Montag, 08. März 2021

Belohnungen für das Homeschooling

Mit Homeschooling ist Umdenken angesagt: bei Lehrern, Schülern und Eltern. Statt des gemeinsamen Unterrichts im Klassenzimmer warten ausgedruckte Papierberge mit Schulaufgaben oder digitale Bildungsinhalte im Netz. Wie motiviert der Nachwuchs dem Lernen zu Hause nachkommt, hängt zum großen Teil auch vom Verhalten der Eltern ab.

Mit Homeschooling ist Umdenken angesagt: bei Lehrern, Schülern und Eltern. Statt des gemeinsamen Unterrichts im Klassenzimmer warten ausgedruckte Papierberge mit Schulaufgaben oder digitale Bildungsinhalte im Netz. Wie motiviert der Nachwuchs dem Lernen zu Hause nachkommt, hängt zum großen Teil auch vom Verhalten der Eltern ab.

Kinder- statt Klassenzimmer: Einsam und unmotiviert?

Mögen Kinder und Jugendliche sich auch noch so sehr über Hitzefrei, den Ausfall einer Klassenarbeit oder auf die Ferien freuen: Im Prinzip gehen die meisten Jungen und Mädchen gerne zur Schule. Dabei geht es ihnen nicht nur um den Unterricht, sondern auch das Miteinander. Auf dem Hof Pausenbrote teilen und über die Lieblingsserie diskutieren, in der Fußball-AG Luft ablassen und den Teamgeist heraufbeschwören – all das geht beim Homeschooling nicht.

Stattdessen heißt es, allein vor dem Computerbildschirm oder den ausgedruckten Hausaufgaben zu sitzen und nur per Telefon oder Videochat die Verbindung zu seinen Freunden aufrechtzuerhalten. Eltern können durch ihr Verhalten viel dazu beitragen, ihren Nachwuchs zum Lernen zu Hause zu motivieren und das fehlende soziale Miteinander durch gemeinschaftliche Unternehmungen auszugleichen.  

Eigener Antrieb oder Angst vor Bestrafung?

Jeder kennt es von sich selbst: Es gibt Aufgaben, zu deren Erledigung man sich einfach nicht durchringen kann. Überwinden lässt sich der innere Schweinehund durch Motivation: mag sie aus dem Inneren kommen oder durch äußere Reize verursacht werden.

Intrinische und extrinische Motivation

Bei der sogenannten intrinsischen Motivation ist das eigene Ich verantwortlich für ein Tun oder Unterlassen: Spaß, das Erreichen eines selbstgesteckten Zieles sind Antriebsfedern. Demgegenüber wird die extrinsische Motivation durch äußere Umstände wie die Aussicht auf eine Belohnung oder die Angst vor einer Bestrafung bestimmt.

Möglich ist aber auch eine Mischform innerer und äußerer Auslöser. Ins individuell richtige Verhältnis gesetzt, sorgt eine solche Kombination der Motivationsarten für maximale Freude an und Erfolg in der Schule. Eltern können in beiden Hinsichten ihren Beitrag leisten.

Kindern zu Spaß und Wissbegierde verhelfen

Auch dem eigenen Antrieb muss manchmal auf die Sprünge geholfen werden. Eltern kennen ihren Nachwuchs selbst am besten, sie wissen, wie sie ihren Sohn oder ihre Tochter dazu verleiten können, etwas zu wollen und nicht zu müssen. Ihr Einfluss kann sich insofern essenziell auf das Homeschooling der Kinder auswirken.

Wieso, weshalb, warum? Gründe liefern

In Deutschland Englisch pauken, korrekte Orthografie lernen trotz allgemein bekannter Abkürzungen und der vermehrten Nutzung von Smileys? Wird den Kleinen bewusst, dass sie mit Fremdsprachen weltweit chatten oder der Oma nur mit Schreibkenntnissen Briefe senden können, steigt die Lust am Lernen.

