instituts Schülerhilfe Trier, Marcel Monz. «Viele Kinder haben Riesenlücken. Das wird sie noch mehrere Jahre beschäftigen.»

Der Landeselternsprecher in Rheinland-Pfalz, Reiner Schladweiler, schätzt, dass inzwischen jedes fünfte Kind Nachhilfe bekommt. Nicht jede Familie könne sich aber private Nachhilfe leisten - gerade, wenn man mehrere Kinder habe. Um Wissenslücken aufzufangen, müsse das Thema im Land möglichst schnell angegangen werden, sagte er.

Er denkt dabei an einen großen Tisch, an dem Bildungsministerium, Schulen, Lehrer und Eltern an einem «Rundumschlag» arbeiten sollten. «Es wird nicht einfach, aber wir brauchen Lösungen, um nach den Sommerferien voranzugehen», sagt Schladweiler. Eine Option sei das freiwillige Wiederholen eines Schuljahres. Aber auch mehr Geld für Lehrkräfte oder Bildungsgutscheine für finanziell schwache Familien, um Nachhilfe zu bezahlen, seien sinnvoll.

Letztes sieht der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) kritisch. «Die finanziellen Spritzen brauchen wir für mehr gut ausgebildetes Personal und multiprofessionelle Teams», teilt die Sprecherin des Verbandes in Mainz mit. Den Lehrern sei bekannt, dass die Pandemie bei vielen Schülern zu Lernrückständen geführt habe. «Und genau die wissen am besten, wie die Rückstände wieder aufgeholt werden können.»

02.04.2021

Laschet will bundesweit einheitliche Lösung für Schulen

Schluss mit dem Corona-Flickenteppich an Schulen - das wünschen sich viele. NRW-Ministerpräsident Laschet will dazu einen Konsens der Länder, «den wir alle verbindlich umsetzen». Derweilen wächst in der Bevölkerung das Bedürfnis nach härteren Maßnahmen gegen die Pandemie.

Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet will eine bundesweit einheitliche Regelung erreichen, wie es für die Schulen in der Corona-Pandemie nach den Osterferien weitergeht. Diese sollten die Länder selbst treffen und nicht der Bund. Ob es dann eine Testpflicht für Schüler im Präsenzunterricht geben soll, ist umstritten.

Laschet, der auch nordrhein-westfälischer Ministerpräsident ist, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Ich wünsche mir, dass alles, was wir in den kommenden Wochen tun, möglichst bundeseinheitlich erfolgt.» Das sei auch in Schulfragen möglich. «Es kann einen Konsens der Kultusministerkonferenz geben, den wir alle verbindlich umsetzen.» Ob die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen werden, ist Laschet zufolge noch nicht entschieden. Er gehe davon aus, dass «wir bis zum Ende der nächsten Woche Klarheit haben, wie es mit dem Schulstart und den sicheren Bedingungen ist». In jedem Fall müsse gewährleistet sein, dass in jeder Schule zweimal pro Woche getestet werden könne und sich Schüler dem Test nicht entziehen.

Der Städte- und Gemeindebund forderte ein Unterrichtsverbot für Schüler, die keinen Corona-Test machen wollen. «Wer sich nicht testen lassen möchte, sollte nach den Osterferien nicht am Schulunterricht in Präsenz teilnehmen dürfen», sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Zuletzt hatten mehrere Bundesländer bereits eine Testpflicht beschlossen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte der «Welt», sein Verband unterstütze die Forderung nach einer Testpflicht für Schüler als Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht. «Eine umfassende flächendeckende Testpflicht, mindestens zweimal wöchentlich, am besten aber täglich, ist neben der vorgezogenen Impfung von Lehrkräften der zweite wichtige Baustein für mehr Gesundheitsschutz an Schulen und eine Grundvoraussetzung dafür, diese weiter offenzuhalten, wenn die Inzidenzzahlen dies zulassen.»

Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, meinte hingegen in der «Welt»: «Es geht darum, möglichst alle Schülerinnen und Schüler zu testen. Ob eine Pflicht der einzige Weg ist, bleibt fraglich.» Es gebe viele offene Fragen. «Gemeinsam im Klassenzimmer zu testen, birgt verschiedene Risiken, wie das Vertauschen oder das Anrempeln bei der Umsetzung.» Tests in der Verantwortung von Lehrern lehne der VBE deshalb ab. «Optimal wäre die
Begleitung der Tests an der Schule durch externes Personal, wobei
das Testergebnis noch vor Schulbeginn vorliegen muss.»

Unterdessen meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 21 888 Corona-Neuinfektionen. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 232 neue Todesfälle verzeichnet, wie aus Zahlen des RKI vom Freitag hervorgeht. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 21 573 Neuinfektionen und 183 neue Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Freitagmorgen bundesweit bei 134,0 - und damit etwa so hoch wie am Vortag (134,2).

Die bedenkliche Entwicklung der Corona-Infektionszahlen überschattet auch in diesem Jahr wieder das Osterfest. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sagten 60 Prozent, dass sie an dem langen Oster-Wochenende noch nicht einmal einen Tagesausflug planten. 10 Prozent wollen im Inland verreisen, weitere 2 Prozent wollen ins Ausland. Bei 19 Prozent steht mindestens ein Tagesausflug ins Umland ihres Wohnorts an. 6 Prozent hatten sich zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht entschieden, 4 Prozent machten keine Angaben.

Die Regierungen von Bund und Ländern haben in ihrem jüngsten Beschluss zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eindringlich dazu aufgerufen, «auf nicht zwingend notwendige Reisen im Inland und auch ins Ausland zu verzichten - auch hinsichtlich der bevorstehenden Ostertage». Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wiederholte den Appell am Donnerstag in einer Videobotschaft.

In der Bevölkerung gibt es bei der Frage nach weiteren Verschärfung einen klaren Trend: In der YouGov-Umfrage sprachen sich 47 Prozent dafür aus, den bestehenden Lockdown zu verschärfen. Dagegen sind nur 30 Prozent für eine Lockerung oder Abschaffung der Einschränkungen. 17 Prozent meinen, sie sollten so bleiben wie sie sind. Vor zwei Wochen hatten sich in einer vergleichbaren YouGov-Umfrage nur 30 Prozent für Verschärfungen ausgesprochen.

Eine klare Mehrheit von 56 Prozent ist dabei laut der Umfrage für nächtliche Ausgangsbeschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie. Merkel hatte am Sonntag in der ARD-Sendung «Anne Will» gesagt, Ausgangsbeschränkungen könnten in Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen «ein ganz wirksames Mittel sein». In Berlin und Hamburg traten am Freitag solche Maßnahmen in Kraft. In beiden Städten gelten sie - mit Ausnahmen - zwischen 21.00 und 5.00 Uhr.

Im Saarland geht die Politik einen anderen Weg: Der Ministerrat beschloss dort die Umsetzung der geplanten Öffnungen mit verstärktem Testen in der Corona-Pandemie ab kommenden Dienstag. «An die Stelle der reinen Kontaktbeschränkungen werden Testauflagen treten», sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Das Saarland will nach monatelangem Lockdown vom 6. April an Öffnungsschritte gehen: Unter anderem Theater, Kinos, Fitnessstudios und die Außengastronomie sollen wieder aufsperren - Voraussetzung für Gäste und Nutzer ist ein negativer Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

01.04.2021

Baden-Württemberg: Fernunterricht für Grundschulen und Unterstufe

Das Land Baden-Württemberg nimmt wegen der schnell steigenden Corona-Infektionszahlen nach den Osterferien zunächst Öffnungsschritte an den Schulen zurück. In der ersten Woche ab dem 12. April kehren die Grundschüler und auch die 5. und 6. Klassen zunächst in den Fernunterricht zurück, wie das Kultusministerium den Schulen am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Geöffnet bleiben Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren,auch die Abschlussklassen sollen teilweise in Präsenz unterricht werden.

In der Woche ab dem 19. April sollen alle Klassen im Wechsel in die Schulen zurückkehren, «sofern es das Infektionsgeschehen dann zulässt», schrieb Ministerialdirektor Michael Föll. Dann soll es auch eine Testpflicht für alle Schülerinnen und Schüler geben, die am Präsenzunterricht teilnehmen.

Die Stadt Heilbronn hat wegen hoher Corona-Infektionszahlen Ausgangsbeschränkungen für die Nächte verhängt. Sie gelten von Dienstag an zwischen 21.00 Uhr und 5.00 Uhr morgens, teilte die Stadt in einer Allgemeinverfügung am Donnerstagabend mit. Die Maßnahme bleibe vorerst bis zum 5. Mai in Kraft, könne aber bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 auch früher ausgehoben werden. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen 7 Tage liegt nach Angaben der Stadt aktuell über 150. Ausnahmen gelten beispielsweise bei Notfällen, für berufliche Tätigkeiten oder für das Gassigehen mit dem Hund.

Auch Nordrhein-Westfalen führt Selbsttestpflicht an Schulen ein

Auch Nordrhein-Westfalen führt nach den Osterferien eine Testpflicht für Schülerinnen und Schüler ein. «Verpflichtende Selbsttests als zusätzliche Sicherheit tragen dazu bei, das Dunkelfeld von symptomlos Erkrankten aufzuhellen und die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Sie sorgen dafür, dass der Schulbetrieb sicherer wird», begründete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag in Düsseldorf den Schritt. Die Kinder und Jugendlichen aller Schulen sollen nach ihren Worten zwei Mal pro Woche Selbsttests durchführen.

Zuvor hatten bereits mehrere andere Bundesländer eine Testpflicht an den Schulen für die Zeit nach Ostern beschlossen. Ministerin Gebauer betonte, Selbsttests würden in den Schulen gut angenommen und die Durchführung gelinge weitestgehend problemlos. Es werde sichergestellt, dass bei einem Schulstart nach den Osterferien für alle Schülerinnen und Schüler zwei Selbsttests pro Woche bereitstehen.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte eine mögliche Testpflicht für Schüler erst am Dienstagabend in der ZDF-Sendung «Markus Lanz» ins Spiel gebracht. Dort sagte er, man merke, dass Kinder viel stärker von Mutationen des Virus betroffen seien. «Deshalb brauchen wir da klare Regeln.»

Holetschek kann sich Testpflicht für Schüler und Lehrer vorstellen

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hält eine Testpflicht für Schüler und Lehrer zur Gewährleistung des Präsenzunterricht an den Schulen für denkbar. Die Inzidenzzahlen stiegen, auch sehr viele Jüngere seien betroffen. «Diese Situation muss man natürlich auch nochmal neu beurteilen», sagte der Minister am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Auf die Frage, ob er für eine Testpflicht sei, sagte Holetschek: «Ich kann mir das sehr gut vorstellen, wenn es möglich ist.»

Bisher sei die Bereitschaft zum Testen von Schulkindern in Deutschland nicht sehr stark ausprägt. Es gelte jetzt, den rechtlichen Rahmen abzuklopfen.

«Wir haben in Bayern sehr viele dieser Selbsttests und Antigen-Schnelltests bestellt, gekauft und an alle ausgeliefert, und wir werden ein sehr engmaschiges Testregime dort fahren», sagte Holetschek. In der Woche nach Ostern solle im Kabinett die Situation an den Schulen nochmals beleuchtet werden.

Umfrage: Elternschaft bei Testpflicht an Schulen zweigeteilt

Bei der Frage nach einer Coronatest-Pflicht für Schüler und Lehrer sind die Erziehungsberechtigten in Summe zweigeteilt: Laut einer Umfrage der Landeselternschaft der Gymnasien, bei der laut dem Verband 70 000 Eltern mitmachten, sagten 47,9 Prozent, die Schnelltests sollten freiwillig bleiben. 50 Prozent verneinten das. 2,1 Prozent machten keine Angabe.

Bei der Frage nach der Häufigkeit der Testungen waren 39 Prozent für zwei Mal in der Woche, 20,9 für ein Mal pro Woche und 18,1 Prozent für drei Mal jede Woche. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte eine mögliche Testpflicht für Schüler am Dienstagabend in der ZDF-Sendung «Markus Lanz» ins Spiel gebracht. Opposition und Verbände sind ebenfalls dafür. Die Umfrage war laut Landeselternschaft noch davor, kurz vor den Osterferien, gestartet worden.

30.03.2021

Sachsen-Anhalt will mit Modell-Öffnungen die Infektionen senken

Sachsen-Anhalts Landesregierung hält trotz der hohen Infektionswerte an den versuchsweisen Öffnungen fest - und erklärt, was sie sich davon verspricht. Lehrer und Schüler müssen sich derweil auf vermehrte Tests einstellen.

Die schwarz-rot-grüne Landesregierung will trotz der hohen Corona-Zahlen im Land Öffnungen im Rahmen von Modellprojekten zulassen. Das stehe dem Kampf gegen die Pandemie nicht im Wege. «Modellprojekte sind keine Öffnungsprojekte», sagte Haseloff am Dienstag nach einer Sitzung des Landeskabinetts. «Es sind risikominimierende Projekte.» Die Landesregierung wolle damit Bereiche, die «in die Illegalität oder Unkontrollierbarkeit» geraten seien, «reinholen in die Transparenz». Von den versuchsweisen Öffnungen verspricht sich die Landesregierung Erkenntnisse über die Effizienz verschiedener Hygienekonzepte und der Nachverfolgbarkeit von Kontakten.

Es nütze nichts, noch weitere Verschärfungen zu fordern. «Wir haben den Lockdown», sagte Haseloff. Aber die Maßnahmen müssten auch punktgenau greifen. Es nütze nichts, Andeutungen zu machen oder Maßnahmen «anzutäuschen», sagte der Ministerpräsident. «Wir brauchen Wirkungstreffer.»

Mit der seit Montag gültigen elften Corona-Landesverordnung können Landkreise unter bestimmten Bedingungen in den Bereichen Handel, Gastwirtschaft und Beherbergung Öffnungen im Rahmen von Modellprojekten zulassen. Unter anderem der Harz will davon Gebrauch machen. Am Dienstag stellte Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch die Bedingungen für einen Antrag vor. Er vertrat Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD), der wegen einer Warnung der Corona-App nach der vergangenen Bundesratssitzung in Quarantäne ist.

Die Modellöffnungen sind demnach nur möglich, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz unter 200 liegt. Übersteigt sie den Wert an fünf Tagen nacheinander, will das Land die Genehmigung für die Projekte zurückziehen. Die Gesundheitsämter müssen die Lage und den Hygieneplan der Antragsteller außerdem absegnen, bevor er eingereicht wird. Bedingung ist weiterhin die elektronische Nachverfolgbarkeit der Kontakte. Dazu stellt die Landesregierung in den kommenden Wochen kostenlos die Luca-App zur Verfügung, wie Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Dienstag ankündigte.

Mit der App können Gäste anonym in Restaurants oder anderen Zielen einchecken. Tritt dort eine Infektion auf, soll das Gesundheitsamt die Kontakte schneller und sicherer nachverfolgen können, als etwa mit ausliegenden Listen.

Willingmann begrüßte in einer Mitteilung die Öffnungen, mahnte aber zur Vorsicht. «Angesichts der steigenden Infektionszahlen auch in Sachsen-Anhalt bin ich hinsichtlich des Starts erster Modellprojekte unmittelbar nach Ostern jedoch skeptisch», teilte Willingmann mit. «Nach wie vor besteht unser oberstes Ziel in der Pandemie darin, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.» Die Beurteilung der Gesundheitsämter sei daher von erheblicher Bedeutung.

Unterdessen ist die Zahl der gemeldeten Corona-Fälle im Land nach Angaben des Sozialministeriums binnen eines Tages um 398 - im Vergleich zum Montag - gestiegen. Damit liege die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Sachsen-Anhalt bei 72 595 (Stand: 30. März, 13:44 Uhr). Derzeit sind den Angaben nach 95 Intensiv- und Beatmungsbetten mit Covid-19-Patienten belegt, davon müssen 47 Menschen beatmet werden. Acht weitere Menschen sind an oder mit dem Coronavirus gestorben, insgesamt seit Ausbruch der Pandemie 2735. Die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Dienstag nach Angaben des Landes bei 172,73 nach 173,6 am Montag.

Neben den Modellversuchen beriet das Kabinett am Dienstag auch das weitere Vorgehen in Sachen Schule, Impfen und Testen. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) kündigte eine Testpflicht an Schulen ab dem 12. April an. Schüler und Lehrer sollen sich dann zwei mal wöchentlich testen lassen, oder das Schulgelände nicht mehr betreten dürfen. Die Tests stellt das Land bereit. Schließungen seien zunächst kein Thema in Sachsen-Anhalt: «Das klare Signal heißt erstmal: Die Schulen bleiben geöffnet.»

Haseloff sprach sich darüber hinaus für eine Testpflicht auch in Unternehmen aus. Er sei froh, dass der Burgenlandkreis eine solche für Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern schon durchgesetzt hat, ohne erst auf den Bund zu warten. Der könne etwa im Arbeitsschutz viel mehr regeln, als er es bisher tue. «Wenn der Bund alle Optionen, die er hat, ziehen würde, hätten wir keine Diskussion», sagte der Chef der Magdeburger Kenia-Koalition. «Ich hab der Kanzlerin Mut gemacht, das, was sie schon kann, offensiv zu machen.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) wollten sich am Abend noch mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zusammenschalten, um über den weiteren Umgang mit dem Impfstoff von Astrazeneca zu beraten. Unter anderem Berlin und Brandenburg hatten die Nutzung am Dienstag wegen neuerlicher Bedenken zur Sicherheit auf über 60-Jährige beschränkt.

Sachsen-Anhalt wollte laut Grimm-Benne zunächst abwarten, ob die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlungen bei einer Runde der Gesundheitsminister der Länder am Abend ändert. Bis dahin sollte es kein landesweites Moratorium geben.

Die Stiko empfiehlt eine Corona-Impfung mit Astrazeneca nur noch für Menschen über 60 Jahren, wie die Expertengruppe am Dienstagabend mitteilte. Zur Zweitimpfung von Menschen, die bereits die erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine Empfehlung abgeben.

Schülervertretung fordert Testpflicht für alle nach den Osterferien

Die Thüringer Landesschülervertretung hat eine verpflichtende Testpflicht nach dem Ende der Osterferien gefordert. «Um die Schulen zu einem möglichst sicheren Ort zu machen, brauchen wir eine verpflichtende Testung für absolut jede Person, die das Gebäude betreten möchte», erklärte Selma Konrad, Vorsitzende der Landesschülervertretung Thüringen, am Dienstag in Erfurt. Doch schon beim aktuell bestehenden Testangebot bestehe deutlicher Verbesserungsbedarf. In Zukunft sollten Schülerinnen und Schüler sich zweimal in der Woche testen lassen können. Nach Ansicht der Schülervertretung müsse ab Mitte April für möglichst viele Klassenstufen Wechselunterricht angeboten werden.

Nach Angaben des Gesunheitsministeriums sind Schnelltests für Schülerinnnen und Schüler zur Selbstanwendung in Vorbereitung. Ziel sei es, nach den Osterferien flächendeckend entsprechende Testangebote machen zu können.

Experte gegen Öffnungen im Saarland zum jetzigen Zeitpunkt

Im Saarland könnte die Inzidenz in der nächsten Woche bei 100 liegen, bundesweit bei 200. Ein Experte für Corona-Prognosen warnt daher vor dem jetzigen Start von Öffnungsmodellen wie im Saarland - und fordert bundesweit rasches Handeln, um die dritte Welle zu brechen.

Vom Start des geplanten Öffnungsmodells im Saarland zum Zeitpunkt ab dem 6. April hat der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr abgeraten. «Ich halte das momentan für das falsche Signal, in Zeiten des Wachstums, auf massive Öffnungen zu setzen», sagte der Experte für Corona-Prognosen am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Auch wenn die Zahlen im Saarland im bundesweiten Vergleich niedriger seien: «Wir sehen auch hier einen kontinuierlichen Anstieg.»

Nach seinen Berechnungen erwartet er, «dass wir im Saarland Anfang April, rund um den geplanten Starttermin, die Inzidenz von 100 erreichen könnten.» Er halte «Lockerungen und Pilotprojekte, wenn sie auf einer solch hohen Flughöhe starten, für sehr schwierig». Vor dem Start des Modellprojekts im Saarland, das auf Lockerungen durch massenhaftes Testen setzt, müsse man das Infektionsgeschehen «erst einmal wieder besser in den Griff bekommen».

Derzeit liege die Sieben-Tage-Inzidenz in dem Land mit knapp einer Million Einwohnern bei knapp über 80. Tendenz steigend. «Das ist einfach zu hoch. Da würden wir den guten Gedanken des Modells riskieren.» Von daher wäre es sinnvoller: «Jetzt zu warten.» Seiner Ansicht nach seien solche Modellprojekte ab einer stabilen Inzidenz von knapp über 50 richtig. Der R-Wert dürfe maximal 1,0 sein.

Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hatte vergangenen Donnerstag den Start des «Saarland-Modells» ab dem 6. April angekündigt - sofern die 7-Tage-Inzidenz stabil bei unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern liegt. Am Montagabend teilte er über Twitter mit, dass sich der Starttermin «wegen exponentiellem Wachstum einer 3. Welle» verschieben könnte. Das Modell werde aber auf jeden Fall kommen.

Das Saarland will bislang vom 6. April an Kinos, Theater, Fitnessstudios und die Außengastronomie wieder öffnen. Voraussetzung für Gäste und Nutzer ist ein tagesaktueller negativer Schnelltest. Zudem dürfen dann im Freien maximal zehn Personen zusammenkommen, wenn sie negativ getestet worden sind.

Lehr sagte, wenn man das Projekt zum 6. April starte, sei es wahrscheinlich, dass es dann «relativ schnell» wieder angehalten werden müsse. «Ich glaube, der Zeitraum, den das Projekt unbeschwert laufen könnte, könnte relativ kurz sein.»

Er sieht zudem die Größe des «Saarland-Modells» kritisch: «Ich finde ein ganzes Bundesland als Modellprojekt sehr umfangreich.» Zudem plädiere er bei den Projekten für ein deutschlandweit koordiniertes Aufmachen von jeweils wenigen Bereichen: «Dass nicht alle das Gleiche machen und man daraus lernen kann.»

Der Trend der Neuinfektionen gehe derzeit in allen Bundesländern «relativ steil nach oben», sagte Lehr nach Analyse der jüngsten Zahlen des «Covid-Simulators» an der Universität des Saarlandes. Bundesweit rechne er im Laufe der nächsten Woche mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200. Mitte bis Ende April könne der Wert dann bei 300 liegen - falls es keine Maßnahmen gebe.

Mit Sorge betrachte er den Anstieg der Zahlen auf den Intensivstationen in den deutschen Krankenhäusern. «Wenn jetzt nichts passieren wird, dann wären wir Mitte April bei 6000 belegten Betten. Das ist das, was wir in Peak-Zeiten hatten.»

Angesichts der Zahlen ging Lehr davon aus, dass es einen erneuten Lockdown geben wird. «Die Politik wird einschreiten. Niemand wird letztlich die Inzidenz so frei laufen lassen.» Es müsse aber «flott» etwas passieren. «Selbst wenn ich sofort einen Lockdown mache, dann dauert es zwei bis vier Wochen, bis er in der Klinik ankommt.»

Der Professor für Klinische Pharmazie an der Uni des Saarlandes hat mit seinem Forscherteam einen «Covid-Simulator» entwickelt, der das Infektionsgeschehen in Deutschland berechnet und Prognosen liefert: für ganz Deutschland, die einzelnen Bundesländer bis hin auf Landkreisebene. Er kann auch online genutzt werden.

Söder: Schulen machen größte Sorge - Große Zurückhaltung bei Tests

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder sieht die Entwicklung in den Schulen in der Corona-Pandemie nach eigenen Worten derzeit mit «höchster Sorge». Dabei sei auch die spürbare Zurückhaltung der Eltern bei der Einwilligung für Corona-Tests problematisch, sagte Söder am Dienstag in München. In Regionen mit einer Inzidenz von mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche bleibe es in Bayern deshalb für Lehrer wie Schüler für die Teilnahme am Unterricht in den Klassenräumen bei einer Testpflicht. «Sonst läuft uns das pandemische Geschehen in der Schule davon.»

Auch bei den Kindern und Jugendlichen steige die Gefahr von schwereren Krankheitsverläufen, sagte Söder. Der Schutz vor einer Ansteckung sei deshalb der oberste Maßstab. «Die Bildungsqualität der Schülerinnen und Schüler zu halten ist das eine, aber ihre Gesundheit ist mindestens genauso viel wert.» Der auch bundesweit zu beobachtende «Flickenteppich» mit einem Mix aus Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht sorge für große Verwirrung in der Bevölkerung.

Neue Corona-Regeln: Maskenpflicht ab Klasse 5 und mehr Tests

Vom 1. April an gelten im Kampf gegen die Corona-Pandemie neue Regeln in Sachsen. Vieles ist dann nur noch mit negativem Test möglich - etwa ein Friseurbesuch.

Nach den Beratungen von Bund und Ländern hat Sachsen die neuen Corona-Regeln für die nächsten Wochen beschlossen. «Die Lage ist wirklich ernst», sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag mit Blick auf steigende Infektionszahlen. Mit der neuen Verordnung, die vom 1. bis 18. April gilt, weitet Sachsen unter anderem die Test- und Maskenpflicht in bestimmten Bereichen aus. Vieles ist künftig nur mit einem negativen Corona-Test möglich, etwa ein Friseurbesuch oder das Shoppen mit Termin.

Sorgen bereiten der Regierung vor allem die Virusmutationen. Bisher sind im Freistaat 5391 Mutationen nachgewiesen, davon in 4485 Fällen die britische Variante, 91 Mal die südafrikanische und drei Mal die brasilianische. Schwerpunkt ist demnach Dresden mit mehr als 700 Fällen.

Köpping rechnet damit, dass Sachsen nach Ostern die kritische Schwelle von 1300 Covid-Patienten in den Krankenhäusern erreicht. Dann müssten Lockerungen zurückgenommen werden. Man habe lange im Kabinett vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen beraten. Das sind die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

SCHULEN: Sachsen will nach Ostern Schulen und Kitas unabhängig von der Zahl der Neuinfektionen öffnen. «Trotz steigender Infektionszahlen wollen wir den Kindern und Jugendlichen den Kita- und Schulbesuch ermöglichen», sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Statt wie bisher einmal müssen sich Schüler dann zweimal pro Woche selbst testen. Neu: Die Testpflicht gilt künftig schon ab der ersten Klasse - also auch für Grundschüler.

Die Schulbesuchspflicht wird in allen Bereichen ausgesetzt - Eltern können also frei entscheiden, ob ihr Kind die Schule besucht. Laut Kultusministerium haben 25 Mitarbeiter an Schulen bisher einen Test verweigert, bei den Schülern liegt die Quote bei zwei Prozent - für sie gilt ein Betretungsverbot. Dafür habe er kein Verständnis, bemerkte Piwarz.

KITAS: In den Kitas werden die Erzieher ebenfalls zweimal pro Woche getestet, Corona-Tests für Kleindkinder sind aber nicht vorgesehen. Eltern sollen ihre Kinder auf dem Außengelände abgeben oder abholen. Wer seine Kinder ins Kita-Gebäude hinein begleiten möchte, muss einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als drei Tage sein darf. Piwarz nannte das umfangreiche Testregime einen Zwischenschritt auf dem Weg zur Herdenimmunität durch die Corona-Impfungen.

MASKENPFLICHT: Schüler ab der fünften Klasse müssen im Unterricht mindestens eine medizinische Maske tragen. Für Lehrer und Schüler gilt zudem auf dem Schulgelände sowie im Schulhaus Maskenpflicht. Der Mund-Nasenschutz für die Schulen wird nicht vom Land bezahlt. Man sei nicht in einer «Vollversorgungsgesellschaft», sagte Piwarz. Die Masken seien als «Cent-Artikel» von jedem zu beschaffen.

Sachsen hat zudem die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit präzisiert. «Überall dort, wo sich Menschen begegnen, muss eine Maske getragen werden», erklärte Köpping. Ab 1. April greift die Regelung für Fußgängerzonen von 6 bis 24 Uhr, ebenso auf Spielplätzen, Wochenmärkten, Verkaufsständen und beim Aholen und Liefern von Speisen.

KONTAKTBESCHRÄNKUNGEN: Die privaten Kontaktbeschränkungen bleiben prinzipiell bestehen. Wie bisher dürfen sich zwei Hausstände mit höchstens fünf Personen treffen; Kinder unter 15 Jahren werden nicht mitgezählt. In manchen Landkreisen und Städten gelten allerdings schon wieder strengere Bestimmungen: So dürfen sich etwa in Dresden voerst nur ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen.

SHOPPEN UND FREIZEIT: Auch wenn die Wocheninzidenz über 100 liegt, können Städte und Landkreise nach Ostern (ab 6.4.) «Click & Meet» anbieten sowie Zoos, Museen, Galerien oder Gedenkstätten öffnen. Bedingung ist allerdings, dass es in Sachsen nicht mehr als 1300 Covid-19-Patienten auf den Normalstationen den Krankenhäusern gibt. Zudem müssen Kunden und Besucher ein tagesaktuelles negatives Testergebnis vorlegen. Garten- und Baumärkte bleiben geöffnet, zudem zählen fortan auch Babyfachmärkte zur Grundversorgung und dürfen inzidenzunabhängig öffnen.

TESTPFLICHT IN ARBEITSSTÄTTEN: Beschäftigte und Selbstständige mit direktem Kundenkontakt müssen sich statt bisher einmal wöchentlich zweimal in der Woche testen oder testen lassen. Der Arbeitgeber muss die Tests zur Verfügung stellen. Für den Friseurbesuch müssen Kunden künftig einen negativen Test vorlegen. Überall dort, wo ein Selbsttest genügt, muss dies durch eine dokumentierte Selbstauskunft nachgewiesen werden. Das Ministerium bietet dazu eine Vorlage an.

29.03.2021

Kretschmann legt Schulöffnung nach Osterferien zunächst auf Eis

Wie geht es nach den Osterferien in den Schulen weiter? Zuletzt hatte Regierungschef Kretschmann Signale der Hoffnung gesendet. Doch jetzt haut er erstmal wieder die Bremse rein.

Schüler, Eltern und Lehrer im Südwesten müssen sich weiter gedulden: Wegen der schnell steigenden Infektionszahlen hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann seine Pläne für eine Rückkehr aller Kinder und Jugendlichen an die Schulen nach den Osterferien zunächst auf Eis gelegt. Bei einem Spitzengespräch mit Schüler-, Eltern- und Lehrerverbänden am Montag legte er sich noch nicht fest, wann es mit dem geplanten Wechselunterricht für alle losgehen kann. «Da müssen wir ein stückweit auf Sicht fahren», sagte eine Regierungssprecherin am Montagabend in Stuttgart auf Anfrage.

Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr, hat der Grünen-Politiker bei der Videokonferenz erklärt, man habe wegen der Ferien bis zum 11. April noch Zeit. Dies stieß vor allem bei Lehrerverbänden auf Unmut, da Schulleitungen und Lehrkräfte dadurch keine Planungssicherheit hätten.

Zuletzt hatte Kretschmann am vergangenen Mittwoch im Landtag angekündigt, dass nach den Osterferien alle Schülerinnen und Schüler perspektivisch wieder in die Schulen zurückkehren sollen - allerdings nur abwechselnd und getestet. Wegen der schnellen Verbreitung der Corona-Mutante, die auch durch Kinder und Jugendliche weitergetragen wird, wurden diese Pläne aber wieder gebremst. «Zunächst muss sich die pandemische Lage wieder stabilisieren», sagte die Sprecherin.

Dem Vernehmen nach waren sich alle Vertreter von Schülern, Eltern und Lehrkräften einig, dass es Wechselunterricht nur geben kann, wenn die Zahl der Neuinfektionen zwischen 50 und 100 auf 100 000 Einwohner in einer Woche liegt. Liegt die Inzidenz drüber, müssten die Schulen geschlossen und Fernunterricht angeboten werden. Dies entspreche den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Die Regierung habe dagegen den Standpunkt vertreten, dass in Hotspots erst mit einer Inzidenz von über 200 die Schulen geschlossen werden müssten. Der Verband der Realschullehrer forderte das Land nach dem Treffen auf, transparente Grenzwerte herauszugeben. «Diese Richtwerte stehen immer noch aus.»

Bei dem Treffen sei man sich einig gewesen, dass Wechselunterricht nur möglich ist, wenn sich alle Schülerinnen und Schüler mindestens zweimal die Woche testen lassen, erklärte die Regierungssprecherin. Das bedeute, dass nur Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen, die sich testen lassen. Für alle andere könne es nur Fernunterricht geben. Noch in dieser Woche will die Regierung entsprechende Pläne für eine «Testpflicht» - wie es sie schon in Sachsen gibt - auf den Weg bringen.

GEW-Landeschefin Monika Stein forderte die Politik insgesamt auf, die Unternehmen mehr in die Pflicht zu nehmen, um die Pandemie eindämmen zu können. «Die Regierungen lehnen sich gerade schon ein wenig zurück und wollen vor allem über die Schulen, Kitas und Lebensbereiche für Kinder und Jugendliche die Pandemie in den Griff bekommen.» Es müsse dringend überlegt werden, «ob nicht eine Home-Office-Pflicht eingeführt werden kann».

Die GEW-Chefin Monika Stein bezeichnet das Gespräch unter Leitung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann als Fortschritt. «Nach dem monatelangen Streit in der Landesregierung über die Corona-Strategie haben wir jetzt den Eindruck, dass die Meinung der pädagogischen Expertinnen und Experten wieder gefragt ist. Gut ist auch, dass der Landesschülerbeirat und der Landeselternbeirat mit am Tisch setzen. Wir hoffen jetzt auf die Zusagen von Winfried Kretschmann, dass Öffnungen nur stattfinden, wenn eine klare Teststrategie vorhanden und gute Sicherheitsmaßnahmen garantiert sind» sagte Stein.

In Baden-Württemberg sind viele Kinder und Jugendliche seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, seitdem sind auch die Abschlussklassen teils wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen im Regelbetrieb. Auch die 5. und 6. Klassen sind zurückgekehrt, können aber im Wechsel unterrichtet werden.

Land lässt bei Spitzengespräch Schulöffnung nach Osterferien offen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich bei einem Spitzengespräch mit Vertretern von Schülern, Eltern und Lehrern noch nicht festgelegt, ob alle Kinder und Jugendlichen nach den Osterferien abwechselnd wieder zurück in die Schule können. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr, habe der Grünen-Politiker bei der Videokonferenz am Montag erklärt, man habe wegen der Ferien bis zum 11. April noch Zeit, man könne deshalb auf Sicht fahren.

Zuletzt hatte Kretschmann am vergangenen Mittwoch im Landtag angekündigt, dass nach den Osterferien alle Schülerinnen und Schüler wieder in die Schulen zurückkehren - allerdings nur abwechselnd und getestet. Wegen der schnellen Verbreitung der Corona-Mutante, die auch durch Kinder und Jugendliche weitergetragen wird, wurden diese Pläne aber wieder gebremst.

Dem Vernehmen nach waren sich alle Vertreter der Schüler, Eltern und Lehrkräften einig, dass es Wechselunterricht nur geben kann, wenn die Zahl der Neuinfektionen zwischen 50 und 100 auf 100 000 Einwohner in einer Woche liegt. Liegt die Inzidenz drüber, müssten die Schulen geschlossen und Fernunterricht angeboten werden. Dies entspreche den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Die Regierung habe dagegen den Standpunkt vertreten, dass in Hotspots erst mit einer Inzidenz von über 200 die Schulen geschlossen werden müssten. Der Verband der Realschullehrer forderte das Land nach dem Treffen auf, transparente Grenzwerte herauszugeben. «Diese Richtwerte stehen immer noch aus.»

Gericht: Gymnasiallehrer ohne Anspruch auf hohe Impf-Priorität

Anders als Grundschullehrer haben Lehrer an Gymnasien im Saarland bei der Corona-Impfung keinen Anspruch auf eine hohe Priorität. Das hat das Verwaltungsgericht des Saarlandes am Montag entschieden und damit den Eil-Antrag eines Gymnasiallehrers zurückgewiesen (Az. 6 L 295/21). Die höhere Priorisierung von Grundschullehrern sei sachlich gerechtfertigt: Grundschulkinder benötigten im Vergleich zu Schülern an weiterführenden Schulen mehr Zuwendung und Nähe. Auch sei es in Grundschulen schwieriger, Abstandsregeln umzusetzen.

Der Gymnasiallehrer hingegen sieht in der unterschiedlichen Priorisierung von Gymnasiallehrern und Grundschullehrern eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung. Er gehört zu der Personengruppe, die einen Anspruch auf Schutzimpfung nur mit erhöhter Priorität haben. Das Gericht sah für den Antragsteller «keine schweren und unzumutbaren Nachteile», wenn er auf den regulär vorgesehen Termin warte. Er sei «keinem hohen Ansteckungsrisiko» unterworfen.

Demgegenüber würde die vorgezogene Impfung sämtlicher Lehrer an weiterführenden Schulen die Impfung anderer Personen mit wohl höheren individuellen Gesundheitsrisiken verzögern. Gegen die Entscheidung steht den Beteiligten binnen zwei Wochen die Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht des Saarlandes zu.

Hessen stattet Lehrer mit Laptops aus - erste Geräte geliefert

Das Land Hessen hat am Montag damit begonnen, Lehrer mit Laptops und Tablets auszustatten. Die ersten 1000 Geräte gingen nach Darmstadt, wie das Digitalministerium mitteilte. Man verfolge auch weiterhin das Ziel, alle Schulen bis 2022 an das Highspeed-Netz anzubinden, sagte Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) in Darmstadt. Gemeinsam mit Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) überreichte Sinemus symbolisch dem Leiter der Heinrich-Emanuel-Merck-Schule in Darmstadt die ersten Geräte. 

Für die Ausstattung der hessischen Lehrer stehen laut Digitalministerium insgesamt 50 Millionen Euro zur Verfügung. 12,8 Millionen Euro davon stammten aus dem hessischen Sondervermögen. Insgesamt will das Land Hessen rund 73 000 Geräte anschaffen. Die Beschaffung erfolge durch die Schulträger und mit der Unterstützung des kommunalen IT-Dienstleisters ekom21.

In der Pandemie pauken Berlins Schüler auch in den Osterferien

In den Osterferien können Berliner Schüler in einer sogenannten Frühjahrsschule Lernlücken schließen. Es werden etwa 400 Lerngruppen für bis zu 4000 Schülerinnen und Schüler angeboten, hieß es von der Bildungsverwaltung. Bis zu zehn Kinder und Jugendliche könnten 15 Stunden pro Woche miteinander in Gruppen lernen. Hintergrund ist die Corona-Pandemie: «Lernrückstände können eine Folge der teilweisen Schulschließungen sein», so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Die Frühjahrsschule richte sich an Zweitklässler und soll sie im Rechnen, Lesen, Schreiben und Frühenglisch fördern. Außerdem sind Lernangebote für Neunt- und Zehntklässler geplant. Zusätzlich zur Frühjahrsschule für Schüler von allgemeinbildenden Schulen gibt es für Schüler beruflicher Schulen insgesamt 1040 Plätze.

Bereits in den Sommer-, Herbst- und Weihnachtsferien wurden Bildungsangebote für Berlins Schülerinnen und Schüler gemacht. Nach Angaben der Bildungsverwaltung werden für die Umsetzung der Frühjahrsschule 765 000 Euro bereitgestellt.

Die Frühjahrsschule richtet sich an Schüler, die von der Zahlung des Eigenanteils bei Lernmitteln befreit und Anspruchsberechtigte nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz (LmB/BuT) sind sowie von den Lehrkräften für das Projekt vorgeschlagen werden. Bei der Auswahl sollen nach Angaben der Bildungsverwaltung die neu zugewanderten Kinder in Notlagen besonders berücksichtigt werden.

Vom 29. März bis 10. April hat Berlin zwei Wochen Osterferien.

28.03.2021

Regierung, Schüler, Eltern und Lehrer sprechen über Schulöffnungen

Wie weiter nach den Osterferien? Diese Frage stellt sich vor allem für die Schulen. Die Corona-Zahlen steigen im Moment. Doch trotzdem sollen Kinder und Jugendliche nicht mehr bloß zu Hause büffeln.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann will, dass nach den Osterferien alle Schüler wieder in die Schulen zurückkehren - abwechselnd und getestet. Wie das genau ablaufen kann, will der Grünen-Politiker am Montag (16.00 Uhr) mit Vertretern von Schülern, Eltern und Lehrern besprechen. An der Videokonferenz sollen auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) teilnehmen.

Angesichts stark steigender Infektionszahlen müsse überlegt werden, «wie wir trotzdem Unterricht ermöglichen können und dabei zwischen Gesundheitsschutz und den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen einen gangbaren Weg finden», heißt es in dem Einladungsschreiben, das der dpa vorliegt. Und weiter: «Für den Zeitraum nach Ostern sind damit tragfähige Konzepte für den Schulbetrieb gefragt, um möglichst allen Klassenstufen die Chance auf Wechselunterricht zu geben.» Dabei würden auch Testungen an Schulen eine zentrale Rolle spielen.

In Baden-Württemberg sind viele Kinder und Jugendliche seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, seitdem sind auch die Abschlussklassen teils wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen im Regelbetrieb. Auch die 5. und 6. Klassen sind zurückgekehrt, können aber im Wechsel unterrichtet werden.

Eltern- und Schülervertreter fordern tägliche Tests an Schulen

Wie lassen sich Sicherheit und Präsenzunterricht an den Schulen unter einen Hut bringen? Schüler- und Elternvertreter im Südwesten sind sich in dieser Frage einig.

Vor einem Gespräch mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) über weitere Schulöffnungen haben sich die Beteiligten bereits positioniert. Der Landeseltern- und der Landesschülerbeirat fordern als Voraussetzung für eine weitere Öffnung der Schulen eine tägliche Testung aller Schüler.«Das Potenzial für das Testen an den Schulen ist noch längst nicht ausgeschöpft», sagte die Sprecherin des Landesschülerbeirates, Elisabeth Schilli, der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. An manchen Schulen werde ein bis zwei Mal in der Woche getestet, an anderen gar nicht.

Die Teilnahme an den Tests müsse verpflichtend sein, denn noch immer gebe es Schüler und Schülerinnen, die sich nicht testen ließen. «Dabei dient die Testung dem Schutz der Gruppe und deren Angehörigen.» Sie forderte die Landesregierung auf, den Wechselunterricht auch für die Mittelstufe einzuführen und dafür einen Stufenplan mit mehreren Kriterien neben dem Inzidenzwert zu erstellen.

An dem Online-Treffen zum Thema Schulöffnungen nehmen auch mehrere Lehrerverbände wie die GEW und der Philologenverband teil. Für die Landesregierung sind auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) eingeladen.

Der Chef des Elternverbandes, Michael Mittelstaedt, verwies auf wenig aufwendige, andernorts bereits praktizierte Test-Lösungen; dabei werden zwei Abstriche abgegeben,von denen einer in den sogenannten Pool wandert. Erst im Fall eines positiven Pool-Ergebnisses werden die Einzelabstriche untersucht. Sein Verband gehe mit zehn Forderungen in die Videokonferenz. «Die Hoffnungen der Eltern auf dieses Gespräch sind gewaltig.» Ihre Wünsche ließen sich auf die Formel «Präsenz und Sicherheit» bringen. Deshalb spielten hochwirksame Luftfilter und Plexiglasabgrenzungen in den Klassenräumen eine große Rolle. Die Kosten dafür lägen bei 220 Millionen Euro.

Den Eltern wie den Schülern liegen Förderprogramme am Herzen, um coronaverursachte Lerndefizite in den Ferien auszugleichen. «Wenn der verpasste Stoff erst im kommenden Schuljahr neben dem aktuellen Unterricht aufgeholt wird, entsteht ein Teufelskreis nach unten», sagte Schilli, die rund 1,5 Millionen Schüler im Südwesten vertritt. Am besten werde mit gezieltem Unterricht zum Ausgleich der Lücken noch in den Osterferien begonnen, spätestens aber in den Pfingstferien.

Mittelstaedt fordert überdies ein Corona-Impfangebot für Schüler und Schülerinnen ab 16 Jahren. So könne verhindert werden, dass die Jugendlichen kurz vor dem Schulabschluss durch eine Corona-Erkrankung aus der Bahn geworfen werden. Der Forderung schloss sich Schilli an, sofern die Risikogruppen versorgt seien.

In Baden-Württemberg sind viele Kinder und Jugendliche seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, auch die Abschlussklassen sind seitdem teilweise wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen wieder im Regelbetrieb. Die 5. und 6. Klassen sind ebenfalls zurückgekehrt, können aber auch im Wechsel unterrichtet werden. Die Mittelstufe wird online unterrichtet.

Schulen bleiben offen - solange das Gesundheitsamt nicht widerspricht

Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern sollen so lange offengehalten werden, bis das Gesundheitsamt bei zu hohen Fallzahlen in einer Region widerspricht. Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) kündigte für die kommenden Tage Gespräche mit den Kreisen und kreisfreien Städten an, wie der Schulbetrieb ab dem 12. April gestaltet werden soll. «Ziel ist es, angesichts des vergleichsweise geringen Infektionsgeschehens in den Schulen und durch den Einsatz der Selbstteststrategie, der Impfungen und durch die Einhaltung der Hygienemaßnahmen Präsenzunterricht in den Schulen weiterhin zu ermöglichen», erklärte die Ministerin am Sonntag.

Am 8. und 9. April soll der Unterricht demnach wie in den Tagen vor den Osterferien stattfinden, die bis zum 7. April dauern. Für die Klassen eins bis sechs sowie für die Abschlussklassen gibt es Präsenzunterricht, ab Klasse 7 Wechselunterricht. Sollte ein Gesundheitsamt Einschränkungen verhängen, soll darüber spätestens am 6. April informiert werden.

Die steigenden Infektionszahlen durch die Verbreitung der gefährlicheren britischen Variante des Coronavirus stelle die Schulen vor größere Herausforderungen als ohnehin schon, so Martin. Sie appellierte, das Angebot der Corona-Selbsttests für Lehrer und Schüler zweimal pro Woche nach den Osterferien breit anzunehmen. «Täglicher Präsenzunterricht oder Wechselunterricht in der Schule werden nur möglich sein, wenn wir alle Maßnahmen zum Schutz zielgerichtet umsetzen.» Alle Schulen im Land haben demnach Selbsttests erhalten. Weitere Lieferungen sollen folgen.

Nach dem jüngsten Bericht des Landesamtes für Gesundheit und Soziales gab es an den Schulen des Landes zuletzt 51 bestätigte, aktive Corona-Infektionsfälle, davon 42 Schüler und 9 Lehrer oder andere Mitarbeiter der Schulen. Betroffen waren 39 Schulen. Die Zahlen stammen vom Freitag.

Tonne: Wechselmodell auch nach Ferien - «Unwohlsein berücksichtigen»

Auch nach den Osterferien dürfte der Unterricht an den Schulen in Niedersachsen nur im Wechselmodell weitergehen. Der Kultusminister lobt Kinder und Jugendliche für das «tolle Durchhalten» der Regeln. Ob die Test-Pläne Bestand haben, dürfte sich aber erst noch zeigen.

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat die Schülerinnen und Schüler auf einen andauernden Wechselunterricht nach den Osterferien eingestellt. Man denke gerade noch darüber nach, wie man Schule in der Corona-Pandemie sicherer machen könne, schrieb der SPD-Politiker in einem Brief. Eine Idee dafür seien die geplanten regelmäßigen Tests. Das Lehrpersonal und die Schülerschaft sollten zwei Mal pro Woche getestet werden.

«Gerade ihr Schülerinnen und Schüler leistet seit Monaten einen wichtigen Beitrag, damit wir das Coronavirus endlich gemeinsam in den Griff kriegen», schrieb Tonne. «Ihr haltet euch an die Regeln, tragt eure Masken und trefft euch nur mit sehr wenigen Menschen. Das ist oft anstrengend und blöd, und trotzdem haltet ihr ganz toll durch.» Viele hätten sich an den Unterricht in halben Klassen gewöhnt.

In einem zweiten Brief an die Eltern erklärte Tonne, dass sich am Status quo in den Schulen vorerst nichts ändern werde. Das heißt: Die Präsenzpflicht gilt weiter. Bei einem Inzidenzwert von mehr als 100 an drei aufeinanderfolgenden Tagen werden alle zu Hause unterrichtet - ausgenommen die Klassen von Grund- und Förderschulen sowie die Abschlussjahrgänge an den weiterführenden Schulen und Gymnasien.

Corona-Schnelltests waren an vielen Schulen schon in der vergangenen Woche verteilt und den Kindern mit nach Hause gegeben worden. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Handhabung mit den Eltern einüben, um künftig möglichst beim Gang zum Unterricht ein negatives Ergebnis mitnehmen zu können - so eine ursprüngliche Idee. Aber auch in den Schulen selbst könnte getestet werden. Dies hatte vielerorts schon vor den Osterferien beginnen sollen.

Tonne sagte der «Nordwest-Zeitung» (Montag), im Fall möglicherweise zunehmender Positiv-Ergebnisse müsse man dafür sorgen, dass sich betroffene Schulkinder auch nicht ausgegrenzt fühlen. Dies könnte vielleicht doch ein «ernsthaftes Argument» gegen Schnelltests in der Schule sein. Daher müsse man die ersten Ergebnisse «sehr offen» auswerten. Zwar sei die Sicherheit maximal, wenn alle Schülerinnen und Schüler teilnähmen. Zugleich gelte aber: «Das Unwohlsein der Beteiligten muss sehr ernsthaft berücksichtigt werden.»

Lehrerverband: Zwei Milliarden werden für Schüler-Nachhilfe gebraucht

Der Deutsche Lehrerverband schätzt, dass mindestens 80 Prozent der Schüler wegen der Corona-Krise eine zusätzliche Lernförderung brauchen. Die Kosten dafür gehen in die Milliarden.

Das Aufholen coronabedingter Lernrückstände von Schülern erfordert nach Schätzungen des Deutschen Lehrerverbands (DL) rund zwei Milliarden Euro. DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger sagte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag: «Viele Kinder und Jugendliche werden zukünftig begleitende Förderangebote etwa in Form zusätzlichen Nachmittagsunterrichts oder digitaler Nachhilfe brauchen.» Beim Großteil der Schülerinnen und Schüler könnten die coronabedingten Lerndefizite in den nächsten zwei Schuljahren wieder aufgeholt werden. Bei mindestens 20 Prozent der Schüler gehe er davon aus, dass wegen der Corona-Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden sei. «Da haben wir Bedenken, ob sie überhaupt noch den verpassten Stoff aufholen können.»

Zwischen 300 und 600 Präsenz-Unterrichtsstunden seien je nach Bundesland, Schulart und Infektionslage inzwischen weggefallen und nur teilweise durch Distanzunterricht ersetzt worden, so Meidinger. Er erwarte daher, dass eine Lernförderung über mehr als nur ein Schuljahr laufen müsse. «Das ist eine Langstrecke und nicht nur eine vorübergehender Förderung, die man nach wenigen Wochen und Monaten abhaken kann.»

Ähnliche Zahlen hatte zuletzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) genannt. Die Studie des arbeitgebernahen Instituts geht laut einem Bericht der «Rheinische Post» (Samstag) zufolge von rund 1,5 Millionen Schülern aus, bei denen durch die Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden ist. Die Autoren rechnen mit einem durchschnittlichen Förderbedarf von rund 100 Stunden pro betroffenem Schüler - und kommen so auf eine Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro.

Über ein entsprechendes Förderprogramm beraten Bund und Länder bereits seit einigen Wochen: Im Gespräch ist eine «Nachhilfe-Milliarde». Dies sei der Bedarf für die Kernfächer, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die SPD-geführten Länder schlagen vor, rund jedem fünften der 11 Millionen Schüler zusätzlichen Unterricht anzubieten - entweder über ein ganzes Schuljahr zwei Stunden pro Woche oder über ein halbes Schuljahr vier Stunden.

Karliczek sagte: «20 bis 25 Prozent der Schüler haben vermutlich große Lernrückstände - vielleicht sogar dramatische.» Möglichst schon zu den Sommerferien, spätestens zum neuen Schuljahr würden entsprechende Förderangebote bereitgestellt, für Deutsch, Mathematik und möglicherweise die erste Fremdsprache. Zielgruppe seien vor allem Schülerinnen und Schüler, bei denen ein Wechsel bevorstehe - entweder auf eine weiterführende Schule oder in eine Ausbildung. Der jeweilige Bedarf müsse «vorher in einer Lernstandserhebung ermittelt werden».

Auch DL-Präsident Meidinger forderte eine baldige Bestandsaufnahme über den Lernstand: «Wir brauchen möglichst bald einen Überblick vorrangig in den Kernfächern, wo die Schüler stehen und wie groß die Lücken sind.» Auf der Grundlage dieser Diagnose sollte dann gemeinsam mit Eltern und Kindern beraten werden, welche Maßnahmen nötig und sinnvoll sind, um die Zukunftschancen sowie die weitere Bildungslaufbahn und die angestrebten Schulabschlüsse zu sichern.

Bei Schülern, die starke Defizite aufweisen, wäre auch ein zusätzliches Schuljahr denkbar, so Meidinger. «Man könnte neben dem individuellen freiwilligen Wiederholen an größeren Schulen eigene Lerngruppen bilden, in denen die Lücken aus den letzten zwei Schuljahren aufgeholt werden.» Das könnte auch den Druck mindern, neben dem Lernen des neuen Stoffs gleichzeitig den alten nachholen zu müssen. Meidinger sagte: «Freizeit und Hobbys sind im Lockdown sowieso schon genug auf der Strecke geblieben.»

Der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, begrüßte das zusätzliche Förderangebot an Schulen. Er forderte jedoch, auf eine zeitliche Begrenzung zu verzichten. «Ein auf zwei Jahre befristetes Förderprogramm wird den bevorstehenden Herausforderungen nicht gerecht werden können. Es muss daher jetzt schon darüber nachgedacht werden, wie das nun zu spannende Auffangnetz verstetigt werden kann, um langfristig zu wirken.»

 

27.03.2021

Kretschmann lädt für Montag zu Gespräch über Schulöffnungen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann will an diesem Montag mit Vertretern von Schülern, Eltern und Lehrern besprechen, ob die Schulen nach den Osterferien trotz steigender Corona-Zahlen schrittweise weiter geöffnet werden können. An der Video-Konferenz am Montagnachmittag (16.00) nehmen unter anderem der Landesschüler- und der Landeselternbeirat sowie mehrere Lehrerverbände wie die GEW und der Philologenverband teil. Für die Landesregierung sind auch Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) eingeladen.

In dem Einladungsschreiben, das der dpa vorliegt, schreibt Kretschmann, angesichts stark steigender Infektionszahlen müsse überlegt werden, «wie wir trotzdem Unterricht ermöglichen können und dabei zwischen Gesundheitsschutz und den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen einen gangbaren Weg finden». Und weiter: «Für den Zeitraum nach Ostern sind damit tragfähige Konzepte für den Schulbetrieb gefragt, um möglichst allen Klassenstufen die Chance auf Wechselunterricht zu geben.» Dabei würden auch Testungen an Schulen eine zentrale Rolle spielen.

Kretschmann hatte am Mittwoch im Landtag erklärt, dass nach den Osterferien alle Kinder und Jugendlichen schrittweise und mit regelmäßigen Corona-Tests im Wechsel wieder in die Schulen zurückkehren sollen. Es solle einen Stufenplan geben, wonach Stadt- und Landkreise je nach Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche über die Art des Unterrichts entscheiden können.

In Baden-Württemberg sind die meisten Kinder und Jugendlichen seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, auch die Abschlussklassen sind seitdem teilweise wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen wieder im Regelbetrieb. Die 5. und 6. Klassen sind ebenfalls zurückgekehrt, können aber auch im Wechsel unterrichtet werden.

Studie: Wegen Corona 1,5 Milliarden für Schüler-Nachhilfe nötig

Das Aufholen coronabedingter Lernrückstände von Schülern erfordert nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zusätzliche öffentliche Mittel von rund 1,5 Milliarden Euro, wie die «Rheinische Post» (Samstag) berichtet. Die Studie des arbeitgebernahen Instituts geht dem Bericht zufolge von rund 1,5 Millionen Schülern aus, bei denen durch die Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden ist. Die Autoren rechnen mit einem durchschnittlichen Förderbedarf von rund 100 Stunden pro betroffenem Schüler und kommen so auf die Milliardensumme. Das sei «gut angelegtes Geld, um die Verschärfung der Ungleichheit der Bildungschancen und deutlich größere Folgekosten zu vermeiden».

Über ein entsprechendes Förderprogramm beraten Bund und Länder bereits seit einigen Wochen: Im Gespräch ist eine «Nachhilfe-Milliarde». Dies sei der Bedarf für die Kernfächer, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die SPD-geführten Länder schlagen vor, rund jedem fünften der 11 Millionen Schüler zusätzlichen Unterricht anzubieten - entweder über ein ganzes Schuljahr zwei Stunden pro Woche oder über ein halbes Schuljahr vier Stunden. Nach Angaben des Deutschen Lehrerverbands sind seit Beginn der Pandemie mehr als 500 Unterrichtsstunden weggefallen.

Karliczek sagte: «20 bis 25 Prozent der Schüler haben vermutlich große Lernrückstände - vielleicht sogar dramatische.» Möglichst schon zu den Sommerferien, spätestens zum neuen Schuljahr würden entsprechende Förderangebote bereitgestellt, für Deutsch, Mathematik und möglicherweise die erste Fremdsprache. Zielgruppe seien vor allem Schülerinnen und Schüler, bei denen ein Wechsel bevorstehe - entweder auf eine weiterführende Schule oder in eine Ausbildung. Der jeweilige Bedarf müsse «vorher in einer Lernstandserhebung ermittelt werden».

26.03.2021

191 Schüler positiv auf Corona getestet

Die Corona-Selbsttests an Sachsens Schulen haben diese Woche bei 191 Schülern ein positives Ergebnis gezeigt. Bei fast 146 300 Tests sei dies eine Infektionsrate von 0,13 Prozent, teilte das Kultusministerium am Freitag in Dresden mit. Beim Schulpersonal gab es mehr als 62 600 Tests, es wurden 90 Infektionen festgestellt. Den Angaben zufolge darf derzeit nur eine Schule betreten, wer einen Test absolviert oder einen negativen Corona-Nachweis vorlegen kann. Laut Ministerium haben in dieser Woche mehr als 2500 Schüler den Test verweigert; beim Schulpersonal war das 26 Mal der Fall.

Nach Ostern zwei Corona-Selbsttests pro Woche in den Schulen

Mecklenburg-Vorpommerns Schüler und Lehrer können nach den Osterferien zweimal pro Woche einen Corona-Selbsttest machen. Bisher wurden die Tests in den Schulen nur einmal wöchentlich bereitgestellt. Außerdem soll es künftig möglich sein, den Test zu Hause durchzuführen statt zum Beginn eines Schultags in der Klasse. Das müsste dann die jeweilige Schulkonferenz beschließen, heißt es in einem Hinweisschreiben von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) an die Schulen im Land vom Freitag. Auch eine Kombination beider Orte ist demnach möglich. Wichtiger als der Ort der Testungen sei, dass überhaupt regelmäßig sachgerechte Testungen vorgenommen würden und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ergebnissen stattfinde, so Martin.

Seit dem 17. März bieten die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern den Lehrern, Schülern und Schulmitarbeitern Corona-Selbsttests an, um den Präsenzunterricht in der Pandemie sicherer zu machen. In den ersten sieben Tagen nutzten nach Angaben des Ministeriums gut 48 000 der rund 187 000 Schüler das Angebot. Von den rund 13 300 Lehrern nahmen knapp 5500 teil. Außerdem testeten sich gut 1000 Referendare und Schulmitarbeiter. In den ersten vier Tagen gab es nach Angaben aus der SPD-Landtagsfraktion 21 positive Testergebnisse.

An der anfänglichen Festlegung, die Selbsttests verpflichtend in der Klasse durchzuführen, hatte es Kritik von Lehrern und Eltern gegeben. Manche befürchteten Verletzungen bei kleineren, lebhaften Kindern, wenn in der Gruppe getestet wird, andere warnten vor Stigmatisierungen bei positiven Testergebnissen. Der CDU-Bildungspolitiker Daniel Peters zeigte sich überzeugt, dass der Schwenk von Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) zu einer größeren Akzeptanz der Testungen beitragen werde.

Philologenverband fordert schnellere Impfung für alle Lehrer

Der Deutsche Philologenverband fordert, dass nach den Grundschullehrern auch Lehrkräfte weiterführender Schulen nun schnell ein Impfangebot bekommen. Die Kultusminister der Länder müssten die anstehenden Osterferien nutzen, um allen Lehrkräften ein Angebot zu machen, sagte Verbandschefin Susanne Lin-Klitzing der Deutschen Presse-Agentur. «Die Kultusminister treten kontinuierlich für den Präsenzunterricht ein. Das gleiche Engagement müssen sie aber vorlegen, wenn es um Impfungen für die Lehrkräfte an weiterführenden Schulen geht.» Bisher hätten nur 3 der 16 Bundesländer entsprechende Angebote gemacht, kritisierte Lin-Klitzing. Der Philologenverband vertritt die Gymnasiallehrer.

Im Zuge der Wiederöffnung von Kitas und Grundschulen war die Impfreihenfolge geändert worden. Kita-Beschäftigte und Grundschullehrkräfte kommen dadurch früher als ursprünglich geplant dran. Für Lehrer weiterführender Schulen gibt es keine entsprechende bundesweite Regelung.

25.03.2021

NRW plant nach den Osterferien keinen Regelunterricht an den Schulen

Wegen der steigenden Corona-Zahlen wird es in NRW auch nach den Osterferien keinen regulären Schulunterricht geben. Die Entscheidung kommt nicht unerwartet. Doch das Schulministerium will diesmal die Weichen frühzeitig stellen.

An den Schulen in Nordrhein-Westfalen wird es auch nach den Osterferien keinen regulären Unterricht geben. Zunächst bis zum 23. April sollten die Schüler wie schon jetzt abwechselnd im Klassenraum und zu Hause lernen, schrieb das Schulministerium am Donnerstag in einer Mail an die Schulen. «Die Landesregierung wird die Entwicklung des Infektionsgeschehens weiterhin aufmerksam beobachten und den Schulstart im Zusammenwirken mit allen Beteiligten nach den Osterferien sorgfältig vorbereiten», sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Das Ministerium versprach den Schulen, dass nach den Osterferien pro Woche zwei Selbsttests für alle Lehrer und die Schüler an weiterführenden Schulen zur Verfügung stünden. Für Schüler in Grundschulen gilt diese Zusage zunächst nicht. Die Landesregierung sei aber «bestrebt», auch Grund- und Förderschülern «schnellstmöglich ein alters- und kindgerechtes Testangebot machen zu können», schrieb das Ministerium in der Schulmail.

Für die Abiturienten soll unmittelbar nach den Osterferien eine gezielte Vorbereitung in den Abiturfächern starten. Der Unterricht in allen anderen Fächern entfalle für die Abiturienten komplett.

Nach Monaten des Distanzunterrichts waren viele Kinder und Jugendliche in NRW in den vergangenen Wochen zumindest tageweise in die Schulen zurückgekehrt. Den Anfang hatten zunächst die Grundschüler und Abschlussjahrgänge der weiterführenden Schulen gemacht. Seit dem 15. März gab es auch für die übrigen Klassen einen Wechsel aus Unterricht in den Klassenräumen und Lernen zu Hause. Zuvor waren die Schüler aller Schulformen seit Mitte Dezember im Distanzunterricht.

In besonders von der Pandemie betroffenen Regionen sei auch nach den Osterferien ein kompletter Distanzunterricht möglich. Bislang hatten Hagen, Wuppertal, der Kreis Düren, der Märkische Kreis, der Oberbergische Kreis und der Kreis Siegen-Wittgenstein die Schüler komplett in den Heimunterricht geschickt. Die Erlaubnis der Landesregierung dafür ist allerdings zunächst bis zu den Osterferien begrenzt. An diesem Freitag ist in NRW der letzte Schultag vor den Ferien.

