Donnerstag, 08. Oktober 2020

Forscher legen Qualitätsdefizite bei Schulen und Kitas offen

Dass es viele Berliner Schüler nicht so mit Deutsch und Mathe haben, ist schon länger bekannt. Nun legen Bildungsforscher den Finger in die Wunde.

Berlin gibt zwar so viel Geld für Bildung aus wie kaum ein anderes Bundesland, das schlägt sich aber nicht in hoher Qualität in Kitas und Schulen nieder. Zu diesem Fazit kommt eine vom Senat beauftragte Gruppe von Bildungsforschern in einem am Mittwoch vorgestellten Bericht.

Die Probleme fangen demnach schon in den Kitas an. An vorschulischen Bildungseinrichtungen gelinge es nicht hinreichend, die Kompetenzen von Kindern zu fördern und soziale sowie herkunftsbedingte Ungleichheiten zu reduzieren, heißt es im Bericht. «Einer Vielzahl der politischen Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Qualität früher Bildung fehlt es an Verbindlichkeit und Effizienz.»

Das setze sich an den Schulen fort. Trotz «teilweise beachtlicher Anstrengungen» sei es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Deutsch substanziell zu verbessern. Die große Zahl an Schülern, die die Mindeststandards hier nicht erreichen, sei anhaltend hoch.

Die Schwierigkeiten ließen sich nicht allein darauf zurückführen, dass Berlin als Stadtstaat mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sei, so das Forscherteam. «Grundsätzlich entstand bei den Mitgliedern der Kommission der Eindruck einer zwar engagierten, aber nicht immer in ausreichendem Maße wirksamen und fokussierten Schulpolitik.» Das Agieren der Bildungsverwaltung scheine oft eher von einer kurzfristigen Suche nach Lösungen für aktuelle Problemlagen geprägt zu sein, weniger von einer zielgerichteten Strategie.

Die Experten machen eine Vielzahl von Vorschlägen für bessere Bildungsqualität. Dazu zählen eine gezieltere Förderung der Kinder in Deutsch und Mathematik in Kitas und Schule, Veränderungen in der Aus- und Fortbildung von Erziehern und Lehrern sowie die Gründung einer Bildungskommission, die Reformprozesse begleitet.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will den Bericht analysieren und kündigte an: «Wir werden nun ein Landesinstitut zur bedarfsgerechten Fortbildung gründen, die Schulinspektion anders arbeiten lassen und die Schulentwicklung stärker datenbasiert ausrichten.»

Scheeres steht wegen Qualitätsdefiziten an den Schulen schon länger in der Kritik. So schneiden Berliner Grundschüler der dritten Klasse bei bundesweiten Vergleichstests etwa in Deutsch oder Mathematik regelmäßig schlecht ab. Außerdem ist die Quote derjenigen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, in Berlin höher als anderswo.

Im Schuljahr 2018/2019 lag der Anteil der Schüler ohne Abschluss laut Bildungsverwaltung je nach Schulform zwischen 7,1 und 13 Prozent. Scheeres setzte dem ein «Qualitätspaket» mit zahleichen Maßnahmen entgegen, das unter anderem mehr Deutsch- und besseren Mathematikunterricht an Grundschulen beinhaltete.

Die Bildungsgewerkschaft GEW nannte den Bericht der Experten «keinen großen Wurf». So werde nicht auf die - oft unzureichende - räumliche und personelle Ausstattung von Kitas und Schulen eingegangen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und Unternehmensverbände erklärten, die Schulqualität der Berliner Schulen sei nicht akzeptabel. Hier müsse schnell grundsätzlich etwas passieren.