Sonntag, 01. August 2021

Finanzwissen für Kinder: Wie Eltern helfen können

Das Rechnen mit Cent und Euro lernen Kinder in der Schule. Doch grundlegende finanzielle Zusammenhänge werden in der Schule selten erklärt. Dabei ist dieses Wissen für Kinder wichtig, um ein realistisches Verhältnis zu und einen guten Umgang mit Geld zu bekommen. Doch wie können Kinder im Alltag für den Umgang mit Geld sensibilisiert werden und welche Möglichkeiten ergeben sich dabei?

Schülerkonto einrichten

Sparschwein war gestern. Wenn die Kinder alt genug sind, sollten die Eltern ein eigenes Schülerkonto für sie einrichten. Ein Schülerkonto funktioniert meist wie ein normales Girokonto über das die Eltern eine Vollmacht besitzen. Mithilfe eines Schülerkontos können die Kinder lernen, wie eine Überweisung oder eine Einzahlung funktioniert und wie sich Kontoauszüge lesen lassen. Die Kinder bekommen in der Regel sogar eine eigene Geldkarte mit Geheimzahl. Viele Banken bieten sogar bei Schülerkonten Karten an, die auch beim Einkaufen genutzt werden können.

Die Eltern können das Taschengeld regelmäßig auf das Konto überweisen und die Kinder können sich eigenständig einteilen, wie sie ihr Geld abheben und nutzen – und erleben dann unter Umständen auch, wie es ist, wenn das Konto leergeräumt ist und sich kein Geld mehr abheben lässt oder was passiert, wenn man kein Bargeld in der Tasche hat und kein Bankautomat in Sicht ist. Das alles passiert in einem geschützten Rahmen, in der Regel ohne Kontoführungsgebühren und natürlich ohne Dispositionskredit oder ähnliche Fallstricke. Allerdings bietet ein eigenes Konto den Eltern die Gelegenheit über derartige Möglichkeiten und ihre Risiken mit den Kindern frühzeitig zu sprechen.

Das eigene Konto – wann ist der richtige Zeitpunkt?

Doch wann ist ein Kind überhaupt alt genug für ein eigenes Konto? Girokonten für Kinder empfehlen sich etwa ab Grundschulalter. Ab diesem Alter lernen Kinder das Rechnen und den Umgang mit Zahlen, so dass auch die Voraussetzungen für den selbständigen Umgang mit Geld gegeben sind. Natürlich kann man ein Schülerkonto auch schon früher einrichten und zum Beispiel das Geburtstagsgeld von Oma und Opa regelmäßig darauf überweisen lassen. Und wenn das Kind dann seine Kontokarte erhält, hat es ein nettes „Startkapital“ mit dem es haushalten lernen kann.

Geldanlage für Kinder: Polster für die Zukunft und auch noch lehrreich?

Eltern sollten früh anfangen, für ihre Kinder Geld anzusparen. Eine solche Geldanlage für Kinder kann den Start ins Erwachsenenleben erleichtern. Die Einrichtung für die erste eigene Wohnung, die Studiengebühren, das Jahr im Ausland, der Führerschein – je nach Höhe der Geldanlage können ein oder mehrere dieser großen Posten sorgenfrei finanziert werden. Außerdem lohnt es sich, den Kindern ab einem gewissen Alter von der Geldanlage zu erzählen und zu zeigen, wie und wo genau das Geld angelegt ist, wofür es gedacht ist und wie man es gegebenenfalls nach der Auszahlung gewinnbringend weiter anlegen kann, wenn es nicht direkt gebraucht wird.

Wer für seine Kinder spart, der sollte ähnlich vorgehen wie beim passiven Vermögensaufbau. Zunächst gilt es, auf Zeit zu setzen und möglichst früh mit dem Sparen zu beginnen. Am besten wird ab dem Tag der Geburt monatlich ein bestimmter Betrag angelegt. Wer es sich leisten kann, kann beispielsweise das staatliche Kindergeld jeden Monat beiseitelegen. Doch auch deutlich geringere Beträge können im Laufe der Jahre eine ordentliche Auszahlungssumme ergeben.

Doch welche Möglichkeiten gibt es für die Geldanlage für Kinder? Drei Beispiele:

  • Kindersparkonto: Einige Banken bieten spezielle Kindersparkonten an, die etwas höher verzinst sind als andere Sparbücher.
  • ETF-Sparen: Bei einem ETF-Sparplan ist das Risiko höher als bei klassischen Sparbüchern, doch dafür kann sich die Rendite sehen lassen. Außerdem gibt es ETF-Sparpläne sowohl für risikofreudige Menschen als auch solche mit einem sehr überschaubaren Risiko.
  • Der gute alte Bausparvertrag: dieser ist leider kaum noch lohnenswert, denn die Zinsen sind hier einfach sehr niedrig. Außerdem ist der Bausparer zu wenig flexibel. Er lohnt sich nur, wenn das Kind tatsächlich einmal in eine Immobilie investieren wird oder den Bausparkredit anderweitig nutzt. 

Laut einer Studie des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2018 kostet ein Kind bis zum 18. Lebensjahr seine Eltern im Durchschnitt 148.000 Euro. Und abhängig von Schulabschluss und Ausbildung reißen die Kosten mit der Volljährigkeit nicht gleich ab. Im Gegenteil. Studium, eigene Wohnung, eigenes Auto – oft heißt es: je älter desto teurer. Da lohnt es sich, rechtzeitig etwas beiseite zu schaffen. 

Hinweis: Wenn das Vermögen eines Kindes während eines Studiums einen bestimmten Betrag übersteigt, entfällt ggf. der Bafög-Anspruch!

Taschengeld als Helfer

Taschengeld ist ein großer Helfer, um Kindern klarzumachen, dass die finanziellen Möglichkeiten begrenzt sind und dass sie mit einem bestimmten Budget haushalten müssen. Durch Taschengeld lernen Kinder eigenverantwortlich den Umgang mit Geldbeträgen. Die großen Fragen sind dabei immer: Wie viel und ab welchem Alter?

Schon Kindergartenkinder können kleine Taschengeldbeträge bekommen. Bei älteren Kindern wird das Taschengeld dann schrittweise erhöht und angepasst. Letztendlich kommt es bei der Höhe des Taschengelds natürlich darauf an, für was es genau gedacht ist. Während das Kindergartenkind sich von seinem Taschengeld die Kugel Eis außer der Reihe besorgt, kommen beim Teenager auch Kinobesuche und eventuell Kleidung dazu.

Wichtig ist, dass man darauf achtet, dem Kind nicht Taschengeld zu geben und dann trotzdem selbstverständlich alles für das Kind zu kaufen. Im besten Fall besprechen Eltern mit dem Kind, was es von seinen Wünschen mit dem Taschengeld selbst bezahlen muss.

Der richtige Umgang mit Geld will gelernt sein

Kinder fühlen sich ernstgenommen und in ihrem Streben nach Freiheit und Autonomie bestätigt, wenn sie Verantwortung übertragen bekommen. Das gilt auch für die Verantwortung für die eigenen Finanzen. Wer früh selbst sein Geld verwaltet, kann wichtige Lektionen spielerisch lernen.