Kretschmann will Schülern nach Ostern Wechselunterricht ermöglichen

Fast drei Monate waren die meisten Kinder und Jugendlichen nicht mehr in der Schule. So kann das nicht weitergehen, sagt Kretschmann jetzt. Nach den Osterferien sollen Kreise je nach Infektionszahlen über Schulöffnungen entscheiden.

Nach den Osterferien sollen alle Kinder und Jugendlichen schrittweise und mit regelmäßigen Corona-Tests wieder in die Schulen zurückkehren können. Es soll einen Stufenplan geben, wonach Stadt- und Landkreise je nach Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche über die Art des Unterrichts entscheiden können. «Jedenfalls haben wir das Ziel, dass wir perspektivisch allen Klassenstufen eine Chance auf Wechselunterricht einräumen – unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen», sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Mittwoch im Landtag in Stuttgart.

Voraussetzung dafür sei, dass neben Lehrkräften auch Schülerinnen und Schüler zweimal die Woche getestet würden. Die Testmöglichkeiten seien nach den Ferien weitgehend aufgebaut. Der grüne Regierungschef kündigte an, sich kommende Woche mit Vertretern von Eltern, Lehrern und Schulleitern zusammensetzen zu wollen. «Wenn wir möglichst viel Präsenz ermöglichen wollen, brauchen wir eine hohe Teilnahmequote an den Tests», betonte Kretschmann. Er schloss eine «Testpflicht» - wie es sie in Sachsen gibt - nicht aus. «Das loten wir rechtlich aus.»

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz erklärte, es müsse einen Stufenplan geben, «um es trotzdem allen Kindern zu ermöglichen, nach Ostern zumindest für einige Tage in der Woche Unterricht in Präsenz zu erhalten». Man wolle sich dabei an der Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche in den Stadt- und Landkreisen orientieren. Davon hänge ab, ob Schüler im Hybridunterricht, im Wechselunterricht oder auf herkömmliche Weise unterrichtet werden.

In Hotspots mit einer Inzidenz von über 200 sollen die Schulen allerdings geschlossen werden, sagte Schwarz. Kinder und Jugendliche sollten dann ausschließlich digitalen Unterricht bekommen. Die Bildungsgewerkschaft GEW hält diesen Grenzwert für etwas zu hoch. Grundsätzlich sei man der Meinung, dass ab einer Inzidenz von 50 Wechselunterricht gemacht werden müsse, sagte Matthias Schneider von der GEW. Wichtig sei zudem, dass die Testkapazitäten verlässlich ausgebaut werden. «Es gibt Schulen, in denen es super funktioniert, und andere, da funktioniert es gar nicht.» Hier müsse es nochmal Gespräche mit den Kommunen geben, die meistens die Schulträger seien und sich darum kümmern müssten.

Ex-Kultusminister Andreas Stoch (SPD) zeigte sich erfreut, dass Kretschmann jetzt das «Ruder» übernehme, wo Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) abgetaucht sei. «Man kann das Schiff jetzt nicht noch mehrere Wochen treiben lassen», sagte der SPD-Fraktionschef der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist richtig, dass Kretschmann das jetzt zur Chefsache macht.» Nun müsse man in Absprache mit Eltern- und Lehrervertretern Lösungen finden, wie man Gesundheitsschutz und Präsenzunterricht auf Kreisebene miteinander kombinieren könne.

In Baden-Württemberg sind die meisten Kinder und Jugendlichen seit Mitte Dezember nicht mehr in der Schule gewesen. Die Grundschulen hatten Mitte Februar wieder mit Wechselunterricht begonnen, auch die Abschlussklassen sind seitdem teilweise wieder an den Schulen. Seit 15. März sind die Grundschulen wieder im Regelbetrieb. Die 5. und 6. Klassen sind ebenfalls zurückgekehrt, können aber auch im Wechsel unterrichtet werden.

24.03.2021

Schulpersonal soll ab sofort geimpft werden

Lehrkräfte aller Schulformen in Sachsen-Anhalt sollen sich ab sofort gegen Corona impfen lassen können. Auch weiteres Personal der Schulen bekomme ein Impfangebot, teilte das Sozialministerium in Magdeburg am Mittwoch mit. Dazu zählen unter anderem Menschen, die in Sekretariaten oder als Reinigungskräfte arbeiten, aber auch Referendare oder Praktikanten. «Mit Blick auf die zugespitzte epidemiologische Lage ist dieser Schritt zwingend
erforderlich», sagt Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) laut Mitteilung. Bislang waren Beschäftigte an Grund- und Förderschulen impfberechtigt.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) bezeichnete die Entscheidung als einen «wichtigen Beitrag zum pandemiefesten Schulbetrieb». Bislang sei die Impfbereitschaft unter Lehrkräften sehr hoch. «Ich hoffe, dass nun auch alle Kolleginnen und Kollegen der weiterführenden Schulen das Impfangebot wahrnehmen», wird Tullner in einer Mitteilung des Bildungsministeriums weiter zitiert.

Bis Ende kommender Woche soll die Zahl gelieferter Impfdosen Angaben des Sozialministeriums zufolge auf insgesamt 452 550 steigen. Bislang hätten 9,3 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt eine Erstimpfung, 3,8 Prozent die Zweitimpfung erhalten.

Schulen bleiben nach Osterferien im Wechselunterricht

Die Schulen in Rheinland-Pfalz unterrichten nach den Osterferien weiter im Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht. Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens sei klar, «dass wir nicht zu weiteren Öffnungsschritten kommen können», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch in Mainz.

Die Präsenzpflicht für Kinder und Jugendliche, die im Klassenraum unterrichtet werden, bleibt auch nach den Ferien weiter bestehen. Schülerinnen und Schüler, «die vulnerable Angehörige und eine besondere Situation zuhause haben», können sich aber mit einem Attest von der Präsenzpflicht befreien lassen. Bei einer Inzidenz von mehr als 100 Corona-Infektionen auf 100 000 Einwohner wird in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und der Schulaufsicht geklärt, wie der Unterricht vor Ort weiter geregelt sein soll.

Osterruhe wieder gekippt - Perspektive für Schulen im Südwesten

Notbremse ja, Osterruhe nein. Die Kanzlerin kassiert den geplanten Lockdown über Ostern nach heftiger Kritik wieder ein. Das bringt auch die Umsetzung der Beschlüsse im Land durcheinander. Für die Schulen hat Kretschmann eine Überraschung parat.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die Menschen in Baden-Württemberg nach dem Stopp für die Pläne eines verschärften Oster-Lockdowns um Verzeihung gebeten. «Ich möchte mich bei der Bevölkerung für dieses Hin und Her entschuldigen», sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch im Landtag in Stuttgart. Zuvor hatten Kanzlerin Angela Merkel und die Länder-Regierungschefs in einer neuerlichen Schalte die in der Nacht zu Dienstag beschlossene Osterruhe wieder gekippt. Die Initiative dafür sei von Merkel ausgegangen, wofür er ihr Respekt zolle, sagte Kretschmann.

Es habe sich als nicht machbar herausgestellt, Gründonnerstag und Karsamstag mit Hilfe des Infektionsschutzgesetzes als Ruhetage zu definieren, erklärte der Regierungschef. Zudem sei klar geworden, dass es bei vielen Betrieben stark die Lieferkette beeinträchtigt hätte. Das Sprichwort «der Teufel steckt im Detail» habe sich bewahrheitet, sagte der Grüne. Der Plan für die Osterruhe sei in der Bund-Länder-Schalte erst mitten in der Nacht aufgekommen und sei nicht genügend vorbereitet gewesen.

Nun sollen die Länder mit Hilfe der Notbremse dafür sorgen, dass die Kontakte so weit wie möglich verringert werden. Vor der neuerlichen Online-Konferenz mit Merkel hatte Kretschmann im Landtag erklärt, dass Lockerungen wieder rückgängig gemacht werden müssten, sobald die Zahl der Neuinfektionen stabil über 100 pro 100 000 Einwohner in einer Woche sei. «Niemand zieht eine Notbremse leichtfertig. Aber wer sie nicht betätigt, obwohl die Gefahr absehbar ist, handelt fahrlässig», sagte der Grünen-Politiker mit Blick auf die stark steigenden Fallzahlen.

Für Schülerinnen und Schüler hatte Kretschmann eine Überraschung parat: Nach den Osterferien sollen alle Kinder und Jugendlichen schrittweise und mit regelmäßigen Corona-Tests wieder in die Schulen zurückkehren können - trotz der Gefahr durch die Mutanten. «Wir wollen hier Perspektiven geben», sagte Kretschmann. Voraussetzung dafür sei, dass neben Lehrkräften auch Schülerinnen und Schüler zweimal die Woche getestet würden. Die Testmöglichkeiten seien nach den Osterferien weitgehend aufgebaut. «Jedenfalls haben wir das Ziel, dass wir perspektivisch allen Klassenstufen eine Chance auf Wechselunterricht einräumen – unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.»

Der grüne Regierungschef kündigte an, sich kommende Woche mit Vertretern von Eltern, Lehrern und Schulleitern zusammensetzen zu wollen. «Wenn wir möglichst viel Präsenz ermöglichen wollen, brauchen wir eine hohe Teilnahmequote an den Tests», betonte Kretschmann. Er schloss eine «Testpflicht» nicht aus. «Das loten wir rechtlich aus.»

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz erklärte, es müsse einen Stufenplan geben, «um es trotzdem allen Kindern zu ermöglichen, nach Ostern zumindest für einige Tage in der Woche Unterricht in Präsenz zu erhalten». Man wolle sich dabei an der Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche in den Stadt- und Landkreisen orientieren. Davon hänge ab, ob Schüler im Hybridunterricht, im Wechselunterricht oder auf herkömmliche Weise unterrichtet werden. In Hotspots mit einer Inzidenz von über 200 sollen die Schulen allerdings geschlossen werden, sagte Schwarz. Kinder und Jugendliche sollten dann ausschließlich digitalen Unterricht bekommen.

Kretschmann erläuterte zudem, in Stadt- und Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 würden weitere Schritte umgesetzt. Nur die Geschäfte für den täglichen Bedarf blieben geöffnet, dazu zählen auch Bau- und Gartenmärkte. Zudem gelte eine nächtliche Ausgangsbeschränkung von 21.00 Uhr bis 5.00 Uhr. Neu ist: «Wer in einem privaten Pkw mitfährt, muss eine medizinische Maske tragen, sofern die Person nicht dem Hausstand des Fahrers angehört.» Noch nicht klar sei, ob die Kontakte von Montag an weiter beschränkt werden sollen. Wie man mit «Click&Collect» und «Click&Meet» im Einzelhandel umgehen will, berate man derzeit noch mit den Nachbar-Bundesländern.

Es soll außerdem dabei bleiben, dass Stadt- und Landkreise je nach Corona-Infektionszahlen über Lockerungen und Schließungen etwa von Geschäften entscheiden. Kretschmann hatte erwogen, die Regeln wieder landesweit durchzusetzen, dies aber wieder verworfen. Wegen der steigenden Zahl von Infektionen im Südwesten sind derzeit kaum noch Öffnungen möglich. So liegt nach Zahlen des Landesgesundheitsamts kein Kreis mehr unter dem Schwellenwert von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche. Derzeit liegen im Südwesten noch 27 Kreise zwischen 50 und 100, 17 sind über der Inzidenz von 100.

Der Regierungschef erneuerte seinen Appell an die Unternehmen im Land, den Beschäftigten, die in Präsenz arbeiteten, regelmäßig Tests zur Verfügung zu stellen - «mindestens einmal die Woche, besser zweimal». Andernfalls müsse man zu anderen Mitteln greifen. «Anfang April werden wir uns ein Bild machen, wie viele Unternehmen solche Tests anbieten.», sagte Kretschmann. «Sollte die Quote zu niedrig sein, wird eine bundesweite rechtliche Verpflichtung für die Unternehmen geprüft, Tests für ihre Belegschaften anzubieten.»

Lehrerverband: Schuljahr nicht abhaken

Trotz des massiven Unterrichtsausfalls wegen der Corona-Einschränkungen gibt der Deutsche Lehrerverband das laufende Schuljahr nicht verloren. «Abhaken muss man dieses Schuljahr nicht. Das wäre auch eine unzulässige Negierung der großen Anstrengungen und des Engagements von Schülern und Lehrkräften im Distanzunterricht», sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Deutschen Presse-Agentur.

Er wolle die entstandenen Lücken nicht klein reden. Aber wenn die Politik jetzt endlich handele und ein umfassendes Lernförderprogramm auf den Weg bringe, gebe es eine gute Chance, im nächsten und übernächsten Schuljahr Lerndefizite aufzuholen. Meidinger nannte Zusatzangebote für Schüler und den Einsatz zusätzlichen Personals, etwa Nachwuchslehrer im Studium oder Pensionäre.

Bund und Länder verhandeln derzeit über ein solches Programm, das bis zu einer Milliarde Euro kosten könnte. Die SPD-Länder hatten vorgeschlagen, dass etwa jedem fünften der rund 11 Millionen Schüler ein Angebot für eine Lernförderung gemacht werden könnte - entweder zwei zusätzliche Stunden pro Woche über ein ganzes Schuljahr oder vier Stunden über ein halbes Schuljahr.

Mit Blick auf den weiteren Schulbetrieb sagte Meidinger, Öffnungen auch bei höheren Corona-Zahlen seien nur verantwortbar, wenn eine umfassende Testung gewährleistet sei und die Lehrkräfte geimpft seien. Er verwies auf eine «andere Gefährdungslage an Schulen» durch die neuen Virusvarianten.

Bei der in den Ländern anlaufenden Ausweitung von Tests für Schüler und Lehrkräfte sieht der Verband noch mehrere organisatorische Probleme. So sei die Frage der Verbindlichkeit vielfach noch offen und ob die Tests in der Schule oder Zuhause durchgeführt werden sollten. «Im Übrigen ist ein negativer Schnell- oder Selbsttest nur wenige Stunden gültig. Wenn man also wirklich einen genauen Überblick über das Infektionsgeschehen haben will, müsste man täglich testen», sagte Meidinger.

Bildungsministerin informiert über Teststrategie für Schulen

Ab April sollen alle Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz einmal in der Woche auf das Coronavirus getestet werden. Die Einzelheiten der Teststrategie an Schulen wie an den Kindertagesstätten stellt an diesem Mittwoch (12.30 Uhr) Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) vor. Bund und Länder haben Anfang März beschlossen, dass auch Lehrkräfte sowie Kita-Erzieherinnen und -Erzieher sowie Beschäftigte in Jugendheimen ein regelmäßiges Testangebot erhalten.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte im Anschluss an die jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse im Ältestenrat des Landtags, dass Rheinland-Pfalz die bevorstehende Zeit nutzen werde, um die Vorkehrungen für Corona-Tests weiter auszubauen. Dabei nannte sie neben Bürgertests für alle und Tests in Unternehmen auch die Schulen. Jetzt werde vorbereitet, dass nach den Osterferien nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch alle Kinder und Jugendlichen getestet würden. Bildungsministerin Hubig führe dazu Gespräche mit der Schulgemeinschaft.

23.03.2021

Sachsen will Schulbetrieb ab 12. April ermöglichen

Sachsen will die Schulen ab dem 12. April wieder öffnen. Die Bedingungen für Präsenzunterricht werden derzeit diskutiert, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) bei einer Videokonferenz der Regierung am Dienstagabend. Dabei sollen die für Lehrer und Schuler aller Schularten zwei Mal in der Woche vorgesehenen Tests helfen. «Dafür brauchen wir jeweils 1,2 Millionen Schnelltests, an der Beschaffung arbeiten wir.» Piwarz sprach von einer Übergangslösung, bis man beim Impfen weiter und die Schulen dadurch sicher seien. Impfstoff werde wohl bis Mai «nicht so zur Verfügung stehen wie wir es brauchen», sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

Laut Piwarz kommt es auch auf die Einhaltung der anderen Schutzmaßnahmen wie Maske und Abstand in den Schulen an, um flächendeckende Schließungen zu vermeiden. Der Chef der Sächsischen Impfkommission, Thomas Grünewald, verwies auf die im Unterschied zu Ende 2020 höhere Infektionsdynamik. Die Inzidenz verdoppele sich innerhalb von zwei Wochen, das Durchschnittsalter der Corona-Patienten auf Stationen liege aktuell bei 58 Jahren. Nach seinen Angaben haben sich bisher sechs Prozent der sächsischen Bevölkerung mit Corona infiziert - und jeder 500. Sachse sei mit der Erkrankung gestorben.

Neue Regeln für den Schulunterricht nach den Osterferien in Bayern

Das bayerische Kabinett hat neue Regeln für den Schulbetrieb nach den Osterferien verabschiedet. So sollen bei einem Inzidenzwert unter 50 sämtliche Schulklassen der Grundschulen Präsenzunterricht erhalten, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag in München sagte. Zwischen 50 und 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche erfolgt für alle Jahrgänge Wechselunterricht. Bei einem Wert von über 100 gilt grundsätzlich Distanzunterricht - allerdings mit Ausnahmen.

So findet in den Abschlussklassen sowie in der vierten Klasse der Grundschule und den Jahrgangsstufen 11 an Gymnasien, Fachoberschulen und Berufsoberschulen Präsenzunterricht mit Mindestabstand oder Wechselunterricht statt. In die Klassenzimmer dürfen dabei aber nur Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte, die über einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test verfügen oder in der Schule einen entsprechenden Selbsttest mit negativem Ergebnis gemacht haben. Alle anderen müssen per Distanzunterricht lernen.

Auch das an den Schulen tätige Personal soll sich mindestens zweimal wöchentlich selbst testen, auch im Fall der Notbetreuung.

OVG bestätigt Zutrittsverbot an Schulen für Ungetestete

Wer sich nicht auf das Coronavirus testen lassen will, hat kein Recht eine Schule zu betreten. Das sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) hält eine entsprechende Regelung in der Corona-Schutzverordnung für rechtmäßig. Die Tests berührten nicht den Schutzbereich des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit und die verbundenen Eingriffe seien auch verhältnismäßig, teilte das OVG am Dienstag in Bautzen mit.

Seit dem 15. März 2021 ist Personen der Zutritt auf das Schulgelände untersagt, wenn sie kein negatives Testergebnis nachweisen können. Der Test darf längstens drei Tage, bei Schülerinnen und Schülern eine Woche alt sein. Auch ein Selbsttest ist demnach noch unmittelbar nach Betreten des Geländes möglich. Ausgenommen von dieser Regelung sind Grundschüler.

Das Gericht wies einen entsprechenden Eilantrag mehrerer Schüler und Schülerinnen zurück. Eine andere Maßnahme, die weniger stark in die Grundrechte eingreifen würde, aber in gleicher Weise die Ausbreitung der Pandemie bei einem Präsenzbetrieb in Schulen verhindere, sei nicht erkennbar, begründete das Gericht seine Entscheidung. (Az.: 3 B 81/21).

Das sei eine ganz wichtige Entscheidung für den Schulbetrieb, sagte Kultusminister Christian Piwarz. «Wir sehen uns in unserer Rechtsauffassung bestätigt und werden den Schulbetrieb nach Ostern entsprechend vorbereiten», erläuterte der CDU-Politiker.

Sachsen-Anhalt will alle Schulen geöffnet lassen

Sachsen-Anhalt will die Schulen auch in Regionen mit hohem Infektionsgeschehen geöffnet lassen. In allen Landkreisen und kreisfreien Städten würden die Schulen weiterhin in Betrieb gehalten, «und zwar auch dort, wo wir - wie im Burgenlandkreis - die Inzidenz von 200 überschritten haben», erklärte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Dienstag nach der Sitzung des Kabinetts in Magdeburg. Am Morgen hatte das Robert Koch-Institut für den Burgenlandkreis 203,5 Ansteckungen je 100 000 Einwohner und 7 Tage gemeldet.

«Wir können das deswegen rechtfertigen, weil wir dort ein Modellprojekt fahren, das dazu führt, dass dort in einem ganz engen Zeittakt alle Schülerinnen und Schüler regelmäßig getestet und damit überprüft werden», erklärte Haseloff. Kita-Beschäftigte sowie Lehrkräfte an den Schulen seien geimpft. Diese Vorkehrungen würden wissenschaftlich begleitet. Es gehe darum, mit der Pandemie zu leben und in bestimmten Bereichen ein Stück Normalität sicherzustellen.

Mehrheit für erneute Schließung von Schulen und Kitas

Eine Mehrheit der Deutschen wäre einer Umfrage zufolge dafür, dass Schulen und Kitas angesichts der aktuellen Corona-Lage wieder geschlossen würden. 52 Prozent würden dies «eher» oder «voll und ganz» befürworten, wie eine aktuelle Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. 34 Prozent würden einen solchen Schritt «eher» oder «voll und ganz» ablehnen, 14 Prozent machten keine Angabe. Westdeutsche (55 Prozent) sprechen sich demnach häufiger für eine Schließung aus als Ostdeutsche (41 Prozent).

In Deutschland hatten die meisten Grundschulen im Februar nach rund zweimonatiger Schließung oder Notbetreuung im Februar wieder geöffnet. Im März kehrten auch die ersten älteren Jahrgänge schrittweise im sogenannten Wechselbetrieb in die Schulen zurück. Regional wurde auf gestiegene Corona-Zahlen allerdings inzwischen wieder mit Schließungen oder einem Stopp dieser Rückkehr reagiert. Wie es an den Schulen weitergeht, ist im Moment offen. In den meisten Bundesländern beginnen an diesem Wochenende zunächst die Osterferien.

Schnelltests noch nicht an allen Schulen in MV

Die angekündigten wöchentlichen Corona-Schnelltests, mit denen die Schulöffnungen abgesichert werden sollen, haben noch nicht alle Schulen in Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Ein Sprecher des Bildungsministeriums berichtete am Dienstag, dass etwa im Landkreis Nordwestmecklenburg an einzelnen Schulen bisher noch keine Tests zur Verfügung standen. Nach einem Bericht des «Nordkurier» sind auch Schulen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte betroffen.

Demnach ist eine Schnelltest-Lieferung aus Österreich mit 180 000 Testkits nicht pünktlich in MV eingetroffen. Nach dem Verbleib der Sendung werde aktuell gefahndet. Der Sprecher des Bildungsministeriums sagte am Vormittag, das Ministerium verschaffe sich gerade einen Überblick über die Lage.

Die oppositionelle Linke im Landtag kritisierte die Situation. «So war das nicht abgemacht», schimpfte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. «Die angekündigten flächendeckenden Tests an den Schulen können vielerorts nicht durchgeführt werden, weil die erforderlichen Schnelltests nicht dort ankommen.» Es ziehe sich wie ein roter Faden durch das gesamte Krisenmanagement von Bund und Land: «Da werden großspurig Maßnahmen angekündigt, ohne dass ein konkreter Plan zu deren Umsetzung vorliegt.»

Eltern fordern neues Corona-Testkonzept für Schulen

Der Ablauf der Corona-Selbsttests an den niedersächsischen Schulen stößt auch bei vielen Eltern auf Kritik. Die Durchführung der Tests gehöre nicht in die Schulen, sondern in die häusliche Umgebung, teilte die Arbeitsgemeinschaft der Elternräte am späten Montagabend mit. Die Schulen sollten den Schülerinnen und Schülern die Testkits dafür zur Verfügung stellen. Alternativ müsse an den Schulen medizinisches Personal eingesetzt werden, um Ansteckungen und Verletzungen zu verhindern. Die Testergebnisse dürften dann jedoch keinesfalls an die Schulöffentlichkeit dringen.

Bisher finden die Corona-Selbsttests in den meisten Fällen in den Schulräumen unter Aufsicht der Lehrer statt - nur bei Grundschülern wird schon zu Hause getestet. Von Schulleitern und Gewerkschaften gab es dagegen bereits Widerstand. Die Ansteckungsgefahr sei deutlich höher, wenn erst in der Schule getestet werde, so die Befürchtung.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hatte erklärt, die Hinweise zur ersten Testwoche vor den Osterferien sollten gewissenhaft ausgewertet werden. «Ich bin da sehr offen für die beste Lösung. Das gilt auch für die Frage, ob in der Schule oder zu Hause zu testen der bessere Weg ist», sagte der SPD-Politiker am Montag. Nach Ostern sollen die Tests dann regelmäßig und flächendeckend stattfinden.

22.03.2021

Lehrerverband rebelliert gegen die Staatsregierung

Der BLLV erklärt die Anweisung für Corona-Selbsttest in den Schulen für rechtswidrig und droht Ministerpräsident Söder: Lehrer ohne Impfangebot könnten nach den Osterferien zu Hause bleiben. Die Staatsregierung verweist auf ebenfalls nicht geimpfte Polizeibeamte.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) geht auf die Barrikaden. In einem Brandbrief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte der BLLV am Montag ultimativ ein Impfangebot für alle Lehrer und warf dem Kultusministerium rechtswidrige Weisungen vor.

Das Ministerium wolle freiwillige Corona-Selbsttests von Schülerinnen und Schülern unter Aufsicht von Lehrerinnen und Lehrern durchführen lassen. Dabei könnten sich Lehrerinnen und Lehrer aber mit dem Virus infizieren, weil sie keine Schutzanzüge und Schildmasken wie das Testpersonal in der Medizin erhielten, beklagte der BLLV. Junge Schüler könnten sich bei dem Selbsttest mit einem Wattestäbchen in der Nase verletzen - die Lehrer seien notfallmedizinisch nicht ausgebildet. Außerdem sei der Datenschutz nicht gewährleistet, und zudem falle auch noch Unterrichtszeit aus. Aus diesen Gründen seien die Anweisungen des Kultusministers rechtswidrig und müsse umgehend zurückgenommen werden.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sagte, ein Musterbrief mit dieser Forderung sei am Montag an alle 66 000 Mitglieder des Verbandes verschickt worden. Die Mitglieder könnten ihn jetzt an ihre jeweilige Schulbehörde verschicken und damit, wie im Beamtenrecht vorgesehen, ihren jeweiligen Dienstherrn zur Korrektur der rechtswidrigen Maßnahme auffordern.

Und «wenn die Lehrerinnen und Lehrer und alle an der Schule Beschäftigten am 1. Schultag nach den Osterferien wieder einen Fuß in die Schule setzen sollen, müssen im Vorfeld alle ein Impfangebot erhalten haben», schrieb der BLLV an Söder. «Wer kein Impfangebot erhalten hat, kann nur den Distanzunterricht anbieten.» Zudem hätten viele Lehrer bereits eine Überlastungsanzeige gestellt, weil sie die Vielfalt der Aufgaben nicht mehr bewältigen könnten. «Irgendwann muss man sagen, es reicht!», sagte Fleischmann.

Das Kultusministerium reagierte empört: «Dass die Präsidentin des BLLV den Dienst in der Schule an ein Impfangebot knüpft, geht natürlich gar nicht». Es stelle sich auch die Frage, ob sie eine Impfpflicht für Lehrkräfte anstrebe. Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) erklärte, nicht jeder könne seine Arbeit einstellen, weil er noch nicht geimpft sei. Im Gegensatz zu Lehrern hätten Polizisten bei ihren Einsätzen oft Körperkontakt mit fremden Menschen und arbeiteten dennoch auch ohne Impfung weiter. Es gebe umfangreiche Hygienekonzepte an den Schulen. Lehrkräfte an Grund - und Förderschulen seien bei der Impf-Priorisierung in Gruppe zwei eingestuft, viele bereits geimpft.

Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände - ein Zusammenschluss aus Philologenverband, Realschullehrerverband, der Katholischen Erziehergemeinschaft und dem Verband der Lehrer an beruflichen Schulen - verlangte eine kontrollierbare Teststrategie. «Dazu gehört es nicht, die Schüler in vollen Bussen bis zum Klassenzimmer zu karren, um sie dort unter fragwürdigen Bedingungen zu testen und dann mit einem positiven Testergebnis wieder nach Hause zu schicken.»

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) rechnet nicht mit einer baldigen Rückkehr zur Normalität an den Schulen. «Wie im Grunde seit einem Jahr haben wir einen Mix von Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht», sagte er der «Augsburger Allgemeinen». «Ich gehe davon aus, dass in der aktuellen Situation sich dieser Trend fortsetzen wird.»

Aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen im Freistaat war für mehr als 30 Landkreise und kreisfreie Städte von dieser Woche an Distanzunterricht angeordnet worden. Das betrifft rund 2250 Schulen mit mehr als einer halben Million Schülern. In zahlreichen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten gibt es hingegen Präsenz- und Wechselunterricht.

Schnelltests an Schulen beginnen - Warten auf neue Corona-Regeln

Die langersehnten Schnelltests in Sachsen-Anhalt beginnen. Während das Gesundheitsministerium einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen meldet, streiten Bund und Länder über die neuen Corona-Regeln.

Die ersten Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt sind per Schnelltest auf Corona getestet worden. Nach ersten Informationen habe dies an vielen Schulen gut funktioniert, sagte ein Sprecher des Bildungsministerium am Montag. In einem ersten Schritt seien am Freitag und Montag etwa 300 000 Tests an die Schulen verteilt worden. Sobald weitere Tests zur Verfügung stehen, solle zweimal wöchentlich an den Schulen getestet werden, führte der Ministeriumssprecher aus.

Die genaue Zahl der positiven Fälle sei noch nicht genau zu ermitteln gewesen, sagte der Sprecher. Bisher seien nur vereinzelt Rückmeldungen aus den Grundschulen gekommen. Auch die Höhe der Testbereitschaft sei noch nicht sicher feststellbar. Im Burgenlandkreis, wo bereits seit vergangener Woche getestet wurde, lag die Testquote nach Aussage der Kreisverwaltung etwa bei 77 Prozent der Schülerschaft.

Die Schnelltests an den Schulen gehören zur Öffnungsstrategie von Bund und Ländern. Am Montagnachmittag berieten die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten in einer Schalte erneut, über die weitere Corona-Politik. Laut einer Beschlussvorlage sollte bei der Runde auch über die Möglichkeit nächtlicher Ausgangsbeschränkungen für besonders schwer von Corona betroffene Regionen gesprochen werden. Kritiker sprachen von einer Ausgangssperre. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und auch der Koalitionspartner SPD lehnten das im Vorfeld jedoch ab.

Angesichts vieler strittiger Punkte wurden lange Verhandlungen bis in den späten Abend erwartet. Am Dienstag sollte die Landesregierung die Ergebnisse der Bund-Länder-Runde dann beraten und in Form einer neuen Corona-Landesverordnung beschließen. Am Dienstagnachmittag wollte Haseloff die Öffentlichkeit über die neuen Regeln informieren, die spätestens am Montag kommender Woche in Kraft treten sollen.

Sachsen-Anhalt gehört derzeit zu den am schwersten von Corona betroffenen Bundesländern. Der Sieben-Tage-Wert bei den Corona-Neuinfektionen lag am Montag in Sachsen-Anhalt laut dem Robert Koch-Institut bei 123,1. Damit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt bereits den neunten Tag in Folge über der 100er-Marke. Das Gesundheitsministerium meldete am Montag 222 Neuinfektionen. Sechs weitere Menschen starben zwischen Sonntag und Montag während einer Corona-Infektion in Sachsen-Anhalt.

Schulen wollen Corona-Tests nach Hause verlegen

Flächendeckende Selbsttests an den Schulen sollen die Corona-Gefahr im Unterricht drastisch senken. Doch die Umsetzung in Niedersachsen läuft holprig an. Vor allem die Schulleiter üben Kritik.

Die Vorgaben der Landesregierung für die Corona-Selbsttests bei Schülern und Lehrern stoßen an Niedersachsens Schulen auf Widerstand. Schulleiter und Beschäftigte forderten, dass die Tests zu Hause statt in den Schulräumen stattfinden müssten. «Ich bin nicht geimpft, ich trage keine Schutzkleidung, soll aber im Klassenraum dabei sein, wenn sich 20, 25 Kinder selbst testen. Das kann doch nicht wahr sein», sagte ein Lehrer dem NDR.

Seit Montag sollen die Schulen den Umgang mit den Selbsttests eine Woche lang üben, bevor die Tests nach den Osterferien regelmäßig stattfinden. So hatte es Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) angekündigt. Das Land stellt dafür Hunderttausende Testkits zur Verfügung. Allerdings hatten mehrere Schulen, beispielsweise in Oldenburg, am Montag noch gar keine Tests erhalten.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte, dass die Tests noch nicht überall angekommen sind. Allerdings habe die Testwoche gerade erst begonnen. «Da ist es auch normal, dass es stellenweise ruckelt», sagte er. «Wichtig ist, dass wir heute einen weiteren Baustein in unserer Sicherheitsstrategie umsetzen können.» Die Testwoche solle ausgewertet werden, «um zu gucken, wo sich was verbessern lässt».

In einem Schreiben einer Schulleitung aus der Region Hannover an Schüler und Eltern vom Freitag heißt es derweil, die Selbsttests könnten an dieser Schule erst beginnen, wenn die Bedenken bezüglich der Umsetzung ausgeräumt seien. Dazu gehöre, dass es in den Unterrichtsräumen kein fließend Wasser für die Erste Hilfe gebe und für die Betreuung von Schülern nach einem Positivtest das Personal fehle. Der Wunsch der Schulleitung sei es, den Schülern die Selbsttests mitzugeben, damit sie sich schon zu Hause testen.

Die Gewerkschaft GEW monierte, dass Lehrer für die Organisation und Beaufsichtigung der Tests zuständig seien und keine Fachkräfte. Einzelne Schulen könnten sich der Anordnung des Landes zwar nicht widersetzen. Die verbeamteten Lehrer könnten aber Bedenken gegenüber der Rechtmäßigkeit dienstlicher Anweisungen geltend machen, indem sie etwa auf fehlende Schutzkleidung oder mangelnde Belüftung hinweisen.

Der Vorsitzende der Direktorenvereinigung (NDV), Wolfgang Schimpf, warnte in der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Montag), ohne Schutzkleidung und die Unterstützung medizinischer Fachkräfte seien die Lehrer einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt. «Die Ängste meines Kollegiums muss ich ernst nehmen», sagte der Leiter eines Gymnasiums in Göttingen. Wenn die Lehrkräfte die Testergebnisse der Schüler ablesen, kämen sie diesen sehr nahe. Außerdem sei der Umgang mit positiven Tests ungeklärt. «Wenn ich mehrere positiv getestete Schüler habe, sollen die in einem Raum zusammen warten? Was, wenn richtig positiv und falsch positiv getestete Schüler darunter sind, dann sind am Ende alle infiziert», sagte Schimpf der Zeitung.

Der Präsenzunterricht wurde trotz des Hickhacks um die Selbsttests am Montag deutlich ausgeweitet. Alle noch fehlenden Jahrgänge und Schulformen kehrten ins Wechselmodell zurück, bei dem die Klassen in Gruppen abwechselnd zu Hause und im Klassenraum unterrichtet werden - jedenfalls dort, wo die Corona-Inzidenz unter 100 liegt. Mittlerweile übertrifft jede dritte Region in Niedersachsen die Marke von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche, darunter die bevölkerungsreiche Region Hannover.

Schüler und Eltern für mehr Präsenzunterricht in Oberstufe

Die dritte Corona-Welle rollt durchs Land. An breite Lockerungen der harten Beschränkungen ist da nicht zu denken. Und auch der ersehnte Osterurlaub dürfte für viele ausfallen. Oder gibt es Kompromisse?

Angesichts hoher Corona-Infektionszahlen müssen sich die Menschen in Deutschland auf eine grundsätzliche Verlängerung des Lockdowns bis weit nach Ostern einstellen. Ein Beschlussentwurf aus dem Kanzleramt für die Bund-Länder-Runde an diesem Montag (14.00 Uhr) nennt als Datum dafür den 18. April. Zudem müsse die Anfang März beschlossene Notbremsregelung «konsequent umgesetzt werden», heißt es darin. Betont wird, zusätzliche Öffnungen würden bei exponentiellem Wachstum der Infektionszahlen auch unterhalb einer Inzidenzschwelle von 100 ausscheiden. Das Papier, das der Deutschen Presse-Agentur aus mehreren Quellen vorlag, hat den Stand 21. März, 17.30 Uhr.

Eine Passage des Entwurfs, über die noch heftig gestritten werden dürfte, sieht weitere Verschärfungen für Landkreise mit mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche vor. In diese Kategorie fällt eine stetig steigende Zahl an Wohnorten. Bei den Verhandlungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder sind wie immer weitreichende Änderungen an dem Papier möglich. Einen Beschluss gibt es erst ganz am Ende. Am 12. April sollen Bund und Länder laut Entwurf erneut zusammenkommen.

Seit der Bund-Länder-Runde am 3. März hat sich die Lage drastisch gewandelt. Anfang März ging es vor allem um einen Stufenplan für mögliche Lockerungen - jedoch nicht als Einbahnstraße. Festgelegt wurde damals ein Mechanismus für die Rückkehr zu Beschränkungen: Diese «Notbremse» soll gezogen werden, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region oder in einem Bundesland an drei aufeinander folgenden Tagen über die Schwelle von 100 steigt. Bundesweit lag diese Inzidenz laut Robert Koch-Institut (RKI) am Montag bei 107,3. Am Sonntag waren es noch 103,9 gewesen, am Samstag 99,9.

Forderungen von Intensivmedizinern, Gastgewerbe und Lehrern

Intensivmediziner pochen angesichts der Zahlen auf einen strengeren Lockdown mit Verschärfungen des Kontaktverbots. «Ich erwarte von den Ministerpräsidenten und der Kanzlerin, dass sie sich an diesem Montag auf bundesweit einheitliche und ganz einfache Verschärfungen einigen», sagte Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (Divi), der «Rheinischen Post» (Montag).

Die Chefin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), Ingrid Hartges, forderte in der Zeitung Öffnungen für die Branche. «Hotels und Gaststätten in Deutschland brauchen endlich eine Perspektive, wann wir unter welchen Voraussetzungen öffnen können», sagte sie.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte in der «Rheinischen Post»: «Wenn es den Bundesländern ernst damit gewesen wäre, Schulen trotz stark steigender Inzidenzzahlen offenzuhalten, hätte man dafür sorgen müssen, dass jetzt Lehrkräfte geimpft und Schulen mit Schnelltests in ausreichender Zahl ausgestattet sind. Davon sind wir aber an 9 von 10 Schulen noch meilenweit entfernt.»

Unterdessen wächst die Unzufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigten sich 34 Prozent der Teilnehmer «sehr unzufrieden» und weitere 31 Prozent «eher unzufrieden» mit dem Handeln der Regierung. Dagegen sind nur 4 Prozent «sehr zufrieden» und 26 Prozent «eher zufrieden». 5 Prozent machten keine Angaben.

Diese Punkte enthält der vom Kanzleramt verschickte Beschlussentwurf:

ZUSÄTZLICHE MASSNAHMEN: Die Passage, die wegen des exponentiellen Wachstums weitere Verschärfungen für Landkreise mit einer Inzidenz von mehr als 100 vorsieht, steht in eckigen Klammern. Das bedeutet, dass sie besonders strittig ist. Unter anderem ist die Rede von einer nächtlichen Ausgangsbeschränkung bis 05.00 Uhr, «sofern dem nicht gewichtige Gründe entgegenstehen». Die Anfangsuhrzeit ist hier offen gelassen - auch sie müsste verhandelt werden. Zudem wird ins Gespräch gebracht, Schulen und Kitas zu schließen oder gar nicht zu öffnen, sofern Erzieher, Lehrer und Schüler oder betreute Kinder nicht zweimal pro Woche getestet werden könnten. Ab einer Inzidenz von 200 könnte es demnach eine Schließung von Schulen und Kitas geben.

REISEN: Angesichts der bevorstehenden Ostertage heißt es im Entwurf: «Bund und Länder appellieren weiterhin eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, auf nicht zwingend notwendige Reisen im Inland und auch ins Ausland zu verzichten». Und weiter: «Das Auftreten von verschiedenen Covid-19-Varianten und deren weltweite Verbreitung haben gezeigt, dass der grenzüberschreitende Reiseverkehr auch weiterhin auf das absolut erforderliche Mindestmaß begrenzt werden muss.» Dieser Passus könnte sich auf die derzeit besonders umstrittenen Reisen von Deutschen nach Mallorca beziehen.

Noch völlig offen ist demnach, ob es künftig für alle Reisenden aus dem Ausland unabhängig von dortigen Inzidenzen eine Quarantäne- und eine Testpflicht geben soll. Dieser Punkt steht ebenfalls in eckigen Klammern und zudem unter einem «Prüfvorbehalt».

Auch das von den SPD-Ländern ins Gespräch gebrachte Konzept eines «kontaktarmen Urlaubs» im eigenen Bundesland steht noch in eckigen Klammern und bedarf weiterer Gespräche. Es zielt auf die Möglichkeit, Urlaub in Ferienwohnungen oder -häusern, Appartements oder Wohnmobilen zu machen, sofern diese über eigene sanitäre Anlagen verfügen und Urlauber sich dort auch mit Essen versorgen können. Aus der Union hieß es hierzu bereits skeptisch, dass das dafür notwendige Beherbergungsverbot schon einmal juristisch für Ärger gesorgt habe.

BEFRISTETE MODELLPROJEKTE: Im Rahmen von zeitlich befristeten Modellprojekten sollen die Länder nach dem Entwurf in je einer Region mit einer niedrigen Inzidenz testen können, wie unter strengen Auflagen und mit einem Testkonzept einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens wieder geöffnet werden könnten. «Zentrale Bedingungen dabei sind lückenlose negative Testergebnisse als Zugangskriterium, IT-gestützte Prozesse zur Kontaktverfolgung und ggf. auch zum Testnachweis, räumliche Abgrenzbarkeit auf der kommunalen Ebene, eine enge Rückkopplung an den Öffentlichen Gesundheitsdienst und klare Abbruchkriterien im Misserfolgsfalle», heißt es weiter.

IMPFUNGEN UND GESUNDHEITSWESEN: Ohne «deutlich einschränkende Maßnahmen» werde die Zahl der Neuinfektionen so schnell steigen, dass bereits im April eine Überlastung des Gesundheitswesens «wahrscheinlich ist», betonte der Entwurf. Da der Fortschritt bei den Impfungen noch nicht so groß ist, setzt das Papier auf «eine strenge Eindämmung des Infektionsgeschehens in den nächsten Wochen». Dies führe zu einer «früheren Rückkehr zur Normalität und zu insgesamt kürzeren Beschränkungen. Sie ist damit aus gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Gründen geboten.»

TESTANGEBOTE: Gerade in der aktuellen Phase der Pandemie sei es wichtig, dass Unternehmen das Arbeiten von zu Hause ermöglichten, heißt es im Entwurf weiter. Wo dies nicht möglich sei, sollten den Mitarbeitern mindestens einmal und bei entsprechender Verfügbarkeit zwei Mal pro Woche Testangebote gemacht werden. Tests von Beschäftigten im Bildungsbereich und von Schülerinnen und Schülern sollten weiter ausgebaut werden. Ziel seien «mindestens zwei Testungen pro Woche». Auch in den Kitas sollten die Beschäftigten mindestens zwei Mal in der Woche getestet werden.

CORONA-WARN-APP: Die App soll im April um weitere Funktionen erweitert werden, unter anderem um eine anonyme «Eventregistrierung». Damit sollen sich Nutzer bei einer Veranstaltung wie einer privaten Geburtstagsfeier oder im Restaurant digital einchecken können. Bei einem positiven Corona-Fall sollen im Anschluss an die Veranstaltung alle Teilnehmer gewarnt werden.

Testwoche an Niedersachsens Schulen beginnt

Für viele Schüler geht es am Montag erstmals wieder in den Präsenzunterricht. Hunderttausende Corona-Tests an den Schulen sollen dabei den Schutz vor Ansteckungen erhöhen.

Trotz steigender Infektionszahlen findet ab Montag an den meisten niedersächsischen Schulen wieder Präsenzunterricht statt. In allen Regionen, deren Corona-Wert unter 100 liegt, gilt dann das Wechselmodell, bei dem die Klassen in Gruppen abwechselnd zu Hause und im Klassenraum unterrichtet werden. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte diese schon vor Wochen angekündigte Öffnung am Freitag bekräftigt, obwohl fast jede dritte Region im Land die 100er-Marke derzeit reißt. Der Wert bezieht sich auf die Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche.

Für mehr Sicherheit im Schulbetrieb sollen von Montag an flächendeckende Corona-Selbsttests sorgen. Geplant ist eine Übungswoche, in der Lehrer und Schüler noch vor den Osterferien den richtigen Umgang mit den Tests lernen können. Allerdings hatten viele Schulen zuletzt noch keine Testkits erhalten. Bis Mittwoch waren erst 400 000 Tests an weiterführende Schulen in Südniedersachsen, in der Region Hannover und im Raum Braunschweig verteilt worden.

Wie es an den Schulen nach den Osterferien weitergeht, soll Tonne zufolge in den kommenden Tagen und Wochen neu bewertet werden. Zwar gebe es wieder mehr Ansteckungen, allerdings seien auch die Sicherheitsvorkehrungen in Form von Impfungen und Selbsttests erhöht worden.

Die Frage wird auch die Bund-Länder-Runde beschäftigen, die am Montag über den weiteren Corona-Kurs entscheiden soll. Während mehrere Länderchefs die jüngsten Lockerungen bereits für gescheitert erklärt haben, kann sich Niedersachsens Regierung aus SPD und CDU auch Modellprojekte mit weiteren Öffnungsschritten vorstellen, wenn diese an Schnelltests gekoppelt werden.

Kultusminister zu Schulsituation: Normalität ist noch fern

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) rechnet mit Blick auf die bayerischen Schulen in der Corona-Pandemie nicht mit einer baldigen Rückkehr zur Normalität. «Wie im Grunde seit einem Jahr haben wir einen Mix von Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht», sagte Piazolo der «Augsburger Allgemeinen» (Sonntag). «Ich gehe davon aus, dass in der aktuellen Situation sich dieser Trend fortsetzen wird.»

Aufgrund der steigenden Corona-Infektionszahlen im Freistaat ist für mehr als 30 Landkreise und kreisfreie Städte von diesem Montag an Distanzunterricht angeordnet worden. Das betrifft rund 2250 Schulen mit mehr als einer halben Million Schülern. In zahlreichen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten kann es hingegen Präsenz- und Wechselunterricht geben.

Kultusminister-Chefin warnt vor erneuten Schulschließungen

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), hat vor der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor den Auswirkungen von erneuten Schulschließungen gewarnt. «Die Kultusministerinnen und Kultusminister betrachten die Auswirkungen der im Zuge der Eindämmung der SARS-CoV-Pandemie getroffenen Maßnahmen für Kinder und Jugendliche mit Sorge», sagte die Bildungsministerin von Brandenburg der «Bild»-Zeitung» (Montag). «Viele Kinder und Jugendliche leiden unter der Pandemiesituation. Damit die Folgen nicht dauerhaft ihr Leben begleiten, liegt die Priorität der Kultusministerinnen und Kultusminister darauf, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten.»

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte dagegen das Festhalten der Politik am Präsenzunterricht ohne ausreichende Tests. «Wenn es den Bundesländern ernst damit gewesen wäre, Schulen trotz stark steigender Inzidenzzahlen offenzuhalten, hätte man dafür sorgen müssen, dass jetzt Lehrkräfte geimpft und Schulen mit Schnelltests in ausreichender Zahl ausgestattet sind. Davon sind wir aber an 9 von 10 Schulen noch meilenweit entfernt», sagte er der «Rheinischen Post» (Montag).

21.03.2021

Pflicht zum Präsenzunterricht bis zu den Osterferien ausgesetzt

Brandenburgs Schülerinnen und Schüler müssen vor den Osterferien doch nicht mehr in ihre Schule kommen, sondern können ausschließlich zu Hause lernen. Es gibt zunächst keinen verpflichtenden Präsenzunterricht mehr.

Das Bildungsministerium hat die Pflicht zum Präsenzunterricht in Brandenburg bis zu den Osterferien ausgesetzt. Dies gelte für alle Jahrgangsstufen mit Ausnahme der Abschlussklassen, teilte das Ministerium am Sonntag mit. Damit könnten bis zu den Osterferien die Eltern und Erziehungsberechtigten entscheiden, ob die Kinder vor Ort am Unterricht teilnähmen. «Das von den Schulen jeweils gewählte Modell des Wechselunterrichts bleibt bis zu den Osterferien weiter bestehen», hieß es. Die Osterferien beginnen am 29. März.

Seit rund einem Monat sind die Grundschulen im Wechselunterricht zwischen der Schule und zuhause, seit vergangenem Montag die Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien. Sie sollten zumindest bis zu den Osterferien offen bleiben, hatte es zuletzt geheißen: Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) sagte noch am Freitag, ein Vorziehen der Osterferien könne sie für Brandenburg ausschließen. «Wir haben uns entschieden, die Öffnung der weiterführenden Schulen im Wechselunterricht, die seit letztem Montag stattfindet, bis zu den Osterferien fortzusetzen.» Es werde im Laufe der Ferien eine neue Bewertung geben, wie man weitermache mit Blick auf die Inzidenzen.

Der Kreiselternrat Cottbus fragte per Pressemitteilung: «Wann können wir mit einem Mindestmaß an Planbarkeit rechnen und welche Voraussetzungen müssen dazu erfüllt sein?» Die Eltern verlangten den Rücktritt von Bildungsministerin Ernst: «Das Bild, was das Bildungsministerium seit einem Jahr abgibt, ist schlichtweg inakzeptabel.»

Am Freitag war bekannt geworden, dass wegen Lieferengpässen auf dem Weltmarkt nicht alle Schülerinnen und Schüler in Brandenburg zeitnah die zugesagten Selbsttests erhalten. Das Bildungsministerium war darüber nach eigenen Angaben «kurzfristig» informiert worden. Demnach könnten die bestellten Tests nicht zeitgerecht geliefert werden. Deshalb stehe den Schulen zunächst ein begrenztes Kontingent von 150 000 Stück zur Verfügung. Die zweite Lieferung sollte die Schulen eigentlich ab vergangenem Donnerstag erreichen.

Wegen steigender Infektionszahlen nimmt Brandenburg ab diesem Montag auch die Öffnungen vom 8. März in denjenigen Landkreisen oder kreisfreien Städten zurück, die drei Tage hintereinander eine Sieben-Tage-Inzidenz über 100 haben. Bisher galt diese «Notbremse» bei einem Wert über 200. Private Treffen sind dann nur für einen Haushalt und eine weitere Person statt zweier Haushalte möglich. Geschäfte, die mit Termin offen waren, müssen wieder schließen - bis auf Supermärkte und andere Läden für den täglichen Bedarf. Museen und Gedenkstätten machen auch zu. Individueller Sport ist mit der Notbremse auf zwei Leute beschränkt, Sport von Kindern draußen ist wieder verboten.

SPD-Fraktionschef Erik Stohn teilte am Sonntag über eine Sprecherin mit, dass es bis zum Erreichen eines Sieben-Tage-Wertes von 50 keine neuen Öffnungsschritte geben dürfe. «Der erste Öffnungsschritt den wir gehen, wird die Rückkehr in Präsenzunterricht sein, sobald er verantwortbar ist. Aber auch hier werden zunächst nur entzerrte Schülertransporte und Wechselmodelle verantwortbar sein.» 

Hamburg startet flächendeckende Corona-Schnelltests an Schulen

Hamburg startet am Montag mit flächendeckenden Corona-Schnelltests an allen Schulen. Künftig soll jede Schülerin und jeder Schüler einmal und das Schulpersonal dreimal pro Woche getestet werden. Insgesamt seien den Schulen dafür rund 480 000 Selbsttest-Kits geliefert worden, teilte Schulsenator Ties Rabe (SPD) mit.

Pilotversuche in der vergangenen Woche mit mehr als 20 000 Selbst-Testungen bei Schulbeschäftigten hätten gezeigt, dass der Test auch von Laien einfach und unkompliziert anwendbar sei. Auch die Schüler-Selbsttests an zehn Pilotschulen, darunter sechs Grundschulen, seien erfolgreich abgelaufen.

Bei den Selbsttests muss nach Angaben der Schulbehörde ein Wattestäbchen in den vorderen Nasenbereich gesteckt werden. Anschließend werde mit einer Testflüssigkeit geprüft, ob eine Infektion vorliege. Zur sachgerechten Anwendung hat die Behörde unter anderem ein Erklärvideo mit kindgerechten Handpuppen in Auftrag gegeben und ein Informationsschreiben für Eltern und Kinder in acht Sprachen verfasst.

Schulen kehren in Wechselunterricht zurück

Trotz steigender Infektionszahlen findet ab Montag an den meisten niedersächsischen Schulen wieder Präsenzunterricht statt. In allen Regionen, deren Corona-Wert unter 100 liegt, gilt dann das Wechselmodell, bei dem die Klassen in Gruppen abwechselnd zu Hause und im Klassenraum unterrichtet werden. Diese schon vor Wochen angekündigte Öffnung hatte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag noch einmal bekräftigt, obwohl fast jede dritte Region im Land die 100er-Marke derzeit reißt. Der Wert bezieht sich auf die Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche.

Am Montag beginnt an den Schulen außerdem eine Übungswoche für den Umgang mit Corona-Selbsttests. Allerdings hatten viele Schulen zuletzt noch keine Testkits erhalten. Bis Mittwoch waren erst 400 000 Tests an weiterführende Schulen in Südniedersachsen, in der Region Hannover und im Raum Braunschweig verteilt worden.

Lehrerverbandschef befürchtet wieder Schulschließungen

Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger befürchtet, dass wegen fehlender Corona-Tests und Impfungen von Lehrern Schulen bald wieder in den Distanzunterricht zurückkehren müssten. «Es gibt nur eine Möglichkeit, die Schulen auch in einer dritten Welle zu einigermaßen sicheren Orten zu machen: indem man die Lehrer impft und gleichzeitig mindestens zweimal in der Woche einen Schnelltest für alle Lehrer und Schüler durchführt», sagte Meidinger der «Bild am Sonntag». Bei beidem hake es massiv. «Ich glaube deshalb nicht, dass wir die Schulen in der dritten Welle offen lassen können.»

Seit Beginn der Pandemie seien 500 bis 600 Stunden Unterricht weggefallen, beklagte der Lehrerverbandschef aus Bayern. Selbst der beste Distanzunterricht habe nicht dieselbe Qualität wie Präsenzunterricht. «Langsam stellt sich die Frage, was dieses Schuljahr noch wert ist», sagte Meidinger. Alle Schüler hätten Lücken aufgebaut. Bei 20 Prozent seien sie so groß, dass sie gar nicht mehr begleitend aufgeholt werden könnten.

Die Schulen seien vielerorts als «Versuchslabore» ohne kontrollierte Teststrategien oder Impfangebote geöffnet worden, kritisierte der Bundesvorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbands (VDR), Jürgen Böhm, am Sonntag. Die Kinder sollten sich am besten noch daheim unter Aufsicht ihrer Eltern testen. Alternativ müssten externe Expertenteams diese Testungen an den Schulen übernehmen.

«Kinderschuhe vor dem Rathaus» - Elternprotest gegen Schulschließung

Aus Protest gegen die erneuten Schulschließungen in einigen Landkreisen haben Eltern am Samstag Kinderschuhe vor zahlreichen Rathäusern abgelegt. Zu der Aktion war über die sozialen Medien aufgerufen worden. Unter anderem wurden Kinderschuhe vor den Rathäusern in Zwickau, Zwönitz, Stollberg, Aue-Bad Schlema und Limbach-Oberfrohna abgelegt. 

In den Landkreisen Zwickau, Nordsachsen, Erzgebirge und Meißen müssen am Montag die Schulen und Kitas wegen zu hoher Corona-Inzidenzwerte wieder schließen. In den Regionen wurde die 100er-Grenze an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen überschritten. Die Corona-Schutzverordnung lasse dann keinen Spielraum mehr, hatte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) erklärt.

Der Auer Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) erklärte, dass die Kommunen für die Proteste der falsche Adressat seien, weil die Entscheidung in Dresden falle. Die Bürgermeister wollten das Anliegen der Eltern «aber mit dem gehörigen Nachdruck zum Kultus- und Sozialministerium weiterleiten». Kommunalpolitiker aus dem Erzgebirge hatten schon in der vergangenen Woche die Landesregierung gebeten, Schulen und Kitas trotz steigender Infektionszahlen vor den Osterferien (29.3. - 11.4.) nicht mehr zu schließen.

20.03.2021

Wuppertal darf zu Distanzunterricht an weiterführenden Schulen zurück

Die Stadt Wuppertal darf an allen weiterführenden Schulen zum Distanzunterricht zurückkehren. Das teilten das Sozialministerium und die Stadt am Samstagabend mit. Somit werde ab Dienstag an den weiterführenden Schulen der Wechselunterricht mit Ausnahme der Abschlussklassen ausgesetzt, hieß es aus dem Ministerium. Beim Betrieb in den Grundschulen ändert sich gegenüber der Vorwoche nichts. Es bleibt dort beim bisherigen Wechselmodell. Weiterführende Schulen dürfen bereits ab Montag in den Distanzunterricht zurückkehren, falls sie schon entsprechende Vorbereitungen getroffen haben.

Die Inzidenz in Wuppertal liege oberhalb des Landesdurchschnitts, so das Ministerium. Das rechtfertige eine stadtbezogene Ausnahme von den landesweiten Grundsatzentscheidungen zum Wechselunterricht in Schulen. Am Freitag hatte der Wert in Wuppertal bei rund 143 Infektionen binnen sieben Tagen auf 100 000 Einwohner gelegen.

19.03.2021

Grundschüler müssen medizinische Masken im Unterricht tragen

Grundschüler in Baden-Württemberg müssen von Montag an auch im Unterricht medizinische Mund-Nasen-Bedeckungen oder eine FFP2-Maske tragen. Das ist eine von mehreren Neuregelungen in der Corona-Verordnung, die die Landesregierung am Freitagabend in Stuttgart veröffentlichte. Zudem kann in den Klassen 5 und 6 in den weiterführenden Schulen, die am Montag erst zurückgekehrt waren, wieder Wechselunterricht eingeführt werden. Hintergrund ist, dass in manchen Schulen der Abstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden konnte.

Darüber hinaus kann Nachhilfeunterricht in Gruppen von bis zu fünf Schülerinnen und Schülern in Präsenz stattfinden. «Auch hier gilt die erweiterte Maskenpflicht», heißt es in der Verordnung. Musik-, Kunst- und Jugendkunstschulen dürfen Unterricht anbieten, wenn die Kontaktbeschränkungen eingehalten werden. Aber: In Kreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 dürfen sie nur Online-Angebote machen.

Auch neu: Autokinos dürfen wieder öffnen, Autokonzerte und Autotheater sind ebenfalls wieder möglich.

Schulen und Geschäfte: Bayern macht Stück für Stück wieder zu

Die Corona-Zahlen steigen und Bayern macht wieder dicht. In immer weniger Landkreisen gelten Lockerungen für Schüler und im Handel.

Bayern steuert Schritt für Schritt zurück in Richtung weitgehende Schließungen. Sowohl bei Schulen als auch im Einzelhandel gelten in immer mehr Stadt- und Landkreisen inzwischen wieder strengere Regeln, weil sich die Corona-Zahlen verschlechtern. Am Freitag überschritt die Sieben-Tage-Inzidenz im bayerischen Durchschnitt laut Robert Koch-Institut (RKI) erstmals wieder den Wert von mehr als 100.

41 Land- oder Stadtkreise lagen mindestens bei diesem Wert, ab dem strengere Corona-Regeln gelten, nur noch vier unter der Marke von 50. Das macht sich auch bei den Schulen bemerkbar: In mindestens 38 Kreisen wurde ab Montag Distanzunterricht angeordnet, wie das Kultusministerium am späten Freitagnachmittag erklärte. Dabei geht es um etwa 2250 Schulen und 550 000 Schüler. In mindestens 44 Kreisen gilt an 3100 Schulen Wechsel- oder Präsenzunterricht für 860 000 Schüler. Für weitere 14 Kreise, 950 Schulen und 220 000 Schüler lagen dem Ministerium zunächst keine Informationen vor.

Auch der Handel beklagt, dass inzwischen in immer weniger Städten und Landkreisen die Geschäfte geöffnet haben dürfen. Auch die Option «Click & Meet», bei der man nur mit Termin ins Geschäft darf, komme immer seltener vor, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann. Angesichts der andauernden Einschränkungen befürchtet er inzwischen bis zu 10 000 Geschäftsaufgaben durch die Corona-Pandemie im bayerischen Einzelhandel.

Die aktuellen Regelung besagt, dass in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz über 100 die Geschäfte und Museen geschlossen sind, zwischen 50 und 100 gilt «Click & Meet», unter 50 darf mit Hygienekonzept geöffnet werden. Die Anordnung dazu treffen die Landkreise auf Basis der aktuellen Zahlen des RKI, ein Wechsel erfolgt allerdings erst, wenn ein Kreis drei Tage in Folge über oder unter einer Grenze liegt. Wirksam wir dies dann am übernächsten Werktag.

Legt man dies zugrunde, waren am Freitag nur noch in neun Land- oder Stadtkreisen in Bayern die Bedingungen für Öffnungen am Montag gegeben. In 48 waren die Bedingungen für «Click & Meet» erfüllt, in den verbleibenden 39 standen die Zeichen auf Schließungen. Zudem waren etwa zehn Landkreise auf der Kippe, sich zu verschlechtern. Es gibt allerdings auch Ausnahmen mit positiver Entwicklung: So erfüllten drei Kreise am Freitag mit drei Tagen unter 100 erstmals wieder die Voraussetzungen für Einkaufen mit Termin.

Sowohl Ohlmann als auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) betonten am Freitag, dass die Wirtschaft Öffnungsstrategien oberhalb des Inzidenz-Grenzwertes von 100 brauche. «Andere Kriterien wie etwa Auslastung des Gesundheitssystems oder der Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen durch Impfungen oder Schnelltests wurden außer Acht gelassen», sagte der Minister. «Wir müssen aufpassen, dass die Stimmung bei der Bevölkerung nicht kippt.»

Auch andere Bereiche sind betroffen: Schon am Donnerstagabend teilte das Gesundheitsministerium mit, dass es angesichts der steigenden Zahlen keine weiteren Öffnungen geben wird. Biergärten, Kinos und Theater müssen bayernweit geschlossen bleiben, auch in den Landkreisen mit niedrigeren Werten.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga reagierte mit Unverständnis. Zusammen mit der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) forderte auch er am Freitag Öffnungsperspektiven.

Die bayerische SPD forderte «Mut für kreative Konzepte». «Wir haben seit Herbst Schnelltests, seit kurzem sogar Selbsttests, die etwas mehr möglich machen würden ohne zu viel zu riskieren», sagte Generalsekretär Uli Grötsch. «Aber in Bayern klappt es noch nicht einmal, an den Schulen ein vernünftiges Testkonzept zu etablieren.»

Auch der Bayerische Philologenverband (BPV) kritisierte ein Testchaos an bayerischen Schulen. Die Lehrer fühlten sich nach der Ankündigung der Staatsregierung, Schüler vor Unterrichtsbeginn einem freiwilligen Corona-Selbsttest zu unterziehen, allein gelassen.

Kultusminister wollen Schulen so lange wie möglich offen halten

Im Streit über Öffnungen und Schließungen von Schulen bei steigenden Corona-Zahlen positionieren sich die Kultusminister der Länder klar für ein möglichst langes Offenhalten der Einrichtungen. Bei Entscheidungen über Schließungen fordern sie, nicht nur den Inzidenzwert zu berücksichtigen.

Die Kultusminister der Länder wollen sich dafür einsetzen, dass die Schulen in Deutschland trotz steigender Corona-Zahlen so lange wie möglich offen bleiben. Lehrkräfte im Präsenzunterricht sollten in dem Zusammenhang außerdem Vorrang bei der Impfkampagne bekommen, forderten die Ministerinnen und Minister am Freitag nach Beratungen in der Kultusministerkonferenz (KMK). Grundschullehrer werden zwar inzwischen vorrangig geimpft, Lehrkräfte weiterführender Schulen müssen aber noch warten. Kritik am Beschluss der Minister kam von Bildungsgewerkschaften.

«Wir ringen um jeden Tag der Präsenzbeschulung für Schülerinnen und Schüler», sagte die brandenburgische Bildungsministerin und Präsidentin der KMK, Britta Ernst (SPD), am Freitag bei einer Pressekonferenz. Im Interview im «Bayerischen Rundfunk» fügte sie später hinzu: Man tue Kindern «etwas an», wenn Schulen monatelang geschlossen blieben. Die Aussage der Kultusminister sei ja nicht, Schulen um jeden Preis offen zu halten. «Aber was nicht geht, ist, dass andere gesellschaftliche Bereiche offen gehalten werden, wie
Baumärkte, und die Schulen geschlossen werden.»