Mit gutem Beispiel vorangehen

Eltern sind Vorbilder für ihren Nachwuchs. Sehen Kinder, dass Ihre Eltern gerne helfen, den Unterrichtsstoff selbst spannend finden, Spaß und Lust am gemeinsamen Lernen haben, werden sich diese Gefühle übertragen – anders beim Nachwuchs, dessen Eltern erkennbar nur aus Pflichtgefühl die Hausaufgaben korrigieren. Allerdings: Übertriebenes Engagement kann zu Unselbstständigkeit und mangelndem Selbstvertrauen und so zu einem Leistungsabfall führen. Die goldene Mitte ist hier wie so oft der richtige Weg.

Praxis schlägt Theorie

Steht gerade kein Live-Online-Unterricht an, ist eine praktische Vermittlung von Lerninhalten oftmals besonders spannend. Biologie steht auf dem Stundenplan? Bei einem Spaziergang im Park lassen sich Pflanzen und Insekten erkunden. Physikalische Maßeinheiten können perfekt beim Kuchenbacken illustriert werden. Und im Zusammenhang mit der Erweiterung mathematischer Kenntnisse dient die Reiskornparabel des indischen Schachspiel-Erfinders Sissa ibn Dahir als perfekte Möglichkeit zur Erklärung der Exponentialfunktion. 

Unterstützen statt drohen

Rückschläge sind erlaubt, Noten sind nicht alles. Der Inhalt einer Klassenarbeit zählt ebenso sehr wie ihr Ausgang. Ist das Kind niedergeschlagen, lässt es sich vielleicht mit dem Hinweis auf das erfolgreiche Comeback seines Lieblingssportlers wieder aufrichten. Verzweifelt es an einer Aufgabe, sollte sie erst einmal liegenbleiben und ein wenig später wieder in Angriff genommen werden.

Erfolgserlebnisse hingegen motivieren! Mögen sich Eltern auch nicht über alle kreativen Einfälle des Nachwuchses freuen: Hat er eine Aufgabe auf seine Art gelöst und zeigt Interesse am Unterrichtsstoff, wirken Lob und Unterstützung auch dann als zusätzliche Triebkräfte, erinnert die Küche an ein Schlachtfeld.

Selbstbestimmung fördern

Einige Kinder merken sich Vokabeln durch Zuhören, andere durch Aufschreiben. Wieder andere lernen am besten auf spielerische Art und Weise mit Memory-Karten oder durch Musik und Bewegung. Lerninhalte wie Fremdsprachen lassen sich auch über Musikrhythmen oder Bewegungen transportieren.

Nicht nur über das Wie, auch über den Ort des Lernens sollten Kinder selber bestimmen können, sind sie nicht an den PC gebunden. Bei stundenlangem Unterricht vom Kinderzimmer an den Küchentisch wechseln oder sogar im Büro der Eltern sitzen zu dürfen, bringt Abwechslung und motiviert zusätzlich. Der Fernsehraum allerdings ist tabu! 

Abwechslung bieten und Pausen einlegen

Experten empfehlen, Unterrichtsrubriken zu mischen. Statt zwei Stunden Sprachen hintereinander folgen zu müssen oder chemischen Formeln direkt nach mathematischen, sorgt der Einschub eines kreativen Faches wie Kunst für einen willkommenen Wechsel beim Kind und setzt neue Anreize.

Niemand kann seine Konzentrationsfähigkeit ewig aufrechterhalten. Zur Berechnung der Dauer gilt als Richtlinie das doppelte Lebensalter in Minuten: Fünfjährige Kinder zum Beispiel sollen sich so rund zehn Minuten am Stück konzentrieren können, 15-jährige Jugendliche entsprechend eine halbe Stunde. Danach werden Pausen empfohlen. Lang müssen sie nicht sein, einige Minuten sind dabei häufig schon ausreichend. 

