Dienstag, 11. Februar 2020

«Dschungel voller Möglichkeiten» - Orientierungsstudium soll helfen

Von A wie Angewandte Mathematik bis Z wie Zeitbasierte Medien. Das Studienangebot in Rheinland-Pfalz ist groß. Ein Orientierungsstudium kann bei der Entscheidung helfen.

Kaiserslautern (dpa/lrs) - Universität oder Fachhochschule, zuhause oder weit weg? Nach dem Abitur stehen junge Leute vor großen Entscheidungen. Wer in Rheinland-Pfalz studieren möchte, kann mittlerweile zwischen rund 1000 verschiedenen Studiengängen wählen. «Nach dem Abitur gibt es einen Dschungel an Möglichkeiten», sagt Nadine Bondorf, Leiterin des Referats Qualität in Studium und Lehre an der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern.

 

Diesen Dschungel erlebte auch Sandra Mukrasch, als sie 2017 ihr Abitur machte. Die damals 18-Jährige entschied sich dafür, zunächst einmal nach Australien zu reisen, um ihr Englisch zu verbessern. Doch nach der Rückkehr nach Deutschland stand Mukrasch immer noch vor der Frage, was sie machen möchte. «Eigentlich wollte ich schon lange Architektur studieren. Aber ich war mir nicht sicher, ob Fachhochschule, Uni oder dual», erinnert sie sich. Auf der Homepage der TU Kaiserslautern hat sie von «TUKzero» gelesen. Das Orientierungsstudium wird seit zwei Jahren angeboten und soll jungen Menschen bei den Entscheidungen am Anfang eines Studiums helfen.

 

An ihren ersten Beratungstermin kann sich Sandra Mukrasch noch gut erinnern. «Da hatte ich tausend Fragen. Werden die Prüfungen anerkannt? Was ist, wenn man es nicht schafft?» Victoria Margraf vom Referat für Qualität in Studium und Lehre in Kaiserslautern kennt diese Fragen von vielen Interessierten. «Ganz viele junge Menschen sind noch nicht auf das Studium vorbereitet. Mit "TUKzero" sollen sie ohne Stress an der Uni und im Studium ankommen.»

 

Das Orientierungsstudium dauert ein Semester und besteht aus verschiedenen Bausteinen. In Vorlesungen und Seminaren können erste Fachkenntnisse erworben werden, in Workshops erlernen die Studierenden Strategien zu Zeitmanagement oder wissenschaftlichem Arbeiten. Gemeinsam erkunden sie den Campus, lernen die Stadt und ihre Angebote kennen. Dabei sei der Erfolg von «TUKzero» nicht unbedingt daran zu messen, wie viele der Teilnehmer danach auch tatsächlich studieren, sagt Margraf. «Alle Veranstaltungen laufen darauf hinaus, am Ende eine fundierte Studienwahl zu treffen. Oder eben auch festzustellen, dass ein Studium nichts für einen ist.»

 

Einige Universitäten im Land bieten Orientierungsangebote für spezielle Studiengänge an. Die Technischen Universität Kaiserslautern ist zurzeit aber die einzige Hochschule in Rheinland-Pfalz mit einem fächerunabhängigen Angebot. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, plant bisher nur noch die Hochschule Trier, ein Orientierungsstudium einzuführen. Unter dem Titel «Smart Studies» werde daran bereits gearbeitet, hieß es. Der Start sei für das Sommersemester 2020 geplant. «Die Hochschule möchte die BewerberInnen bei der Entscheidung aktiv unterstützen und Raum für eine bewusste Entscheidung schaffen», begründete eine Sprecherin die Entscheidung.

 

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist ein Orientierungsstudium nicht geplant. Man setze auf ein «flächendeckendes Informations-, Orientierungs- und Beratungsangebot», teilte ein Sprecher mit. Darunter seien Aktionen wie der Tag der offenen Tür, Workshops zur Studienwahl oder Informationsstände auf Messen.

 

Darauf setzt auch die Universität Koblenz-Landau. Statt eines Orientierungsstudiums gibt es hier Orientierungstage oder -wochen, Vorkurse zu spezifischen Fächern oder Selbsttests für Studieninteressierte. Auch die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen bietet Workshops zum Orientieren und wissenschaftlichen Schreiben an, teilt eine Sprecherin mit. In Schnuppervorlesungen könne ein erster Einblick in den Studienalltag gewonnen werden.

 

Der nächste Jahrgang von «TUkzero» startet im Frühjahr. «Jeder, der sich bewirbt, wird auch genommen. Einzige Voraussetzungen sind die Hochschulreife und dass man vorher noch nicht eingeschrieben war», sagt Margraf. Zurzeit wird das Orientierungsstudium nur im Sommersemester angeboten. «Wir überlegen aber, ob so ein Angebot auch im Wintersemester möglich ist», sagt Bondorf.

 

Einen Nachteil gibt es aber. «"TUKzero" ist nicht BAföG-förderfähig, da es kein eigenständiger Studiengang mit Abschluss ist», sagt Bondorf. Studienförderung könne man erst mit Beginn eines richtigen Studiums beantragen. Doch das scheint die Studierenden nicht abzuhalten. Das Angebot habe sich sehr schnell etabliert. 2018 schrieben sich 48 Schulabgänger für das Orientierungsstudium ein, 2019 waren es schon 67.

 

Laut Margraf hätten alle Studierende 2018 das Programm weiterempfohlen. Auch Sandra Mukrasch würde sich immer wieder für «TUKzero» entscheiden. Sie studiert mittlerweile Architektur an der TU Kaiserslautern. «"TUkzero" hat mir bei meiner Entscheidung sehr geholfen», sagt sie. «Man kennt die Abläufe und geht nicht mit so einer Angst ins Studium. Dadurch hat man einen kleinen Startvorteil.»