Seit Februar wird an den meisten Grundschulen in Deutschland wieder unterrichtet. Zuletzt waren je nach Bundesland auch ältere Jahrgänge zumindest im Wechselbetrieb zurückgekehrt. Regional sind Schulen wegen steigender Corona-Zahlen aber auch schon wieder geschlossen worden. Über das Thema wird zum Teil erbittert gestritten, etwa in Nordrhein-Westfalen, wo die Landesregierung Entscheidungen lokaler Behörden zu geplanten Schließungen wieder einkassiert hatte.

Im Vergleich zu allen anderen Lebensbereichen müssten Schulen am längsten geöffnet bleiben, heißt es nun im KMK-Beschluss. «In diesem Zusammenhang betonen die Kultusministerinnen und Kultusminister nachdrücklich, dass Kinder und Jugendliche nicht als Gefahr für alle an der Schule Beteiligten stigmatisiert werden sollen.»

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte am Freitag, dass die immer dominierender werdende britische Virusvariante sich über Schüler und Kinder besonders stark verbreite. «Es gibt keine Altersgruppe, wo der Zuwachs der Fälle derzeit so ausgeprägt ist, wie bei den Kindern und den jungen Erwachsenen.» Lauterbach forderte, der Aufbau der Teststrategie in den Schulen müsse höchste Priorität haben.

Tests für Schüler und Lehrer halten auch die Kultusminister für wichtig. Sie fordern allerdings vor diesem Hintergrund auch eine Prüfung, ob bei Entscheidungen über Schulschließungen künftig weiterhin vor allem die sogenannte Inzidenzzahl - also die Ansteckungszahl auf 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen 7 Tage - ausschlaggebend sein soll. Die Begründung: Wenn Kinder und Jugendlichen nun überall massiv getestet werden, werden automatisch mehr Fälle gefunden - und dadurch steigen auch die Inzidenzwerte.

Bei den Impfungen von Lehrern sieht KMK-Präsidentin Ernst Fortschritte. Sie geht davon aus, dass inzwischen eine «sehr hohe Gruppe» von Grundschullehrkräften bereits geimpft ist. Auch weil die Quote der geimpften Bevölkerung und des pädagogischen Personals steige, müsse der Inzidenzwert anders betrachtet werden, forderte sie.

Kritisch äußerten sich Bildungsgewerkschaften am Freitag: «Wenn die Kultusminister die Schulen weiter öffnen wollen, müssen sie alles dafür tun, dass sie coronafreie Orte werden», forderte Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, der die Gymnasiallehrer vertritt. «Wir brauchen Impfangebote für alle Lehrkräfte, eine kluge Teststrategie und die nötigen Voraussetzungen dafür, nämlich ausreichend Selbst- und Schnelltests.» Wie gut es mit Tests von Schülern und Lehrkräften bisher klappt, ist regional sehr unterschiedlich.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), der nach eigenen Angaben als Gewerkschaft mehr als 160 000 Pädagogen vertritt, kritisierte ebenfalls einen fehlenden Infektionsschutz an den Schulen. Mit Blick auf die vom Robert Koch-Institut vor wenigen Tagen veröffentlichten Zahlen, die einen starken Anstieg der entdeckten Infektionen bei Kindern gezeigt hatten, sagte Verbandschef Udo Beckmann, die KMK dürfe sich nicht vor Schulschließungen in Gebieten mit sehr hohen Inzidenzen verschließen. «Wir brauchen die klare Definition einer Notbremse für den Schulbereich.»

Gymnasiallehrer fordern professionelle Corona-Testteams für Schulen

Das Land will an Schulen Corona-Tests anbieten. Die Gymnasiallehrer fordern aber dafür Profis.

Der Philologenverband Niedersachsen fordert professionell ausgebildete Teams für Corona-Tests an den Schulen. «Nur so ist der notwendige Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schüler zu gewährleisten», sagte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Horst Audritz, in Hannover. Die Organisation der Tests und die Ausführung an die Schulen zu delegieren, sei nicht akzeptabel. Hier werde erneut den Schulen per Knopfdruck eine Mammutaufgabe aufgebürdet, die in der Theorie entwickelt worden sei, aber so nicht praktikabel sei, sagte Audritz. Das Kultusministerium müsse schnellstens nachsteuern.

Lehrerinnen und Lehrer seien nicht geschult für die Testung der Schüler. Ohne Schutzkleidung bestehe außerdem eine erhöhte gesundheitliche Gefahr, hieß es. Es sei unrealistisch, dass Lehrkräfte die Testung nur anleiten sollten, vor allem bei jüngeren Schülerinnen und Schülern.

Offen sei auch, was mit denjenigen Schülerinnen und Schülern zu tun sei, bei denen keine Einwilligung der Erziehungsberechtigten vorliegt oder sich nicht testen lassen möchten. Auch die Frage, was haftungsrechtlich passiere, wenn Tests in den Schulen nicht sachgemäß vorgenommen werden, ein Fehler bei der Dokumentation auftrete oder Schüler sich verletzen, sei noch offen, kritisierte der Verband.

Ein Viertel der Klassen im Präsenz-, ein Viertel im Distanzunterricht

Nach dem Ende des Corona-Lockdowns an den Schulen lernen rund ein Viertel aller Klassen wieder in ganz normaler Besetzung in ihren Klassenzimmern. Genauso viele müssen jedoch weiter durchgängig vom heimischen Schreibtisch aus büffeln, wie das Kultusministerium der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Rund die Hälfte aller Klassen befindet sich demnach im Wechselunterricht und kommt, in zwei Gruppen geteilt, nur alle zwei Tage oder alle zwei Wochen zusammen.

Nach Informationen mit Stand vom Donnerstag sind derzeit 0,71 Prozent der Schülerinnen und Schüler sowie 0,47 Prozent der Lehrkräfte in Quarantäne. Damit müssen rund 11 700 der 1,65 Millionen Kinder und Jugendlichen sowie gut 700 der bayernweit 155 000 Pädagogen vorübergehend zuhause bleiben. Einen positiven Corona-Test wiesen zuletzt 0,1 Prozent der Schüler sowie 0,14 Prozent der Lehrkräfte auf. Damit sind in absoluten Zahlen rund 1650 Schüler und gut 200 Lehrkräfte betroffen.

Seit Montag dürfen überall dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 nicht überschritten wird, neben den Schülern in Grundschul- und Abschlussklassen auch die weiterführenden Jahrgänge wieder in ihre Schulen kommen - je nach Infektionslage und Abstandsmöglichkeiten im Präsenz- oder Wechselunterricht. Bei einem Wert über 100 bleibt es beim Distanzunterricht.

Die Festlegung, für welche Regionen welches Unterrichtsmodell gilt, wird immer freitags getroffen. Bei steigenden Werten ist es daher absehbar, dass der Anteil der Präsenzklassen sinken wird.

18.03.2021

Schwesig dämpft Hoffnung auf weitere Öffnungen in MV

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist in Mecklenburg-Vorpommern derzeit stabil. Bundesweit steigt sie jedoch stark. Wissenschaftler sagen, dass sich die Situation im Nordosten jederzeit ändern kann. Erstes Ziel sei, die bisherigen Öffnungen zu halten, sagt Manuela Schwesig.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat die Hoffnung auf weitere Öffnungsschritte mit Blick auf die steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen in Deutschland gedämpft. Zwar seien die Zahlen in Mecklenburg-Vorpommern derzeit stabil, aber die Wissenschaftler der Universitäten Rostock und Greifswald warnten, dass sich das schnell ändern könne, sagte Schwesig nach einer Kabinettssitzung am Donnerstagabend in Schwerin. «Und sie haben gesagt, vor weiteren Öffnungsschritten soll unser Ziel sein, das, was wir geöffnet haben, möglichst zu halten.»

Die Landesregierung habe deshalb entschieden, über das weitere Vorgehen erst nach den Bund-Länder-Beratungen am kommenden Montag zu entscheiden. Dazu habe sie sich eng mit Schleswig-Holstein und Niedersachsen abgestimmt, sagte Schwesig.

Bei einer landesweit stabilen oder sinkenden Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 sollten vom kommenden Montag an eigentlich Theater, Außengastronomie und Kinos wieder öffnen können. Der landesweite Inzidenzwert betrug am Donnerstag 63,8 und ist einer niedrigsten bundesweit derzeit. Allerdings wachsen die Sorgen mit Blick au die britisch Variante des Virus.

Schwesig sagte, in Regionen mit einer Inzidenz unter 35 - das ist derzeit nur die Hansestadt Rostock - seien grundsätzlich Pilotprojekte möglich. So darf Hansa Rostock am Samstag vor 777 Zuschauern im Stadion spielen - als erster Profi-Fußballklub seit Anfang November.

Das Impfen gegen Covid-19 soll nach Worten von Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) in den kommenden Wochen in Mecklenburg-Vorpommern deutlich an Fahrt aufnehmen. Im zweiten Quartal (April bis Juni) erwarte das Land rund 1,4 Millionen Impfdosen der verschiedenen Hersteller, sagte er. Das sei das Fünffache dessen, was im ersten Quartal geliefert wurde. Angekündigt sind demnach 764 000 Impfdosen der Herstellers Biontech, 122 000 von Moderna, 321 000 von Astrazeneca und 191 000 Dosen des amerikanischen Herstellers Johnson & Johnson.

Von Freitag an darf der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca wieder gespritzt werden. Die Europäische Arzneimittelagenutr EMA gab am Donnerstag Grünes Licht. Glawe kündigte an, dass MV die Impfungen umgehend wieder aufnimmt. Zuerst sollen die mobilen Teams wieder starten, die Erzieher und Grundschullehrer impfen. Nächste Woche könnten «mit hoher Wahrscheinlichkeit» auch die niedergelassenen Ärzte folgen.

Das Callcenter des Landes kümmere sich ab sofort um die Terminvergabe für die 4000 Menschen, deren Termine in den Impfzentren wegen der Aussetzung der Astrazeneca-Impfungen abgesagt worden waren. «Die Betroffenen werden vom Callcenter direkt angerufen», erklärte Glawe. Bestehende Impftermine behielten ihre Gültigkeit. Wer zur Prioritätsgruppe zwei gehört und noch keinen Termin hat, könne vom kommenden Mittwoch an beim Callcenter anrufen und einen Termin vereinbaren.

Laut Glawe müssen in den kommenden Tagen die Aufklärungsbögen, die vor dem Impfen ausgefüllt werden, den neuen Vorgaben angepasst werden. Es soll eine Warnung vor seltenen Blutgerinnseln (Thrombosen) aufgenommen werden. Am Freitag genüge aber auch eine handschriftliche Notiz des Impfarztes.

Land genehmigt Antrag: Erster Kreis darf zurück zum Distanzunterricht

Zuletzt waren Forderungen nach Schulschließungen wegen der angespannten Corona-Lage mancherorts immer lauter geworden. Das Land sperrte sich, nun darf der Kreis Düren doch: Für die meisten Schüler weiterführender Schulen gibt es ab Montag erstmal nur noch Online-Untericht.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung erlaubt erstmals in der dritten Corona-Welle einem Kreis, den Präsenzunterricht in den Schulen wieder einzuschränken. Im Kreis Düren kehren die weiterführenden Schulen mit Ausnahme der Abschlussklassen in der kommenden Woche zum Distanzunterricht zurück, wie der Kreis und die Staatskanzlei am Donnerstagabend mitteilten. Die Landesregierung habe einen entsprechenden Antrag des Kreises genehmigt.

Vorausgegangen waren zunächst vehement vom Land abgelehnte Forderungen aus mehreren Städten, angesichts steigender Infektionszahlen die Öffnungen der weiterführenden Schulen bis zu den Osterferien auszusetzen oder zurückzufahren.

Wie auch der Oberbergische Kreis hatte der Kreis Düren bereits vor der Rückkehr der Schüler weiterführender Schulen in ein Wechselmodell aus Präsenz- und Distanzunterricht seit Montag vergeblich beantragt, die Öffnung bis nach den Osterferien auszusetzen. Weitere Vorstöße aus Dortmund und Duisburg in dieser Woche, Schulen wieder dicht zu machen, schmetterte das Land zunächst ab.

Nach lauter werdenden Stimmen und Kritik auch von Lehrer- und Schülerverbänden hatte das Schulministerium schließlich die Rückkehr zum Distanzunterricht bei anhaltend hohen Infektionen als letzten Schritt nicht mehr ausgeschlossen. In einem Erlass von Mittwochabend wird diese als «ultima ratio» bezeichnet. Eingebettet in ein Gesamtkonzept könnten Schulschließungen einen Beitrag zum Infektionsschutz vor Ort darstellen, hieß es dort weiter.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) stellte zudem klar: Es müsse über einige Tage hinweg eine Inzidenz von über 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen geben. Erst dann sei ein Antrag auf «Schließung einzelner Schulen oder tatsächlich aller Schulen» möglich.

Mehrere Städte, darunter Wuppertal, Dortmund und der Oberbergische Kreis, hatten bereits angekündigt, beim Land ähnliche Schritte beantragen zu wollen wie Düren. Nach Angaben des Landeszentrums für Gesundheit lagen am Donnerstag inzwischen 19 kreisfreie Städte und Kreise über der Schwelle von 100 - also mehr als ein Drittel in NRW.

Der Kreis Düren hatte am Donnerstag bereits den zweiten Antrag in diesem Monat beim Land gestellt, den Präsenzunterricht ausfallen zu lassen. Trotz bereits in Teilen des Kreises geltenden verschärften Regelungen liege die Inzidenz seit mehr als drei Wochen bei etwa 130 und im Stadtgebiet aktuell jenseits der 200. «Wir müssen deshalb weiter reagieren», sagte Spelthahn am Donnerstag. Es falle nicht leicht, wieder zum Distanzunterricht zurückzukehren. «Die hohen Ansteckungsraten lassen uns keine Wahl.» Nach dem positiven Bescheid vom Land bedankte sich Spelthahn noch am Abend: «Das Land war dieses Mal direkt empfänglich für unsere guten Argumente», sagte er laut Mitteilung.

Aus der Staatskanzlei hieß es zur Begründung der Entscheidung, der Kreis Düren habe seine ersten Überlegungen für Maßnahmen im Schulbereich ausdifferenziert und nun eine umfassend begründete Gesamtkonzeption vorgelegt. Auch weil der Kreis bereits andere zusätzliche Maßnahmen eingeführt habe, erscheine eine «begrenzte Aussetzung des Wechselunterrichts angemessen und geboten».

Land setzt weitere Lockerungen aus - Maskenpflicht an Grundschulen

Getrieben von den steigenden Corona-Infektionszahlen erteilt die Landesregierung weiteren Lockerungen eine Absage. Auch an den Grundschulen gibt es ab Montag strengere Vorgaben.

Baden-Württemberg hat angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen im Land weiteren Lockerungen eine Absage erteilt. Der für frühestens ab dem 22. März geplante Öffnungsschritt werde zurückgestellt, teilte eine Sprecherin des Staatsministeriums am Donnerstag mit. «Die aktuelle Lage ist derart dynamisch, dass wir unsere Maßnahmen an diesem Infektionsgeschehen ausrichten müssen», teilte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) dazu mit.

Der Öffnungsschritt, auf den sich Bund und Länder bei ihrer Konferenz Anfang März geeinigt hatten, hätte weitere Lockerungen für Kreise mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 oder zwischen 50 und 100 vorgesehen. Die für diesen Öffnungsschritt notwendigen stabilen beziehungsweise rückläufigen Inzidenzen seien derzeit aber nicht in Sicht, hieß es. «Die Tendenz zeigt leider in die falsche Richtung. Auf dieser Grundlage sind weitere Öffnungen derzeit unrealistisch und nicht sinnvoll», so Kretschmann. Die derzeit geltenden Corona-Regeln sollen deshalb ab Montag angepasst werden. Eine neue Verordnung sei in Arbeit.

Auch bei den Grundschulen wird nachjustiert. Schüler wie Lehrkräfte sollen ab Montag im Schulgebäude eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Die Grundschüler im Südwesten sind seit dieser Woche wieder im vollen Präsenzunterricht. An den weiterführenden Schulen in den 5. und 6. Klassen und Abschlussklassen besteht schon eine Maskenpflicht. Bisher sind offiziell nur Alltagsmasken vorgeschrieben, in der Praxis werden zumeist fast nur noch medizinische Mund-Nasen-Bedeckungen getragen.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Monika Stein, begrüßte den Schritt. Die Maskenpflicht sei vernünftig und entspreche den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts, teilte sie am Donnerstag mit. Lehrkräfte, Kinder und ihre Familien würden so besser geschützt. Die Maskenpflicht ersetze aber nicht andere Schutzmaßnahmen wie Luftreinigungsgeräte und mehr Personal, damit kleinere Gruppen gebildet und Schulleitungen und Lehrkräfte entlastet werden könnten, betonte Steiner.

An den weiterführenden Schulen soll zudem ab der kommenden Woche wieder Wechselunterricht möglich sein, um so die Abstandsregeln umsetzen zu können, wie es vom Staatsministerium hieß. Die Fünft- und Sechstklässler sind am vergangenen Montag nach monatelangem «home schooling» wieder in ihre Schulen zurückgekehrt.

Noch vor gut einer Woche hatte es um die Frage, ob in den Klassen die Abstandsregeln eingehalten werden müssen, heftigen Streit in der grün-schwarzen Koalition gegeben. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte die Forderung der Grünen abgelehnt, auch Wechselunterricht zuzulassen, wenn die Schulen den Abstand nicht gewährleisten können.

Rotes Kreuz will Lehrer für Corona-Selbsttests in Klassen schulen

Lehrkräfte sollten nach Ansicht des Deutschen Roten Kreuzes geschult werden, um ihre Schüler und Schülerinnen bei regelmäßigen Corona-Selbsttests anleiten zu können. «Wir planen gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen, Ärzten, Apotheken und den zuständigen Ministerien ein großes Projekt», kündigte DRK-Landesgeschäftsführer Marc Groß in den «Stuttgarter Nachrichten» (Donnerstag) an. «Die Handhabung der Tests ist nicht mehr so schwierig, das kann man hinbekommen», sagte er.

Ziel der Fortbildung ab April sei die Hilfe zur Selbsthilfe. «Wir wollen versuchen, Lehrer im betreuten Testen auszubilden. Deshalb sollen sich Schüler in ihrem direkten Klassenumfeld mindestens einmal pro Woche selbst testen können – unter Aufsicht des Lehrers», sagte Groß. «Dann weiß man, dass die Tests auch gemacht werden.» Geplant seien die Unterstützung vor Ort und Online-Schulungen. «Dabei wird es auch darum gehen, wie man Ängste und Vorurteile bei den Kindern abbaut. Wir wollen zudem den Lehrern psychischen Druck nehmen», sagte Groß. Außerdem gehe es darum, Unsicherheiten zu vermeiden, etwa bei der Frage, was im Falle von positiven Ergebnissen passieren muss.

Sorgen um fehlende Testsets macht sich der DRK-Geschäftsführer nicht: «Es gibt auf jeden Fall genügend Tests, um loszulegen.» Das Thema müsse aber größer ausgerollt werden, denn so viele Teststationen könne man nicht aufbauen. «Nur wenn alle Testmöglichkeiten ineinandergreifen, kann diese Strategie erfolgreich sein.»

Streit um Schulöffnungen kurz vor Ostern

Seit Monaten werden die meisten älteren Schüler ausschließlich zu Hause unterrichtet. In den zwei Wochen bis Ostern sollten sie langsam wieder an die Schule herangeführt werden. Aber die Infektionszahlen könnten den Plan zunichte machen.

Von Montag an sollen alle Schüler in Hessen tageweise zurück in den Unterricht. Dieser Plan des Kultusministeriums stößt auf immer breitere Kritik. Erste Städte und Kreise haben dem Land bereits eine Abfuhr erteilt, Eltern zum Protest aufgerufen. Das Corona-Kabinett der hessischen Landesregierung will an diesem Donnerstag über das Thema diskutieren.

Wegen der Corona-Pandemie wird derzeit für die Klassen 1 bis 6 Wechselunterricht angeboten: Jeweils die Hälfte der Klasse kommt jeden zweiten Tag oder jede zweite Woche in die Schule. Nur die jeweiligen Abschlussklassen bekommen vollständigen Präsenzunterricht. Die Jahrgangsstufen 7 bis 11 lernen im Distanzunterricht, also zu Hause im sogenannten Homeschooling.

Am 9. März verkündete Kultusminister Alexander Lorz (CDU), dass in den letzten zwei Wochen bis zu den Osterferien - also 22. März bis 1. April - «für jede Schülerin/jeden Schüler an mindestens einem Tag pro Woche Präsenzzeit in der Schule stattfinden soll». Als Voraussetzung für die geplanten Öffnungsschritte galt, dass der landesweite Inzidenzwert nicht über 100 steigt - am Mittwoch lag er bei 93,4.

Die Schulen waren überrascht - und wenig begeistert, wie aus zahlreichen Elternbriefen hervorgeht. «Besondere Sorgen bereiten uns in der Zeit bis zu den Osterferien die Hofpausen», sagt beispielsweise der Schulleiter der Frankfurter Musterschule, Stefan Langsdorf, in einem Elternbrief. Die Schüler hätten sich lange nicht gesehen, in der Wiedersehensfreude könnten Abstandsregeln leicht vergessen werden. «Es wäre fatal, wenn die beiden Präsenztage vor den Ferien unser aller Gesundheit gefährden und die möglichst geregelte Aufnahme des Präsenzunterrichts nach den Osterferien in Gefahr bringen würden.»

Manch einer vermutet, die Öffnungspläne seien der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag geschuldet gewesen. Der Main-Kinzig-Kreis und die Stadt Hanau haben dem Kultusministerium einen Brief geschrieben. Darin bitten sie das Ministerium nach eigenen Angaben, «die kurz vor der Kommunalwahl angekündigten vorverlegten Öffnungsschritte wieder zurückzunehmen».

Im Laufe der Woche sperrten sich immer mehr Städte und Kreise gegen die geplante Öffnung. Bis Mittwochabend hatten Stadt und Kreis Offenbach sowie die Kreise Main-Kinzig, Groß-Gerau, Lahn-Dill und Fulda abgewunken.

Die Stadt Frankfurt fordert «eine hessenweit einheitliche Regelung». Der ab Montag geplante Einstieg in den Wechselunterricht müsse landesweit ausgesetzt werden - wegen steigenden Infektionszahlen und «aufgrund der noch nicht erfolgten Impfungen durch das Aussetzen der Impfungen mit Astrazeneca sowie der noch nicht zur Verfügung stehenden Schnelltests des Landes». Die Zeit bis Ostern sollte besser genutzt werden, «um ein Testkonzept für die regelmäßige Testung aller Schülerinnen und Schüler vorzulegen und die Lieferung und Durchführung der Tests an Schulen zu organisieren».

Das sieht auch die GEW Hessen so. Es wäre sinnvoller, die zwei Wochen vor Ostern dazu zu nutzen, ein gutes Konzept für den Wechselunterricht nach Ostern zu entwickeln, sagte Vorsitzende Maike Wiedwald. Der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) fordert, den angedachten Präsenzunterricht für die Jahrgangsstufen 7 bis 11 auszusetzen: «Herr Lorz, ziehen Sie die Notbremse, bevor Schulen zu Hotspots werden», forderte der Verband.

Es gebe «auf allen Seiten das Bedürfnis nach einer Rückkehr zur schulischen Normalität», schrieb Lorz den Schulen. Die tageweise Rückkehr vor Ostern «entspricht auch den Rückmeldungen, die wir in den vergangenen Tagen und Wochen erhalten haben - von der aus Schulpraktikerinnen und Schulpraktikern bestehenden Konzeptgruppe Schuljahr 2020/2021, von Interessenvertretungen und Verbänden, von der Landesschülervertretung und vom Landeselternbeirat.»

An einzelnen Schulen haben die Eltern bereits zum Boykott aufgerufen, etwa an der Melibokusschule in Alsbach-Hähnlein (Kreis Darmstadt-Dieburg). Zur Begründung hieß es unter anderem: «Eine seriöse Teststrategie als Grundlage der Öffnungsschritte fehlt.» Außerdem werde damit der Distanzunterricht «erheblich negativ beeinflusst: Unsere Kinder erhalten dadurch weniger Unterricht.»

Die angekündigten Schnelltests für die Schulen kommen erst nach den Osterferien, wie aus der Regierungserklärung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstag hervorging. Am Freitag will Lorz zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ein «Testmobil» für Ausbrüche an Schulen vorstellen.

Entscheidung zu Schulschließung in einigen Regionen

Angesichts steigender Infektionszahlen stehen in Sachsen möglicherweise weitere Schulschließungen in einigen Landkreisen an. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) will gemeinsam mit Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Donnerstagnachmittag darüber entscheiden und die Öffentlichkeit informieren. Betroffen sind nach derzeitigem Stand neben der Stadt Chemnitz die Kreise Erzgebirge, Zwickau, Nordsachsen und Meißen. In den Regionen liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen über der kritischen Marke von 100.

Am Dienstag hatte es zum Thema bereits eine Videoschalte zwischen dem Minister und den betroffenen Regionen gegeben, um über die Situation vor Ort zu diskutieren. Laut Landesverordnung müssen Schulen und Kitas wieder schließen, wenn der Inzidenzwert von 100 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen überschritten ist.

Im Kreis Mittelsachsen sowie in Bautzen sank der Inzidenzwert am Mittwoch unter die 100er-Marke. Schulen und Kitas bleiben damit vorerst geöffnet.

17.03.2021

Immer mehr Kreise sperren sich gegen Ausweitung von Präsenzunterricht

Immer mehr Städte und Kreise sperren sich gegen die geplante Ausweitung des Präsenzunterrichts an den Schulen in Hessen noch vor den Osterferien. Nach Stadt und Kreis Offenbach haben nun auch Hanau und der Main-Kinzig-Kreis sowie die Kreise Groß-Gerau, Lahn-Dill, Fulda und Gießen abgesagt.

Wegen der Corona-Pandemie wird derzeit für die Klassen eins bis sechs Wechselunterricht angeboten. Die Jahrgangsstufen sieben bis elf lernen im Distanzunterricht. Nur Abschlussklassen bekommen vollständigen Präsenzunterricht. Vergangene Woche hatte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) verkündet, ab 22. März sollten alle Schüler teilweise zurückkehren - für mindestens einen Präsenztag pro Woche. Voraussetzung sei jedoch, dass der landesweite Corona-Inzidenzwert nicht über 100 steige.

«Angesichts der Tatsache, dass seit ein paar Tagen die Inzidenz bei uns im Kreis wieder über 100 liegt, wird dieser Schritt zur Rückkehr in den Unterricht nicht gegangen», sagte der Landrat von Groß-Gerau, Thomas Will (SPD), am Mittwoch. «Die Zahlen sind zu hoch, und sie könnten schwerer beherrschbar werden, wenn wir nächste und übernächste Woche unbeirrt und unreflektiert mehr Präsenzunterricht ermöglichen», sagte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD). Auch der Kreis Fulda und der Kreis Gießen begründeten den Schritt mit steigenden Infektionszahlen. «Wir möchten kein Risiko eingehen», sagte der Landrat des Lahn-Dill-Kreises, Wolfgang Schuster (SPD).

NRW-Landesregierung betont: Schulschließungen nur letztes Mittel

Die NRW-Landesregierung hat in der Diskussion um Schulschließungen die Kommunen im Land nochmals nachdrücklich auf die einzuhaltenden Modalitäten hingewiesen. Das sei über einen Erlass am Mittwoch geschehen, erklärte die Staatskanzlei am Abend. «Schulschließungen können eingebettet in ein Gesamtkonzept einen Beitrag zum Infektionsschutz vor Ort darstellen, dürfen aber nur das letzte und nicht das erste und alleinige Mittel der Wahl sein», hieß es. Zuvor müssten alle sonstigen Maßnahmen auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens geprüft worden sein.

Das Land hatte zuvor bereits Forderungen aus Dortmund und Duisburg, Schulöffnungen zu stoppen, abgeschmettert. Schon vorher hatten mehrere Kreise die Schulöffnungen zurücknehmen wollen, waren aber von Düsseldorf gestoppt worden.

Kommunale Behörden könnten zusätzliche Maßnahmen zum Infektionsschutz auch an Schulen ergreifen, wenn der Wert von 100 Corona-Neuinfektionen je 100 000 Einwohner pro Woche nachhaltig und signifikant überschritten werde, hieß es. Entscheidend sei dabei aber, die «landesweite bildungspolitische Grundsatzentscheidung im Sinne der Bildungsgerechtigkeit» zu berücksichtigen. Die Kommunen müssten sich mit dem NRW-Gesundheitsministerium abstimmen.

Kritik an Verzicht auf Maskenpflicht für Grundschüler wächst

Warum sollen Grundschüler keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, die nur wenig älteren Fünft- und Sechstklässler aber doch? Die Trennung leuchtet vielen angesichts steigender Infektionszahlen bei Kindern nicht mehr ein.

Der Ruf nach einer Maskenpflicht an Grundschulen wird wegen steigender Corona-Infektionszahlen immer lauter. Die Landtagsgrünen, der Städtetag und die Schulleitervereinigung wollen den Verzicht auf eine Maskenpflicht für die jüngsten Schüler aufheben. «Wir müssen jetzt dringend nachsteuern», sagte Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Stuttgart. «Wir brauchen an Grundschulen eine Maskenpflicht.» Dies sei für den Gesundheitsschutz von Lehrkräften und Kindern unerlässlich. Die Schulleitervereinigung sprach von einem «Armutszeugnis» für das Kultusministerium, weil es sich diesem Thema total verweigere. Auch für Grundschüler müssten die blauen OP-Masken obligatorisch sein, forderte Verbandschef Werner Weber.

An den weiterführenden Schulen ab Klasse fünf und an beruflichen Schulen besteht bereits die Pflicht, außerhalb des Unterrichts eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Am Montag waren die Grundschulen vom Wechselunterricht in den Regelbetrieb übergegangen.

Auch der Städtetag befürwortet eine ausgeweitete Pflicht. «Der Verzicht darauf steht im Verband immer stärker in Rede und Kritik, weil an den Grundschulen grundsätzlich alle Schüler wieder präsent sein können und zwischen den Schülern kein Abstandsgebot gilt», sagte Dezernent Norbert Brugger. Zu klären sei, welche Masken zu tragen seien und ob die Pflicht auch im Unterricht gelte. Das Ministerium äußerte sich dazu nicht.

Die Haltung des Ressorts entspreche nicht mehr der medizinischen Entwicklung, sagte Weber, Rektor einer Heidenheimer Gemeinschaftsschule. Anders als in anfangs erstellten Studien stelle sich heraus, dass sich Kinder insbesondere auch mit mutierten Viren anstecken würden. In seiner Schule trügen die Grundschüler bereits zu 100 Prozent Masken - «freiwillig und ohne Schäden». Das sei aber nicht überall so. Es gebe auch Fälle, in denen Eltern die Rechte ihrer Kinder durch Masken beschnitten sähen und sie entsprechend beeinflussten. Die Kinder gerieten dann unnötig in einen Zwiespalt.

Neben den Masken werden auch Tests genutzt, um die Pandemie in Schach zu halten. Bei einem an diesem Donnerstag beginnenden Pilotprojekt an Freiburger Schulen werden Klassen mit dem sogenannten Schoco-System getestet. Das Verfahren ist einfach: Die Schüler lutschen unter Aufsicht der Lehrer an zwei Wattestäbchen wie an einem Lolli.

«Regelmäßige Tests tragen dazu bei, die Infektionsgefahr in Schulen zu verringern», sagte Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos). Da Kinder oft ohne Symptome blieben, könnten so verdeckte Infektionsketten gestoppt werden. Eine abgestimmte Teststrategie des Landes sei notwendig. Aktuell erarbeiteten Hunderte Kommunen parallel Teststrategien. «Am Ende gelten unterschiedliche Regeln und Ansätze in Nachbarkommunen, das macht doch wenig Sinn und ist total ineffizient», kritisierte Horn.

Die Schulleitervereinigung sieht die Testung der Kinder kritisch. «Sie gaukelt den Familien eine Scheinsicherheit vor.» Denn die Befunde gälten nur bis zu acht Stunden. Eigentlich müsse jedes Kind jeden Tag getestet werden, das sei zeitlich und personell nicht zu schultern. In Freiburg wird angestrebt, alle Schulen einmal wöchentlich mit der neuen Methode zu testen.

Überdies plant das Deutsche Rote Kreuz (DRK) nach einem Bericht der «Stuttgarter Nachrichten» (Donnerstag), die Testmöglichkeiten an den Schulen zu verbessern. Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen, Ärzten und Apotheken solle die Selbsthilfe gestärkt werden. Dabei sollen Lehrer im betreuten Testen ausgebildet werden, damit sich die Schüler mindestens einmal in der Woche unter ihrer Aufsicht selbst testen können. Nach den Osterferien will das Land die Tests ausweiten. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte der Zeitung: «Im Ergebnis wird es Testangebote für das Personal der Kitas, der Schulen sowie für alle Schülerinnen und Schüler anlasslos zweimal die Woche geben.»

Diskussion um Corona-«Notbremse» - GEW fordert Distanzunterricht

Die Zahl der Corona-Infektionen in Berlin steigt wieder. Ein wichtiger Schwellenwert ist in Reichweite. Kommt nach den jüngsten Lockerungen nun die «Notbremse»?.

Angesichts steigender Corona-Zahlen könnten seit kurzem geltende Lockerungen in Berlin bald wieder in Frage stehen. Denn Bund und Länder hatten am 3. März eine Art Notbremse für den Fall vereinbart, dass die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche stabil überschreitet. Nun ist es womöglich bald soweit: Am Mittwoch kletterte der Wert in Berlin auf 94,8.

Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte in dem Fall eine Rückkehr zum Distanzunterricht an Berlins Schulen. «Der Stufenplan von Bund und Ländern, der ab einer Inzidenz von 100 eine Notbremse vorsieht, sollte ernstgenommen werden», sagte GEW-Sprecher Markus Hanisch der dpa und verwies auf Gesundheitsrisiken für Lehrer und Schüler.

Bund und Länder hatten am 3. März vereinbart: «Steigt die 7-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen in einem Bundesland oder einer Region auf über 100, treten ab dem zweiten darauffolgenden Werktag die Regeln, die bis zum 7. März gegolten haben, wieder in Kraft (Notbremse).»

Einen Automatismus werde es bei diesen Fragen indes nicht geben, teilte die Gesundheitsverwaltung am Mittwoch auf dpa-Anfrage mit. Über Änderungen der Corona-Strategie befinde immer der Senat.

Dieser will sich voraussichtlich am Freitag oder am Wochenende zu einer Sondersitzung zusammenschalten; noch ist kein Termin bestätigt. Offen ist auch, ob vor der nächsten Schalte der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am kommenden Montag Entscheidungen fallen.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte sich zuletzt mehrfach dafür ausgesprochen, bundesweit einheitlich vorzugehen. «Es gibt gute Gründe dafür, dass wir uns an der 100 orientieren. Das ist ein guter und nachvollziehbarer Richtwert», sagte er am Dienstag.

Berlin verzeichnete am Mittwoch laut Gesundheitsverwaltung 94,8 Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche, nach 91,3 am Dienstag und 75,1 am Montag. Vor einer Woche hatte diese sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 57,9 gelegen.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung hatte der Senat am Dienstag zunächst entschieden, weitere Lockerungen zu verschieben. Sollte bei konstanten Werten über 100 eine «Notbremse» zum Tragen kommen, könnte sie neben Kitas und Schulen auch andere Bereiche betreffen, in denen es in den vergangenen Tagen und Wochen nach monatelangem Lockdown vorsichtige Öffnungen gab.

Es handelt sich etwa um die Regeln für private Zusammenkünfte, die im Lockdown nur mit einer haushaltsfremden Person möglich waren und seit 4. März wieder mit 5 Personen aus zwei Haushalten - jeweils plus Kinder unter 14 Jahren. Betreffen könnte das auch zwischenzeitlich geöffnete Einzelhändler, Museen, Galerien, Zoos und Gedenkstätten sowie den Sport im Freien, der seit zwei Wochen mit bis zu 5 Erwachsen aus zwei Haushalten oder bis zu 20 Kindern erlaubt ist.

Die schrittweise Öffnung der Schulen für den sogenannten Wechselunterricht begann am 22. Februar für Schüler der Klassen 1 bis 3. Am 9. März folgen die Klassen 4 bis 6 und am Mittwoch nun die Klassen 10 bis 12. Die Schüler werden in kleineren Lerngruppen abwechselnd in der Schule und mit Hilfe digitaler Lösungen zu Hause unterrichtet.

Aus Sicht der GEW muss es bei Rückkehr zum Distanzunterricht, bei dem Schüler angeleitet von ihren Lehrern und möglichst mit Unterstützung ihrer Eltern zu Hause mittels digitaler Technik lernen, auch mehr Betreuungsangebote an den Schulen selbst geben. «Viele Kinder und Jugendliche können zu Hause nicht richtig lernen», so Hanisch. Für diese müssten kreative Lösungen an den Schulen gefunden werden.

Lernprobleme zu Hause haben etwa Schüler, die in sozial schwierigen Familien oder in kleinen Wohnungen leben. Manch einer hat nicht die technische Ausstattung. Vor diesem Hintergrund plädiert die GEW dafür, von der «Fokussierung» auf Jahrgänge» wegzukommen. Wichtig müsse vielmehr sein, bei Angeboten für Betreuung in der Schule trotz Distanzunterricht den individuellen Förderbedarf der Schüler unabhängig von der Klassenstufe zugrunde zu legen.

Um die Schulen in Pandemie-Zeiten sicherer zu machen, können sich Lehrer und andere Beschäftigte seit geraumer Zeit zweimal die Woche am Arbeitsplatz kostenlos auf Corona testen lassen. Seit Mittwoch sollen sich nun auch Schüler testen lassen können, und zwar zweimal in der Woche freiwillig zu Hause mit einem Schnelltest.

Zunächst wurden die Tests laut Bildungsverwaltung an ältere Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe und der Oberstufenzentren ausgegeben. Schrittweise sollen anschließend die jüngeren Jahrgangsstufen einbezogen werden.

Schule auf oder lieber zu? - Rückkehr eines erbitterten Streits

Die steigenden Corona-Zahlen und Befürchtungen vor Zuständen wie vor Weihnachten heizen die Debatte über Schulöffnungen wieder an. In Nordrhein-Westfalen streiten Landesregierung und Städte miteinander. Auch der Bundespräsident meldet sich zu Wort.

Die Diskussion über das Für und Wider von Präsenzunterricht an Schulen ist vor dem Hintergrund steigender Corona-Zahlen erneut entbrannt. Beispielhaft zeigt sich das in Nordrhein-Westfalen: Im bevölkerungsreichsten Bundesland wollen die Großstädte Dortmund und Duisburg die Schulen wieder schließen, die Duisburger Kitas sollen zudem wieder in die Notbetreuung gehen. Die Landesregierung lehnt das aber ab. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte, nicht gleich wieder alle Schulen und Kitas zuzumachen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sprach von einer «Gratwanderung».

Über das Thema Kitas und Schulen wird seit Beginn der Pandemie vor mehr als einem Jahr besonders gestritten. Je mehr die Corona-Zahlen im vergangenen Herbst stiegen, desto lauter wurde die Debatte. Nun wiederholt sich das im Zuge der schrittweisen Wiederaufnahme des Betriebs nach dem Winter-Lockdown. 

Grundsätzlich geht es um die schwierige Abwägung zwischen Gesundheitsschutz für Lehrer, Kita-Personal, Kinder, Schüler und Familien auf der einen sowie Bildung, Struktur, sozialen Kontakten und wichtigen Erfahrungen für Kinder und Jugendliche auf der anderen Seite. Die Meinungsverschiedenheiten ziehen sich quer durch die Gesellschaft.

Verschiedene aktuelle Entwicklungen bestärken nun die Kritiker von Öffnungen: Bei den Impfungen von Kita-Personal und Grundschullehrern stockt es, weil die Impfungen mit Astrazeneca gestoppt wurden. Es gibt Kritik, dass keine Schnell- und Selbstests an Schulen vorliegen, um unbemerkte Infektionen festzustellen. Im aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) heißt es: «Der stärkste Anstieg ist bei Kindern zwischen 0-14 Jahren zu beobachten, wo sich die 7-Tage-Inzidenzen in den letzten vier Wochen verdoppelt haben.» Seit Februar läuft der Betrieb an Grundschulen und Kitas wieder.

Die Ruhrgebietsstädte Dortmund und Duisburg wollten ihre Schulen angesichts der Lage nun wieder schließen. Die Landesregierung hatte das am Dienstag abgelehnt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte dazu am Mittwoch im WDR-Morgenecho, viele Kinder und Jugendliche seien seit Dezember nicht mehr in den Schulen gewesen. Die zumindest tageweise Rückkehr in den Präsenzunterricht für alle Jahrgänge seit diesem Montag im Wechselmodus bleibe richtig. Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) kritisierte das Festhalten an der Schulrückkehr als zu riskant.

Ähnliches passiert bei den Kitas: Duisburg will diese wieder in den Notbetrieb schicken. Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (FDP) will das nicht zulassen. «Das ist mit dem Land nicht abgestimmt», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Steinmeier sagte bei einer Diskussionsrunde mit Jugendlichen, er hoffe auf flexible Lösungen, die verhindern, dass Betreuung, Bildung und Begegnung jetzt schmerzhaft und flächendeckend abgebrochen werden. Wenn Kinder und Jugendliche nun als Erste wieder zurückstecken müssten, bleibe das nicht ohne Folgen.

Bildungsministerin Karliczek sprach von einer «Gratwanderung», bei der Interessen der Kinder und Gesundheitsschutz abzuwägen seien. Auf die Frage, ob auch bei einem erneuten harten Lockdown die Schulen geöffnet bleiben sollten, antwortete Karliczek, das müsse regional gesehen werden. «Wenn ich in der Lage bin, mein Maßnahmenbündel noch mal nachzuschärfen und damit die Situation an den Schulen sicher zu halten, kann man das, glaube ich, vor Ort vertreten.»

Die Bildungsgewerkschaft VBE (Verband für Bildung und Erziehung) warnte dagegen, das Prinzip Hoffnung habe ausgedient. Die Schutzmaßnahmen an den Schulen seien nicht ausreichend. Das Personal müsse schnellstmöglich Impfangebote bekommen und es brauche mindestens zweimal wöchentlich Schnelltests, forderte der Verbandsvorsitzende Udo Beckmann. «Es liegt in der Verantwortung der Politik, alles zu tun, was notwendig ist, um einen Schulbetrieb zu gewährleisten, der nicht zum Roulettespiel wird.»

An diesem Donnerstag beraten abermals die Kultusminister der Länder. Konkrete Beschlüsse sind zunächst nicht zu erwarten. Wie sie konkret vorgehen, regeln die Länder selbstGrundsätzlich ist zumindest momentan noch vorgesehen, dass schrittweise nun auch ältere Schüler zurück in die Schulen kommen. Grundschüler sind schon seit Februar wieder in den Klassenzimmern. Unterricht gibt es meist im sogenannten Wechselmodell - also mit geteilten Klassen, die abwechselnd in der Schule und zu Hause am Laptop unterrichtet werden.

Steinmeier: Nicht gleich wieder Kitas und Schulen schließen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dazu aufgerufen, in der dritten Welle der Corona-Pandemie nach Möglichkeit nicht gleich wieder alle Schulen und Kitas zu schließen. «Ich hoffe sehr, dass unsere Bildungseinrichtungen mit der tatkräftigen Hilfe von Bund und Ländern flexible Lösungen finden, die verhindern, dass Betreuung, Bildung und Begegnung jetzt schmerzhaft und flächendeckend abgebrochen wird», sagte Steinmeier am Mittwoch in einer Diskussionsrunde mit Jugendlichen.

Die dritte Welle der Pandemie setze besonders Kitas, Schulen, Universitäten und Ausbildungsbetriebe erneut unter enormen Druck. «Was wir brauchen, das sind kluge, regional passende Lösungen, die zum einen natürlich die besorgniserregende Pandemielage sehr ernst nehmen - zum anderen aber die genauso schwerwiegenden Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen im Land mit in den Blick nehmen.»

Monatelang hätten Kinder, Jugendliche und junge Menschen nicht in Kitas, Schulen und Universität gehen dürfen, sagte Steinmeier. «Wenn sie nun als Erste wieder zurückstecken müssten, bleibt das eben auch nicht ohne spürbare soziale und bildungspolitische Folgen. Und deshalb müssen die bei der Entscheidung über Schließungen immer wieder mit in die Waagschale genommen werden.»

In der Diskussionsrunde berichteten Schüler, Auszubildende und eine Studentin dem Bundespräsidenten über ihre aktuelle Situation. Marie-Luise Mieth, die eine Ausbildung zur Tischlerin macht und kurz vor ihren Abschlussprüfungen steht, erzählte: «Die letzten Monate war es schon schwierig, die Themen auch wirklich so zu behandeln, wie es in der Berufsschule der Fall wäre. Da bleibt natürlich einiges auf der Strecke.» Gerade der praktische Teil sei über Online-Unterricht kaum vermittelbar.

Steinmeier betonte, die jungen Menschen hätten in der Krise eine «enorme Solidarität» gezeigt und tiefe Einschnitte auf sich genommen, um die besonders Gefährdeten, die Älteren, zu schützen. Das habe ihn sehr beeindruckt. Zu den Jugendlichen sagte er: «Jetzt ist es an uns, den Älteren, Solidarität mit Ihnen zu zeigen, damit Sie nicht noch länger ausgebremst sind, sondern möglichst gut und vor allem möglichst schnell in ihre eigene Zukunft und neue Zukunftsplanungen starten können.»

Karliczek spricht von «Gratwanderung» bei Schulen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sieht beim Thema Schulöffnungen vor dem Hintergrund steigender Corona-Zahlen einen schwierigen Abwägungsprozess. Die CDU-Politikerin sprach am Mittwoch in Berlin von einer «Gratwanderung», bei der es darum gehe, die Interessen der Kinder mit Blick auf Bildung und einen «ordentlichen Gesundheitsschutz» gut abzuwägen.

Es gelte jetzt vorsichtig zu sein und trotzdem soviel es geht, möglich zu machen. «Weil wir auch sehen, dass die großen Ermüdungserscheinungen, die Last die alle tragen, durch diese Situation, dass keiner einen wirklich planbaren Lebensalltag hat, dass wir das eben auch anerkennen müssen.»

Auf Nachfrage, ob auch bei einem erneuten harten Lockdown die Schulen weiterhin geöffnet bleiben sollten, antwortete Karliczek, das müsse aus dem regionalen Geschehen heraus gesehen werden. «Wenn ich in der Lage bin, mein Maßnahmenbündel nochmal nachzuschärfen und damit die Situation an den Schulen sicher zu halten, kann man das, glaube ich, vor Ort vertreten.» Es könne aber natürlich immer wieder die Situation kommen, in der es nicht mehr zu verantworten sei und Schulen wieder geschlossen werden müssten.

Über das Vorgehen an den Schulen entscheiden die Bundesländer selbst. Der Bund hat bei dem Thema keine Regelungskompetenz.

Bund und Länder beraten über mögliche «Nachhilfe-Milliarde»

Wegen des massiven Schulausfalls in der Corona-Krise planen Bund und Länder ein umfangreiches Programm für Schüler, um entstandene Lernrückstände aufzuholen. Entsprechende Gespräche darüber laufen bereits länger, nach Angaben von Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) haben sich die SPD-geführten Bundesländer nun aber auf konkrete Eckpunkte verständigt.

«Die Schülerinnen und Schüler haben im vergangenen Jahr fast die halbe Zeit die Schule nicht besuchen können. Wir sind uns angesichts des Ausfalls einig, dass gehandelt werden muss, damit keiner den Anschluss verliert», sagte Rabe der Deutschen Presse-Agentur. Seinen Angaben zufolge könnte das Förderprogramm einen Umfang von einer Milliarde Euro haben. Das sei zumindest die «Arbeitshypothese» zwischen Bund und Ländern.

Nach den Vorstellungen der SPD-geführten Länder könne mit dem Geld etwa jedem vierten oder fünften der rund elf Millionen Schüler in Deutschland ein Angebot für eine Lernförderung gemacht werden: Entweder zwei Extra-Stunden pro Woche in Kleingruppen über ein gesamtes Schuljahr verteilt oder vier Förderstunden pro Woche verteilt über ein halbes Schuljahr. Dies sollte nach Angaben Rabes möglichst unter dem Dach der Schulen stattfinden. Zum Einsatz kommen könnten Nachwuchslehrer im Studium, pensionierte Lehrkräfte oder Volkshochschulpersonal. Aber auch externe Anbieter seien denkbar.

Über die Notwendigkeit eines gemeinsamen Bund-Länder-Programms zur Unterstützung bestehender Fördermaßnahmen in den Ländern sind sich alle einig. Die Kultusministerkonferenz hatte dazu bereits Beschlüsse gefasst. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte der dpa: «Wir müssen alles dafür tun, dass die Kinder und Jugendlichen die Lernrückstände, die in der Corona-Zeit entstanden sind, wieder ausgleichen können. Deshalb ist die gemeinsame Initiative von Bund und Ländern für ein entsprechendes Förderprogramm gut und richtig.» Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte sich für ein «großes Nachholprogramm» ausgesprochen. Über die Details wird nun noch verhandelt - etwa, in welcher Höhe genau sich Bund und Länder daran beteiligen und welche Schüler konkret ein Förderangebot bekommen sollen.

Berlins Schulen werden wieder voller - nicht alle freut das

Die 10. bis 13. Klassen kommen zurück zum regelmäßigen Unterricht in der Schule. Manche halten das für riskant. So viel steht fest: Mehr Kontakte bedeuten ein höheres Risiko für Corona-Infektionen.

An Berlins Schulen ist ab Mittwoch wieder einiges mehr los. Bislang gab es nur für die Grundschulklassen regulären Unterricht in der Schule in festem Rhythmus. Das ändert sich nun, was manche begrüßen und anderen gar nicht behagt. Je mehr Schüler wieder in der Schule sind, umso größer ist das Risiko von Corona-Infektionen.

- Die Klassen 10. bis 13. bekommen wieder regulär Wechselunterricht, also einen Mix aus Unterricht im Klassenzimmer und am Laptop zu Hause. Als erstes haben im Februar die 1. bis 3. Klassen nach längerer Homeschooling-Phase Wechselunterricht bekommen, dann die 4. bis 6. - jetzt folgen zunächst die älteren Schülerinnen und Schüler. Unterrichtet wird dabei in verkleinerten Lerngruppen, in der Schule müssen medizinische Masken getragen werden.

- Die Klassen 7 bis 9 sind weiter außen vor. Zwar hatten zwei Gymnasiasten aus Klasse 7 und 9 vor dem Verwaltungsgericht Berlin am Mittwoch vergangener Woche recht bekommen: Der Ausschluss einzelner Klassenstufen vom Wechselunterricht ist aus Sicht des Gerichts rechtswidrig. Die Entscheidung gilt allerdings nur für die beiden Schüler, die erfolgreich geklagt hatten. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte überlegt, alle 7. bis 9. Klassen zumindest zu einzelnen «Präsenzterminen» in die Schule zu holen, damit die Jugendlichen ihre Mitschüler und Lehrkräfte nach langer Zeit endlich wieder einmal sehen könnten. Aber damit müssen sie nun noch bis nach den Osterferien warten. Dann gibt es auch für sie Wechselunterricht wie für die übrigen Klassenstufen.

- Schnelltests für die Lehrkräfte in den Schulen sind nach Einschätzung von Bildungssenatorin Scheeres und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) ein wichtiges Instrument zur Eindämmung der Pandemie. Dafür sind an den Berliner Schulen jeweils Lehrerinnen und Lehrer geschult worden, die solche Schnelltests durchführen. Die Lehrkräfte und anderes Schulpersonal haben einen Anspruch auf zwei Tests pro Woche, die Teilnahme ist freiwillig.

- Selbsttests sind die zweite Komponente, die im Vergleich zu den klassischen Schnelltests unkomplizierter sind. Sie sollen ab Mittwoch in einem Teil der Berliner Schulen zum Einsatz kommen, zunächst werden sie an ältere Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe und der Oberstufenzentren ausgegeben. Schrittweise sollen anschließend die jüngeren Jahrgangsstufen einbezogen werden. Die Schüler bekommen die Selbsttests in den Schulen und sollen sie dann zweimal in der Woche freiwillig zu Hause anwenden. Nach Angaben der Bildungsverwaltung ist das Ziel, bis Ende dieser Woche rund eine Million Selbsttests unter die Leute zu bringen. Weitere sollen folgen.

- Kritik an den Öffnungsschritten gab es immer wieder. Ein Argument lautet: Solange die Infektionszahlen steigen und die 7-Tage-Inzidenzen zu Ostern möglicherweise wieder das Niveau aus der Zeit um Weihnachten erreicht haben, wie das Robert Koch-Institut erst jüngst vorhergesagt hat, sei das Infektionsrisiko zu hoch für noch mehr Schüler in den Schulen. Das sieht etwa die Bildungsgewerkschaft GEW in Berlin so. Sie hat ausdrücklich vor weiteren Schulöffnungen gewarnt.

16.03.2021

NRW hält an offenen Schulen fest und zieht Impfstoff-Reserve

Der Astrazeneca-Stopp ist ein Schlag ins Kontor. Das wird auch von der NRW-Regierung nicht geleugnet. Eine Reserve anderer Impfstoffe soll nun beim Überbrücken helfen. Erziehern und Lehrern hilft das erstmal nicht. Trotzdem sollen die Schulen alle offen bleiben.

Trotz steigender Corona-Neuinfektionsraten und mindestens vorläufigem Astrazeneca-Impfstopp hält Nordrhein-Westfalen an der Öffnung der Schulen fest. Die Ruhrgebietsstädte Dortmund und Duisburg dürfen die Schulen - anders als erwünscht - nicht schließen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte dazu am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Düsseldorf: Wenn der Stadt Dortmund bei einer Neuinfektionsrate von 71,2 - gerechnet auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen - nichts anderes einfalle, als Schulen zu schließen, werde sein Haus das umgehend ablehnen.

Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link zeigt sich enttäuscht über die Haltung der Landesregierung. Ihm sei «vollkommen unverständlich, dass das Land diesen Plänen einen Riegel vorschiebt». Die Entwicklung der Zahlen zeige, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichend seien.

Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) hatte die angestrebte Schließung aller Schulen auch mit dem vorläufigen Impfstopp des Astrazeneca-Vakzins begründet. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) räumte ein: «Das ist zweifellos ein Rückschlag für die deutsche Impf-Kampagne.» Beim nächsten «Impf-Gipfel» der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin sei zu erörtern, wie Bürokratie in der Organisation abgebaut und das Impfen beschleunigt werden könne. «Ich bin überzeugt: Deutschland kann Organisation und Logistik. Diese Stärke müssen wir ausspielen.»

Nach dem Astrazeneca-Impfstopp seien Impfungen bei der großen Gruppe der Kita-Erzieherinnen und Lehrer in NRW zunächst nicht möglich, berichtete Laumann. Da die Zweit-Impfung mit dem Vakzin 12 bis 13 Wochen Zeit habe, beunruhige ihn diese Frage, die in NRW frühestens Mitte April akut werde, zunächst aber nicht.

NRW werde zunächst mit einer Reserve auf die neue Lage reagieren, berichtete Laumann. Von den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna seien rund 50 Prozent der Dosen zurückgelegt worden, um auf Lieferengpässe zu reagieren. Die Reserve werde um 150 000 Dosen verkleinert, um bis Ende März ebenso viele Menschen zusätzlich impfen zu können, sagte Laschet. Das werde Behinderten in Eingliederungseinrichtungen und zu einem kleineren Teil über 80-Jährigen zugutekommen.

NRW stehe bei den Corona-Schutzimpfungen kurz vor der Zwei-Millionen-Marke, sagte Laschet. Trotz der bedauerlichen Astrazeneca-Pause könne aber festgestellt werden: «Unsere Schutzmauer um die besonders Verwundbaren steht und wirkt.» Während es zum Jahreswechsel unter den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen noch über 5000 Infizierte in NRW gegeben habe, seien es in dieser inzwischen durchgeimpften Gruppe jetzt nur noch 300 Infizierte und damit 94 Prozent weniger. Über 850 000 Menschen über 80 Jahre hätten bereits über 1,7 Millionen Impftermine in NRW vereinbart. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag laut Robert Koch-Institut bei 82,9.

Auch bei den kostenlosen Bürger-Tests gehe es voran, berichtete Laschet. Inzwischen seien in NRW 1724 Test-Stellen genehmigt worden. Dort seien bereits rund 100 000 Tests auf das Coronavirus gemacht worden, von denen 1210 positiv ausgefallen seien. Damit liege die Quote bei 1,2 Prozent.

Laumann räumte aber ein: «Wir haben jetzt eine Krise, wenn ein Impfstoff wie Astrazeneca eine Impfpause macht.» Die Frage, ob Bürger sich auf eigene Verantwortung mit Astrazeneca impfen lassen dürften, könne er nicht beantworten, sagte Laschet. Dies habe die Europäische Arzneimittelagentur zu beantworten. In jedem Fall müsse beim Impfen mehr Tempo gemacht werden. Die Haftung bei gesundheitlichen Schäden durch den Impfstoff liege beim Land, sagte Laumann.

Wegen des Astrazeneca-Impfstopps und der Boykottankündigung gegen Schulöffnungen kommt der Landtag am Freitag auf Antrag von SPD und Grünen zu einer Sondersitzung zusammen. «Der Landesregierung entgleitet das Corona-Management», erklärten die Fraktionsvorsitzenden Thomas Kutschaty (SPD) und Josefine Paul (Grüne).

Am 22. März treffen sich die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin zur nächsten großen Corona-Konferenz. Angesichts der Entwicklung der Zahlen halte er es für fraglich, ob für Deutschland touristische Öffnungen möglich seien, sagte Laschet, der auch CDU-Bundeschef ist. Dass die Reisewarnung für Mallorca aufgehoben worden sei, sei den niedrigen Neuinfektionsraten dort zu verdanken. «Ich würde trotzdem nicht jedem empfehlen, jetzt dahin zu reisen», sagte Laschet.

Von Mittwoch an Wechselunterricht im Landkreis Vorpommern-Greifswald

Greifswald (dpa/mv)Für die Schüler im Landkreis Vorpommern-Greifswald gibt es von Mittwoch an Wechselunterricht. Eine Hälfte einer jeden Klasse ist in Präsenz in der Schule und die andere im digitalen Lernen zu Hause, wie der Kreis am Dienstag mitteilte. Die Situation sei aber sehr labil. Die Öffnung erfolge gemäß der vom Land festgelegten Richtlinie für Werte unterhalb der Marke von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen. «Wenn dieser Wert jedoch – wie es sich momentan abzeichnet – an drei aufeinander folgenden Tagen wieder überschritten wird, folgt nach zwei Tagen der Vorbereitungszeit erneut die Schließung der Einrichtungen beziehungsweise das Aussetzen des Präsenzunterrichtes», hieß es.

 

Schüler im Norden bekommen Corona-Selbsttests

Schleswig-Holsteins Schüler sollen sich in den Schulen bis zu den Osterferien wöchentlich selbst auf eine Covid-19-Infektion testen können. «Am Donnerstag werden wir mit dem THW die erste Ladung von 230 000 Selbsttests der Firma Roche an die Schulämter ausliefern», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Dienstag in Kiel. Die ersten Antigen-Selbsttests sind für Schüler in den Abschlussjahrgängen eingeplant, damit diese sich vor den kommenden Prüfungen testen können. Das Ministerium rät den Schülern, sich am Vorabend der Prüfungen zu testen.

Prien betonte, «in den darauffolgenden Tagen werden weitere 380 000 Tests an die Schulen kommen, sodass alle Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein in der kommenden Woche ein Testangebot erhalten». Mit den Corona-Selbsttests will die Landesregierung den Unterricht an den Schulen sicherer gestalten. Zusätzlich zu den Selbsttests in der Schule können sich Lehrer und Schulbeschäftigte weiter in Apotheken, bei Hausärzten oder den Testzentren des Roten Kreuzes testen lassen.

Testpflicht für Abschluss- und vierte Klassen in Hotspots geplant

Keiner weiß, wie die Corona-Zahlen nach Ostern aussehen und wo dann Schule live möglich ist. Klarheit gibt es neben Abschlussklassen nun bayernweit auch für Viertklässler - in Hotspots aber mit Auflagen.

Abschlussklassen sowie Viertklässler sollen nach den Osterferien auch in Corona-Hotspots weiterhin in die Schule gehen dürfen - dann aber voraussichtlich verbunden mit einer Testpflicht. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München an. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) solle dazu nun ein entsprechendes Konzept vorlegen. Man müsse in den Hotspots über dem Inzidenzwert 100 aber aus Testmöglichkeiten dann Testpflichten machen, betonte Söder. Dabei sollten auch andere Tests, etwa zum Gurgeln, eingesetzt werden.

«Generell, für all diese Bereiche, braucht es dann eine Testpflicht», sagte er. Neben den Abschluss- und den vierten Klassen hält Söder in Hotspots nach eigenen Worten allenfalls noch Unterricht in der elften Jahrgangsstufe an Gymnasien für denkbar - das müsse man aber klug überlegen. Weitergehende Schulöffnungen auch in Hotspots, wie sie Piazolo in Verbindung mit mehr Tests vorgeschlagen hatte, lehnte er ab: Mehr sei bei einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 «nicht denkbar».

Bislang gilt, dass es in Regionen mit mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen an allen Schularten nur Distanzunterricht geben darf - mit Ausnahme der Abschlussklassen, die auch in Hotspots im Wechselunterricht bleiben dürfen. Neu ist nun, dass nach den Osterferien Viertklässler wie Abschlussklassen gewertet werden sollen. «Weil viele Eltern sind sehr besorgt, ob ihr Kind gerade in der vierten Klasse dann den Übertritt schafft», sagte Söder. Deshalb sei dies für die Zeit nach Ostern ein Signal. Und neu ist die geplante Testpflicht für die betroffenen Lehrer und Schüler. Piazolo schränkte aber ein, man müsse noch einmal prüfen, auch juristisch, inwieweit eine Testpflicht in den Hotspots möglich sei.

Derzeit ließen sich nur rund 40 Prozent der Lehrkräfte freiwillig testen und nur etwa neun bis zehn Prozent der Schüler, sagte Söder. «Das gibt noch kein valides Bild über das Infektionsgeschehen.» Auch Piazolo rief dazu auf, schon existierende Test-Angebote wahrzunehmen.

Einen Corona-Selbsttest pro Woche will der Freistaat jeder Schülerin und jedem Schüler zur Verfügung stellen. Die Verteilung sei in vollem Gange, hieß es. Spätestens nach den Osterferien sollten die Selbsttests aller Schüler dann nur noch an der Schule erfolgen. Der Bayerische Philologenverband beklagte allerdings am Dienstag, von flächendeckenden Tests könne aktuell noch keine Rede sein.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, kritisierte die Einstufung der vierten Klassen als Abschlussklassen scharf. «Jetzt ist für alle offensichtlich, was in Bayern eigentlich zählt: nicht die Bildung und Erziehung von Schülerinnen und Schülern, sondern der Übertritt», sagte sie. Dabei werde die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer und Kinder gefährdet.

Aktuell befinden sich laut Piazolo 23 Prozent aller Schulklassen in Bayern im vollen Präsenzunterricht, 49 Prozent der Klassen sind im Wechselunterricht, 28 Prozent der Klassen haben Distanzunterricht.

Grundsätzlich lehnt Söder Abweichungen an der von Bund und Ländern festgelegten «Notbremse» mit Corona-Auflagen bei einer Inzidenz von mehr als 100 ab. Es mache keinen Sinn, die Notbremse etwa auf 150 hochzusetzen, wie es mancherorts diskutiert werde, sagte der CSU-Chef. Damit Lockerungen überhaupt möglich seien, brauche es eine effektive und über alle Bundesländer hinweg einheitliche Notbremse.