Kindern äußere Reize bieten

Angst ist kein guter Ratgeber. Haben Kinder Angst vor Bestrafung bei schlechten Schulnoten, werden sich ihre Leistungen nicht verbessern. Bei der Aussicht auf Belohnungen allerdings sieht das schon ganz anders aus. Abhängig vom Alter der Schüler kann dies ein versprochener Ausflug in den Zoo, ein gemeinsames Ball- oder Gesellschaftsspiel oder die Erlaubnis zum Musikhören sein.

Taschengeld als Motivationsfaktor

In der richtigen Höhe ist auch ein wenig zusätzliches Taschengeld ein erfolgreicher Motivator. Zwar hängt die Antriebskraft finanzieller Belohnungen selbst in späteren Jahren immer auch von der Situation und dem Charakter des Adressaten ab. Kinder jedoch setzen die Aufstockung ihres Budgets in Allgemeinen ausnahmslos mit einem Vertrauensbeweis in die eigene Urteilskraft gleich und steigern so im selben Atemzug automatisch ihre Leistungen.

Social Media erlauben

Nach unabhängigen Studienergebnissen haben Jugendliche bereits vor Beginn des Homeschoolings rund vier Stunden täglich online verbracht. Die junge Generation wächst mit sozialen Medien und digitalen Techniken auf, und dies muss kein Nachteil sein. Gerade in der Pubertät ziehen sich die Heranwachsenden oft zurück und priorisieren Freunde und Hobbys vor schulischen Leistungen.

Das Verbot der Nutzung von Smartphone und Laptop ist hier der falsche Weg. Im Gegenteil: Erklärvideos auf YouTube oder von Influencern beworbene Tutorials können dem abflauenden Interesse am Lernen wieder einen Schub in die entgegengesetzte Richtung verleihen. Vertrauen in den Nachwuchs spielt hier eine bedeutende Rolle; Freiheiten werden viel seltener ausgenutzt als allgemein vermutet.

Von besonderem Wert erweisen sich digitale Lerngruppen mit Klassenkameraden. Die virtuelle Welt ist während des Homeschoolings mit der einzige Weg für Kinder und Jugendliche, ihre sozialen Kontakte zu pflegen. Gemeinschaftsarbeiten mit Mitschülern können das Interesse für Lernthemen wecken und die Zeit der Hausaufgaben wie im Fluge vergehen lassen. Möglicherweise entstehen so auch neue Freundschaften, die bei der Rückkehr in den altbekannten Schulalltag intensiviert werden. So stärkt der digitale Austausch nicht nur den Zusammenhalt während des Homeschoolings, sondern auch darüber hinaus.

Keine gute Idee …

sind Belohnungen in Form von ungesundem Essen oder der Erlaubnis von Playstation-Spielen, steht im Anschluss eine weitere Unterrichtsstunde am Computer auf dem Lehrplan. Die Konzentration nach süßen oder fetthaltigen Speisen fällt mit dem Anstieg des Blutzuckerspiegels. Und wer gerade das nächste Level bei seinem Lieblings-Game erreicht hat, legt den Joystick ganz bestimmt nicht freiwillig wieder aus der Hand

Gemeinsam durch das Homeschooling

Geteiltes Leid ist halbes Leid – oder positiver formuliert: Zu zweit geht alles einfacher. Das gilt nicht zuletzt für die Zeit des Homeschoolings, in dem die Geduld und Belastbarkeit von Kindern wie Eltern gleichermaßen doppelt gefordert sind. Wer an einem Strang zieht und sich gegenseitig unterstützt, wird die Zeit bis zum analogen Schulbeginn nicht nur gut meistern. Die gemeinsamen Stunden der Erarbeitung von Englischvokabeln und Evolutionstheorien können Familien zusammenschweißen. Unabhängig vom Alter der Kinder sollten Eltern das Homeschooling als Chance ergreifen, motivierend an der Seite ihres Nachwuchses zu stehen. In jeder Situation. a