Freitag, 31. Mai 2019

Bildungsverbände kritisieren digitale Ausstattung an Schulen

Der Digitalpakt ist nach zweieinhalb Jahren zäher Verhandlungen zwischen Bund und Ländern und einer Änderung des Grundgesetzes auf den Weg gebracht. Schüler, Eltern und Lehrer befürchten jedoch, dass die bereitgestellten Mittel nicht ausreichen werden.

Bildungsverbände und Schülervertreter fordern eine bessere technische Ausstattung an Schulen und mehr Geld für die Umsetzung des Digitalpaktes. «In vielen hessischen Schulen finden wir - wenn überhaupt - PC-Räume, die im vergangenen Jahrhundert ausgestattet wurden», sagte Landesschulsprecher Johannes Strehler am Dienstag in Wiesbaden. In manchen Klasse gebe es noch nicht mal einen Overhead-Projektor. Schnelles Internet sei ohnehin die Ausnahme.

Allein um die Schulen technisch angemessen auszurüsten, reichten die vom Kultusministerium in Aussicht gestellten Mittel bei weitem nicht aus, sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Birgit Koch. Nach Angaben des Kultusministeriums sollen jährlich 74 Millionen Euro bis 2024 an die Schulen in Hessen fließen. Pro Kopf stünden jedem Schüler somit etwa 93 Euro zur Verfügung. Das sei nur ein Bruchteil dessen, was man allein für die technische Ausstattung benötige, sagte Koch. Mindestens 261 Euro pro Grundschüler und 402 Euro pro Schüler auf einer weiterführenden Schule sind laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nötig, um die Schulen digital aufzurüsten.

Außerdem müsse man auch die Lehrkräfte im Umgang mit digitalen Medien Schulen. «Es fehle aber auch hier das Geld und die Zeit für die Fortbildungen», sagte Koch. Derzeit stünden in Hessen jedem Lehrer jährlich nur etwa 40 Euro für Weiterbildungen zur Verfügung. Eine Debatte um die fächerorientierte Fortbildung der Lehrer komme im Zuge der Planungen zum Digitalpakt bisher zu kurz.

Zusätzlich müsste an den Schulen professionelle technische Unterstützung geleistet werden, sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Korhan Ekinci. Diese Arbeit könnten die Lehrer nicht nebenbei leisten. Die Geräte müssten regelmäßig gewartet und aktualisiert werden. Dafür sei «ausgebildetes Fachpersonal unbedingt erforderlich».

Kritisch sehen die Verbände die potenziellen Gefahren durch die großen Internetkonzerne. Es gebe bereits Versuche der IT-Konzerne, die Digitalisierung zum Einfallstor zu machen, um Einfluss auf Lerninhalte und -methoden auszuüben, sagte Ekinci. Auch Cyber-Mobbing beschäftige insbesondere die Eltern, erklärte GEW-Chefin Koch. In den letzten Jahren habe die Zahl der gemeldeten Fälle von Cyber-Mobbing an Schulen stark zugenommen.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) forderte die Schulen auf, ein Konzept für die Umsetzung des Digitalpakts zu erarbeiten. «Wir stellen schon auch Ansprüche an die Schulen und Schulträger für die Auszahlung der Bundesmittel.» Das Land wolle das Geld nicht einfach verteilen, sondern erwarte auch entsprechende Konzepte. Die Landtagsabgeordnete Kerstin Gleis (SPD) forderte, es müsse ein Rahmenkonzept für alle Schulen geben. Hier sei die Landesregierung gefordert und dürfe die Verantwortung nicht auf die Schulen abwälzen.