Es müsse einen Automatismus geben, dass Lockerungen zurückgenommen werden, sobald es mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner gebe. Dies sei umso wichtiger, weil der generelle Trend wieder schwieriger werde. «Wir befinden uns in einem Wettlauf mit der Zeit und gleichzeitig in einem Wettlauf mit der Geduld.» Die Zahlen zeigten, dass wieder «schwierigere Wochen auf uns zukommen».

So sei in Bayern erkennbar, dass sich die britische Virusvariante «von Ost nach West» ins Land fräse. Der Anteil der Mutationen liege bereits bei fast 60 Prozent. Auch die Inzidenz steige stark an. Sie liege jetzt bei 89, vor einer Woche habe sie noch 71 betragen. In rund einem Drittel der Landkreise sei die Inzidenz bei mehr als 100.

Senat sagt Schulrückkehr für 7. bis 9. Klassen vorerst ab

Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 bis 9 kehren in Berlin vor den Osterferien nicht mehr in den Präsenzunterricht zurück. Das kündigte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag nach einer Senatssitzung an. Grund seien die Corona-Infektionszahlen und begrenzten Test-Kapazitäten.

Eigentlich war es das Ziel gewesen, dass alle Schülerinnen und Schüler vor Ostern zumindest für einzelne Tage wieder zur Schule gehen. Müller sagte nun, weitere Schüler sollten erst wieder an die Schulen zurückkehren, wenn es ausreichend Corona-Tests für alle gibt. «Dass nach Ostern wir eine ganz andere Situation haben, davon gehen wir alle aus.»

Landkreis Görlitz sieht Schulen und Kitas als Corona-Schwerpunkte

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) hat die Öffnung der Schulen ohne Testpflicht scharf kritisiert. «Wir erkennen aus den augenblicklichen Entwicklungen, dass Schulen und Kitas zwei Corona-Schwerpunkte sind. Ich habe die Regelung erwartet, dass der Freistaat aufgrund der fehlenden Tests die Öffnung der Schulen um eine Woche verschiebt», sagte Lange am Dienstag bei einem Online-Pressegespräch.

Von Covid-19-Infektionen seien im Landkreis nach aktuellem Stand 15 Schulen und 12 Kitas betroffen. Mit derzeit mehr als 300 Kontaktpersonen in Quarantäne aus diesen Einrichtungen entspricht diese Zahl mehr als einem Drittel aller solcher angewiesenen Maßnahmen in der Region.

Nachdem der Sieben-Tage-Inzidenzwert für den Landkreis Görlitz fünf Tage in Folge die kritische 100er-Marke überschritten hatte, lag er am Dienstag laut Robert-Koch-Institut erstmals wieder bei 96,9. «Mit dieser Zahl können wir durchatmen», sagte Lange. Er forderte neben der Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen (Inzidenz) die Auslastung der Krankenhäuser bei Öffnungsstrategien stärker in den Blick zu nehmen. «Ich erwarte von der Wissenschaft klare Aussagen, die die Menschen nachvollziehen können. Stattdessen trägt momentan die Wissenschaft zum Bild des Eierns der Politik noch bei.»

Schulen sollen erste Corona-Selbsttests für Schüler erhalten

Tests sollen ein wichtiger Pfeiler in der Corona-Schutzstrategie werden. Für die Schüler kommt das allerdings erst langsam in Gang - mit vielen Vorschriften. Die Kritik an der Regierung ist groß.

Die weiterführenden Schulen sollen ab diesem Dienstag die ersten von 1,8 Millionen Selbsttests erhalten, die bis zu den Osterferien vom Land bereitgestellt werden. Für die Schüler ist bis zum Beginn der Osterferien am 29. März zunächst allerdings nur ein einziger Corona-Selbsttest pro Kopf vorgesehen. Das hatte das Schulministerium in Düsseldorf am Montag mitgeteilt. Das schulische Personal soll demnach die Durchführung der freiwilligen Selbsttests beaufsichtigen.

«Die Selbsttests sollen nach Vorankündigung der Schule grundsätzlich bei Unterrichtsbeginn im Klassen- oder Kursverband durchgeführt werden», erläuterte Schul-Staatssekretär Mathias Richter in einer Schul-Mail. Auf saubere Hände und gelüftete Räume sei dabei besonders zu achten. Bei einem positiven Schnelltest solle die Schulleitung die Eltern beziehungsweise Ausbildungsbetriebe oder sozialpädagogischen Einrichtungen informieren und entscheiden, ob der betroffene Schüler nach Hause geschickt oder aus der Schule abgeholt werden muss. Busse und Bahnen sollen für die Heimfahrt keinesfalls genutzt werden.

Die weitere Schulöffnung in der dritten Corona-Welle ohne die angekündigten Selbsttests für Schüler vom ersten Tag an sorgte für heftige Kritik. Die Gewerkschaft GEW wirft der Landesregierung vor, ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Auch die SPD-Opposition sieht Versäumnisse. Die Landeselternschaft der Gymnasien fordert Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) auf, das Schulthema wegen einer offenbar nicht gut funktionieren Zusammenarbeit der Ministerien für Schulen und Gesundheit zur Chefsache zu machen. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) betonte, die Schulen würden vorrangig mit Tests versorgt und bekämen so noch mehr Sicherheit für den Unterricht.

Der Lehrerverband VBE sprach von einem weiteren Stresstest für die Schulen. «Es ist zu begrüßen, dass den Schulen Selbsttests zur Verfügung gestellt werden, doch jetzt müssen sie wieder einmal sehr kurzfristig neue Vorgaben umsetzen», erklärte VBE-Landeschef Stefan Behlau. Neben den laufenden Wechselmodellen gelte es nun, die Testangebote zu organisieren, Eltern und Schüler zu informieren und Testungen durchzuführen. «Das Improvisationstalent der Schulen ist einmal mehr gefragt.» Nach den Osterferien sollte eine Teststrategie vorliegen, «die den Namen auch verdient». Eine Testmöglichkeit pro Woche für die Schüler könne nur einen «Testlauf» darstellen.

Schulleiter für längeren Distanzunterricht für ältere Schüler

Angesichts der steigenden Zahl von Corona-Neuinfektionen plädiert der Verband der Schulleiter in Deutschland dafür, dass ältere Schülerinnen und Schüler vorerst weiter im Distanzunterricht lernen. «Unter medizinischen Gesichtspunkten kann man eine Öffnung jetzt nicht verantworten», sagte die Vorsitzende des Allgemeinen Schulleitungsverbandes, Gudrun Wolters-Vogeler, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Man wisse, dass die Not der Schüler groß sei. «Aber die Not der Kolleginnen und Kollegen ist auch groß, solange sie nicht geimpft sind und nicht regelmäßig getestet wird.»

Schon jetzt sehe man, wie die Zahl der Infektionen und der Quarantänefälle hochgehe. «Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge», sagte Wolters-Vogeler. «Es ist widersinnig, bei diesen Zahlen im großen Stil Schülerinnen und Schüler in die Schulen zu holen.» Die Grundschüler und ältere Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollten aber so früh wie möglich wieder in die Schulen gehen.

15.03.2021

Landesschülerrat: Politik ohne vorausschauenden Plan in Pandemie

Der Landesschülerrat Mecklenburg-Vorpommerns hat mit Blick auf ein Jahr Schule unter Pandemie-Bedingungen kritisch Bilanz gezogen. «Während der Sommerferien wurde eine konkrete Problemlösung seitens der Politik verschlafen. Man hat sich von den niedrigen Zahlen täuschen lassen und keinen vorausschauenden Plan für einen zweiten Lockdown erstellt», hieß es in einer am Montag in Schwerin veröffentlichten Mitteilung. Unterrichtskonzepte seien zu wenig an das Digitale angepasst worden.

Zu Beginn der Pandemie habe das Bildungsministerium im Bundesland keine konkreten Hinweise gegeben und viele Schulleitungen im Ungewissen gelassen. «In dieser Zeit sah es an Schulen komplett unterschiedlich aus. Die einen hatten bereits eine Lernplattform und bauten diese nur aus, die anderen bastelten sich eine zusammen und wieder andere teilten ihren Schülern per Email die Aufgaben mit», sagte die stellvertretende Vorsitzende des Landesschülerrats, Carlotta Petersen. Die Chancengleichheit sei angesichts des vermehrten Lernens von zu Hause aus völlig abhanden gekommen.

Vorpommern-Greifswald: Landrat rechnet nicht mit Schulöffnung

Der Landrat von Vorpommern-Greifswald rechnet nicht mit einer Umsetzung geplanter Öffnungsschritte im Schulbereich. «Ich gehe nicht davon aus, dass wir unter hundert kommen, und damit sind diese Schritte erst einmal obsolet», sagte Michael Sack (CDU) mit Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis am Montag bei einer digitalen Kreistagssitzung.

Ursprünglich war laut dem Landesbildungsministerium geplant, dass es in bestimmten Regionen ab Mittwoch für Schüler höherer Klassen wieder Wechselunterricht geben sollte. Vom kommenden Montag an sollte es dann für die Klassen der Stufen eins bis sechs wieder täglichen Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen geben.

Die Pläne betreffen Landkreise, die zum Stichtag 10. März bei der Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 50 und 100 lagen und nicht bereits wegen noch niedrigerer Inzidenzen entsprechende Öffnungen vorgenommen hatten. Dazu zählen Vorpommern-Greifswald, der Landkreis Rostock, Ludwigslust-Parchim sowie die Landeshauptstadt Schwerin.

Nach Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) ist die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen je
100 000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage in Vorpommern-Greifswald am Montag wieder auf über 100 gestiegen und lag zuletzt bei 103,1. Landrat Sack rechnete nach eigener Aussage nicht damit, dass dieser Inzidenzwert in den kommenden Tagen sinkt.

Zunächst nur ein Corona-Selbsttest pro Schüler vor den Osterferien

Tests sollen ein wichtiger Pfeiler in der Corona-Schutzstrategie werden. Für die Schüler kommt das allerdings erst langsam in Gang - dafür mit vielen Vorschriften.

Für Schüler der weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen ist bis zum Beginn der Osterferien am 29. März zunächst nur ein einziger Corona-Selbsttest pro Kopf vorgesehen. Das geht aus der am Montag veröffentlichten neuen Schul-Mail des Ministeriums hervor. Die Schulen sollen demnach die Tage, an denen getestet wird, selbst festlegen. Das schulische Personal soll die Durchführung der Selbsttests beaufsichtigen.

Die weiterführenden Schulen sollen ab Dienstag die ersten von 1,8 Millionen Selbsttests erhalten, die bis zu den Osterferien verteilt werden. «Darüber hinaus ist es der Landesregierung in den vergangenen Tagen gelungen, die vertraglichen und haushaltsrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, um weitere Selbsttests zu beziehen», erklärte Schul-Staatssekretär Mathias Richter in der Mail. Eigentlich sehen die bisherigen Planungen des Ministeriums vor, dass die Schüler sich künftig einmal pro Woche freiwillig unter Aufsicht in der Schule selbst testen können.

«Die Selbsttests sollen nach Vorankündigung der Schule grundsätzlich bei Unterrichtsbeginn im Klassen- oder Kursverband durchgeführt werden», erläuterte Richter. Auf saubere Hände und gelüftete Räume sei dabei besonders zu achten.

Bei einem positiven Schnelltest solle die Schulleitung die Eltern beziehungsweise Ausbildungsbetriebe oder sozialpädagogischen Einrichtungen informieren und entscheiden, ob der betroffene Schüler nach Hause geschickt oder aus der Schule abgeholt werden muss. Busse und Bahnen sollen für die Heimfahrt keinesfalls genutzt werden.

«Bei positivem Testergebnis besteht keine Meldepflicht gegenüber dem Gesundheitsamt», heißt es in der Schul-Mail weiter. «Auch informatorische Kontaktaufnahmen der Schulleitung mit dem Gesundheitsamt oder Nachfragen sollten unterbleiben.» Die Schulleitung könne sich rechtlich zunächst auf «Gefahr im Verzug» berufen und in eigener Verantwortung handeln.

Ein positiver Selbsttest sei aber durch den sicheren PCR-Test zu bestätigen. Ab dieser Stufe sei die Einbindung des Gesundheitsamts gewährleistet.

Trotz deutlich steigender Infektionszahlen hatte NRW am Montag begonnen, Schüler weiterer Klassenstufen zum Unterricht in die Schulen zurückzuholen. Dagegen gibt es viel Kritik von Eltern- und Lehrerverbänden sowie der Landtagsopposition. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hielt dagegen: «Durch einen Dreiklang aus Schützen, Impfen und Testen wird der Schulbetrieb ab dieser Woche begleitet, mit dem Ziel, Gesundheitsschutz und Bildungschancen in einem ausgewogenen Verhältnis sicherstellen zu können.»

Alle Schüler im Saarland zumindest zeitweise zurück in Schulen

Im Saarland gehen seit Montag alle knapp 120 000 Schülerinnen und Schüler zumindest zeitweise wieder in die Schulen. Der Start der noch verbliebenen Jahrgangsstufen in den Wechselunterricht zwischen Präsenz und Lernen von zuhause sei reibungslos gelaufen, sagte der Sprecher des Bildungsministeriums in Saarbrücken. Die Grundschulen hatten bereits am 22. Februar den Wechselbetrieb aufgenommen, die 5. und 6. Jahrgangsstufen sowie der Abiturjahrgang 2022 sind seit dem 8. März dabei.

«Es ist wichtig, dass jetzt die Schülerinnen und Schüler aller Stufen vor den Osterferien nochmal die Möglichkeit haben, vor Ort in ihren Schulen zu lernen», teilte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) mit. Zunächst stehe «erstmal das Ankommen in der Schule im Mittelpunkt». Dann werde «Schritt für Schritt die Zeit des Lernens von zuhause aufgearbeitet werden müssen».

In der nächsten Woche werde besprochen, wie es nach den Osterferien weitergehe. «Es ist für viel zu viele Kinder und Jugendliche einfach wahnsinnig viel Zeit in der Schule verloren gegangen», sagte die Ministerin. Ihr Ziel sei es, nach den Ferien mit allen Schülern in den Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen zurückzukehren.

300 000 Selbsttests gehen an Brandenburger Schulen

Rund 300 000 Corona-Selbsttests gehen nach Angaben des Bildungsministeriums seit Freitag an Brandenburger Schulen. Das sagte die Sprecherin des Ministeriums am Montag auf Anfrage. Alle Schülerinnen und Schüler können sich freiwillig pro Woche an einem Tag mit Anwesenheit in der Schule testen lassen. Auch Lehrkräfte können das Angebot nutzen. Bis zum Sommer sollen 2,6 Millionen Tests an die Schulen geliefert werden. Den Schülern wird von den Lehrern erklärt, wie der Selbsttest funktioniert. Bei einem positiven Befund ist ein PCR-Test erforderlich. Solange das Ergebnis nicht vorliegt, ist häusliche Quarantäne angeordnet.

Seit Montag sind auch die Gesamtschulen, Oberschulen und Gymnasien für den Wechselunterricht offen. An den Grundschulen ist er seit 22. Februar möglich.

Schulöffnungen ab Montag: Was nun wo gilt

Mehr Kinder und Jugendliche in Bayern dürfen ab Montag live in die Schule gehen: Auch weiterführende Schulen dürfen wieder öffnen. Ein Überblick, was dann wichtig ist.

Nach rund einem Vierteljahr Corona-Zwangspause dürfen vom kommenden Montag (15. März) an auch die weiterführenden Schulen in Bayern wieder öffnen - aber nur im Wechselunterricht und nur in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100. Auch an den Kitas wird ab Montag in Stufen verfahren, je nach Inzidenzwerten. Testangebote auf breiter Front sollen die Öffnungen begleiten, nun auch bei den jüngeren Schülern. Der Neustart sorgt für viel Freude, aber auch für Sorgen. Ein Ausblick auf diesen Montag und darüber hinaus:

SCHULÖFFNUNGEN UNTER SIEBEN-TAGE-INZIDENZ 100: Bislang durften neben den Abschlussklassen lediglich Grundschulen wieder Wechselunterricht für die Kinder anbieten - ausgenommen in Corona-Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100. Von Montag an dürfen nun überall dort, wo der 100er-Wert nicht überschritten wird, auch alle Klassen an weiterführenden Schulen wieder in den Wechselunterricht gehen. Wenn durchgehend ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann, ist sogar normaler Präsenzunterricht erlaubt. Auch Räume außerhalb der Schule dürfen dabei genutzt werden - was offenbar an mehreren Orten in Bayern passiert, aber nicht zentral erfasst wird.

SONDERFALL GRUNDSCHULEN: In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 liegt, dürfen ab Montag alle Grundschulen von Wechsel- auf normalen Präsenzunterricht umstellen.

SCHULSPORT: Überall wo die Schüler zumindest zeitweise zurück im Unterricht sind, ist ab Montag dann prinzipiell auch wieder Schulsport möglich. Die Übungszeit in Sporthallen darf maximal zwei Unterrichtsstunden dauern und ist weiter mit Hygieneauflagen wie Abstandsgebot und im Innenbereich auch einer Maskenpflicht belegt.

TESTREGELUNGEN: Kinder und Jugendliche mit Erkältungssymptomen müssen ab Montag vor dem Schulbesuch in Bayern künftig einen negativen Corona-Test vorweisen - diese Regelung gilt auch an Kitas und in Horten. Der Test muss in einem Testzentrum, in einer Apotheke oder bei Ärzten durchgeführt werden. Ein negativer Selbsttest reiche für den Schulbesuch nicht aus.

HOTSPOTS: In Regionen mit mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen bleibt es dabei, dass es an allen Schularten nur Distanzunterricht geben darf. Eine Ausnahme gibt es: Abschlussklassen dürfen dort weiter im Wechselunterricht bleiben.

KITAS: An den Kitas wird nun ebenfalls in Stufen verfahren: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 dürfen Kinderbetreuungseinrichtungen in den normalen Regelbetrieb wechseln. Zwischen 50 und 100 bleibt es beim eingeschränkten Regelbetrieb, also in festen Gruppen. Und in Regionen über dem 100er-Wert muss auf Notbetreuung umgestellt werden.

WO GILT WAS? Die Landkreise und kreisfreien Städte müssen immer freitags bekanntgeben, welche Inzidenzeinstufung dort gilt. Maßgeblich sind die Zahlen des Robert Koch-Instituts. Neu ist, dass die Einstufung dann für die komplette darauffolgende Kalenderwoche gilt. Damit soll ein mögliches tägliches Hin und Her zwischen Schulöffnungen und -schließungen in einer Region vermieden werden.

MASKENPFLICHT: Es bleibt bei der Maskenpflicht (mit Ausnahmen etwa während Stoßlüftungen) sowie den Abstands- und Hygieneregeln. Für Lehrkräfte ist ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz Pflicht.

SELBSTTESTS FÜR SCHÜLER UND LEHRER: Alle Schülerinnen und Schüler - nach viel Kritik nun auch die unter 15 Jahren - sollen sich künftig einmal pro Woche selbst auf eine Corona-Infektion testen können, Lehrerinnen und Lehrer sogar zweimal. Die Tests dafür stellt der Freistaat bereit. Jüngere Schüler sollen die Selbsttests direkt in der Schule machen können – freiwillig, aber unter Anleitung und Aufsicht. Das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen sollen bei den Tests helfen. Allerdings hatte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betont, dass es nicht überall schon am Montag losgehen werde. Vielmehr solle das Angebot sukzessive ausgebaut werden.

IMPFUNGEN: Lehrkräfte an Grundschulen und Förderschulen sowie das Kita-Personal wurden bei der Impf-Priorisierung inzwischen in Gruppe zwei eingestuft, können also nun auch vorrangig geimpft werden. Das sorgt bei Lehrern anderer Schularten teils für Unmut: Der bayerische Philologenverband hat angekündigt, er wolle sich juristisch gegen die bevorzugte Corona-Impfung von Grund- und Förderschullehrern wehren.

ANGEBOT FÜR HOTSPOTS: Für Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100, in denen also grundsätzlich nur Distanzunterricht erlaubt ist, hat Piazolo die Möglichkeit für einen «Tag des offenen Klassenzimmers» für Grundschulklassen angekündigt. Grundschüler sollen an einem Tag die Möglichkeit bekommen, sich im Klassenzimmer zu treffen - aber nur auf freiwilliger Basis, und wohl eher nicht in Regionen mit einer Inzidenz über 300.

Zudem hat Piazolo für Regionen mit hohen Corona-Zahlen am Donnerstag umfassende und regelmäßige Tests (etwa zweimal pro Woche) für Schulen vorgeschlagen, um auch dort zumindest an Grundschulen wieder Wechselunterricht zu ermöglichen. Eine Test-Verpflichtung für Schülerinnen und Schüler sieht Piazolo aber skeptisch. Ihm schwebt ein Pilotversuch in der Woche vor den Osterferien und nach den Ferien eine Ausweitung vor.

Weitere Schulöffnungen in NRW trotz steigender Corona-Zahlen

Die Corona-Zahlen steigen in der Tendenz wieder. Dennoch schreiten die Schulöffnungen in NRW nach dem zweiten Lockdown deutlich voran. Zu zahlreichen Schutzauflagen kommen nun Selbsttest hinzu.

Die Schulöffnungen in NRW werden am Montag trotz zuletzt wieder steigender Corona-Infektionszahlen mit dem nächsten Schritt fortgesetzt. Nach Monaten des Distanzunterrichts kehren viele Kinder und Jugendliche der weiterführenden Schulen zumindest tageweise in die Klassenräume zurück. Damit sollen bis zu den Osterferien in zwei Wochen nun wieder alle Schüler und Schülerinnen im Land Präsenzunterricht erhalten in einem Wechselrhythmus mit dem Lernen zuhause. Vor drei Wochen machten die Grundschüler und Abschlussjahrgänge in den Schulen den Anfang.

Der Kreis Düren hatte wegen der Infektionslage beantragt, von der weiteren Schulöffnung in den zwei Wochen bis zu den Osterferien ausgenommen zu werden. Das Schulministerium lehnte das am Freitag aber ab. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass Schulen in den betroffenen Kommunen in besonderem Maß für das Infektionsgeschehen verantwortlich seien, hieß laut dem Kreis aus dem Ministerium. Schulschließungen oder die Einschränkung des Schulbetriebes kämen demnach erst als letztes Mittel in der Pandemiebekämpfung infrage.

Die NRW-Landesregierung sieht keinen Anlass, die Schulen nicht weiter zu öffnen. Tests für Lehrer und Schüler würden «eine Menge Sicherheit in den Unterricht» bringen, hatte am Donnerstag Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärt. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte mehrfach erklärt, dass es dabei um Bildungserfolg und Bildungsgerechtigkeit sowie um den Schutz im Schulleben gehe.

«Im Rückblick war es richtig, so lange wie möglich am Präsenzunterricht festzuhalten. Das erste Schulhalbjahr konnte unter Wahrung der strengen Vorgaben für den Infektionsschutz weitestgehend im Präsenzunterricht durchgeführt werden», sagte sie der dpa. Davon profitierten die Schüler und Schülerinnen nun, zum Beispiel bei der Vorbereitung auf ihre Abschlussprüfungen. «Und obwohl in den vergangenen Wochen in den Schulen eine zunehmende Professionalisierung des Distanzunterrichts zu beobachten war, ist es nun ebenfalls richtig, Schritt für Schritt den Präsenzunterricht für weitere Klassen wiederaufzunehmen.»

Nach Ansicht der Landeselternschaft der Gymnasien bleibt das Thema Schule in der Corona-Pandemie «ein Ritt auf der Rasierklinge». «Es ist verständlich, wenn Eltern in Regionen mit einer hohen Inzidenz Bedenken haben, ihr Kind in die Schule zu schicken», erklärte Vorstand Franz-Josef Kahlen. Die Lage werde mit den steigenden Neuinfektionen wieder kritischer, während sich an den Schulen in Sachen Gesundheitsschutz kaum etwas getan habe. «Der Schritt in den Präsenzunterricht am Montag läuft nicht parallel mit neuen, zusätzlichen Schutzmaßnahmen, die seit langer Zeit gefordert werden.»

Die weiterführenden Schulen sollen ab Dienstag die ersten von 1,8 Millionen Selbsttests erhalten, die bis zu den Osterferien verteilt werden. Die Schüler und Schülerinnen können sich dann laut Schulministerium einmal pro Woche freiwillig selbst unter Aufsicht in der Schule testen. In Bergisch Gladbach beginnt schon einen Tag vor den anderen Kommunen am Montag die Verteilung von Spucktests an Schüler. Nach Ansicht der GEW kommen für die Durchführung der Selbsttests bei den Schülern nicht die Lehrkräfte infrage. Die Gewerkschaft fordert klare Richtlinien auch bei der Frage, was bei positiven Tests folgt. Auch das Beachten der AHA-Regeln und das Lernen in festen kleinen Gruppen seien wichtig.

«Anders als im Herbst des letzten Jahres kehren die Schülerinnen und Schüler nur eingeschränkt an die Schulen zurück und werden in einem Wechselmodell unterrichtet», sagte Helmut Dedy, Geschäftsführer des Städtetages NRW. Ob nach den Osterferien mehr Präsenzunterricht möglich sein werde, hängt davon ab, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Ähnlich sieht das auch die GEW: «Der Unterricht im Wechselmodell kann nicht dem Unterricht in vollem Umfang entsprechen, es kann nicht die volle Stundentafel abgebildet werden. Es ist also eine deutlich andere Situation als vor den Weihnachtsferien.»

Weitere Schulen öffnen in Brandenburg - Corona-Selbsttests starten

Drei Wochen nach den Grundschulen öffnen am Montag auch die Gesamtschulen, Oberschulen und Gymnasien in Brandenburg für den Wechselunterricht zwischen der Schule und zuhause. Das soll möglichst mit einem flächendeckenden Start der Corona-Schnelltests flankiert werden. Zunächst sollten die Schulen 300 000 Selbsttests bekommen, ob alle rechtzeitig beliefert werden können, war offen. Die Öffnung und die Testkampagne werden von heftiger Kritik begleitet.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte, den Wechselunterricht vorerst auszusetzen, bis eine umfassende Teststrategie für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler vorliege. Der Landesschülerrat sieht viele Schulen nicht genug vorbereitet. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte Bedenken zurückgewiesen und auf die bisherigen Erfahrungen in Schulen mit Tests hingewiesen.

Viele Schüler müssen trotz Schulöffnungen zu Hause bleiben

An diesem Montag sollen die Schulen im Freistaat auch für weiterführende Klassen wieder öffnen - eigentlich. Denn trotz Lockerungen der Corona-Maßnahmen an bayerischen Schulen werden zahlreiche Schüler im Freistaat auch an diesem Montag weiter zu Hause bleiben müssen.

Zwar dürfen von der kommenden Woche an überall dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 nicht überschritten wird, neben Schülern in Grundschul- und Abschlussklassen auch die weiterführender Klassen wieder mindestens mit Wechselunterricht starten. Die Regionen, in denen das gilt, werden aber weniger.

Das bayerische Innenministerium listete mit Stand Freitag 23 Hotspots auf, in denen die Marke von 100 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen überschritten wurde.

Darüber hinaus meldete beispielsweise auch die Stadt Regensburg, die nicht auf der Liste des Innenministeriums steht, dass dort - mit Ausnahme der Abschlussklassen - an den Schulen auch von Montag an weiter Distanzunterricht stattfinden soll. In Kinderbetreuungseinrichtungen und in Kindertagespflegestellen wird wieder auf Notbetreuung umgestellt.

Gymnasien und Oberschulen in Sachsen öffnen für Präsenzunterricht

Nach rund drei Monaten im Corona-Lockdown öffnen an diesem Montag Gymnasien und Oberschulen in Sachsen. Geplant ist der Unterricht im Wechselmodell, um kleinere Klassengrößen und damit genügend Abstand zu ermöglichen. Rund 240 000 Schüler kehren damit nach monatelangem Lernen zu Hause wieder an die weiterführenden Schulen zurück. Eigentlich sollte das Schulgelände ab 15. März nur mit einem negativen Corona-Test betreten werden dürfen. Aber noch gibt es nicht an allen Schulen ausreichend Selbsttests. Die Testpflicht gilt laut Kultusministerium erst dann, wenn genügend Tests vorhanden sind.

Eigenen Angaben zufolge hat das Ministerium rund 1,5 Millionen Selbsttests bestellt. Am Wochenende sollten die ersten Schulen beliefert werden. Die Schulöffnung ohne umfassende Tests verursachte im Vorfeld Kritik bei Gewerkschaften sowie Linken und Grünen.

Kitas und Schulen schließen laut derzeitigen Regeln erneut, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 in einer Region fünf Tage lang überschritten wird. So sind etwa im Corona-Hotspot Vogtland Kitas und Schulen schon wieder dicht.

Zudem dürfen am Montag mancherorts Zoos, Museen und Galerien unter Auflagen wieder besucht werden. Der Freistaat hatte den Kommunen in seiner aktuellen Corona-Schutzverordnung Öffnungsmöglichkeiten eingeräumt, wenn bestimmte Inzidenzen erfüllt sind. Als kritische Marke gilt der Wert von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen.

Mecklenburgische Seenplatte: Wechselunterricht ab Klasse sieben

Wegen anhaltend niedriger Corona-Inzidenzen ist seit Montag im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Wechselunterricht für die Klassen sieben bis elf möglich. Der Landkreis entspricht damit nach eigenen Angaben der Corona-Landesverordnung. Die sehe vor, dass die Sieben-Tage-Inzidenz von Corona-Neuinfektionen zehn Tage unter 50 liegen muss, bevor Wechselunterricht starten kann. Der Landkreis folgt Vorpommern-Rügen und der Hansestadt Rostock, wo wegen niedriger Inzidenzen bereits seit vergangener Woche Wechselunterricht für Klassen ab Stufe sieben möglich ist.

Erst wenn der Landkreis drei Tage in Folge wieder eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 50 aufweise, müsse der Wechselunterricht wieder untersagt werden, sagte eine Sprecherin. Wegen der gesunkenen Inzidenzen ist im Landkreis seit vergangener Woche bereits das Einkaufen in Geschäften oder der Besuch von Ausstellungen, Museen oder Zoos ohne Voranmeldung möglich.

Knapp 120 000 Schüler wieder zeitweise in Schulen

Im Saarland können von Montag an alle Schülerinnen und Schüler zumindest zeitweise wieder in die Schulen gehen. Nach den Grundschülern und 5. und 6. Klassen folgen nun die restlichen Jahrgangsstufen in den Wechselunterricht, wie das Bildungsministerium in Saarbrücken mitteilte. Damit seien dann die rund 120 000 Schülerinnen und Schüler im Saarland wieder in den Präsenzbetrieb eingebunden. Ausnahme sind die rund 4000 angehenden Abiturienten, für die die reguläre Unterrichtszeit vergangenen Freitag endete.

Die Grundschulen waren im Saarland am 22. Februar in einen Unterrichtsmix zwischen Präsenz im Klassenzimmern und Lernen von zu Hause gestartet. Die 5. und 6. Klassen und der Abiturjahrgang 2022 sind seit dem 8. März dabei. Nach den Osterferien will das Ministerium vollständig in den Präsenzunterricht zurückkehren, wenn es die Pandemielage erlaubt.

14.03.2021

Schülerrat hält Schulen vor Start der Schnelltests für überfordert

Am Montag öffnen viele weiterführenden Schulen in Brandenburg für den Wechselunterricht. Dann soll es auch mit großflächigen Corona-Schnelltests losgehen. Doch Kritik kommt von mehreren Seiten.

Der Landesschülerrat Brandenburg sieht viele Schulen kurz vor der weiteren Öffnung für den Wechselunterricht nicht genug auf die Corona-Schnelltests vorbereitet. «Die Schulleitungen sind teilweise heillos überfordert», sagte die Vorsitzende Katharina Swinka der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist schon erschreckend.» Sie befürchtet, dass nicht alle Schulen am Montag mit dem Testen loslegen können. «Die Zulieferung ist noch nicht abgeschlossen», sagte Swinka, die in die zwölfte Klasse der Gesamtschule Peter Joseph Lenné in Potsdam geht. An ihrer Schule bekämen zunächst nur die 10. und 13. Klassen die Selbsttests. Das Bildungsministerium reagierte in einem Schreiben auf Fragen der Lehrerschaft.

Am Montag (15. März) öffnen in Brandenburg die Gesamtschulen, Oberschulen und Gymnasien für den Wechselunterricht zwischen der Schule und zuhause. Die Grundschulen sind seit drei Wochen im Wechselunterricht. Die ersten 300 000 Selbsttests für Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler sollen ab Montag möglichst in allen Schulen starten. Die Vorsitzende des Schülerrats hält die Selbsttests trotz einer Fehlerquote für wichtig. «Letztendlich gibt es den Schülerinnen und Schülern eine gewisse Sicherheit.» Sie sieht die Schulen jedoch vor großen Herausforderungen: Sie hätten keine genauen Informationen, wie das Testen umgesetzt werden solle.

Der Brandenburgische Pädagogenverband verlangte mehr Schutz für die Lehrkräfte. Alle Lehrerinnen und Lehrer müssten zeitnah eine Schutzimpfung erhalten, vor den Öffnungen der Schulen müsse es Selbsttests für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler geben, teilte der Verband am Sonntag mit. Bisher können sich Grundschullehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher von Kitas impfen lassen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte, den Wechselunterricht in den Schulen auszusetzen, bis genug Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte getestet seien. «Die ausgelieferten Tests sind in vielen Schulen noch nicht verfügbar und sie sind für die Anwendung nicht geeignet», teilte die GEW mit. «Ohne konkretes Wissen über das aktuelle Infektionsgeschehen vor Ort und einer Phase der sich rasch ausbreitenden Virusmutationen ist die Ausweitung des Unterrichts in Präsenzform nicht zu verantworten.»

Das Bildungsministerium wies in einem Schreiben an die Schulämter darauf hin, dass die Tests nicht unbedingt zum Wochenbeginn gemacht werden müssten. Die Schülerinnen und Schüler könnten sie im Laufe der Woche machen - aber nur, wenn bei unter 18-Jährigen das Einverständnis der Erziehungsberechtigen vorliege. Die Lehrkräfte hätten die Aufgabe, die Tests auszuteilen, die Anwendung zu erläutern und das Testen zu beaufsichtigen.

Die Gewerkschaft hatte am Freitag gemeinsam mit dem Landeselternrat vor einem «Testchaos» gewarnt. Kritik kam auch vom Landeslehrerrat, der die Lehrkräfte nicht genug vorbereitet sieht. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte Bedenken jedoch zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass die Schulen bereits Erfahrungen haben mit Tests.

Experte: Ferienangebote werden nicht allen Schülern helfen

Wochenlang galt der Corona-Lockdown in Thüringen auch für Schulen. Und noch immer haben längst nicht alle Schulen wieder geöffnet. Sorgen machen sich breit, wie groß die Lernrückstände bei den Schülern sein dürften. Wie lässt sich das aufholen?

Nach Ansicht des Jenaer Unterrichtsforschers Alexander Gröschner werden Bildungsangebote in den Ferien nicht allen Schülern dabei helfen, ihre Lernrückstände aufzuholen. «Diejenigen, die interessiert sind, werden das sicherlich machen», sagte Gröschner der Deutschen Presse-Agentur. Er habe aber Zweifel, dass Schüler, die bereits während der Zeit des Distanzunterrichts kaum Lernerfolge verbuchten, solche Angebote annehmen würden. «Ich glaube, für diese Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, sie innerhalb des Systems abzuholen und nicht durch Sommercamps», sagte Gröschner, der Professor für Schulpädagogik und Unterrichtsforschung an der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena ist.

Wie in vielen anderen Bundesländern waren auch in Thüringen Schulen und Kitas zwischenzeitlich wochenlang geschlossen. In einigen Landkreisen müssen die Schüler immer noch zu Hause im Distanzunterricht lernen, weil es dort zu viele Corona-Infektionen gibt. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte kürzlich eine «nationale Kraftanstrengung» gefordert, um dauerhafte Folgen der langen Schulschließungen abzuwenden. Bund und Länder sollten dafür ein «wirklich großes Nachholprogramm» auflegen.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) wies darauf hin, dass noch nicht klar sei, wie groß der Schaden in der Bildung ist. «Erst in einigen Wochen werden wir ein genaueres Bild haben, wie die Lage tatsächlich ist», sagte Holter. Sein Ministerium plane derzeit unterstützende Bildungsangebote. «Der Großteil davon soll in den Sommerferien stattfinden.»

Gröschner warnte vor zu großen bürokratischen Hürden bei solchen Angeboten. «Ich glaube, dass es eher kleinere Angebote bräuchte, die niedrigschwellig greifen.» Denkbar sei etwa, dass Schulen, Fördervereine von Schulen oder Lehrkräfte für die Klassen oder auch einzelne Schüler solche Angebote anbieten könnten.

Mit Blick auf Vorschläge wie Sommercamps in den Ferien sagte der Experte, dass dafür nicht unbedingt Lehrer zuständig sein müssen. «Die Lehrkräfte in Deutschland sind derzeit gerade sehr gefordert.» Ähnlich hatten sich in der Vergangenheit auch Bildungsgewerkschaften und -verbände geäußert. Seiner Meinung nach gebe es in Deutschland aber bereits gute Strukturen - etwa in Vereinen, um in den Ferien Bildungsangebote an Schüler machen zu können.

Thüringens Grünen-Fraktionschefin Astrid Rothe-Beinlich kann sich den Einsatz von Lehramtsstudenten vorstellen, um Lernrückstände bei Schülern aufzuholen. «Wir setzen hier beispielsweise auf zusätzliche personelle Unterstützung der Schulen - unter anderem durch Lehramtsstudierende sowie Nachhilfeinstitute», sagte Rothe-Beinlich. Wenn es in einigen Fächern mehr Nachholbedarf gebe, seien aus ihrer Sicht auch Anpassungen in der Stundentafel denkbar.

Laut Gröschner sei es für Kinder und Jugendliche, die in der Corona-Krise kaum Lernfortschritte machen konnten, weil zu Hause zum Beispiel die technischen Voraussetzungen oder die Unterstützung fehlten, wichtiger, schnell wieder in die Schulen zu kommen. «Diese Schüler brauchen den Lernort Schule, insbesondere um mit Lehrkräften über Unterricht ins Gespräch zu kommen», sagte Gröschner.

Bildungsminister Holter betonte, dass solche Schüler in Thüringen bewusst früher wieder in die Schulen zurückkehren konnten. «Dass wir hier früh gesagt haben, dass die Schulen sehr genau auf solche Schülerinnen und Schüler achten und sie besonders fördern sollen, könnte uns nun möglicherweise helfen, Lernrückstände besser anzugehen.»

Vorschul-Untersuchungen wegen Corona nicht flächendeckend möglich

Auch vor Beginn des nächsten Schuljahres werden die Schuleingangsuntersuchungen in Hessen teilweise ausfallen. «Derzeit ist es erforderlich, dass sich die Gesundheitsämter auf die Eindämmung der Corona-Pandemie konzentrieren», teilte das hessische Kultusministerium auf Anfrage mit. «Deshalb ist es ausnahmsweise möglich, dass die Gesundheitsämter Schuleingangsuntersuchungen nicht in jedem Fall durchführen.»

Eigentlich sind diese Untersuchungen verpflichtend. Geprüft wird nicht nur, ob das Kind richtig hört, gut sieht und körperlich gesund ist. Es geht vor allem darum, ob es altersgemäß entwickelt ist. Begutachtet werden die Sprachentwicklung, die motorische und die sozial-emotionale Reife des künftigen Schulkinds. Werden Defizite festgestellt, sucht man nach Wegen, gegenzusteuern. Zum Beispiel könnte das Kind die Eingangsstufe seiner Schule besuchen oder eine sonderpädagogische Förderung bekommen.

Seit Beginn der Corona-Krise ist das in Hessen nicht mehr flächendeckend möglich. «Sofern die jeweilige Schule jedoch auf einen zu untersuchenden Einzelfall hinweist, wird das Gesundheitsamt auch tätig», sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. «Wir sind mit dem Hessischen Sozialministerium darüber im Gespräch, ob es nach der Pandemie möglich ist, zumindest teilweise Untersuchungen nachzuholen.»

13.03.2021

Landeselternbeirat gegen Aufweichung bei Mindestabstand in Schulen

Der Landeselternbeirat der Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein kritisiert eine Aufweichung der Mindestabstandsvorschrift im Unterricht. Die bisherige Vorgabe, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern verbindlich eingehalten werden müsse, sei für einige Bereiche durch eine Sollregelung ersetzt worden, kritisierte der Vorsitzende Thorsten Muschinski am Sonnabend. «Es wird die Sicherheit unserer Kinder massiv und wissentlich gefährdet, was unter keinen Umständen hinnehmbar ist.»

Dem Landeselternbeirat sei bewusst, dass den Schulen nur eine begrenzte Zahl an Räumen und Lehrkräften zur Verfügung stehe, um einen Wechselunterricht mit ausreichendem Abstand zu realisieren. «Dennoch darf diese Tatsache nicht zu einem noch höheren Gesundheitsrisiko führen», forderte Muschinski.

Angesichts der Entwicklung mit wieder steigenden Infektionszahlen gerade bei jüngeren Menschen könne der Landeselternbeirat der Gemeinschaftsschulen Öffnungsschritten oder einer Änderung des Mindestabstands keinesfalls zustimmen. «Wir halten es eher für dringend geboten, einen Schritt zurück zu gehen.»

Bildungsministerin wirbt für Corona-Schnelltests an Schulen

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hat vor dem Start von Corona-Selbsttests an den Schulen bei den Eltern für den Einsatz geworben. «Wir bitten Sie und Ihre Kinder darum, dieses Angebot zur freiwilligen Selbsttestung zu nutzen, um die Sicherheit an unseren Schulen für die Schülerinnen und Schüler sowie die Beschäftigten zu erhöhen», heißt es in einem Schreiben vom Freitag von Ernst und Staatssekretärin Ines Jesse an die Eltern und Erziehungsberechtigten. Alle Schülerinnen und Schüler erhielten das Angebot eines Selbsttests pro Woche an einem Tag mit Anwesenheit in der Schule.

Am Montag öffnen Gesamtschulen, Oberschulen und Gymnasien für den Wechselunterricht zwischen der Schule und zuhause. Die Grundschulen sind hierfür seit 22. Februar geöffnet. Für Brandenburg stehen zunächst 300 000 Selbsttests für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler bereit, bis zum Sommer sollen es 2,6 Millionen sein. Die erste Lieferung werde die Schulen ab Montag erreichen, schrieb Ernst. Die Schülerinnen und Schüler sollen den Test selbst machen, die Lehrkräfte erklären ihnen, wie es funktioniert. Bei einem positiven Selbsttest folgt ein PCR-Test - bis zum Ergebnis geht es zunächst in häusliche Quarantäne.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Landeselternrat hatten vor einem Testchaos gewarnt, das die Gesundheit der Schüler und Lehrkräfte und auch die Öffnung der Schulen gefährde. Sie befürchten, dass nicht genug Tests rechtzeitig vorhanden sind. Auch der Landeslehrerrat hatte Bedenken angemeldet, dass nicht genug Personal für die Anleitung vorhanden sei und ein Gesundheitsrisiko bestehe, wenn beim Testen keine Masken getragen würden.

12.03.2021

Mecklenburg-Vorpommern öffnet Schulen weiter

Mit dem beginnenden Einsatz von Corona-Selbsttests an Schulen dehnt Mecklenburg-Vorpommern in der kommenden Woche den Präsenzunterricht weiter aus. Wie das Bildungsministerium am Freitag mitteilte, sollen von Mittwoch an auch Schüler der höheren Klassen an die Schulen zurückkehren. In Regionen, in denen die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz zum Stichtag 10. März zwischen 50 und 100 lag, starte an diesem Tag der Wechselunterricht für alle Schüler ab Klasse 7. Betroffen seien die Landkreise Vorpommern-Greifswald, Rostock, Ludwigslust-Parchim sowie die Landeshauptstadt Schwerin. Am 22. März soll dort dann für Kinder der Klassenstufen 1 bis 6 auch der tägliche Regelbetrieb unter Pandemie-Bedingungen wieder beginnen.

In der Stadt Rostock und im Kreis Vorpommern-Rügen waren wegen der dort vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen die Schulen schon früher geöffnet worden. In der Mecklenburgischen Seenplatte, die inzwischen ebenfalls weniger als 50 Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen aufweist, beginnt der Wechselunterricht am Montag. Schüler der Abschlussklassen konnten ohnehin schon seit längerem zur Prüfungsvorbereitung an die Schulen kommen. Für die unteren Klassen war bei Bedarf eine Betreuung angeboten worden. Allein in Nordwestmecklenburg, wo die Sieben-Tage-Inzidenz zum Stichtag über 100 gelegen hatte, gelten die verschärften Schutzmaßnahmen ohne Präsenzunterricht für die Größeren zunächst weiter.

Die Rückkehr in die Schulen sei insbesondere auch für die älteren Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse enorm wichtig, erklärte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). «Denn die meisten von ihnen konnten seit den Weihnachtsferien viele Wochen nicht in die Schule gehen. Es ist höchste Zeit, dass sie wieder Präsenzunterricht erhalten können und den direkten Kontakt zu den Lehrkräften und Mitschülerinnen und Mitschülern haben.» Präsenzunterricht in der Schule und der direkte persönliche Kontakt seien durch nichts zu ersetzen.

Die Schulöffnung werde flankiert durch zusätzliche Schutzmaßnahmen. So werde vom 17. März an allen Lehrkräften und Schülern ab Klasse 7 zunächst einmal wöchentlich ein freiwilliger Corona-Selbsttest angeboten, hieß es. Gleiches gelte vom 22. März an dann auch für Schüler und Lehrer der unteren Klassen. Mit der Verteilung der Tests werde am Wochenende begonnen. Das Technische Hilfswerk liefere sie an zentrale Schulstandorte, wo sie dann ab Montag abgeholt werden könnten. Die freiwilligen und kostenlosen Tests seien einfach anzuwenden und ohne Nebenwirkungen. Bei Anzeichen für eine Infektion gebe es klare Handlungsrichtlinien, über die die Schulen informiert würden.

Sonder-Impftermine für Lehrer im Saarland stehen

Im Saarland wird es zwischen dem 29. März und dem 3. April Sonder-Impftermine für Lehrer an Grund- und Förderschulen geben. Dann würden insgesamt 2250 Lehrerinnen und Lehrer geimpft, teilte das Sozialministerium in Saarbrücken am Freitag mit. Alle Lehrkräfte aus der sogenannten zweiten Impf-Priorisierungsgruppe, die in der saarländischen Impfliste aufgenommen worden seien und bislang noch keinen Termin hätten, erhielten einen Termin.

Am vergangenen Montag hatte das Ministerium bereits grundsätzlich die Sonder-Impftermine für priorisiertes Personal von Grund- und Förderschulen parallel zum laufenden regulären Impfprozedere angekündigt. Seinerzeit hatte Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) von einer hohen Impfbereitschaft bei diesem Schulpersonal gesprochen.

Schulsenator: Weitere Schulöffnungen nach Ostern möglich

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) ist davon überzeugt, dass mit einem gut funktionierenden Selbstschnelltest-Konzept eine weitere Öffnung der Schulen in Hamburg nach Ostern möglich ist. «Wenn das gut läuft, und ich bin da sehr zuversichtlich, dann haben wir die Sicherheit an Schulen dramatisch erhöht und dann können wir nach Ostern Schritt für Schritt die weiteren Klassen an Bord holen», sagte Rabe am Freitag NDR 90,3.

Am Montag wird der Präsenzunterricht wieder hochgefahren. Zunächst sollen die Grundschul- und die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen im Wechselunterricht in ihre Klassenräume zurückkehren.

Gleichzeitig sollen sich die Lehrer zweimal in der Woche selbst testen. Auch für Schüler sind Schnelltests in den Schulen vorgesehen, sie sollen Schritt für Schritt in das Selbsttestkonzept einbezogen werden. Die Schulbehörde habe mehr als eine Million solcher Tests zur Verfügung gestellt bekommen. «Es sind vermutlich genug da. Deswegen wird es nicht an der Menge der Tests scheitern», sagte Rabe weiter.

Dabei handele es sich nicht um die Tests mit den ganz langen Stäben. «Es sind Stäbchen, mit denen man ganz vorn in der Nase bohrt. Wie hat ein Arzt gesagt? Jeder, der schon mal in der Nase gebohrt hat - einige Hamburger sollen das ja tun - die können das auch selber. Und das macht mich schon sehr zuversichtlich, dass das dann in der Schule gut funktioniert.»

Schulöffnungen ab Montag: Was nun wo gilt

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Bayern live in die Schule gehen dürfen, steigt am Montag rapide an: Auch weiterführende Schulen dürfen wieder öffnen. Ein Überblick, was dann wichtig ist.

Nach rund einem Vierteljahr Corona-Zwangspause dürfen vom kommenden Montag (15. März) an auch die weiterführenden Schulen in Bayern wieder öffnen - aber nur im Wechselunterricht und nur in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100. Auch an den Kitas wird ab Montag in Stufen verfahren, je nach Inzidenzwerten. Testangebote auf breiter Front sollen die Öffnungen begleiten, nun auch bei den jüngeren Schülern. Der Neustart sorgt für viel Freude, aber auch für Sorgen. Ein Ausblick auf Montag und darüber hinaus:

SCHULÖFFNUNGEN UNTER SIEBEN-TAGE-INZIDENZ 100: Bislang durften neben den Abschlussklassen lediglich Grundschulen wieder Wechselunterricht für die Kinder anbieten - ausgenommen in Corona-Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100. Von Montag an dürfen nun überall dort, wo der 100er-Wert nicht überschritten wird, auch alle Klassen an weiterführenden Schulen wieder in den Wechselunterricht gehen. Wenn durchgehend ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden kann, ist sogar normaler Präsenzunterricht erlaubt. Auch Räume außerhalb der Schule dürfen dabei genutzt werden - was offenbar an mehreren Orten in Bayern passiert, aber nicht zentral erfasst wird.

SONDERFALL GRUNDSCHULEN: In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 liegt, dürfen ab Montag alle Grundschulen von Wechsel- auf normalen Präsenzunterricht umstellen.

HOTSPOTS: In Regionen mit mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen sieben Tagen bleibt es dabei, dass es an allen Schularten nur Distanzunterricht geben darf. Eine Ausnahme gibt es: Abschlussklassen dürfen dort weiter im Wechselunterricht bleiben.

KITAS: An den Kitas wird nun ebenfalls in Stufen verfahren: In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 dürfen Kinderbetreuungseinrichtungen in den normalen Regelbetrieb wechseln. Zwischen 50 und 100 bleibt es beim eingeschränkten Regelbetrieb, also in festen Gruppen. Und in Regionen über dem 100er-Wert muss auf Notbetreuung umgestellt werden.

WO GILT WAS? Die Landkreise und kreisfreien Städte müssen immer freitags bekanntgeben, welche Inzidenzeinstufung dort gilt. Maßgeblich sind die Zahlen des Robert Koch-Instituts. Neu ist, dass die Einstufung dann für die komplette darauffolgende Kalenderwoche gilt. Damit soll ein mögliches tägliches Hin und Her zwischen Schulöffnungen und -schließungen in einer Region vermieden werden.

MASKENPFLICHT: Es bleibt bei der Maskenpflicht (mit Ausnahmen etwa während Stoßlüftungen) sowie den Abstands- und Hygieneregeln. Für Lehrkräfte ist ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz Pflicht.

SELBSTTESTS FÜR SCHÜLER UND LEHRER: Alle Schülerinnen und Schüler - nach viel Kritik nun auch die unter 15 Jahren - sollen sich künftig einmal pro Woche selbst auf eine Corona-Infektion testen können, Lehrerinnen und Lehrer sogar zweimal. Die Tests dafür stellt der Freistaat bereit. Jüngere Schüler sollen die Selbsttests direkt in der Schule machen können – freiwillig, aber unter Anleitung und Aufsicht. Das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen sollen bei den Tests helfen. Allerdings hatte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betont, dass es nicht überall schon am Montag losgehen werde. Vielmehr solle das Angebot sukzessive ausgebaut werden.

IMPFUNGEN: Lehrkräfte an Grundschulen und Förderschulen sowie das Kita-Personal wurden bei der Impf-Priorisierung inzwischen in Gruppe zwei eingestuft, können also nun auch vorrangig geimpft werden. Das sorgt bei Lehrern anderer Schularten teils für Unmut: Der bayerische Philologenverband hat angekündigt, er wolle sich juristisch gegen die bevorzugte Corona-Impfung von Grund- und Förderschullehrern wehren.

ANGEBOT FÜR HOTSPOTS: Für Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100, in denen also grundsätzlich nur Distanzunterricht erlaubt ist, hat Piazolo die Möglichkeit für einen «Tag des offenen Klassenzimmers» für Grundschulklassen angekündigt. Grundschüler sollen an einem Tag die Möglichkeit bekommen, sich im Klassenzimmer zu treffen - aber nur auf freiwilliger Basis, und wohl eher nicht in Regionen mit einer Inzidenz über 300.

Zudem hat Piazolo für Regionen mit hohen Corona-Zahlen am Donnerstag umfassende und regelmäßige Tests (etwa zweimal pro Woche) für Schulen vorgeschlagen, um auch dort zumindest an Grundschulen wieder Wechselunterricht zu ermöglichen. Eine Test-Verpflichtung für Schülerinnen und Schüler sieht Piazolo aber skeptisch. Ihm schwebt ein Pilotversuch in der Woche vor den Osterferien und nach den Ferien eine Ausweitung vor.

Wegen Corona: Ein ganzer Jahrgang kann nicht schwimmen lernen

Monatelang gab es kein Schulschwimmen. Und noch ist unklar, wann die Bäder wieder aufmachen. Die DLRG sieht einen großen Nachholbedarf beim Schwimmenlernen - und befürchtet Langzeitfolgen der Krise.

Geschlossene Schwimmbäder, keine Kurse: In der Corona-Pandemie können viele Kinder nicht schwimmen lernen. «Das ist ein ganzer Jahrgang, der davon betroffen ist», sagte der Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Rheinland-Pfalz, Marco Vogt. Dabei sei der Bedarf an Schwimmausbildung sehr groß: «Es ist eine Flutwelle, die sich da aufbaut.» Das treffe nicht nur die DLRG, sondern auch die Schulen. «Sie würden auch lieber gestern als heute in die Schwimmbäder gehen und den Kindern Schwimmunterricht anbieten.»

Derzeit sei aber noch unklar, wann die Bäder wieder aufmachen dürften. Je nachdem, wann es grünes Licht für eine Wiederöffnung gebe, könne es sein, dass es vor der Freibadsaison keinen Sinn mehr mache, die Hallenbäder zu öffnen. Man könne Kindern auch in Freibädern Schwimmen beibringen. «Die konzentrierte und bessere Ausbildung aber ist in der Halle», sagte Vogt.

Im vergangenen Sommer seien die Bäder zwischenzeitlich geöffnet gewesen. «Aber dieses kleine Fenster hat definitiv nicht gereicht, den gesamten Bedarf zu decken», sagte Vogt. Einer Umfrage zufolge, die die DLRG im Jahr 2017 in Auftrag gegeben hatte, sind rund 60 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. «Nach meinem Bauchgefühl hat sich die Zahl inzwischen erhöht.»

Es sei alarmierend zu sehen, dass heute «die Tendenz eher zum Nichtschwimmer geht als zum Schwimmer», sagte der Fachmann. «Es ist traurig, dass in einem so hoch technisierten und hoch entwickelten Land wie dem unsrigen wir so gut ausgebildet sind, aber nicht in der Lage sind, schwimmen zu können.» Er befürchtet, dass es später zu mehr Badeunfällen kommen könnte.

Je länger es dauere, dass Schulen keinen Schwimmunterricht anbieten könnten, desto größer sei die Gefahr, «dass Kinder durchs Raster fallen». Möglicherweise holten sie die Kurse nicht nach - und im späteren Jugendlichenalter passierten dann Unfällen an Badeseen oder Flüssen, da sie ja noch nicht schwimmen könnten. 2020 gab es in Rheinland-Pfalz insgesamt 16 Badetote, das waren 7 mehr als 2019.

Ein weiteres Problem sei das «Bädersterben»: «Statistisch gesehen schließt bundesweit alle zwei bis drei Tage ein Schwimmbad. Im Moment ist nicht zu erkennen, dass der Trend umgekehrt wird», sagte Vogt. Ob sich die Entwicklung mit Corona verschärfe, bleibe abzuwarten. Die meisten kommunalen Bäder hätten zwar derzeit keine Einnahmen, aber auch keine großen Kosten. Allerdings seien Kommunen in der Krise finanziell erheblich belastet.

In Rheinland-Pfalz gibt es nach Angaben des Innenministeriums 270 Schwimmbäder. Seit dem Jahr 2000 hätten landesweit mehr als 40 Bäder dauerhaft geschlossen. Im Herbst 2020 kam in Oppenheim das Hallenbad Opptimare hinzu. Rund 50 Jahre alt - eine Renovierung lohnte sich nicht mehr. Jetzt plant die Verbandsgemeinde Rhein-Selz einen Ersatz-Neubau - und hat gerade aus einem Förderprogramm des Bundes einen Zuschuss von drei Millionen Euro zugesagt bekommen.

«Der Schwimmunterricht von Schulen und Vereinen in der Verbandsgemeinde und darüber hinaus muss schnell wieder gewährleistet werden», sagte die Beigeordnete Jutta Hoff, zuständig in der Verbandsgemeinde Rhein-Selz für Schulen. Bis der Neubau stehe, werde an einer Übergangslösung gearbeitet, sagte die Beigeordnete Gabriele Wagner. Bekamen doch jüngst jedes Jahr Tausende Kinder aus Rheinhessen in Oppenheim ihren schulischen Schwimmunterricht. «Wir versuchen alles, was wir können.»

Der geschäftsführende Direktor des Städtetags Rheinland-Pfalz, Fabian Kirsch, glaubt nicht, dass die Corona-Krise allein zu größeren Badschließungen führen werde. Er sieht vielmehr Diskussionen über die Zukunft von Bädern auf die Kommunen zukommen, weil viele Bäder in die Jahre gekommen seien. «Wenn ein größerer Bau und Sanierungsmaßnahmen kommen, dann wir die Diskussion in der Räten lauter», sagte er.

Die Kommunen stemmen sich gegen Badschließungen: «Aber die Situation wird immer schwieriger», sagte Kirsch. Im Sommer 2020 hätten Kommunen für die Öffnung der Freibäder «tief in die Tasche gegriffen, weil man den Menschen in Rheinland-Pfalz Freizeitmöglichkeiten bieten wollte». Das habe die «finanzielle prekäre Situation noch mal verschärft». Je nachdem, wie sich die Pandemie mit den Beschränkungen entwickele, könnte dieser Sommer möglicherweise eine gute Saison für die Freibäder werden. «Es bleibt abzuwarten», sagte er.

11.03.2021

SWR-Wahldebatte - Kretschmann will Eisenmann keine Note 6 geben

Corona, Wirtschaft, Bildung - bei der Elefantenrunde wird nochmal so mancher Graben zwischen den Spitzenkandidaten deutlich. Ein ganzes Fass an Themen, viele Argumente, wenig Zeit - und einige Sticheleien.

Beim letzten großen Showdown kurz vor der Landtagswahl haben sich die Spitzenkandidaten der Parteien nochmal voneinander abgegrenzt und um die großen Themen der Zukunft gestritten. Munter wurde in der Elefantenrunde im SWR debattiert über die stockende Impfkampagne, über die Ökobilanz von Elektroautos und die Koalitionswünsche. Die Kandidaten schenkten sich dabei nichts. Vor allem CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann (CDU) kassierte viel Kritik in der Runde.

CORONA - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verteidigte den holprigen Impfstart im Land. Man verwalte eben den Mangel, es gebe zu wenig Impfstoff, sagte der 72-Jährige. Eisenmann warf dem Koalitionspartner vor, nicht rechtzeitig Strukturen fürs Testen und Impfen aufgebaut zu haben. Alle waren sich einig, dass es schneller gehen muss mit dem Impfen - und wagten auch einen Blick in die Glaskugel, wann aus ihrer Sicht die Pandemie vorüber ist. Kretschmann rechnet unter gewissen Bedingungen mit einer Rückkehr in die Normalität zum Ende des Sommers - vorausgesetzt es verbreiten sich keine weiteren Mutanten. «Davor bewahre uns Gott», sagte er. Auch Eisenmann sagte, sie hoffe, dass die Corona-Krise dann vorbei sei. AfD-Spitzenkandidat Bernd Gögel betonte, dass man mit Corona weiterleben müsse.

BILDUNG - Eisenmann wurde streckenweise so hart angegangen von SPD und FDP, dass Kretschmann die Schulpolitik der grün-schwarzen Koalition sogar verteidigte - wenn auch eher halbherzig. Der Grünen-Politiker verwahrte sich dagegen, dass SPD-Chef Andreas Stoch der Ministerin die Note 6 gegeben hatte. Er sei ja auch Lehrer gewesen und könne sich nicht daran erinnern, «dass ich mal eine 6 verteilt hätte. Ein bisschen was kann jeder». Stoch und FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke hatten kritisiert, in der Corona-Krise habe es keine verlässliche Schulpolitik gegeben. Während Eisenmann Vorkämpferin für offene Schulen gewesen sei, habe Kretschmann eher gebremst. Es sei wie bei einer «Wundertüte», keiner wisse, was komme, sagte Rülke.

Die CDU-Spitzenkandidatin wiederum hielt ihrem Vorgänger im Kultusministerium, Stoch, vor, in der Wahlperiode bis 2016 Lehrerstellen abgebaut und nicht dafür gesorgt zu haben, neue Pädagogen ausbilden zu lassen. «Wer mit Noten um sich wirft, muss selber gucken, was er geleistet hat», sagte Eisenmann an die Adresse des SPD-Spitzenkandidaten.

WIRTSCHAFT - Rund 500 000 Arbeitsplätze hängen im Land an der Autoindustrie und den Zulieferern. Aber wie kann die Transformation gelingen, ohne dass Monteure zu Tausenden auf der Straße landen? FDP-Mann Rülke und CDU-Kandidatin Eisenmann warfen den Grünen eine Verengung auf die batteriebetriebene Elektromobilität vor. Die sei gar nicht so grün sei wie immer behauptet, meinte Rülke. Er sprach von «staatlichem Hochdirigismus». Seine Lösung: Wasserstofftechnologie. Außerdem dürfe der Verbrenner nicht verboten werden, sondern müsse klimafreundlich gemacht werden. Kretschmann beteuerte, eine technologieoffene Politik zu machen. Aber der Markthochlauf finde eben bei den Elektroautos statt. Es gehe auch nicht nur um den Antrieb, sondern um die Technologie im Auto der Zukunft. Die Pferdekutsche habe man bei der Erfindung des Autos auch nicht retten können, sagt der Regierungschef. Es sei eine irre Vorstellung, Monteure in IT-Fachleute umwandeln zu können, antwortet Eisenmann.

KOALITIONEN - Zum Schluss sollten die Kandidaten ihre Wunschkoalitionspartner nennen. AfD-Kandidat Gögel sieht die größten Schnittmengen mit der CDU, mit der FDP nicht mehr, weil die ja nun den «Ökosozialismus» unterstütze. Rülke meinte daraufhin, er sei zum ersten Mal in seinem Leben als Ökosozialist bezeichnet worden. Er wolle seine Inhalte durchsetzen. Eisenmann sah keinerlei Schnittmengen mit der AfD. Kretschmann, der vermutlich ab Sonntag die Qual der Wahl hat, ließ alles offen. Das seien «beliebte Sandkastenspiele vor der Wahl», sagte er, aber zunächst würden die Wähler entscheiden. Manchmal müsse man sich finden, auch wenn man sich nicht gesucht habe. Er hoffe, dass niemand an den Grünen vorbeiregieren könne. Stoch lieferte ein klares Bekenntnis: Die größten Schnittmengen hätten die Sozialdemokraten mit den Grünen, etwa beim Wohnungsbau und Klimaschutz. Und die Linke? Würde einfach gerne in den Landtag einziehen, um ein «Garant für soziale Gerechtigkeit» zu sein, sagte die Spitzenkandidatin Sarah Mirow.

Eisenmann bleibt hart: Kein Wechselunterricht in Klassen 5 und 6

Am Ende saß die Kultusministerin am längeren Hebel. Da die neue Corona-Verordnung schon unterschrieben war, konnte Kretschmann bei der Abstandsregel nur auf Nachbesserung dringen. Nun müssen die Schulen das ab Montag regeln - die Landtagswahl ist dann auch vorbei.

Nach tagelangem Gezerre ist der Streit in der grün-schwarzen Koalition über die Abstandsregeln in den Schulen bei der Rückkehr der 5. und 6. Klassen entschieden. Es wird wie von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vorgesehen «kein förmliches Abstandsgebot» gelten. Allerdings sollen die Schulen dafür sorgen, dass die Kinder von Montag an - wenn möglich - beim Präsenzunterricht den coronabedingten Abstand von eineinhalb Metern einhalten.

Kultusministerium und Staatsministerium bestätigten am Donnerstag in Stuttgart der dpa, dass die tagelange Diskussion darüber zwischen Eisenmann und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) beendet sei. Kretschmann hatte bis zuletzt darauf gedrungen, dass die Unterstufe nur zurückkehren könne, wenn überall Abstand eingehalten werde. Sollte dies nicht möglich sein, müsse auch Wechselunterricht in Betracht gezogen werden.

Eisenmann, die auch CDU-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl am Sonntag ist, hatte keinen «Änderungsbedarf» gesehen und erklärt, die Schulen sollten - wenn möglich - größere Räume nutzen oder die Klassen auf zwei Unterrichtsräume aufteilen. Die in der Regierung am Wochenende abgestimmte neue Corona-Verordnung hatte ihr dafür den Spielraum gegeben. Bei Lehrerverbänden war dies auf Proteste gestoßen, weil viele Schulen dies aus ihrer Sicht nicht bewerkstelligen können.

Regierungssprecher Rudi Hoogvliet sagte am Donnerstag: «Die Ministerin hat uns zugesichert, dass der Abstand im Präsenzunterricht eingehalten werden kann durch entsprechende Organisation vor Ort. Darauf müssen wir uns verlassen.» Eisenmanns Sprecher Nils Mayer betonte, «dass die vorgegebenen Regeln für den Präsenzunterricht in den Klassen 5 und 6 pragmatisch umgesetzt werden». Die Grundschulen gehen am Montag ebenfalls in den Regelbetrieb zurück.

Eisenmann hatte sich zuletzt vehement gegen einen Wechsel aus Präsenz- und Fernunterricht ausgesprochen. Hintergrund dafür ist, dass dieser noch aufwendiger zu organisieren sei und es wieder Notbetreuung geben müsse, die zu einer Durchmischung der Klassen führen würde.

Allerdings gab es da bei der Ministerin zwischendurch einen Sinneswandel. Anfang März hatte sie noch vor der Bund-Länder-Runde zur Corona-Politik für die 5. und 6. Klassen Wechselunterricht vorgeschlagen. Damals hatte sie in einem Brief an Kretschmann, der der dpa vorliegt, geschrieben: «Im Wechselbetrieb können die Klassen gut geteilt werden, da genug Räume zur Verfügung stehen. Dabei soll darauf geachtet werden, dass dann nicht mehr als 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler gleichzeitig im Präsenzunterricht sind.»

Die oppositionelle SPD reagierte mit Kritik: «Es ist erschütternd, wie sich Herr Kretschmann von Eisenmann am Nasenring durch die Manege ziehen lässt», sagte Partei- und Fraktionschef Andreas Stoch der dpa. «Eisenmann zieht ihren Kurs, bei der Infektionsschutz an den Schulen keine Rolle spielt, gnadenlos durch.» Das sei beunruhigend, weil derzeit jeden Tag neue Corona-Ausbrüche in Kitas und Schulen bekannt würden.

Die Landeschefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Monika Stein, schrieb in einem Brief an alle 4500 Schulleitungen im Land, die Landesregierung trage den Wahlkampf auf dem Rücken der Betroffenen aus. «Wenn in vier Tagen am Montag ganze Grundschulen geöffnet werden und ganze Klassen stundenlang ohne Schutz in vollen Klassenzimmern sitzen, werden Kinder und Lehrkräfte dadurch derzeit unkalkulierbaren Gefahren ausgesetzt.» Die Testkapazitäten würden zwar aufgebaut. «Wir wissen aber, dass sie am Montag nicht an allen 2400 Grundschulen und gut 2000 weiterführenden Schulen funktionieren werden», sagte Stein.

Die Kultusministerin hat zuletzt immer wieder darauf verwiesen, dass es im Südwesten keine Präsenzpflicht an den Schulen gibt. «Niemand muss sein Kind schicken, sondern es kann zu Hause bleiben und hat dann Schulpflicht, die durch Fernunterricht geregelt wird», hatte Eisenmann erklärt. In den Klassen müssen Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler im Übrigen Masken tragen. Das Ministerium geht davon aus, dass die meisten Schüler sowieso medizinische Masken tragen, weil sie diese auch in Bussen und Bahnen brauchen.

Die Regierung hatte sich vorher schon darauf verständigt, dass die Kinder und deren Eltern wie auch die Lehrerinnen und Lehrer zweimal die Woche kostenlos getestet werden können. Von diesem Montag an bis zu den Osterferien sollen sich die Eltern darum kümmern, dass ihre Kinder sich bei Apotheken, Hausärzten oder kommunalen Anlaufstellen und mobilen Testzentren auf das Coronavirus testen lassen. Erst nach den Ferien solle es in allen Städten und Gemeinden kommunale Angebote - ob an Schulen oder in der Nähe - geben. Die Osterferien beginnen am 1. April, am 12. April müssen die Kinder wieder zur Schule.

Schärfere Maskenpflicht an Berliner Schulen

Die Maskenpflicht an den Berliner Schulen wird verschärft. Am kommenden Montag müssen Schüler, Lehrer und die übrigen Mitarbeiter dort einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz tragen, also FFP2- oder OP-Masken. Alltagsmasken reichen dann nicht mehr aus, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag mitteilte.

Mit der Regelung, die im Wesentlichen für den Unterricht und den Aufenthalt im Schulgebäude gilt, passt die Bildungsverwaltung ihre Vorgaben an die Regeln im Öffentlichen Personennahverkehr und im Einzelhandel an. Dort sind medizinische Masken schon seit geraumer Zeit Pflicht. Dass dies an Schulen bislang nicht galt, war von der Opposition heftig kritisiert worden.

Auf dem Schulhof im Freien können Schüler die Maske abnehmen, wenn ein Mindestabstand von 1,50 Metern gewährleistet werden kann. Zuletzt hatte die Bildungsverwaltung nach eigenen Angaben 700 000 medizinische Masken sowie FFP2-Masken an die Schulen verteilt. Dort lägen also in der Regel medizinische Masken bereit, um Schülerinnen und Schülern auszuhelfen, die selbst ihre Masken gerade nicht dabeihaben, so Scheeres.

Land NRW: Corona-Tests für Schüler kommen

Corona-Schnelltests sollen nach Angaben des NRW-Schulministeriums auch für Schüler kommen - der Zeitpunkt sei aber noch nicht klar. Das Kabinett habe eine Ausweitung der Teststrategie gerade auch an Schulen beschlossen. Derzeit werde die «konkrete Umsetzung der landesweiten Teststrategie erarbeitet und mit den beteiligten Ressorts abgestimmt», hieß es am Donnerstag aus dem Ministerium. Das Schul-Personal könne sich auch weiterhin bis zum letzten Schultag vor den Osterferien am 26. März bis zu zwei Mal pro Woche anlasslos testen lassen.

NRW holt ab kommenden Montag alle Schüler zumindest tageweise vor den Osterferien wieder in die Klassenräume zurück - im Wechselmodell. Jüngere Schüler bis zur Klasse vier und Abschlussjahrgänge hatten schon am 22. Februar den Anfang gemacht. Der Städtetag NRW sprach von noch zahlreichen offenen Fragen. Wo die Schüler getestet werden sollten, wie oft, ob Lehrer dies vorzunehmen hätten, wer die Tests zahle - alles das sei ungeklärt, kritisierte Geschäftsführer Helmut Dedy. «Das Land muss diese Grundlagen zügig klären.» Die Städte bauten im Eiltempo eine Struktur für kostenlose Schnelltests auf.

Die SPD-Landtagsfraktion forderte von der Landesregierung einen Bildungs-Krisenstab, der auch mit Jugend- und Gesundheitsexperten zu besetzen und am Schulministerium anzudocken sei. Dieser müsse unter anderem eine umfassende Impf- und Teststrategie und den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur entwickeln. Auch die Lehrer-Gewerkschaften VBE und GEW hatten zuvor schnelle Klarheit bei den Corona-Tests für Schüler angemahnt. Laut Beschluss der Ministerpräsidenten sollen auch alle Schüler pro Präsenzwoche mindestens einen kostenlosen Schnelltest erhalten.

Weiterführende Schulen in Sachsen öffnen vorerst ohne Testpflicht

Oberschulen und Gymnasien im Freistaat öffnen am Montag (15. März) ohne Testpflicht. Das Zutrittsverbot ohne negativen Test gelte erst, wenn genügend Selbsttests zur Verfügung stünden, sagte eine Sprecherin des Kultusministeriums am Donnerstag. Zuvor hatten verschiedene Medien berichtet. In der aktuellen Corona-Schutzverordnung ist eine Testpflicht für Schüler ab Klasse 5 und das gesamte Personal an Schulen vorgesehen - allerdings unter der Voraussetzung, dass es genügend Selbsttests gibt. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte dafür den 15. März als Ziel genannt.

Bis an den Schulen ausreichend Selbsttests vorhanden sind, können sich laut Ministerium Lehrer und Schüler an den Schulen freiwillig einem Antigen-Schnelltest unterziehen. Diese Schnelltests sind allerdings erst ab Klasse 7 zulässig. Die Linke im Landtag kritisierte, dass die Klassenstufen 5 und 6 nun ohne Tests dastünden. «Dennoch wird geöffnet, trotz hoher Fallzahlen und der Gefahr, dass sich die Mutationen ausbreiten», so Abgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg. Die Grünen warnten vor einer Schulöffnung um jeden Preis. «Die Öffnung der Schulen ohne sichere Teststrategie ist aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt falsch», so die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Christin Melcher. Gerade angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens sei eine effektive Teststrategie essenziell.

Kitas und Schulen schließen laut derzeitigen Regeln erneut, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz von 100 in einer Region fünf Tage lang überschritten wird. So sind etwa im Corona-Hotspot Vogtland Kitas und Schulen bereits wieder geschlossen.

Gericht: Kein Recht auf Rückkehr in Präsenzunterricht

Zwei Schüler aus dem Münsterland sind mit einem Eilantrag gegen die Coronabetreuungsverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen vor Gericht gescheitert. Die Schüler einer 5. und 7. Klasse aus Lüdinghausen wollten zurück in den Präsenzunterricht, wie Grundschüler und Abschlussklassen ihn seit dem 22. Februar wieder haben. Das Oberlandesgericht in Münster aber wies das laut Mitteilung von Donnerstag zurück. Der Beschluss ist nicht anfechtbar (Az.: 13 B 250/21.NE).

Das OVG begründete die Entscheidung mit den nachvollziehbaren Gründen des Landes. Die schrittweise Rückkehr zum Präsenzunterricht für alle Schüler sei als Schutzmaßnahme in der Pandemie nicht zu beanstanden und entspreche auch den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. Auch das Privileg der Grundschüler sei nachvollziehbar. Lernen auf Distanz sei besonders für die ganz jungen Schüler ein Problem. Hier drohen nicht nachholbare Entwicklungseinbußen.

Ab Montag (15. März) sollen in NRW alle Altersklassen in einem Wechselmodell zurück in die Schulen kommen.

Lehrerverband BLLV sorgt sich um Gesundheitsschutz und Leistungsdruck

Viele Probleme an den Schulen seien nicht neu, findet der Lehrerverband BLLV. Doch die Corona-Pandemie zeige sie wie durch ein Brennglas. Neben dem Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schüler müsse deshalb auch Grundsätzliches auf die Tagesordnung.

Der Gesundheitsschutz an den Schulen, der Leistungsdruck auf die Kinder und Jugendlichen und die weggebrochene individuelle Förderung von Schwächeren treiben den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) um. Angesichts der bevorstehenden Rückkehr der verbleibenden Klassen ab nächster Woche betonte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann am Donnerstag: «Wenn nicht für alle Tests und Impfungen vorliegen, können wir die Schulen nicht weiter öffnen.»

Nicht nur die Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen, sondern alle Pädagogen müssten bevorzugt ein Impfangebot erhalten, sagte Fleischmann in München. Und neben den freiwilligen Tests für ältere Schülerinnen und Schüler müssten auch jüngere verbindlich regelmäßig auf eine Infektion mit dem Corona-Virus getestet werden.

Der Verband fordert auch die Freigabe des Elternwillens bei der Wahl der weiterführenden Schulart, beraten von den Lehrkräften. «Es wird kein fairer Übertritt möglich sein heuer», sagte Fleischmann. Stattdessen erhöhe das Verfahren den Druck auf die eh schon extrem belasteten Neun- und Zehnjährigen. Anstelle von Notendruck sei auch in den höheren Klassen mehr Freiheit der Schulen für individuelle Leistungsbeurteilungen nötig.

BLLV-Vertreter beklagten zugleich, dass die Förderung von Kindern, die in der Pandemie Lücken erworben hätten oder ohnehin benachteiligt seien, viel zu kurz komme. Die dafür vorgesehenen Förderlehrkräfte an den Grund- und Mittelschulen würden ebenso wie viele Fachlehrer zu weiten Teilen etwa für die Notbetreuung eingesetzt. «Wenn man uns andere Aufgaben überträgt, nimmt man den Kindern die Chance auf Bildungsgerechtigkeit», betonte Jochen Fischer, Leiter der BLLV-Fachgruppe Förderlehrer.

Thomas Beschorner, Sonderschulkonrektor aus Unterfranken, beklagte ebenfalls mangelnde Kapazitäten. «Wir wollen unseren Kindern und Jugendlichen Nähe, Schutz und individuelle Zuwendung geben», sagte er. Doch viele hätten sich während des Lockdowns völlig verschlossen. «Es wird lange dauern, bis sie sich wieder öffnen, einige erreichen wir gar nicht mehr.» Neben einem umfassenden Gesundheitsschutz sei deshalb eine Entlastung der Lehrkräfte nötig, damit diese mehr Zeit und Ruhe hätten, um die Schülerinnen und Schüler wieder aufzufangen.

Bildungsminister lehnt Samstagsunterricht nach Corona-Lockdown ab

Nach den monatelangen coronabedingten Schulschließungen hat Bildungsminister Marco Tullner Forderungen nach regelmäßigem Samstagsunterricht eine Absage erteilt. Er sei dankbar, dass die Lehrerinnen und Lehrer die erhebliche Beanspruchung durch Präsenzunterricht in den Abschlussklassen und Distanzbetrieb für alle anderen Klassenstufen bewältigt hätten, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag bei einer Debatte im Landtag. Es gehe darum, die Situation realistisch einzuschätzen, bevor den Schulen zusätzliche Belastungen wie Samstagsunterricht auferlegt würden.

Zuvor hatte die AfD-Fraktion in einem Antrag unter anderem gefordert, den Unterricht auf den zusätzlichen Wochentag auszuweiten, um versäumten Lernstoff aufzuholen. Die Linke forderte, in diesem und im nächsten Schuljahr Klassenarbeiten und Tests herunterzufahren. Nach den Monaten der Abstinenz sei das Lernen für den Kopf wichtiger als das Prüfen für das Papier, sagte Linken-Fraktionschef Thomas Lippmann. Beide Oppositionsfraktionen forderten, Familien finanziell zu unterstützen, die Nachhilfeangebote in Anspruch nehmen wollen.

«Der Forderung, zusätzliche Förderangebote neben dem Regelunterricht finanziell zu bezuschussen, kann ich nur entgegnen, dass die Sicherstellung der Erfüllung des Lehrplans Aufgabe der Schule ist», entgegnete Tullner. Sein Ministerium prüfe, ob die Schulen zusätzliche Lernangebote in den Ferien anbieten könnten. Es werde zudem daran gearbeitet, angehende Lehrerinnen und Lehrer neben ihrem Studium verstärkt für den Unterricht und Lernangebote zu verpflichten.

In Sachsen-Anhalt waren die Schulen seit Mitte Dezember im Notbetrieb und boten nur täglichen Präsenzunterricht für die Abschlussklassen an. Alle anderen Jahrgänge kehrten erst am 1. März in den eingeschränkten Präsenzunterricht zurück und lernten bis dahin ausschließlich mit Aufgaben und Online-Angeboten für zuhause.

Druck auf die Bildungsverwaltung - müssen die Schulen weiter öffnen?

Bisher sind die 7. bis 9. Klassen noch nicht wieder in der Schule. Aber das ändert sich möglicherweise schneller als erwartet - nicht nur wegen einer Entscheidung vom Berliner Verwaltungsgericht.

Der Druck auf die Bildungsverwaltung nimmt zu, weitere Öffnungsschritte an den Berliner Schulen schon bald zuzulassen. Die Forderung stand längst im Raum, am Mittwoch erklärte außerdem das Berliner Verwaltungsgericht den kompletten Ausschluss einzelner Klassenstufen vom Wechselunterricht für rechtswidrig. Die Folge könnte sein, dass früher als erwartet auch die 7. bis 9. Klassen wieder wechselweise in der Schule und am Laptop zu Hause unterrichtet werden. Die Gerichtsentscheidung legt das aber nicht zwingend fest.

Bisher sind die 1. bis 6. Klassen nach längerer Homeschooling-Phase wieder im Wechselunterricht. Für die Abschlussklassen 10 bis 13 gilt aktuell, dass die Schulen für sie Wechselunterricht anbieten können - aber nicht müssen. Für die Klassen 7 bis 9 war bislang unklar, wie es mit ihnen weitergeht.

Die Berliner FDP-Fraktion hatte vor der Entscheidung des Gerichts gefordert, die Schulen ab dem 17. März auch für die 7. bis 9. Klassen zu öffnen. Auch SPD-Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin Franziska Giffey kritisierte am Mittwoch vor Bekanntwerden der Gerichtsentscheidung, es gebe für die 7. bis 9. Klassen im Moment noch keine Perspektive. «Aus meiner Sicht wäre es eine gute Botschaft, wenn man es schaffen könnte, dass alle Kinder noch im März zurückkehren können.» Für einen Siebt- oder Achtklässler sei es «ganz furchtbar», keine Perspektive zu haben.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Gebel forderte am Mittwochabend auf Twitter, Berlin müsse die Gerichtsentscheidung schnell umsetzen, «also zu kommender Woche. Präsenz ist wichtig für soziales Miteinander & Bildung». Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch verlangte, die Schulbehörde solle die Entscheidung «sofort» umsetzen. Die Stimmen derer werden lauter, die weiteres Abwarten in diesem Punkt für falsch halten.

Der Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Martin Klesmann, teilte am Donnerstag mit: «Wir werden nun umgehend die am Mittwochabend eingegangenen Beschlussbegründungen zu diesen Einzelfällen prüfen und dann zeitnah die entsprechenden Schlüsse ziehen.» Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur führt die Bildungsverwaltung ohnehin bereits Gespräche unter anderem mit Schulleitungsverbänden über eine mögliche Rückkehr der 7. bis 9. Klassen noch vor Ostern.

Das würde viele praktische Probleme lösen, die sich aus der Gerichtsentscheidung ergeben. Denn ob die beiden Schüler, die damit Recht erhalten haben, tatsächlich Wechselunterricht bekommen, müsse die jeweilige Schule entscheiden, sagte Gerichtssprecher Dominic Hörauf am Donnerstag. «Die Kammer hat gesagt, die Schüler müssen genauso behandelt werden wie die Abschlussklassen.» In dem Fall gilt bis zum 16. März, dass die Schulen im Einvernehmen mit der Schulaufsicht eine Einzelfallentscheidung treffen, ob Wechselunterricht angeboten wird oder nicht.

Geklagt hatten zwei Gymnasiasten aus der 7. und 9. Klasse, die zurzeit keinen Unterricht in der Schule haben. «Der Beschluss hat nur Geltung für die Beteiligten», erklärte der Sprecher. «Und die Beteiligten waren die einzelnen Schüler. Das kann im Ergebnis dazu führen, dass die Schule sagt, wir bieten Präsenzunterricht im Wechselmodell für den einzelnen Schüler an», erläuterte Hörauf. Das würde unter Umständen bedeuten, dass der Unterricht für einen einzigen Schüler organsiert werden müsste. «Wobei bei lebensnaher Betrachtung wird es so sein, dass die Schule dann eine Entscheidung für die Jahrgangsstufe trifft», sagte Hörauf.

Das Verwaltungsgericht hatte sich am Mittwoch mit mehreren Eilanträgen von Schülern zu verschiedenen Aspekten beschäftigt, denen nur teilweise stattgegeben wurde. Sie hatten erreichen wollen, dass die Klassen wieder voll besetzt werden. Sechs von sieben wollten auch durchsetzen, dass ein Mund-Nasen-Schutz nicht mehr Pflicht ist. In diesen Punkten stimmte das Gericht nicht zu.

Weitere Schulöffnung in Berlin? - Druck auf Bildungsverwaltung wächst

Nachdem das Berliner Verwaltungsgericht den Ausschluss einzelner Klassenstufen vom Wechselunterricht für rechtswidrig erklärt hat, wächst der Druck auf die Bildungsverwaltung. Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Gebel forderte am Mittwochabend auf Twitter, Berlin müsse das Urteil schnell umsetzen, «also zu kommender Woche. Präsenz ist wichtig für soziales Miteinander & Bildung». Ein Sprecher der Bildungsverwaltung teilte am Donnerstag mit: «Wir werden nun umgehend die am Mittwochabend eingegangenen Beschlussbegründungen zu diesen Einzelfällen prüfen und dann zeitnah die entsprechenden Schlüsse ziehen.»

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur führt die Bildungsverwaltung ohnehin bereits Gespräche unter anderem mit Schulleitungsverbänden über eine mögliche Rückkehr der 7. bis 9. Klassen noch vor Ostern.

Das Verwaltungsgericht gab am Mittwoch mehreren Eilanträgen von Schülern teilweise statt. Sie hatten erreichen wollen, dass die Klassen wieder voll besetzt werden. Sechs von sieben wollten auch durchsetzen, dass ein Mund-Nasen-Schutz nicht mehr Pflicht ist. In diesen Punkten stimmte das Gericht nicht zu.

Soweit einzelne Jahrgangsstufen jenseits der Primarstufe und der Abschlussklassen aber von der Präsenzbeschulung im Wechselmodell vollständig ausgeschlossen seien, erweise sich dies «als gleichheits- und deshalb rechtswidrig», argumentierte das Verwaltungsgericht.

Bislang sind nur die ersten bis sechsten Klassen zurück in der Schule, jeweils in verkleinerten Gruppen und im Wechsel mit digitalem Unterricht zu Hause. Auch für Abschlussjahrgänge könne ein solcher Wechselunterricht bereits angeboten werden, erklärte das Gericht, allerdings nach Einzelfallentscheidung der jeweiligen Schule im Einvernehmen mit der Schulaufsichtsbehörde.

Mit der Gerichtsentscheidung muss auch für die mittleren Stufen von der 7. bis 9. Klasse die Möglichkeit bestehen, mit Einzelfallentscheidungen den Wechselunterricht zu ermöglichen. Die Entscheidung gilt vorerst nur für die Schüler, die sich an das Gericht gewandt hatten. Gegen die Beschlüsse kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.

Die Berliner FDP-Fraktion hat schon vor dem Urteil in einem Dringlichen Antrag an das Abgeordnetenhaus gefordert, die Schulen auch für die 7. bis 9. Klassen zu öffnen. In dem Antrag, der am Donnerstag bei der Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses behandelt wird, setzen sich die Liberalen dafür ein, dass ab dem 17. März auch die übrigen Schüler der Mittelstufe zurück in die Schulen dürfen.

Schüler können verpassten Stoff wieder in den Ferien nachholen

Nach den langen Monaten des coronabedingten Distanz- und Wechselunterrichts sollen Schüler in Hessen verpassten Schulstoff auch in diesem Jahr in den Schulferien auffrischen und Wissenslücken füllen können. Sowohl in den Oster- als auch in den Sommerferien seien Camps und Ferienakademien geplant, sagte ein Sprecher des hessischen Kultusministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Die Organisation liege bei den Schulen, das Ministerium werde Geld für entsprechendes Personal zur Verfügung stellen. In den Sommerferien 2020 seien bereits rund 20 000 der hessenweit rund 760 000 Schüler über die Ferienakademien gefördert worden.

Wie die Nachfrage in diesem Jahr ausfalle, bleibe abzuwarten. Vorteil des Angebotes sei, dass der Stoff nach der langen Zeit des Distanzunterrichts vor Ort und nicht über digitale Technik vermittelt werde. Während der Corona-Pandemie habe «der persönliche Faktor noch mehr an Bedeutung gewonnen», sagte der Sprecher. Neben den Oster- und Sommerferienangeboten arbeite das Ministerium an einem ganzen Bündel weiterer Maßnahmen.

10.03.2021

Fünft- und Sechstklässler sollen zweimal die Woche getestet werden

Bei der Rückkehr der fünften und sechsten Klassen in die Schulen sollen die Kinder wie schon die Lehrkräfte zweimal die Woche kostenlos getestet werden. Darauf hat sich die grün-schwarze Regierung verständigt, wie die dpa am Mittwoch in Stuttgart aus Regierungskreisen erfuhr. Von diesem Montag an bis zu den Osterferien sollen sich die Eltern darum kümmern, dass ihre Kinder sich bei Apotheken, Hausärzten oder kommunalen Anlaufstellen auch an Schulen auf das Coronavirus testen lassen. Erst nach den Ferien soll es flächendeckend an den Schulen Testzentren geben. Die Osterferien beginnen am 1. April, am 12. April müssen die Kinder und Jugendlichen wieder zur Schule.

Das Land geht mit dieser Teststrategie über den Bund-Länder-Beschluss von vor einer Woche hinaus. Dort hatte es geheißen, die Länder sollten sicherstellen, «dass das Personal in Schulen und Kinderbetreuung sowie alle Schülerinnen und Schüler pro Präsenzwoche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest erhalten». Der Städtetag hatte am Montag erklärt, drei Viertel der Kommunen unterstützten das Land seit der Wiedereröffnung der Kitas und Schulen durch mobile Testteams direkt in der Einrichtung. Hier sei Baden-Württemberg weiter als andere Bundesländer.

In der Frage, ob die Kinder der fünften und sechsten Klassen bei der geplanten vollständigen Rückkehr in die Schulgebäude den coronabedingten Abstand von eineinhalb Meter einhalten müssen, gibt es dem Vernehmen nach noch Gesprächsbedarf. Am Dienstag hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) darauf bestanden, dass dieser Abstand beachtet werden müsse. Ansonsten müsse überlegt werden, ob es einen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht geben könne. Das Kultusministerium lehnt Wechselunterricht jedoch ab und pocht weiter darauf, dass es «kein förmliches Abstandsgebot» geben könne, weil nicht alle Schulen das gewährleisten könnten.

Corona-Selbsttests an Schulen in Bayern künftig auch für Jüngere

Auch Schülerinnen und Schüler unter 15 Jahren sollen sich künftig einmal pro Woche direkt in der Schule selbst auf eine Corona-Infektion testen können – freiwillig, aber dann unter Anleitung und Aufsicht. Das kündigten Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) und Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Mittwoch bei einem Besuch an einer Grundschule in München an. Nach Worten Piazolos wird es aber nicht überall schon am kommenden Montag, also mit der anstehenden Ausweitung des Wechselunterrichts, losgehen. Das Rote Kreuz und andere Organisationen sollen bei den Tests helfen.

Bislang waren die neuen Corona-Selbsttests lediglich für Lehrkräfte sowie für Schülerinnen und Schüler ab 15 Jahren vorgesehen gewesen und entsprechend vom Freistaat ausgeliefert worden. Nun habe man sich darauf verständigt, dies auszuweiten, erklärten die Minister. Das Selbsttest-Angebot solle aber grundsätzlich freiwillig sein, betonte Piazolo, auch für die einzelnen Schulen, «wenn die Schule sagt, wir kriegen das jetzt nicht hin». Man wolle dies nun «aufwachsen lassen». Schüler über 15 sollen sich weiterhin auch zu Hause testen können.

09.03.2021

Vor Schulöffnungen: Land stellt mehr Selbsttests bereit

Viele Schüler gehen Montag wieder zum Wechselunterricht an weiterführende Schulen. Auch Selbsttests sollen vor einer Ausbreitung des Coronavirus bewahren. Das Land macht ein Angebot.

Nach den Grundschulen öffnen am kommenden Montag (15.3.) in Brandenburg auch die weiterführenden Schulen für den Wechselunterricht. Das Land will zu Beginn mehr Corona-Schnelltests als Selbsttests anbieten. Der Haushaltsausschuss des Landtags beschloss am Dienstag mehrheitlich die Ausweitung der Testmöglichkeiten an den Einrichtungen. Das Angebot: Sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler sollen sich einmal pro Woche an Schulen selbst testen können. «Das ist uns ein Anliegen, um den Schutz an den Schulen auszuweiten, aber es ist auch eine Umsetzung des MPK-Beschlusses», sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) im Haushaltsausschuss.

Das kostenlose Angebot des Landes soll bis zum Ende des laufenden Schuljahres (24. Juni) gelten. Dafür will das Land einen Maximalbetrag von insgesamt 28,3 Millionen Euro bereitstellen. Die Kosten werden aus dem Rettungsschirm 2021 des Landes getragen.

Ein erster Auftrag für knapp 300 000 Selbsttests in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro sei bereits an die Firma Roche erteilt worden, die ein schnelles Angebot gemacht habe, berichtete Ministerin Ernst. Damit könne die erste Woche abgedeckt werden. Die Tests sollen noch diese Woche an einen zentralen Ort in Brandenburg geliefert und dann an die Schulen verteilt werden, damit sie zu Schulbeginn zur Verfügung stünden. Weitere Aufträge an andere Firmen zur Lieferung von mehr Schnelltests sollen zeitnah vergeben werden.

Finanzministerin Katrin Lange (SPD) sagte, es handele sich um eine außerplanmäßige Ausgabe. Eile sei geboten, um damit schnell in den Schulbetrieb einsteigen zu können. Noch sei nicht klar, wie das Angebot der Schnelltests angenommen werde. Das Bildungsministerium solle dem Finanzministerium monatlich darüber berichten.

Bereits seit Herbst 2020 können sich alle Lehrkräfte an Schulen in Brandenburg kostenlos bei Hausärzten testen lassen. Das Land hat dazu eine Vereinbarung mit der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) getroffen. Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe werden seit Anfang Februar 2021 zweimal wöchentlich Schnell- und Selbsttests finanziell vom Land gefördert.

Vor der Wiederöffnung der Schulen kommt scharfe Kritik von der Lehrergewerkschaft GEW und dem Hauptpersonalrat. Sie fordern eine Ausweitung der Impfangebote für Lehrkräfte. «Weder erhalten alle Lehrkräfte ein Impfangebot, noch sind die Regelungen zur regelmäßigen freiwilligen Testung in den Schulen vorhanden», sagte GEW-Chef Günther Fuchs am Dienstag. Es sei ein politischer Skandal, dass es noch immer kein verlässliches Testkonzept für die Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler gebe. Sollte die Impf- und Teststrategie vor der Ausweitung der Unterrichtsangebote nicht entsprechend angepasst werden, handele das Bildungsministerium «grob fahrlässig».

Das Impfangebot für die Lehrkräfte sei eine «unverzichtbare Voraussetzung für die weitere Öffnung der Schulen durch Wechselmodelle», sagte Fuchs weiter. Ohne die Möglichkeit, sich durch eine Impfung vor einer Infektion schützen zu können, bestehe für die Lehrer ein deutlich erhöhtes Gesundheitsrisiko. «Jedem muss klar sein, dass dies ein Spiel mit dem Feuer ist und somit leichtfertig mit der Gesundheit der betroffenen Lehrkräfte umgegangen wird.»

Saarland will Pandemie-Folgen für Schüler langfristig bewältigen

Viele Tests durch medizinisches Personal vor Ort, eine schnelle Schulöffnung für alle Klassen und eine Langfriststrategie, um die Folgen der Pandemie abzufedern: So sieht das Konzept der saarländischen Bildungsministerin aus.

Mit einer Langfriststrategie will das Saarland die Folgen durch die Corona-Krise im Bildungsbereich bewältigen. Dazu gehören laut Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) unter anderem der Ausbau von Förderstunden, individuelles Coaching bei der Berufswahl, der Einsatz von Schulbegleitern und freiwillige Feriencamps. «Je länger der Zugang zu den Schulen für Kinder und Jugendliche eingeschränkt bleibt, desto größer werden die Probleme und desto schwieriger und teurer die Aufarbeitung», sagte sie am Dienstag in Saarbrücken.

Bei den Kosten von rund 20 Millionen Euro erhofft sich Streichert-Clivot auch Unterstützung vom Bund. Schließlich trage er mit seinen Entscheidungen, insbesondere jetzt mit der Dauer des Lockdowns für die Schulen, eine «erhebliche Mitverantwortung» an den Folgen im schulischen Bereich.

Nach den Osterferien strebt die Ministerin nach eigener Aussage wieder einen vollständigen Präsenzbetrieb in den Schulen an. Voraussetzung dafür sei, dass die Pandemielage entsprechend stabil bleibt beziehungsweise sich positiv entwickelt. Wenn andere gesellschaftliche Bereiche Stück für Stück wieder öffneten, fände sie es «legitim, den Schülerinnen und Schülern auch wieder mehr Normalität zu geben».

Große Unterschiede zwischen den Regeln für Einzelhandel und Schulen wie in anderen Ländern könne sie sich im Saarland nicht vorstellen. Streichert-Clivot: «Wenn, dann sind Schulen für mich nach wie vor die Bereiche, die als Erstes wieder sicher zurückgeführt werden müssen.» Und mit einer entsprechenden Teststrategie halte sie dies auch für vertretbar.

Mit Corona-Tests an Schulen aller Schulformen gehe das Saarland laut Bildungsministerin «bundesweit voran». Das Angebot an über 300 Schulen im Land sei eine logistische Mammutaufgabe, für die Kosten von rund zwei Millionen Euro veranschlagt würden. Mit dem freiwilligen Testangebot für alle Beschäftigten und Schüler sorge man jedoch für zusätzliche Sicherheit.

Bislang hätten 176 Schulen rund 14 500 Testungen gemeldet, davon rund 2900 bei Lehrkräften und Beschäftigten. Bislang werde das Angebot, das von Ärzten, Zahnärzten und Apotheken unterstützt werde, gut angenommen.

In den ersten beiden Wochen hätten rund 110 000 Testkits aus dem Bestand des Gesundheitsministeriums zur Verfügung gestanden. Eine zweite Charge von rund 465 000 Tests sei nun unterwegs. Von allen Schulen hätten bislang lediglich fünf keinen Kooperationspartner für die Tests vor Ort. Diese würden nun bei der Suche nach medizinischem Personal besonders unterstützt.

«Je mehr insgesamt getestet wird, desto mehr Fälle werden auch entdeckt werden», sagte Streichert-Clivot. Man wisse jedoch, auch aus einer Studie in Reinland-Pfalz, dass in den Schulen selbst äußerst wenige Übertragungen stattfänden. «Schulen sind kein Treiber der Pandemie», betonte die Ministerin. Aktuell seien im Saarland 42 Schüler und zwei Lehrer mit dem Coronavirus infiziert. 253 Schüler und 28 Lehrkräfte seien von Quarantäne-Maßnahmen betroffen.

Mecklenburgische Seenplatte: Wechselunterricht ab Montag

Wegen anhaltend niedriger Corona-Inzidenzen soll es ab kommenden Montag im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Wechselunterricht für die Klassenstufen sieben bis elf geben. Damit entspreche man der Corona-Landesverordnung, teilte der Landkreis am Dienstag mit. Die sehe vor, dass die Sieben-Tage-Inzidenz des Coronavirus zehn Tage unter 50 liegen muss, bevor Wechselunterricht starten kann. Man wolle und könne nicht auf die neue Schul-Corona-Verordnung des Landes warten und handele nach der noch bis 14. März gültigen. Das Vorgehen sei mit Schwerin abgestimmt.

Das Land hatte neue Regelungen angekündigt, die an mehr Schulen Präsenzunterricht vorsehen. Für Schüler der Klassenstufen eins bis sechs gibt es im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bereits einen freiwilligen Präsenzunterricht, ebenso für Abschlussklassen.

Bereits seit Dienstag ist es im Landkreis wieder möglich, ohne vorherigen Termin in Geschäften einzukaufen oder etwa Ausstellungen, Museen, oder Zoos zu besuchen. Hierfür war maßgeblich, dass die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis sieben Tage lang unter 50 lag. Nach Zahlen vom Dienstag lag der Wert bei 41,5.

Rückkehr in den Unterricht an Hessens Schulen

Nach den Osterferien werden noch nicht alle Kinder gleich wieder im Klassenzimmer sitzen. Das Modell des Wechselunterrichts ab Klasse fünf ist für die Schüler aber ein großer Schritt zum Schulalltag. Mit noch mehr Normalität können die Grundschüler rechnen.

Hessens Schüler stehen vor einer Rückkehr in den Präsenzunterricht in ihren Klassen. Für die Grundschüler werde nach den Osterferien ab Mitte April der eingeschränkte Regelbetrieb mit fünf Tagen pro Woche Unterricht gelten, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden. Für alle Klassen ab Jahrgangsstufe fünf soll dann die Schule im Modell des Wechselunterrichts möglich sein.

Noch vor den Osterferien werden in den Klassen ab Jahrgangsstufe sieben zudem Präsenztage eingerichtet. Diese Regelung soll nach Angaben des Kultusministers ab dem 22. März gelten und auf den Wechselunterricht vorbereiten. Dabei sei mindestens ein Präsenztag pro Woche in der Schule vorgesehen. Voraussetzung für die geplanten Öffnungsschritte sei jedoch, dass der landesweite Corona-Inzidenzwert nicht über 100 steige, sagte Lorz.

Wegen der Corona-Pandemie wird derzeit in Hessen nur für die Schüler der Klassen eins bis sechs Wechselunterricht in der Schule angeboten. Die Jahrgangsstufen sieben bis elf lernen im Distanzunterricht. Alle Abschlussjahrgänge haben dagegen bereits wieder Präsenzunterricht in Hessens Schulen.

Im Modell des Wechselunterrichts werden die Schulklassen aufgeteilt: Eine Hälfte wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte lernt zu Hause. Die Gruppen können tage- oder wochenweise tauschen. Mit diesem Vorgehen können die Kontakte reduziert und Corona-Abstände besser eingehalten werden.

Die Präsenztage in den zwei Wochen vor den Osterferien sollen nicht dazu da sein, um Unterrichtsstoff aufzuholen, betonte Lorz. Es gehe darum, die Kinder nach der langen Zeit wieder an die Strukturen in der Schule zu gewöhnen. Mit der Regelung komme das Land auch dem Wunsch der Landesschülervertretung und des Landeselternbeirats nach.

Der Kultusminister kündigte auch ein verstärktes Impfen der Lehrer und der Beschäftigten an den Schulen an. Seit wenigen Tagen werde das Personal an den Grund- und Förderschulen priorisiert geimpft. Diese Gruppe von 30 000 Personen entspreche rund 50 Prozent aller Lehrkräfte in Hessen.

«Wir streben an, nach Ostern auch den Lehrkräften und dem sonstigen Personal aller anderen Schulformen ein Impfangebot zu machen», sagte Lorz. Dazu werde es weiter die wöchentlichen anlasslosen Coronatests für Lehrer und das schulische Personal geben. Auch werde intensiv daran gearbeitet, nach den Osterferien regelmäßige Selbsttests für Schüler und Lehrkräfte anzubieten.

Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) teilte mit, dass das Land neun Millionen Antigen-Schnelltests bestellt habe. «Die Selbsttests sind – neben den Schnelltests durch professionelle Anwender – ein weiteres Mittel, um flexibel und schnell testen zu können.» Nach der Lieferung sollen die Selbsttests für die hessischen Schüler, Lehrkräfte und Kita-Erzieherinnen bereitgestellt werden.

Kretschmann pfeift Eisenmann wegen Abstandsgebot an Schulen zurück

Koalitionszoff wenige Tage vor der Landtagswahl: Die Grünen halten Kultusministerin Eisenmann vor, die Schulöffnung am kommenden Montag nicht vernünftig vorbereitet zu haben. Die CDU-Spitzenkandidatin wirft den Ball zurück ins Feld des Koalitionspartners.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) pocht bei der Rückkehr der 5. und 6. Klassen in die Schulen darauf, dass die Kinder eineinhalb Meter Abstand halten. Es sei mit Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) vereinbart, dass die Lockerung der Corona-Maßnahmen in der Unterstufe vom kommenden Montag an nur möglich sei, «wenn der Abstand eingehalten wird», sagte der grüne Regierungschef am Dienstag in Stuttgart. «Das muss sie organisieren.» Das Kultusministerium hatte am Montag erklärt, dass bei der vollständigen Rückkehr der 5. und 6. Klassen «kein förmliches Abstandsgebot» gelte. Bei Lehrerverbänden hatte das zu Protesten geführt.

Kretschmann sagte nun, ein Abweichen von der Abstandsregel könne nur im absoluten Ausnahmefall möglich sein. Die «Soll»-Vereinbarung sei hier als «Muss» zu verstehen. Er kündigte an, der Lenkungskreis der Landesregierung zur Corona-Politik werde sich noch an diesem Dienstag mit dieser Frage und den Testkapazitäten an Schulen beschäftigen. Wenn Abstand halten nicht möglich sei, müsse auch Wechselunterricht in Betracht gezogen werden, sagte der Regierungschef.

Das Kultusministerium ist gegen Wechselunterricht und erklärte, die Vorgaben an die Schulen stünden «im Einklang mit der geltenden Corona-Verordnung. Ein förmlicher Mindestabstand, ein festes Abstandsgebot, für die Klassenstufen 5 und 6 ist dort nicht formuliert. Die Verordnung wurde federführend vom Sozialministerium entworfen und gemeinsam mit dem Staatsministerium am Wochenende innerhalb der Landesregierung mit den Ressorts abgestimmt».

Eisenmanns Sprecherin bekräftigte, es solle «im Rahmen der personellen und räumlichen Ressourcen ein Abstand auch zu und zwischen den Schülerinnen und Schülern gewährleistet werden». Dies könne durch die Nutzung größerer Räume oder die Aufteilung der Klasse auf zwei Unterrichtsräume im Rahmen der verfügbaren personellen Ressourcen erfolgen. «Hier könnten zum Beispiel ergänzend auch Sportlehrkräfte als weitere Aufsichtspersonen eingesetzt werden.» Die Sprecherin sagte zudem: «Wir haben volles Vertrauen, dass die Schulen verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen und auch weiterhin ihre bewährten Hygienekonzepte umsichtig und mit großer Sorgfalt umsetzen.»

Die Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser kritisierte Eisenmann: «Es ist unverständlich, dass die Kultusministerin ein förmliches Abstandsgebot ablehnt. Sollte dies nicht möglich sein, müssen auch der Wechselunterricht oder der Hybridunterricht als Alternative möglich sein.» Die Gesundheit der Kinder und Lehrkräfte stehe an erster Stelle.

Kretschmann sagte zu der Frage, ob gewährleistet sei, dass die Kinder einmal pro Woche getestet werden könnten, es lägen im weiten Umfang Testmöglichkeiten vor. Nun müssten sich das Sozialministerium und das Kultusressort noch verständigen, wer das Testen an den Schulen organisiere. Eisenmann hatte mehrfach gesagt, sie sehe hier das Sozialministerium in der Pflicht. Kretschmann sagte am Dienstag erneut, der Innenminister habe das beispielsweise ja auch selbst für die Polizei organisiert. Nun solle aber der Lenkungskreis eine Lösung finden. Das Sozialministerium solle die Tests beschaffen und verteilen.

Die Lehrergewerkschaft GEW hatte am Dienstagmorgen an Kretschmann appelliert, die Öffnungspläne zu korrigieren. «Wir sind gespannt, ob es sich die Grünen gefallen lassen, dass Eisenmann die öffentlichen Zusagen von Kretschmann nicht einhält», sagte GEW-Landeschefin Monika Stein. Kretschmann habe versprochen, dass Öffnungen nur stattfinden, wenn eine klare Teststrategie vorhanden und gute Sicherheitsmaßnahmen garantiert seien. Dies sei aber nicht der Fall. «Wir brauchen zuerst weiter den Wechselunterricht», forderte Stein.

Das Ministerium reagierte auch auf die GEW-Forderung. «Wir vermissen seit geraumer Zeit, dass die GEW in ihren Stellungnahmen auch die Perspektive der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt und sich für ihre Rechte einsetzt.» Hinzu komme, dass die GEW nicht immer die schulische Realität darstelle: «Viele Schulen sagen uns aber, dass der Wechselunterricht das schlechteste Modell von allen ist.»

Allerdings monierte auch der Philologenverband, dass kein förmliches Abstandsgebot gelte, und plädierte ebenfalls für Wechselunterricht. «Der Schutz von Lehrkräften und Schülern sowie von deren Familien spielt für das Kultusministerium offenbar überhaupt keine Rolle», teilte Landeschef Ralf Scholl mit.

Saar-Bildungsministerin will Schulen wieder komplett öffnen

Die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) strebt nach den Osterferien einen vollständigen Präsenzbetrieb in den Schulen an. Das kündigte sie am Dienstag vor Journalisten an. Voraussetzung dafür sei, dass die Pandemielage entsprechend stabil bleibe beziehungsweise sich positiv entwickele.

Seit Montag seien rund 62 000 Kinder und Jugendliche, also etwa die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler, im Präsenz- beziehungsweise Wechselunterricht. Darunter fallen Grundschulen, 5. und 6. Klassen sowie Abschlussjahrgänge. Die restlichen Jahrgangsstufen sollen ab dem 15. März in den Wechselunterricht einsteigen.

«Kein noch so gut gemachter Distanzunterricht kann dauerhaft den Unterricht in der Schule ersetzen», sagte Streichert-Clivot. Je länger der Zugang zu den Schulen für Kinder und Jugendliche eingeschränkt bleibe, desto größer würden die Probleme und desto schwieriger und teurer die Aufarbeitung.

Schulstart in Hamburg mit Selbst-Schnelltest geplant

Vor dem Wiederhochfahren des Präsenzunterrichts in Hamburg in der kommenden Woche sieht Schulsenator Ties Rabe (SPD) die Schulen in Sachen Corona-Tests gut gerüstet. Er gehe davon aus, «dass wir ab der ersten Woche sicherstellen können, dass alle Schulbeschäftigten zwei Mal pro Woche einen Selbst-Schnelltest an sich durchführen können», sagte er am Dienstag. Auch ein Modell wie in Österreich, wo auch Schüler ein Mal pro Woche einen Schnelltest machen können, halte er für «überzeugend».

Obwohl nun auch über 80-Jährige mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft werden können, rechne er nicht damit, dass es bei der geplanten Impfung der rund 18 000 Beschäftigten in den Hamburger Grundschulen zu nennenswerten Verzögerungen komme, sagte Rabe. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sie noch im Laufe der Woche - «ich denke da an Mittwoch oder Donnerstag» - einen Termin zum Impfen vereinbaren können.

Anders als etwa die Kita-Beschäftigten in Hamburg sind die Grundschulbeschäftigten noch nicht zum Impfen aufgerufen worden, obwohl auch sie in der Priorisierung hochgestuft worden waren.

Erneut sprach sich Rabe gegen die generelle Anschaffung von Luftfilteranlagen für die Klassenräume aus. «Das Lüften ist das Gebot der Stunde» und werde von Experten empfohlen. Allerdings könnten Schulen für Räumen, in denen dies nicht möglich sei, aus vorhandenem Budget technische Lösungen anschaffen.

Rabe verwies erneut auf die Pflicht zum Tragen medizinischer Masken in den Klassenräumen. Während den Lehrkräften - auch an den privaten Schulen - FFP-2-Masken zu Verfügung gestellt würden, sei dies bei den Schülern auch weiterhin nicht geplant.

In Hamburg sollen nach den Frühjahrsferien am kommenden Montag zunächst die Grundschul- und die Abschlussklassen der weiterführenden Schulen im Wechselunterricht in ihre Klassenräume zurückkehren.

Regelunterricht für Hessens Grundschüler nach den Osterferien

Hessens Landesregierung hat die nächsten Corona-Öffnungsschritte für die Schulen im Land beschlossen. Die Grundschüler sollen nach den Osterferien wieder für den eingeschränkten Regelbetrieb in die Klassen zurückkehren, kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag in Wiesbaden an. Für alle Klassen ab Jahrgangsstufe sieben soll dann Wechselunterricht möglich sein.

Noch vor den Osterferien werden in den Klassen ab Jahrgangsstufe sieben zudem Präsenztage eingerichtet. Diese Regelung soll nach Angaben des Kultusministers ab dem 22. März gelten und auf den Wechselunterricht vorbereiten. Dabei ist mindestens ein Präsenztag pro Woche in der Schule vorgesehen.

Wegen der Corona-Pandemie wird derzeit in Hessen nur für die Schüler der Klassen eins bis sechs Wechselunterricht in der Schule angeboten. Die Jahrgangsstufen sieben bis elf lernen im Distanzunterricht. Alle Abschlussjahrgänge haben dagegen bereits wieder Präsenzunterricht in Hessens Schulen.

Im Modell des Wechselunterrichts werden die Schulklassen aufgeteilt: Eine Hälfte wird in der Schule unterrichtet, die andere Hälfte lernt zu Hause. Die Gruppen können tage- oder wochenweise tauschen. Mit diesem Vorgehen können die Kontakte reduziert und Corona-Abstände besser eingehalten werden.

Schulleiterverband: Viele Kinder haben große Lücken nach Lockdown

Die Rückkehr der 4. bis 6. Klassen an die Grundschulen ist aus Sicht des Interessenverbands Berliner Schulleitungen (IBS) kein organisatorisches Problem. Allerdings zeige sich, dass es bei vielen Kindern nach wochenlangem Homeschooling große Lücken gebe, sagte die IBS-Vorsitzende Astrid-Sabine Busse der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Die meisten Kinder seien aber zum Unterricht erschienen. «Es sind einzelne, die nicht kommen. Ich bin selbst eben in einer 5. Klasse im Unterricht gewesen, da waren alle da», so die Leiterin einer Grundschule in Neukölln.

Auch mit den Schnelltests für Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher gehe es voran: «Wir testen seit zwei Wochen. Die Kollegen müssen sich bis zu einem Tag vorher online anmelden, und wir haben bisher gut 200 Tests durchgeführt», sagte Busse. Für die gut 90 Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher an der Neuköllner Grundschule gibt es zweimal in der Woche die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Vorbereitungen auf den Einsatz von Selbsttests für Schülerinnen und Schüler gebe es an ihrer Schule dagegen noch nicht. «Wer weiß, wann es die gibt», sagte Busse.

Ab Dienstag sind die Berliner Schulen wieder für die gesamten 1. bis 6. Klassen geöffnet, zuvor zunächst nur für Klasse 1 bis 3. Allerdings gibt es Unterricht in geteilten Lerngruppen und im Wechsel in der Schule und etwa mit Hilfe des Laptops zu Hause. Außerdem gilt keine Präsenzpflicht. Eltern können entscheiden, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken.

Berliner Elternvertreter sehen vor allem Schwierigkeiten beim Digitalunterricht von Schulkindern zu Hause. «Was Schulen können, ist Präsenzunterricht. Da wird es wenig Probleme geben», sagte der Landeselternausschuss-Vorsitzende Norman Heise. «Lehrer können nur eins: Sie können entweder in Präsenz unterrichten oder den Distanzunterricht begleiten, beides geht nicht», sagte Heise. «Das hat dann natürlich Nachteile für die Kinder, die zu Hause bleiben.»

Die momentan meistgestellte Frage von Eltern sei, wie es mit den 7. bis 9. Klassen weitergehe, sagte Heise. Für sie hat die Bildungsverwaltung noch kein Datum genannt, wann sie grundsätzlich wieder in die Schulen dürfen und Wechselunterricht bekommen. Viele Eltern wünschten sich, dass das noch vor Ostern passiere. Schwierig werde das, wenn Schulen nicht die nötige technische Ausstattung hätten, Videounterricht anbieten zu können, so der Elternsprecher.

GEW fordert Wechsel- statt Präsenzunterricht in 5. und 6. Klassen

Die Lehrergewerkschaft GEW hält den vom Kultusministerium geplanten Präsenzunterricht für die Klassen 5 und 6 ab kommenden Montag unter den jetzigen Bedingungen für nicht zu verantworten. GEW-Landeschefin Monika Stein erklärte am Dienstag, sie erwarte, dass die grün-schwarze Regierung bei ihrer heutigen Sitzung die Pläne von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) korrigiere. «Wir sind gespannt, ob es sich die Grünen gefallen lassen, dass Eisenmann die öffentlichen Zusagen von Kretschmann nicht einhält.» Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) habe versprochen, dass Öffnungen nur stattfinden, wenn eine klare Teststrategie vorhanden und gute Sicherheitsmaßnahmen garantiert seien. Dies sei aber nicht der Fall. «Wir brauchen zuerst weiter den Wechselunterricht», forderte Stein.

Die Gewerkschaftschefin monierte, Eisenmann habe keine landesweiten Regeln vorgegeben und nicht für kommunale Teststrategien gesorgt. Stattdessen schiebe sie die Umsetzung erneut den Schulleitungen zu. «Wenn Kretschmann dies zulässt, werden in sechs Tagen in den Schulen ganze Klassen stundenlang ohne Schutz in vollen Klassenzimmern sitzen und dadurch derzeit unkalkulierbaren Gefahren ausgesetzt. Ganze Grundschulen zu öffnen und die Klassen 5 und 6 ohne Abstand im Klassenzimmer, das funktioniert nicht», sagte Stein. Wenn Eisenmann in den letzten Wahlkampftagen die wieder steigenden Infektionszahlen und die Gefahr durch Virusmutationen ignoriere, müsse wenigstens Kretschmann für möglichst sichere Lernbedingungen sorgen.

Viert- bis Sechstklässler kommen zurück in die Schulen

In den Grundschulen wird es deutlich voller. Sie öffnen wieder für alle Klassen. Die Rückkehr zur Normalität ist das allerdings noch nicht.

Die Viert- bis Sechstklässler sind in Berlin ab Dienstag wieder zurück in der Schule. Die Regelung gilt nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung auch für die 5. und 6. Klassen an Gymnasien. Schon seit dem 22. Februar sind die ersten bis dritten Klassen wieder zurück. Allerdings gelten Pandemiebedingungen. Dazu gehören verkleinerte Lerngruppen und der Wechsel zwischen Unterricht in der Schule mit Maskenpflicht und online zu Hause.

Die schrittweise Öffnung der Schulen geht damit aber weiter. Andere Länder wie Brandenburg hatten die Grundschulen gleich im Februar für alle Klassen geöffnet. In Berlin ist geplant, dass auch die Jahrgänge 10 bis 13 vom 17. März an Wechselunterricht bekommen sollen. Wie es für die 7. bis 9. Klassen weitergeht, ist noch offen. Präsenzpflicht gilt weiterhin nicht. Das heißt, Eltern, die ihre Kinder zum Beispiel aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht in die Schule schicken möchten, müssen das nicht.

Lehrkräfte und anderes Schulpersonal in Berlin sollen zweimal in der Woche Corona-Schnelltests nutzen können, die kostenlos zur Verfügung gestellt werden. «Es gibt ausreichend Schnelltests an Schulen», teilte ein Sprecher der Bildungsverwaltung mit. Und es habe inzwischen entsprechende Schulungen für einen Teil der Lehrkräfte gegeben, damit diese Kollegen testen könnten.

Die Berliner Kitas sollen von Dienstag nächster Woche an wieder für alle Kinder offenstehen. Dabei soll es für alle Kinder ein «Betreuungsangebot» von mindestens sieben Stunden pro Tag geben.

08.03.2021

Kultusministerium: Kein förmliches Abstandsgebot für Klassen 5 und 6

Auf Abstand, wenn möglich: Eisenmann präzisiert nach Protesten von Opposition und Lehrerverbänden die Regeln für die Rückkehr der Fünft- und Sechstklässler. Nun müssen die Schulen sehen, wie sie das umsetzen.

Bei der Wiedereröffnung der Schulen mit den Klassen 5 und 6 nach dem wochenlangen Corona-Lockdown müssen die Schülerinnen und Schüler nun doch nicht unbedingt den Abstand von eineinhalb Meter einhalten. Das hat das Kultusministerium am Montag in Stuttgart auf Anfrage klargestellt. «Wie bereits bislang im Präsenzunterricht bei den Abschlussklassen wird ab dem 15. März auch für die Klassenstufen 5 und 6 kein förmliches Abstandsgebot gelten», teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Allerdings solle «im Rahmen der personellen und räumlichen Ressourcen ein Abstand auch zu und zwischen den Schülerinnen und Schülern gewährleistet werden».

Zuletzt hatten Opposition und Lehrerverbände kritisiert, es sei unklar, wie die Schulen den Präsenzunterricht ganzer Klassen mit Abstandsgebot bewerkstelligen sollen. Grund für die Kritik war vor allem ein Brief von Eisenmann an die Schulen vom vergangenen Freitag, in dem zum Start der Unterstufe stand: «Wichtig ist dabei, dass Abstands- und Hygieneregeln sowie die Pflicht zum Tragen einer nicht-medizinischen Alltagsmaske oder einer vergleichbaren Mund-Nasen-Bedeckung auf den Begegnungsflächen und im Unterricht beachtet werden.»

Ein Sprecher von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verwies am Montag darauf, dass sich der Regierungschef und Eisenmann auf eine Soll-Bestimmung geeinigt hätten. In der Pressemitteilung der beiden vom vergangenen Donnerstag hieß es: «Die Klassen 5 und 6 kehren ebenfalls in den Präsenzunterricht zurück. Alle Schülerinnen und Schüler kommen ins Schulgebäude und sollen unter Berücksichtigung der AHA-Regeln unterrichtet werden.»

Die Sprecherin von Eisenmann erklärte am Montag, der Abstand könne eingehalten werden, indem die Schulen größere Räume nutzen oder die Klasse auf zwei Unterrichtsräume aufteilen, wenn das personell machbar ist. «Hier könnten zum Beispiel ergänzend auch Sportlehrkräfte als weitere Aufsichtspersonen eingesetzt werden.»

Für das Kultusministerium sei es von großer Bedeutung, «die bisher ineffektive Aufteilung der Ressourcen auf Präsenzunterricht, Fernunterricht und die Notbetreuung für die Klassenstufen 5 und 6 ebenso wie für die Grundschulen zu überwinden». Das grundsätzliche Ziel sei, den stundenplanmäßigen Unterricht ungeschmälert in Präsenz anzubieten. «Sofern dies aufgrund der begrenzten Ressourcen nicht möglich ist, soll dennoch der Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie in den Fremdsprachen vollständig angeboten werden», erläuterte die Sprecherin.

Wechselunterricht für Schüler ab Klasse 7 im Norden

Weitere Schüler kehren in Schleswig-Holsteins Schulen zurück. Noch unklar ist, wie es in vier Kreisen und in Flensburg ab dem 15. März weitergeht. Für Schüler gibt es außerdem bald Corona-Selbsttests.

In immer mehr Klassenzimmern in Schleswig-Holstein findet wieder Schulunterricht statt. Vom kommenden Montag an können Kinder und Jugendliche ab 7. Klasse in zehn Kreisen und kreisfreien Städten zum Wechselunterricht in die Schulen gehen. «Die Schulen im Land füllen sich mit Leben», sagte Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Montag.

Wechselunterricht ab Klasse 7 ist vom 15. März an in Lübeck, Kiel, Neumünster sowie in den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Ostholstein, Plön, Pinneberg, Nordfriesland, Steinburg und Dithmarschen geplant. Für die Abschlussklassen gibt es weiter Präsenzangebote. Ab der kommenden Woche wechseln zudem die Schüler der Stufen 1 bis 6 auch im Kreis Pinneberg und in Lübeck vom Wechsel- in den Präsenzunterricht.

«Damit beginnt kontinuierlich für immer mehr Schülerinnen und Schüler an den allgemeinbildenden Schulen wieder ein Stück Alltag», sagte Prien. Sie sähen nicht nur ihre Mitschüler wieder, sondern erhielten von den Lehrern direktes Feedback. «Das haben alle in den vergangenen Wochen vermisst.»

Noch nicht eindeutig ist die Entwicklung des Infektionsgeschehens laut Ministerium in Flensburg sowie den Kreisen Schleswig-Flensburg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Für diese Regionen soll am Mittwoch entschieden werden, wie es in der kommenden Woche an den Schulen weitergeht.

«Wenn in Flensburg weiterhin die Zahlen sinken, ist ab dem kommenden Montag erstmals Wechselunterricht an den Grundschulen möglich», sagte Prien. In Schleswig-Flensburg und Herzogtum Lauenburg könnte es einen Wechsel in den Präsenzunterricht für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 und Wechselunterricht ab Stufe 7 geben. «In den Kreisen Segeberg und Stormarn sehen wir im Moment steigende Infektionszahlen», sagte Prien. «Das kann bedeuten, dass die Schulen in den Wechselunterricht gehen müssen und weitere Öffnungsschritte an den weiterführenden Schulen zunächst verschoben werden müssen.»

Mit mehr Corona-Tests will die Landesregierung größeren Ausbrüchen entgegenwirken. Sie hat mehr als 1,2 Millionen Corona-Selbsttests bestellt. Ein größerer Teil davon werde für die Schüler zur Verfügung stehen, sagte Prien. Frühestens ab der kommenden Woche soll es an den Schulen erste Angebote für Selbsttests geben. Sie richten sich zunächst vor allem an die Abschluss-Jahrgänge und an ältere Schüler.

«Das Testangebot für die Lehrkräfte läuft jetzt schon seit zwei Wochen und wird gut angenommen», sagte Prien. In der vergangenen Woche habe es in Kiel 14 positive Corona-Selbsttests von Lehrern gegeben, die sich bei PCR-Tests jedoch nicht bestätigten. «Wir werden in Zukunft öfter von falschen Corona-Fällen hören.»

Prien forderte ein groß angelegtes Nachhilfeprogramm in der Schule durch private Anbieter, Studenten oder ehemalige Lehrer. «Was wir in Deutschland dringend brauchen, ist eine Lernmilliarde», sagte sie. «Wir müssen uns klarmachen, dass eines der Kinder, dem wir mit diesem Programm wieder auf die Sprünge helfen, den Impfstoff für die nächste weltweite Pandemie entwickeln kann.»

Außerdem wechseln zum 15. März die Kitas in weiteren Kreisen in den Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen.

Schulen haben Corona-Pandemie aus Sicht von Minister gut gemeistert

Die Schulen haben die Corona-Pandemie nach Überzeugung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bislang gut gemeistert. Dabei hätten sich die getroffenen Hygienemaßnahmen einschließlich des regelmäßigen Lüftens trotz Kritik als erfolgreich erwiesen, sagte Tonne am Montag im Corona-Sonderausschuss des Landtags in Hannover. Zwar seien auch in Schulen Corona-Infektionen hereingetragen worden, bis heute habe es aber in den Klassen selbst keine großen Ausbrüche gegeben. «Das hat erfreulicherweise bisher nicht stattgefunden.» Ein Nebeneffekt der Maßnahmen sei, dass in Herbst und Winter meist auftretende Grippe- und Erkältungswellen in den Schulen ausgeblieben seien.

Tonne betonte, dass die Schulen im Zuge des Lockdowns nicht geschlossen worden seien, weil dort massenhafte Infektionen befürchtet wurden. Vielmehr sei es darum gegangen, die Mobilität und die Infektionsgefahr insgesamt zur reduzieren.

Die Schulen in Niedersachsen weiten ihren Betrieb vom 15. März an wieder aus: Dann beenden die Klassen 5 bis 7 sowie der 12. Jahrgang das Homeschooling. Sie kehren im Wechselmodell in den Präsenzunterricht zurück. Eine Woche später, vom 22. März an, sollen dann alle Schulen und Jahrgänge in den Wechselunterricht zurückkehren. Für Grundschüler und Abschlussklassen gilt ab Montag wieder die Präsenzpflicht.

Kita-Personal und Beschäftigte an Grund- und Förderschulen in Niedersachsen können unterdessen ab sofort gegen das Coronavirus geimpft werden. Ein entsprechender Erlass ging am Wochenende an die Impfzentren. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte am Montag rasch Impfangebote für die Beschäftigten aller Schulformen.

An den Schulen läuft außerdem ein Pilotprojekt, um noch vor den Osterferien Personal und Schüler jeweils einmal wöchentlich mit einem Schnelltest auf das Coronavirus testen zu können.

Schulkinder in Bayern sollen pädagogisches Ferienprogramm bekommen

(dpa/lby)Die Schülerinnen und Schüler in Bayern sollen Angebote für Ferienprogramme bekommen, um bei Spiel und Spaß versäumte Lerninhalte nachzuholen. Das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag nach einer Kinder- und Jugendkonferenz in München an. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sprach von einem «freizeitpädagogischen Ferienprogramm». «Wir wollen nicht, dass dieser Jahrgang ein Corona-Jahrgang allein ist», sagte Söder. Es müsse Bildungsqualität und Bildungsgerechtigkeit hergestellt werden, sagte der Ministerpräsident.

Wieder mehr Unterricht in Klassenräumen - und mehr Kontakte

Seit Montag gelten im Saarland leichte Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Es gehen wieder mehr Schüler in die Schulen. Und privat sind wieder mehr Kontakte möglich.

Drei Wochen nach den Grundschulen sind auch weiterführende Schulen im Saarland mit ersten Jahrgangsstufen in den Wechselunterricht gestartet. Seit Montag heißt es für rund 15 000 Schüler der fünften und der sechsten Klassen: Zumindest zeitweise gibt es wieder Unterricht vor Ort in der Schule. Der Start in den Wechselbetrieb an Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und Förderschulen sei gut verlaufen, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums am Montag in Saarbrücken.

Zudem haben seit Montag knapp 4000 Schüler des Abiturjahrgangs 2022 weitgehend Präsenzunterricht. An den beruflichen Schulen werden laut Ministerium wieder rund 5000 von insgesamt 28 000 Schülern im Klassenraum unterrichtet. Die Grundschulen mit rund 31 500 Kindern waren bereits am 22. Februar in den Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Lernen von zu Hause aus gegangen.

Ab dem 15. März sollen dann die restlichen Jahrgangsstufen folgen, wie das Ministerium mitteilte. «Dass jetzt schrittweise alle wieder in ihre Schulen zurückkehren, ist für die Kinder und Jugendlichen – aber auch die Familien – sehr wichtig», sagte Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot (SPD).

Seit Montag gelten im Saarland zudem weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen: Privat dürfen sich wieder bis zu fünf Personen aus bis zu drei Haushalten treffen, sofern zwei der Haushalte in einer familiären Beziehung zueinander stehen. Kinder bis 14 Jahre werden nicht eingerechnet. Zudem dürfen Buchhandlungen und Blumenläden wieder öffnen. Im Einzelhandel ist Shopping mit Termin erlaubt, pro 40 Quadratmeter darf ein Kunde ins Geschäft.

Museen im Saarland dürfen laut der neuen Corona-Verordnung seit Montag ebenfalls mit Terminbuchung besucht werden. Das Ministerium und die Betreiber hatten sich aber darauf verständigt, am 19. März gemeinsam zu öffnen. «Das Datum wurde von allen Beteiligten gewählt, da für den Neustart in Zeiten der Pandemie besondere personelle wie auch technische Voraussetzungen zu erfüllen sind», teilte Streichert-Clivot mit.

GEW: Schulöffnung funktioniert - Dringend Test und Impfung für alle

In Mansfeld-Südharz gibt es wieder täglichen Unterricht für alle, im Burgenlandkreis weiter Notbetrieb und in allen anderen Kreisen das Wechselmodell als Zwischenstufe. Wie fühlen sich die Lehrerinnen und Lehrer mit der Rückkehr zum Präsenzbetrieb?

Eine Woche nach der Öffnung der Schulen für alle Jahrgänge hat die Lehrergewerkschaft GEW ein positives Zwischenfazit gezogen. Der Wiedereinstieg habe gut funktioniert, sagte GEW-Landeschefin Eva Gerth. «Das Wechselmodell ist erprobt und der Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern ist viel besser da.» Es komme jetzt darauf an, dass es ausreichend Nachschub bei den Corona-Schnelltests für das Schulpersonal gebe sowie zeitnah Selbsttests für Schülerinnen und Schüler. Zudem dringt die GEW weiter darauf, dass alle Lehrerinnen und Lehrer unabhängig von der Schulform bevorzugt gegen das Coronavirus geimpft werden. «Wer die Schulen öffnen will, muss das Personal schützen.»

In Sachsen-Anhalt sind die Schulen - mit Ausnahme des Burgenlandkreises - seit 1. März wieder geöffnet. Kinder an Grundschulen bekommen täglichen Unterricht in festen Klassen und mit fest zugeteilter Lehrerin. Die Präsenzpflicht ist ausgesetzt. Nach Angaben des Bildungsministeriums schickten aber fast alle Familien ihre Kinder wieder in die Schule. Ältere Jahrgänge werden geteilt und lernen abwechselnd zuhause und im Klassenzimmer.

Die Entscheidung des Landes, in Mansfeld-Südharz jetzt wieder regulären täglichen Präsenzunterricht für alle Klassenstufen anzubieten, weil es dort stabil weniger als 50 Corona-Fälle je 100 000 Einwohnern und Woche gibt, bezeichnet Gerth als verfrüht. «Uns wäre es lieber gewesen, wenn wir bis 35 gewartet hätten.»

Entscheidend sei, dass es ausreichend Nachschub bei den Schnelltests für das Schulpersonal gebe - und bald eine Lösung für Selbsttests bei Schülerinnen und Schülern, sagte Gerth. Darauf dringen unter anderem auch die mitregierenden Grünen sowie Vertreter des Landesschülerrats. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hatte erst vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, dass dem Land noch keine Selbsttests angeboten worden seien, die für Kinder gut geeignet gewesen wären. «Wenn es geeignete Tests gibt für Kleinkinder und die Unter-16-Jährigen, dann werden wir die beschaffen.»

Eine Änderung einer entsprechenden Bundesverordnung erlaubt seit fast zwei Wochen, dass Erzieherinnen und Erzieher an Kitas und Horten sowie Lehrerinnen und Lehrer an Grund- und Förderschulen bevorzugt geimpft werden. Bundesländer wie Baden-Württemberg nutzen die Regionalisierungsklausel, um wegen der Öffnung der Schulen landesweit allen Lehrkräften eine Corona-Impfung anzubieten. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) und Lehrervertreter fordern, diesem Beispiel zu folgen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Gesundheitsministerin Grimm-Benne lehnten das bisher gänzlich ab und wollten sich streng an die Bundesimpfordnung halten.

Vorige Woche ermöglichte die Landesregierung dann, dass zumindest die Lehrkräfte im besonders belasteten Burgenlandkreis unabhängig von der Schulform gegen das Coronavirus geimpft werden können. Gut 750 Frauen und Männer nutzten laut Landratsamt am Wochenende diese Möglichkeit. Der Kreis ist die einzige Region in Sachsen-Anhalt, wo Schulen und Kitas wegen der hohen Corona-Belastung noch im Notbetrieb sind.

Die Impfungen seien ein Lichtblick für die Lehrkräfte und könnten auch die Personalsituation entlasten, sagte GEW-Landeschefin Gerth. «Die Kolleginnen und Kollegen, die zur Risikogruppe gehören, machen jetzt noch Fernunterricht.» Sie könnten wieder Stunden im Präsenzbetrieb erteilen, wenn sie geimpft seien. Die bisherigen Impfaktionen zeigten, dass die Möglichkeit gut angenommen werde, sagte Gerth. Als Beispiel nannte sie einen Schwerpunkttag im Jerichower Land, bei dem sich laut Landkreis ein Großteil der Personals an Grund- und Förderschulen impfen ließ.

Fünft- und Sechstklässler wieder zur Schule - neue Öffnungsschritte

Alle Vorschulkinder dürfen wieder in die Kita. An den weiterführenden Schulen geht es in dieser und der nächsten Woche mit dem Wechselunterricht los. Buchläden können Kunden begrüßen, Museen wieder Besucher.

Die zweite Märzwoche in Rheinland-Pfalz beginnt mit behutsamen Schritten zur Aufhebung von coronabedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Nach den Grundschulen starten auch die fünften und sechsten Klassen der weiterführenden Schulen in den Wechselunterricht.

In den fünften und sechsten Klassen werden rund 71 000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, unter ihnen etwa 30 000 an Gymnasien. An den Grundschulen lernen seit dem 22. Februar bereits 148 000 Kinder in der Primarstufe im Wechselunterricht mit dem Fernunterricht daheim. Die Präsenzpflicht an allen Schulen wurde wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen am 16. Dezember aufgehoben.

Alle anderen Klassen sollen dann zum 15. März in den Wechselunterricht übergehen - sofern es das weitere Infektionsgeschehen zulässt. Die Osterferien beginnen am 27. März. Ausnahmen vom Wechselunterricht soll es geben, wenn die Inzidenz - die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen - über 100 steigt.

Auch in den Kindertagesstätten gibt es ab Montag wieder mehr Leben: Nach drei Monaten mit eingeschränkter Kita-Betreuung sind alle Vorschulkinder zum Kita-Besuch eingeladen. Auch Kinder, «für die die bestehende Situation besonders belastend ist», können jetzt wieder verstärkt in ihre Kita kommen. Am 15. März sollen die Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz dann wieder den Regelbetrieb aufnehmen. Bis dahin bleibt es beim Appell, Kinder nur bei dringendem Betreuungsbedarf in die Kita zu schicken.

Ab diesem Montag darf auch der Einzelhandel in weiten Teilen des Landes unter Auflagen wieder öffnen. In Geschäften bis 800 Quadratmeter gilt dabei eine Beschränkung von einem Kunden auf zehn Quadratmetern. In Landkreisen mit einer Inzidenz von mehr als 100 bleiben die Geschäfte weiter geschlossen. Auch Museen, Gedenkstätten und Galerien können unter Auflagen wieder öffnen. Körpernahe Dienstleistungen sind ebenfalls wieder möglich. Kosmetik, Rasur und andere Angebote, bei denen keine Maske getragen werden kann, darf es nur geben, wenn ein tagesaktueller negativer Test vorgelegt wird. Dazu wird es ab Montag erste Schnelltestzentren geben. Die Infrastruktur für Schnelltests soll dann schrittweise bis Anfang April für alle Menschen in Rheinland-Pfalz ausgebaut werden.

Auch die Kontaktbeschränkungen sind nun etwas gelockert: Zugelassen sind Treffen von Menschen aus zwei Hausständen mit maximal fünf Personen. Kinder bis 14 Jahren werden dabei nicht mitgerechnet.

Weitere Tausende Schüler starten mit Wechselunterricht

Rund 15 000 Schüler der fünften und der sechsten Klassen im Saarland gehen ab diesem Montag auch wieder zeitweise in die Schule. Für sie startet ein Wechselbetrieb zwischen Unterricht im Klassenraum und Lernen von zuhause. Knapp 4000 Schüler des Abiturjahrgangs 2022 haben ab Montag Präsenzunterricht. An den beruflichen Schulen bekommen laut Bildungsministerium wieder rund 5000 von insgesamt 28 000 Schülern Unterricht vor Ort im Klassenraum.

Die Grundschulen mit rund 31 500 Kindern waren bereits am 22. Februar in den Wechselunterricht gestartet. Ab dem 15. März sollen dann die restlichen Jahrgangsstufen folgen, wie das Ministerium in Saarbrücken mitteilte.

Zudem stehen ab Montag leichte Lockerungen des Lockdowns an: Buchhandlungen und Blumenläden machen wieder auf, Zoos können künftig mit Terminbuchungen besucht werden. Zudem wird ein Termin-Shopping im Einzelhandel mit einem Kunden pro 40 Quadratmetern erlaubt. Bei privaten Treffen dürfen wieder zwei Hausstände zusammenkommen - mit maximal fünf Personen plus Kindern bis 14 Jahren. Zuvor waren Zusammenkünfte auf einen Hausstand und eine nicht in diesem Haushalt lebende Person beschränkt.

07.03.2021

Thüringen weiter Corona-Hotspot - Einige Schulen schließen

In einigen Thüringer Regionen ist die Dynamik beim Infektionsgeschehen ungebrochen. Statt Lockerungen gibt es wieder Schließungen. Discounter verkaufen jetzt Schnelltests.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern verschärft sich die Corona-Infektionslage in Thüringen weiter. Die Zahl der neuen Fälle je 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage lag am Sonntag bei einem Wert von 132 nach 128 am Samstag. Das geht aus Angaben des Gesundheitsministeriums hervor, das sich auf Daten des Robert Koch-Instituts stützte. Thüringen bleibt damit das am stärksten von der Pandemie betroffene Bundesland mit einer Inzidenz doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Verordnet wurden einzelne Schulschließungen wegen diffusen Infektionsgeschehens - darunter des Staatlichen Gymnasiums Neuhaus am Rennweg für eine Woche. In Meiningen wurde die Notbetreuung der Grundschule «Ludwig Chronegk» bis 19. März geschlossen.

Wie in anderen Bundesländern boten am Samstag auch in Thüringen erste Discounter Corona-Schnelltests zum Kauf an. Kostenlose Schnelltests sind laut Apothekerverband wegen einer noch nicht abgeschlossenen Vereinbarung noch nicht in Apotheken möglich.

Nach den Angaben der Landesregierung gab es innerhalb von sieben Tagen 2815 Neuinfektionen, innerhalb von 24 Stunden waren es 428. Bei den Daten am Wochenende ist zu berücksichtigen, dass möglicherweise nicht alle Gesundheitsämter Zahlen übermittelt haben. Frühestens bei einem Schwellenwert unter 100 sind nach den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern Öffnungsschritte möglich.

Am Sonntag lagen vier Kreise in Thüringen bei einer Sieben-Tage-Inzidenz über 200. Besonders stark war das Infektionsgeschehen danach in den Kreisen Greiz, Hildburghausen, dem Wartburgkreis sowie dem Saale-Orla-Kreis. Vergleichbare oder höhere Werte hatten danach nur einzelne Landkreise in Bayern und Sachsen.

Thüringens Apothekerverband teilte mit, die Apotheken im Freistaat seien bisher vom öffentlichen Gesundheitsdienst noch nicht beauftragt, Corona-Schnelltests vorzunehmen. Das Bundesgesundheitsministerium arbeitet noch an der nötigen Verordnung. Der Verband geht jedoch davon aus, dass nur eine überschaubare Anzahl der Thüringer Apotheken die kostenlosen Schnelltests anbieten wird.

Viel Zuspruch gibt es unterdessen beim kostenlosen Schnelltest-Angebot des Kreises Schmalkalden-Meiningen. Innerhalb von zwei Wochen hätten sich etwa 4600 Menschen testen lassen. Bei 38 von ihnen habe der Antigen-Schnelltest ein positives Ergebnis gezeigt. Zunehmend werde eine familiäre Häufung von Corona-Infektionen beobachtet, hieß es.

Verschärfte Quarantäneregeln in Offenbacher Schulen und Kitas

Wegen der Ausbreitung der Coronavirus-Varianten hat die Stadt Offenbach ihre Quarantäne- und Teststrategie für Kindertagesstätten und Schulen geändert. Das teilte die Stadt am Sonntag mit. «Wir begrüßen es sehr, dass die Kinder wieder in die Schule und die Kita können», sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). «Gleichzeitig wissen wir, dass sich die britische Virusvariante gerade in Offenbach ausbreitet.»

Wird bei einem Kind eine Infektion nachgewiesen, werden es und seine engen Kontaktpersonen für 14 Tage unter Quarantäne gestellt, teilte die Stadt mit. Die Betreuungsgruppe des Kindes, sowie nach Rücksprache auch die Lehrer und Erzieher müssen für neun Tage in Quarantäne. Zudem wird ein sogenannter Varianten-PCR-Test angefordert, der zeigen soll, ob das Kind eine der neueren Varianten des Virus in sich trägt. Ist dies der Fall, wird die Quarantäne für das Kind und die engen Kontaktpersonen auf 21 Tage verlängert. Die neue Test- und Quarantänestrategie gilt den Angaben zufolge seit dem Start des Wechselunterrichts an Schulen und der Wiederaufnahme des Kita-Betriebs im Februar.

«Durch die Ausweitung der Quarantäne auf einen größeren Kontaktpersonen-Kreis und die zeitliche Festlegung ist es möglich, dass weitere Übertragungen in Klassen und Gruppen festgestellt und gleichzeitig die Inkubationszeiten erfasst werden können», teilte Gesundheitsdezernentin Sabine Groß mit. Die Stadt will am 16. März in einer Sitzung Bilanz über die neuen Regeln ziehen.

Söder stellt «Oster-Urlaub oder Oster-Lockdown» in Aussicht

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef hat Kritik aus dem CSU-Bezirksvorstand Niederbayern an der andauernden Schließung weiter Teile des Einzelhandels und der Gastronomie zurückgewiesen. Deren Hygienekonzepte «funktionieren nur bei niedriger Inzidenz», sagte Söder am Samstag bei einer Bezirksvorstandssitzung. Es gelte die Entwicklung abzuwarten: «In den nächsten zwei Wochen entscheidet sich, ob wir Oster-Urlaub oder Oster-Lockdown haben werden», sagte Söder.

Der Ministerpräsident versprach, zusätzlichen Impfstoff für Ostbayern zur Verfügung zu stellen. CSU-Bezirkschef Andreas Scheuer forderte: «Ostbayern muss wegen seiner Lage an der Grenze zu Tschechien zum Sonderkorridor werden.» Die von der Staatsregierung zugesagten 50 000 zusätzlichen Impfdosen für die Grenzregion zu Tschechien seien ein erster Schritt, aber weitere Zusatzlieferungen seien notwendig. «Zusätzlich brauchen wir eine Flexibilität bei der Frage, wen wir damit impfen dürfen», sagte der Bundesverkehrsminister. Söder sagte, er würde diese Entscheidung gerne den Landräten überlassen.

Der niederbayerische Landrätesprecher, Freyung-Grafenaus Landrat Sebastian Gruber, sagte, nachdem die Bewohner der Altenheime geimpft seien, verlagerten sich die Infektionsherde auf den privaten Bereich und den Arbeitsplatz. «Nur wenn wir in diesen Bereichen das Infektionsgeschehen in den Griff bekommen, dann wird es nicht auf die zweite und dritte Landkreisreihe und das übrige Bayern überschwappen.»

Wegen der Infektionen aus Tschechien gebe es in Ostbayern keine Lockerungen, «zum Nachteil der Schulen, des Handels, der Gastronomie und Hotellerie», sagte Gruber. Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich warnte vor den Langzeitfolgen der Schulschließungen. Landkreistagspräsident Christian Bernreiter verwies auf die gestiegenen Anforderungen an die Jugend- und Familien-Beratungseinrichtungen.

Karliczek: «Nachholprogramm» für Schulen von Bund und Ländern

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) fordert eine «nationale Kraftanstrengung», um dauerhafte Folgen der langen Schulschließungen abzuwenden. Sie sagte der «Bild am Sonntag», Bund und Länder sollten dafür ein «wirklich großes Nachholprogramm» auflegen. «Daran arbeiten wir gerade und ich hoffe, dass das Programm auch finanziell von allen Seiten sehr gut ausgestattet wird.» Das Jahr 2021 und auch 2022 müssten Aufholjahre sein, so die Ministerin.

Karliczek sieht Parallelen zwischen dem Pisa-Schock vor 20 Jahren und der Überforderung des Bildungssystems in der Corona-Pandemie. «Die Pandemie hat viele Defizite unseres Bildungssystems offengelegt - so wie zuletzt das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der Pisa-Studie im Jahr 2001», sagte sie. Der Pisa-Schock habe damals zu einem Umdenken geführt. «Und jetzt gibt es ein Corona-Erwachen. Ich beobachte, dass an den Schulen sehr viel in Bewegung geraten ist. Diesen neuen Spirit müssen wir erhalten und die digitale Schule energisch vorantreiben.»

06.03.2021

Großteil der Grundschulkinder lernt nach Schulöffnung in Präsenz

Die meisten Familien in Sachsen-Anhalt haben die Öffnung der Schulen genutzt und ihre Kinder wieder in den Präsenzunterricht geschickt. Nur die Eltern von rund 1230 Grundschülerinnen und Grundschülern nutzten die ausgesetzte Präsenzpflicht, wie das Bildungsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Das entspricht 2,2 Prozent aller Grundschulkinder mit täglichem Präsenzunterricht. Zudem blieben 680 Förderschülerinnen und Förderschüler zuhause, ein Anteil von 8,5 Prozent.

Nach vielen Wochen der Schulschließungen gebe es ein hohes Interesse am Schulbesuch, sagte Bildungsstaatssekretärin Eva Feußner mit Blick auf die Zahlen. «Gleichzeitig bleibt die Möglichkeit, sich vom Präsenzunterricht befreien zu lassen, ein wichtiges Element in Pandemiezeiten.»

In Sachsen-Anhalt waren die Schulen seit Mitte Dezember geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Seither hat sich die Lage entspannt, Sachsen-Anhalt gehört aber weiterhin zu den am stärksten betroffenen Bundesländern.

Seit Monatsanfang gibt es wieder Präsenzunterricht für alle Jahrgänge, die Grund- und Förderschüler lernen täglich in festen Klassen und mit fest zugeteilten Lehrerinnen und Lehrern. Die Präsenzpflicht wurde aufgehoben. Eltern müssen ein Mal in der Woche selbst entscheiden, ob sie ihr Kind in die Schule schicken wollen. Ältere Jahrgänge werden geteilt und lernen abwechselnd zuhause und im Klassenzimmer. Ausnahme ist der Burgenlandkreis, der am stärksten vom Infektionsgeschehen belastet ist. Dort gilt bis Mitte März weiter Notbetrieb.

Minister: Erst nach Ostern umfassende Schnelltests an Schulen

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) rechnet damit, dass es erst nach Ostern flächendeckend Schnelltests an Schulen geben wird. «Bei der Beschaffung dieser Schnelltests müssen noch verschiedene Details geklärt werden», sagte er in der «taz am Wochenende» (Samstagsausgabe). Zum einen sei noch nicht klar, welche Rolle der Bund bei der Bestellung spiele. Zum anderen müsse das Land Thüringen eine eigene Teststrategie definieren.

Zudem müsse geprüft werden, mit welchen Produkten sich auch jüngere Schulkinder problemlos selber testen können - oder ob man die Testungen lieber unter schulischer Aufsicht lasse. Die Selbsttests soll es bald etwa in Supermärkten und Drogerien zu kaufen geben. Holter empfiehlt, dass Schülerinnen und Schüler die Tests dennoch nur unter Aufsicht durchführen: «Das erscheint mir zuverlässiger», sagte er der Zeitung.

Bund und Länder hatten sich am Mittwoch darauf verständigt, Schülerinnen und Schülern pro Präsenzwoche einen freiwilligen Schnelltests zur Verfügung zu stellen. «Flächendeckende Schnelltests sind jetzt sehr wichtig, dass wir wieder runter kommen von den hohen Inzidenzwerten», sagte Holter.

05.03.2021

Hessen plant bis zu Osterferien keine weiteren Lockerungen an Schulen

Hessen plant ungeachtet eines Appells der Präsidentin der Kultusministerkonferenz bis zu den Osterferien keine weiteren Öffnungs- oder Lockerungsschritte in den Schulen. Das teilte ein Sprecher des Kultusministeriums am Freitag in Wiesbaden mit. Die Osterferien dauern in Hessen vom 6. bis 16. April.

Dieses Vorgehen in der Corona-Pandemie entspreche dem Wunsch der Schulen, erklärte der Ministeriumssprecher. «Nach den Osterferien streben wir dann, wenn es die Infektionslage zulässt, Wechselunterricht ab Jahrgangsstufe 7 und Präsenzunterricht in konstanten Lerngruppen für die Grundschulen an.» In diesem Zusammenhang spielten die Themen Impfen und Testen für Schüler wie Lehrer eine besondere Rolle, erläuterte der Sprecher. Über diese Frage berate die Landesregierung kommende Woche.

Nach den Worten von Brandenburgs Bildungsministerin und KMK-Vorsitzenden Britta Ernst sollen noch im März alle Schüler wieder in die Schule gehen können. «In der Kultusministerkonferenz sind wir uns einig: Wir wollen, dass noch im März alle Schülerinnen und Schüler wieder zur Schule gehen - auch wenn es im Regelfall erst mal Wechselunterricht sein wird», sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). «Einige Bundesländer, in denen die Inzidenzwerte sehr niedrig sind, werden sich auch für Präsenzunterricht entscheiden.»

Trotz hoher Inzidenz keine neuen Schulschließungen in Nordsachsen

Trotz der hohen Corona-Inzidenz im Landkreis Nordsachsen bleiben Grund- und Förderschulen sowie Kindergärten dort auch in der kommenden Woche offen. Dies sei möglich, weil ab Montag eine neue Corona-Verordnung gelte und es kaum Infektionen an Schulen gebe, teilte das Kultusministerium am Freitag mit.

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag in dem Landkreis bis Freitag nach Zahlen des Robert Koch-Instituts bei 132 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern. Damit wurde nach Angaben des Landratsamtes fünf Tagen in Folge der Grenzwert von 100 überschritten. Deswegen hatte den Schulen und Kitas laut aktueller Corona-Schutz-Verordnung die Schließung gedroht.

Laut Kultusministerium wurden in dieser Woche in Nordsachsen 15 Infektionen an Schulen nachgewiesen - betroffen waren 12 Schüler und 3 Lehrer. Landrat Kai Emanuel (parteilos) habe verstärkte Anstrengungen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus vor allem in Schulen und Kindergärten zugesichert.

In Sachsen liegen derzeit drei Landkreise über der kritischen Marke von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen. Neben dem Landkreis Nordsachsen sind das der Erzgebirgskreis (101,5) und der Vogtlandkreis (215,9). Im Vogtland hatten wegen der hohen Inzidenz am vergangenen Montag Grund- und Förderschulen sowie Kindergärten wieder schließen müssen.

Insgesamt stieg die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Sachsen zuletzt um 730 auf 196 851 (Stand: 5.3., 3.10 Uhr). Die Wocheninzidenz wurde mit 78,6 angegeben. Zugleich wurden 31 weitere Todesfälle gemeldet. Damit sind seit Ausbruch der Pandemie im Freistaat vor rund einem Jahr 7940 Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben.

NRW holt vor Osterferien alle Schüler schrittweise zurück

Darauf haben viele lange gewartet: Vor Ostern kehren alle Schüler in NRW in die Klassen zurück - im Wechselmodus. Die Jüngeren und die Abschlussklassen hatten schon den Anfang gemacht. Ab 15. März kommen die anderen dazu.

In Nordrhein-Westfalen sollen alle rund 2,5 Millionen Schüler vor den Osterferien zumindest tageweise wieder in die Klassenräume zurückkehren. Nachdem jüngere Schüler und Abschlussjahrgänge am 22. Februar den Anfang gemacht hatten, holt NRW ab 15. März nun auch alle Schüler der weiterführenden Schulen im Wechselmodell vor Ostern in die Klassen zurück. Wie es nach den Osterferien ab 12. April weitergehe, hänge vom Infektionsgeschehen ab, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag. Ziel sei es, die Anteile des Präsenzunterrichts dann möglichst zu erhöhen.

Die weitere Öffnung ab 15. März bedeutet laut Ministerium, dass voraussichtlich bis zum Schuljahresende Anfang Juli für alle Bildungsgänge und Jahrgangsstufen der Unterricht zumindest teilweise wieder in Präsenz laufen kann. Für die beiden Wochen bis zu den Osterferien - sie beginnen in NRW am 29. März - soll ein Mix aus Distanz- und Präsenzlernen erfolgen. In der Regel müssten also auch die Klassen oder Kurse der weiterführenden Schulen geteilt werden. Bei kleinen Lerngruppen könne die Schulleitung aber entscheiden, ob sie auf eine Teilung verzichtet, hieß es in einer Mail des Ministeriums an die Schulen.

Kein Schüler solle länger als eine Woche ohne Präsenzunterricht sein, betonte Gebauer in Düsseldorf. Für die Grundschüler und Förderschüler der Primarstufe, die bereits am 22. Februar als erste wieder in halber Klassenstärke und im Wechselmodus in die Schulen zurückgekehrt waren, solle es zunächst bei diesem Verfahren bleiben. Aus den Grundschulen sei positive Resonanz gekommen, das Modell funktioniere gut, berichtete die FDP-Politikerin.

Auch die Abschlussjahrgänge hatten am 22. Februar bereits zu den ersten Rückkehrern gehört. Die neue Regelung umfasst neben allen allgemeinbildenden Schulen auch die Berufskollegs. Nach wochenlangem coronabedingtem Distanzunterricht sprach das Ministerium von einem «wichtigen Signal auf dem Weg zu mehr schulischer Normalität». Die Ausweitung des Präsenzunterrichts sei «maßvoll, aber sehr wichtig».

Gebauer betonte, auch «das emotionale Ankommen» sei für die Kinder und Jugendlichen wichtig. Anfangs stehe «nicht die Leistungsüberprüfung im Vordergrund», sondern dass sich die Lehrkräfte «einen persönlichen Eindruck verschaffen, wie es den Schülerinnen und Schülern ergangen ist».

Angesichts des weiter bestehenden Infektionsgeschehens hält es das Ministerium unverändert für geboten, bei den weiteren Öffnungen des Schulbetriebs «behutsam und schrittweise» vorzugehen. Ein regulärer Ganztagsbetrieb finde bis zu den Osterferien nicht statt.

Es sollten auch in der Sekundarstufe I grundsätzlich konstante Lerngruppen gebildet werden, um so eine «Durchmischung» zu vermeiden. Mit Blick auf die Förderschulen hieß es, da dort die Lerngruppen häufig sehr klein seien, könnten Schulleitungen prüfen, ob ein Präsenzunterricht in voller Klassenstärke möglich sei.

Präsenzunterricht sei die beste Form des Lernen und des Lehrens, unterstrich Gebauer. NRW gehe den gleichen Weg wie alle anderen Bundesländer, die möglichst lange am Präsenzunterricht festgehalten hätten und nach langem Distanzlernen nun auf Wechselmodelle setzten.

Mit Blick auf die Impfungen von Lehrern, die in NRW am kommenden Montag beginnen soll, sagte die Ministerin, sie habe keine Informationen, dass man diesen Termin verschieben müsse. Die Ständige Impfkommission hatte den bisher nur für 18- bis 64-Jährige empfohlenen Astrazeneca-Impfstoff nun auch für über 65-Jährige freigegeben. Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte am Donnerstag gesagt, er befürchte dadurch Verzögerungen bei den Impfungen auch für Schulpersonal.

Zum Thema Corona-Tests ist Gebauer zufolge noch nichts Genaues entschieden, das werde in einer Sondersitzung des Kabinetts besprochen. Laut Bund-Länder-Beschluss sollen die Länder sicherstellen, dass Schüler pro Präsenzwoche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest erhalten. In NRW können sich bisher nur Lehrkräfte zweimal pro Woche kostenlos testen lassen. In NRW seien rund 93 Prozent der Lehrkräfte aktuell dienstfähig - eine normale Zahl wie zu Nicht-Corona-Zeiten, sagte Schulstaatssekretär Mathias Richter. Von fast 6000 Schulen sei nur eine wegen Corona geschlossen.

Die SPD-Fraktion kritisierte, dass die Landesregierung offen lasse, wie an den Schulen künftig getestet und Lehrer geimpft werden sollten. Für die Öffnungen brauche es dringend entsprechende Testkonzepte und Impfstrategien. «Wer Schulen öffnen will, muss impfen und testen», mahnte auch die Lehrergewerkschaft GEW. Der Elternverein NRW forderte in der «Rheinischen Post» (Samstag) zwei Tests pro Schüler und Woche.

Söder: Osterferien bleiben - Aber über Ergänzung von Wissen sprechen

Nach der umstrittenen Streichung der Faschingsferien hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Verkürzung der Osterferien noch einmal ausgeschlossen. Zu weiteren Ferien - zu Pfingsten oder im Sommer - äußerte er sich in einer Regierungserklärung am Freitag im Landtag nicht. Söder zufolge müsse aber im Laufe des Jahres überlegt werden, ob und wie das Wissen der Schüler vielleicht ergänzt und verbessert werden könne.

Zudem kündigte Söder an, gemeinsam mit dem Kultusminister über «ein Angebot» für Schüler in Regionen mit einer 7-Tage-Inzidenz von 100 überlegen zu wollen. In solchen Regionen ist bislang - auch laut dem neuen Kabinettsbeschluss - ausschließlich Distanzunterricht möglich.

Schulministerin: Noch 30 Millionen Euro für Luftfiltergeräte abrufbar

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat immer noch 30 Millionen Euro für Luftfilter an Schulen und Sporthallen im Fördertopf. Bislang seien erst knapp 20 Millionen Euro abgerufen worden, berichtete Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf.

Der Landtag hatte vor 4 Monaten Finanzmittel in Höhe von 50 Millionen Euro für das Programm freigegeben. Zuvor hatten 73 Städte in NRW gemeldet, dass einzelne Unterrichtsräume nicht ausreichend gelüftet werden könnten und daher nicht nutzbar seien.

Die «Luftreinigungsgeräte» sollen die coronabedingten Schutzmaßnahmen ergänzen, Lüften und Maskenpflicht allerdings nicht ersetzen. Gefördert werden nach Angaben der Landesregierung bis zu 100 Prozent der Maßnahme, höchstens gibt es jedoch 4000 Euro je Gerät. Zuschüsse sind auch für einfache bauliche Instandsetzungs- oder Umrüstungsmaßnahmen an Fensteranlagen vorgesehen.

3,2 Millionen Corona-Selbsttests für Niedersachsens Schulen

Das Land hat für Niedersachsens Schulen in einer ersten Tranche 3,2 Millionen Corona-Selbsttests bestellt. Die Tests seien für zwei Runden vor und nach den Osterferien vorgesehen, teilte ein Sprecher des Kultusministeriums in Hannover auf Anfrage mit. Das Personal und die Schüler sollen damit jeweils einmal pro Woche getestet werden. Die Bestellung sei Teil einer Charge von insgesamt fünf Millionen Selbsttests, die das Land geordert habe. Die 1,8 Millionen übrigen Tests sollen andere Landesbedienstete bekommen.

Lehrer und Schüler sollen den Umgang mit den Selbsttests in der letzten Schulwoche vor den Osterferien üben. Nach den Ferien sind wochenweise und anlassbezogen weitere Testungen angedacht.

GEW warnt vor Risiken durch Schulöffnungen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat vor großen Risiken durch die geplante Öffnung der Schulen für alle Kinder und Jugendlichen in Sachsen noch vor Ostern gewarnt. Am Freitag verwies Landeschefin Uschi Kruse auf wieder steigende Infektionszahlen und geplante Öffnungen auch in anderen Bereichen. «Wenn wir offen oder hinter vorgehaltener Hand die konsequente Corona-Bekämpfung aufgeben, dann schließt schlichtweg das Virus die Schulen und Kindertagesstätten.»

Aus Sicht der GEW wäre es besser, mit der Öffnung der weiterführenden Schulen bis nach Ostern zu warten. «Einschließlich der Ferien vor und nach dem Fest wären vier kontaktarme Wochen entstanden, die nun realistisch betrachtet gegen fünf Unterrichtstage in Präsenz getauscht werden», hieß es.

Bisher konnten in Sachsen nur Schüler der Abschlussklassen und Grundschüler den Unterricht besuchen. Mit Hygienemaßnahmen sollen die Schulen nun für alle weiteren Schüler schrittweise geöffnet werden. Mit Ausnahme der Primarstufe soll aber eine Testpflicht für Schüler sowie für das gesamte Personal gelten.

NRW bleibt mindestens bis Ostern bei eingeschränktem Kita-Betrieb

Schrittweise Präsenzunterricht für alle, Einkaufen mit Termin, Kosmetikbehandlung mit negativem Test - trotz Corona geht in Kürze wieder Vieles in NRW. In den Kitas bleibt es hingegen noch beim eingeschränkten Betrieb.

In den nordrhein-westfälischen Kitas bleibt es mindestens bis Ostern (4. April) bei der coronabedingten Kürzung um zehn Stunden pro Woche und Betreuung in festen Gruppen. Das kündigte NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) in einem am Freitag in Düsseldorf veröffentlichten Elternbrief an.

Auch wenn er «als Familienvater» wisse, dass die Einschränkungen «für manche Familien weiterhin mit erheblichen Härten verbunden» seien, sei es angesichts des Infektionsgeschehens noch nicht möglich, zum Regelbetrieb zurückzukehren. «Wir müssen weiter achtsam miteinander umgehen und vorsichtig bleiben», mahnte er in dem Brief. Der auf den kommenden Montag vorgezogene Impfstart für alle Beschäftigten in der Kita und der Kindertagespflege gebe aber «die große Hoffnung, dass wir nach Ostern wieder ein gutes Stück Normalität in der Betreuung unserer Jüngsten erhalten.»

Impfberechtigt seien alle regelmäßig dort Tätigen, heißt es in einem weiteren Informationsschreiben des Familienministeriums: von Reinigungskräften über Integrationshelfer bis zu Erzieherinnen. «Die Art des Beschäftigungsverhältnisses ist für den Impfanspruch unerheblich.» Geimpft werde sowohl in Impfzentren als auch über mobile Teams in den Einrichtungen.

Freiwillig dürfen Kitas auch jetzt schon mehr Betreuungsstunden anbieten. «Das bedeutet im Umkehrschluss aber bitte nicht, dass Sie sich hier unter Druck gesetzt fühlen sollen», unterstrich Stamp in einem gesonderten Schreiben an die Kitas. «Sie allein entscheiden, was für Sie und alle Beschäftigten in Ihrer Einrichtung richtig ist.»

Weiterhin bestehe das Angebot, sich zweimal pro Woche durch medizinisches Personal auf das Coronavirus testen zu lassen. Außerdem werde das Kitahelfer-Programm und die Arbeitsschutzberatung über die Hotline 0800 5892803 fortgesetzt.

Bund und Länder hatten in dieser Woche beschlossen, den Lockdown grundsätzlich bis zum 28. März zu verlängern. Allerdings sieht ein Stufenplan, je nach Infektionslage, in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen Öffnungsmöglichkeiten vor. Die NRW-Regierung veröffentlichte dazu am Freitag eine aktualisierte Corona-Schutzverordnung. Auch das Schulministerium kündigte an, schon vor den Osterferien alle Schüler in NRW mindestens tageweise wieder in den Präsenzunterricht zurückzuholen.

Schnelltests werden an Schulen bisher nur wenig genutzt

Nur eine Minderheit der etwa 100 000 Beschäftigten an niedersächsischen Schulen lässt sich kostenlos auf das Coronavirus testen. Zahlen des Kultusministeriums zufolge liege der Anteil bei rund zwölf Prozent, berichtete die Oldenburger «Nordwest-Zeitung» (Freitag). Demnach können sich Lehrer, aber auch Beschäftigte wie Sozialassistenten oder Schulhausmeister bis zu den Osterferien einmal pro Woche kostenfrei testen lassen.

In der Woche vom 15. bis zum 19. Februar gab es etwa 12 300 Tests, wie ein Sprecher des Kultusministeriums der Zeitung sagte. Davon seien 0,08 Prozent positiv ausgefallen. Die Betroffenen mussten im Anschluss noch einen sogenannten PCR-Test machen. Für die Schnelltests für Lehrkräfte und Kita-Beschäftigte hatte das Land bis zu 40 Millionen Euro reserviert. Die Tests werden in Arztpraxen vorgenommen. Ein ähnliches Testangebot war auch im vergangenen Jahr von den Lehrkräften nur schwach genutzt werden.

Als «viel zu kompliziert» kritisiertet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) das Verfahren. Es sei sinnvoller, dort zu testen, wo die Menschen arbeiten, also in der Schule, sagte GEW-Sprecher Christian Hoffmann. Die Gewerkschaft fordert vom Land eine verlässliche Impf- und Teststrategie.

Schüler erhalten Zwischenzeugnisse - oder andere Beurteilungen

Der wochenlange Distanzunterricht in Bayern hat wenig mit normalem Schulalltag zu tun. Zwischenzeugnisse gibt es trotzdem - allerdings später als geplant und teils mit einem ganz speziellen Satz statt einer Note. Vielerorts werden die Zeugnisse auch gleich ganz ersetzt.

Mit dreiwöchiger Verzögerung bekommen viele Schülerinnen und Schüler in Bayern nun ihre Zwischenzeugnisse. Doch trotz dieses offiziellen Termins werden längst nicht alle ihren Notenzettel an diesem Freitag in der Hand halten. Wer gerade keinen Präsenzunterricht hat, bekommt das Zeugnis erst nächste Woche ausgehändigt - oder per Post zugeschickt. Und: Gerade in diesem Jahr werden auch andere Formen der Leistungsbeurteilung intensiv genutzt. Denn für viele Schulformen und Jahrgangsstufen gibt es Alternativen.

So gibt es an den Grundschulen und an den Jahrgangsstufen fünf bis sieben der Mittelschulen die Möglichkeit, die Zwischenzeugnisse durch «Lernentwicklungsgespräche» zu ersetzen. Mehr als 90 Prozent der Grundschulen machen laut Kultusministerium davon Gebrauch. Die vierten Klassen erhalten ohnehin nur eine Zwischeninformation über den Leistungsstand, bevor am 7. Mai die Übertrittszeugnisse anstehen.

In den Jahrgangsstufen fünf bis acht der Realschulen sowie an den Gymnasien können die Zwischenzeugnisse durch zwei schriftliche Informationen über das Notenbild ersetzt werden - an den Wirtschaftsschulen ist dies heuer gar obligatorisch. Die elften Klassen der Fachoberschulen und Berufsoberschulen (FOS/BOS) erhalten ebenfalls kein Zwischenzeugnis, die Jahrgangsstufen 12 und 13 bekommen es erst am 12. März.

Die neunten Klassen der Mittelschulen können das Zeugnis bis Ende April sogar ein zweites Mal ausgestellt bekommen, sofern bis dahin nachträglich ausreichende Leistungsnachweise in den Prüfungsfächern vorliegen. Ansonsten bleibt es bei dem Satz, den auch die Schüler anderer Schularten trotz reduzierter Probenanzahl in diesem Jahr häufiger lesen dürften: «Im Fach XY konnten pandemiebedingt noch nicht genügend Leistungsnachweise für eine aussagekräftige Zeugnisnote erhoben werden.» Die meisten der 1,65 Millionen Schülerinnen und Schüler befinden sich noch immer im Wechselunterricht.

Angesichts all dieser Einschränkungen und der unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder und Jugendlichen kommentierte der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband: «Festhalten an Noten macht doch jetzt keinen Sinn.» Nach diesem Halbjahr könne es keine gerechten, fairen und vergleichbaren Bewertungen geben.

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hingegen betonte: «Das Zwischenzeugnis gibt eine wichtige Rückmeldung zu Stärken, aber auch zu eventuellen Defiziten, an denen die Schülerinnen und Schüler weiterarbeiten sollen.» Der Minister erinnerte aber auch daran, dass Zeugnisse und Noten «beileibe nicht das Wichtigste» seien.

Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) riet deshalb, bei schlechten Bewertungen nicht die enttäuschten Erwartungen, sondern das Kind in den Mittelpunkt zu stellen. Hilfe gebe es unter anderem bei den Erziehungsberatungsstellen der Kommunen, bei kostenlosen Sorgenhotlines wie der «Nummer gegen Kummer» für Jugendliche unter 0800-1110333 oder für Eltern unter der 0800-1110550. Darüber hinaus berate die staatliche Schulberatung Schüler und Eltern.

KMK-Chefin Ernst: Alle Schüler sollen noch im März zur Schule

Alle Schüler sollen nach den Worten der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, noch im März wieder in die Schule gehen können. «In der Kultusministerkonferenz sind wir uns einig: Wir wollen, dass noch im März alle Schülerinnen und Schüler wieder zur Schule gehen - auch wenn es im Regelfall erst mal Wechselunterricht sein wird», sagte Brandenburgs Bildungsministerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag). «Einige Bundesländer, in denen die Inzidenzwerte sehr niedrig sind, werden sich auch für Präsenzunterricht entscheiden», fügte die SPD-Politikerin hinzu. Gerade der Wechselunterricht ermögliche das Einhalten von Abständen sehr gut.

«Auch wenn wir durch die Virusmutation eine veränderte Situation haben, können wir nicht noch mal mehrere Wochen warten. Dafür haben die Schulschließungen einen zu hohen sozialen Preis», betonte Ernst. Kinder und Jugendliche litten stark unter der Beschränkung ihrer Kontakte - nicht nur durch schlechtere Bildungschancen, sondern auch psychisch. «Das darf uns nicht kalt lassen», sagte Ernst. «Deshalb ist für mich klar, dass wir nicht nur die Grundschulen öffnen müssen, sondern auch an den weiterführenden Schulen zumindest in den Wechselunterricht gehen müssen.»

Ernst fordert ferner einen Digitalpakt II, mit dem der Bund die Länder dauerhaft in Sachen Digitalisierung und Schule unterstützt. «Die fortwährenden Investitionen, um unsere Schulen bei der Digitalisierung dauerhaft auf dem Stand der Zeit zu halten, können Länder und Kommunen nicht allein leisten», begründete Ernst die Forderung. «Der Bund muss sich hier weiter engagieren – und zwar erheblich.» Der Digitalpakt Schule ist im Mai 2019 in Kraft getreten. Bis 2024 stellt der Bund darüber fünf Milliarden Euro für die Ausrüstung der Schulen mit neuer Technik bereit.

04.03.2021

Neuerungen für Schulen angekündigt - Kritik an Bildungsministerium

Das Schweriner Bildungsministerium erntet von verschiedenen Seiten Kritik für seine aktuelle Schulpolitik in der Corona-Krise. Derweil ist es nicht untätig.

Das Schweriner Bildungsministerium arbeitet an weiteren Öffnungsschritten für die Schulen, während die Kritik an seinem bisherigen Vorgehen wächst. «Die Ministerpräsidentin hat die Bildungsministerin gebeten, den Stufenplan zu überarbeiten und zu prüfen, welche weiteren Öffnungsschritte vor allem unter Einsatz einer weiteren Teststrategie möglich sind», teilte Ministeriumssprecher Henning Lipski am Donnerstag mit.

Bis zum MV-Gipfel an diesem Freitag werde der Stufenplan weiterentwickelt. «Details sind gerade in Arbeit.» Informationen des NDR, wonach die Klassen sieben bis elf in gut einer Woche zunächst im Wechselunterricht wieder zurück in die Schulen kommen, wollte Lipski nicht bestätigen.

Die Kritik an der bisherigen Schulöffnungspolitik des Bildungsministeriums in Mecklenburg-Vorpommern wird unterdessen immer lauter. Die Lehrergewerkschaft GEW forderte am Donnerstag bei einer Corona-Inzidenz von 35 und mehr Wechselunterricht an den Schulen für alle Klassenstufen, um mit kleinen Gruppen die Infektionsgefahr zu verringern und zugleich allen Schülern wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Auch Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) verlangte Wechselunterricht statt des derzeit praktizierten freiwilligen Präsenzunterrichts von Klasse eins bis sechs, der mancherorts zu randvollen Klassen führt. «Wir dürfen das Erreichte nicht gefährden», warnte Badenschier. Am Vortag hatte es einen Infektionsfall in einer fünften Klasse in Schwerin gegeben. Bei Inzidenzen über 50 sei Vorsicht geboten. Gleichzeitig müsse eine Perspektive angesichts nur langsam sinkender Zahlen her. Die bisherige Linie des Bildungsministeriums bringe die Eltern in Entscheidungsnot, zwischen Schule und Gesundheit zu wählen, sagte das Stadtoberhaupt.

Der GEW-Landesvorsitzende Maik Walm forderte, endlich auch die Mädchen und Jungen ab Jahrgangsstufe sieben wieder zur Schule gehen zu lassen. Sie waren zuletzt vor Weihnachten dort.

Bisher wird in Mecklenburg-Vorpommern ab einer regionalen Inzidenz von 50 ein freiwilliger Präsenzunterricht für die Klassen eins bis sechs und für die Abschlussklassen angeboten. Ist die Infektionslage besser, gilt Präsenzpflicht. Eine dauerhafte Inzidenz unter 50 haben bislang nur die Stadt Rostock und der Landkreis Vorpommern-Rügen. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage an.

Die oppositionelle Linke im Schweriner Landtag forderte verpflichtenden Präsenzunterricht für die Grundschüler und die Abschlussklassen bis zu einer Inzidenz von 100. Die Klassen fünf bis neun beziehungsweise sieben bis elf sollten nach dem Vorschlag der Fraktionsvorsitzenden Simone Oldenburg vom 15. März an in den wöchentlichen Wechselunterricht gehen.

Um das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten, müssten alle Schüler und Lehrer laut Oldenburg wöchentlich getestet werden. Laut aktuellem Plan des Bildungsministeriums sollen die Siebt- bis Elftklässler ab dem kommenden Montag Wechselunterricht in der Schule bekommen - aber nur, wenn die Inzidenz unter 50 liegt.

Der Landeselternrat hatte zu Wochenbeginn eine Ungleichbehandlung der Kinder in Klasse eins bis sechs in Regionen mit einer Inzidenz von über 50 beklagt. Wer nicht zum freiwilligen Präsenzunterricht gehe, habe nicht mehr wie vor den Winterferien Anspruch auf Distanzunterricht, sondern bekomme nur noch Aufgaben zum Bearbeiten zugeschickt. Als Hintergrund gilt, dass die Lehrer nicht beides - Präsenz- und Distanzunterricht - gleichzeitig schaffen. Der Landeselternrat schlug stattdessen verpflichtenden Wechselunterricht vor. Das sei gerechter für alle und diene auch dem Infektionsschutz, denn die Gruppen könnten klein gehalten werden.

Land geht bei Schulen am 15. März nächsten Öffnungsschritt

Baden-Württemberg geht am 15. März den nächsten Öffnungsschritt bei den Schulen im Land. In den weiterführenden Schulen sollen bis zu den Osterferien zunächst die Klassen 5 und 6 wieder Präsenzunterricht bekommen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Regierungskreisen in Stuttgart. Nachdem schon die Grundschulen vor knapp zwei Wochen mit Wechselunterricht gestartet waren, sollen diese nun in den Regelbetrieb übergehen.

Kinderschutzbeauftragte: Für manche Kinder ist die Schule ein Anker

Die Corona-Pandemie hat den Alltag in Schulen, Kindergärten und von Familien teils komplett durcheinander gewirbelt. Mit den Lockdowns brachen für manche Kinder die Schule und der Kindergarten als Zufluchtsort weg. Die Folgen für den Kinderschutz sind noch immer kaum absehbar.

Nach Auffassung der Kinderschutzbeauftragten Julia Heesen sollten Kindergärten und Schulen mit Blick auf den Kinderschutz nicht länger als unbedingt nötig geschlossen bleiben. Es gebe Familien, die sehr gut mit den coronabedingten Schließungen klarkommen und es gebe auch Kinder, denen die zusätzliche Zeit in den Familien guttue. «Aber es gibt eben auch Familien, die sehr leiden durch eine Überforderungssituation», sagte Heesen der Deutschen Presse-Agentur.

Kindergärten und Schulen seien in normalen Zeiten Orte, wo Kinder aus familiären Spannungssituationen herauskommen. «Sie können sich mit Gleichaltrigen austauschen, sie erfahren Anregungen und sie erfahren Struktur», sagte Heesen, die auch Staatssekretärin im Thüringer Bildungsministerium ist.

Für einige Kinder aus sehr schwierigen Familien sei auch das Kita- oder Schulessen wichtig, weil sie in den Einrichtungen eine regelmäßige gute Mahlzeit bekommen. «Es gibt schon Kinder, für die ist Schule oder Kindergarten der Anker.» Auch deshalb habe Thüringen während der Kita- und Schulschließungen die Notbetreuung stärker ausgeweitet.

Bislang fehle es noch an Daten, um genau einschätzen zu können, welche Folgen die Corona-Pandemie auf den Kinderschutz in Thüringen hat. «Wir haben bisher Rückmeldungen der Jugendämter, des Sorgentelefons, der Kinderschutzstellen und der Lehrerinnen und Lehrer natürlich auch, die uns sagen, dass es viele Kinder gibt, denen es schlechter geht.»

Das Bildungsministerium hat dazu vorläufige Zahlen für das Jahr 2020 erhoben - aus einer Abfrage bei den Jugendämtern, zwei Rückmeldungen fehlen aber noch. Demnach meldeten 21 von 23 Thüringer Jugendämtern insgesamt 1204 vorläufige Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche für das Jahr 2020. Im Jahr 2019 lag die gemeldete Zahl aller Jugendämter bei 1351.

Zwar sind die Zahlen für die beiden Jahre noch nicht vollends vergleichbar, jedoch deutet sich kein Ausschlag von vorläufigen Kinderschutzmaßnahmen oder ein Einbruch an.

Heesen gibt zu bedenken, dass es dafür unterschiedliche Gründe geben kann. Probleme und Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen würden oft überhaupt erst in den Einrichtungen entdeckt. «Die brechen natürlich auch weg als Meldestelle, wo eine Gefährdung auffällig wird», sagt sie. Es sei denkbar, dass in manchen Familien Spannungen gestiegen seien, aber die Kinder keine Wege hatten, sich dazu zu äußern.

Ein Kind wird nach dem Gesetz unter anderem dann in Obhut genommen, wenn eine dringende Gefahr für das Kind besteht und die Eltern der Inobhutnahme nicht widersprechen oder eine gerichtliche Entscheidung nicht rechtzeitig eingeholt werden kann. In den Zahlen sind auch Inobhutnahmen von minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen enthalten.

Kretschmann: Über kürzere Ferien wegen Corona nachdenken

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat kürzere Ferien ins Gespräch gebracht, damit Wissenslücken nach der langen Schließung der Schulen geschlossen werden können. «Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen», sagte der Grünen-Regierungschef dem «Mannheimer Morgen» (Donnerstag). «Solche Überlegungen wird man ernsthaft anstellen müssen.» Auf die Frage, ob er dabei an die Sommerferien denke, sagte er: «Darüber könnte man mal nachdenken.»

Er habe zu Beginn viele Klagen für etwas übertrieben gehalten, räumte er ein. «Ich hatte als Schüler Kurzschuljahre und habe es trotzdem zum Ministerpräsidenten gebracht. Aber jetzt, wo es so lange dauert, fängt mein Herz doch an zu bluten.»

Lehrer müssten sich zunächst einen Überblick über die im Fernunterricht entstandenen Lücken verschaffen, sagte der Regierungschef der Zeitung weiter. «Zur Behebung der Defizite braucht es zusätzliche Betreuungsangebote und Sonderprogramme», fügte er an. Notwendig seien besondere Formen der Nachhilfe, außerdem müssten auch Nicht-Lehrkräfte eingesetzt werden. «Es muss dabei um eine zielgerichtete Förderung gehen und wir müssen die erreichen, die es auch wirklich brauchen.»

Es könnten tiefe Schäden in der Bildung und der Psyche der Kinder entstanden sein, gab Kretschmann zu bedenken. «Wir müssen uns verstärkt um diese Kinder kümmern, wenn der Unterricht wieder normal läuft. Das wird eine große Aufgabe.»

Landesregierung steckt vorsichtige Corona-Lockerungen ab

Bundesweit gibt es eine Einigung auf Lockerungsmöglichkeiten im Corona-Lockdown. Nun steckt die Landesregierung den niedersächsischen Weg ab, schon Samstag gibt es eine neue Verordnung. Und was wird mit der Öffnung der Schulen?

Nach der Bund-Länder-Verständigung auf eine stufenweise Lockerung der Corona-Beschränkungen will die Landesregierung am Donnerstag den weiteren Kurs in Niedersachsen abstecken. Nach Ende der Beratungen hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sich zufrieden gezeigt. «Die niedersächsische Position findet sich in einem großen Teil der gefassten Beschlüsse wieder», sagte er am späten Mittwochabend. «Alle Bereiche dieser Gesellschaft haben damit wieder eine realistische Öffnungsperspektive.» Gleichzeitig werde weiter auf den Infektionsschutz geachtet.

Die konkrete Umsetzung der Bund-Länder-Beschlüsse will Weil am Donnerstagmittag nach regierungsinternen Beratungen in Hannover präsentieren. Bereits am Samstag soll eine neue Corona-Verordnung veröffentlicht werden, die dann von Sonntag an gilt. Diese Verordnung muss zuvor noch mit den Verbänden und dem Landtag abgestimmt werden. In einer Sondersitzung des Landtags zur Corona-Politik am Freitag plant der Ministerpräsident eine Regierungserklärung.

Zuvor wird es am Donnerstag neben Fragen der vorsichtigen Öffnungsschritte auch um die Rückkehr weiterer Jahrgänge zurück in die Schulen gehen. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) möchte eigentlich vor Ostern bereits wieder deutlich mehr Schüler im Wechselunterricht in die Klassen zurückkehren lassen. Systematische Schnelltests sollen dies erleichtern. Wann diese den Schulen zur Verfügung stehen, hatte die Landesregierung am Mittwoch aber noch nicht sagen können.

«Ich halte die Ergebnisse dieser Beratungen für einen deutlichen Fortschritt», hatte Weil am Abend betont. Insbesondere sei der maßgebliche Schwellenwert für Maßnahmen wieder eine Sieben-Tages-Inzidenz von 50. «Ich bin zuversichtlich, dass wir jetzt schrittweise und vorsichtig zu Erleichterungen für die Bürgerinnen und Bürger kommen.» Die Menschen in Niedersachsen hätten lange und geduldig viele wirklich schwerwiegende Einschränkungen der persönlichen Freiheit akzeptiert.

«Eines muss uns allen gemeinsam klar sein: Mehr Lockerungen bedeuten auch mehr persönliche Verantwortung», sagte Weil. Nur wenn alle sich weiterhin umsichtig und verantwortungsbewusst verhielten, könne mehr Normalität zurückgewonnen werden.

Zwar wird der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nach den Bund-Länder Beratungen angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Schon vom kommenden Montag an sollen demnach die stark beschränkten privaten Kontaktmöglichkeiten gelockert werden.

Aktuell stagniert die Sieben-Tages-Inzidenz in Niedersachsen bei etwa 65. Damit greifen zunächst sehr vorsichtige Lockerungsschritte, die für eine Inzidenz zwischen 50 und 100 Neuinfektionen vereinbart wurden. Kinder bis 14 Jahren können gemeinsam im Außenbereich Sport treiben, der Einzelhandel kann zunächst nur für sogenannte Terminshopping-Angebote geöffnet werden,

Bayerns Schülerinnen und Schüler erhalten Zwischenzeugnisse

Es ist ein Schuljahr, wie es noch keines zuvor gegeben hat. Viele Schülerinnen und Schüler haben seit Weihnachten kein Klassenzimmer mehr von innen gesehen, auch davor schon herrschte alles andere als Normalität. Nun gibt es Zwischenzeugnisse - aber nicht für alle.

Eigentlich hätten die Schülerinnen und Schüler in Bayern ihre Zwischenzeugnisse schon vor drei Wochen bekommen sollen. Doch wegen der Corona-Pandemie werden die Halbjahreszeugnisse erst an diesem Freitag verteilt. Und auch nicht an alle Kinder und Jugendlichen, sondern nur an diejenigen, die an diesem Tag Unterricht im Schulgebäude haben. Der Rest bekommt das Zeugnis früher, später - oder per Post. Auch darüber hinaus gibt es mehrere Ausnahmen.

Noch immer befinden sich die meisten der 1,65 Millionen bayerischen Schülerinnen und Schüler im Wechsel- oder gar im reinen Distanzunterricht. Die Folge: Nur ein Teil wird am Freitag in den Schulen sitzen. Diese Schüler bekommen ihr Zeugnis wie gewohnt persönlich ausgehändigt.

Wer im Wechselunterricht ist, erhält das Papier in der Regel am nächsten Tag mit Präsenzunterricht, bei den meisten ist das der Montag. Je nach Schulart kann die Vergabe aber auch auf den vorausgehenden Präsenztag vorgezogen werden.

«Und alle, die im Distanzunterricht sind, bekommen die Zeugnisse per Post», ergänzte ein Sprecher des Kultusministeriums. Das war im Sommer anders - damals mussten alle ihr Zeugnis am letzten Schultag persönlich in ihrer Schule abholen. «Zwischenzeugnisse sind im rechtlichen Sinn kein Dokument wie ein Abschlusszeugnis», erläuterte der Ministeriumssprecher den Grund für das abweichende Vorgehen.

Deshalb ist es an den Grundschulen und an den Jahrgangsstufen fünf bis sieben der Mittelschulen auch möglich, die Zwischenzeugnisse durch sogenannte Lernentwicklungsgespräche zu ersetzen. Dies entscheiden die Schulen jeweils selbst, teils ist der Modus Operandi von Klasse zu Klasse unterschiedlich. Die vierten Klassen erhalten ohnehin nur eine Zwischeninformation über den Leistungsstand, bevor am 7. Mai die Übertrittszeugnisse anstehen.

In den Jahrgangsstufen fünf bis acht der Realschulen sowie an den Gymnasien können die Zwischenzeugnisse durch zwei schriftliche Informationen über das Notenbild ersetzt werden - an den Wirtschaftsschulen ist dies heuer obligatorisch.

Die elften Klassen an den Fachoberschulen und Berufsoberschulen (FOS/BOS) erhalten ebenfalls kein Zwischenzeugnis, weil ihre Leistungen des gesamten Schuljahres die Noten der beiden dadurch identischen Halbjahreszeugnisse bilden. Die Jahrgangsstufen 12 und 13 von FOS/BOS bekommen ihre Zwischenzeugnisse zudem erst am 12. März.

Damit nicht genug der Ausnahmen: Die neunten Klassen der Mittelschulen können das Zeugnis bis Ende April ein zweites Mal ausgestellt bekommen, sofern bis dahin nachträglich ausreichende Leistungsnachweise in den Prüfungsfächern vorliegen. Ansonsten bleibt es bei dem Satz, den auch die Schüler anderer Schularten trotz stark reduzierter Probenanzahlen heuer häufiger lesen dürften: «Im Fach XY konnten pandemiebedingt noch nicht genügend Leistungsnachweise für eine aussagekräftige Zeugnisnote erhoben werden.»

Land zahlt mehr als 8,5 Millionen Euro für stornierte Klassenfahrten

Die hessische Landesregierung hat für die Kostenerstattung von stornierten Schulfahrten in der Corona-Pandemie bislang mehr als 8,5 Millionen Euro ausgezahlt. Knapp 2900 Anträge von Eltern und mehr als 4000 Anträge von Unternehmen seien bis zum Jahresende bearbeitet worden, teilte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion in Wiesbaden mit. 832 Fälle seien bis zu diesem Stichtag noch nicht final behandelt worden.

Für Klassenfahrten bis einschließlich Januar diesen Jahres, die auf Anordnung des Kultusministeriums gestrichen wurden, werden vom Land die berechtigten Stornokosten übernommen. Eine Summe von zehn Millionen Euro wurde vom Land dafür veranschlagt. Bei den Staatlichen Schulämtern waren nach Angaben des Kultusministeriums Anträge zu insgesamt 6171 Schulfahrten eingegangen.

Söder zu Öffnungsschritten: Gute oder schlechte Entwicklung möglich

Deutschland verlängert zwar den Lockdown, schwächt ihn aber deutlich ab. Viele Geschäfte sollen öffnen dürfen, mehr Freizeitaktivitäten werden möglich, Kontaktbeschränkungen fallen. Ein Weg, der auch Risiken birgt.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat angesichts der mutigen Öffnungsschritte von Bund und Ländern im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu Vorsicht gemahnt. «Wahr ist, was hier beschlossen wurde, sind schon sehr große Schritte», sagte er in der Nacht zum Donnerstag nach der Bund-Länder-Runde in Berlin. Der März werde ein Übergangsmonat. «Es kann sich zum Guten, aber auch zum Schlechten entwickeln», sagte Söder.

Bereits am Donnerstag könnte das bayerische Kabinett die in Berlin beschlossenen Maßnahmen - darunter ein Stufenplan zur Öffnung des gesellschaftlichen Lebens - umsetzen.

Unabhängig von der Sieben-Tage-Inzidenz sollen ab kommenden Montag nach den bereits geöffneten Garten- und Baumärkten, Friseuren und Kosmetikstudios auch Buchhandlungen wieder aufsperren können.

Unter anderem soll auch kontaktfreier Sport im Freien alleine oder zu zweit in Gegenden möglich werden, wo die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche - dn Wert 100 nicht übersteigt. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) wird Einzelheiten zur Umsetzung der Teststrategie in Schulen nennen.

Weitere Öffnungsschritte in solchen Gegenden umfassen neben Terminshopping-Angeboten im Einzelhandel auch Museen, Galerien, Zoos, botanische Gärten und Gedenkstätten für Besucher mit Terminbuchung. Eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 aber über 50 hatten am Mittwoch laut Robert Koch-Institut 37 der 105 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte.

In Gegenden mit einer Inzidenz von weniger als 50 sollen alle Einzelhändler unter strengen Einlassbeschränkungen für Kunden wieder öffnen können. Auch das gemeinsame Sporttreiben ist dort ab Montag wieder für zehn Personen gleichzeitig erlaubt. Museen und Zoos können dort sogar ohne Terminbuchung der Besucher öffnen. Das hätte am Mittwoch für 39 Landkreise und kreisfreie Städte zugetroffen.

Ebenfalls schon vom kommenden Montag an sollen demnach die stark beschränkten privaten Kontaktmöglichkeiten gelockert werden. Dann werden wieder private Zusammenkünfte des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt möglich sein, jedoch beschränkt auf maximal fünf Personen. In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 sind auch Treffen des eigenen Haushalts mit zwei weiteren Haushalten - mit zusammen maximal zehn Personen - möglich. Kinder bis 14 Jahre sind hiervon jeweils ausgenommen. Bisher darf sich ein Hausstand mit maximal einer Person eines anderen Hausstandes treffen.

«Wir geben den Menschen ein großes Stück Vertrauen und Freiheit zurück», sagte Söder. Er warnte aber auch vor zu hastigen Öffnungsschritten. «Das Herz sagt uns: So viel öffnen wie möglich! Der Verstand mahnt aber eindeutig zur Vorsicht», sagte der CSU-Chef. «Wir haben kein schlechtes Gewissen dabei, aber wir haben schon Sorgen und Bedenken.» Es gelte aufzupassen, nicht in den nächsten Lockdown zu schlittern, möglicherweise schon zu Ostern.

Baden-Württemberg geht bei Öffnungsschritten mit - Schulen unklar

Der Lockdown wird gelockert - mit einem Stufenkonzept. Kreise mit niedrigen Infektionszahlen dürfen mehr. Es soll sich lohnen sich anzustrengen vor Ort, sagt die Kanzlerin. Baden-Württemberg muss das jetzt umsetzen - spannend bleibt die Schulfrage.

Baden-Württemberg trägt die Entscheidung der Bund-Länder-Runde für regionale Lockerungen des Corona-Lockdowns ab einer Inzidenz von 50 mit. So soll es auch im Südwesten regional eine schrittweise Öffnung des Einzelhandels geben, wenn die Zahl der Infektionen unter 50 je 100 000 Einwohner in sieben Tagen liegt, hieß es in der Nacht zu Donnerstag. Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird aber angesichts weiter hoher Infektionszahlen und der Gefahr durch Virusvarianten grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Die grün-schwarze Koalition im Südwesten muss die Beschlüsse aber noch für das Land umsetzen.

Kretschmann und Eisenmann sprechen über Schulen

Unklar ist bisher, ob schon vom kommenden Montag an auch die weiterführenden Schulen schrittweise wieder öffnen können, wie Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) dies gefordert hatte. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wollte sich erst am Donnerstag zu den Beschlüssen äußern und mit Eisenmann die nächsten Schritte besprechen. Der Grüne hatte sich zuletzt skeptisch gezeigt, ob es so schnell gelingen kann, die Wiedereröffnung der Schulen mit genügend Schnelltests bei Schülerinnen und Schülern abzusichern.

Unter 50: Geschäfte, Museen und Zoos dürfen öffnen.

Der Beschluss von Bund und Ländern sieht vor, dass vom kommenden Montag an bei einer 7-Tage-Inzidenz von unter 50 der Einzelhandel wieder öffnen kann - allerdings mit einer Begrenzung von einer Kundin oder einem Kunden pro 10 Quadratmeter beziehungsweise 20 Quadratmeter je nach Verkaufsfläche. Möglich sind dann auch die Öffnung von Museen, Galerien, Gedenkstätten, zoologischen und botanischen Gärten sowie auch kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen mit bis zu maximal zehn Personen im Außenbereich, auch auf Außensportanlagen. Bei einer 7-Tage-Inzidenz von bis zu 100 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner gelten eingeschränkte Lockerungen für diese Bereiche. Shopping geht dann nur mit Termin (Click&Meet) und auch in anderen Einrichtungen muss man einen Termin buchen.

20 von 44 Kreisen im Südwesten unter Inzidenz von 50

Allerdings steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Virus pro 100 000 Einwohner in Baden-Württemberg weiter. Der Wert lag nach Angaben des Landesgesundheitsamts in Stuttgart vom Mittwoch (Stand 16.00 Uhr) bei landesweit 54,4 nach 52 am Vortag. Unter der Inzidenz von 50 lagen demnach 20 von 44 Stadt- und Landkreisen. Zwischen 50 und 100 liegen weitere 22 Kreise, 2 überschreiten derzeit die 100er-Marke: Rottweil und Schwäbisch Hall.

Kontaktregeln werden erleichtert

Bund und Länder verständigten sich auch darauf, die strikten Kontaktregeln von Montag an zu lockern. Dann sollen wieder Treffen des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt erlaubt sein - beschränkt auf fünf Teilnehmer, Kinder bis 14 Jahre nicht mitgezählt. Und: Paare, die nicht zusammenwohnen, sollen künftig als ein Hausstand gelten. Derzeit sind private Zusammenkünfte nur im Kreis des eigenen Hausstands mit einer weiteren Person von außerhalb gestattet.

Auch hier soll es in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 weitere Lockerungen geben. Dann können drei Haushalte mit zusammen maximal zehn Personen zusammenkommen. Auch hier sind Kinder bis 14 Jahre ausgenommen. Derzeit liegen im Südwesten 6 von 44 Kreisen unter der Inzidenz von 35: Böblingen, Enzkreis, Ostalbkreis, Freudenstadt, Schwarzwald-Baar-Kreis und Heilbronn.

Weitere Öffnungsschritte frühestens am 22. März

Die nächsten Öffnungsschritte werden davon abhängig gemacht, dass die vorherige Stufe 14 Tage lang nicht zu einer Verschlechterung der Sieben-Tage-Inzidenz geführt hat. Dann geht es zunächst um die Öffnung der Außengastronomie, von Kinos, Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie um kontaktfreien Sport im Innenbereich und um Kontaktsport im Außenbereich. Im nächsten Schritt sind weitere Sportmöglichkeiten und Freizeitveranstaltungen dran. Auch hier gilt: Bis zu einer 100er Inzidenz soll es höhere Auflagen wie tagesaktuelle Tests oder einen Buchungszwang geben.

Wichtige Elemente für weitere Öffnungen sollen Impfen und Testen sein. Vereinbart wurde, dass Ende März/Anfang April die haus- und fachärztlichen Praxen umfassend in die Impfkampagne eingebunden werden, um diese zu beschleunigen. Kostenlose Corona-Schnelltests für alle Bürger sollen voraussichtlich von nächster Woche an möglich werden. Pro Woche soll mindestens ein Schnelltest möglich sein, den geschultes Personal etwa in Testzentren oder Praxen abnimmt.

Eisenmann fordert Tempo beim Testen und Schulöffnung

Kultusministerin Eisenmann verlangte bei «Bild live» am Mittwochabend eine schnelle Öffnungsperspektive für die Schulen. «Wir können nicht sagen, die Schulen müssen alle zubleiben, wenn wir nicht genug Tests haben.» Kürzlich hatte sie erklärt, man könne sich nach der Öffnung der Grundschulen im Wechselunterricht vor zehn Tagen durchaus zutrauen, auch die weiterführenden Schulen behutsam ab kommenden Montag wieder zu öffnen. «Wir können nicht sagen, die Schulen bleiben zu auf ewig, bis wir andere Strukturen geschaffen haben.»

Die CDU-Spitzenkandidatin bemängelte nun erneut das Krisenmanagement von Gesundheits- und Sozialminister Manne Lucha (Grüne). «Auch in Baden-Württemberg hängt bei uns manches. Da ist der Sozialminister auch schwer dabei, der Entwicklung ein stückweit hinterherzulaufen.» Er hätte früher auf Schnell- und Selbsttests setzen müssen, monierte Eisenmann. Von grüner Regierungsseite hieß es dagegen, man wäre mit den Selbsttests schon viel weiter, wenn Eisenmann am 13. Februar die Bestellung solcher Tests nicht blockiert hätte. Das damalige Argument dagegen sei gewesen, diese Tests seien noch nicht ausgereift.

Länder wollen Schulen je nach Infektionslage weiter öffnen

Die Bundesländer werden bei den geplanten weiteren Schulöffnungen voraussichtlich nicht einheitlich vorgehen. 
Man habe festgestellt, dass die Länder in eigener Verantwortung schrittweise eine weitere Rückkehr in den Präsenzunterricht planen könnten, sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), am frühen Donnerstagmorgen nach der Bund-Länder-Runde zu Corona in Berlin. «Wir werden dann sehen, wann die nächsten Jahrgangsstufen auch möglich sind.» Dies würden die Länder aufgrund ihrer jeweiligen Inzidenzlage beschließen. 

Bereits zuvor hatten die Kultusministerinnen und -minister beschlossen, dass der an Grundschulen begonnene Wechsel- oder Präsenzunterricht auf weitere Jahrgänge ausgeweitet und intensiviert werden soll.


03.03.2021

Eisenmann fordert Corona-Impfung für ältere Lehrerinnen und Lehrer

Die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) fordert, auch ältere Lehrerinnen und Lehrer ab 65 Jahren möglichst schnell gegen Corona zu impfen. «Eine Ungleichbehandlung von Lehrkräften unterschiedlichen Alters ist nicht vertretbar», sagte Eisenmann der «Rhein-Neckar-Zeitung» (Mittwoch). Zumal die Älteren besonders schutzbedürftig seien. Sie forderte Sozialminister Manne Lucha (Grüne) auf, für diese Gruppe schnell eine Lösung zu finden.

Lehrerinnen und Lehrer im Südwesten können sich seit rund einer Woche gegen Corona impfen lassen. Allerdings ist dafür derzeit nur der Astrazeneca-Impfstoff vorgesehen, der bislang in Deutschland nur für Menschen von 18 bis 64 Jahren freigegeben ist. In Baden-Württemberg sind dem Bericht zufolge nach Auskunft des Kultusministeriums im aktuellen Schuljahr 1160 Lehrkräfte an öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen älter als 64 Jahre.

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) verwies auf die Impfstoffknappheit. «Wenn Frau Eisenmann nun fordert, ältere Lehrer zu impfen, so könnte dies nur mit einem Biontech- oder Moderna-Impfstoff geschehen, der explizit den Über 80-Jährigen vorbehalten ist.» Ihr sei offensichtlich nicht klar, dass sie dann benennen müsste, wem sie den knappen Impfstoff wegnehmen wolle. «Klar ist: Baden-Württemberg hat sich sehr dafür eingesetzt, dass die Ständige Impfkommission die Impfung der Über-65-Jährigen mit Astrazeneca zulässt.» Die entsprechende Entscheidung werde in Kürze erwartet. «Dann werden selbstverständlich auch die Lehrkräfte über 65 Jahre geimpft! Dafür werden wir sorgen.»

Nutzung von Microsoft Teams an Schulen für weiteres Jahr zugelassen

Rheinland-pfälzische Schulen können die Videokonferenzsoftware Teams bis Ende des kommenden Schuljahrs für den Fernunterricht nutzen. Die bisherige Regelung, wonach das Programm des Herstellers Microsoft wegen datenschutzrechtlicher Bestimmungen nur bis zu den Sommerferien in diesem Jahr genutzt werden sollte, wurde entsprechend geändert, wie eine Sprecherin des Bildungsministeriums am Mittwoch mitteilte. Zuvor hatten die «Allgemeine Zeitung» und der SWR darüber berichtet.

Die Entscheidung sei Ergebnis von Gesprächen des Ministeriums mit dem Landesdatenschutzbeauftragten Dieter Kugelmann vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie-Situation, sagte die Sprecherin. Wegen der Speicherung von Daten in den USA sehen die Datenschutzbeauftragten US-Videokonferenzsysteme wie Microsoft Teams, Cisco Webex oder Zoom kritisch. Der Landesdatenschutzbeauftragte habe aber einer weiteren Tolerierung der Nutzung unter den bisherigen Auflagen zugestimmt - auch mit Blick auf mögliche Anpassungen in der Rechtsprechung oder Gesetzgebung auf europäischer Ebene zu Datenübermittlungen in die USA.

Die CDU-Fraktion begrüßte am Mittwoch die Entscheidung. Es gebe zahlreiche Schulen, die nach wie vor Probleme hätten mit der Nutzung der vom Pädagogischen Landesinstitut angepassten Open-Source-Systeme Moodle und Big Blue Button, sagte die bildungspolitische Sprecherin Anke Beilstein. Diesen Schulen sollte die Nutzung von MS Teams ebenfalls ermöglicht werden. Auch die Vertretung der Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz (LSV) hatte sich für eine weitere Nutzung der Microsoft-Software ausgesprochen.

Bayern-SPD fordert komplette Schulöffnung bis Mitte März

Am Nachmittag gilt es wieder. Dann beraten Bund und Länder einmal mehr den weiteren Weg durch die schwierige Pandemie. Begleitet werden sie von immer lauteren Forderungen. Auch aus Bayern.

Vor der Konferenz von Bund und Ländern zur Corona-Krise fordert die bayerische SPD die Rückkehr aller Schüler in den Präsenzunterricht bis Mitte März. «Mit Impfungen von Lehrern, einem klugen Testkonzept und dem Maßnahmenpaket, das die interdisziplinäre Expertenkommission im Auftrag der Kultusministerkonferenz erarbeitet hat, ist die Sicherheit für diesen Schritt gegeben», sagte der Generalsekretär der Bayern-SPD, der Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch, der Deutschen Presse-Agentur in München. Kinder- und Jugendärzte hätten in aller Deutlichkeit erklärt, dass massive Schäden bei vielen Kindern zu befürchten seien.

«Dass Schulen über die lange Zeit des Lockdowns den Kontakt zu manchen Kindern komplett verloren haben, darf uns nicht kaltlassen», betonte Grötsch. Er erinnerte daran, dass noch bis zum Dezember versprochen worden sei, dass Schulen nicht geschlossen würden und der Bereich der Bildung bei Lockerungen an erster Stelle komme. Nun müsse auch entsprechend gehandelt werden.

«Die Bund-Länder-Konferenz muss Präsenzunterricht für alle Kinder zur absoluten Priorität machen», sagte Grötsch. Auch Bayern müsse seine Hausaufgaben machen. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) müsse nun die notwendigen Öffnungskonzepte vorlegen. «Es kann doch nicht so schwer sein, speziell die Phase der Wiederöffnung mit von den Behörden koordinierten und organisierten Tests zu begleiten und abzusichern.» In allen Klassenzimmern brauche es Luftfilter, Konzepte für entzerrten Unterrichtsbeginn, Ideen für Ausweichräume und entsprechende Testkonzepte, bei denen die Organisation nicht an den überlasteten Schulen hängenbleibe.

Am Nachmittag wollen die Ministerpräsidenten der Länder wieder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten. Dabei geht es nicht nur um eine generelle Verlängerung des Lockdowns bis Ende März, sondern auch um Möglichkeiten, gewisse Bereiche wieder zu lockern.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte in den vergangenen Tagen immer wieder vor übereilten Lockerungen gewarnt und zugleich für einen bundeseinheitlichen Weg geworben. Für Regionen mit stabil niedrigen Infektionszahlen stellte er dabei auch Öffnungen - etwa an Schulen - in Aussicht. Im Gegenzug sieht Söder aber auch den Bedarf für Verschärfungen, sollten die Infektionszahlen wieder steigen.

Söders Stellvertreter, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) forderte dagegen seit längerem umfassendere Öffnungen. «Einzelhandel, Außengastronomie, Dienstleistungssektor, Hotellerie sowie Kultur- und Veranstaltungsbranche wollen vor oder zu Ostern wieder öffnen können», sagte er. Nur wer Perspektiven sehe, halte seine Beschäftigten und investiere in sein Unternehmen. «Die Unternehmen brauchen einen Zeitplan für den Neustart im Frühling.»

02.03.2021

Landeselternrat sieht Zwei-Klassen-Gesellschaft bis Klasse sechs

Angesichts der englischen Mutante des Coronavirus mahnen Pandemiebekämpfer zu größter Vorsicht. Dennoch nehmen viele Kinder in Regionen mit Inzidenzen von über 50 am freiwilligen Präsenzunterricht teil. Denn Distanzunterricht gibt es für sie nicht mehr.

In den Schulen des Landes droht nach Einschätzung des Landeselternrats derzeit eine Ungleichbehandlung von Schülern in Klasse eins bis sechs. In Regionen mit einer Corona-Inzidenz von über 50 erhalten die Kinder neuerdings «freiwilligen Präsenzunterricht», wie ein Sprecher des Bildungsministeriums in Schwerin am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Wer zu Hause bleibt - die Präsenzpflicht ist mit Blick auf die Pandemiebekämpfung aufgehoben -, bekommt keinen Distanzunterricht mehr wie vor den Winterferien, sondern lediglich «Aufgabenpakete». Ein Recht auf Distanzunterricht haben demnach nur noch chronisch kranke Kinder.

Für den Vorsitzenden des Landeselternrates, Kay Czerwinski, ist dieses Vorgehen hochproblematisch. «Das geht nicht, das Recht auf Bildung ist ein Grundrecht, das muss umgesetzt werden, bei allem Verständnis für Kapazitätsprobleme», sagte er. «Ich verstehe ja, dass Lehrer nicht beides leisten können: Eine halbe Klasse unterrichten und für die andere Hälfte Distanzunterricht organisieren.» Andere Wege müssten gefunden werden. Den Kindern, die zu Hause bleiben, drohe sonst eine «ganz klare Benachteiligung».

Czerwinski schlug vor, die Präsenzpflicht nicht zwingend bei einer Inzidenz von 50 aufzuheben. Auch andere Faktoren sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden, wie Krankenhauskapazitäten und die Art des Infektionsgeschehens. Werde sie doch aufgehoben, dann wäre aus seiner Sicht ein verbindlicher Wechselunterricht für alle Beteiligten besser als ein freiwilliger Präsenzunterricht, bei dem ein Teil der Kinder lediglich Aufgaben, aber keinen Distanzunterricht bekommt. Für die Kinder, die gerade keinen Unterricht haben, solle es eine Betreuung geben. So könnten die Gruppen verkleinert und das Ansteckungsrisiko könne ohne Benachteiligung einer ganzen Gruppe verringert werden.

Der Sprecher des Bildungsministeriums betonte, der Schwerpunkt im freiwilligen Präsenzunterricht solle auf dem Festigen und Üben von bereits Erlerntem liegen. Die Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, verlangte, dass sichergestellt wird, dass Kinder, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen, an denselben Aufgaben arbeiten können wie die Kinder im Klassenzimmer. «Es ist auch deshalb allerhöchste Zeit, dass die Videoschalte auf der Lernplattform itslearning funktioniert, damit die Kinder via Bildschirm dem Unterricht folgen können», sagte sie. «Nur so ist Chancengleichheit gewährleistet.»

Am Montag waren nach Angaben des Bildungsministeriums landesweit 62,3 Prozent der Grundschüler in der Schule. In den Klassen fünf und sechs waren es 58,6 Prozent. Präsenzpflicht besteht nur in der Stadt Rostock und im Landkreis Vorpommern-Rügen, wo die Inzidenz unter 50 liegt.

Weitere Schulöffnungen geplant - Tests für Schülerinnen und Schüler

Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen sollen voraussichtlich bald wieder zum Unterricht gehen. Wann genau, ist offen. Möglicherweise können sie sich regelmäßig testen lassen.

Die Länder haben weitere Schulöffnungen angekündigt. Der an Grundschulen begonnene Wechsel- oder Präsenzunterricht soll auf weitere Jahrgänge ausgeweitet und intensiviert werden. Das beschlossen die Bildungsministerinnen und -minister in der Kultusministerkonferenz nach einer Mitteilung von Dienstag. Geöffnet werden soll, «sofern es die Infektionslage weiterhin zulässt». Daten werden in dem Beschluss nicht genannt. Bereits bisher gingen die Länder unterschiedlich bei Teilöffnungen der Schulen vor. Nun hieß es ausdrücklich, regional solle es Abweichungen geben können.

Ein vorläufiger Beschlussentwurf für die Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Mittwoch sieht zudem vor, «dass das Personal in Schulen und Kinderbetreuung sowie alle Schülerinnen und Schüler pro Präsenzwoche das Angebot von (...) kostenlosen Schnelltests einschließlich einer Bescheinigung über das Testergebnis erhalten». Angeboten werden sollen mindestens ein oder zwei solcher Tests pro Woche. Bei diesen Tests werden durch geschultes Personal Abstriche tief in der Nase sowie im Rachen gemacht. Die Aussagekraft bei einem negativen Ergebnis ist nur für einige Stunden hoch.

Am 22. Februar hatten in zehn Ländern wieder Grundschulen aufgemacht - für Wechselbetrieb mit halben Klassen, die abwechselnd zur Schule kommen, oder auch Vollbetrieb mit festen Gruppen, teilweise mit Maskenpflicht auch im Unterricht. In manchen Ländern blieb es Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder schicken. «Die Öffnung der Grundschulen ist insgesamt gut gelungen», sagte die KMK-Präsidentin und brandenburgische Ministerin Britta Ernst (SPD). 

Für ältere Schüler und Jugendliche gilt bisher weiter Fernunterricht, außer bei Abschlussklassen. 

Die Bildungsministerinnen und -minister zitieren nun das Robert Koch-Institut (RKI) mit der Aussage, dass Schülerinnen und Schüler in der Pandemie eher nicht als «Motor» eine größere Rolle spielten. Tatsächlich hatte das RKI in einer Studie festgestellt, «dass Schülerinnen und Schüler eher nicht als "Motor" eine größere Rolle spielen, aber dass die Häufigkeit in einer engen Beziehung zur Inzidenz in der Gesamtbevölkerung steht».

Das RKI hatte einen bestimmten Zeitraum untersucht. In diesem gab es Ausbrüche an Schulen. Die Hälfte der Ausbrüche an Schulen habe sich auf den jeweiligen Jahrgang oder die Klasse beschränkt. Das Risiko, in einen Ausbruch involviert zu sein, sei unter allen 6- bis 20-Jährigen bei den Kindern bis 10 am Kleinsten gewesen. Das Krankheitsrisiko bei weiterführenden Schulen ist laut einer vom RKI zitierten Studie höher als bei Schulen mit Jüngeren. Risiken für Ausbrüche gehen der RKI-Erhebungen zufolge überwiegend von Lehrkräften aus. Diese seien bei etwa der Hälfte der Ausbrüche bei den 6- bis 10-Jährigen der vermutete Primärfall.

Die KMK fordert durch den Bund zu finanzierende flächendeckende Testmöglichkeiten für das an Schulen tätige Personal - für Schülerinnen und Schüler aber nur «perspektivisch». Der vorläufige Entwurf für die Bund-Länder-Runde an diesem Mittwoch hingegen sieht vor, dass die Test durch die Länder sichergestellt werden.

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte hatte flächendeckende Tests an Schulen und Kitas abgelehnt. Er begründete das mit der Behauptung, dass zu viele falsch negative und falsch positive Ergebnisse zu erwarten seien. Alle erwachsenen Personen mit Kontakt zu den Kindern sollten ihrer Ansicht nach aber getestet werden. Bei den ersten zugelassenen Selbsttests müssen Wattestäbchen in die Nase eingeführt werden - aber nicht so tief wie bei den durch geschultes Personal durchzuführenden Schnelltests. Selbsttests sollen voraussichtlich ab kommender Woche verkäuflich sein.

Die Kultusminister machen außerdem Druck beim Impfen für Lehrkräfte. Nach den Grundschullehrkräften und Erzieherinnen soll ihrer Forderung nach das gesamte Schulpersonal vorrangig geimpft werden. Die Ständige Impfkommission hatte vorrangige Impfungen für Lehrkräfte generell abgelehnt. Sonst könnten eventuell zum Beispiel Menschen mit Krebs und anderen Erkrankungen später zum Zug kommen - Lehrkräfte mit Krankheiten könnten bereits vorrangig drankommen. 

Die Länder sprachen sich für ein Förderprogramm zur Kompensation pandemiebedingter Lernrückstände aus.

Giffey plädiert für mehr Perspektiven für Kinder

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) plädiert im Rahmen weiterer Öffnungen für mehr Perspektiven von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Krise. «Ich finde es sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche jetzt ganz vorne in der Debatte um weitere Öffnungsschritte stehen müssen», sagte Giffey am Dienstag im ARD-«Morgenmagazin». Wenn man über Baumärkte, Flugschulen und Hundeschulen spreche, sollte man auch die Perspektive von Kindern in den Blick nehmen. «Es kann nicht sein, dass Hunde früher in die Schule gehen als Kinder und Jugendliche.»

Kinder und Jugendliche dürften nicht allein als Schüler, sondern müssten in ihrer ganzen Persönlichkeit betrachtet werden, sagte Giffey. Auch die Freizeit und das außerschulische Lernen sollten eine wichtige Rolle spielen, für Kinder- und Jugendeinrichtungen müsse es Öffnungsperspektiven geben. Schnell- und Selbsttests bieten nach Ansicht der Ministerin dabei eine große Chance. Neben Grundschullehrern und Erziehern in der Kita sollten auch die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe besser geschützt und so schnell wie möglich geimpft werden.

Wachsende Nachfrage nach Psychotherapien für Kinder- und Jugendliche

Die Corona-Pandemie hat die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen drastisch verändert. Spielen, Feiern oder gemeinsam toben - alles, was Spaß macht, ist nicht erlaubt. Das bleibt laut Experten nicht ohne Folgen.

In der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Psychotherapien für Kinder und Jugendliche gewachsen. Die Zahl der Patientenanfragen sei in den entsprechenden Praxen in Rheinland-Pfalz im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 53 Prozent gestiegen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung. Die teilnehmenden 45 Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen und Therapeuten verglichen dabei die Zahlen einer Januarwoche in diesem Jahr mit dem Vorjahreszeitraum.

«Seit Monaten fallen für Kinder und Jugendliche alle positiven Aktivitäten weg», sagt Sabine Maur, Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz. Ob Spielen, Feiern oder gemeinsame Hobbys - alles, was Spaß mache, könne nicht mehr stattfinden. Dazu komme die unklare schulische Situation mit einer sehr heterogenen Qualität des digitalen Unterrichts. Manche Familien könnten das gut unterstützen, andere hätten nicht diese Ressourcen.

Eines der größten Probleme seien die fehlenden sozialen Kontakte durch die Kita- und Schulschließungen, meint der Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, Christian Zainhofer. «Vor allem, weil ab einem gewissen Alter die maßgeblichen Entwicklungsimpulse nicht mehr von den Eltern kommen, sondern von Gleichaltrigen.» Und genau das fehle seit fast einem Jahr.

Das Konfliktpotenzial sei in allen Familien größer, erklärt Zainhofer. In Familien, in denen ohnehin Gewaltbereitschaft herrsche, verschlimmere sich jedoch die Situation, weil alle den ganzen Tag aufeinander hockten. Wo man sich früher aus dem Weg gehen konnte, kracht es jetzt.

«Besonders Sorgen machen uns die Familien, die nicht so gute soziale und finanzielle Ressourcen haben», erläutert Maur. Früher seien sie noch durch niedrigschwellige Angebote angesprochen worden, die aber seien jetzt geschlossen. Einige Jugendliche seien auch für Sozialarbeiter oder Lehrer nicht mehr erreichbar und an Homeschooling nähmen sie nicht teil, berichtet der Vorsitzende des Landesjugendrings Rheinland-Pfalz, Volker Steinberg. «Man weiß daher nicht genau, was in den Familien vorgeht.»

Dazu kommt: Die Kinder leiden darunter, für ihre Familie ein Risikofaktor zu sein, wenn sie in überfüllten Bussen sitzen und in enge Klassenzimmer müssen, wie Steinberg erläutert. «Das stresst Kinder und Jugendliche maximal», konstatiert der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Rheinhessen-Fachklinik in Mainz, Michael Huss.

Erste Folgen sind spürbar. In den psychotherapeutischen Praxen für Kinder und Jugendliche im Land seien ebenso ein Anstieg der Anfragen zu verzeichnen wie auch viele Rückfälle oder Verschlechterungen bereits bestehender Krankheitsbilder und Probleme, berichtet Kammer-Präsidentin Maur. Teilweise stagnierten Behandlungen, weil Hilfsangebote etwa zum Berufseinstieg fehlten. Auch die Anfragen bei Hilfsangeboten wie der Nummer gegen Kummer oder dem Elterntelefon haben laut Zainhofer zugenommen.

Die Mainzer Rheinhessen-Fachklinik verzeichnete vor allem in der zweiten Welle der Corona-Pandemie einen ähnlichen Trend. Die Belegung in der Abteilung sei nicht eingebrochen, der Schweregrad der Erkrankung habe deutlich zugenommen, berichtet Chefarzt Huss. «Der Druck auf die Kinder und Jugendlichen ist gestiegen.» Dass sie sich trotz der coronabedingt höheren Hemmschwelle hätten einweisen lassen, zeige, dass sie es nicht mehr anders ausgehalten hätten. Symptome seien neben Depressionen auch Zukunftsängste oder selbstverletzendes Verhalten und psychosomatische Beschwerden.

Im Schnitt sei in den Praxen mit einer Wartezeit von 20 Wochen zu rechnen, sagt Maur. Die schnellste Lösung, um diese zu verringern, sei das Prinzip der Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Sie müssten unter bestimmten Voraussetzungen eine Behandlung in Privatpraxen bezahlen. «Das ist zwar gesetzlich verankert, seit vielen Jahren machen das die Kassen aber nur noch sehr selten.» Zudem müssten bestehende niedrigschwellige Angebote gestärkt werden - denn «nicht jedes Kind braucht Psychotherapie». Dazu zählten Schulsozialarbeit, Schulpsychologen und Psychologinnen, Jugendhilfe, Beratungsstellen sowie Freizeitangebote vor Ort.

Die Jugendverbände hätten digital aufgerüstet und könnten einigermaßen gut Kontakt halten, berichtet Steinberg. Dabei gehe es um digitale, aber zweckfreie Angebote zum Treffen. Wenn das Infektionsgeschehen es zulasse, seien reale Treffen dringend notwendig. «Wir tun unser Bestes, um immer weitere Formate zu finden.»

Doch die Corona-Pandemie hat nicht nur Nachteile für Kinder und Jugendliche. Zum einen lernten sie aus der jetzigen Situation, meinen die Expertinnen und Experten. Zum anderen seien viele Kinder und Jugendliche auch wegen schulischer Schwierigkeiten wie Leistungsängsten oder Mobbing in Behandlung, erklärt Maur. Schule könne eben auch ein großer Belastungsfaktor sein. «Im Frühjahr 2020 blühte die Hälfte der Patienten auf und war entspannt», sagt die Psychologische Psychotherapeutin.

Für Kinder und Jugendliche mit sozialen Phobien sei das Homeschooling zunächst eine maximale Entlastung, erläutert Huss. Auch Kinder mit autistischen Zügen seien zu Beginn richtig erleichtert gewesen. «Die Welt war auf ihre Bedürfnisse besser zugeschnitten.» Wer zum Beispiel immer rot werde, wenn er oder sie vor anderen rede, könne jetzt die Kamera ausschalten und werde nicht gesehen. «Später ist allerdings die Hemmschwelle, auf andere wieder zuzugehen, doppelt so hoch», weiß der Mediziner. Das soziale Training werde unterbrochen.

Maur und Steinberg fürchten, dass die Unterschiede in der Bildung noch sichtbarer werden könnten zwischen den Kindern mit guter Unterstützung und ohne. «Die Schere wird weiter aufgehen», meint der Vorsitzende des Landesjugendrings. Allerdings brauchen Kinder viel mehr als Bildung, darin sind sich die Expertinnen und Experten einig.

Es gelte zu analysieren, welche Aufgabe Schule wirklich habe, findet Huss. «Wie hoch ist der rein akademische Lernanteil, wie hoch ist der soziale interaktive Anteil?» Eine Erkenntnis der Pandemie: «Das Wichtigste für die Schule ist der direkte Kontakt und Austausch und den gilt es jetzt intensiv in den Mittelpunkt zu stellen.»

Ärzteverbände gegen flächendeckende Schnelltests für Schüler

Überlegungen in der Politik zu regelmäßigen Corona-Tests bei Schülern stoßen bei Medizinerverbänden auf Kritik. «Die zu erwartende hohe Zahl an falschen negativen und falschen positiven Ergebnissen würde aus unserer Sicht weit mehr Schaden anrichten als nutzen», sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Es bestehe «eine erhebliche Gefahr», dass die Hygienemaßnahmen nach negativen Testergebnissen nicht mehr eingehalten würden, weil sich die Schüler in falscher Sicherheit wögen. «Angesichts vieler falsch negativer Ergebnisse könnte das zu mehr Ansteckungen führen, als wenn nicht getestet würde; das wäre verheerend.» Auf der anderen Seite müssten Kinder bei falsch positiven Ergebnissen unnötig in Quarantäne.

Sein Verband hat mit den Gesellschaften für Pädiatrische Infektiologie, für Kinder- und Jugendmedizin und für Krankenhaushygiene eine entsprechende Stellungnahme verfasst, der der Zeitung vorliegt. Das Bundesgesundheitsministerium hält in einem Diskussionspapier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, ein oder zwei Tests pro Woche für Schülerinnen und Schüler für sinnvoll.

Vor allem die unangenehmen Schnelltests mit Abstrich tief in der Nase oder im Rachen könnten bei häufiger Anwendung für junge Schulkinder sehr belastend sein, fürchten die Verbände dem Bericht zufolge. Statt «vorschnell und kontraproduktiv» alle Schulkinder zu testen, brauche es eine umfassende Strategie zum Einsatz von Testungen in Schulen. Dazu müsse gehören, das gesamte Personal, jeden zweiten Tag zu testen, also auch Mitarbeiter von Kantinen oder Fahrdiensten. Überdies sollten die Schnelltests auch künftig nur durch geschultes Personal erfolgen, bei Selbsttestungen drohten zu viele falsche Ergebnisse.

29.02.2021

Kinderärzte: Schulen und Kitas umgehend öffnen

Vor den Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Pandemie fordern die Kinderärzte eine rasche Öffnung von Schulen und Kitas. «Auch nach dem Auftreten von Virusmutationen bleibt es dabei, dass Kinder und Jugendliche keine Treiber der Pandemie sind», sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Sonntag. «Deshalb können und müssen alle Schulen und die Kitas umgehend wieder geöffnet werden. Sie spielen im Infektionsgeschehen keine nennenswerte Rolle.»

Eine weitere Schließung der Schulen würde die Kollateralschäden für Kinder und Jugendliche massiv erhöhen, warnte Fischbach. Die psychischen, sozialen und emotionalen Beeinträchtigungen seien nach einem Jahr im Corona-Ausnahmezustand jetzt im zweiten Lockdown noch stärker als im ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr. Neben Vereinsamung, Depression, aggressivem Verhalten und innerfamiliären Konflikten sei auch eine Zunahme der Fettleibigkeit aufgrund von Bewegungsmangel zu beobachten. «Je länger der Lockdown dauert, desto massiver werden aller Voraussicht nach die Langzeitfolgen sein», sagte Fischbach.

Der Kinderschutzbund plädierte für Unterricht in den Ferien und an Samstagen, um schulische Defizite aufzuholen. «Es geht um eine große gesellschaftliche Aufgabe, da erwarte ich, dass die Lehrkräfte offen dafür sind. Deren Verbände können sich nicht jedes Mal verweigern», sagte der Chef des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers dem «Spiegel». Lehrerinnen und Lehrer hätten zwar einen Urlaubsanspruch. «Aber Schulferien sind nicht gleichbedeutend mit Urlaub, das ist unterrichtsfreie Zeit. Ein kleiner Teil davon muss dann eben für den Unterricht genutzt werden», sagte Hilgers.

27.02.2021

Eisenmann fordert weitere Schulöffnungen ab 8. März

CDU-Spitzenkandidatin und Kultusministerin Susanne Eisenmann will trotz der wieder steigenden Corona-Zahlen auch die weiterführenden Schulen im Südwesten bald wieder öffnen. «Für die Schulen sollten wir uns zutrauen, ab 8. März die nächsten Schritte zu gehen. Und zwar in den Grundschulen, aber auch in den weiterführenden Schulen», sagte Eisenmann dem «Mannheimer Morgen» (Samstag). Eine umfassende Teststrategie mache auch hier schrittweise Öffnungen mit reduzierten Schülerzahlen im Schulgebäude möglich.

In den Grundschulen müsse es ebenfalls mit Hilfe von Schnelltests «baldmöglichst» wieder nur Präsenzunterricht geben, erklärte die Ministerin. Seit vergangenem Montag ist in den Grundschulen wieder abwechselnd Präsenz- und Fernunterricht möglich. Eisenmann sagte zudem: «Wir wollen auch an den weiterführenden Schulen mit Wechselunterricht einsteigen.» Auch da wollten die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern eine Perspektive. «Nichts ist so gut wie Präsenzunterricht.»

Eisenmann verwies auf die nächste Bund-Länder-Runde zur Corona-Politik am kommenden Mittwoch. «Wenn da Kontaktbeschränkungen gelockert werden, ergeben sich daraus neue Handlungsoptionen.» Der Lockdown sei notwendig gewesen. «Dazu stehe ich. Aber klar ist, dass wir jetzt bei den stabilen Werten und den neuen Testmöglichkeiten schrittweise öffnen können. Natürlich mit Auflagen.» Die CDU-Politikerin ergänzte: «Man muss aber abgewogen und vorsichtig vorgehen. Es wäre eine blanke Katastrophe, wenn wir jetzt öffnen und in ein paar Wochen wieder schließen müssten. Auch wer
auf Sicht fährt, fährt ja.»

26.02.2021

Ministerium stellt Masken für Brandenburgs Grundschullehrer bereit

Für mehr Sicherheit im Unterricht stellt das Bildungsministerium den Lehrern in den Brandenburger Grundschulen mehr Masken zur Verfügung. Das Ministerium werde neben den bereits beschafften FFP2-Masken umgehend auch die Beschaffung medizinischer Masken für die Lehrkräfte ermöglichen, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben von Staatssekretärin Ines Jesse und dem Hauptpersonalrat vom Freitag an alle Lehrer. Dabei gehe es um zwei kostenlose Masken pro Tag pro Lehrkraft für die nächsten zwölf Schulwochen. Wenn in Einzelfällen trotz verkleinerter Gruppen nicht genug Abstand gehalten werden könne, seien auch Abtrennungen aus Plexiglas möglich.

Seit vergangenem Montag sind die Grundschulen in Brandenburg wieder für den Wechselunterricht zwischen der Schule und zu Hause geöffnet. Der Hauptpersonalrat der Lehrkräfte hatte vor Risiken gewarnt, kostenlose Masken für alle Lehrer und Schüler und mehr Schnelltests gefordert. Er warnte auch vor personellen Engpässen. Das Ministerium und die Personalvertretung vereinbarten, dass ein Teil der Arbeitszeit von Lehrkräften für Fernunterricht genutzt werden soll, die wegen Vorerkrankungen nicht in der Schule voll eingesetzt werden können.

Hildburghausen schließt Schulen und Kindergärten ab Montag wieder

Wegen hoher Corona-Infektionszahlen bleiben im Landkreis Hildburghausen Kindergärten und Schulen ab Montag (1. März) geschlossen. Das Landratsamt erließ am Freitag eine entsprechende Allgemeinverfügung. Der Inzidenzwert - also die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen - lag am Freitag bei knapp 195, wie ein Sprecher der Kreisverwaltung sagte. Der Wert werde am Samstag die Marke von 200 überschreiten. Somit müssten Schulen und Kindergärten nach den in Thüringen geltenden Regeln geschlossen bleiben. Eltern könnten eine Notbetreuung für ihre Kinder in Anspruch nehmen.

In Thüringen waren Grundschulen und Kindergärten erst am vergangenen Montag wieder in den eingeschränkten Betrieb gegangen. Schon da öffneten sie aber nicht in allen Kreisen. Die Regeln besagen, dass Kitas und Schulen bei einer Inzidenz von mehr als 200 schließen müssen. Liegt der Wert zwischen 150 und 200 wird eine Schließung empfohlen, die Landkreise müssen aber selbst entscheiden, wie sie verfahren.

Im Saale-Orla-Kreis, wo die Inzidenz am Freitag mit einem Wert von 193 ebenfalls nahe an der kritischen Marke lag, sollen Schulen und Kitas dennoch «bis auf Weiteres» im eingeschränkten Regelbetrieb geöffnet bleiben. Landrat Thomas Fügmann (CDU) begründete dies mit den Schwierigkeiten für Eltern, am Wochenende noch kurzfristige Absprachen mit ihren Arbeitgebern zu treffen beziehungsweise Betreuungsmöglichkeiten zu organisieren. Auch die Umplanung in den Kitas und Schulen benötige Zeit, ebenso die des Schulbusverkehrs.

Unklar ist derzeit auch noch, in welchen Kreisen und kreisfreien Städten am Montag Schüler ab der siebten Klasse wieder in die Schulen zurückkehren können. Im Saale-Holzland-Kreis dürfen sie es wegen der hohen Inzidenz noch nicht, wie das Landratamt am Freitag mitteilte. Nach der aktuellen Verordnung dürfen Schüler ab der siebten Klasse erst dann wieder in die Schulen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz stabil eine Woche lang unter 100 liegt.

Schul-Präsenzpflicht im Landkreis Rostock schon wieder aufgehoben

Drei Tage nach der Rückkehr zum Normalunterricht für die Klassen eins bis sechs und die Abschlussklassen ist im Landkreis Rostock schon wieder Schluss damit. Weil die Corona-Inzidenz seit Mittwoch über dem Warnwert von 50 liegt, wird die Präsenzpflicht ab Montag wieder aufgehoben, wie eine Kreissprecherin am Freitag mitteilte. Die Schulen seien aber geöffnet, die Kinder bis Klasse sechs könnten betreut werden. Die Schulbusse fahren demnach auch. Die Situation sei wieder vergleichbar mit der vor den Winterferien.

Damit gibt es normalen Unterricht in der Schule für alle bis Klasse sechs vorerst nur noch im Landkreis Vorpommern-Rügen und in der Hansestadt Rostock, wo die Zahl der Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen unter 50 liegt. Auch für die Abschlussklassen gilt dort Präsenzpflicht.

Im Rest des Landes wird Distanzunterricht erteilt, die Kinder von Klasse eins bis sechs können aber in der Schule betreut werden. Den Abschlussklassen wird zur Prüfungsvorbereitung Präsenzunterricht angeboten, es gibt aber keine Pflicht zur Teilnahme. Ab Klasse sieben gilt landesweit Distanzunterricht.

Am Mittwoch waren knapp zwei Drittel aller Grundschüler des Landes in den Schulen (64,5 Prozent). In den Klassen fünf und sechs waren es 58,7 Prozent und in den Abschlussklassen 71,4 Prozent. Die Schulen sind derzeit unterschiedlich gefüllt: Während die Klassenstufen in den Regionen mit Präsenzpflicht bis zu 96,2 Prozent Schulbesuch verzeichneten, waren im Landkreis Vorpommern-Greifswald mit dem stärksten Infektionsgeschehen nur 26,4 Prozent der Grundschüler und 14,9 Prozent der Fünft- und Sechstklässler in der Schule. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim (keine Präsenzpflicht) gingen 64,3 Prozent der Grundschüler und 56,3 Prozent der Fünft- und Sechstklässler in die Schule.

Rheinland-Pfalz plant Wechselunterricht auch für ältere Schüler

Mainz (dpa/lrs) Das rheinland-pfälzische Kabinett will über weitere Öffnungen der Schulen entscheiden. Der Vorschlag sehe vor, dass die fünften und sechsten Klassen am 8. März und alle anderen Klassen ab 15. März in den Wechselunterricht gehen sollen, kündigte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Freitagmorgen im Ältestenrat des Landtags an. Die Bildung habe oberste Priorität. Die Grundschulen sind seit Beginn dieser Woche bereits im Wechselunterricht, die anderen Klassen haben noch Fernunterricht. Mit einem Beschluss ist im Laufe des Tages zu rechnen.

25.02.2021

Neue Sitzenbleiben-Regel für Berliner Schüler - wegen Corona

Berlin (dpa) Viele Berliner Schüler dürfen das von Corona und Schulschließung geprägte Schuljahr 2020/21 wiederholen, wenn sie das wollen. Das Abgeordnetenhaus beschloss am Donnerstag eine entsprechende Gesetzesänderung. Sie betrifft Schüler in der Primarstufe sowie der Sekundarstufe I - also der Klassen 1 bis 10. Wenn sie das Schuljahr wiederholen wollen, müssen ihre Eltern einen schriftlichen Antrag bei den Schulleitern stellen. Verpflichtend vorgesehen ist ein Beratungsgespräch mit Schulvertretern. Bisher konnten Schüler nicht freiwillig sitzenbleiben. Nachteile sollen ihnen durch eine Wiederholung der Jahrgangsstufe nicht entstehen.

Kultusministerium erleichtert mittlere Abschlüsse in Corona-Krise

Das Kultusministerium hat angesichts der Corona-Krise entschieden, dass es für die mittleren Schulabschlüsse in den Kernfächern dezentrale Abschlussprüfungen geben wird. Für die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik werden außerdem die Termine für die schriftliche Prüfung verschoben, teilte das Kultusministerium am Donnerstag in Hannover mit. Die Prüfungen in der Sekundarstufe I finden nun am ursprünglich ersten Nachschreibetermin statt, somit erhalten die Schülerinnen und Schüler mehr Vorbereitungszeit.

Zudem wies das Ministerium darauf hin, dass die mündlichen Prüfungen freiwillig und nicht verpflichtend abzulegen seien. Damit könnten Schüler ihre Note im Rahmen einer Prüfung verbessern. Die Bewertung der Leistung in der freiwilligen mündlichen Prüfung bleibe aber unberücksichtigt, wenn aufgrund dieser Bewertung die Jahresnote schlechter als ausreichend lautet. Diese Regelung habe bereits im vergangenen Jahr gegolten und sich außerordentlich bewährt.

«Mit sicheren und fairen Prüfungen wahren wir Zukunftschancen für junge Menschen», sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Es würden Abschlüsse vergeben, die keinen Corona-Makel hätten. «So verhindern wir, dass sich die Jugendlichen aus dem Abschlussjahrgang 2020/2021 rechtfertigen müssen und gegebenenfalls schlechtere Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt haben.» Für den Ablauf der Prüfungen schreibt das Ministerium strenge Hygienemaßnahmen vor.

Land Hessen will Sammel-Impftermine für Lehrer und Erzieher anbieten

Das Land Hessen will für Grundschullehrer und Mitarbeiter in der Kindertagesbetreuung Sammeltermine für die Corona-Schutzimpfung anbieten. Kommunen und Schulleiter sollen den Bedarf erfassen und an das Schulamt weiterleiten, wie das hessische Innenministerium am Donnerstag mitteilte. Die Namen der Interessierten würden dann vom jeweiligen Staatlichen Schulamt an das örtlich zuständige Impfzentrum weitergeleitet. «Dieses organisiert die Sammel-Impftermine», teilte das Innenministerium weiter mit.

Das Personal in den Grund- und Förderschulen und in der Kindertagesbetreuung arbeite täglich eng mit Kindern zusammen, «die naturgemäß die Abstandsregeln nicht immer strikt befolgen oder teils auch von der Maskenpflicht befreit sind», teilten Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU), Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) und Kultusminister Alexander Lorz (CDU) gemeinsam mit. «Eine schnelle Impfung schützt nicht nur sie selbst, sondern zugleich auch die betreuten Kinder.» Sie appellierten an die Beschäftigten, das Angebot anzunehmen und sich impfen zu lassen.

Impfberechtigte Lehrer und Erzieher könnten sich auch individuell telefonisch oder online für Impftermine anmelden. Parallele Anmeldungen über das Schulamt und über das Portal sollten laut Innenministerium jedoch vermieden werden.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Hessen kritisiert, dass zunächst nur Grundschul- und Förderlehrer geimpft werden dürfen, nicht aber Lehrer an weiterführenden Schulen. «Denn während an Grund- und Förderschulen der enge Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern das größte Infektionsrisiko darstellt, sind es an weiterführenden Schulen die vielfältigen Kontakte, denen die Lehrkräfte in ständig wechselnden Lerngruppen ausgesetzt sind», teilte der Verband am Donnerstag mit. Vor allem für Verbundsschulen sei das Vorgehen nicht nachvollziehbar.

In Baden-Württemberg hingegen würden Lehrkräfte aller Klassen ein Impfangebot bekommen. Das führe dazu, dass ein Lehrer, der in Hessen eine fünfte Klasse unterrichte, aber in Baden-Württemberg wohne, geimpft werden könne. Sein Kollege, der in Hessen wohne, allerdings nicht. Das Nachbarland orientiere sich bei den Impfungen nämlich am Wohnort der Lehrkräfte, Hessen hingegen am Ort der Schule. «Das alles ist unlogisch, inkonsequent - schlicht ein Irrsin», teilte der Vorsitzende des VBE Hessen, Stefan Wesselmann, mit.

Dem hessischen Innenministerium zufolge zählen rund 70 000 Grundschullehrer und Erzieher zu den Impfberechtigten der zweiten Prioritätsgruppe. Insgesamt umfasst diese Gruppe demnach 1,5 Millionen Hessen.

 

Hamburger Schulen und Kitas sollen trotz hoher Corona-Zahlen öffnen

Vor zehn Tagen war schönstes Winterwetter - jeder Hügel in Hamburg wurde zum Rodeln genutzt, auf Abstand achtete nicht jeder im Winterwunderland. Nun gehen die Corona-Zahlen in die Höhe.

Trotz deutlich steigender Corona-Zahlen sollen Schulen und Kitas auch in Hamburg bald wieder öffnen. Am Freitag werde Schulsenator Ties Rabe (SPD) eine Teststrategie vorstellen, die eine Rückkehr zur Präsenzpflicht nach den Frühjahrsferien am 15. März ermöglichen solle, teilte seine Behörde am Donnerstag mit. Schon eine Woche früher könnten die Kitas aus dem Notbetrieb gehen - hier ist eine Entscheidung aber noch nicht gefallen. Unterdessen stieg die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in Hamburg auf knapp 80. Weitere Lockerungen soll es erst ab einem stabilen Wert unter 35 geben.

Ein Wiederanfahren des Schulbetriebs nach den am Montag beginnenden zweiwöchigen Ferien war erwartet, das Datum aber bisher nicht konkret bestätigt worden. In Hamburg ist die Präsenzpflicht für Schülerinnen und Schüler seit dem 16. Dezember aufgehoben. Der Senat hatte immer betont, dass Kitas und Schulen bei Corona-Lockerungen Priorität hätten.

Die Kitas wurden von der Sozialbehörde aufgefordert, sich auf eine Rückkehr aus der Notbetreuung noch während der Ferien vorzubereiten. Öffnungsschritte würden von der Entwicklung der Infektionen abhängig gemacht, heißt es in einem Schreiben an die Einrichtungen vom Mittwoch, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Die erweiterte Notbetreuung wird deshalb mindestens bis zum 07.03.2021 fortgesetzt.» Jeder weitere Öffnungsschritt werde auch hier durch eine Teststrategie begleitet. Ob es am 8. oder am 15. März losgeht, soll dem Vernehmen nach am kommenden Montag feststehen.

Angesichts der Zahlen dürften weitere Lockerungen wie Ladenöffnungen für Hamburg aber in weite Ferne rücken: Am Mittwoch kamen 343 neu nachgewiesene Corona-Infektionen hinzu - 97 Fälle mehr als am Vortag und 148 mehr als am Donnerstag vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl neuer Ansteckungen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche - stieg den vierten Tag in Folge auf nunmehr 79,7. Vor einer Woche hatte dieser Wert noch bei 68,1 gelegen.

In der Gesundheitsbehörde sieht man einen Zusammenhang zwischen den steigenden Corona-Zahlen und dem Rodel-Vergnügen vor knapp zwei Wochen, dem sich viele Hamburgerinnen und Hamburger bei kalt-trockenem Wetter hingegeben hätten, wie Sprecher Martin Helfrich der dpa sagte. «Es gibt durchaus Anhaltspunkte, dass wir das jetzt auch in den Neuinfektionszahlen sehen.»

Und auch die inzwischen frühlingshaften Temperaturen locken die Menschen weiter auch in großen Gruppen ins Freie. 268 Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstoßes gegen Corona-Regeln leitete die Hamburger Polizei binnen 24 Stunden bis Donnerstagmorgen ein - zumeist gegen Jugendliche und junge Erwachsene, die Abstandsregeln nicht eingehalten hätten, wie eine Sprecherin sagte. Gruppen mit jeweils mehr als 150 Personen seien der Polizei von Anwohnern oder Passanten im Jenischpark, am Jungfernstieg und im Park Fiction am St. Pauli Fischmarkt gemeldet worden.

Ab Samstag soll in Hamburg eine verschärfte Maskenpflicht gelten, die eine medizinische Mund-Nase-Bedeckung überall dort vorschreibt, wo Abstände aufgrund vieler Besucher nicht eingehalten werden können, etwa an Alster und Elbe und in den Parks. Die Polizei kündigte Kontrollen an. «Vor allem diese definierten Bereiche werden wir am Wochenende im Fokus behalten, sind aber auch im gesamten Stadtgebiet unterwegs», sagte die Sprecherin.

Nicht regelkonform versucht auch so mancher, an eine Impfung im Zentralen Impfzentrum in den Messehallen zu gelangen. In rund 200 Fällen hätten dort allein in der vergangenen Woche Impfwillige abgewiesen werden müssen, obwohl sie einen Termin hatten, sagte Helfrich. Grund seien falsche Angaben bei der Terminvereinbarung gewesen. So seien in 35 Prozent der Fälle die Betroffenen noch keine 80 Jahre alt gewesen.

Zwar müsse man bei der Online-Anmeldung versichern, dass man laut Impfverordnung berechtigt ist. Die Überprüfung finde jedoch erst im Impfzentrum statt. «Das Personal ist angewiesen, Personen, die derzeit nicht impfberechtigt sind, abzuweisen», sagte er. 22 Prozent und damit ein gutes Viertel der Impf-Schummler hätte den Hauptwohnsitz außerhalb Hamburgs gehabt. «In 19 Prozent der Fälle war ein fehlender, unzureichender oder nicht glaubhafter Tätigkeitsnachweis der Grund für die Ablehnung. In 9 Prozent der Fälle hatten die Personen angegeben, zum impfberechtigten medizinischen Personal zu gehören, ohne das nachweisen zu können.»

Keine Algorithmen: Britische Regierung zieht Lehren aus Noten-Fiasko

Nach einem gescheiterten Versuch mit Algorithmen will die britische Regierung Lehrkräften wieder die volle Verantwortung über Schulnoten in der Pandemie übertragen. «Wir vertrauen den Urteilen der Lehrer. Sie sind die Menschen, die ihre Schüler am besten kennen», sagte Schulstaatssekretär Nick Gibb am Donnerstag der BBC. Bildungsminister Gavin Williamson hatte zuvor klargestellt, dass keine Algorithmen mehr bei der Benotung zum Einsatz kommen sollten. «Es ist wichtig, dass die Schüler Vertrauen haben, dass sie die Note bekommen, die ihre Arbeit wahr und gerecht abbildet», so Williamson im Londoner Unterhaus.

Im vergangenen Jahr hatte es große Aufregung in Großbritannien geben, als Tausende Schülerinnen und Schüler schlechtere Abschlussnoten im Abitur und bei Zwischenprüfungen (GCSE) bekommen sollten, die von einem Algorithmus auf Basis von Lehrer-Einschätzungen errechnet worden waren. Schließlich war die Regierung zurückgerudert.

Stattdessen sollen in diesem Jahr Lehrer auf der Basis von freiwilligen Tests und Erfahrungen im Unterricht Abschlussnoten geben, auch wenn wegen der Pandemie wie im Vorjahr keine echten Abschlussprüfungen stattfinden werden. Die Lehrenden bekämen eine Leitlinie von Prüfungsausschüssen und Ratschläge, wie sie die Noten am fairsten und nachvollziehbarsten vergeben könnten, kündigte Williamson an.

Die von den Lehrkräften vergebenen Noten sollen früher veröffentlicht werden als üblich, damit die Schülerinnen und Schüler ausreichend Zeit haben, um mögliche Beschwerden einzureichen. Kritiker bemängeln, dass der nun gewählte Ansatz entweder zu einer im Schnitt zu großzügigen Benotung oder zu einer großflächigen Anfechtung der Noten führen könne.

Bayern senkt Klausuranforderungen für Schüler der elften Klassen

Wegen der Corona-Krise müssen die Schüler der elften Klassen in Bayern in diesem Schuljahr pro Fach nur eine Klausur schreiben. «Wir sichern trotz Corona die hohe Qualität des bayerischen Abiturs und Fachabiturs. Wichtig ist mir aber auch, dass wir eine Ballung von Schulaufgaben und Klausuren in den Präsenzphasen vermeiden», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Donnerstag in München. Dies sei auch deswegen notwendig, weil sich die 11. Klassen an Gymnasien und Fachoberschulen derzeit noch vollständig im Distanzunterricht befänden.

Bei den Schulaufgaben sieht die Neuregelung vor, dass im gesamten Schuljahr eine Klausur pro Fach geschrieben werden muss. Wenn im ersten Halbjahr bereits eine Schulaufgabe geschrieben wurde, muss im zweiten Halbjahr keine weitere mehr erbracht werden. Die im gesamten Schuljahr 2020/21 erbrachten Leistungen können als Ergebnis für das erste wie für das zweite Schulhalbjahr gewertet werden.

Für den Abiturjahrgang 2021, der bereits seit 1. Februar meist im Wechselunterricht zurück an den Schulen ist, hatte Piazolo bereits die Abiturtermine verschoben und die Zahl der Schulaufgaben im zweiten Halbjahr reduziert – Klausuren finden hier nur noch in den schriftlichen Abiturfächern statt.

Auch für die 12. und 13. Klasse der Beruflichen Oberschulen seien nun auch die Vorgaben für die sogenannten sonstigen Leistungsnachweise angepasst worden. Hier seien coronabedingt in Ausnahmefällen auch etwa nur zwei rein mündliche Leistungsnachweise pro Halbjahr ausreichend. «Trotz Corona wird es ein faires und qualitativ hochwertiges Abitur bzw. Fachabitur geben», sagte Piazolo.

Erzieher und etliche Lehrer können sich Impftermine besorgen

Erfurt (dpa/th)Beschäftigte in Thüringer Kindergärten sowie an Grund- und Förderschulen können sich ab Donnerstag einen Impftermin im Internet besorgen. Hintergrund ist die Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums, dass diese Gruppen nun doch früher geimpft werden können als ursprünglich vorgesehen. In Thüringen soll es nach den Plänen des Gesundheitsministeriums und des Bildungsministeriums zwei spezielle Impftermine für das betroffene Personal geben: Am kommenden Sonntag und den Sonntag eine Woche später. Insgesamt seien rund 10 000 Impfdosen bereitgestellt, hieß es. Betroffene sollen eine Bestätigung vom Arbeitgeber bekommen, dass sie in den Einrichtungen arbeiten und damit impfberechtigt sind.

24.02.2021

Keine blauen Briefe im Corona-Jahr - Freiwilliges Sitzenbleiben

Im zweiten Corona-Schuljahr gibt es gute und schlechte Nachrichten für die Schüler: Im Briefkasten werden keine blauen Briefe liegen. Aber aus dem Schneider sind die Schwächeren damit nicht.

Schüler in Nordrhein-Westfalen müssen am Ende dieses zweiten Corona-Schuljahres keine «blauen Briefe» fürchten. Es würden keine Schreiben zu gefährdeten Versetzungen verschickt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch. Anders als im vergangenen Schuljahr können leistungsschwache Schüler aber trotzdem sitzenbleiben. Es werde am Ende des Schuljahres «Versetzungsentscheidungen» geben, sagte die Ministerin. Zugleich würden aber erweiterte Nachprüfungsmöglichkeiten geschaffen. Schüler könnten eine Klasse auch freiwillig wiederholen, ohne dass das auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet werde.

Die Maßnahmen sind im Bildungssicherungsgesetz 2021 enthalten, das vom Kabinett beschlossen wurde und nun in die Verbändeanhörung geht. Mit dem Gesetz sollen laut Gebauer «faire und gerechte Bedingungen in Pandemie-Zeiten» ermöglicht werden. Den Schülerinnen und Schülern sollten auch in diesem Jahr durch die Pandemie keine Nachteile für ihre Bildungs- und Berufswege entstehen.

Am Ende der Erprobungsstufe nach Klasse 6 sollen dieses Jahr nach Beratung durch die Schule ausnahmsweise die Eltern entscheiden können, ob ihr Kind eine Ehrenrunde dreht oder die Schulform wechselt. Die Klassenkonferenz soll trotzdem eine Aussage dazu treffen, ob ein Schüler an der gewählten Schulform bleiben kann.

Für die zentralen Prüfungen in Klasse 10 (ZP 10) in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen werden in diesem Schuljahr wieder landeseinheitliche Aufgaben gestellt. Die Rückkehr in den Präsenzunterricht für die Abschlussklassen seit einigen Tagen ermögliche «eine angemessene Prüfungsvorbereitung», sagte Gebauer. Die Prüfungen beginnen ab dem 19. Mai.

Vergangenes Jahr war auf zentrale ZP 10-Prüfungen verzichtet worden. Stattdessen hatten Lehrkräfte Klassenarbeiten schreiben lassen. An den Gymnasien jedoch wird es wie schon vergangenes Jahr am Ende der zehnten Klasse erneut keine zentralen schriftlichen Prüfungen geben.

Bereits beschlossen hatte die Landesregierung, dass die Abiturprüfungen in NRW um neun Tage vom 14. April auf den 23. April verschoben werden und die Aufgabenauswahl erweitert wird. In diesem Zeitraum findet für die Prüflinge kein regulärer Unterricht statt. Außerdem gibt es Nachschreibetermine für Schüler, die an drei unmittelbar aufeinander folgenden Tagen einer Kalenderwoche Klausuren schreiben müssen. Die externe Zweitkorrektur entfällt wie auch vergangenes Jahr. Es gibt aber eine interne Zweitkorrektur.

Die NRW-Maßnahmen entsprechen laut Gebauer den Beschlüssen der Kulturministerkonferenz (KMK). Alle Bundesländer hatten sich darauf verständigt, Abschlüsse auch in diesem Corona-Jahr auf Basis von Prüfungen zu vergeben. Es sei wichtig zu erkennen, ob Leistungen erbracht worden seien oder nicht, sagte Gebauer. Ihr Staatssekretär Mathias Richter sagte, es habe genug Präsenzunterricht gegeben, so dass Leistungen entsprechend bewertet werden könnten.

Nach wochenlangen Schulschließungen in NRW im Corona-Lockdown dürfen seit Montag Grund- und Förderschüler sowie Schüler aus Abschlussklassen und Berufskollegs in NRW unter verschärften Schutzvorkehrungen wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Für die Primarstufe gibt es Wechselmodelle aus Distanz- und Präsenzunterricht in halbierter Klassenstärke. Die Abschlussjahrgänge dürfen hingegen in voller Klassen- oder Kursstärke unterrichtet werden. Die Klassen 5 bis 9 oder 10 sind weiter im Distanzunterricht.

Die Landeselternschaft der Gymnasien forderte täglichen Präsenzunterricht für alle Klassen in NRW. Mit einer Reduzierung der Unterrichtsstunden sowie Verteilung auf Vor- und Nachmittage wäre das möglich, sagte die Verbandsvorsitzende Jutta Löchner. Trotz der coronabedingten Probleme spricht sich auch die Elternschaft dagegen aus, die Schüler - wie im Vorjahr - wieder automatisch zu versetzen.

Eine aktuelle Umfrage habe dennoch alarmierenden Handlungsbedarf zutage gefördert: Demnach erwarten mehr als 40 Prozent der über 41 000 Eltern, die geantwortet haben, mittelgroße bis schwerwiegende Wissenslücken durch den eingeschränkten Unterricht in der Corona-Pandemie.

Unter den 224 Gymnasialdirektoren, die im Januar ebenfalls an einer Befragung der Elternschaft teilgenommen hatten, sieht nur eine Minderheit keine coronabedingten Lernlücken. 22 Prozent der Direktoren sehen sich nicht in der Lage, Schüler und Eltern am Ende der 6. Klasse zuverlässig über einen angemessenen Schulwechsel zu beraten. Die Landeselternschaft fordert daher, die Erprobungsstufe bis auf weiteres auf Klasse 7 auszudehnen. Jeder zehnte Schulleiter sieht die Aussagekraft der Abiturzeugnisse 2021 kritisch.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, kritisierte, mit dem jetzt vorgelegten Gesetzentwurf sei die Ministerin «mal wieder viel zu spät». Die Regelungen seien zudem unzureichend. «Wir plädieren dafür, dass die Abiturientinnen und Abiturienten in diesem Jahr die Möglichkeit für einen Freischuss haben sollen, um ihnen die Sorgen und den Stress vor den anstehenden Prüfungen zu nehmen.» Die aktuelle Situation sei schon belastend genug.

Landesschülerrat fordert vor Schulstart Schnelltests für Schüler

Wenige Tage vor der Rückkehr zum Präsenzunterricht für alle Jahrgänge dringt der Landesschülerrat auf Corona-Schnelltests für Schülerinnen und Schüler. Es müsse eine intensive Teststrategie aufgebaut werden, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Felix Schopf, am Mittwochnachmittag bei einer Online-Diskussion der SPD-Fraktion. Dabei seien sowohl Selbsttests für zu Hause denkbar wie Schnelltests durch medizinisches Fachpersonal. Zudem sollten die Kinder und Jugendlichen Schutzmasken gestellt bekommen statt sie privat zu besorgen. «Viele gehen schon mit einem mulmigen Gefühl in die Schule», sagte Schopf weiter.

Am Montag endet überall außer im Burgenlandkreis der monatelange Notbetrieb und es gibt wieder Präsenzunterricht für alle Klassenstufen. An Grundschulen lernen die Klassen in festen Räumen mit fest zugeteilten Lehrkräften. Zudem wird die Präsenzpflicht aufgehoben. Ältere Jahrgänge werden in Gruppen geteilt und lernen abwechselnd in der Schule und mit Aufgaben zuhause. Zudem gelten Abstands- und Hygieneregeln.

Für die Lehrkräfte hat das Land als Arbeitgeber zudem mehr als 480 000 Schutzmasken sowie 110 000 Schnelltests zur Verfügung gestellt. Für die Schülerinnen und Schüler gibt es noch keine Schnelltests.

Am Mittwoch genehmigte der Bund die ersten drei Corona-Tests, die jeder selbst anwenden kann. Sie sollen bald in Apotheken und im Handel verfügbar sein. Bisher war dafür geschultes Personal nötig. Jetzt müsse geprüft werden, ob diese Selbsttests für den flächendeckenden Einsatz bei Schülerinnen und Schülern zum Einsatz kommen können, sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. «Wir warten hoffnungsvoll auf die Entscheidung der Behörden.»

Auch SPD-Fraktionschefin Katja Pähle verwies bei der Online-Diskussion mit dem Landesschülerrat auf bestehende Hürden bei Schnelltests für Schülerinnen und Schüler. Bei Minderjährigen müssten solche Tests von den Eltern genehmigt oder von diesen bei ihren Kindern selbst vorgenommen werden, sagte Pähle. Das sei bei den herkömmlichen Tests mit einer unangenehmen Probenname im Rachenbereich unpraktikabel. Besser seien Spuck- und Gurgeltests, die Schülerinnen und Schüler selbst anwenden könnten, so Pähle.

Hamburgs Schüler können Klassen wegen Corona freiwillig wiederholen

Wegen der langen durch die Corona-Pandemie verursachten Fehlzeiten an den Schulen können Hamburgs Schüler die Jahrgangsstufe nun freiwillig wiederholen. Die Schulbehörde habe das in der Hansestadt seit Jahren geltende sogenannte Verbot des Sitzenbleibens für dieses Schuljahr aufgehoben. «Nach den langen Schulschließungen wird es nicht immer gelingen, dass Schülerinnen und Schüler wieder Anschluss an ihre Lerngruppe finden», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Mittwoch. Daher sollen freiwillige Klassenwiederholungen im kommenden Schuljahr großzügig zugelassen werden, wenn sie pädagogisch sinnvoll und erforderlich seien.

Bisher ist das Wiederholen einer Klasse nur im Ausnahmefall etwa bei einer besonders großen Belastung wie einer langen Krankheit oder der Scheidung der Eltern möglich. Diese Einschränkung entfalle nun. Es werde grundsätzlich angenommen, dass die Corona-Pandemie eine große Belastung sei. Ob nun ein Wiederholen des Schuljahres oder der Verbleib in der Klasse für das Kind oder den Jugendlichen besser ist, entscheidet den Angaben zufolge die jeweilige Schule allein. Das gelte auch für die Jahrgangsstufe 10. Die Wiederholung einer Jahrgangsstufe in der gymnasialen Oberstufe werde wegen der besonderen Umstände in diesem Schuljahr nicht auf die Verweildauer angerechnet.

Ernst hofft auf offene Schulen bis Ostern - Expertentisch abgelehnt

Kinder und Jugendliche leiden unter den Schulschließungen, Corona-Kontaktbeschränkungen und fehlenden Freizeitangeboten am meisten - so weit sind sich alle Fraktionen im Landtag einig. Doch bei der Suche nach Gegenmaßnahmen herrscht weiter großer Streit.

Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) setzt darauf, trotz der Corona-Pandemie alle Schulen im Land bis Ostern wieder öffnen zu können. «Es ist gut, dass die Grundschulen wieder geöffnet sind - das ist ein erster entscheidender Schritt, die Rahmenbedingungen für unsere Kinder und Jugendlichen zu verbessern», sagte Ernst am Mittwoch in der Aktuellen Stunde des Landtags. Diesem Schritt müssten aber schnell weitere folgen, betonte Ernst. «Ich hoffe, dass im Laufe des März auch die weiterführenden Schulen im Wechselunterricht wieder öffnen können und dass Jugendangebote und Sport im Freien wieder möglich wird.»

Die Linke-Fraktion hatte die Aktuelle Stunde zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen beantragt. Denn nach verschiedenen Studien hätten bei dieser Gruppe Depressionen, psychosoziale Störungen und Folgen von Bewegungsmangel deutlich zugenommen, betonten Redner aller Fraktionen.

Die Abgeordnete Kathrin Dannenberg forderte für die Linke-Fraktion einen Expertentisch zur Bildung, in dem Vertreter von Verbänden und Wissenschaftler die besten Konzepte für die Bewältigung der Lernrückstände und anderer Probleme erarbeiten sollten. Dies lehnten die rot-schwarz-grünen Koalitionsfraktionen jedoch ab. Ernst und der CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann wiesen darauf hin, dass es regelmäßige Beratungen mit Experten sowie mit dem Landeseltern- und Landesschülerrat zu Maßnahmen wie Wechselunterricht in der Schule und zu Hause oder Abschlussprüfungen gebe.

Der AfD-Abgeordnete Dennis Hohloch verwies darauf, dass sich laut Studien die effektive Lernzeit der Kinder im Distanzunterricht halbiert habe. «Schon vor der Pandemie war es um die Bildung in Brandenburg nicht gut bestellt - können Sie sich vorstellen, wie es nun aussieht?», fragte er. Hohloch forderte von Ernst neue Ansätze für das laufende Schuljahr und darüber hinaus. Dabei müsse sich der Unterricht auf die Kernfächer konzentrieren und auch Samstagsunterricht zur Aufarbeitung der Lernrückstände eingeführt werden. Der entsprechende Antrag der AfD wurde vom Landtag abgelehnt.

Angenommen wurde der Antrag der Koalitionsfraktionen, in dem die Landesregierung aufgefordert wird, freiwillige pädagogische Angebote zum Abbau der Lernrückstände und entsprechende Angebote in den Ferien zu finanzieren. Außerdem sollen studentische Assistenten in den Schulen bis Ende des Jahres weiter beschäftigt werden.

Nach Angaben des Bildungsministeriums sind alle 485 Primarschulen in öffentlicher Trägerschaft am Montag erfolgreich in den Wechselunterricht gestartet. Gut die Hälfte der Schulen habe sich entschieden, die auf maximal 15 Schüler reduzierten Lerngruppen an bestimmten Wochentagen wechselweise in der Schule und zu Hause zu unterrichten. Knapp 47 Prozent der Schulen entschieden sich für einen wochenweisen Wechsel, und fast 3 Prozent organisierten ein Schichtmodell mit Unterricht am Vormittag oder am Nachmittag.

Gymnasialeltern fordern Präsenzunterricht für alle: Eltern «am Limit»

Frustrierte Schüler, Mütter und Väter «am Limit» - die Landeselternschaft der Gymnasien fordert intelligente Wege, um alle Schüler schnellstens aus der Isolation zurück in die Klassen zu holen. Eine Befragung zeigt dringenden Handlungsbedarf.

Die Landeselternschaft der Gymnasien fordert täglichen Präsenzunterricht für alle Klassen in Nordrhein-Westfalen. Mit einer Reduzierung der Unterrichtsstunden sowie Verteilung auf Vor- und Nachmittage wäre das möglich, sagte die Verbandsvorsitzende Jutta Löchner am Mittwoch in Düsseldorf.

Eine aktuelle Umfrage der Landeselternschaft habe alarmierenden Handlungsbedarf zutage gefördert: Demnach erwarten mehr als 40 Prozent der über 41 000 Eltern, die geantwortet haben, mittelgroße bis schwerwiegende Wissenslücken durch den eingeschränkten Unterricht in der Corona-Pandemie.

Fast 30 Prozent der Eltern mit Kindern im 5. Jahrgang gaben an, sich «nahe am Limit» zu fühlen. Rund 40 Prozent beantworteten die Frage «Wie geht es ihrem Kind?» mit: «Frustriert, die fehlenden Sozialkontakte setzen meinem Kind zu» oder mit «nicht gut». 1,6 Prozent der Eltern wollen sich sogar ärztliche oder psychologische Hilfe für ihre Kinder suchen.

Hochgerechnet auf eine halbe Million Gymnasiasten in NRW seien Tausende Kinder betroffen, bilanzierte die Landeselternschaft. «Wir können es uns nicht länger leisten, dass die Kinder über Monate zuhause bleiben», warnte Löchner.

Seit Montag dürfen Grund- und Förderschüler sowie Schüler aus Abschlussklassen und Berufskollegs in NRW unter verschärften Schutzvorkehrungen wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Für die Primarstufe gibt es Wechselmodelle aus Distanz- und Präsenzunterricht in halbierter Klassenstärke. Die Abschlussjahrgänge dürfen hingegen in voller Klassen- oder Kursstärke unterrichtet werden.

Trotz der coronabedingten Probleme spricht sich die Elternschaft übereinstimmend mit der Mehrheit der Direktoren dagegen aus, die Schüler - wie im Vorjahr - wieder automatisch zu versetzen. In der Befragung warnten 60 Prozent der Direktoren davor, die Schüler in falscher Sicherheit zu wiegen.

Die Bildungsqualität müsse gesichert werden, mahnte Löchner. Jetzt seien zunächst Lernstandserhebungen für alle Jahrgänge nötig, um Lücken offenzulegen. Zudem sollten Oster- und Sommerferienkurse angeboten werden, um Defizite aufzuholen. Falls dazu Lehramtsstudierende oder Pensionäre angeworben werden könnten, müsse das umgehend geschehen, forderte die Elternvertreterin. 20 Prozent der befragten Eltern hätten bereits Interesse an solchen Kursen angemeldet. 11 Prozent der Gymnasiasten-Eltern überlegen demnach sogar schon, ihr Kind ein Jahr wiederholen zu lassen.

Unter den 224 Gymnasialdirektoren, die im Januar ebenfalls an einer Befragung der Elternschaft teilgenommen hatten, sieht nur eine Minderheit keine coronabedingten Lernlücken - tendenziell größere Defizite in den unteren Stufen, geringere in der Oberstufe. 22 Prozent der Direktoren sehen sich nicht in der Lage, Schüler und Eltern am Eltern am Ende der 6. Klasse zuverlässig über einen angemessenen Schulwechsel zu beraten. Die Landeselternschaft fordert daher, die Erprobungsstufe bis auf weiteres auf Klasse 7 auszudehnen. Jeder zehnte Schulleiter sieht die Aussagekraft der Abiturzeugnisse 2021 kritisch.

Die Befragung bildet aber auch positive Entwicklungen ab: Rund 96 Prozent der Direktoren sehen ihr Gymnasium gut auf den Distanzunterricht vorbereitet und verfügen über eine funktionierende Lernplattform. Allerdings hat jeder zweite Lehrer noch kein eigenes Dienstgerät. Unter den Eltern gab allerdings jeder zehnte Befragte an, dass eigene Kind kommen «nicht so gut» mit den Videokonferenzen zurecht.

Die SPD-Opposition im Landtag unterstützte die Forderungen nach Lernferien, Lernstandserhebungen und verlängerter Erprobungszeit. Jedes Kind benötige einen persönlichen Förderplan, unterstrich Vizefraktionschef Jochen Ott in einer Mitteilung. Da die Wissenslücken nicht kurzfristig aufzuholen seien, sollte jedes Kind die Möglichkeit haben, freiwillig das Schuljahr wiederholen zu können.

23.02.2021

Schülervertreter befürchten düstere Zukunftsaussichten

Die Bundesschülerkonferenz warnt angesichts der Corona-Pandemie vor düsteren Zukunftsaussichten für die derzeitige Schülergeneration. Zwar dürfe man aktuell ein gewisses Maß an positiver Energie nicht verlieren, sagte der Generalsekretär Dario Schramm der Deutschen Presse-Agentur. «Dennoch habe ich große Sorge, wenn es um die Frage geht, was diese Pandemie für Auswirkungen hat.» Besonders machten ihm die Aussichten für ohnehin schon abgehängte Schüler aus wirtschaftlich schwächeren Familien Sorgen. Mit Blick auf die Themen Bewerbung, Ausbildungsplätze, Praktika sagte Schramm, der ganze Bereich Berufsvorbereitung leide massiv unter der Situation.

Ähnliche Einschätzungen kommen von der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA). Man sehe «mit Sorge», dass viele Schülerinnen und Schüler während der Schulschließungen nicht erreicht würden und zuhause zu wenig Kompensation fänden. Wie die BDA auf Anfrage weiter mitteilte, leidet aktuell besonders die berufliche Orientierung. Viele Schülerinnen und Schüler hätten nicht die Möglichkeit ein Betriebspraktikum zu machen.

Nach mehr als zwei Monaten ohne Unterricht in der Schule hatten Grundschulen in den meisten Bundesländern zuletzt wieder eingeschränkt aufgemacht. Wie lange die Einrichtungen geöffnet bleiben, ist jedoch wegen der unsicheren Corona-Lage unklar. Für die meisten älteren Schüler besteht noch keine Aussicht auf Rückkehr in ihre Schulen, nur für Abschlussklassen gibt es Ausnahmen.

Schulöffnungen frühestens am 8. März

Der Zickzackkurs in Sachen Schule geht weiter: Die Entscheidung, wann der Präsenzunterricht wieder anläuft, verzögert sich. Zum Monatsanfang ist es jedenfalls noch nicht so weit.

Lehrer, Schüler und Eltern müssen sich weiter in Geduld üben, bis sie wissen, wann es an Niedersachsens Schulen wieder mehr Präsenzunterricht geben wird. Ursprünglich hatte Kultusminister Grant Hendrik Tonne die Entscheidung für diese Woche angekündigt - doch daraus wird nun nichts. Frühestens nach dem derzeitigen Lockdown, der mindestens bis zum 7. März andauert, seien Lockerungen möglich, erklärte der SPD-Politiker am Dienstag.

Die bisherigen Planungen für die Schulöffnungen hätten «sowohl den 1. März umfasst als auch spätere Zeitpunkte», sagte Tonne. Weil die Corona-Infektionszahlen seit zwei Wochen aber nicht mehr nennenswert zurückgingen, sei in der kommenden Woche noch nicht mehr möglich als das bisherige Modell. Dieses sieht Wechselunterricht in geteilten Klassen - teils zu Hause, teils in der Schule - nur für Grundschüler und Abschlussklassen vor. Gleichzeitig ist die Präsenzpflicht im Moment aufgehoben, das heißt, die Eltern können entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder nicht.

Das Kultusministerium plant jedoch weiterhin damit, «für eine Übergangsphase nach Ende des Lockdowns» möglichst alle Schulen in den Wechselunterricht zu versetzen. Voraussetzung dafür sei ein Rückgang der Infektionen. An den Kindertagesstätten sollen dann wieder normale Gruppengrößen möglich sein, wobei die Gruppen strikt getrennt werden müssen. «Damit hätten wir ein regelmäßiges Präsenzangebot für alle Kinder und Jugendliche», sagte Tonne. «Wir stehen in den Startblöcken, aber die Pandemie lehrt, dass Unwägbarkeiten bleiben.» Am 3. März wollen Bund und Länder das weitere Vorgehen beraten.

Der FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling kritisierte angesichts der unklaren Perspektive, dass es «mit diesem Kultusminister keine Sicherheit, vor allem keine Planungssicherheit» für die Familien, Lehrer und Erzieher in Niedersachsen gebe.

Entscheidung über Schulöffnung frühestens in einer Woche

Die Entscheidung, wann der Präsenzunterricht an Niedersachsens Schulen wieder hochgefahren wird, verzögert sich. «Der Lockdown ist erst einmal allgemein vereinbart bis zum 7. März, das heißt, bis dahin wird es auch keine weiteren Schulöffnungen in Niedersachsen geben», sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Dienstag. Für das weitere Vorgehen verwies sie auf die nächsten Bund-Länder-Beratungen am 3. März.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne hatte dagegen zuletzt angekündigt, die Entscheidung solle schon in dieser Woche fallen. «Unser Ziel ist, dass wir so schnell wie möglich in den Wechselbetrieb zurückkehren», sagte der SPD-Politiker am Freitag. «Kinder müssen in die Schulen, aber das muss verantwortungsbewusst geschehen. Ab Anfang März ist das Ziel, aber wir entscheiden das in der nächsten Woche.»

FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling kritisierte angesichts dessen, dass es «mit diesem Kultusminister keine Sicherheit, vor allem keine Planungssicherheit» für die Familien, Lehrer und Erzieher in Niedersachsen gebe.

Kenia-Koalition will Ferienangebote für Schüler bei Corona-Lernlücken

Die drei Koalitionsfraktionen von SPD, CDU und Grünen im Landtag wollen Angebote für Schülerinnen und Schülern in den Ferien schaffen, um Schulstoff aus der Corona-Krise nachzuholen. Sie fordern die Landesregierung in einem gemeinsamen Antrag auf, mit Geld aus dem Corona-Rettungsschirm freiwillige Angebote von Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zu ermöglichen, um Lernrückstände zu verringern und soziale Kontakte zu fördern. Die Hilfe von Studenten als Lernassistenzen in Schulen soll außerdem bis Ende des Jahres ermöglicht werden.

«Wir stützen sowohl Angebote der Jugendhilfe und fördern dann aber auch damit individuell Kinder, die Nachholbedarf haben», sagte SPD-Fraktionschef Erik Stohn. Ähnliche Angebote gab es bereits im vergangenen Sommer. Das wurde nach Angaben von Stohn mit 2,7 Millionen Euro vom Land unterstützt. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Budke sagte, etwa jedes fünfte Kind sei vom digitalen Lernen nicht erreicht worden. Sie halte es nicht für notwendig, das Schuljahr zu verlängern. Die Grundschulen in Brandenburg sind seit Montag wieder offen für den Unterricht im Wechsel mit dem Lernen zuhause.

GEW sieht frühere Impfungen für Grundschullehrer und Erzieher positiv

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Schleswig-Holstein hat die geplante frühere Impfung von Grundschullehrern und Erziehern begrüßt. «Das ist eine wirklich gute Nachricht. Unser Drängen hat sich gelohnt», teilte die Gewerkschaft am Dienstag mit. Die Impfungen müssten aber auch zügig passieren.

Die GEW bleibt angesichts der britischen Virusvariante aber bei ihrer Forderung, dass Kitas nur mit halber Gruppenstärke arbeiten und Grundschulen nur Wechselunterricht anbieten sollen. «Zudem würden wir uns wünschen, dass auch die Lehrkräfte an anderen Schularten früher geimpft werden. Schließlich haben auch sie ständig vielfältige Kontakte in der Schule, wenn sie im Präsenzunterricht eingesetzt sind.»

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Montag darauf verständigt, dass sich Lehrer an Grund- und Förderschulen sowie Erzieher in Kitas zum Schutz vor Corona-Infektionen früher impfen lassen können als bisher geplant. Diese Beschäftigten sollen von der dritten in die zweite Gruppe der Impf-Reihenfolge vorgezogen werden, soweit nötiger Impfstoff in den Ländern da ist.

Schulleiter warnen vor «Sitzenbleiben für alle»

Berlins Schulleiter protestieren gegen Pläne, allen Berliner Schülern das freiwillige Wiederholen des Schuljahrs zu ermöglichen. Über eine entsprechende Änderung des Berliner Schulgesetzes soll am Donnerstag im Abgeordnetenhaus vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf den Unterricht entschieden werden. Alle Schulen müssten dann jede von den Eltern gewünschte Wiederholung einer Klasse möglich machen, das könne zu einer «schulorganisatorischen Katastrophe» führen, warnten fünf Schulleiterverbände am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung.

Weil nicht in jedem Jahrgang so viele Schüler die Klasse verlassen, wie möglicherweise freiwillige Wiederholer dazukommen, befürchten die Verbände übervolle Klassen zum Beginn des neuen Schuljahrs, fehlendes Personal für neu einzurichtende Klassen und eine prekäre Raumsituation. Es drohe ein schlichtweg nicht planbares Schuljahr, warnten die Schulleiter. «Vor allem aber: Ein noch größerer Verlust von Sozialbeziehungen der schon jetzt nach gelebter Gemeinschaft dürstenden Kinder und Jugendlichen.»

Stattdessen forderten die Schulleiterverbände eine tragfähige langfristige Strategie, um mit den Folgen der Pandemie an den Schulen umgehen zu können. Nötig seien unter anderem schnelle Impfungen für Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher und Breitbandanschlüsse für die Schulen.

Dem Protest angeschlossen haben sich die Vereinigung der Oberstudiendirektoren des Landes Berlin (VOB), die Vereinigung Berliner Schulleiterinnen und Schulleiter in der GEW, die Vereinigung der Leitungen berufsbildender Schulen, der Interessenverband Berliner Schulleitungen und die Vereinigung der Berliner ISS Schulleiterinnen und Schulleiter.

Laumann: Corona-Impfungen für Lehrkräfte und Kita-Personal im März

Die vorgezogenen Corona-Impfungen für Lehrkräfte und Kita-Personal sollen in Nordrhein-Westfalen im März beginnen. Das kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstagmorgen in einem WDR-Interview an. «Ich denke, dass wir damit in der ersten Märzhälfte beginnen», sagte Laumann in dem Interview. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten vereinbart, Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen und Kita-Erzieher in der Impfreihenfolge von der Gruppe drei (erhöhte Priorität) in die Gruppe zwei (hohe Priorität) hochzustufen. Zur Gruppe zwei zählen außerdem viele chronisch Kranke und Menschen über 70.

Laumann räumte ein, dass die Hochstufung der Lehr- und Kitakräfte wegen der begrenzten Impfstoffmengen Auswirkungen auf das Impftempo für andere Gruppen haben werde.

Dreyer nach Ministerrat zu Öffnungsstrategie und Impfungen

Öffnungsstrategie mit Stufenplan und Corona-Schutzimpfungen: Das rheinland-pfälzische Kabinett berät an diesem Dienstag über eine Reihe von Themen zur Corona-Pandemie. Dabei geht es auch um die Verhandlungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 3. März. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gibt im Anschluss an den Ministerrat ein Statement ab (13.30 Uhr). Hierbei will sie auch Einzelheiten zu vorgezogenen Impfungen von Lehrkräften an Grund- und Förderschulen sowie Erzieherinnen und Erziehern in Kitas nennen.

Dreyer hatte sich bereits in der letzten Bund-Länder-Schalte für frühere Impfungen für Grundschullehrer und -lehrerinnen sowie für Erzieherinnen und Erzieher eingesetzt. Das Land werde nun den Beschäftigten zeitnah ein Impfangebot machen.

Der Vorsitzende der Länder-Gesundheitsminister, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU), hatte am Montagabend nach einer Beratungen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mitgeteilt, dass diese Gruppe sich früher impfen lassen können soll als bisher geplant. Diese Beschäftigten sollen von der dritten in die zweite Gruppe der Impf-Reihenfolge vorgezogen werden, soweit nötiger Impfstoff in den Ländern da ist. Die Bundesländer hätten sich ohne Gegenstimmen für diese neue Regelung ausgesprochen, erläuterte Holetschek.

Merkel hatte angesichts der Sorgen vor einer dritten Corona-Welle erneut für eine vorsichtige Strategie bei möglichen Öffnungen plädiert. Öffnungsschritte müssten gekoppelt mit vermehrten Tests klug eingeführt werden, sagte Merkel am Montag nach Angaben von Teilnehmern in Online-Beratungen des CDU-Präsidiums. Die Sehnsucht der Bürger nach einer Öffnungsstrategie sei groß, das verstehe sie.

Kabinett berät über Corona-Management - Konzept für Schulöffnungen

In Magdeburg berät das schwarz-rot-grüne Kabinett am Dienstag über den weiteren Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Regierung will einen entsprechenden Entwurf für einen neuen Sachsen-Anhalt-Plan diskutieren, wie Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vorab sagte. Es gehe darum, wie Handel, Gastronomie, Hotellerie und Kultur eine verlässliche Öffnungsperspektive geboten werden könne. «Das ist schwierig, weil das Infektionsgeschehen weiter hoch ist.» Details will Haseloff nach der Kabinettssitzung (14.00 Uhr) öffentlich vorstellen.

Bildungsminister Marco Tullner (CDU) und Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) wollen zudem ihre Konzepte für die Öffnung von Schulen und Kitas nach monatelangem Notbetrieb vorstellen. Derzeit ist geplant, dass es ab 1. März wieder Präsenzunterricht für alle Klassenstufen und Betreuung für alle Kita-Kinder gibt. Die meisten anderen Bundesländer haben ihre Einrichtungen bereits wieder geöffnet.

22.02.2021

Grundschulen und Kitas öffnen in mehr Ländern - Kritik an Richtwerten

Nach zwei langen Monaten kehren viele Kinder in mehreren Bundesländern wieder in ihre Kitas und Grundschulen zurück. Die Bundesbildungsministerin stellt sich hinter diesen Schritt. Auch über weitere Maßnahmen wird an diesem Montag beraten.

Nach rund zweimonatiger Schließung und Notbetreuung öffnen an diesem Montag in weiteren zehn Bundesländern wieder Kindertagesstätten und Grundschulen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek unterstützt das: «Es ist gut, dass viele Schulen in Deutschland jetzt schrittweise wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Präsenzunterricht sei durch nichts zu ersetzen. «Kinder, besonders jüngere, brauchen einander.»

Angesichts der Infektionslage rief die CDU-Politikerin aber dazu auf, «alle zur Verfügung stehenden Mittel zur Prävention einer Virenübertragung zu ergreifen», um den Schulbetrieb auch in den nächsten Wochen aufrecht erhalten zu können. Die jüngste Entwicklung der Infektionszahlen verdiene höchste Aufmerksamkeit, sagte Karliczek und verwies auch auf die Ausbreitung neuer Virusvarianten. «Das muss auch beim Schulbetrieb bedacht werden. Ich bin mir aber sicher, dass die Länder dies bei ihren Öffnungsentscheidungen berücksichtigen.»

Karliczek hat sich auch für eine höhere Priorisierung bei der Impfung von Grundschullehrkräften und Kita-Erzieherinnen ausgesprochen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will darüber am Nachmittag mit seinen Länderkollegen beraten. Und noch etwas steht in Sachen Corona-Bekämpfung auf der Agenda dieses Tages: Das sogenannte Corona-Kabinett der Bundesregierung berät über Schnelltests durch geschultes Personal für alle. Überlagert werden die anstehenden Entscheidungen dabei vom Anstieg wichtiger Corona-Kennziffern - und von wachsender Kritik am Neuinfektionswert als Richtschnur politischen Handelns.

Worum also geht es an diesem Montag?

ÖFFNUNGEN VON SCHULEN UND KITAS: Nach Öffnungen in Niedersachsen und Sachsen nehmen in weiteren zehn Bundesländern Kitas und Grundschulen wieder ihren Betrieb auf oder weiten ihn aus. Unterricht soll entweder im Wechselbetrieb stattfinden mit halben Klassen, die abwechselnd zur Schule kommen, oder im Vollbetrieb mit festen Gruppen, die sich möglichst nicht begegnen sollen. In den Kitas werden wieder mehr oder alle Kinder betreut. Die Einzelheiten regelt jedes Bundesland für sich.

SCHNELLERE IMPFUNGEN FÜR ERZIEHER UND LEHRER: Mit Blick auf die Öffnungen von Grundschulen und Kitas hatten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsidenten Spahn beauftragt zu prüfen, ob Grundschullehrer und Kitaerzieher bei den Impfungen höher priorisiert werden können. Die Corona-Impfverordnung müsste geändert werden, damit die laut Statistischem Bundesamt rund eine Million Betroffenen aus der Gruppe drei (erhöhte Priorität) in die Gruppe zwei (hohe Priorität) aufrücken. Mehrere Länder und Spahn sind dafür. Das dauere eine gute Woche, bis Anfang März, sagte der Minister in der ARD. Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) kündigte dort für sein Land an, dass ab diesem Montag Erzieherinnen und Erzieher, Lehrer und Lehrerinnen sowie Ärzte und Ärztinnen «und alle aus dem medizinischen Bereich» geimpft werden sollten.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz befürchtet, dass Schwerkranke aus der Gruppe drei dadurch ins Hintertreffen geraten. «Wenn jetzt Berufsgruppen noch weiter nach vorn gesetzt werden sollen, wird das Leben kosten», sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der dpa. Auch die Gesundheitsexpertin der Unionsfraktion, Karin Maag, warnte in der «Süddeutschen Zeitung» (Montag): «Wir haben gut daran getan, dass wir die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission weitgehend übernommen haben.» Sonst komme man «in ganz schwierige Abwägungen».

SCHNELLTESTS FÜR ALLE: Unter anderem damit befasst sich in seiner Montagsberatung das sogenannte Corona-Kabinett, ein Sondergremium von Merkel und wenigen Ministern. Spahn hatte angekündigt, dass ab 1. März alle Bürger kostenlos von geschultem Personal auf das Coronavirus getestet werden können. Das soll in Testzentren, Praxen oder Apotheken möglich sein. Details zur Umsetzung sind aber bisher nicht bekannt. Eine entsprechende Anpassung der Corona-Testverordnung muss noch beschlossen werden.

INFEKTIONSZAHLEN: Die Sorge vor einer dritten Corona-Welle wächst. Die Kurve der Neuinfektionen zeigte am Sonntag den vierten Tag in Folge nach oben - trotz des seit Mitte Dezember geltenden Lockdowns. Am Montag meldete das Robert Koch-Institut (RKI) hier wiederum kaum Veränderung: Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter 4369 Neuinfektionen, vor einer Woche waren es 4426 gewesen.

Zugleich stieg aber die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) weiter an: und zwar auf bundesweit 61,0. Am Vortag hatte sie noch bei 60,2 gelegen. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag nach dem RKI-Lagebericht vom Sonntagnachmittag bei 1,10 (Vortag 1,07). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 110 weitere Menschen anstecken. Das könnte darauf hindeuten, dass sich die ansteckenderen Virusvarianten rascher ausbreiten.

ÖFFNUNGSSTRATEGIE: Die Länderchefs und Merkel hatten bei ihrer letzten Beratung am 10. Februar vereinbart, dass eine Strategie für weitere Lockerungen erarbeitet werden soll und dass sie am 3. März weiter beraten. Der Stufenplan soll sich aber nicht nur an den Neuinfektionen orientieren, wie der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Michael Müller (SPD), der «Stuttgarter Zeitung» und den «Stuttgarter Nachrichten» (Montag) sagte. «Auch ein R-Wert deutlich unter 1 und eine sinkende Auslastung der Intensivmedizin werden wichtige Kriterien für nächste Lockerungsschritte sein.»

Der Berliner Bürgermeister kündigte für die neue Woche einen Vorschlag an: Wenn Bundesländer «stabil über mehrere Wochen» unter den Inzidenzen 35 oder 50 blieben, «können weitere Schritte in der Kultur und der Gastronomie folgen».

Spahn sagte in der ARD: «Es macht Sinn, (...) Stufen zu definieren, ab wann der nächste Schritt gegangen werden kann. Aber die Wahrheit ist: Eine Inzidenz von unter 10, die ist jedenfalls in den allermeisten Regionen in Deutschland gerade ziemlich weit weg.» Er erwähnte damit eine Ansteckungsrate, wie sie manche Virologen als Zielwert fordern, die einige Ministerpräsidenten aber für zu ambitioniert erachten.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnte dringend vor weiteren Lockerungen. «Wer in Zeiten steigender R-Werte über Lockerungen spricht, handelt absolut unverantwortlich», sagte der Mediziner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «Der Inzidenzwert zeigt, wo wir aktuell stehen. Der R-Wert zeigt, wohin wir gerade gehen. Bei einem Wert klar über 1,0 droht wieder exponentielles Wachstum - und genau das ist jetzt der Fall.»

Der Chef des Sachverständigenrats im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach, kritisierte die Orientierung an den Inzidenzen, weil sie auch von der Testfrequenz abhingen. Es sei besser, «repräsentative Kohorten» zu beobachten und zu testen, sagte er dem Nachrichtenportal «ThePioneer» (Montag). «Wenn wir wissen, wie groß das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz, in der Schule, beim Einkaufen, im Kino, im Museum oder im öffentlichen Verkehr ist, können wir gezielter reagieren und müssen nicht eine ganze Volkswirtschaft herunterfahren», erklärte der Spahn-Berater.

Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte erhalten ab Montag Impftermine

Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte sollen in Baden-Württemberg bereits ab Montag Termine für eine Corona-Impfung vereinbaren können. Dies sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) dem SWR. Bereits am Samstag hatte Lucha angekündigt, dass Lehrkräfte künftig in die zweite Priorisierungsstufe eingruppiert würden. Menschen aus dieser Gruppe im Alter von 18 bis 64 Jahren sollen voraussichtlich ab Anfang oder Mitte März geimpft werden.

Möglich wird die frühere Impfung von Erziehern und Lehrerinnen demnach vor allem durch die breite Verfügbarkeit des Impfstoffs von Astrazeneca. Dieser werde nun auch in den Impfzentren des Landes verwendet, sagte Lucha. Baden-Württemberg soll bis Mitte März rund 450 000 Dosen geliefert bekommen. Dadurch soll im Südwesten zudem ab sofort auch jeder Impfberechtigte aus der ersten Prioritätsstufe einen Impftermin angeboten bekommen.

Mit Blick auf die Öffnungen von Grundschulen und Kitas hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beauftragt, zu prüfen, ob Grundschullehrer und Kitaerzieher bei den Impfungen höher priorisiert werden können. Dafür müsste demnach die Corona-Impfverordnung geändert werden, damit die laut Statistischem Bundesamt bundesweit rund eine Million Betroffenen aus der Gruppe drei (erhöhte Priorität) in die Gruppe zwei (hohe Priorität) aufrücken.

21.02.2021

Rückkehr in die Schulen: Auch Förderschüler zuerst

Wenn am Montag in Nordrhein-Westfalen schrittweise der Präsenzunterricht beginnt, gehören auch Förderschüler zu den ersten Rückkehrern. Den Schülern mit Behinderungen und sonderpädagogischem Förderbedarf müsse ein besonderes Augenmerk gelten, forderten mehrere Verbände. Viele seien in der Pandemie durchs Netz gefallen, manche hätten wochenlang keinen Unterricht erhalten, betonte die Landeselternkonferenz.

Jungen und Mädchen mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf seien seit Pandemiebeginn «vom Zugang zu Bildung abgedrängt» worden, sagte der Vorstand von Gemeinsam Leben, Gemeinsam Lernen, Bernd Kochanek. Der Elternverband mittendrin berichtete, je nach Lehrkraft und Schule seien sie in den Regelschulen unterschiedlich gut einbezogen worden. Bei den Förderschulen habe es aber «nicht wenige» Schüler gegeben, die monatelang gar nicht im Klassenraum waren und kaum Unterricht hatten.

Am Montag sollen zunächst Grund- und Förderschüler der Primarstufe im Wechselmodell und mit halbierter Klassenstärke zurück in die Klassenräume kommen. Das gilt auch für Jahrgänge, die vor ihrem Schulabschluss stehen.

20.02.2021

Corona-Zahlen steigen - Frühere Impfung für Lehrer und Erzieher

Der wochenlange Abwärtstrend bei den Corona-Zahlen scheint gebrochen. Am Samstag gab es wieder einen Anstieg. Doch die Pläne zur Öffnung vieler Schulen und Kitas in Deutschland zum Wochenbeginn stehen. Für die Beschäftigten dort rückt nun eine frühere Impfmöglichkeit näher.

In Deutschland deutet sich eine erneute Verschärfung der Corona-Pandemie an. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Samstag 9164 Neuinfektionen binnen eines Tages. Das waren 810 mehr als am Samstag der Vorwoche. Zudem stieg der sogenannte R-Wert - eine weitere wichtige Kennzahl. Vor dem Hintergrund anstehender Schul- und Kita-Öffnungen in mehreren Bundesländern am Montag verdichten sich unterdessen die Anzeichen, dass das Personal bei der Corona-Impfung früher an die Reihe kommen könnte und die Impfverordnung entsprechend geändert wird.

Das RKI gab den bundesweiten Sieben-Tage-R-Wert am Samstagnachmittag mit 1,07 an. Das ist der höchste Wert seit mehreren Wochen. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 107 weitere Menschen anstecken. Das könnte darauf hindeuten, dass sich die ansteckenderen Virusvarianten trotz des Lockdowns rascher ausbreiten.

RKI-Präsident Lothar Wieler rief die Menschen zum Durchhalten auf: «Falsche Versprechungen helfen niemandem, und es ist ganz einfach so, dass wir diese Maßnahmen, die wir kennen, dass wir die eine gewisse Zeit noch durchhalten müssen», sagte er bei einer im Internet übertragenen Diskussion des Bundesgesundheitsministeriums zum Thema Impfen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach von einer «echt schwierigen Phase» der Corona-Pandemie. Alle seien nach zwölf Monaten müde. «Ein Kind, das zehn Jahre alt ist, hat jetzt ein Zehntel seines Lebens in der Pandemie verbracht.» Es sei die Erwartung da, dass es mit gesunkenen Neuinfektionszahlen auch wieder ein Stück rausgehe aus den Beschränkungen. Spahn erwähnte zugleich die Mutationen. Zuversicht gebe aber das Impfen, fügte er hinzu.

Hier wird immer wahrscheinlicher, dass Kita- und Grundschulbeschäftigte in der Reihenfolge nach vorne rücken. Es sei gesellschaftlich sehr wichtig, dass Kitas und Grundschulen wieder öffnen könnten, sagte Spahn. Am Montag beginnt in zehn Bundesländern in vielen Einrichtungen wieder Präsenzunterricht und die Kitas nehmen mehr Kinder auf. Weil dort aber Abstand nicht möglich sei, wolle man die Beschäftigten zügig in die nächsthöhere Gruppe zwei nehmen und früher ein Impfangebot möglich machen, sagte Spahn.

Bei der Impfreihenfolge in Deutschland wurden drei große Gruppen festgelegt: Gruppe eins mit «Höchster Priorität», Gruppe zwei: «Hohe Priorität», und Gruppe drei: «Erhöhte Priorität». Kita- und Grundschulbeschäftigte stehen nach der aktuellen Impfverordnung in Gruppe drei und wären damit voraussichtlich erst im Sommer dran. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder hatten das Gesundheitsministerium bei ihrer jüngsten Beratung gebeten, zu prüfen, ob Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher früher dran kommen könnten. Dafür müsste die geltende Impfverordnung geändert werden.

Vertreter mehrerer Bundesländer haben sich inzwischen dafür ausgesprochen. Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) teilte am Samstag mit, eine entsprechende Änderung der Bundesimpfverordnung sei in Arbeit. Eine Grundsatzentscheidung solle am Montag aller Voraussicht nach auch in der Gesundheitsministerkonferenz fallen. Spahn hatte bereits am Freitag gesagt, es zeichne sich ein «relativ großer Konsens» in dieser Frage ab. Eine große Mehrheit der Deutschen hat sich in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov Deutschland ebenfalls dafür ausgesprochen.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) verteidigte die geplanten Schul- und Kita-Öffnungen. «Man kann die Kinder nicht noch viel länger zuhause lassen, weil sonst der Kinderschutz und das Kindeswohl in Gefahr sind», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin und verwies auf Probleme wie Vereinsamung, Bewegungsmangel und entstehende «Bildungs- und Bindungslücken». Zudem seien viele Eltern am Ende. «Die Belastungsgrenze ist erreicht.»

Giffey betonte, dass Öffnungen «verantwortungsvoll» erfolgen müssten, mit Einhaltung von Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen für das Personal. «Dass wir dabei das Infektionsgeschehen weiter im Blick haben müssen, ist selbstverständlich. Es geht jetzt um Öffnungsschritte mit Sicherheit.»

Bildungsgewerkschaften und Lehrervertreter forderten mit Blick auf die Öffnungen besondere Rücksicht auf den Gesundheitsschutz. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, nannte es zwar richtig, schrittweise wieder mit dem Unterricht in den Schulen zu beginnen, aber nur in Regionen mit niedrigem Infektionsgeschehen. Wenn Bundesländer flächendeckend öffneten, auch in Landkreisen mit hohen Ansteckungszahlen, sei das mit Blick auf den Gesundheitsschutz nicht verantwortbar, sagte er der dpa.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigte sich skeptisch: «Die Länder, die jetzt ihre Schulen öffnen, gehen ein hohes Risiko - für die Gesundheit der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern», sagte die Vorsitzende Marlis Tepe den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag).

Ramelow über Einschränkung bei Schulöffnung: Notbremse war nötig

Ministerpräsident Bodo Ramelow hat die kurzfristige Regeländerung zur Öffnung von Grundschulen und Kitas in der Pandemie verteidigt. «Wir sind Anfang dieser Woche von sinkenden Werte ausgegangen, an 3 Tagen war die Inzidenz unter 100, und jetzt steigt sie wieder - da hat die Gesundheitsministerin die Notbremse ziehen müssen», sagte der Linken-Politiker am Samstag der Deutschen Presse-Agentur.

Das Bildungsministerium hatte zu Beginn der Woche eine Regelung in Aussicht gestellt, wonach alle Grundschulen und Kindergärten ab Montag wieder mit Einschränkungen öffnen dürfen. So steht es auch in einer seit Freitag gültigen Verordnung. Am Freitag erließ jedoch das Gesundheitsministerium kurzfristig zusätzlich eine Weisung, der zufolge Landkreise mit mehr als 200 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in 7 Tagen ihre Einrichtungen geschlossen halten sollen. Bei einer Inzidenz zwischen 150 und 200 soll eine Schließung erfolgen, was aber nicht angeordnet wird.

Die Änderung sei für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher nicht schön, räumte Ramelow am Samstag ein. Auch sei die Kommunikation ärgerlich verlaufen. Grundsätzlich habe er die Entscheidung von Gesundheitsministerin Werner für die Einschränkung aber mit Blick auf die Infektionslage nicht kritisieren können. «Ich hätte es kritisieren müssen, hätte sie die Notbremse nicht gezogen.»

Auch am Samstag war Thüringen mit Abstand das am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Bundesland. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Samstag wurden in den vergangenen 7 Tagen 120 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner nachgewiesen - das ist derzeit der höchste Wert im Ländervergleich. Am zweithöchsten war der Wert in Sachsen-Anhalt mit 87, bundesweit lag er bei 58.

Ramelow hofft, dass Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher früher geimpft werden können und dass zügig Schnelltests auch für Kinder zugelassen werden. «Dann können wir auch bei höheren Inzidenzen Schulen und Kindergärten öffnen, wenn man dort zwei Mal wöchentlich die Situation überprüfen kann.»

Schulleitungsverband kritisiert Corona-Politik als Flickwerk

Die Ausbreitung von Corona-Mutanten in Niedersachsen sorgt für weitere Verunsicherung an den Schulen. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben Angst um ihre Gesundheit. Der Politik werfen sie vor, die Gefahr nicht ernst genug zu nehmen.

Die Schulen werden aus Sicht des Schulleitungsverbandes in Niedersachsen weiterhin nicht ausreichend vor dem Coronavirus geschützt. «Es fehlt der große Wurf», sagte der Geschäftsführer des Verbandes Rene Mounajed über die Politik des Kultusministeriums. «Wir haben immer nur Tippelschritte.» So brauche es dringend eine schnellere Impfmöglichkeit für Lehrkräfte, denn das Infektionsrisiko sei da. «Das kann man nicht kleinreden.» Zunächst sollte das Personal an Grund- und Förderschulen geimpft werden, dann alle anderen, so Mounajed, der Schulleiter einer Gesamtschule ist.

Die Abiturprüfungen und Abschlussprüfungen in der Sekundarstufe I, die trotz der Ausbreitung des Virus geplant werden sollen, sieht der Verband als Gefahr und fordert eine Absage. «Die Hygienekonzepte sind nicht ausreichend, um eine sichere Prüfung zu gewährleisten. Es sind Massen, die ins Haus kommen müssen. Wir täten gut daran, diese Dinge zu überprüfen.» Wer die Pandemie ernst nehme, müsse auf alle nicht notwendigen Veranstaltungen verzichten. «Die Mutanten verschärfen das Problem.» Aus Sicht des Verbandes wäre es kein Problem, Durchschnittsnoten zu bilden und freiwillige Prüfungsersatzleistungen anzubieten. «Das System Schule braucht eine Konzentration auf das Wesentliche», so Mounajed.

Die Lehrerinnen und Lehrer sind demnach durch Präsenz- und Online-Unterricht, Notbetreuung und zahlreiche organisatorische Aufgaben sehr belastet. «Psychologische Probleme bei Lehrkräften und Schülern haben definitiv zugenommen.» Die Ausbreitung der Mutanten sorge für weitere Verunsicherung. «Wir sind unzufrieden mit der Politik», sagte Mounajed. Viele Maßnahmen, die nun angekündigt werden, seien richtig. Aber: «Das muss alles viel schneller gehen, das ist alles Frickelwerk.»

Ähnlich äußerte sich die Bildungsgewerkschaft GEW in Niedersachsen. «Die fatalen Folgen von Personalmangel, Raumnot und mangelhafter Ausstattung sind nach einem Jahr Pandemie vielerorts noch immer ungelöst», so GEW-Sprecher Christian Hoffmann. «Wenn politisch Verantwortliche jetzt nicht endlich massiv in die Bildung investieren, nehmen sie Gesundheitsgefährdungen billigend in Kauf.»

19.02.2021

Keine Präsenzpflicht an Grundschulen in Südpfalz und an der Mosel

Zum Start des Wechselunterrichts an den Grundschulen in der kommenden Woche haben die Landkreise Germersheim und Cochem-Zell die Präsenzpflicht wegen einer erhöhten Zahl von Corona-Infektionen aufgehoben. Die Beschlüsse seien gemeinsam mit der Schulaufsicht in der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) gefasst worden, teilten die Kreise am Freitag mit.

«Das Infektionsgeschehen in unserem Landkreis entwickelt sich seit einigen Tagen entgegen dem Landestrend dynamisch nach oben», erklärte der Landrat von Germersheim, Fritz Brechtel (CDU). «Die Neuinfektionen sind sprunghaft gestiegen.» Dabei entfalle etwa jeder vierte Fall auf eine der Varianten des Coronavirus, vor allem auf die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante. «Ist jemand infiziert, dann steckt er Menschen in seiner Umgebung häufiger an als mit dem ursprünglichen Virus.» Auch einige Grundschulen und Kitas im Kreis seien bereits betroffen und teilweise in Quarantäne. Daher sollte die Entscheidung zum Schulbesuch den Eltern überlassen werden.

Der Landrat des Kreises Cochem-Zell, Manfred Schnur (CDU), erklärte, er bedaure die Entscheidung und bitte alle, sich an die Hygienemaßnahmen zu halten, um die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. Der Präsident der ADD, Thomas Linnertz, sagte, es sei von Seiten des Landes immer betont worden, dass der Start des Wechselunterrichts am kommenden Montag in Einklang mit dem Infektionsgeschehen stehen müsse. «Der Gesundheitsschutz unserer Lehrkräfte, unserer Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Familien hat für uns oberste Priorität.» Die Aufhebung der Präsenzpflicht ermögliche es, «dass Eltern, die beispielsweise Risiko-Patienten in der Familie haben, ihre Kinder weiterhin im Fernunterricht behalten können».

Cochem-Zell (109,2) und Germersheim (108,5) hatten am Freitag die höchsten Corona-Inzidenzen in Rheinland-Pfalz. Landesweit kamen 48,4 Infektionen in den vergangenen sieben Tagen auf 100 000 Einwohner.

Tausende Schüler kehren in Klassen zurück - Maskenpflicht verschärft

Die Corona-Kennziffern in NRW steigen trotz Lockdowns wieder an. Die Angst vor einer dritten Welle durch Mutationen ist groß. Ab Montag aber füllen sich die Schulen wieder.

Während die Sorge vor Virusmutationen steigt, kehren mehr als 800 000 Schüler in Nordrhein-Westfalen am Montag unter verschärften Schutzvorkehrungen in die Klassen zurück. Wie geplant, würden zunächst Grund- und Förderschüler sowie Schüler aus Abschlussklassen und Berufskollegs in den Präsenzunterricht zurückgeholt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf. Die Maskenpflicht an den Schulen wird aber verschärft.

Für die Grundschulen ist ein Wechselmodell aus Distanz- und Präsenzunterricht in halbierten Klassenstärken geplant. Damit kehrt laut Gebauer zunächst die Hälfte der rund 680 000 Grundschüler in die Klassen zurück. Die Abschlussjahrgänge mit rund 280 000 Schülern an Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien können laut Gebauer auch in voller Klassen- oder Kursstärke unterrichtet werden. Hinzu kommen etwa 220 000 Schüler an Berufskollegs, die meist nur ein oder zwei Tage pro Woche Unterricht haben.

Bei diesen Regelungen seien mit Stand Freitag bis zum 7. März «keinerlei Änderungen» vorgesehen, sagte Gebauer. Sollte die landesweite Inzidenz der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen «stabil» unter 50 sinken, dann werde die Landesregierung über eine Erweiterung des Präsenzunterrichts entscheiden. Wenn es das Infektionsgeschehen zulasse, sollten dann weitere Jahrgänge in den Präsenzunterricht zurückgeholt werden. «Wir müssen aber stabil unter die 50 kommen.»

Angesichts der derzeit stagnierenden und möglicherweise wieder steigenden Infektionszahlen sagte Gebauer, das System sei «nach wie vor noch sehr fragil». Einzelne Corona-Ausbrüche könnten die Werte auch schwanken lassen. Sie wollte auch keinen Zeitraum nennen, wie lange die Inzidenz für weitere Schritte im Schulbetrieb unter 50 liegen müsse. Staatssekretär Mathias Richter betonte, dass die «gesamte Palette» vom Distanz- bis zum Präsenzunterricht je nach Infektionslage «sowohl in die eine als auch in die andere Richtung in Anspruch genommen werden kann».

Die wichtige Sieben-Tage-Kennziffer für Corona-Neuinfektionen war nach einem längeren Abwärtstrend im bevölkerungsreichsten Bundesland erneut leicht gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte am Freitagmorgen einen Wert von 58. Am Donnerstag hatte der Wert bei 57,1 und am Mittwoch bei 56 gelegen.

Auch Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) schließt weitere Öffnungsschritte über die bereits angekündigten und unmittelbar bevorstehenden Schritte bei den Kitas und Schulen in der gegenwärtigen Lage vorerst aus. «Wir haben jetzt im Moment stagnierende Zahlen, und deswegen werden wir bei den Öffnungsschritten sehr, sehr vorsichtig sein. Deswegen wird die Landesregierung im Moment jetzt noch keine weiteren Öffnungsschritte vornehmen», sagte er am Freitag in einem Interview von WDR2.

In den Schulen werden wegen der aktuellen Infektionslage und der Angst vor Mutationen des Coronavirus die Schutzvorkehrungen verschärft - auch für Grundschüler. Laut Gebauer gilt auf dem Gelände grundsätzlich die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske. Schüler bis zur Klasse 8 könnten eine Alltagsmaske tragen, wenn eine medizinische nicht passt. Die Maske muss laut Staatssekretär Richter ab Montag auch von Grundschülern am Platz getragen werden.

Als medizinische Masken gelten sogenannte OP-Masken, FFP2-Masken oder KN95-Masken. Sie sind bereits in Supermärkten oder im Öffentlichen Nahverkehr Pflicht.

Regelmäßige Schnelltests von Schülerinnen und Schülern sind laut Gebauer derzeit nicht geplant. Lehrkräfte können sich zweimal pro Woche kostenlos auf das Virus testen lassen.

Für die Jahrgänge von der ersten bis zur sechsten Klasse gilt laut Gebauer an den Schulen weiter ein Notbetreuungsangebot. Bis zur 13. Klasse können bestimmte Schüler am Distanzunterricht in den Schulen teilnehmen, wenn sie zu Hause nicht die Möglichkeiten haben.

In der neuen Corona-Betreuungsverordnung werde zudem geregelt, dass auch außerschulische Bildungsangebote wieder wahrgenommen werden könnten, sagte Gebauer. Für Ferien- und Förderprogramme bis einschließlich der Sommerferien 2022 würden 36 Millionen Euro bereitgestellt.

Die Gewerkschaft GEW NRW erklärte, für einen gelingenden Schulstart seien umfassende Tests und der Einsatz von Luftfilteranlagen notwendig. Auch der Schulweg müsse gesichert sein, im Schülertransport müssten Abstände eingehalten werden können. Es sei richtig, dass Grundschüler auch am Platz Masken tragen sollten.

Der Lehrerverband VBE erklärte: «Auch wenn es Freude über ein gemeinsames Wiedersehen geben wird, wird es kein unbeschwerter Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht sein.» Mit Blick auf die Mutationen des Virus seien Lehrkräfte besorgt. Umso wichtiger sei es, die Lerngruppen klein zu halten – auch in den Abschlussklassen. «Vorsicht muss vor Schnelligkeit gehen, wenn wir das Erreichte nicht gefährden wollen.»

Die Grünen-Schulexpertin Sigrid Beer kritisierte, dass Abschlussklassen in voller Stärke unterrichtet werden könnten. Dass Gebauer nicht verfüge, ab welcher Klassengröße die Lerngruppe geteilt werden müsse, «ist angesichts der fragilen Situation mit der Entwicklung bei den Virus-Mutationen fahrlässig», so Beer.

Ministerium stoppt Schulöffnung in Landkreis mit hoher Inzidenz

Landkreise mit einem besonders hohen Sieben-Tage-Inzidenzwert dürfen ihre Grundschulen und Kindergärten nicht wie alle anderen am Montag öffnen. Eine entsprechende Weisung hat das Thüringer Gesundheitsministerium nach dpa-Informationen am Freitag erlassen. Demnach sollen Landkreise, die mehr als 200 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen haben, ihre Einrichtungen geschlossen halten. Bei einer Inzidenz zwischen 150 und 200 soll eine Schließung erfolgen, wird aber nicht angeordnet.

Am Freitag lag nur der Landkreis Schmalkalden-Meiningen mit einem Wert von 212,9 über der 200er-Markierung. Der Unstrut-Hainich-Kreis lag mit einem Wert von 197,6 nahe dran.

Seit Freitag ist in Thüringen eine neue Corona-Verordnung in Kraft, nach der ab Montag Grundschulen und Kindergärten wieder im eingeschränkten Regelbetrieb öffnen können. Mit der nun erlassenen Weisung wird dies abhängig von der Inzidenz im jeweiligen Landkreis eingeschränkt.

Berlin startet Schnelltests an Schulen - Selbsttests kommen später

Um Corona-Fälle leichter zu entdecken, sollen in Berliner Schulen Schnelltests in großem Umfang zum Einsatz kommen. Start ist am Montag. Allerdings brauchen viele Lehrkräfte noch einen Crashkurs.

Ab Montag sollen an Berliner Schulen und Kitas Corona-Schnelltests regelmäßig zum Einsatz kommen. Dafür will der Senat zunächst zehn Millionen Schnelltests anschaffen, drei Millionen sind schon da und verteilt worden. In der Aula der Grundschule am Koppenplatz stapelten sich am Freitag etliche Kartons mit solchen Tests auf den Tischen, an denen Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (beide SPD) Platz genommen hatten. «Wir sind in den Startlöchern», sagte Kalayci. Die Schnelltests sind nach ihren Worten ein «Gamechanger», ein entscheidender Schritt, um die Corona-Pandemie besser in den Griff zu bekommen.

Schnelltests sind nichts Neues. «Wir haben inzwischen 7,8 Millionen Schnelltests in Berlin verteilt», sagte Kalayci - vor allem an Altenpflege-Einrichtungen und Krankenhäuser. Aber der Einsatz in Schulen und Kitas sei noch einmal ein Schritt nach vorn: «Es ist eine ganz andere Qualität, dass man auch in der Fläche testen kann.» In Berlin stehen dafür zunächst 32 Millionen Euro zur Verfügung.

Getestet werden in der ersten Phase Lehrkräfte und anderes Schulpersonal sowie Erzieherinnen und Erzieher zweimal in der Woche. Die Teilnahme sei freiwillig, sagte Scheeres. Die Tests sollen jeweils Mitarbeiter der Schulen und Kitas durchführen, etwa Lehrer oder Erzieher, die dafür geschult wurden.

Die ersten Tests sind bereits für Montag geplant, wenn in Berlin zunächst die Schüler der ersten bis dritten Klassen zurück in die Schulen kommen. «Wir gehen in zwei Phasen vor», sagte Scheeres. In Phase zwei seien dann Selbsttests vorgesehen, die von den Lehrkräften, aber auch von Schülerinnen und Schülern zweimal pro Woche zu Hause angewendet werden können. 

Lehrer und Schüler könnten die Schnelltests aus der Schule mitnehmen. «Die Schulen dienen auch als Verteilstelle für die Kitas», sagte Scheeres. «Die Problematik ist, dass die Selbsttests noch nicht genehmigt sind.» Gesundheitssenatorin Kalayci rechnet frühestens für die erste Märzhälfte mit der Zulassung, mit der die Schnelltests, die Berlin angeschafft hat, dann auch als Selbsttests verwendet werden könnten.

«Aber wir wollen nicht warten, sondern wollen starten», sagte Scheeres. In einem «Mega-Ritt» habe die Bildungsverwaltung deshalb zusammen mit Gesundheitsverwaltung und Deutschem Roten Kreuz (DRK) ein Konzept entwickelt. Die ersten Schulungen durch mehrere Hilfsorganisationen, die das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Berlin koordiniert, habe es bereits gegeben, sagte Scheeres. Geplant sei, dass 75 Schulungsteams in zehn Tagen mehr als 2000 Schulungen anbieten. 

Mario Czaja, Präsident des Berliner DRK, erklärte, für die Schulungen seien zum Beispiel Ausbilder in der Ersten Hilfe oder Rettungssanitäter zuständig. An den Schulen sollen ihm zufolge jeweils vier Lehrer geschult werden, vorrangig solche, die selbst schon eine Ersthelferausbildung haben.

«Jedes Schulungsteam besucht zwei Schulen am Tag, die Schulung selbst dauert 90 Minuten», sagte Czaja. «Unser Ziel ist, mit 75 Teams 150 Schulen am Tag zu schaffen.» Start sei Montag, 8.00 Uhr. Am ersten Tag sollen allerdings nur 30 Teams im Einsatz sein.

Gesundheitssenatorin Kalayci betonte, man habe bei dem Test-Konzept auch an die PCR-Tests gedacht: «Jeder, der positiv ist, muss sich mit einem PCR-Test nachtesten lassen.» Der Senat habe dafür weitere 28 000 PCR-Tests beschafft. Positiv getestete Lehrkräfte oder Erzieherinnen und Erzieher könnten an vier Standorten wie der Carl-von-Ossietzky-Schule in Kreuzberg oder der Max-Taut-Schule in Lichtenberg einen PCR-Test machen lassen, der als zuverlässiger gilt als der Schnelltest.

18.02.2021

Lockdown bleibt bis Mitte März - Öffnungen im Bildungssektor

Thüringen liegt bundesweit weiterhin an der Spitze bei der Sieben-Tage-Inzidenz. Dennoch sieht eine neue Verordnung Lockerungen vor. In ihren Grundzügen bleibt es aber beim Lockdown - bis voraussichtlich Mitte März.

Die Thüringer müssen sich voraussichtlich noch auf wochenlang anhaltende Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie einstellen. Eine neue Verordnung, die am Freitag in Kraft tritt, sieht eine Verlängerung des Lockdowns mit Kontaktbeschränkungen und Ladenschließungen bis Mitte März vor. Allerdings enthält sie auch Lockerungen. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz, also dem Wert der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern und sieben Tagen, liegt Thüringen bundesweit weiter an der Spitze.

Fahrschulen sollen der Verordnung nach wieder öffnen dürfen und auch Prüfungen durchführen können. Friseure können ab 1. März ihre Dienste wieder anbieten und Baumschulen, Gartenmärkte, Gärtnereien- und Floristikbetriebe können öffnen.

Bei den Kontaktbeschränkungen gibt es Lockerungen für Familien. Mitglieder des eigenen Haushaltes und Menschen, für die ein Sorge- oder Umgangsrecht besteht, dürfen sich treffen. Außerdem kann eine weitere Person aus einem fremden Haushalt dabei sein - Kinder bis einschließlich drei Jahren werden nicht mitgezählt. Weiterhin sind auch fest organisierte familiäre Betreuungsgruppen möglich - für Kinder unter zwölf Jahren (bislang nur bis sechs Jahren) und aus maximal zwei Haushalten.

Die Verordnung tritt am Freitag in Kraft und soll bis 15. März gelten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sei es aber jederzeit möglich, die Geltungsdauer bei Bedarf auch zu verkürzen.

In Thüringen ist das Infektionsgeschehen weiterhin stärker als in allen anderen Bundesländern. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Donnerstag im Freistaat nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Staatskanzlei bei 119,5 (Vortag: 111,6). Der Bundeswert lag dagegen bei 57,1. Thüringen ist derzeit das einzige Bundesland mit einem Inzidenzwert über 100.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) erklärte, man habe bereits viel erreicht, die Infektionszahlen seien deutli